/Y^*-- i..> ' J ... V \ «-s^ < S^^^V h ^l *f ',-' *•/. <^ y ^. y- / >V^'- '^V^ ^^ K N " V .^rH-i^ -m^ ^ ■ . > _r^ A^ \^^^ .>r SH^r ■ .t-^ ) n ( ,X-wf ^ 'Nil ::a 's.!'"** "*>-<' "V^, /* ««* .-^^"^ ?va(/- v\ / Redio-iert von Dr. H. Potooie. ->«— KJJH- DRITTER BAND ->^ (Oktober 1888 bis März 1889). -^- .^>^K.r^H-^-^ BERLIN. Verlag von Hermann Riemann. Inhalts-Verzeiehnis. Seite Allgemeines und Verscliiedenes. Drelier, Philosophie und Xatur- wissenschaft 33 Orth, Ueber DolomitverweEduug; bei der Bodeukultui' 7 Eau, Ueber den Urgnmd des Wissens. 105 Vogt, Das Studium der Naturge- schichte 147 Begriff der Kraft in der modernen Wissenschaft 160 Die Plülosophie und der vierdimen- sionale Eauni 78 Farbenwalirnehmungsvermögen der alten Griechen 69 Mellinit 104 Mikrochemische Reaktion auf ver- holzte Membranen resp. Holzpapier 138 Mikroskopirlampe (mit Abbildung) . 208 Schwankungen im Salzgehalte der Ostsee 45 Specifisches Gewicht des Seewassers vor der Kongo-Mündung .... 152 Uebertragung von Abbildungen auf Holz " . . . 56 Ursache des Abblätterns der Ziegel- steine 64 Zoologie. Friedel ujidEngelhardt, Heimat der AVeiubergsschnecke .... 38 K a r s c h , Ueber Leiclienwürmer (mit Abbildungen) 89 Keller, Aus dem Sinnesleben der Tiere 36, 42 Kor sc hei t, Ueber den Bau und das Sy.stem der Glasschwämme (Hexac- tinelliden), nebst ihren Beziehnn- gen zu den übrigen Spongien (mit Alibildnngen) 171 K r ä p e 1 i u , Die Bedeutung der natur- historischen insonderheit der zoolo- gischen Museen 74, 85, 90 Lachmann, Mein Durchlüftungs- apparat für Zimraeraquarien (mit AbbUdiuig) 197 — Seewasseraquarieu ... . . 179 von Martens. Ist helix pomatia in Norddentschland einheimisch? . . 17 Nehring, Die Fauna eines masui'i- schen Pfahlbaus (mit Abbildung) . 9 — Heimat des Meerschweinchens 143 Schaff, Ueber die Einwanderung der Steppenhülmer im .Talire 1888 (mit Abbildungen) 4 Seite Staby, Schweben und Kreisen der Vögel (Berichtigung) 16 Sulzer, Bewegung der Wasser- schueckeu an der Oberfläche des Wassers 55 Bedeutung des Vogelschwanzes beim Fliegen . 71 Das Mikroskop im entomologischen Jluseum 126 Die Kreuzotter 175 Ein Feind der Orangen 175 Einführung des Bennet'schen Kän- guru in Deutschland 38 Geeigneter Inhalt für Aquarien . . 210 Geschlechtsveränderung der Tiere, die durch Schmarotzer bewirkte . 7 Grünspan an Insektennadehi ... 40 Haussperling airf Neuseeland ... 63 Insekten auf Stachys betouica . . 48 NaturwissenschaftlicheForschungauf Ceylon 93 Parasitäre Kastration 7 Reblausbeobachtungen 22 Schädling des Weinstocks .... 117 Schnabeltier 101 Seewasser-Extrakt 128 Steppeulmhn, Verbreittmg und biolo- gische Verhältnisse ... 22, 24, 70 Sumpfschildkröte, ein neuer Fundort . 45 Triton helveticus und Eana agilis, ihr ■\'orkommen in Deutschland ... 93 Tylenc*ius devastatrix, ein Pflanzen- schädling . . 53 Ursachen der Geschlechtsbildung . 133 Berichtigung 162 Wanderungen des Eichhörnchens und des Taunenhähers 101 Weinbergssclmecke .... 17, 38, 63 Wie präpariert man Spinnen für die Sammlung 39 Zerstörung der Engerlinge . . 184, 210 Zwei interessante Fälle von Symbiose . 151 Botanik. Ascherson, Silene cretica, ein vor- geschichtliches Leiuunkraut auch heut noch diesseits der Alpen . . 94 Baenitz, Herbarium enropaeum . 72 Hennings, Der Hausschwamm (Me- rulius Lacrymans Fr.), ein Bürger unserer Wälder 188 Kreusler. AusdemErnährungshaus- halt der Pflanzen. ..... 195,204 L ö vv, Anleitung zu blütenbiologischen Beobachtungen 113, 121 Berichtigung 128 Seite Mittmann, Die bakteriologischen Untersuchungsmethoden (mit Ab- bildungen) 129, 139, 149 Nachtrag 170 — Form, Herkunft und aligemeine Lebensbedingungen der Bakterien (mit Abbildungen) 25, 35 Nachtrag 120 Philippson, Ueber den Anbau der Korinthe in Griechenland . . . 173 Potonie, Die Bedeutung der Stein- körper im Fruchtfleische der Bir- nen (mit Abbildungen) 19 — Die Begriffe Hydrom, Hydroide, Hydro-Stereide 103 Seh wenden er, Ueber Eichtungen und Ziele der mikroskopisch-bota- nischen Forschimg . . . .49, 57, 67 Wert er maier, Ziu- Frage der Wasserbewegmig in den Pflanzen . 99 Beziehungen zwischen der Zahl im Km'ztrieb und dem Querschnitt bei den Pinusnadeln 185 Blüthenpräparation zur Bestimnumg der Pflanzen (mit Al)bildung) . . 63 Equisetum maximum bis 2 m lioch! 86 Extraflorale Nectarien b. Compositen. 152 Gletscherbakterien 101 Holzgewächse für rauchige Bezirke . 93 Hausschwamm 53, 188 Homöopatische Wirkgn. im Pflanzen- reich 117 Kellerbakterien 159 Pflanzen und Sclmecken . . . . 111 Reinkulturen von Pilzen auf einem neuen, festen Nährboden .... 70 A\'urzelknöllchen der Leguminosen. 134,143 Zwei neue photogene Pilze .... 101 Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. Mickwitz, Ueber die Bildung der Schlifflächen an den sogenannten Dreikantern (mit Abbildungen) . 203 Müller, Gottfried, Das Vorkommen von Rudisten am nördlichen Harz- rand 160 Nehring, Fossiles Vorkommen von Helix pomatia in Deutschland . . 63 Potonie, Die systematische Zuge- hörigkeit der versteinerten Hölzer (vom Typus Araucarioxylon) in den palaeolitischen Formationen (mit Abbildungen) 163 Stapff, Das „glaziale'- Dwykakon- gloraerat Südafrikas (mit Abbil- dtmgen) ... 97, lOS, llß, 125, 140 Seite Willi II schaff e, Bericht iffun? zu Ai-tikt'l üb. Kanteiigerölh' in liil.ll. 19,56 — Der Chaniktt^r d. Karstlandschaft (mit Abbildungen) 155 Erdbeben, Meinungen über die Ur- sachen derselbi^n 29 Erdbelien und Messung derselben . 46 Krdöl, zur Wldung desselben ... 63 Fayolia und l'alaeoxyris 193 KertagpferdderDschungareiwiilirend der Quarternilrzeit in Europa . 45 Papier- oder Rlätterkohle, Dysodil . 159 Prilparatiou \in\ Kiesel-Versteine- rungen 1~0 Vulkanische Eruption auf .laimn 53 Physik. Gntzmer, Ueber die üarstellung des Glases für optische und andere wissenschaftliche Zwecke . . 157, 166 Jordan, Logische Bedenken gegen die Annahme einer allgemeinen An- ziehungskraft 181 Beweis, dass nicht retlektiei-tes Licht nnsichtbar ist (mit Abbildung) . . 127 Blasenbildung aut der ÜberHache des Wassers durch auffallenden Eegen . 86 Das vom Meeresspiegel reflektierte Bild der Sonne (mit Abbildungen) . 70 Diffuse Retie.xion des Lichts ... 135 Eine Wirkung der strahlenden Warme (mit Abbildung) 47 Ein scheinbares mechanisches Para- doxon 145 Elektrische Influenz, Versuch über . 54 Elektrische Ströme, entstanden durch elastische Deformation 30 Elektrochemische Kadioijhoue . . . 127 Elektromotorisches Verhalten von Amalgamen . 95 Glühen fester Körper (mit Aljbil- dung) 184 Induktiouskreisel 102 Kohlensäure, Versuche mit flüssiger und fester 54 Krystallisatiou durch Beweaung . . 55 Leuchterscheinung beim Sclilagen von Zucker 208 Seismometrische Messungen an der neuen Taybrücke 152 Mathematik. Schubert, Das ßeclmen an den Fingern und an den Maschinen (mit Abbildung) 2, 13, 27 Mathematische Klassiker .... 79 Astronomie. Plassmann, Algol und Sirius. 168, 177 Wyss, Die Farbe des Himmels (mit Äbliildmig) 189 Ableitiuig der Kotatioiisdauer der Sonne aus Positionsliestimmungeu von Fackebi 47 Astronomisches Chronometer (mit Abbildung) 39 August-Meteore im Jahre 1888 . . 55 Beginn der Beobachtungsthätigkeit auf dem Mont Hamilton .... 70 Einfluss der Farbe der Blendgläser . 16 81 6 102 47 94 16 86 Seite Fixsterne 201 Kein Sauerstoff auf der Sonne . . 63 Meteorsteine 136 Mira Ceti 31 Neues Riesenfernrohr in Amerika . 161 Neues über die Planeten .... 153 Neues über die Sonne 118 Totale Sonnenfinsternis vom 1. Januar 1889 153 Sternschnuppen . 185 Vier Kometen am Himmel .... 23 Zodiakallicht 178 Meteorologie. von Bezold, Die Bedeutung der Luftschiftfahrt für die Meteorologie Wagner, Der Wert der Wetter- prognose mit Hilfe des feuchten Tliermometers Barometer-Reduktion Cirrus, Cumulus und Stratus . . . Kugelblitze Luftdruck und Wetter Jlessung der erdmagnetischen Kraft . Monatliche Periode der erdmagneti- schen Erscheinungen 102 Neues Quecksilberbarometer . . . 152 Spiralnebel 71 i Zahl der Staubteilchen der Atmo- sphäre 184 Chemie. Bragard, Ueber Ptomaine ... 60 Alkaloide aus den Betelnüssen . . 159 Bestimnuing des Kupfers auf elekti-o- lytischem Wege 144 Beziehungen zwischen Atropin mid Hyoscyamin 111 Chemische Einwirkung fester Körper aufeinander 8 Chlorsilber, photocliromatische Eigen- schaften desselben 54 Einfluss fremder Beimengungen auf die Güte des Handelskupfers . . 38 Ein neues Element 168 Isatropylkokain . ein Nebenalkaloid des Kokains 46 Kokain, Darstellung und Synthese . 127 Philothion 22 Quantitative chemische Analyse auf Polaristrobometrischeni Wege . . 23 Uebelstände beim Brennen von dena- turiertem Spiritus 145 Umwandlung von Hyoscyamin in Atroinu durch Basen 30 Zur Kenntnis des Färbuugsvorganges. 117 Ziu- Konstitution der Lösungen . . 127 Geographie. ßoe necke, Protile durch den Brocken (mit Abbildungen) 73 Expedition nacli Tliibet 144 Deutsch-Witulaud 29 Fluthwelle des stillen Ozeans im März 1888 193 ! Grönlands Durchqueriuig .... 78 Kaiser Wilhelms-Land 110 Korallenrift'-Entstehung (mit Abbild.). 144 Meyers ostafrikanische Expedition. 101, 144 Pelorus-Kiff 176 Seite Medizin, Hygiene und Verwandtes. Anteil des Herzens an der Respi- rations-Arbeit 206 Ein neues Mittel gegen Cholera . . 174 Einwirkung dei- Lichtstralilen auf Bier 86 Genuss des Fleisches tuberkulöser Tiere 29 Gesundheitsgefilhrlichkeit der Kon- servenbüchsen 151 Gift 7 Gymnena silvestre, pliysiologisclie Wirkung von 22 Haarkuren 142 Hintergrund di'S menschlichen Auges sichtbar zu machen 110 Homöopathie, was versteht man unter? 31 Keftranwendung 175 Hygienisch-vorteilhafte Wirkung des Taliakrauchens HO Kefii-darstellung 183 Leichenkonservierung .... 159 Lein-a 210 Lungenschwindsuchtsbehandlung von Halter 100 Mechanik des Saugens 30 Mikrobie der epidemischen Ruhr. . 93 Prophylaxe der Lungenschwindsucht . 174 Quecksilberchlorid als Heilmittel gegen asiatische Cholera .... 1(X) Saccharin . . ... 200, 207 Sport und körperliche Uebuug . . 16 Stoffe wasserdicht zu machen, ohne die Durchlässigkeit der Luft auf- zuheben 21 Tata-Eiweiss 132 Vergiftung diu-cli chromsaures Blei . 175 Zusammenhang zwischen molekularen Eigenschaften anorganischer Ver- bindungen und ihrer Wirkimg auf belebte Materie 101 Biographieen, Nekrologe u. dergl. — Vereinswesen. Krause, Prshewalski f fi5 Schneider, Heinrich von Dechen . 187 Emil du Bois-Reymond zum 70. Ge- burtstag 41 Ohm — Denkmal 202 Zum 150. Geburtstage William Her- schels 76 Badeärzte-Kongress 178 Humboldtakademie 23 Medizinische Kongresse 119 Litteratur xind Bücherschau. ApiJelt, PHanze und Boden ... 201 Bräutigam, Kurze Zusammenstel- lung der hauptsäcldicbsten und für Apotheker leicht ausführbaren Me- thoden der Bakterienforschung . 209 Christensen, Der moderne Bil- dungsschwindel 104 Clerke, Geschichte der Astronomie wälu-end des 19. Jahrhunderts . . 80 38814 Seite Dietel, Verz. der UredineeE nach Farn. ihr. Nährpfl. geordnet. . . 48 D z i b e k , Die mathematischen Theo- rien der Planetenbewegungen . . 185 Engel, Auf der Sierra Nevada de Merida 111 Engler u. Prantl, Die natürlichen Pflanzenfamilien 194 Frerichs, Die Hypothesen d. Physik. 178 Glazebrock u. Shaw, Einfiihinmg in das physikalische Praktikum . Heims, Das Leben in den Tropen . Hess, Waldschutz und Schutzwald . Kenngott imd Rolle, Naturge- schichte des Müieralreiclis . . . Kordes und Bamberg, Klimatolo- gische Karte von EiU'opa . . . Kühne, praktische Anleitung zum mikroskopischen Nachweis der Bak- terien im tierischen Gewebe . . Lach mann, Das Terrarium . — Die Giftschlaugen Europas . . Liudemann, Ueber Molekularphysik Mantegazza, Die Ekstasen des Menschen 87 Marshall, Die Tiefsee u. ihr Leben (mit Abbildungen) 119 Martus, Astronomische Geographie . 39 Melde, Chladnis Leben und ^Yil■ken . 64 Neumayr, Erdgeschichte . . .161 Paul, Das russische Asien und seine wirtschaftliche Bedeutung . . . 202 P e 1 m a n , Nervosität und Erziehung . 31 P i s s n , Lehrbuch der analytischen Mechanik 170 Eemsen, Grundzüge der theoreti- schen Chemie 112 Renault, Les plantes fossiles . . 145 194 95 170 154 169 128 209 71 23 Seite Schenk, Die fossilen Pflanzenreste . 145 Solms-Lanbach, Einleitung in die Paläophytologie 145 Spannert, Die wissenschaftlichen Benennungen der europäischen Grossscliraetterltnge 185 Stokes, Das Licht 136 Thome, Flora von Deutschland . .178 Tschirch, Angewandte Püauzen- auatomie ... 103 Wester maier. Die wiss. Arbeiten d. botan. Institut der kgl Univers, zu Berlin in den ersten 10 Jahren seines Bestehens 55 Zum Studium der Geologie Nord- deutschlands 146 AUgem. naturwissenschaftl.Bibliothek. 96 Bücherschau. - 8, 16, 24. 32, 40, 48, 56, 64, 72, 80, 88, 96, 103, 112, 120, 128, 136, 146, 154, 162, 170, 178, 186, 194, 202, 209 Verzeichnis der Abbildungen. Abbildungen zur Demonstration der Entstehung der Dreikanter . . . 203 Apparat zur Demonstration des Be- weises, dass nicht reflektiertes Licht unsichtbar ist 127 Apparat ziu' Demonstration und Wir- kung der strahlenden Wärme . . 47 Apparat für Experira. über das Glühen fester Körper 184 Apparat zur Untersuchung von Boden- Bakterien . 151 Asspii-ator zur Untersuchung der Bak- terien in der Luft 150 Astronomisches Chronometer ... 39 Bakterienformen 26 Seite Birnen 20 Dampfsterilisierungscylinder . . . 130 Doline aus dem Karstgebiet von Triest 155 Dunn's Kartenskizze von Südafrika 1886 108 Durchlüftungsapparat lür Zimmer- aquarien 199 Einsiedlerkrebs mit Seerosen . . . 120 Green's Profil von den Zwarteberg bis Molteno in Südafrika .... 98 Geröll mit Gletscherschrammen . . 97 Hornkern von Bos primigenius . . 9 Karte und Profile des Brockens . 7.3, 74 Korallen-Atoll. Die Clarkinsel . . 144 Leichenwürmer 89, 90 Mikroskopierlampe 208 Präpariermikroskop 63 Profile durch Koralleurifi'e .... 144 Römisches Rechenbrett ... 14 Schematische Spongien . . . 171, 172 Saccopharynx pelecanoides .... 119 Spongienstammbäume 173 Steppenhuhn 1, 5 Strich- und Stich-Kulturen von Bak- terien 131 Syrrhaptes paradoxus 1, 5 Tischartige Erosionsform aus dem silurischen Kalkplateau v. Esthland. 156 Tylodeudron, Markkörper von Arau- caria imd Artisia 164 Unterlage für Bakterienkulturen (Eis- Apparat) 132 Vegetationskasten für Bakterienkul- tuven 132 Vom Meeresspiegel reflektiertes Licht der Sonne 70 Walchia pinifornis 165 1^- Druck von (Jel.r. Kiesau. Berlin SW., Knchstr. TA. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Ltiisenplatz 11. III. HaiK. Müiitao- den 1. Oktober 1888. Nr. 1. Abonnement: Man abonniert bei allen Uiu-liliancllun;,'«« uml Post- j Inserate: Die viergesiialtene Petitzeile :V) ^. Grössere AuftrÜKe anstauen, wie bei der Kxiiedition. Der Vierteljalirspreis ist Jl 3.— ; ejp entspreclienden Rabatt. Beilagen nach üebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post 15 -j extra. JL annalime bei allen Ainioncenlmreau.x, wie bei der Expeditioo. Abdruck ist nsir mit voli»täii(li;;er e gestattet. Asiatisches Steppenhuhn (Syrrliaptes paradoxus Fall.) Nach der Natur gezeichnet von Dr. E. Schaff, vun der hindwirt.schaftlichen Hochschule zu Berlin. Naturwissenschaftliche Woclienschiift. Nr. 1. Das Rechnen an den Fingern und an Maschinen Von Pnit'. Dr. l. .Tedei-, der liinyore Zeit unter weniger Ivultivii^rten Völkern gelebt und mit ihnen verkehrt hat, wiid gewiss beobachtet haben, dass dieselben vielmehr als wir heim Zäiden und Rechnen die Finger und andere Hilfsmittel wie Rechenbretter, Reilschnüi-e, Musclieln und deigleichen benutzen. Wählend wir uns beim Zählen und Rechnen mehr auf unser Gedächtnis und auf die zu Papier ge- brachten und methodisch zusammengeslellten Zittern ver- lassen, besitzen namentlich die handeltreibenden Neger- völkei' eine so gro.sse Gewandtheit, sowohl ihi'e Finger wie auch andere als Recheneinheit geltende Dinge beim Rechnen zu verwerten, dass wir uns wundein müssen, wie solche Völker, ohne den gewaltigen Vorteil unserer Rechenmelhoden, so schnell das berechnen können, was sie im Handel von uns zu fordern liaben. Ebenso be- gegnen wir auch bei den Russen und bei den Chinesen einer derartigen Geschicklichkeit im instrumentalen Rech- nen, d. li. im Rechnen mit Hilfe der Finger, des Rechen- brettes oder ähnlicher Hilfsmittel. Ueber diese Erschei- nungen können wir uns nicht wundern, wenn wir daran denken, dass unsere Kinder an den Fingern oder an Rechenstäbchen zählen und rechnen lernen, und dass überhauiit unsere auf der Grundzahl Zehn beruhende Zählweise in nichts anderem ihren Ursprung hat, als darin, dass der Mensch nun einmal zehn Finger besitzt und auf niedrigster Kulturstufe lediglich mit Benutzung seiner Finger oder anderer Dinge, die ihm leicht znr Hand waren, zählen und rechnen gelernt hat. Wie sich nnkullivierte Völker beim h'ingerrechnen zu helfen wissen, wenn die zu bestimmende Zahl über zehn hinausgeht, erzählt Schrumpf in der Zeitschrift der deutschen morgen- ländischen Gesellschaft, Band 16, 8. 463 bei der Be- schreibung einer südafrikanischen Völkerschaft in folgen- der Weise. ,,Beiin Aufzählen, wenn es über hundert geht, müssen in di'r Regel immer drei Mann zusammen die schwere Arbeit verrichten. Einer zählt dann an den Fingen!, welche er einen nach dem anderen aufhebt und damit den zu zählenden Gegenstand andeutet und wo- möglich beiQlirt. Der Zweite hebt seine Finger für die Zehner auf, immer mit dem kleinen l'^inger der linken Hand beginnend und fortlaufend bis zum kleinen Finger der rechten Hand. Der dritte Mann endlich hat die Hundei'ter durch seine Finger darzustellen". Von ande- leii Völkerschaften erzählt man, dass sie sich die Ab- zahlung von mehr als zehn Dingen dadurch erleichtern, dass sie in der Richtung des Zählens abwechseln. Ist nämlich mit dem kleinen Finger der rechten Hand die Zehn angedeutet, so beginnt man mit ebendemselben, allein aufgehoben, die nächste Zehnzahl, um dieses Mal nach links sie fortzusetzen, d. h. der kleine Fing(M' der linken Hand vollendet die Zwanzig und wird zugleich wieder Aufant;- drr niiciistcii Zcliii/.alil. Natiiilii-ii miiss H. SnliubiM't. bei dieser Zahlenangabe, wenn es nicht um ein allmäh- liches Entstehen, sondern um ein einmaliges Ausdrücken einer Zahl si(;h handelt, besonders angedeutet werden, dass und wie oll Zehn vollendet wurde, was etwa so geschehen kann, wie bei den Zulukatt'ei-n, die in solchem h'alle beide Hände mit ausgestreckten Fingern wiedei'holt zusammenschlagen. Wenngleich die letztgenannte Methode der Versinnlichung einer Zahl insofern einfach ist, als sie nur die Hände eines Einzigen beschäftigt, so steht sie doch begrifttich viel tiefer, als die vorher besc'hriebene von Schrumpf erzählte Methode, bei welcher drei oder gar mehr Menschen nötig sind, um die Zahl klarzustellen. Denn der Einzelne kommt durch die Zehnzahl der mensch- lichen Finger allerdings dazu, die Gruppe zehn als eine besonders hervortretende zu erkennen, aber, wie oft diese Gruppe selbst auch erzeugt werde, jede Neu-Erzeugung ist für ihn der anderen ebenbürtig. Ganz anders bei der Methode stufenraässiger Darstellung durch mehrere Rersonen. Wie der Erste, so hat der Zweite und der Dritte nur je zehn Finger; aber während jeder Finger des Ersten nur eins bedeutet, stellt jeder Finger des. Zweiten eine zehnmal so grosse Einheit dar, und jeder Finger der Dritten gilt wieder das Zehnfache von dem, was ein Finger des Zweiten galt. Man erkennt deutlich, dass diese Art des Zählens an den Fingern unmittelbar zu dem führt, was wir jetzt Zahlensystem nennen, sobald man nur das Verfahren seiner Umständlichkeit entkleidet, und den einfachen Grundgedanken heraus- schält. Aehnlich den modernen Naturvölkern, haben auch alle Kulturvölker des Altei'tums sowohl ein Fingerrechnen wie auch ein instrumentales Rechnen gehabt. Ja, sie haben die Praxis des Rechnens mit diesen Hilfsmitteln sogar oft zu einer hohen Vollkommenheit entwickelt. Es dürfte deshalb von kulturgeschichtlichem Interesse sein, die verschiedenen Völker hinsichtlich ihres Fingerrechnens näher zu beleuchten, sowie die Entwicklung der Rechen- maschine kennen zu lernen, von dem einfach.en mit Stein- chen bedeckten Brett bis zu den kom])lizierten, abei' äusserst praktischen Räderwerken, welche man Arithmo- meter oder Rechenmaschinen moderner Konstruktion nennt. Das älteste Kulturvolk, über das wir einigermassen Bescheid wissen, die Aegypter, galten in den Volkssagen der Griechen als die Ei-finder der Rechenkunst. So er- zählt Diogenes l^aertius, dass die Aegypter das Feld- messen, die Sternkunde und die Arithmetik erfunden hätten. Ferner schreibt Plato im l'hädros dem Gott Thot der Aegypter die Erfindung der Zahl, des Rechnens, der Geometrie und der Astronomie zu. Auch Aristoteles bezeichnet in seiner Metaphysik Aegypten als die Heimat der Rechenkunst, und erklärt die Thatsache, dass vorzugs- weise die ägyptisclnm Priester die Rechenkunst und die Mathematik pflegten, damit, dass Priester am meisten Zeit lialii'ii. Gegen die An.sicht, dass die Aeg-ypter die Nr. 1. Natiirwis^icnscliaffliclii' Wocliciiscluift. :? Hccliriikiinsl ciIiiikIi'ii liiltlni, L'irlil .lusrplius zwui' zu. tliiss dii' Ar,i:>'iit.i'r (lio Ucclieiik'hrrr der (iricclu'ii i^cwcscii sciiMi. hcliauiilci iil)or weiter, dass dii^ Ac^^^ypler die ArilliiiH'lik vtiii Alualiiiiii i^deinl liiilleii, dei- dicso Wisseu- selial't ebeiisu wie die Astrouoniii! von Clialdäa yelidlt und nacli Aegyiiteu «^ehiaclit Iiiitle. Doeli isldiesi^ Heiueikuiif^- des .losepluis, den Zeugnissen des l'iatii und des Aristot.elos gegeiiülier, nielit bloss als kiiinisrii, s(]ndrrn aiicli als vrdliL:- irrig anzusehen. Dass nun das alle Kulturvolk dei' Aegypter, das jedenfalls den (Jrieclien als Lelii-meister im Reelinen galt, in ältester Zeit das Kingerrecliuen ge- pflegt liaben niuss, geht mit giösster Wahrscheinlichkeit aus den Abbildungen heivor, welche R. Lopsius in den Abhandlungen der J?eiliner Akademie 1865 verötfentliclil hat, und welclie sich auf die altägyptische lOlle und ihre Kinteiluug hinziehen. Auf diesen Kllen, die in mehreren h'iXeuiplareu voiiianden sind, sind die ZaliliMi von eins bis rüuf din-ch die fünf Finger der linken Hand, welchi' allmählich vom kleinen Finger an, ausgestreckt werden, dargestellt. Zur Bezeichnung der Zahl sechs dient dann die rechte Hand mit ausgestrecktem Daumen bei sonst geschlossenen Fingern n. s. w. Man hat dai auf aufmerk- sam gemacht, dass die dieser Zahlbezi'ichnung zu (Jiunde liegende Zählweise vom kleinen F'inger links, der eins bedeutet, bis zum kleinen F'inger rechts, der zehn be- deutet, in überraschender Weise mit der oben beschrie- benen Zählweisc südafrikanischei- Negerstämme überein- stimmt, und hat darin einen neuen Beleg dafih' sehen wollen, dass die Bildung in Afrika eine nordsüdliche Richtung genonnnen hat, indem bei der gelingen geistigen Bildung der Negeri-assen die altägyptischen Methoden Jahrtausende brauchten, um bis in die südlichsten Breiten allmählich durchzusickei'n. Der gesunde Menschenverstand wird einer derartigen, mehr kühnen als durchdachten Hypothese sofort gegenüberhaltcn, dass kein Grund vor- handen ist, warum nicht das Fingerrechnen überhaupt bei allen Völkern duiehaus urwüchsig sein soll, da der Mensch doch nun einmal allenthalben F'inger besitzt, und dass die Uebereinstiramung in der Reihenfolge, wo doch nur zwei Möglichkeiten der Reihenfolge, von links nach rechts oder von rechts nach links, denkbar sind, ebenso wahrscheinlich ist wie die Nicht- Uebereinstimmung. Viel- leicht siiricht für das Fingerrechnen der alten Aegyi)ter auch die in einer Pariser Samudung ägyptischer Alter- tümer vorhandene rechte Hand mit teilweise umgelegten Fingern. Sicherer noch als das Fingerrechnen ist das instrumentale Rechnen bei den Aegyptern festgestellt. Denn Herodot berichtet aus eigener Anschauung (Bd 11, y. 3G), dass die Aegypter mit Benutzung von Steinen sich das Rechnen erleichterten, indem sie die Steinchen in ihrer Lage zu einander veränderten. Ob sie die Stein- chen dabei auf einem Rechenbrett, wie die (J riechen und Römer, bewegten, ist zweifelhaft. Doch ist dies anzunehmen, wenn man den Begritl" des Rechenbrettes etwas weiter fasst. Man kann nämlich das Gemeinsame in den verschiedenen Formen, welche bei so vielen Vidkern und in l'rvu lii^gcndcu Zeilen als Krclu'nliill'^mittel didilru, (iaiiu erkennen, da^s auf irgeud eine Weise brzeichnetc Käume hergestellt sind, auf deiu-n jedes Zeichen eini'u l'lriiuierungswi'it ciiiält, aiihängig .sowohl von dem Zeichen selbst als auch \iui dem Orli', wo es sich belindet. Das Wesentliche in dem l'.egrilf des l^^chenbiettes ist al.so die P)enutznng j.weiei' Dimensionen, uui dem Gedächtnis bi'iiu Kechncii zu Hilfe zu kommen. Dass die Aegyiiter in diesem weiteren Sinne Kechenbretter g'chabt haben, geht, wenn nicht aus der erwähnten Stelle des iJiModot, so doch wdhl aus eineui l'apyrus liervoi', auf (h'm uns eine Rechnung aus der Zeit des dem vieizehnten .Jahr- hundert vor Christo angehörigen Königs Meneijtah I. erhalten ist, eine Rechnung', auf welcher die Zahlen durch kleiiui Kreise darge.stellt sind, die in ähnlicher Weise angeordnet sind, wie die Steinchen auf einem Rechenbrett. In noch weiterer Bedeutung des \\'i)rtes kann man auch sagen, dass die alten l'eriiauri- in ihren Knotenschnüren das Prinzip dos Rechenbrettes benutzten. Die Schnüre waien oft von verschiedener Farbe. Die rote Schnur bedeutete alsdann Soldaten, die weisse Silbei-, die grüne Getreide n. s. w., und die Knoten an den Schnüren bedeuteten, je nachdem sie einfach, doppelt oder noch mehrfach verschlungen waren, je zehn, hundert oder tausend u. s. w. Aehnlicher Knotenschnüre bedienten sich früher die Chinesen. Ob man hierin das Prinzip des Rechenbrettes angewendet sehen will od(!r nicht, hängt davon ab, wie weit man den Begriff desselben ausdehnt. Das Rechenbrett im engeren Sinne setzt näm- lich voraus, dass der Wert, welchen eine einheitliche Bezeichnung-, sei es ein Strich oder ein Steinchen oder was auch inuner, an unterscliiedenen, leicht erkennbaren Stellen erhält, sich nach den aufeinanderfolgenden Stufen des zu Grunde gelegten Zahlsystems vei ändert, dass also im Dezimalsysteme bei wagerechter oder senkrechter An- ordnung der Reihen, in welchen die Steinchen gelegt werden, jedes solches Steinchen einer Verzehnfachung unterworfen wird, sofein es von einer Hoiizontalivilie, beziehungsweise von einer Vertikalreihe, in die benach- barte Reihe gleicher Art verschoben wii'd. Dei'artige Rechenbretter waren, wenn nicht in Aegy[)ten und Babylonien, so doch in Griechenland allgemein üblich. Ks lohnt sich, auf das instrumentale Rechnen der Griechen, über das wirzienilich genau Pescheid wissen, etwas näher einzugehen. Die Kolumnen des griechischen Rechenbrettes waren senkrecht gegen den Rechner gezogen. Die zur Verwendung kommenden Steinchen hiessen ^'•'i?"'!. Dass aus diesem Wort das Verbum il'ijipi^u-^, welches überhaupt ,, rechnen" bedeutet, abgeleitet wuide, ist wohl ein Be- weis dafür, dass das Rechenbrett nicht bloss von Mathe- matikern benutzt wurde, sondein in allg-emeinem (iebiauch war. Das Rechenbrett selbst hiess «/JaC, ein \\'ort, über dessen Etymologie sich die Gelehrten nicht einig- sind. Die Einteilung in Kolumnen können wir deutlich an dem aus griechischer Vorzeit uns erhaltenen Gemälde der Natunvisseiiscliaftliclie Woeliensclirit't. Nr. l. Darius-Vase in Neapel erkennen. Auf dieser Vase sielit man einen Recinier, der auf einer Tal'el den Tiibut zu buclien scheint, weicher dem Darius daryebiaclit wird. Jede Kolumne hat ein früli-griechisclies Zahlzeichen als Ueberschrift. Diese Zeiclmuni;- spricht natürlich nicht dafür, dass ein l-iechenbrett bei den Persern üblich wai', sondern dafür, dass die Giiechen es handiiabten, da ja anzunehmen ist, dass der iCünstler griechische Gewohn- heiten ins Ausland übeitiug, unbekünimeit darum, ob ei' damit vielleicht dei Wahrheit widersprach. Dass die Kolumnen auf den gi-iechischen Rechenbrettern wirklich den Zweck hatten, den zum Rechnen dii'nenden Marken einen in verschiedenen Kolumnen verschiedenen ytelhings- wert zu verleihen, das bezeugen uns mehrere »Schrift- steller. Von Solon whd uns mitgeteilt, er habe den- jenigen, der bei Tyrannen Ansehen besitze, mit dem Steine lieim Rechnen verglichen, der bald mehr, bald weniger bedeute, ebenso wie jemand bald mehr, bald weniger Achtung bei Tyrannen geniesse. l'^ineu ähnlichen \'er- gleicli stellt der im zweiten Jahrhundeit vor Christo lebende Geschichtsschreiber Polybios (im fünften lUicIie) an. Derselbe fügt dann hinzu, dass die Marken auf dem Abax bald einen Chalkus, bald ein Talent bedeuteten. Ein solches Rechenbrett für Geldbci'echnungen befindet sich auch auf einem uns t'rlialtenen griechischen Denk- male, der Tafel von Salamis, welche sogar neun Kolunnien enthält, die erste für Talente, d. h. 6000 Drachmen, und die weiteren für 1000, 100, 10, 1 Drachmen, sowie für ein Obolos, d. h. ein sechstel Diachme, halbe Obole, drittel Obole und sechstel Obole oder Chalkus. Dass ausser dem Rechnen auf dem Abax auch das Finger- rechnen in Griechenland üblich war, geht vielleicht schon aus der Existenz des V'erbums -c/i-r/r^tv = ziüilen her- vor; denn dieses Verbum kommt von dem gr-iechischen Worte für fünf und veirät daher, dass man zum Zählen die fünf h^inger jeder Hand gebrauchte. Deutlicher noch drückt dies eine Stelle in den „Wespen" des Aristoiihanes aus, we](;he ausspricht, dass man Rechnungen mit kleineien Zahlen an den Fingern auszuführen pflegte. Soirst findet sicli in der klassischen griechischen Litteratur keine An- deutung übiu' das Fingei'i'echnen. Wohl aber hat der im 14. Jahrhundert lebende Gelehrte Rhabda von Smyrna eine mehrfach gedruckte Abhandlung über das Finger- reclinen geschrieben. Rhabda schildert ausführlich, wie man durch Beugung der Fing'or die einzelnen Zahlen darstellte. Die h^inger der linken Hand dienten zur ]5e- zeichnung der h]iner und Zehner, die der rechten Hand zur Bezeicluiung der Hundertel' und Tausender, und zwar war die Aufeinanderfolge des Stellenwerts von links nach rechts derart festgehalten, dass der kleine Finger, der Ringfinger und der Mittelfinger der linken Hand für die Einer, der Zeigefinger und der Daumen derselben Hand für die Zehner in Bewegung gesetzt wurden , dagegen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand für die Hunderter und endlieh die diei letzten I'^inger die Tausender zu vertreten hatten. So konnte man durch die zehn Finger mit Benutzung der Beugung derselben schliesslich alle Zahlen unter zehntausend darstellen, was für den praktischen Gebrauch ausreichen nuisste und überdies mit den Umständen übereinstimmte, dass in der griechischen Sprache das A\'oit füi' zehntausend das höchste einfache Zahlwoit war. J<"'reilich galt diese von Rhabda beschriebene Benutzung der Finger mehr einer Darstellung und Mitteilung der Zahlen, als einem wirk- lichen Rechnen. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Einwanderung der Steppenhühner im Jahre 1888. Vun Dr. Er 25 Jahre nach dem ersten bekannt gewordenen Auftreten der Steppenhühner in Deutschland hat nun- mehr in diesem Jahr wieder ein g-rosser Wanderzug der genannten Vögel aus ihrer asiatischen Heimat nach Enropa hin stattgefunden. Durch die Tagesblätter ist bald nach dem ersten Erscheinen der fremden Gäste auf dieses höchst interessante Vorkommnis aufmerksam g-emacht worden. Bald aber ist in den Zeitungen anderes in den Vordergrund getreten. Länger nahmen die Steppen- hühner das Interesse der Jagdzeitungen in Anspruch und es finden sich vom ersten Auftauchen des seltsamen Vogels bis etwa zum Juli eine grosse Zahl einzelner Beobachtungen in Fachblättern. Es liegt in der Natur der Sache, dass in ornithologischen Zeitschiiften ein- gehende Arbeiten über den diesjährigen Wauderzug der Steppenhühner noch nicht erschienen sind, einer- seits wegen der Kürze der Beobachtungszeit im all- gemeinen, andererseits, da eine sehr wesentliche Frage, ob nämlich die Einwanderer sich dauernd niederlassen werden und wie sie si(;h beim Eintreten der kälteren iist Scliilff. Jahreszeit veihalten werden, vorläufig noch unent- schieden ist. Immerhin wird es von intei-esse sein, aus den zerstreuten Mitteilungen ein kurzes Bild der diesjährigen Einwanderung von Syi'rhaptes paradoxus Fall, zusammenzustellen, soweit das bisher zusammengebrachte Material reicht.*) Die ersten diesjährigen Beobachtungen über Steppenhühner in Ost-Europa datieren vom 18. Apiil. Zu dieser Zeit wurden die ersten der fremden Vögel in Galizien angetroffen. Etwa 8 Tage später wurden sie in Siebenbürgen, Ungarn und Polen bemei'kt. Der erste Durchzug durch die östlichen Länder Europas ist aber nicht beachtet worden, denn schon am 17. April kommen Nachrichten aus Schleswig-Holstein, ungefähr zur gleichen Zeit aus Mecklenburg und Hannover. Im letzten Drittel des April wurden fast überall im nördlichen und mitt- leren Deutschland Steppenhühner beobachtet. Anfang Mai treffen wir sie auf den dänischen Inseln, sowie im *) Icli habe im Zoologischen (iartcn (Nr. 6 dos laufenden Jalii-g-aiiyes) eine Zusammenstellung- des Vorkommens von Steiipeu- liüliiiern in IJeutscliland gegeben. Nr. 1. Niitiirwisscnsclialllii-Ih' Wocliciisrlnilt. siullichcii Schweden, Mitte Mai sogar in Norwegen. Vom West liehen Deutseliland aus kamen die Vögel naeii Helgien und (!i-osshiitiinien. in i'lnghuid wurden sie last in alliii ( lialseliiifleii \i)iii iiussersleu Sriiirn au, in Sehotl- land liinauf zur Nordsiiit/e l)is y,n (h'U ()r]lienso liegen Nachrichd'n aus Irland vor. in Holland hielten sieh die Viigel hau|ilsichlich in den sandigen Iviistenstrieiien und auf den Inseln, zahlreich z. U. anfTerschelling, wo sie auch brüteten. In i'.elgien waren sie .seit i'lnde .luni in vielen Teilen des ]>andes zu linden. lOnde Mai wurden bei Calais in dei- Vendee, luid ln'i Nantes in Kiankreieh Steppenhiihner gesehen. Selbst aus Italien liegen Nachrichten vor und zwar schon vom 1. Mai an. .Vus diesen kinv.en Zusammenstellungen ist eisiclit- licli, dass nngel'ähr in sämtlichen Jjändern Europas mit Ausnalime Spaniens und der nalkanhalbinsel yteii]icn- hiihnei' erschienen sind. Die wenigen in Italien beobach- teten lOxeuiplai'c nu'igen einem vei'siin'Ugten Scln\arm angehöi't haben. Der llauptschwaiui zog durch das mittlere Kuropa in ziendich westlicher, zuweih'n mehr nördlicher Kichtung. Es wäre falsch, zu glauben, dass sich die Vögel übci'all da, wo sie bemei'kt wurden, länger aufg'elialten oder gar anscheinend dauernd niedergelassen hätten. An vielen deijenigen Orte, aus denen Nacli- lichten veröffentlicht wurden, .sind die Vögel nur im Eluge beobachtet worden, an anderen zwar auch auf dem iioden dei' Nahrung nachgehend, aber nur kurze Zeit. Die Tiere haben offenbai' (Jegenden gesucht, welche ihrer Heimat glichen. Thatsächlich haben sie sich auch übei'all an entsprechenden I^okalitäten länger aufgehalten und sind dort sogar noch zu treffen, z. B. an den Küsten der Nord- und Ostsee und auf den Inseln. Aber auch an manchen Stellen des Binnenlandes hallen sich noch jetzt Steppenhühnei' auf, während sie an vielen Orten, wo sie gesehen waren, verschwunden sind. Es ist dies dui'chaus nicht zu verwundern, denn es wäie geradezu merkwürdig und unerklärlich, wenn ein so ausgesprochener Steppenvogel Avie es Syrrhaptes paradoxus ist, sich an Gegenden mit viel Wasser odei' Sumpf oder mit aus- gedehnten Wäldern oder auch nur mit starkem Acker- bau wohl fühlen würde. Uebei' das Brüten sind eine yViizalil Nachrichten bekannt gemacht, welche jedoch zum Teil, wie nach- zuweisen war, auf Iri'fUraern beruhten. Dass aber an manchen Orten wirklich Gelege vorhanden waren und auch ausgebrütet worden sind, ist Thatsache. Mit Genugthuung ist zu bemerken, dass es gelungen i.st, die Regierungen, sowie die Jäg^erwelt fiir das Steppen- huhn zu interessieren, so dass demselben eine weit bessere Aufnahme zu teil geworden ist, als bei der Ein- wanderung im Jahre 1863. Damals geschah fast nichts zum Schutz der eingewanderten Vögel; im Gegenteil, fast überall wurde ihnen unbarndierzig' nachgestellt. Trotzdem hielten si(;li damals vereinzelte Exemplare nix^h bis zum nächsten Jahr. Es dürfte also JlolVnung vor- handen .sein, diesmal an sonst geeigneten Lokalitäten dii^ h'remdliiige festzuhalten und eiir/.ubürgern. l''reilicli lässt sich der Eil'olg der Scluitzmassregeln nicht mit absoluter Sicheiiicil vurhersagen. Eine gewisse CJefahr liegt in dei- (li'Udliulicil dei' Steppcuhühnd-, in ihrer Heimat zu gewissen Jahieszeiten auf weife Strecken hin lortzusfreichen, und in ar eine sehi' gute i.st, während sie im einzelnen oft gänzlich mangelt, so dass die nach solchen Regeln entworfene Lokalprognose sich zwar, nacii mathematischem Spia(;li- gebraueh als ein „elegantes" Verfahren bezeiclmen lä.sst, aber sonstige Voiv.iige kaum liab(-n dürfte. Kleinere Mitteilungen. Ueber Dolomitverwendung bei der Bodenkultur. — Wiiliiciul iiiiiM im AiilUiiLri:' des JahihmidiMts (iii' Mii^iicsia im lioden für iiaclitoilif;' liitlt mit Bcziii^ iuif Vegetatioii, Imt die neuere l'liysiülopie die Notweudiirlieit dersell)Pii für I'tlanzeiientwicklung' licstiimiit iiaclisewiesen. die Analyse liat auch ergfi'lien, dass der Samen vielfach mein' Magnesia als Kaüierde enthält. Und so spielen aucli die gebrannten Dolomite bei der Erdeu- liultnr vielfacli eine wichtige Rolle und sind in luaudien Gegenden .selir geschätzt. Die dolomitischen Zeclisteiulin lebendig gebärenden Schlangenstern, weil die.se Echinoderinen (.St.idieihäuter) Zwitter sind, die infolge des Einlius.si'S der .Schmarotzer di'ii Charakter von Männchen annehmen, und weil andere Echiiiodermeii, bei denen die (iesdilechter get renn t Natunvlssenscliaftliclie Wodiensrlirift. Nr. 1. sind, weniger v(in Solimardtzcrn zu leiden linhen und scimit auch einer Gesclileclitsveränderung- nicht in gleicher Weise ausgesetzt sind. Giard stellt sich die Frage, warum gerade tiei Zwittern die „parasitäre Kastration" vorzugsweise anzutreffen ist, und antwortet hierauf mit der ansprechenden Annaluiie, dass der Zwitter-Zustand der urspiiinglichere Zustand der Tiere gewesen sei und das.s durch das Zurückliildi'u des einen der lieiden Geschlechtei', wie es die Schmarotzer hewirken konnten, allmählich eingeschlechtige Tien^ entstiindi'U — ein l'fir die Krlialtinig der Art günstiger Vorgang. Somit wären in diesem Falle die Schmarotzer zwar nicht l'iir das Kinzelwescn, wohl aher für die Art niclit nur nicht schädlich, sondern sogar vcn gewissem Vorteil. Wenn es nun eingesehen werden kann, dass sich an einem Zwitter, der ja beide Geschleclits-Chaiaktere besitzt, der eine der- selben überwiegend aus-, der andere ziiriickbilden kann, so fragt es sich doch, wie es bei eingeschlechtigen Tieren (z. B. den erwähnten Knistern), möglicli i^t. dass sie den entgegengesetzten Geschlechts- Cliarakter annehmen, der doch nr.siu-ünglicli nicht vorhanden war. Hierauf ist zu erwidern, dass auch in eingeschlechtigen Tieren der entgegengesetzte Geschlechts - Charakter nicht völlig unteidriickt. dass er vielmehr nur nicht ausgebildet und herrschend ist, während doch Spuren desselben vorhanden , einzelne Züge desselben dem Tiere aufgeprägt sind. Diese Spuren können auch in gewöhnlichen Fällen deutlicher hervortreten, ohne dass ein Eingriif von .Schmarotzern stattgefunden hätte. So nehmen alt gewordene Hühner, welche zu legen aufgehört, also ihre hauptsächliche weibliche Verrichtung eingestellt haben, den Schmuck und die Ausrüstung des Hahnes an*). Alte Hirschkühe können das Hirschgeweih erhalten. Bei älteren Damen endlich beginnt oftm.als um Lippe und Kinn ein kräftiger Bartwuchs zu sprossen. Jch möchte auf den Umstand aufmerksam machen, dass diese Erscheinung sich bisweilen auch in weniger hidiem Alter zeigt, dass vielmehr ein eingeschlechtiges Wesen während seines ganzen Lebens nielir oder minder hervortretende Zuge des entgegengesetzten Ge- schlechts-* 'harakters aufweisen kann. Männliche Frauen und weib- liche Männer sind keine Seltenheit, und es ist mir ein M.ann bekannt, dessen Kehlkopf auffallend schwach entwickelt ist, so dass er sich am Halse niclit bemeikbar macht, während zugleich das GesUss des Mannes auffallend breit entwickelt ist; die Kürperformen sind wohlgcrundet, die Muskeln jedoch wenig stark entwickelt; der ]!artwuchs ist spärlich; die männliche Entschlossenheit in .seinem inneren Wesen fehlt, er hat ein kindlich-schwaches Gemüt. Dr. K. F. J. *) Vergl. „Naturw Wochenschrift", Bd. H S. 77. Chemische Einwirkung fester Körper aufeinander. W. S pri ng (Zeitschr. f. physik. Chem. 1S88, 630) maidit auf einige von ihm angestellte V(U'suche aufmerksam, welche darthun sollen, dass feste Körper durch Druck, ja sogar nur durch innige Mischung chemische Verbindungen eingehen können. Er fand, dass dabei Körper, deren chemische Verbindung ein kleineres Volum besitzt als die Summe der Komponenten, mit viel grösserer Leichtigkeit reagieren als andere. So erhalt man leicht durch Kompression von Kupfer- feilen und Schwefel Kupfersulfur, Gu.jS. Earyumsulfat und Natriumcarbonat setzen sich unter Druck gegenseitig um. Die durch den Druck eingeleitete Reaktion setzt sich aber auch ausserliall) des Kompressionscylinders fort, besonders beim Erwärmen Es findet also dann eine gegenseitige Durchdringung der Materie statt. Neue Versuche scheinen zu beweisen, dass die festen Körper die Fähigkeit, besitzen zu diffundieren, wie Gase und Flüssigkeiten, wenn auch viel langsamer. So wurden Kupferfeile und Queck- silberchlorid, beide vollständig trocken, in Glasröhren einge- schmolzen und sich seihst überlassen. Von Zeit zu Zeit wurde die llühre geschüttelt. Nach vier Jahren war die Kcaktion beendet; es hatte sich Kupferchlorür und Quecksilberch lorür gebildet. Vollständig durch Schmelzen getrocknetes , feingepnlvertes Kalinmnitrat wurde mit gleichfalls durch Schmelzen bei llofglut entwässertem Natriumacetat innig gemischt und in einem Excicator stehen gelassen. Beide Salze sind tiicht hygroskopisch, wohl dagegen das l'rodukt ihrer Umsetzung, das Kaliumacetat. Nach vier Monaten war die Keaktion so weit vorgeschritten. dass die Masse an der Luft zeriloss. VMel rascher geht die Um- setzung beim Erwärmen vor sich. Durch dreistündiges F^rwärnien der Mischung im verschlossenen Kohr auf dem Wasserbade war die ganze Masse geschmolzen. Es musste eine Reaktion zwischen beiden Körpern stattgefunden haben, da Natriumacetat erst bei 319", Kalinmnitrat noch viel holier schmilzt. An der Luft zeigte die geschmolzene Masse eine Zertliesslichkeit, welche kaum derjenigen des Kaliumacetates n.achstand. W. Spring will ähnliche Versuche mit anderen getrockneten Substanzen ausführen. Dr. M. ]i. Litteratur. G-izyeki, P. von, Aiitnrifiifen. (ö.S S.) Preis 1 J/ . F. & I'. r;elnniinn in BiMÜn. Topinard, R., Anlhropolniji.e. Uebers. v. R. Neuhauss. ■_', Aus"-. gr. 8". (Xll, 540 S. m. Jll.) I'reis 6 J6. lOdnard Baldamus m Leipzig. Tubeuf, C. l'hhr. v., Beiträge zur Kenntnis der Baifmkrankheiten. gr. 8". (()! S. m. ö Taf.) Kart. I'reis 4 M. .Tnlius Springer in Berlin. Uphue.s, G. K., Wahrnehmung und Empfindung. Untersuchung zur enipirisi'ben Psychologie, gr. 8". (XIV, 289 S.) Preis 6 Jt. Duncker & Humblot in Leipzig. Weinstein, B., Handbuch der physikalischen Massbestinimiingen. '2. Bd. Kinheiten und Dimensionen, Messungen für L.ängen, Massen, Volumina und Dicditigkeiten. gr. 8". (XII, 552 S.) Preis 14 JC. .lulius Springer in Berlin. Waeber, R., Leitfaden für den Unterricht in der Chemie. G. Aufl. gr. S". (70 S.) Preis kart. 80 ..j. Ferdinand Hirt & Sohn in Leipzig. Walkhoff, O., Eine konservative Behandlung der erkrankten Zühnphlpa. gr. 8". (:!.''> S.) Preis \ JC. Arthur Felix in Leipzig. Waltenberger, A., und E. Waltenberger, Karte des bayerischen %md des Böhmer- Waldes. 1:250000. Kupferst. und kol. F'ol. Preis 3 JO 30 ,j. Literarisch-artistische Anstalt (Theodor Riedel) in München. Wiener, D., Kommentar zu den Instruktionen für das Verfahren der Aerzte bei den gerichtlichen Untersuchungen menschlicher Leichen. gT. S". (44 S.) I'reis 2 Jt. Urban & Schwarzenberg in Wien. Gegen Einsendang de.s Bef.rages (auch in lirief- marken) liefern irir vorstehende ll'erke franko. Zur Jiesorgnng litferarischen liedarfes halten urir uns bestens empfohlen. Berlin KW. 6. l>ic Kxpeditioii der „ITatarwistsenschaftlicIieii Woclieiisclirift". Zur IVaehriclit. Die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" stellt sich die Aufgabe aus der Naturwissenschaft im weitesten Sinne über die Fortschritte und ihrer prak- tischen Anwendung (also auch z. B. der Medizin) zu orientieren und bringt allgemein -interessante Gegenstände zur Sprache, und zwar — soweit mög- lich — in allgemein-verständlicher Form, um dem grossen Leserkreise sowohl gelehrter wie anderer Berufsarten auf alle Fälle gerecht zu werden. Die „N. W." bietet Original-Mitteilungen, Referate, Be- sprechungen aus der Litteratur, eine ausführliche Liste aller im Buchhandel erscheinenden Schriften, beantwortet gestellte Fragen und bringt die wich- tigsten Nachrichten aus dem w^issenschaftlichen Leben. Wo Abbildungen erwünscht erscheinen, werden solche gebracht. Was wir bereits im letzten Bande erreicht haben, die klangvollen Namen der neugewonnenen zahl- reichen Mitarbeiter aus allen Gebieten, sowie das Wohlwollen, das der ,,N. W." auch von den höchsten wissenschaftlichen Kreisen entgegenge- bracht wird, bürgen für eine gedeihliche Weiter- entwickiung. Redaküoii und Verlag. Inhalt: Prof. Dr. 11. Schubert: Das Rechnen an den Fingern i der Steppenhühner im Jahre 1888. (Mit Abbild.) — Dr. Em Thermometers. — Kleinere Mitteilungen: Ueber Dolomitverw bewirkte (ii>,schlechtsveränderung der Tiere (parasitäre Käst Bücherschau. — Zur Nachricht. iiul an Jlaschiiieu. — Dr. Ernst Schaff: Ueber die Einwanderung st Wagner: Der Wert der Wetterprogno.se mit Hilfe des feuchten ndung' bei der Bodenkultur. — (iWt. — Die durch Schmarotzer ration). — • ( 'lieniisclie _Fhnwirkung fester Körper aufeinander. — Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie — Verlag: Hermann Riemann. — Dnick: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in Berlin. Hierxu eine Beilage, welche wir besonder»« xn beachten bitten. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. III. Band. Sonntag-, den 7. Oktober 1888. Nr. 2. Abonnement: iMan abonniert bei allen Buchliandlimgen und Post- an»talten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist Jt 'X — ; Bringegeld bei der Post lö .; extra. Inserate; Die viergespaltene Petitzeile .SO •/. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach üebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck iiiit nur mit vollMtändiger <^uellenans;abe geMtuttet. Die Fauna eines masurischen Pfahlbaus. Von I'rof. Iir. A. Nehrina'. Till Augii.st 1887 liat Herr Prof. Heydeck zu Iviiiiiysbery im südlichen Teile Masni'ens zwei interes.sante Pfalilbauten iinter.suc1it , und zwar im Auftrage der König.sljcrger Altertumsg-esellscliaft „Prus.'^ia" und mit Unter-stützung Sr. Excellenz des Herrn Kiiltu.«iiiini.sters von Go.s.sler. Die Ausbeute wai- eine sehr rriehc; sie kann den Ausg-ial)ungs-T\esulta- ten vieler seliweizeii- sclier Pfahlbauten an die Seite gestellt werden. Herr Prof. Hey deck erstattete darüber in der.Pnissia- Sitznng vom 28. März 1888 einen vorläufigen Bericht, dem ich Fol- gendes entnehme: „Die erste Unter- suchung erstreckte sich auf einen Pfahl- bau am Szontag- See, 2 Am nördlich von der Südbahnstation Jucha, also in der Gegend zwischen •Lötzen und Lyck. Vor 10 .Jahren war der Wasserspiegel des Sees um etwa 1,5»« gesenkt und das gewonnene Land zur Ackerung in Pacht gegeben. Herr Skotnik- Sczpcziiiiiweii hatte auf seinem Teile mehifaeli aichii- ologisehe Spuren bekundet, und auf die von llemi Major von Streng - Berghof eingezogene iienacbriclitigung Rechter Hornltern eines Bos j>riniigenius, in zwei Teile zertrennt, mit vielen Spuren uensclilifher Bearbeitung. Aus tlt-ni i'lulilbau lie.s Szontag-.Sees. — Gezeichnet von Herrn Dr. K. Schliff. wiu'de die näher»» Erforschung unter wirksamer P>eiliilfe des Heirn Rektor Krawlitzki-Neu-.Jucha unteriiunimen. Der Pfahlbau liatti» so lauge bereits trocken gelegen, dass nur noch die unter dem Horizont des Grundwassers liegenden Stücke gut erhalten zu Tage gefördert werden konnten. Die darüber liegenden Teile wai"en stark zersetzt, und es durfte sonach auf Funde an Faserstoffen, Cerealien etc. von vornherein nicht gerechnet wer- den. Der Bau hatte eine Ausdehnung von 13 und 1.5 m im Ge- viert; er war durch- .^(•hiiittlich 1,20 m tief und ähnlich kon.struiert wie die Pfahlbauten im Aiys-, Czarnikock- jf. und Tulewo-See: fldiizontale kreuz- weise Holzpackung mit nach der Land- seite geneigter Ver- lifähluiii:-. Die Vertikalidahle, 3,.5 m lang, 17 bis 22 a» stark, aus Eichen oder Kiefer, gut zugespitzt, standen zu zweien und dreien. Die Horizontallager waren aus dünne- ren, weichen Hölzern, wie i'.iikeii, Ellern, Weiden, nur selten au.'^ Eichen und Eschen gebildet. Weil in enger Bucht gelegen und sicher gegen StröinuiiL'^ und Wellen- spülung, waren sie ohne schützende Verpfälilung ausser- 10 Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. Nr. -2. luilb. Eine Pralill)rücke nach dem festen Ijiuuli- war nicht erkennbar, docJi ]iatt(^ eine solclie veriiintücli l'riilier sicli am südliclien Endc^ befunden. Die Funde sellist liaben selir zei'streut und ver- scliieden tief yeiesi'en, meist aber an dem Rande nach dem See zu. üesonders erwälinenswert sind: 3 Stein- hämmer, ein runder Stein von C>,rnm Durchmesser, auf einer Seite mit lia]likuj^('lformii;(^i' Vertiefung', vvahr- sclieinlich als Widei'la.ijvr für Drehhantiei'iuii;-, 14 Feuer- steinmesser, 12 meisselartifi'e Späne von Feuerstein, viele andere Feuei'steinsjjäne, Nusskei'nschalen und sonstig-e Abfälle, Sclileifsteine von feinkörnigem Sandstein, ein Schleif- und Polirstein von CJranit, Knochenschläger, \valzenföi'niig zugesclilift'ene Sclüeudersteine, Mühlstein- stücke und Tiäufer zum Zermahlen von (lietieide und zu Schleifzvvecken. Von Metall fand sich nur eine runde bronzene Ziersclieibe mit Oese in der Mitte und Punkt\erzierangen ; an KnochengiM'äthenr .5 Nadeln mit Bohrlöchern, wie heutige Stopfnadeln, Haar- und Gewandnadeln, ein Schabei', 35 kleine und l.^ grosse Pfriemen, 8 Speei'spitzen, 4 gewöhnliche und 2 i'öhren- förmige Meissel, Ebei'zähne, 2 flornhämmer, b(Mrbeitete Geweihsprossen zum Durchbohren von Häuten, vielleicht auch als Watfen. Ferner sind vorhanden : 19 ziemlich vollständige Gefässe aus gebranntem Thon von .'j — 35 cm Durch- messer, 14 aus Scherben wiedei-hergestellte Gefässe mit Randlöchern und 50 andere ohne solche. (Auffallend wenig Verzierungen, nur Fingernagel-Eindrücke und eine Strichverzierung in Form eines lateinischen N.) Alle sind ohne Drehscheibe gefertigt; die Kochtöpfe zeigen eine raiüie Aussenfläche. i,,r7'>. Ferner: 4 Flotthölzer aus Kiefernrinde, 5 spitze angebrannte düinie Hölzer, wohl zum Feueranmachen, halbgebrannte Lehmstücke mit Holzabdi'ücken vom Feuer- hei'de. An Küchenabfällen fand(>n sich: zerschlagene Knochen, Nüsse und Nussschalen, aber keine Spuren von Getreide. Die Funde diniten unzweifelhaft auf ein sehr hohes Alter, da kein Eisen und von ]3ronze nur das oben er- wähnte Zierstück voi'gekommen ist. Die Pfähle müssen indess mit einer Metallaxt, wohl einem bronzenen Kelt, zugespitzt sein. Die Hämmer von Hirsch- und Rehhorn dienten zum Spalten der Feuersteine, da Hämmer von härterem Material dieselb(Mi zertrünnm/iii, welchen Zweck Herr Professor Heydeck durch seine praktischen Unter- suchungen zuerst festgestellt hat." Sehr zahlreich sind die i m P f a h 1 b a u des S z o n t a g - Sees gefundenen Tierknochen. Auf Wunsch des Vorsitzenden der „Pi'ussia", des Herrn Gymnasial-Oberlehrers Dr. Bujack, habe ich die Bestimmung derselben übernommen und erlaube mir darüber hier folgende kurze, voi'läufige Itenierkungen mitzuteilen. • Eis konnten von mir 25 .\rten von Wirbeltieren festgestellt werden, und zwar 17 Säugetieir, ß Vögel,. 2 Fische. Diese Fauna setzt sich folgendermassen zusammen : I. Säugetiere: a) wilde 1. Wolf (Canis lupus) 1 Individuum. 2. Fuclis (Canis vulpes) 1 „ 3. Wddkatze (Felis catus fer.) . . 1 — 2 Individuen. 4. Fischottei' (Lutra vulgaris) .... 1 Tndividuum. 5. P)är (Ursus arctos) 1 „ ('). lüber (Castor fiber) '1 — 2 Individuen. 7. Hase (Lepus sji.) 2 „ 8. Wildschwein (Sus scropha fer.) . . 1 Individuum, fl. Ur-Rind (Bos primigenius) ... 1 „ 10. Edelhii'scli (Cei-vus ela])hus) . . . zahlreicii. 11. Reh (C'ervus capi'colus) zieml. „ h) zahme 12. Haushund (Canis familiaris) ... 1 Individuum. 13. Pfei'd (Equus caballus) 2 Individuen. 14. Hausschwein (Sus scropha dornest.) sehr zahlreich. 15. Hausrind (Bos taurus) . . . . '. zieml. „ Iß. Hausschaf (Ovis aries) „ „ 17. Hausziege (Capra hircus) . . . 3--4 Individuen. II. Vögel: 18. Au(^rhuhn (Tetrao urogallus) ... 3 Individuen. 19. Birkhuhn (Tetrao tetrix) .... 1 Tndividuinn. 20. Ente (Anas sp.) 2 Individuen. 21. Krähe (Corvus sp.) 1 Individuum. 22. Ein Tagraubvogel (wahrscheinlich ein Hühnerhabicht) 1 „ 23. Eine Eule von der Grösse des Wald- kauzes 1 „ Hl. Fische: 24. Hecht (Esox lucius) zahlreich. 25. Wels (Silurus glanis) 1 Individuum. Im Einzelnen ist über diese Fauna noch Folgendes zu bemerken. Die Hauptmasse der Knochen rührt von den Haus- tieren her; namentlich hat das Hausschwein stark dazu beigetragen. Unter den wilden Säugetieren sind nur Hirsch und Roh durch zahlreiche Knochenreste vertreten ; die übrigen ' Arten haben wenige Ueberbleibsel zurück- gelassen. Die Mehrzahl der markhaltigen Knochen ist zerschlagen, so dass gewöhnlich nur die oberen und unteren (TJelenkteilc vorliegen. Doch sind selten h'gend welche scharfe Schlagmarken \'on Steiukeilen oder der- gleichen Jnsti'umenten zu bemerken; man scheint die Röhrenknochen meistens mit stumpfen Steinen quer zer- schlagen zu haben. Längsspaltung ist relativ selten zu beobachten. Es ist hier nicht der Ort, über die einzelnen Arten genaue Angaben und Beschreil)ung(ni zu liefern; doch kann ich es mir nicht versagen, einige bestimmtere Notizen über dieselben hinzuzufügen. 1. Der \^"olf ist aus drei Fussknochen mit Sicher- heit zu erkennen; dieselben lassen auf ein sehr grosses, schlankgebautes Individuum schliessen. Nr. 2. Niitiirwissensdiaftliclii' Woclienscilirift. 11 ■J. I)('i- l'Mirhs ist (lui-cli i'iiw ■/.icriicili' Si'lilidrlkaiisi'l llllll i'ilic CIiIsIUVcIicImIi' rilliTkirlrliliiirti' llllL'rdcllIct. :!. Die Wildkatze crkiMiiic ii-li in riiiciii Scjiädi'l und /wi'i IfntiTaniisknochi'n, wcIcIm' auf ein IO\riii|ilar \oii iiiässiui'i' Stiu'ki' si'ldi<'ss('ii lassrii. •1. Dil' hMsciiiit ti'i- ist Hill' diiivli ciiii' ( vciict/.ti') LlntiTkicrcrliälfti' aiiyi'diMiti't. .'). Der i^cnicinc lliii'. I']in iinlrrcr Iv'kzalm und zwei b'nsskiHHdii'ii iassi'ii ein iiiässii^' stai'ki's Exrinpiar ci'kcinii'ii. (■>. DiT liilirr. Zwi'i uiitcrr Naiiczäliin' und der l'utcrschi'uki'l-KuiMdii'U cinrs j'üni^crru Indi\idiuuiis. 7. DiT llasi'. Nur drei Knoidii'n von zwri Indi- \idui'U. Ol) (licscUion drin i;riiii'ini'n l'^cldliascn odci' di'iii ScliuiM'liascu anKi'liöri'ii, wai^c ich ni(dit zu sau't'ii. 8. Das Wildsclnvi'iu. Siclici- i'i'kcnnbar nur dur(di drn luitcfcn Eckzalni (Hauer) eines eHenliar kdliissaleii Keileis. Derselbe zei^t übrigens einen etwas ahweicliendeii Eflialtnii,i;szustand; er ist viel schwerer und ersclii'int mein' fossil (vei'steinert), als die ühriü'eu Reste. 9. Das Ur-]\iiid (Res |irinii,yenius) ist nur durch den Jlornkeni eines reciiten Hnrnes vertreten. Derselbe hat an der Basis einen Unil'anii' von 3.5 cm; seine Länge beti'äi;!, der äusseren Krünnnuny nach i^emessen, 60 nn. Kr erscheint verhältnismässiy kurz und dick, weshalb i(di ihn eineni ÜuUen zusclireihen möchte. Sehr nierk- wiirdii.'' sind die zahli'i'ichen. sehr scliön erhal- tenen Schnitte und sonstii^en Spuren mensch- licher üearbeitun^- an diesem Hurnkerne. Man sieht zunäciist rinij's um die rauhe üasis herum eine Reihe ven scharfen Einschnitten, welche vermutlich beim Abhäuten des betreffenden Ur-Bullens entstanden sind. Demnächst hat man den Hoi'nkern nebst dem Herne vom Schädel abgeschhif^en oder abiufcbrochen, und nachdem man später (durch zeitweises Maceriren odi'r mit Hilfe von Insekten?) das Hörn von dem knöchernen Hornkerne. herunterg"ezO!a:en, hat man di^n letzteren nicht nur in zwei Stücke getrennt, sondern aucli an diesen vielfach herumgearbeitet. Und zwar scheint diese Bear- beitinig mit Steinmeissein und Schabern geschelien zu sein; dii' völlig deutlich erkennbaren Einschnitte, Hiebe und Abschabungen deuten auf weniger schneidige Insti'u- mente hin, als dasjenige war, mit welchem die scharfen sehmalen Einschnitte rings um dii' Basis aiisgefühi't sind. \'ergl. die Abbildung. Beide Stücke, in welche man den Hornkern quer zerti-ennt iiat, passen ganz genau aneinander. — Wir haben in diesem Hornkerne wiederum einen Beweis für das Zusanimeiili'bi'n des Men- sehen mit Bos primigenius vor uns. 10. Der Edelhirsch ist durch zahlreiche Reste von alten inid jungen Individuen vertreten, l'nter den (ieweihstiicken ist eines, welches von cIikmu starken 14-h]nder herrühit; andere stannnen von schwächeren, res}), jüngeren Hirschen. Manche sind von abgeworfenen Geweihen entnommen. Fast alle Geweihstangen zeigen zahlreiche, deutliche Schnitte, an diMijeniyen Stellen, wo man S|ii-ossen und sonstiui' Stücke aliL^etrennt hat. ()l1'enliai- haben die I lir>chij('\seihe initer ilen iJewulmei-n des i'fahlbaus im Szontag-See b(n Jlerstellung von Instru- menten etc. eine presse Rolle gesiiielt. 11. Auch vom Reh sind zahlreiche ]{e..ste vor- handen, sowohl von alten als auch von jüngeren Exem- plaivn. Dii^ (iehörne, untcM' denen sich (ün abgeworl'eni^s belindet, rühren meist von Sechser-Böcken her; l)es(inder.s stai'ke (iehöi'ue sind nicht dabei. Ich betoiii', dass ich keinen einzigen Rest vom I\ei:tiei'e unter den zahlreichen Cei'viden-Resten beob- achtet habe. Es ist dieses auch sehr natüi'licii; wo das Reh gedeiht, da godeiRt das R(!ntiiM' im allgemeinen nicht. Freilich hat Herr Prof. Stieda ilrei Knochen (zwei Schulti'rblätter und einen Oberarm) aus dem i'fahlbau Kownatken iniweit NeidiMiburg auf Rentier bestiimiit und danelien andei'e Knochen auf Reh und lOdelhirsch. Man könnte aber die Ei"ige aufwerlen, ob die betref- fenden Knochen, falls sie unzwcifeliiaft vom Rentier henühren, nicht vielleicht in eini'in etwas tieferen Niveau als die Reliknochen e'efunden sind. Ich muss lietimen, dass ich das Zusammen\'orkommen des Rentiers mit Reh, llausschwein, Hausiind etc. noch niemals bei meinen zahlreichen Untersuchungen prähistorischer Funde habe konstatieren können. 12. Der Haushund ist durch einen einzigen Schädel nebst den zugehörigen Unterkielbriiälften vertreten. Genau i;enommen ist es nur ih'r Sciinauzenteil eines Schädels; die Gehirnkapsel fehlt, ebenso die hinteren Teih' der Unterkieferhälften. Nach der Beschartenheit der Schädel- nähte und der Zähne ist der betreffende Hund kaum ein Jahr alt gewesen, als ihn der Tod ereilte; vermutlich starb er keines natürlichen Todes, sondern wurde zu kulinarischen Zwecken verwertet. Das Gebiss ist auf- fällig kräftig gebaut und zeigt t^inen entschiedenen W'olfstypus. Bei einer Gaumenlänge von nur 90 w»/ und einer grössten Oberkieferbreite von nur 50 V2»»" hat der ober(> Fleischzahn (Sectorius) eine Länge von 21 mm, während die beiden olieren Höckerzälin(> zusammen 20,8 OTH( lang sind. Die Können dieser Zähne sind sehr scharf und markiert, bei relativ grosser Dicke. 13. Vom l'ferd linden sich Reste zweier Individuen. Sie beweisen, dass es sieh um eine zierliche Bony-Race handelt. Vermutlich war dieses l'l'erd gezähmt. Nach der Beschallen heit der Knochen lässt sich dieses aber nicht mit Sicherheit sagen; die Knochen sind ebenso lest und glatt, wie bei wilden i'fei-den. 14. (ianz ausserordentlich zahlivicli sind die Reste des J-lausschweines. Nach den Dimensionen der Skelet- teile und den Formen des (iebisses gehören dieselbi'ii zu di'r kleinen Rasse, welche ich als Sus scrofa naniis beschrieben habe,-;) und welche ich als eine durch pii- mitive Domestikation aus dem europälsehi'H Wdd.scliwein hervorgegangene Zwergrasse an.selu'. Leider sind die *) ■Sitziiiigsl). (1. ties. iiatiiif. (•■icuiide z. Ucrliii v. 15. .Jan. 1^><4. 12 Natiirwissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 2. Scliädcl sämtlich zerschlagon. Mit VdrUehc hat man Exemplare von 6—8 Monaten und von iVa— 2 Jahren verzeln-t; doch felilt es auch niclit an Resten von !>anz juug-en und reclit alten Individuen. Die Mchrzalil der älteren Exemplare ist Aveiblicli; die überzähligen Männ- chen hat man wohl meistens schon als Ferkel verspeist. 15. Das Hausrind ist viel weniger zahlreich ver- treten, als das Hausschwein. Man kann nach den Ge- bissen 4 — 5 alte, 2 dreijährige und 2 ca. sechsmonatliche Exemplare unterscheiden. Ueber die Rasse etwas zu sagen, ist schwierig und würde eine längere .Auseinander- setzung erfordern, wofür hier nicht der geeignete Platz ist. Icli bemerke nur ganz kurz, dass icli dieselbe als eine kleine Primigenius-Rasse ansehe. Im allgemeinen sind die Skeletteile kräftiger, als diejenigen der von Rütimeyer, Naumann, Studer u. a. beschriebenen sogenannten Torfkuh; sie bleiben abei' bedeutend hinter den Skeletteilen der modernen Primigenius-Rassen Nord- deutschlands zui'ück, wie sie durch die vervollkommnete Zucht und Pflege in den letzten Jahrliunderten erzielt sind.*) 16. Das Hausschaf ist ungefähr ebenso zahh-eich oder noch etwas zahh-eicher vertreten, wie das Hausiind. Nacii der Form der Hornkerne scheint dasselbe der so- genannten Haidschnucke ähnlich gewesen zu sein. Die Hornkerne der Böcke sind dick, von stumpf dreiseitigem Querschnitt; ihre RicJitung geilt meistens einfach schräg nach hinten, ohne deutliche spiralige Drehung. Auch die Weibchen waren gehörnt; ihre Hornkerne sind schwä- cher und g-latter gebildet und mehr rundlich (elliptisch) im Querschnitt, als die der Böcke. Das Hausschaf aus dem Pfahlbau des 8zontag-8ees repräsentiert eine andere Rasse, wie das von Rütimeyer beschriebene „ziegen- hörnige" Schaf der schweizerischen Pfahlbauten. 17. Von der Hausziege konnte ich mehrere Exemplare feststellen. Es muss eine ziemlich kräftige Rasse gewesen sein, verhältnismässig grösser und kräftiger als Pferd, Schwein, Rind und Schaf waren. Bei primitiven Veiliältnissen der landwirtschaftlichen Tier- zucht kann man es öfter beobachten, dass die Ziege relativ gut gedeiht, auch wenn die anderen Haustiere klein und zu- rückgeblieben erscheinen. Es mag dieses wohl mit dem leb- iiaften, unabhängigen Wesen der Ziege zusannnenhängen. 18. Vom Auerhuhn fand ich Reste dreier kräftiger Exemplare vor; es sind zwei Häime und eine Henne. 19. Das Birkhuhn ist nur durch ein weibüches Individuum vertreten. 20. Eine Enten- Art ist durch zwei Knochen an- gedeutet, welche von zwei verschiedenen Individuen hei- rübicn. Der Grösse nach kann man sie auf die wilde März- oder Stockente (Anas boschas) beziehen, also auf die wilde Stammart unserer gewöhnlichen Hansente. 21. Eine Krähen-Art ist durch einen fast voU- *) Die prähistorischen , frühhisturischeii und mittelalterlichen Rinder unserer Gegenden waren durchweg n)eln' oder weniger ver- kümmert, infolge mangelhafter Züchtung und nac.liläs.siger Pfiege. ständig erhaltenen Untcrschnabel angeilmtct. ^Vahr- scheinlich handelt es sich um Corvus cornix, die soge- nannte Nebelkrähc 22. Ein Tagraubvugel von der (irössc eines Hühneriiabichts ist dm-ch eine wolüerhaltene Tibia vei-- treten. 23. Eine Eule von der Grösse des Waldkauzes er- kenne ich in einer Ulna imd einer Tibia. 24. Der Hecht ist durch zahlreiche Reste vertreten. Dieselben rühren zum Teil von sehr starken Exemplaren her. 25. Der Wels ist, wie es scheint, nur in einem Individuum von mittlerer Grösse angedeutet; es sind eine Gehirnkapsel und viele sonstige Kopfknochen vdrlianden, welche eine sichere Bestimmung erlauben. Ueberblicken wir obige Fauna aus dem Pfahlbau des Szontag-Sees, so bemerken wir viele Aehnhchkeiten mit der Fainia der Pfalilbauten in der vScliweiz, sowie auch namentlicii derjenigen im Starnberger See, wie sie von Rütimeyer, Studer, Naumann und anderen be- schrieben ist. Natürlich fehlen im Szontag-See die Reste der alpinen Tiere, wie Gemse und Steinbock. Der Haushund aus dem Szontag-See ist nicht der kleine sogenannte Torfhund Rütimeyei-s, sondern er ähnelt dem sogenannten Broirzehunde (Canis matris optimae Jeitt.) Genauei-es über ihn werde ich an einer anderen Stelle veröffentlichen. Ich will hier um- betonen, dass es nach meinen Erfahrungen nicht zutreffend ist, den Canis matris optimae als eine speciell der Bronzezeit zukommende Rasse anzusehen; er kommt auch schon an neolithischen Fund- stätten vor. Freilich ist es überhaupt nicht möglich, zwIscIkmi der Stein- und der Bronze-Periode eine bestimmte, allgemein- zutreffende Grenze zu ziehen. Es kann recht gut sein, dass die Bewohner des Pfahlbaus im Szontag-S(>e sicii zur Herstellung von Instrumenten und Watten noch aus- schliesslicii des Steines, der Knochen und Geweihe be- dienten, während in anderen Gegenden schon die Bronze als Hauptmaterial für Instrinnente und Waffen benutzt wurde. Dass die Bronze den i'fahlbauern des Szontag- Sees nicht völlig unbekannt war, ergiebt sich aus den oben zitierten Mitteilungen des Herrn Prof. Hey deck. Der p]rhaltungszustand der von mir untersuchten Tier- knochen ist durchweg ein ähnlicher, wie bei den Knochen ans den Pfahlbauten der Schweiz. Hausgeflügel scheinen die Pfahlbauern des Szontag-Sees noch nicht l)esessen zu haben; namentlich fehlt jede Spur vom Haushuhn. Wenn man sich nach den Tierknochen eine Vor- stellung von ihrer Lebensweise machen daif, so scheinen sie vorzugsweise von Jagd und Viehzucht, teilweise auch vom Fischfang gelebt zu iiaben. Hauptsächlich genossen sie das Wildpret vom Hirscii und das Fhisch ilu-es kleinen, wildschweinähnlichen llausschweines. F\>rner mussten Reh und Schaf ihnen ziemlich oft einen Beitrag zur Nahrung liefern; ebenso auch das Rind; seltener wurde eine Ziege geschlachtet, LTnter den Fisclien spielte der Hecht die Hauptrolle, unter den Vögeln der iVueriiahn_ Nr. 2. Naturwissenscliiirtliclii' Woclien.sclirift. 13 I )ii' ühriL'cirrii'i-urli'ii lialicii, \\ ii' CS iKirli ilcMi wniiL'vii | llilil mhi ilcr Li'hciiswi'isc iiml Kiilliir i|i'i- lirlicHniilcii l'clicrlili'ilisi'lii si'liciiil, nur sdir M'ivinzcll /.ii den Mahl- licvillkiTiiiiL;- iii;li-Iiimi. - I )cr \civiii „l'i-ussia" in K^nliJ.'■s- /,(.itl■Il ilri' Üi'wiiluicr lies l'lahllians im S/.iintai.'-Si'r ' iiri'!^- luii sich dnrch dir Aus>j-ral)uni;('ii im S/,(Mitai;--Sce lirit;('tiai^vn. «'in entschiedenes N'erdienst niii dii' Aut'klarnn;;' di'i' \or- Inimi'rhin kann man sich nach den Mniiandeurn i;vscliiclitliciieii Vcrliältllisse Ustpreusscns envoriji-n. Kniicjicnivsti'n und nach ih'n Artel'akti'n ein denthchcs Das Rechnen an den Fingern und Maschinen. \(.n l'n.r. Dr. II. Mine i^Tössere Au.shikluni,'- als liei den (iriechen i^cwann das instrumentale Reclinen bei den iiiaklisciien Hiiniei'ii, (iliwohl diese in der eigentlichen Mathematik so ,i,Mit wie nidits leisteten. Schon die ältesten lleber- liei'erungen sprechen von Zalildarstelluni^-cii vermittelst der Kinger. Nach l'linius (Jlist. nat. XXXIV, 1(1) soll König Nunia i'omiiiiiiis ein Standbild des .lanns haben errichten lassen, dessen Finger die Zahl •'505 als Zahl der .laineslage andeuteten. Auch lässt Martianus ('ai)ella die als (iöttin auftretende Arithmetik die Zahl 717 mittels der Finger darstellen. Neben diesen Angaben ganz bestimmter dnrch Fingerbeugung angedeuteter Zahlen kann man noch viele Stellen römischer Schrift- steller aus den verschiedensten Zeiten anfühi'en, welcln; das l<'ingerrechnen im allgemeinen bestätigen. Die rechte Hand, sagt l'lantus im Miles gloriosus, bringt die Rechnung zusammen. Mit Wort und Fingein lässt Suetonius die (Goldstücke abzahlen. Bei (^uintilius ist von einem Falschrcchnen durch unsichere oder ungeschickte Beugung dei' I<''inger die Rede. Dieses Fingei'rechnen der Römer hat sich nun von .Jahrhundert zu Jahrhundert, grössten- teils wohl durch mündliche Ueberlieferung, fortgepflanzt. Einen IJeleg dafür giebt das von dem englischen Mönche lieda im Jahre 703 veifasste Werli über Zeitrechnung, di'ssen erstes Kapitel der Fingerreclinung gewidmet ist. lieda leitet dieses Kapitel mit den Woiten ein: „Wir halten es für nöthig, erst in Kürze die überaus nützliche und stets bereite (ieschicklichkeit der Fingelbeugungen zu zeigen, um dadurch eine möglich grösste Leichtigkeit des Rechnens zu geben. „Ausführlich lehrt dann der Verfasser, wie man, von der linken IJand beginnend und zur rechten fortschreitend, die einzelnen Zahlen dar- zustellen und zu verknüpfen habe. Es ist anzunehmen, dass dieses Fingerrechnen erst allmählich wieder ausser (iebrauch kam, als die indisch-arabische Schreibweise der Zahlen, und die darauf beinhenden, becinemeren Rechenmethoden beim .\nsgang des Mittelalters mehr und mehr in das Volk drangen. Doch kann man noch heute Spuren des römischen Fingerrechnens bei den N'ölkeischaften der unteren Donau finden. Man bedient sich dort der Finger, um zu finden, was herauskommt, wenn man zwei zwischen fünf und zehn liegende Zahlen multipliziei't. Die h'inger jeder der beiden Hände er- hallen vom Daumen bis zum kleinen h'inger beziehungs- A. Si-hulicrt. weise die Worte sechs bis zehn. Hat man nun zwei Zahlen, wie etwa 8 und '.) zu multiplizieren, so streckt man den die Zahl 8 darstellenden Mittellinger der einen Hand vor und ebenso den die Zahl !) darstellenden Ringfinger der aiidein Hand. Die Anzahlen für die nach dem kleinen l''inger hin übrigen Finger beider Hände, hier 2 und 1 Fingt^r , werden dann multiplizieit, die. .anzahlen der anderen l<'inger, hier 3 und 4, dagegen addiert. Dann giebt die letztere, durch Addition ent- standene Zahl, hier 7, die Zehner, die erstere, durch Multiiilikation entstandene Zahl, die Einer des gewünschten Resultats 72. In der That ist das Zehnfache von a— .5 plus b— .5 vermehrt um 10— a mal 10— b nach den Regeln der Arithmetik immer soviel, wie a mal b, und daraus erklärt sich, dass das angegebene Verfahren immer zu einem richtigen Resultate führt. Der Zweck des Verfahrens ist natürlich der, dem Gedächtnis das Auswendigbehalten des kleinen Einmaleins von ti mal bis 9 mal 9 zu erspai'en. Man bemerke übrigens, dass dabei sechsmalsechs als sechszehnundzwanzig, sechsmal- sieben als zwölfunddreissig erscheint. Dass dieses Ver- fahren auf römischen Ursprung zurückzuführen ist, wird um so begreiflicher, wenn man beachtet, dass die römische Schreiljweise der Zahlen von «—9, nämlich VI, Vll, VIII oder IIX, Villi oder IX naturgemäss zur Beachtung gerade derjenigen beiden Zahlen führen musste, welche den Abstand einer Zahl von V und von X angeben. Nächst dem Fingeriechnen war bei den Römern das Rechnen auf dem Rechenbrette üblich und bildete sogar einen wichtigen Gegen.stand des Elementarunterrichts. Dieses Rechenbrett, nach dem griechischen ußa^ von den Römern abacus genannt, war bisweilen mit Staub bedeckt, sodass man darauf einerseits geometrische Figuren aller Art entwerfen konnte , andrerseits aber auch durch Ziehen gerader Linien eine Einteilung in Kolumnen vor- nehmen konnte, welche, mit Steinchen, calculi, belegt, zum Rechnen dienten. Ausser diesem noch unvoll- kommenen Rechenbrett gab es aber auch bei den Römei'n einen Abakus mit Einschnitten und Knöpfchen, die in diesen Einschnitten verschiebbar waren. Die genauere Beschreibung derartiger altrömischer Rechenmaschinen, die .sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben, findet man bei Becker-Maiquart, Handbuch der lömi.schen AltiMthümer, V, loo. Sie dienten nur dem Rechnen, waren von Metall, und hatten S längere und 8 kürzere 14 Natiu-wissenschaftliclie Woclienschrift. Nr. 2. Einschnitte, sodass immer ein Ifürzeier Einsclinitt in dei' Verlängerung- eines längeren nacli oben lag. In den Einschnitten waren bewegliclic Stii'te mit Knöpfen, und zwar in einem der längeren 5, in den übrigen längeren 4 Stifte, wälii'eud die kürzeren Einschnitte nur einen Stift nebst Knopf etilhielten. Jeder längere Einschnitt war oben, also nach der Seite hin, wo der kürzere Ein- schnitt ihn fortsetzte, mit einer Ueberschrift vei'sehen. Unterhalb der Tafel waren behufs bequemerer Auf- stellung Füsschen angebracht. Beim Gebiaucli mussten die Einschnitte senkrecht zum Recliner laufen. Die Marken in jedem längei'en Einschnitte bedeuteten einzelne Einheiten einer bestimmten Art, während jede Marke des darüber belindlichen küi'zeren Einschnitts fünf solcher Einheiten zählte. Nur der ei'ste kürzere Einschnitt von i'echts bildete eine Ausnahme, indem jede daiin befind- liche Marke ß Einhiuten zählte, entsprechend dem darunter befindlichen längeren Einschnitt, der 5 statt 4 Stifte enthielt. Diese i-echts als erste liegende Ivolumne diente für das Rechnen mit Bruchteilen der Einheit. Die übrigen sieben l^jinschnitte trugen in nach links dekadisch auf- steigender Reihenfolge die Uebeischiiften : eins, zehn, hundert, lausend, zehntausend, hunderttausend, millionen. Da die Röinei' ihre Münzen und Masse gei'n in zwölf Teile einteilten, so diente die erste Kolumne von rechts zum Rechnen mit Unzen, d. h. Zwölfteln. Je nachdem man einen Stift eines kürzereu Einschnitts nacli dei' Mitte zog oder nicht, galt ei' als fünftaclie bezieluuigs- weise sechsfache Einheit mit. So konnte man alle Zahlen \on 1 bis 9 999 999 nebst allen dazu gehörigen Brüchen mit dem Nenner zwölf leicht daistellen. Beim Addieren musste man natürlich darauf achten, dass man inuner zwölf Einheiten der letzten Kolumne durch eine gegen die Mitte vorgeschobene Marke der nächsten Kolumne ersetzte, dass man in den übrigen Kolumnen aber immei' für zehn Einheiten eine Einheit der vorhergehenden Kolumne nahm. Jede nach der Mitte geschobene Marke wurde immer als giltig, jede oben oder unten befindliche als ungiltig beti'achtet, wie die folgende Zeichnung zeigt, welche die Abliildung der Zahl lo287;) = l:3287i2 auf dem römischen Abakus vei deutlichen soll: Neben der am weitesten nach i-echts liegenden Kolumne für die Unzen, d. h. Zwölftel, war bisweilen noch eine weitere rechtsliegende Kolumne mit drei Ein- schnitten vorhanden, von denen diel)eiden oberen mit je einer Marke, die unterste mit zwei Marken versehen waren. Diese Einschnitte bezogen sich auf die Zählung von halben Unzen, d. h. Vierund- Römischesitechenbrett zwauzigstcln, viertel Uuzcn, d. h. Acht- undvierzigstelnunddrittel Unzen, d.h.Sechsunddroissigsteln. Diese Erweiterung gestattete schliesslich die Berück- sichtigung aller möglichen Rrüche mit den Nennern 2, .3, 4, 6, 8, 12, 1«, 18, 24, 36, 48 und aller derjenigen Brüche, die sich durch llfben auf die eben genannten ■ • • • • • • « • • • • • • • M • • • • • • • • • • X • • * • • I • • • • i • • • • • Nenner zurückbiingen lassen. p]s ist klar, dass auf einem solchen Rechenbrette, wie auf jedem ähnlichen Apparate mit festen Marken, Additionen und Subtraktionen leicht vollzogen weixlen konnten. Wollte man multiiilizieren odei- dividieren, so war es nötig, die Zahlen, an welchen jene Operationen voigenommen werden sollten, besonders, etwa schiiftlich, anzumerken, uudder Abakusvermitteltenur die Vereinigung der Teilprodukte, beziehungsweise die Subtraktionen der aus den Teilquotienten entstandenen Zahlen. Dabei war ein Kopfrechnen mit Benutzung des P^inmaleins nicht zu umgehen, und bei diesem fand viel- leicht die oben beschriebene, noch heute bei den Süd- slaven übliche Einger-Multiplikation Anwendung. Jeden- falls wui'de das kleine Einmaleins bis fünfmalfünf, vielleicht aber auch bis zehnmalzehn, den römischen Knaben in ähnlicher Weise eingepaukt, wie den Kindern der Gegenwart. Denn viele römische Schriftsteller, z. B. (Horaz in de ai'te poetica, v. 325) berichten, dass die Knaben in den Scluden Kopfrechnen lernten, ferner, dass demjenigen, der an einer Schule vorüberging, die einföimigen Töne des bis bina quattuor (zweimalzwei ist vier), welches die Knaben gemeinsam herzusingen (decantare) hatten, entgegenzudringen pflegten, und dass damit noch andei'e Misstöne sich häufig genug vereinigten nämlich das Klatschen der Rute odei' der Peitsche und das Heulen der in so eindringlicher Weise unterrichteten Scliüler. Das im Gedächtnis befindliche kleine Einmal- eins konnte im Verein mit dem Rechenbrett ausreichen, um Multiplikationen von kleineren Zahlen auszufühi'en. Kamen aber Multiplikationen von grössei'en Zahlen oder kompliziertere Bei'echnungen voi-, so nützte dem unge- übten Rechne)' weder Einmaleins noch Rechenbrett. Eür solche b'älle gab es tabellaiisch geordnete Rechen- tabellen, sogenannte Rechenknechte. Zwar ist uns kein alt-römischer, wohl abei- ein spät-i'ömischer Rechenknecht erhalten, dem wahrscheinlich ältere Tabellen-Werke als Muster gedient haben. Es Ist dies der Calculus des um 450 nach Christi Geburt lebenden Victorius, eines Ge- lehiten, der sich auch durch Herausgabe eines canon pasclialis, d. h. einer Anleitung zur Auffindung des richtigen Üsterdatums berühmt gemacht hat. Eine wesentliche Vervollkomnuiung erfuhr das römische Rechenbrett durch Boethius , jenen eintiuss- leichen römischen Patrizier, der auf Veranlassung des Ostgotlien-Königs Theodoricli 524 enthauptet, neuei'dings durch Felix Dahn's „Kampf um Rom", dem grösseren f^ublikum bekannter geworden ist. Das von Boethius eingeführte Rechenbrett, hatte zwar auch Kolumnen, wie die ältei'en Rechenbi'etter. Während aber bis dahin die Ausfüllung der Kolumnen durch gleichgestaltete Marken erfolgte, deren jede die der Kolumne zugehörige Ver- vielfachung erfuhr, waren die Mai'ken (apices) bei Boethius von verschiedener (iestalt, und jede hatte eine |]ezeiclmuug, welche ihr den Wert einer der neun Zahlen von 1 bis 9 verlieh. So näherte sich das f'rinzip des Rechenbretts schon mehr dem Prinzip des Stellenwerts, N)-. Na(iirwissen5;cluiftli('lK' Wocliensflirift. nai-li welchem wir lnnlr unsere Zahlen schreiben. Dass aber zwisclien beiden l'rinziiiien nocli eine g-e\valtiye Ivliift hig, beweist der von 1000 bis 120ü gefüln'te Kaiiii)!' /Avisclien den Abacisten und Algoritliniiiiern, d. Ii. denen, welche sieh von dem nimisc lien Ivechnen auf dem Rechen- breit nielit liennen wollten, und denen, welche die auf dem Piin/Jp des Stellenwerts und eines Zeichens l'lii- Null bei'uliende, indiscli-arabische Schreibweise dei' Zahlen pllegten und für das Iveclinen verwerteten. Vom sechsten bis di'ei/.elmten Jahrhundert begegnen wir noch Jiiiulig dem (iebraucli des römis<'lien Ixechenbretts, so z. B. bei dem im .lahie 999 zum Papste (Sylvester 11) gewählten, berühmten Mathematiker Gcnbert. Dann aber verdrängten die indischen Methoden, Zahlen v.a schreiben, und mit ihnen zu rechnen, mehr und mehr den römischen Abaktis odei' vielmehr, sie machten denselben mehr und mehr entbehiiich. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass vom dreizehnten Jahrhundert an Rechenbretter überhaupt ausser (iebrauch kamen, sondern nur, dass die oben beschriebenen, beiden römischen Einrichtungen, sowohl die ältere, wie die des Roethius, allmählich abkamen. Im 16. Jahrhundert waren z. R. in Deutschland hölzerne Rechenbretter gebräuchlich, auf denen Marken nicht nach römischer Art in Rinnen liefen, sondern frei beweglich waren. Diese Rretter dienten zur Entlastung des Ge- dächtnisses beim Rechnen, namentlich aber als praktische Vei-anschaulichungsmittel beim ersten Rechenunterricht, der zur Zeit des Adam Riese (15.")0) ,,auff der Linien" begann, und erst später ,,auff der Federn", d. h. mit geschi'iebenen Ziffei-n, fortgesetzt wurde. Ob sich auch die orientalischen Völker im Alter- tum bereits instrumentaler Hilfsmittel beim Rechnen bedienten, darüber wissen wir nicht viel. Namentlich wissen wii- von dem Volke, welches für das Rechnen am begabtesten war, von den Indern, nicht, ob sich die- selben der Finger oder eines Rechenbretts bedient haben, ehe sie die Welt mit deijenigen Schreib- und Rechen- weise der Zahlen beschenkten, welche dann Gemeingut aller Kulturvölker wurde. Von den Arabern wissen wir aus einem kleinen Lehrgedichte eines Verwaltungs- beamten Schams addin al Mansili, dass dieselben an den Fingern zu i'echnen pflegten. Genau in derselben Reihen- folge, wie es in der oben erwähnten Schrift des Rhabda von Smyrna auseinandergesetzt ist, wui'den auch bei den Arabein die Einer und Zehner an der linken, die Hunderter und Tausender an der rechten Hand dar- gestellt. Ob aber die Araber Rechenbretter hatten, ist uns nicht bekannt. Wohl aber wissen wir dies von den Chinesen, nur dass die darauf bezügliche Zeitangabe chinesischen und deshalb zweifelhaften Ursprungs ist. Wie nämlich einem Ministei' des Kaisers Huängti, der im 27. .Jahrhundert geherrscht haben soll, die Erfin- dung der Schrift zugeschrieben wird, so soll ein anderer Minister desselben Kaisers dei- Erlindei- des .swän pän, genannten chinesischen Rechenbretts sein. Dasselbe ist in ('hina jedenfalls seit vielen .Tahrhunderten in Gebrauch. Es besteht aus Drähten, die in einen Rahmen eingespannt sind, ])arallel miteinander lauli-n, und verschiebbare Kugeln ti'agen. Der erste Draht fasst die iOiner, der zweite die Zehner n. s. w. Ein iester, diuch jene Drähte gehender Queidraht teilt sie in zwei Teile, welche, 2 und 5 Kugeln enthaltend, den Hanpt- und Neben-Kolumnen des ronnschen Abakus entsprechen, so dass eine Kugel auf der einen Seite eins, auf der anderen fünf bedeutet. \Vie ausnahmslos sich die ('hi- nesen ihres Swän i)än bedienten, ist schon daraus zu entnehmen, dass in den jjehrbüchern der eigentlichen Rechenkunst über Addition und Subtiaktion gai- keine Voischriften gegeben sind, doch wohl nur, weil man diese Rechnungsarten mit der Hand auszuführen gewohnt war. Dieses chinesische Rechenbrett ist im Reiche der Mitte noch heute sehr gebräuchlich, wie Herr Gosch- kewitsch in seinem Werke über China (A. d. Russi.sclien, Berlin 185S, Bd. T, S. 290) und Herr Westphal in den Mitteilungen füi- Völkerkunde in Ostasien (1R7"), S. 43) bestätigen. Dieselben Veifasser eizählen auch, dass geübte chinesische Rechner mit den vier Fingern der rechten Hand auf ihrem Rechenbrette wie auf einem musikalischen Instrumente agieren, darauf ganze Zahlen- Akkorde zu greifen im stände sind, und im Schnellrechnen grossartiges leisten. Auch in Russland ist dasselbe^ Rechenbrett in vielen Kaufmannsläden zu finn Pfahlliaus. (Mit .Mihild.) — Prof. Dr. H.Schubert: Das Rechnen an den Ifingern uiul an Jlaschinen. (Fortsetzung.) — Kleinere Mitteilungen: Sport und körperliche Uebung. — Ueber den EiuHiis.s der l'arbe der Blendgläscr. — Fragen und Antworten. ^ BUcherschau. — Berichtigung. V^erantwortlicher Redakteur: Dr. Henry l'otonie. — Verlag: Hermann Riemann. — Druck: (iebrüder Kiesau. Sämtlich in üerliu. Hieran eine Beilage, welche nii- l»esoii4lers xn beachten bitten. Beilage zu Nr. 2, Band III der „Naturwissenschaftliclien Wochenschrift". 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[io3 3 M O ,_ , etW rr «J ob CR c: 2-a g.»5-3 S 1 a S' S" 9 I ^V! ir rp f 'f' -r r h f r •'h -r -r • ¥•-» ■ ff- -r ^ -r •'h -r ^•A'<\«'«\<'«\<.'«a'edeutung' der Steinkörperchen , die wir so speziell für die Birne wahrscheinlich gemacht zu haben glauben, lässt sich ungezwungen auf alle aijfelfiiichtigen Pflanzen, Pomaceen, sowie übeiiiaupt auf alle diejenigen Pflanzen übertragen, die im Fruchtfleische Steinköriier besitzen. Nach .Ih. Decaisne's Fassung der Gattung Pj'rus*) wären es alle hieihin gehörigen Alten, für welclie die von mii- entwickelte Ansicht Geltung besässe. Auch die ((»uitte u. s. w. gehört hierher. Die Anordntnig der Steinkörper ist immer dieselbe, wie die vorhin bei der Biine angegebene. Ja, das königliche Herbarium zu Berlin besitzt ein von "Weide mann von der Westküste des Kaspischen Meeres mitgebrachtesExem])lar einer(^uitte, dessen Früchte analog denen der bei Gderbeig gesaunnelten vorerwähnten Birne gebaut sind : um das Kernhaus findet sich eine aus dicht gedrängten Steinkörp(>rn bestehende Schicht, die ihrer- seits von einer verhältnismässig schwach entwickelten Fleischscliicht umgeben ist. — Bemerkt muss allerdings werden, dass ich sowohl Bii'nen als auch Quitten mit durch das ganze Fruchtfleisch fast gleichmässig dunih- setzten Steinkörpern gesehen habe; in allen Fällen aber sind die Köi'per nach dem Zentrum zu gehäufter. Von anderen Pflanzen, auf welche wir die obige Deutung der Steinköri)erclien übertragen können, ei- wähne ich beispielsweise gewisse beerenfrüchtige Arten aus der Familie der Oleaceen im engeren Sinne, die ebenfalls im Fruchtfleische Steinköiper aufweisen, und es verdient besonders bemerkt zu weiden, dass auch die Früchte der Oleaceen — wie die der Pomaceen — Beeren oder Drupen sind.**) *) „ilijmoire sur la faniille des Pomacees" in den „Nouvelles Archives du Museum d'Histuire Naturelle de Paris". 1875 S. 150. **) Verg-l. auch meine Mitteilung über denselben Geg-enstand in der von Dr Ernst Krause herausgegebenen Zeitschrift „Kosmos", IV. Jahrg. Kleinere Mitteilungen. Von hdlier hygicinischor Bedeutung ist ein A^erfahren Stoffe wasserdicht zu machen, ohne dass dadurch die Durchlässigkeit derselben für Luft verloren geht. So- bald iiUnilicli die wasserdichten Stoffe ihre l'orositut eingebüsst haben, wirkt die Kleidung aus dem Grunde nachteilig auf den Kürper ein, weil dann die Ausdünstung des von der Haut ausgeschiedenen Wasserdampfes behindert bleibt, sich infolge dessen die Haut mit Schweiss bedeckt und der Korper hierdurch in die nämlichen Ver- hültnisse versetzt wird, als ob er sich in einem kontinuierlichen warmen Damiifwasserbade befinde. Folgendes Verfahren hat sich nach angestellten Versuchen für das l'orüs-wasserdichtmachen der Stoffe als recht zweckmässig erwiesen : A. Imprägnation der wollenen Gewebe: 1) mit l"/oiger essigsaurer Thon erde. Die Iniprägnationsfliis-«igkeit wird frisch bereitet aus Wg krj-stallisiertem Allaun auf 1 / Wasser, 26^ ]51ei- zucker auf 1 l Wasser. Jlan mischt beide Lösungen, lässt den unter Umschütteln sich bildenden weissen Niederschlag vom schwefel- sauerm Blei sich absetzen und filtriert die darüber stehende Lösung ab In dem Filtrat kocht man entweder eine Viertelstunde lang das zu imprägnierende Tuch ri sp. Fvlcidungsstück, oder tiägt die heisse Lüsung auf das Tuch bis zur vollständigen Durchtränkung desselben auf. Das durchnässte Tuch wird in einem gut ventilierten Räume zum tmcknen aufgehängt. Das Austrocknen muss so lange andauern bis der Stofi' nicht mehr sauer nach essigsaurer Thonerde riecbt, zu welclirm Zeitpunkte der stattfindende Fixationsprozess beendet ist. Das sauere Thonerdesalz wird dabei durch Abspaltung von Essigsäure, welche in die Luft entweicht, in eine basische, in Wasser unlösliche essigsaure Thonerde verwandelt, durch deren Voi-- handensein auf dem imprägnierten Gewebe die Adhäsion der Ge- websfaser zum Wasser verhindert wird, ohne dass dabei deren Elastizität und Festigkeit eine Beeinträchtigung erleidet. — Das 'J'roeknen darf nicht in einer Temperatur über + 30 " R vor sich gehen, weil sonst eine Umwandlung der Iniprägnationsflüssigkeit in Aceton, Kohlensäure und Thonerde (Aluminiumoxyd) erfolgt, welche letztere als staubiges l'ulver zurückbleibt. Der Reduktions- prozess geht in diesem Falle nach folgender Formel vor sich: rr TT m \ Oe =^ AI Og -f- 3 (C3 H^ 0) + 3 CO., tCo «3 UJe ) (Aceton) (Essigsaure Thonerde) Nach dem Trocknen wird das Tuch gerollt oder mit einem Bügel- eisen geglättet, um demselben wieder ein gutes Aussehen zu geben. 2) Sehr zweckmässig ist es. den zuvor mit essigsaurer Thonerde imprägnierten Stoff nachher noch mit einer dünnen Leimlösung zu tränken. Hierzu empfiehlt sich eine Auflösung von guter, glas- heller Gelatine (1:400 Wasser); weniger gut ist die Verwendung einer Lösung von Hausenblase (1 : 6U0 Wasser). Die.'ie Lösung wird gleichfalls heiss auf das Tuch aufgetragen. Jedoch nur ober- fiächlich, so dass dasselbe nur damit benetzt wird. Hierauf hängt man den Stoff zum Trocknen auf; schliesslich wird derselbe gerollt oder gebügelt. Auf diese Weise erhält der Stoff einen schönen Glanz wie neues Tuch mit guter .\ppretur. 22 Natm-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. U. Impriig-iiation grobli^i ii euer und lianfener Gewebo- — Zwei Vorfaliren empfelileii sich: a) Man imprägniert mit einer zweiprozentigen Lüsnng \on essisrsanrer Thonerde (sii-lie A) allein, oder Ulsst darauf eine Imbibition nn't Gelatineliisimg (1:400 Wasser) nacJit'olgen. b) Besser ist eine Beiznng des Stoft'es mit einer bei ssen zweiprozeii tigen wässerigen Alan n- lüsnng wäbrend der Dauer von 15 Jlinnten. woran sich ein Ab- spülen in Wasser anscbliesst. Darauf wii-d der Stoff 15 Jlinnten lang in eine heisse Anfliisnng von Natronsi^ife (:3 : 100 Wasser) eingefaneht, liernaeli in reinem Wasser abgespült, getrocknet nnd gerollt. Das geschilderte Verfahren ist leicht auszuführen und kann hygieinischerseits dem rublikum sehr empfohlen werden.' Dr. L. S. Betreffs der Verbreitung und der biologischen Ver- hältnisse des Steppenhuhns, Syrrhaptes paradoxus, machte fir. R. Blasius auf der letzten (leneralversammlmig der All- gemeinen Deutschen Ornithologischen Gesellschaft zu Berlin (12. bis 14. September 1888) anziehende J^litteilungeii. Prof AI tum und Dr. Reichenow lii'ferten dazu aus dem Schatze ihrer Erfahrnngen und Ermittlungen Beitiäge. Inzwischen ist in der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Bd. HI. Seite 4 und 5 eine Abhandlung über diesen Gegen- stand von Dr. Ernst Schaff erschienen, welche durch die Ergebnisse der Forschungen der genannten Ornithologen zu er- gänzen und zu berichtigen ist. Nach Blasius wurde das Steppen- huhn aucli im äussersten Süd-Osten Europas beobachtet, namliih bereits am 20. März in ungeheurer Jlenge bei Astrachan niid am 3. April im südlichen Ui'algebiet im Gouvernement Ufa. Dir Hauptzng ging von der Mitte April an von Galizien. Siebenbürgi'u, Ungarn uiul Polen aus durch Nord- uiul Älitteldeutschland. Jn der zweiten Woche des Mai erschienen Steppenhiihner in Holland, Belgien und Nord-Frankreich. Anfang Mai wurden sie vereinzelt auch in Süd-Denttchland und im Elsass gesehen. In England und Schottland weit verbreitet kamen sie nicht nur bis zu den Orknev- soiideni auch bis zu den Shetlands-Inseln (27. Mai). Bei Helsing- fors erschienen sie am 10., Tiei Stockholm am 18. und bei Bergen in Norwegen am 28. Mai. Die Gebirge schienen sie zu meiden; so z. B. zogen sie um die Karpathen herum. Die in Italien beoba<'hteteii Steppenhühner sollen einem kleinen abgezweigten Zuge angehören, der aus der Gegend der Karpathen kam, am 24. April in der Lombardei und am 15. Mai bei t'ivita Vecchia sich zeigte. Auch in Spanien traten Steppenhühner auf, uämlich an der Ostküste an der Albutera-Mündung; wahrscheinlich waren dieselben von Italien beriibeig-ekommen. Da.ss _ sie bei ihren Zügen üliers Meer zuweilen in dieses fallen und ertrinken, beweisen Fälle, die auf der Ostsee beobachtet wurden. Dr. Reichenow meint, dass sie bei ihrem Zuge nach AVesten im atlantischen Ocean umkommen würden. Ihr Flug ist zwar ausserordentlich schnell, mit ihren lang zugespitzten Flügeln durchschneiden sie die Luft; aber sie sind nicht ausdaueriul. In Ostpreussen , auf Wangerow, strichen die Steppenhühnir Ende August in Volkern umher, haben sich dort .also länger auf- gehalten. Darüber, dass die Steppenhühner bei uns gebrütet hätten, ist den Orinthologen nichts bekannt geworden. Alle gemeldeten Vor- kommnisse von Eiern und jungen Tieren beruhten auf Irrtümern oder Verwechslungen mit dem Wachtelkönig, Cre.x pratensis, oder dem Rebhuhn, Perdix cinerea. Die Heimat des Syrrhaptfls ist östlich von der (Jegend, wo die fremden Vögel sich im März und Anfang April zuerst zeigten, näiulich in den Wüsten und Steppen (ientral-Asiens, von der i\ir- gisensteppe bis tief in die Mimgidei hinein. H. J. Kolbe. Ueber eine bemerken.swerte phj'siologische Wirkung von Gymnena sylvestre, einer in Indien und auf dem afrikanischen C(]ntinent vnrknniniendeu Asch-]iiadacee, berichtet B. Berthold (ct. Uhem. Centralbl. 1888, S. 1071). Durch Kauen der Blätter, welche anfänglich bitterlich adstringierend , später schwach sauer schmecken, geht das Unterscheiduiigsvermögeu der Zunge für Süss und Bitter vollständig verloren. Die Wirkung ist so stark, dass z. B. Zucker und Chinin nicht mehr unterschieden werden können Erst nach 1 — 2 Stuiulen stelle sich die normale Geschmacksempfin- dung wieder ein. Die Ursache der Wirkung soll die in den Blättern verbreitete, der Chr.vsophansäure ähnliche Gymnenin- säure sein. Dr. M. B. Keblausbeobaehtungen. — Einer der g-schicktesten und gründlichsten Beblansbeobachter, der Realschnhiberlehrer Dr. Kessler in Kassel, veröffentlichte vor kurzem in einer Broschüre „Neue Beob- achtungen an der Reblaus, Kassel IS&S", die Ergebnisse seiner im vorigen Spätsommer auf Veranlassung des Herrn Ministers der landwirtschaftlichen Angelegenheiten zu Linz a. Rh. angestellten Untersuchungen und eigänzt dadurch wesentlich seine in den Vor- jahren gemachten Beobachtungen. Nachdem als einleitende ]5emerkungen die Art und Weise dar- gelegt worden ist, wie die Reblaus auf ihre Nährpfianze, deuWeiii- stoek, einwirkt, wie dadurch Verwundungen bezw jMissbildnngen an den Wurzeln entstehen, die sich weiter entwickeln und .an Um- fang zunehmen, wird dargelegt und bewiesen, dass die Reblaus an den älteren der vorhandenen Wundstellen, den Tuberositäten, in der tierischen Form überwintert, nicht als Ei. »Sie bleibt bei be- ginnender Vegetation im Frühjahr an ihrem Ueberwinterungsort, geht nicht etwa an .andere Wnrzelteile. An eben dieser Stelle setzt sie ihre Eier ab und stirbt auch hier. Die aus diesen Eiern her- vorgehenden jungen Tiere bleiben entweder ebenfalls an diesem Orte und vergrüsseni dadurch den kranken Wurzelteil oder sie suchen die Anfänge neuer Wurzeln auf und verbreiten auf diese Weise die Krankheit im Laufe der Jahre iiber einen grossen oder den grössten Teil des Wnrzelwerkes an ein und derselben Pflanze. Während eines Jahres folgt durchschnittlich alle drei Wochen eine neue Generation von Tieren den vorhergegangenen. Alle die.se Erscheinungen werden durch zahlreiche Beobaohtungs- beispiele und angestellte Versuche erhärtet. Insbesondere sind die Beobachtungen und Untersuchungen über die im Nachsommer und Herbste aTiftreteuden Nymphen und geflügelten Tiere ausführlich behandelt, wodurch nachgewiesen wird, d.ass keine Form der Reblaus, weder die ungezügelte, noch die Nymphe und geflügelte Form von der Natur zum Wandern, also zum Verbreiten der Wurzelkrankheit an andere Orte eingerichtet ist. Daran schliesst sich der Nachweis d.afür, dass der nachteilige Einfluss der Rehlaus auf den Weinstock, eben weil sie nicht wandern kann, erst nach einer Reihe von . fahren bemerkbar wird. AutGiiind dieser Beobachtungsresultate wird dann die jetzt noch fast allgeniein geltemle Theorie über das Wandern der Reblaus als eine gänzlich irrige n.achgewiesen uud zw.ar durch specielle Besprechung einer Abh.audlung von Dr. L. Roesler in den Annalen der Oenologie (4 Bd., 4. Heft) und eines Briefes des (jetzt verstorbenen) Entomo- logen .1. Lichtenstein in Montpellier an den Verfasser. Als .SchluBS giebt Verfasser noch ein Beispiel dafür, dass man auch in Frankreich durch genaueres Studium der Reblaus in jüngster Zeit dahin gekommen ist, Ansichten, welche bislang für unanfechtbar gehalten, als falsche zu erkennen. So bestätigt Donnadieu in Montpellier auf Grund wieder- holter genauer Beobachtungen Kessler's von vornherein gehabte und geäusserte Vermutung, dass die vielfach verbreitete Ansicht, die Phylloxera vastatrix verurs.ache neben den Jlissbildungen an den Wurzeln (Nodositäten und Tuberositäten) auch noch auf den Blättern amerikanischer Reben Gallen, eine irrige sei. Er weist nach, dass mau bisher zwei Arten von Phylloxera in eine einzige zusammen- gewoi'feu habe, nämlich die wurzelbewohneude Phylloxera vastatrix und die auf den Blättern in Gallen lebende Phylloxera pemphigoides, zwei grundverschiedene Arten. Der genannte französische Forscher weist auch bei dieser Gelegenheit nach, dass das berüchtigte „Winti'r- Ei" nicht von der Phylloxera vastatrix gelegt werde, sondern seine Provenienz in der Phylloxera pemphigoides habe. Wir fügen den Kessler'schen Ausführungen noch hinzu, dass man auch .anderswo Zweifeln an der Richtigkeit der Wanderungs- theorie neuerdings Ausdruck gegeben hat. So interpellierte der sächsische Abgeordnete Bramsch im Dezember v. .7. in der zweiten sächsischen Kammer die Regierung über die Zwecklosigkeit des seither geübten Verfahrens bei Au.srottuug der Reblaus in den sächsischi'u Woinbergeii. Nach einem Vortrage Dr. v. Schlechtendal's in dem „Naturwiss. Ver. f Sachsen" zu Halle, (cfr. Zeitschrift VI, 5 S. 484") belaufen sich die Kosten, welche dem Kgl. Pr. Staate in Reblansaugelegenheiteu bis Ende März 188G erwuchsen, auf 973,233 Mark. Davon entfallen auf Vernichtung resp. Desinfektion 475,578 Mark, auf Entschädigung 210,579, auf Sachverständige 271,540, Heranbildung solcher 9535 Mark. — In einem Artikel, betitelt die „Rehlausgefahr" im „Daheim", .fahrg. XXIV, Nr. 1 spricht sein Verfasser die Vermutung ans, dass sich die Reblaus mit der Zeit vielleicht nicht so schädlich erweisen würde wie man das t)isher allgemein angenommen habe. I»r. A. Philothion nennt Reyl- Pailhade (Compt. rend. 100, 1083) eine Substanz, welche in der Kälte Schwefel in Schwefel- wasserstoff verwaiulelt. Eine Lo.sung der bi'treft'enden, bis jetzt noch nicht isolierten Substanz gewinnt er aus Bierhefe, welche 2 Tage unter wiederholtem Schütteln mit Alkohol in Berührung .gewesen ist, durch Dekantieren und Filtrieren. Die so erh.altene g'elbliche Lösung reagiert schwach sauer. Aehnliche Wirkung wie diese zeigt das ^luskel.gewebe eines frisch geschlachteten Rindes nach Jlaceration nut Alkoliol. Schwefel, der vorher mit Alkohol l)ef'euc.htet wurde, wird durch das Philothion schon bei niedriger Temperatur, am stärk.sten bei 35 — 40" in Schwefelwasserstoff verwandelt. Die Losung verliert ihre reduziei-ende Wirkung nach stärkerem Erhitzen (70") oder längerem Stehen. Ob es sich hierbei wirklich um eine Nr. 3. Naturwissenscliaftliclie Wochenschrift. 23 1m'S(iik1c.'1'C clirniisclR' Siilistiuiz luuulelt, oder oIj iiic.lit viclnirlir d'w II o S-Iiil(luiiy (hii'i'li den Lebi'ii.sproiiüss vun Jiakterii-ii licdiiif^t ist, illiiilich der diindi He<^.uiatoa alba in Si/liwi't'cliiui'llcn, mik'ldcn wii' duliiiijresfcllt .srin lassen. Dr. Äl. 15. Quantitative chemische Analyse auf polai'istrobo- metrisehem Wege. — • Der in ni'ncrrr Zril. von Landolt, rriliraiii II. A. i'iiiyi'liriiil uiitin'.siicliti» KiiiHuss opti.scli -iiiaUtivcr Kürpcr auf die. üotatiou eirkiilariKiliirisierender Siilistanzcii lr diireli ein lieispiel an der lior.siinre gezeigt liat. iiniyekelirt lieiiiit/.t werden, nni die in einer Hisnny beiindliehe Menye inaktiver .Substanz neben einer bekannten Menge aktiver quantitativ zu bestininien. V. Sebiitt hat so (Her. d. Deutsch, ehem. Cies. 1888 S. 'J.WIi— •J,594) die Anali-se eines (Jenienses von ('lilornatriiiin und Clihirkalinm (unter Anwcndiins;' von neutralem weinsauren Kali als aktiver fSub- ■stanz) ausi,'et'übrt und dabi-i befriedigende Uesiiltate erbalten. Dr. M. K. Vier Kometen am Himmel! — Nachdem bis Ende Juli da.s Jahr 1888 in lieziehuny auf die Auffindung von Ivometen liöcbst unfriielitbar gewesen war, laufen Jetzt innerlialb weniger AVochen gleiidi von vier versi^hieflenen Stidlen Nachrichten über Ivometen- entdeckungen ein. Den Iveigen erürtiu^t der lieobacliter an der Sternwarte in Kapstadt, der am 3. August den berühmten Kneke- sclien Kometen wieder autfand und zwar im Steinbilile des Ilaben. 21) 'rage frülier wurde der Komet übrigens schon von John 'L'ebbiit in Windsor (Neu iSiid-Wales) ge.sehen, doch kam diese Nachricht erst I'hide August. — Am 7. August lief ein Telegramm aus Boston ein, dass Brooks in Geneva, New-Vork, im Sternbilde des grossen Bären einen neuen JConieten biniierkt habe. Anfang (Oktober wird man denselben im Stenibilde der Schlange zu suchen haben, doch bat er dann nur noch ein Drittel von seiner ursprünglichen Helligkeit. Am U. August fand l'errotin in Nizza den Faye sehen Kometen im Sternbilde des Stieres wieder. Anfang (Oktober steht dersellie im Sternliilde der Zwillinge und hat dann etwa die andert- halbfache Helligkeit wie bei seiner Entdeckung. Endlich dringt noch vom neuen Ob.servatoriuin in Kalifornien auf dem Mount Hamilton die Kunde hierher, dass auch der dortig'o Observator Barnard einen neuen Kometen am 3. Septembe^r entdeckt bat und zwar im Sternbilde des kleinen Hunde.s, wo dieses in das Sternbild der Zwillinge übergeht. Der Stern ist nur schwacli, 11. Grösse, doch ist .sein Kern gut zu erkennen. So stehen denn gleichzeitig vier Kometen am lliininel, die aber alle eine so gering'e Helligkeit ausstrahlen, dass keiner sieb dem blossen Auge ent.scli leiert. Dr. F. l'lato. An der Humboldt-Akademie in Berlin, einer auf An- regung' aus l'rivatkreisen liervoigegangeuen Lehranstalt, welclie bezweckt, solchen l'ersonen , welche, die Universität nicht besuchen können oder bereits verlassen halien, durcli systematisclie Vortrags- cyklen Gelegenheit zu einer wissenschaftlielien AVeiterbildiing- zu geben und sie im Zusammenhang mit den Fortschritten der sich entwickelnden Wissenschaft zu halten, sollen laut Lehr- programiu im 4. Quartal dieses Jahres die folgenden naturwissen- schaftlielien und philosophischen Vorlesungen abgebalten werden. Pitif. IL Tliurcin. Beschreibende Astronomie. (Beginn 11. Oktoher 7 Uhr abends.) Dr. M. Weitz, Experimental-Chemie. (Beginn 15. Oktober 8 Uhr.) Oberlehrer Dr. H. Lange, Gheniisehe Technologie (Metallurgie) (Beginn 15. Oktober 7 Uhr.) Dr. H. Foton'ü, Das Wiclitigste vom Bau (Anatomie) und vom Leben (Physiologie) der Pflanzen. (Beginn IC. Okt. 8 Ulir.) Dr. C. Günther, lieber den Hau iiiul di(! Funktionen des nor- malen menschlichen Körpers. (Bi>ginn 12. Okt. 8 Uhr.) Dr. li. ScJincider, Ale.xander von Humboldt. (Beginn 11. Okt. 8 Uhr.) Oberlehrer Lic. Dr. F. Kirchner, Erkenntnistheorie. (Beginn 15. (.)ktober 8 Uhr.) Dr. II. Si)atzier, Spinoza's Leben und Lehre. (Beginn 10. Oktober 7 Uhr.) Dr. IL SjxUzkr, Aesthetik. (Beginn IG. Oktober 8 Uhr.) Frivaldiie. Dr. G. Simmel, Probleme der Ethik. (Beginn 12. Oktober 8 Uhr.) Dr. J. IL Thicsscn, Ueber Weltanschauung und .Selbst- erziehung, mit einem IJlick auf die gegenwärlige Grenze und Einteilung- der Wissenschaft. (Beginn 11. Oktober 7 Uhr.) Dr. Ed. Seier, Die alten Kulturvölker Amerikas. (Beginn 16. Oktober 7 Uhr.) Die Vorlesungen linden in den Itiliiinlichkeiteii des Durollieeii- siädtiscben Realgymiiasiiinis (( ieorgenstrasse .30,31) statt. Anniel- dinigen werden in der Buclihandlung in Berlin NVV. Centralliötd, ijaden 14 entgegeng'enonimen. .leder Cykllis besteht ans etwa 10 Vorlesungen. Das lliniorar für jeden Cykliis beträgt 5 — 3 Mk. Litteratur. Prof. Dr. F. Lindemann: Ueber Molekularphysik. \'ersuch einer einheillicheii dynamischen Behaiidliing der physikalischen lind chemischen Kräfte. \'ortrag, 'jehalteii in der pby.sikalisch-ilko- iKUiiiselien Gesellschaft zu König' sbergf in l'r. am 5. April 188.S. — In ('onnnission bei Willi. Koch in König.sberg in Pr. 4". 51 S. Preis I,(i0 M. Jedem, der sich für die Fragen und l'robleme der iSIolekular- [iliysik interessiert, können wir das Studium dieser ebenso anregenden wie tiefgehenden Untersiiclumg nicht drinirend genug empfehlen, welche der Feder eines der bedeutendsten Mathematiker entstammt und durch die Thomson 'sehen Arbeiten über .Molekulartheorie ver- aiila.sst w'orden ist. Allerdings erfordert das Studium des Linde- rn an n'scheu Vortrages, wenn man dem Verfasser bis ins Detail folgen will, Vertrautheit mit den Begriti'en der analytischen Mechanik und den entsprechenden Teilen der höheren Mathematik. Inhaltlich zerfällt die Untersuchung in zwei Teile, von denen der erste Licht, Wärme und chemische Aftinität behandelt, während sich der zweite auf die elektrischen und magnetischen Ersclunnungen bezieht. Als Ausgangspunkt der Untersuchung' dienen folgende (irundvorstellungen : „Von dem Lichtäther wird angenommen, dass er den ganzen Baum erfülle, und dass ihm überall gleii-he Elasticität und gleiche Dichtigkeit zukomme. Sehr schnellen OsciUationen gegenüber, z. B. bei denjenigen, welche das Licht her- vorbringen, verhält er sich wie ein vollkommen elastischer Körper: verhältnismässig langsamen Bewegungen gegenüber, wie sie z. B. die iMoleküle eines Ga.ses ausführen, kommen ihm indessen die Eig'en- scliafteii einer vollkommenen Flüssigkeit zu, so dass sich die pon- derabeln Moleküle frei im Lichtäther bewegen können. Das Molekül selbst besteht nach Thomson aus einem inneren festen Kern, der durch eine Anzahl von Kugelscbalen tnnschlossen wii'd. Die innerste Schale ist mit dem festen Kerne dundi eine elastische Kraft ver- bunden, die man sich durch symmetrisch verteilte Spiralfedern ver- anscliaulicben kann. In gleicher Weise wirkt zwischen je zwei auf- einanderfolgende Schalen eine elastische Kraft, und endlich eine letzte Kraft der Art zwischen der äussersten Schale und dem um- schliessenden Lichtäther". Besteht nun ein solches Molekül aus j Kiigelschalen, und oscillieren die Centra derselben sowie des Kernes in einer geraden Linie hin und her, und zwar so, dass die elastischen Kräfte den relativen Verschiebungen der Kugelcentren proportional sind, während die zwischen der äussersten Schale und dem nm- gc'benden Aether wirkende Kraft der relativen Verschiebung- des letzten Centruins zum Lichtäther proportional ist, so ergiebt sieh nach Einführung- der absoluten Verschiebungen u. s. w. ein System von j Ditferentialgleicbungen. Die erste Folgerung, welche sich hieraus erschliessen lässt, liefert das Resultat, dass dem Älolelcüle j kritische Perioden zukommen, d. h. dass es J Schwingungen giebt, welche im Innern des Moleküls ausgeführt werden können ohne dass dadurch der Lichtäther afliciert wird. Indem nunmehr die Behandlung durchsichtig;er Medien in Angrilf genommen wird, wobei vorausgesetzt wird, dass der Durchmesser lies Moleküls geg-en die Wellenlänge der Aetherscbwingung sehr klein sei, ergiebt sich das beachtenswerte llesiiltat, dass die kritischen Perioden des Moleküls die dunkeln Linien in dem Absorptionsspektrum unseres Mediums liefern. In ähnlicher Art werden dann über den Brechungsexponenten, über Dispersion und lleflexion, sowie über die Spektren leuchtender Gase Betrachtungen angestellt, denen eine Untersuchung- über die Beziehungen zur Wärmelehre, über die Doppelbrechung- und die Spektren chemischer Verbindungen folgen. Das gleiche Interesse, wie die genannten Teile, bean.sprucheti auch die Paragraphen, in denen von den chemischen Verbindungen und der chemischen ölolekulartheorie gehandelt wird. Hier möge nur soviel darülior bemerkt werden, dass, während in der Chemie von einer Aftinität oder Verwandtschaft der Elemente gesprochen wird, in der Lindemann'schen Betrachtiuig nur dynamische Be- grirte zur Verwendung g-elangeii. „Man wird zwei Elemente ein- ander verwandt nennen, wenn die resultierende Schwing-ung- des Moleküls unter den obwaltenden Verhältnissen eine geringere •'Energie ergiebt, als die Schwingung der einzelnen Atome", sagt der Ver- fasser, und in einer Fussnote fügt er die g-eistreiche Bemerkung hinzu, dass eine chemische Verbindung aus ähnlichen (iründen zu Staude komme, wie die Aenderung einer „Art" nai-h der Darwin- schen Theorie der Anpassung- und natürlichen Zuchtwahl. Wie die Art sich ändert, wenn sie dadurch den Existeiisbedingungen besser zu genügen vermag*), so vereinigen sich zwei Atome zu einem Mo- leküle, wenn sie vereinigt unter besseren Bedingungen existieren können als in getrennti-m Zustande. 24 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. Der zweite Hauptteil der Abliaiulluiig: beschäftig-t sich mit der Elektricitiit und dem Magnetismus. Auch hier wird niclit von zwei besonderen elektrischen Flüssigkeiten gesprochen, sondei-n es wird von der Annahme ausgegangen, dass der Durchmesser des Moleküls nicht mehr verschwindend klein sei gegen die Wellenlänge des be- trachteten Lichtes. Diese Annahme führt dann genau zu den elektrischen Erscheinungen. Von hervorragendem Interesse ist in diesem Teile namentlich § 14, welcher das Weber 'sehe Grundgesetz behandelt, wobei der von v. Helmholtz gegen dasselbe erhobene Einwand von einer neuen Seite beleuchtet wird. Es schliesst sich hieran eine einfache Erklärung der Erscheinungen im Innern einer Geissler'schen Röhre, auch der von Crookes und Hittorf ent- deckten. Ueber Erregung und Wirkungen der Elektricitiit handeln zwei weitere Paragraphen, welchen Untersuchungen über die Drehung der Polarisationsebene, sowie über Magnetismus und Diamagneti.smus folgen. Schliesslich kommt der Verfasser auf die elektrodynamischen Lichttheorien von Lorenz und Maxwell zu sprechen. Während Lindemann die elektrischen Erscheinungen auf Lichtscliwingungen von anderer Grössenordnung zurückführt, gründen Lorenz und Maxwell die Theorie des Lichtes auf diejenige der Elektricität; obwohl sich hierbei naturgemäss manche Verwandtschaft in den Anschauungen ergeben muss, betont Lindemann atisdrüeklich den Unterschied zwischen den seinigen und denen der genannten Forscher. Mag man nun, nachdem sich die Thomson'sche Vorstellung über die Konstitution der Moleküle als ein so vorzüglii'hes Mittel zur Erklärung der verschiedenartigsten Erscheinungen erwiesen hat, geneigt sein anzunehmen, dass die Körperatome wirklich jene Struktur besitzen oder nicht, so wird man doch vom rein theoretischen Stand- punkte die hohe Bedeutung und die v.'eitgreifende Macht der Lind eniann 'sehen Untersuchung durchaus anerkennen müssen. „Es sei noch einmal hervorgehoben", so sagt der Verfasser in den Schhissbemerkungen, „dass wir im Vorstellenden nur von den Ge- setzen der analytischen Mechanik, welche mit den Begriffen : Masse, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Energie arbeitet, Gebrauch ge- macht haben, unter alleiniger Zuhilfenahme der durch Optik gerecht- fertigten Hypothese, wonach der Raum um ein kontinuierliches, elastisches Medium, eben den Lichtäther, erfüllt ist, dessen Dichtig- keit gegenüber derjenigen ponderabler Massen vernachlässigt werden kann. Wir konnten verschiedene, sonst gemachte Hypothesen voll- kommen entbehren: wir brauchten nicht die Elasticität des Aethers in Krystallen verschieden in verschiedenen Richtungen anzunehmen; wir haben weder den Begritf der chemischen Verwandtschaft benutzt, noch die Hypothese von der Existenz elektrischer oder magnetischer Fhüda, noch diejenige von der Existenz molekularer Wirbel. Die Thomson'sche Annahme über die Konstitution der Moleküle und über ilu-e lieziehungen zum Lichtäther erlaubte uns die verschiedensten Erscheinungen unter einem Gesichtspunkte zusammenzufassen: Alle von uns besprochenen Thatsachen derPhysik und Chemie kamen zu stände durch Uehertragung von Energie aus dem Lichtäther in die Moleküle durch Verwandlung innerer Energie der Moleküle in äussere und durch die umgekehrten Prozesse. Das Prinzip von der Erhaltung der Kraft wird von selbst bei jedem einzelnen Schritte gewahrt . . ." A. Gutzmer. *) Nach Darwin's Ansicht ändern .sich die Arten nicht, um sich neuen Verhältnissen anzupassen, sodass die letzteren die An- regung zu der Veränderung geben, sondern Darwin meint, dass die organischen Wesen nach allen möglichen Richtungen hin variieren, und dass die Aussenwelt insofern eine Auslese unter den Varietäten treffe, als natürlich nur diejenigen am Leben lileiben können bezw. am besten für das Leben gerüstet sind, welche Veränderungen auf- weisen , die mit den Aussenbeding-ungen nicht in Widerspruch stehen. — Vergl. H. l'otonie: „Die Geschichte der Darwin'schen Theorie" in „Naturw. Woch.", Bd. I, Seite 18L Red. Abel, J., Veher Aethylcnimin (Spermin?), gr. 8". (47 S.) Preis 1 JC. Lipsius & Tischer, Verl.-Cto. in Kiel. Avenarius, R., Kritik der reinen Erfahrung. 1. Iki. gr. 8". (XXn, 217 S.) Preis 6 JC. Fues' Verl. (R. Reisland) in Leipzig. Bary, A., Beiträge zur Baryumwirkung . gr. 8". (157 S.) J'reis 2 M. E. J. Karow (Verl.-Cto.) in Dorpat. Bertram, W., Schulhotanik. 3. Aufl. 8». (V, 180 S. m. Illustr.) Preis 1 M 20 »j; geb. 1 JC 60 .j. Brubn's Verl. (Eugen Appel- haus) in ]iraunschweig. Birkenwald, P., Beiträge zur Chemie der Sinapis juncea u. d. ätherischen Senföls. gr. 8". (76 S.) Preis 1 ^ 20 .^. E. .1. Karüw (Verl.-Cto.) in Dorpat. Börner, E., Ueher nervüse Hautschwelhmgen als Bcyteitcrscheimmg der Menstruation u. d. Klimax. (30 S.) Samml. klin. Vortr. Hg V. R. V. Volkmanu Nr. 312. gr. 8". Preis 75 4. Breitkopf & Härtel in Leipzig. Cohn, H., Tafel zur Prüfu7ig der Sehschärfe der Schulkinder. Nacli Snellen's Prinzip entworfen. 2. Aufl. 4". Preis 40 ^. Piicbatsch's Buchh. in Breslau. Dames, 'W., Die Ganoiden des deutschen Muschelkalkes. Palae- ontologische Abhandlungen. (49 S. m. 7 Taf.) Hrsg. v. W. Dames 11. E. Kayser. 4. Bd. 2. Heft. 4». Preis 15 ^Ä. Georg Reimer in ISerlin. Tugger, E., Beobachtungen in den Eishöhlen des Unterberges bei Salzburg, gr. 8». (99 S. ra. 5 Taf.) Preis 3 ^^^ 20 -j. Heinrich Dieter, k. k. Hofbuclih. in Salzburg. Gander, M., Flora Einsiedlensis. Tabellen zur Bestimmung der in Einsiedeln frei wachsen den GetÄsspflanzen. 8". (136 S. m. 1 Kart.) Kart. Preis 1 JC 40 -^. Benziger & Co. in Einsiedeln. Gaquoin, K., Die Grundlage der Spencer'schen Philosoplde, ins- besondere als ]3eweis für die Versülinung von Religion und Wissen- schaft, gr. 8°. (68 S.) Preis 1 ^ 20 .^. Haude- & Spener- sche Buchh. F. Weidling in Berlin. Gezeitentafeln f d.J. 1889. Hydrographisches Amt der Admirali- tät. 8». (VIII, 223 S. ra. 14 Blätteni in Steindr.) Preis 1 ^t 50 .j. Ernst Siegfried Mittler & Sub;i in Berlin. Görges, H., Beifrag zur pathologischen Anatomie der Dift.erie. gr. 8". (14 S.) Prei3 80.j. Lipsius & Tischer. Verl.-Cto. in Kiel. Güntzel, F. E., Beflcrionen bei Betrachtung der Lebenserschei- mmgen der Erde. gr. 8". (79 S.) Eduard Heinrich Mayer in Leipzig. Gruenhagen, A., Physiologie der Zeugung. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (IV, 272 S. m. Hülzschn.) Preis QJC. Leopold Voss in Hamburg. Häseler, E., Das Bergwerk im Rammelsberg bei Goslar. 12". (40 S.) Preis 60 .j. C. R. Stolle's Hofbuchb. in Harzburg. Hein, E., lieber die trockene Destillation des buttersauren Baryums. gr. 8". (48 S.) Preis 1^/«;. Gräfe & Unzer in Königsberg i. Pr. Herpell, G., Das Präparieren und Einlegen der Hutpilze für das Herbarium. 2. Ausg. 8". (72 S. mit 2 Tafeln.) Preis 2 JC. K. Friedländer & Sohn in Berlin. Hintzmann, E., Das Innere der Erde. Vortrag. 8". (30 S.) Preis 75 ^. Wenuhacke & Zincke in Magdeburg. Hoifmann, Lehrbuch der praktischen Pflanzenkunde. 4. Auflage. 1. Lfg. Fol. (IV, 4 S. m 3 Taf.) Preis 60 4. C. Hott'mann- sche Verl -Buchh. (A. Bleil) in Stuttgart. Hummel, A., Kleine Erdkunde. Ausg. B. 11. Aufl. gr. S". (120 S. m. Illustr.) Preis 60 .4. — Leitfaden der Natxiryeschichte. 1. u. 2. Heft. 14. Aufl. gr. 8". Preis ä 50 .j, Inhalt: 1. Lehre vom Menschen. Tierkunde. (118 S. m. Illustr.) — 2. l'flanzenkunde. (100 S. m. Illu.str.) — Kleine Naturkunde für Volksschulen. 4. Aufl. gr. 8°. (128 S. m. 111.) Preis 60 4. Eduard Anton in Halle. Karte, Hypsometrische, des Königr. Bayern, bearbeitet im topogr. Bureau d. k. b. Generalstabes. Nr. 2, 5 und 16. Ohromolitb. Fol. Preis ii 1 JC bi) 4. Literarisch-artistische Anstalt (Theodor Riedel) in München. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- inarhen) liefern ivir vorstehende fVerke franlu}. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Iteiliii ]VW. 6. I>ie Expedition der ,,!NatnrwissenscliaftiIclien Wochenschrift". Briefkasten. Hr. Dr. H. — In Berlin finden Sie ausge.stopfte Steppenhühner örtentlich ausgestellt im „Berliner Aquarium", Unter den Linden, und in der zoologischen Sammlung der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule. Inhalt: l'rof. Dr. E. v. Martens: Ist Helix pomatia in Norddeutschland einheimisch'? — Dr. Henry Potonie: Die Bedeutung der Steinkörper im Fruchtfleische der Birnen. 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Landesanstalt. ^ Ein iip.ues Exemplar als Wandkarte auf Leinwand gezogen für < den Preis von Mk. 12,— zu verkanten durch die Expedition "* der „Nafnrufissenschaftlichen Wochensvhriß". ,xxvvxxxvxxvxxxx\vixxxxx\v«\xxxxxxvvxxx\xxx-\w\xxxx»xxxx\x«xxxxxx\xxxxxxx\xxx«j »* '^ a " o _, , S-cn s- < OD 11 c: 5 =giv Etiquett. f. Sammlung. Gebrüder Kiesau BERLIN SW. 12 Knck - Strasse yj Sämtl. Drucksach. ■^ Vademecum botanicorum ist für ein rationelles Botanisieren gei'adezu ein notwendiges Hilfsmittel. HS- Prospekte gratis und franko. f^'^'* Verlag von W. Waldbaner' s Buchhandlung (Max Coppenrath) Passan. [1 1 JO 20 4 pro Band (aucli in Brief- Planeten. Mit 68 Ah- Gegen Einsendung marken) liefere franko: Becker, Dr. Karl Emil, I»ie Sonne und die Ijildungen. Eleg. geb. Gerland, Dr. E., Licht und Wärme. Eleg. geb. Hansen, Dr. Adolf, Die Ernährung der Pflanzen. Mit Ti Abbildungen. Eleg. geb. Hartmann, Prof. Dr. R., Die Nilländer. Eleg. geb. Klein, Dr. Herm. I., Allgemeine Witterungskunde. 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Die Exped. d. „Naturwissenschaftl. Wochenschrift:' Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höfliclist, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. — Verlag: Hermann Riemann. Druck: Gebrüder Kiesau. Sämtlich in lierlin. Redaktion: ' Dr. H. Potonie. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. 111. Hand. Sonntag, den 21. Oktober 1888. Nr. 4. Abonnement: Man alioiniiert bei allen Buchhandlungen und Post- anstalten, wie hei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3.— ; Bringegeld bei der Post 15 .j extra. Y Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -/. Grössere Aufti'äge e;?) entsprechenden Rabatt Beilagen nach Debereiulcunft. Inseraten- JL annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdrnok ist nnr mit vollstäii«Ii<;er i^iielienaiisabe g;«****«****- Formen, Herkunft und allgemeine Lebensbedingungen der Bakterien. Von Dr. Ilul.e Das lebhafte Interesse, welclios die nähere Kenntnis der unter dem Namen „Bakterien" ziisammengefassten niederen Lebewesen seit den letzten Jahren erregt, ver- anlasst uns auch an dieser Stelle dem Gegenstande unsere Autnierksamkeit zuzuwenden. Während aber die meisten bisher vorliegenden, für einen grösseren Leserkreis be- stimmten Darstellungen die Züclitungsmetlioden der J^ak- terien, Anlage von Reinkulturen etc. gar nicht oder nur ungenügend beschreiben, soll hier in späteren Artikeln auch diesem Zweige der Baktei'iologie ein etwas grösserer Raum zugemessen werden; zunächst beschäftigen wir uns — wie der Titel besagt — mit den Formen, der Herkunft und den allgemeinen Ijebonsbedingnngen der Bakterien. Unter „Bakterien" ver.steht man, wie der Name andeutet, Organismen von cylindriseh-stabförmiger G(!stalt. Obwohl viele derselben kugelförmig (Fig. 1, 3, 4, 5), elliptisch (Fig. 2), oder auch korkzielierähnlich gedreht sind (Fig. 13, 14, 1.5, 16), so hat sich doch die ]')e- zeichnung „Bakterien" als Gesamtname eingebürgert und ist jedenfalls mehr verbreitet als die sonst noch üblichen Namen: Schizomyceten (Spalti)ilze), Vibrionen, Monaden, Miki-ozymen etc. Bereits 1675 wurden die Bakterien durch Leeu- wenhoek im Mundspeichel entdeckt. Dass den von Leeuwenhoek erkannten Thatsaclien in den nach- folgenden .lahrliunderten kaum etwas Neues hinzugefügt wurde, hat seinen Grund wohl hauptsächlich in der Mangelhaftigkeit der damaligen Mikroskope und der daraus sich eingebenden Schwierigkeit der Beobachtung. rt Mit t mann. Erst Ehrenberg*) wandte dem Gegenstande von neuem seine Aufmeiksamkeit zu. In den damals herrschenden naturphilosophischeu Anschauungen befangen, begnügte er sich damit jene Organismen zu klassifizieren und wies ihnen die niederste Stufe im Tierreiche zu. Eine wesentliche Erweiterung erfuhren unsere Kennt- nisse von den Bakterien erst gegen Ende der 50 er .Talire durch Ferd. Colin, welcher durch seine balinbiecheuden Untersuchungen zu dem unzweifelhaften Ergebnis ge- langte, dass jene Organismen eine der niedersten, wenn nicht gar die niederste Stufe des Pflanzenreichs darstellen. Seitdem hat die Bakterienforschung eintMi ungeahnten Aufschwung genommen, namentlich durch die Arbeiten von Cohn, Pasteur, Nägeli, van Tieghem, Zopf, de Bary, Brefeld, Koch u. a. Eine allgemein angenommene systematische Ein- teilung der Bakterien giebt es zur Zeit noch nicht, weil die verschiedenen Forscher je nach der von ihnen ver- tretenen Si)ecial\vissenschaft ein anderes Einteilungsprincip wählten. Hierzu kommt noch die durch die ausserordent- liche Kleinheit jener Organismen biMÜngte Scliwi(>rlgkelt der J5eobachtnng. Die Bakterien gehören unstreitig zu den kleinsten uns bekannten Lebewesen; der Querdurch- messer der stäbchenähnlichen Formen beträgt bei den meisten etwa 0,001 >hjh (=1 Mikromillimeter=l//), ihre Länge etwa das zwei- bis vierfache des (^uerdurchme.ssers, selten mehr. Eines der bei der Beobachtung am meisten hervor- *) ('. ri. Klirciiliors-: Din Oiffanismen. Jieiiii: IS.'!8, toi. hif'iisiinsticfi' als vullUnninicni! 26 Naturwissenscliaftliclie Woclienschrift. Nr. 4. tretenden Unterscheidungsmerkmale ist die äussere Ge- stalt, wonach man am zweckmässigsten folgende Gi'upiien unterscheidet: Kngelbakfeiien oder Kokken (Fig. 1, 3, 4, 5) Stäbclienbakteiien oder i'.acillen (Fig. 6 u. 7) Schraubenbakterien od. iSpii'illen (Hg. 13, 14, 15, IG) J 2 S o o o 0- ™ /o 01 9^ 3j oOCV 3^' n ^} !: 9 Der Hauptgi'und, weshalb die älteren Forscher die Bakterien für Tiere liielten, liegt darin, dass eine Anzahl von Ai'ten eigener Bewegung fähig ist, hervoi'gobracht dui-ch (Jeisselfäden, welche den Enden der Individuen ansitzen (Fig. 7, 14, 16). Wegen ihrer ausserordent- lichen Zartheit und dei' Schnelligkeit ihrer Bewegung sind die Geissein alleidings schwer zu beobachten. Den unwidei'leglichsten Beweis, dass sie wirklich existieren, hat Koch dadurch erbracht, dass es ilmi gelungen ist sie zu färben und zu photographieren. Hieraus darf man aber noch nicht umgekehrt schliessen, dass jede frei be- wegliche Bakterien-Art auch Geissein besitzt. In Rücksicht auf die Art ihres Wachstums und ihrer Vermehrung müssen wir die Bakterien als einfache Zellen betrachten. Sie besitzen einen eiweissähnlichen (proto- l)lasmatischen) Inhalt und eine deutlich unterscliiedene Membran. Der Inhalt erscheint als eine gleichmässig durchscheinende trübe Masse ohne besondere Struktur, ja selbst einen Zellkern hat man bisher noch nicht ent- decken können. .Jedoch besitzt der Plasmakörper der Zelle die meist nur den Zellkernen zukommende Eigen- schaft Anilinfarben begierig aufzunehmen und festzuhalten, ein Umstand, der namentlich für die Erkennung der pa- thogenen (krankheiterregenden) Arten von Wichtigkeit ist. Die Membran ist meist erst dann erkennbar, wenn der Plasmakörper durch Reagentien zum Zusammenziehen ge- bracht wird. Sie scheint von ähnlicher Beschatt'enheit zu sein wie die pHanzliche Zellmembran (Cellulose), wenigstens hat sie mit dieser eine grosse Elasticität gemein und zeigt, wie viele pflanzliche Membranen, die Neigung durch Wassei'aufnahme gallertartig zu vercpielleri. Die Vermehrung durch Zweiteilung und das eigen- tümliche Verhalten der Membran bewirken, dass die In- dividuen oft nach der Teilung noch zusannnenhängen. Auf diese Weise entstehen charakteristische Zellverbände, die für die Klassifikation von Bedeutung sind. So unter- scheidet man hiernach z. B. Diplokokken, Fig. 3 (wenn die Individuen paai-\veise zusammenhängen), Streptokokken, Fig. 5 (wenn sie zu längeren, perl- schnurähnlichen Reihen vereinigt bleiben), Staphylo- kokken (wenn sie gixisseie Häufchen „Kolonien" bilden.) Cieschieht die Teilung gleichzeitig nach allen drei Rich- tungen des Raumes, so entstehen Warenballeu ähnliche Zellverbände, wie z. B. bei den Sarcina-Arten. Bleiben die Individuen bei gleichzeitiger Verquellung dei- Mem- biauen zu zähen Massen veieinigt, dann entstehen die sogenannten „Kahmhäute" odei- „Zooglöen", welche, falls das Nälusubstrat eine Flüssigkeit ist, auf deren Oberfläche schwimmen. Obwohl die vegetative Vermehrung durch Zweiteilung der Individuen eine geiudezu unbegrenzte ist und als die gewöhnliche Art der Foitpflanzung angesehen werden muss, so ist doch eine andere Art der Fortpflanzung, dic^ Sporenbildung (Fig. 5b, 8, 9, 10, 12), von grösster Wichtigkeit für die Erhaltung der einzelnen Species. Während nämlich die meisten Bakterien in ihrer gewöhn- lichen Wuchsform bei 55—60° also verhältnismässig lincht zu töten sind, besitzen die Sporen eine ausser- ordentliche Widerstandsfähigkeit gegen physikalische und chemische Einflüsse. Siedendes Wasser tötet mit Sicher- heit ei-st nach 10 Minuten sämtliche Bakterienkeime; ti'ockene Hitze von 140° muss sogar fast drei Stunden einwirken, um gewisse Sporen zu töten. Die Bakterien- sporen sind somit die widerstandsfähigsten organischen Gebilde, die wir kennen. Die Bedingungen der Sporenbildung seheinen bei den einzelnen Arten sehr verschieden zu sein. Genauer studiert ist dieser Vorgang erst bei drei Bacillenarten : beim Heubacillus, Bacillus subtilis (Oohn), beim Milzbi'and- bacillus, Bac. anthracis (Koch) und beim Bac. Megaterium (de Bary). Auch die Sporenkeimung geschieht bei den einzelnen Arten in abweichender Weise. F'ig. IH und 19 stellen zwei Typen der Keimung dar. Die erstaunliche Widei'standsiahigkeit der Sporen ist einer der Hauptgründe, weshalb sich bis in die neuere Z(nt (lie Ansicht erhalten konnte, dass die Bakt(nien durch Urzeugung (generatio aeqiüvoca) entstehen. Frülier glaubte man nämlich sämtliche Keime getötet zu haben, wenn man Flüssigkeiten bis zur Siedetemjjeratur erhitzte ; jedoch blieb man di^n unanfechtbaren Beweis schuldig, dass auch wirklich alle Keime tot Avaren. Erst die ver- dienstvollen Untersuchungen Colins und Pasteurs haben uns hierüber völlige Klarheit verschafft. Eine wesent- liche weitere Stütze fand die Urzeugungstheorie in dei' ausserordentlichen Verbreitung der Bakterien; denn in allen uns umg(^bendi>n Medien: Luft, Wasser, Boden, in vielen unserer Nahrungsmittel finden sich Baktei-ien oder deren Keim(^ In gleicher Weise haften sie au unseren Kleidern und an der Hautoberfläclie, an Gebrauchsgegen- ständen und an den Zimmerwänden. Die Nasensclileim- haut, der Mund und namentlich der Darmkanal wimmeln von Bakterien. lieiläufig möge hier bi^neilrt wei'den, dass selbst in weit entlegenen geologischen Epoclien ebenso wie heut die liakterieu bei der Erregung von Fäuluisprozessciii Nr. 4. Niitiirwissenschaftliclie Wochensclirift. 27 tliätig gewesen sind. Solms-Laubach*) äusseii sich liieriibcr „Diiss /.ur Karlxinzcit die Zcrstüi'unf;' der ab- ycstoibcncu l'ltaiizi'nsubslan/. wie hcut/.iitai^c (hii'ch l'alc- teriiMi b('S(iri;(, wiirdf, ci'j^-icbi sich mit ^Tösster Wahr- sclicinlichkcit aus van 'ricgiionis*"') IJntiTsucimngcii, nacii weichen die maeerierten PtlanzentVa^niciitc dci- Kiesel von (Jiaiid' Crüix diesellje Progression der Zi'lh'u- wandzerstörnng erliennen lassen, welche jetzt bcol)aelitet wird. Es will van Tiegliom sogar seinen Uae. aniyl(il)acter in veikieselteni Zustande beubaclitet ]ial)en." A ucli die erstaunliclieAnspruchslosiglveitderPaliterien an das Näliiiiiediuni liat die Urzeugungslelu'e unterstützt, in ii'liissiglieiten, die man völlig frei von geeigneter Nahi'ung glaubte, fand man Bakterien auf, da selbst Spuren organischer Substanz znr Ei'haltung ihres Lebens aus- reiclien. Die Anspruchslosigkeit an den Nälii'boden ist eine der Haui)t Ursachen der ungeheueren Verbreitung der Bakterien; denn überall wo sich Reste toter organischer *) Solms - Laubach: Einleitung: in dii' l'alae(i|ilivtolo|,'-ie, Leipzij?, 1887, Seite 35, 3ß. **) van Tieglieni: Sur le ferment liiitiri(|ue (B. amylobactcr) ii rcpo|UO de hl liouille. Oonit. rend. liebdum. de TAeadeniie vol. 8i), \}g. 1102 ff., 1870. Sid)stanz linden, köinien sie gedeihen. Eine wesentliche Bedingung hierbei ist jedoch, dass der Nährboden .schwacli alkalisch oder wenigstens neutral reagieren muss; denn auf sauei-eui N;ihrsulj.strat wachsen die meisten Arten überhaupt nicht. Gewissem y\rt(Mi sind allerding sanspruchsvoller in liezng auf ihi' Nährwiediuni; sie entwickeln sich aus- .schlie.sslich im lebenden Körper höherer Organismen, ei'niilncn sich auf deren Kosten inid töten sie in manchen Fällen. Von diesen sfieng-obligaten Parasiten (de Bary) nntersclieidet man die übrigen Arten als Sapropliyten. Wie überall in der Natur, sind auch hier Uebergänge vorhanden. Verscliiedene Arten leben zwar meist wie echte Sclimarotzer in anderen Organismen, können abei' zuweilen, odei- in einem gewis.scn Stadium ihrer Entwick- lung auch andei'swo gedeihen: fakultative Sapropliyten (de Bary). Endlich können manche Arten, die in der Regel saproi)hytiscli leben, gelegentlicli auch als Parasiten gedeihen oder nur einen Teil ihrer Entwicklung in leben- den Organismen durchmachen: fakultative Parasiten (van Tiegliemj. (Schluss folgt.) Das Rechnen an den Fingern und Maschinen. Von Prof. IJr. A. Schubert. (Selilus.3.) Elii' wir zu den eigentlichen Rechenmaschinen über- gehen, wie sie seit zwei Jahrhimderten existieren, müssen wir noch einnuil kurz die Vorteile und Mängel der Ijisher bes[)roehenen, einfachen Rechen- iVi)i)arate hervorheben. Die vollkommendsten derselben enthalten mehrere Drähte mit je neun daiin verschiebbaren Kugeln. Die Kugeln des ersten Drahts zählen die Einer, die des zweiten die Zehner, die des dritten die Hunderter, u. s. w. Mit solchen Apparaten kann man bequem addieren und sub- trahieren, und zwar vollziehen sich mit der dem Summand oder Subtrahend entsprechenden Verschiebung der Kugeln die Additionen uiul Subtraldionen von selbst, wenn nur so ott als nötig zehn Einerkugeln durch eine Zehnerkugel oder umgekehrt ersetzt werden, und entsprechend zehn Zehnei'kugel gleichwertig mit einer Hunderterkugel be- trachtet werden. Will man mit einem solchen Apparat nuiltiiilizieren oder dividieren, so kommt (\s darauf an, ob der Rechner das Einmaleins im Kojif beziehungsweise auf einer Tafel vor sich hat oder nicht. Wenn nicht, so muss die Multiplikation durch wiederholte Addition, die Division durch wiederholte Subtraktion auf dem Rechenbrett au^-geführt werdeu. Immerhin bii'tet das Rechenbrett dann den Vorteil, dass der Rechner die Produkte nicht zu späterer Addition oder Subtraktion aufzuschreiben oder unter Anspannung des Geistes sofort zu addieren oder zu subtrahieren hat, sondern sie addieren oder subtrahieren sich mit der Eintragung von selbst. Die Hauptmängel dieser Rechen-Apparate bcstaiulen dem- nach im wesentlichen in zweierlei, erstens dann, dass der Rechner foildauernd die Zehner- Uelierti'aguiig auf die nächste Reihe sell)st vorzunehmen hatte, wobei leicht Irrtümer unterlaufen Icounten, zweitens darin, dass diese Apparate beim Multiplizieren und Di\idieren niu' indirekte und deshalb sehr geringe Dienste leisteten, da sie eben, ilirer Natiu- nach, nur zum Addieren und Subtrahieren tauglich waren. Es war dem berühmten Philosophen und Mathematiker Blaise Pascal vorbehalten, im Jahre 164.3 eine Erfindung zu machen, welche dem ersten der iM'iden soeben gerügten Mängel vollständig abhalf. Und deshalb gilt Pascal mit Recht als der Erfinder der ersten eigent- lichen Rechenmaschine. Die PascaPsclie Maschine, über welche man in den Oeuvres completes von Pascal (Paris 1866, Band 111) näheres findet, befreit den Rechner von der lä,stigen Zehner- Uebertragung, indem die Maschine diese Arbeit selbst ausfuhrt. Ein zweiter nicht minder berühmter Philosoph und IMathenuitiker, Leibnitz, ver- besserte dann im Jahre 1673 die PascaTsehe Rechen- maschine derartig, dass nun auch dem zweiten Mangel abgeholf(>n war. Denn die Maschine von Ijeibnitz be- werkstelligte sowohl die Zehuer-Uebertragriuig wie auch die Ausführung der Multiplikationen automatisch. Die Leistungen, die äusserliche Beschreibung und Abbildum;- der Leibnitz'sch{>n Rechenmaschine sind im ersten Bande der Abhandhnigen der Berliner Akademie (Mis- cellanea Beroünensia) niedergelegt. Die genauere Kon- sti'uktion wurde nur wenigen Auserwählten gezeigt, was jedoch genügte, die Tradition in engeren Kreisen zu er- halten. Die Maschine selbst blieb bis zum Jalne 1873 28 Natiifwissenscliaftlidie Woclienschrift. Nr. 4. also yi'iiau bis zu ilireiu 200 jähiigeu .Jubiläum, vcrselioUcu, in welchem Jaliii' sie in einer [Mudellkanimer der Göttinirer Univei'.sität entdeckt ^vui'de. E.s .stellte sich heraus, dass die alte Leibnitz'sche Maschine nur in ganz unterge- ordneten Dingen von den spcäter erfundenen Rechen- maschinen abwich. Von diesen sind viele nur in ganz wenigen Exemplaren hergestellt und bald wieder in Ver- gessenheit geraten. Nm- die Maschinen von Thomas, besonders seit der ersten Pariser Weltausstellung bekannt, und die Nachahmungen derselben haben es zu einer fabrikmässigen Herstellung gebracht und werden jetzt, oft unter dem IVanzosischcn Namen jVi'ithmometre, bei grossen Verwaltungen, wissenschal'tlichen und technischen Unternehmungen, sowie von Uanken und Assekuranz- Anstalten .stellenweise angewendet. Allen diesen Ma- schinen haftet der Mang-el an, dass die Widerstände zu ung-leichmässig sind, und dadiu'ch rasche Bewegungen verhindert werden. Um diesem Mangel abzuhelfen und zugleich mehrere nicht unwichtige VervoUkomranungen einzuführen, hat neuei'dings Herr Pi'ofessor Eduard 8 telling eine in der Zeitschrift „Vom Fels zum Meer" aus- führlich beschriebene, neue Rechenmaschine ersonnen, welche, wenn sie hält, was sie verspricht, was nach der Beschreibung zu erwarten ist, aUe früheren Rechen- maschinen an praktischer Brauchbarkeit übertrifft. Na- mentlich ist bei dieser Stelling'schen Maschine erreicht, dass nicht für jede Einheit einer ^lultiplikatorziffer. sondern nui" für jede Multiplikatorziffer selbst eine ein- fache Handbewegung auszuführen ist. AUe Zahlen- rechnmigen kommen schliesslich auf die Addition und vSub- ti'aktion \(m Produkten zurück, wozu natürlich, dem Wert eins des Multiphkatoi's entsprechend, auch die einfachen Additionen und Subtraktionen gehören, und wobei es keinen Unterschied macht, ob die Ziffern des Multipli- kators gegeben sind, oder, wie l)ei der Di\'ision oder Wurzelausziehung, wo (^)uotient oder Wurzel als Multi- l)likator dienen, erst allmählich gefunden werden. Die Aufgabe einer jeden Rechenmaschine besteht nun, selbst wenn es sich um einfache Additionen oder Subtraktionen handeln sollte, in automatischer Zehner- Ueberti'agung, und bei liöheren Oper-ationen auch noch in der Bildung der Teilprodukte, d. h. der Pi'odukte aus je einer Multi- plikandenziffer und je einer Multiplikatorziffer. Zur direkten Herstellung dieser Teilprodukte benutzt nun Herr Stelling eine sog-enannte „Nürnberger Scheere", wie sie die folgende Fii,'-ur zeiirt: Eine Voistellung davon, wie eine solche Scheere Multiplikationen ausführen kann, erhält man, wenn man folgendes beobachtet. Die niittlci'en Kreuzungspunkte, welche die gerad(^ Linie, in dei' sie liegen, nicht verlassen, sondei'n sich nur längs derselben bewegen können, mögen mit den Zahlen 0, 1, 2, 3, . . . bezeichnet werden. Hält num nun den Punkt fest, und lässt man dann den Puidvt 1 einen kleinen Weg machen, so verui'sacht der Zusammenhang der Sclu^ere in den Punkten der oberen und der unteicn Linie, dass dei- Punkt 2 einen doi)pelten so gi'ossen M^eg macht, der Punkt .3 den dreifachen Weg zurücklegt u. s. w. Macht demnach der Punkt 1 etwa einen Weg von 4 mm, so muss der Punkt 3 einen Weg von 3x4 oder 12»»/* machen, u. s. w. Es kann hier nicht meine Aufgabe sein, auf weitere Einzelheiten der neuen Rechenmaschine einzugehen. Nur dies sei noch erwähnt, dass, im Gegensatz zu aiulei'en Rechenmaschinen, die Ablesung wie bei einer Uhr g-esclheht, und dass die eingeführten Zahlen und Z wisch en-Resultate in gewisser Weise sichtbar bleiben, sodass der Rechnende selbst, sein Vorgesetzter oder eine Rechnungskonnnission einen Beleg des Rechnungsganges noch vorfinden können. Die Stelling'sche Maschine ist natürlich patentieii, und wird gegenwärtig in mehreren deutschen und oesterreichischen Fabiiken hergestellt. Ausser der besiirochenen grossen Maschine mit Nürnberger Scheei'en wird auch eine kleinere fabriziert, die, wie der Abakus der Römer oder der Swanpan der Chinesen, lediglich addiert und subtiahiert, nui' dass, wie dei der Paskal' sehen Maschine, die Zehner-Ueber- tragung automatisch geschieht. Zu den modernen Rechenmaschinen gehören auch die in den letzten Dezennien üblich gewoi'denen und von Ingenieuren \ielfach benutzten, lineal förmigen „Rechen- schieber". Der Querschnitt eines solchen Rechenschiebers hat folgende Gestalt: Innerhalb der mittlenui Rinne und dieselbe ausfüllend, bewegt sich ein ver- schiebbai'es, schmaleres Lineal. Auf der Vorderseite des letztei-en sind, ebenso wie auf der einen Hälfte des ein- fassenden Lineals, in gewissen Abständen die Zahlen von 1 bis 10 sowie die zwischenliegenden Zehntel durch Teil- striche so markiert, dass die Einrichtung dazu dienen kann, dem Beschauer das Resultat der Multiiilikation zweioi' Zahlen vor's Auge zu führen. »Schiebt num näm- lich das mittlere bewegliche Lineal so heraus, dass der darauf befindliche Teilstrich für 3 mit dem Teilstrich für 1 des festen einschlicssenden Lineals in gerader Linie liegt, so stehen dann, in der Verlängerung der Teilstriche 2, 3, 4, 5, 6, ... . des festen Lineals, auf dem beweg- lichen Lineal die bezüglichen Vielfachen von 3, also 6, 0, 12, 1.5, 18, . . . Dass auf solche Weise immer das richtige Multiplikationsresultat erscheint, rührt davon hei-, dass bei beiden Teilstrich-Reihen die Abstände der Teil- striche von 1 sich genau verhalten wie die Logarithmen der von den Teilstrichen dargestellten Zahlen. Es beruht also die Bi'auchbarkeit eines solchen Rechen-Schiebers als Multiplikationsmaschine auf dem Umstände, dass, wenn man die Logarithmen zweier Zahlen addieit, die Summe den Logarithmus dei'jenigen Zahl darstellt, die durch Multiplikation j(>ner beiden Zahlen entsteht. Daher nennt man diese Einrichtung auch logarithmisches Lineal "L Nr. 4. Natuiwisseiiscliiiriliclie Woclicnscliiift. 20 Dio wcitri'i' Aubring-iing- von 'l'cilstriclicii au riclitig-eii Stellen einuii;liclit es, luicli (las rnidiikl /.weicr zwei- /JUVi^er Zahlen n;ili('runt;swcise zu bestiniuieii, al)er uui' UiiluM'Unj^SVVeise. |)euil Wi'iui ein Keelieusclliehei' line praktiscli /.uiiissi^'-e Ijän.uc uirlit üher^ciu'eitcn sdII, sd kann man sich leiclit klar uiadien, dass eine. Koi^'e v(hi mehr als drei Ziti'eru nur und(^utlicll crkt-mibar sein kann, lieispicisweisc kann man lici ]L,''onane.r Einstellung- eikeuiieu, dass das Resultat von 43 x 57 mit den dr(\i Zill'eiii 245 anfaulen uiuss, dann kann man iVeilii-h auch (ihne weiteres das liciitiife Resultat '2I.")1 linden, wenn mau daran denkt, dass di(^ letzte Zitier 1 sein muss, wi'il .'i -< 7, e-ieich -jij mit 1 endigt. Aber Multiplikations- residtate von lux'h mehr Zittern lassen sieh mit llille di's loearithmisehi'U Sehiebers aus rein läumlidieu (li'liudi'U nicht j^euaii ei'ki'nueii. Nun Ibi-dei1 al)erdie l'i-axis selten mehr als di<' durch eine Kolj^e von drei oder vierZiti'ern trewälirleistete ()lenauif,''keit. Tnd damim haben an(di die Rechenschiebei' in melncreu patentiei-ten, aber wesentlich nielit vers(diiedeuen l-'oi'meii, uanieutlich bei lu^jcnieuren, Verbreitunjr üefuiideii. Kleinere Mitteilungen. Ueber den zulässigen Genuss des Fleisches tuber- kulöser Tiere. — (icnaiintes Tlieniii wurde vuii Nocaril auf ilriii 'I'iibi'rliuliise-Coiiyrpss zu I'iiris vom 25. liis 31. .Tuli iu i'iiicin Vortrage beliandelt. Darnacli hält der Vortragende die Mileli tul)erl}. E. J. Karow (Verl.-Cto.) in Dorpat. Dohrmann, E., Beitrac/e zur Kenntnis der Li/caconitinis. gr. 8°. (5:i S.) Preis 1 JC. E. ,J. Karow (Verl.-Oto.) in D .rpat. Engelhardt. R. v., Beiträge zur Tn.rikologie d. Anilin, gr. 8". (G8 S.) Preis 1 JC. E. J. Karow (Verl.-Cto.) in Dorpat. Erhardt, F., Kritik der Kantischen Antinomienlehre, gr. 8". (83 S.) Preis 2 JC. Fues's Verl. (R. Reisland) in Leipzig. 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MarJc. — Einzelne Nummern i^ejJien Eiiisenduuy- von *?5 Pfg, in Marken, Urteile der Presse: — — Diesem Verlangen nach Vielseitigkeit entspricht die illustrierte Zeitschrift „Naturwissenschaftlich- teohnische Umschau''^ welche, für (.iebiUL-te all-ir Stande bestimmt, in populärer Darstelliingsweise über die Fort- schritte, Knideckuiigen und Erfindungen auf den fiebieten der angewandten Naturwissenschaft und teclu-ischen Praxis berichtet. Durch den ausserordentlich mannigfaltigen Inhalt dieser Zeitschrift wird das wechselseitig fördernde Zusammen- wirken von Naturwissenscliaft und Technik ni der Nutzbarmachung der Stoffe und Kräfte zur Erhöhung unseres intellek- tuellen und materiellen Wohlseins in anschaulicher, zugleich fesselnder und belehrender Weise dargeslelft. „Illustrierte Zeitung". Em wahrhaft gediegenes Unternehmen, das mit diesem Jalirc neu in die Erscheinung getreten ist. Wir empfehlen allen unseren Lesern, welche sich für die Fortschritte auf d';m (leliiete der angewandten Naturwissenschaft und tech- oischen Praxis interessieren, die .Umschau" als eine Quelle, aus welcher wertvolle Belehrung zu schöpfen ist. 1 13] „Familien-Zeitung". Yl H Ymx der Zeitschrift: Der Zoologlsclie Barten ri'diüii'rt von ObPrlelircr l'inl. Dr. F. C. NoU, Verla«; von Mahlau & Waldschmidt in Frankfurt a. AI., prsi-liinn soelien Nr. 9 des XXIX. Jalirtrangs für 1888 mit folgendem Inliaft: Die Lummeii aufHelgoland; von dem Herausgeber. — Der Bou-Rioun (Lacerta pater Latasfe) und seine Verwaiidtscliaft mit der Perleideclise (L. ocellata Dau- din) und der Smarasdeideclise fL. viri- dis Daudin); vnn Job. von Fischer. — Zoologiselier .\ber^laulien in Russland; von C. Greve in Moskau. — Der Main als Fiscliwassei'; von L. Buchsbaum, Raunheim a. Main. — Der Zoolof^isehe Garten zu Strassburg; von Oskar Schnei- der. — Korrespondenzen. — Kleinere Mitteilungen. — Eingegangene Beiträge. — Büclier und Zeitschriften. — Be- richtigung. Gesteinsdünnschliffe von 0,75 ^t ab werden angefertigt von E. Zwach. Kgl. Bergakademie in Berlin N., Invaliden.strassH 44. Gesttine werden angeschlifTen und poliert. Präparate von lebenden Hölzern zu anatomi.sclieni Getiraucli stellt billig her HodeUtiscUer Michel, Herlin N., Landwirtsciuvftl. Hocli- schule, lavalidentitrasse 42. Ein Chemiker, !»■'. phil., [8'J der .seine Studienzeit in ^larlmr^', Gies.sen u. Berlin (6 Sem.) beendete, mit besten EmpfeldiinK-en, sucht per Januar k. ,T. Anfanysstellimt,'. Geti. Otierten sub L. R, 42 d. d. Exp. d. „Naturw. Wochensclnift." PnhraiiphtD Briefmarken kauft UBUIdUllIlb G. zechmeyer in Nürnberg, i'rosp. grati.s. (\m \ VoD AfiiiarieD, Terrarien, Fontänen, Felsen, Fischen, ReptHien, Pflanzen, Laubfrosch- u. 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Wochenschrift" Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6. — Verlag: Hermann Riemann, Jierlin NW. 6 Druck: Gebrüder Kiesau, ]terlin SW. 12 Unserer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Firma Hirt & 8oiin in \,e\\ye.\s, betreffend 8;eograi>1ii!«4'lie and iiatnrwiüiHenschaftlicIie Sohriften, bei, ebenso ein Prospekt der Firma Meyer & Zellci- in Zürleli, beireffend Beglinger, das Weltgesetz, welche wir der freundlichen Beachtung unserer geehrten Leser bestens empfehlen. (115/116 Redaktion: ^ Dr. H. Potonie. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. JII. Hand. Sonntag-, den 28. Oktober 1888. Nr. 5. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandlungen unil Pust- ir anstalten, wie bei der Exiiedition. Der Vierteljalirsiireis ist M ;i.— ; iS^ Bringegeld bei der Post 15 4 extra. JL Inserate: Die viergeapaltene Petitzeile 30 4. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach üebereinkunft. Inseraten- annalime bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. AlxIriK-k ist nur mit vollMtäii«li ger <^iit>lUMiano;aI>e gestattet. Philosophie und Naturwissenschaft. Dr. I'hicjen Dreher, weil. Dozent a. d. riiiversität in Halle. .\ni Scillu.s.se .seiiior Sdirift: „üeber den Matei-ialLs- iDu.s (.k'i- neueren deut.sclien Naturwissenschaft, sein Wesen und seine Geseliiclite", erklärt Sclileiden: „Der prin- zipielle und in gewisse!' Weise ja berechtigte Widerwille unseres nalurwissenschaftlicli-industriellen Zeitalters gegen alle pliilosoi)liischen Untersuchungen wird sich nicht so leicht überwinden lassen, noch sind der Aufgaben zu viele, die ganz oder teilweise gelöst werden können, ohne dass die Halbheit und Unsicherheit in den Grundlagen schreiend zu Tage tritt. Erst ein Keppler und Newton für die anziehenden Ivräfte in der Berührung (oder eine ähnliche Fundamentalfrage) werden den Geist wieder wecken und zu der eigentlichen Grundlage zurüclcführen. Wir, die wir uns echte Schüler von Kant nennen in dem olien entwickelten Sinne, können nur durch immer wiederholte Mahnungen konstatieren, dass der Faden keineswegs abgerissen ist und einer besseren Zukunft vertrauungsvoll entgegensehen." — Die Zukunft aber, von der hier der philosophisch geschulte Naturforscher spriclit, ist gekommen. Die Naturwissenschaften sehnen sich in richtiger Erkenntnis ihrer blos einseitigen, der Erfahrung allein Rechnung tragenden Richtung nach dem Anschluss mit der alle Wissenszweige verbindenden Philo- sophie und die Philosophie sucht ihrerseits bei richtiger Würdigung der Empirie eine breitere und sichere Grund- lage in den einzelnen Erfahrungswissenschaften zu ge^^■innen. Eine nicht hoch genug zu veranschlagende Errungenschaft von Philosophie und Naturwissenschaft im engeren Sinne ist es, dass beide auf vei'schiedenem '^a^o. dazu gelangt sind, dass weder das reine Denken die Erscheinungen im voraus festzustellen vermag, noch die Erscheinungen im Stande sind, die Natur unseres Denkens zu bestimmen, dass diejenigen Gei.stesoperationen, die wir als richtiges Denken bezeichnen müssen, als eine Üebereinkunft zwischen der Beschaffenheit unserer Denkorganisation und der an uns herantretenden Wahrnehmungi'ii anzusehen sind. In diesem Sinne begrüssen wir denn auch „das nachgela.ssene Werk Immanuel KanUs: „Vom Uebergange von den metaphysischen Anfang-sgründen der Naturwissenschaft zur Physik", welches Albrecht Krause ebenso klar wie eingehend mit anschaulichen Belegen „populär-wissen- schaftlich" inteipretiert hat*), als ein hoch zu S(;hätzendes Vermächtnis des Königsberger Forschers, von dessen Methode zu denken Schieiden in der genannten Schrift mit Recht hervorhebt : ,, Ohne diese zu pJulosopJiieren, tvenn man es jtt.;t iikrJiaiijd noch so nennen ivill, ist ebenso alisunl, als ohne induktive Methode Naturiüissensvliaften treihen. So irie diese letztere von den sinnlich erfassten Thatsachcn hmsequeid und sicher zum nicJd sinnlich wahr- neltmharen Gesetz, so führt jene, die kritische Methode, von den eilen falls icahn/enommenen Thatsachen der inneren Erfidiritng zu den meteqihijsischen Gruiidsätzen. die auch die Kediinvissenschaften beherrschen''. So wii'd denn jedem, dem es darum zu thiin ist, seine Specialwissenschaft mit allgemein giltigen Ideen und Gesetzen zu vei-ketten, der in diM- i'ülle und Flucht *) Das Hdcligelasseiie Werk Immanuel Kant's: Vom lieber- gcmi/e von den metaphysischen Anfanffsgrihulen der Naturivissen- schaft zur l'hi/sik mit Betegen populär-wissenschaßlicli dargestellt von Alhreclit Krnnse. — Veilai;' von Moritz .Scliauenlinrgf, Frank- furt a. U. und Lahr. 1888. 34 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 5 der Erscheinung-en den „rulienden Pol" sucht, das an- geführte Werk eine reiche Quelle der Belehrung, An- regung und des wissenschaftlichen Genusses selbst dort noch gewähren, wo er sich auf (i rund neuerer Untersuchungen mit den Ansichten Kant's nicht einverstanden erklären kann. Man erwäge hierzu die im Anlange des genannten Werkes ausgesprochenen Grundsätze : „PJtysik, wie alle Natunvissenschaft, rieht ihren Weij ruhig und sicher, indem sie zimärltst die Vorgänge und TJiatsacJien in der Natur aufsucht und feststellt. Sie hedarf dazu keiner PliiJosoxihie. u?ul a priori können keine Sterne gefunden werden. Kur Observation und Experiment gehen gesicJierte Thatsaciien." — Und Seite 6: ,,Tn diesem Sinne wii'd also jeder Physiker sich ruhig beteiligen können an der Wissenschaft, welche klarstellt, welche Merkmale die gebrauchten Grundbegriffe haben und welcher Gebrauch dei'selbeu daher ihr am Inhalte widerspricht. Die Wissenschaft oder Erkenntnis aus blossen Begriffen lieisst nun die Metaphysik oder reine Philosophie." — Da aber der Begritl' si(;h au dem zu bearbeitenden Material herausbildet, mithin zeitgemässeu Schwan- kungen unterliegen muss, so ist Meta])hysik nicht nur die geraeinsame Wurzel aller Wissenschaften, sondern auch das gemeinsame Band, welches die jeweiligen Er- rungenschaften aller Wissenschaften denkgemäss zu ver- knüpfen sucht. Nur in diesem Sinne hat der Begriff": Metaphysik seine volle wissenschaftliche Bei'echtigung, wie dies Kant schon durchschaut hat. Metaphysik als die Lehre desjenigen, welches hinter- dem Schleier der Erscheinung liegt, des Ivan t' scheu „Dinges an sich", wie sie früher, zuweilen auch noch heut, gefasst wird, verdient keine Beachtung, weil, wie Kant schon nach- gewiesen hat, unsere Erkenntnis nur den P]rscliei- nungen Rechnung tragender („phänomenaler") Natur sein kann. Wie aber — um mit Schiller zu reden — im gewissen Sinne der Genius mit der Natur im Bunde steht, so dass letztere Das leistet, was das Genie verspriciit, da- für liefert das in Bede stehende Werk Kant's einen höchst interessanten Beleg, insofern in dieser Schrift schon deutlich der Gedanke nicht nur ausgesprochen, sondern auch durchgeführt ist, dass Wärme als eine Schwingungsform der Materie anzusehen ist, und nicht als etwas Materielles an sich. Dass dieser Gedanke, den Rumford, Robert Mayer und Joule später zwar ein- gehender, aber sehr stufenweise im Sinne der exakten Naturwissenschaft begründeten, als eine der grössten Errungenschaften unser-er modernen Physik aufgei'asst wird, brauche ich kaum in einer Zeit zu erwähnen, wo man bei den verwickeltsten Phänomenen die Giltigkeit des Gesetzes von der Erhaltung der Ivraft nachzuweisen sucht. — Aber auch bei Kant gebrauchte der (iedanke: die Wärme als eine Schwiugnngsform der Matiu-ip aufzufassen, Zeit zur Reife. Erst in der dritten h^poche seiner meta- physisch-physikalischen Untersuchungen erhebt er sich Erkenntnis: „Wärme ist innigste osi iUntoriahe Bavcgung. Einen dazu gehörigin alhs dtirelidringcudcn Wärmestoff anzu- n.ehhien, der von alh r iräghaim Malerie unterschieden sei, ist Jilosse Hgpothese, denn im Begriff der Wärme liegt nicJtts weiter als diese innigste allseitige Erschütterung, irelche das Yerscleiehen aller Teile, die zusu mm enl längen, möglich maclit." Und, wird der Satz richtig verstanden, so können wir ruhig Albrecht Krause beipflichten, wenn er Seite 176 behauptet: „dass die Resultate einer echten Trans- eemlentalpliilosophie und echten Naturtcissenschaft stets zusammentreffen." — Vielleicht gelten nicht mehr die Worte, welche Schiller „den Naturforschern und Transcendentaliihilo- sophen" zuruft: „Feindschaft sei zwischen euch! Noch kommt das Bünd- nis zu frühe: Wenn ihi' im Suchen eu'h trennt, wird erst die Wahrheit eikannt", in denen dei' ,, Dichter-Philosoph'' darauf hinweist, dass in letzter Instanz die Ergebnisse beider Wissenschaften sich decken müssen. — Schliesslich will ich nicht unterlassen, in anbetracht richtiger Würdigung metai)hysischer Spekulationen darauf aufmerksam zu machen, wozu mich noch der Aufsatz: ,,Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum", wel- chen Dr. Y. Schlegel in diesem Blatte (Bd. li, S. 41 ff.) veröffentlicht hat, besonders auffordern, dass Immanuel Kant es war, der in einer seiner Jugendschriften zuerst die höchst originelle Ansicht aufstellte: Die dreidimen- sionale Anschauung, welche uns die Sinne vom Räume ei'schlössen, möchte nicht der Wirklichkeit entsprechen, iusofei'n der (existierende) Raum vielleicht vier dimensionaler Natur sei. Kant betrachtete damals den Raum noch nicht als eine angeborene Anschauungsfoi-m der Psyche, als welche er ihn später (wenigstens znnächst) nachwies, son- dern mass demselben absolute Objektivität bei, welche für unsere Wahi-nehraung nur dadurch eine Abänderung er- leide, dass wir nicht den vierdimensionalen Raum, sondei'n dessen dreidimensionale Projektion perzipieren. Die Gründe, die Kant für diese Auffassung hatte, waren die auffallenden Widersprüche, zu denen meta- physisch-geometrische Spekiüationen führen, alsdann die zunächst gewiss auffällige Thatsachc: dass gleieh-grosse, symmetrische, dreidimensionale liaumgehilde sich nicht zur Deckung bringen lassen, wie beispielsweise die Räume, welche beide Hände einnehmen. -- Naclidem aber ge- nannter Philosoph den Raum als eine angeborene An- schauungsform der Seele erkannt hatte, berührt er diese Hypothese nicht mehr; und so findet sich denn auch in dem besprochenen Werke Kant's keine Andeutung von einei' etwaigen Vierdimensionalität des Raumes. Dieser kühne, aber übereilte Gedanke Kant's fiel jedoch auf Nr. Naluiwissciiscliafllidic WoL-licnscIirif iViiditbaren Boden boi selir bedoutciKlen Matliematikeiii, wie bei Gauss, Rieinaiui, Jieltianii, v. ITcliii lioltz und Zöllner, wo derselbe, je nach der Individualität des Eni]ifängeis, sonderbare Früchte trug, die in rein mathenuitiscliei' Hinsicht wohl darin ihren Kulminations- punkt Hnden, dass man den (Jrundsatz aufgeben soll, dass der kürzeste ^^'eg zwischen zwei Punkten die gei'ade Verbindungssti'ecke ist und: (!((■•■■.•< mim einen Ihiuni lijipothesiiren soll, der in si riicn gleiehartif) ijeihuhten Teilen n'nhi gleiihetHif] id.*) Wenn aber Dr. V. Schlegel erklärt: „Uebeiia';sen wir also den vierdimensionalenKaum den Matliematik(M-n, die schon seit einer ganzen Reihe von .Tahren sich in demselben häuslich eingerichtet und eine wahrhaft fruchtbringende und für die Fortentwicklung den' \\issenschaft nützliche Thätigkeit darin entfaltet haben, rnterscheiden wii' aber vor allen Dingen zwischen diesem rein abstrakten Gebilde geometrischer üeberlegung, wel- ches uns nirgends in Widei-sprüche mit den anerkannten Gesetzen verwickelt, und den Raum dei' Spiritisten usw.", so übersieht er, dass, rein mathematisch genommen, dieser vierdimensionale Raum der Mathematiker ein und dasselbe Gespenst ist wie der vierdimensionale Raum der Spiritisten, iiiu-mit dem unmassgeblichen Unterschiede, dass der vier- dimensionale Raum der Spiritisten ein populäres Gewand angelegt hat und auf das Forum getreten ist, während der vieidimensionalc Raum der Mathematiker, mit allem wissenschaftlichen Sclunuek bekleidet, in dem Heilig- tum des Tempels seinen Thron aufzuschlagen sucht. Man thut wiilil daran, das besagte Gespenst in dem Lager der Wissenschaft aufzusuchen und daraus zu verjagen; sein Düppelgänger auf der Strasse wird alsdann von selbst in Nichts zertiicssen und die Welt wird von einem guten Stück von Aberglauben gereinigt werden, den eine verkehrte üehandluug wissenschaftlicher Probleme selbst erzeugt hat. — b]s ist jedoch nicht zu verkennen, dass diejenigen ( i runde, welche num für die Existenz eines vierdimensionalen Raumes geltend gemacht hat, mit nicht geringem Schaifsinn entworfen sind, so dass nicht unerheblich wenige Momente \\\v das Vorhandensein eines derartigen Raumes zu siirechen scheinen. Doch lassen sich alle diese Einwände gegen die Dreidimensional ität des Raumes durch andere, *) Verg-l. Hc'lniliult/, : „l rbi-r di.'ii Urspriiug die Bodeutung An goometrisclioii Axicime". Vortrag-, gehalten in Heidelberg 1870. Brauiisphweig, Vicweg &, Sidiii. eiufachere und einleuchtendere Peti'achtungen beseitigen, die gerade auf der Voraussetzung der Dreidimensiunalität des Raumes sich gründen, wie ich dies in einer Schrift: „Beiträge zu unserer modernen l\sycho-Physiologie" nash- gewiesen habe. — Es fragt sich daher nui-: wie hervoriagende Mathe- matiker sich einer so haltlosen Hypothese wie deijenigen der Vierdimensionalität des Raumes zuwenden konnten. Es liegt dies unzweifelhaft in dem Umstände, da.ss die Mathematik, die bei obeitlächlicher Betrachtung eine so einleuchtende und feste Grundlage zu haben scheint, beim tieferen Eindringen auf mystische und dunkle Pro- bleme und Gebiete führt, die g-ar zu leicht demjenigen, der nicht durch eine allseitige philosophische Bildung gegen diese Klippen gefeit ist, in die Gefahr bringen, über Träumereien Realitäten zu vergessen. Tch erinnere hier nur an Sätze wie: Zwei parallele Linien schneiden sich in der Unendlichkeit. Die Parabel ist anzusehen wie eine Ellipse, deren zweiter Brennpunkt in die Un- endlichkeit fällt; die beiden Arme einer Hyperbel als zwei Parabeln, zwischen denen die L'nendlichkeit liegt usw.; ferner an die Annahme von Differentialen \erschiedener Oi'dnung, wie an die von Endgliedern verschiedener Grösse von absteigenden unendlichen Reihen, Endglieder, welche, obwohl für den Gedanken unteilbar unendlich klein, dennoch verschiedene Grösse besitzen sollen. Will man nicht, wozu man keineswegs berechtigt ist, diesen Theoremen eine ganz pliunpe Auslegung geben wie etwa die: Parallellinien schneiden sich in der Unendlichkeit heisst nichts weiter, als sie schneiden sich nie, oder, will man nicht die Bedeutung und Tragweite dieser Theoremen übersehen, so ist nicht zu verkennen, dass man hier auf sich widersprechende Momente stösst, die ihre inierwartete Aussöhnung in der Erfahrung finden, sodass man au den Mysticismus der He gel' sehen Afterphilosophie ei-- innert wii'd, die den Widei'spruch zum Princip der Welt- evolution erhob. Schutz vor so lockenden Vei-suchungen bietet aber ein Werk wie das besprochene Immanuel Kant's, in welchem Klarheit und Tiefe derartig harmonisch ver- bunden sind, dass es den entfernte.ston Zeiten imniei' noch als Muster dienen kann: Wie wissenschaftliche Forschungen zu beti-eiben sind; worin der ewig bleibende Wert ieiles wahrhaft genialen Werkes zu suchen ist. Formen, Herkunft und allgemeine Lebensbedingungen der Bakterien. \'(iii Dr. Uiibert i\Lit t manii. (Schluss) Kino wichtige Rolle beim Wach^ttnn der ISakterien spielt die Temp'iatur des Nährbodens und der Umgebung. Unterhalb 5" ist ein Wachstum und eine Vermehrung der Mikroorganismen so gut wie ausgeschlossen. Es tritt nämlich dann die sog. Kältestarre ein, welches jedoch keineswegs mit einer Vernichtung des Lebens identisch ist; denn Milzbrandbacillen können ein<' Temperatur von — 110", Cholerabacillen eine stundenlange Einwirkung von — 10" erti'agen, ohne an ihrer Lebensfähigkeit ge- schädigt zu werden. Sobald die Bacillen wieder in gün. stig-ere Temperaturen gelangen, entwickeln sie sich in g-ewohnter Weise weiter. Zu grosse Wäirae übt einen 36 Naturwissenschaftliclie Woclienschrift. Nr. ähnlichen Einfluss. Mit 45" tritt meistens die sogenannte Wärmestarre ein; während 50—60° bei längerer Dauer die vegetativen Formen, aber noch niclit die Sporen töten. Zwisclien den oben angegebenen Extremen, die selbst- verständlich nicht von allen Arten ertragen werden, liegt eine ebenfalls für die einzelnen Arten verschiedene mitt- lere Temperatur, bei welcher Wachstum und Vermehrung am besten von statten gehen: Temperaturoptimum. Für die pathogenen Bakterien liegt das Optimum bei 37°, der normalen Körperwärme, während es für die meisten übrigen bei etwa 20° liegt. Eine ähnliche wichtige Eolle wie die Wärme spielt der Sauerstoff, bei dessen Abwesenheit die meisten uns bekannten Arten nicht leben können. Diejenigen, auf welchen schon eine geringe Veiminderung des Sauerstoff- gehalts der Umgebung einen nachteiligen Einfluss ausübt, nennt man obligat-aerobe Bakterien. Diejenigen, welche zwar in einer sauerstotfi'eichen Umgebung am besten ge- deihen, abei- auch bei völligem Mangel an Sauerstoff sich langsam weiter entwickeln, bezeichnet man als facultativ- aerobe; zu ihnen gehören die meisten pathogenen Arten. Gewisse Bakterien bieten die höchst überraschende Erscheinung dar, dass der Sauerstoff schädlich auf ihre Entwickelung einwii'kt und manche derselben bei längerer Berührung sogar tötet. Dies sind die sogenannten ana- eroben Arten. Nach erfolgter Darlegung der allgemeinen Lebens- bedingungen der Bakterien, mögen auch die von ihnen erzeugten Stoffwechselproducte kurz erwähnt werden. Manche Bacterien besitzen die Fähigkeit feste Nähr- boden wie Peptongelatine durch die von ihnen ausge- schiedenen Stoffwechselproducte zu verflüssigen. Andere erzeugen auf der Höhe der Vegetation Farbstoffe. Am längsten bekannt ist dieses Verhalten wohl beim Bak- terium des Blutwunders (Mikrococcus prodigiosus). Das intensiv rote, blutähnliche Aussehen dieses Farbstoffes und das dem Unkundigen völlig rätselhafte Auftreten seines Erzeugers haben namentlich im Mittelalter Anlass zu dem wunderlichsten Aberglauben wie dem der bluten- den Hostien etc. gegeben. Gewisse Bakterien sind bei der p]rzeugung von Gährungsprozessen thätig; andere verursachen Fäulnis- prozesse. Auch die Nitrification (Nitration) des Bodens kommt durch die von Bakterien bewirkte Zer- legung organischer Stoffe zu stände. Einzelne Arten scheiden bei ihrer Vegetation stark riechende, oft abscheulich stinkende Gase aus; so erzeugt z. B. der oben erwähnte Mikrococcus prodigiosus, wenn er auf Kartoffeln gezüchtet wird, einen eigentümlichen, dem der Salzheringslake ähnlichen Geruch nach Trime- thj'lamin. In vielen Fällen erzeugen die Bakterien Stoffwechsel- producte, welche ihnen selbst schädlich sind und ihre Entwickelung verlangsamen oder sie zum Stillstand brin- gen. Ähnlich wie die Hefearten in der Bierwüize oder im Most durch ihie Vegetation den in diesen Flüssig- keiten enthaltenen Zucker in Alkohol, einen für sie gif- tigen Stoff, verwandeln und sich schliesslich „zu Tode g-ähren", so erzeugen die Bakterien vielfach organische Alkaloide, die ebenfalls für sie giftig sind. Um auf künstlichen Nährboden eine zu gi'osse Anhäufung der- artiger Stoffwechselproducte zu verliindern, empfiehlt es sich daher künstliche Kulturen hin und wieder auf frische Nährböden zu übertragen. Ueber die Anlegung künstlicher Kulturen und über die beim Arbeiten im bakteriologischen Laboiatorium nötigen Vorsichtsmassregeln soll in einem folgenden .\ut'- satz berichtet werden. Aus dem Sinnesleben der Tiere. Von Dr. Robert Keller. Die uns umgebende Welt ist in vielen Dingen ein Erzeugnis unserer Vorstellung. Die Farbenpracht, welche uns an einem Makart-Gemälde zur Bewunderung einer kaum erreichten Meisterschaft hinreisst, die Tonfülle einer Tannhäuser-Ouvertüre, die in wunderbarer Sprache von menschlicher Freude und menschlichem Leide zu uns spricht: sie beide bestehen nicht ausser uns, sie werden in uns geboi'en. In höchst prosaischer Weise sagt dei' Phj^siker: Rot ist derjenige Schwingung-szustand des Lichtäthei'S, welchem die Schwingungszahl vierhundert- einundfünfzig Billionen entspricht; das mittlere A des Klaviers entspricht 440 Schwingungen in der Sekunde. Die Produkte vollendeter Kunst auf dem Gebiete der Farbentechnik und der Musik analysiert er erbarmungs- los in Zahlen, die gewisse Bewegungszustände bedeuten. Erst unser Gehirn, dem die Sinnesnerven durch das Auge und durch das Ohr diese Bewegiuigsformen zuge- leitet haben, übersetzt diese in die melodische Sprache der Musik, in die berückende Farbenpracht der Malerei. Wenn nun Ton und Farbe unseres Gehirnes Schöpfung sind, wird dann wohl — so müssen wir un- willkürlich fragen — jedes Menschengehirn diese Be- wegungserscheinungen in gleicher Weise übersetzen? Wii'd das Ciuxos von Luftschwingungen, das ein Orchestei'- vortrag erzeugt, von jedem Gehirn gleichartig als wohl- geordnetes Tonwerk übertragen, wii'd wie in meinem Gehirne so auch in jedem anderen die Fülle der Luft- schwingungen bald in Freude und Jubel, bald in stille Wehmut, bald in wilde Verzweiflung übersetzt? Der Gedankenaustausch über eine dieser kttnstleri- sclien Schöpfungen lässt allerdings kaum daran zweifeln, dass wenigstens die Grundzüge der verschiedenen Ueber- setzungen sich gleichen. In der Feinheit der Auffassung, in dem Stile der Uebersetzung- macht sich allerdings die Ni-. Naturwissenscliaftliche Woclienscilii-ift. 87 liuliviiluiilitiit i^cItciuL Eine lei:^(! Dissonanz, dii' in den Mienen des Herrn Dirigenten verscliiedeno Muskeln in ganz nngewolmte Tliätigkeit zn setzen veiniag, die eine plötzliche Drehung- des Kopfes hervorruft, die selbst, die Muskulatur seiner Gliedinasseu in eine für den Sünder nicht niisszuverstehende {'.ewegung versetzt, hat unser Laienhirn nicht berühit. Die für den Künstler unan- genehmen Schwingungen übei'trug es uns weniger zart besaitetem Menselienkinde als wohlt()nende, den Reg(>ln der Kunst entsprechende. Und doch kann man sich des Gedankens kaum er- weln'en, dass wohl selbst die (irundzüge der Uebei'setzung niclit durchgiingig sich decken. So ist unter sonst nor- malen Verhältnissen die Wahrnehmung' hoher Töne bei verschiedenen Personen verscliieden. Sciinellste Schwin- gungen übersetzen gewisse Gehirne in Töne, wälirend sie für andere nicht bestellen. „Die Plötzlichkeit des Ueber- gauges", sclu'eibt WoUaston, „vom vollkommenen Hören zu einer vollständigen Abwesenheit dei' Wahinehmung übei'rascht so selir, dass ein derartiger Versuch mit einer Reihe kleinei' Pfeifen unter verschiedenen Personen sehr belustigend ist. Es ist sehr eigentümlich, wie die ver- schiedenen Mitglieder der Gesellschaft naclieinander ihre Ueberrascluing ausdrücken, wenn die Töne sich der Grenze ihres Gehöres nähein und sie überschreiten. Oft sind die, welche sich eines vorübergellenden Triumphes erli'euten selbst genötigt anzuerkennen, wie wenig weit .sich ihre geringe Uebei'legenheit erstreckte". „Nichts ist überraschender", schreibt Herschel, „als wenn von zwei Personen, welche nichts weniger als taub sind, die eine sich über die durchdringende Schärfe eines Tones beklagt, während die andere behauptet, dass gar kein Ton existiere". So ist also wenigstens auf dem Gebiete der TöiK^ nicht jede L'ebersetzung der anderen gleich- wertig. Erscheinungen anderer Ai't lehren uns dasselbe für das Reich der Farben. Das Glasprisma zerlegt uns das farblose Sonnenlicht, gleich wie die Wassertropfen, in welche die Sonne scheint, in eine Farbenreihe, die sieben Regenbogenfai'ben, welche mit rot beginnt und mit viok'tt endigt. Der Physiker beweist uns, dass nicht nur in dem Zahlenraume, welcher zwischen der Schwingungszahl des Roten und des Violetten liegt, Liclitätherschwingungen bestehen, sondein auch im Zahlenraume unter dem Rot und über dem \'iolett. Sollte also nicht einem Gehirne die Fälligkeit zukommen die Schwingungen jen- seits des Violetten der Farbenreihe (Ultraviolett) als Farbe wahrzunehmen? Wir haben kein Zeugnis hiei-- für. Es besteht vielleicht nicht. Als spätere Entwick- lungsphase des Farbensinnes ist seine Schöpfung vielleicht der Zukunft vorbehalten. Wenn uns Gelehrte darthun, dass das Karbenunterscheidungsvermögen der Dichter der homerischen (Jesänge ein beschiänkteres war. als das unsrige, dass die Schöpfer dieser hciiiidicn Poesien die Farbenwelt gleichsam duich eine ti'iibe Prille ansahen, wenn sie uns lehren, dass das l'.lau drr Kornblume das zielende Peiwort der Haare des Odysseus ist, dass die schwarzen Trauerkleider anderwärts wiedei' kornblumen- blau genannt wei'den, dass die bilderreiche Sprache nie des grünen Kleides der Eide, nie der Bläue des Himmels erwähnt, müs.sen wir dann nicht glauben, da.ss wie der Farbensinn seit der homerischen Zeit bis zur Gegenwart sich entwickelte und in dei' homerischen Zeit selbst vollkommener war als im frühesten Altertum, wo rot und hell so oft als gleichwertig erscheinen, er auch künftighin sich weiter zu entwickeln vermag? Vermissen wir so im Sinnesleben dei- Menschheit eine durchgängige Gleichartigkeit, wievielmehr muss es uns interessieren das Verhalten der tierischen Gehirne gegen die Bewegungserscheinungen der uns umgebenden Welt kennen zu lernen, aus ihren L'ebersetzungen zu lesen. Der Helligkeits- und Farbensinn der Tiere, der von Vitus Graber zum Gegen.stande so intere.ssan- ter Untersuchungen gemacht wurde, soll uns im nach- folgenden in eister Linie beschäftigen. Was können wir, so wird mancher der verehrten Leser erstaunt fragen, von dem Lichtunterscheidungs- vermögen oder gar von der Farbenwahrnehniung der Tiere wissen? Wie verrät es dem Menschen, dass auch ihm vergönnt ist, einen Einblick in die Farbenpracht der Natur zu thun? — Voi'ab im Reiche dei' Schmetterlinge und der Vögel sehen wir einzelne Arten mit einer Fa|^en- pracht geschmückt, die oftmals der künstlerischen Hand des begnadetsten Malers spottet. Das schimmert und strahlt in dem bunten Kleide vieler Paradiesvögel, dass das Auge an dieser Pracht sich nicht satt zu sehen ver- mag. Ich glaube, wenn der Versuch uns nichts über das Far'benwahrnehmungsvermögen der Tiere sagte, dieTliat- sache allein, dass die Natur im Reiche der Lebewesen in verschwenderischer Fülle die Farben ausgegossen hat, spricht für das Farbenwahrnehmungsvermögen der Ge- schöpfe. Der Pfau, der ein Rad schlägt, sucht seinem Weibchen zu gefallen. Soll dieses ihn bewundern, dann muss die schillernde bunte Pracht des fielieders seines ]<]liegespons in ihm nicht weniger angenehme fjefühle eiw-ecken, als wenn wir uns am Anblicke eines schönen (lemäldes erfreuen. Die Frage freilich, ob die Tiere die Farbe so wahr- nehmen, wie wir sie wahrzunehmen vermögen, werden wir nicht zu beantworten vermögen. Die Beobachtung, dass ein Tier die Lichtschwingungen , welche iii uns in die Farbe „rot" übersetzt werden, auch \\ahrnimmt, beweist noch nicht, dass sein Gehirn dieselben in gleiche Form übersetzen muss. Der gleiche Reiz kann eine andere Emplindung hervorrufen. Wenn der zweifelnde Leser aus dem N'orkoiniiien der Farben im Tierreiche nicht auf die ^^■ahl•nehmung derselben durch die Tiere schliessen will, dann wird er uns fragen: Wie vermag uns denn der Versuch von dem Helligkeits- und I^'aibensinn der Tiere zu überzeugen. Die Erkenntnis der Wirkung eines Lichtreizes auf das Tier setzt irgendeine sinnlich wahrnehmbare Aeus- 38 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Ni-. serung des Tieres voraus. Der Lichtreiz muss im Tiere eine Lust- oder eine Unlustempfindung- hervorrufen, muss das Gefühl des Behag-ens oder des Unbeliagens wecken, das hinreichend stark ist, um das Tier zu einem Orts- wechsel zu veianlassen („reaktive Bewegung"), dasselbe zu bestimmen, seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort mit dem benachbarten anders belichteten zu vertauschen. Tritt eine solche Aeusseiung nicht ein, dann darf natüi- lich nicht auf den Mangel eines Lichtgefühls , auf das völlige Fehlen der Fähigkeit, die Lichtschwingungen zu übertragen, geschlossen weiden. Das Tier kann sich dem _ Lichtreize gegenüber gerade so gleichgiltig ver- halten, wie unter Umständen der Mensch, der unter zwei verschieden belichteten Räumen nicht notwendig den einen mit dem andern vertauscht. laicht und Farben- wahrnehmungsvermögen der Tiere bleiben uns also unter Umständen verborgen. Licht- und Farbengeschmack des Versuchstieres müssen schon ganz ausgesprochener Alt sein, das Tier muss den A etherschwingungen gegen- über ein sehr feinfüliliges sein, wenn es in seiner stummen Spraclie uns verraten soll, dass sein Gehirn dieselben übersetzt Jiat, dass es Licht und Farbenunterschiede wahrnahm. In sinnreicher, weil überaus einfacher Weise hat Graber seine Versuche anzuordnen verstanden. Ge- wöhnlich setzte er die Versuchstiere verscliiedener Be- lichtung in Kästen aus, die so gebaut waren, dass mit Leichtigkeit entweder Licht von ungleicher Leuchtkraft die eine rnd andere Hälfte des Raumes beleuchtete oder aber Licht von verschiedener Farbe z. B. durch gefärbtes Glas in den Kasten eindrang. Bei den Versuchen über die Farbenwahrnehraung sind natürlich stets Kontroll- versuche über die Wirkung verschiedener Helligkeits- grade der zu vergleichenden Farben anzustellen. Denn eine Aeusserung, die auf die Einwiikung von farbigem lichte hin erfolgt, kann ebensowohl in der Licht- quantität, seiner Helligkeit, als in der Lichtqualität, sei- ner Farbe, begründet sein. (Schhiss folgt.) Kleinere Mitteilungen. Zur Frage nach der Heimat der Weinbergsschnecke. — 1. Zu dem Aufsätze Eduard von Marteus S. 17 diT Naturw. Woclienschr. sei bemerkt, dass der gelehrte Herr Verf. mit Recht andeutet, für die Frag-e der Herkunft von Helix pomatia werde ihr 1|orkommen in vorie Expedition der „IVatnrwit^itieiiscliaftliclien Wochenschrift". Briefkasten. Hr. D. Der Ueberzug an Nadeln in Insektensammlungen ist Grünspan, ein essigsaures Kupferoxyd, welches entsteht, wenn die kupfrige Substanz der Nadeln mit der im Körper pflanzen- fressender Insekten enthaltenen Essigsäure bei Luftzutritt sich ver- bindet. Um die Bildung von Grünspan zu verhindern, wählt man nicht kupferhaltige weisse, sondern schwarze lackierte Nadeln, welche bei Insektenhändlern und Nadlermeistern zu kaufen sind, z. B. bei Franz Swaty in Marburg (Oesterreicb), Domgasse 3. K. Inhalt: Dr. Eugen Dreher: Philosophie und Naturwissenschaft. — Dr. Robert Mittmann: Formen, Herkunft und allgemeine Lebensbedingungen der Bakterien. (Schluss.) — Dr. Robert Keller: Aus dem Sinnesleben der Tiere. — Kleinere Mitteilungen: Zur Frage nach der Heimat der Weinbergsscbm.'cke. — Ueber die Einführung des Rennet'scben Kiinguru in Deutschland — Ueber den Einflnss fremder Beimengungen auf die Güte des Handelsknpfer. — Astronomisches Chronometer. (Mit Abbild.) — Fragen und Antworten: Wie präpariert man Spinnen für die Sammlung? — LItteratur: Prof. H. C. E. Martus: Astronomische Geographie. — BUcherschau. — Briefkasten. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potoni4, Berlin NW. 6. — Verlag: Druck: Gebrüder Kiesau, Berlin SW. li Hermann Riemann, Berlin NW. 6. Hierzn eine Beilage, welche wir besonders an beacliten bitten. Beilage zu Nr. 5, Band III der Jatiirwissenschaftlichen Woclienschrift". X^c^m^T^Mm namentlich Anzeigen allci- ojitischen, dieinisclien, physikalisclien etc. Gerätscliaften, Naturalien, CliPiiiikalien, sowie Büclieianzeig-en finden weiteste unrl passendste Veibreitun,«,'. IJ^" Hemer kiinff für die Leser: Für den InhaU der liisernfe sind wir nieJU verantwortlieh. "T^Q €liai*](\s Ihirwhi nach von der Familie Darwin zur Vorfiigung- gestellten Porträts in Gyps modelliert von C. Lehr d. I. Auditoriumsbüste, etwas über lebensgross . . Mk. 60,— lebensg-ross m. ßüstenfuss „ 40,— Die Büsten sind mit Wachsfarbe gestrichen und können abgewaschen werden. Photographie Darwins, Kabinettformat Mk 1,- Alleinitjer Vertrieb diire/i ^l'^tnS'n^' Heriiiaiiii Kioiiiaiin. Internat. 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Si'it, Anfang liii'ses .lalirt-s la-HcIieint ili»; Praktische Physik Zeitschrift für Experimenlalphysiker, Studierende der Physik, Mechaniker, Optiker u. s. w und Organ für den physikalischen Unterricht. Uiit(!r Mitwirkung; liervorragendcr Autoritäten und bewährter Faihni.-iiiner [l(Kt] lierau.s^egeb. von Dr. M. Krieg. Mnnatlicli 1— l'/u Bojicn. Pn.-is liallyälirlic.h :! M. Dii^ „Praldi.schc- Pliysik" entliült Original-Artikel, wc-lclie si(-li auf die Praxis iler Physik liezielien, untcirs iitüt die Verötrentlicluing tiuter und liraurliliarer, l«ils vi-rlicsscrter, teils neu konstruierter Apparate und ist eine OntralstcUe aller Bestrebungen zur Förderung der physikalischen Technik und der phv.sikalischen Demonstrationen. 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Verantwortlicher Redakteur; Dr. Henry l'otonie, Berlin Druck; Gebrüder Ki NW. 6. — Verlag: Hermann liiemauii, esau. Berlin SW. 12 Berlin NW. 0. Unserer heutigen Nummer liegt ein l'rospeht der rirma T. O. \yeiseljan(L Soiiiitai»-. (loii 4. November 1888. Nr. {). Abonnement: Man aljoimievt bei allen Bucliliandliiiiyen und Post- anstalten, wie lii'i der Expedition. Der Vierteljalirsiireis ist Jl 3.— ; Bringegeld bei der Post lö j extra. ir f f Inserate: Die viergespaltene Petitzeile oU -j. Grössere Aultrage entspreclienden Kabatt. Beilagen nach üehereinUunft. Inscraten- annalinie bei allen Annoncenbnreanx, wie bei der Expedition. Abdruck l!«t mir mit voll^ttändiger itiiellenans:al>e s;e»^tattet. Emil du Bois-Reymond zum 70. Geburtstag. (7. November.) Im Juli 1751 schrieb die Berliner Akademie der WisseiLScliarten eine l'rei.sarbeit ans, welcher Art die Matei'ie sei, welche die Kombination zwischen den pe- ripherischen Ner\en und dem Gehirn hei'stelle, nnd sie krfiiitc diejenig-c Arbeit mit dem Preis, welche die eben damals anfi.|-etanelite Theorie der tierischen Elektricität auf das Entschiedenste znrückwies. Es ist ein wunder- barer Zufall, dass dieselbe Akademie — freilich eine spätere (ieneration — gerade ein Jahrhundert später, am 3. Juli 1851, den Mann in ihre Mitte aufnahm, der jene Hypothese zur nnwiderleglichen Thatsache erhoben hat, di(^ heute einen der glänzendsten Sterne in dem Uuhmeskranze deutsclier Wissenschaft ansmacht. Dieser Mann war Emil du Bois-Keymond, damals ein kaum 33 jähriger Mann, dessen Name bereits die ganze wissen- schaftliche Welt erfüllte. du P>ois ist einer der hiteressaate.sten C'harakter- Iciipfi'. In seinen .Vdern fliesst Hugenottenblnt. 8ein Vater war Uhrmacher in Neufchätel nnd später (Jeheimer Ivegieningsiat in Berlin, seine Mutter war eine Enkelin des Iterülimten Kupferstechers Daniel eiiodowiecki. Wenngleieh also seiner Abstammung nach vollkomiin'n Franzose, .so verdankt du Bois doch seineScInil- und Fach- bildung Dcnitschland. 18 Jahre alt bezog er die licrliner rnivcrsität, um Theologie- zu studieren. Auf diesem Fm- wege wui'de duBois zu seinem eigentlichen, wahren Beruf, der Naturwissenschaft, geführt. Va- .studierte mit Eifer Phy- sik, Chi^mie und Mathematik, in l>onn trieb er aueh(ieoliigie. Filter di'iu Einfluss Eduard IFilliiia iin's wandte er sich dann emlL'iltig dei' Physiologie zu, in dei' .lnliaiiiies Müller sein Lehrer wurde. Müller vereinte damals (um 1840) eine Schar junger Leute um sich, die fast ausnalim.slos zu hohem wissen.schaftlichen Ruhm gelangt .sind: V ircliow als Pathologe, 13 ar deichen als Chirurg, Ernst von Brücke und Carl Ludwig als Phy.siolog'en . Ludwig T ra übe alsKliniker, H e 1 iii holt z als Phj^siker. Von Müll e r wurde du Bois auf ekdctniphysiologische Untersuchungen hingewiesen, deren erste Resultate er bereits 1842 ver- öti'entlichte in Poggendorff's Annalen, damals der ge- suchtesten Fachzeitschrift, unter dem Titel: „Feber den sogenannten Froschstrom und die elektromotorischen Fische." Gleich darauf schrieb er seine Doktordisser- tation: „Quae ajiud veteres de ])iscibus electricis ex.staut argumenta." Wälirt'iid der folgenden .Tahre .sind manche Stunde und manchen Tag der Fruscli und die Multipli- katorenteilung seine Welt gewesen. Kv fand neue scharf- sinnige und geistreiche Untersuchungsmetlioden, mit denen er den strikten Nachweis führte, dass in den Mus- keln und Nerven des lehenden Tier- und Menschen- körper elektrische Ströme kreisen, die den allgemeinen Gesetzen der Ehdctricität vollkommiui analog .sind, du liois entdeckte eine neue Wissenschaft, die sefort auch in Frankreich und England allgemeine Anerkennuni.'' fand. Dem jungen Forscher sind reiche F]hren zu Teil ge- worden. Der Berliner Akademie wurde er eine vorneiime Zierde. An dieser Stelle hat er zumeist jene glänzenden IviMlen gehalten, dii^ seinen Namen auch in die gebildeten Laienki'eise ganz Eurojias getragen haben. In diesen Verträgen hat er stets mui dem höchsten < Jesichtspnnkt aus die scliwieriL'steii o-eistiücn l'rnhleme aus den ver- 4-2 Natui-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 6. schiwk^iisti'.n Wissensgebieten, dei' Litteratur wie der Kiüturgoscliiclite und Naturwisseiiscliaft, erörtert. Dabei offenbarte er neben einer cnstaunliclien Fülle von Kennt- nissen eine i)hilosopliis(',he Denkweise nnd Tiefe. Als nach .Toliannes Müller's Tode dessen Ifolos- sales Tjehrg'ebiet in drei Disciplinen geteilt wurde, erhielt K. ß. Reichert die Anatomie, Virchow die patho- logische Anatomie und du Bois die Physiologie. Dieser hat seiner Wissenschaft in Bei'lin eine Heimstätte erbaut, welche wohl die vollkommenste unter allen zur Zeit be- stehenden physiologischen Instituten ist. du Bois' Schüler, die von ihm zu streng logisch denkenden Naturforschern erzogen werden, haben mit wenigen Ausnahmen die physiologischen Ijehrstühle Deutschlands und der Schweiz inne; wir nennen nur Pieycr, Heiden- hain in Breslau, Rosenthal in Erlangen und Kronecker in Piern. Sein begabtester Schüler war wohl jener unglück- liche Dr. Karl Sachs, der 1877 im Auftrage der Berliner Akademie zur Fortsetzung der von Alex. v. Humboldt gemachten Beobachtungen am Zitteraal (Gymnotus electri- cus) eine wissenschaftliche Reise nach denLlanos von A^eiie- zuela unternahm und mit Ruhm reich beladen heimkehrte, bald darauf aber bei einer Gletscherbcsteigung sein hoff- nungsvolles Leben einbüsste. du Bois ehrte sein An- denken dui'ch die N^ei'öffentliehung seiner Untersuchungen. Es ist unmöglich in einem so beschränkten Rahmen ein vollständiges 15ild eines Mannes wie du Bois-Rey- nioiiil zu geben. Von jeher mitten in dem geistigen Leben Deutsehlands stehend, hat er auf die heri'schenden Strönnuigen stets einen deutlichen Einfluss ausgeübt. Seine Weltansciiauung, die in dem berühmten Worte „Ignorabimus" gipfelt, hat Tausende bekehrt, die in dem absoluten Materialismus noch die einzig wahre Philosophie erblickten. Die Ansicht über (ioethe's Bedeutung als Naturforscher hat er ganz bedeutend geändert. Auch ist es vielleicht zeitgemäss darauf hinzuweisen, dass du Bois zu zwei der jetzt viel ei'örtei'ten . Tagesfragen sich schon vor .Jahren ganz im Sinne der sich jetzt geltend machenden Reformanschauungeu geäussert hat. Die eine betrifft den Streit zwisclien (iymnasium und Realschule, von denen du Bois die letztere für das medizinische Studiiun gerade für die geeignetere Bildungs- stätte hält; ebenso hat du Bois die Gründung einer Akademie der deutschen Sprache dringend empfohlen, füi' die jetzt der allgemeine deutsche Spi'achverein so lebhaft eintritt. Möge du Bois uns in seiner geistigen Frische und Ivraft noch lange so erhalten bleiben, wie wir uns jetzt seiner ei'treuen. A. Aus dem Sinnesleben der Tiere. Von Dr. Robert Keller. (Schluss) Unseie Darlegungen über Licht- und Faibengesehmack einzelner Tiere — an dieser Stelle können wir natürlich nui- eine kleine Auswahl aus den zahlreichen Versuchs- reihen geben — beginnen wir mit dem Bewohner der Kobe. Zwei liebenswürdige, w^eil noch junge Veitreter des Geschlechtes der Swinegel sind die Versuchstiere. Die Tiere wurden zuerst auf ihr Helligkeitgefühl geprüft, indem man sie zwischen weiss und schwarz wählen Hess. Sie wenden sich mit Vorliebe dem Weiss zu. In 50 Beobachtungen wurde dieses 70 mal, schwarz nur 30 mal besucht; aber selbst, wenn sie nur zwischen liell und weniger hell (Abbiendung durch ein Seiden- papier) zu wählen hatten, wandten sie sich der stärkern Beleuchtung mehr als doppelt so häufig zu als der schwächern. So ist also das Schwein, wenn schon es in siüner dunkeln Kobe ein still beschauliches Leben zu führen scheint, von Natur aus ein entschiedener Licht- freund. Auch wenn die beiden Tiere zwischen einer helleien und einer dunkleren Form ein und derselben Farbe zu wählen hatten, zogen sie erstere stets vor. Am entschiedensten zeigte sich dieses Bedürfnis nach mehr Licht im grün beleuchteten Räume. Mehr als dr(^imal so oft besuchen sie das Hellgrün als das Dunkel- grün. Fi-agen wir weiter nach der Farbenempfindung und dem Farbengeschmacke der beiden Ferkel. Sie haben in erster Linie zwischen rot und blau zu wählen. Sollen die Versuche die Farbenwahrnehmung veriaten, so muss, wie wir bei'eits erwähnten, die Wiikung der Lichtstäi'ke möglichst ausgeschlossen werden, um so raehi', da wir nun wissen, dass sich die Tiere ver- schiedenen Lichtintensitäten gegenüber gar nicht gleich- giltig verhalten. Man wird sie also zwischen einem lichtstarken Rot und einem lichtschwachen Blau wählen lassen und den gleichen Versuch umgekehrt nochmals ausführen. Ist die Lichtstärke einzig für ihr Verhalten entscheidend, dann werden sie je die hellere also licht- stärkere Färbung vorziehen. Man beobachtet aber^ dass das Dunkelblau fast doppelt so oft besucht wurde, wie der hellrot erleuchtete Teil ihres Aufenthaltsortes und die gleiche Bevorzugung lassen sie bei der Wahl zwischen dunkelrot und hellblau erkennen. Sie unterscheiden also diese beiden Farben wohl voneinander. Das Blau ist ihnen, mag es heller oder dunkler sein, angenehmer als rot. In gleicher Weise ziehen sie die gelbe Farbe der roten vor. Um so auffallender mag es sein, dass sie das Rot dem Grün gegenüber entschieden bevorzugen. Auch darin scheinen sie inkonsequente Wähler zu sein, dass sie denn doch wieder giün dei' gelben Farbe vor- ziehen. Gelb und blau scheinen sie weniger deutlich zu unterscheiden, wenigstens in dem Sinne, dass sie für Nr. C. Niilur\vissi'ns<'!iiiftliclii' Wochonsclirifl. 43 das eine g'eg'ciliilici' dciii iuidiTii eine cnlscliicdciie Vor- liehe hcweisi'ii wiirdrii. ilcllyclh zielicn sie dem Dunkel- blau, ein liellei' llliui dem diud besitzen ein wohlentwickeltes Farbcngefühl. Blau ziehen sie di^ni Kut vor, ebenso violett, gelb lieben sie elienfalls mehr als rot, gegen grün vei'glichen mit gelb vei'halten sie sich gleichgültig, violett ziehen sie dem Grün i'utschieden voi'. Blau, dem ulti-aviolett bi'igemengt ist, e-eben sie vor reinem Blau den Vorzug, wie denn auch die Wahl zwi- schen weiss mit und ohne ulti-aviolett eikennen lässt, dass die Bienen in hohem Grade ultraviolettliebend sind. So erscheint also ein ultravioletflialtiges Blau als Lieb- lingsfarbe unserer Plonigsammleiin, das Rot als ihre L'n- lustfarbe. Die allgemeinen Ergebnisse der Untersuchungen über den Helligkeits- und Farbensinn der Tieie, die sich in der Hauptsache schon aus unseren 3 Beispielen ergeben, sind folgende: Alle Tiere, welche Augen haben, besitzen ein Hel- ligkeitsgefühl, das im allgemeinen viel stärker aus- geprägt ist als selbst beim Menschen. Denn mein- oder weniger bedeutende Lichtstärkenunterschiede erzeugen in ihnen ein Lust- oder Unlustgefühl, sei es, dass sie als Lichtfi'eunde dem heller beleuchteten Räume sich zuwen- den, sei es, dass sie als Has.ser des Lichtes dasselbe zu meiden suchen. Das Farbengefühl ist im Gegensatz zu den bisher meist waltenden Anschauungen vorhanden. Es fehlt allerdings gewissen Tiei-arten, wie der Katze, dem Meer- schweinchen, dem Kaninchen u. s. f. Vielleicht aber entspiiclit es, wie wir zu Anfang- schon zeig-ten, der Wirklichkeit eher zu sag-en: es ist bei diesen Tieren nicht so ausgeprägt, dass es ein Gefühl des Behagens oder Misshagens wachriefe, das durch Aufsuchen oder ]\Ieiden der Farbe sich verriete. Und wie die Lehre von dem Mangel der Farbenempfindung durch die Versu(;he nicht bestätigt wurde, so auch nicht jene andere Vorstellung, welche den Farbengeschmack der Tiere nach systema- tischen Gruppen verteilte, welche glaubte, dass je die Angehörigen einer Ordnung oder selbst einer Klasse sich in ihrem Farbenuntei'scheidungsveimögen deckten. Bieten also schon diese Versuchsresultate genug des interessanten und neuen, so werden sie doch weit über- trofl:en diu'ch die Beobachtungen des llelligkeits- und Farbensinnes augenloser Tiere. 44 Natuiwissenscliaftliclio WoL-liensclii-ift. Nr. (■>. Die Sinnesoigane veiraitteln iinsern Verkehr mit der Aiissenwelt. Bald sind es Sclnvingiins'en der Aether- teilclien, die sie uns als Liclit als l^'arbe odei' als Wärme empfinden lassen, bald Bewegungen der Luft, die als Ton oder Druck walngenonniien werden, bald sind es Geschmacks- oderGei'ucbsemplindungen, welche von aussen kommende Reize liervoriufen. Der Verkehr mit der Aussenwelt ist also ein überaus reger und vielgestal- tiger. 80 kann es uns denn nicht überraschen, dass bei dem hohen (irade von Vollkummenheit, wie er unserem Körperbau eigen ist, der mannigfaltigen Fähigkeit eine weit gegliedei'te Arbeitsteilung entspricht; dass besondei'e Organe je nur bestimmten J^eistungen obliegen. Dii' Schallwellen, welche das Auge treffen, sind für uns nicht vorhanden, denn es dient nur der Uebertragung einer bestinmiten Gruppe von Aetherschwingungen und nehmen diese wieder ihren Weg zum Ohre, so rapportiert das Gehirn nicht über ihr Dasein. Diese weitgehende Arbeitsteilung ist aber erst eine Schöpfung dei' Ent- wicklung der tioiischen Oi'ganisation. Alle Sinne sind von gleicher Herkunft. Wie das Organ des Seelen- lebens, so entwickeln sich die Vorposten, welche das Gehirn ausgestellt hat um über die Aussenwelt Kund- schaft einzuziehen, ans der äusseren Hautbedeckung. Sollte also diese in dem Falle, wo noch keine Arbeits- teilung eingetreten ist, wo sie allein als einziges Sinnes- organ thätig ist, nicht die Fälligkeit besitzen, alle jene Reize, welche die einzelnen Sinne der höher entwickelten Lebewesen dem Gehirn zui' Uebersetzung vermitteln, aufzunehmen und weiter zu leiten? Sollte sie nicht im wahren Sinne des Wortes der Allgemeinsinn sein, der die Qualität der Reize noch nicht unterscheidet, sondern allen gleichmässig dient? Befragen wir das Experiment. Der Regenwurm ist ein augenloses Tier. Dass er lichtempfindlich sei, wurde zu wiederholten Malen betont, so namentlich von Darwin in seiner Untersuchung „über die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer." Er hebt aber besonders hervor, dass die Farbe des Lichtes allem Anschein nach keine Verschiedenheit im Resultate her- vorbrächte, und dass nur für das vordere Korperende von Lichtemptindlichkeit gesprochen werden könne. Vierzig Tiere dienten Grab er zunächst zur Prüfung des Helligkeitsgefühles. Sie ei'wiesen sich als lichtscheu. Auf einen Regenwurm, der im Hellen verblieb, kamen etwa zu 5, welche sich der Finsternis zuwandten. Ver- gleichen wir dieses Resultat mit einer Reihe von Ver- suchen, denen die Augentiere dienten, so ergiebt sich der überraschende Schluss, dass vielen Augentieren ein gei'ingeres Helligkeitsgefühl zukommt, als dem augenlosen Regenwurm. Auch gegen relativ kleine Helligkeits- unterschiede (1:1,7) ist der Regenwurm noch sehr em- pfindlich. Graber hat Fälle notiert, wo von 30 Versuchs- tieren 26 dei' nur um weniges helleren Beleuchtung sich zuwandten. Wei' ohne weitere Belege von einem Farbenunter- ' Scheidungsvermögen dieser augenlosen Würmer spräche, der hätte wohl für den Spott nicht zu soigen. Die Ver- suche lernen aber ein Farbengefühl kennen , welches weit über dem vieler Augentiere steht. Zwanzig Tiere haben zwischen helliot und dunkelblau zu wählen. In einem Falle wenden sich 19 der ersten Faibe zu; im ungünstigsten Falle wird diese Farbe von l.'i Individuen aufgesucht. Hellrot wird auch tüneni dunkeln Grün voi- gi>zogen, wenn auch die Bevorzugung' etwas weniger ausgesjirochen ist als im ersten Fall. Fberrascliend ist vor allem der Versuch mit hellgrün und dunkelblau. Die beiden Farben stehen einander so nahe, dass, wenn nicht ein ausgesprochenes Farbengefühl \orhanden ist, die Licht- stärkeunterschiede für die Besuche massgebi^nd werden müssen. Was sehen wir aber! Von den 20 Versuchs- tieren wandten sich einmal alle dem Hellgrün zu. Im ungünstigsten Falle ist dies von 13 Tieren besucht. In schlagenster Weise erkennen wir als(j hier die Wahl der Fai'be, trotzdem dieselbe gemäss ihrer Lichtstärke dem li(;litscheuen Tiere weniger Annehmlichkeit bot, als das dunkle Blau. Es ist also das Tier nicht nur ein ent- schiedener Fi'eund der roten Farbe, es ist ein ebenso entschiedener Feind des Blau, selbst wenn sich dieses in der dem Tiere angenehmsten Form, als dunkles Blau präsentirt. Auch ultravioletterapfindlich ist das Tier. Hat es die Wahl zwischen cMuem matten Weiss mit ultia- violett und einem hellen Weiss ohne diese Beigabe, so zieht es letzteres ausnahmslos vor. Von zwanzig Ver- suchstieren wandten sich durchschnittlich fast 13 dieser hellen, ihrer Lichtstärke nach also unangenehmen, aber ultraviolettfreien Beleuchtung zu. Dieser Versuch dürfte dadurch von besonderer Bedeutung sein, als er uns ver- rät, wie wohl die ausgesprochene Abneigung gegen l'.lau in der Beimengung ultravioletter Strahlen ihren (irund haben könnte. Ist diese Lichtempfindlichkeit der ganzen Haut des Tieres eigen, oder kommt sie nur der die Schlunduei'ven- kuoten deckenden Hautpartie zu? Die Erkenntnis der Lebensthätigkeit tierischer Wesen ist oftmals mit der Erzeugung bittei'er Leiden innig ver- knüpft. Wer auch im Tiere das fühlende Geschöpf sieht, der wird sich eines stillen Mitleides nicht erwehren, wenn er vernimmt, mit welchen Qualen oftmals die Wissen- schaft eine neue Erfahrung erkaufen muss. Wird er diese harten Methoden verdammen? Er muss nicht be- denki^n, wie der am tierischen Körper ausgeführte Ver- such zu seinem eigenen Heil werden kann, wie die grossen Errungenschaften der Chii'urgie einzig auf der so ver- pönten Vivisection beruhen, er muss nur an das grosse Leid vieler seiner Mitmenschen denken, das oftmals nicht ideale Bestrebungen, sondern nackte Habsucht erzeugt, um sein L'rteil über das schmerzenbiüngende Handwerks- zeug der Wissenschaft zu mildern, in der Methode ein entschuldbares Vei'fahi'(ni, ein notwendiges {'bei zu sehen. So hielt auch der Regenwurm seinen schmei'zensi'eiclien Einzug in die grosse Zahl d(.'r Märtyrer der \^^issen- Nr. 0. Natimvisscnscliiiftliclie WocluTiscIiiift. 45 scliiift. Denn dir i^estrlltc Kraue ist nur ilitiiri Iriiülos zu lii'iintwoi'ii'ii, wt'iiii das xnnlcrc Küriirrciidc des 'J'in'cs ciitfciiil wird. Und wie vcrliicltcn sicli diese Rei^'enwiii nni- liv^cii un.yleiclie Ijiciitstiirlveny Dir Waiil des Sciiwarz ist wold weiiii^ei' eiitseliieden als am uiiverii't/.ten Tiei'e, aber iiiimcr- liiu ausj-cspioelien t^'emii,''. Komiiien doeli auf 1(> liesuclie des \i'i'dinikeltcii Kauinrs nur seelis Ücsueln' der licilcn Aiitciluni;'. Die Liciit('niiiliiidlielii<('it di'i' i\ei;('ii\\iiriiier erstreckt sieli also auf die iiau/.c Haut, lud das Karlirii- Walirnelmiuni;sverniöi;-eu y (iralter iiri^iiiiu^t sieii das Verlialteu zur l.ust- und Unlust färbe zu prüfen und findet, dass wicdei' dir i^anze Haut das Kot als jjust- farbe, das Ulan als Unlustlarbe emptindet. So srheu wir also dii' Li'istunt:', weleln' ln'i liiiln'ivn Tieren als „speeitisehe" dem Auee zugesebrieben wird, als ( )blie<,^eMlieit dei- ganzen Maut des Ke.genvvui'ms. Diese nierkwürdiii'e Erkenntnis iiuii^- eine weitei'O Fraii'e liei-vor- rufen. Hat die Haut in der die einzelnen Sinnesorg-ane .sebalfend<'n Arbeitsteilun.i;' ihr ganzes Liebt- und Far- benemptiudungsvei'mögen dem speeifisclien Organe über- tragen oder sollte sie aueb bei den Augentieren noeli liebt- und farbenemptindlicb sein? Die L'nglüeklieben, die uns über das Liebtgefübl gi'bleiideter Tiere Rechenscbaft geben müssen, sind ruhige lUii'ger unserer Teiche und Sümpfe, die Wassersalaraan- der. Von 210-2 beobachteten Individuen besuchten 1428 das Dunkel uml nur t;7 1 das Hell. lOs ist al.so augen- .sebeinlicb, dass dii' Tritouen auch im giiblendeten Zustand gegen grössere He|ligkeitsnnte.r.scliied(^ emplindlieh sind. Das l<'ri'(|uenz\crhältnis von Weiss und Schwarz ist 1 :2,i, beim nicht gehlendeten Tiei-e 1:1.">!1. Ks ist also die Lichteniptindliebkeit der Haut ungefähr '/«« ^l«'" '''''''l'- empiindlichkc^it dei- „spociiischen Organe", der Augen. Die nielit verletzten Salamander haben eine ausser- ordcMdJiebe Vorliebe für Rot inid eine ganz entschiedene Abneigung gegen l'.lau. Wenn sie zwischen den beiden Karben zu wiibleii haben, wenden sich von 25 Tieren durchschnittlich 24 dem Rot und run- 1 dem Blau zu. Diese üevorzugung äussern auch die geblendeten Tiere, doch natürlich in verringertem (irade. Das Karben- emptindungsvei'mögen der flaut ist ungefähr 12 mal klei- ner als das der Augen. Auch nlti-aviolettemptindlicb ist die Haut, solange die Lichtstärkenunlerschiede nichtsehr liedeutende sind. Das ultraviolettlose Weiss wird mehr als doi»pelt so oft l)esucbt wie Weiss mit Ultraviulelt. Wie Rot dem l'.lau gegenüber als Lieblingsfarbe erscheint, so gegenüber von (iiün. Dieses hingegen wird dem Rlau vorgezogen. Als Gesamtresultat dieser Versuche ergiebt sich, dass die geblendeten Wassersalamander der Helligkeit und den Fiwhen gegenübei' sich wie die nicht verletzten Tiere verhalten, dass jedoch das Helligkeits- und Farbenunterscheidungsvermögen dei' Haut erh(d)lich geringer ist, als das der Augen. Kleinere Mitteiliin^-en. Das Kertag - Pferd der Dsehungarei während der Quaternärzeit in Europa. — Piette eriniKrt daran, dass die luitcT den zalihi.'iclicii EllL'nbeiiigravieruiigen der peiiode magda- Iwiioniie lieüiidliclie Uarstflluug- einer Pferdeart an den von l'rzewalski in der iJ.sclmngarei entdeckten Kertag erinnert. In den Zeiclinungeu ist genau dieselbe Miiline und der an der Wurzel unbehaarte Schwanz, sog-ar die Grenzlinie zwischen der dunklen Färbung des Kückens und der hellen des Bauches zu erkennen; indess erscheint der Kopf weniger plump und am Unterkiefer be- findet sich eine bartartige Behaarung. Das Vorkommen dieser Rquiis-Art als Abbildung- in einigen Höhlen am Fusse der Pyrenäen, besonders in (iourdet und Lorthet, soll ein neuer Beweis für die Steppennatur lOuropiis zur Q.uatärzeit sein. In den Hiihlen von Perigord, in Jladeleine und in Lougerin-basse herrsclit ein echtes Pferd vor, dessen Schwanz bis zur Wurzel behaart, die Stirn flach, die Glieder massiv, der Kopf auftauend gross, die Mähnen- haare rückwärts gerichtet und länger waren. Dies ist wahrschein- lich der von Rütimeyer unterschiedene Equus adamiticus. Neben diesen g-.ab es noch ein zebraartig gestreiftes Pferd, welches Piette als Kquus guttatus beschrieben hat; die Streifen sind am Kopf in Fleckenreihen aufgelost. Alibildnngen dieser Art wurden in Arudy und in Tayingen , eine elfenbeinerne Statuette in der grotte des Espelugues bei Lourdes gefunden. Bekanntlich kunnnt hei Frjuus caballus zuweilen streifenartige Zeichnung vor. Piette vermutet, dass diese Neigung vcui Equus guttatus herzuleiten sei; unser Pferd sei als Krenzungsprodukt verschiedener Arten aufzufassen (Pnlletin de la .Societr d'Anthropologie de J'aris (o) X p. 736). K. Ein neuer Fundort der Sumpfschildkröte. — Die europäische Siunpf.schildkrüte (Fniys lutaiiaj ist ein selteiu;r Be- wolnier der Gewässer des mittleren Deutschland, l'm so mehr düi'fte es interessieren, von einem häutigeren Vorkommen dieses Tieres zu hören. Ungefähr 12 lc»i südwestlich von Dessau liegt das Dorf Tornau. Der in der Nähe des.selben befindliche in der Fuhne- Niederung belegene Teich gehört zum Flussgebiete der Saale. Schon vor längerer Zeit war mir besagtes Wasserbecken als ein Fiuulort der Emys bezeichnet worden. Der Leluer des Ortes und mehrere Landleute wollten Exemplare verscliiedener (iriisse gesehen haben. Trotzdem war es mir lange nicht möglich, eins der.selben zu er- langen. Vor etwa vier Wochen wurde mir jedoch ein präditiges Exemplar der Sumpfschildkröte zugesi'hickt. Dassellie war, als es in meinen Besitz gelangte, von einer dicken Schlammkruste über- zogen, welche es jedoch im Aquarium beim Schwimmen zwisclu-n den WassetTtlanzen' bald entfernte. Anfänglich benahm sich das Tier sehr scheu. Jetzt jedocli hat es alle Furcht ahgclegt, bewegt sich munter umher und ninmit bereits Xalu-nng zu sich. Hohes Fleisch scheint ihm am besten zu munden. Seine Grösse beträgt, vom Kopfe liis zur Si'hwauzspitze gemessen, 17 cm. G. Partheil. lieber Schwankungen im Salzgehalte der Ostsee an der Küste von Polangen teilt W. GrUning (Sitzungslierichte der Naturforscher-Gesellscluift zu Dorpat Bd. VI 11 Heft ■>) mit: Um den Salzgehalt des Ostseewassers bei Polangen und die den Schwankungen desselben zu Grunde liegenden Faktoren zu ermitteln, wurden in der Zeit vom 25. März 1886 bis zum 21). I\Iarz 1S87 54 Analysen au.sgeführt, wobei jedesmal Windrichtung^ und Strömuiifi- des Wassers notiert wurden. Letztere war. so weit sie sich wahrnehmen Hess, meist durch den gleichzeitig herrschenden Wind bedingt, nur am 15. August strömte das Wasser clem \\ inde entgegen, nacbdem derselbe Tairs zuvor ziemlich stark in entgegen- gesetzter Richtuns geblasen hatte. Die Analysen geschahen durch Eindampfen von 100 Cc des nötigenfalls vorher filtrierten Wasser.«, Trocknen des Rückstandes hei 125-130" C und Wägen. Der Durchschnittsgehalts des Seewassers an festen Bestandteilen ergab sich als Mittel aus allen 54 Analysen zu 0,661%, was im Vergleich zu südlicheren Beobachtungsstationen autiallend wenig ersclieint, denn während für Sonderburg 2,76%, Kiel 2.34%, Travemunde 2,11%, Rügen 1.25%, Heia 0,S6% ermittelt wurden, fand G ru- nin g für Polangen als Maximum nur 0,7!)!)%. Aus der beigegebeneii Beobaditungstabelle ist zu ersehen, dass die grössten Schwankungen im Salzgehalt des Wassers in den Früh- lingsmonaten stattfinden, und zwar derart, dass das \ya.s.ser bei Nordströmung reicher, liei Südströmung ärmer an Salz ist. J^iese 40 Natunvissenscliaftliche Woclienschrift. Nr. 6. Vorluiltiiisse lie^imien in der Regel im März sich geltend zu machen und crreii'lien ilir Maximum in den Monaten April und Mai. Im Juni und .luli wurde keine Nordstriimuug benbarldet, dodi im Aug-usf und iSeptendjer noch ein Minderfehalt an festen Bestandteilen bei Südsti-öniuug bemerkt, wahrend der Einfluss derselben im Oktober und von da liis zum März ganz verschwunden ist, .ja sogar der ent- gegengesetzte Kall eintritt, dass das Wasser bei SUdströmung ge- haltreicher ist als bei Nordströmung. Der (irund für diese Verhält- nisse liegt in dem l'mstande. das.s das Wasser der grossen von Deutschland her einmündenden Flüsse in den Frühjahrsmonaten bedeutend wärmer ist als dass der See, daher seiner specifischen Leichtigkeit wegen an der Obertläclie bleibt und von den Südwin- den an die kurische Küste getrieben wird ; in den I-ferbst- und Wintermonateu ist es kälter als das der See, nuscht sich nnt diesem oder fällt zu Boden. Auch die verhältnismässig huhe durehschnitt- lii'he Jahrestemperatur an der kurischen Küste erklärt sich dadurch, da bei den vorherrschenden SW.-Winden die damit verbundenen Strömungen eine Wärmezufuhr veranlassen. ]'. Taubert. lieber Erdbeben und die Messung derselben hat I'rof. Ewing, welcher wälncnd seines raehrjälirigen Aufenthaltes in Japan die daselbst fast täglich auftretenden Erdbeben einem eingehenden Studium unterworfen hat, in der Royal Institution am 1. Juni einen Vortrag mit e.xperinieutellen Erläuterungen gehalten. Die in neuerer Zeit mit ffrossem Eifer betriebenen messenden Beobachtungen*), so- wie die \\'ichtigkeit der Erdbeben an sich dürften es wold berech- tigt erscheinen lassen, wenn wir den wesentlichen Inhalt jenes Vor- trages, unter Benutzung eines in der „Nature" enthaltenen Auszuges desselben, an dieser Stelle wiedergeben. Beim Studium der Erdbeben bieten sich, so erklärte I'rof. Ewing, zwei Gesichtspunkte dar, der geologische und der mecha- nische, von denen er nur den letzteren ins Auge fasse. Bei deni- sellien erregt nur der t'harakter der Bewegung, welche von irgend einem l'unkte der Erdrinde ausgeführt wird, und das Mittel, durch welches ein Krdbeben sich durch ela.stische Schwingung der Felsen und des Erdbodens ausbreitet, unser Interesse. Die erste Aufgabe der Seisnuimetrie besteht darin, die Bewegung des Bodens während eines Erdbebens genau zu bestimmen, die Grosse und Richtung Jeder Verschiebung, die Geschwindigkeit und das Verhältnis der Beschleu- nigung in jedem Augenblicke aufzufinden, während die Erschütte- rung fortschreitet. Die meisten früheren Versuche, die Beobach- tungen von Erdbeben zu einer exakten Wissenschaft zu erheben, sind gescheitert, weil nuin voraussetzte, dass ein Erdbeben aus einem einzigen Stoss oder wenigstens aus einem Hauptstoss oder doch nur aus einigen Stössen bestände, die sich leicht von anderen gerin- geren Oscillationen, welche etwa zur selben Zeit stattfanden, unter- scheiden liessen. Das alte Säulenseismometer, welches aus kreis- runden , wie Kegel aufgestellten Säulen von verschiedener Stärke bestand, und die „Heftigkeit" des Stosses und die Richtung des- selben messen sollte, konnte keinen positiven Aufschluss über ein Erdbeben geben, denn die Säulen tielen in der sonderbarsten Weise durcheinander, wenn sie überhaupt umfielen. Es liegt dies daran, dass ein Erdbeben aus einem Wirrwarr uiu-egelmässiger Oscillationen besteht, welche ihre Richtung so schnell ändern, dass die Bahn eines Punktes etwa die Form einer ganz verworren zusammengewickelten Saite annimmt. Das mechanische I'roblem in der Seismometrie besteht darin, einen festen I'unkt zu finden — einen Körper so aufzuhängen, dass w-enigstens irgend ein I'unkt desselben sich nicht bewegt, während diese komplizierte Hin- und Herbewegung vor sich geht. In Bezug auf diesen festen I'unkt würde die Bewegung des Erdbodens regi- striert und gemessen -werden köinien. Das einfache Pendel ist wiederholt als ein SeisTuometer nnt festem Punkt vorgeschlagen worden, aber bei der langen Reihe von Oscillationen, welche ein Erdbeben ausmachen, konnte das I'endelgewicht, und dies geschah oft, so viel Schwingung annehmen, dass es sich stärker bewegte, als der Erdboden selbst. Prof. Ewing illustrierte dies während seines Vortrages, indem er zeigte, wie sich die kleinen Impulse summieren, wenn ihre Periode der tler Pendelscliwingung entspricht. Der Fehler des Pendels besteht, vom seismometrischen Gesichtspunkte aus, in seiner zu grossen Stabihtät und seiner infolgedessen kurzen Periode freier Oscillation. Um einen Koi-per, dessen Trägheit einen festen Punkt liefern soll, zu hindern, eine unabhängige Oscillation an- *) Es mag darauf hingewiesen werden, dass ganz besonders in Japan diese Beobachtungen, nach der Rückkehr I'rof. Ewing' s nach Europa, in grosser Zahl und mit systematischer Gründlichkeit angestellt werden. So veröffentlichte vor kurzem I'rof. Sekiya, der frühere As.sistent von I'rof. Kwing, in dem 2. Bande des Jour- nal of the College of Science of the Japanese Imperial University die Resultate der seismometrischen Beobachtimgen vom September 1885 bis zum Septendier 1887, aus welchen sich interessante Schlüsse über die Grösse der vertikalen Bewegung im Verhältnis zur hori- zontalen usw. ziehen lassen. zunebnu'ii, muss er astatisch aufgehängt oder unterstützt werden, oder mit anderen Worten, sein Gleichgewicht muss sehr nahe neutral sein. Nachdem Prof. Ewing hierauf mehrere Methoden astatischer Aiifhäugung, welche in der Seismometrie gebraucht worden sind, beschrieben und erläutert hatte, wandte ei' sich zu der Erklärung des von ihm selbst konstruierten Seismometers, welches seit dem Jahre 1880 in Japan in Gebrauch ist und sich dort trefflich bewährt hat. Bei demselben wird die Bewegung des Bi'dbodens in drei ('om- ponenten, zwei horizontale und eine vertikale, aufgelöst und jede von ihnen besonders in Bezug auf einen passenden festen Punkt vermittels eines multiplicierenden Hebels auf einer geschwärzten, horizontalen und kreisrunden Glasplatte registriert, welche ihrerseits durch ein Uhrwerk in gleichförmige Drehung um eine vertikale Axe versetzt wird. Bei dem geringsten Erzittern des Bodens wird durch ein sehr empfindliches elektrisches Seismoskop ein elektrischer Strom geschlossen , welcher sofort das Uhrwerk auslöst. Diese Apjjarate werden von der Cambridge Scientific Instrument Company angefer- tigt, und wird von derselben eine illustrierte Beschreibung auf Wunsch versandt. Im Laufe seines Vortrages führte Prof. Fjwing seine Apparate vor, indem er durch Erschütterung der Unterlage ein künst- liches- Erdbeben ei'zeugte; gleichzeitig legte er eine grössere Zahl von Abbildungen vor, welche nach der autographischen Registrie- rung japanischer Erdbeben hergestellt worden waren*). ]-!esondere Aufmerksamkeit erfordern die kleinen aber sehr häufigen Erschütterungen, welche den Anfang des Erdbebens kenn- zeichnen und sich in der Zeichnung wie ein verworrener Knoten darstellen. Bald nach dem Beginn der Erschütterung treten diese kleinen Schwankungen, jedoch gegen die grösseren und langsameren Hauptbewegungen zurüi'k, obwohl sie siili für einige Zeit noch diesen superponieren. Höchstwahrscheinlich sind diese äusserst schnellen Erzitterungen normale Vibrationen, während die grösseren Bewegun- gen transversale Vibrationen darstellen. Die Registrierung eines Erdbebens umfasst einige hundert aufeinander folgender, phantastisch verschlungener Hin- und Herbewegungen. Jede einzelne Bewegung nimmt gewöhnlich eine halbe bis zwei Sekunden ein, während die ganze Störung mehrere Älinuten dauert. Die Apparate liessen noili Erdbeben vollständig erkennen, bei denen die grösste Bewegung idcht mehr als Vioo ^ol' heträgt; aber selbst ein Erdbeben, bei wel- chem die grösste Bewegung 1^/4 Zoll betrug, verursachte sehr un- bedeutenden Schaden, so dass bei einem starken, zerstörenden Stoss eine viel grössere Bewegung stattfinden muss. Am Schlüsse seines Vortrages hob Prof. Ewing hervor, dass die Seismographen praktische Anwendung finden könnten, um die Festigkeit von Bauwerken zu messen. Er legte Abliildungen von seismographischen Aufzeichnungen vor, welche er kürzlich auf der neuen Tay-Brücke erhalten hatte, um die Schwankung der Brücke zu prüfen, während ein Zug über dieselbe fährt. Das Instrument war an einer Stelle aufgestellt, wo man das Maximum der Schwan- kung erwarten konnte. Die Bewegung war jedoch sehr klein; sie betrug weniger als ^'g Zoll, selbst während der Zug beim Seismo- graplien vorüberfuhr — eine Thatsache, die für die Festigkeit des Baues spricht. Nichtsdestoweniger konnte man dundi Beobachtung des Zeigers des Seismographen angeben, wann ein Zug von dem IV3 engl. Meilen entfernten Ende der Brücke bei Dundee herankam; es Hess sich dann eine schwankende Bewegung wahrnehmen, deren Grösse wahrscheinlich weniger als 1/500 Zoll betrug. Diese Be- wegung war zunächst eine longitudiiuile, vmd erst wenn der Zug- näher kam, begann auch eine laterale Vibration, natürlich imter Vergrösserung der Amplitude. Das ÖMaximum trat ein, wenn der Zug bei dem Seismographen war, und die Bewegung blieb sichtbar, bis der Zug die Brücke am anderen Ende verliess. A. G. *) Vor einiger Zeit hat sich Prof. Sekiya der äusserst müh- samen Arbelf unterzogen, die Bahn eines Punktes während eines Erdbebens durch ein Modell aus Kupferdraht darzustellen. An dem Drahte befinden sidi Zahlen, welche von Sekuiuie zu Sekunde den Verlauf der stattgehabten Bewegung verfolgen lassen. Eine Abbil- dung des Modells wurde in diesem Jahrgange der „Nature" veröffent- licht, auch ist dasselbe von einer japanischen Firma zu Tokyo käuflich zu beziehen. Ueber ein Nebenalkaloid des Cocains, das Isatropyl- eoeain. — Bei der Darstellung des tlocaVns aus den Cocablättern wird ein amorphes Alkalol'd als Nebenprodukt gewonnen, welches im reinem Zustande ein weisses lockeres oberhalb 100^' sich zer- setzendes Pulver darstellt. Es ist ein starkes Herzgift und veran- lasst vielleicht die bei Verabreichung nicht ganz reinen Cocains wiederholt beobachteten giftigen Nebenerscheinungen. Durch Er- hitzen mit konzentrierter Salzsäure im Einschlussrohr wird dasselbe (nach Liebermann. Ber. d. Deutsch. Chem. Ges. 1888, S. 2342—2355) glatt in gleiche Moleküle Methylalkohol, Isatropasäuren (7- und ä) und Kcgonin gespalten; die neue Base ist dalier als „IsatropylcocaTn", d. h. als ein Cocain anzusehen, in welchem das Radikal der üenzoij- säure durch das einer isomeren Isatropasäure ersetzt ist. Dr. M. K. Nr. (). Naturwlssenscliaftliche Wochensuhrift. 47 leiiiung' beruhe auf einer noch Körper eigentiinilichon, und von liat alier Herr Crooke, dessen Ra- allgemein bekannt sind *) , sich ein- der Frage besohäftiRt und diircli vielfache Versuche Ueber eine Wirkung der strahlenden Wärme. l<;ine sehr interessante Krsclieiniuig wurde kürzlieh von lli'rni Thore (in Dax. Krankreich) beoliachti't. lOs sei ein kleiner lOlfeiiliein/ylinder A — Hübe ea. •Hwm: Durehmesser oa. 5»»» — an einem feinen doconfaden so aufgehängt, dass seine Axe in die Verlängerung des Fadens fällt. Ist der Zylinder in vollkommener Kühe, und nähi-rt num ihm, während man seihst sieh unmittelbar vor dem Ai)iuirati' belindef, einen zweiten, ähnlirhen Zylinder Ji bis auf eine bhitfermiug von etwa 1 mm, so fängt der erstiTe an, sich um seine Axe zu drelieii. Dil' Dri'hunghält sn lauge an, bis dii' Kraft, von welcher sie hervorgeiufeii wird, aufgehoben ist durch die im Faden entwickelte Torsion. JJenktnuiu sich die Zylinder üIum' dem Zitfcrnbhitti' einer Uhr anfgehängt, resp. gestellt, so geschieht die Drehung im Sinne des Uhrzeigers, wenn .sich der Zylin- der ]{, vom ]5eobacbter aus gesehen, links vom drehbaren Zylinder betiii- di>t, in entgegengesetztem Sinne da- gegen, wenn er rechts von A stecht. Herr Thore glaubte, die Krsc unbekannten, dem menschlichen ihm ausgehenden Kraft. Nun diometer oder Lichtmiihlen gehender mit nachgewiesen, dass da keineswegs eine geheimnisvolle, vom Beob- achter ausgehende Kraft im Spiele sei, dass vielmehr die Bewegung des Zylinders eine Wirkung der strahlenden Wärme sei, so gut, wie die Drehung der Flügel in den eben erwähnten Railiometern. Die Erklärung der Erscheinung dürfte wohl diese sein. Die dem HiMibachter zugekehrten Flä(dien der Zylinder nehmen in Folge der von ihm au.sgeheuden Strahlung Wärme auf. die sie wieder an die unmittelbar vor ihnen liegenden Luftscliiehten abgeben. Dadurch wird die Temptratur dieser letzteren erhobt, und die erwärmte Luft sucht nun einen AbHuss nach der Jiückseite der Zylinder. Durch die iJeibung, welche zwischen der Zylindertläche \ind der daran vor- überstreichenden Luft stattfindet, wird der Zylinder allnüihlich in Drehung versetzt, und zwar muss diese Drehung in der von Herrn Thore beobachteten Weise erfolgen. Der Luftstrom nämlich, der zwischen den beiden Zylindern durchtliesst, wird stärker sein, als derjenige, dej' an der äusseren Seite von A vorbeistreicht, da der erstere von zwei Seiten, von den vor A sowohl, wie von den vor B liegenden Luftschichten gespeist w'ird. Daher wird, je nach dem sicli der feste Zylinder B links oder rechts von dem beweglichen befindet, die Drehung in einem der Bewegung des Uhrzeigers glei- chen oder entgegengesetzten Sinne geschehen. Wir sahen, dass die Drehung hervorgenifen wird durch die W^äi'me, welche der Körper des Jieobachters aiisstrahlt. In dieser Beziehung ist allerdings der Ursprung der treibenden Kraft im menschlichen Körper zu .suchen. Aber der letztere ist nicht, wie Herr Thore glaubt, allein im stände, auf den beweglichen Zylinder einzuwirken, sondern er kann durch irgend eine andere Wärmequelle ersetzt werden. Es zeigt sich dies dadurch, dass der Versuch auch gelingt, wenn man eine mit heissem Wasser gefüllte Flasche vor die Zylinder bringt, und die Drehung von weitem mittelst eines Fernrohres beobaclitet. Dass die Wärme die treibende Kraft ist, zeigt sich ferner darin, dass die Bewegung vermehrt wird, wenn wir den einen, oder, was noch wirksamer ist, wenn wir beide Zylinder mit Russ überziehen. Die berussten Flächen nehmen mehr Wärme auf als die glatten, polirtcn, geben dementspiechend auch mehr Wärme an die anliegenden Luftschichten ab, und rufen so einen stärkeren Luftstroni hervor. Dass die Drehung auf einer Wechselwirkung der beiden Zylin- der beruht, und dass der zwischen ihnen durchfliessende Luftstrom massgebend sein muss, zeigte Herr Crooke durch einen Versuch, bei wehdiem der Zylinder B ebenfalls an einem Coconfaden aufge- hängt, also ebenfalls drehbar war. Brachte man jetzt eine Wärme- (|uelle vor die Zylinder, so drehte sich nun aucli li, und zwar in dem entgegengesetzten Sinne, wie A. Bei dem eben ei-wähnten Versuche befamlen sich Zylinder uml Aufliängefäden in einer an beiden J'hnlen geschlossenen Glasröhre, welche in der Höhe der Zyhnder sich zu einer Kugel erweiterte. Vermittelst einer seitlichen Ansatzröhre war es Herrn Crooke mög- lich, den Luftdruck im Innern der (Jlasröbre zu verändern. Dabei machte er nun auch die interessante JJeobachtung, dass, wenn der Imftdruck anfänglich den gewohnlichen Wert [760 mm) hatte, und er ihn allmählicli verminderte, die Dnduing der Zylinder ebenfalls .schwächer wurde. Bei einer gewis.sen Stärke der Fjoftverdünnung hörte sie ganz auf, um sich bei noch weiter gebender \eidünnung *) Vergl. Naturw. Wochenschr. I!d. I S. -JtKi. in die cutgegengesrtzf gcrichti'te umzukeliren ; eiui' Erscheinung, die bis jetzt freilich noch nicdit genügend, um nicht zu sagen, gar nicht erklärt ist. Ih: fi. H. v. Wy.ss. Ableitung der Rotationsdauer der Sonne aus Positions- bestimmungen von Fackeln. — In .Nr -'.SriS der Asirouonuschen Nachrii'hleu vri-uirriitlicht Herr Kr. Wilsing vom astropbysikalisi'ln'u ( )liserv;it(iriiim iu l'utsdam einige sehr interessante Resultati^ aus seinen Studien auf dem (Jehiet der Sonuenphysik. Hekainitlich haben die Beobachtungen der .Sdnncnliecke das merkwürdige Resultat ergeben, dass die einzelnen Zoneu der uns sichtbaren 01)erlläclie nut verschiedener Ceschwindigkeit njtieren uud zwar beträgt die auf diesem Wege abgeleitete Rotationsilauer der Sonne am Ae(|uatnr '2.') 1, in .'iO" Breite dagegen 2ß..') 'l'ag-e. Xeben den h'h.'cken zeigen nun die pliysikalisch jedenfalls eng mit ihnen verbundenen Kackelii eine ziemliche Konstanz in ihrer Ijage und sind deshalb auch zur Ermittlung des Bewegungsgesetzes verwendbar. Allerdings bieten sie genauen und sicheren Ortsbestimnumgen bedeutende .Schwierig- keiten dar, indem oft plützliidi umfangreiclie (Jestaltsänderungeu an ihnen auftreten. Mit Hilfe der l'hotograiihie ist es aber dem (dien genannten Astronomen gelungen, verschiediuie (iruppen von Fai'keln längere Zeit zu verfolgen; es wurden besonders helle l'unkte in denselben aufgesucht, und diese durch Extrapolation mit einem ge- näherten Rotationswinkel auf den einzelnen l'latten wieder erkannt, hie Rechnung ergab, abgesehen von geriiiueu DifFerenzon, die vun d 'U unvermeidliclien Beobachtungsfehlern herrühren, die Rotations- d:iuer überall als die gleiche oder, mit anderen Worten, d.ass die Bewegungsgeschwindigkeit der F.ackeln unahliängig von ihrer helio- centrischen Breite sei. Als mittleren Rutatiouswinkel fand Wilsing aus Messungen auf der Nord- und .Südhalbkiigel der .Sonne 14". 'J0!)8. welchem eine Ihndrehungs-Zeit von "25 Tag'en und ö'/o .Stuiulen ent- spricht, d. h. etwas mebr als die für den Aequator durch die I'eiio- dicität der Flecken begründete Zahl. Betrachten wir demnach die Fackeln als sichtbar hervortretende Merkmale von Vorgängen in tiefer liegenden Schi''rden nach dem Rio Grande und Fulnh-Djallon. 2 Ausg. (VIII, 263 S. m. Illustr.) Preis 6 JC. Balilamus. Leipzig. Drude, P., lieber die Gesetze der Reflexion und Brechung des Liclitcs an der Grenze absorbierender Krysfalle. (47 S.) Preis 1 JC. Vandenhoeek & Ruprecht, (Süttingen. Gef/en Einsendumf des liet/rages (mich in lirief- marhen) liefern ii'ir vwstehende If'erke franko. Zur Besor<ßun(/ litterarischen liedarfes halten uiir uns bestens empfohlen. Keiliii NW. «. l)!!" Expedition der „Natnrwi«üien!«cliaftii«lieii Wochenschrift".. Briefkasten. Hr. K. — Auf Stachy.s betonica (Betonica officinalis) leben die Raupen einiger Kleinsclnnetterlinge, nämlich Stagmatophora he.ydeniella F. R., Coleopbora onosmella Brabm, C. auricella F. /.. (1. crocogrammos Zell , ('. Wockeella Zeil, uiul Botys rubiginalis Hb. (vergl. Kaltenbach, Ptianzenfeinde). K. Inlialt: Emil du Beis- Reynifmd zum 70. Geburtstag (7. Novendier ) — Dr. Robert Keller; Aus dem Sinnesleben der Tiere. (Schluss.) — Kleinere Mitteilungen: D.as Kertag- Pferd der Dschungarei während der (|uafernärzeit in Europa. — Kin neuer Fundort der Sumpfschildkröte. — Ueber Schwankungen im Salzgehalte der (.)stsee. — Ueber hlrdbeben und die Messung der- selben. — Ueber ein NebenalkaloYd des Cocains, das IsatropylcocaYn, — Ueber eine Wirkung der strahlenden Wärme, (Mit Abbild.) — Ableitung der Rotationsdauer der Sonne aus Positionsbestimmungen von Fackeln. — Fragen und Antworten: Was verstellt man unter Cirrus, C'unuilus und Stratus':' — Litteratur: Paul I)ietel: Verzeichnis sämtlicher Uredineen nach Familien ihrer NiihrpHanzen o-edrdnet. — BUcherschau. — Briefkasten. Ver;int\v(jrtlicher Ri'd.akteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW, 6. — Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6. Druck: Gebrüder Kiesan, Berlin SW. 12. Hieran eine Ileiiajfe, welche wir besonders •r.n beachten bitten. Beilage zu Nr. G, Band III der Jatiirwissenschaftliclien VUocIienschrilt" l3a©©3^at'tee namcnilicli Anzeigen illcr oiilisclK^n, cliemisclien, pliysikalisclicn etc. Gerälscliaften, Naturalien, Cliemikalicn, sowie Büclieranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung-. lietnrrlciiDd für dir l.cxcr: Viir tlrii fii/ialf der Inserdle sind tvir nicht vrvaufmnrtlich. '^PC €h«iii<'s Dar w in nacli von der Familie Darwin zui- Verfügiiiig- g-eslejjton Porträts in Gyps modelliert von C. lehr d. I. Auditoriumsbüste, etwas über lebensgross . . Mk. 60, - lebensgross m. Büstenfuss „ 40,— Die Büsten sind mit Wachsfarbe gestrichen und können abgewaschen werden. Photographie Darwins, Kabinettformat fflk 1,— Alleiniffer Vertrieb durch ^S,„i^a^;..'' 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J. bee-riiiuleten, von zalilreielien l'^-eunden der Naturforsclinn": reich dotierten „Gcsclhchaft Urania'' hat die nene Monatsschrift, tdeicli diesei', die Popuhirixleriing der NatHririssensckaften und die Verbreituns' der Freunde an der Natur- erkenntnis zun] Zweek. Sie widmet ihre ThäticrkiMt h;ni|its;irhlieh der Astronnmie. Astrophysik. Meteorologie. Optik. Geologie. Geo- graphie. Physik usw. und erfreut sich auf diesen Gebieten derMit- wirkuiiL' ih'r he.rvnrraijendsten Denker. Forscher iind Gelehrten aus allen Kulturländern der Welt. Alle.s Nähere besagt der aus- führliche illustrierte Prospekt. ,, Himmel und Erde" er.scheint in reich illustrierten eleo-ant au.sg-estatteten IMonatsheften von 50 — 70 Seiten gr. 8" zu Anfang- des Monats. Alle Buchhandlungen des in- und Anslaiules nehmen Ahnnne- ments znm1,Preise von H Mk. 60 Pfg. pro Quartal entgeg-en und liefem TTefte zur Ansicht. -$-• Prospekte gratis und franko «§- durch die Veilagshandluni: von Berlin W. ■•?.'>. 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Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annalime bei allen Annoncenbureau.x, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollständiger ttuellenanifaltc gestattet. Ueber Richtungen und Ziele der mikroskopisch-botanischen Forschung. \'on S. .Si'liw Das Univorsitätsleben der neueren Zeit liat infolge gesteigerten Arbeitsteilung und der schärferen Ab- der grenzung der Faclivvissenschaften in mehr als einer Be- zieliung ein verändertes Gepräg'e erhalten. Die akade- mischen Feierlichkeiten, einst so gewichtig ]icr\ortietend durch die Zugkraft der Disputationen und üft'entlichen Reden, haben diese Bedeutung längst verloren und sind überdies, soweit sie heute noch Lehrer und Lernende in grösserer Anzahl zusammenführen, auf wenige Tage im Jahr eingeschränkt. Diesem Zuge der Zeit sind neuer- dings auch die Antrittsvorlesungen, welche den neube- rufenen Professoren Gelegenheit gaben, irgend eine Seite ihres Faches vor Kollegen und Studierenden zu beleuchten, an manchen und gerade an den grösseren Universitäten zum Opfer gefallen. Dazu kommt, dass seit zwei bis Arn .Jahrzehnten .ein wesentlicher und immer noch wachsender Teil der Lehrthätigkeit, für einzelne Disciplinen wohl der beste und wichtigste, sich in den Laboratorien, Instituten und Seminarien konzentriert hat. Den einleitenden Vor- lesungen ist zwar die Aufgabe geblieben, ein ganzes Wissensgebiet im Zusammenhange darzustellen und da- durch jedem tieferen Eindringen in dasselbe vorzuarbeiten ; . sie sind überdies auch in erster Lini(>,, wenn auch je nach *) liede bei Antritt des Rektorats gfelialten in der Aula der Künigl. Friedrich-Wilhelms-Universität am 15. Oktober 1887, hier ab- godnic.kt aus Aiilass des lOjährig-eii Bestehens des botaiüsrhen In- stitutes der l'niversität Berlin. — Vergl. hierzu die Bespr.ocluinijf von Dr. M. Westenuaier's Schritt : Die wiss. Arb. d. bot. Inst, unter der Ivubrik Ijitteratur in dieser Xunmier der Natnrw. Woeliensehrift. Red. ende n e r. '■') der Natur des Faches und der Persönlichkeit des Lehrers in verschiedenem Grade geeignet, nicht blos den \' er- stand, sondern auch das Gemüt zu bilden und dadurch be-stimniend auf Gesinnung und Lebensauffassung der Zuhörer einzuwirken. Aber das sichere Beobachten, das selbständige Sichten und Kombinieren der Thatsaclien, das verstandesgemässe Denken, — das alles wird docli hauptsächlich in den eben genannten Instituten, welche der speciellen Pflege des Fachstudiums gewidmet sind, gelehrt und gelernt. So hat das Leben der Universitäten, ^vährend es an öffentlicher Wirksamkeit und äusserlichem Gepränge Ein- busseu erlitt, an Innerlichkeit und Tiefe entschieden ge- wonnen. Und der Gewinn ist grösser als der Verlust. Dem akademischen Lehrer ist gegenwärtig in den Uebungen und Kursen ein Arbeitsfeld geboten, welches die Förderung der selbständigen Forschuug in viel reicherem Maasse gestattet, als dies früher der Fall war. Dagegen kommt derselbe infolge dieses Um- schwunges nui' selten in die Lage, aus seiner .stillen Wirkungssphäre herauszutreten und vor einem grösseren Kreise akademischer (ienossen ein Bild der eigenen Thätigkeit oder der Eirungenschaften seines Faches zu entwerfen. In manchen Wissensgebieten ist es auch nicht ganz leicht, in der Ge.staltung eines solchen Bildes den An- sprüchen des allgemeinen Verständnisses gerecht zu werden, und gerade die Naturwissen.-^chaften erfreuen sich keineswegs einer leichten Zugänglichkeit. Während so mandie Frage, dii^ drii (ieschichts- und .\ltei1niiis- 50 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 7. forsclier, den .Juristen oder Theologen bescliäftigt, sofort allgemeines Interesse erregt, wird es dem Vertreter der Naturwissenschaften häufig schwer', die Leistungen und Bestrebungen auf seinem Specialgebiet gemeinverständlich darzulegen, und diese Schwierigkeit wird um so fühl- barer, je weniger die Probleme, mit denen er sich be- fasst, ins i)raktische Leben eingreifen. Zu diesen mehr theoi'etischen (ilebieten, denen die allgemeine Teilnahme noch wenig zugewandt ist, gehört nun auch die wissenschaftliche Botanik. Was gegen- wärtig unter diesem Namen gelehrt und gepflegt wird, liegt dem grösseren Publikum gänzlich fern. Denn noch lebt in seiner Vorstellung der Botaniker früherer Zeiten fort, ein Mann, der Berg und Thal durchstreift, jedes l'flänzchen zu benennen und vielleicht ausserdem noch anzugeben weiss, wozu es nütze ist. Wenn ich es dessenungeachtet wage, den Gegen- stand dieses Vortrages aus dem Ideenkreise der neueren botanischen Forschung zu wählen, so mag dies durch die Bedeutung, welche derselben für die Auffassung des or- ganischen Lebens zukommt, einigermassen gerechtfertigt eischeinen. Den Rahmen der Betrachtung gedenke ich hierbei, der leichteren Uebersicht wegen, auf ein be- stimmtes Teilgebiet einzuengen: es sind speciell die Richtungen und Ziele der mikroskopisch-botani- schen Forschung, die ich in kurzen Umrissen zu schildern versuchen will. Werfen wir zunächst einen flüchtigen Blick auf den Entwicklungsgang dieser Forschung im neunzehnten Jahr- hundert, so war es vor allen Dingen das fertige Zell- hautgerüste der Pflanzen, das einer gründlichen Unter- suchung bedurfte. Die Vorstellungen, welche zu Anfang dieser Periode in Lehrbüchern und Abhandlungen wieder- kehren, und die Fragen, mit denen man sich damals be- schäftigte, beweisen zur Genüge, wie dürftig und unzu- verlässig- die Grundsteine waren, auf denen der Neubau der Phytotomie sich erheben sollte. Man wusste z. B. nicht, ob die sehraubenlinig \-erlaufenden Fasern, welche die Wand der Spiralgefässe auskleiden und versteifen, selbst hohl sind und also besondere Gefässe bilden oder ob sie durch ihre Windungen zur Bildung eigener Kapseln dienen. Nach Kurt Sprengel, dem bekannten Ge- schichtsschreiber der Botanik, wäre das letztere der Fall. Seiner Darstellung zufolge kommt überdies den Spiral- fasern, aus deren dicht aneinander liegenden Windungen die Gefässwände bestehen sollen, eine Art peristaltischer iiewegung zu, auf welche er die vorkommenden Ein- schnürungen zurückführt — ein Irrtum, dem wir in den ersten Decennien des Jahrhunderts noch öfter begegnen. Derselbe Autor deutete die Stärkekörner in den Samen- lappen der Bohne als Bläschen, welche er durch Wasser- aufnahme wachsen und so neues Zellgewebe bilden liess. Ferner sei beiläufig noch erwähnt, dass ein Zeitgenosse Si)rengers, Prof. Rudolphi in Berlin, noch im Jahre 1807 die vegetabilische Natur der Flechten und Pilze, die nach ihm diu'ch Urzeugung entstehen, leugnete und selbst bei den grünen Fadenalgen nichts zu sehen ver- mochte, was mit dem Pflanzenbau übereinstimmte. Bei dieser Sachlage war es dringend notwendig, die überlieferten unklaren Vorstellungen über die Beschaffen- heit und die wechselseitigen Beziehungen der Elementar- organe zu prüfen und zu berichtigen und so die Lelir'e von der' inneren Architektur der Gewächse von CJrund aus neu zu gestalten. Die Lösung dieser Aufgabe nahm gegen vier' Jahrzehnte in Anspruch. Erfolgreich begonnen von Bernhardi, Treviranus und Link in den Jahren 180-1 — 1807, sodann wesentlich geförder't von Molden- hawer jun. (1812), fand sie ihren vorläufigen Abschluss zu Anfang der vierziger Jahre durch die Arbeiten Meyen's und Mohl's. An dem raschen Aufschwünge, welchen die letzt- genannten Autoren herbeiführten, hat allerdings die Ver- vollkommnung der Mikroskope einen sehr er'heblichen Anteil. Die Instrumente, mit denen Link und Trevi- ranus beobachteten, gewährten bloss eine 200 malige Vergrösser'ung und graben noch ziemlich verschwommene Bilder, während die seit 18.30 aus den Werkstätten von Amici und Plössl bezogenen in der Vergrösserung das Doppelte er'reichten und in Bezug auf Klarheit und Schärfe der Bilder' alle früher-en Leistungen weit übertr'afen. Auf die phytotomische Periode folgte die entwick- lungsgescliichtliche. Die fertigen Gewebe hatte man ja so weit möglich kennen gelernt; es lag nahe, dass man nunmehr, weiter vordringend, nach ihrem Werden und Wachsen, d. h. nach ihrer' EntA\icklung fragte. Vor- kämpfer dieser neuen Richtung waren Schieiden und Nägeli, wobei indess der erstere mehr anregend als bahnbrechend wirkte, indem seine voreiligen Lehren längst aufgegeben sind, während Nägeli die jetzt noch gültigen Grundsätze der Zellbildungstheorie aufstellte und mit ebenso nachhaltigem Erfolg auch die Entstehung der Or-gane und ihrer Gewebesysteme in den Kreis seiner Untersuchungen zog. Es waren durchaus neue Wege und Ziele, welche Nägeli der mikroskopischen Forschung vorzeichnete; sie zu verfolgen und für den Ausbau der Morphologie zu verwerten, ist seit mehr' als 30 Jahren als eine der wicjitigsten Aufgaben der Botanik anerkannt. Zu den bleibenden Errungenschaften, die wü- dieser neuen Richtung zu verdanken haben, gehört unter anderem die genaue Kenntnis der Wachstumsvor'gänge, der Zell- teilungen und Zellstreckungen, beim Aufbau der Organe. Eine so weitgehende Gesetzmässigkeit in Bezug auf Ent- stehungsfolge und Lage der neuen Zellwände, wie sie zuerst für nieder'e, dann für höhere Kryptogamen auf- gedeckt wurde, hatte niemand erwai'tet. Die Ueber- raschung, welche die er'sten grundlegenden Arbeiten hervorriefen, war so gross, und die neu eröftnete Per- spektive so vielvei'sjjrechend, dass man eine Zeit lang der zuversichthchen Hoffnung lebte, eine künftige Ent- wicklungsgeschichte werde die ganze Gewebebildung auf eine Anzahl gesetzmässig ver-laufender und unter sich ebenso gesetzmässig verknüpfter' Zellteilungsfolgen zurück- Nr. Natui'wi.ssenscluiftliclie Wocliensclirifl . führen, — eine Hoffnunf^, die sicli allerdings bis jetzt, niciit erfüllt hat und voraiissichtlich niciiuils erfüllen wird. Sodann fülirteii die verf^Ieicluuiden Untersuelimii^en über die Ent\vickiunrkaniit, dass viele dei'- selben nur als Anpassung an die bei der 15(!stäubunir mitwirkenden Insekten und keineswegs als Kennzeichen gemeinsamer Abstammung zu deuten sind. So keinen z. B. die Blüten mit Ober- und Unterlippe, mit langen Röhren oder Spornen etc. bei den verschi(>(lensten Fa- milien wieder, auch bei solchen, die offenbar weit aus- einander liegenden Generationsreihen angehören. Andere Merkmale, wie z. B. die sogenannte Median- stellung dimerer, d. h. aus zwei Karpellen gel)ildeter Fruchtknoten sind mechanischen Einwirkungen zuzu- schreiben. Die Blütensprosse stehen nämlich in der Achsel eines Tragblattes, und die Stellung ihrer eigenen Blattorgane mit Einschluss der Kari)elle ist durch Raum- und Druckverhältnisse bestimmt, welche in der Regel noch auf den entferntesten Abstammungsliiiieu dieselben Figuren hei'beiführen. So kommt es, dass von zehn be- liebigen Pflanzen, welche nur zwei Carpelle in dei' Blüte besitzen, jedenfalls neun das eine Carpell nach hinten gegen die Hauptaxe, des andere nach vorn gegen das Tragblatt verlegen, womit die erwälnite Medianstellung gegeben ist. Es mag sein, dass gewisse moi'phologische Grund- züge, wie z. B. die Foim und Stellung der Samenanlagen und die Beschaftenheit der Samen selbst, solchen äusseren p]inflüssen häufig mehr oder weniger entzogen sind und sich daher durch lange Generationsreihen regelmässig, wenn auch mit kleinen Modifikationen vei'erben, in welchem Falle sie natürlich eine wirkliche Verwandtschaft andeuten. Empirische Belege für eine solche Annahme lassen sich aber einstweilen nicht beibringen, weil die Paläontologie uns gerade in Bezug auf Dicotj-len übei- die genetisch zusammenhängenden Formenreihen der Yor- welt so gut wie keinen Aufschluss giebt. Wir können also nicht wissen, in welchem Umfange der gleichartige Bau dieser inneren Organe auf gemeinsame .\bstannuung liinweist. Ob z. B. die Centrospermen, welche duieh die peripherische Lage des Embiyos ausgezeichnet sind, eine natürliche Gruppe bilden, erscheint mir zweifelhaft. Aehnliche Zweifel haben allerdings auch den ana- tomischen Thatsachen geg-enüber ihre volle Berechtigung. Es ist ganz sicher, dass gewisse Eigenschaften der Cie- webe zuweilen in den heterogensten Generationsreihen wiederkehren, aus dem einfachen (Jrunde, weil sie für die IrLerstellung zweckmässiger Einrichtungen die einzig Ol' Naturwissenschaftliche "Wochenschrift. Nr. 7. mögliche Lösung darbieten. Die Uebereinstimmung im anatomischen Bau steht in diesem Falle, sofern die Glieder verschiedener Reilien in Betracht kommen, in keinem Zusammenhang mit der Blutsverwandtschaft. So ent- wickeln z. B. die Moosstämmchen Skelettzellen, welche ganz mit denjenigen der Phanerogamen übereinstimmen. Und doch kann hier an gemeinsame Abstammung gar nicht gedacht werden. Denn die Moose zeigen einen ausgesprochenen Generationswechsel; ihr Ijobenscyclus setzt sich aus zwei inilividuellen, morphologisch selbst- ständigen Gebilden zusammen, von denen das eine den Weg \on der Sjuire l)is zur Eizelle, das andere die Ei'gänzung von der p]ize]le bis wieder zur Spoi'(^ dar- stellt. Im Moosstämmchen kommt nun gerade diejenige Generation zur Erscheinung, welche bei den höheren Gewächsen auf Null reduciei't ist, sodass die Vererbung übereinstimmender Eigenschaften von diesen Stämmclien auf die Phanerogamen ausgeschlossen ersclieint. Unter solchen Umständen kann nur das vorsichtige Abwägen der Thatsachen, sowohl der moi-phologischen wie der anatomischen, allmälüich zu einer tieferen Ein- sicht in die genealogischen Verwandtschaftsbeziehungen führen. Und soviel ist heute schon klar, dass der Stammbaum der Reprodnktionsorgane mit demjenigen der anatomischen Ditterenzierung nicht übereinstimmt. Vor- aussichtlich würden daher, selbst wenn die beiderseitigen Uebergänge durch alle Perioden der Vorwelt hindurch bekannt wären, immer noch verschiedene Wege für die Kombination derselben offen bleiben. Bei dem heutigen Stande unserer Wissenschaft fehlen nun aber die empirischen Grundlagen, welche geeignet wären, über die Art der allmählichen Umpi'ägungen, so- wie über den schnelleren oder langsameren Verlauf der- selben genügende Auskunft zu geben. Einige Vor- kommnisse scheinen zwar die Vermutung zu rechtfertigen, dass die Gewebe der Vegetationsorgane in hohem Grade veränderlich, die Foi'men der Blüte und Frucht dagegen relativ konstant seien; aber andere, nicht weniger be- deutsame Ersclieiniuigen sprechen eher für das Gegen- teil. Wahrscheinlich ist je nach den Umständen, welche die PHanze beeinflussen, bald das eine und bald das andere der Fall. Die im Vorhei'gehenden berührten Fragen sind gleichzeitig noch von einer anderen Seite in Angriff ge- nommen worden. Einige Forscher haben nämlich den Versuch gemacht, und nicht ohne bemerkenswerte Er- folge, durch vergleichend -anatomische Betrachtung von Pflanzen, welche zu derselben natürlichen Gruppe ge- hören, aber an verschiedene Klimate angepasst sind, den Einfluss der klimatischen Faktoren direkt zu eimitteln. Die Vergleichung erstreckte sich auf Arten derselben Gattung, auf Gattungen derselben Familie und auf die l'vigentümlichkeiten des Baues im allgemeinen. Die Re- sultate dieser Untersuchungen stimmen darin überein, dass Ti'ockenlieit und starke Insolation — Eigenschaften, welche bekanntlich das Wüsten- und Step]ieuklima kenn- zeichnen — tiefgreifende Veränderungen im anatomischen Bau der vegetativen Organe hervorrufen. Nicht bloss das Hautgewebe, dem als schützende Hülle die am meisten exponierte peripherische Lage zukommt, ist bei Wüstenpflanzen aussergewöhnlich verstäi'kt und mit mannigfachen Einrichtungen zur Abschwächung der Ver- dunstung ausgestattet; auch die inneren Teile haben auf- fallende Umgestaltungen erfahren. Merkwürdigerweise sind diese Veränderungen von den betreffenden Autoren in ganz entgegengesetztem Sinne gedeutet worden. Während die einen von der Fortsetzung solcher Studien eine Reform der Systematik erwarten, stellen sie die anderen zwar als physiologisch wichtig, aber für den Ausbau des Systems als bedeutungs- los hin. Zu Gunsten der ersteren Ansicht spricht die Thatsache, dass die anatomischen Merkmale, Avelche unter dem Einfluss des Wüstenklimas entstanden sind, sich zweifellos auf die Naclikonimen vererben, auch wenn diese unter völlig veränderten Bedingungen, z. B. im Gewächshause, gezogen werden. Die klimatischen Fak- toren bewirken also mit Rücksicht auf den inneren Bau die Abzweigung neuer Stammlinien, welche mit der steigenden Zahl der Generationen zu immer grösseren Diifeienzen in der Ausgestaltung und Lagerung der Gewebe führen müssen. Warum sollten die Gegensätze der Architektur nicht endlicii so gross werden können, dass die gemeinsamen Züge für unsere Wahrnehmung vei'loren gehen? Von der anderen Seite wird dagegen mit Nachdruck hervorgehoben, dass die Merkmale der Reproduktions- oi'gane den klimatischen Einflüssen gegenüber eine giosse Widerstandsfähigkeit besitzen und daher wohl als die systematisch wichtigeren oder als die einzig brauchbaren zu betrachten seien. Die bisherigen Untersuchungen sind leider nicht aus- reichend, um in dieser Frage einen bestimmten Stand- punkt einnehmen zu können. Nur soviel scheint mir aus den Thatsachen mit einiger Sicherheit hervoizugehen, dass man die lelative Konstanz der Blüten- und Fruclit- merkmale im allgemeinen zu stark betont hat. Wie lässt sich diese angebliche Konstanz mit den allbekannten Verschiedenheiten vereinbaren, welche häufig genug inner- halb derselben Familie oder derselben als natürlich be- zeichneten Ordnung vorkommen? Mau denke z. B. an unsere Nadelhölzer, an Kiefer und Fichte, Wachhoider und Eibisch, wo das Verhältnis sich geradezu umkehrt, indem dieselben im anatomischen Bau eine auffallende Einförmigkeit, in den Fruchtformen aber eine über- raschende Vielgestaltigkeit zeigen. Will man hier die verschiedenen Generationsreihen auf einen gemeinsamen Stanun zurückführen, so müssen die Fruchtformen sich offenbai' rascher verändei't haben, als die Eigenschaften der Gewebe. Von solchen PJrwägnngen ausgehend, darf mau immerhin die Möglichkeit im Auge behalten, dass ge- wisse äussere Faktoren gerade die Reproduktionsorgane Nr. 7. Natunvisspnscliaftliclit', Wochtinsciirift. r.:i vonviogeiid zu borintiusscii iiml iloren V^ariahilitilt zu steig-ern vcrinög-en. .Jeileufalls liat diese neuei'e, dem Ausbau des natiniiclion .Systems zugewandte Forsclumo- keine Veranlassung, ihre Ziele ivleinlaut [jreiszugebi'u und wieder in die überlieferten Bahnen einzulenken. (Schluss Iblgt.j Kleinere Mitteilungen. Der Pflanzenschädling Tylenehus devastatrix Kühn. -- Diese zu den KiideiiuiirmiTii (Xenuitodcs) trchiii'ii^-e Aelclu-nart bewohnt die verscliiedensteii l'llanzeii. Da dieselbe je nae.b der von ihr bewohnten l'tlanzeniirt gerin^i' Abweiehunsen erliennen L'isst, so wurden eine Iteibe verschiedener Arti-n von l'tlanwMiiüelien anfo^e- stellt, welelie nach Ritzema J}os, der in Holhmd ein^nOiende lln- tersuohung'en darüber anpfestellt hat (Jiiolog-. Centralblatt VII 1887/8 Nr. 9, 10, 21), zu einer einzigen Art, Tylenehus devastatrix gehören. Diese Speeies ist unter dem Namen T. dipsaci (Kühn 1858) die Ursache von „Kernfäule" der Ulütenköpfe der Weber- karde; als T. hyacinthi (Prillieux 1881) erzeugt sie die „Kintjel- krankheit" an den Zwiebeln der Hyazinthen, als T. allii (Beyerinck 1883) die Krankheit in den Zwiebeln, Allium cepa, als T. haven- steinü (Kühn 1881) die Krankheit der LuzernepHanzen und des rothen Klees, usw. Tylenehus devastatrix bewohnt namentlich den Hojjse'ii die Zwiebeln und Hyazinthen, beschränkt sich aber auf die Steng:el- teile und findet sich nie in den Wurzeln. Nahe verwandte Arten verschonen sie, z. B. die Tulpen, Lilien, Fritillarien und Narzissen. Die Gerste wird nie von der Stockkrankheit befallen, an welcher der Boggen, Hafer und Weizen leiden. T. devastatrix ist bis jetzt in 34 l'flanzenarten trefunden, welche '25 Gattuiig-en und 14 Familien anp^ehören. Mit dem Absterben der Pflanzen siedeln die Aeichen in den Boden über. Sie selbst und ihre Larven sind g:egen das Austrock- nen sehr resistenzfähig. Der schädliche Eintluss des Würmchens auf die im Wachstum befindlichen Gewebeteile der I'tianzen besteht zunächst in einer Ver- grössening' der Zellen , einer Streckung derselben. Während das Parenchym der Stengel und IMätter durch die Zellstreckung und Zellteilung einen grösseren Raum einnimmt, behalten die Gefäss- bündel bleil)end denselben Umfang. Das Längenwachstum wird dadurch geringer und kommt sogar zum Stillstand. Die Folge davon ist eine Missbildung der Pflanze. H. J. K. l Die Sporen des Hausschwammes haben zu ihrer Keimung neben einem geeigneten Mass von Feuchtigkeit durchaus Ammoniak- salze oder Kalisalze nötig. Diese finden sie z. B. in der Nähe von schlecht angelegten Aborten, in feuchtem Füllmaterial etc. Stein- kohlengries oder Coaks sind hierzu durchaus nicht zu verwenden, das beste Material ist gewaschener, grober Kies. Je trockener Bau- holz und Steine sind, um so weniger ist die Gefahr einer Schwamm- einwanderung vorhanden. Eine zu rasche Bauausführung, zu früher Oelanstrich an Mauer- oder Holzwänden sind gefährlich. Da ge- flüsstes Holz einen grossen Teil seiner mineralisclien Bestandteile verloren hat, wird es vom Schwamm viel weniger ergrift'en, als ungeflösstes. Ein l'nt erschied in dieser Hinsicht zwischen Sommerholz und Winterholz besteht nicht. Die Ueber- tragung des Schwammes kann einerseits durch Verbreitung der Sporen geschelien , andererseits durch Uebertragung der Mycelien. Die Sporen, von grosser Leichtigkeit, können schon durch die Luft fortbewegt werden. Bauhandwerlver können sie übertragen. My<'elien bilden Anlass zu Inficierung, wenn altes von Schwamm befallenes Holz bei Neubauten verwendet wird, oder wenn solches Holz auf Holzplätzen neben dem neuen lagert. Die meistens zur Verwendung kouimenden Vertilgungsmittel sind, ausser Kreosot, fast alle wertlos. (Aus einem Vortrag von Prof. Dr. Just. Verb. Karlsruhe X. 1888 S. 75.) ■ A. Vulkanische Eruption auf Japan. — Bezüglich der kürz- lich bei Wakamathu aut Japan stattgefundenen grossen vulkanischen Eruption wird im „Globus" S. 110 auf die früheren vulkani.schen Eruptionen Japans hingewiesen. Von dem japanischen \'ulkane Fusiyama, der 3 800»« hoch ist, behaupten die japanischen Aiinalen, dass derselbe erst im Jahre 286 n. Chr. entstanden sei, bezw. dass er seine Vulkannatur erst in jenem Jahre offenbart habe Zu gleicher Zeit soll sich auch durch eine plötzliche Landeinsenkung der grosse See Omi (Biwa) gebildet haben, und im Jalire 80 n.Chr. soll dem- selben die Insel Thikubusima entstiegen .'ein. Genauere Nachrichten haben wir über den im.lahrel707 stattgefundenen grossen Ausbruch des Fusiyama, der zwei Monate dauerte und dabei in seiner Form sich sehr veränderte; in Yeddo, welches 80 hn von dem Berge entfernt ist, schien die Sonne verfinstert uml das Getöse des Berges wurde deutlich gehOrt Der nordwestlich vom Fusiyama geleg<"'e Vulkan Assamayama, der 2 500»» hoch ist, gab 1783 aus seinem Krater einen Luvnstrom von sieh, der nocli heute meilenweit zu ver- folgen ist; zahlreiche Dürfer und ausgedehnte Waldungen wurden von der Lava und der Asche überschüttet, im Jahre 1702 hatte der Osengatake auf Kiuschu eine furchtliare Eruption, die 53 dOll Men- schen das Leben gekostet haben soll. In .iit-sem Jahrhundert haben zwar mehrere Ausbrüche verschiedener Vulkane stattgefunden, dncli erreichte keiner die Heftigkeit des 1888 stattgefundenen II..I.K. Zur Bildung des Erdöls. — Von den verschiedenen Hypo- thesen, welche zur Beantwortung der Frage nach der Entstehung des Erdöls aufgestellt worden sind, haben liekanntlich zwei die meisten Fürsprecher gefunden, diejenigen niimlicli. dass .ibgestorbene Pflanzen oder aber abgestorbene Tiere das Kohmaterial für die Bildung des Erdöls abgegeben haben. Die Vergleichung verschiedener Erdöle mit Braun- und Stein- kohlenteerölen hat gezeigt, dass Unterschiede in dem Charakter der Kohlenwasserstoff- Komponenten beider Oelarten nicht vorhanden sind, dass nur das Mischungsverhältnis der einzelnen Bestandteile in denselben ein verschiedenes ist. Daraus hatte man geschlossen, dass auch das Erdöl ein Produkt der trockenen Destillation von Pflanzenstoft'en früherer geologischer Epochen sei, und von chemi- schen und geologischen Gesichtspunkten aus angenommen, dass die Erdölbildung aus diesen nur unter höherem Druck und bei verhält- nismässig niederer Temperatur stattgefunden habe. Gegen diese Annahme sprechen die nachstehend mitgeteilten Beobachtungen, welche Prof. C. Engler in Karlsruhe (Her. d. Deutsch, ehem. Ges. 1888, 1816—27) bei der Zersetzung tierischer Fettsubstanzen unter starkem Ueberdruck gemacht hat und welche vielleicht .schon jetzt geeignet sind, eine Lücke in der Theorie der Brdölbildung aus animalischen Resten ausfüllen zu helfen. Durch Destillation von nordamerikanischem Fischthran, spez. Gew. 0.93, (vom Menhadenfisch, Clupea tyronn., an der Westküste Nordamerikas gefangen, 1—1.5 kg schwer) unter einem Druck von 3—10 Atmosphären und bei einer Temperatur von 320 bis ca. 400" (in einem Krey'schen Apparat für Destillationen unter Druck) erhielt Bngler etwa 60% vom Gewicht des Fettes an Rohöl, welches zu mehr als ^/lo aus Kohlenwasserstoffen, und zwar aus Noimal-Penton-, Hexan-, Heptan-, Oktan und -Nonan bestand, und worin ohne Zweifel auch Kohlenwasserstoffe der sekundären Reihe vorhai:den sind, so dass allem Anschein nach das ganze „unentwirr- bare Gemisch" der Kohlenwasserstoffe des Erdöls vorliegt. Da der Fischthran ein Gemisch der Triglyceride von Oelsäure, Palmitin- säure, Stearinsäure und kohlenstoffürmeren Fettsäuren ist, so \vurden auch Kontrollversuche mit reinem TrioleTn und reinem Tristearin, sowie mit freier Cfelsäure beziehungsweise Stearinsäure angestellt, welche gleichfalls die Bildung von Kohlenwasserstoffen ergaben. Beim Erhitzen im luftverdünnten Raum verhielt .sich der Fischthran ganz anders: er destillierte d.abei zu Vs seines Gewichts unter Entwiokelung brennbarer Gase über, und das De.stillat ent- hielt nur ca. 10% Kohlenwasserstoffe. Das beobachtete Verhalten tierischen Fettes beim Erhitzen unter Druck auf nicht allzuhohe Temperatur, insbesondere das über- raschende Resultat, dabei 60 ",o vom Gewicht des Fettes an Rohöl zu erhalten, veranlasst Engler zu folgenden Schlüssen über die Ent- stehung des Erdöls aus Tiersubstanzen: Wäre das Erdöl aus l'flanzenresten durch trockene Destillation bei niedriger Temperatur gebildet, so müssten in der Nähe oder doch in irgend einer erkennbaren Beziehung zu der Petroleumfund- stätte kohiige Pflanzenrückstände zu konstatieren sein, was bisher nicht der I<'all gewesen ist. Umgekehrt müsste man in den Kohlen- flötzen oder doch in deren Nähe flüssige Kohlenwasserstoffe oder andere Bitumina des öfteren und in grösseren Mengen antreffen, was aber gleichfalls nicht geschehen ist. Wo wirklich flüssige Kohlen- wasserstoffe in Steinkohlenlager eingeschlossen sind oder d.araus aus- träufeln, da treten dieselben fast immer nicht im Flötze seihst, sondern in anderen Schichten aus, wie z. B. au der berühmten Stelle des Steinkohlenflötzes zu Wombridge (England) aus Siuidstein; oder aber sie stehen innerhalb des Kohlenflützes in Verbindung mit Schichten, welche 'i'ierreste aufweisen, und es fehlen gerade in Stein- kohlenrevieren irgend ergiebige lOrdölvdrkommen. Dagegen sind bei Erdöjfundstätten Tierreste oder doch unzwei- 54 Natiinvissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 7. deutige Spuren derselben regelmässig vorhanden. Besonders inter- essant ist in dieser Bczicbiing das von T. St. Hunt angegebene Vorkommen von Erdöl in den früheren Wohnkammern der Ortho- ceratiten im Trentonkalke bei Packenham (Kanada), sowie die von Praas beobacliteten Erdölausschwitzungen eines den Meeresspiegel jetzt überragenden Korallenritfes am Ufer des Roten Meeres bei Djebel Zeit. Aehnliche Beobachtungen sind an fossilen kanadiseheii Korallen, an karpatbischem Fisehschiefer gemacht, und auch im Muschelkalk hat man wiederholt mit Erdöl angefüllte kleine Zellen aufgefunden. Nach Hof er sind Schiefer, die bei der Destillation grössere Mengen Kohlenwasserstoft'-Oele liefern, an Tierresten reich, weisen dagegen nur verhältnismässig geringe Mengen pflanzlicher Reste auf. Gesteine, die grössere Mengen der letzteren Reste ent- halten, sind in der Regel nicht bituminös, werden es aber, sowie sich Tierreste dazu gesellen. Auch das mit dem Erdöl meist gleich- zeitig hervorquellende kocbsalzhaltige Wasser spricht nach Bnglers Ansicht dafür, dass das Erdöl mariner Fauna entstammt. Ausser- dem spielen ja die Pflanzen in dem marinen Leben doch nur eine ganz untergeordnete Rolle; sie sind auf die Küsten angewiesen, denn schon bei 30 — 40 m Tiefe schwinden ihre Existenzbedingungen, und es können sich daher nur in der Nähe der Küste grössere An- häufungen von Pflanzenresten bilden. Der genannte Forscher glaubt daher folgern zu dürfen , dass die Tiersubstanzen früherer geologischer Epochen (Fische, Saurier, Korallentiere, 'J'intenfische, Muscheln und andere Weichtiere), von undurchlässigen Schichtungen umgeben, in geschlossenem Behälter erhöhtem Druck und nicht allzu hoher Temperatur ausgesetzt. Erdöl geliefert haben. An diesem Druck scheint in einzelnen Fällen viel- leicht auch das über den Schichtungen stehende Meerwasser beteiligt gewesen zu sein. Da.ss Verbindungen wie AcroleYn, Allylverbindungen, Fett- sauren mit niedrigerem Kohlenstofl^gehalt usw. fehlen, welche sonst bei der Fettzersetzung auftreten, erklärt Engler durch ihre Lös- lichkeit in Wasser; sie sind, bei schon Jahrtausende langer Berüh- rung des Erdöls mit Wasser, ausgelaugt und fortgeführt worden. Auch die Thatsache, dass in den bisher untersuchten Erdölen wenig oder gar kein Stickstoff vorhanden , ist leicht erklärt, wenn man berücksichtigt, dass die organischen Stott'e der Tierwelt, zumal der hier in erster Reihe in Betracht kommenden Seetiere, hauptsächtlich au.s zwei Teilen, .stickstoffhaltiger Muskelsubstanz und stickstoff- freiem Fett, bestehen, von denen die erstere schnell fault unter Bildung von Stickstoff', Ammoniak oder komplizierteren Verbindungen, während das letztere den Destillationsprozess /um Erdöl durch- macht. Es sei in dieser Beziehung insbesondere an Wetherills Untersuchungen erinnert, welcher in fossilen Knochen des Bison Americanus 86.3% fette Säuren, 10.1% Kalk und 3.6% „flockige organische Substanz" fand und beim Studium des Verwesungs- prozesses einer grossen Zahl von in nassem Boden beerdigten Leich- namen fetter Menschen das Vorhandensein eines wachsartigen Stoft"es beobachtete („Adipocire" oder Fettwachs), der zu 97—98% aus Fettsäuren besteht, während er in keinem Falle Ammoniak in der rückständigen Masse aufzufinden vermochte. Bei künstlich hervorgerufener Fäulnis von Tiersubstanzen verschwindet der Stick- stoff derselben, und es bleibt das Fett als „Adipocire" zurück. Auch die Beobachtung Gregorys, dass ein 15 Jahre lang einge- scharrtes Schwein ein zu V4 aus Stearinsäure und % aus Palmitin- und Oelsäure bestehendes Adipocire hinterliess, sprich: für die Dauer- haftigkeit tierischer Fettsubstanz, gleichgiltig, ob das Glycerin schon abgespalten ist oder nicht. D';nken wir uns nun Sedimentärgesteiu mit solchen Fettmassen, den Resten verfaulter Tierleiber, durchsetzt und nachträgbch unter starken Druck beziehungsweise auch noch in Wärme gebracht, so ist damit eine Erklärung der Bildung des Erdöls gegeben. Dr. M. K. Versuche mit flüssiger und fester Kohlensäure. — \ ersuche mit flüssiger und festei' Kohlensäure gehörten bis vor kurzem selbst in den Universitäts-Laboratorien zu den Seltenheiten. In (iiittingen z. B. wurde vor etwa 10 Jahren in der chemischen Vorlesung bei der Besprechung der Kohlensäure der Natterer'sche Apparat vorgezeigt; es wurde erwähnt, dass man mit Hilfe dieses Apparates flüssige sowohl als feste Kohlensäure darstellen könne, dass indessen von der AusfUlu'ung eines Versuches in Anbetracht sowohl des erforderlichen Zeitaufwandes als auch der Explosions- gefahr Abstand genommen werden müsse. Seitdem nun die Aktien- gesellschaft für Kohlen-Industrie in Berlin die Darstellung der flüssi- gen Kohlensäure im grossen betreibt, kann man sich ohne jede Sdiwierigkeit die für den Unterricht nötige Menge verschaffen, und es steht der Ausführung von Versuchen kein nennenswertes Hinder- nis mehr entgegen. Neuerdings werden von der genannten Gesell- schaft sogar Apparate geliefert, welche eigens für Unterrichtszwecke hergestellt sind. Die Städtische Oberrealsohule zu Braunschweig hat kürzlich einen solchen Apparat angeschafft; derselbe besteht aus einer sehr starken eisernen Flasclie, welche 4 Kilogramm flüssige Kohlensäure enthält und in einem Gestell (kebbar ist, so dass man den Oert'nungsbahn nach oben oder nadi unti'u richten kann. Die Versuclie, welche mit diesem Apparat im chemischeu Unterricht der Oberrealschule zu Braunschweig ausgeführt werden, sind die fol- genden : 1) die eisenie Flasche steht senkrecht mit dem Hahn nach oben; beim Oeflrien entweicht gasförmige Kohlensäirre. Die.se erscheint nicht vollkommen farblos, vielmehr scheiden sich in dem entweichenden Gasstrahl feine Kryställchen von fester Kohlensäure aus, welche sich in Foiin eines sehr schwachen Nebels dem Auge bemerkbar machen. 2) die eiserne Flasche wird in dem Gestell um 180" gedreht, so dass der Hahn unten ist. Beim Oettnen müsste eigentlich flüssige Kohlensäure entweichen; letztere verdunstet indessen so schnell und es tritt dabei eine so bedeutende Verdunstungskälte ein, dass die entweichende ]\Iasse sofort zu fester Kohlensäure erstarrt. Man merkt daher einen überaus dichten weissen Nebel, welcher aus un- zähligen Krystallen von fester Kohlensäure besteht. 3) der beim vorigen Versuch auftretende Strahl von Kohlen- säure-Krystallen wird in einem Tuchbeutel aufgefangen ; man erhält alsdann die fe.ste Kohlensäure als eine weisse schneeartige Masse; 4) von dieser weis,sen Masse nimmt man etwa eine Tasse voll in eine Porzellan schale und giesst dazu etwa ein Pfund Quecksilber. Es kommt nun darauf an die Verdunstung der festen Kohlensäure so zu beschleunigen, dass durch die dabei auftretende Verdunstungs- kälte das Quecksilber zum tiefrieren gebracht wird. Man tropft zu diesem Zweck etwas Aether auf die feste Kohlensäure; die Ver- dunstung wird dadurch ausserordentlich befördert und das Queck- silber ist im Augenblick gefroren. In der Regel friert es am Boden der Porzellanschale so fest, dass man einen Meissel anwenden muss, um es loszubrechen. 5) eine geringe Menge der festen Kohlensäure drückt man in den Drahtlöttel, welcher sonst zur Wasserstoft'entwicklung mit metal- lischem Natrium im chemischen Unterricht verwendet wird. Sobald man nun den Drahtlöffel mit der festen Kohlensäure unter Wasser bringt, entwickelt sieb Kohlensäuregas; dieses wii-d in einem Glas- cylinder aufgefangen und durch die gewöhnlichen Reaktiotien erkannt. Dr. W. Levin. Photochromatisohe Eigenschaften des Chlorsilbers. — Das Ghlorsilber besitzt die Fähigkeit die Farben des auffallenden Lichtes aufzunehmen und zeitweise zu erbalten. Sehr schön kann mau nach G. Staats (Ber. d. d. ehem. Ges. 1887, 2322 u. 1888, 2199) diese Eigentümlichkeit durch folgenden Vorlesungsversuch demon- strieren: Eine glatt polierte Silberplatte wird in eine 5procentige Eisenchloridlösung getaucht, wodurch sie sich mit einer dünnen Schicht von Ag Ol überzieht. Nach 10 Sekunden nimmt man die Platte heraus, trocknet sie schnell ab und bedeckt sie mit rotem, grünem, orangefarbigem und blauem Glase. Man exponiert sie dann im Sonnenschein und erhält nach 10 Minuten die betreffenden Farben auf der Platte. Die entstandenen Farben sind löslich in Ammoniak. Erhitzt man die Platte, so gehen alle Farben in Rot über. Dieses Rot ist identisch mit dem von Carey Lea (Americ. Journ. of Science, XXXII, 349) auf verschiedene Weise erhaltenen Photorot. Das rote Chlorid (Photocblorid) kann in allen Nuancen, von der blassen Fleischfarbe bis Purpurrot und Schwarz, erhalten werden. In grösserer Menge stellt man es dar durch Fäl- lung einer ammoniakalischen Ag Gl- Lösung mit Eisenvitriol, wobei man einen schwarzen Niederschlag erhält. Nachdem dieser sich ab- gesetzt hat, wird Schwefelsäure bis zur stark sauren Reaktion zu- gesetzt, dekantiert, und der Niederschlag zuerst mit verdünnter Salpetersäure und nach dem Auswaschen derselben mit verdünnter Salzsäure ausgekocht. D.as so gewonnene Präparat besitzt Farbe und Glanz von galvanisch gefälltem Kupfer. Die auf diese oder andere Weise (Chlorirung von Silber, Reduktion von Silberchlorid, Einwirkung von Natriumhypochlorid auf fein verteiltes Silber) er- haltenen I'hotochloride sind Gemische von Silberchlorid und ^ cblorür, enthalten aber nicht mehr als 8 — 9% Silberchlorür. Versuche von G. Staats die andern Farben, die er auf der Silberplatte erhalten hatte, durch Lösen in Ammoniak und Behandeln nach der Carey Lea'schen Methode zu isolieren, blieben ohne Erfolg. Er erhielt immer wieder das Photorot. Dagegen gelang es ihm die auf papierdünnen Silberplatten durch Exponieren erhaltenen roten und violetien Farljen von ihrer Unterlage zu trennen, wenn er dieselben mit Salpetersäure behandelte. Der rote oder violette Farbstoff' blieb dann in Form dünnsr, v(ui geraden Linien begrenzter Plättchen zurück, welche im auffallenden und reflektierten Licht dieselbe Farbe zeigten. Analysen derselben sind noch nicht ausgeführt. Dr. M. B. Einen einfachen Versuch über elektrische Influenz, welcher ebenso instruktiv für die Schüler als leicht anzustellen ist, beschreibt G. Stark in den Badischen Schulblättern. Es heisst dort: Zwei Papierscbeibcben von der Grosse eines Pfennigstücks werden durch einen Seidenfaden zu einem elektrischen Pendel auf- gehängt Bringt man, während die Scheibchen der ganzen Fläche Nr. 7. Natiirwissens('li;iftli('li(> Wochensclirift. Ö.5 nach aiif'eiimiiilcr liegoii, ciiirn rloUfrisclieii Stall laiigsaiii in dii' Nillie, so vursciiielien sie sich iki'ai't. aiieiiiaiiili'r hin, dass das eine dem Stabe sicli nähert, das andere sicli von ihm entfernt. Nimmt man den Stah wieder weg-, so falh'n sii" znsanimen. Die neutrale Klektricitiit heider Scheibclien hatte sich ch;rart verteilt, dass das eine die positive, das andere die nei^ative enthielt. Krhalten die Scheiben aber "•leiclie Klektrieitiit. so Heften ihre lObem^n bei der Abstossnng nahe/.n parallel zu einaiuier. — Auch die 'rhatsache, dass die Scheibchen durch eine Drehung dem elektrischen Stalle ihren Kand zuwenden, ist als eine Wirkung der Influenz zu er- klären. — r. Krystallisation durch Bewegung. — Nacli der bisherigen Ansicht war die Konzentration einer IjOsnng in der Umgebung eines entstehenden Krj-stalles grosser als im übrigen Teile, was man der von seinem Centrum ausgehenden Anziehung der Moleküle der auf- gelösten Substanz zuschrieb. Demgemäss ging man bei der Krystalli- sation von Substanzen von dem Grundsätze aus , dass zur Ausbil- dung der Krystalle die Losungen sich in Iluhe befinden müssen. Da sich aber aus neueren Untersuchungen ergeben hat, dass die Konzentration nahe den sich bildenden Krvstallen nicht grösser, sondern sogar geringer ist als in den übrigen Teilen der Flüssig- keit, so schliesst Wulff, dass die Bildung von Krvstallen durch Bewegung gefordert und nicht gehindert werde Von dieser An- schauung ausgehend hat derselbe ein Verfahren zur Ausscheidung von Krystallen aus Losungen ersonnen , das in der Zuckerindustrie grossere Anwendung zu finden verspricht. Das Wesentliche des patentierten Apparates besteht in einem nach unten verengten Ge- fäss, in welches fertige Krystalle gethan werden, welchen die Auf- gabe zufallt, die Ausscheidung von weiteren Krystallen einzuleiten. Die konzentrierte warme Losung wird von unten langsam durch dieses Gefäss hindurchgeleitet, ein Kunstgrift'. welcher verhindert. dass die kalten und weniger konzentrierten Scliichten auf die war- men und gesättigten Teile störend einwirken können. Innerhalb des Gefässes befinden sich noch Hinge zum Ansetzen der Krystalle, Rührvorrichtungen usw. Die mittelst des Wulff sehen Verfahrens erlangten Krystalle sollen sehr gut und allseitig ausgebildet sein. Ausserdem soll sich diese Methode auch zur Gewinnung von Krystallen aus sonst nicht mehr krystallisierbaren Substanzen eig- nen und demgemäss auch schon Verwendung finden. A. G. Die August-Meteore im Jahre 1888. — In der eng- lischen Zeitschrift „Nature" behauptet Denning auf Grund eigener und fremder Beobachtungen, dass der August-Schwarm in diesem Jahre nicht sehr glänzend war. Nach demselben werden in Bristol gezählt: Am 2. August während 2V-> Stunden 42 Meteore (stünd- liche Anzahl k ^ 17); am 5. August 31 Meteore in derselben Zeit (k = 12); am 8. in 3 Stunden 36 Meteore (k = 12). An den Tagen der sonstigen grüssten Intensität war der Himmel bedeckt; am 13. erschienen 49 Meteore in 3Vo Stunden (k = 14), am 14. werden 25 in 3 Stunden (k = 8) gezählt. Die relative Anzahl der eigentlichen Perseiden war eine autfallend geringe. Aus dem über die Denning' sehe Zusammenstellung vor- liegenden Referate geht nicht hervor, ob Verfasser in Bristol ganz allein beobachtet hat; doch steht zu erwarten, dass er einen die Zählung so ungünstig beeinfiussenden Umstand nicht unerwähnt gelassen haben würde. Der Unterzeichnete hat hier in Warendorf (Breite = -f 51 "57'; Länge = 5^40' Ostlich Baris) das Phänomen mit mehreren anderen beobachtet und gestattet sich darüber folgende Mitteilung zu machen. August 8 : Von 5 (in der ersten halben Stunde 6) Beobachtern werden von 9^ 31"' bis ll''35.°5 im ganzen 74 Meteorbahnen ein- gezeichnet. Ohne Zweifel ist die wahre Ajizahl eine viel grössere gewesen; denn die Zenith-Gegend wurde überhaupt nicht systema- tisch beobachtet; der Beobachter des Südens (der Unterzeichnete) hatte auch noch die Angaben aller Beobachter über Zeit, Helligkeit, Farbe und Schweifbildung zu notieren , wodun.'h ihm uaturgemäss noch mehr Erscheinungen entgingen, als den anderen während des Einzeichnens der Bahnen. Die ohne Rücksicht auf diesen störenden Umstand berechnete stündliche Anzahl k beträgt 35. Zu bemerken ist, dass die Mitbeobachter die Technik des Notierens erst am heutigen Abende erlernten. August 9: 6 Beobachter trugen von 9'' 4'" bis 11'' 47'", wo die eingetretene, schon vorher angedeutete Bedeckung des Himmels das weitere Beobachten unmöglich machte, 125 Bahnen ein. Die störenden Umstände wie gestern, doch waren die Beobachter nun schon geübter, k = 46. August 10: Dieselben Beobachter zeichneten von 8^ 57"" bis 12'' l9ii>,5 unter denselben ungünstigen Umständen 211 Bahnen ein. k = 63. • — Die Relativzahl der eigentlichen l'erseiden ergiebt sich durch Betrachten der Bahnen gleichfalls als eine erliebliche. Es scheint, dass Denning namentlich den Osten unter ungünstigen atmosphärischen Verhältnissen beobachtet hat. Vergleicht man unsere Zahlen k mit di-n bei Heis („Resultate" S. 158) für verschiedene .laliro angegebenen und berücksichtigt die grosse Anzahl von Mit- beobachtern, über welche Heis in der Uegel verfügen konnte, so kommt man zu dem Schluss, dass unser .fahr vielleicht ein reicheres Mitti-ljahr gewesen ist. Von einer auch nur annähenid richtigen V'ergleii^huiig der Anzahlen der August-Meteore in ver- schiedenen .lalirgängen oder gar der lii'Iativzahlen der von verschie- denen Radiationspunkten gelieferten Meteore, kann freilich trotz des reichhaltigen Materials, das namentlich von II eis zusammengestellt ist, noch keine Rede sein. IS'ur selten sitid alle störenden Neben- unistände genau angegeben. Eine vom Unterzeichneten angestellte Untersuchung bat ausser der vorauszusehenilen Abhängigkeit der Zahl k von der Anzahl der Henbachter und der ebenso selbstver- stündlichen Abhängigkeit vom 19jährigen Cyklus des Mondwechsels kein greifbares Resultat ergeben. J. Plassmann. Fragen und Antworten. Ist es wahr, dass unsere Wasserschneeken an der Oberfläche des Wassers hinkriechen können und wie be- werkstelligen sie das? Die Schmücken lassen immer, wenn sie kriechen, einen Schleim- pfad zurück, auch die Landschnecken, wie wir es ja leicht im Gar- ten auf grossblättrigen l'fianzen z. B. Salat sehen können , wo der Schnecke, natürlich wenn die l'fianzen niiOit feucht an der Ober- fläche sind, auf ihnen ein silbern glänzendes Schleimhäutchen zurücklassen. Auch die Wasserschnecken lassen einen derartigen Schleim- pfad zurück. Man überzeugt sich leicht, wenn sie über ganz frisch geputzte Scheiben des Aquariums hingekrochen sind. Zu ihrem Vergnügen scheint die Schnecke nie zu kriechen, sondern stets mit dem Neben- resp. Hauptzweck der Nahrungsaufnahme. Von den Glaswänden z. B. schaben sie mit ihrem löflelförmigen Esswerk- zeuge die dünnen Algenüberzüge ab und kann man ihren Weg an den abgekratzten Stellen mit dem Auge verfolgen, falls ein ge- nügend sichtbarer grüner Algenüberzug die durchsichtigen Glaswände — ich spreche immer vom Aquarium — bedecken. Erreicht die Schnecke die Wasseroberfläche, so schiebt sie sich unter derselben weiter mit lebhafter wellenförmiger Bewegung der Fussmuskulatur und öffnet jetzt sofort ihren Luftkanal, um soviel Luft aufzunehmen, dass sie sich schwimmend erhalten kann. Dies kann mau jedes Mal beobachten, so lange der Fuss der Schnecke noch Halt an ihrem bis dahin festen Wege hat. Dann gleitet sie allmälig an der Wasserolierfläche fort, wobei die jetzt nach oben gekehrte Fuss- fläche n i c h t vom Wasser benetzt ist , aber fortwährend von vorn nach hinten gleitende Wellenbewegungen zeugt. Einen etwaigen Ueberzug des Wassers, der ja grösstenteils aus Algen, Diatomeen usw. besteht, benutzt sie nicht etwa um daran zu kriechen, sondern denselben verzehrt sie auf ihrem Wege und im günstigen Falle kann man beobachten, wie dieses dünne Häutchen sich fältelnd in der Mundürt^nung verschwindet. Hat die Schnecke erst eine Strecke von ihrem festen Ausgangspunkte zurückgelegt, so kann man leicht beobachten, dass sie an einem Schleirafaden sich voranschiebt resp. denselben als Halt zurücklässt. Man fahre niu- mit einem Stöckchen vorsichtig über den zurückgelegten Weg, so wird man den Schleim- faden fassen und kann die Schnecke langsam hin und her ziehen. Bei heftigen Erschütterungen freilich zieht sie sich zusammen, presst Luft aus ihrem Lungensack und sinkt zu Boden. Im Freien habe ich an ruhigen Tümpeln bei fussweit vom Ufer entfernt an der Oberfläche kriechenden Sehnecken durch diese Manipulation die Stelle ausfindig machen können, wo sie das Ufer resp. eine Wasser- pflanze verlassen haben, indem der Schleimfaden nachzuweisen war. Durchbricht man den Faden vorsichtig, so verliert die .Schnecke ihre stetige Richtung, die vorher unentwegt, fast wie auf vorge- bautem Pfade voranging. Dr. L. Sulzer. Litteratur. Dr. Max Westermaier: Die wissenschaftlichen Arbeiten des botanischen Instituts der K. Universität zu Berlin in den ersten 10 Jahren seines Bestehens. Ein Bei- trao- zur Geschichte der Botanik. Verlag von .Julius Springer. Berlin IS.SS. I'reis 1,40 M. Als Simon Schwendener als Professor der Botanik vor 10 Jahren nach Berlin berufen wurde, übei-nahm er die f.Tründung des Botanischen Institutes der Universität, aus welchem — trotz der Küi'ze seines Bestehens — viele und vor allen Dingen die Wis- senschaft wesentlich fördernde Arbeiten hervorgegangen sind: sie athmen den Schwendenerschen Geist und bieten im ganzen daher mehr als man sonst von Erstlingsarbeiten, namentlich Doctor-Dis.ser- tationen zu erwarten gewöhnt ist. In dem Westermaier'schen Schriftchen finden übrigens ausser den letzteren auch spätere Ar- beiten g-ereifterer Schüler des Meisters gebührende Berücksichtigung, da sie meist in geistigem Zusammenhange mit demselben, manche auch im Institut entstanden sind. Eine Darstellung der dunli diese 56 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 7. Arbeiten für die Wissenscliaft srewonnenen llesultate ist niolit mir für die Gesohiclite der Botaiiilv von Wert, weil mit Scliwendener — wie wir in dem in eiiier der iiiiehsten Nummern der Naturw. Woclieiisclir. zu vei'iitfeiitlichenden Aufsatz: „Das mechanische Princip im anatomisclien Han derl'flanzen" nocli nachdrücklich hervorheben werden — eine neue Epoclie der botanischen Anatomie beginnt, die sich iiaturuemäss auch in den Arljeiten seiner Scluiler kund tliut, sondern sie hat in der vorUegenden saclilichen Gruppirunf;' des Stoti'es und der kritisclien Bemerkuns'en des erfahrenen Autors begreitlicher- weise auch ein rein wissenschaftliches Interesse. Einer kurzen Einleitung- der Westermaier'schen Festschrift folgen 5 Kapitel, welche den verschiedenen Gebieten gewidmet sind, denen die Institutsarbeiten ang-ehören. Das umfangreichste ist das erste, welches sich mit den Arbeiten aus dem anatomisch-pliysio- logischen Gebiet, incl. der reinen Anatomie beschäftigt; weiterlün folgt ein entwickelungsgeschichtliches Kapitel (II.), ein solches zur Physiologie des Wachstums (III.), eines das Gebiet der Bewegungs- erscheinungen (IV.) behandelnd und endhch noch das Kapitel (V.) Molekularphysik. Abgesehen von dem ersten Schüler Schwendener's in Tü- bingen, des Prof. Haberlandt in Graz, dessen bedeutende Arbeiten zum Teil ebenso wie die Arbeiten Fernstehender des Zusammen- hanges wegen berücksichtigt werden mussten, werden von Schülern Schwendener's gewürdigt: Amhronn, Bloch, Amandus Born. Ebeling, Georg Eichholz. M. Fünfstück, Gehrlte. Gnentzsch, E. Gnebeler, Frl. E. L. Gregory, Grüss, Hassack, Heini-icher, R. Hintz, E. Immich. Klebahn, Otto Klein, Krabbe, Kräh, Paul Krüger, Lietzmann, Otto Linde, Otto Loebel, Neubner, Emil Nickel, Potonie, Magdeburg. Markfetdt, Marloth, Moebius , Moehring , Prenss. Reinhardt, Rimbach, 0. Schmidt, Schrodt, Schröder, Schullems, Ernst Schulz, Oskar Schultz. Paul Schulz. Paul Sonntag. Staby, F. von Tavel, P. J. Teitz, J. Trosche.l, Tschirch, Volkens, Vonhoene, Westermaier, Wille, A. Zimmermann. H. P. Dronke, A. , Billiger Yolksschul- Atlas mit erläuterndem Text. Ausgabe f. Schleswig-Holstein. 4°. (9 Kartens. mit 2 S. Test) Preis 40 ..j. Voigtländer, Kreuznach. — dasselbe. Ausg. f. Westfalen. 4". (9 Kartens. m. 2 S. Text.) Preis 40 -.f. Voigtländer, Kreuznach. Edinger, L., TJnter.suchunqen über die vergleichende Anatomie d. Gehirns. I. Das Vorderhi'ni. (Sep.-Abdr.) 4». (29 S. m. 4 Taf.) Preis 6 JC-. Diesterweg, Frankfurt a. M. Edlbacher, L., Landeskunde von Ober-Oesterreich. Neue Ausg. der 2. Aufl. (628 S.) Preis 4 JC. Graeser, Wien. Erlenmayer, E., Zur Kenntnis der Phengl-alpha und der Phenyl- alpha-beta-o.fgpropionsäure. (48 S.) Preis 1 JC. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. Esmarch, F., Die erste Hilfe bei plötzlichen Unglücksfällen. 7. Autl. (VIII, 81 S.) Preis geb. 1 M 50 -i. F. C. W. Vogel, licipzig. Ettingshausen, C, Erhr. v.. Die fossile Flora von Leoben in Steiermark. 1. Teil. (Sep.-Abdr.) gr. 40. (58 S. m. 4 Taf.) In Komm. Preis 4 Ji 60 ..j. Freytag, Leipzig. Exner, F., Weitere Beobachtungen über atmosphärische Elektri- cität. (Sep.-Abdr.) (24 S. mit Holzschnitten.) In Komm. Preis 60 .j. Preytag, Leipzig. Peaux B., Lehrlmch der elementaren Planimetrie. 7. Aufl., be- sorgt V. A. Balkenhol. (VIII. 193 S. mit lUustr.) l'reis 2 JO 50 ^. F. .SchOningh, Paderborn. Ferrari, E. v., Die Hemipteren-Gattung Nepa Latr. (sens. natur.) (Sep.-Abdr.) (34 S. m. 2 Taf.) Preis 4 JO. Holder, Wien. Finsch, O., Ethnologische Erfahrimgen und Belegstücke aus der Südsee. 1. Abt : Bismarek-Archipel. (Sep.-Abdr ) (76 S. mit 5 Tafeln.) Preis 10 JC. Holder, Wien — Samoafahrten. Reisen in Kaiser Wilhelms-Land und Englisch- Neu-Guinea in den Jahren 1884 und 1885 an Bord des deutschen Dampfers „Samoa". (390 S. m. lUustr. u. Karten.) Preis 12 .y'iJ-; geb. 14 JC 50 .^. Hirt & Sohn, Leipzig. — dasselbe. Ethnologischer Atlas. Typen aus der Steinzeit Neii- Guinea's. Deutsch. Englisch und Französisch. 4". (56 S. ni. 24 Taf) Preis geb. 16 JC. Hirt & Sohn. Leipzig. Fischer, K., Die .Schicksale der Universität Heidelberg. Fest- rede. 3. Ausg. (98 S.) Preis 2 JC. Winters Univers.-Buchh., Heidelberg. — Ueber menschliche Freiheit. Prorektoratsrede. (47 .S.) Preis 1 Jl 20 .j. Winter's Univers. -Buclih., Heidelberg. Flügel, O., Die Probleme der Philosophie und ihre Lösungen. 2. .\ufl. (XIV. 272 S.) Preis 4 JC 50 ^. Schulze, Königsberg. Foucher de Careil, Graf A., Hegel und Schopenhauer, ihr Leben und Wirken. Urbers von .1. Singer. (L, 417 S.) Preis 8 ,U,. IConegcn. Wien. Foullon, H., Baron v. , Unsersuchung der Meteorsteine von Sltalka u. Manblboom. (Sep -Alidr ) (24 S.) Preis 80 4. Holder, Wien. Franzi , O. , Terrain- und Wegkarte des Schuler - Gebirges. 1:30000 Chromolith. Fol. Vre\s\JC2Q4. Albrecht & Zillich, Kreuznai'h. Gabelentz, G. v. der, Confucius und seine Lehre. (52 Seiten.) Preis 1 JO 50 4. Broekhaus. Leipzig. Gaebler, E., Systematischer Schul-Hand-Atlas in Uebereinstim- mung mit den dazu gehör. Wandkarten. Fol. (18 Kartons.) Preis 80 Pf. Lang, Metz. Geleich, E., Magnelischc Ortsbestimmungen an den südöstlichen Grenzen Oesterreich-Ungarns. (Sep-Abdr.) (34 S.) In Komm. Preis 50 4. Freytag, Leipzig. Genau, A., Leitfaden der elementaren Geometrie f. Lehrer- Seminare. 5. Autl. (IV, 159 und Resultate 8 S.) Preis 2 JC 10 4. Hagen. Büren. Gerland, J., Ueber intratharacische Tumoren. (23 S.) Preis 60 4. Vandenhoeck & Ruprecht, Güttingen. Gerloff, O., Beitrag zum Strychnin-Diabetes. (17 S.) Preis 80 4. Lipsius & Tischer, Kiel Gezeitentafeln für das Jahr 1889. Hydrographisches Amt der Admiralität. (VIII, 223 S. m. 14 Blattern in Steindr.) Preis 1 M 20 ,j. Mittler & Sohn, Berlin. Graeffe, E., Uebersicht der Seethierfauna des Golfes von Triest nebst Notizen über Vorkommen, Lebensioeise, Erscheinungs- und Fortpflanzungszeit der einzelnen Arten. IV. Pisces (Fische). (Sep.-Abdr.) ' (26 S. m. 1 Taf.) Preis 3 JC 60 4. Holder, Wien. Gruber, A., Ueber einige Rhizopoden aus dem Genueser Hafen. (Sep.-Abdr.) (12 S. m. 1 Taf.) Preis 1 JC 60 4. J. C. B. Mohr, Freiburg. Gegen Einsendung des üetrciges (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten loir uns bestens empfohlen. Berlin 9IW. 6. Die Kxpedition «1er „9fatnrwis«4enscliaftlicheii Woclienschrift". Briefkasten. Hr. F. — Die Xylographen übertragen gedruckte Abbildungen auf Holz, indem sie die Abbildung mit einer Auflösung von V3 Gfs" wichtsteilen Aetzkali in 73 Spiritus vini bestreichen und das Papier, sobald so viel Spiritus verdunstet ist, dass die Abbildung nicht mehr nass aber noch feucht ist, auf das Holz legen. Streicht man nun die Rückseite der Abbildung mit Anwendung von Druck etwa ver- mittelst einer glattpolierten Elfenbeinfläche, so druckt sich die Ab- bildung auf das Holz ab. Berichtigung. Herr Ingenieur Mickwitz in Reval hat mich darauf aufmerk- sam gemacht, dass eine in meinem Aufsatze „Ueber die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes auf die an der Oberfläche liegen- den Steine (diese Zeitschr. Bd. II S. 147)'' gemachte Angabe der Berichtigung bedürfe. Die von mir daselbst erwähnten drei mitt- leren Richtungen N, S 60'^ 0, S 50" W beziehen sich nicht auf die Lage der Kanten, sondern entsprechen den Normalen zu den Schlift"- flächen , mithin den von Mickwitz vorausgesetzten mittleren Wind- richtungen. Felix Wahnschaff'e. Inhalt: S. Schwendener: Ueber Richtungen und Ziele der mikroskopisch-botanischen Forschung. — Kleinere Mittellungen: Der Pflanzenschädling Tylenchus devastatrix Kühn. — Hausschwamm. — Vulkanische Eruption auf Japan. — Zur Bildung des Erd- öls. — Versuche mit flüssiger und fester Kohlensäure. — Photochromatische Eigenschaften des Chlorsilbers. — Einfac^her Versuch über elektrische Influenz. — Krystallisation durch Bewegung. — Die August-Meteore im Jahre 1888. — Fragen und Antworten: Ist es wahr, dass unsere Wasserschneoken an der Oberfläche des Wassers hinkriechen können und wie bewerkstelligen sie das? — LItteratur: Dr Max Westermaier: Die wissenschaftlichen Arbeiten des botanischen Instituts der K. Universität zu Berlin in den ersten zehn Jahren seines Bestehens. — Bücherschau. — Briefkasten. — Berichtigung. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6. — Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6. Druck: Gebrüder Kiesau, Berlin SW. 12. Hierxa eine Beilage, welche wir besonder»« za beachten bitten. Beilage zu Nr. 7, Band III der Jaturwissensdiaftlichen Wochensclirlft". Diejenigen unserer geschätzten Abonnenten, welche mit dem Abonnementsbetrag pro III, Band I. Quartal noch im Rückstande sind, werden höflichst ersucht, denselben bis zum 20. d. Mts. einzusenden. Alle bis dahin nicht bezahlten Beträge werden per Postauftrag, unter Zuschlag von 50 Pfg. erhoben, in der Annahme, dass dieser Zahlungsmodus beliebt. Liüsenpiatz 11. ' Die Expedltioii der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" S 39L, ^ e ^ a^%, m namentlicli Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalisclien etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. Bemerhting für die Leser: Für den Inhalt der Inserate sind wir nicht verantwortlich. "^Q ^ZZ^ \'i>ii ili'i- in iiiisi'ii' ,,\iier Naturforscher** liefern wir die älteren .Talirg-itns'e statt für 10 Mk. znni Preise von 1 mir 3 Mk. 50 Pfg. franko gegen Einsendung des Betrages (auch in Uriclinarken). Die Expedition der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. Oei*. zu beacliien. Aus dem Verlage des Herrn Moritz Boas in Berlin ging in den unsrigeu über: Illustrierte Flora von Nord- und Mittel - Deutschland mit einer Einführung in die Botanik unter Mitwirkung von Prof. Dr. P. Ascherson, Berlin. — Dr. G.Beck, Wien. — Prof. Dr. R. Caspary, Königsberg i. l'r. — Dr. H. Christ, liasel. — Dr. W. 0. Pocke, Bremen. — I. Preyn, Prag. — Prot E. Hackel, St. Polten — Prof. C. Hausknecht, Weimar. — Prof. Dr. G. Leimbach, Arn- stadt. — Dr. P. Pax; Breslau. — Prof. Dr. A. Peter, Jliinchen. — Prof. Dr. L. Wittmack, Berlin. — Prof. A. Zimmeter. Innsbruck und mit einem Anhange: Die mediziniscJi-pharmaceutisciien Pflanzen des Gebiets. Bearbeitet von Ober-Stabsapotlieker Dr. W. Lenz. Herausgegeben von 3Dr. xa:. ^otoriLie. Dritte wesentlich vermelirte und verbesserte Autlage. ■'>S0 Seifen mit 335 TerffiijiireH. Preis M. 5,—. Elegant geb. M. 6,- Ferner: [119] Elemente der Botanik. Von Dr. H. Potonie. 3.'52 Seiten mit 539 Textfiguren. Preis M. 3.80. Gebunden M. :S,60. Bestellungen auf diese beiden anerkannt vorzüglichen Bücher, welche wir besonderer Freude unserem Verlage einverleiben, wolle man fortan an uns richten. Verlagsbuchhandlung von Julius Springer Berlin N,, MonbiJmipUtts :i. Buchhandlung für Naturwissenschaft und verwandte Fächer Berlin NW. 6, Luisenplatz 11 empfiehlt sich zur Besorgung von naturwis.senschaft- lichen "Werken und Zeitschriften. % Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten. » Beluifs anhaltender Verbindung wolle man sicli mit der Firma in Korrespondenz setzen. Soeben erscheint L. Deichmann's Astronomischer Chronometer. Patent in allen Kultur-Ländern. 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Bremer €igarren bei, die uir der freundUchen Beachtung unserer geschützten Leser auf das wärmste empfehlen. Redaktion: '" Dr. H. Potonie, , ' ■ Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. 111. Band. Sonntag', den 18. November 1888. Nr. 8. Abonnement: Man abonniert bei allen Biielibandlungen und Post- anstalteii, wie bei der Expedition. Der Vierteljaln'spreis ist Jl 3.— ; Bringegeld bei der Post 15 j extra. I Inserate: Die viergespaltene Petitzeile X\ -). Grössere Aufträge entsprecbenden Rabatt. Beilagen nach üebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist mir mit vollständiger <{uelleiiaiijjal>e gestattet. Ueber Richtungen und Ziele der mikroskopisch-botanischen Forschung. Von S. Schwendener. (Fortsetzung:.) I Icli komme jetzt zur anatomisch - pliysiologi- sclien Riclitung-, die man in gewissem Sinne aueli wohl die telcologisclie nennen kann. Ilir liegt in der Tliat in wesentliclien Punkten dieselbe Thatsache zu Grunde, welche schon der Teleologie des Altertums vorschwebte und die insbesondere für die Betrachtung des mensch- liciien Organismus und seiner Gewebe, der „partes simi- lares", lange Zeit massgebend blieb. Dass sie auch heute noch, einem viel reicheren Material gegenüber, ihre volle Berechtigung hat, kann im Ernste nicht bezweifelt wer- den; die Gegenwart verlangt höchstens eine .strengere Begründung der angenommenen Zweckdienlichkeit. Trotz- dem ist diese Riclitung im Gebiet der Pflanzenhistologie erst in neuester Zeit zm- Geltung gekommen, erfreut sich nun aber einer um so rascheren Förderung ihrer Auf- gaben. Gestützt auf den Nachweis, dass die ver- gleichende Betrachtung des Pflanzenskelettes nur dann zu einem tieferen Verständnis fülirt, wenn die Eigenart des Baues und der Anordnung einzelner Teile auf die Principien der Festigkeitslehre zurückgeführt wird, hat die anatomisch-physiologische Forschung der Reihe nach die verschiedenartigsten iiewebe in analoger Weise nach Gründen der Zweckmässigkeit zu deuten gesucht, und sie ist nocli fortwährend bestrebt, überall den Zusammen- hang zwisclien Bau und Function aufzudecken. Inwieweit diese Bestrebungen bereits zui'erlässige Resultate erzielt haben, will ich hier nicht untersuelien. Nur soviel mag anzudeuten gestattet sein, dass im all- gemeinen eine delinitive Lösung der einsciiiägigen Fragen stets um so leichter gelingt, je näher sich dieselben an bekannte technische Probleme anschliessen und je genauer die Vorgänge bekannt sind, die sich im gegebenen Object abspielen. In Bezug aul das voi'hin erwähnte Skelett der Pflanzen ist beispielsweise einleuchtend, dass es den Ansprüchen auf Zug- und Biegungsfestigkeit nur genügen kann, wenn es den von der Mechanik hierfür aufgestell- ten B-idingungen entspricht. Hier bewegt sich also die Forschung auf einem festen Boden, den ihr die techni- schen Wissenschaften bereitet haben. Die Pflanze kon- struiert zweifellos nach denselben Regeln wie die In- genieure, nur dass ihre Technik eine viel feinere und vollendetere ist. .Ta man darf dreist behaupten, dass, wenn auf andern Weltkörpern ähnliche Organismen vorkommen wie auf der Erde, die statischen Bedingun- gen der Festigkeit auch bei diesen in übereinstimmender Weise erfüllt sein müssen. Ebenso sind die Eigenschaften der wasserleitenden Gewebestränge, insbesondere der sogenannten Gefässe und Tracheiden, in mancher Hinsicht verständlich, d. h. den bekannten Bedingungen rationeller Konstruktion ent- sprechend gebaut. Man begreift z. B., dass luft- oder wasserfülirende Röhren, welche dem oft sehr beträcht- lichen Drucke der umgebenden Gewebe ausgesetzt .sind, eine gewisse Wanddicke besitzen oder aber diircli vor- springende Leisten verstärkt sein müssen, um diesem Drucke widerstelien zu können. Ein Sjiiial- oder Netz- gefäss mit seinen nach innen vorspringenden Verstei- fungsfasern ist im Grunde ähnlich gebaut, wie eine Kaut- 58 Natiu-wissenscliaftliclie Woclienschrift. Nr. 8. scliukröhre mit eingescliobener Drahtspirale und eben daium verständlicli. Man begreift ferner, dass alle diese wasserführenden Röhren durch besondere Verkehi'swege mit den benachbarten Parenchym-Zellen kommunizieren, weil aus diesen das Wasser einströmt, welches jene Röh- ren fortleiten sollen. Damit sind indessen die Einzel- heiten im anatomischen Bau der Leitgewebe noch keines- wegs erschöpft, und es darf nicht verschwiegen werden, dass manche derselben ihrer Bedeutung nach nur man- gelhaft oder gar nicht eiforscht sind. Der Mikroskopiker hat hier mit dem Uebelstand zu kämpfen, dass seine Präparate ihm nur die stai'ren Zellwände und den ruhen- den Inhalt, aber nicht die im Leben vorkommenden Be- wegungen zeigen; auch handelt es sich meist um Ein- richtungen und Vorgänge, für welche die Hydraulik keine Parallelen bietet. Aehnliche Lücken begegnen wir auch in der Lehre von den grünen, assimilierenden Geweben, welchen be- kanntlich die für das Pflanzenleben charakteristische Funktion übertragen ist, aus unorganischem Material organische Verbindungen hei'zustellen. Da dieser Prozess sich nur unter Mitwirkung des Lichtes vollzieht und überdies von der Thätigkeit der grünen Körner abhängt, welche in Mehrzahl die Innenfläche der Zellhaut beklei- den, so ist damit alleixlings eine sichere Handhabe für das Verständnis der Lage und des Baues assimiliei-ender Gewebe gegeben. Es ist vor allem einleuchtend, dass eine ausgiebige Verwertung des Lichtes im allgemeinen nur möglich ist, wenn diese Gewebe an der belichteten Oberfläche der Organe, d. h. unmittelbar unter der Epi- dermis liegen. Die Bedeutung der Wandfläche für die arbeitenden Chlorophyllkörner lässt ferner gewisse Foi'm- verhältnisse der Zellen, wie z. B. die einspringenden Palten oder unvollständigen Scheide\\-ände begreiflich erscheinen. Denn diese Faltenbildung ist hier oft'enbar eines der Mittel, welche die Pflanze zur Anwendung bringt, um die verfügbare Wandfläche zu vergrossern; es ist dasselbe, welches bekanntlich auch im grossen, in Ausstellungsräumen, Kunstgaleiien etc. eine vollständi- gere Verwertung des Raumes gestattet. Erwägt man ferner, dass die im gi'ünen Gewebe entstandenen Assimilationsprodukte den ableitenden Ge- fässbündeln, in Blattorganen den sogenannten Rippen und Adern zufliessen müssen, um von diesen nach den Verbrauchs- und Speicherungsstätten befördert zu wei'- den, so erscheinen auch die continuierlichen Zellenzüge, welche von der Oberfläche nach den tiefer liegenden Leitbündeln convergieren, dem Zwecke der Abfuhr ent- sprechend gebaut. Man sieht überdies ohne weiteres ein, dass die zahlreichen Luftlücken, welche das grüne Ge- webe durchziehen, die angedeuteten Abfuhrwege nirgends unterbrechen dürfen. In all' diesen Punkten liegt dem- gemäss die Beziehung zwischen Bau und Funktion offen zu Tage. Das Assimilationsgewebe bietet aber andei'erseits noch Besonderheiteu und Gegensätze genug, die bis jetzt eine definitiv abschliessende Deutung nicht erfahren haben. Wir kennen z. B. die bereits ei'wähnten Umgestaltungen, welche es unter dem Einfluss des Wüstenklimas eileidet; ^\•ir sind aber nicht im stände, die biologische Nützlich- keit derselben vollständig zu übersehen. Aus diesen Andeutungen geht wohl zur Genüge hervor, dass die anatomisch-physiologische Forschung sich mit Problemen befasst, die zwar selten einer erschöpfen- den, aber doch immer einer teilweisen Lösung fähig sind und die innerhalb bescheidener Grenzen eine solche auch schon gefunden haben. Und mit dieser teilweisen Lö- sung ist schon viel gewonnen; sie für die sämtlichen Gewebe und lokalen Veranstaltungen anzustreben und nach Umfang und Tiefe mehr und mehr zu vervollkomm- nen, wird voraussichtlich noch lange eine ernste und dankbare Aufgabe bleiben. Eine dritte Forschungsrichtung, die aber bis dahin nur mit isolierten Untersuchungen über sehr verschieden- artige Dinge hervorgetreten ist, kann als die mecha- nisch-physikalische bezeichnet werden. Sie strebt die höchste Erkenntnisstufe an, welche auf naturwissen- schaftlichem Gebiete möglich ist: die Erkenntnis des causalen Zusammenhanges. ^Vber leider haben sich bis jetzt nur wenige Charakterzüge, sei es der äussei'en Ge- staltung oder des inneren Baues der Pflanzen, so weit gehenden Bestrebungen zugänglich erwiesen; es sind meistens solche, für welche das Vorhandensein von Di'uck- und ZugÄ'irkungen oder von hydrostatischen Gleich- gewichtserscheinungen von vorn herein wahrscheinlich war, wo es sich also nur darum handelte, diese Wirkun- gen sicher zu konstatieren und nach bekannten mecha- nischen Pi'inzipien zu verfolgen. Die ersten Untersuchungen dieser Art lieferte vor etwa 30 Jahren Nage 11 in dem bekannton Wei'ke über die Stärkekörner, indem ei' die vorwiegende Einlagerung neuer Substanzmoleküle in der Richtung des Schichten- verlaufes als die Ursache radialer Zugspannungen hin- stellte und diese letzteren mit der Vermehrung der Schichten beim Wachstum in einen kausalen Zusammen- hang brachte. Die angenommene Einlagerung (Tntus- susception), von welcher die Darstellung ausgeht, wurde allerdings nicht direkt beobachtet, sondern aus verschie- denen Thatsachen erschlossen und darum von Anderii auch schon bestritten; die daraus abgeleiteten Spannun- gen aber sind wirklich vorhanden und es lässt sich be- weisen, dass sie unter Umständen mit mathematischer Notwendigkeit zur Schichten- oder Lamellenbildung füh- ren müssen. Insofern ist die Nägel i' sehe Wachstums- theorie Schritt für Schritt streng physikalisch durch- geführt und eben deshalb den neueren Appositionshyiw- thesen weit überlegen. Zu den Vorkommnissen, über welche mechanische Studien vorliegen, gehören ferner die Verschiebungen, welche im Gewebe der Baumstämme dui'ch die Spannung der Rinde entstehen, sobald das Wachstum in die Dicke auf einer Seite voi'wiegt, hier also breitere Jahri'inge Nr. 8. Naturwissenscliaftliche Wocliensclirift. 59 erzeugt. In diosoni Falle ist niüiilicli auch die ixiude auf dieser bevorzugten Seite stärker, auf der entgei,^^!- g-esotzten selnviielier gesiiannt, und infolgedessen werdi'U die radialen Zellreihen des noch in der Ausbildung be- gritienen Holzes nach den Orten stäikerer Spannung hinüboi-gezogen. Eine ähnliche gesetzmässigc Ablenkung sti'ahlenförraiger (iewebelamellen findet statt, wenn zwei dicht nebeneinander stehende IJäume sich gegenseitig di'ücken und endlich venvaciison oder wenn eine Wurzel sicli durch die Spalte einer Mauei- drängt und unter dem fortwährenden Drucke derselben allmählich dicker wird. In beiden Fällen — und in manchen anderen verwandter Art — entstehen Kurvensysteme, welche einer streng mathematischen Behandlung fähig sind. Ebenso ist es gelungen, die Stellungsverhältnisse seitlicher Organe zum Teil auf mechanische Prinzipien zurückzuführen. Die älteren Autoren, welche vor etwa 50 Jahren dieses wichtige Gebiet dei- Morphologie zum ersten Mal grundlegend behandelten, hatten sich aus- schliesslich auf die Darlegung der geometrischen und arithmetischen Beziehungen beschränkt, wie sie an Tann- zapfen, Sonnenblumen und ähnlichen Objekten hervor- treten. Die Kausalitätsfi'age wurde dabei nicht einmal gestreift, weil sie dem Gedankeng-ange jener Forscher durchaus ferne lag. Heute wissen ^\'ir, dass die merk- würdigen Zahlenverhältnisse, dei'en Kenntnis wii' diesen älteren Arbeiten zu verdanken haben, durch mechanische Momente bedingt sind und dass alle Stellungsänderungen, die wir z. )!. an dei' Sonnenblume von den ersten 151att- gebilden des Embryos an bis zu den zierlichen Spiralen der Fruchtscheibe beobachten, sich in einem durch den Kausalnexus bestimmten Geleise bewegen. Durch dieselbe Betrachtungsweise, angewandt auf (Ue Quellungs- und Austrocknungserscheinungen der Zell- membran und auf die hydrostatischen Druckwirkungen des Zellsaftes, sind auch die mannigfachen Vorgänge der Samenausstreuung, die Krümmungs- und Drehbewegun- gen hygroskopischer Pfianzeuteile, sowie das Oeffnen und Schliessen der Stomata, dieser Regulatoren der Luft- cirkulation, in ein klareres Licht gestellt worden. Hier liegt es übrigens in der Natur der Dinge begründet, dass die mikroskopische Forschung nicht selten in die experimentell-physiologische hinübergreift oder von dieser unterstützt wird. Das laufende Jahr hat uns endlich beachtenswerte, wenn auch vielleicht nicht mit der nötigen Strenge durch- geführte Versuche gebracht, welche darauf abzielen, die Wandbildung in den Zellen mit den Gesetzen in Be- ziehung zu bringen, welche die Physik für die Tren- nungslamellen in einem System von Seifenblasen oder Flüssigkeitstropfen aufgestellt hat. Die beiden luhalts- partien, welche sieh als werdende Zellen voneinander absondern, würden sich hiernach verhalten, wie ein Oel- und ein Wassertropfen von entsprechender Grösse, wenn man sich dieselben im Lumen der Mutterzelle zusammen- gepresst denkt. Für solche Flüssigkeitstropfen gilt nun abi'r ilei' Satz, dass ihrr lli-rühruiigslläche unter allmi limständen eine Fläche rainimae areae ist. In einem würfelförmigen Raum müsste dieselbe folgei-ichtig , so lange die beiden Troiifen g-leich oder doch nicht ungdeich sind, einer Seite des Würfels parallel verlaufen. Ist dagegen der eine dieser Tropfen viel kleiner als der andere, so wird die Grenzfläche notwendig ein Cylindei- quadrant, dessen Axe mit einer Würfelkante zusammen- fällt, und im extremsten Fall zum Achtel einer Kugel- flache mit einer Würfelecke als Centrum. Tn gleichei- Weise würde also auch die neu entstehende Wand in der lebenden Zelle je nach Umständen bald geradlinig mitten hindurchgehen, bald in bogenförmigem Verlauf eine Kante oder Ecke abschneiden. Wenn sich diese Betrachtungsweise bewährt, so ergeben sich hieraus für die Veränderungen, welche die Pflanze im Verlaufe der Generationsieihen eifalnen kann, nicht unwichtige Schlüsse. Dann würden nämlich ge- wisse Zellteilungen, welche für den Aufbau der Organi- lange Zeit typisch bleiben, plötzlich nach einem andern Schema erfolgen können, obgleich die Form und Gr(issen- veriiältnisse der Organe sowohl wie der einzehien Zellen nur ganz allmähliclie Uebergänge zeigen. Demg'eraäss wäre fortan die Möglichkeit eines sprungweis(Mi Tyiicn- wechsels in Bezug auf Zellteilung-svorgäuge nicht mein- von der Hand zu weisen und der alte Spruch „Tiatura non facit saltus" hätte für die Stammesgesclüchte nur noch bedingte Geltung. Es wäre voreilig über diese Bestrebungen jetzt schon ein bestimmtes Urteil fällen zu wollen ; nur das Eine ist allei'dings vorauszusehen, dass die bleibenden Erfolge sich nui' auf einen Teil der betreifenden Vorkomnniisse und stets nur auf diejenigen Eigenschaften des Plasmas beschränken werden, welche dasselbe mit beliebigen leb- losen, flüssigen und halbflüssigen Substanzen gemein hat. Die eigentlichen Lebensvorgänge, wie z. B. schon dir Differenzierung des Zellinhaltes in zwei gesonderte Tropfen, dann die komplizierten Erscheinungen der Kernteilung und die Entstehung der Zellhaut bleiben nach wie vor unaufgeklärt, und täusche ich mich nicht, so sind alle Bemühungen, die mechanisch-physikalische P.etrachtung auch auf diese Gebiete auszudehnen, zur Zeit von vorn- herein als verfrülit und darum als fruchtlos zu be- zeichnen. Viel grösser als die Gefahr fruchtlost'r Anstrengun- gen ist übrig'ens in solchen Fragen tliejenige der Selbst- täuschung. Wer ein klar erfasstes Ziel durch ernste Arbeit zu erreichen bestrebt war, dann abt'r auf Schwie- rigkeiten stiess, die er als unüberwindbar erkannte, hat dabei zum mindesten eine wertvolle Einsicht gewonnen, und die Fachgenossen werden es ihm danken, wemi er seine Erfahrungen zur Kenntnis .Aller bringt. Wei- dagegen die vorhandenen Schwierigkeiten g-ar nicht sieht und am Ende Alles erldärt zu haben glaubt. ■\\ähren(l er im Grunde nur unverstandene Vorgäng-e beschreibt, wird die mechanisch -phys' kaiische Forschung sowohl auf 60 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 8. experimentellem als auf mikroskoiii.schem Gebiet elier zu verwirren als zu fördern im stände sein. So ist es z. B. eine offenbare Selbsttäuschung-, wenn man die Veränderungen in der Gewebestrulitur, welche durch äussere Einflüsse induciert werden, einfach als die Wirkungen dieser letzteren hinstellt und damit den ver- boigenen Causalnexus enthüllt haben will. Zwar sind es allerdings Wirkungen, die man beobachtet; aber zwischen ihnen und der zugehörigen Ursache liegt das ganze Räderwerk des Organismus, eine lange Reihe von unbekannten Zwischengliedern, deren Ineinandergi'eifen unserem Denken somit völlig entzogen bleibt. Wenn also die Pflanze auf einen äussern Anstoss in bestimmter Weise reagirt, so seilen wir blos diesen letzten Effekt eines im übrigen geheimnisvollen Spiels, das Endghed einer langen Reihe von Erscheinungen; aber niemand kann sagen, wie die kausale Verkettung zwisclion Anfang und Ende beschaften ist. Untersuchungen der angedeuteten Art sind daher nicht der kausal erklärenden, sondern der konstatie- renden Physiologie zuzuweisen. (Schluss folgt.) Ueber Ptomaine. Von Dr. M. Bragarrt. forschung in Der bedeutende Aufschwung, den die Baktorien- den letzten Jahrzehnten genommen, die grosse Bedeutung, welche die kleinsten Lebewesen bei Infektionskrankheiten besitzen, veranlassten viele Natur- forscher und Mediziner, sich näher mit der Präge nach der Art ihrer Wirkung zu beschäftigen. Sie könnten als Krankheitserreger auf zweierlei Weise wirken: entweder rein mechanisch, indem sie die von ihnen be- setzten Gewebsteile von der Ernährung absperren, oder aber chemisch, indem durch ihren Lebensprozess dem Organismus nötige Stoffe entzogen oder für ihn schäd- liche gebildet werden. Letztere Ansicht bricht sich neuerdings immer mehr Bahn, besonders seitdem Beweise für ihre Richtigkeit durch chemische Untersuchung der Stoifwechselprodukte der Bakterien beigebracht wiu'den. Dass die Bakterien ausserhalb des Organismus cliemische Reaktionen hervorzurufen im stände sind, ist längst bekannt. In dieser Hinsicht brauclit nur an die Fäulnis erinnert zu werden, welche bei Ausschlus von Bakterien unmöglich ist, ferner an die schleimige Gährung, die Buttersäure- und Milchsäui'egährung, an die Umwand- lung von Ammoniak in Salpetersäure in der Ackererde, von inaktiver in Linlismandelsäure u. a. m. Daher wird der Gedanke nicht zurückzuweisen sein, dass auch innerhalb des Organismus durch die pathogenen Bakterien cliemische Umsetzungen stattfinden; dass aber die ent- stehenden Reaktionsprodukte nicht ohne Eiiifluss auf die normalen Lebensvorgänge sein werden, ist schon a priori sehr wahrscheinlich. Die Entstehung giftiger Stoffe bei der Fäulnis tierischer Substanzen ist keine neue Thatsache. Das Leichengift, Wurstgift u. a. gehören zu den Fäulnis- protlukten der Eiweissstoft'e. Aus in Verwesung be- griffenen Leichen sind viele alkaloTdähnliche Stoffe ex- traliiert worden, welche, Tieren eingespritzt, toxische Wirkungen hervorrufen. Eine ganze Reihe von Autoren hat sich mit den diesbezüglichen Erscheinungen beschäftigt, doch stützen sich ihre Angaben über die Existenz der betreuenden Gifte nur auf Reaktionen und physiologische Versuche. Eine Isolierung der Körper, ihre Reindar- stellung in krystallisierter Form ist lange Zeit als nebensächlich betrachtet worden. Erst Nencki hat eins dieser Fäulnisprodukte, denen Selmi den Namen „Ptomaine" (von rö n-nußa = der Leichnam) beigelegt hat, rein dargestellt. Er erhielt aus faulender Gelatine einen Körper, der als identisch mit dem Gollidin, Cg Hl] N, erkannt wurde. Gautier und Etard erhielten durch Fäulnis von Fischfleisch Parvolin und Hydro- collidin. Diese Körper sind keineswegs solche, die man nur durcli Fäulnis tierischer Substanzen erhalten kann. Sie sind auch synthetisch dargestellt worden, stellen Derivate des jetzt als Denaturierungsmittel für Alkohol benutzten Pyridins dar, und kommen neben diesem im Knochenoele vor. Seit den Arbeiten von Gautier und Etard hat sich die Litteratur über Ptomaine sehr vermehrt. Die bemerkenswertesten Beiträge zur Kenntnis derselben lieferte Brieger in Berlin. Er ver- öffentlichte über den Gegenstand mehrere Abhandlungen, in denen er über seine eigenen, teils rein chemischen, teils physiologischen Versuche berichtete und ein aus- führliches Verzeichnis der einschlägigen Litteratur lieferte. Aus faulenden, tierischen Substanzen, wie Fibrin, Fleisch, Fischen, Käse, Leim, menschlichen Leichen hat er eine Menge von teilweise giftigen, alkalisch reagierenden Substanzen isoliert. Das Verdienst, diese in reiner, soweit als möglich kiystallisierter Form dargestellt zu haben, ist um so höher anzuschlagen, als sich bei ihrer Darstellung ungeheure Schwierigkeiten entgegenstellen. Die Ausbeute ist zunächst eine so geringe, dass man gezwungen ist, sehr beträchtliche Mengen Roh- material in Arbeit zu nehmen. Die leichte Zersetzbar- keit der Basen viu'bietet es, bei ihrer Isolierung starke Reagentien anzuwenden, da man dann zu Produkten kommen würde, die keineswegs durch Fäulnis, sondern aus den Fäulnisprodukten durch Einwirkung der Reagen- tien entstanden sind. Nur durch successive Fällungen mit Quecksilber-, Platin-, Goldchlorid, Phosphoiniolybdänsäure und Extraktion mit Alkohol lassen sich Erfolge erzielen. Ein bei der Herstellung der PflanzenalkaloTde vielfach zur Extraktion benutztes Lösungsmittel, der Amylalkohol, darf hier nur nach sorgfältiger Reinigung des käuflichen be- nutzt werden, da dieser selbst pyridinähnliche Basen ent- hält, die zu Täuschungen Veranlassung geben würden. Die erhaltenen Leichenalkalo'i'de stehen den Pflanzen- alkaloiden hinsichtlich ilirer Konstitution fern, wenn auch eine Reihe von Reaktionen beiden gemeinsam ist. Nr. 8. NatiirwissenscliaftliclH* Wocliensclirift. fil Wälircnd die. niitiiiiiclim AlkiiloTdc iir()iiiiitis(;lio \'erliiii- (lunj,'-en, meist Derivate des Pyridins und C'iiinolins sind, geliöron die Fäuinisprodnkto in der Melnzaid der Fett- reihe an. Unter sich sind in clieniischer Jiinsiclit die Ptomaine kiiineswegs zusainniengfehörig. Einige sind läng'st bekannte Körper aus der Fetti'eihe, teilweise von sein' einfacher Konstitution, wie z. )'>. das von ürieger aus faulenden Dorschen isolieite. Aethylendiamin, das Diniethylamin, 'fiiinetliyhiniin, Triaethylaniin; andere, wie das Gadinin, Neuridin, Putiescin sind synthetisch noch nicht dargestellt. Bei der Verschiedenartigkeit ihrer Zu- sammensetzung können allgemeine Grui)penreaktionen nur in beschiänktem Masse auftreten. Für alle Ptonia'ine geltende Reaktionen, wie sie von Boutmy und Brou- ardel, ferner von AVefers, Bettink und van Dissel an- gegeben wurden, konnten winler von Gautier noch B rieger bestätigt werden. Nach alledem umfasst der Begriff „Ptomaine" nicht eine Klasse von Körpern, die hinsichtlich ilirer Konstitution zusammengehören, sondern nur hinsichtlich ihrer Entstehung und Bedeutung für den tierischen Organismus. Eins der am regelmässigsten bei der Fleischfäulnis auftretenden Ptomaine ist das Neuridin Briegers. Es ist in Form des salzsauren und Platinchloriddoppelsalzes dai'gestellt worden, die beide gut krj^stallisieren und sich zur Analyse eignen. Diese ergab die Formel Cr, H14 N2. Die Salze geben mehrere der gewöhnlichen AlkaloTdreaktionen. Versuche, die Hase aus ihiem Chloride rein darzustellen, führten zu keinem Resultat. Man erhält dabei gelatineähn- liche Massen von spermaähnlichem Geiuch, die sich äusserst leicht zersetzen. Das reine Neuridin ist völlig ungiftig. Es ist gleichfalls bei der Fäulnis von Fischfleisch, Leim und Käse gefunden worden. Da es auch aus frischen Eiern und frischem menschlichem Gehirn isoliert werden kann, so wird es wahrscheinlich eine wichtige, bis jetzt noch nicht aufgeklärte Rolle im Stofl:wechsel spielen. Im Gegensatz zu Neuridin ist ein heftiges Gift eine von B rieger gefundene Base, die sich als identisch mit dem Neurin erwies. Katzen werden durch wenige Milligramme getötet, während Kaninchen und Meer- schweine die Giftwirkung viel eher überstehen. Die Wirkungen des Neurins gleichen denen des Muscarius aus Fliegenpilzen und gefaultem Fischfleisch. Als äusserst wirksames Antidot bewährte sich Atropin. Seiner chemischen Konstitution nach steht das Neurin sehr nahe dem Cholin, einem Spaltungspiodukt des im Körper sein- verbreiteten Lecithins, und dem Mus- carin. Die Beziehungen der drei Substanzen zu einander veranschaulichen die Formeln: (CH3)3 I (CH3)3 . CH2. CH2. OH N J CH2. CHO ( OH ( OH Cholin Muscarin Das sehr giftige Neurin entsteht also aus dem viel weniger giftigen Cholin durch Abspaltung von 1 Molek. H2O. Aus faulendem Doi'schfleisch (Gadus callarias) erhielt N CI ( {CH3)3 N CH = CHo ( OH Neurin P>ricgcr das schon synthetisch dargestellte Aethylen- diamin, Ca H4 (NH2)2, H2O, das Muscarin, beides hej'tige Gifte, und das unschädliche Gadinin von unbekannter Konstitution. Durch die Feststellung dieser Zersetzungs- jirodukte des Fischfleisches erklärt sich die Thatsacho, dass verdorbene Fische giftig wirken und schon oft Anlass zu Massenerkiankungen bei Küstenbewohnern gegeben haben. Ein abschliessendes Urteil über die Ptomaine der Fisclifäulnis ist bis jetzt aber noch nicht zu fällen. 0. Bocklisch, der ßrieger's Unter- suchungen foi'tführte, fand neben den erwähnten noch einige andere Ptomaine, nämlich Cadaverin, Putrescin (s. unten!) und Methj-lamin. Diese Kör-per sind kainn giftig, während die aus faulenden Fischen erhaltene Lauge stark giftig wirkt. Es scheint, dass die vorhan- denen Gifte einerseits durch die üblichen Fällungsmittel nicht gefällt werden, andererseits während der Versuche sich zersetzen. Die Mutterlaugen der einzelnen Kry- stallisationen enthalten sehi' giftige Substanzen, aber in so kleiner Menge, dass sie bis jetzt nicht isoliert wei'den konnten. Bekannt sind die Wirkungen von verdorbener Wurst und zei-setztem Käse auf den Organismus. Diese Nahrungsmittel verdanken ihre Schädlichkeit darstell- baren Giften. So erhielt Hilger aus den Leichen von 7 an Wurstgift verstorbenen Personen einen Körper von curarcähnlicher W^irkung, Vaughan aus giftigem Käse, durch dessen Genuss 300 Personen erkrankt waren, ein krystallisiertes Ptomain, das Tyrotoxicon. Auch die erschreckende Massenvergiftung, die in Wilhelrashafen 1885 durch Genuss von Miessmuscheln hervorgerufen wurde, ist auf Vorhandensein eines Ptomains in den be- treffenden Muscheln zurückzuführen*). Das Miessmuschel- gift, Mytilotoxin, Co H15 NO2 entsteht im Körper der Miessmuschel infolge einer Krankheit, die der Aufenthalt der Tiere in unreinem, stauendem Wasser erregt. Eine genaue Beachtung seitens der forensischen Chemie erfordern die Ptomaine, welche- durch Fäulnis menschlicher Leichen entstehen, die eigentlichen LeichenalkaloTde. Die Uebereinstimmung mancher ihrer Reaktionen mit denen natürlicher Alkaloide könnte bei Giftmordprozessen zu den schwerwiegendsten Ver- wechslungen Anlass geben, wenn der Gerichtschemiker sich damit begnügen wollten, in Extrakten und noch unreinen Krystallsirupen aus den Leichen auf Grund qualitativer Reaktionen Pflanzenalkaloide anzunehmen. Er ist vielmehr gezwungen, reine chemische Individuen darzustellen und diese auf ihre charakteristischen Merk- male zu prüfen. Sonnenschein und Zülzer waren die ersten, welche (1S69) aus verschiedenen Macerations- flüssigkeiten von Leichen einen alkaloidähnlichen Körper erhielten. Dieser Entdeckung folgte eine Reilie ähn- licher. Man fand in faulenden Leichen digitalin-, coniin-, nicotinähnliche u. a. Alkaloide. Bei allen diesen Ent- *) Veigl. „Naturwissenschaft!. Wochenschrift" Bd. I, S. 183 11. I3d. II, S. 55. 62 Naturwissenschaftliche Woclienschrift. Nr. 8. deckungen war es aber keineswegs gekingen, selbst nicht Selrai, welcher viel über den Gegenstand arbeitete, wohl chai-akterisierte Körper herzustellen. Die erhal- tenen Gadaveialkaloule waren mehr odei- minder durch andere Hubstanzen, wie Kali- und Ammoniaksalze, Peptone u. a. verunreinigt. Daher rühren wahrschein- lich die von vielen Autoren diesen Ptomainen zu- geschriebenen gemeinsamen Reaktionen her. Bei reinen Körpern konnte Bi'ieger solche nicht auffinden. Dieser Autor hat gi'osse (^)uantitäten menschlicher Leichenteile (Lunge, Herz, Leber, Milz, Magen, Dick- und Dünn- darm) verschieden lang in lose bedeckten Fässern faulen lassen und daraus die Ptomai'ne entzogen. Ihre Menge wächst mit zunehmender Fäulnis; ihre Bildung wird be- günstigt durch Zufuhr von Sauerstoif oder Luft. An- fangs treten die schon bekannten auf, nämlich Cholin, Neuridin, Trimethylamin; dann erscheinen einige neue Ptomaine : Cadaverin, Ca Hi4 N2 (von Ladenburg später als Pentamethylendiamin, NH2. (Chlik. N?h erkannt) eine mit Wasserdämpfen flüchtige, coniinälmliche Base, welche gut krystallisierende Salze bildet; das Putrescin, C4 H12 Na (wahrscheinlich dimethyliertes Aethylendiamin) im freien Zustande eine wasserklare Flüssigkeit von spermähnlichem (lieruche, endlich das Saprin von der Zusammensetzung des Cadaverins. Alle diese zuerst auftretenden Ptomai'no sind physi(jlogisch wenig wirk- sam; nur Cholin und Trimethylamin wirken in grösserer Menge giftig. Sehr heftige Gifte entstehen erst im weiteren Verlauf der Leichenfäulnis, nach wenigstens siebentägiger Vei'wesung. Diese Gifte konnten leider nur teilweise isoliert werden, da sie einerseits nur in sehr kleinen Mengen auftreten, andrerseits leicht zer- setzt werden. Erst nach viei'zehntägiger Fäulnis war eins von ihnen in hinreichender Menge vorhanden, um seine Platinchloriddopiielverbindung darstellen und physio- logische Experimente vornehmen zu können. Von viel iieftigerer Wirkung auf den Organismus als dieses, vor- läufig noch nicht genauer analysierte, ist ein zweites Ptomain, das Mydalei'n, (von ßuäaXiog = durch Nässe verdorben) welches, soweit aus dem beschränkten Material festgestellt werden konnte, ein Diamin ist. Es ist ein heftiges Gift. 5 mg einer kleinen Katze eingesiiritzt, bewirkten Pupillencnveiterung, Thränen- und Speichel- fluss, profuse Diarrhöen und Erbi'echen, Schweiss, Lethargie, Paralyse der Extremitäten, dann krampfhafte Zuckungen der Bauch- und Rückenmuskeln, endlich Athemnot und Tod. Bei sehr langsamer Verwesung, ohne erhebliche Sauerstoffzufuhr und bei niedriger Temperatur erhielt 1? rieger neben Cadaverin und Putrescin ein giftiges Ptomain, Co H14 NO2 und nicht giftiges Mydin, CsHnNO (von ßuMat = faulen.) Aus [Pferdefleisch konnte unter denselben Umständen isoliert werden ein sehr giftiger Körper, C17 H17 NO2, der sauer reagieit, also kein eigent- liches Ptomain ist, dann das mit ähnlichen aber lang- sameren Wirkungen ausgestattete Mydatoxin und das giftige Methylguanidin, C2 H7 N3. Durch die Reindarstellung aller erwähnten Verbin- dungen ist der Nachweis geliefert, dass die Fäulnis- bakterien giftige Substanzen aus normalen tierischen Ge- weben zu erzeugen im stände sind. Von besonderem Interesse ist es, diejenigen Körper kennen zu lernen, welche durch den Lebensprozess der pathogenen Bak- terien entstehen. Dahin zielende Versuche stellte Brieger in der Weise an, dass er Reinkulturen von pathogenen Bakterien auf Fleisch einwirken Hess und nach einiger Zeit nach seiner Methode die Basen zu isolieren suchte. Die Versuche blieben nicht erfolglos. So gelang es dem erwähnten Forscher, durch vierzehntägige Einwirkung von Koch-Ebertir sehen Typliusbacillen auf Fleischbrei gif- tiges Typhotoxin C7H17NO2 zu erhalten, welches Tiere in einen lähmungsartigen, lethargischen Zustand versetzt. Auch die Tetanusbacillen, welche den Wundstarr- krampf (Tetanus), den gefürchtetsten Feind aller Chi- rurgen hervoi'i'ufen, verursachen ihre gefürchtete Wirkung durch Bildung eines Ptomains. Brieger hat sowohl durch Einsaat dieser Bakterien auf Rindfleisch, als auch direkt aus einem amputierten menschlichen Arm ein giftiges Ptomain, das Tetanin C13 H30 N2 isoliert. Die Wirksamkeit dieser Base wurde bei Mäusen, Kaninchen und Meerschweinchen geprüft, und die Erregung von Wundstarrkrampf konstatiert. Zu den Stoffwechsel- produkten der Kocli'schen Kommabacillen, den Cholera- erregern gehören neben Cadaverin und Putrescin Methyl- guanidin und eine Base Ca Hs N2, beides Krampfgifte, fei'ner Ti'imothylamin und eine nicht analysierte Base, welche die Versuchstiere unter stetiger Herabsetzung der Temperatur tödtet. Auch aus anderen pathogenen Bakterien die be- treffenden Gifte zu erhalten, sind von verschiedenen Autoren Versuche angestellt worden, die noch nicht zu definitiven Resultaten geführt haben. Die Versuche haben eine grosse Bedeutung, in theoretischer sowohl als späterhin auch in praktischer Hinsicht; in theoretischer insoweit, als durch sie dargethan wird, dass durch die pathogenen Bakterien im Körper chemische Umwäl- zungen hervorgerufen werden, welche die iüldung von specifischen Giften zur Folge haben; in praktische!', als es einmal möglich sein wird, Antidote gegen die ] Bakteriengifte aufzufinden, wie man deren gegen andere Gifte besitzt. In Ijcziehung zu den Ptomainen stehen die von Gautier als Leucomaino bezeichneten Körper. Während die Ptomaine an der Fäulnis von Protein- Stoffen ihren Ursprung nehmen, entstehen jene bei ge- wissen, unter Sauerstoffmangel stattfindenden physiologisch normalen Zerlegungen eiweisshaltiger Gewebsteile. Sie sind nahe verwandt dem Kreatinin. Gautier isolierte das Xantho-, Cruso- und Amphikreatinin, ferner Pseudoxanthin und einige, andere basische Körper, deren Formeln noch nicht festgestellt sind. Nr. 8. Naturwissensi'liaftliclio Wochcnsclirifl. r,.-i Kleinere Mitteilungen. Einige Notizen über das fossile Vorkommen von Helix pomatia in Deutschland.*)- )Iili\ [loiuatia, dii' Wciii- lii'rj^sclini'i'Ui', wird ;uis iiiidnrri'n 'riitlal)l:ij;('niiif^t'ii Süd- und Mitfid- dcutscldands als Mitg-lied di^r lirtretrciulcu Fauna angeführt, so ans Cannstatt bi'i .Stiittü'art, ans dem von Tanliacli und IJurytonna bei Weimar, sowie einigfen Tnrtal)lai;ernnf;en des JMainthales (naeli Sandberg'er). Diese letzteren sind nacli Sandlierg-er's Any-alien ziemlicli jungen Datums (Verli. der phys.-nied. (ies. zu AVürzburg, XIX, Nr.!), 18S(I): dagegen geliiiren die liefrcllenden Ablagerungen von Cannstadt, Taubaeli, und liurglonna der Diluvialzeit an; naiiienflich interessant ist es, dass A. l'ortis die Helix jioniatia bei Taubaeli gesammelt hat, wo Rhinoeeros Mer(d andere abg-eruiulet spatelförmig' und scharf- schneidig zu wählen ist. Weiterhin sind namentlich zur Anfertigung von Querschnitten durch junge Früchte u. dergl. ein scharfe.^ Verlag von Julius Springer in Berlin N. "Elemente der Botanik voll Dr. H. Potonie. Mit 539 in den 'l'cxt ^cdnicliti-n Aliliililung-eii. Preis: Mk. 2,80, gebunden Mk. 3,60. Inhalt: Eiiil'iilinuif;. — Morpholugii-: 1. Ürundbi-^jiiffe, •^. EiilwicUe- lungageschiclite, 3. Aeussere aiiedeimig iler Pflanzen, 4. Anatomie (Haiit- svstem Skelrttsyst.em, Alisür|itionssysteni, Assiinilationssyslein, LeiluiiKS- s'vst,-iii Siieiühersystem, Dnrclilüftungssyste.m, Sekret- iiiul ExUretbi^lialter, Koitiiflanzungssystem). — Physiologie. — Systematik. — AufzaliUing und Be.-iclii-eibung- der widitigsten Pdanzen-Abteilungen und -Arten. Pflanzen- geograpliie — Palaeontologie. — Ptlanzenki-ankheiten. — Oeschiclite der Botanik. .— Register. Illustrierte Flora von Nord- und Mittel-Deutschland mit einer Einführung in die Botanik VCJll Dr. H. Potonie. Unter Mitwirkung von Prof. Dr. P. Ascherson (Berlin), Dr. G. Beck (Wien), Prof. Dr. R. Caspary (weil. Prof. in Königsberg), Dr, H. Christ (Basel), Dr. W. 0. Pocke (Bremen), J. Freyn (Prng!. Prof. E. Hacke! (St. PoliL-n). l'rof. C. Haussknecht (Weimar), Prof Dr. G. Leimbach (Arn- stadt) , Dr. F. Pax (Breslau) . Prof. Dr. A. Peter (t'.ottiiigen), Prof. Dr. L. Wittmack (Berlin). Prof. A. Zimmeter (Innsbruck). Dritte wesentlici) vermehrte und verbesserte Auflaye. r.L>U Seiten gr. 8« mit -tüö in <\ni 'i'i'xt geilniektrn Abljilduiinen. Preis Mk. 5,—. Eleg. gebunden Mk. 6,—. ^'¥»- [lUij Potiinir''3 Illustrierte Flora ist, ttotz des billigen Preises, die voll- ständigste aller Floren des IJebiets; sie ist die erste, die iiberbaupt das Leben und den Innern Bau dei- Pflanzen beliandelt lial und sie ist die ein- lie eine ausfülirliilo Pdanzengcographie des Celiii Is lirhiL;f zige, .1. I41öiiiie A in. Mäiillor Berlin NW., Luisenstrasse 49. . Werkstätten lürHcrstellnnLi- von .Mikrtiskoiini und ndkr Präparaten. 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O. f g " 3 "W2 j "^ ©' , » ;S BT ' g < " w g §■ m o o, 2 - - o » « « o » crtn s" -s OB oa ^ S •i O ,^1 er o- a. i g. g! Sfe » <» • = a p Uli 1^1"' "3- » © p! 3 S5 n» r "_ 3 Lehrreiche von mir nach Prof. Rosenbusch u. Prof. Credner geordnete und zu- tanmienge.stellte Gesteins-Sammlungen • Thüiingens LI, angp. Gebirge liefere ausf;ewählt von i 60 Arten zu 10 Olark, 120 Arten zu 25 Mark inel Mulzkäsren, Ver- purkiiiiL;' iniil liescliveili, ICaUiiog Für die Schuljugend ' .sind die kleinen Sammlungen (3ü, Arten in eleg. Holztaclierkästen zu 5 Mark) selir nützliche und praktiselie (i eschen ke. Herrn. Braun. Geologe in Thal i. TJiüv. \V1\ PATENT besoret und verwerthDt in allen Landern, aüch fertigt (n eigener Werkstatt VI o E> e: I-iIuEU Alfred Loreutz Xaclif. BERLIN s.w., Linclensti-. 67. (Prpspecte gratis). Blirsanimlungeii für Unter- richtszwecke aus dem (iesanit- gebiete der /uo- liigie u. 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Der Vierteljahrsin-eis ist Jt ö.— ; <äSt entspreclienden Rabatt. Beilagen nach üebereinkunft. luseraten- Bringegeld bei der Post 15 4 extra. • JL annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abtlrnck iist nur mit volli!>tiin«li<;er <^iiellenaiigalic gestattet. Prshew Vor wenigen Tagen übermittelte der Telegi-apli die weite lvroi.se scliiiierzlicli berührende Kunde, dass einer der l)edeutendsten For.schung.sreisenden der Gegenwart, der russische General Prshewalski, dem Tode erlegen ist. Er starb in Karakol am 1. November dieses Jahres, im 49. Lebensjahre, als er sich eben anschickte, eine neue wohlvorbereitete und aussichtsvolle Expedition an- zutreten, die ihn bis in das Herz von Tibet, nach Lhassa, dem Wohnsitz des Dalai Lama, führen sollte. Sein Tod ist ein schwerer Verlust für die geographische Erfor- schung Tnnerasiens, der er sein Leben gewidmet hatte. Was Stanley für Afrika ist Prshewalski für Oentral- asien gewesen; seine ausgedehnten Reisen haben uns weite Gebiete erschlossen, von denen wir vordem keine odei' höchst unvollkommene Kenntnis besassen. Nicholas Michailowitsch Prshewalski wurde im .hihre 1839 im Gouvernement Smolensk geboren, wo- selbst sein Vater, der aus einer altpolnischen Familie stammte, ein Gut besass. Nachdem er seine Schulbil- dung auf dem Gymnasium in Smolensk erhalten hatte, trat er in die Militäracademie von St. Petersburg ein. Auf seinen Wunsch erhielt er im .Talire 1S67 eine An- stellung in Ost-Sibirien, die ihm (ielegenhoit gab, seine lebhafte Neigung für naturwissenschaftliche und geogra- phische Forschungen zu bethätigen. Nach zweijährigem Aufenthalte daselbst kehrte er nach St. Petei'.sburg zurück und bearbeitete die Ergebnisse seiner Beobachtungen in einem wertvollen Werke über das Ussurigebiet, das rei(;h ist an trefflichen Naturschilderungen, aber nur in russi- .scher Sprache er.scliienen i.st. — vSo war Prshewalski für die folgend(Mi grösseren Unternehmungen aufs beste alski f. vorbereitet. Auf Empfehlung der Geograpliischen Ge- sellschaft in St. Petersburg wurde er im .Lahre ;1S70 mit der Leitung einer Expedition in das nördliche China betraut, welche volle drei Jahre in Anspruch nahm. Am 29. November verliess er Kiachta, um sich zuerst mit seinen Begleitern Lieutenant Mich. Pylzow und 2 Kosacken, auf der Po.ststrasse durch die Mongolei nach Pecking zu begeben und hier von der chinesischen Regierung die Erlaubnis für den Besuch der entfernteren Provinzen des himmlischen Reiches zu erwirken. Nach einem zweimonatlichen , vorzugsweise ornitliologischen Beobachtungen gewidmeten Abstecher nach dem Dalai- Nor (Nor-See) in der südöstlichen Mongolei, brach die Expedition von Kaigan nach Westen auf, durchzog die Provinz Kansu, die Länder am Kuku-Nor und das nörd- liche Tibet bis zum Oberlauf des Van-tse-Kiaug, wo die völhge Erschöpfung der geringen Geldmittel, über welche Prshewalski zu verfügen hatte, zur Rückkehr nötigte. Trotzdem waren die Ergebnisse dieser Reise sehr bedeutende. Im ganzen waren 11100 Werst zurück- gelegt worden, vondenen 5300 durch Compa.ssaufnahinen festgelegt wurden. Mehrere innerasiatische Gebirgszüge wurden zum ersten Male in ihrem Verlaufe bekannt. Ausser zahlreichen meteorologischen, phj'Sikalischeu und ethnologischen Beobachtungen brachte die Expedition sehr reiche naturhistorische Sammlungen heim, 130 Felle von Säugetieren, 1000 Vogelbäige, 70 Reptilien, über 30000 In- sekten, gegen 4000 Pflanzen. Schon im .Talire IS?.*) erschien das von Prshewalski bearbeitete Reisewerk, welches bald auch ins Engli.sche und Deutsche*) übei-- tragen wurde. 66 Natm'wissenschaftliche Woclienschrift. Nr. 9. Im Jahre 1876 trat Prsliewalski eine neue Reise au, deren Ziel die Erforschung- der westlichen Dsclumg-arei und des in mystisches Dunkel gehüllten innerasiatischen Salzsees, des Lop -Nor, war. Am 11. Februar 1877 erreichte er diesen See, den er stark versumpft fand; dann wandte er sich nach Südwesten, in das hohe Schnee- g-ebirgc des Altj-n-Tag'. Auch von dieser Reise, deren Ergebnisse er in den Verhandlungen der russischen Geo- graphischen Gesellschaft beschrieb (deutsch in Peter- manns Monatsheften, Ergänzungsheft Nr. 53) brachte er interessante Aufschlüsse über Land und Leute und reiche Sammlungen heim. Anfang Juli 1877 war Prshewalski von dieser Reise nach Kuldscha zurückgekehrt, Ende August desselben Jahres brach er bereits zu einer neuen auf. Doch erlitt dieselbe ein vorzeitiges Ende dadurch, dass der Reisende in der Dscliungarei, in Gutschen er- krankte und auf russisches Gebiet zurückkehren musste. Immerhin ist auch diese kiu'ze Reise nicht ei'gebnislos gewesen; besonderes jlufsehen erregte die Entdeckung einer wilden Pferdeart, welche die öden Sandwüsten der Dschungarei bevölkert, des Kei'tag der Kirgisen. Von dem Academiker Poljakow wurde dieses Pferd als Equus Prshewalskii beschiieben. Im Frühling von 1878 hielt der Reisende sich in St. Petersburg auf; von der Berliner Geographischen Gesellschaft wurden seine Verdienste durch die erst- malige Verleihung der grossen Humboldt-Medaille, im März 1878, anerkannt, auch fehlte es ihm nicht an anderweitigen Auszeichnungen. Der unermüdliche Rei- sende plante jedoch schon wieder grössere Unterneh- mungen. Nachdem er im Sommer 1878 sich auf seinem Landgute erholt hatte, brach er am 1. Februar 1879 zu einer neuen Expedition von St. Petersburg auf, deren Dauer auf 2 Jahre bestimmt war, und für welche die russische Regierung 29 000 Rubel ausgesetzt hatte. Das Ziel dieser Reise war die Erforschung des unbekannten Innern von Tibet; als Begleitung hatte der damalige Oberst Prshewalski 2 Offleiere, 3 Soldaten, 3 Kosacken, einen Praeparator und einen Dollmetscher. Am 2. April überschritt die Expedition bei dem Grenzposten Saissansk die chinesische Grenze, wandte sich dann über Bulun- tochoi am See Ulungur nach Barkul, überschritt den Thian-schan, und zog dann durch weite Wüsteneien nach Sa-tscheu, das im äussersten Westen der Pi'o\inz Kansu am Fusse hoher Schneeberge, des Nan-schan, der Fortsetzung des Altyn-Tag, liegt. Nach Ueber- schreitung dieses Gebirges ging es durch die bereits auf der ersten Reise berülu'te Sumpflandschaft von Tsaidam in das Hochland von Tibet, das er nach Uebei'steigung der Steilwand des Burchan-Buda erreichte. Der Weiter- marsch durch das wilde Gebirgsland war äusserst be- schwerlich; nicht nur die Schrecknisse der Natur, auch die argwöhnische und feindselige Haltung der Eingebo- renen traten den kühnen Reisenden liindernd entgegen. *) IMe Mongolei und das Land der Tanguten, bearbeitet von Kohn, Jena 1877 Bei Ueberschreitung des 16800' hohen Tanla- Gebirges wurden sie von nomadischen Tanguten übeifallen und nur der Ueberlegenheit ihrer -chnellfeuerndeu Berdan- gewchre verdankten sie ihre Rettung. Schliesslich ver- sperrten ihnen, als sie nur noch 250 Werst von Lhassa entfernt waren, tibetanische Truppen den Weg. Ver- geblich waren J^)itton und Drohungen, sowie eine An- frage in Lhassa; es wurde geantwortet, das tibetanische Volk wolle keinen Russen bei sich einlassen. Schwei'en Herzens musste sich Prshewalski zur Rückkehr ent- schliessen. Da der Winter bereits hereing-ebrochen war, erlitt die Expedition bei dem Rückweg durch das tibe- tanische Hochland die g'rössten Beschwerden, doch wiu'de im Januar 1880 glücklich Tsaidam wieder erreicht. Von hier wandte sich Prshewalski nach dem Kuku-nor; im Früh- jahr 1880 durchforschte er das Quellgebiet des gelben Flusses. Der zahlreichen tiefen Schluchten wegen, welche das Plateau durchsetzen, konnte er nur mühsam vordiingen, dafür entschädigte ihn der ausserordentliche Reichtum an Pflanzen und Tieren, den er hier vorfand. Ein blauer Fasan, der erst in wenigen Museen Europas zu finden ist, lebt hier scharenweise, und die Rhabarberstauden erreichen daselbst eine ausserordentliche Grösse. Bei der Einmündung des Tschurmyn-Flusses sah er sich zur Umkehr genötigt, da er mit seinen Lasttieren in dem öden, weidelosen Gebii'gslande nicht weiter vordringen konnte ; über Alaschan und Urga kehrte er nach Iviachta zurück, am 16. .lanuar 1881 langte er nach zweijähriger Abwesenheit in St. Petersburg an. Wieder hatte Prshewalski von dieser Reise eine Fülle neuer Beobachtungen und reiche naturhistorisclie Sammlungen heimgebracht. Bald erschien auch, im Jahre 1883, ein grosses, reich ausgestattetes Reis -werk, unter dem Titel: Von Saissan durch Chami nach Tibet und dem Oberlauf des gelb .'u Flusses, das auch eine deutsche Bearbeitung gefunden hat.*) Noch in demselben Jahre trat Prshewalski seine vierte grosse Reise an, auf der er besonders die Quellge- biete des Hoangho und Yantsekiang zum Gegenstande seiner Forschung machte. Auf dieser Reise hatte er viel unter der Ungunst der Witterung zu leiden, noch im Mai hatte er 23 " Kälte und im Juli Schneetreiben. Am Yantsekiang wurde er mehrmals von Räuberbanden an- gefallen, doch kehrte er glücklich nach 272Jähriger Ab- wesenheit im Januar 1886 nach St. Petersburg ziu'ück, woselbst er am 10. Februar in einer Festsitzung der geographischen Gesellschaft einen Bericht über diese Reise abstattete. Welches reiche Material diese vier Reisen Prshe- Avalski's für die Erforschung der Natur Innerasiens ge- liefert haben, wurde am deutlichsten durch eine Gesamt- ausstellung seiner Sammlungen gezeigt, welche in der Akademie von St. Petersburg statt hatte. 700 Exemplare von Säugetieren waren in derselben vertreten, darunter *) lleisen in Tibet und am oberen Lauf des gelben Flusses, bearbeitet von Stein-Nordlieini. Jena 1884. Nr. !). Niitur'wisspiiscliaf'tliclif Woclu'iisclirid. r,7 (las wilde Kaind, tla.s wilde l'i'cid, das Bergscliaf, ver- scliiedene l'.aicii und andere i,Tüs.sere Tieie, über 5000 yöf,'-el, eine grosse Zahl von Insekten, l'tianzen und andei'(^s mehr. Wenn wir es auch beklagen müssen, dass der vorzeitii;-e Tod l'rshewalski's seinen ferneren auf die Erforschung' Asiens geiic-liteten i'länen ein Knde niaciite, so dürfen wir es doch noch als ein (iliick ansehen, dass er in den kiuzen Ruhepausen zwischen seinen Reisen die nötige Müsse fand, die lOrgebnisse derselben muster- haft zu verarbeiten. Dadurch zei(;hnete er si(;h vorteil- haft vor seinem Jjandsmanne, dem berühmten (aiinea- Reisendon Miklucho-Maclay*), aus, de.ssen Tod wir gleichfalls in diesem Jahre betrauerten, dessen Verlast um so emi)findliclier war, als er mitten in der Aus- arbeitung seiner Reiseeigebnisse abgerufen wurde. Dr. Aurel Krause. *) Vergl. Natur w. Wocliwiscln-. lad. II S. l.')I. Ueber Richtungen und Ziele der mikroskopisch-botanischen Forschung. Von S. 8 c:h wenden er. (.Sohluss.) I Der mechanisch -phj^siologischen Hichtunt^ schliesst sich die chemisch-physiologische an. iiu'e Aus- gangsimnkto bilden vorzugsweise die Thatsaclien der Ernäin-ungsphysiologie , in deren l')ereich zum grossen Teil auch die zu lösenden Aufgaben gehören. Was die Chemie über die notwendigenden Nährstoffe, über Ent- stehung, Umbildung und Wanderung der organischen Verbindungen von Theodor de Saussure bis auf Liebig- und die Gegenwart festgestellt hat und ferner- hin feststellen wird, soll durch das Eingreifen der Bo- tanik nach verschiedenen Seiten gefordert, vertieft und erweitert werden. Die Anwendung des Mikroskops ge- stattet nämhch die Behandlung von Fragen, welche für die makrochemische Untcisuchung- unzugänglich sind, deren Förderung überdies ohne fachmännisch-botanische Schulung kaum möglich wäre. Die chemisch -physiologische Forscliung hat denn auch bereits in manchen Fragen der Mikroskopie be- merkenswerte Resultate aufzuweisen. Sie hat die her- kömmlichen Ansichten über die Rolle des grünen Farb- stoffes bei der Kohlenstoff-Assimilation erschüttert, die Oxidationsvorgänge in der lebenden Zelle direkt beob- achtet und die Beziehungen beider Prozesse zum Licht einer schärferen Kontrolle unterzogen; .sie hat ferner die Erscheinungen des Stoffwechsels und der Stoftwan- (lerung in den (ieweben selbst verfolgt, die chemischen Eigenschaften der Zellhäute und des Zellinhaltes genauer ermittelt, für die Sperraatozoen der Moose und Farne die Abhängigkeit der Bewegungsrichtung von bestimmten chemischen Reizen nachgewiesen und Anderes mehr. Und doch sind die Mittel, über welche diese Forschungs- richtung vorfügt (obschon sie gelegentlich auch zur Rüst- kammer der Pliysik ihre Zuflucht nimmt), einstweilen noch ziemlich dürftig und unvollkommen. Ihre künftige Entwicklung wird daher in erster Linie von der Aus- bildung der niikrochemisehen Methoden, mittelbar aber auch von den Fortschritten der organischen Chemie ab- hängen. Noch wäre zur Vervollständigung der Ziele, welche die botanisch -mikroskopische Forschung der Gegenwart verfolgt, eine g-rösserc Zahl von Arbeiten zu berücksich- tigen , welche den bis dahin besprochenen Richtungen nicht angehören und daher besondere Abzweigungen bil- den. Die einen dei'selbeii beziehen sich auf das gross(! Gebiet der Kryptogamenkund(^, dieser unerschöpflichen Fundgrube neuer Formen und Lebensbeziehungen, andere auf die Entwicklung und die feinere Anatomie der Zelle und ihrer Inhaltsgebildo, wieder andere auf die physi- kalischen Eigenschaften der org-anislerteu Verbindungen usw. Da jedoch alle diese Richtungen nur die unmittel- bare Fortsetzung von älteren bilden, Avelehe bis in die vierziger und dreissiger Jahre zurückreichen, so mag es genügen, hier auf einige neue, besonders beachtenswerte Resultate hinzuweisen. Specielle Erwähnung verdienen vor AUem die von Botanikern und Zoologen ausgeführten Untersuchungen über Kernteilung, weil sie die Gestaltungsvorgänge der Zelle von einer ganz neuen Seite beleuchten und Tier- und Pflanzenreich auch in diesem Punkte durch ein ge- meinsames Band miteinander verknüpfen. Obschon in Bezug auf Kausalverhältnisse völhg unaufgeklärt und in den Einzellieiten auch teleologisch unverständlich, lassen die erhaltenen Ergebnisse, kombiniert mit denjenigen über Befruchtung, doch deutlich genug erkennen, dass nur bestimmte Teile des Plasmaleibes als formbestim- mende Einrichtungen aufzufassen und dass nur diese bei den Wachstums-, Vererbungs- und Befruchtungsvorgängen aktiv beteiligt sind. Von erhebliciier liedeutung ist ferner die Beobach- tung, dass der plasmatischo Inhalt lebender Zellen, ob- gleich anscheinend durch Cellulosemembranen ringsum abgeschlossen, dennoch mit demjenigen der Nachbai-zellen mittelst feiner Fäden in Verbindung steht. Das Plasma der Gewebe bildet also in Wirklichkeit ein zusammen- hängendes Netzwerk, in welchem die von einem belie- bigen Punkt ausgehenden Reize sich ähnlich, wie im Nervens}'stem der Tiere, ibrtpflanzen können. Wie das geschieht, wissen wii' ilarum freilich noch nicht; aber fih- unsere Vorstellung ist doch wenigstens die Scinvic- rigkeit einer tausendfachen Unterbrechung- der leitenden Substanz durch heterogene Wände aus dem Wege ge- räumt. Bezüglich der Membranbildung i.4 drittens konsta- tiert worden, dass die Cellulosehaut in vielen Fällen 68 Natiinvissenschaftliche Wodiensclirift. Nr. f). durch Neubildung- von LamoUen \ora Plasma aus an Dicke zunimmt, so z. B. bei manelien 15ast- und Holz- fasern, bei den Steinzelleu des Parencliyms u. a. Die Bedeutung dieser Vorkommnisse, welche auf den ersten l>lick allerdings der traditionellen Lehi'e vom Wachstum durch Intussusception direkt zu widersprechen scheinen, wurde indess von manelien Autoren nicht strenge genug abgewogen. Sie beweisen bei näherer Prüfung viel \\'eniger als man anzunehmen geneigt war. Denn da die neugebildeten, tapetenartig übereinander gelegten La- mellen selbst wieder eine messbare Dicke besitzen, so ist mit dem Nachweis der Einschaciitelung die eigent- liche Wachsturasfrage, d. h. die Alternative, ob für die Dickeuzunahme homogener Schichten Apposition, wie s. Z. Mo hl lehrte, oder Intussusception im Sinne Nägeli's anzunehmen sei, noch keineswegs erledigt, und soweit die Sachlage jetzt schon ein Urteil gestattet, sind dem so zuversichtlich unternommenen und heute noch fort- dauernden Ansturm gegen die Nägeli'sche Auffassung mehr als partielle Erfolge nicht in Aussicht zu stellen. Endlich sei mit wenigen Worten noch des Auf- schwunges gedacht, den die Kenntnis der Krjqjtogamen im allgemeinen und der kleinsten Organismen im l)eson- deren genommen hat. Die mikroskopische Forschung hat nicht blos die Systematik der Thallophyten, der Algen, Pilze etc. bereichert und teilweise umgestaltet, sondern auch die Kenntnis der allgemeineren Lebensverhältnisse dieser Gewächse, unter Anderem der Bezielumgen nie- derer Parasiten zu gewissen Krankheiten der Pflanzen und Tiere, mit rastloser Energie weiter gefördert. Es ist nui' eine Folge diesei- konzentrierten Thätigkeit auf einem zugleich pi-aktisch wichtigen Gebiete, wenn sich in neuester Zeit die Biologie der Bakterien, dieser wenn auch dem Menschen gefährlichen Krankheitserreger, zu einer selbständigen und umfangreichen Disciplin erhoben hat, die ihren besonderen Fachmann verlangt. Auf ihrem Boden haljcn l>otanik und Medizin, dei'en Wege ja sonst mehr und mehr getrennt verlaufen, wieder ein gemein- sames Arbeitsfeld gefunden. Soll ich zum Schlüsse das Ergebnis zielien, so hat die botanisch-mikroskopische Forschung, ganz abgesehen von den moi'phologisch-systematisclieu Studien, die Er- scheinungen des Lebens und die körpeiiichen Apparate, in denen sie ihi'cn Verlauf nehmen, nach den verschieden- sten Riclitungen untersucht und ist dabei je nach der Na- tur des Gegenstandes hier zu einer höheren, dort zu einei' weniger hohen Erkenntnisstufe vorgedrungen. Einige Vor- gänge sind mechanisch - physikalisch erklärt, zahlreiche liistologische Eigentümlichkeiten der Gewebe in Bezug auf statische oder dynamische Leistungsfähigkeit als zweckmässig und rationell erkannt, die chemisclien Pro- zesse in der Pflanze wenigstens teilweise erforsclit und die unverstandenen Differenzierungen im l'lasma und in der Zellhaut soweit als möglieh analysiert, iiezüglicli der letztgenannten Lebensäusserungen ist freilich durch die analysierende Beobaclitnng weiter nichts erreicht, als dass sie uns kleinste körperliche Gebilde und deren Be- wegungen vor Augen fülu't, also gleichsam einen fjlick in das Innere der Maschinerie gestattet, die wir gesetz- mässig ar'beiten sehen, ohne den Mechanismus derselben im geringsten zu kennen. Aber wie die Ijctrachtung einer beliebigen Ma- schinenthätigkeit selbst dem Laien die Vernuithung nahe legt, dass jeder Teil der Maschine einen bestimmten Zweck erfüUe und dass umgekeln-t jede Kraftäussei'ung von einer hierfiü' bestinmiten köi'perlichen Vorrichtung ausgehe, so drängt sich auch dem Mikroskopiker fast unwillkürlich die Ansicht auf, dass die Plasmagebilde, die er bei den Gestaltungsvorgängen beteiligt sieht, eben- solche Apparate \on bestinnnter Konstruktion darstellen oder, wie man zu sagen pflegt, eine eigenartige Organi- sation besitzen. Diese eigenartige Organisation des Stoffes wird alsdann — so kann weiter gefolgert werden — stets nur eine dieser Eigenart entsprechende Be- wegung gestatten, und diese Bewegung muss ihrerseits wieder eine fortlaufende Organisation des neu hinzu- kommenden Stoffes bedingen. Organisation und Lebens- prozess erscheinen von diesem Standpunkte aus innig miteinander verknüpft, und es ist undenkbar, dass im Entwicklungsgange des ludi\iduums irgend ein Schritt stattfinde, der nicht durch die gegebene Ordnung des Stoffes meclianisch bewirkt würde. p]s giebt in diesem Vorstellungskreise keine Wirkungen ohne Ursachen. Und wie der Keim, von dem die Entwicklung ausgeht, so verhält sich auch derjenige, der sich von der fertigen Pflanze ablöst, um zu einem neuen Wesen hei'anzu- wachsen: er erbt den geordneten Stoff und überträgt damit die geordnete BeAvegung auf das neue Individuum. Und so fort von Geschlecht zu Geschlecht, jedoch immer mit kleinen Variationen, die im ganzen eine aufsteigende Tendenz verraten. So wäre denn die ganze Entwicklung des oi'gani- schen Lebens im Grunde lun' ein kausales Geschehen, durch welches die individuellen Erscheinungsformen gleich- sam von Stufe zu Stufe zu immer i'eicherer Ausgestal- tung emporgefühii werden. Dass solche, dem Kausalbedürfnis entgegenkom- mende Voi'stelhuigen eine gewisse ]]erechtigung haben, kann um so weniger bestritten werden, als dieselben sich unmittelbar an die beobachteten Bewegungen und Forraveränderungen kleinster Teilchen im lebenden Plasma anlehnen. Wir dürfen aber doch nicht vei'gessen, dass Vorstellungen noch keine Thatsachen und keine Erkenntnisse sind und dass in Wirklichkeit sovvold die Natur der Kräfte, welclie die belebten Inlialtsgebilde erregen, wie das Ineinandergreifen der molekularen Kon- struktionsteile gänzlich unbekannt ist. Wollen wir also den Anforderungen mechanisch-piiysikalisclier Forschung gerecht werden und jede Selbsttäuschung vermeiden, so ist das Geständnis uuabweishch, dass diese strengere P>etrachtungsweise in Bezug auf die Lebenser'sclieinungen im Plasma noch keine Erfolge erzielt hat. Nr. 9. Natiii'wissensdiaftliclie Wochenschrift. 69 Alici' solleil \\'ir (Icsluill) ili'ii Mut. vcrlici'cii udcr uns über die Lücken unseres Wissens mit naturpjiilosophi- sclicn RcdonsartcMi liinwoi,'tiiusclion? iCeinos um üeideii. Die niikroskoiiischc Forscliunp kann mit J!elVic'di;^uny zurückblicken auf eine an Krlbii^en reiche Vergangenheit und darum auch mit Ziiversiclit Jiinaus in die Zukunft. ,T(^ klarer sie die vorhandenen Hchranken (M'kennt und je strenger sie ihr Augenmerk nur dem 10rreicld)arcii zuwendet, desto zuverlässiger sind die Resultate. Was sie iireisgiebt an weltumfassenden Ideen und an locken- den (iebilden der Phantasie, wird ihr reichlich ersetzt durch den Zauber der W'irklielikeit, der ihre Schöpfun- gen sciiraüukt*). Darum geht sie ruhigen iStrebens ihren Weg, wolil wissend, dass sie das höchste Ziel nie ganz eiToicht, aber sicher, ihm stetig näher zu rücken. Un- bekümmei't um Dinge, die der Verstand doch nicht zu erfassen vei'mag, lässt sie sich genügen an dem T'ewusst- scin, der Wissenschaft eine fortschi'eitende Entwicklung zu sichern, in welclier dic^ Gewähr ewiger Jugend liegt. Und ist niclit fortschreitende Entwicklung das lieste, \\-as wir aucli sonst im Leben erstreben, was wir für Andere wünschen können? Zumal unseren jungen Kom- militonen wüsste ich zum IJeginn des Studienjalu'es kein schöneres Ziel aiizueiiiiifelilen, als das oben genannte: nicht ein bestimmtes, abgeschlossenes Wissen, sondern ein stetes Wachsen der Einsicht und der Geistesreife. Ich kann den (jlauben nicht nähren, dass in den Hör- sälen der Universität jene volle und unvcrhullte Wahr- heit verkündet wci'de, nach der wohl manches jugend- liclui (ieiiiüt in ahnungsvoller Jk'geistcrung dih'stet. Der Hauptgewinn der Universitätsbildung besteht in Wirk- lichkeit weniger in der Aneignung- einer gewissen 8ummc von Thatsaclien und Wahrheiten, wären sie auch nocli so bedeutungsvoll, als vielmehr in der iMzieliung des Geistes zu selbständiger Thätigkeit, durch welche wir die überlieferten Lehrmeinungen prüfen und sowulil fremde wie eigene Irrtümer überwinden lernen. Halten wir uns also in i)roduktiver wie i'eceptiver Geistesarbeit an erreichbare Ziele, stets zum Verzichte bereit, wo unsere Kräfte versagen, aber doch sejbst- bewusst emporsti'cbend zu immer höherer Ei'kenntnis, getreu der Devise: progrediamur. *) Vers:!, mit diesem Sat/. das Jluttn d(.'r \:itur\v. Wocliensclir. und die Korn'spondcnz der Redulitioii mir lli-rni l'nit'. .ScIiwl'ii- d eil er auf Seite 15 in lid. 11. Ued. Kleinere Mitteilungen. Das Farbenwahrnehmungsvermögen der alten Griechen. — 1. In dem interessanten Artikel des Dr. Keller, „Aus dem Siniies- leben der Tiere" in Nr. 5 und 6 dieses Bandes der „Naturwissen- schaftlielien Wdchcnscbrift" wird S. 37 die Ansieht einig-er Forscher, wonaeh dem Dichter (oder den Dichtern!) der liomerisclien Gesänge nur ein Ijeschräiilctes WalirnehmungsvermOg'en für die Farbenpracht der Natur zugelvoniraen sein sollte, gewissermassen als exakt be- wiesene Thatsache behandelt. Ein Dilettant in der Philologie und Naturwissenschaft, nämlich der englische Staatsmann Gladstone bat in einer besonderen Abhandlung (Der Farbensinn. Mit besonderer Berücksichtigung der Farbenkenntnis des Homer. Autoris. Uebers. Berlin 1888) diese Meinung am schärfsten betont. Dieselbe mag ja dem Freunde der Entwicklungslehre sehr plausibel erscheinen; es ist aber fraglich, ob sie einer ernsten Prüfung gegenüber Stand hält. Der Philologe B. Veckenstedt bat nun neuerding.s die streitige Frage zum Gegenstände einer von weiteren Gesichtspunkten ausgehenden Untersuchung gemacht. (Geschichte der griechischen Farbenlehre. Das Farben unterscheidungsvermügen. Die Farben- be/eichnungen der griechischen Epiker von Homer bis auf (^uintus Smyrnaeus. — Paderborn 1888.) Nicht weniger als 188 Farbeii- und Lichtbezeichnuiigen weist Veckenstedt bei den griechischen Epikern nach. Dieselben verraten zum Teil ein sehr hoch ent- wickeltes Vermögen der Farbeiiunter.scheidung, auf welches u. a. auch das schon früh aufgekommene Anfertigen zahlreicher Sorten Purpur und die gleichfalls aus sehr alter Zeit stammende Fälschung dieses kostbaren Stoffes hindeutet. Allerdings gehören von den Farbenbezeicbnungen 115 der minder brechbaren und nur 73 der brechbaren Seite des Farbeul)andes an. Hieraus darf man aber nicht schliessen , dass die G'egend von Grünblau bis Violett den homerischen Griechen wenig-er gut als die Gegend von Rot bis Gi'Uigriin bekannt gewesen wäre. Denn ein ultfranzösisches Epos (Chanson de lloland) enthält für jene Gegend nur fi, für diese 2-1 Farbenbezeicbnungen (Verhältnis 1 : 4), das Nibelungenlied 4, bezw. 20 Beziehungen (Verhältnis 1:5); diese mittelalterlichen Litteraturwerke, deren Verfasser man doch wohl den vollständigen Farbensinn nicht absprechen wird, betonen aber noch weit stärker die rote Spektralgegend als die griechischen Poesien (Verhältnis 3:5). Der Grund für diese Bevorzugung ist ästhetisch -physiologischer Natur. Die minder brechbaren Strahlen machen einen lebhaften Eindruck auf die Netzhaut, rufen mehr das Gefühl des Lichten hervor, als die Strahlen von kleiner Wcllenläng'e; sie sind daher vorzugsweise dem Gemüte des Dichters willkommen. — Wie vor- sichtig man die Farbenbeseichnungen längst untergegangener Ge- schlechter beurteilen muss, gebt schon aus vielen Ausdrüi-ken des jetzigen Lebens hervor, die trotz ihrer handgreiflichen Uiigenaiiigkeit von jedem gebraucht werden; z. B. Schwarzbrot, Weissbrot, Grau- brot, schwarze Wäsche, grünes Malz, grüne Häute. .J. Plassniann. 2. Die Ansicht, dass der menschliche Farbensinn sich erst in historischen Zeiten aus einfachen Antitngen entwickelt habe, ver- suchte Lazarus Geiger, gestützt auf .Sprachforschungen, 1867 ausfülirlich zu begründen. Er glaubte sich wegen des Felilens von Bezeichnungen namentlich für blau und grün in gewissen alten Werken zu der Annahme berechtigt, dass damals anch der Sinn für diese Farben gefehlt habe und dass in noch alterer Zeit über- haupt nur eine unbestimmte Vorstellung des Farbigen vorhanden gewesen sei. Dr. Ernst Krause (Carus Sterne) hat 1877 im , Kosmos" Gründe gegen die G ei ger'sche Meinung angegeben, deren Wichtig- keit uns zu einer Anführung derselben veranlasst. Nachdem er u. a. darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Farbeneinpfiiulung scliun bei den Tieren nachweislicli eine allgemeine und ursprüngliche, resp. eine sehr frühentwickelte Fähigkeit des Gesichtsorganes ist. sagt er: „Dass die Alten Erde und Bäume so selten grün und den Himmel noch seltener als blau bezeichnen, hat m. E. einen psyclio- logischeu Grund. Man vergesse nicht, dass die alten Scliriften meist unter einem ewig blauen Himmel, in einer immergrüiHMi Natur verfasst wurden, so dass es keinen Sinn gehabt haben würde, diese Beiwörter, selbst wenn sie e.xistiert hätten, immer im Jlunde zu führen. Wenn wir vom blauen Himmel reden, so ist blau ein Schinuckwort, ein sogenanntes Epitheton ornans, weil der Himmel bei uns trübe ist, und ebenso steht es mit der Bezeichnung des Brdbodens und Baumes, wenn wir sie grün nennen. Es ist übrigens obendrein unwahr, wenn Geiger sagt, in der Bibel werde nirgends der Himmel blau genannt. Es heisst z. B. von der Erscheinung Jahve's (2. Mos. 24. 10): „Unter seinen Füssen war es wie ein schöner Saphir und wie das Ausseben des Himmels, wenn es klar ist." Hier und an anderen Stellen wird doch ausdrücklich der Himmel als tief dunkelblau bezeichnet. Allein dieser Notbehelf (der Vergleich des Himmels mit dem Saphir) führt uns zu dem Kerne der Saclic. welcher psychologisch sehr interessant ist. Es scheint mir nämlich daraus hervorzugehen, dass unausgebildeten Sprachen die Farbenbezeicbnungen durchweg zu fehlen scheinen. In der That wird man bei genauerem Naclidenken linden, dass die Bezeichnung der einzelnen Farbentüne erst dringend wurde, nachdem man zu einem gewissen Kleider- und Wohnungslii.xus gelangt war. seitdem der Färber sein Amt begonnen hatte." H. P. 70 Naturwissenscliaftliclie Wocliensclirlft. Nr. 9. Weitere Mitteilungea über das Stepp anhuhn, Syrr- haptes paradoxus.*) — Barun A. v. Kriidener erliielt laut Mitteilung im „Znolof!-. Garten" (XXIX, 1888, S. 282) aus Saratow einen Syrrliaptes paradoxus, welcher als einziges, daselbst beobachtetes Exemplar seiner Art Ende März d. J. geschossen war. — Derselbe Beobachter fügt noch folgende Vorkommnisse dieses wandernden Vogels in Ost- Europa hinzu: Auf der Ostsee-Insel Oesel wurden auf Biacht'eldern zwei Flüge Steppenhühner von 10 — 15 Stück und noch einige Exemplare gesehen, von denen eins ge- schossen war. Dieses enthielt eine verhältnismässig bedeutende Menge Quarzsand und nur einzelne Grasspitzchen und Grassamen. In Livland wurden auf dem Gute Arras mehrere Exemplare beobachtet. Bei Charkow wurden am 22. April (alten Stils) 11 Stück erlegt. Ende Februar sind in den Orenburg'sehen Steppen Sch'wärme von vielen Hunderten erschienen, welche die Richtung nach Westen strenge einnahmen. In der Jagdzeitung „Der Weidmann" (XX. Bd. Dresden 1888 Nr. 4 S. 31) sind eine ganze Reihe von Fällen verzeichnet, wonach das Steppenhuhn in der letzten Zeit, August und September, in Ketten , welche zum Teil aus alten und jungen Tieren bestehen sollten, in Westpreussen, Pommern, Mecklenburg, Brandenburg. I'rov. Sachsen, jlähren, Bayern, Schweden und Rheinprovinz beobachtet worden. Auch über Nester wird berichtet. Dies diene nur zur Mitteilung. Wahrscheinlich werden bald die Gutachten von Sachkundigen uns über die Richtigkeit oder Unrichtigkeit dieser Angaben aufklären. Wie dasselbe Blatt 1. c. mitteilt, beschäftigte sich der Magde- burger Botanische Verein mit der Frage, welche Samenarten die Nahrung des Steppenhuhns bilden , und verschaffte sich die Kröpfe von in der Umgegend von Magdeburg erlegten Steppenhühnern. Die in den Kröpfen gefundenen und ausgesäten S.amen ergaben das Fennichgras (l'anicum filiforme) und zwei Arten Borstengräser (Setaria viridis und gl au ca.) Diese Gräser gehören der Flora sandiger Distrikte an und sind weit und breit in Deutschland heimisch. K. *) Vergl. „Naturw. Wochenschrift" Bd. III, S. 2 ff. u. 22. In der letzten Naturforscher- Versammlung referierte Prof Dr. J. Soyka in Prag über Reinkulturen von Pilzen auf einem neuen, festen Nährboden. Jeder, der sich mit derartigen Untersuchungen bescluiftigt, weiss, dass die Kartoffel keinen beson- ders geeigneten Nährboden darstellt, dass aber auch die als Ersatz benutzten Rüben. Früchte, Brod- und Kartoffelbrei noch weniger geeignet sind. Ein verlockendes Material schien der Reis zu sein, auf den sich wegen seiner schönen weissen Farbe die oft so charakteristischen aber feinen Farbennüancen leicht erkennen lassen. Nach einigen Versuchen ergab sich als zweckmässigste Bereitung des Nährbodens die Verwendung folgenden Verhältnisses : 100 Teile Reispulver werden mit 210 Teilen einer Mischung von 3 Teilen Milch und 1 Teil Bouillon versetzt. Alle Bestandteile werden vor dem Mischen sterilisiert, dann in einer Reibschale zum gleich- massigen Brei verrieben . in die dazu bestimmten Gläschen gefüllt und nochmals sterilisiert. Beim Erliitzen im Dampftopf erstarrt das Gemenge zu einer festen, homogenen Masse, die sich fest an die Gefasswände anlegt, eine schone glatte Oberfläche zeigt und nicht porös ist. Diese letzte Eigenschaft ist besonders wichtig. Erstens beschränkt sich das Wachstum fast nur auf die Impfstelle, wodurch allerdings die für manche Kultur so charakteristischen Ver- zweigungen etwas weniger prägnant werden. Dafür entwickeln siili aber auf dem Milchreis andere sehr scharfe Merkmale. Ab- geselieu von den feinen Farbennüancen erzeugen manche Pilze eigen- tümliche, scharf umschriebene Löcher in dem Nährboden, die senk- recht in die Tiefe gehen und sich bei verschiedenen Pilzen durch den Belag des „Ge.schwürgrundes" unterscheiden. Der Forschung ist somit eine neue Aufgabe in der Untersuchung der durch die Zerstörung des Nährbodens entstehenden Gase erwachsen. Der grösste Vorteil ist aber der, dass sich dieses Material durch mannich- lache Beimengungen leicht variieren lässt. Auf diese Weise kann man mit Sii'lieiheir die Wirkung verschiedener Stoffe auf die Pilz- entwicklung studieren und durch Färben des Bodens durch Kontrast- wirkung eine noch si-liärfere Unterscheidung der einzelnen Wachs- tumsformen erzielen Es unterliegt keinem Zweifel, dass diese Methode bald zu wichtigen Aufschlüssen führen wird. J. Lützen. TJeber das von dem Meeresspiegel reflektierte Bild di'r Sonne hat Ricco seit Juli 188Ö von der östlichen Terrasse des Observatoriums zu Palermo aus Beobachtungen angestellt und Photographien von demselben aufgenommen, welche zu allgemein- interessanten Ergebnissen führen. Das Wesentliche der Mitteilung Rioco's. die sich in den Comptes Rendus befindet, bestellt in folgendem. Wenn die Meeresoberfläche eben wäre, so würde man bei f. klarem Horizonte unterhalb des Segments oder der Scheihe der auf- gehenden Sonne im Meere ein zweites Segment oder eine zweite Scheibe erblicken, welche der wahren gleich und mit ihr in Bezug auf den Meereshorizont symmetrisch wäre. Dies sieht man aber in Wirklichkeit nicht. So lange das sichtbare Segment kleiner ist, als die Hälfte der ganzeii Scheibe, nimmt man vielmehr unterhalb dieses Segments nur eine geringe Depression der Linie des Meeres- horizonts wahr, die das reflektierte Bild des Segments darstellt (vergl. Fig. 1), das sich aber durch den grossen Glanz nicht von dem wahren Sonnensegment untescheidet. Dieses Segment ist viel schmaler als das Sonnensegment, nicht nur wegen der Krümmung der Erde, durch welche das Meer fast wie ein cylindrischer Spiegel wirkt, sondern auch, weil es nicht wirklich das Bild des Teils der Sonnenscheibe ist, den man von dem erhöhten Standpunkte aus sieht, sondern nur desjenigen Segments, welches von dem (Jrte der Meercsfläche , an welchem die Reflektion vor sich geht, sichtbar ist. ein Segment, welches eben wegen der Krümmung der Erde kleiner ist , da ein Teil davon verdeckt wird. ^-^1.^ Ist mehr als die Hälfte der Scheibe aus ( ^ dem Meere aufgetaucht, so ändert sich die ^- ^ Erscheinung (Fig. 2), da das reflektierte Bild, welches denselben horizontalen Durchmesser besitzt wie die Sonnenscheibe, an jeder Seite über die Sehne des Segments hervortritt bis zu den von den Rändern der Scheibe gefällten Vertikalen; man hat also etwa das Bild eines ß, dessen unterer Teil sich immer mehr ein- schnürt (Fig. 3). Wenn sich schliesslich die Sonne von dem Horizonte loslöst, so trennt sich das Bild von der Scheibe und bleibt in Form eines glänzenden .Streifens auf dem Horizonte (Fig 4). Dies dauert gewöhnlich so lange, bis der untere Rand der Sonnenscheibe sich bis zu ein viertel vertikalen Durchmessers über der Meereslinie erhoben hat. Dann verschwindet das Bild gewöhnlich, indem es sich mit dem über dem Meere ausgedehnten glänzenden Striche vermischt. Aber wenn das Meer vollkommen ruhig ist, sieht man das Bild deutlich langsam vorrücken und grösser werden, indem es eine mehr oder weniger regelmässige elliptische Form annimmt (Fig. 5), bis sich dasselbe endlich in dem blendenden Striche, der das Meer durchzieht, verliert. Diese Erscheinungen treten auch in wenig veränderter Form auf. wenn die Sonne hinter der Spitze einer kleinen Insel aufgeht; dagegen beobachtete Ricco ein derartiges Phänomen nicht mehr, wenn die Sonne z. B. hinter dem Aetna aufging, woraus mit Sicherheit zu scliliessen ist, dass man in jenen Erscheinungen in der That nur eine Wirkung der Reflektion des Wassers zu sehen hat Ricco macht am Schluss seiner interessanten Mitteilung, welche auch rechnerisch von Wolf bestätigt worden ist, darauf auf- merksam , dass bisher niemand auf diese einfachen Vorgänge ge- achtet habe, und dass namentlich die alten Astronomen darin kein Anzeichen von der Kugelgestalt der Erde erblickt haben. Es ist dies von neuem ein Beweis dafür, dass alltägliche Er- scheinungen gewöhnlich erst sehr spät Beachtnng und ihre Erklärung finden. Wie viele haben nicht mit Entzücken das grossartige Schau- spiel eines Sonnenaufgangs an der See betrachtet, ohne über die einfachen optischen Vorgänge nachzudenken? A. G 5. Ueber den Beginn der Beobaehtungsthätigkeit auf dem Mount Hamilton. — Am 12. Juli d. J. haben die regel- mässigen Beobachtungen auf dem Lick Observatorj' begonnen; das wissenschaftliche Personal besteht aus dem Direktor Prof. Holden und fünf anderen Astronomen, von denen besonders Herr Barnard, als eifriger und erfolgreicher Koraetenjäger, bekannt ist. Ein wie grosses Interesse dem neuen Institut in Amerika entgegengebracht wird, kann man daraus entnehmen, dass verschiedene Zeitungen von San I'ranzisko reich illustrierte Extranummern über diesen Gegen- stand gebracht haben, und dass vor kurzem ein Buch, betitelt „Führer zum Lick Observatory" erschienen ist, in welchem praktische Rat- schläge für die Reise zum Mount Hamilton erteilt werden. Auf die Leistungen der neuen Sternwarte, die jedenfalls be- deutende sein werden, kann man von emem Privatbrief'e des Prof. Holden an einen Herrn in San Franzisko schliessen. Wir lassen hier einen kurzen Auszug in Uebersetzung folgen. „Das Lick Observatorium hat seit kurzem sein Aussehen total verändert; am Abend sind alle Luken geöffnet und die verschiedenen Instrumente auf den Himmel gerichtet. Der Zweck zu dem die Sternwarte ge- stiftet und erbaut wurde — der Vervollkommnung der Wissenschaften Nr. 9. NaturwissenscliaftlicliH Woc-lienscliiifl. t'ürderlich zu sein — geht seiner Erfüllung' entgegen. Um llinen einige Vorteile unserer hiesigen fjage zu zeigen, möge tVilgentles angeführt werden: Prof. .Swift in Uochester besitzt einen guten seohzehn-ziilligen Uefraktor, mit dem er viele schwache Nehel ent- deckt hat. Vor zwei Nächten lieohaclitete ]iarnard einige dieser äusserst scliwierigen Olijekte und fand in einem fii^siclitsf(^lde, wo Swift nur einen Nebel verzeichnet hatte, deren drei, obgleich unser zwölf-zidliges Fernrohr nnr etwa halb so lichtstark ist als jenes in uochester. Dieser Erfolg ist nicht nnr der Oeschicklichkeit des Beobachters und der Schärfe seines Auges, sondern zum grossen Teil auch di'r lleinheit und Duichsiclitigkeit ilcr Luft auf dem iMoiint Hamilton zu verdanken. Die Astronomen des Ostens halii'U die iieobachtung des Olber- sohen Konic^ten aufgeg(d)en, da er nur noch ungel'ähr 0.07 so hell als im vorigen .lahr ist; Herrn liarnard ist es aber gelungen, ihn ncjch bis gestern Abend zu vertVdgen, als er endlich auch für hiesige Verhältnisse zu sclnvach wurde. — llr. Keeler ist gerade mit der Rednkti(Ui seiner üeoluuditungen der i\[arsinondc bescdiäftigt, die er während der letzten Mon.ate am grossen Teleskop angestellt hat. Sie können sich von dem ungeheuren Vorteil, den unser grosses Fernrohr bietet, ungefähr eine Idee bilden, duridi die Mitteilung, dass die Helligkeit der Satelliten jetzt nur ein Sechstel von derjenigen zur Jjeit ihrer Fntdeckung (1877 durch Prof. Hall am grossen Uefraktor in Washingt(ui) beträgt. — Ich werde allmähliidi mit der Handhabung des grossen Teleskops vertraut und lerne, es so viel .als möglich ausnutzen. Bs erfordert besondere Bedingungen, leistet aber, wenn diese erfüllt sind, Vorziigiiches. Ich habe die hellen Planeten, Mars und Jupiter, verschiedene Nebel, die Milclistrasse und einige .Sterne so schön gesehen wie kein Astronom vor mir. Jupiter ist besonders mit Einzelheiten, von denen ich früher keine Ahnung hatte, wundervoll besäet. Die Scheiben seiner Monde können allerdings aui'h in kleineren Fernröhren erkannt werden, aber hier sind sie voll und rund wie die von iManeten. Ich glaube fast, dass unter günstigen Umständen die Schattenkurve Jupiters bei Vertinste- rungen seiner Monde auf der (_)berdäche der Letzteren erkannt werden mag. Ferner liegen Gründe vor anzunehmen, dass die Jupitermonde ihrem Planeten, wie unser Jlond der Erde, immer dieselbe Seite zu- kehren. Diese Frage kann hier genau studiert werden, wenn die Scheiben wirklich die Merkmale zeigen, von denen andere Astronomen früher berichtet haben. Die Milchstrasse bietet einen wundervollen Anblick dar, und es war mir besonders interessant wahrzunehmen, dass sie auch hier trotz der Kraft unserer optischen ISIittel keine Auflösung ihrer feinsten Teile in einzelne Sterne zulässt. Es bleibt noch immer ein Grund von dichtem unzerlegbaren Nebel auf dem Hunderte und Tausende von Sternen zusammengedrängt sind, jeder als heller, scharf begrenzter Punkt. Der bekannte Sternhaufen im Herkules (in dem Messier keinen Stern erkannte) ist hier eine Masse von lauter einzelnen Punkten, sogar die centrale Verdichtung wird aufgelöst. Mit be- sonderem Eifer habe ich ausserdem solche Objekte studiert, die mir früher in grossen Fernröhren aul'gefallen waren, um Vergleiche der Schärfe der Bilder anzustellen; ebenfalls wurde mit den Zeichnungen des Lord Rosse verglichen. Theoretisch nn'isste sein sechsfüssiger Reflektor mehr zeigen als unser Instrument, was aber in Wirklich- keit nicht eintritt, z. B. wird der Kingnebel in der Leier von jenem Astronomen ohne centralen Stern gezeichnet ; in Washington kann man einen kleinen Lichtpunkt erkennen, aber hier sehen wir deren mindestens drei, die von grosser Bedeutung sind wegen ihrer beson- deren Lage im Nebel. — Ich habe innner gehofft, dass einer der grössten praktischen Triumphe unseres Riesenfernrohres in der Ent- scheidung von Streitfragen bestehen würde; durch die erwähnten Thatsachen ist mir diese Hoffnung schon zur Gewissheit geworden " Am 3. September wurde von Herrn Barnard ein teleskopischer Komet im Sternbild der Zwillinge entdeckt; derselbe nähert sich sowohl der Sonne als der Erde, nimmt infolgedessen an Helligkeit ziemlich zu. Immerhin bleibt er vorläufig noch nur in stärkeren Fernröhren sichtbar, da sein Kern ungefähr 10 "■ ist. — Nach Uech- nungen von Herrn Dr. Berberich in Berlin wird dieser Komet das eigentümliche Verhalten zeigen , dass seine theoretische Helligkeit ein ganzes Jahr die zur Zeit der Entdeckung übertrifft. Dr. B. M. Zur Erklärung der Spiralnebel. — Einige Nebelflecken zeigen eine spiralige Struktur. Berühmt ist z. B. der Spiralnebel im Sternbild der Jagdhunde , der nach der Zeichnung von Lord Rosse im sechsfüssigen Reflektor einen centralen Kern und um den- selben .spiralig angeordnete Streifen aufweist; aussen findet sich noch eine anscheinend schwächere kernartige Verdichtung. Man k.ann sich solche Nebel vielleieht auf folgende Weise entstanden denken. Zu einer gewissen Zeit im Entwicklungsgange des Nebels drehte sich die ganze M.asse um eine Axe. Allmählich senkten sich die peripherischen Teile infolge ihres Gewichtes zum centralen Schwer- punkte. l)ie grössere Geschwindigkeit der Rotation, welche sie vom Rande her besassen, behielten sie zum Teil auch in der Mitte bei und überholten dadurch die noch zurückg^eldiebenen peripherischen Teile, die einen längeren l'mkreis zurückzulegen hatten. Es giebt zwei gtinz einfache Versuche, durch welche man ähnliche Erscheinungen hervorrufen kann. Ein Stein, der ver- mittelst eines Fadens berumgeschwenkt wird, gewinnt eine Winkel- be.schleunigung. d. h. beginnt in gleichen Zeiten eiiui grös.sere Zahl Von Umläufen zu erledigen, wenn man ihn auf den Finger sich aufwickeln lässt. Hei dem anderen V'ersui h ergictbt sich ge- radezu ('in J5ild des Si)iralnebels. Man giesse ein Wasserglas voll liier und warte den Zeitpunkt ab, wo die .Schaumdecke ganz dünn und teilweise schon zerris.sen ist. Dann rühre man das Bier mit einem breiten Gegenstande um. Hat man diesen — etwa eiu Stüiltchen Karton — iK^rau.sgenommen, so beginnt die Reibung am fflasi' di(,' peripherischen Teile zu verzögern. di(; ihrerseits retardierend nach innen wirke;i. So nimmt die W'inkelges.-hwindigkeit alliiiählieli von inni'ii nach aussen ab, und der SeliaMiii zeigt die s|iiralige An- ordnung einzelner Streifen, die man beim Nebejlb-ek im Sternbilde der .lagdhuiule wahrnimmt. .1. I'lassnnmn. Fragen und Antworten. Lehrbücher dei- /ocdoi^ie sauen uli : „Der Schwanz der Vögel dient ihnen als Steuer"; andere sai:en aln rauch: „Der Schwanz des Vogels ist ein Hemmschuh und eine Balancier- stange". Was ist nun richtig, oder ist es lieides? Vorzüglich dient den Vög-eln der Schwanz als Steiu'r. Durch das verschiedene Einstellen des Schwanzes bring't der V^og'el alle Richtungsveränderungen des Fluges hervor; steigt der Vogel empor, so hebt er den Schwanz etwas, fliegt er herab, so biegt er ihn etwas nieder, jede Wendung: führt er durch Drehen des Schwanzes aus, derselbe ist ihm also im vollsten Sinne des Wortes ein Steuer. Nur die mit langem und breitem Schwanz versehenen Vögel, wie z. B. die 'i'agraub Vögel, Seeflieger, Segler etc. sehen wir als JMeistfU' in der Flugbewegung, nur ihnen sind Dank ihres ausgezeichneten Steuers die jähen Wendungen und Schwenkungen in der Luft mög- lich, die wir an ihnen bewundern. An einem kridsenden Raubvogel sieht man ganz deutlich, wie er durch Heben und Senken, Drehen und Wenden des Schwanzes steuert. Daher ist die Bezeichnung' „Schwanz- oder Steuerfedern" vollkommen zweckentsprechend. Bis zu einem gewissen (irade kann auch der Schwanz als Balancierstange angesehen werden. Beim Stillstehen in der Lnft breitet der Vogel den Schwanz aus, benuzt ihn also zum Bal.incieren: ebenso wird au.sser den Flügeln auch der Schwanz zur Aufrecht- erhaltung des Gleichgewichts gebraucht, wenn der Vogel im Begriff steht sich niederzulassen oder wenn er sich auf einer unsicheren, schwa;h'kenden Unterlage niedergelassen hat. Als Hemmschuh ist der Schwanz von untergeordneter Be- deutung. Beim Abwärtsfluge, beim Niedersausen aus der Luft re- guliert der Schwanz hauptsächlich die Richtung des Fluges, während die Schnelligkeit durch die mehr oder minder grosse Anziehung und Ausbreitung der Schwingen bedingt wird. Jedoch dient der Schwanz auch als Hemmschuh. Lässt sich z. B. eine Lerche nach Beendigung ihres Liedes zur Erde herabfallen, so breitet sie kurz über dem Boden Flügel und Schwanz aus, die rasche Bewegung wird gehemmt, und lang-sam erreicht sie den Erdboden: oder stüi-zt sich eine Bachstelze rasch aus der Höhe herunter, so breitet sie ebenfalls nahe dem Boden den langen Schwanz aus, um die Wucht des Falles abzuschwächen, sie benutzt ihn also als Hemmsiluih. Eine von allen anderen Vögeln abweichende Verwendung hat be- kanntlich di'r .Schwanz derSpechte. Er besteht hieraus harten, elastisch zurückschnellenden Federn, auf die sich der Specht beim Kletti.'rn stutzt; Kopf und Brust weit vom Baume abhaltend, stemmt er siidi ganz auf seinen Schwanz und ruckweise aufrückend reitet er so gewissermassen den Stamm hinauf, der Schwanz ist also bei ihm zum Kletterinstrument geworden. Dr. L. Staby. Litteratur. H. Laehmann, Die Giftschlangen Europas, beschrieben und in ihrer Lebensweise geschildert. Mit 9 Holzschnitten. Creutz'sche Verlagsbuchhandlung (R. & M. Kretschmann) 1888. Preis 1 JC 50 -(. Der Zweck der vorliegenden, lesenswerten Schrift ist, die Kenntnis der in Europa vorkommenden Giftschlangen auch in weiteren Kreisen zu fxirdern, um dadurch den Schutz gegen diese getahrlichen Tiere zu einem allgemeineren zu machen. Demnach giebt der \'erfasser nach eim-r allgemeinen Charakteristik der Solenoglyphen (.Schlangen mit bohlen Gift/.ähnen) und der Familien der Vi])eridae und der Bothropes (Crot.alid.ae) zunächst eine genaue durch Holzschnitte unterstützte Beschreibung der in Europa vor- kommenden Arten nebst Mitteihmgeu über die Verbreitung und die Fundorte derselben, ferner eine Schilderung der Lebensweise dieser 72 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 9. im allgremeinen als Naclitraubtiere zu kennzeichnenden Reptilien und ilu'e.s Gebahrens in der Gefangensoliaft. Der Fang dieser geföhr- lichen Tiere und die Aufstellung derselben zu Präparaten werden in eigenen Kapiteln aligeliandelt. Was dem Büchlein besonderen Wert verleilit. ist die f'risejie und dureligehende auf eigene ]b>(ibachtung lieruliendi' Schilderung der Leljcnsgewnlinheiten der Gil'rsclilangen, so dass niclit nur der Beleliriiiigsiudiende, sondern auch der Narur- treund es mit Gcnuss und Gewinn lesen wild. Dr. ]\. 1 leider. Herzberg, W. , Ueher die Einwirkung von Phcni/'ii/nnat auf (>r/liololui//rndiaiiiin und Orthoamiilophcnol. (3G S.) l'reisSO.^. V'andenhocck & Ituprecht. Giittiiigen. Hess, W., Ußher die Einwirhmg von Himisfoff'chlorid auf Phenol- ätliet- liei (regenw/irt von AlbuminiumchJnri.d. (56 S.) Pi-eis 1 M 20 .(. Vaiiilcnhoeclv & Ruprecht. Giittingen. Hildebrandt's E., Seilte um die Erde. Nach seinen 'l'agebücherii und miindi. Berichten erzählt von E. Kossak. 8. AuH. (XVJ, G88 S. m. 1 Karte.) Preis 6 JC. 0. Janke, Berlin. Hildebrandt, W., lieber den therapeutischen Wert der Borsäure bei Mitfelnhreitenmgen. (27 S.) Preis 80 4. Vandenhoeck & Ivuprecht. Güttingen. Himpel, J. S., E.rkursions-Flora für Lothringen. (VIII, 222 S.) I'rcis 2 JC 75 ^. Gebrüder Even, Metz. Hirsch, B., Universal - Phannacopöe. 1. Bd. 2. AuH. (XVI, 971 S.) Preis 16 JC. Vandenhoeck & Ruprecht, Güttingen. — Dasselbe. 2. Bd. 1. u. 2. Lfg. (192 S.) Preis 4./^. Vanden- hoeck & Ruprecht, Güttingen. Hoffer, E., Knjstallformen- Netze. Fol. (17 Blatt.) Preis 2 JC 50 .(. Anidiiesta, AVien. Hübner's O., statistisclie Tafel aller Länder der Erde. 37. Aufl. für 1S8S. Hrsg. von F. v. .Turaschek. Fol. Preis 50 Pf, üomniel, Frankfurt. Huff, Ph., lieber den jährlichen und täglichen Gang der erd- mai/netischcn Kräfte in Ti/Iis icährend der Zeit der internationalen Polarexpeditionen 1882 und 1SS3. 4». (35 S. m. 1 Taf. Preis 2 JC 40 4. Vandenhoeck & Ruprecht, Güttingen. Jaeger, G., Die Homöopathie. Urteil eines Physiologen und Naturforschers. (Sep -Abdr.) (48 S.) Preis 20 -.f. Metzler'sche Sort.-Bnclili., Stuttgart. Jordan, P., Die Entieichlung der vorderen Extremität der anuren Batrachier. (55 S. ra. 2 Taf.) Preis 2 Jt 50 »j. Fock, Leipzig. Irish, P. H., lieber die Einn-irhmg von alkalischen Ferricyan- kalimidiistmgen auf Ketone. (37 S.) Preis SO 4. Vandenhoeck & Ruprecht, Güttingen. Israel, A., Schlüssel zum Bestimmen der in der Umgegend von Annaberg-Buchholz wildivachsenden Pflanzen. In 3. AufiT neu bearbeitet von J. Ruhsara. (XVI, 191 S. mit 200 Abbildungen.) Preis 2 JC 80 4. Rudolph & Dieterici, Annaberg. Kauer, A., Elemente der Chemie. 8. Aufl. (182 S Preis 2 JC: geb. 2 JC 32 4. Hülder, Wien. Kerner v. Marilaun, A., Uebcr die Verbreitung geschieben durch wilde Hühnervögel. (Sep.-Abdr.) Komm. Preis 10 .j. Freytag, Leipzig. Kozesnik, M., Die neue Pflanzungsmethode im Wahl (16 S. m. lUustr.) Preis 1 JC. Trewendt, Breslau. Krafft-Ebing, R. v.. Psychopathia se-.iualis mit besonderer Be- rücksichtigung der conträren Se.eualemp findung. 3. Aufl. (VIII, 177 S.) Preis 4 JC. Enke. Stuttgart. — Eine experimentelle Studie auf dem Gebiete des Hypnoüsmus. (80 8.) Preis 1 ^C 60 .4. Enke, Stuttgart. Kühne, H., Praktische Anleitung zum mikroskopischen Nachnteis der Bakterien im tierischen Gewebe. (V, 44 S.) Preis 1 JC 50 „j. B. Günther. Leipzig. Kühner, A.. Die Erkältungskrankheiten, ihr Wesen, ihre Verhütung und Behandlung bis zur Ankunft des Arztes. (71 S.) Preis 1 JC 50 ..(. Gebr. Knauer. Frankfurt. — Ueber Nahrungs- und Genussmittel. Nebst einer Belehrung üb. richtige, billige, wohlschmeckende Nahrungsmittel. (162 S.) I'rcis 2 JC 50 4. Gelu-üder Knauer, Frankfurt. Leimbach, G. , Beiträge zur Geschiclite der Botanik in Hessen aus dem 16. 17. und Anf. des 18. Jahrhundert. 4". (16 S.) Preis l JC 20 4. Fock, Leipzig. . m. Illustr.) von Qiiarz- (3 S.) In 2. Aufl. Leutz, F., Pflanzenkunde. Das Wichtigste aus dem allgemeinen Teile, nebst einem nach dem Linnesilien System eingerichteten leicht fasslichen Schlüssel der b.adischen Flora. 7. Aufl. 12". (139 S. ni. Illustr.) Preis 1 JC. Braun'sche Hofbuchhandlung, Karl.'^riilie. liotze. H.. Grundzüge der Aesthetik. % Anü. (128 S ) Preis 2.«. llirzel. Leipzig. — Mikrnko.snms. Ideen zur Naiiirgescliiilitc und Gcsiliichtc ihT Mensclilieit. Vei-sm-li 1: Anthrop(dogie. 3. lid. 4 .\nll (\'l. 623 S) Preis 10./^, Hirzi'l. L-ipzig. Man. J. G de, Bcriclit über die im indiseltcn Arcliipel roit Fh: .7. Brock (jesaiunu'lten Deenpoden und Stouuitopodcii. (Sep.- Abdr) (39G S. m, 17 Taf) l'ieis 16.//^. Nicohii'schc Verl - Biii'hliandlung, Berlin. Medicus, W., Ilhistritrles Käferbuch. (2. Aufl.) (XV, 112 S. mit 10 Taf ) Preis geb. 1 JC 80 4. Gotthold's Verl.. Kaiserslautern. Meinicke, C. E., Die Inseln des Stillen Ueeans. Eine geograph. Monographie. 2 Thie. 2. Ausgabe. (VIII, .382 u. Vi, 487 S.) Preis 21 ^IC. Baldamus, Leipzig. Menge, Der vorgeschichtliche Mensch. Vortr. (28 S.) Preis 60 4 Franke's Verl., Sangerhausen. Meyer, G., Ueljer die thermische Veränderlichkeit des DanieU'schcn Elements und des Accumalators. (27 S, m, 1 Taf.) Preis 1 JC. VaiHlenhoeck & Ruprecht, Güttingen. Michaelis, Ratgeber für Herzkranke. Diätetik, Hygieine u. Pro- phylaxe der Krankheiten und krankhaften Stürungen des mensch- lichen Herzens. (120 S.) Preis 3 JC. Heuser's Verl., Neuwied. Michel's, Gh., Alpen-Ka,rte. Oestliches Blatt: Tyrol m. den an- grenz. Teilen v. Bayern, Salzburg, Steyermark, Kärnthen, Krain, Öberitalien u. der .Schweiz. 1 : 60000Ö. 7. Ausg. Kpfrst. Fol. Preis 1 JC 50 4; kolor. 2 JC 25 4; auf Leinw. in Leinw.-Kart. Preis 3 JC. J. A. Finsterlin, München. Möller, H., Das Kehlkopf-Pfeifen der Pferde (Hemiplegia laryngis) und seine operative Behandlung. (64 S.) Preis 1 JC 60 4. Enke, Stuttgart. Natorp, P., Einleitung in die Psychologie nach kritischer Methode. . {Ul, 129 S.) Preis 2 JC 50 4. J. 0. B. Mohr, Freiburg i. Br. Neumann, L., L>ie mittlere Kammhöhe der Berner Alpen. (Sep.- Abdr.) (6 S.) Preis 1 JC. J. C. B. Mohr, Freiburg i. ]5r. — Heimathinde d. Grossherzogt. Baden. (21 .S. ni. Holzsclin. u. Karte.) Kart. I'reis 50 4. Perd Hirt, Verl., Breslau. 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Lachmann: Die Giftschlangen Europas. — Bücherschau. — Briefkasten. Verantw. Hedakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6, für den In.seratenteil : Hermann Kiemann. • Druck: Gebrüder Kiesau, Berlin SW. 12. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6. Hierzu eine Beilage, iveiclie wir besonders xn beaciiten bitten. Beilage zu Nr. 9, Band Hl der Jatiirwissenscliaftlichen Wocliensclirift". X 3Q. © e X- at-fe e naiiienUicli Anzeigen loi' optisclicn, chnnilsc-licu, pliysikiilisclicri etc. (icü'iUscIiallcn, Naliiialir.n, ('/iK^inikjilir.ii, sowie. Hüclioranz(M>,'-en finden wi'ilostd unil passondslc Vnrhrcitun','-. 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Gartenfreunde und Botaniker Dr. A. b! Frank Professor an der iandwirtscliaftliclieu Hochschule Berlin. Mit 14>i Holzschnitten. Gr. 8. 2 Bände. Preis 18 Mark. Die fossilen Pflanzenreste Villi Dr. A. Schenk Professor an der Universität Leipzig. Mit 90 Holzschnitten, einer Tafel und einem Namen- und Sachregister, Lex. S, Frefs geheftet 10 Mk. SO Ff. Die Morptiologie und Pliysiolosie der Pflanzenzelle von l>i*. A. Ziniinei'iiianii Privatdozent der Botanik an der Univeisität Tübingen. Mit 36 Holzschnitten. Lex. 8. Preis geheftet 8 Mark. Die Spaltpilze. Nach dem neuesten Standpunkte bearbeitet von Dr. W. Zopf Professor an iler Universität Halle a. S. It 41 yoi Verfasser meist selösl auf Holz gezeiclinelen Sclmllleii, ^^^^ Lex. 8. Preis geheftet 3 Mark. ^^=^ Die Pilztiere oder Sclileimpilze Nach dem neuesten Standpunkte bearbeitet von Dr. W. Zopf Professor an der Universität Halle a. S. Mit 52 vom Verfasser meist selbst auf Holz gezeichneten Schnitten. -1— Lex. 8. 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Emmerling, Prof Dr. C. Engler, l'rof Dr. A. Hantzsch, Prof Dr. K. Henmann, Prof Dr. G. Hoffmann, Prof. Dr. 0. lacobsen, PiTif Dr. 0. Liebreich, Dr. R. Nietzki, Prof Dr. N. Pringsheim, Prof. Dr. V. von Richter, Dr. L. Rügheimer, Prof Dr. E. Salkowski, Prof Dr. B. Tollens, Prof Dr. A. Weddige, Prof. Dr. E. Wiedemann, heran.sgegeben von Prof. Dr. A. Ladenburg. Mit Holzschnitten. Band I, VI. Geheftet 98 Mk. Gebd. 112 Mk. 40 Pf. £i^~ Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, -»n unsere /itii/it/r .\iiiiuii. Fei'linii) in l^eipxi;; ht-fr. I'Iomn. I>as \V«mI» in der Xatiir- iiikI Völkei-kiinde. von ^'illi. liaiiiln-ei-lit in 'eii betr. die voi-küj>'I. iiit't«>oi'oloa-. und a<«tronoin. Apparate, vom KibliograpliiMclien Institut in Leipzi;»' betr. Meyer» Hantllexikon und Mejer» Volk^büelier. ivelche wir der freundl. Beachtung unserer geschützten Leser au/ das nUrmste empfehlen. Verantw. Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6, für den Inseratenteil: Hermann Riemann. — Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6. Druck: Gebrüder Kiesau, Berlin SW. 12. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. JH. Band. Sonntag, den 2. Dezember 1888. Nr. 10. Abonnement: Man aljoniüftit bei allen BuclihaniUuugen und Post- anstalten, wie liei der Expedition. Der Vierteljalirspreis ist J( ü. — ; Bringegeld bei der Post 15 j extra. f Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -j. Grössere Autträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureanx, wie bei der Expedition. Alulrnck iespi'ecliung unterzogen worden*), und es ist dort li(\sonders anerliennend iiei'vorgelioben, dass für Längen und Hölion der- selbe Massstab gewälüt worden ist, wodurch ge- rade dem Bescliauer die allein richtige Vorstellung der Erhebungen unserer Erdoberfläche gegeben wird , gegenüber der Wirkung solcher — leider immer noch vielfach vor- kommender — Anschau- ungsmittel, deren vertikale Abmessungen übertrieben, d. h. in einem grösseren Massstabc dargestellt sind. Verfasser mehrfach mit *) Icli kann es mir nicht vor.sag'en, liier noclimals meine An.siclit beziig-lich der Dar- stellung von l'rofilen sowie lle- liefkarten nnd Globen auszu- sprechen. — Wie ungemein we- sentlich sind nicht Anschauungs- mittel für das Verständnis naturhistorischer, also auch geog-raphischer Verhältnisse. Wie ül't ist nicht schon mit voUiMH Rechte in Wort und Schi'it't die Unenthehrlichkeit dieses hat sich in den letzten Jahren der Herstellung von erhabenen Karteu- bildern befasst und hier- bei die gleichen Grund- sätze festgehalten. Bei seinen Reliefkarten, von denen einige Proben im Museum der Kgl. geolo- gischen Landesanstalt und Bergakademie in ]')erlin ausgestellt sind, verhalten sich die Höhen zu den Längen wie 1:1. Beobachtet man die Natur ausschliesslich mit dem optischen Apparat des menschlichen Auges, so kommt man leicht in die Lage, die Höhe eines er- stiegenen Berges zu übei'- schätzen. Diese Uebei-- Fig. 1. S(dcli('r Mittel für den Unterricht und t'iir das Verständnis wissenschaft- licher Krörteningen betont worden! Sollte man wohl glauben, dass trotzdem bishei' noch nichts Ordentliches geschehen war, solche Mittel zu schaffen, widche uns .speciell befälligten, richtige Vorstellungen über die Gestaltungsverhältnisse unserer Erde auch in vcrtikalrr Kr- streckung zu gewinnen ? Frei- lich sind ja Relief-Globen mit fabelhaft übertrieben hohen Bergen schon längst in (ie- branch, aber sie geben natürlich eine durchaus falsche Vorstel- lung, erzielen also nicht den be- absichtigten, sondern den von diesem entgegengesetzten Er- folg. Solche „Anschauungs- mittel" sollten daher(nameutlicli aber in der Schule) gänzlich ge- mieden werden. Ks ist keines- wegs ganz leicht, sich über die wahren Griissenverhältni.sse auf unserer Erde richtige Anschauungen zu bilden, wie alle erfahrenen Geograplien undGeologen zugeben. Die .AI essungen und Berechnungen haben siezwar im Kopf, aber die.sc allein genügen eben nicht, unsere Vorstellungen zu be- richticren. Die oben ausgeführten Prc)lile erläutern dasGesagtezurGenüge. iL P. 74 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 10. 6 schätzuiii;- wird unterstützt durcii den Gedanken an die Mülle und Anstrengung, welche che Erkliinnnnii;' eines (iiptels verursacht, und durcli den weiten Ruiulblick, den nuui auf dem erhabenen Standpunkte gewonnen hat. Sieht man dabei noch in eine nicht allzuferne Ebene, so ist die l^eberschätzung dei' Höhe wohl eine noch grössere. Wesentlich mitwirkend zu dieser irrigen Voi'stellung ist beim Aufstieg die aus der perspektivischen Verkürzung sich ergebende Unterschätzung der horizontalen Ent- fernung gegenüber der vertikalen. Um im Folgenden von dem wahren (h'össen -Ver- hältnisse eines Teiles unserer Erdoberfläche eine richtigcVorstellung zu geben, hat der Ver- fasser einen wohl den meisten Lesern dieses l'.lattes nicht nur dem Namen nach bekannten JJerg, der alljährlich von Tausenden von Natiu'freuuden, nament- licii Norddeutschen, 1)0- . sucht wird, gewählt, den Brocken, und es ist in nebenstehenden Prolilen dieser norddeutsche Bergkönig in seinem wahren lülde wiedergegeben, wie dasselbe dm'ch die modernen, ji'dwede Täuschung ausschliessenden Messinslnunente er- mittelt ist. Zur besseren Orientierung über die Lage, besondei's für diejenigen Tjcser, die den Brocken und seine nächste Umgebung nicht aus eigener Anschauung kennen, möge dei' lieigefügte (irundiiss Fig. 1 das Nötige noch er- läutern. Vm dense.ll)en nicht unübcrsiclitlich zu machen, sind nur Hauptstrassen (dui'ch zwei parallele Linien) an- gegeben; alle sonstigen Verbindungswege, Metiresspiegel,-^-,^ K\p.Rrp.f:r^pip. Fig. 2. (iestelje etc. sind foi'tgelassen , ferner einigi Ortschaften. Die llölienkurven stellen die Fusswege, Bäche und Üeivti innen in Horizontalschnitten von 50 zu 50 Metern Veitikal- abstand gedacht dar; tue stärkeren Höhenlinien sind diejenigen von 100 : 100 Meter. Denkt man sich nun den Brocken und mit ihm seine nächste L'mgebung, soweit die vorerwähnte Skizze ivicht, von Norden nach Stiden senkrecht durchschnitten und diesen Schnitt so tief gefühi't, dass er hn Norden die Ebene bei Ilsenburg, im Süden den Thalkessel des Fleckens Braunlage tiittt, und ferner einen zweiten ebensolchen Schnitt von AN'esten nach Osten und zwar so, dass der Schnitt im Westen auf der Ebene bei Torf- haus beginnt und im Osten im Thale von Hasserode bei Wernigerodeendet,so würde man, daran fest- haltend, dass sich die Höhen zu den Längen ° verhalten wie 1:1, im ^ Massstabe 1 : 150 000 die nebenstehenden Protlle erhalten. Bei Betrachtung der Profile, namentlich bei Vergleichung der vertikalen Abmessun- gen mit den horizon- talen, wh'd man sich leicht von dei' Riclitig- keit des vorher Gesagten überzeugen, und man wird ein den thatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Ei'liebungen gewinnen, das allerdings geg-enüber den heri'sclienden Vorstellungen eine Enttäuschung hervorzu- rufen geeignet erscheint. So gross und erhaben der Harzriese über seine nächsten Nachbarn hinwegschaut — seine Höhen bleiben in I](»zug auf die horizontalen Aus- deiinungen, wie die aller übiigen Berge, nur klein und unbedeutend. Diese lietrachtungen und das eing-angs erwähnte iiingg'sche Erdprofil waren die Veranlassung, die Ver- hältnisse von Höhe zui' Länge den Ijcsern der „Natur- wissens(^liaftlie.lien Wociienschrift", unter denen sich \\olil viele ] irockenfrennde linden mögen, bildlich vorzuführen. Die Bedeutung der naturhistorischen, insonderheit der zoologischen Museen. \ Uli l'lüt'. Ol'. Die Zahl der natnriiistorischen Museen in Deutsch- land ist eine recht beträchtliche. Nicht blos die sämt- Kclien Universitäten, Polytechniken, Forstakadeinieu etc. erfreuen sich derselben, sondern auch zahlreiche (iross- und Mittelstädte, in diMien höhere naturwissenseluiftliclie Leiu'anstalten nicht vorhandi^n sind, itedeutende Summen werden jälirlicii von der (iesamtlieit dieser Anstalten versciilungen, ohne dass man in vielen h"'ällen einen an- deren Grund für die Existenz des bei rettenden Instituts an niassgebend(>r Stelle anzuführen wüsste, als dass es eben „iiistoriscli geworden", dass man die wertvolle Sammlung nicht zu (irunde gehen lassen dürfe, dass man docii auch etwas für die Wissenschaft und für das Publikum tinin müsse. — Es scheint mir eine dankbare und durcbans zeitgemässe Aufgabe, der h]\istenzber cliti- gung der naturliistorisciien Museen einmal näher nadizu- spüren,iliregHgenwärlige Üeschatt'enlieitund Leistungsfäiiig- keit zu beleuchten und daran einen Ausblick zu knüpfen, nach welcher Richtung wohl eine Aeuderung resp. P>esse- rung der bestehenden Veriiältni.sse zu ersti'eben sei. Durciiwaridern wir im Geiste die verschiedenen Ka- tegorien naturhistorisclier Sammlungen, von den gewaltigen Karl Krupiielin. Räumen des neuen Peiliner Museums bis zu den be- scheidenen Sälen einer kleinen Provinzialstadt, so muss es in erster Linie auftauen, dass der Totaleindruck, den wk empfangen, in allen so ziemlich der nämliche ist: Niigend eine ausgesprochene Difterenzierung, nirgend ein klare)' Hinweis darauf, ob man sich in einem Ihiiversitäts- lehrinstitute, einem grossen Landesmuseum oder endlich in dem vornehmlich für das gi'osse Publikum bestimmten Seliaumiisenm einer beliebigen Provinzialstadt liefindet. lud doch scheinen mir die Aufgaben und Ziele dieser drei soeben aul'gefiihrtiui Kategorien von naturliistorisciien Sainiiilungen so fundamental verschieden, dass schon ein tlüclitiger l^undgang uns belehren müsste, welcher der- selben wir unseren Besuch abg-estattet haben. Dass die Wissenschaft von der Natur der Natur- objekte nicht entbehren kann, bedarf keiner Erörterung. So ergeben sich von selbst einerseits Sammlungen zur Förderung der Wissenschaft an sich, und andererseits solche, an denen eben die Wissenschaft gelehrt werden kann. Bisher scheint man gemeinio-lich der Ansicht ge- wesen zu sein, dass ein und dieselbe Sammlung beiden Zielen gleicher Weise entsprechen könne, und nur erst Ni'. 10. Naturwlsscnsrluirtliclm Wocliriiscliiift,. 75 vcrciii/i»'!! sind >Sliiiiiiirn iaiil i;c\\ urdfii, « clclu^ aul' ilit'scn ( ii'undiiTtuiM liiiii^i'w ii'scn lialn'ii, wie z. II. Dcwilz in .si'iiu'm Aui'satz üIxt dir AiilVal»^ yi'ossrr zouioi^iNclicr 1 jaiidesimuseoii (Natiiiw. \Vucluiii.sciir. Ild. II iScile lös). Solaiig'e der Scihveriumkt dvv zoolof^Lst-iien Wisscnscliaft Noi'wicj^ciid in der l'.c.scin'i'ilniii^i- und ( IriipiiicniiiL;- (\i'v 'ricikiniRMi la^"", war es iialiiilicli, dass di(^ /.(loidi^isclii'ü Iji'liriiistitute sich mit iMiicni mehr und inriir anwaclisciuhMi Material von au.s^estoid'ten und sonstwie konservierten Tiei'cn versahen, dass .sie in der niüf,'-lielistcn Reicldialtiy- keit ihrer systcniatisehi'H SannnliniL;' aneli di(^ ffrösstc (iewäiir für ein erl'olirreii'lies niul niöt^lielist .iriCnullielies Stiidiinu der Wissenschaft erlilieken inussten. Das alles aber ist mit dem fortschreiten der Wissenschaft und der Verrückung ihrer Ziele ganz allmäiilich, deshalb abei' nicht minder giiindlich, anders geworden. Ans der Natur- beschreibung wurde die Nalurgeschichte, andieStellc d(M' einfachen formen- und Namenkeunlnis Irat die Ijchre vom Leben, die KrI'orsehung der Werde- und J<].\istenz- bedingungen der organischen Welt. Die ungezählten iMyi'iaden von i^ebewesen, die \oi'iiem in dei- V'erschieden- artigkeit ihrer Form Ziel und Zweck der Wissenschaft darstellten, sie wurden gewissermasseii lediglich zu den Lettern, deren allgemeiner Kenntnis dei- Forseher be- darf, wenn ei' in dem grossen 1 !nehe der Natur studieren will. So musste die Systematik ihre dominierende Stellung an Jüngere Disziplinen abgeben; ans einer Herrscherin wurde die Dienerin, deren iuniKMiiiii nicht unl)eti'äclitliche llilfeleistinigen von den jüngeien (ienerationen oft sogar über die (iebühr verkannt werden konnten. Diesem W^echsel entspricht im allgemeinen durchaus die Be- handlung, welche der reinen Systematik auf ITniversitiiten heutzutage zu Teil wird. Line allgemeine Lebersicht über die Hauptty[ien dei' Lebewesen, das ist es, was dei' lj(>hrei' seinen Schülern zu übermitteln sucht, um auf dem Fundamente der so gewonnenen sysleniatischen lie- gritl'e die Ijelire von der verschiedenen inneren Organi- fiatlon der Ti(>re, von ihren T-5eziehungen zueinander und zur umgebenden Natur aufzubauen. Die gewaltigen Sammlungen aiisgestoiifter Vögel, exotischer Käfer oder troiiischer Korallen, sie finden weiter keine Verwertung mehr im Unterriclit, sie sind eben der liallast, der von (Jeneration zu (ieneration sich wiMter fortschleppt, und der schon mehi' als einem Univei'silätslehrer den Wunsch nahe gelegt hat, ilin völlig über Bord zu werfen oder ihn doch aus der eigentliehen, für das K'olleg be- stimmten Lehrsammlung auszuscheiden. In der Tluit könnte es den l'niversitätsinstituten nur zum Segen ge- reichen, wenn sie von der reberfüUe des seit .lahrzehnteii zusammengetragenen systematischen Materials befreit. würden. Nicht allein eine bedeutende Summe an Kosten und Arbeitslast würde den betretfeiiden Instituten erspart, sondern es w'ürden vor allem Mittel. Tväiinie und Arbeits- kräfte frei werden, um nun in diesen Iniversitätslehr- sainmlungen auch diejenig(Mi Disziplinen der zoologischen Wissenschaft ernstlich zur (ieltung zu bringen, die wir als die modernen zu bezeichnen pHegen. Ich unterlasse es an dieser Stelle, w^eiter auszuführen, wie ich mir eine den strengen Anforderungen wiss(>nselialtlicher Lelirthätig- keit entsprechende zoologische Sammlung vorstelle, da ich im weitei'en Verlauf dieses Aufsatzes auf ähnliche Verhältnisse näher einzugehen gedenke; nur das darf ich Avohl schon hier hervorheben, dass diese Lehrsammlung eben nicht als ein Konglomerat von mehr oder weniger zufällig zusammengetragenc^n Natui'ob.jekten sich darstellen diü'fte, sondern dass in ihr „Alles Wahl und Alles Be- deutung" sein müsste. .Man wende nicht ein, da.-s die von mir vorge- schlagene fundamentale Acnderuiig aus dem (irunde ge- wichtige I!edenk(5n '^(ignn sich habe, dass ja die Syste- matik doch immerhin noch von erheblicher Bedeutung für den Naturforscher sei, dass demnach ü'w. „l'niversitas" iniler allen Cmständen (ielegenheit geben müsse, auch die.^en wichtigen Zweig der zoologischen Wissenschaft zu kulli\ ii'reii; ein derartiges Argument ist theoretisch ja sicher nicht ohne B.erechtigung, dürfte .sich aber in jiraxi leicht als völlig hinfällig erwei.sen. l 'eberall, in Natur, 'riM'hnik, Wissenschaft, sehen wir die grossere |j(ustungslaliigkeit, die grösseren Frfolge aus weiter ge- ITihrtiM' Arbeitsteilung sieh entwickeln, h^ben diese Ar- beitsteilung auf dem Jebiete der naturliis'oris('lien Samm- lungen scheint mir vor allem berufen, den drohenden Xieihiigang der .systematischen Wissenschaft hintanzu- halten, .ja in sein (Gegenteil zu verwandeln. Auch die Aufgaben der Systematik sind heulzntagci andere ge- worden, als .sie es li'üher waren. W^-rtlos fast erscheinen uns einfache Diagnosen neu aufgefundener Formen, falls nicht die ganze Formenreihe der betrelleiiden Tieigruppe zum \'ergleiche herangezogen niul in ihren |iliyletisclien Beziehungen zu einander und zu der neuen .Vit oder (lattung studiert ist; mit anderen Worten, der wi.ssen- schaftliche Systeuiatiker der (iegenAvart benötigt, falls er dauerndi', zu allgemeineren (iesichtspunkten führende Besnlta-te erlangen will, nicht allein des gesamten akten- mässig festgelegten Materials an (iatfiiingeii und Arten seiner zum Studium erwählten ( iruppe, sondern er muss noch die weitergehende Forderung stellen, dieses Ma- terial in einer solchen Fülle von Kinzelindividuen vor sich zu haben, dass er aus ihm die vermutliche V^ariations- «eite der einzelnen h\u'men abstrahieren kann. Fs wiril wohl niemand behaupten wollen, dass zu systematischen Studien diesei' Art den zahlreichen akademischen Lehr- anstalten die .Mittel in auch nur annähernd ausreichender Weise zur Verfügung gestellt werden könnten. Wohl wii'd es dem einzelnen ruivei'sitätslehrer möglich sein, auf diesem oder jenem beschränkten (iebiete. seinem speciellen .Vrbeitsfelde, eine den modernen Anforde- rungen an Vollständigkeit eiilsi»recliende Sammlung zusammenzubringen, und gegen eine solche Spei'ial- sammlung dürlten Finwendiingen kaum zu erheben sein; das eigentliche Arbeitsmaleiial aber für die systematische Wissenschaft und somit die Pflege dieser letzteri^n selbst müsste von di^i rein akudemiselien lii.sti- tuten verlegt und den grossen Landesmuseen zugewiesen werden. I )iese letzteren würden sich demnach gewisser- masseii darstellen als die .Vrchive der systematischen und morplieldgischen Wissenschaft; in ihnen wäre das .Vkten- maferial niedergelegt der nnlersucliungen, die bis zur Stunde durchgeführt; in ihnen wäre aber auch die ge- waltig(! Fülle von Sfolf aufzuspeichern, die zukünftivi'U systematischen und morphelegischen Studien die sichere Basis zu geben hätte. Line akademiselK^ Lehrthäligkeit im gewöhnlichen Sinne würde \()llig auss(>rlialb des Hahmeüs eines solchen Muscnnus liegen, wie .schon |)(Mvitz richtig hervorhebt; dagegen würden diese Sannii- luugen nicht nur den fest angestellten nnil geschulten Beamten \\\y ihre wissensclialtlichen Forschungen zu dienen haben, sondern sie hätten naturgemäss auch die weitere Aufgabe, künftige Generationen .systematischer Foisclier heranzubilden. Dass letzteres nicht sowohl durch Anhören theorefischei' \'orti'äge, als durch eigene gründliche .\rbeit, durch eigene .Vnschauung, durch eigenes Sichverseiiken in die Details der mnrpliologisclieu Dill'erenzierung erreicht werden kaini, beihirf keiner 76 Natiuwis.senscliaitliclie Wochenschrift. Nr. 10. weitei-en Begründung, und in (Uesem Sinne \\ttrden die in Rede stellenden gro.ssen systematisclien Institute in der That eine ganz älmliclie Wirksamlieit zu entfalten haben, wie etwa die zoologischen iStationen, wenn sie angehenden "Forschern ilu'e Räume zur ^\•eiteren .\usbildung oder zum Studium von Detailfi'agen zui' Verfügung stellen. Mit dem Gesagien sind jedoch die Aufgaben der „Tjandesmuseen" noch keineswegs erschöpft, wie Dewitz ausführt, wenn er ihnen des weiteren die Ausbildung von Forschungsreisenden und die Erledigung aller der Fragen zuweist, welche Staat und (Jemeinde, Gewei-btreibender und Laie auf zoologischem Gebiete zu stellen so oft in der Lage sind. Indem ich den ersteren Punkt, die zweckmässige Ausbildung von Porsehung-sreisenden als naturgemäss und selbstverständlich tibei'gehe, möchte icli den zweiten Punlct ehier näheren Erörterung unterziehen, indem ich glaube, dass hier noch eine weitere Arbeits- teilung der naturhistorischen Museen am Platze ist, als wie sie dem Bei-hner Zoologen vorgeschwebt hat. Im bisherigen haben wii' ganz ausschliesslich \'on Instituten gesprochen, welche in erster Linie dem lernen- den Akademiker oder aber dem wissenschaftlichen Fach- manne zu Dienste sein soUen; wir konnnen nun zu der Fi'age, ob auch der Staat und die Gemeinde, der Ge- werbetreibende, der zoologische Dilettant und der ge- bildete Laie von ihrem Staiul]iunkte aus ein Interesse an dem Vorhandensein naturliistoiischer Sannidungen haben, und ob von diesen Seiten etwa Anfordei'ungen gesteht werden, die einen eigenai'tigen Charakter solcher Samm- lungen bedingen. — "Was zunächst den Staat und die Ge- meinde anlangt, so haben beide in erster Tinie ein Interesse daran, die Naturobjekte Ihres GJebietes gilind- lich erforscht und die Ergebnisse dieser Forschung dauernd festgelegt zu sehen. Nicht nur der eigene Voi'teil ge- bietet dies; welche)- aus der wissenschaftUchen Unter- suchung von Grund und Roden, der Kenntnis aller nützlichen und schädlichen Oi'ganismen des Gebietes allein die zweckniässigste Art der Forst- und Wiesen- kultiu-, des Land- und Gartenbaues, dei' Fischerei, des Bergbaues und mancher anderer Gewerbebetliebe er- kennen lehrt, sondern vor allem auch der rein ideale Gesiclits]unikt, dass es dem modernen Staate gezieme, auf seinem eigenen Territorium der Wissenschaft dasjenige Material zusammenzutragen und zur Verfügung zu stellen, dessen sie zm- Klarlegung der auf dieses Gebiet bezüg- Hchen geologischen, geographischen und biologischen Fragen benötigt. Aus diesem Gedanken heraus iiat man schon längst die Wichtigkeit sogenannter ,,l*rovinzial- museen" betont, d. h. von Anstalten, welche für ein be- schränktes heimisches Gebiet die gesamten Resultate der auf dasselbe bezüglichen Forschungen in möglichster VoUständJgkeit und üebersichtlichkeit in sich vereinigen. Diese „Provinziahnuseen" wären somit nacli ihrer wissen- schaftlichen Seite gewissermassen Ergänzungsinstitute der ^rossen Landesmuseen, insofern als sie vornehmlich die Sj^stematik der heim atüchen Organismen zu fördern hätten; daneben ^\■ül■de ihnen die weitere iVufgabe zu- fallen, in aUeii fachwissenscliaftlichen Fragen von öko- nomischer oder sonstwie praktischer Bedeutung den Be- iiörden, Korporationen und Gewerbtreibenden als sach- verständige Instanz zur Seite zu stehen, wie solche ja für physikalische, technologische, chemische Fragen schon vielfach ins Leben gerufen sind. (Fortsetzung folgt.) Zum 150. Geburtstag William Herschers/O Der grösste der neueren Astronomen, Sir William Herschel, wurde geboren in Hannover am 15. Novem- ber 1738. VjV war das vierte Kind von Isaak Herschel, einem Ilautboisten im Musikkorps der hannoverschen CJarde, und zunächst bestimmt, seinem Vater im Berufe zu folgen. Nach Beendigung des unglücklichen Feld- zuges von 1757 nahmen ihn jedoch seine Eltern aus dem Regiment, in einer, wie man glauben darf, etwas un- zeremoniellen Weise. In der That verfiel er der Strafe der Desertion, die ihm — nach einer Aeusserung des Herzogs von Sussex gegen George Airy — durch einen förmliciien, ihm persönlich durch Georg III. bei seiner Vorstellung im Jalu'e 1782 eingehändigten Pardon er- lassen wurde. Nachdem er vier Jahre Militärdienste geleistet hatte, ging er im Alter von neunzehn Jahren nach England, sein Glück zu suchen. Von dem Leben voller Not und Entbehrung, welches folgte, ist wenig bekannt, ausser dass er 1760 zum Leiter der Regiments- musik der Durhamer Miliz engagiert und 1765 als Or- ganist in Halifax angestellt wurde. Diesen Posten ver- tauschte er ein Jahr später mit dem ehrenvolleren eines Organisten an der Octagonkapelle zu Batli. Von nun an begann das Glück für ihn zu blülien. In Bath fand man damals die glänzendste und fashionabelsto Gesell- schaft Englands, und der junge Hannoveraner wurde schnell bei ihr beliebt und kam in Mode. ZahlreicJie Engagements wurden ihm angetragen. Er wurde Direk- tor der öffentlichen Konzerte; er leitete Oratorien, enga- *) Nach Clerke's ,, Geschichte der Astronomie während des 19. .Jahrhunderts". — Vergl. die Besprechung dieses Buches in dieser Nummer der „Natnrw. Wochenschr." gierte Sänger, veranstaltete Proben, componierte Chöre, Lieder, Messen und gab daneben l^iivatunterricht, der zuweilen auf fünfunddreissig, ja auf achtunddreissig Stun- den die Woche stieg. Aber alle diese verschiedenartigen Beschäftigungen erfüllten nicht sein ganzes Denken. Ungeachtet der Armut seiner Familie war seine Erziehung nicht ver- nachlässigt worden, und gierig- hatte er stets jede Art von Wissen, welche ihm in den Weg kam, in sich auf- genommen. Nun er ein vielbeschäftigter und in glück- lichen Verhältnissen lebender Mann war, hätte man er- warten können, dass ihn die Ausübung- seines Berufes ganz in Beschlag nehmen würde. Im (iegenteil, seine Leidenschaft zu lernen schien zu wachsen, je weniger er Zeit behielt, ihr nachzugehen. Er studierte Italienisch, Griechisch, Mathematik; Maclaurin's Fluxionen dienten „seinem Geiste zur Erholung"; Smith's Harmonik und Optik und Ferguson' s Astronomie leisteten ihm Gesell- schaft auf seinem Nachtlager. Was er las, erregte seinen Geist, ohne ihn zu befriedigen. Er wollte nicht nur wissen, sondern entdecken. Im Jahre 1773 lieh er sich ein kleines Fernrohr, und durch dieses that er einen vor- läufigen Blick in jene fruchtbaren und abwechslungs- reichen Gefilde, in denen er so viele Jahre hindurch einherwandeln sollte. Von nun an war der Zweck seines Lebens bestimmt: Er musste ,,den Bau des Himmels kennen lernen", und diesem erhabenen Ehrgeiz blieb er treu bis an sein Ende. Ein mächtigeres Instrument war das erste Erforder- nis, und hier kam ihm sein mechanisches Talent zu Hilfe. Nachdem er von einem Quäker, der Optiker war, dessen Nr. 10. Naturwissensc-liaftllche Wochcn.scliilft. Apparate erworben, maclite er sich au die VerterU<,Miii<,'- von ypiefrelii mit einem Kiler, der die Wunder, wciciie sicli ihm erscldicssen sollten, im voraus zu seilen seiden. Nücli uicid i'üidV.i'liu .lahic später iiatte er seine Seldeif- uiid i'oliiMiiiascinncu erluiidcu, di'ien Arbeit bis daiiin ganz und gar mit der Hand verrieidet werden musste. Wäiu'end dieses beseliwi'iiielien und mülicvollen Veifali- rens (das nicid. oline iScliaden unterbroclien werden diufte und jedesmal sechzehn Stunden dan(»rte) wurden seine Kräfte aufrecht erlialteu durch die Nahrung, welehc ihm seine iScliwester stückweise in den ]\Iund steckte, und sein (ieist fand rnterlialtuug, indem sie ihm aus Tau- send und eine Nacht, aus Don (|)uixote oder anderen leichteren W'erkcMi Noi'las. I'judlicli sali er sich nach wiederholten misslinigenen N'ersnchen im Besitze eines Spiegelteleskojis — eines öVa-füssigen (ii'egory — von seiner eigenen Konstruktion. Eine Darstellung seiner ersten Beobachtung mit ihm, ausgeführt an dem grossen Nebel im Orion — der lur ihn ein (Jegenstand fortwäh- renden Kopl'zerbi'echens und fleissiger rntersuchung war — , Avird von der Königliehen (lesellsehaft zu Ijondon autbewahrt. Sie trägt das Datum des i. Mäiz 1774. Im folgenden Jahre führte er seine erste Duich- musterung des Jliunnels aus, die l)esonders bemerkens- wert ist, weil sie Zeugnis giebt von den grossen und neuen Ideen, die ihn bereits ei'füllten, und von der He- geisterung, mit welclier er sieh ilu'ei- Fülnimg überliess. üeberbürdet durch Verpflichtungen seines Berufs, suchte er doch stets einige Augenblicke für die Sterne zu er- übrigen, und in den Zwischenakten des Theaters sah man ihn oft vom Klavier zum Fernrohr eilen, gewiss ,,mit jener ungewöhidichen Hast, welche alle seine Handlun- gen begleitete". Die Kraft und VoUkonnnenheit seiner Teleskope wuchs immer mehr. Spiegel von sieben, zehn, ja zwanzig Fuss Brennweite wurden nach und nach vol- lendet und unerhörte Vergrössei'ungen angewendet. Sein Fleiss war unermüdlich, seine Ausdauer unüberA\-indlicli. Innerhalb einundzwanzig Jahren gingen nicht weniger als 430 iiarabohsche Si)iegel aus seinen Händen hervor. Kr stand im zweiundvierzigsten Lebensjahre, als er seine erste Abhandlung an die ,,Philosophical Ti-ansactions" sandte, aber \vährend der folgenden neununddi-eissig Jaln-e beliefen sich seine Beiträge — unter ihnen viele von bedeutendem Umfange — insgesamt auf neunundsechzig, die eine für die (iescliichte der Astronomie ausserordent- lich wichtige Sannnlung büden. Als blosser Durchfor- scher des Hinnnels leistete er Ungeheures. Ei' entdeckte 2.500 Nebel, 806 Doppelsterne, durchmusterte das gesamte h^irmament zu vier verschiedenen Malen, zählte die Sterne in 3400 „Aichfeldern" und führte eine photometrische Klassitikation der hauiitsächlichsten Sterne aus, die sich auf eine eingehende (und zum ersten Male systematisch angesteUte) Untersuchung ihrer relativen lichtstarke stützte. Er arbeitete ebenso sorgfältig und l)eharrlicli wie schnell, sparte Iceine Zeit und unterhess keine Vor- sichtsmassregel, um zuverlässige (ienauigkeit bei seinen Beobachtungen zu erreichen, und vermochte doch in einer Nacht mit grösster Soi'gfalt an 400 verschiedene Objekte zu untersuchen. Die Entdeckung des Uranus war eine ganz zu- fällige Folge des Schemas, welches er für sich selbst aufgestellt hatte — eine l'^rucht, gewissermasseu im Vor- übergehen gepflückt. Nichtsdestoweniger bildete sie den Wendepunkt in seiner Uaufbahn. Aus einem die Beob- achtung der Gestirne liebenden Mnsikei- war er auf ein- mal ein bedeutender Astronom geworden. Von den Plackereien eines mühevollen Berufes wurde er erlöst inid als königlicher Astronom mit einem lieselieideneii jalniichen (iehalte \on l'UO IM'nnd angeslelll ; er crliielt die Mittel l'üv den Hau des \ ierzigfüssigen Kellekturs, von dessen grosser raumdurchdringenden Kraft (M' bis dahin niKM-liörte Ollenbarnngen erwartete, kuiv,, es wurde nicht nur die Möglichkeit für sein ferneres Wirken ge- schalfen, sondern es wurde ihm geradezu zur Pflicht gemacht. Am IMingstsonntag des Jahres 1782 spiellcwi und sangcMi William und Caroline Iterscliel zum letzten ^lale ön'enHich in der St. Margarethen- Kapelle zu IJath; im August desselben .Jahres verlegten sie ihren Haushalt nach Datchet in der Nähe von Windsor und am .'5. A])i'il 1780 nach Slough. Hier häuften sich tVeu- den und Ehren auf den glücklichen h^ntdecker. Im .lahre 17.S8 heiratete er ]Slai'ie, die, einzige TiK'hter von .laiiKvs Haldwin, einem Kaufmann dei' City \dn Uondon, und Witwe von John Pitt ■ — eine l<'rau, bei welcher >icli häusliche Tugenden mit dem Besitze eines bedeutf^ndeii \'ermögens zusammenfanden. Die h^rncht ihrer N'erbin- dung war ein Sohn, dessen Arbeiten die; würdige Fort- setzung derj(Miigen seines N'aters bilden, llerschel wui'd(^ 18 lü zum Ritter des hannoverschen Welfenordens und 1821 zum ersten Vorsitzenden der Königlichen Astronomischen (Jesellschaft ernannt, deren erster Sekretär für auswärtige Sachen sein Sohn wuihIo. Seine (Gesundheit war jedoch schon seit einigen .Jahren angegi'itlen, und am 2."). August 1822 starb er zu Slough im \ieruiidachtzigsten Lebens- jahre und wiu'de begraben auf dem Kirchhof zu Ujiton. Seine (irabschrift liilimt von ihm, dass er „die Schranken des Himmels durchbrochen". Die Hauptresultate von Herschers langjäh- riger Durchforschung des Himmels lassen sich tbl- gendermassen zusammenfassen. Die scheinbaren Bewegungen der Sterne hatten ihre Er- klärung gefunden, indem ein Teil dei'selben als Folge einer fortschivit enden liewegung der Sonne und der sie begleiten- den rianeten nach eiiKMu Punkte im Sternliilde des 1 lerkules hin deutlich erkannt wurde, während ein grösserer Petrag der Verschiebung auf Rechnung der wirklichen, nuch Aus- dehnung- und Richtung verscliiedenen Bewegungen der Sterne selbst zu setzen war. Durch die ^^'il•kung einer der allgemeinen Schwere analogen, wenn nicht mit ilir identischen, Centralkraft wurden, so hatte man erkannt, Sonnen von jedem Grade in Bezug auf Ausdehnung iniil lichtstarke und zuweilen von glänzenden Farbenkon- trasten in Systemen von zwei, drei, vier, ja sechs (Jüe- dern zusammengehaUen, deren Umläufe umeinander so- wohl in Bezug auf Dauer, als hinsichtlich der (iestalt der Bahn eine grosse Mannigfaltigkeit darboten. Auf diese Weise war ein neuer ^Vbschnitt der physikalischen Astronomie geschaffen und zum ersten Male eine strenge Rechnung innerhalb der Region der Fixsterne ermöglicht worden. Von dem nnermesshchen Problem der Anord- nung und der Beziehungen der !Milüonen die Milchstiasse bildenden Sterne war gezeigt worden, dass es einer ex- perimentellen Behandlung und einer wenigstens teilweisen Lösung fähig sei, ungeachtet der Vei-schiedenheiten und Verwicklungen, die in einem vorher nicht geahnten Grade in der Anordiumg dieses majestätischen Systems herrsch- ten. Die Existenz eines leuchtenden Fhiidums, welches über unermessliche Gebiete des Raumes sich verbreitete und in engster Beziehung zu den Sternkörpern stand, war nahezu bewiesen und der Versuch gemacht worden, tlie Stellung und den Nutzen desselben bei der Schöpfung durch eine kühne aber jdausible Vermutung zu erklären. Veränderungen von gewaltigem l umfange hatte man über- all vor sich gehen sehen. Ein Stern, — der 5ö. Her- Naturwissenseliaftliclie Wochenschrift. Nr. 10. kiiles — vei'scliwand gewis.sei'uiasRen unter den Augen des Astronomen, und das VerschAvmden andei'er war mein- als l)losse V^ermutung. Hei manchen tSternen liatte sicli ein fortsehreitendes AI)- oder Zunehmen des iJclits als walu'scheinlich gezeigt, ohne dass man sie für perio- diseli veiilnderlich hätte iuilten können; überall hatte man Kräfte in ^^'il■k'samkeit bemei'kt, durch welche so- gar der Bau des I linnnels selbst langsam aber von Grund aus geändei't wei'den nuisste. Xacli allen Kiclitungen hin sah man einzelne (irnpiien in der lÜldung begriffen, iSonnen strömten zusannnen und häuften sich an um mächtig'-e Attraktionscenti'en, neue iSysteme entstanden, während andere al)genutzte zu zerfallen oder sich neu zu bilden bestrebt waren, sobald die von der unendlichen Weisheit für sie voi'gesehene Laufbahn vollendet wai'. Und ,,auf diese Weise — um die eigenen Woi'te des Beobachters anzuführen, welclior ,, weiter in den Kaum liineingeseheu, als irgend ein Mensch voi- ihm" — ist der Zustand, in welchen die unaufliörhche \^'il■kung der haufenbildenden Ivi'aft die Milchstrasse bis jetzt gelu'acht hat, eine Art von Chronometer, der benutzt werden kann, um die Zeit iin-es vergangenen und zukünftigen Daseins zu messen. Und oligleich wir den (iang dieses geheim- nisvollen Chronometers nicht kennen, so ist es dennoch gewiss, dass, ebenso wie das Aufbreclien der Milchstrasse in einzelnen Teilen uns den Beweis giebt, dass sie nicht ewig- dauern wii'd, wh' darin ebenfalls ein Zeugnis haben, dass sie nicht von Ewigkeit her bestanden hat". Kleinere Mitteilungen. Durchquerung Grönlands. — Der kühne Versmli des Norwegers Dr. Friil tj o t X ri ii seii, (Vm.servator.samlMuseiini/.u P>eraen, von der iinliewohiitpii ( )sHiü.ste (Grönlands ans über das r^iiiiieueis nach der Westküste y.u yelaiigen, ist, wie neuere Naehrielitcii melden, vollkommen ijelnns'en. IJekanntlieh hatte im Jahre ls8o Norden- skiold von der Westküste aus eine Durduiuerunt;' versurlit, in der Hort'nung:. im Innern eisfreies Land anzntreli'en. \)u' iSchwiiTigkeit der Vorwiirt.shewe.suno- auf dem mit zahlreichen und tiefen Spalten durelisetzten Eise Hessen ihn jedoch nur 120 km vordringen, wiihi'end zwei seiner lappländischen Begleiter auf Schneeschuhen noch 2.'?0 km weiter, ziemlich bis zur ]\litte des Kontiin;nts kanu'n, ohne aber auch nur die geringste l'nterbrechung der allgemeinen Eisbedeckung wahr- zunehmen. Nansen hat sich zur Beförderung seiner Kxpedition von viindierein auf Schneeschuhe verlassen. Selbst einer der tüchtigsten Scluieeschuhläufer Norwegens nahm er nur geübte Schneeschuh- liiufer, drei Norweger und zwei Lappländer mit sich. Jlit diesen begab er sich in diesem Frühjahr luich Island uiul von hier auf dem Wal- fänger .Jason nach der Ostküste Orüidands. — Nach zwei durch die ITngunst des Wetters vereitelten Landungsversuchen verlioss er unter 0.")i/2 Orad auf einem Hoote das Sciütf, um sich durch das Treibeis nach der Küste durchzuarbeiten. Infolge der Kisvei'schie- bungen und Meeresströmungen gelang es der Expedition erst nach 12 Tagen, festes Land zu erreichen, und zwar (iO Meilen (engl?) südlicher als beabsichtigt war. Am 15. August begann die Wande- rung auf dem Landeis in der Ilichtung nach Clu'istianshaab ; in der Höhe von 7500' nötigte jedoch ein Schneesturm die Expedition, die Kichtiing auf (iodthaab einzuschlagen. Die höchste erreichte Höhe war loiiOO Fuss; hier stieg die Kälte auf 40 — 50". Nach 46tägiger Eisv,anderung wurde endlich ein Fjord der Westküste, der Amaralik- fjord erreicht; aus einem /eltboden und eiiu'iu Sack verfi'rtigte man ein Boot, auf welchem Nansen und der Steuermann Sverdrup nach viertägiger Fahrt Godthaab erreichten, während die anderen vier Begleiter zuriickblieben. Leider konnte der Dampfer Fox, welcher mit einer Ladung Kryolith am IS. Oktober Grönland verliess und diese Nai'lu'ichten nach Kopenhagen überbracht hat, die Ankunft der P^xpi'ditinnsniit- g-lieder nicht mehr abwarten, sodass dieselben wahrscheiidich zu einer Ueberwinterung in Gröidand genötigt sein werden. Die Expedition war auf Kosten des Grosskaufmanns A. Qamel in Kopenhagen ausgerüstet worden. A. Krause. Die Philosophie und der vierdimensionale Eaum. — In einem Artikel „l'hilosupliie und Naturwissenschaft" (Bd. HL S. 33 der Naturwissenschaftl. Wochenschrift) richtet Herr Dr. E. Dreher gegen die den vierdimensionalen Kaum betretfeiiden Forschungen der jrathematik einen Angritf, der auf mehrfai'h irrtümlichen Voraus- setzungen beruht. Da hierbei auch mein in diesen Blättern ver- öfi'entlichter Aufsatz über den vierdimensionalen Baum in Mitleiden- schaft gezogen wird, so halte ich einige Worte der Erwiderung an die.ser Stelle für geboten. Zunächst wird die Mathematik von dem rein philosophischen Streite, ob der Weltraum nur eine Form unserer Anschauung sei oder objektive Wirklichkeit besitze, gar nicht berührt. Ihr genügt die Thatsache, dass der Kaum, aus welchem wir unsere Erfahrung schöpfen, drei Dimensionen liesitzt. Wenn in der Mathematik von der „Existenz" dieses Kaunies die Rede ist, so bleibt es jedem Mathematiker vollständig freigestellt, ob er sich diese Existenz als eine subjektive oder objektive vorstellen will. An den Forschungen und ihren Kesultaten wird durch diese Alternative nichts geändert. Die Mathematik drückt diesen Standpunkt deutlich dadurch aus, dass sie den Weltraum auch „Erfahi'ungsraum" iieimt, und von anderen liäumen, welche nur Begritte und Produkte des abstrakten Denkens sind, wie z. B. die Gerade, die Ebene, der vier- und nudu'- dimensionale Raum, grundsätzlich unterscheidet. Natürlich befindet sii^li unter diesen abstrakten Begritfen auch derjenige des drei- dimensionalen Kaumes, ein Begriff, der vollkommen der Anschauung des l l'.ilduiig den Mathiuuatiker (wie jeden Forscher) vor Träumereien und Phan- tasien zu schützen lierufen ist; eine l'hilosophie aber, welche die logische Weiterentwicklung einer Spe(tialwissenschaft duri'h ein Dognui aufhalten will, kann nicht mehr den Ans]u-uch erbeben, diese allseitige Bildung zu gewähren, und sieht sich zu der Kolle der Henne am l'fer verurteilt, wehdie im vorliegeiulen Falle nicht hindern kann, dass das Entlein der Geonu^trie auf Entdeckungen in den Gewässern der nicbt.anscbaulichen Gebiete ausgeht.*) Dr. V. Schlegel. *) Der Unterzeichnete schliesst sich in der in Kede stehenden Frage den obigen Ausführungen an. II. I'. Die Herausgabe mathematischer Klassiker.*) — Wie der einzelne b'or>cher nach speciellen Untersuchungen gezwungen ist, sich wieder zu einem allgemeineren Gesichtspunkte zu erlielnii, *) Es liegt die Absii-bt vor, in längeren oder kürzi'ren Zwischen- räumen auidi nuiUiematische Mitteilungen, l.espreclHingen nuithe- nuitischer Werke, sowie grössere oder kleinere Berichte über neue llntersuchungen aus diesem Gebiete zu bringen, deren Abfassung unser bewährter Mitarbeiter, Herr A. Gutzmer, übernommen hat. Wir hoffen, damit die grösste mögliche Vielseifigki'it erreicht zu haben und den Wünschen vieler Leser zu entsprechen. Keil. wenn anders er nicht die l'ebeisiiht über sein (iebiet verlieren will so ist es aucdi für jiule Wissenschatt ein unalnveisbares Bedürfnis, nach grossi'U Errungensiduiften einen lilick auf die durchlaufeiu'n Ftapp(Mi zu werfen. Es wird dadurch nicht nur der Sinn für die historische Seite der Wissi'nschaft gepflegt, sonilern es drängen sich bei dieser Bescdiiiftigung auch neue Probleme auf, deren Erledigung einen wahren l'"ortsehritt bedeutet, fianz besonders findet das (ie- sagte auf die matheniatischen Wissenscluiften seine Anwendung. Während der letzten .lahrzehnte sind hier l'robhune zum Abschluss geführt worden, mit deren Lösung sich teilweise die ausgezeich- netsten Köi)l'e l)ereits vor langer Zeit beschäftigt haben. Neben den epochi'machenden rntersucluingen in der Funkfionenthcorie haben die Algebra und dii' höhere Arithmetik (Zahlentheoriej unter den I landen genialer Forscher einen ungeahnten Aufschwung erfahren, während tiefsinnige FürschunL''en sowohl über die (frundlagen der Raumanschauung und die Axiome der Geometrie, als auch über die verschiedenen Arten von Grössen, mit denen wir operieren, nicht minder klares Liclit verbreifet haben, wie über diese (Operationen selbst. Für die Mathematik scheint daher jener Zeitpunkt ein- getreten zu sein, in w(dcliem sich, wenigstens für die Analysis und Algebra, das Bedürfnis nach ('iner Umschau geltend macht. Die Werke jener geringen Zahl von Klassikern aber, web'he hierbei in Betracht kommen, sind teilweise sehr wenig zugänglich oder nur in teuren Ausgaben vorhanden. Sie l)ilden jedoch einen unerschöpfliidien Born für neue Anregungen, und ihr Studium ge- währt eine so vorzügliche Schulung des Gei.stes, dass es jedem Schüler dieser Wissenschaft zur Pflicht gemacht werden muss, sich mit denselben zu lieschäffigen und in dieselben zu vertiefen. Es ist daher geradezu eine Notwendigkeit, dass diese mathematischen Kh;ssiker zugänglich genuicht werden. Aus diesem Bedürfnis heraus sind nun seit einigen .fahren etliche Werke in deutscher Sprache und zu einem verhältnismässig geringen I'reise herausgegeben worden, deren klassischer Wert über allen Zweifel erliaben ist. Es .sind darunter in erster Linie zu nennen: Euler's Ein- leitung in die Analysis des Unendlichen (1. Teil) und Cauchy's algebraische Analysis (Verlag von Julius Springer, Berlin, 1885). Beide Werke waren bestimmt, eine (ürundlagi- für den systematischen Anfliaii der Analysis zu bilden, gehen aber von verschiedenen begrifflichen Grundannahmen aus; beide Werke sind Repräsentanten verscdiiedener Richtungen. Während bekannflicli Euler eine Funktion einer veränderlichen Zahlgn'össe definiert als einen „analytischen Ausdruck, der auf irgend eine Weise aus der veränderlichen Zahlgrösse und aus eigentlichen Zahlen oder aus konstanten Zahlgrössen zusammengesetzt ist," w-ird bei Cauchy der Begriff der Stetigkeit für den der Funktion herangezogen, eine Verschiedenheit der Anschauungen, über welche die neuere Funktionen- lehre klares Licht verbreitet hat. In diesem Kalnnen müssen wir ferner auf die in demselben Verliige (1888) erschienenen (i aus s'schen Untersuchungen über die hj'pergeometrische Keilie aufmerksam machen, von denen der grosse Mathematiker Kummer einst (1809) .sagte: „sie sind Äleisterwerke, welche denjenigen Ghar.akter der Klassicität an sich tragen, welcher dafür bürgt, dass sie für alle Zeiten, nicht bloss als ^Monumente der geschichtlichen Entwicklung der Wissensidiaft erhalten, sondern auch von den künftigen Generationen der Mathe- matiker aller Nationen, als Grundlage jedes tiefer eingehenden Studiums und als reiche b'nndgrube fruchtbarer Ideen werden be- nutzt und Tuit Fleiss .studiert werden." Diese Worte kennzeichnen die G auss'scdie Aiihandlung vortrefflich, und man mu.ss sagen, da.ss sie bereits in Erfüllung gegangen sind; jeder Mathematiker weiss, wie viele neue Untersuchungen durch das Studium jener Abhand- lung veranlasst worden sind. Als ein glücklicher Gedanke muss ferner die Herausgabe einiger mathematisciien Allhandlungen Vandernionde's be- zeicdinet werden , da dieselben einerseits mir schwer zugiiiiglich waren, and(a'er.si'its aber in ihnen der Keim zu neuen Entwicklungen lii^gt , deren Prinzip erst in den letzten .lahrzehnten zur vollen Be- deutung gelangt ist. Die in deutscher Spraidie heranstregelienen Allhandlungen Vandernionde's sind: Abhandlung über die Auf- lösung der (ileichiMigeii; Abhandlung über die irrationalen Grössen verschiedener ( Irdniing nebst einer Anwendung auf den Kreis; P.ericht über vorsteliendi> Abhandlung und Abhandlung über die Elimination. Im Anscdilnss an diese für die Algebra so äusserst wichtigen Abbandlungen mag hier noch der im Teubner'schen Verlage er- schienenen Zahlenf heorie von Legendre gedacht werden. In diesem grossen, zwei starke Hände umfassenden Werke, de.-i.sen deutsche Ausgabe nach der driften Autlage des ( )riginals veran.sfalfef worden ist. werden mit den einfachsten Hilfsmitteln alle bis auf Legendre und von ihm selbst entdeckten b^.igenscbaften der Zahlen behandelt. Die Lehre von den Keffenbrüchen. die numerische Auf- lösung der (ileichungen und ganz besonders die Theorie der Kreis- feiluiii;sgleicliunL.'en, welche im Anschluss an die „Disquisitiones iirithmeticae" von Gauss vorgetragen werden, finden gleichfalls 80 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 10. \vpiti,'eliendf IJeruck.sichtiguug-, um :ils llilfsiiiitti'l für die Beweis- fiiliniiig zu dienen, teils auch, um die Zahleiitlieorie für Kragen aus anderen Gebieten zu verwerten. Die vorstehend genannten Werlie Geschichte der Astronomie des Fräulein Clerke entspricht indessen nicht nur den Wünschen des gebildeten Lesers, sondern sie vereinigt mit der Allgemeinverständlichkeit in glücklichster Weise auch Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit. Denn durchgehends giebt die Verfasserin gewissenhaft die Quellen an, ans denen sie das reiche Material geschöpft hat, so dass dem Fachmanne gleich- zeitig ein nützliches Nachschlagebuoh geboten wird. Wegen des Zi(!les, welches somit dem Werke gesteckt war, ist es selbstverständ- lich, dass die gebotene Geschichte den betrachteten Zciitraum nicht bis in die äussersten Einzelheiten erschöpfend behandelt, denn das Werk ,, beabsichtigt, eine Uebersicht über die Fortschritte der Wissen- schaft des Himmels nach ihrer charakteristischen Seite hin seit der Zeit Herschel's zu bieten".*) Das ganze Werk, bei welchem auch dem biographischen Ele- mente eine grosse Bedeutung beigelegt wurde, gliedert sich in zwei Abschnitte, denen eine Einleitung vorangeschickt ist. In dem ersten Absidniitte finden die Fortschritte der Astronomie während der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in sechs Kapitel geteilt, ihre Hetrachtung. Nach einer ausführliclien D.arlegung der epochemachen- den Arbeiten und Entdeckungen Sir William HerscheTs, des Begründers der siderischen Astroncjniie, wird die Fortentwicklung der letzteren n.anientlich durch Bessel, Fraunhofer, Struve und Sir.lohn llerschel geschildert. In den weiteren Kapiteln wendet sich die Betrachtung zu den Fortschritten, welche unsere Kenntnis von der Sonne erfuhr, zu den planetarischen Entdeckungen und den Untersuchungen und Beobachtungen der Kometen. Hieran sohliesst .sich ein wichtiges Kapitel über die Fortschritte in den Instrumenten. Der zweite, grössere Abschnitt umfasst die neueren Fortschritte der Astronomie und erledigt die Behandlung derselben in dreizehn Kapiteln. In den ersten sechs derselben werden zunächst die auf die Beschafl'enheit der Sonne bezüglichen Untersuchungen vorge- tragen, bei denen die Entdeckung der Periode der Sonnenflecken und der Spektralanalyse, sowie die Theorien über die Konstitution der Sonne vor allem hervorzuheben sind. In Zusammenhang mit den letzteren stehen die Beobachtungen der neueren Sonnentinsternisse, welche über den Ursprung und die Beschaffenheit der Corona Auf- schluss bringen sollten, sowie die Untersuchungen betreft's der Tem- peratur der Sonne. Die Bestimmung der Entfernung der Sonne von der Erde mittels der Oppositionen des Mars und der Venusdurch- gängo führt dann zur Sichtung und Schilderung der Arbeiten über die Planeten und Satelliten und der Theorien über die Entstehung der Planeten. Die Untersuchungen über die neueren Kometen bil- den in zwei weiteren Kapiteln den Gegenstand der Darstellung, worauf wir mit den Beobachtungen über die Fixsterne und Nebel bekannt gemacht werden. Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit den Hilfsmitteln der Forschung, wobei den Bergsternwarten das Wort geredet wird, um den lulutigeu atmosphärischen Störungen zu entgehen. Den Beschluss des Werkes, das wir mit Genuss gelesen haben, bildet eine chronologische Tafel, welche die Zeit von 1774 — 1887 umfasst und vielen Lesern sehr willkommen sein wird, sowie ein Namen- und ein Sachregister. A. G. *) Vergl. den Aufsatz über W. Herschel in dieser Nummer der „N. W." Berg, r. Graf, Einige Spielarten der Fichte. Schriften, hrsg. v. d. Naturtorscher-Gesellschaft bei der Universität Dorpat. (44 S. m. 12 Taf.) 2 M. K. F. Köhler, Leipzig. Huth, E., Die Hakenldimmer. Sammlung naturwissenschaftlicher Vorträge. (16 S. mit Illustr.) 80 ^. Friedländer & Sohn, Berlin. — Ueher sfammfrüchtige Pflanzen. S.ammlung naturwissenschaft. Vorträge. (11 S.) 40 .j. Friedländer & Sohn, Berlin. Oppenheim, P., Die InscMenwelt des lithoqraphischen Scliiefers in Bayern. (Sep.-Abdr.) gr. 4". (35 S'. mit 2 Taf.) 6 Jt. Schweizerbart, Stuttgart. Pauli tsehke, Ph., Harar. Forsclmngsreise nach den Somül- und Galla-Ländern Ost-Afrikafi. (IX, 557 S. m. Hlustr., 1 Taf. und 2 Karten.) 15 JO; geb. 17 M. Brockhaus, Leipzig. Peyer, A., Die reizbare Blase oder idiopath. Blasenreiztmg (Irri- tabile bladder. nervous bladder). Ihre Ursachen, Diagnose und Beh.andlung. (VH, 81 S ) 2 M. Enke, Stuttgart. Pfeiffer, L., Die Schutzjtockenimpfung. Ein Leitfaden f Studierende u. ImiilUrzte. (48 u. 87 S. m. Illustr.) 2 JC. Laupp, Tübingen. Pürthner, J. C, Methode u. Apparat z. Krzeiig. gleichgerichteter Induktionsströme, sowie Anwendung derselben zur Widerstands- bestimmung der EleMrohjte. (Sep.-Abdr.) (6 S. m. Holzschn.) 20 4. Ifreytag, Leipzig. Quenstedt, P. A., Die Ammoniten d. schwäbisch. Jura. 18. u. 19. Heft. (S. 945—1016 mit Atlas, gr. 4». (Taf. 103—114.) 10 Ji'. Schweizerbart, Stuttgart. Rattner, C, Ueber das Isopropi/lphe.nylketon. Z. Kenjitnis d. nega- tiven Natur organischer Radikale. (.37 S.) 75 .j. Fock, Leipzig. Beeb, W., Methodischer Leitfaden f. d. Unterricht in d. ebenen Geometrie. Nach konsti'uktiven und heurist. Lehrv(n'fahren für untere Klassen höherer Lehranstalten und höhere Mädchenschulen. (H, 57 S.) 1 J(-. Roth, Giessen. Keumont, A., Syphilis iind Tabes dorsalis. Nach eigenen Er- fahrunui'u. 2. Anfl. (98 S.) 2 ^fC. Mayer, Aachen. Reuter, M., Ovariotomie bei Gravidität. (27 S.) 75 4. Pöble, Jena. Roedel, C. F., Der gegenivärt. Stand d. Kenntnis d. Beziehungen der Kräfte zu einander. Samml. natnrwissenschaftl. ^''ortr. hrsg. v. E. Huth. (20 s.) 60..?. Friedläuder & Sohn, Berlin. Römer, M., Ueber die Einwirkung von Acetylchlorid auf halogen- sidistituierte Thiophene und deren Homologe. Ueber die Kitrierung der a-Thiophensänre. (61 S.) 1 ./^i 60 -}. V.anden- hoeck & Ruprecht, Göttingen. Rüst, Beiträge zur Kenntnis d. fossilen Radiolarien aus Gesteinen der Kreide. (Sep.-Abdr.) gr. 4". (43 S. m. 8 Tafeln.) 20 JC. Schweizerbart, Stuttgart. Inhalt: (;. Boenecke: Profile durch den Hrocken. (Mit Abbild.) — Prof. Dr. Karl Kraepelin: Die Bedeutung der naturhistorischen, insonderheit der zoologischen Museen. — Zum 150. Geburtstag William Herschel's. — Kleinere Mitteilungen :_ Durcluiuerung Grönlands. — Die Philosophie und der vierdimensionale Raum. — Die Heransgabe mathematischer Klassiker. — Litteratur: A. M. Clerke: Geschichte der Astroimmie wälireud di'S uennzehuteu Jahrhunderts. ■ — BÜCherschau. Verantw. Redakteur; Dr. Henry Potonie, Beilin NW. (>, lür diMi luseratent<'il: llei'mann Uiemaun. — Verlag: Piermann Riemann. Berlin NW. 6. Druck: Gebrüder Kiesau, Berlin SW. 12. Hieran eine Beilage, welche wir het^oiiders zu heaehten hitteii. Beilage zu Nr. 10, Band III der Jatiirwissenscliaftlichen Wochensclirift". 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II (April 88-SBpt.B8)!f^^.t!r: : : J Die einzelne Nummer hosfef. 40 I'fr/. 2,10 .'■.,2U lÜ 10 iliMill Buchhandlung für Naturwissenschaft und verwandte Fächer Berlin NW. 6, Luisenplatz 11 eiiipfielilt sicli zur Hesergung vnn natiirwissenseliaft- lielien Werken und Zeitschriften. «i Ansichtssendungen .steben jederzeit zu Diensten. )» l^ehiifs anhaltender Verbindung wolle man .sieh mit der Firma in Ktirrespondenz setzeir Fjni)>fchlrnsu-erf)' Festgesrhcnh-e in ansrliaiili. hol-, tiir .loib-iinaiin verständlielier iSL-breib\vei.se : Das IVIeGr ^•'''•'•Schleiden. ■i.Aufi., bearbeitet v. Dr. E. Vo^es. M. il. l'oitr.Sebleiden.si.Liebtdr., 16 färb. Tat', u.sebwarz \'üllbil(l.. sDwii' -ZWl Miilzsfbn. i. Texte, ar. 8". Mk. ].">,—: sreb. Mk.l7,.ö(.). Das Buch der physikalischen Erscheinunge n N;ieb A. Guillemin liir dti.s Verständnis AvtMtorer Kreise bearbeitet von Prof. Br. R. Schulze. Xeue Auao-alie. Mit 11 Cbromiditbooraidiien, 9 ot. Aliliild. lind -HS linl/za-linitteii. p-i-, ,qo. "Slk. 10.— ; -ob. Ml<. 1-2.50. Die physikalischen Kräfte 'r'^''"'**/»T'^;.'^T*" L_£ ^——Wissenschaft N . A. GuiUemm f. d. \"eistiiiidn. writiiiT Krei.se bearb. v. Prof. Dr. R.SchulZB. •-!. ero. AiiH. M.4ir) Holz.seliii. l.'i Seii.-IüliL \\.:i Biintdi-.-Krr. -r. 8". M. L!: L'eb. M. 1.^.. Die Einheit der Naturkräfte ';'", "',''- "i ^''",' _^ puiioso]ibie villi F. Angele Secchi. Aiitoris. ICbersetziiiii; viiii l'rnf. Dr. Scbulze. 2. AuH. 2 Hde. Mk l-_',— : in einen I lallifraiizbaiid "eli. .Alk. 14, — . [Il'.s -3-^ f'rrhif/ Von Ol tu Sallc in liraiinscliireif/. •<-- Durch alle Buchhandlungen — auch zur Ansicht — zu bezieiien. Wilh. Schlüter in Halle a|S. Naturalien- u. Lehrmittelhandlung. Üeirlibaltioos Lat^cr aller iiatiirliist(iriselii-n l leoonstliiide, sowie siimtlielier V-jiU^j;- und rr:i|):u'ier\verkzeuo;e, kiin.stlicber Tier- iind Vugelaii<,'i'n, Insekteiiiiadeln und Torfplatten. Katalog-e l) (>b. I'reis ;! .\Ik. Silber-Str. 480. (ui) I Leipzig. C. A. Koch's Verlag. S.M-I...n ei»lii.-ii ii.i Vcrlaov von H«-rinaiiii KicuiJUiii in Berlin NW. 6, Luisenplatz 11: Jia(iiMttfin=ufr)länMid)r iialnruiilfrnfrf)ttftrid)f lliljßnMnniirn Heft I S < H li K « K I^ üelier M sopiiaiiiiteii viGrdiiiieiisioiialeii Raiiiii. Separat-Abtlruck a. d. „Naturwissenschaft!. Wochenschrirt". Heft II SOH IBKRT Das Rßcliiieii an k\\ Fiierii \\\i Mascliineii. Separat-Abdruck a. d. „Naturwissenschaft! Wochenschrift". Preis sY 50 Pf». Pflanzendrahlgitterpressen (3,50 — 5 Mk.) und Pflanzenstecher aus bestem I Wiener Stalil (3.50 — 4,50 Mlc), angefertigt unt^^i' J Aufsicht de,s Herrn Dr. Potonie, geologische i Hämmer (von i,50 Mk. ab) und Meissel (o,50 Mk.), i sowio, Erdbohrer (ll-OO Mk. von 1~5 m T.iingc j können durch di(^ Expedition der Naturwissenschalt- ^ liehen Wochenschritt bezogen weidin. t -c » «eologische TobersicliisUarte der Umgegend von Berlin. (Wlassstab 1:100,000.) (leoo-iiostisi'li anfoeiu.nnncii v. G. JicieinU u^a unter j.yit.ing- (Ipsselben von E. Laufer. F. Walmschaffc, L. Dulk, K. Knihack, D. Brnunii nnil H. Crrmier. Herausgegeben von der Kg!, preuss. geolog. Landesanstalt -< < < lOin npues Exemplar als Wandkarte auf Leinwaiul ii;ezwj>')\ für ilen Prei.s von !«k. 12,- zu verkaufen dureli die lixiit-aifion der „ Naturirissensc/iaftlictien Wochenschrtjl". < 9- Niemand ist unzufrieden, der den Hdlländ. 'i\ii)ak von B. Becker in Seesen a. Itarz je versucht hat. 10 Pfd. fro. Naehnahme Jf-. 8,— (iarantie; Znriieknalime. [H^? •) •äf •) t*AA*i*Äjt (c ^^ ^ S^T^^^Vipf ^^ ■ =^ i* S g = 3 - I (P) 2 w 5 o ( ' »1 Alfred Loreulz Nachf. BERUNS.W., Linaenstr. 67. (Piosoecie erati'i). Arnold Lang, Dr.phil.. Inhalvr der Ritter-Pro/essitr für Phylt't^enie an der Uuh'ersitat Jena. Uebep den Einfluss der festsitzeodep Lebensweise auf die Tiepe und über den Ursprung der migesctüeclitllclieii Forlpflaiizi;iii durch Teilung und Knospung, Preis: j Mark. Dr. Robert Wiedersheim, o.o. Professor der Anatotnie und Direktor des anatoifiisdien undT^ergi. nnatomischen Insfi- tuts der Uniz>ersiiiit Freibur^ /. Br. Grundriss der vergleiehendeii Anatomie der Wirbeltiere ' für Sfiuliprt'iult' bearbeitet. Zweite gänzlich umgearbeitete und stark vermehrte Auflage. Mit '.'AM Holzsclinittfii- Preis broschiert 10 Mk., gebunden 11 Mk. Soeben erschien: [I-IU Dr. Berthold Hatschek, 0. <>. Professor der Zoologie an der Deutschen Carl- Per dinands'Univer sunt iti Prag. Lehrbuch derZoologie. Eine morpholog. Uebersicht des Tierreiches zur Einführung in das Studium dieser Wissenschaff. Erste Lieferung. Mit l.'i.'i Abliilduiigen im Text. Preis: :t Mark. m Die zweite Lieferung ist in Vorberei- tung und wird demnäciist ersctieinen. Unglaublich, aber wahr! Herren und Damen jeden Standes können sich mit wenig Mühe einen sehr lohnenden Nebenverdienst er- werben. iCeine Lotterie — llaten- lirief — oder Ileiratsverinittelungs- Keklanie, Erfolg sicher. [187 Näheres brieÄich gegen Kinsen- dnng von 00 -( (für Annoncen und l'orto.) Hamburg B. Carl Menze. fg^~ Inserate für Nr. 12 müssen späte- stens bis Sonnabend, d. 8. Deoember in un- 1 seren Händm sein. Die Expedition. Verantw. Redakteur; Dr. Henry Pot onie Berlin NW. 0, für den Inseratenteil: Hermann Riemann. — Verlag ' Druck: nebrüder ICie.sau, Berliu .SW. 12. Herniauu Riemann, Berlin NW. 6. b^ Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. 111. Band. Sonntag, den 9. Dezember 1888. Nr. 11. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhanillungen und Post- anstaltfii, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist .^ft 3. — ; Bringegeld bei der Post 15 ^ extra. f Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -(. Grössere Aufträge entspreclienden Rabatt. Beilagen nacli Debereinkunft. Iiiseraten- annalime bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstäu«IijE;er Quellenangabe gestattet. Die Bedeutung der Luftschitfahrt für die Meteorologie. Von Wilhelm Vortra"', gflialten bei der Feivr der IKU. Sitzimn- des Die Aufffabe des Meteorologen bestellt in der Er- forscluing der wecliselvollen \'(ii'i^ilnj;e in der Atiiiosiiliiire. Sowie er aber diesen Fragen näher tritt, stellen sich Schwierigkeiten eigener Art entgegen. Abgesehen davon, dass die P'lüchtigkeit und Ver- änderlichkeit der Erscheinungen, die wir unter dem Namen des Wetters verstehen, das Festhalten des Cha- rakteristischen ungemein erschweren, so hat der Mensch bei diesen Untersuchungen noch mit g-anz besonderen Hindernissen zu kämpfen. Von Natur aus unfähig, sich in die Tiiifte zu er- heben, gefesselt an die Erdoberfläche, war dem ICrforscher der vKtmosphäre der Zugang zu dem eigentli(;hen Felde seiner Thätigkeit bis vor kurzem ganz versagt, und er be- fand und betindet sich zum Teil noch heute in der Lag'e eines Mannes, der ein ihm unbekanntes Land erforschen soll, ohne die Grenzen desselben überschreiten zu dürfen. h'reilich wird er unter Aufwand von Mühe und .Scharfsinn auch einer solchen Aufgabe bis zu einem ge- wissen Grade gerecht zu werden vermögen. Kann man doch au(;li von einem unzugänglichen Stücke der Erd- oberfläche eine Karte entwerfen, wenn mau nur in der Uiiigeiuing d(»sselben Standpunkte besitzt, die genügende Aussicht gewähren, und wenn man über instiuiiiente verfügt, die optisch hinreichend vollkommen sind, um den P>lick in weite Fernen zu tragen, und deren Teilungen zuverlässig und fein genug sind, um Winkel mit Schärfe messen zu können. In ähnlicher Weise hat man auch durch ges(»lii(-kte Kombination der an der Erdoberfläche gesammelten mete- orologischen Reobatihtungen Schlüsse gezogen, welche sich weit über den beschränkten Standpunkt erheben, den die Natur uns angewiesen hat, und (lie uns ein llild *) Aus der Zoitschril't für Luftscliiffalirt mit Cieiipliinig'ung- dis Verfassers nnd Herausgebers abijeiiruekt. Vou\ 1T(>n-n N'erfas.ser in der Kdrrektur durcbtresebeii und verbessert. tied. von Bezold. Deut.'ichen Vereins zur ]<'ürderung der Luft.schitl'alii-t.*) geben von den Vorgängen im Luftmeere, wie man es in Anlietracht der betonten grossen Schwierig-keiten und der kurzen Spanne Zeit, welche diese Forschungen um- fassen, kaum erwarten durfte. Aber ebenso wie die vorhin beisi)ielsweise erwähnte, aus der Ferne aufgenommene Karte immer einen chema- tischi/n Charakter behalten und gar manche liücke auf- weisen wird, und ebenso wie der Zeichner derselben vor Begierde brennen wird, das Ijand, dem er so viel Zeit und Mühe geopfert, auch einmal betreten und in der Nähe sehen zu dürfen, so Hess auch die meteorologische Forschung, wie sie sich, gestützt auf die Beobachtungen in der untersten Luftschicht, entwickelte, den Wunsch immer lebhafter entflammen, die gezogenen Schlüsse durch wirkliches Eindringen in di(> Atmosphäre zu bekräftigen und zu ergänzen. Die Bemühungen in diesem Sinne reichen auch wirklich schon weit zurück; war es doch eine der grund- legenden Thatsachen, welche nur dadurch darg-ethan werden konnte, dass man das gewöhnliche Niveau ver- liess nnd — das einzige Mittel, welches damals zur Verfügung stand — eine Bergbesteigung vornahm, um für die gcheg-te Vermutung und ausges]irocliene .Meinung- den unzweideutigen Beweis zu liefern. Ich denke dabei an den Nachweis, dass thatsächlich der Luftdruck es sei, welcher der (^uei;ksilbersäule im Bai-ometer das Gleichgewicht hält. Vier .lahre, nachdem Toricelli seinen berühmten Versuch ang-estellt und seine Köhi-e, das erste Barometer, konstruiert hatte, kam Pascal auf den (.iedankeii, die schon von Toricelli gegebene, von Pascal unabhängig davon neu aufgefundene l^irklärung. dass der Puftdiuck die Ursache iiiiont zu beauftragen. l)ei' Versuch entsprach der Erwartung- und beseitigte somit alle Zweifel, die man noch über die Erklärung des Toricelli'schen Experi- mentes hegen konnte, zugleich bildete er die Grundlage für die barometrische Höhenmessung, deren Bedeutung ich hier nicht zu betonen brauche. Dies war im Jahre lß-47. Es verging inzwischen lange Zeit, bis man auf dem Gebiete der Meteorologie wieder einen nennenswerten Fortschritt zu verzeichnen hatte. Während in der reinen Physik die von Galilei und seinen Schülein nnd hervorragenden Zeitgenossen gege- bene Anregung mächtig Wurzel schlug- und Reihen der schönsten Entdeckungen zeitigte, liess man die atmosphäri- schen Vorgänge beinahe unbeachtet oder machte sie wenig- stens nicht zum Gegenstande eigentlicher Forschung. Der Grund davon ist leicht verständlich: In Astro- nomie, l'hysik, Chemie, wie überhaupt in der Mc^hrzahl der Naturwissenschaften kann der Forscher uuabhängig von anderen auf seinei- Sternwarte, im Laboi-atorium, ja sogar am Schreibtische seine Ziele verfolgen, und der Natur ihi-e Geheimnisse ablauschen. In der Meteorologie bedarf und bedurite es vor allem in dem Anfangsstadium des Zusammenwirkens von vielen. N'iele emsige Jjcob- achter, an vielen Orten verstreut, müssen die Materialien zusammentragen, aus welchen sich diese Wissenschaft aufbaut, es bedarf der Association, der Organisation. Damit abei- solche Vereinigung zu g-emeinschaftlichci- Arbeit möglich sei, muss der wissenschal tliciie Sinn schon in weite Ivreise gedrungen sein und bereits eine gewisse; Reife erlangt haben. So dauerte es denn bis zum .iahi-e 17K0, bis die erste deiartige Organisation in wirklich erfolgieichei- Weise zu Stande kam. Sowie aber die „societas mete- oiologica palatina" das irrste wohloi-ganisiei'te Netz mete- orologischer Stationen über Europa ausspannte, wobei auch noch einige aussereuropäische Punkte mit heran- gezogen wurden, da hatte auch schon die l'h'kenntnis festen Fuss gefasst, dass es nicht genüge, sich mit den Beobachtungen auf die Tiefe zu beschränken, sondern dass man sie auch auf die höheren Schichten der Atmo- sphäre ausdehnen müsse. Auf dem im bayrischen Alpen- vorlande gelegenen J lohen -Peissenberg errichtete die Mannheimer Akademie die erste, freilich in sehr beschei- dener Höhe (1000 m) gelegene Gipfelstation, die nun auch seit 1781 bis heute beinahe ununterbrochen Beob- achtungen geliefert hat. Aus derselben Zeit aber datieren auch die ersten Restinunungen Saussure's übei- die meteorologischen ^'el■- iiältni-n (üpfcln der ersten iiördliclisteii Alpenkelte j,'-leieli/,eilif,'- den lÜick bis nach den Central- al|i(Mi und weil, iilier d'w bayrische lioclieliene hinweg'- bis nacb dem l'reilieh nur an den Üewölicuniisxcrliäll- nissen eikennlliebeii Donauthaie und den unter g'ünsti{,'-en l>edini;un beinahe unveimittelt aus den Hügeln des N'orlandes emiioisteigt, über dem Al|ienlande selbst bis zu den JKichsten h'irneu auch nicht das kleinste Wölkchen, wäln;i'nd sich die aus dem l-'lach- lande aufsteigenden Nebel zu Wolken zusammenballen und aus einem weissen wogenden Meere rundliche Kö|ife hervorragen, oder auch Keihen \on solchen sich wnlst- förmig lieranwälzen. iSolche Mi'scheinungen h'hren auf den ei'sten lilick, dass Temperatur und h'euclitigkeit an und über den Hergen ganz andere sind, als auf gleicher Höhe in der fr.Men Atmosphäre. niiatsächlich haben auch die l'eoliaclitungen bei IJallonfahrten hinsichtlich der 'remperaturabnahme mit der Höhe wesentlich andere Krgebnisse geliefert, als man sie aus den Aufzeichnungen der Itergstationen abgeleitet hatte. (renaue Kenntnis dieses Klementes hat abei' nnt(>r verschiedenen Gesichtspunkten ein(> ganz jieivorragende üedeutung, wie später näher beleuchtet werden soll. Noch grösser aber sind die Vei'schiedeidieiten, die hinsichtlich der Windgeschwindigkeiten und überhaupt iiinsichtlich der gesamten Windvi^rhältnisse auf die eine und die andere ^\"eise sich eigeben. Aehnlich wie eine ipi(>r dui'ch einen KUiss gelegte Schwelle oder eine Un- tiefe die Üewegungen des ^^'assors in emiitindlichster Weise stört, so erleiden auch die Luftströuuingen in di'r Nachliarschaft von üei'gen Ablenkungen und \'erzöge- rungen, di(^ von der Richtung des (iebirgszuges und von der (iestalt und Lagerung dei' ( üplej und iMnschnitte ganz wesentlich beeintlnsst werden. .Macht sich doch, um bei einem bereits benutzten. mir gerade geläufigen lleispiele zu bleiben, der KiuHnss der Alpen auf die Windriclitunucn bis weit ins Vorland hinein geltend, so dass noch in dem in Luftlinie doch iiinnerhiu mehr als 4ii km von der ersten Kette entfern- ten München die dem Kannue parallelen Windrichtung-en West und Ost weitaus das l'obei'gewicht über alle übri- gen haben, wälu'end sonst in Deutschland Südwest und Nordost bevorzugte ]\ichtungen sind. Dass in unmittelbarer Nachbarschaft der Lrdober- llilche die Winde eine ganz ausserordentliche Abschwä- chung, d. h. ihre ( Jeschwindigkeit eine höchst beliächt- liche N'erzögerung erleidet, inid dass auch die Kichtung schon in sehr massigen Höhen eine ganz andere sein kann, dies sind ohnehin bekannte Thatsachen. Wenn wii- also genanciren Aufsciduss erhalten wollen über die Luficirkulation in der .\tmos])häre. so bleibt neb(in scharfer lleobachtuug des Wolkenzuges womöglich unter Zuhilfenahme jjhotogrammetiischer MessuuL'' kein anderes Hilfsmittel als der Luftballon. Sprechen wir endlich noch von einem I 'unkte, dem in niuiestei' Zeit erhöhte Aid'uKM'ksamkeit zuginv'endet «ird, von der Lnftelektiicität, so hal es den .Anschein, als ob zur Lösinig dieses ixätsels das Heranziehen von Lalloiibeobachtiuigen überhaupt unerlässlich sei, da es hier noch mein- als sonstwo nötig i.st, alle tVemdartigen lMnHüss(! fernzuhalten. I*]ndlich sind wir nach all den hier beiidnten (Je- sichlspunkten auf den l'.alhni angewies(!n, sowie (^s sich darum handelt, die Forschung in sehr grosse Höhen zu tragen, da er in dieser Hinsicht doch ungleich mehr zu bieten vei'mag, als man mit grösster Mühe, Ausdauer und Hingebung durch l'.ergbesteigungen erieichen kann, ganz abgesehen davon, dass man dabei übei'haupl auf wenige l'nnkte der Krdoberliäche beschränkt ist. In wieviel günstigerer Lage sich dei- Luftsi-hitter befindet, als der Bergsteiger, sowie es sich um Höhen handelt, die 4000 odei' .")000 in übertreffen, dies bi'auche ich in diesem Ki'eise kaum näher auseinander zu setzen. Nach dem hiei- (iesagten, nn'ichte es abiM' beinahe den Ansi-hein haben, als sei das Hebergewicht, welches die tlallnns liinsicfitlich des Wei'tes ihrer Beobachtungen gegenübel' den an (ilebirgsstationen gewonnenen besitzen, ein so gewaltiges, dass es sich kaum lohnte, solche Stationen mit soviel jMühe und Kosten eiirzurichten und zu erhalten. Dem ist aber nicht so, die Höheustatioiien halten ebenfalls ihre eigenen schwerwiegenden. Vorzüge, \'or- züge, die ihnen in den Augen des Meteorologen hohen Wert V(^i'leihen. Vor allem ist es die unveränderliche fest bestimm- bare ]jage und dann (he Möglichkeit, sie jederzeit, Som- mer und AVinter, in Sturm und l'nwetter, gleichmässig im Gange zu halten, ja, \\enu man sie mit Kegistrier- a]iparaten versieht, Tag und Nacht Aufzeichnungen zu gewinnen. Heim Kallon bestimmt man die j'eueilige Höhe aus dem liarometerstand. d. h. nach gewissen Voi'aussetzun- gen über die Vei'teilung des Luftdruckes im viMfikalen Sinne; wollen wir diese Verteilung selbst nutersuchen, WC dies bei fest(m Obsei'vatorien am H'usse in massiger Höhe und am Gijifel eines l'.erges möglich ist. so fehlt uns jeder sichere Anhalts]]unkt. Nur wenn man auf trigonometrischem oder ]ihoto- gianniii'trischem Wege di(^ Höhe des Lallons in einwurfs- fi(Mer Weise ermitteln und gleichzeitig oben Ablesungen mach(>n würde, könnte man diesen .Mangel beseitigi'u. Der (lebelstand, dass man beim Lallon inn' zeit- weise \on ganz zerstreuten und schwer detinierbaren, deshalb auch kaum xcrgleichbaren l'unkteii Angaben erhält, lässt sich natüilich nie beseitigen und tritt hier noch weit schärfer hervtji- als etwa bei den IJeobacli- tung(m von Schilien. deren Lage sich nicht um- be.sser bestinnuen lässt, sondern die auch viel häufiger gewisse Stellen des Oceans kreuzen. Man könnte deshalb die l'.allons unt lü'iterpatrouillen oder leichten fliegenden Koloiuien vi-rglciclien, islend, ihre kräftigste ^^'il■kung äu.ssern, dort muss aber auch im Winter und zur Naclitzeit die Ausstrahlung gegen den kalten Weltraum sich am auftallendsten geltend machen. Und wie wir sehen, dass die Konflguration von Festland und Wassei' die A\'ärmeverteilung an der Erd- oberfläche in der einschneidensten Weise beeinflusst, so mirssen die in dei- Luft schwebenden Wolkenma.s,sen, schwimmenden, stets ihre Gestalt ändernden Inselmassen vergleichbar, für den Wärmeaustausch in dei- Atmosphäre von höchster Bedeutung sein. Fragtm wir aljer, wie .sich dies im einzelnen und in welchem Massstabe es sich geltend macht, dann sind wir wieder auf allgemeine Ueberlegungen und Vermu- tungen angewiesen und stehen v r Lücken im Picobach- tungsmateriale , deren Ausfüllung nur von den Luft- schiffern zu erwarten ist. Ich möchte deshalb auch den Herren der geehrten Versammlung, die .selb,st solche Fahrten ausführen, die Beobachtungen über die Temiieratnrverhältnisse beim Durchschneiden von Wolken und insbesondere au der oberen Fläche derselben aufs wärmste ans Herz legen. Aber auch wenn es nicht möglich ist, Reihen von Messungen über Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit zu machen, so bieten schon die Flugbahnen an sich hohes meteorologisches Interesse. Sie geben uns Aufschluss über \\'iiidrichtuug und Windgeschwindigkeit in verschiedenen Höhen unil liefern uns damit schon wichtige Elemente zur Ergänzung der \\'etterkarten, wie sie alltägUch mehrere Male an den grossen Centi'alstellen der Wettertelegraphie gezeichnet werden und wie .sie sich nach längerer Zeit unter Be- nutzung der von den verschiedenen Instituten verött'ent- lichten Beobachtungen für die unterste Luftschicht genau feststellen lassen. Freilich bieten für diese Ergänzung die Angaben einer (nnzigen Flugbahn nur ein sein- beschiänktes Mateilal. W'iivo es dagegen möglich, an verschiedenen Punkten hiuropas, oder sei es auch nur Deutschlands, gleich z(.'itige Autt'ahrten zu veranlassen, so müsste man im Zusammen- halte mit den Beobachtungen der Tieflandsstationen, der (iebh'gsstationen und der Schiffe für einen solchen Tag ein Bild erhalten von dem Zustande der iVtmosphäre, wie wir es zur Zeit uns kaum ausmalen können. Nr. 1 Niiliii\visseiiscliiil'Ui(;lu' Woclicnscliiiri. Indem 111,111 es iinteniominen Iiat, die atniospliärisclien ZiisUliide, wie sh\ in einem <;-e,f,''ol)enen Auu'onhiicke ülier einem i^iüsseren Teile der Krdolieiiliieiie lierrselieu, kar- to.yriipliiseli resl/.iiliiillen und die Aemhirnni^i'ii dieses Hil- des nacli lieslimmten ZeilinleiviUlen /.u unlersuehen, lud man der Korsciiung- neue Haiincn eröffnet. Das Kinselilayen (li(>ses Weges liat in kurzer Zeit l<'iiieiite f,'-e/,eili«i, die man iVidier kaum alinen konnte. W'iire es müs'iieii, diese Metiiede, die süyenannte syiioptiselie .Metluide, aiieli auf Seliiciiten aii/.uweiulen, die um 1000, 2000 uder ;U)00 m von der KrdolierHiu'iie abstellen, so würde dies ohne allen Zweifel einen neuen iicwailiuen l^'ortsc.Iiritt im Vei-ständnis der ^^■itterunl^s- vor<,''än,y(^ im (ielolf,^' haben. Auf die JSedeutuni^' soleli gleieiizeitijjrer AnH'alirlen ist meines Wissens zuerst von Gaston Tissandier hin- gewiesen worden und bildet die Verwirklichunir dieses (le- dankens einen Lieblingswunseh dieses kühnen Luftsehitlers. Dass er, einmal aiisges}»r()ehen, aul' einen Meteoro- logen /.iindend wirken muss, ist selbstverständlieli. lObenso selbstverslilndlicli aber ist, dass jeder l<'ort- schritt in der Ei'kennlnis der atniospliärisclien Vorgänge auch auf die Entwicklung- der Tjurtsehiffahrt ihre Kiick- wirknng äussern muss. Durch die ])hysikalische Erforschung der Meere, wie sie von Ivapt. Maury seiner Zeit in so naelidriicklieher Weise eingeleitet wurde und wie sie nun alle Kultur- völker in edlem Wettstreite weiter luliren, sind die ISee- falii'ten um einen g-anz erheblichen Bruchteil rascher und in gleichem Masse sicherer geworden. Der (iewinn an Zeit und Mateiial, der durch diese l'ntertiuchungen erzielt wurde, berechnet sich im Jahre nach ^lillionen, gar nicht zu reden von den Hunderten, ja vielleicht Tausenden von Menschenleben, welche ge- steigerte Einsicht vor einem grausen (ieschicke bewahrt. .So muss auch die Sicherheit der Luftfahrten steigen in demsc^lben Masse, in welchem unsere Kenntnis der atmosphärischen Bewegung wächst, .sowie die Vertraut- heit des Luft Schillers mit diesen VorgängcMi. W'iiidrielitiing und \\'indstärk(^ an der lOrdobertläclie sind gerade (liejenigeii hljeiiii'nte, welche man aui'tJrunil- lage telegrapliisclien Materials wenigstens für die näelisten 24 Stunden vtnhältni.smässig am sichersten viniieisugeii kann. Sollte es bei ernstem Verfolgen dieser Studien uihI !)('! der that kräftigen Mitwirkung di'r Luftschill'er nniiKig- licli s(^in, diese N'orhersage auch auf höhere Seliieliten der Atiiios]ihäre auszudehnen':' (iewiss nicht, liefern docii (li(; bekannten Krfaliiini- gen über den Land- und Seewind, der in den uiit(Msteii Schiebten und in massiger Höhe die entgegengesetzte ]\iehtung besitzt, den direkten Heweis für eine solche Möglichkeit. Mit der Ki^nntnis der \\'indiichtuiigen in verschie- denen Höhen wäre aber schon viel g-ewoiincin zur Er- r(>ieliung vorgesteckt(M' Ziide ruid dürfte eiiu^ \'erfoli:uiig dieses Punktes wohl mehr Aussicht auf (lelingen erötf- nen, als die Versuche zu einer Steuerung des Liift- schiffes mit mechanischen Hilfsiuittelii. Wie dem aber auch im einzelnen sein mag, eines steht lest, dass enges Zusammengehen von Theorie und J'raxis jedenfalls beiden zum Segen gereicht. Ist doch dieses Zusammengehen das charakteristische Kennzeichen der modernen lYichnik und damit - wie man wohl sagen darf — unserer Zeit. Lassen Sie uns deshalb dieses Zusammenwirken pflegen, lassen Sie es uns mit doiipeltem Eifer pHegen, nachdem sich nicht verkennen lässt, dass Deutschland auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Luftreisen sich von anderen Nationen hat überflügeln lassen, während wir doch auf so viel anderen Gebieten durch Fleiss, ,Mülie und Ausdauer allmälilich die unbestrittene Führer- schaft errungen haben. Die Bedeutung der naturhistorischen, insonderheit der zoologischen Museen. \'(in l'iüf. Dr. Ivail K luciicliii. (Fortsetzung.) Man könnte einwenden, dass die bis jetzt von iiiii' geltend gemachten (iesiclitspunkte für die Errichtung von .,1'rovinzialmuseen" in keiner Weise als zwingende zu betrachten seien, da die Erforschung der Fauna und i*Tora des Staatsgebietes und die aktenmässige Fest- legung ihrer Resultate sehr wohl mit den grossen Landes- museen verbunden sein könne, während andererseits in den über ganz Deutschland zersti'euten Unixersitäten genügend zahlreiche h'acliautoritäten vorhanden seien, um Fragen über Fischerei und Seidenzueht, über Reblaus und Ko- loradokäfer, über Forst- und Gartenschädlinge zu erledigen, (iewiss würden diese Einwände nicht ohnetiewicht sein, wenn es sich dai'inu handelte, für die angegebenen Zwecke staatliche oder kommunale Institute neu zu seh äff (Ml, wenn es also bedeutender Opfer an Geld und Arbeitskräften bedürfte, nur um die Eiforschung der heimischen Orgauisiiien intensiver zu gestalten, i'e- spektive um die rnivorsitiltslehrer von Dingen zu ent- lasten, die nicht direkt ihres Amtes sind. Dies ist aber keineswegs der Fall: Die Institute sind in mehr als ausreichender Zahl vorhanden, und dieselben müssten, selbst wenn man ihnen die oben skizzierten Aufgalien nicht zuweisen wollt(\ erhalten bleilien ans (iründen, die ich im folgenden darzulegen versuchen werde. Die Anstalten, von denen ich s|ireclie und die weder den Universitätsh^hrsaiiniihnigen noch auch den grossen wissenschaftlich-systematischen ( 'entralmuseen zugerechnet werden können, sind jene zahlreichen ^luseen, welche in grösseren und mittleren Provinzialstädten, in Residenzen und freien Reichsstädten seit langem existieren und ihr(! Entstehung teils dem vSamiueleifer naturwissenschaftliclier Vereine, teils der ^luniflzenz einzelner privater oder fürstlicher Personen verdanken. Sie alle sind gesclialfeii, die reine Wissenschaft fördern zu helfen, mehr aber noch, um dem Laien Gelegenheit zu geben, seine Kennt- nisse auf naturwissenschaftlichem (Jebiete zu erweitern. Indem diese Museen demnach der Mehrzahl nach für das grosse l'ublikum, nicht für den engen Kreis der Fachmänner bestimmt sind, treten sie in Parallele mit denjenigen Anstalten, welche auf anderen (rebieten in gleicher Welse Belehrung: und Unterweisung der Staats- bürger erstreben, mit den (iemälde- und Kunstgallerien, mit den ethnographischen, praehistorisehen . (Jeweriie- museen etc. etc. Es wird schwerlich jemand einen so engherzigen Stand]tunkt einnehmen wollen, dass er alle diese soeben genannten Institutionen für überflüssig er- klärt, soweit sie nicht etwa mit Maler- uml Kunstaka- demien, resiiektive mit l'nivei'sitäten in N'eibindung stehen; 86 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. U. iiiiui wird viohiiehi' ohne \\cileii's ziig('l)i^n, dass eine ( iciiiiilck'saininhiii.i;', ein (icwcilx'imiseinii aiicli da am l'lat/.e sei, wo es sicli icdii^lieli iiiii die Aiireginii;', Be- lelii-iini;-, ^'el■edlllng• der Mitl>ür,i;ei' iiandelt, und bei einer solclien Autt'assung von den Aufgalien und Pflichten des Staates und der Gemeinde winde die r.ereclitigung von iiatiii'liistoiisclien ^Museen zum Zweck der i3elehrung des i'idilikunis von voinlieiein niclit anznfecliten sein. I)en- nocli hegen die A'erliiütnisse vielfach tliatsiiclilicli so, dass ernste Zweifel über den wahren Nutzen der heutigen naturhistoi'iselien „Scluiunniseen" aufsteigen nn'issen. Kxceiitio contiiniat regulani! Abei' fragen wir uns elu'lich, was in den meisten dei' in Rede stehenden An- stalten vom l'ulilikum gelei'nt wird, so kann die Antwoit nur eine durciiaus nnl)efriedigen(le sein. Eine erdrückende Külle ausgestopiter Säugetier- und Vogelbälge, in end- losen Reihen systematisch nelieneinander gestellt und alle hühseh mit lateinischen Namen vorsehen, zahl- reiche Schräidce mit Skeletten, Nestern, Schneckenschalen und Korallenzwcigen, Schaukästen mit bunten oxotisclien Schmetterlingen odei' Käfern, endlieh eine stupende iSiasse von (Jläsern und (iläschen mit Spiritus, deren Inhalt nur undeutlich eikcnnbar: Das ist im aUgemeinen das Rüstzeug, mit dem die Belehrung über die Wissenschaft von der Natur in Angritf genommen wird, das wenigst(ms ist in der ^Mehrzahl der Fälle der Eindruck, den der Laie aus dem liesucli eines solchen Museums hin- wegninmit. Es ist wahr, seine Kenntnisse hat er durch Besichtigung alt dei' aufgestellten Herrlichkeiten sicher bei-eichei't: ei' hat sich gefreut über die ^'arbenjiracht dei' schilleiiiden Kolibris, dei- troiiisehen l'aiiilioniden, gesta\int ühei' den schier endlos erscheinenden h'orraen- reichtnm der l'a)iageien oder dei' h'inkenai'ten, ja eine Tridacna, eine Maci-oclu^ira, ein ausgestoiifter hilepliant oder gar ein Walfiscliskelett haben seine aufrichtige Hochachtung herausgefordei't; im wesentlichen aber ver- lässt er die weit(ui Säle mit demselben Verständnis- und teilnahmlosen Hlick, mit dem ei- sie betreten; er ist ver- blüfft, nicht aber belehrt woi'den. (l^'ortsetzung folgt.) Kleinere Mittel üiige n. Dr. W. Si'liult/.e, welilicr die Einwirkung der Lielit- strahlen auf Bier untiTsuclite, fand, dass dir din-khii ,Sonni?ii- sti-aldpii. in weit gi'riiig-eri'ii) ti'nide das zerstreute 'J'agcslirlit, ferner Xdrillii'lit und selbst nocli Ijanipenlieht zersetzend auf gutes Wiener- und Miineliener-Bier einwirken. 80 zeigte es sieh immer, dass das in einem lieli tdurcli lilssigen Glase entlialtene Bier, wole.lies der tiesonniing ansg-esetzt wurde, bereits nae.li vier Minuten einen unan- genelimen Geruch und Gescbnuirk annininit, wälirend liingegen das- selbe Bier, in einem dunkeln Deckeikrnge aufbewahrt, an seiner Güte nii'hts einhüsst. Bier ist deninaidi eine für die Kiiiwirkung des ijiebtes aussererdentlieli enipHndliehe Flüssigkeit. Es beantwortet sieh hieraus die Krag'e, „in welchen GefassiMi Bier zum Au.sschanke zu bringen sei" dahin, das,s liehtdureh- liissige, deckellose G läser zu vermeiden sind, und erscheint der alte bayrische Gebrauch, Bier aus dunkelen Deckel- krügen zu trinken, wissenschaftlich begründet. JJr. Ij. S. Zwei Meter hohes Eqmsetum maximum. — Dass untir unseren deutschen Scliai-htellialmen 15. maxinnim si'ine}i Namen mit, Keeht trägt, zeigte mir in diesem Nommer ein Fund einer grossen Anzahl uiifruchtbarer Stengel dieser FHanze, die zwisidien 1,5 und "2,0 ni, Hiihe bcsassen, in einer lehmigen, (pielligen Schlucht in der Nähe von Graniiach zwischen Beigard und Neustettin in Hinter- pommern. Die betreffende Schlucht war dicht mit llaseliiuss- und anderem Gebüsch bewachsen und dii> hohen, schwanken Halme des Ffiuisetum stützten sich in derselben Weise an die.sen Zweigen und untereinander, wie es das bis 6 m hohe .E. giganteum Ecuadcirs thut. Auch andere l'tlanzen fand ich in jener (iegend die üljlichen Tjiuigen weit über.schreiteml. Lobelia Dortmanna in den Floren bis 0,6 «( hoch angegeben, hidi ich mit '2,1 /*( hohem Blütensti{'le aus dem steil abfallenden (Jrnnde am Ufer des kleinen l'omnK.'r- Secs und Hippuris vulgaris aus dem Schlamingrunde des l'orster Mühionteiches in 1'/l'"* hohen Exemplaren heraus, Dr. K. Keilhack. Professor ( ). ]C. Meyer berichtete in der srhh'sisehen (iesell- .sehaft für vaterländische Kultur über Messungen der erdmag- netischen Kraft, welche er in schlesischeu 15ergen ausgeführt hat. Aus seinen im Riesengebirge und am /obten gemacliten Beobachtungen ergab sich übereinstimmend eine Zunahme des Erd- nuignetismus mit di'r Höhe des Bi.Mdiaelitungsortes. Diese Zunahme ist so bedcnitend, dass ihr Grund nur in dem Magnetismus des Ge- stein.s gesucht werden kann. Die einfachste Erklärung würde die schon von A. v. Humboldt gennichte Annahme bieten, dass ein Berg .sich wie ein horizontal liegender Magnet verhalte, dessen Süd- pol iia(di Norden gerichtet sei. während der Nordpol nach Süden zeige. Wenn diese Ansicht gerechtfertigt ist, müsste an Orten, welche nördlicli oder sudlich von einem magnetischen Berge liegen, die Stärke des Erdmagnetismus vermindert erscheinen, während sie auf dem Bergesgipfel , sowie östlich und westlich von dem Berge sich vergrOssert zeigen würde. Dieses Verhalten wurde durch Messungen am Zobtenberge nicht bestätigt. Es hängt vielmehr die erdmagnetischo Intensität an einem Orte nur von der Art des Ge- steins ab, welches der Oberfläche zunächst liegt; so zeigt sich be- sonders über Granit stets eine starke Vermehrung des Magnetismus. Hiernach sidieint keine andere Deutung der Beobachtungen möglich zu sein, als die Vorstellung, dass die Berge nach der Flichtung der Inklinationsnadel magnetisiert seien, und zwar ,so, dass der mag- netische Südpcd oben liegt. Dasselbe Verhalten zeigen (Msenie Säulen in (tebäuden, und es ist von Andrea und W. König auch an dem magnetischen Frankenstein im Odenwald beobachtet worden. — x. In der „Praktischen l'hyKik" sagt Nippoldt Über die Blasen- bildung auf der Oberfläche der Gewässer durch auffallen- den Regen u. a. folgendes; Die Bildung der Blasen auf Teichen, W.asserlaehen etc. gehört zu solchen Erscheinungen, welche trotz der Häufigkeit ihres Auftretens in der Natur oder violleicht gerade wegen derselben in physikalischen Lehrbüchern bislang keine Berück- sichtigung gefunden halien. Man scheint gewissermassen die That- .sache der Bhiseidiildung als etwa.s selbstverständliches anzusehen, welches der Frklärung nicht bedarf. Der Grund der Blasenbildung ist lediglicli in der Grös,se der lebendigen Kraft des aulfalleinlen Regentropfens zu suchen. .Je dicker der Tropfen, desto grösser ist die Masse und Fallgeschwindigkeit, beide Faktoren vermehren seine lebendige Kraft oder besser gesagt, seine lebendige Arbeit (kine- tische Energie). Der anflallende Tropfen deformiert die ( MjerHäche des Wassers um so mehr, je grösser er ist, er führt zuglidch auf seiner Rückseite ein (Quantum Luft mit sich, welches au seiner Be- wegung teilnimmt. Diese Luft gelangt unter d(!n Wasser.spiegel, welch' letzterer sich über dem 'J'ropfen bereits wieder geschlossen hat, während noch der Tropfen mit seinem Luftschweif im Wasser eine Abwärtsbewegung macht. Die mitgerissene Luft wird alsdann nach iler Vernichtung der Tnjpfenbewegung wiediu' zur Oherlläche emporsteigen und je nacli der Zähigkeit des Wassers eine, kürzere lider liOigere Zeit existierende, Bl.ise bilden. War der Tropfen sehr gross, so entstehen oftmals zwei oder midir Blasen. Man kann die Richtigkeit obiger Erklärung leicht dundi Experiment naidiwelsen. Wenn man einen Wa.sserstrald auf die Oberfläche von Wasser derart leitet, dass derselbe nicht mehr als zusammenhängender Strahl, sondern, durch die Zunahnn; seiner Fallges(diwindigkeir in eine Tropfenkette zerrissen, auffällt, so reisst jeder Trojjfen ein kleines Ijuft(|uantum mit si(di, welches wieder als Blase aufsteigt. Hierauf beruht bekanntlich die Zufuhr der Luft in Aquarien, welche den | Fischen zum Atmen notwendig ist. Die Bl.asenzahl kann hierbei vermehrt werden durch Vergrösserung sowohl der Ausflu.ssgeschwindig- keit als auch der Ausflussöffnung: Beides vergrössert die lebendige Arbeit der Tropfen und die Menge der mitgerissenen Luft. Eine gewisse Qrö.sse der Tropfen ist für die Blasenbildung entschieden notwendig, da von ihr allein die konstante Fallgeschwindig-- keit abhängt. Die Entstehung der Blase bildet eine Analogie mit der Erscheinung der Sturzwellei:. Letztere entstehen, sofern die Form des Wellenkammes so .scharfkantig wird, dass die durch die Kohäsiou bedingte Oberflächenspannung des Wassers überwunden wird; die Oberdäche wird diskontinuierlich und der Wellenkamm stürzt n.ach der steileren Wellenseite über. Genau so ist der Vorgang bei der Blasenbildung durch auffallende Tropfen. Ist der letztere klein, so vermag er die Kontinuität der Oberfläche nicht zu stören, es entsteht alsdann nur ein konzentrischer Wellenzug; ist er gross genug, dass er eine solche U-tormigfe Höhlung der Wasserfläche Nr. 11. Nalurwissciiscliaftliclu^ Woclif^nsclififi. S7 i'i'zi'ii<,'t, dorcii übi>n> l;iliul(>r iiiicli innen wie bei ilnn Sturzwellen liiTülier fallen, su wird die mitgerissene Lnl't oben abfjeschlussen, lind es entstellt eine JMase. Stellt man wilhreiul eines Fjaiidre{,'ens Ulli [Ifer eines Teiches, sei siebt man unter einem das Ufer iilier- ragenden Baume, wie die vcin den HIatterii beralifalleiuleii g-rüssereii Trii]ifen jedesmal eine Blase bilden, wälirend die kleineren 'rrupfeii des Ijandregens auf dem Wiisserspief;-el diese Krsclieiiiuiig- uielit /.iM'i;-eii. Nach I'rofess'!. Tiefer Schlaf ; die Person erinnert sich nicht dessen, was sie während des Schlafes getlian, g'esa.ijt oder gehört bat, steht aber immer in Beziehung zu den fiegenwilrtigen, sowie mit dem, welcher sie hypnotisiert hat. 4. Sehr tiefer Schlaf; die Person ist ganz von der Au.ssenwelt abgesondert und steht nur noch in Beziehung zu dem Magnetiseur. ö. Nachtwaiidlerziistand (Somnambulismus)." Beaunis hat die vorzilglichsten Symptome des seltsamen Zu- staiides des Somnambulismus folgendermassen znsammengefa.sst: „Sobald das Individuum, einerlei, auf welche Weise, künstlich eingesehlätert worden ist, befindet es sich im soniiianibulen Zustande. I>ie tilieder behalten die Stellung, welche ihnen der Hypnotisierenih' giebt, und die Anregungen, welche er ihnen mitteilte, dauern auto- matisch fort. Das Individuum steht nur mit der Person in Beziehung, welche es hypnotisiert hat, hört nur sie und antwortet nur ihr allein. Ks gehorcht nur ihr allein unbedingt und kann roii ihr l'^indüsti'rnngiMi (des suggestions) erfahren. Während des Schlafes erinnert sich der Hypnotisierte vollkommen dessen, was ihm sowohl während des Wachens, als während eines früheren hervorgerufenen Schlafes widerfahren ist, aber nach dem l'Irwachcn hat er alles vergessen, was während des Schlafes voriiel." „Hraid, t'arpentier, Lii'bault und viele andere erklären die Krscheinungen des Hypnotisnius durch die gespannte Aiifmerk- .sanikeit, die Konzentration des (Jedankens. Diese Rrklärung ist .jedoidi nicht sehr klar und lilsst uns nicht besonders tief in die NTariir der Vorgänge eindringen. Durand de Gros ist in seinen I Iiitersiichnngeii tiefer geg.angen. Nach seiner Meinung besteht das Wesentliche, charakteristische Moment des Hypnoti.smus darin, dass er die Thätigkeit des Denkens auf ein Miiiiiiium bescliräiikt uiul seine Arbeit auf ihren eintachsten Ausdruck zurückführt. Dadurch wird das flidiirn der ausschliesslichen Erregung einer i'.iulacbeu. gleichartigen, fortdauernden Emptindung unterworfen. Auf diese Weise entstellt sozusagen eine Unterdrückung der ( leistesthätigkeit. au.sgenommeu in einer einzigen Richtung-, aber die Nervenkraft ftilirl fort, sich in dem (Jeliirn anzuhäufen, weil sie nicht verbraucht wird, und die Folge ist eine nervöse Kongestion. Diese so in dem («ehirii angehäufte Nervenkraft kann sich auf einen oder den andern Teil, auf den oder .jenen Nerven, das eine oder das andere .Siiinesorgau übertragen und dessen Thätigkeit auf merkwürdige Weise erhöhen. Die hypnotischen Ersclieiniingen bestehen also nur in einer Ablenkung der im Gehirn angesammelten Nerveukraft in der llichtung;, welche ihr der Uypnotisator mitteilt. Dieselbe Ablenkung findet unter dem llinfluss einer eingeflüsterten Idee statt." Auch in der Eksta.se riiditcn .sich alle Seelenkräfte auf ein einziges Verlangen, ein einziges Gefühl; es treten daher auch alle lOrsi'heinungen des Hypnotisnius ein; Starrsuidit (Katalepsie), Waliii- vorstelluugen ( llalluciiiatioiieii\ Schmerzlosigkeit (Anästhesie) und selbst Hautbliitungen (Stigmata). Von unseren fünf Sinnen bringen vornehmlich das Gesicht und Gehör Ekstase zu stände; tJerucb, Geschmack und Gefühlswahr- *) Vergl. .,N. W." Bd. 11 S. 95. nelimiiiigen spielen nur ausnahmsweise diese liolle, da sie nicht in L'leicheni Masse wie die ersteren mit unserem Denken und inneren Fühlen verbunden sind. Meist ist die lOkstase eine Verzückung mit Fjustgefühl , bei vielen handelt es sich aber um transcendentelle Bedürfnisse. Die Trunkenheit ist mit der Ekstase verwandt; bei der alkoholischen herrscht aber ein ordniingsloser Tumult aller p.sychisclieu Ji^litmente vor und die centrif'ugaleu Aeu.sserung(Mi derselben verhindern die wirkliche Kkstase, die fast immer eine innere Konzentration dar- stellt. Die narkotische Trunkenheit hingegen könnte mau eine künst- lich hervorgebrachte Ekstase nennen und diese daher eine freiwillige, psychi.sehe Narkose. In beiden Fällen tritt eine vollständige Iso- lierung von der Aussenwelt ein, und die Hrscbeinungen sind dieselben. „(ioethe bat sehr wahr gesagt; „Die .Jugend ist die Trunken- heit ohne den Wein", und so können wir von der Ekstase sagen, sie sei eine Narkose idine Opium, ohne Haschisch und ohne tjüca." Aber doch uiitersciundet sich die h^kstase von der Narkose; „höher" als Ilypnotismns und Trunkenheit befindet sie, siidi vielleicht in gleicher Rutfernung von beiden, wie es Mantegazza durch das folgende Schema, welches er „die 'I'ypographie der lOkstase in der Welt der psychischen Tliatsachen" nennt, darstellen niöidite; Ekstase. Ilypnotismus. Narkose. Um in Ekstase geraten zu können , muss das Nervensystem angeborene Veranlag-ung besitzen, oder sie ist an einen zeitweiligen Zustand derselben gebunden; die Umgebung beeintlusst die Knt- stehung und Uichtung (h^rselben ganz wesentlich. Man kann be- haupten, d.ass im alten (iriechenland ästhetische Ekstasen häujig; vorkommen mussten, und das Mittelalter war bekanntlich höchst fruchtbar an religiösen Verzückungen. Heutzutage ist die \ervo- sität hoch entwickelt, aber der Glaube wankt und der Kultus des Schönen ist auf zu viele Altäre verstreut , um sich auf einen ein- zigen Punkt konzentrieren und somit zur Kkstase werden zu können. Es fehlt aber deshalb keineswegs an Ekstasen; sie sind nur zer- streut und vereinzelt und entgehen, bei ihrer Neig-iing sich zu ver- bergen, der Beobachtung. Eine Ek.stase bereitet sich allmählich vor; die Stufenleiter bis zu ihrer Erreichung ist die folgende; „Verdichtung der Aufmerksamkeit auf einen einzigen Punkt des Bewusstseins, .sei es nun auf eine Empfindung der äus.seren oder der inneren Welt, einen thätigeu Gedanken oder ein erzittern- des Gefühl. /unebmendes Verblassen und Krkalten aller anderen Empliii- diiiigeu, aller anderen Gedanken, aller anderen früheren oder gegen- wärtigen (lefühle. Stürmisches, aus allen Kräften liervnrbiecheiides Zusammen- strömen in einen einzigen Punkt, wie von einem uiiwiderstehliehew V"rhäugnis .angezogen. Verschwinden aller l''oinieii der äusseren oder inneren Em- plindung. Lälimuiig und noch öfter Starrsucht aller Muskeln, daher festes und krampfhaftes Beharren in derselben Stellung, welche ent- weder die äiisserste Vernichtung oder die höchste Aufregung ausdrückt. Rine iinwidersteliliehe Neigung, sich zu erheben, wäre es auch nur mit den Augen. Rrsclieiniiug von Bildern, welche sich in einen einzigen llahmen ziisanimeiidräiigen . oder eines einzigen Bilde.s, welches in sich alle Schönheit in der Zeichnung und Farbe vereinigt. Endlicher Rrfolg: eine einzige, erschütternde Rmplinduiig, welche alle geringeren in sich verschmilzt, ein einziges er.schüttern- des tJefühl, in welches sich alle anderen Gefühlskräfte umbilden. Ein AusHuss von Uiclilstnibb'ii von erlKibeiien ülilzen uns diesem einzigen Punkte. Die Verzückung oder Rkstase. Der N'ersuch, die Rkstasen zu klassifizieren, ist schwierig; man kann sie nach ihrer Intensität oder nach der \xi ihres Ur- sprunges voneinander scheiden. Letzteres geschieht in Mantegazza gegebenen Liste: 1. (iruppe. I<;kstasen de 1. Rkstasen der geschleehtlichen Lielie. '2. „ „ Familien liebe. :i. „ „ Freundschaft. 4. „ „ allgemeinen Menschenliebe, .''i. ., des Opfers. ( Andacht, Weihung, Hingebung, Visionen, Gebet. der Voll iiueigung. fi. iieligiöse Ekstasen 88 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 11. II. Gruppe. Aesthetisclie Ekstasen. 1. Ekstasen der Gestalt und Form. 2. „ „ Farbe. 3. „ „ .Symmetrie. 4. „ des unendlich Grossen. 5. „ „ „ Kleinen. C. „ der Vielfältigkeit. 7. Mu.sikalisclie Ekstasen. in riruppe Intellektuelle Ekstasen. 1. Ekstase der Eroberung der Wabrbeit. 2. „ des Schaffens. 3. ,, der Beredsamkeit. 4. ,', „ Macbt und der That. 5. Metaphysische Ekstasen. Nicht nur Menschen, sondern auch die Tiere sind hypnotischer Zustände und „Dämmerungsformen" der Ekstase fähig', Maute- gazza glaubt ihre Verzückungen einteilen zu können in 1. musku- läre und vegetative Ekstasen, wenn z. B. ein Hündchen eingebildeten Fliegen nachjagt, springt und sich wälzt, ohne äusseren Anlass bellt, heult und sich durch seine eigene Bewegung aufregt, 2. musi- kalische Ekstasen, bei Singvögeln, und 3. ästhetische Ekstasen z. B. bei den Laubenvögeln, Amblyornis. Bei der Schilderung der Schönheiten der Paradiesvögel spricht Mantegazza von einer Hypothese zur Erklärung der Farbenpracht jener Geschöpfe, die wesentlich von Darwin'schen Ansichten ab- weicht, uns aber beachtenswert erscheint. „Ist es allzu kühn — . sagt Beccari — anzunehmen, dass ein lebhaftes Verlangen, eine fortwährende Sehnsucht, einen gewissen Typus der Schönheit zu erreichen, eine Veränderung in der Färbung und Gestalt der Federn soll hervorbringen können? Ich glaube es nicht; und was mich am meisten in Erstaunen setzt, ist dies, dass, während in dem von den papuanischen Paradiesvögeln bewohnten Lande die .Sonnen- untergänge fast immer goldig sind, sie auf der Insel Waigeu im Gegenteil immer feurig rot erscheinen. Und sollte es ein Zufall sein, dass die daselbst vorkommende Paradiesvogelart in ihrem Ge- fieder der Himmelserscheinung ähnelt, welche sich daselbst fast täg- lich zeigt? Warum hat die Schlegelia calva einen nackten Kopf von der Farbe des Himmels, den sie durch die Baumzweige in den Stunden ihrer abendlichen Liebeszusammenkünfte sehen und bewundern muss? Warum hat unter denselben Verhältnissen die Paradi.sea magnifica auf dem Rücken einen Mantel, welcher an Farbe und Gestalt einem halben Monde gleicht, dessen Strahlen vielleicht den Kampfplatz be- leuchten, wo auf dem Rasen in dichtem Gebüsch zierliche Kämpfer. mit Schmuck überladen, um die Gunst einer bescheidenen Zu- schauerin Liebe.sturniere abhalten? Trägt der Cicinnurus nur zufällig genau die Farbe der Costusblüten, von deren Samen er sich nährt? Warum sind die Ziegenmelker, die Käuzchen und andere näclitliche Vögel von dunkler Farbe? Warum .sieht man unter ihnen keine einzige Art von lebhafter, etwa graulicher Färbung, welche iluien während des Tags mächtigen .Schutz gewähren würde, während bei Nacht die Farbe ganz gleichgiltig sein müsste? Warum erinnern die I'lecken mancher Ziegenmelker an jenen Zustand des Himmels, wo der Mond zwischen einzelnen Wölkchen steht und der Vogel auf einem Zweige sitzend stundenlang seinen höchst eintönigen Ruf wiederholt, regelmä-s.sigen .Schlägen eines Holzstückes auf einen Baumstamm vergleichbar?" Beccari erklärt diese Thatsachen durch eine Umw.andlung des iSchönheitsgefUhls in eine Thatsache der Ernährung der Federn : von dem Tiere gewollt und ersehnt. ,,l>ie neuen Entdeckungen über den Hypnotismus, die Blutausscliwitzungen durch Einflüsterung ver- mehren die Wahrscheinlichkeit dieser kühnen Hypothese." Eine ausführliche specielle Besprechung der verschiedenen Ekstasen des Menschen bildet den Inhalt der ebenso wie die drei ersten sehr lesenswerten Kapitel 4 — 22. Das ganze Buch ist mit Begeisterung in stellenweise wunderbar poetischer Form geschrieben. . -. — T .H- ^'■ Ruhsam, J., Ahhihlunyeh der icichtitjste.n Teile vieler im säclis. Erzqeh'irge wihlinichsenäer Pflanzen nebst kurzen Erklärunijen derselben. (Sep.-Abdr.) (20 S. m. ÖO Taf ) 50.^. Rudolph & Oieterici, Annaherg. Russow, E., Zur Anatomie resp. jjht/siolo;/. und i'cri/l. Anatomie der Torfmoose. Schriften, hrsg. v. der Naturforsch(^r-(iesellschaft bei der Universität Dorpat. (35 8. m. ö Taf.) 3 JC. !v. l"". Köhler, Leipzig. Salmon, G., Auati/fische Genmciric der Kcijehelmitte mit besond- Beriicksicht. der neueren Metlmden. Frei bcarb. v. W. Fiedler. 5. Aufl. 2. Tl. (XIX u. S. 43.3— 809.) %JC. Teubner, Leipzig. Säxinger, J. v., Gefrierdurchschnitt einer Kreisenden. Fol. (3 Taf ni. 1 151. Text.) In Mappe 10 JC. Laupp, Tübingen. Schecker, G. , lieber cinii/c Umsetzungen aromatischer Körper. (43 S.) 1 M. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen. 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Sievers', W., geoynotische Karte der Venezolanischen ('ordillerc. bearb. u. gezeichn. v. L. Friederichsen. 1 : 100000. Chromolith. Fol. 4 JC. Friederichsen &, Co., Hamburg. Sorauer, P., Atlas d. Pflanzenkrankheiten. 2. Folge. Fol. l<-lil' die .,Xh tnrw i nm<* ii - M 4* li a f't I i «■ li e W 4> <■ li <> II M <■ li ■■ i l't " von «leii Z<'itiiii;>>>«'X|»*'«liii ilircr l'oNtäiiiloi- lM>'Ai«'li<'ii. «las AI>oiiii<>iii4'ii( ^orälli^'Nt i-<'4-lity.t'i(i;;' «>i-ii4>ii4>i'ii z.ii iV4>ll4'ii. 4Faiiii< <'iii4's(<>ilN k4'iii4' l'ii(4-i'lti'4-4-liiiii;;' in 4l4>i- XiiMi-iiiliiii;;' »(a((i«' von den ItiieliliandliiiiK'en und der l-/V|>e«lition l»exi«>lieiideii Abonnenten ei-lialten di<' ..Xatiii'fviKsenselianiicIie W'oelienselirilY" Mtets neuer xiii>esaii«H . nenn iiielit aiiMdi-ii4-kli4-li AI»lM>NtelliiiiK' V4»rlieyt. it i: it li I > X ^\ Luisenplatz II. O. Die Expedition der „Haturwissensch. Wochenschrift". 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Abdruck ii^t nnv mit voll!<»tiiii«lig;er (Quellenangabe g;estattet. lieber „Leichenwürmer". 7! Von Dr. F. Kar.sch Wie oiii Unii-olelirtor seinen Körper als Leielio ganz alJgeniein den „Würmern" verfallen sich vorstellt: so liat auch tler Cielchrte noch heutzutage eine höchst unklare Vorstellung von den tierischen "Wesen, welche die melu' oder weniger völlige Umsetzung seiner irdischen Reste bei der noch üblichen Ijcstattung unserer Leiclien auf Friedhöfen besorgen. Die erste, wissenschaftUcheu An- fordeiungen entsprechende Untersuchung der „Leiclien- würmer" hat Dr. H. Reinhard in Dresden vorgenommen und seine Untersucliungen am 6. April ISSl der .Tahresversammlung der kaiser- lich - königlichen zoologisch - botaniseiien (iesclLschaft in Wien vorgelegt, in deren \'erliandlungen eine kurze, nur vier- Seiten starke Ausarbeitung erschien. Auf Grund einer umfängUcJien Enquete nämlicli, mit welcher die Medizinalbeamten >Saciisens im Interesse einer Revision der gesetz- lichen Bestimmungen über das Begräbnis- wosen beauftragt waren und in dei'en Folge eine grosse Anzahl seit kürzerer oder längerer Zeit belegter (ilräber in den versciüedcnsten Teilen des Landes eiiitfnet und auf iiire Leichenreste untersucht wurden, konnte er feststellen, dass zu Myriaden und in allen Entwicklungsstadien eine nur zwei Millimeter lange FUegenart aus der (Iruppe der l'horiilen, die Conicera atra Meig. und ein kleiner Käfer, der Rhizophagus parallelocollis Gyll., sich bei den Leichen fanden, von denen ilun die Fliege ein sicherer, der Tväfer ein ungewisser „Tjeichenwiirm" zu sein sciiien, und er bescliloss die dürre Wiedergabe der von ihm beobachteten Tliatsachen mit folgenden Worten: „.Sicher ist dies niu- ein kleiner Teil der Tierwelt, welciier gelegenthch füi' sich oder seine Nachkommenschaft den Inlialt der Särge als Nahrnugsquelle aufsucht und so Privatdocent für Zoologie an der Universität in Berlin. den Zersetzungsprozess der Leichen föi'dert. Aber so wenig umfänglich auch die Beobachtungen sind, so regen sie doch zahlreiche Fragen an, unter denen die wohl am nächsten liegt, in welcher Weise die Eier dieser Tiere an die Leichen gelangen, ob dies niu", wie man ja oft beobachten kann, an der Leiche vor der Beerdigung stattfindet oder ob, was ebenfalls viel Wahi-scheinhclikeit für sich hat, die Tiere durch den beim Auswerfen des Grabes gelockerten Erdboden bis in die Tiefe, wo der I Sai'g steht, liinabsteigen, lun ihre Bier I an einer Stehe abzulegen, wo die ans- |(; ki'iechcnden Larven geeignete Nahrung li finden. Indessen, so verlockend es ist, i-fsich hier in Vermutungen zu ergehen, so ist es doch besser, in Ermangelung zu- 1« stallfliege, Cyrtoneura stabu !.''Z;,^Jp:p^.'l:'NS'Mfgiffi1,f!?^tverlässiger Beobachtungen sich ihrer zu Natur e" I Fig. 2. Bliimenfl-ege, Anthomyia spec, a Flügel, b Füliler des Insekts, d Toiinenpui»pe. enthalten. Vielleicht bietet sich anderen eine günstige Gelegenheit, weitere Er- ;'fahi-ungen in dieser Sache zu sammeln ^und unsere Kenntnisse darüber zu er- weitern." In der That bot sich bereits im letzt- ^ivergangenen Winter dem französischen Made, "Akademiker und Professor der Veterinär- Nach M6gn.n. ^^^^^^ p^^j Megnln diese Gelegenheit; indem er den von der „commission d'assainissement des cimetieres" auf dem Friedhofe zu Jvry vorgenommenen Exhumieiungen von vor zwei bis dix-i Jalu'en beerdigten Leichen beiwohnen konnte, machte er zwei sehi' beachtens- werte Entdeckimgen : An den seit zwei Jahren einge- sargten Ijeiehen hatten drei Fliegenarten, die Brummtiiege (Calliphora vomitoria), die Stalltüege (Cyrtoneura stabulans, Fig. 1) und eine unbestimmte Anthomyia (Fig. 2) ihre Tliätigkeit schon lange eingestellt: sie faiulen sich aber ausschliesslich in den Särgen der im Sommer bem'abeuen I;eiclien. woraus folgt, dass ilire Eier auf 90 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 12. Fig. ■"'. Huschfliege, a Imago, b Fülller e Puppe. — den noch nicht eingesargten Leiclien aiigebraclit werden. Die Erbschaft der Calliphora und Cyrtoneura traten im dritten Jahre der Leiclienrulie haujjt- sächlieh zwei andere Insekten an, die Huschtiiego (Phora ateri'iina, h^ig. 3) und ein kleiner Käfer, der Riiizopliagus parallelocoUis (Fig. 4), beide fanden sich auch an im Winter beei'digten Leichen und mussten es also verstanden haben, sei es als Larven, sei es als Mütter, den Weg zu den iSärgen dnrcli die zwei Meter dicke Erdschicht zu finden. Da die Phora sich vorzugsweise bei mageren, der Rhizopliagus bei fetten Leichen fand, so schliesst Megnin, dass die Phora mageren, der Rhizophagus fetten Leichen den Vorzug gebe, und beide vielleicht durch den Geruch zu den entsprechenden Leichen geleitet würden. Vom wissenschaftlichen Publikum wurden Megnin's Entdeckungen mit grossem Interesse und fast ohne Widerspruch aufgenommen. Nur in Bezug auf wuT'm die Wirksamkeit des Rhizophagus als „Leichen- P li r a a t. p V r i m a ; , Flügel, d Maile, Nach Mi'guin. ist von verschiedenen vSeiten her und, wie es scheint, nicht unbegründeter Widei'spruch erhoben worden; leider sind aucli iu ilirem ^\^idel■- sprucbe die Rhizoiihagus -(Jelehrten nicht einig. Da nämlich andere Arten dieser Iväfergattung als „Wurzelnager", wie ilu' Name besagt, von Pflauzenstoften sich nähren sollen, so vermuten Dr. von Jleyden und Di'. G. Kraatz, dass der Rhizophagus parallelocoUis in dem zu den Särgen verarbeiteten Jlolze lebe, ohne mit den Leichen irgend einen Zu- sammenhang zu haben; da aber anderer- seits Perris die Larven einer Rhizopha- gus -Art lebende Larven von l:5orkenkäfern vei'zelu'cnd beobaclitete, so zieht Anton Handlirsch den Öchluss, der Rhizopha- gus parallelocoUis treibe rpit grö-sster Wahrscheinlichkeit im Larvenstadium als Raubtier unter den übrigen Sargbe- wohnern sein Unwesen. i>ei der unzweifel- liatten Bedeutung der Gräberfauna in gerichtsärztlicher Hinsicht erscheinen daher weitere Forschungen geboten. agus pavallelo- b Imago. — Nach rnin. Die Bedeutung der naturhistorischen, insonderheit der zoologischen Museen. Von Prof. L)r. Ivarl Kiaepeliii. (Schluss.) In der That^ so lange die naturhistorisehen Museen im zähen Festhalten an der lüstorisclien Tradition, dass die Sammlung von Naturobjekten sich selbst Zweck sei, ihre Hauptaufgabe in der Aufstellung immer neuer Bälge und Skelette sehen, so lange ihnen der Gesichts- punkt der systematischen Vollständigkeit, der syste- matischen Aufstellung des Vorhandenen über Alles geht, so lange könnte man leicht in die Versuchung kommen, fiü- radikale Beseitigung aller dieser das Inte- resse des Laien an der Natur nicht fördernder, die moderne Wissenschaft hingegen diskreditierender Institute zu sprechen , um deren Stelle durch zoologische Gärten und Aquarien ersetzen zu lassen. Was der Laie an Tierl'ormen wirklich zu kenneu braucht, um als gebil- deter Mann zu gelten, ja um an ihnen als an typischen Paradigmen weitere Belehrung über Bau und Leben der Organismen in sich aufzunehmen, das ist selbst in unsern kleineren zoologischen Gärten und Aquarien mehr als reichlich vorhanden. Während aber das Museum alle diese Tierformen nur in todten Bälgen oder Knochen, i'espektiv in farblosen, meist verunstalteten Spiritusexem- plaren vor Augen führen kann, bieten uns Tiergarten imd Aquarium frisches blühendes Ijeben, zeigen sie uns (üe Geschöpfe in Charakter und Benehmen, in Stimme, Haltung, Färbung und Lebensgemeinschaft. Was ist der aufs beste ausgestopfte Elephant des Museums gegen das lebende Exemplar des zoologischen Gartens, was die Actinie, die Qualle, die Sabellide in Spiritus gegen die farbenprächtigen, hyaUnen, phosphorescierenden Geschöpfe unserer Seewasseraquarien ? ! Doch (üe Sache hegt zu klar, als dass sie wei- terer Ausführung bedüilte und nicht schon längst in den beteihgten Kreisen empfunden wäre. Lässt sich doch eine ganze Reihe von Versuchen anführen, die darauf hinzielen, das merklich geringe Intei'esse des Publikums an den Museen zu heben. Wenig glück- lich in dieser Richtung erscheinen allerdings die Bestre- bungen derjenigen, welche durch gehäufte Zusammen- steUuug von Farbenpracht, durch das Gigantische der Formen oder gar durch gewisse nervenerschütternde Präparate, wie gegerbte Meuschenhaut und munilizierte Leichen den Reiz der Sammlungen zu erhöhen streben, da auch hierdurch eben im wesentUchon nur Staunen hervorgerufen wird. Noch verfelüter fast muss sich der Versuch darstellen, mit ausgestopften Bälgen dramatische Scenen aus dem Freileben der Tiere vortuhren zu wollen. Einen Kondor mit ausgebreiteten Fittichen mag man sich allenfaUs noch gefallen lassen; einen Lämmergeiei- aber, der eine Gemse zertleischt, eine Riesenschlange, die ein Aguti verschlingt, ein zusammenbrechendes Rentier, das von einem blutgierigen Luchs zerkraUt und besessen \vird, müssen w'iv entschieden als Verirrungen bezeichnen. Sie mögen künstlerisch schön sein diese Gruppen, falls sie von wirklichen Künstlern hergestellt sind; wirkliche Belehrung, allgemeinere Gesichtspunkte bieten sie nicht. Anders in dieser Hinsicht verhält es sich mit den Be- strebungen, die Tiergeographie und die sogenannte Bio- logie bei tl(?r systematischen Aufstellung der Tiere mit zu berücksichtigen. Gewiss ist es von Nutzen, wenn der Besucher etwa durch zierüche Ijandkärtchen, wie beispielsweise im Dresdener Museum, über die geographische Verbreitung ganzer (i ruppen, wie wichtiger Einzehbrmen unterrichtet wird ; das 1 leranziehen biologischer Momente aber, die Berücksichtigung des Entstehens, Werdens und Vergehens, des Nestbaues und der Brutpflege der Or- ganismen eröffnet mit einem Schlage ein so weites Feld whivlicher Belehrung, dass sie unbedingt zu den wichtig- sten Neuerungen auf dem Ciebiete der Museumskunde gerechnet werden muss. Abel' alle diese schönen Dinge können nicht oder nui- in besclu'änktem Masse zur Geltung kommen, solange die Auswahl dei' Naturobjekte vorwiegend Nr. 12. Natiirwissensdliaftliche Wocliensclirift. 01 nach wissenscliartlicheii, iliro A iifslclluiif^- ledij,'- licli nac'li sj^stoiuatisclicii {iosiclitsiiunkteii jie.sclüelit. Was iuiiiior und iininor wiedor auf das Entscliiedonste bokiiMi]iri wci-dcii iniiss, ist, der (ilaubo, dass Wissonscliaft und l'idiliknni aiciclizeitiir bedient werden könnten, eintaeli etwa dadureh, dass man das /,ii wissenseiiartliehen Zwecken bestininite Material iiiüyliclist schein iierausstiitze, mös-helist scliön „aptiere" und dann dem Publikum auf iStunden den Mintritt in die hübsch dekorierten und erleuchteten ixäume gestatte. Schon vor Jahren hat Moebius*) mit klaren Worten darauf hing-ewiesen, dass iSchausaminlung und wisseuschaftliciie .Sammlung voneinander geti'ennt weiden, dass nicht nur die Zu- rüstung und Aufstellung der Objekte, sondern auch die Objekte selbst in beiden fundamental verschieden sein müss(^n. Alles das, was nur für den i^'achinann vo?i Bedeutung, will er den f Micken des Publikums entzogen wissen, will er, um möglichst viel auf beschränktem Kaum unterzubringen, als wissenschaftliche Sammlung „maga- zinieren". Was aber geeignet erscheint, dem Dilettanten, dem Laien Belehrung zu bieten, sein Interesse zu er- wecken, das und nur das ist aufzustellen, dann aber auch in einer Weise, dass man sicher ist, das gesteckte Ziel zu erreichen. Stellen wir nach dem soeben dargelegten die Be- lehrung des Publikums als das vornehmste Ziel des Schau-Museums hin, so ei'giebt sich hieraus ohne weiteres eine ganze Reihe von Aufgaben, dei'en Lösung bis jetzt wohl nur in den seltensten Fällen ernstlich und plan- mässig in Angritf genommen worden ist. Wo es g-ilt dem Nichtfachmanne eine Vorstellung von der Bedeutung, von den lOirungenscliaften und den Zielen einer Wissen- schaft zu geben, da wird es eben nötig' sein, auch alle die einzelnen Disciplinen dieser Wissenschaft heranzu- ziehen, die Hauptresultate derselben an Musterbeispielen voi'zufüln-en und auch den grossen Problemen soviel S])iehaum zu gönnen, dass sie vom Laien erfasst werden können. V^on diesem Standpunkte aus erscheint eine Sammlung von „Haut und Knochen" oder vornehmer ausgedrückt, von ausgestopften Bälgen und Skeletten, und sei sie noch so reichhaltig, noch so schön kon- serviert, wie ein Stück aus dem vorigen Jahrhundert, in welchem ja eben die Systematik allein und zwai' die nach äusserlichen Merkmalen konstruierte Systematik als Wissenschaft galt. Heute, wo der anatomische Bau der Tiere uns ungeahnte Wunder offenbart hat, müssen wii' verlangen, dass auch dem Laien die wichtigsten Organe dos Tierkörpers in ihren verschiedenen Bauplänen an typi- schen Beispielen vor Augen geführt werden; heute, wo wir nicht mehr Morphologen im alten Sinne, sondern Biologen sind, wo uns das Problem des „Lebendigseins" das höchste ist, heute wollen wir es auch dem Laien zur iVnschauung bringen, wie mannigfaltig das Werden und Wachsen der Lebewesen, wie unendlich vielseitig, aber auch wie gesetzmässig die Beziehungen derselben zu einander und zur umgebenden Natur sind: heute end- lich, wo die Leinen eines Darwin die Grundlagen unse- rer Weltanschauung zu erschüttern drohten, können und sollen wir es jedem Gebildeten klarlegen, w^as Schutz und Trutz im Ivampf ■ ums Dasein, was ZucldA\ahl, was Variationsweite, was Differenzierung- der Arten ist, damit er mit eig-enen Augen sich überzeuge, dass nicht müssige Lust zum Bhilosophieien, sondein die Wucht dei- That- sachen es ist, welche jene grossen Ideen gezeitigt hat. *) K. Moebius: Ratschlügo für den Bau und die iunerc Ein- ricbtiing zoologischer Museen. Zool. Anz. ISSi p. 878 ff. Hei allen diesen Fordeiungen, die meines Mrachteus an die Leistungen eines modernen Schau-Museums ge- stellt werden müssen, darf selbstverständlich die reine Systematik, di(! äussere Kenntnis der Tierformen keines- wegs vernachlässigt wei'den. Aber wenn irgend wo, .so wild g-erade in diesem Punkte das Wort zur Wahrheit, dass erst in der Beschränkung sich der Meister zeige. Wohl kann man mit Recht verlangen, dass die Organis- men der Heimat in einer eigenen Sammlung voU.ständig dem Publikum zur Ansicht offen stehen, um ein Bild der uns umgebenden Natur zu bieten, um dem sammeln- den Dilettanten ilie Möglichkeit zu geben, die gefun- denen Schätze nach authentischen Exemplaren bestimmen zu können; von der unendlichen Formenwelt aber tropi- scher Krdstriche und fremder Meeresgebiete wäre nur dasjenige auszuwälilon, was zur Vertretun.g der wichtig- sten Formengrui)pen des Tierreichs sich eignet oder sonst aus irgend einem (irunde auch dem Jjaicn Belehrung zu bieten vermag. Dabei wäre dann wieder festzuhalten, dass auch liier der systematische Gesichtspunkt allein durchaus nicht genügen würde, um die Anforderungen des Pul)likunis zu befriedigen. Gew'iss ist eine systema- tische Hau]itsammlung aufzustellen, welche dem Beschauer die Tierwelt lediglich nach diesem einen Prinzipc der nächsten Verwandtschaft aneinandergereiht vor Augen führt; daneben aber wären zahlreiche weitere Gru])pen zu bilden, die aus irgend welchen anderen Gründen vom Laien oder von der Wissenschaft unter einem gemein- schaftlichen Gesichtspunkt aufgefasst werden. Ich spreche hier nicht in erster Linie von der geographischen Zusammengehörigkeit der Tiere, da eine Ordnung der- selben nach Ländern eine vollständige Doppelsaramlung involvieren würde, vielleicht auch in der systematischen Sammlung den Forderungen der tiergeographischen Wis- senschaft durch mancherlei Hilfsmittel halbwegs Genüge getlian werden kann; weit wiclitiger erscheinen vielmehr Zusammenstellungen solcher Tiere, welche ent^\eder in irgend einer näheren Beziehung zum Menschen stehen, oder aber geeignet sind, durch iiu'c Gruppierung eine wissenschaftliche Idee zur Anschauung und zum Ver- ständnis zu biingen. Da sind in erster Linie die Tiere, die unser direk- testes Interesse herausfordern, sei es, dass sie uns selbst belästigen, unsere Forsten und Gärten venvüsten, sei es, dass sie durch ihre Erzeugnisse materiellen Nutzen ge- währen. Die Ento- und die Ectoparasiten des Menschen wie der Haustiere stellen eine solche Gruppe dar, die vereint werden müsste, unbeschadet dessen, dass vielleicht die Taenia neben der Ascaris, die Wanze neben dem Floh zu stehen käme. Daran würden sich reihen die Schädlinge des Waldes, des Ackcrliaus, des Gartens, die Kleintiere unserer Wohnungen, die technisch verwert- baren Geschöpfe mit einer Zusammenstelhnig- der von ihnen gewonnenen Produkte, die wichtigsten Objekte des Fischereibetriebs, der Tierzucht und vieles andere. Zu einem tieferen Erfassen aber der die Wissen- schaft beheiTsehenden Ideen bürden solche ..unsystema- tische" (iruii])ierungen die Handhabe bieten, welche etwa die Mannigfaltigkeit der Schutz- uml Trutzwaffen im Tierreich, die Mimikiy, die Schmuckmittel, die Bauindu- strie, die Brutpflege etc. etc. in übersichtlicher Weise vor Augen führten. Selbstverständlic'h würde es bei Erfidhing aller dieser Forderungen nicht zu vermeiden sein, dass ein und das- selbe Naturobjekt zwei-, dreimal an verschiedenen Stellen der Schausammlung zur Aufstellung käme, eine Konse- quenz, die meines Erachtens durchaus nichts Erschrecken- 92 Natiiiwlssenscliaftlielie Wocliensduift. Nr. 12. des bat, da dei- Eaum hierzu bei der geforderten Be- schrimkimg- der rein sj^stematiselien Schausammlung reichlich vorhanden wäre, andererseits aber keine kost- spieligen Raritäten zu jenen tj'pischen Gruiipenbildern gewählt werden sollen, sondern eben die verbreitetsten, den Laien am meisten interessierenden. Nach dem Gesagten brauche ich wohl kaum aus- zuführen, dass nun auch das „Wie" der Aufstellung sich wesentlich von dem bisher üblichen Modus unter- scheiden müsste. Nicht die Etikette mit dem lateinischen Gattungs- und Artnamen und einem Hinweis auf Vater- land, Schenkgeber und wissenschaftlichen Bestimmer wiü'de am Platze sein; vielmehr müsste Alles, was irgendwie zur Erklärung des vorgeführten Pi'äparates, zur Erläu- terung der zu veranschaulichenden Idee ins Feld gefühi't werden kann, das schriftliche Wort, die Zeichnung, das Modell, mit liebevoller Hingabe und pädagogischem Takte herangezogen werden, um das allein erstrebenswerte Ziel, wirkliche, tiefer gehende Belehrung dem Laien zu bieten, unter allen Umständen zu erreichen. Ein solches Schau -Musemu, wie ich es im Vor- stehenden zu skizzieren versuchte, würde das, was Aqua- rium und Zoologischer Garten zu leisten vermag, weit in den Schatten stellen, würde als wahi-e Bildungsanstalt den Gallerien, Kunst- und Gewerbemuseen wiü-dig zur Seite stehen, würde gleich ihnen binnen kurzem ein Publikum an sich ziehen, das nicht sowohl aus Fi'emdon, müssigen Neugierigen und einigen wenigen Dilettanten und Fachmännern bestände, sondern das sich in den Räumen des Institutes mehi' und mehr heimisch fülilte und ein tieferes, nachhaltiges Interesse für die Anstalt wie für die Wissenschaft zu gewinnen vermöchte. Ich stehe somit nicht an, ein einfaches „Schau- Museum" in diesem Sinne als etwas berechtigtes, ja als etwas in jeder Hinsicht von Staat und Gemeinde erstre- benswertes hinzustellen. Dennoch möchte ich die Auf- gaben der heutigen „Museen in der Provinz" keineswegs in diesem einen Ziele erschöpft sehen. Es ergeben sich vielmehr aus dem blossen Vorhandensein dieser Anstal- ten noch eine ganze Reihe von Aufgaben, welche in hohem Masse dazu angethan sind, die eminente Bedeu- tung derselben ins rechte Licht zu stellen. Schon im Früheren wurde ausgeführt, dass die zahl- reichen Fragen, welche Staat, Gemeinde und Gewerb- treibender in naturwissenschaftlichen Dingen zu stellen haben, natui'gemäss durch die Beamten des Museums ihre Erledigung finden werden; in gleicher Weise wird auch der sammelnde Naturfreund, der wissensbegierige Laie in den für die Verbreitung der Natureikenntnis wirkenden Fachmännern den gegebenen Anhalt sehen; kurzum, das Museiun mit seinem kleineren oder grösseren Stab von Gelehrten entwickelt sich zu einem Centi'al- punkt des gesamten naturwissenschaftlichen Lebens einer Stadt oder einer Provinz. Hierher strömen die zahl- reichen Naturobjekte, \\-elche, aus fernen Ländern auf die verschiedenste Weise herzugeführt, sonst nutzlos ver- zettelt und vernichtet würden; von hier aus gehen die Anregungen zur eingehenderen und sorgfältiger(;n Unter- suchung der Landesfauna, die Unterweisungen der Ka- pitäne, Kaufleute und sonstigen Dilettanten, welche in fremden Eitlteilen zoologische Sammlungen zu machen die Gelegenheit und den Willen haben; hier findet der dem Seminar oder der Universität entwachsene Lehrer Gelegenheit zu praktischer Ausbildung in der Zerglie- derungskunde und im Bestimmen der Tiere; hier endlich bietet sich auch für das weitere PubUkum der Gebil- deten die Möglichkeit, durch Vorträge und Demonstra- tionen tiefer in die Wissensgebiete der Zoologie einge- führt zu werden. Das Alles würden schon die kleineren Museen mit beschi'änkten Mitteln und Arbeitskräften erreichen können. Ist es nötig, darauf hinzuweisen, dass der Wirkungskreis solcher Anstalten gewaltig sich erweitern würde, wenn ihre Organisation sie befähigte, nun auch der reinen Wissenschaft ihre Dienste zu weihen? Non omnia possumus omnes; aber unter der Zahl der deutschen Museen befindet sich doch eine ziemliche Reihe, welche nach ihrer ganzen Anlage, ihren Mitteln, nach den Be- ziehungen, die sie unterhalten oder vermöge ihrer geo- graphischen Lage unterhalten sollten, berufen sind, auch wissenschaftlich in die Arena zu treten. Diese grösseren Institute haben somit die weitere Aufgabe, den grossen Landesmuseen unterstützend und ergänzend zur Seite zu stehen, ohne dass sie den aussichtslosen Versuch machen müssten, in Konkurrenz mit ihnen zu treten. Mögen die Mittel für einzelne dieser Anstalten auch beträcht- liche sein, sie werden nie ausreichen, um das Material und die Arbeitskraft zu beschaffen, die eine wissenschaft- lich-systematische Central-Sammlung der gesamten Lebe- wesen unseres Planeten erheischt. Darum dürfte aucli hier wieder die glückliche Lösung der Schwierigkeiten in der Differenzierung liegen, d. h. in dem bewussten Streben der einzelnen Museen, nicht auf dem gesamten Arbeitsfelde der Systematik wissenschaftlich verwertbares Material herbeizuschaffen, sondein nui' auf bestimmten Specialgebieten, wie sie sich aus der Zahl, den Neigun- gen und Fähigkeiten dei' vorhandenen Beamten, aus den Beziehungen, welche das Museum zu gewissen Ländern und Bezugsquellen unterhält, mit Leichtigkeit ergeben würden. Wenn in dieser Weise neben der allen An- forderungen an allgemeine systematische Kenntnis ge- nügenden Schausammlung durch Jahrzehnte hindurch gewisse Specialgebiete der Zoologie, sei es nach der geographisch-faunistischen, sei es nach der morphologisch- sj'stematischen Seite, von den l^eitern solcher Institute gepflegt worden wären, so wüiden bald an die Stelle der vielen gleichartigen, die Wissenschaft wenig fördernden Museen solche mit scharf ausgeprägtem individuollem Charakter treten, die einzig in ihrer Eigenart auch einzige Special - Studien erniöglichten. Freundschaft- liche Verständigung zwischen den einzelnen Museen, coulanter Austausch ihrer durch Geschenke oder Ge- legenheitskauf erworbenen Naturobjekte wüi'de auf einen solchen Wandel von eminentestem, förderndem Ein- fluss sein. Ich stehe am Ende meiner Studie über die Bedeu- tung und die Ziele unserer naturhistorischon Museen. Darf ich noch einmal die Resultate derselben kurz zu- sammenfassen, so ergiebt sich etwa Folgendes: Es sind im allgemeinen drei Arten von naturhistorischen Museen zu unterscheiden: die Universitätslehrsammlungen, die grossen systematisch - anatomischen Centrahnuseen, die „Schaumuseen". Jede derselben hat gewisse Spccial- aufgaben, welche ihren eigentlichen Charakter bedingen, ist dabei aber wohl im stände, auch die Aufgaben der anderen Kategorien fördern zu helfen. Die Schau- sammlungen, welche in erster Linie den „Museen in der Provinz" zufallen, sind auf die Höhe anderer gleich- artiger Institute, wie dei' Kunst- und Omäldegallerien, zu heben ; sie haben die allgemeinen Errungenschaften und Ideen der Wissenschaft dem Publikum zum Aus- druck zu bringen und haben in der Wahl und iVufstellung der Naturobjektc ausschliesslich diesen Gesiclitspunkt als massgebend zu erachten. Die Wissenschaft kann und Nr. 12. Naliirwi.sscnscIial'UicJic Wocliunsclirii't. fi8 soll aii(!li in ihnen, scIIjsI hei l)csclniüikteii Vcrliältiiisscüi, gefördert -werden, indirekt (ladnrcii, dass sie zu (Vüilral- punkten des gesamten naturwissenscliaftliclien Lebens sieh eiitwiekehi, direkt dnreh inteii.si\(' Mrlorschnny der Heimat, wie dnreh die l'tlege nnd IJearbeitiing bestimmter, den jeweiligen Verliältiüssen angemessener Spccialgebiete. Kleinere Mitteilungen. I Die Mikrobie der epidemischen Ruhr (Dysenterie), wonach liislaiii;' die Golclirffii vi>ryi'l)licli gcfiJisclit lialicii. ist geniilss einer Mitteilung an die J'ari.ser Aliadeniie der Medizin von den Herren <'lian temesse und F. Vi dal in den l'iXkrenienten , den l)iel Gehdirten so ein, das.s sie sich an verschiedenen Punkten der Insel längere Zeit autliielh-n und dort ihr Ijaboratorium aufschlugen, um an Drt und Stelle; Sludien anstellen und in Müsse genügendes Material für .spätere L'nter- sMchung'en sammeln zu können, welches sie auch, wie ihre Arbeiten beweisen, in reichlicher Menge mitbrachten. Dr. E. Korschelf. Ueber das Vorkommen von Triton helvetieus und Rana agilis in Deutschland bandi-lt ein Aufsatz von Prof. Leydig in den „Verhandl. di;r physikul. nii'dizin. (Jesellsch. zu Würzburg-" (N. F. XXU. Bd. 1888. ,S. 1!)1— 201!). Bereits vor .sieben .lahren bei Bearbeitung der fränkisi'h-rbeiniscdien Fauna hatte der Verfasser das Bekenntnis abgeleg't, dass num weit davon entfernt sei, das ganze Gebiet uiul alle Tiergruppen erforscht zu haben. Das galt in erster Linie für die wirbellosen Tiere. Es hat sich aber heraus- gestellt, dass auch die Wirbeltiere noch neues liieten. Im Spessart wurde seitdem Triton helvetieus entdeckt, eine dem gemeinem Molche, Triton taeniatus ähnliche, aber verschiedene Art. Er erinnert an diese Art in Tracht und Grösse, nanu'ntlich das Weibchen, und ist nach der Färbung meist schwer davon zu trennen. Ver- fasser verweist jedoch auf die in seinem Werke „Die IMcdcbe der Württembergischen Fauna" (Archiv f. Naturgesch. 1807) gegebenen Erörterungen betreli's der Unterschiede, welche sow(dd den bi-idi'u (ieschlechtern im allgemeinen, als auch im besondern dem iMännchen und Weibchen im Hochzeitskleide zukommen. Hinsichtlich des inneren Baues ist ganz besonders der merkwürdige Knochenbogen zu erwähnen, der vom Stirnbein rüi-kwärts zum (^uadrafbein geht und den drei ülirigen einheimischen Species fehlt. Fei'ner ist die Schwanzwirbelsäule seitlich stark zusammengedrückt und nimmt siih dadurch sehr hoch aus. Dies hndet man in beiden f iesi'bleehtern. Auch hierin steht die Art dem taeniatus zunächst. Beachtenswert ist, dass in d^r Skulptur der Guticida an den Zehen.spitzen unsere Art sich von den übrigen einheimischen verschieden zeig-t: bei Tr. cristatus ist die Outicula an der Zehen.spitze zwar verdickt, aber ohne Skulptur, bei alpestris verdickt und mit grobschruiulig<'r Skulptur versehen ; letztere ist bei taeniatus zu einer fein gekörnelten Bildung geworden, und bei helvetieus prägt sich diese Skulptur an der Ünterfläche der Zehenspitzen zu einer grobkörnigi'u Foi'm aus. Auch die Sanienelemente bieten bei den vier Arten Deutsch- lands Verschiedenheiten. ZAvar finden sich bei den jetzigen Unter- suchungsmethoden keine gröberen Unterschiede in der Form, immer- hin besteht aber ein Unterschied in der Grösse und Stärke der Zoospermien: Tr. cristatus nimmt die erste Stelle ein, dann folgt helvetieus, dann alpestris und taeniatus. Verf'as.ser gdaubt hiernach, dass helvetieus eine gut unterschiedene ,\rt .sei, die viel verkannt wurde, teils weil die Autoren den Midch nicht .selber vor ■sich sahen, teils auch die darüber vorhandenen Angaben nur ober- flächlich durchgingen nnd doc'h rasch aburteilten. In seinem früheren Werke über diesen Gegenstand hatt(> der A'crfasser die lloflhung ausgesprochen, dass mit Hilfe seiner Zeichiuingen und sonstigen Mitteilungen fortan j(;der im stand(! sein werde zu wissen, ob er den wahren helvetieus vor sich habe. Ein solcher l'h'folg blieb aber aus: die irrung'en wiederholten sich lustig weiter, gerade wie vorher. Tr. helvetieus zählt zu i'iner Gruppe von Wassermolchen, welche ausgezeichnet ist durch den knöchernen Arcus fronto-temporalis, womit sich der Mangel eines eigentlichen Rückenkamnies beim Männchen vergesellschaftet. Die Molchgruppe von diesem Bau hat auf europäischem I5oden ihre Verbreitung' in Portugal, Spa- nien, Frankreich und Italien. In Deutschland ist unsere Art zu- erst von V. Tleydi'U und Kirschbaum in Nassau (Königsteiu und AViesbaden) autgefunden im .fahre 1800, 18()7 bei 'l'übingen von Leydig:, der sie schon 1857 dort g-esehen hat. Später wurde sie noch au anderen Punkten Südwest-D<'utschlands gefunden, von Fries im Schwarzwalde, wo sie sehr gemein im .Muninielsee und Herrenwieser.see vorkommt; bei Reutliniren von Keller. Sie kommt auch viel nördlicher noch vor. Bert kau fand sie in der Umgegend von Bonn; hier fand sie Leydig selbst in Tümpeln auf den Bergen, in (iräben der Thäler usw. Sie wurde sogar in der Umgegend von IClberteld in Sümpfen von Varrc'sheck 1877 gefunden. Nach Leydig ist Triton helvetieus ein Glied jener Gruppi' einheimischer 'l'iere, welche von Westen her durch die Gebirgsliicke von .Iura und Vogesen ins Rheint.al gelangten. Die östlichen Punkte seines A'or- komniens .sind Tübingen und Keutlingen. 04 Naturwissenschaftliclie Wochenschrift. Nr. 12. koniint er in der iiorddeutxchen Tiefeljone als gros.se Seltenheit in ( llierneuland bei liremen und liei Veijesaelv vor. Wolterstorf f (Zool. Anz. 1S87 iS. ;)2I) fand ihn an verschiedenen ruiditen des Karzi>s. Niinnielir ist die Art anch im Spessart, l)ei Lii'litenau in (•ineni WiescMtiiinpi'l usw. konstatiert. Die aus di'r uoiddeutschen 'l'ieteliiMie ^'esandteu Tiere waren viel kleiner, zarter und lilasslarhiger als die liei 'rubiiiyen und im (Spi'ssart gefundenen. \'iel seltener und nur sehr vereinzelt wurde eine zweite Art der Amphibien, llana asjilis, p:efu7iden. Leydiif, der sie siduui früher liei Wiiizburfr sah, führt sie jetzt vom Höuhberg- am Mittel- nuiin an. Sehon (.'. Koch erwähnte sie vom T'ntennain. Naeli Böttfrer (Znol. Anz. ISSt)) kommt sie im Rheinwald bei StrassburL;- vor. VHelleieht bewohnt sie auch das Siebenn-idiirs-e (Siehe 8. 204 Anni.) Anscheinend ist es eine in Deutschland im Aussterben be- srrifi'ene Art, von der, wie Leydif,' meint, jetzt nur noch die letzten Kxemplare fjefunden werden. Ihr ein-enflicher Wohnsitz sind süd- lichere tiefenden: Fiankreich, Italien, Dalmatien, West-Schweiz. Der Frosch zeichnet sich dadurch vor den übrigen aus, dass er in mächtigen Sprüngen, gleichsani fliegend, das AVeite sucht. Die hinteren Beine sind sehr lang und dünn, die Schnauze lang rundlich spitz, diei Ferseidiöcker stark längswulstig, die Gelenkböcker d(!r Zehen stark knopfartig vorsjn-ingend. l<'erner das zarte Wesen des 'l'ieres, die eig'entümlicb lichte, zarte Färbung des riitlic.h oder gelb- braunen Grundtons heben die Art sogleich von Itana arvalis, der sie am nächsten steht, und von B. fusca ab. ])ie von Ijeydig in der Gefangenschaft gehaltenen Stücke, zeigten ein sanftes, gedul- diges Benehmen. Iv. Silene eretiea, ein vorgeschiehtliehes Lein-Unkraut auch heut noch diesseit der Alpen. — In seiner bekannten .Vbliandlung iilier den ['faldbautenlein teilt Heer mit. dass er unter dem Lein der Schweizer-Pfahlbauten Samen der Silem; cretica, eines in den fjeinfeldern Siideuropas verbreiteten Unkrautes gefunden habe und zieht daraus den Schhiss, dass die Pfahlbauten-Bewohner den Samen des Leins stets von neuem aus Südcnropa bezogen haben, da diese Pflanze diesseit der Alpen nicht vorkomme Diese Angabe Heers ist nicht zutreffend. Für Untersteier- mark wird S. cretica L. (als S. annulata Thore ) schon in Kochs Synopsis angegeben; nach Maly, Flora von Steiermark, 1868. S. '220 findet .sie sich n a. bei Gleichenherg (dem bekannten Kurort südöstlich von Graz), Wisell, Aidvcnstein, Stattenberg, Gilli; ebenso im benachbarten Kroatien (Neilroich, Vegetation von Kroatien, 18G8, S. 208) und ist neuerdings auch in Ungarn und zwar sowohl im niirdlichen (Nemes Podhragy im Komitat Trentsolnn) als im südlichen (Planischewitza in der ehemals rumäniseh-banater Militär- grenze) beoliachtet (Neilreich, Nachträge zur Vegetation Ungarns, 1870, S. 84). Endlich sah ich bereits vor einem \lerteljahrhundert in Süddeutschland (Weilheim in Oberbayern, Eisenbarth! gesammelte b'Acmplare, vgl. Pohrbach , Monographie d(>r Gattung Silene, 18G8, S. lü.s). An manchen dieser Fundorte, z. B. Weilheim, Gleichen- berg findet .sich auch S. !iin"cüla Gmel. und ist es deshalb sehr wohl möglic'h, dass S. cretica schon seit ebenso langer Zeit diesseit der Alpen sich erhalten hat, als diese, bekanntlich nur in Leinfeldern diess- und jenseit der Alpen vorkommende Art, obwohl natürlich auch diese Fundorte von neuerlicher Einschleppung (die für mehrere derselben, z. B. die ungarischen vermutet wird) herrühren können. I'rof. P. Asclierson. Kugelblitze gehören noch immer zu den rätselhaftesten Erscheinungen des Luftkrtnses. In unseren Breiten sind sie selten unil die wenigen Fälle, in denen von sicheren Zeugen über solche Erscheinungen berichtet wird, solh>n nach der Ansicdit vieler aus- scldiesslieh als Jleteore oder Feuerkugeln zu erklären sein. Das ist allerdings doch wohl zu weit gegangen; mag auch einzelnen Berichten eine \'erwechslung zu Grunde liegen, so haben wir es doch in anderen Fällen unzweifelhaft mit elektrischen Vorgängen zu thun. Zudem ist es dem durch seine Arbeiten über Akkumulatoren bekannten französischen Physiker Gaston Plante bereits vor einigen Jahren gelungen, mit Hilfe ausserordentlich starker Akkumulatoren — 800 bis 1600 Bleiplattenpaare in verdünnter Schwefelsäure, welche vorüber- gehend eine elektromotorische Kraft von 2000 bis 4000 Volts ent- wickelten — Erscheinungen hervorzubringen, welche, wenn auch in verkleinertem Massstabe, mit den Kugelblitzen eine gewisse Aehidichkeit zeigen und daher zur Erklärung derselben eine Hand- habe bieten könnten. Seine Versuche, ursprünglich meist in den Berichten der Pariser Akademie verüttentlicht, hat er jetzt zu einem kh'im-n Bande der „Bibliothe(|ue Scientitlque Contemporaine" : „l'lieno- mciM's Electriques de rAtmosphere, Paris 1888" vereinigt. Die wichtigsten dieser Versuche sind folgende: Wird der m?gative p{d der beschriebenen Batterie in Salzwasser getaucht und man nähert der Flüssigkeit den aus einem Platindrabt gebildeten positiven Pol, so bildet sich zwischen diesem uiul der Flüssigkeitsüberfläche unter eigentümlichem Geräusch eine kleine leuchtende Kugel, die man durch vorsichtiges Erheben der Elektrode bis auf ca 1 ci» l'urchmesser auwach.sen lassen kann. Dabei nimmt sie, wohl in Folg-e der licgieifenden Dampfentwickliing, eim^ drehende Bewegung an, die zur Abplattung der Kugel führt.: ein Zustand, der mit dem sphäroidalen viel .Vebnlii-hkeit zeigt. Die Anziehung und Erhebung der Flüssigkeit erklärt 1' laute durch die mit dem Uebergaiig der hochgespannten Eh'ktricität verbundene Luftver- dünnung-, Wirkliche Kugeln in grösserem Massstabe erzeugt Plante nnt eim'r noch stärkeren Batterie, wobei er statt des salzigen di'stilliertes Wasser verwendet. Giebt man der positiven Elektrode, anstatt sie über der Flü.ssigkeit zu befestigen, die Form eines langen Peiulels, so folgt die Feuerkugel dessen Schwingungen über der Flüssigkeitsoberfläche; im Duidveln werden Pendel und Flüssigkeit nahezu unsichtl)ar, und man sieht dann nur eine langsam oscillierende Feuerkugel. Ijadet mau eim;n Kondensator, dessen Dielektrikum aus einer (ilimnierplatte gebildet ist, zu hoher Spannung, so kann durch die Blatte an einer weniger dii'ken Stelle leicht ein Funke übergehen; danut findet nun aber, wie Plante angiebt, keineswegs eine voll- ständige Entladung statt, sondern der Funke Iiringt zunächst das Metall und Isolationsmaterial an der betreffenden Stelle zum Schmelzen; es bildet sich eine kleine leuchtende Kugel, welche die Punkte geringsten Widerstandes aufsucht und so die bizarrsten Linien auf dem Kondensator beschreibt, allmählich dessen völlige Entladung bewirkend. Die Dauer des l'hänomens ist übrigens nur kurz; um diesiübe zu verlängern und sich zugleich näher an die in der Natur herrschenden Bedingungen anzuscliliessen, kann man anstatt der metallischen Armaturen gnjsse Ballen aus gefeuchtetem Papier verwenden, die durch eiiuMi Zwischenraum von massig leitender feuchter Luft getrennt sind ; es bildet sich dann eine grössere und beständigere Feuerkugel. Die Ergebnisse dieser und ähnlicher Versuche sollen nun nach der Ansicht Plante's den Schlüssel zur Erklärung der Kugelblitze liefern, welche nach Aussage von Augenzeugen ebenfalls nur eim; langsame Bewegung zeigen, zuweilen sogar für kurze Zeit an einem I'uidvte verharren und dann plötzlich unter schwacher Detonation spurlos verschwinden, während sie in anderen Fällen auch schon die verheerendsten Wirkungen hervorgebracht haben. Kugelblitze entstehen nach Plant(' durch den Ausgleichsvorgang grosser Mengen hochgespannter Füektricität, die sich etwa in einer niedrig ziehenden Wolke rasch angesammelt hat nml nun nach der Erde oder der sie zunächst bedeckenden Ltiftschicht überzugehen strebt; ebenso kann freilich das Phänomen anch zwischen zwei entgegengesetzt geladenen Wolken eintreten Die leuchtende Kugel selbst soll nach dem Autor aus verdünnter, durch die Elektricität leuchtend gemachter Luft, aus Wasserdampf und endlich infolge Zersetzung des letzteren aus Wa.sserstoff und Sauerstoff bestehen. Je nachdem die letzteren (iase in grösserer oder geringerer Menge vorhanden sind, vollzieht sich das schliessliche Verschwinden der Feuerkugel mit oder ohne Detonation. Die grössere oder geringere Menge des durch die Elektricität leuchtenden Wasserstoffs soll zugleich die verschiedene Farbe der Feuerkugel bestimmen. An dem Leuchten beteiligt sich ferner der in der Luft schwebende kosmisclie und terrestrische Stauli, welcher glühend wird und verbrennt, ein Vorgang, der zugleich — neben der Uzonbildung — den mit den Kugelblitzen zuweilen auf- tretenden charakteristischen Geruch erklären soll, was indessen einigermassen fraglich erscheint. Da die oben beschriebenen Versuche stets nur mit dem positiven Pole der Akkumulatoren gelan.gen, so schliesst Plante, dass auch die Elektricität der Wolken, von welchen die Kugelblitze ausgehen, stets positiv sein müsse, wogegen die von Influenz herrührenden St. Elmsfeuer und ähnliche Erscheinun- gen negativer Elektricität ihre Entstehung verdanken sollen. Nach allem sollen also Kugelblitze nur entstehen können, wenn Gewitterwolken mit einer ausserordentlich starkiMi Ladung hochgespannter Elektricität in geringer Entfernung von dem Bliens luitdeeken lässt! 1 )as Ni)rdli(dit ist ilun die sielitbare Ansstralilung des Verrates an posi- tiver Klektrizität, welelie dii^ lOrde bei ihrer lOntsteluing mitbekom- men hat, um ihn nach und luicli unwiedi'rbringlich zu verlieren! Die (\vklonon vordanken ilire Drehung ehdvtriselier Abstossung, wobei der Autor sich in den Widers]irueli verwickelt, densidlien bald eine eentrifugale absteigende liewegung — wie sie thatsärhiich höchstens in den fraglichen Anticyklouen vorkommen mag — bald eine centripetale Asiiirati(Misbewegung zu (iriinde zu legen! Und so Hessen sieh noch eine Menge von Widersprliehen und irrigen Folgerungen eitleren, zu welchen das liestrebeu führt, für die komplizierten Ersehpinungen der Natur eine einzige speciidle Ursache verantwortlieh zu machen. Doch soll nicht unerwähnt bleilien, dass das läucdi auch eine Menge richtiger ]?eobachtuugeu und hübscher Versuche enthält, welche es dem vorsichtigen T>eser als inrer(>ssante Lektüre empfehlen lassen. Dr. B. Dessau. Elektromotorisches Verhalten von Amalgamen. — Herr S. lyindeck liat neulich eine Reihe von Versuclien gemacht, betreffend das elektromotiu'ische Verhalten von Amalgamen. Kr bt^- diente sich dabei eines in einigen Pjinzelheitan abgeänderten und ver- besserten Lippmann'scheu Ivapillarelektrometers. Das Prinzip dieses Instrumentes beruht darauf, dass die l'olarisation des (Juecksilliers durch Wasserstoff die Kapillarkonstante des Quecksilbers ver- grüssert. Diese Zunahme des Kapillardruckes lässt sich aber mit Milfe eines Manometers leicht ermitteln, und giebt dann ein Mass für die l'otentialditi'erenz, welche an den Elektroden des Elektro- meters herrscht. Herr Lindeck untersuchte tiun eine Reihe von Amalgamen, dadurch, dass er ein Element herstellte von der Form: amalgamiertes Zink — Zinksulphatlüsung — Amalgam, das Zink mit dem einen, das Amalgam mit dem andern l'ule des Elektrometers verband, und die Aenderiing des Kapillardruckes bestimmte. Das Elektrometer war So empfindlich, dass es noch eine Potentialdili'erenz von 0.0002 Volt anzeigte. Neben der schon genannten Zusammenstellung be- nutzte ernoch die Orenzttllle: Zu j Zu .SO4 | Hg. u. Zn | Zu SO4I Metall, sowie die Kombination Zn | Zn SÜ4 | amalgamiertes Metall. Der eine l'ol des Elementes war immer amalgamiertes Zink, der Elektrolyt inuner Zinksulphat. Aus den Versuchen geht hervor, dass schon ganz geringe Beimengungen von Zink das elektromotorische Ver- halten des (Quecksilbers bedeutend verändern kUnnen , insofern als schon ein Gehalt an Zink von 0.00015%, die elektromotorische Kraft der Zusammenstellung Zn | Zn SO4 | Hg von 1.33 auf 0.16 Volt erniedrigt. Die festen Zink-Amalgame scheinen sich wie das reine Mi'tall zu verhalten. Beim Oadmium zeigen sich ähnliche Erscheinungen. Nur ist die Einwirkung von kleimm Mengen des Metalles weniger bedeutend. Die Stellung des Quecksilbers in der Spannungsreihe wird nicht so stark verändert, wie durch das Zink. Dementsprechend ist auch das amalgamierte Cadniitnn immer elektronegativer als das reim? Metall. Das Verhalten der Zinn- und ]5leiamalgame ist etwas unregel- mässig, schliesst sich .aber im ganzen demjenigen der beiden erst genannten Metalle an. D.agegen nimmt das Siliier eine Ausnahme- Stellnng ein. indem selbst starke Jieimengungen des Metalles das elektnunotorische Verhalten des Quecksilbers fast gar nicht zu ver- ändern vermögen. Jlerr Lindeck zieht aus seinen Versuchen den Schluss, dass, je elektropositiver ein Metall ist, umsomehr kleine Mengen desselben, in einem grossen Ueberschuss von Quecksilber verteilt, die Stellung di's letzteren in der Spannungsreihe in positiver Richtung hin ver- schieben können ; dass dagegen bei weiteren Zusätzen von Metall, das elektromotorische Vi'rhalten des (Quecksilbers nahezu das gleiehe ist, wie das des reinen Metalles. (Wied. Ann.) Dr G.,H. v. W. Litteratur. Kaiserl. Marinepfarrer P. G. Heims: Das Leben in den Tropen. Ein Wort zur Kolonialfrage. N'eihig von h'rnst llonuinn. Kiel 1888. preis üO .^. Die kleine Broschüre ist mit aasgesproiluner l'ointe fegen die Üekämpfungen gerichti-t, die nnsei'e kolonisatorischen Be.stn'bungi-n von den „I'"ortschrittpri'diireni'' und bisweilen vom ,wis.senschaft- liclien Stamipunkt aus Studierstuben" erfahren liab(ui, uinl verfoK't den Zwei-k zu zi^igen, dass l)eu(. speiste man — trotz der gegebenen Möglichkeit des Anbaus — Büchsenfleisch und iiüchsenbohnen, .Irish stew mit seiligen euro- päischen Kartotfeln, die schrecklichen „preserved potatoes" , ja so- gar Büchsenananas I Diese englischen Missionshäuser bringen mich auf des Ver- fassers letzten Punkt. Auch ich halte es für eine Hauptaufgabe der Mission, die Negeijungen ziu' Arbeit zu erziehen, doch scheim-n mir die katholisch - französischen Missionen in Gabtin , Laudana, Homa und Linsolo in Nähe des Stanleypools eine ratiouelleie Methode der Erziehung zu betreiben als die protestantischen Eng-länder und Amerikaner, die vor allem das „orare" betreiben, wäiu-end über das „laborare" und die Anhjituug dazu nuinche ihrer Stationen, z. B. die von San Salvador, die am Stanleypool und aiulere am Kongo bis zur Aequatorstatiou hinauf, mu- sehr wenig Aufklärung gegeben haben. Und doch ist es gewiss, wie audi diir Verfasser angiebt, dass in den Tropen die weissen Leute recht gut im stände sind, täglich einige Stunden zu arbeiten. In den erstc^n hundert Jahren erwartet auch der N'erfasser nicht, dass wir die Älasse der Schwarzen zur Arbeit bekehren. \'iele Leute sind aber auf (Jrunil ihrer Krfahruugen g-eueig't, solche Erwartungen noch um ein bedeutendes länger hinauszuschieben, manche sogar verzweifeln ganz an dem lOrfolg der bezüglichen Be- strebungen. Wir müssen doiOi immer bedi^nken, dass der Nigger in seiner Hedürfnislosigkeit und Faulheit das Produkt seiiu-s liodens uiul seiner .Soiuu' aus offenbar sehr langen Zeiträumen ist, und da.ss wir diese Faktorou weder zu ändern, noch ihnen irgend welche auch nur in geringstem Masse gleichwertige Gegenfaktoren enfc- gegenzusteUeu vermögen. Wenn nun der \'erfa.sser endlich emptiehlt, bis die lOrziehnng der Neger zur Arbeit gelungen sein wird, auswärtige Arbeiter, etwa Chinesen oder Kulis, einzuführen, so würde es allerdings sehr initz- *) Warum unfruchlbar? Meines Kracliteiis ist die obig-e Frage eiiu>r wissenschafllii'heii P.elianilluuy fähig uml wert. II. P, 96 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 12. lieh sein, dahingeliende Versucliu zu machen, um zu prüfen, oh die rrodnktivität unserer afrilvanisihen Tropenliolonien einen derartigen Aufsclilag- der Produlttionskosten zu ertragen vermag. Dr. Richard Büttner. Ehrendorfer, E. , Leitunfj der Geburt n. d. Wochenbettes nach. anfinepfmchcm Prhizipr. (S. 100 — 198.) Klinische Zeit- und Streit- fragi-n. Hrsg. von >1. iSchnitzler. 1 M. W. Brauniidler, Wien. Steinbach, j.. Die Sterüifät der Ehe, ihre Ursachen und ihre liihandlnny. (S. 8.5 — lOS.) Klinische Zeit- und .Streitt'ragi'ii. Hrsg. von J. Schiiitzler. \ JC. W. liraumülicr, Wien. Straube's J. Spezialknrte v. lUeseni/ehirge. 1:80000. Au.sg. 1. üt'arhig in 4 Streifen zerlegt. Fol. Mit Text. (15 S.) (ich. SM; An!=g. 2 geh. 2M)J(-; Ausg. .3 geh.2^«; Ansg.A l.bOJC. Ausg. 5 1 jK- rieogr. Instit. u. LandUart.-Verl. Jul. Strauhe, Berlin. — Spezialktirte der Umgegend von Potsdam n. Werder. 1 : 60000. In (Jeneralst.ahsmanier m. 11 Farheu ansgef. Fol. 1 JC; 2farhig 50 ,«. rieograpli. Instit. u. Laiuikarten-Verl. Jul. Strauhe, Berlin. Stuckenberg, W. , Grmidproli/enie in Hnme. Pliilosophische Vorträge, hrsg. von der philosopliisclien fiesellschaft zu J5erlin. N..U1. l<'idge. 13. lieft. 1,20.'/^. rtelfer, Halle. Suchannek, H., Ueher Nasenleiden ii. ihren Zusammenhang mit andere» Orqiinleidcn. sowie üb. Re/Ie.vnettrosen. Hahilitationsrede. (.■i2 S.) 80 .j. Müller, Zürich. Teminink, Gh., Aus meiner orthopädischen Praxis. Ein Beitrag zur 1 leilung krüppelhafter Gehrechen. (VllI, 151 S. m. 21 lith. Taf.) fl JC. Aschendorft", IMünchen. Thiel's landwirfhschaftliches Konversations - Lexikon. Spezial- Supplenientbd. 7. u. 8. (Schluss-) Liefg. (S. 545—784.) 1 JC. Thiel. Herlin. Unna, P. G., Die Entwicklung der Baktcrienfärbung . Sep.-Ahdr. (8(1 S.) \,M JC. Fi.sclier, Jena. Vejdovsky, F., Entwicklimgsgeschichtlichc Untersuchungen. 1. He/t. 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(IV, 105 S. nut Jllustr.) 2JC. Holder, Wien. Wolf, G., I>as Erdbeben an der liiviera am 23. Februar ISST. Besc.hriehen nach sein. Verlauf, sein. Folgen u. heleuchtet nach seinen Ursachen. (30 S. mit 2 Taf,) 2JC. Cohen & Sohn, Bimn. Wollheim de Eonseca, M., Beitrag zur Frage der nächtlichen Haniabsonderung u. z. Phi/sioloijie d. Harnsammlung i. d. Blase. (22 S.) 1 JC. Lipsius & Tisch'er Kiel. Zaehe, E., Ueber Anzahl und Verlauf der Geschieberiicken im Kreise Königsberg i. Nrn. Sep.-Ahdr. (23 S. m. 1 Karte. 1 JC. Tausch & Grosse, Halle. Briefkasten. Herren F. R., v. R., C. H. u. a. — Unsere Utteratur gestattet es jedem Gebildeten ganz wohl sich seihständig eine allgenieiue naturwissenschaftliche Bildung anzueignen. Wir stellen im F(dgen- den eine den ausgesprocheneu Bedürfnissen entsprechende Bibliothek zusammen. Kostspielige und umfangreiche Werke lassen wir hier- bei möglichst ausser acht. Drechsler, Katechismus der mathematischen Geographie u. K. d. Astronomie (Vlg. v. J. J. Weber in Leipzig). — Littroiv's Wunder des Himmels oder gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems erscheint in neuer von l'rof. Edmund Weiss herausgegebener Aud., die sehr zu empfehlen ist. (Das Werk antiquarisch zu taufen erscheint wegen der grossen Fortschritte in der Astronomie .in letzter Zeit niclit zweckmässig). V. Kirchmann, Katecltismus der Pldlosophie. (Vlg. von J. J. Weber in Leipzig.) Mohn, Grundzüge der Meteorologie. (Vlg. v. Dietrich Reimer i. Berlin.) Müller, Die Schule der Physik. (Vlg. v. Friedrich Vieweg & Sohn in Braunschweig.) Potonie, Elemente der Botanik (Vlg. v. Julius Springer in Berlin.) Penisen, Einleitung in das Studium der Chemie. (Vlg. v. H. Laupp in Tübingen.) — Sehr brauchbar für den Anfänger ist auch noch immer Stöckhardt's Schule der Chemie. (Vlg. von Friedrich Vieweg & Sohn in Braunscliweig.) Büdorff, Grundriss der Mineralogie. (Vlg. v. J. Gutte,ntag [D. CoUin] in Berlin.) — Viel umfangreicher ist schon Hornstein's Kleines Lehrbuch der Mineralogie. (Vlg. v. Theodor Fischer in Kassel.) Sehäff, Leitfaden der Zoologie. (Vlg. v. E. Schweigerbart [E. Koch] in .Stuttgart.) Segdlitz, Geographie. (C. Grössere Schul -Geographie.) (Vlg. von Ferdinand Hirt in Breslau.) Zittel, Aus der Urzeit (Vlg. von Rud. Oldenburg in München) empfehlen wir als eine sehr geeignete Einführung in die Geologie. Betreffs der mathematischen Werke kann man eigentlich keine bestimmte Antwort gehen, ohne die vorhandenen Kenntnisse des Autodidakten und seine Ziele genau zu kennen; nur auf be- stimmte Fragen lässt sich Auskunft geben. Für .sphärische Trigonometrie z. B. ist zu empfehlen: 1) Brock- mann, Lehrbuch der ebenen und sphärischen Trigonometrie, 2) Spic- ker. Ijchrbuch der ebenen und sphärischen Trigonometrie mit Uelmiigsaufgaben, ausserdem jedes Lehrbuch über die Elemente der Mathem.atik, wie Gallenkamp oder Baltzer. Vüv die analytische Geometiie des liaumes ist zu nennen : Zur Einführung 1) Gallenkamp, Elemente, Teil III, 2) v. Escherudi, Analytische Geometrie des Raumes. 3) Fort und Schlömilch, Lehr- buch der analytischen Geometrie, 4) Biicklen, Analytische Geom.etrie des Raumes. l>ie ausfuhrlichsten und gründlichsten Werke über diesen Gegenstand sind 1) Hesse, Analytische Geometrie des Raumes, 2) Salmon- Fiedler, Analytische Geometrie des Baumes. Die Lüb- .S('?['schen Bücher üb. d.as Gesamtgebiet der Mathematik sind zwar für das Selbststudium berechnet, gewähren aber docli nur eine ver- hältnismässig oberflächliche Kenntnis und kein gründliches Ver- ständnis, doch ist ein Studium derselben immerhin von Vorteil, wenn man es dann nicht dabei bewenden lässt, sondern zu gründlicheren Werken übergeht. Dasselbe gilt vom niathem. Teil von Kleyer's tnathem.-technisch-naturu:. Encyklopädie. — Unser I\Iitarbeiter Herr A. Gutzmer ist bereit den Herren, die .speciellere Auskunft über die mathi.'matische Litteratur wünschen, brieflich nähere Auskünfte uiul llatschläge zu geben. Zur ]\[aclii*ic]it. Jiesiiglich der Abonnements- Erneuerung verweisen wir auf die lienierkuny am Kopf iJes Inseraten teils der „Natartv. Wochenschr." Inhalt: Dr. F. Karsch: Ueber „Leichen würmer". (.Mit Abbild.) — Prof. Dr. Karl Kraepelin: Die Bedeutung der naturhistorischen, in.sonderheit der zoologischen Museen. (Schluss.) — Kleinere Mitteilungen: Die Mikrobie der epidemischen Ruhr. — 15äume und Sträucher, welche in Fabrikgegenden und rauchigen Bezirken gut gedeihen. — Krgebnisse naturwissenschaftlicher Forschungen auf Ceylon. — Das Vorkommen von Triton helveticus und liana agilis in Deutschland. — Silene cretica. — Kugelblitze. — Elektromutorische.s Verhalten von Amalgamen. — Litteratur: Kaiserl. Marinepfarrer P. G. Heims: Das Lehen in den Tropen. — BUcherschau. — Briefkasten. — Zur Nachricht. Verantw. Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. '4>ii iiiis«'!-«'!- ^'cscliälz.tcii .\l>4»iiii<'ii(«-ii . w<'loli<> «li«' ,. \ii t ii ■■ iv i mmc n - !S 4- li ii f't I i <■ li <■ W <><■ h <' II S4- li i-i l'( ■■ vttii «l<'ii /:<'i(iiii;;'M4>x|M'«li(ioii4'ii ilir4'r I'4>sii-ii4'ii4-i'ii y.gi »4>ll4'ii. 4laiiii( 4-iii4'«i<^4'ilN k4'iii4' l'iiO>i-l>i-4M-liiiii;;' in 4i4>i- Ziis4>ii4iiiii<;' >>(iitHiii4l4'(. aii4l4'i-iil4'ils al»4-i- «ii4> \u4-ii7,aliiiiiiK' \4»ii lO t'V. für \a4-lili4'l4'i'iiii{>' Uvi iUt l'4i>i< 4'rs|iart «ir4i. Iki4- ^'4111 4l4>ll I{il4-illiail4lillli;>'4>ll 111141 4lCI> l4'4liti4>il b4'Ki4'll4'll4i4>li Al»4»ll Il4>ll(:4'll 4'rlialt4*ll '4'Naii4lt. nenn ni4-lit aiiN4lrii4'liii4-li ,\l>l»4>><>t4'lliiii;>' V4»i'li4';;'t. K i; K I. I IV x\v. Luisenplatz 11. <;. Die Expedition der „Uaturwissensch. Wochenschrift". XXX\\X\X\X\XXXXXVXXXXXXXVXX\\XVX\\VXXXV\\XXX\XXVVVXVXXVXXXVX\XXX\XXXXXXXW\X\XVXV\VVVX\,\V\XX\\VX\.V\\X\XX\XXXXXXXXX\\XXXX\XXX ^'^^ Eniomplo^iscKc's Orqan für Angebot, Nachfrage und Tausch. / i tmm,CLM^iw^gxm% RKncck Central-Organ zur Vermittlung von Angebot, Naclifrage u. i J ■■■»dX»dB"^l*I 9«; Tausch. Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats. Sämtliche J j Poslanstalten Deutschlands u OesterreichS uflimcn Abonnements entgegen znm i'reise von 90 Pfcnnii;- J ; [HO (^ii.'utul. (.\r. L'Slfi der restzeitunesliste.) — Abonnement inkl. direkter Zusendwiig per Kreuz- i J li;üid innerhalb Deutschlands n. OesterreichS beträgt 1 Mk., nach den anderen Lilndern des Welt- J f jiostvereins 1.20 Mk. = 1 Shilling 2 Pence = 1.50 Frcs. Inserate: Preis der 4gespalt. Zeile Petit J 5 oder der deren Uaiini 10 L'Ci; Kleinere Insertionsbeträge sind der Kürze halber dem Auftrage beizufügen J Fraiilienstein & W'ajjner. Ijeipzig. J xxx\x\\x\xxx\v\x\vvx\xxxvvx\\x\x\xxvxvvxxxxx\^\xxxxxxx%x\xxxxxxx\xxv\xvxxx\xvxxx\xxx\^\-\xxxxxx\x\x\xxx\x-vxxx\\\x\xxx\xxxxxvx Humor und Satire. 1. liand : JJie JJarwin'acJie Theorie in Umwand/unysversen von Dr. Darwinsohn. Geh. Preis 60 Pfg. IL J5ai)d: Die soziale Revolution im Tierreiche von F. Esitenther. fieh. Preis (iO I>f. (20 Leipziff. (K A. Korh's Vcrlaff. Bar Geld! I'"iir Briefmarken n. Postcouverts von ( lldenbui'g, llaniun'er. lirann- sehweig, Thnrn und Taxis, Klsa.ss- Lothr., Baden, Sachsen, Mecklen- burg, Lübeck etc. etc., sowie ganze Sammlungen zahle ich die hiichsteii I'reise. Hilligster Verkauf. I'rospekt gratis. Den.^elben mit 20 seltenen Marken 1 JO. [188 Carl Menze. Hamburg B. All. Anfrag, muss Küekportu Iji'ilieg. Soeben erscheint L. Deichmann's Astronomischer Chronometer. Patent in allen Kultur-Ländern. 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Abonnement bei allen l'ostaustalten des deutschen Reiches viertelfährlich Ä Mark. Die Preussische 1 'hilologen-Zeitung ist unter Nr. 4813 in die Post- zeitungsliste für 1889 eingetragen. Redaktion u. Expedition: Berlin N., Lothringer Str. 67. Probenummern auf Wunsch unentgeltlich und portofrei. Mineralien-Comptoir von Dr. Carl Riemann in Görlitz emptiehlr sein auf das beste as.sortiertes Lager von [140 iVlineralieii, Gesteinen und Petrefakten Ausfi'ihrliclie Preislisten stehen auf Wunsch gratis und franko zur Verfitgong. Ansiclitssendungen werden bereitwilligst franko ü'emaidit und Rücksendungen franko innerhalb 14 'Pagen erbeten. Samndnngen werden in jedem l'mfange zu billigen Preisen zusammengestellt. 'l'au--cbanüeliote werilen gern enli;eeciu;en(immi'n. Die Nester und Eier der in Deutschland und den an- grenzend. Ländern brütenden Vögel. \ ou Dr. K. il illihahl. o. Auflage. Mit 229 Abbildungen. 25) rieh. Preis 8 Mk. Leipzig. C. A. Koch's Verlag. Ich dlferii-ri': I Urltanitxky. 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Auti., bearbeitet y. Dr. E. V o g e s. U da mcci ^i ,:)_ |,o,,(|._ Schleidens i. Liclitdr., Ifi farh. Taf. n. schwarz Vollbild., sowie 252 Holzsclin. i. Texte, gr. 8». Mk.l5,— ; geb. Mk.17,.50. Das Buch der physikalischen Erscheinunge n Xarli A. Guillemin für das Veistandnis weiterer Kreise bearlteitet von Prof. Dr. R. Schulze. Nene Atisgabe. Mit 11 Ghrtimolithographien, 9 gr. Abbild, und 448 Holzschnitten, gr. 80. Mk. 10,— •. geh. Mk. 12,.50. Die physikahschen Kräfte t°i"rch;».TrG5emin f. i\. Vcrstäiidn. weiterer Kreise brai'b. v. Prof. Dr. R.Schulze. 2. erg. Anti. ,Al,4l(i |l(dzsclni. 15 Sep.-Bilil. n.:! linntdr.-Krt. gr. S". M. IM; geh. M. 15. Ein Beitrag zur Xatur- ^^ Philosophie von P. AugelO Secchi. Autoris. lielieisetzung von l'rof. Dr. Schulze. 2. Aufl. 2 Bde. Mk. 12,- ; in eim.-n llalldVanzlianil gel). Mk. 14,—. [128 -3^ Verldfi von Otto Solle in Brannschireig. h$- Ourch alle Buchhandlungen — auch zur Ansicht — zu beziehen. 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Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6. für den liiseratenteil Druck: Gebrüder Kiesau, Hermann Kiemann. BerUn SW. 12. Verlag: Hermann Riemann. Berlin NW. 6 Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. 111. Band. Sonntag, den 2o. Dezember 1888. Nr. 13. Abonnement: Man alionnieit bei alleu Buclihandlungen und Post- anatalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljalirsineis Ist M 3. — ; Bringegeld bei der Post 15 •( extra. ¥ Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 j. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Ab«lrnck ist nnr mit voll!>itäncken er- streckt. Auf die stark zusammen- gefalteten (^uarzite nnd Schiefer des Zuurbergs folgt ,, übergreifend Dwykakong-lo- merat*), gegen das Becken ein- fallend. Darauf (discordant y) die Eccabeds; von Dünn so benannt nach dem Eccapa.ss, zwischen Grahamstown und Fort Beau- fort, dem fjower Karoo Bains entsjirechend. Sie bestehen aus pur[mrr(item oder g-etuiiftem Tlion- stein, wenig Schiefer, feinkörnig(Mn, kompaktem, hartem ([uarzitischem Sandstein, welcher bei *) DasDwyliakoiig-loniiM'at Diinns. welches er .jetzt für glazial anspriclit. wiiil \voilr>r iniroii i'in^i^lii'iidi'r gespliildert worden ](I0 Naliirwisscnsc.lKiftliclic Wocliensclirift. Nr. 13. spätei'cn (oben citierten) Publikation an meiner friilieren Aufstellung vornahm, eile Steighöhe der osmotischen Saugung betrefl'end, so trifft dieselbe, wie Kienitz- Ge rieft" bei kritischer Betrachtung hätte erkennen kön- nen, nicht das Wesen der Sache. Schwendener hält es in seinen citierten „Untersuchungen über das Saft- steigen gleichfalls für irrelevant in Beziehung auf unsere Betrachtung, ob die osmotische Saugung im Parenchym sich auf 30 — 40 an oder bloss auf 3 — 4 an erstreckt. Das Studium der eben genannten Schwendener- schen Schrift ist also zur Orientirung über den Stand des vorliegenden Problems wohl auch noch notwendig. Die Frage ist, wie auch Kienitz-Gerloffs Schluss- Avorte erkennen lassen, immer noch eine offene. Es wird sich, wie bei solchen Forschungen, die sich auf den übrigen inneren Bau der Pflanzen betreffs seiner P>edeu- tung fürs Leben beziehen, auch hier schliesslich heraus- stellen, dass der Struktur des Holzes und der I^eitbündel im Ganzen und Glossen das bis ins feinste durchgeführte Prinzip der Zweckmässigkeit innewohnt, oder mit andern Worten: Sind sowohl die treibenden Kräfte für die Wasserbewegung in den Bäumen, als auch die Bahnen dieser Bewegung erst genau bekannt, so wird wiederum auf eine ganze ßeiiie von anatomischen Verhältnissen (beisiJielsweise nenne ich nur den Bau und die Anord- nung der behöften Poren) ein Licht fallen, in dessen Beleuchtung der die pflanzlichen Geschöpfe beobachtende menschliche Geist eine edle Befriedigung finden wird. Kleinere Mitteilungen. Die neuesten Vorschläge zur Behandlung der Lungen- schwindsucht von Dr. Louis Halter weiden in den Therapeu- tischen Monatsheften von A. Gottstein kritisch beleuchret. Halter machte anf die Thatsache aufmerksam, dass die Kalk- ofenarheiter gegen die Liingenschwindsuclit gefeit sind und ist bei Ergründung der Ursaclien dieser Erscheinung zu seinen Vorschlägen zur Heilung dieser Krankheit gelangt. Er giebt eine Erklärung für diese Immunität, die aber entschieden nicht einheitlieh und be- weisend ist. Die Ursache derselben kann nach ihm entweder in dem eiiigeathmeten Kalkstaub oder in den physikalischen Verhältnissen, nämlich dem trocknen Arbeitsboden und der trocknen heissen Luft von 41— TO^C. liegen. Da die erste Ursache nach Halter nicht in Frage kommt, so sucht er sie in der Trockenlieit und der Hitze der in und bei den Kalküfen vorhandenen Luft. Er vermutete zu- nächst eine lokale Wirkung der heissen, trocknen Ofenluft von 50 — 70" 0. gegen sich in den Luftwegen entwickelnde Tuberkel- bacillen, doch lehrten ihn seine Versuche, dass dem nicht so sein kann , „da das Verweilen in dieser Temperatur keine erhebliche lokale Erhitzung ihrer Respirationswege bewirken und an ihrer Immunität gegen Schwindsucht dadurch keinen Anteil haben kann". Von anderen LTrsachen kam nun die vermutete Steigerung der all- gemeinen Körpertemperatur infolge der heissen Arbeit in Frage, aber die Prüfung lehrte, dass diese Temperatursteigerung nur bei neuen Arbeitern, nicht jedoch bei alten akklimatisierten eintrat. Die bei den letzteren .aber auftretenden Erscheinungen stärkerer Puls- und Respirationsbeschleunigung und stärkeren Schweisses deutet Halter als Zeichen eines vermehrten Stoifwechsels, wie sie auch bei einem hektischen Fieber auftreten und von denen nach Halter theo- retisch angenommen werden kann, dass sie eine mehr oder weniger Vollständige Ausscheidung der ins Blut gelangten Pilze bewirken. In ziemlich lockerem Zusammenhange mit diesen Ausführungen steht die Deduktion von Halter über die Behandlung der Lungen- schwindsucht mit trocknen, heissen Dämpfen. Dieselbe ist auf- gebaut auf zwei Theorien, der einen, schon lange auch von andern Autoren aufgestellten und neuerdings auch von Gamaleia experi- mentell studierten Theorie von der Heilwirkung des Fiebers gegen pathogene Bakterien und der anderen von der beschränkten vitalen Temperaturgrenze des Tuberkelbacillus bei 41^0. Es bedarf also nur eines Verfahrens, um die Temperatur in den Lungen auf eine Höhe von über 41" zu bringen, und der Theorie ist Genüge gethan. Dieses Verfahren besteht nun darin, dass man heisse trockne Luft von 100 — 200" C. oder wie Halter später fand, heisse feuchte von 50 — 100" C. einatmen lässt; es ist dann möglich, wie Halter kon- statierte, die Ex.spirationsluft auf ülier 41" zu erwärmen, ohne dass die Inhalation nennenswerte Beschwerden macht. Diese Grundlage genügt Halter so sehr zur Empfehlung seiner Inhalationsmethode, welche er ursprünglich nur als Methode zur Desinfektion der Luft- wege bei parasitären Erkrankungen der Luftwege bezeichnet, später aber bei Gelegenheit einer Polemik als wirksames Heilmittel gegen die Lungenschwindsucht aufführt, dass er von klinischen Prüfungen desselben nichts weiter mitteilt, sondern sich auf Vorschriften zur Be- handlung beschränkt, die vollständig aprioristisch konstruiert sind. Leider aber widerfährt Halter das Missgeschick, dass die theoretische Grundlage seiner Methode, mit der sie nach seinen Aus- führungen steht oder fällt, in Bezug auf die Eigenschaften des Tuberkelbacillus eine falsche ist. Denn erstens ist schon oft genug betont, U7id zwar zuerst von Koch angedeutet, dass die meisten Fälle von Lungenschwindsucht, die uloerösen Formen, gar nicht als reine Tuberkulose, sondern bakteriologisch als Mischinfektion von Tuberkulose und den bekannten Eitercoccen aufzufassen sind; und dass oft genug hierbei die letzteren als die verhängnisvolleren Zer- störer zu gelten haben. Diese shid aber viel widerstandsfähiger als der Tuberkelbacillus und die Staphylococcen z. B. können sogar noch bei 42" C. wachsen. Aber abgesehen davon ist es einfach eine Verwechslung von Halter, dass der Tuberkelbacillus oder gar die von demselben ja schon im Sputum gebildeten Sporen bei einer Temperatur von über 41" C, wie Halter an mehreren Stelleu be- hauptet, getötet werden. Au der von ihm angeführton Stelle bei Koch steht nur, dass sie oberhalb dieser Temperatur nicht mehr wachsen, also dass ihre Entwicklung gehemmt wird, nicht aber, dass sie getötet werden. Statt aller weiteren Auseinandersetzungen zur Widerlegung der Auffassung von Halter diene nur die eine Stelle aus einer Arbeit von Schill und Fischer, dass selbst die ein- stündige Einwirkung trockener Hitze bei einer Temperatur von 100" eine genügende Entseuchung getrockneten Sputums nicht zu Stande brachte! Und wenn es nun auch nicht unmöglich ist, dass der Tuberkelbacillus durch intermittierende Erwärnumg auf höhere Temperaturen, als sie seinem Wachstumsoptimum entsprechen, nach Analogie anderer Formen in seiner Virulenz abgeschwächt wird, so hätte dies doch erst erwiesen werden müssen, ehe es zur Grundlage einer neuen Methode wurde. Also die theoretische Grundlage des Verfahrens ist unhaltbar. Das nötigt natürlich noch nicht, die Methode selbst für wirkungslos zu erklären, denn das wäre derselbe Fehler in negativem Sinne, wie ihn Halter in positivem beging; es kann ja eine Methode sich prak- tisch bewähren, die von falschen theoretischen Voraussetzungen aus- ging. Nur ist es dann nicht zuviel verlangt, dass der empfehlende Forscher sie zuerst auch selbst praktisch erprobt; das ist aber hier nicht der Fall, denn der eine Patient, von dem er spricht, beweist nicht viel bei der Möglichkeit spontaner Besserung der Phthise und der kurzen Beobachtungsdauer weniger Sommermonate. Um so mehr aber ist die klinische Prüfung geboten , als die IMethode der Einatmung heisser Dämpfe, die Halter in geeigneten Fällen („für ganz kräftige Phthisiker des ersten Stadiums") wegen einer Lücke in der Deduktion durch heisse Luftbäder unterstützen will, trotz der Versicherung des „Entdeckers" nicht unbedenklich scheint. Man lese nur, dass die Einatmungen bei allen Kranken mehrmals täglich V-j Stunde, und bei denen des dritten Stadiums, welche nur einatmen, noch öfter oder fast permanent gemacht werden müssen. Wer solche Vorschriften konstruiert und wer durcli Mitteilungen an die Tagespresse für möglichst .schnelle Popularisierung derselben sorgt, hat doch sicher die Verpflichtung, zunächst selbst die Contra- indikationen und etwaigen Gefahren, wie sie bei keinem Verfahren ganz fehlen, festzustellen, vor allem aber die Pflicht, durch Kranken- berichte überhaupt erst den Beweis zu liefern, dass das Verfahren Nutzen bringt. Quecksilberchlorid als Heilmittel gegen asiatische Cholera. — Währeml seines kürzlichen Aufenthalts in Tonkin als Arzt eines französischen Expeditionskorps hatte A. Yvert (Comptes rendus, 1888, S. 69.5) Gelegenheit eine ziemliche Anzahl von < 'holera- kranken mit dem als Desinfiziens bekannten Quecksilberchlorid ( Aetz- sublimat) zu behandeln. Die Sterblichkeit in die.ser Gegend Asiens beträgt, wie in Europa 00 "/g der Erkrankten. Von 45 Kranken, welche Yvert mit HgOlj behandelte, (0,02—0,04 Gramm in 2-1 Stunden) starben nur neun, d. h. 20"/o. Da dieses Resultat dafüi- sprach, dass HgC'l2 ein Antidot gegen das Choleragift darstelle, so wurde es auch als prophylaktisches Mittel angewandt und bewährte sich auch in diesem Falle recht gut. Erst küi-zlich an den C'holeraherd gekommene Soldaten, unter denen die Krankheit schon ein Opfer gefordert hatte, wiirileii mit Quecksilberchlorid behandelt und blieben völlig von den Angritten der Seuche verschont. Dr. M. B. Nr. 13. Niilurwis.si'nscliariliclic WoclKüiscIiriff. 101 Dr. Meyer's ostafrikanischc Expedition. — Die Uiunhi'n in ( •sUiCi'iUa lialjcii aiu-li di'i- wiNsciiscliartlicliiMi Hxiiwlifioii ein vor- zcili.yds Eiitli' bereitet, welclie der AtVikai'eiseiulc I >r. Hans RIcyor, l)eUaiiiit diireli seine im vorigen Jalire yliieUlich awsifet'iihrte erste üesteis'nng' des ICilinia Ndjare, mit seinem (ii'dlhrteii Dr. üaiiniann ins Werk £feset/,t hatte. Die Reisenden waren von »Sansibar ans anl' einem bislier von Weissen noeh nielit began^aMien Wege in das Herg-land von Usambara eingedrnngen , dann naeli Jlasinde, dem Wohnsitz des Usandxira-lvünigs Seinliodja, woselbst sie ihre aus 24(t Mann bestehende HanptUarawaiie erwarteten. Zu ihrer grossen Kiittilnsehnni^- i'rfnhren sie jedoeli liei ihrer Ankunft, dass silmtlielie Träger entlauten waren. Trotzdem maeliten die lleiseiuhin, von nur fünf Leuten liegleitet, einen weiteren Ausflug in das Usambara- (iebirgc, auf dem sie den hoehgelegenen PTanptort desselben, Wuga erreiehten und durch den prächtigen, noch völlig unbekannten Weide- distrikt von Kwanibugu nach ^U)\i> gelangten und hiermit den An- schluss an ilire frühere Tour erhielten. Als sie mit reichem wissen- schaftlichen Material nach Äfasinde zurückkehrten, fanden sie Senibodja's Benehmen sehr verälndert. Er war anmassend und un- freundlich geworden und verweigerte die von den Reisenden ver- langten Triiger. Dadurch sahen sich dieselben genötigt, ihre ganze Ausrüstung von 200 Lasten zurückzulassen und nur mit den not- wendigsten Instrumenten und den Sammlungen, welche auf fünf Esel gepackt wurden, der Küste zuzueilen. l?is dahin waren ihnen dio Vorgänge an der Küste, welche die veränderte Haltung .Senibodja's herbeigeführt hatten, unbekannt geblieben. Erst in Tar.awondo er- fuhren sie, dass an der Küste der Aufruhr tobte und alle Europäer den I'anganidistrikt verlassen hätten. Wenige Stunden von der Küst(^ entfernt, wurden sie auf Veranlassung des Arab(>rhäupHings liuschiri bin S.alim von einer aus 30 bewaffneten Negi>rn besti'liendi'n Baiule überfallen, in Ketten gelegt und den ärgsten Misshandlungen unterworfen. I'irst nachdem sieh Dr. Meyer durch V(>rniittlung eines Indiers zu einem Lösegeld von 10 000 Rupien verpflichtet hatte, wurden dii^ Reisenden wieder in Freiheit gesetzt; doch fühlten sie sieh erst an liord des Sult;nidampfers „Barawa" in Sicherheit. Sehr schmerzlich war für sie der Verlust fast aller ihrer Sammlungen, wie der von Dr. Baumann gemachten Aufnahmen im Usainbura- gebirge. Anfang Dezember wurden die Reisenden in Wien erwartet. A. K. Das Schnabeltier, Ornithorhynchus paradoxus, galt liisher als zahnlos, indes hat dieses merkwürdige Tier Neuhollands, wie E. ]i. l'oulton im (^uarterly Journal of INlicroscopical Science mitteilt, im Jugendzustande unter den Hornplatten, von denen sich je zwei an jeder Seite der Kinnladen beenden, echte und wohl ent- wickelte Zähne. Jn den ol)eren Kinnladen sind .jederseits wahrschein- lich drei vorhanden, in den unteren je zwei. Die Stellung und Struktur dieser Zähne sind durchaus wie bei den Säugetieren. Bei den erwachsenen Tieren bleiben die Zähne zurück und werden durch die Hornplatten überwachsen und absorbiert. H. J. K. Wanderungen des Eiehhörnehens und des Tannen- hähers. — Im „Weidmann" liringt (Iskar von Lorwis in rineni sehr lesenswerten Aufsatz in einer Anmerkung einige Notizen über das zeitweilige IMassenauftreten des gemeinen Eichhünu'bens. Der ge- nannte Anten' schreibt: „In den letzten Drzennien waren bei uns namentlich ilie Jahre l'S7'2 und ISST hierin nnübei'trolh'n liervnr- ragend. Alle Wälder, Geliege, sogar Feldgi/büscOie, vereinzelte Bäume, tiärten — .alles, alhs war in fast nnheimliidier Art von diesen knuspernden, knackenden und zeckernden (Sesellen besetzt. Zentner- weis hatten sie in meinem üarten Hirnen und Aepfel zerstückelt, herabgeworfen und der Kerne beraubt. Kein (iesperre Haselhühner kam auf; überall sah man zerstörte Vogelnester. Ich erlegte 18S7 binnen sieben Monaten geh'gentlich im L'ark und Oarten nicht weniger als 1S(3 Stück Eichhörnchen I" Fragt man nach dem (Irund dieses massenhaften Auftretens, so wird mau nicht fehlgehen, wenn man annimmt, dass die Eich- hörnchen aus ihren heimatlichen Wäldern ausgewandert sind, ge- trieben von Nahrungsmangel infolge Missratens der Nadelholzsamen. Wir h.aben in dii'sem Wandern der Eichhörnchen eine ganz analogi' Erscheinung wie bei dem Wandern des Tannenhähers (Nneifraga caryocatactes), welcher ziemlich häutig aus den nordischen Wäldern durch Misswachs der Zirbelnüsse bis weit nach Süden hin getrieben wird. Da den Vögeln das Wandern durch den Flug bedeutend leichter gemacht wird als den Säugetieren, so ist es -natürlich, dass sieh die Wanderzüge der ersteren vicd weiter erstrecken als bei den letzteren. Der Tannenhäher zeigt sich auch in diesem .lahre wieder häutig bei uns; zahlreiche Mitteilungen über sein X'orkommen finden sich in allen Jagdzeitungen und anderen Zeitschriften. In der Zentralmarkthalle wurden vor kurzer Zeit nur 25 ['f. für das Stück verlangt. E. S. Zwei neue photogene Pilze. — Von leucbienilen l'ilzen sind unseres Wissens bisher folgende bekannt geworden: .\garicus olearins Ü(J. an Oelbäumen .Südouropas, di'S.si'U l'hos- phorescenz 1755 von liattarra entdeckt wurde. Ag. Gaidneri lierk. „Klor de Coio" in Brasilien. Naeli (iardner dienten die leuchtenden l'ilze zum Spiidzeug der Kinder in Natividadi'. Ag. igneus liuni|)h auf der Insel Aniboina. Ag. noctilucens Ficv. auf der l'hilippineninsel Manila. Ag. lanipes Berk. Ag. eandesccns F. v. Müllc-r in Australien. Ag. Enierici Berk. auf ilen Andamanenin.seln etc. Während bei diesen auch der Frnchtkörper leuchtet, phrjs- plKU'eseieren bei den folgenden nur die Mycelien und das V(ni ihnen iichtlUule" versetzte Substrat ; Agaricns mellcus Trami.'tes pini (?) Xylaria Hypoxylon ('(dlybia tuberosa (JoUvbia cirrhata l'rheber der Phosphorescenz des llolze.s. L'rheberder rh(is|diorcsciiiz alter l'ilz(^, des riaubes, d. Moose. Zweige etc. d. Waldbode.ns. Eidam's rhizomoriihaliildender l'ilz, welcher glinchzeitig chro- nlogen ist, indem er eine blutrote I'ärbung (Rotfäule) di's .Eschen- ahorns erzeugt. Von phosphor&scierenden Spaltpilzen sind bekannt: Micrococcus l'flügeri Ludw. Bacterium phosphorescens *) Bacillus phosphorescens indicus | von Dr. Fischer-Kiel ent- B. phosphorescens nostras j deckt, welche die Urheber des Mcenwieuchlens und der l'liosphoresi'imz der Fische und des Fleisches der .Schlacht li(Te sind. Zu den letzteren kommen nach der Entdeckung von RaphaiJ Dubois (('f Ref. von 0. E. R.Zimmermann Itu Baktcriol. Central- blatt) als neu hinzu: Bacillus l'holas Dub. und Bacterium i'elagia, von denen ersterer die l'hosphorescenz der Bohrmuschel (l'h(das dactylus), letzterer die derPelagia noctiluca verursacht, lieide l'ilze leuchten nur in alkalisch gemachten salzigen NäbrliOdi'u bestimmter Zusanunensetzung (Bouillon mit Luciferin oder Nuclein, Lecithin etc.) Das Tier soll die Kilhigkeit haben, das Mittel, in dem die i'hosphoreseenz vor sich geht, in einer Weise zu ver- ändern, dass die photogene Wirkung der ihm sy mbiontiscli verbundenen Bakterien nur zeitweilig zur Geltung kommt. (Die ruhende Bohrmuschel leuchtet nicht, während diu? erregte Tier lebhaft phosphoresciert). Prof. Dr. Ludwig. *) Vergl. Naturw. Wochcnschr. 1. Seite 202.) Eine Gletseherbakterie entdeckte L. Schmelck zu Christiania in dem Gletscherwasser des im westlichen Teile von Nor- wegen gelegenen (Jletschers .lostedalsbrai^ Bei den mit diesem Wasser .angestellten Kulturvcrsuchen kamen zahlreich und allein die Kolonien einer Bakterienart zur Entwicklung, welche einen grünen, fluores- zierenden Farbstoff bilden. Die Bakterien haben die Gestalt kleiner lieweglicher Stäbchen und sind bc^zilglich ihrer Wachstums- verhältnisse dem Bacillus iluorescens li(|iii'faciens ähnlich. Während letztgenannter Bacillus in faulenden Substanzen und in unreinem AV asser häufig aufgefunden wird, ist sein Vorkommen in reinem Fluss- und Seewasser selten. Dass aber der GletscherbacilUis kein seltener Gast des Schnee- und Eiswassers der Gletscher ist. davon überzeugte sich Seh. später durch \'ersuche. welche er mit dem von anderen Gletschern herstanunenden Wasser anstellte. Besonders reichlich war der Bacillus während des Schneeschnielzeus vorhanden. Sidi. knüpft an seine Entdeckung den Gedanken .an, dass das Vor- kommen dieser Bakterienart in den Eisregionen mit der eigen- tümlichen grünen Farbe des G letscherwassers in Zusammen- hang zu bringen sei. Dr. L. .S. Ueber den Zusammenhang zwischen den molekularen Eigenschaften unorganischer Verbindungen und ihrer Wirkung auf belebte Materie giebt ,1. Blake (Zeitschrift für physik. ehem., 11.769) interessante liaten. Zur Prüfung der Metall- verbindungen wurden die wässrigen I>üsungen der .Salze direkt in die Venen (durch die Jugularvene) und Arterien (durch die Aorta) lebenden Tieren eingespritzt. Berücksichtigt wurden nur diejenigen Wirkungen, welche direkt durch die lOinspritzung verursacht werden, und ;5 — 4 Injektionen in Zwischenräumen von 5—10 Mi- nuten gemacht. Es ist gleichgiltig, welche Salze eines Metalles verwandt werden; die Wirkungen hängen nur vom Metall ab. Sulfate, Nitrate, Chloride, Thosphate etc. üben dieselbe Wirkung aus, wenn der elektropositive Best.andteil derselbe ist. Die Wirkungen sollen durch die Lsomorphen Beziehungen der Elemente bestimmt werden; alle Metalle derselben isomorphen Gruppe üben analoge Wirkungen aus. Auch von dem Atomgewicht hängen die Wir- 102 Naturwissenschaftliche Wochensclu-ift. Nr. 13. kiiiigfcii uli: ]'>ii K(ir])i'ni (Icisrilicii isimiorplicii finippo ist die Wirkung propurfii^iial dorn Atniiig-ewiclit; je liülier (la.s Atonigi'- wiclit, ilrsto wcniser lirauolit man von dem Element, um die g-e- \viiiis(^liti' Wirkung zu erzielen- Bin anderer bestimmter Faktor für die l)iol(igiselie Wirkung ist die Wertigkeit eines Elementes. Mit der /alil der Valenzen steigt die Zahl der Organe, auf welclie die anorganischen V'erbindungen einwirken. Die einwertigen Metalle zeigen eine deutliche Einwirkung auf die Lnngencapillaren. Sie verursachen eine Kontraktion dieser Gefässe. wodurch bei hinreichender Dosi.s der Blutdurcbgang gehemmt wird, und die Atmung r.asch aufhört. Bei kleinerer Dosis werden die Luftkaniile mit einem schleimigen Sekret gefüllt, sodass die Tiere in wenigen Minuten er- sticken. Wirkungen auf die Nervencentren werden aber nicht aus- geübt. Die Salze der zweiwertigen Elemente verursachen keine Kontraktion der Lungencapillaren, setzen aber der Herzthäiigkeit rasch ein Ende. Sie wirken auch auf gewisse peripherische Nerven : die ^NFetalle der Magnesiumgrnppe auf das brechenerregende Centnim (Eingeweidenerven), die der JBaryumgruppe auf das Rücken niark- system (willkürliche Bewegung). Die drei- und vierwertigcn Elemente verändern die Funktion aller wichtigeren Nervencentren. Geht ein Element Verbindungen ein, die zu zwei verschiedenen isomorphen Gruppen gehören, wie z. B. das Eisen, dessen Ver- bindungen von den O.xyden FeO undFe-iOg (zwei- und dreiwertiges Eisen) abgeleitet werden, so zeigt es in den verschiedenen Ver- biudungsstufen verschiedene Wirkungen. Ferrosalze afiiciereu die Lungencapillaren nicht, zerstören aber die Herztb.ttigkeit; Ferri- salze verursachen Kontrakti(Ui der Lungencapillaren und vermehren die Herztbiltigkeit. Die Ferrisalze wirken auf die Nervencentren, Ferrosalze nicht. Dieselbe Menge eines Ferrisalzes ist 30 mal giftiger als die eines Ferrosalzes. Bei Kohlenwasserstoffen hudet man einen iihnlicheu /u- samrni.'nhang zwischen molekulan^r liesehati'enheit und physicdogischer Wirkung, z. B. nehmen bei homologen Alkoholen die giftigen Eigen- schaften mit dem Molekulargewicht zu. Dr. M li. Barometerreduktion. — Da nicht .selten der Wunsch aus- gesprocbi'U wird, die Krduktion eines beoba(diteten Uarometerslaiules vorzunehmen, um einer Vergleichung der eignen Jieidiacbtungen mit dem'U der in den 'J'agesbliittern u. s. w. mitg<>teilteu Ablesungen der nieteiirologiselien Stationen selber vornehmen zu könm>n, so dürften für solche Fälle einige sehr einfache Formeln den Interessenten vielleicht nützlich sein, wenn die nötigen 'J'afeln nicht zur Hand sind. Hierbei ist zu benii'rken , dass die noch innner verbreitetsten weil billig(wi Zimmerbaronu'ter, die sogenannten l'hiolenbarometer für \vissens(diaftliche Beobachtungen wertlos siiul, da die Veränderungen ihres Standes kein von den wirklichen Veränderungen des Luft- druckes durch einfache Berechnungen abzuleitendes Gesetz befolgen, was au der fehlerhaften K(Mistruktion derselben liegt. Die erste notwendige llednktion ist die Reduktion des abgelesenen Standes auf 0" C. Dafür giebl A. de Saporta (La Nature. 1888, Nr. 802) folgend(' einfache Uegel: Von dem in Millinvtern abgele.seiuiu Staiule der (^ueeksilbersilule sieht man die Anzahl der an dem am Baro- meler angebrachten. Thermometer abgelesenen Oelsiusgrade durch 8 dividiert als Millinu.'ter ab. Dies gilt ganz genau für 705 iinii, für andre Stände beträgt der so begangene Fehler etwa t),2 liis ü,;j mm. Wenn also z. B. bei 21,7" C. am Barometer 754, :i nun abgelesen werden, so ist 21,7 ; 8 = 2,7 »Hm abzuziehen, der auf o" reducierte Barometerstand wäre also 751,0, was die genaue Rech- nung ebenfalls gidjeu würde. Diese Reduktion auf 0" gilt also für (ietäss!iaronn't(!r, rcsj). lleberbarcuneter, während sie sich ni(dit auf .VneroTd- ri'sp. iNletallbarometer beziehen kann, welche für jedes einzelne lnstrnnn:'nt einer besondern t'orrektiiuistafel für Temperatur liedürfen. Die folgende Formel gilt nun, nachdem obige (Iiurek- tionen bereits angebracht siiul, wenn nuxn die Ablesung auf das Äfeeresniveau reduzieren will, und ist von i'rofessor Koppen an- gegeben. Bedeutet b den corrigierten Barometerstand, t die Luft- temperatur im Freien in C. ", und h die Höhe der Station in Meiern über dem Meeresniveau, so erhält man den Barometerstand B im Meeresniveau dundi die Formel: , , h 520 + b Die Formel ist .gegen die für genain> Reduktionen geltende Foiiuel überaus einfach, ihre Abweichung von der strengen Formel beträgt bis zur Höhe von 000 m, über dem Meere in den äussersten I''älleu noch nicht 1 mm, ist also für gewöhnliche Bedürfui.sse durch- aus zufriedenstellend, und wegen ihrer Einfachheit leicht auswendig zu behalten. Wer öfter solche Berechnungen aufsführen will, wird sich, wenn es sich um die gleichbleibende Höhe einer Station handelt, durch einmalige Berechnung einer Tabelle, die etwa vom tiefsten bis zum höchsten vorkommenden Barometerstand von 5 zu 5 »khj, und von 2 zu 2" der Temiieraturen fortschreitet, die Mühe späterer Anwendungen sehr verringern. Wäre also in obigem Beispiel unsre Station 240 ?)( iibi'r dem Meere gidegen. und die ijufltenipeialur hätte zur Zeit der Al]lesungen 17,0" (J. betragen, so wäre der Lutt- druck reduciert auf Meeresniveau in INIillimeti'rn; 240 öaw-^i^ J4 ^ 250 + 17~ 751.6 + 21.1 = 773,7. E. W. B 751,0 + 751,0 -f 4,4 X 4,8 = Die monatliehe Periode der erdmagneti sehen Er- scheinungen. lleiT Oll. Andi'e. Direktor des Observatoriums in Ijyou drückte sich in einer Rede über die l'rsailie der nnigiu'tischen Störungen und ihre l'eriodizität folgendermassen aus: Die I'hoto- sphäre der Siume ist in ihrem gegenwärtigen Znstande als ein Ge- nusch von Gasen und Metalldämpfen zu betrachten , die sich stets in dem Zustande der grössten l'nruhe und Rewegung betimlen. Wegen des granulierten Aussehens der l'hotosphäre in den Sonnen- ]ihotogi'apbien entsteht der Eindruck eines Netzwerkes, weshalb .lanssi'U dasselbe als photosphärisches Netz liezeichnet bat. Iiuierhalb dieses Gemisches linden nun infolge g(>genseitiger Reaktionen ungeheure Gaseruptioneu, I'rotuberanzeu genannt, statt oder es zeigen sich relativ duidn tritt in dem täglii'ben und jäbrliidien Verlaufe der nKignetiscbeii Knrvi'U keine sidcdie dem Durchgänge des jeweiligen SoniO'nmittelpunktes dundi den Meridian des Reobachlungsortes ent- sprechemle Störung' auf, wenn kein (h'ra.rtiges Gebiet grö.sserer Aktivität in der Nähe jenes Mittelpunktes sichtbar ist. Dieses Zusammenfallen einer erdmagm'tisidien Störung ndf dem Durchgänge einer Gru]ip{' von F'lecken oder Fackeln, dunli den Meridian ist so allgemein, dass man ndt Sicherheit den Fintrift einer nuignetischen l'erturbation für den Tag voraussagen kann, wo eine vcu'her am östlichen Ramie derSimne aufgetretene Störungs- region infolge der Drehung der Sonni' den Meridian des llecdiachtungs- orfi's ]iassiert. Die ('oincidenz der nuigiujtischen Stiirung'en und der l'olar- lichter mit grossen Sonnenltecken ist von einer grossen Zahl von llelehrteu festgest(dlt worden; inde.s.sen hat keiner derselben nut solcher llestimmtheit wie llei'r Andre diesen Zusainmenhang be- banjitet. Nach Andre muss mau also eiiw nn)na.tlichi\ l'eriode der magnetis('hen Sförrungeii, die von der Dauer der synodiscln'u Rotationsz<'it der Soiun' abhängt, aumdimen und beide Störungen auf der Soiuu- und auf der Knie, in eim/u ursächlichen Zusanum'n- hang bringi'n. Der beleiselu' Gi'lehrte, Herr F. h'erby halte sidnni im .lalire ISS:! die momitliche l'eriodi' di'r N'(mllichter erkannt: er halte lie- nu'rkt, dass die sciiöneu Nordlichter in den .labren RSOi), 70. 71 in Zeitinti'rvallen .'on etwas weiiig-er als (^inem Monat von einander aufgetreti'u waren uml kam auf den Gedanken, nachzusehen, oli nicht jedesnuil zur Zeit des Auftretens derselben auidi grosso Flecke im Mitfelpnnkti' der .Soiuie* sichtbar gi^wesen seii'U. Fiiu' Ihiter- sui'hung der Soum'nphofographien aus den .labren ISO!) — 72, die wo- möglicli an jedem 'i'ag in Kew aufgenommen werden, reibtl'erli'_'f'n seine Veriniituui;-. Man kann also amdi in betrelf der Abhängigkeil der Nordlichtersclieinuugcn von den Störungsvorgängen auf der SoiMie denselben Satz aufstellen, den Herr Andre hinsichtlich der nuignetischen Störungen aufgestellt hat. (Giid et Terre). Dr. r. Audries. Induktionskreisel. — Hängt man i'ine Magnelnadi'i naiii' über einer Metallscheibe oder eine Metallsidieibc nahe ülier den l'oleii einer Magnetnadel auf, und setzt man den einen der beiden Körjier in drehende Bewegung, so gerät bekanntlich auch der andere, bei genügend grosser Uotationsgeschwindigkeit, in Drehung, und zwar erfolgen die Drehungen in gleichem Sinne. Diese aulfallende, von Arago 1825 entdeckte Erscheinung hat Farad ay in naturgemä.sser Wei.se durch das Auftreten von Jnduktiousströmeu, den sogeiianntou Nr. l; Naliirvvis,sen.sclui{'tlicli(3 Woc.lumsclirift . lo;5 l''mu'iuilt'sclien Striinu'ii, ci-klilrt. Ausser diesfir Eigeiisclial't besitzen diese liHliiUtioiisstniinc iKieli die Eiffeiiliimlielilieit, vertilcal zur ^Eliene der Selieilie eine alistiissende Kraft anszuiilien. Kin ebenso leielit unzustelleuder wie paradnxer N'ersueli, wejelier die genannt(Mi Eii|-eM- selial'teii zeigt, wird von Man et in der frauzüsisclien Zeitseliril't Fja Natiint angegclien. Danacli nimmt man ein lrgewiebt erlaugt. Näln'rt mau einen oder beide I'ole des Magneten (bMii liaude der Selii'ibe, in der hlbeue der lelztereu, so überzeugt man sich, dass alsdann gar keini' l!.e|)ulsiouserselieiuuugen auftreten. A. (i. Litteratur. Dr. A. Tsehirch: Angewandte Pflanzenanatomie. I';iu 1 lauilliui-li zum rStudiuui des auahimiselii'u ilaue^ der iu ilrr riuirnuizie, den (lewerben, der Laiulwirtsebalt und di'iu llau.sbalti' benutzten ptlaiizliebeu liolistdll'e. — I. Hand: Allgemeim-r 'l'i'il. (Jruuilriss derAuatonde. .'■)4S Seiten. (114 llolzsebuitte. Wien und Leipzig, l'rbau & Sebwarzenberg. IS.Sj). I'reis l(i ,JC. l''ulspreebend den l<'(U'tscliritfeu der nukniskopiscbeu l'nter- suebuugsmelhodeu ist seit der Mitte diesi's .labrbunderts das Mikroskop in stetig znnelimendem Masse aueli für die lieurteiliing der Drogen iu Anwendung gebracbi worden. So war es natiirlieli, dass jede neu iMsi-beinende riiaruiakoguosie dem vergn'össertcn Zellliilde imuu'r eing{'bendere lietraebluugen widiuete. |Ini alKU' den bealisiclitiglen Zwec-k ganz zu erreii'ben, war es nötig Abl)il(luugen zu selialfen, die aueb dein weniger Kundigen das Studium des l'llauzenbaues ermög- licbleu. (ierade hier zeigte sieb eiiu' füblbare Lücke in der Litteratur. Widil wari'U wissiMi.scliaftliclie Werke vorbanden, deren ijcdzsebuilte niilits zu wiinsi'ben üVirig liesseu, aber ilir'l'e.xt eignete siib nur für den b'arlMuann. j\uderersi'its giebt es eine nicbt geringe Anzabl von Si'brifleu. die den Zweck vei'lolgeu, di'ui Anfanger die grnndleL'endeii Spi'zialkcunlnisse in der ]\likroskopie zu bi(^teu, inde.ssen diesen feldle ilas erlilutiM'udi' liild, oder wenn es vorbanden war, ebne genau und instrukliv zu sein, so gab es in nicbt seltenen H'iilleu sogar zu bescbäftigtc, den Studiereudi'U wcilei- fübrte auf dem scbwierigen Tfade zur ana- lomiscbeu Kenului-j dci' Teile der l'Hanzen, in denen die wirksannai Sulistaiizen zu suclien waren inid zugleieli auidl diMu l'^aebmaiine als Sammelwerk der neuesten b'orscbungen diente. Diesen Anfordi'ningeii entspricbt das vorliegende Werk iu walirlial't vidleudi'fem Masse. Mit ansgezeicbm^ter Sin-gfalt ist das, was in der letzlen Zeil auf diesem (lebiete geleistet wui'de, zusauimen- eetragen uiul ilurcb die umfassendsten eigenen rnti-rsucbungen be- reicbert wi>rdeu. Dies Alles wird in aiu'egender Weise v kr.vptogamen" (.lalirb. d. Kgl. botan. Gart. u. botan. .Museums zu Jierlin, 11, 188:3) vorgescblagenen Termini Hydroin, llydroVde, lly dro-StereVde eine Ijanze zu brechen, leb liahe dannils S(-lion gesagt: „Es ist im (ürunde g'leicbgiltig, wie man eine Sache nennt, vorausgesetzt, dass man sich vorsteht. Aber wer wollte leugnen, dass eine gute, zwec,km!l.s.sige Terminologie ein äusser.st wertvoller Ap]iarat ffir die Forsehiiiig' ist." Die.se Auffassung bat ilie Seil wenden cr'scdie Seliule iladureli als die ihrige bestätigt, dass sie in gebührend vorsicditiger Weise für die neuen lieu'rilfe aucli neue Termini sclinf: ein durchaus zu billigendes \'erfaliren, da durch die Anwendung alter 'I'ermini in wenn aindi nur etwas anderem Sinne wie früher leicht Missverstilndnisse und Irrungen erwaidisen und namentlicb di'ni Anfänger das l'liudringen in den (Jegenstand wesentlicli erschwert wird. So wurden die Nahrung und Wassi'r IcitiMiden (Jewida! der Tjeitbündel als Mestoin, die aussclilii-ssliidi für dii^ Ft^stigkeit sorgenden, also die Skelett-Teile in der l'Hanze, die häutig auch innerhalb der Leitbündel oder diese begb-iti-nd vor- kiunmen, als Stereoni zusammengefasst. Innerhalb der Leitbüudid bezeichnet die Seh weiidener'sidK- Schule die die stickslolflialtiL'en Näbr]iiodiikte führenden (iewebe als Leptoiu, die di(> Kiiidehydrale (S([irke|, also dii' slickstofliosi'u l'rodnkte, fühn-uden als Ainylom; lue Wasser (mit den gelösten miueralisclieii Bestandteilen diMi Urd- iiodi'us) fübrenden wurden in der früheren Annahme, dass sie (b^ni (iasa,ustanscb dienten, 'J'racbeom genannt. Abgesehen von der Lnzweckmässigkeit dieses Au.sdrucks — wie wir gleich sidieii werden - - ist das Wort Tracbeom iioi-b insofern zu verwerfen, als sich durch neuere Lntersucbungeu lierausgest(dlt hat, dass tlieses 'l'racheom gar kein „traclic'ales System" (;= Atiming.ssystem bei den Inscdilen, Spinnen und Myriopoden), sondern das speei tische Wasser- leitiing.sgewebe ist (\^ergl. den Wes termaier'sc.ben Aufsatz in dieser Nr. der Natiirw. Woclieiischr.). Dieser Tliaf.sache eiits])rerdien die Termini llydrom für das fragliche (Jewebe und llydroTde für die. eiiiz(dne Zidle dieses (Jewebes. Aber es g'ielit ja viel(( Termini, die wobl als sii' gi^si-badeii wurden, aber nicht mehr jetzt sich mit dem damit verbuiideiieii Itegrilfen decken und die man (rolz- dem - wenn .sii' einmal lOingang gefunden babi'u - zweckmässig be- stehen lässt: derselbe J'eweggrtiiid würde allenfalls für die lieibehaltung von Tracbeom -- trotz der oben angedi'uti'd'Il niöy:liclieii Konfnsiim mit ileni zoologischen Jiegrilf - sprechen, wenn nicht andere gewich- tigi' Thatsacben dagegen wären. Die Llemeute des Tracbeoms sind iiämliidi dii^ Tracheen und TracbcVden, die sich dadurch jdiysiologisch uuweseiitlich unti'rscbeiden, dass i'rstere liidireu darstidlen, die aus übereinander belindlicben Zellen, deren (^uerwändi' aulgidöst wiinlen, entslanden sind, während die TnicbeVden jene (Querwände beibebalten. Dieser miu'pbologiscbe Lnterscliied genügt zur Uechtfertigung der nun einmal eingeführten beiden geiiannlen Itezeichnuugi^n. Nun wenleii aber namentliidi die Hauiitelemente des Holzes der (lymiiosiiermen als TracbeTden bezeiclinet, die iihysiologisch von den Tr.aidiiuden z. I!. der b'arnkräuter diircbaus gescbiedi'H werden müs.scn, da letztere aiiss(diliesslicli der Wasserleitung dienen, also echte HydroVden sind, während die Trac-heTden der ( iymnospermen im Frühjahr midir lly- droTdeii-Natur, im llerbsti^ imdir StereTden-Natiir und -l''nnktion be- sitzen. Dieses wii'htige Verhältnis und diesen wichtigen Lntersi-liied zwisclieii ileii geuaniiteu lieideu TrailieTden-Arteil drüc'ke ich eben durch die liezeiehiiung der (i'yiiinospermen-TracheTden als Uydro- Stereideii aus. Ilaberlandt bat in seiner vorzüglichen „l'hysio- log'iscben l'tlanzenanatomie" das üedürfnis der teiininologisclien l'nterscbeidiiug dieser TraeluViden auch empfunden, indem er — ob- wobl er das Wort Hyilrom nicht L''ebraiicbt — auf Seili' .'i")? bei Schilderung des üaues der ( lymnospermen-Trai-beTdeu sagt: „Man kann diescdben mit l'otonie als „llydro-StereVdeu" bezeiidineii ; doch ist auch der allgemein übliche Ausdruck „Kaser-TraclieTdeu" liin- läliglicb cbarakteristiseb." Was nun Tsehirch anbetrilft, so wendet auch dieser di'U Ausdnndc Hydnnii leider nicht an. sondern sagt in Aniii. 4 auf Seite ;j'JS bei liesprei-hung der blleinente der Wassei- b'itung: „Dieselben werden von l'otonie unter dem Namen llydrom zusammengefasst", jedoch liriiigl er sdioii vor dieser F.rklärung auf Seite "JiM) in einer Klamiiier als SviKuivm ileu .\iisdruck Ihdro-^lc- refde. (Vergl. auch S. 4(11.) ' il. I'. Alexander, B., StaiisUk d. Itaclnlis u. d. Spasmns gloftidin iinrh den Ikitcn der medizinixchen Fot.ihlinil: in Kiel. (:i() S.) 1 ^U. Kühler, lireslau. Arvet-Touvet, C, Ja's Hieraciums des Alpes franraises dk orci- diiiliilrs ilr t'Kuriipe. (LU S.) 4 JO. fieorg, Hasel. Baeh, K., Die Verivendunq d. Obstes im liindl. Ihnishiilt. (109 S. ni. lllustr.) Km\. IJO.' Llmer, Stuttgart. Bary, A. de, lleiträye zur Marphd/oiiie iiiid Phi/sioht/ie d. Pilze. 1. Ueihe 2. Abdr. (S.^p.-Abdr.) 4". (!l4 S. m. G Tat'.) SM. Schwalle, Uasid. Becker, C, Ans der könitil. IJniversitäts-FrauenMinik z. Breslau. 25 l''älle von künstlicher l''rühgeburt bei engem Hecken. (4::i S.) 1 ,11. Köhler, liresl.au. 104 Naturwissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 13. Benecke, F., Die Bedeutung der mikrofikojiischen Untersuchum/ V. KraftfuU ermitteln f. die hindinrtschaftliche Praxis. Vortrag. (15 S.) 40 ,!. Schön feld, Dresden. Beyer, H., Die spontanen Beiregungen d. Staubgefässc u. Stempel. (r)() S.) 1 JC. Warnke, Kolberg. Bielmayr, J., lieber Kosmogonie. (57 S.) 75 ^. Ooppenrath, llegensburg. Bienstock, B., Zur Therapie der Psoriasis. (35 S.) 1 JC. Köhler. JJreshiii. Bornstein, K., Einiges über die Zusammensetzung des Blutes in rerschiedeuen Gefässprovinzen. (36 S.) 1 JC. Küliler, Breslau. Brieger, O., Ueber das Vorkommen von Pepton im. Harn. (92 S.) 1.6UJC. Fock, Leipzig. Brunner v. Wattenwyl, C, Monographie der Stennpelmatiden und Gri/llacridcii. Sep.-Abdr. (150 S. m. 5 Tat".) 5 M-. Brock- hans, Leipzig. Derblieh, W., T>er Militärarzt im Felde. Mit gleichmässig. Be- rücki^icht. der deutsch, u ö.sterreieh. Vorschrift. 16". (X, 192 S.) Geh. 3 M. Urban & Schwarzenberg, Wien. Dieckert, G., TJetier das Verhältnis des Berkelegschen Tdealisinus zur Kantischen Vernunftkritik. 4". (40 S.) 1 JO. Fock, Leipzig. Diemer, L., Selbhitfe bei Verirundung. Fol. 6 Taf. mit lllu.str.) 2 .16. Mittler & Sohn. Beriin. Dieterieh, E. , Neues phaniiaceutisches Manual. 2. Aufl. (IV, 449 S.) (!eb. 9 JC\ ni. l'apier durchsch. 10,40 JC. Springer, Berlin, Ettingshausen , C. Frhr. v., Die fossile Flora von Leoben in Steiermark. 2. Tl. L>ie Gamopetalen u. Dialypetalen. Sep.-Abdr. gr. 40. (08 S. m. 5 Taf.) 5,40 JC. Freytäg, Leipzig. Fischer, J. G., Herpetologische Mitteilungen. Sep.-Abdr. (52 S. in. 4 Taf.) iJC. Grilfe, Hamburg. Fischer , K. , Ueber die menschliche Freiheit. Protektoratsrede. 2. Autl. (47 S.) 1,20 JC. Winter, Heidelberg. Pothergill, J. M., Therapeutisches Hilfsbuch zur rationellen Be- hiiiidtiing in der internen Praxis. Üebers. von J. Krakauer. (IV, 15(1 S.) Geb. ii JC. Urban & Schw.arzenberg, Wien. Fritseh, A., Fauna der Oaskohle und der Kalksteine der Pcrm- frriiiation Böhmens. 2. Bd. 3. Heft. Die Lurchii.sehe. Dipnoi, nebst IJenierkgn. üb. silur. u. devon. Lurchfi.sche. 4". (S. 05 — 92 m. 10 chriimolitli, Taf.) In Mappe 32 JC. Püvik'ic, Prag. Fromann, M., Karte vom Qrossherzogtum Hessen. 1:280943. 22. Auri. Cliromolith. Fol. %m JC. Roth, Gie.s.sen. Gizyeki, G. v., Kant u. Schopenhauer. Zwei Aufsätze. (112 S.) 2 tK . h'riedrieh, Leipzig. Goercki, C, Uiitersuehungen «&. d. Snlfochloride d. (Juecksilbcrs. (45 S.) 1 JC. Köhler, Hreshui. Groshans, J. A., Des dissolntions aquenses par rapport au.r nombres de dcusitr des Clements. (VII, 103 S.) 2,40.,«. Fried- liinder & Sohn, Berlin. Gross, W., Ueber d. Einltuss d. Nervensystems auf d. Säuerung d. Muskels nach dem Tode. (38 S.) 1 JC. Köhler, Mreslau. Gumppenberg, C, Frhr. v., Sgstema geometrarum zonae tem- peralioris septetärionaUs. Systematische liearbeitung der Spanner der nönll. gemässigt. Zone. 2. Tl. gr. 4". (131 S.) 5 JC. W. Kngelmann, Li'ipzig. Ilaacke, F., Uclicr den inneren Gedaiikenzusarnntenhang d. Schopen- huuersclirn philosoph. Systems. (4G S.) 1 JC. Köhler, Breslau. Heidenhain, R., Beitrüge zur Histologie und Phi/sirdogie der lUimidariiisehleimhaxit. Archiv f. die gesamte Physiologie des Menschen und der Tiere. Hrsg. von R K.W. Pflüger. 43. Bd. Siippl.-IIeft. (103 S. mit 4 Taf.) 7,G0 ■«. Strauss, lionn. Kalapälek, F., Untersuchungen über die Fauna der Geieässer Uidimeiis. I. Metamnrpliose der Triehopt(!ren. Archiv der natur- wisscnscliaftl. Landesdnrchfor.schnng von Böhmen. 0. l!d. Nr. 5. (IV, (i4S. mit lllustr.) 2.40./^. Rivn;V', l'rag. Kettler, J. L. n. G. Eiemer, Uebersichtskarte der deutschen Kohmieen. 1 ; 8 (100 0(1(1. 4. Anll. Ghromolirh. Fol. .50 ,j. Gi'iigr. Institut, Weimar. Kirchner, W., Haudlmch der Ohrenheilkunde. 2. AuH. (\'lll, 218 S.) 4,(10. /('.; geb. .5,80. //(^. Wreden, Berlin. Klimpert R, Oeschichte der Geometrie. (VlII, I60 S. m. lllustr) :'< J( . ,1. IMaier, Stuttg.art. Lachmann, H , Das Terrarium, seine Einrichtung. Bepflanzung unil üevölkerung. (VII, 120 S. m. lllustr.) 'i JC; geb. ?>fi{) JC. ( 'ri'iitz, Magdeburg. Schlegel, V., Ueber den sog. vierdimensionalen Baum. Allgem.- verstündl. naturwisseiischaftl Abh.andl. .Sep.-Abdr. (28 .S.) 50 ..j. Kienunni. Berlin Wretschko, M., Kurzes Lehrbuch der Botanik f. Schulen. (XII, 141 S.) 1 JC. Holder. Wien. Zaflfauk, Edler v. Orion, J., Gemeinfassliche Anleitung zum Cro- quiereu d. Terrains m. u. ohne Instrumente. 3. Aufl. Neue Ausg. (VII f, 134 S. m. Blustr.) '.i JC. Kari (ierold's Sohn, Wien. — populäre Anleitung f. d. graphische Darstellung d. Terrains in Plänen und Karten. 3. Aufl. Neue Ausg. (133 S. mit 9 'i'af.) 4 JC. Karl Gerold's Sohn, Wien. — Populäre Avleifung zum Plan- und Karten-Lesen samt Terraiti- Lehre. 3. Auti. Neue Amsg. (197 S. mit lllustr.) SJC. Karl (ierold's Sohn, Wien. Zahn, C, Aideitung zum. Gebrauche der sogenannten Schiccninger- Kur uud vervaudter diätetischer Heilmethoden. 10. Aufl. (72 S.) 1 JC. Brelise, Leipzig. — Unfug, Fehler u. Gefahren bei dem Gebrauche der modei-nen Entfettungskuren. (). Aufl. (46 S.) 1 JC. Brehse, Leipzig. Miemssen, H. V., 7i7H(/.s(7/e For^räye. 12. Vortrag. V. Verdauungs- appurat. 1. Ueber die physikalische Behandlung chronischer Magen- u. Dannkraiikheiten. (30 S.) 00 ..j. F. 0. W. Vogel, Leipzig. Zweifel, P., Die Stielbelmndlung bei der Myomectomie. (140 S. m. lllustr.) Preis 5 JC. Enke. Stuttgart. Briefkasten. Herr T>r. S. — Mellinit. — Um die Wirkungeil des von Nobel entdeckten Nitroglycerins, des explosiven Bestandteiles des Dynamits, zu verstärken, ist es mit einer ganzen Anzahl von teils ■selbst brennbaren , teils oxydierend wirkenden Körpern vermischt W(]rden .Solche .Substanzen sind; .S.alpeter. I'araflin, Zucker, Am- moniumnitrat, Baryumnitrat, ('ellulose, .Schwefel u. a. Die so er- h.altencn .Sprengkörper kommen unter verschiedenen Namen im H.andel vor. Ein dazu gehörender ist das Amraoniakpulver von Ohlsson und Norrbin, welches aus 4 Teilen Nitroglycerin, 2 Kohle und 12 Ammonnitrat besteht und bei der Explosion ein um 25% grösseres G asgemisch entwickelt als Nitroglycerin, ferner das Doppelt- ammoniakpulver von Wendin aus 60 Nitroglycerin. 5 Nitrocellu- lose, 25 Ammonniti-at. Zum Nitrieren der Oellulose wird hierbei eine .Säure genommen, welche vorher an der Nitrierung von Garbol- siture teilgenommen. Die .Substanz enthält daher Pikrinsäure (Tri- nitrocarbolsäure.) Das Mellinit, dessen genaue Zusammensetzung und Herstellung unseres Wissens nicht veröttentlicht ist, nähert sich seiner D.arstellung nach den beiden erwähnten. Es teilt mit ihnen die Eigenschaft, leicht feucht urul deshalb unwirksam zu werden. Zu seiner Herstellung wird nitrierte Melasse, (unreine, mit anor- ganischen Salzen versetzte Zuckerlösung, Rückstand der Rüben- zuckertabrikation), l'ikrinsäure und Nitrobenzol verwandt. Es scheinen also im Mellinit Nitroprodukte des Zuckers die Nitrocellulose des Doppclamunuiiakpulvers zu ersetzen. Wie .aus den Tageszeitungen zu ersehen war, scheint der .Sprengstoft" den gehegten, übertricibenen Erwartungen nicht zu entsprechen. Dr. M. B. Hr. S. — In seiner Schrift „Der moderne Bildungsschwindel in .Schule und Familie sowie im täglichen Verkehr" (Leipzig. Bi^rnh. Schlicke) zieht J. L. Christensen gegen das Scheinwesen zu Felde, das sich .auf den meisten Gebieten des modernen Lebens breitmacht. Er behandelt in einem 1. Knpitel den Bildungsschwindel in der .Schule, in einem 2. den in der l'amilie und im täglichen Verkehr. In jenem tadelt er die noch vielfach übliche Unterrichtsmethode, die innerhalb mancher Fächer herrscht, den geisttötenden Formalismus, die Hinten- ansetzung der nützlichen Kenntnisse, das falsche Verhalten vieler Lehrer u. a. m.; im zweiten Kapitel geht er gegen Putzsuclit, Ilinraten aus unedlen Beweggründen, falscdie Höflichkeit, Gesell- .schafterei, Badereisen, Klavierseuche und zahlreiche andere Verkehrt- heiten kritisch vor. In dem 3. Kapitel unterbreitet der Verfasser dem Leser eine Reihe von Mitteln zur Heilung der gerügten Schäden. wir der Zur IVacliricht. licziiglich der Abonnements- I'Jrneuernng verweisen auf die liemerkiiny am Kopf des Jufiernfenfeil.s ,,Nafit,r>v. Jt'orhrnschr." Inhalt: Dr. ]<\M. Stapff: D.as „glaziale" Dwykakonglomerate Südafrikas. (Mit Abbild.) — Dr. M. Westermaier: Zur Frage der Wasserbewegung in den Pflanzen. — Kleinere Mitteilungen: Die neuesten Vorschläge zur 15ehand!uiig der Lungenschwindsucht. — ■ (Quecksilberchlorid als Heilmittel gegen .asiatische C^holera. — Dr. Mej'er's ostafrikanische E>cpedition. — Das .Schnabeltier. — Wande- rungen des Eichhörnchens und des Tiinnenhähers. — Zwei neue i)hotogene Pilze. — Eine (iletscherbakterie. — 15arometerreduktion. — Die monatlichi^ l'eriodc der erdmagnetischen Er.scheinungen. — Induktionskreisel. — LItteratur: Dr. A. 'I'sch irch: Angewandte l'flanzcnanatomie. — Bücherschau. — Briefkasten. — Zur Nachricht. Verantw. Redakteur: Dr. Henry l'otonie, Berlin NW. (I, für den Inseratenteil: Hermann Riem.ann. — Vi^rlag: Hermann Rieminn, Berlin NW. 0. Druck: Gelirüdi^r Kies.au, Berlin .SW. 12. Hierza eine Beilag'e, welche wir he«ton(ler.<« xu beacliten bitten. Beilage zu Nr. 13, Band III der Jatiirwisseiischaltliclien Wocliensclirift". Aboilll<>'llll*ll||o-: Wir biitcii dii'.jt'iii^'cn iiiim« ••. > .. •» Liiisenplatz; 11. Die Expedition der „ITaturwissensch. Wochenschrifi t". Verlag von Moritz Schauenburg in Frankfurt a. M. und Lahr. Das nachoelassene Werk Iiiiiiiaiiiiel Kaiit/!i< Vrm Uebergange von den metaph^/sischen Anfangsgfriinden der Naturwissenschaft zur Physik mit Delpe:en rnimlilr-wissoiisrliaftlicli dargestellt von Albreclll KraUi^O. Preis M. 10. [150 Preussisclie Philologen-Zeitung. Organ für die an höheren Lehranstalten der Monarchie tliätigen Lehrer. Herausge>,'-ebcii von Emil Lazarus. [us Ersrlipint jeden ^ioiinabeiid uiul wird an sämtli.lio JJirplctoren, [lel,iop„onimen ^^^XXVXWXWWW WXX\V\-\ XXVVXXVV*v»'wv*»»*»»^«..-*«.. Wilh. Schlüter in Halle a|S. Naturalien- u. Lehrmitteltiandlung. Reichhaltigvs Lager aller naturhistori.se,h(;n ( leg.'nstiin.le, s„wie .skratlicher Fang- und Präparierwerkzenge, kiinstliclier Tier- nnd Vogelangen, In.sektennadeln und Torfplarten, Katab.ge kostenlos und purtnfni. [86| Allen Nordhäus. Korn 1.7,-.. >it. .\lk. I.2r.. -'.riniie (H.iut- systeni, Slielett.systeni, Absorptionssysteni, Assimilationssystein, Leitungs- sy.stem, Speieliersysteui, DurchlUftmigssysteni, Sekret- und Exkretbeliälteij Fortpflanzungssysteni). — Physiologie. — Sj-stematik. — Aulziililnng und Beschreibung der wicUtigsten'Pilanzen-Abteilungen und -Arten. PHanzen- geographie — Palaeontologie. — Pflanzenkrankheiten. — ßescliichte der Botanik. — Register. ustrierte Flora von Nord- und Mittel-Deutscliland mit einer Einführung in die Botanik von Dr. H. Potonie. Dritte wesentlicti vermetirtB und verbesserte Auflage. — «• — 520 Seiten gv. .S» mit 425 in den Text gcdriickti'ii Abbildnno'eu. Unter .Mitu'i, kling von I'iuf. L)i. P. Ascherson (Berlin). Ur. G. Beck (Wien), Prof. Ur. R. Caspary (weil. Prüf, in K.,riig^berg). Dr. H. Christ (basel), Dr. W. 0. Focke (Bremen), i. Freyn (Prag), Prof. E. Hackel (.St. Polten), Prof. C. Haüssknecht aVeiniar), Prof Dr. G. Leimbach (Arn- stadt) , Dr. F. Pax (Breslau). Prof Dr. A. Peter iCoitingen), W( i) V, '' (^^^i'ir~~^iiv. P'"eis Mk. 5, — . 1'™/- ,"■■,■ '■.Wit*mf'< «TO lll %. ^ ^ Eleg. gebunden (Berlin). Prof. A. 111 U 1 ^^, . ^—^ »«, o Zimmeter (Innsbruck). ^Sp ü fVT^'^l^^m^^ "''^- °' UJ I ' WV \ i \\ * vi*. [110] Putiiiiit-'s Illustrierte Flnra ist, tiotz des billigen Preises, die voll- ständigste aller Floren des CTebiets; sie ist die erste, die überhau]tt ilas Leben und (Ir.n Innern Bau der Pflanzen behandelt hat und sie ist din ein- zige, die eine auslührliche Pflanzengeographie iles ilebiets bringt. 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Dezember in un- seren Händen sein. Die Expedition. Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser höfliclist, auf die „Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Unserer heutigen Nummer liegt ein I'rosiieht der Firma K. ]TIarteii8 in Bremen betreffend Kreiiiei- <'ijä;arreii bei, den wir der freandlichen Beachtung unserer geschätzten Leser auf das wärmste empfehlen. \erantw. Keilakteur; Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6, für den Inseratenteil: Hermann Kiemann. — Verlag; Hermann Riemann. Berlin NW. ö. Druck: Oehrüder Kiesan, Berlin SW. 12. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. IIL Band. Dienstai^', den 1. Januar 1889. Nr. 14. Abonnement: Man abonniert bei allen Bueliliandluugcn und Post- y Inserate: Die viergespaltene Petitzeile :5Ü -(. Grössere Aufti-ajje anslalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 3.— ; dp entsjjrechenden Rabatt. Beilagen nacli üebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post 15 .j extra. JL annähme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Alulrnck ist nur mit vollüitändiser <|iii'lleiiaiis;al>e gestattet. Ueber den Urgrund des Wissens. Von J. Alle Versuche, da.s Weltriitsel zu lösen, sind bisher in der Weise imternomraen worden, dass man die Natur d(\s Menschen als Massstab an die Vorgäng-e der Aussen- welt legte und durch die Annahme einer Weltseele, Ver- nunft, Idee, eines Willens, eines Ich, sogar einer Phan- tasie diese Vorgänge zu erklären suchte. Die Bekanntschaft mit den Zuständen und Thätigkeiten der Seele bildete hierbei den Ausgangspunkt; aber man übersah auch nicht die tiefer liegende Frage: Wie gelangen wir zu dieser Bekanntschaft? Allgemeiner: Auf welche Weise wird das Wissen in uns erzeugt? Zur Beantwortung dieser Frage soll das Nachfolgende einen bescheidenen Beitrag liefern. Unser Denken legt nur denjenigen Urteilen Wert bei, welche Wahrheit enthalten, und ^^"ahrheiten sprechen für uns die erkannten ( besetze aus. Unter Gesetzen ver- stehen wir allgemeine Urteile, die wir aus der Betrachtung des gleichförmigen Geschehens gewonnen haben, und wir schliessen, dass, wo in der Natur eine solche Gleich- förmigkeit auftritt, sie die Folge sei eines ihr zu gründe liegenden Gesetzes, einer sich gleich bleibenden Methode des Veränderns. Die Gesetze der verschiedenen Wissens- gebiete, gruppiert und geordnet, bilden das Reich der Wissenschaft, und wissenschaftlich denken heisst, diese Gesetze denkgesetzlich verbinden. Aber nicht nur die Wissenschaft, sondern das Wissen überhaupt, auch das alltägliche, bewegt sich im (Gebrauche von Gesetzen. Schon wenn wir die Dinge benennen, fassen wir ihre Erscheinungen als Kraftleistungen von Gesetzen auf. Mit dem Worte „Gold" z. B. bezeichne ich nicht blos das eigentümliche Stück meiner Sammlung, sondern das Gold-Gesetz, welclies in einer (^)uantität der Weltmaterie, und auch in dem Stückehen meiner Sammlung, zur Wirkung gekommen ist. Der Begriff „Baum" bedeutet den Namen für da-^jenige Bildungs- gesetz, tlas die reliereiustimmuug in der l'lrscheinnng IIa 11. dieser Wesen, zu denen auch der bestimmte Nussbaum vor meinem Fenster gehört, beding-t hat, und der Begiiff „Mensch" ist gleichfalls nur der Name für das Gesetz, das im gleichförmigen (Gestalten gerade diese Oi'ganismen, zu denen ich als Besonderer gehöre, erzeugte. „Das Gesetz der Erscheinung'en finden, heisst sie begreifen. In der That ist das Gesetz der allgemeine Begriff, unter den sich eine Reihe von gleichartig ablaufenden Natur- vorgängen zusammenfassen lassen"" (Ilelmholtz, Vorträge und Reden Bd. I S. 341). Das Wesen der besonderen Dinge also suchen wir in den ihnen zu gründe liegenden Gesetzen, und was wii- wesentliche Merkmale nennen, sind die bereits erkannten Gesetzesbestimmungen. Da, wo diese Bestimmungen noch unbekannt sind, müssen wir mit dem blossen Gesetzesnamen uns begnügen. Gesetzesnamen sind sämtliche Begrittswörter unserer Siirache, und die Allgemeinheit ihrer Bedeutung erklärt sich aus der Allgemeiugiltigkeit der durch .sie bezeich- neten Gesetze. Auf einen besonderen Umstand soll an dieser Stelle aufmerksam gemacht werden. Wir sind genötigt, jede Thätigkeit, Eigenschaft, Beziehung, sobald davon etwas ausgesagt werden soll, in die Kategorie der Substanz zu erheben. So wird aus „gehen" der ,.(iang", aus „schön" die „Schrmheit", aus „wirken und bewirkt werden" die „Ursächlichkeit." In der nämlichen Art ist aus dem wiederholten gleichförmigen und notwendigen „Setzen" einer Wahruehmung oder Vorstellung der Begriff „Gesetz" entstanden. Nun sind zwar diese Begriffe: „(iang, Schönheit, l^rsachlichkeit, Gesetz" die Substanzen der Urteile, die wir von ihnen bilden; aber es würde weit gefehlt sein, wollte man sie zugleich für wirklich existierende Substanzen halten. Dann müsste in dem „Gehen" noch ein (Jangwesen, in der bestimmten Schönheit ein Schönheitswesen, in Uisache und Wirkiiui;' ein Irsachlichkeitswesen inid endlich in 106 Naturwissenscliaftliclie Woclicnsclirift. Nr. 14. (lern Setzen nocli ein selbständig wirkendes Wiesen, ,.(T!esct/," genannt,, angvnonnnen werden. JJie klare Einsicht in diesen l^ntcrschied zwischen Wissens- um! Seinssubstanz ist \'on besonderer Wichtig- keit bei der Würdigung deijenigen Tliätigkeiten, die wh' in unserer Seele vorfinden. Solche gesetzmässig vcr- lauleiule Tliätigkeiten sind: voi'stellen, begi'eifen, urteilen, einiilinden, wollen u. s. w., und die Namen für ihre (ie- setze heissen: Vorstellung, ijegritf', Urteil, l^Iniitlindung, Wille. Ebenso, wie die oben angetuhiten Hcgritte, sind auch dii^se letztei'en nur als P.ezeichnnngen von Wissens-, nicht als solche von Seinssubstanzen aufzufassen . da es Dinge, die entweder (Je.danke oder Gefühl oder Wille wären, nicht giebt. Steigen wir zur (|),iielle der (iedanken auf, so finden wii', dass den verschiedenen unter ihnen gleichi'alls (nn sie behei'rscliendes Gesetz zugrunde liegt, welches wir Geist nennen, wobei wiederum angomerkt wei'deu soll, dass auch d(M' Geist niu' als gedachte, nicht als wirklich existierende Substanz aufzufassen ist. h\'riu^r entdecken wir als (^hielle von Geist, J'^niiilindung und Willen die Seele, und dieser Begritf ist ebenfalls nur ein Name fiii- die dem Denken, Emplinden und Wollen unterliegende gemeinsanu^ Gesetzesthätigkeit, ohne abei' ein existierendes Wesen zu bedeuten, welchivs Seele wäi-e. I^^i'agen wir endlich nach dem Lel)en, als dem gemeinsamen Untergr'unde von Geist und Seele, so können wh' auch in dieser Bezeichnung nichts anderes linden, als den Namen für das Gesetz der Thätigkeil, welche den Siolfwechsel und alle davon abhängigen l'^Kscheinungen unterhält. Ungeachtet aber den angeführten Gesetzen die Natur von daseienden Dingen abgesprochen werden nuiss, \oll- ziehen sich ihre Thätigkeit(>n gleichwohl mit einer so grossen Selbständigkeit, dass es den Anschein gewinnt, als hätten wir es in der That mit wirkliclu'U J^lxisteir/.en zu tliuu. Während nämlich in der anorganischen Natur das s(^lbstäiulig Jiehariende die Materie, das von ihr Ab- liäugigci das Gesetz ist, welches je nach den vciränderten Verhältnissen der Körper sich wandelt, zeigt sich in der oi'gauischen Natur das gei'ade Widersjiiel. Hier ist das Sellistilndige das Gesetz, das davon Abhängige die Matei'ie. Denn das Gesetz beherrscht den Stoff, den es aufnimmt, verändert, ausscheidet; das Gesetz beharrt, die Materie wechselt. Diese scheinbare Selbständigkeit des Gesetzes, welches als Debens|)rinzip zunächst in der Selbständigkeit des gesamten Grganisuuis, dann in derjenigen der einzelnen Organe und Zellen sich zeigt, ist nun auch dei- Grund von dem Selbständigscheinen aller darin wirkenden (be- setze. Das kann freilich nicht von aussen, also von der anatoudsciuui oder psychologischen Seite, sondern nur von innen, vom physiologischen Standi>uukte aus bi^obachtet werden. Da linden wii' als selbständiges Wesen die Seele, die, obwohl dem Ges(^tze des Ijoibes untergeordnet, doch in unsei'(^r Meinung sich neben ihm behauptest, wenn wir sagen: Der fjeib „hat" eine Seele. WMr bemerken fernei' als selbständig-e Existenzen den Geist, das (iefülil, den Willen. Auch hier bezeichnen wir das Verhältnis diesei' di'ei zur Seele nicht so, dass wii' sie als der Seele unteigeordiiete Tliätigkeiten auflassen, sondern als für sich i)esteliendi' l>esitztümer der Seele: sie „hat" («eist, Gefühl und Willen. J'^benso „hat" der Geist: Verstand, Gedächtnis, Phantasie und ebenso „hat" der Verstand: Ur- teile, Begriffe, Vorstf'llungen. Dieses „haben" keinrzei(^hnet recht eigentlich die Si^lbständigkeit inid Ahsondernng dei' Gesetze, von denen j(Hles übergeoidnete, als Subjekt. jedes untergeordnete (Jlijekt als Besitztum betrachtet. Allein die Bewegung des Setzens ist nicht blos eine sich ausgliedernde, ihren P.esitz verniehi-ende Thäfigkcit des „Habens", sondei'n sie ist auch eine des „Seins", welche das Besondere wieder dem allgemeinen Gcisetze unteiwirft und den gesamtem geistigen und seelischen Besitz zu einer Summe zusammenfasst, die wir Bewusst- sein nenni'U. Das Bewusstsein st(>igt von der Vielheit der (iesetze wieder zur ]<]iulieit empor; die Willensrich- tungen gijjfeln im (»ewissen; die verschiedenen 10iii])iin- dungen und Gefühle sammeln sich zum Gemüte und uns(!re Gedanken zur Vernunft. (Jewissen, (jemüt und N'ernunft abei' vereinigiMi wir unter dem gemeinsamen, h(ichst(!n Gesetze in uns, dem ich. Wissen war innere Ausgliederung, Bewusstsein besteht in innerer Sammlung zur Ichheit. Das „Ich" ist mithin der Name für das allgemeine Gesetz, dem das gesarate Bewusstsein sich unterwirft. In dem Urteile: „Ich bin ich" ist es das l'rädikaf, während das erste Ich, das Subjekt des Urteils, zwar das nämliche Ich darstellt, aber jetzt in dem Dichte' einer wii'klichen Existenz, welclie das (Jebiet des W'issens besitzt. So geschieht im Selbstbewusstsein, wo das Be- wusstsein wieder in das Wissen sich umsetzt, ein Sprung des „Ich" aus der blos gedachten in die^ wirklich seiende Sulistanz, eine Verwandlung des hei'rscheuden Gesetzes in den gesetzgebemden Herrscher. Ein besonderes \"erdienst erwii'bt das Bewusstsein sich dadurch, dass es die Täuse^hnng, der das Wissen in bezug auf d\{' Selbständigkeit des Ich und seiner Objekte anheimgegeben war, wiediu' aufhebt. Im Bewusstsein existiert weder ein selbständiger Wille, noch ein selb- ständiges Empfinden, noch ein Geist, noch eine Seele, überhaupt keine Sonderung der verschiedenen Vermögen; vieilmehr ist sein Ich nichts als ein gleichförmiges Setzen des uäraliC'hen Zustandes, also ein Gesetz, unveränderlich in seiner Natiii', während das Wissens-Ich, trotz der schiüiibarcn Wirklichkeit, wegen der Veränderlichkeit seines Besitzes einer beständigen Wandlung unterliegt. Alles, was wir vom Wissen zu erkennen vermögen, erfahren wir thatsächlich aus dem Bewusstsein, in wel(;hem wii- s(un Bild erblicken und beurteilen. Das I5ewusstsein sammelt ilie Wissensstrahlen und vereinigt sie zum Ich. Dieses Ich beleuclitet zwar die Wissensobjekte; aber seine Wirklichkeit ist nur eine optische Täuscliung. Das (iesetz verwandelt sich in den ()esetzgel)er, uml kaum strecken wir die Hand aus, ihn fest zu halten, so \ei'- Hüchtigt er sich schon wunlcr zum (Jesetz. Aus diesem Zirkel lierauszukommeu, ist wenig Aus- sicht vorhanden, und wir werden mit dem gefundeneu Resultate uns begnügen müssen, selbst -wenn manches darin noch des strengen Nachweises entb(>hrt. So ist z. B. die Annahme, das Gesetz beherrsche in den lebeuden Körpei'n die Materie, durchaus nicht ei'weisbar, da das Gesetz, als CJedanke, unmöglich eine selbständige Existenz haben kann, die doch nötig wäre, um die Materie zu be- hen-schen. Indessen liegt die Sache weniger trostlos, und einiges Jjicht kommt in dieses Dunkel, wenn wir au der Hand der Naturwissenschaft versuchen wollen, den Weg der liyiiothese zu betreten. vVIs das Selbständige, Pieharrende in der anorganischen Natur erscheint, wie sclioii oben g'esagt wurde, die Materie, abhängig von ihr aber und wechselnd das (iesetz, das sie unter verschiedenen Umständen kundgie'bt, uml die Kraftleistungeii, welche aus diesen Gesetzen hervorgehen. So vertauscht ein und dei'selbe Körpi'r das Gesetz der Kdhäsion mit dem der Wäi-me, dieses mit dem des Tjichtes. der l<]|ektricität, der ciiemisciien Neigung usw., kurz, man kann, im (Gegensätze zum oi'ganischeii Körpei-, von Nr. Niidiiwisseri.sclialllii'lic Wuc-licnsilirift. 11»-; (loiii iiiiorii'iiüisclion sa^cii. dass slatl tlcs Sldllwccliscls hier ein (jcsiii/cs- oiUm' Ki'iit'twcclisol staitliiidc. Hcidcs ist oiiifrloi; (Iciin „das (Icsetz", wclclics dein Kiiiiior dazu dioiit, seine Existenz £;'elteiul /,ii maeiieii, tiitt uns ..als eine objektive JMaelit ent{,a!g'en, und deiugeiniiss nennen wir es Kraft." (I lelnilioltz, Reden und Vorträge r.d. 1 ]!. ;542). Nun liat n)an entdeckt, dass sänitlielie Kiiil'te nntereinandei' im N'erliiiltnisse d(M' V'einvandtselial't stellen, da die eine aus der andern sieli er/,eui;vn lässt, woraus mit Reelit zu seiiliessen ist, dass ilinen allen eine gemeinsame Kraft, mithin ein gemeinsames einlieitlielies (iesetz zu gi'unde lieg(Mi müsse. I^'indet aber eine V(!i- wandtsehaft dei' Kräften aid' grnnd eines einheitlielien Cieselzes statt, und sind die (iesetze ei'st von der Materie gegeben worden, so müssen auch die verseliiedenen Art(^n der Materie untereinander verwandt sein, d. h. sie selbst können niu' Moditikationen dei' einen lIimat(Mic sein, zu der jenes ohw (Jesetz geliiii't. Die Annalime der l'r- materie. ist jene llypotlK\s(>, von der oben dii,^ lledii war. Zu beweisen ist ihre Wahrheit nicht; allein wenn, wie bereits geschehen, zu einem hypothetischen ytoH'e. dem AetJier, gogritl'en werden mnsste, um die l'\)rti)Hair/,ung des Lichtes zn erklären, wenn man auch Itei der lOlek- liMcität kaum anilers kaini, als sicli ein i*'luidinn vorzu- stellen, ilas die i*\:irtleitung der elektrischen liewegung überninnnt, — von der nahen Verwandtschaft einzelner .Stütle, z. 1!. Jod und lirom, Ivaliuni und Natrium, Schwefel und Sauerstot", Kohlenstoii' und Kiesel nicht zu reden - so ist mit der Annahme der l'rmaterie und ihres einheitlichen (Gesetzes nur der weiten' Schiitt in derselben Richtung gescln^hen, wohin die Annahme dei' verschiedenen Kluida und die Verwandtschaft di'r Slnffe bereits deutete. Nelniien wir also an, es gebe eine rrnialerie, aus der alle iStotfe entstanden seien, und die noch jetzt ausser und neben den Körpern besteht, so drängt sich sofort die Klage auf, welches denn am Anfang aller Dinge das Lagesetz gewesen sei, das dieser Materie eigen wai'. .ledenl'alls wai' es das der Erhaltung ihrer selbst, nändicli unveränderlich zu sein nach (jlnantum luid Mnei'gie. Die l^rmalerii^ also befand sich im i'ulienden Gleichgewichte mit .sich .selbst; jede Aktion, dieses Gleichgewicht zu .stören, nnxsste daher eine Reaktion im Gefolge habcMi, es wieder herzustellen. Nobald also in der LJrmaterie die Tendenz her\orti'at, dii' (^luantität in die (^hialitüt zu übeiführen, d. h. in bestimmte Arten der Materie einzu- gehen, regte sich auch die entgegengesetzte Tendenz, nämlich, die (^hialität wiederum in Quantität aufzulösen. Mitliin entstand inneihalb dei' Urinaterie ein Gegensatz, dessen (Jlieder, nunmehr zwei Uriiiaterien, (vinander ver- neinten, die abei' bei gegenseitigem Gleichgewichte es zu keiner Weltschö[il'nng hätten konnuen lassen, weini nicht, wie angenommen werden muss, die stott'bildende Urmaterie im Uebergewiclit gew(>sen wäre. Sie mnsste es dadui'ch werden, dass sie einen Teil von diejenigen Lliniatei-ie, welche den l'rzustand herzustellen strebte, in den Dienst der Stort'l)ildung hineinzog. Das Ghnchgewicht war nun gestüi't; die Mateiie, welche als die Selb.ständige das Gesetz unter sich nahm, übenvog diejenige, welche es über sich hielt. Damit ist aber zuglei(;h der Wendeiiunkt ■bezeichnet; denn die llerstidlung des ge.störten Gleichgewichtes forderte jetzt, dass in dem bisheiigen Verhältnisse eine Umkehrung stattfände, wonach als das Selbständige das Gesetz und als das davon Abhängige die Materie erschien. Diese Umkehr wurde begünstigt durch die Erschöpfung und Tjeistungsunfähigkeit des Stoffes da, avo der Kräl'te- wechsrl aufhörte, dessen Kirhlniig iiberhaupl uacli dem Carnotschen (ii'setze zui- Antlösiini^' sämtlicher lOnergieen in Wärme fidnt. .leden Schwäcliezustand des Stolfes aber, besonders den der verllüchtigenden Wärme, be- nutzte die unterdrückte l'rmaterie, sich und dem (jesetze die Herrschaft zu verschallen. .letzt trat statt des Kräftewechsels dei' Stoifwechsel ein; die ehemals be- raubte Urmatcrii'. fordei'te ihr Eigen! inii zurück und ausserdem - um nun auch ihrer.seits im l'eliergewichte zu sein, ein jenem Verluste gleiches <^)uantum der anor- ganischen Materie, das sie ebi'iiso in ihren Dienst zwang, wie einst ihr Widei[)aii mit- ihr gellian, und welches sie nun zum Aufbau der organischen Gebilde verwandle, deri'ii beseelendes l']|enient jeiiei' nach Ei'lösung vnni Steife i'ingende Antheil ilnvi' selbst \\^ar. Die unendliche Mannigfaltigkeit der Wirkungen aber, di(! in der anor- ganischen Natur aus der H(^rrschaft eines Slotfes ent- sprang, fand ihr Gegengewicht in der unendlichen Mannig- faltigk(;it der h'ormen, die in der organischen Welt sich einem einzigen (iesetze unterstellte, dem der Vervoll- kommnung. Wenn abei' der Mensch, das vollkommenste Geschöpf der organisierenden nrmaterie, die anorganischi' Welt mehr und mehr .seiner II ei'i'schaft unterwirft, so i.st das nur eine Wiedervergeltnng der N'ergewaltigung, welche die in ihm denkende Hi^materie einst selbst zn erleiden gehabt. vVber das Gesetz als herrschendes ist nur eine Sub- stanz im Wissen, keine des Seins, darum wiid das Gesetz auch in der Urmaterie da, wo es herrschend wurde, nur im Wissen dieser Urmateiie si(;h haben zeigen können, nämlich als Zweck. Die aufsteigende, oi'ganisclie l'r- matei-ie ist also eine der bewus.sten Zwecke, zum Unter- schiede von der absteigenden, die eine solche der un- bewussten Ursächlichkeit ist. ]']s findet darnach im Weltall eine doppelte liewegung statt; und ,,wie llimmelskräfte auf und nieder.st.eigeu und sich die goldnen Eimer reichen'" fahren anorganische und organische Urmateiie fort, ihr Gleichgewicht, beständig gestört, beständig wieder her- zustellen. Die l'olarität nun, in der sie zu einander stehen, zeigt sich auch in jeder \on ihnen, sei es in den physikalischen und cheniischen, sei es in den geschlerht- liclieu Gegensätzen, in der Anordnung der Organe, in di'i' Lebensweise usw. Die völlige Befreiinig der (n'ganischeu Urmaterie aber fällt mit dem Tode des ( )rganisnnis zusamnii'u, wodurch also zugleicli der AIrt ihrer Wiedergeburt be- zeichnet wii'd. Denn die Organismen selbei' .sind füi' die Urmaterie niu' insolei-n von U'ert, als ihre allmähliclii' Entwicklung gleichbeileut(^nd mit derjenigen ilei- Urmatei-ie selbst ist, die im l'lntwickeln eine Schule ihrer l.eistungs- fähiglceit durchläuft, aus mancheiiei aufsteigenden Klassen bestehend, und die in jeder dieser letzteren gewissenhaft wiederholt, was in der vorigen geübt worden. Geliilde, in wcdcheii di(> Urmaterie den Zweck der eigenen Förde- rung encicht hat, werden \on ihi' verlassen, dem Toile übergi'ben, und so stellt sich der Stoffwechsel im grossen als ein Wechsel der Individuen, ja ganzer (iesfhiechtei' und (Jattungen, oft einzelner Organe innerhalb derselben Gattung dar, während sie alle beherrscht und überdaueil der eine Zweck: Verxollkommnung. Von diesem Standpiinicte aus beti'achtet, kann liidcr die lOntwicklung der (Jrganismeu bis zum Menschen herauf nicht bloss als \Mrkung veränderter Lebens- bedingungen aufgefasst werden, also wie eine Bewegung, nur durch Stoss verursacht, sondern wir müssen sie zu- gleich als eine dem Zuye folgende ansehen, wobei der 108 Naturwissenscliaftliche Woclienschrift. Nr. U. Kaiiipi' ums Dasein und die Anpassung an die Verhält- nisse ebenso wie die Verei'bung nur die Mittel bedeuten, deren die organische IJrmaterie sich bedient, den Selbst- zweck ihrer Befreiung zu fördern. Die Ziiclitungs- tliätigkeit der Natur nach Zwecken, wovon die neuere Naturforschung spricht, ist denn auch das Zugeständnis, dass zur genügenden Erklärung der organischen Er- scheinungen die Annahme einer zweckbewussten Ui'raaterie unerlässlicli sei. Auf Grund der Hypothese von der Urmaterie lässt sich insbesondere die Frage, was der Mensch sei, in folgender Weise beantworten. Der Mensch besteht aus organisierter Materie, dem Leibe, und aus oi'ganisierender Urmaterie, der Seele. Das Leben ist also nicht nur ein Oesetz, wie oben gesagt wurde, welches — das Wie konnte nicht erklärt werden — den Leib beherrscht, sondern das iiCben ist die Urmaterie selbst, welche ihrem Zwecke die Funktionen des Leibes unterordnet. Sie ist sich dieses Zweckes bewusst auch in denjenigen Vor- gängen, die für uns zu den uns unbewussten gehören, wie Ei-nährung, lilutlauf, Wachstum, Funktionen der Sinnesorgane usw.; sie ist aber auch die wirkliche, nicht bloss gedachte, sondern denkende Substanz in unserem Geiste, die empfindende in unserer Emiihndung, die wollende in unserem Willen. Sie bedeutet endlich das wirkliche, daseiende Ich in uns, das, indem es sich als Ursache wie als Zweck ei'ftisst, /.um Selbstbewusstsein erhoben wh'd. Der Grund des Wissens liegt daher nach Massgabe der oben aufgestellten Hypothese in der Hingabe der Urmaterie an ihren höchsten Zweck, nämlich zu ihrer ursprünglichen Einheit und Reinheit zurückzukehren, nachdem sie alle materiellen Fesseln abgestreift hat. Wir verstehen nun auch, warum die organische Urmaterie, der die Herrschaft des Gesetzes über die Materie alles gilt, in unserem gesamten Denken sich nur durch Ge- setze oder deren Namen ankündigt, und weshalb sie als seiende Substanz gar nicht in Betracht kommen, will gegenüber den Wissenssubstanzen, hinter welche sie sofoi't flüchtet, wenn ihre seiende Natur erfasst werden soll. Die materielle Seite ihrer Natur gilt ihr nichts; sie will ganz und gai' einheitliches Gesetz sein: „Geist". Darnach also ist der Mensch nur berechtigt, — vor- ausgesetzt, die Annahme einer organischen Urmaterie enthält keinen Widerspruch — , diese eine Seite der Natur aus seinem Wesen, und umgekehrt sein eigenes Wesen aus dieser einen allein zu erklären. Was Gemüt und Phantasie sonst hineinlegen wollen, gehört nicht hierbei". Die anorganische Natur und ihre Kräfte wird er, wie in seiner Veranlagung liegt, und wie es der Tendenz der organischen Urmaterie entspricht, sich zu unterwerfen suchen; aber weder die Lehre von der Idee, noch vom Willen, nocli vom Unbewussten, noch von der Phantasie wird im stände sein, ihm ihr innerstes Wesen zu enthüllen. Der Erdgeist spricht: ,,Du gleichst dem Geist, den du begreifst, Nicht mir." Das „glaziale" Dwykakonglomerat Südafrikas. Von Dun HS ]\artenskizze von 1886. I )ie dem eiugaugs ei-\vähnten B(M-icht D u n n ' s (on a sup l)Osed extensive deposit ofcoal etc.) beigefügte sketcluuap (40 miles = 1 inch) stab reduziert, welcher leichten Vergleich mit dem Kärtchen von Suess (I p. 501) ermöglicht; und Nachstehendes ist ein kiu'zgefasster Auszug aus dem I>eiicht, ohne Zu- sätze meinerseits. Es kommen Wi- dersprüche vor, nicht nur zwi- schen der hier vorliegenden und Dünn 's älterer Karte ; sondern auch zwischen seinem letztenBe- richt und fi'üheren von ihm selbst , von Green, North, Molyneux der Kapregiei'ung Doch enthält diese Fazit der habe ich nebenstehend auf einen Mass- rvoiecü: , welche gleichfalls die Kohleufelder untersuchten, seine Schlussarbeit nicht nur das Resultate fünfzehnjähiiger ]^\")rschungen, son- dern auch eine „Entdeckung, durch welche ein neues Dr. F. M. Stapft. (Fortsetziiiig.) unerwartetes Licht auf die Geologie Südafrikas geworfen worden ist, die P^ntdeckung, dass das glaziale Konglo- merat des Kijen-Veld und des Nordens der Ivolonie und das Dwj'ka -Konglomerat südlich \om Karoo t'in und dasselbe Gestein sind,welchesRand und Boden eines weiten Bassins bildet*). Dadni-ch konunt eine bisher ungeahnte Sym- metrie und Voll- ständigkeit in den Aufbau Südafii- kas. Die Dia- mantgruben ivim- IxM'leys und des Freistaates gehö- ren den Lower Karoobeds am Fuss der- Reihe an , nicht dem Upper Karoo, wie man bisher an- nahm. Die mäch- tigen schwarzen Dunn's Kartenskizze von ISf-'ti. Kimberh'VShaleS im Auftrag können nun ohne Schwierigkeit mit den schwarzen r-offSeds (f'Ioltena) Kartenskizze von ISf-'ti. Blairßi^. i^elii GxxL. können nun ohne Schwierigkeit mit graphitführenden Schiefern auf der Südseite des Karoo, *) Leider teilt Dünn über die Profile bei Hopetown und am Ziisammenfliiss des Vaal- and Orangerivers, welche die Identität be- wi'i^-en snllii|i. iiiclits mit. Nr. 14. Natui'wlssenschaftliche Woclii-nsclirift. 109 hi'i l'.iill'clsrhH'r ii. a. ()., idnitili/.iril, wiiili'ii; dk' W'v- wMulUm^ der Kolilc in (iraidiil is( diurli die l'^illuiii^s- vuixä'iK*' ^'" t'iklärc'ii, ik'neu Zuui'berg und Zwarthcrg ihre Entstellung- verdanken, und welchen auch die seliwarzen Scliiefer aus<,''eset'/,t waien. iSoüar die bunten Thonsehiefer am Kopf der iviniherleyshales sind an liulVeisriver, Mt. tStewarl, (irahaiiistdwn und l'ieti'rinarit'/.liur«^' (Natal) ül)er den sclivvarzen Schiei'orn vorhanden. i);is N'orkonniit='n von Kolde zu Caiudeboo (Abordeen; sielie S. 99), unter (Miientündichen schwer verständlichen Verliältnissen, erklärt sich nun aus der Kontinuität der i^egen die Ueckenniitte von Nord und .Süd einlallenden schwarzen Scliieler, welche also unter dem Kohlenrundpunkt hinziehen. Der mit diesen Kohlen reichlich auftretende Schiefer ähnelt äusserlich und durch seine {«"ossilien dem S(!hwarzen Schiefer am Mnlderand. Die wahre Heziehung' der T^ower Karoo (und Kcca)beds zu den darauf fofü'endi-n l'iiper Karoobeds ist i^leichfalls aul'i^cklärt. „Die Lo\\er Karoobeds waren zu einer gewissen Linie zusammengefaltet gefunden worden, dann folgten horizontal die Upper Karoobeds (mit Dicynodon) und man schloss auf Discordans, annehmend, dass die Faltung dei' ersteren auch unter den letzteren anhalte. Dies ist aber nicht der Fall , sondern die gestörten gefalteten vSchichten setzen gegen die ungestörten ab. Unter den ungestörten lTj)per Karoobeds liegen ungestörte Tjower Kar'oobeds, denn l)eide sind konkordant; in der That scJii-int kehle JJ/.''Jiiii(hms irgend ireJdier Art vom Ihoi/Jat- k()V(/hmierat aufwärts durch die Lower Karoobeds, Upper Karoulieds, Stormbergheds, mit ihrer Decke vulhu^ tisch er Gesteine, zu existieren". Obwohl man früher das Dwyka- konglomerat hunderte von Meilen weit wahrgenonniien hatte, so wii'd seine wundei'bare N'erbreitung doch erst jetzt i'echt deutlich, seitdem es mit dem glazialen Kon- glomerat verknüpft ist; es dürfte den ganzen Boden der grossen Mulde bilden, welche sein Ausgehendes umrandet. Dieser Muldenrand ist nicht überall geschlossen; an der Ostküste fehlt er zwischen der Mündung des Gulana- und St. .Tohnsrivei', und das Karoo erreicht das Meer; eine andere Jjücke, zwischen Tugela- und Vaaliiver, wird durch Uebergreifen jüng'-erer Ablagerungen bedingt. Inner- halb dei' grossen Mulde nehmen die Stormberg-Kohlenfelder einen viel höheren Horizont ein als die schwarzen Schiefer. Die Längenaxe der Mulde streckt sich ungefähr 700 miles weit, von einem Punkt l>u niiles westlich von Calvinia nach dem Zusammeufluss der Büffel- und Tugela- rivers in Natal. Am schmälsten, ungefähr 200 miles, ist die Mulde zwischen Orangerivei'station und Mt. Stewart- station an der Gi'aaff-Reinet-Kisenbahn; am breitesten, un- gefähr o.'jO miles, zwischen Yaalriver oberhalb Kimberley und der Mündung des Guianarivers. „Wenn diese Mulde ehemals von einem grossen See eingenommen war, so erklärt sich die allgemeine Verbreitung- des glazialen Konglomerats, denn Eisberge würden Detritus genau so transportieren und absetzen, wie dies Konglomerat an- zudeuten scheint". Auf der Nordseite, entlang dem Vaal- und Orangeriver, bildeten silurische (y) (Campbellrange-) Kalke und Sandsteine, die Jaspisgesteine des Doornbergs, teilweise auch Gneiss etc. und Diabasgesteine, das See- ufer. Cineiss umschloss wahrscheinlich den Nordwestrand. Südwest-, Süd- und ostwärts scheint (karbonischer) Zuur- bergsandstein die Umwallung gebildet zu haben. Geologische Stellung der Karooschichten. Suess (1. c. i p. 50:5) resümiert die Porschungs- resultate von Bain, Wyley u. a., welche in Dunn's älterer Karte niedei-gelegt sind, dahin, dass die Schichten des Karoobeckciis \oin Dwykakonijloiiieiat aiifwürlN zu den Moltenolieds (inkl.) pei-niischi' und triassistrhe seien, etwa vom llotliegenden zum Schluss der Trias i-eichend. Die Formationsg-lieder sind nach ihm: Dwyka- und Eccabeds, keine Ver.steinei-ung(Mi ; Lower Karoo oder Koonap, fossile Hölzer im kleinen Roggeveld; Upper Karoo oder Beaufort, Glossopteris browniana, l'hyllotheca indicaC?), I'alaeoniscusreste, Dicynodon. Oudenodon, Galesaurus, Mici-opholis u. a. Keplilien; Stormbergheds, Rejitilien, aber nicht Dicynodon, von Säugetieren vielleicht Trit.\lodon longaevus (bei Thabaghov im üasutoland gefunden), liei der im voi-ig-en Absclinitt ei-länterten neuen Schichtengruppierung Dunn's würden sich diesellx-n hiei- zusammengestellten oiganischen Formen aber unge- fähi- so verteilen: Dwykakonglomerat: keine Versteinerungen; Eccabeds, Kimberleyshales: Glossopteris browni- ana u. a. Farren (Kimberley), Fragment eines gano- iden Fisches (von Hyde's fai-m bei Grahamslown, im Besitz des Dr. Atherstone daselbst); IjO wer Karoo: Saurier (luden oberen bunten Schiefern von Kimberley), verkieselte Hölzer (ibid. und sonst häufig). Anmerkung: Von C'amdeboo (Abordeen S. 99) werden Equiseten und Glossopteris l)iowniana angeführt: doch ist nicht ersichtlich ob aus Upper Karoo, Ijower Karoo oder Kimberleyshales stammend, weh-lie hierdurch Verwerfung in höhei-en Hoi'izont gekommen wäi'cn. Upper Karoo: Dicynodon, Oudenodon, Galesaurus, Micropholis u. a. Reptilien; Karren (liurghersdorp), Phyllotheca indica(?); keine ibssile Hölzer, oder doch sehr selten. Stormbergheds (Molteno, Indwe): späiliclie Reptilien- reste, aber nicht Dicynodon. Phyllotheca indica dürfte hierher gehören. In Sanunlungen (London und Kapstadt) habe ich bei Molteno und Indwc Cycadeen, Equisetiten (Schizoneura?), Peci)]itei'is und Sphenopteris notiert, und an die Kohlenformation Skänes gedacht, woran auch die Beschatfenheit der Moltenokohle (S. 98) erinnert. Anmerkung: Lepidodendron, Sigillaria u. a. aus Natal erwähnte Kohlen-Pflanzen gehören wohl nicht den Stormbeigbeds an, sondern den (nach Dunn's Karte) bei Pietermaritzburg an diese herantretenden unteren Blackshales. Ueberhaupt dürfte mancher paläontologi- scher Widerspruch noch beseitigt werden, wenn die Fossilien Südafrikas ausser nach den Fundorten aui-h nach den Fundschichten genauer zusammengruppiert werden könnten. Berücksichtigen wir nun die von (ireen hervorge- hobenen (früher auch von Dünn erkannten, jetzt aber z. T. in Alu-ede gestellten) Diskordansen, nämlich: zwischen Zuiu-berg etc. -(^uarzit und -Schiefer und Dwyka- konglomerat, zwischen Dwykakonglomerat und Eccabeds (Kimberleyshales, Lower Karoo)'), zwischen Lower Karoo (p]ccabeds etc.) und Upper Karoo; sowie anderseits die unbestrittene Konkordans zwischen Upper Karoo und Stormberg- ( Molteno- Ibeds, so dürfen wir mit einigem Grund l'piter Karoo- und Stormbei-gbeds von den tieferen Schichlenkom[ilexen abtrennen und der Trias paraUeli- .sieren; die Moltenobeds vielleicht dem Rhät. Die Kimberle}'shales können wegen filossoptens biowniana *) Ist frag-licli. Green sagt: I liave a strong: suspicion that tili; IOfiiil)e(ls rcst uneomt'(irmaI)l,v ou tlic Dw.vka-Koiiglomerate. 110 Natunvissenscliaftlicliü Wucliensclirift. Nr. 14. cU'ii allerem Sleinkolilcn y\r.v siullicJuni JleiiiLsiiIiäi'C z. 1!. in Ncw-youtliwiilcs und Quccnsliuul j^'loicliij'estellt werden, wo iuissei'dem gleielifalls noeli jüngere (tna88isc'lie.) Kolden voikomiiien. Mag die ältere australische Kolilenfor- niation dein Karbon oder dei' Dyas der nördlielieii Flenii- s]iliäre äf|nivalent gesetzt wei'den: in beiden Fällen wiii'de das Lower Karoo Südafrikas d,yadiscli, etwa Rotlie- gendes, sobald wir di(^ davon getrennten Kimberley- sliales den älteren australischen Kohlen gleichstelhMi, und (mit Dnnn) nahe über das Dwykakonglonierat ver- legen. Wyley rechnete die Lower Karooshales zum Kai'bon; der (^hiarzit des Zwartbergs, Zmu'bergs c^tc. wird dem Tablemountainsandstein gleichgesi'tzt, also — je nachdem — t'ür devonisch oder tief karbonisch gehal- ten. Jener von Tnlbagh mit Galamiten, Eqniseten, Lejiidodendron ist karbonisch. Hieraus ergiel)t sicli im- merhin mit einem gewissen Grad von Wahrscheinlichkeit, dass das mitten zwischen (Devon oder Karbon) und (Karbon oder Perm) liegende Dwykakonglonierat kar- bonisch sei, etwa dem llöizleeren Sandstein ent- sprechend. So Icommen wir zu folgender Grupiih'ung, welche nicht beanspi'uelit für etwas anderes zu gelten als eine Vorstellung, die man sich gerne liildet, um eigene Zweifel zu beschwichtigen, bis sie beseitigt Aver- den können. Dwykakonglonierat (und Eccabeds?), ohne Versteine- rungen: flötzleerei' Sandstein des Karbon, l'.ruch fraglich. Kimbei'leyshales; Glossoiiteris: (Karbon oder) un- tei'ste Dyas. Jjovver Karoo; Saurier, verjdeselte flölz<'i': l\ot- liegendes. üruch. Ui)per Karoo; Dicynddun n. a. Keplilie'n: Trias. Coniorm. Stormbergbeds; l'hy llotheca, K(iuisetites, Oyca- deen, Pecopteris, Reptilien (Dicynodon nicht): Rhaet. t^^ortsetzung folgt. Eini; hygienisch vorteilhafte "Wirkvmg des Tabak- rauehens ist von Dr. Viuceii/.u Tas«iiiari experiniuiitell fest- grstL'llt wdrden. Derselbe prüfte die Einwirkung- des Tabakrauehcns auf verschiedene Mikroorganismen, zumal auf sololie, welche sich dem tierischen Orgonismus gegenüber feindselig verhalten. Um die Verhältnisse beim Experimente in der Art, wie sie sii'h beim Rauchen in der Mundhöhle abspiinien , möglichst getreu uaehznbildeu, konstruierte sich derselbe folgenden Apparat: Zwei gleiehgrosse Glastrichter werden mit ihrer weiten üaiidötfnung au- eiiiuiidergelegt und durch Zwischenstreichen von l'aratin ein hift- diehtes Zusammenhafteu der Trichter bewirkt. Hierdurch entstellt i^ine Glaskammer, welche zur Aufnahme der Prüfungsobjekte dient. I\[it der engen Halsüffnung eines jeden der beiden Trichter wird je ein Gummischlauch in Verbindung gesetzt. Das freie Ende des einen Gummischlauches trägt eine Cigarrenspitze zum Aufsetzen einer f'igarre; das freie Ende des zweiten Gummirohres besitzt ein Mundstück, an welchem beim Rauchen gesogen wird. Damit beim Uauchen aus der Glaskammer keine Mikroorganismen in den Mund des Rauchers hineingelangen, wird in den Gummischlauch an einer Stelle zwischen Glaskammer und Mundstück etwas Watte einge- schoben, welche die durchziehende Luft filtriert. i)er ganze Appa- rat ist von einem Gestell gehalten, um das Öffueu und Sehliessen der Glaskammer zu ermöglichen. Beim Versuche wird nun in die (ilaskammer an einem Platiudrahthalter ein Leinwandstreifcbeu auf- gehängt, welches in eine Bouillonkultur des zu prüfenden Mikro- organismus eingetaucht wiii'de. Um die Kammer feucht zu erhalten, wird in derselben ein mit "Wasser befeuchtetes Bauiiiwollebäuschchen befestigt. Nachdem auf die Cigarrenspitze die brennende Oigarre aufgesetzt worden ist, beginnt man am Mundstücke des zweiten Schlauches zu saugen, infolge dessen der Tabakraucli durch die Glaskammer strömt und seine Wirkung auf das Prüfnngsohjekt ausübt. Vincenzo Tassinari Hess den Versuch jedesmal ''/2 St'""''" lang andauern, während welcher Zeit ;3'/3 — 4V2V Tabak verraucht wurde. Nach vollendetem Versuche brachte er das Bändchen aus der Glaskammer in ein mit Nälirgelatine beschicktes Rea^-enzgläs- chen und stellte mit Hilfe desselbeu nach dem Ko ch'scben Ver- fahriMi Kiilturplatten her, welche mit Bezug auf die Entwicklungs- fähigkeit der Mikroorganismen einer mikroskopischen Prüfung unter- zogen wurden. Gleichzeitig fertigte derselbe Ivontrolplatteii an mit Mikroorganismen, welche nicht der Wirkung des Tabakrauidieiis aus- gesetzt worden waren. Der nähern Untersuchung hat Vincenzo Tassinari bisher an 7 ]\[ikroürganisinen unterzogen. Von dem Ergebnis teile ich Folgendes mit: Durch den Rauch der grossen Cavour-Cigarre wurde die Entwicklung verzögert für Bacillus prodigiosus um 72 Stunden, V „ pneumoiiiae (Mikroorganismus der Lungenentzündung) um 72 Stunden. „ Staphylococcus pyogenes aureus (Eiterkokkus) um 73 Stunden, „ Bacillus avthracis (Milzbrandbacillus) um lüü Stunden; es trat keine Entwicklung der Kultur mehr ein nach Verlauf von 128 Stunden bei Bacillus cliolerae asiaticae (Cholerabacilhis), „ „ Finkler et Prior (i^acillus des Sommerdurclifalles). „ „ typhus abdominalis (Typhusbacillus). Hieraus ist der Schluss gestattet, dass der Tahakraueh die Eiijviinchaff besitzt, die Entiinclclawi einiger Arten von pd/huije.iwn Mikro(i7-i/anismen zu verzön von Wildschwei- nen. Kanbti(>re gibt es hier nicht. In den Wäldern leben nur cinii^e inausähnliehe Nagetiere, Fledermäuse nud kleine lieutcltiere. Iläniig sieht man den „fliegenden liiind" und ein kletterndes Kängnrn. Da Neu-(!ninea .samint Non-Holland bereits zur Tertiärzeit von di'n geräumigen Landmassen, welche grosse Tiere beherbergten, getrennt war, so ist die Armut an Säugetieren erklärlioli. Desto reiclier ist es an Vögeln und anderen Tieren, die einer früheren rerio(bi der Tjel)ewelt entstammen. Unter den Vögeln leuchten die prachtvollen krähenartigeii Formen, die Paradiesvögel, hervor. Auch ein Laufvogel, wie die in die südliche ICrdhälfte sich ausdehneiubMi Jjandilächen solche besitzen, findet sich hier: ein Kasuar. liekanut sind die putergrosson Kroncntanben. l'apageien und Kakadus er- setzen die fehlenden Allen. Die sogenannte Neu-Ouinea-Nachtigall unterbricht mit ihren melodischen Weisen das Geschrei und Gekrächze der iSchreivögel. ilit sausendem Flügelschlage durcheilen mächtige Xashoruvügel die Ijuft. Unter den Insekten erinni>rt in seinem b'arbenschmelzc die Oniithoptera arnensis mit der einen halben Kuss messenden l'^lügelspannuug an die Schuuitterlingswunder Brasiliens. Die Schilderung der einheimischen Itewohner , welche sich dirrch ihren Kunstsinn hervcjrthnn, ist in dem Aufsatze kurz und ciiigi'hrnd behandelt. K. Pflanzen und Schneeken. — Von besonders hohem Werte -iud in Jeder Wissenschaft .solche Arbeiten, die, heraustretend aus den ge];iuligen Jiahnen iles Forsehens, ncne Wege einschlagen und durcli iH'ue Gesieht.spnnkte. mit denen sie an die K.ätsel des Seins herantreten, teils bislang unverstandene F2rscheinungen aufklären, teils zu zahlreichen sich anschliessenden Forschungen Anregung geben. Mit vollem Rechte verdient zu diesen Arbeiten E. Stahl's liiologisehc Studie „l'tianzon und Schneeken" gestellt zu werden l.leuai.sche Zeitsr'hrift für Naturwissenschaft und Medizin Kd. XXII; audi separat .lena, Gustav Fischer), b'ütterungsversuehe von Sehnecken uut venschiedeuen l'llanziMi, zu dem Zwecke angestellt, die Schutz- ndttel der letzteren kennen zu lernen, sind es, durch welche der \'ei'fasser im stände ist, Aufklärung zu geben über die JSedeutung liner lieihe von Kigentlimlicbkeiten im Baue und in der chemischen /u.sanunen.setzung der l'Hanzen, die bis dahin, durcli rein anato- misi'be oder physiologische Untersuchung nicht zu erklären waren. Dass Stahl fast nur mit Schnecken expeilmentierte, erscheint zwar von vornherein einseitig und wird auch (wie übrigens der Verfasser selbst zugiebt) ilen Resultaten eine gewisse J'linseitigkeit aufdrücken, indessen sind einerseits V^ersuche mit iitianzinifressi^nden Säugetieren viel schwerer durchzuführen, andererseits linden sich unter den Schnecken viel mehr Omnivoren (Allesfresser), während die Insek- ti'U, an die nuui auch denken könnte, zum grösseren Teile Specia- listen sind, d. h. .sieb von einer bestimmten Pflanze ernähren. Den Spe(-ialisten sind ihre Nährpflanzen meist schutzlos preisgegeben, weil aber von der Existenz letzterer die ersterer abhängt, so stellt sich von .selbst ein Gleichg-ewichtszustand her, durch welchen die .Nährpdanzen vor Au.srottung bewahrt bleiben. Viel wichtiger ist '■s daher für die F^rhaltung nicht bloss d(>r Art, sondern auch des ludividnum.s, da.ss die l'flanzen gegen die Onuüvoren geschützt sind, und das ist nach Stahl's LTnt('rsuchungen in der Thfit in an.sgie- liigsfer Weise der Fall. Die Omnivoren Schneeken fressen im h'reien und frassen bei den Versuchen immer inu' geringe ]\[engen der l'danzen iln-er Wohnorte, teils, weil sie dieselben nicht bezwingen können, teils, weil ihnen dieselben nicht schmecken oder, in grösserer Menge genossen, schädlich werden. Wurden aber, und das ist die allgenn'ine \'ersuchsmethode, I'llanzenteile, die durch besondere Be- handlung der Schutznnttel beraubt worden waren , neben frischen den Schnecken vorgelegt, so wurden erstere gierig versddungen, letztere gar nicht oder erst dami angerührt, wenn bei- den Tieren lin bedeutender llnngergrad eingetreten war. Die auf diese Weise aufgefundenen Schutznnttel lassen sich in zwei G'ruiipen einteilen, in cheniisclie und mechauisebe. '/m den ersteren L'ehören die in den l'lhmzen abgeschiedenen Gerbstoffe, ätherischen ()ele und Hitterstotfe, ferner die durch .saures Kaliumoxalat (Sauerklee.salz) sam-r schmecken- den rtliinzensäfte, sowii< saure Exkretc an Haaren; anili die rätsel- luiflen (»(dkiirper der Lebermoose fiiulen als Scludzuottcd eine. F]r- khüuug. Für di(> genainiten Stolb? nnusste durch besondere E.xperi- mentci gezeigt werden, dass gerade sie und nicht andere es sind, welche den Sehnecken die Pflanzen nngeniessbar nuichen. Zu dem Ende wurden z. B. schwache (l''/o(i— 1%) I.'ösungen von Gerbsäure oder Kli'csalz den Tieren auf die Haut g(!bracht, wodurch diese in lebhaftiui Schmerz verratende Zuckungen gerieten, oder es wurden ilmen Möhrenscluuhen, die sie sonst gern fressen, nnt der Lösung getränkt vorgelegt, wobei der Erfolg war, dass diese nun verschont liliehen ; für andere Stoffe mnssten andere Methoden ang'ewandt werden. Als nu'chanisehe Scluitzmittel erweist Stahl Borsten unil Ilaare, Verkalkung- und Verkieselung der Zell wände, ferner die An- wesenheit von Schleim im Innern höherer Pflanzen oder von Gal- lerte an der Oberfläche der Algen und endlich insbe.sondere die sonderbaren Raphideii, winzig(! luulelförmige Krystalle, weldie zu Bündeln vereinigt in bestimmten Zellen verschiedener l'flanzen in grossen Mengen abgelagert vorkcunmen. Letztere erzeugen din-cb ihr Eindringen in die Schleimhäute der Mundteile, wenn sie beinj Verletzen der Pflanzen aus ihren Zellen frei werden, ein intensiv brennendes Gefühl und halten dadurch die Tiere vom Genüsse der l'flanzen ab*), während die übrigen mechanisch geschützten Pflanzen teils dem Ankriechen der Tiere z. B. dunli Borsteidiaare, teils dem Angriffe diu-ch die Mundteile in der verschiedensten Weise (Feil- haare, Verkalkung und Verkieselung, Sehleim und Gallerte) Wider- stand entgegensetzen. — lieber die Rolle aller g-eminnten iMiirieh- tungen konnte man bislang nur mehr oder weniger zutreffende Hypothesen aufstellen, oder es fehlte g-anz an einer Ansii;bt darüber; durch die Jetzt angowamlte biologische Methode fiiulen sie eiiu' ein- fache Erklärung. Es lässt sich ihn^ Entst(duing und Vernudn-nng im Sinne der Darwin'schen Natnrauslese verstämllieh mai'.hen, wenn auch nicht behauptet werden kann, dass die l'iinktion des Schützens die einzige ist, welche sie haben. Was das Verhältnis der Schutzmittel zu einander betrifl't, so kam Stahl zu dem Resul- tat, dass die cbemiselien im allgemeinen einen ausgiebigeren Schutz gewähren als die mechanischen. Scheinbar schutzlose, zartblättrige Pflanzen (namentlich auch die Lebermoose) erwiesen sich meist chemisch vortrefflich geschützt; die gewöhnlidi süssen Saft fiiln-en- den mechanisch geschützten l'flanzen wurden von den Schneeken viel eher gefressen. Es muss übrigens bemerkt werden, dass gewisse Einrichtungen, welche gegen die Omnivoren TiiM-e schützen, den auf der betreifenden I'Hanze lebenden Specialisten nicht nur nicht scha- den, sondern wahrscheinlich sogar für sie Lehensbedingung siml, wie z. B. der giftige Milchsaft der Euphorbien für die Raupen des Wolfsmilchsohwärmers, die Raplüden für die Raupen aus der Gat- tung Deilephila etc. In den wenigsten Fällen liegen die Verhält- nisse so einfach, dass die l'flanzen in allen ihren Teilen nur uut einem einzigen Schutzmittel bewehrt sind , z, B. mit Milchsaftge- fässen, Raplüden etc. Meist sind die Schutzmittel gehäuft, or Verfassen- von der venezrudauischeii Sladt I\lerida aus auf die süil- lieh davon bis zu 4500 rii .ansteigende Sierra Nevada unternahm. 112 Naturwissenschaftliche Wocliensclirilt. Nr. 14. Eiithusiastisch worden die Vorzüge der tropischen HocliUtnder mit ihrer paradisischen Natur, ihrem ewigen Frühling oder gemildertem Sommer gepriesen und als einer der reizendsten Plätze der Erde die lfi49 m hoch gelegene, von drei Flüssen umschlossene Stadt Merida. Aher in wenigen Stunden Anstiegs auf die ;iahe Sierra ändert sich mit dem Klima der Landschaftscharakter. Fast unvermittelt geht der Hochwald in die lausch- und Staudcnregion über, dann folgen von Büschelgras bewachsene Hochsteppen, welche sich bis zur Grenze ewiger Schnee- und Eisfelder ausdehnen. Hier machen .sich die Wirkungen der Höhenkrankheit bemerkbar, unter welcher der von Kraft und Gesundheit strotzende indianische Begleiter mehr leidet als sein schwächer gebauter weisser Gefährte. Endlich nötigt die Schrnfflieit der Felsen sowie die Erschöpfung der Kräfte zur Umkehr. A. K. Dr. Ira Eemsen, Prof. der Chemie an der .Johns Hopkins Universitiit in üaltimore, Grundzüge der theoretischen Chemie, mit besonderer Berücksichtigung der Konstitution chemi- scher Verbindungen. Autorisierte deutsche Ausgahe. Tübingen, l.sss. Verlag der H. Laupp'sclien Burhhandlung. Preis broch. M. 5. Das vorliegende, 370 Seiten fassende Werk zeichnet sich wie die schon früher (vgl. Naturw. Wochenschr. Bd. H, S. 8) besprochene „Einleitung in das Studium der Chemie" desselben Verfassers durch gro.sse Klarheit und T^ebersiiditlichkeit des Dargebotenen aus. Der Umstand, dass in kurzer Zeit :i Auflagen der englischen (;)riginal- aiisgabe nötig waren, spricht für die Belielitbeit, welche dieser Grund- riss jenseits des Oceans gefunden liat. Die deutsche Ausgabe ist eine Uebersetzung der letzten englischen und k.ann mit Hecht einem .Jeden empfohlen werden, welcher sich die elementaren Kenntnisse des für das Studium der ('hemie immer grössere Bedeutung gewin- nenden theori'tiscben Teiles derselben verschaffen will. Sie vermit- telt den U ebergang zwischen den in kleineren Jjehrbüchern der Chemie gewöhnlich vorgebrachten theoretischen Betrachtungen uiul (l(!n grösseren Werken über denselben Gegenstand, wie Graham- Otto, Bd. J, Meyer, Theorien der mod. Chemie, Ostwald, Lehrbuch der allgem. Gheni. Ausgehend von den einfachsten chemi- sclien Gesetzen, dem der bestimmten und dem der multiplen Pro- portionen, entwickelt Verf. die Dal ton 'sehe Atomtheorie, daran anschliessend die Ableitung der Atomgewichte aus den Analysen und schliesst das 2. Kapitel mit der Erklärung der Wollaston- sclien Aequivalente und den Atomgewichtsbe.stimmungen von Ber- zelius. Im 3. Kapitel werden die G ay-Lussac'schen Unter- .suchungen, die Avogadro'sche Theorie und die aus dieser sich eigebeitden Molekulargewiclite entwickelt. Des weiteren wird be- richtet über die lieziehungen zwischen Atomgewicht und spezifischer Wärme, .speziell über das Dulong-I^etit'sche Gesetz uiul dessen Ausn.ahmen, sowie die Bedeutung des Isomorphismus für die Be- stimmung der Atomgewichte. Ziemlich ausfülulicdi ist die Men- delejeff'sche Einteilung der Elemente, das periodische Gesetz be- sprochen, und im Anschlu.ss daran die Anordnung der Elemente nach Lotbar Meyer. Eine umfassende Darlegung erfährt die Lehre über die Wertigkeit oder Valenz der Elenu»nte. Der Kon- stitution der (diemischen Verbindungen .siiul 'J Kapitel gewidmet, und zwar eins über die Konstitution von Säuren, Basen und Salzen, die folgenden ülier die Konstitution verschiedener Klassen von Koh- lenstolfverbindungen (Kublen Wasserstoffe , Alkohole , Mercaptane, Säuren, Aldi'hyde, Ketone, Aether), über ihre Substitutionsprodukte, (mit besonderer Berücksichtigung der Substituenten l'X, SO3H, NOo, •NO, Xllo, NN, N2H3), über die Konstitution einzeliuM' anorganisidien Verbindungen, die der gesättigten und ungesättigten Methanderivate, der organischen Säuren und aromatischen Verbindungen. Eine, wenn auch nur kurze, so doch das Wichtigste umfassende Bearbei- tung hat die neuere physikalische Chemie gefunden. Es werden zunächst die physikalischen Methoden zur Bestimmung der Konsti- tution idiemischer Verbindungen besprochen, wie das spezifische V'olum, die Molekularrefraktion, die Bildungs- und Neutralisations- vvärme etc. Ausfiihrlicher werden letztere nochmals in einem be- sonderen Kapitel ül)er die chemische Affinität behandelt, da sie als Mittel zur Messung der Verwandschaft von Elementen zu einander dienen können. Die Thomsen'schen Aviditätsmessungen von Säuren sind in einer kleinen Tabelle zusammengestellt. Auch die IJiM'thellot'sche Massenwirkung und ihre Prüfung durch (iuld- berg und Waage, die Messung der Affinität.skoeffizienten und die vohimchemisi'he Methode von Ostwald finden Erwähnung. Das letzte (18.) Kapitel bietet eine Zusammenstellung über den bis jetzt erkannten Zusammenhang zwischen chemischer Konstitution und Eigenschaften der VerbindungcD. Dr. M. B. Hagenow, F. v., Karte v. Neu-Vorponunern u. der Insel Bügen. l:'JOU()0(l. 17. Aufl. Cbromolith, Fol. 4,50 .'/iT-. R. Scharif, Qreifswald. Heintze, C, Ueber die Tuberkulose des Bauchfells. (54 S.) 1 JC. Köhler, Breslau. Herschenz, O., Untersuchungen über Harzer Baryte. Sep.-Abdr. (63 S. m. 1 Tafel.) 1,60 JC. Tausch & Grosse. Halle. Heyer, C, Ursache u. Iteseitigung d. Bleiangritt's durch Leitungs- wasser. Chem. Untersuchgn. aus Anlass d. Dessauer Bleivergil'fg-n. i. .J. 1886. (58 S. m. 1 Tafel.) 1,20 M. Baumann, Dessau. Hirt, Ii., Pathologie u. Therapie der Nervenkrankheiten. 1. Hälfte. (256 S. ni. Ulustr.) 6 M. Urban & Schwarzenberg, Wien. Hoche, L., Ein Beitrag ■/.. d. Lehre v. d. Radikaloperation v. Hernien, speziell bei Kindern. (13 S.) CO -;. Lip.sius & Tiscber, Kiel Hoppe, O., Stammliaum V. d. hüttenmännischen Ausführgn. auf der Silherliiitteb. St. Andreasberg. 3. Auli. Fol. 50 .j. Grosse, Clausthal. Houten, S. van. Das Kausalitätsgesetz in der Sozialwissenschaft. (70 S.) l.MJt'. Tjeenk Willink. Zwolle. Jahn, H., Experimentaluntersuchungen üb. die an der Grenzfläche heterogener Leiter auftretenden lokalen Wärmeerscheinungen. Sep.-Abdr. (37 S.) 00 ^. Freytag, Leipzig. Johne, A., Der Trichinenschauer. Ijeitfaden f. d. Unterricht i. der Trichinenschau u. für die mit der Kontrolle u. Nachprüfung der Trichinenschau beauftragten Veterinär- u. Medizinalbeamten. 2. Aurt (VHI, 131 S.) Geh.S,50JC. Parey, Berlin. Karmarsch, K., Handbuch der mechanischen Technologie. 0. Aufl.. bearb v. H. Fischer. 1. Bd. (XIV, 088 S.) 20 JC. Baum- gärtner, Leipzig. Karte des deutscheu Reichs. 1 ; 100 000. Abteiig.: Künigr. Preussen. Hrsg. V. der kartogr. Abteiig. der königl. preuss. Landesaufnahme. Nr. 89, 91, 473, .522, 558, 630. Kupferstich u. kolor. qa. Fol. 1,,50 JC. Eisenschmidt, Berlin. — des Kreises Dirschau im Reg.-Bez. Danzig. 1 : 100000. Hr.sg. von der kartogr. Abteiig. der königl. preuss. Landesaufnahme. Mit Nachträgen bis 1888. Lith. u. kolor. gr. Fol. 2 JC. Eisen- schmidt. Berlin. — • d. Kreis. Putzig im Reg.-Bez. Danzig. 1 : 100000. Hrsg. v. der kartogr. .\bteilg. der k. preuss. Landesaufnahme. Mit Nachtr. bis 1888. Lith u. kolor. qu. gr. Fol. 2 JC. Eisenschmidt. Berlin. — der Gegend östlich Flensburg n. Apenrade, sowie der In.sel Alsen. Chroiiinlitli. Fol. 50 ,j. la Motte jr., Sonderburg. Kaufmann, E., Die Sublimatintoxikation. Beiträge zur ( ieschicbte, Klinik und patholog. Anatomie derselben etc. (120 S.) 2,40 JC. Koebner, Breslau. Klimpert, R., Lehrbuch der Elasticität und Festigkeit. (VIH, 298 S. m. Ulustr.) 5.50 ^/^;. J. Maier. Stuttgart. Knoblauch, J., Einleitung in die allgemeine Theorie der krummen Fhlchen. (VI1[. 267S.) 8 JC. Teubner. Leipzig. Krieg, M., Die Erzeugung u. Verteilung d. Elektricität in Zi'utral- Stationen. 2. Bd. Die Erzeugung und Verteilung der Eli'ktricität durch Gleichstrom-Maschinen mit und ohne Verbindung v. Akku- mulatoren. (XVI, 370 S. m. 7 Vollbildern, Taf , T.ab. und 130 Textillustr.) 6 JC. Faber, Magdeburg. Landsberg, M., Beiträge zur Kenntnis des ätherischen Oeles von Daucus t-arota. (37 S.) 1 JC. Köhler, Breslau. Lembcke, K., Allgemeine Arithmetik u. Algebra in ihrer Beziehg. zu einander u. zu den höheren bürgerl. Rechnungsarten, in.sbes. zu den Kapital- uiul Renten- Versicherungen grundleglichen Zinses- zinsrechnungen. (XU, 170 S. m. 6 Tab.^ BJC. Hinstorff, Wismar. Lie, S., Theorie d. Transformationsgruppen. I. Absclin. (X, 632S.) 18 JC Teubner. Leipzig. Liebenow, W., Karte der Rhein-Provinz u. der Prov. Westfalen. 1; 240 0(10. 6 Blatt. 5. Aufl. Chromolith. gr. Fol. 1,50 JC. Lithiigr. Institut, Berlin. Loewe, E., Ueber d. Auftreten d, roten Diazoreaktion Ehrlich's b. Krankheiten. Aus d. chem. Laboratorium d. medizin. Klinik d. ITrn. Geheimrat Prof. Dr. Biermer. (48 S.) 1 JC. Kühler, Breslau. Iiilialt: .1. Itau: Ueber den Urgrund des Wissens. — Dr. F. M. Stapff: Das „glaziale" Dvvykakonglomerat Südafrikas. (Mit Abbild) (Fortsetzung.) — Hygienisch vorteilhafte Wirkung des Tabakrauohens. — Den Hintergrund des menschlichen Auges sicht- bar zu machen. — Kaiser- Wiliielms-Land. — Fflanzen und Schnecken. — Ueber die Beziehungen zwischen Atropin und Hyoscyamin. Litteratur: Franz Engel: Auf der Sierra Nevada de Slerida. — Dr. Ira Uenisen: Bücherschau. ("Jrundzüge der theiu-etisclien Chemie. — Verantw. Redakteur: Dr. Henry Potonie, ]$erlin NW. 0, für den Inseratenteil: Hermann Riemann. — Verlag: Hermann Riemaiin, Berlin NW. 0. Druck: Gebrüder Kiesau, P>erlin SW. 12. Hierxn eine Iteilage, welche wir besonder.'« «u beachten biiten- Beilage zu Nr. 14, Band III der „Naturwissenschaftliclien Wochenschrift". 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Bei Benutzung der \ Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf die „Naturwissenschaftliche j Wochenschrift" Bezug neh- i men zu wollen. . I Verautw. Redakteur: Dr. Henry Potonie, Berlin NW. 6, für den Inseratenteil: Hermann Itiiinann Druck: Gebrüder Kiesau, Berlin iSW. 12. Verlag: He lie'rliu NW. 0. ^ Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. 111. Band. Sonnta«', den Ü. Januar 1889. Nr. 15. Abonnement: Man ahonuiert bei allen Buchbandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrsrreis ist M 3. — ; Bringegeld bei der Post 15 -( e.xtra. Inserate: Die viergespaltene PetitzeUe 30 4. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach üebereinkunft. Inseraton- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck i»«t nur mit voINtändig^er ^Quellenangabe gestattet. Anleitung zu blütenbiologischen Beobachtungen. Von rrof. Dr. Uiitei' den verschiedenen Gebieten der Botanik giebt e.s Icauin ein zweite.?, das in dem Grade zu eigener y')eobac]itungstliätigkeit anregt wie die an merkwürdigen Tliatsaclien so reidie Blütenbiologie. Mancher unserer Ijeser hat gewiss den Wunscli, die von Spi'cngel, Darwin, Deliiino, Hildebrand, H. Müller und anderen Beobachtern'") beschriebenen, dem Fernerstehen- den oft sein- überraschend erscheinenden Vorgänge der P)lütenbestäubnng nicht bloss aus der Litteratur, sondern auch durcli Selbstanschauung kennen zu lernen, um zu einem selbständigen Urteil über dieselben zu gelangen oder auch um mit der Zeit das in Rede stehende Gebiet dui'ch neue Beobachtungen erweitern zu können. Dazu will der folgende Aufsatz Anleitung geben, indem er die wichtigsten Gesichtspunkte für derartige Bestrebungen anzudeuten versucht. Um einen sicheren Ausgangspunkt für das Ver- ständnis blütenbiologischer Fragen und Untersuchungen zu gewinnen, ist dem Anfänger vor allen Dingen zu raten, seine Beobachtungen mit typischen Fällen zu beginnen. Als erstes Studienobjekt empfiehlt sich z. B. der Bestäubungsvorgang von Lamiimi iiiacidatuin oder einer ähnlichen Lippeublume. Naciidem man sich zu- nächst mit dem Bau der Blüte unter l:'>erücksiclitigung der Ijitteratur (Vgl. Müller, Befruchtung der Blumen durch Insekten p. 309 — 13) eingehend vertraut gemacht und insbesondere die gegenseitige Stellung von Antheren und Narbe, die Art der Pollenausstreuung, die Lage und Bildung der Nektarien, die Länge der Blumenröhre u. dgl. in Betracht g-ezogen hat, fasst man ' an einem geeigneten Standort bei windfreiem, sonnigen Wetter, womüglieh in den Frühstunden, ein rcichblühendes Exem- plar der FHanze ins Auge und wartet Insektenbesuch *) Vgl. den Atifsatz (Ips Verfassers: Neueste Arbeiten auf Jeiii Oebiete der Iilüteiibinloq:ie im „Humboldt", Februar 1S87. E. Loew. ab. Die unter genannten Umständen meist zahlreich sich einstollenden Hummeln und Bienen werden nun in ihrem Benehmen sorgfältig- belauscht; man achte besonders auf die Art und Weise, wie eine Hummel z. B. am Blüten- eingang sich niederlässt und festhält, welche Köiperteile sie mit der Narbe und der pollenbedeckten Seite der Staubbeutel in Berührung bringt, wie sie den an ruck- weiser Erweiterung des Hinterleibes erkennbaren Saiig-- akt ausführt, wie sie den Blütenstaub auf die Sammel- organe der Beine überträgt u. a. m. Alle an den Blüten sich einfindenden, irgendwie verschiedenen Insekten wer- den mit Hilfe eines Netzes oder einer Scheere eingefangen und nach leichtem Druck auf die Brust mit Nadeln auf- gespiesst, um sie für spätere Untersuchung bequem auf- bewahren zu können; ein Notizbuch mit fortlaufenden Nummern nimmt die auf die einzelnen Tiere bezüglichen Bemerkungen, wie Namen der Besuchspflanze, Datum, Standort, Art des PoUensammlens und des Saugaktes — auf; jedes einzelne Exemplar ist mit einer besonderen, der Nadel anzusteckenden Nummer zu versehen, die im Notizbuch bemei'kt wird, um eine später mögliche Ver- wechselung zu vermeiden. Die genauere Untersuchung der eingefangenen Insekten wii'd besonders anfangs am besten sofort nach Beendigung der Bestäubungsbeobach- tungen vorgenommen, weil dann die Körperteile noch be- weglich sind und ein Auseinanderziehen gestatten. Mit Hilfe eines Präpariermikroskops und einer guten Lujie unterrichtet man sich zunächst über die Konstruktion des Himimel- und Bienenrüssels und misst vor allem die Länge derselben, um sie mit dem Abstand zwiscli(>n Nektarium und Blütenmündung- vergleichen zu können. Ebenso ist die Anordnung der Ilaarbcklcidung- an den Beinen und dem übrigen Körper zu berücksichtigen und dab(n besonders die Stelle zu beachten, an welcher dei- Pollen beim Blütenbesuch regelmässig- anhaftet, wie dies in unseriu I<\alle bf^i Lnniiiiiii am Kojit und an der Obor- 114 Natui-wissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 15. Seite des Thorax der Hummel zu gesclielien pflegt. Um sich die Thätigkeit der blumenbesuclienden Hummel im einzelnen zu vcrdeutliclien, ist es empfehlenswert eine ganz fi'ische ]51üfe sowie eine getötete, aber noch nicht starr gewordene Hunnuel zur Hand zu uelniien und zu versuclien das Tier durcli Auszielien des Saugoi'gans, i'ichtige ÖteUun.g der lleine usw. in eine dem Leben möglichst entsprecliende Saugstellung an dei' Blüte selbst zu bringen. Wenn dies mvh nur unvollkommen gelingt, so nötigt das Voilial)en docli zu einer genauen lfel)er- legung darüber, wie und wo der Rüssel eingefülnt wer- den muss, wohin der Kopf, der Tlioiax, der Hintcrleil) und die versciiiedenen Eeinpaare des Insekts beim Saug- akt zu liegen kommen, mit welcliem Körperteil es zuerst die Narbe und mit welchem es die Staubbeutel bei'iilirt, kurz zu einer speziellen iieclienscihaft von den einzelnen Akten des Blumenbesuchs. Nachdem auch diese Seite unsei'er L((m/HWi-Studien erledigt ist, begeben wir uns noch einmal an den früheren Beobaehtungsort und snclien nun auf grund dei' o'worbenen Einsiclit in den Bau der ]51üte und des lilumenbesuclK^rs die Wecliseiwirkung zwischen beiden im Moment des {Gesuchs festzustellen. Es wird bei einiger Geduhl und allmählicher Gewölinung des Auges den Bewegungen des Tieres mit Siclierlieit zu folgen, bald gelingen das Anstieifen der pollenbe- streuten Köi'peroberscite an dem unteren liervorivageuden Narbenast der JMi>t/ii.ni-B]i\ir., sowie aucli den durch den Ijlütenmechanismus hei'beigefülnten Druck der Antheron auf den Tlioiax des saugenden T''ieres mit Siclierlieit wahrzunehmen. In keinem Falle düifen die Boobacii- tuugeu abgebi-ociien werden, che eine vollkommene, jedes Häi'clien und Ziihnclien in KUcksicht nehmende Kiusiclit in die Wirkungsweise der Blütenkonstruktion und des l'.estäubers gewonnen ist; von Vorteil wh'd es aucli sein, nicht bei einer einzelnen Lamimn-Avi stehen zu bleiben, sondern mehrere einheimische Arten vei-gieicliaugshalbcr in den Kreis der PiCobactitung aufzunehmen. Ais wei- teres günstiges Studienbeispiel empliehlt sicli Prhmda ofßrlnaliK, dei-en zwei vei'schiedene, hetei'ostyle, d. Ii. un- gieichgrifflige Bhnneuformen in bezug auf Länge der liritfel, Narben Papillen und Grösse der Pollcuzelleu genau zu vergleichen und dann an einem geeigneten Stauderl, vvelclier Kxem|ilare von beiderlei h'oi'men in liiniHMclien- der 7\nzahl darbietet, auch in ilu-eni Jnsektenbesuch - vorzugsweise von AntJwphora lülipcs und Bimihat^-Axiew — zu kontrollieren sind. P^benso bieten die Blüten von Hnlvia inntcnKix in dei' Schaukeleinrichtung ilirei' Staubge- fässe, desgleichen die Sclimetterhngsbiuinen von Sarotliani- nm in ihrem PoUeuschleudei-apparat und die von Liq>/v.ns in der Nudelpressraaschine vieles Instruktive. In keinem Falle versäume der Anfänger Zeichnungen der einzelnen P.lütenteile und ihrer g-egenseitigen , natürlichen Lage nebst kurzen scJiriftJicIien Eilänterungen anzufertigen, um dadui-eh siiätei' die eigenen 15eobaclitnugeu sicJi in das Gedächtnis zinfickrufen und sie mit den in der Lit- teratur vorhandenen Beschreibungen vergleichen zulcönnen. Man begnüge sich ferner niemals mit der Z(n'gliedernug eine)- einzelnen Blüte, sondern untei'suclie eine grössere Anzahl derselben in verschiedener Entwicklung von der noch geschlossenen Knospe bis zum Eintritt des völligen Abwelkens. Nur auf diese Weise wird man wichtige, der Fremdbestäubung dienende Blüteneiniichtuiigen wie die DieJiogamie, d. h. die ungleichzeitige Reite dei' Narbe und Staubbeubd niclit überseilen; ebenso ver- säume man niclit die Jjlüten einer Art au ungleichen Standorten und zu verschiedenen Zeiten aufzusuchen, um über die Geschlechterverteilung ins klare zu kommen. da es nicht selten vorkommt, dass eine gewöhnlich niu' mit Zwitterblüten versehene Pflanze auch andere männ- Uclie oder weibliche, auf demselben Exemplar oder auf verschiedenen Stöcken auttietende Blumen (Andre- und Gynomonoecismus oder -Dioecismus) hervorbringt. So treten z. B. bei tiilv'm pmtcnsh ausser Exemplaren mit Zwitterblüten auch solche mit rein wcüblichen Blüten auf. Bisweilen teilt sich eine Species — z. B. Viola frkolor — in eine grossblumige und eine kleinblumige Rasse mit verschiedener Bestäubungseinrichtung, die dann genau festzustellen ist. Schliesshcli halte man sich stets den allgemeinen Satz gegenwärtig, dass lUe Einrichtungen der Blumen teils auf Wechselbestäubung, teils aber auch auf Selbstbestäubung (Autogaiiiiej ab- 'zielen, und dass letzterer Modus überall da einzutreten jiflegt, wo ersterer versagt oder unsicher erscheint. Man darf demnacji nicht erstaunen, wenn man Blütenehirieh- tungen findet, welche im ersten Blütenstadium nur durch Kreuzung, im zweiten nur durch Autogamie zu erlclären sind, oder gar Blumen kennen lernt, welche sich wie z. B. die Frühjahrsblüten von Lain/iuii Kmplr.ritvide bei g-c- sclilossener lUumeukrone selbstbestüuben (kleistogame Blüten). Freihch steht derartigen Blüten eine grössei'e Zalil von solchen gegenüber, bei welchen durch beson- dere Veraustaltung-en Selbstliestäubung ganz oder teil- weise verJiindert wird. Auf (lirund der angedeuteten Orientierung, die im Laufe eines Sommers sich bequem duichtulircn lässt, ist der iVnfänger im Stande, im folgenden Früiijaliie seine Heobachtungen weiter auszudehnen, wobei sicli etwa fol- gender Arbeitsplan emijflehlt. Da es dem angehenden ülütenbiülogen wohl niclit möglich sein wird, von An- fang an eine Untersuchung so durchzuführen, dass dabei sämmtliche llauiitiiagen zur Erledig-ung gelangen, so be- folgt er zunächst den Grundsatz möglichster Arbeitsbe- schränkung. Nacili meiner Erfahrung- knüpfen sich blü- teiibiologisclie Studi(>n am leichtesten an die Entwicklung unserer heimatlichen Pflanzenwelt in den verschiedeium Jahreszeiten an. Mau beginne mit den licobachtungen möglichst zeitig im Jahre; schon Ende März oder An- fang vVpril sind bereits Ei-dliienen (AmlroKiJ und Hum- meln au Stachidbeerblüten und WeideukätiZcheu in voller Thätigkeit. Frühjahrspflanzen wie JMlmmuiria, Ulcrliomu, Taraj-((nvin liefern weiteres Material. Im Mai werden die Blumen von Craiaef/ics, Ajuga, Orohus vernits, Vicia si'pliim. im Juni die von Si/mpJujtum of/icinah, von Um- belliferen, auch von C>;v7//i--Arten besonders ins Auge gefasst; im Hochsommer gewähren Echium vuhiarc, An- rJmxa, Ballota, Lotus, Arten von Trifolium, Mcdicayo und Melilottts, auch Lythrmn, Rid)us, Lyvium, Melam- l>!/riini, iStavJu/s-Avtßn, Scneco Jacohaea, Epilohium anr/nsfi- ftiliimi, im Herbst endlich (hlhma,, Smhiosa, (kntaurea paniciddta und die verschiedenen Distelarten die reich- lichste Ausbeute. Je nach den floristischen Verhält- nissen seines Wohnorts wird ein umsichtiger Beobachter bald diejenigen l^flanzen selbst herauszufinden wissen, die ihm am meisten Gelegenheit zur P>eobaclitung der Bestäubungsvermittler liefern. Ein weites ümlierstroifeu, wie es beim Botanisieren von Vorteil zu sein pfli^gt, ist dem Blütenbiologen nicht anzuraten, vielmehr thut er am besten, sich ganz auf engbegrenzte, aber Insekten- und Pflanzenreiche Lokalitäten au möglichst von der Kultur unbeleckten Stellen zu beschränken und an diesen stun- denlang' mit Ausdauer zu verweilen. Leider ist der Er- folg derartig-er Heobachtungen ausserordentlich von der Gunst des Wetters und von der Tageszeit abhängig. Bewölkung des Himmels, Wind, zu niedrige Temperatur, Nr. 15. NaUirwi,s.sen,st;liarUiclii! Woclien.sclirirt. 1 l in uikIlmcii l^'üUcii auch iibcryrus.sc I lilzo becintriu'liti.ütiii ili(! 'riiätijikcit der liliiinenbostäuber viel mehr, als man anfangs anzunclnuen ((cueis't ist. yVra günstigsten er- weisen sicli Voiiniftage, an wekilien nacili vorausgelicndeiii liegen beiteres, windstilli^s und warmes Wetter einliilt. l<]ine Reib(! \nu lÜumengiisten z. l-i. die -ß'^/«/'//'''"'- Arten, sowie auch einzelne IJienen und Kalter trillt man nur bei heissem öonnenseliein in voller Thätiglveit; zurlieob- aclitung mancher Sjjliingiden und Noctniden sind nur die Abeudslunden geeignet. In allen b'iillen l)eachte man beim lOinsamuielu der IJeiibac-lituiigeu die olxui gegebenem liegein und wende einerseits den lUüteneinriebtungen, andrerseits den Hlunienbesuelu^rn l'oitgesetzt die gleiche Aufmerksamkeit zu. In dieser Hinsicht muss es als eine ganz uninngäugliulio Koi'dernng bezeichnet werden, dass sich der Anfänger eine Insektensammlung anlegt, in welcher jedes einzelne Kxemplar dc^rartig durch eine Nunniier l)ezeichnet ist, dass es mit Hilfe des l^agebnclies jederzeit nach Heikunft nnd näliei'en Umständen des lUumenbesuclis bekannt erscheint, auch wenn der syste- matische Name des betreli'endeii Tieres von dem .Sannnler nocli nicht ermittelt wurde. p]s empliehlt sich dabei alle an einer bestinnnten lUüte gefangene Insekten in der Sannnlung vorläulig bei einander zu lassen und erst siiäter, wenn grössere Reihen von i^'urmen vorhanden sind, dieselben nach systematischen l'rincipien zu ordnen, üei P.efolgung unserer Ratschläge wii'd der Anfänger bald ein ziemlich reichliches Material zusannnengebraclit haben, wek-hes bei sorgfältigem Beobachten und Notieren beieits einen bleibenden wissenschaftliclien Weit — auch ohne ypciciesbestinnnung der eingefangenen lilnnieidje- stäuber — besitzt, l'm denselben voll ausnutzen zu kiiiuien, bedarf es allerdings weiterei- and für manchen gewiss recht mühsamer ytndien. Die vollständige Unter- suchung einer Hlumeneinricbtung im biologischen Hiune nimmt die 'riiätigkeit di\s üeobachlers nach zwei ganz verschiedeniMi Richtungen in Ansiimch; er hat einerseits eine speziell botanische, andrerseits eine entomologische Aufgabe zu lösen. Verliältnissmässig nur selten linden sicli alle hierzu erforderliclien Vorkenntnisse in einer l^erson ver- einigt; manclie IJotaniker ziehen es daher vor ihre Unter- suchungen auf die rein botanische Seite zu beschränken und allen l^'ragen, bei ^\■ldchen es sich um eine direkte l<'eststel- lung des Insektenbesuchs handelt, aus dem Wege zu gehen. Wer sich aber auf dem gesamten Gebiete der lUütenbiologie orientieren will, den dürfen die Schwie- rigkeiten s])ezieU entomologischer Stiidii^n nicht ab- schrecken. Zunächst hamlelt es sich ja nur um die blumenbesuchenden Insekten, die einen kleinen Urucli- teil von den überhau])! bei uns (ünheimischen bilden. .\ber es kommen immerhin sämtliche .Vrten der IJienen, (irab-, Kalten- und Goldwespen, die Mehrzahl der Schmetterlinge, ein bedeutendes Kontingi^nt von Zwei- Hüglern, Käf(>rn und Blattwes]ien, sowie auch einige Sclilupfwespen, Netz- und lialbHiiglei- in lietracht; von allen diesen der lUumennahrung nachgehenden liesuchern tritt nur die Miiuleizahl regelmässig kreuzungsvermittelnd auf, die übrigen sind gelegentliche und inditferente oder gar blnmenverwüstende Gäste. Der Anfänger beginnt nun damit sein gesammeltes Insektenmaterial nach den genannten Giuppen zu ordnen und sucht danh mit Hilfe eines guten systematischen Hilfsmittels wenigstens die b"'amilien zu bestimmen. Da die Apiden bei dei' RliniKm- bestäubung eine ganz bevorzugte Molle spielen, so \\'ählt man sie sich zu besonderem Studium, woIkü man mit Vorteil die Schriften von Schenk, besonders „die nas- saiiischen Rienen" im .Tahrb. des Ver. füi" Naturk. in Nassau, Heft It; sowie ilie „Apidai^ Kuiopaeae" \un Schmiedeknecht (Gumperda in üeilin ISiS^ u. If.) be- nutzen kann, üei blütenbiologi.schen Untersuchungen i.st liäulig die K^ntscheidung dai'über, ob man es mit einem Schienen-, Schenkel- oder liauehsammler oder mit einer nichtsammelnden Schmai'otzerbiiine zu thnn hat, von l!e- deutuiig — Unterschiede, welclii' bekanntlich auch für die Systematik der Aiiidengenera wichtig sind. ]*ibenso bi(^tet die Konstruktion des Saugapiiarats, insbesondere die Ausbildung zwei- oder eingesfaltiLii'r Uippentasler, sowohl in systenuitisciier als in biologisclici' Hinsicht ein wiMtvolles Merkmal, indem hierdurch die ganze .\|jiden- gruiiiie in die beiden biologisch ungleic^hwertigen Reihen der lang- und kurzriissligen lüenen zerfällt. Da die niedrigst-organisierten oder nach dem Standpunkt von tl. Müller als die lüenenstammform zu bezeichiieii\\ii 1111(1 im üiiscliiiiaimlaiul, hei Nickcrk und \Volj,an'()iuk'.ii, fiiiid Dunu scliuu IS/'J aal' der Ubeitlilcliü zerstreute, aus melir oder weniger verliärtetem g-rün- licli-S'rauora Tlion ausgewaselieno, gekrltzte Cie- scliiel)e nud (Jerölle. "Tliis (H)iigloiii(M'ate is so uiilike tliai at l'riuee Albert tliat tlie failuie to Idcntirv tlieir relatioii earlier is not surprisiiig". (i rosse (ierölle und l'.löeke liegen übei' dem nördliclien Rand des Dwyka- kongloiiierats zei'streut; am Dicpiiver von 2 tons Gewielit bis zum l'einsten silt; Diabasniassen in situ sind zerbor- sten, "as tliougli l'roni intcnse Trost". In dem nördliclien (Jebiet kommen keine gespaltcuie und \erzerrfe Koiiglo- merat-Geseliiobe vor; dagegen viele Gerolle, gekritzt und geschrammt, mit angesclilil'f'enen Fläclien, manclie mit Eiiulrückeii, abgebrochenen Kanten und Ecken ; dazwi- schen kantige Bh'icke, wenig odei' nicht abgestossen. Die eingebetteten (iesteine sind teils aus der rnigegcnd, teils von entlegenen oder ganz unbekannten Fund- stellen. Oestlich vom Dornberg keine Gerolle von gelbem .laspis und Crocidolite (obwohl Hügel im Konglomerat daraus bestehen), westlich massenhaft, zusammen mit fi'em- dem Material „ferner und ganz unbekannter Jler- kunft"! Von dem im Vaal- und Orangetlial anstehenden Gesteinen sielit man Granit, Gneiss, Granulit, Schiefer, alten Kalkstein, (^)uarzit, Sandstein, Mandelsteine, Diabas, l'orphyr, Porphyrit, .Jaspis, Gangquarz. iManehe Schiefer gleichen jenen der (ioklielder des Zwazilandes*), weshalb kleine Nuggets aus der ,, Nachbarschaft" des Konglomerats einem Golddistrikt entstammen dürften. Das eingangs abgebildi;te gekrilzte (Jerölle aus (iiii|iial;uul br.st(;lit aus aphanitischem Diabas mit fester halbmillimeterdicker rost- brauner Vcrwittoiungsrinde, welche die Sehranniien nicht durchbrochen haben. Es scheint als ob die Obertläclie diescvs Geschiebes er'st nach erfolgter Schramiiiung ge- wittert sei. Das (dement, welches bei llopetown und Dwykarivei' grobköi'nig ist, besteht ausserdem aas fein- geriebenem vulkanischen Gestein und schmitzt v. d. Ij. Im vorgehenden habe ich die zei'streuten Notizen möglichst geordnet, namentlich auch solche hervorgi^- lioben, welche die Identität des Dwykakonglomerats mit einem glazialen Konglomei'at beweisen sollen, das sich nach Dünn 's Meinung auf dem Boden eines I75(»o<) (^)uadratmeilen grossen, 700 Meilen langen, 250 Meilen hielten Sees früher als die Karoogesteine abgelagert hätte. „Die Gegenwart eines glazialen Konglomerats von so hohem Alter — vermutlich karlionisch — ist an und für sich eine ausserordentliche Thatsache, denn sie beweist, dass zur Zeit seiner lüldung während einer langen Periode dicke Eisberge auf diesem See existier- ten, viel näher dem Ae(puitor als sie jetzt würden exi- stieren können. (Vaal- and Orangerivei's junction liegt, 29° 10' S. Br.). Dadurch sind klimatische Schwankun- gen angedeutet, welche nur jenen in der Nähe des Nord- pols parallelisiert werden können, wo zur Tertiärzeit eine .subtropische Flora gedieh". (Dünn, 1. c. ji. 8.) (Fortsetzung folgt.) *) Jenseits tler Diaalveiiberge. Ein Schädling des Weinstoeks. — In einer der letzten Sitznngen der Societe natiunal d'agrieultnre spracli Blancliard über ein Jnselit, welclies in einigen Weingeg-enden des Landes V'erwüstnngen anrichten soll. Es ist eine Art aus der Familie der KUsselküfer, der Cneurhinus geminatus F. (C. glo- »batus Herbst). Dieses in ganz Mittel- niid Nord-Enropa bäufige Insekt ist schon seit langer Zeit bekannt. Es heisst, dass dieser Kiit'er im Frühling die jungen Triebe verschiedener Pflanzen benagt. Bis jetzt hatte man niemals beobachtet, dass er dem Weinstock schiidlich sei. Die ersten Lebensstadien sind nur von dem Entomo- logen Perris studiert; er sagt, er habe die Larve des Cneorhinus geminatus gefunden, als er ein Rasenstückchen aufhob. Man darf hoffen, dass der Cneorhinus geminatus seine Zerstörungen in den 'Weingegenden nicht sehr ausdehnen wird. Nichtsdestoweniger ist es ratsam, mit der Möglichkeit der rapiden Vermehrung einer Insektenart zu rechnen. Auch müssten sofort die an den jungen Trieben des Weinstocks sich tindenden Individuen gesammelt werden, in derselben Weise wie man den Eumolpus und den Erdfloh (Haltica) sammelt und vertilgt. Es ist bekannt, wie man es an- zufangen hat, den Weinstuck von diesen Insekten zu befreien. Man verwendet zu diesem Zwecke einen umfangreichen konkaven Fang- bebälter aus Blech, der an einem seiner Ränder eine Ausrandung besitzt, um ihn an dem Stamme des Weinstocks anzubringen, und in seinem unteren Teile eine Rührenofl"nung, an welcher ein kleiner leinener Sack befestigt wird. Man operiert mit diesem Apparat beim Beginne der Morgendämmerung, wenn die Insekten noch träge sind; der geringste Stoss an den AVeinstock bewirkt, dass diese auf den metallenen Behälter fallen und in den Sack hineinrollen , welchen man mit der Hand fest umschlossen hält. („La Nature.") H. J. K. Homöopathische 'Wirkungen im Pflanzenreich, — In einer Arbeit über Hefegifte (Pflügers Archiv Bd. 42 Heft 11/12) cf. Bot. Ztg. 40. Jahrg. S. 610 hat Hugo Schulz nachgewiesen, dass die Stofi'e, welche in grüsseren Quantitäten die Hefe töten oder in iln-er Gärthätigkeit beeinträchtigen, die letztere erhüben, sobald sie in sehr minimalen Mengen wirken. Scli ulz versetzte gleiche Mengen von Traubenzuckerlüsung in völlig gleichen (Tlascylindern mit je 1 com Hefebrei. Die Cylinder standen mit einer (Quecksilbersäule in Verbindung, durch deren .Stand der Druck und die IMenge der bei der Gärung frei werdenden Kohlensäure nachgewiesen wurde. Von den Giften, die in grösserer Menge die Gärthätigkeit sistieren, Sublimat, .Tod, .lodkaiinm, Brom, ar,senige Säure, Chromsäure, schweflig-saures Natron, erhöhte ,fod die Gärthätigkeit am meisten in einer Verdünnung von l:()OO00O, .arsenige Säure bei der Verdiin- nung 1 : 40 000. salicyls. Natron bei 1 : 4000, Sublimat bei 1 ; 70 000. Lstzteres beiorderte die Gärthätigkeit weniger bei l:,"iOoiio. lOine Erhöhung der Kohlensäurebildung scheint indessen die Hefe zu er- müden , So dass sie nach einigen Stunden wieder auf die iu)rniale Gärthätigkeit zurückgeht. — Es scheinen hiernacli dii'Se Gifte eine ähnliche Wirkung auf die Pflanzen je nach ihrem Verdünn nngsgr.ad auszuüben, wie dies seitens der H(jmüopatben für den tierischen Organismus angenommen wird und durch die „Neuralaiialyse" Jägers esperimentel bestätigt worden ist. Prof. Dr. L. Zur Kenntnis des Färbungsvorganges, — In einer früheren Mitteilung (vergl. Natur w. Wochenschr. ü S. llSj ist ein Bericht über Versucbe von Edm. Knecht gegeben, welche eine Erklärung des Farbungsvorganges bezweckten. Basische Farb- stoffe verbinden sich mit tierischer Faser (Wolle, Seide) unter gegenseitiger Spaltung; das Halogen des Farbstotfes (z. B. Chlor von Fuchsin) verbindet sich mit Ammoniak aus der Faser, sein basischer Bestandteil jedenfalls mit einem sauren der Faser zu ge- färbten Lack. Knecht hat weiterhin versucht, tlen nuitmassliclien basischen Faserbestandteil, welcher mit sauren Farbstof- fen (z. B. Krystallponceau (5 R., Löslichblau) farbige Lacke liildet, zu isolieren. (Ber. d. d. ehem. Ges. 1888, S. 2804.) Beim Kochen von Schafwolle mit einem Gemisch von 2 Teilen engl. Schwefel- säure und 3 Teilen Wasser erhält man eine bräunliche Lösung, welche mit sauren Theerfarbstott'en intensiv gefärbte Niederschläge bildet. Die erhaltenen Lacke sind in Wasser und verdünnten Säuren unlöslich, in Alkalien leicht löslich. Beim sorgfältigen Neutrali- sieren der Wollenlösung erhält man einen käsigen Niederschlag, der getrocknet eine harte, braune, amorphe Masse bildet. Eine Lösung desselben in Schwefelsäure besitzt dieselben Eigenschaften wie die ursprünglii'he Wollenlösung; der erhaltene Niederschlag stellt also das lackbildende Prinzip der Faser dar. Die Vernuitung, dass er Leucin, Ty rosin oder eine ähnliche aus Wolle darstellbare Anii- dosäure sei, bestätigte sich nicht. Eine Lösung, welche mit sauren Farbstoflen ebenfalls unlös- liche Lacke bildet, erhält man, wenn man eine Lösung von Wolle in verdünnter Natronlauge mit .Schwefelsäure ansäuert und von dem gebildeten vohiminö.sen Niederschlag aljflltriert. Durch alle diese Versuche wird die Existenz einer mit sauren Farbstoflen hu-kbildeti- den Substanz in der Faser erwiesen. Weitere Versuche sollen über die Zusammensetzung derselben Aufsclilu.ss geben, sowie darüber entscheiden, ob sie fertig in der Faser vorgebildet ist oder sich erst beim Färben (in saurer Lösung) bildet. Dr. M. B. 118 Naturwissensehaftliche Wochenschi'ift. Nr. 15. Neues über die Sonne. — Es ist ei>ie der grossen Fnigen, wi'ii-lie die Geister in den letzten .Talirzchnten Ijewegt huljen, wo die .Sonne wold den Ersatz liernimmt t'ür die grossen Verluste, die ihre Eneraie dnreli ihre enorme Ansstrahlnng fortwährend er- leidet, l'onillrts Messungen ergehen, dass un.sere Erde von dem Tagi-sgestirn alljährlich nicht weniger Wärme empfängt, als zur Erzeugung von -SOO Millionen l'fcrdekräften nötig sind, dass die im Laufe eines Jahri's verausgalite Sonuenwärme genügt, um einen :^>(i m dicken Eishininud in der Entfernung der Erde zu schmelzen, l'iul Langleys Mes.sungen mit dem Bolonietei' hahen vor wenigen .lahren zu Angahcn geführt, welche denJeTiigen l'onillets noch weit üliertretfen, indem sie den grossen Bedarf zeigten, welchen die At- mosidiäre bei der Aufnahme der Strahlungen aus dem Himmelsraume ahsorbiert. Noch wunderbarer als die ungeheure Wärmeahgal)e ist aber die Thatsaehe, dass sich dieselbe, soweit sich unsere Studien in dieser Beziehung erstrecken, nicht merklich geändert hat. Zu den Zeiten der Pharaonen waren die Kultur der Dattelpalme und des Weinstocks in Aegypten und Palästina zu Hau.se, und sie sind es heute noch, obgleich nach Aragos berfdimt' n Beweise, hinter welchen zwar Jüng'st durch Woeikof ein starkes Fragezeicdien ge- macht worden ist, 1" weniger im jäluliclien Durchsehjiitte der Tem- peratur die Datteln nicht zur Üeife kommen lie.sse und 1" mehr die l''rüchte des Weinstocks au.sdürren würde. Auch Herr Aitken in F.diiiburg hat neuerdings gezeigt, dass man bei der Erörterung dii'ser l''ragen einigi' Voi-aussetzuiigen gemacht hat, welche nicht durchaus notwendig sind. Um nämlich jene merkwürdige Be.stäniligkeit der Sonnenstrahlung während langer Zeiträume zu erklären, hat man bis- her angenommen, dass die Temperatur der Sonne selbst im Verlaufe derselben ziemlich dieselbe geblieben sei. Und mm hat man nicht gair/, mit Recht sich nach den Ursachen umgesehen, die eine solche Konstanz der Soniu^nhitze ermöglichen könnten, indem sie gegenüber den Verlusten durcdi Ausstrahlung fortwährend auf eine Vermehrung derselben hinarbeiten. Hobert Mayer hat aus dem Fall von Meteor- nuissen in die Sonne und Helniholtz aus der allmählichen Kon- traktion des Sonnenballs diese Gegenwirkung hergeleitet; Sir William 'i'honison aber hat unter der letzteren Annahme küi'zlich bewiesen, da.ss, wenn l'onillets ]\Iessungen richtig sind, eine jährliche Zu- samnu'uziehung der Sonne um 35 m stattfinden müsse, falls hier- durch die an.sge.strahlte Energie ersetzt werden soll; und die Lau g- leyschen Arbeiten würden eine noch viel stärkere Kontraktion verlangen. Indess, die lieständigkeit der Strahlung erfordert keines- wegs, dass auch die Temperatur des Sonnenkörpers diesellie bleibe. Diese kann nach Aitkens Ansicht sinken, während der Jüetrag der ausgestrahlten P^nergie sich nicht zu ändern hrauidit, ja sogar zu- nehmen kann. Die physikalisidie Beobachtung lehrt, dass bei der- selben Temperatur die chemischen Elemente weniger Wärme als ihre Verbindungen ausstrahlen, und dass der ]3etrag der Strahlung zu wachsen scheint, wenn die Verbindungen beständiger werden. Wie aller haben wir uns die chennschen Zustände der Sonne zu denken? Soviel wissen wir, dass die innere Hitze des Sonnenkörpers viel zu hoch ist, als dass chemische Verbindungen sieh bilden und bestehen könnten; nur in den äus.seren Schichten des Sonnenballs ist diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen, aber bei der immerhin kolossalen Hitze, die ilort herrscht, werden die Verbindungen von keinem innigen Bestände, sondern locker genug sein, um sich bei gei-ingen P^rhöhungen der 'i'emperatnr wieder in Elemente zu spalten, sie werden siidi — wie die l'hysiker .sagen — im Zustande der Dis.sociation befiiuien. Auf der Sonne .sind also sämtliche Substanzen weLren der uTigehmieren Temperatur in einer weniger innigen V^er- liindung ihrer kleinsten Teih-hen vorh.inden, als auf der Rrde. Je heisser dii' einzelnen Teile des Sonnenkörpers sind, desto lockerer werden ihre chemischen Verliindungen sein, und damit wird auch ihre Aus- strahlung g-eringer werden. Und so fällt die bisher gemachte An- nahine, dass die uns von der Sonne zugesandte Wärmemenge im Verhätniss zu ihrer Temperatur stehen müsse. Die Temperatur kami sehr widd im Abnehmen liegriffen .sein, und doch kann der Betrag ihrer Ausstrahlung wachsen, weil ja mit der Aenderung in der Tem- peratur eine Aenderung in der chemischen Zusammensetzung der Sonne nebenher geht. Man braucht also nicht mehr nach Erschei- nungen zu suchen, welche die Temperatur der Sonne vermehren; ein Anwachsen ihrer Energie trotz der Abkühlung kaim aber auch auf anderem Wege stattfinden. So gestattet die sinkende Temperatur der Sonne die l'iildung immer innigerer Verbindungen, es können Verbrennungen stattfinden , und diese erzeugen wieder eine ver- mehrte Hitze. Aitkens Spekulationen, wiewohl sie nicht zwingender Natur siml, zeigen also, dass die strahlende Energie der Sonne sich sehr wohl von Zeit zu Zeit — etwa in geologischen Zeitepochen — • geändert haben kann, dass ihr Betrag sich aber nicht notwendig direkt mit der Temperatur zu ändern braucht, und dass wir die Resultate unserer Laboratoriumsversuche über die Strahlung nicht ohne weiteres auf die in ihrem Wesen allen irdischen Experi- menten so unzugängliche Natur der Sonne übertragen dürfen. Auch der Begriff der Verbrennung, den iidi uIk.-u brauchte, kann nicht unmittelbar von der Erde auf die Soinui übertragen werden. Wir verstehen darunter im allgenieinen die Verbindung eines Kör- pers mit dem Sauerstoff. Hier wollte ich jede chemische Verbindung überhaupt darunter verstehen, denn ob es Sauerstott' auf der Sonne gibt, das ist liis vor kurzem eine ortene Präge gewesen. Heute dürfeii wir sie mit Ja beantworten. Bereits 1877 glaubte freilich der Astrophysiker Henry Draper in New-York im Sonnenspek- trum die Spuren des Sauerstoffs gefunden zu haben. 18 helle Ijinieii, welclie die umgebenden Teile des Spektrums besonders überstrahlti'U, sollten die Zeugen seiner pjxistenz sein. Helle Linien im Sonnen- spi'ktrum? Das wäre ja etwas ganz Ausserordentliches. Zwar zeigt die Sonne bei totalen Finsternissen, in dem Momente, wo ihi'e Sichel verschwindet und die Korona sichtbar wird, ein Spektrum, das aus lauter hellen Linien besteht, aber sonst sieht man nur jenes farbig-e Band, das von den dunkeln Praunhoferschen Linien durchzogen ist. Di'aper meinte, dass der Sauerstoff in der leuchtenden Hülle der Sonne sich in einem dei-artig erhöhten Stadium des Glanzes befinde, dass ei' alle anderen Teile der Photosphäre überstrahlte und seine „Emission" stärker wäre als die des Hintergrundes; daher luusste er statt der dunkeln Absnrption.s-Linien die hellen Emissions-Linien liefern. Aber seit Drapers Entdeckung hat man das Sonnenlicht immer genauer analysiert, indem man es über immer breitere P'lächen zerstreute. So haben jüngst die Herren Trowbridge, Hutchins und Holden in Amerika eine gros.se Photographie des Sonnen- spektrums mit Hilfe eines vorzüglicdien koiürhalb des Sonnenkörpers luiben wir neuerdings genauere Aufschlüsse erlangt, welche für die Kritik jeder Theorie dieses rätselhaften Körpers eine wesentliche Handhabe bieten werden. So meint der bekannte Pariser Astronom Herr Kay i?, dass jene besondei's hellen Stellen der Photosphäre, welche man die Fackeln nennt, und die in der Nähe des Sonnenrandes sich als pjr- ludmngen der IjichthüUe erweisen, ein Plrzeugnis benachbarter Flecken sind. Diese sollen den Wasserstoff' der Ghromosphäre her- abreissen. der wieder emporsteigend die P'locken der Photospä.re in die Höhe hebt und so die Fackeln bildet. Die neuesten Forschun- gen auf dem astrophysikalischen Observatorium zu l'otsdam zeigen umgekehrt, dass die Flecken von den Faclieln abhängen, dass diese bei der Entstehung der Flecken schon vorhanden und auf deren liildung von wesentlichem Einflüsse sind. Die grosse Ausdauer der Fackeln, welche die Beobachtungen von Herrn Wilsing in Potsdam lehrten, lässt schliessen, dass sie nur „die sichtbar hervortretenden Merkmale von Vorgängen sind. Nr. 15. Natui-vvissenschaftliche Wocliensclirift. 119 die vcriimtlich in tiet'or lit';;x'iiilL'ii iSchichtiMi di;.^ Süiiiiüidcüriiors ihrem Urspi-uiifj' luiboii." Es sdioint sog'ur, als ob die soiiderliiu-e lOrscIici- imii«;' dftr Kiielvplii an giW'/, bestinmitc l'nnlitc der riiotospliilre ffe- liiindeM sei, nnd diiss sie .sieb daselbst iiac^li »ewissen Zeitnuinien perindiseh oder intermittierend wiederbub'. Dass es wirUbidi e<;i'n dii' Fackel /.nriiek. Oft entsteht dann zwisehen ihm nnd der er/.eii- üendiMi l'"aekel eine f,'an/.e Ucihe von nenen l'"l(>eken, die sämtlich auf einem l'arallelkreise angeordnet sind, und so S(direit(!t die Ans- liihbmg der l'Meeke von Osten nach Westen fort. Ferner zeigte sich, worauf aneh Seccbi bereits hingewiesen hatte, dass ein l<'li^ek bei seiner Ausbildung weit weiuger hinter seiner Um- gel)nng zurückbleibt, als w'enn er bereits in ilas höchste Stadium der Entwicklung gelangt ist, und aucli das hndet seine einfache l'',rklärung darin, dass der Fleck in der lüehtung wächst, luicli welcher die [Irsae.hc seiner Ausbildung liegt, also — um nncli kurz auszudrücken — auf der Fackelseite. So wird er seliein- har weniger stark gegen die Umgebung zurüelv bleiben, weil sein Wachstum auf der Uüekseite seiner Eigeidiew»gung statt- ündet. „Keinen Aufschluss freilich geben die neuen Arbeiten üher die eigemu'tigen Üewegungsgesetze der Flecke", sowie ülier deren ralselbafti^ innere Natur. Und ungelüste liätsel birgt auch die Art, wie sie au tellurische und kosmische Erscheinungen einwirken Es zeigte sich, dass daljei seine ilelligkcir in seiner grüs-^ten Sonnen- nähe von einem Male zum anderen merkwürdige Aenderungen durch- gemacht liatte. Sie ist keineswegs seit früheren Erscheinungen bis beute in einer Abnahnii' beg'riftcn, die auf eiiwMi allmählichen Verfall des Kometen schliessen lassen sollte, sondern sie bewegt sich auf- und aliwiirts nnd scheint ilu'en höchsten Tirad zu den Zeiten einer l)esonders hellen Sonnenthätigkcit zu erreichen, in den .labren also, aul' welclie die iMaxima der Sonnenllecke fallen. So zeigt die Hellig- keit di'S Kometen vielleicht dasselbe periodische Verhalten, wie u. a. di(! l'idarlichter der ICrde. Und das wird begreillicb, wenn man das Leucditen des Sehweifsterns als eine (dektrisebe Erscheinung autlasst, wie es das der Polarlichter sicher ist. I)i(,' Sonne nut ihren ungeheuren elektrischen Oewalten wird jenes Phänomen be- einflussen, w-enn nicht hervorrufen, und es ninnnt dann nicht wunder, dass in den Zidten einer hohen Rrregung des ('eiiti'alköii)ers, we.nn die Elektrizität desselben vielleicht eine hüliere Spainumg erreicht, die Licbterscheinung'en der Kometen besonders glänzende worden. Die Vermutung des Herrn JSerberich, da.ss darum zu diesen Zeiten die Entdeckungen von Kometen wegen ihrer gesteigerten Heiligkeit sich häufen mü.ssten, ist zwar nicht unwahrscheinlich, aber wegen der vielen anderen Umstände, welche diese Zahlen bc^einllussen, schwer statistisch zu belegen. (Dr. 11. Samter in der Zeil.scbrifl „Himmel u. Erde".) Medizinische Kongresse. — Ein internationaler modizinisdier Kongre.ss von Australien wird vom 7.- 12. .lanuar in iMellinurne Figur ■2. Von beiden ji' ein neues Beispiel. Herr Andre in Lyon bat die I'ecibaeditung gemacht, dass diejenigen magnetischen Störungen, von dcniMi man längst weiss, dtiss sie sich gleichzeitig auf dem ganzen l'hdball vollziehen und in der Sonne ilirc Ursache baben, stets dann eintreten, wenn ein Herd ernster Thätigkeit die .scheinbare Mitte der Sonnenscbeibe passiert. Die Thätigkeitslierde können von Flecken und Fackeln, aber auch von Fackeln allein gebildet, sein. Jlan findet, dass diejenigen, dieser Uegionen, welcbe mebrere Rotationen der Sonne, also mehrere Monate; hindurch denselben Platz auf der Sonne behalten, in unseren autonuitisch regi.strierten magnetischen Kurven gerade in dem Augenblick ihres Durchgangs durch den Mittelpunkt der Scuinenscbeibe eine Störung erzeugen, nnd dass im allgemeinen die Magnetstäbe ihre regelmässigen täglichen uiul jährlichen Sc-liwankungi'U nur dann ungestört vollzieben, wenn in Nähe des bezeiclmeten Puidites sieb kein derartiger Herd bemerken lässt. Dieses Zusammentreli'en ist ein so regelmässiges, dass man, sobald eine Uegion mit Fackeln am Ostrande der Sonne herauf- kommt, für den Tag, wo sie sich auf der Soinu^nscheibe genau dei' Erde gegenüberstellen wird, eine magnetische Störung voraus- sag(!n kann. Das andere lieispiel hat P.i;rbericb angegeben. Es be- trill't den Knckescben Kometen, der bei seiner diesjährigen Er- scheinung am 3. August V(M1 F'iiday auf der Cap-Stern warte entdeidvt wurde. (Nach späteren Nachrichten bat Tebbutt zu Windsor in Neusüd Wales den K(uneten bereits am 8. .fuli beobachtet.) Dieser in vieler liezielmng so merkwürdige Weltkörper war bisher seit mehr als huiulert .fahren in 24 Erscheinungen sichtbar trewesen. tagen. I'räsident: Fitzgerald. — Der A. Kongres diT russischen Aerzte, v(.'rbunden mit Au.sstellung, wird im .lanuar in St. Peters- burg stattfinden. Litteratur. Prof. William Marshall, Die Tiefsee und ihr Leben. Nach den neuesten (^ueUen gemein fasslich dargestellt. Verl.ig von Ferdinand Hirt & Sohn. Leipzig 18SS. f!r. 8". MAS. 4 Tontafeln und 114 Textabliildungen. Preis 7,50 M'. Unter vorstehendem Titi'l gieht der durch seine Vorträge und Sclu'iften populär-wissenschaftlichen Inhalts rühridichst bekannte Ver- fasser eine Darstellung von den Forschungen , welche grö.ssere und kleinere Expedition jn auf dem