r*"»'-'^''^ T-"" ÜK) m _j « 1 <- ^"*>:^ fi^^> -«* X-- jS?* ¥ ^^e iF^' >^' m ■K^, ^. THE UNIVERSITY OF ILLINOIS LIBRARY 580.5 OS V.I5 Ci~ t^^'Wßr^ Sko\ ^sch£ rrAfJ ^iJiVtli^h. -ji \v.lzai. Oest.Botan, Zeitschrift 1865 WH -CJl "■^is '^•^p. '^■^^4 ■«.. ir^ ^^^^t.'At^-v . tj Botanik nnd Botaniker, Äpolheker uöd Techniker. N» 1. zu pranunieriren. Im Wege des Buchhandels übemim Pränumeratio C. «erold's iiioiiti in Wien, so wie alle übrigen Buchhandlungen . XV. Jahrgniig. Jänner 1865. ZNHAI.T: Victor Jaeka. — Gnle und schlechte Arien. Von iir. Kerner. — Aus dem Trencsiner Comitale. Von Holuby. — Mitlheilungen aus Ungarn. Von Ignaz Grnndl. — Die europäischen Glyceria- Arten. Von Janita. — Zwei neue schweizerische Pflanzen. Von MUnch- — Correspondenz- Von Dr. Kerner, Dr. Milde, R ecss, Dr. H o h< nack er, H u ter. — Der Garten von Kew. — Perso- nalnotizen. — Vereine, Gtselischaften, Anstalten, — Literarisches. — Botanischer Tauschverein. — Inserat. Gallerie österreichischer Botaniker. IX, Victor von Janka. (Hiezu ein lithographirtes Porträt.) Vt>r zwölf Jahren erhielt ich von einem sehr jung^en Botaniker ein Schreiben, worin dieser den Wunsch ausdrückte, jueine Bekannl- schaft zu machen. Bald darauf besuchte er mich seihst. So lernte ich Janka kennen. Er war damals erst 15 Jahre alt, in der Botanik natürlich noch ein Anfanger, aber durch und durch mit Liebe für seinen Gegenstand erfüllt und stolz darauf, dass er Mitglieil des bota- nischen Tauschvereines sei. Seitdem bin ich mit ihm in bestündi- ger Verbindung geblieben. Ich sah ihn heranuachsen, sah ihn zum jungen Manne reifen, war Zeuge der rastlosen Thätigkeit, mit der er sein Ziel verfolgte. Noch erinnere ich mich lebhaft jener verhängniss- vollen Zeit, wo Kriegesstürme das Land durchbrausten, wo Janka, Peyritsch und ich im Frühlinge des Jahres 1859 die einzigen Be- sucher des botanischen Museums waren, wo wir in gedrückter Stim- mung unter blühenden Gebüschen der Lonicera lustwandelten und uns durch botanische Gespräche zu zerstreuen suchten. Bald darauf trat Oeäterr. botan, Zeitschrift. 1. Heft. 1S65. 1 504673 in Janka's persönlichen Verliäilnissen eine grosse Verändorung- ein, er gab die Studien seiner Jugend auf und wurde Militär. Die Besorg - niss lag nicht ferne, dass mit diesem ganz entgegengesetzten Stande die frühere Neigung erkalten, ja ganz verschwinden könnte und so der Botanik ein eifriger Förderer derselben entzogen würde, wie sich dieses bei Andern unter ähnlichen Verhältnissen schon so oft ereignet hatte. Allein dem war nicht so. Janka blieb Botaniker wie ehedem, der neue Beruf vermochte ihn nicht von der Bahn der Wissenschaft abzulenken. Victor Janka von Bulcs wurde am 24. December 1837 in Wien geboren, wo sich sein Vater als siebenbürgischer Hofagent aufhielt. Hier verlebte er auch den grössten Theil seiner Jugend und studirte am Gymnasium zu den Piarislen in der Josef- stadt. In einem Alter von 12 Jahren unternahm er mit seinem Vater im August 1849 einen Ausflug nach Mariazell und von der schönen tief an den Lassingfall herabsteigenden Alpenflora zauberisch angezogen, begann die ihm wohl angeborne Liebe zur Botanik zu er- wachen. Schon im Frühlinge des Jahres 1850 legte er als Schüler der II. Gymnasialclasse eine Sammlung getrockneter Pflanzen an, wobei ihm die Auszeichnung zu Theil wurde , dass sein dama- liger Professor der Naturgesciiichte während des Vortrages über die Botanik die Pflanzen des Janka'schen Herbars unter die Schüler cir- culiren Hess. Noch im Herbste desselben Jahres nahm Janka's Vater den später als niederländischen Regimentsarzt auf Java verstorbe- nen Dr. Dole seh all als Hofmeister in sein Haus und behielt ihn bis zu seiner im Jahre 1853 erfolgten Abreise nach Ostindien. D ole- schall war selbst Botaniker und besass ein reichhaltiges Herbar. Wenn Janka bisher die Botanik mehr als Unterhaltung und ohne wissenschaftlichen Ernst betrieben hatte, so lernte er jetzt in D o 1 e- s c ha U's Umgange und unter seiner Anleitung diesem Studium eine höhere Bedeutung abzugewinnen, so dass er diesem den ersten Grund zu seiner künftigen botanischen Bildung verdankte, wenn auch Janka später seinen Lehrer überflügelte und das, was er weiss, durch sich selbst erlernte. Im Winter des Jahres 1851 — 1852 machte Janka durch D ole- schall die Bekanntschaft des Redakteurs des österr. botanischen Wochenblattes A. Skofitz und trat dessen botanischem Tausch- vereine als Mitglied bei, was er auch fortwährend geblieben ist. Durch vorerwähnte Zeitschrift mit denNamen und Leistungen seiner botani- schen Zeilgenossen in Kenntniss gesetzt, ward zugleich der Wunsch in ihm rege, mit Mehreren derselben unmittelbare Verbindungen an- zuknüpfen, und da Dr. Schlosser in Agram ihm in dieser Bezie- hung freundlich entgegenkam, so ermulhigte ihn diess, mit verschie- denen auswärtigen Botanikern in Tauschverkehr zu treten. Von wesentlichem Einflüsse auf Janka's botanische Laufbahn war aber der Umstand, dass sein Vater bei Klausenburg in Siebenbürgen Güter l)osnss, auf denen er seit dem Jahre 1B51 stets die Herbstferien zu- brachte. Die reiche durch keine Kultur verdorbene, in ihrem Typus g-anz eigenlhündiche siebenhürgische Flora verfehlte nicht, ihre mächtige Anziehungskraft auf Janka auszuüben und bald reifte in ihm der Entschluss, dieser Flora von nun an die vollen Kräfte seines Lebens zu widmen. Dort lernte er auch im Jahre 1852 bei dem ihm ver- wandten Bischof Koväcs in Klausenburg dessen Coadjutor Dr. Lud- wig Haynald kennen, mit dem er auch nachher, als dieser bald darauf den Bischofsstuhl von Siebenbürgen bestieg, in fortwährender Verbindung blieb. Nach absolvirtem ersten Kurse der V. Gymnasial-Klasse wurde Janka von seinem Vater zur Fortsetzung der Studien bleibend nach Klausenburg geschickt, damit er dort die ungarische Spraclie erlerne. Damit war seiner botanischen Thätigkeit ein weites und lohnendes Feld geölfnet, da er nun alle Stadien einer Flora verfolgen konnte, die er bisher blos im herbstlichen Gewände gesehen hatte. Damals bota- nisirte er zum Theil in Gesellschaft des Apothekers Wolff auf dem klassischen Boden der Heuwiesen bei Klausenburg, der Mezöseg, der ThordaerKalkschlucht, der Rodnaer Alpen. Im Jahre 1856 nach Wien zurückgekehrt, unternahm er von dort aus in Gesellschaft des Bischofs Haynald eine Reise in das durch seinen bolanischen Reichthum be- rühmte Donauthal der banalischen Militärgränze, besuchte Karlsburg und Hermannstadt, lernte dort Dr. Fuss und in Lugos Dr. Heuffel kennen und bereicherte die Flora dieser Gegenden mit so mancher neuen Pflanze. Obschon Janka auf diese Weise den Kreis seiner Bekannt- schaften und seine botanischen Kenntr)isse in praktischer Beziehung mit jedem Jahre erweitert hatte , so fehlte ihm doch bisher die lite- rarische Bildung. Diesem Mangel sollte bald gründlich abgeholfen werden. Im Jahre 1856 machte er die Bekanntschaft des Kustos am k. k. botanischen Hofkabinet Professors Dr. Fenzl, der ihn in ge- wohnter Art liebreich aufnahm und ihm den unumschränkten Gebrauch der reichen Schätze des kaiserlichen Museums gestattete. Durch vier Jahre war Janka einer der fleissigsten Besucher dieses ausgezeich- neten Institutes und indem er unablässig die Bibliothek durchstöberte, erwarb er sich nicht nur eine ausgebreitete Kenntniss der botanischen Literatur, sondern gelangte auch auf den höhern Standpunkt, die in der freien Natur bisher gemachten Beobachtungen in eine wissen- schaftliche Form zu kleiden. Es sei mir hier erlaubt, auf eine kurze Weile von meinem Gegenstande abzuschweifen, um das nicht genug zu würdigende Ver- dienst meines hochverehrten Freundes Dr. Fenzl hervorzuheben, das darin besteht, dass er mit so seltener Liberalität und zuvorkom- mender Gefälligkeit dem Freunde der Botanik so gut wie dem Fach- manne das seiner Leitung unterstehende Museum auf die umfassendste Weise zugänglich und nutzbar macht und stets bereit ist, Aufschluss und Belehrung zu ertheilen. So viele, die sich in der gelehrten Welt bereits einen Namen erworben haben, würden das, was sie sind, nie 1 * 4 geworden sein, wenn ihnen der Zutritt zu diesem reiciilich ausge- statteten Museum nicht so sehr erleichtert worden wäre. Im Jahre 1857 beendigte Janka die Gymnasial-Studien und hörte am polytechnischen Institute in Wien durch ein Jahr Physik und höhere Mathematik. Allein er setzte diesen Kurs nicht weiter fort und trat im August 1859 als Cadet in das Kaiser-Kürassier-Regiment. Er kam anfangs nach St. Georgen bei Pressburg, später aber nach Kumanien und in das Biharer Comitat, wo er abwechselnd in Szekely- hid, Karcag, Kis-Ujszälläs, Puspök-Lädany, Debrecin und Grosswar- dein stationirfe und dadurch Gelegenheit fand, auch die Flora des ungarischen Tieflandes kennen zu lernen. Im November 1861 zum Lieutenant befördert, konnte er sich nun wieder mit voller Kraft der Botanik widmen. Was Janka's schriftstellerische Thätigkeit betrifft, so verging seit 1855 kein Jahr, in welchem nicht botanische Aufsätze und Kor- respondenz-Artikel von ihm im österr. botanischen Wochenblatte, in der Linnaea, der botanischen Zeitung von 3Iohl und S chl ec hlen- dal, der Regensburger Flora und in den Verhandlungen des zool.- botan. Vereines erschienen wären. Diese Aufsätze haben beinahe durchgehends die Flora Siebenbürgens und des östlichen Ungarns zum Gegenstande. Janka verfolgte dabei einen doppelten Zweck, näm- lich die von ihm und Andern gemachten Entdeckungen über das Vor- kommen neuer Pflanzen bekannt zu machen, als auch die in Sieben- bürgen bisher aufgeführten Arten kritisch zu beleuchten und irrige Angaben zu berichtigen. Während Andere bei Schilderung der sieben- bürgischen Flora alle von ihnen beobachteten Pflanzen, welche sie von dem westeuropäischen Typus abweichend fanden, als neue Arten aufstellten, war Janka bemüiit, solche Formen in der osteuropäischen insbesondere in der russischen Flora unterzubringen. Wenn er hierin in einzelnen Fällen auch das Richtige nicht immer getroffen haben mag, so thut diess Janka's Verdienste nicht den mindesten Abbruch, denn eine so schwierige und halb gekannte Flora, wie die siebenbürgisclie ist, muss noch so manche Entwicklungsstufe durchmachen, bis sich die Ansichten klären und zur allgemeinen Geltung gelangen. Die Re- sultate seiner Forschungen hat Janka in dem in der Linnaea 1859 erschienenen Aufsatze Adnotaüones in plantas dacicas nonnullasque alias europaeas niedergelegt. Dabei war es nicht zu vermeiden, dass Janka schon früher mit andern Botanikern, die über denselben Gegenstand in abweichender Richtung geschrieben hatten, in Konflikt kam, und dass solche Konflikte mitunter zu weiteren Erörterungen führten; gewöhnliche Erscheinungen im literarischen Leben, doch muss der Wahrheit gemäss bemerkt werden, dass Janka seine An- sicht mit wissenschaftlicher Gründlichkeit verfochten hat. Janka hat in den vorerwähnten Zeitschriften auch mehrere neue Arten aufgestellt, als: Anthemis Haynaldi, Saxifraga Grzego- rzekii, Viola Jooi, Carex Czetzii., Koeleria flexilis, Centaurea Her- bichii , Phacaßayeri, Heliosperma Veselskyi , Genista Mayeri et campestris , Dorycnium diffuifiun , jedoch einige derselben später wieder aufgegeben , wie denn überhaupt die meisten dieser neuen Arten sich als solche nur im Sinne jener Schule rechtfertigen lassen, welche jede auffallende Form mit einem besonderen Namen belegt. In neuerer Zeit hat Janka auch die europäischen Arten schwieriger Gattungen analytisch bearbeitet, wovon bisher PÄ/eMm, Calamagrostis, Sesleria, Poa, Festuca, Carex, Plantago, Cuscuta und die Sectio Batrachium von Ranunculus in der osterr. botan. Zeitschrift 1860 bis 1864 erschienen sind, ebenso gab er Heuf fel's Enumeratio plantarum Banatus Teniesiensis nach dem Tode des Verfassers in den Verliand- lungen der zool.-botan. Gesellschaft 1858 heraus. Endlich stand und steht er noch immer in wissenschaftlichem Verkehr mit vielen iri- und ausländischen Botanikern, darunter Alänner von hoher Bedeutung, wie Pariatore, Bertoloni, Gussone, Todaro und Cesati in Italien, Steven und Turczaninow in Russland, Gay und D e- caisne in Frankreich, Heldreich und Orphanides in Athen. Janka besitzt nebst einem strebsamen Geiste und einer glü- henden Liebe für die Botanik einen im Auffinden und Erkennen der Pflanzen glücklichen Blick und, wie bereits erwähnt, eine ausgebreitete Kenntniss der botanischen Literatur, Bei solchen Eigenschaften und da er die schönsten und kräftigsten Jahre des Mannesalters noch vor sich hat, kann es ihm nicht fehlen, für die Botanik noch Bedeutendes zu leisten und das, was er gesammelt, beobachtet und sich sonst eigen gemacht, einstens in ein selbstständiges Werk zusammenzustellen. Zu besorgen ist nur, dass, wenn ihn einerseits sein jetziger Stand in die Lage setzt, so manche den Botanikern bisher unbekannte Ge- gend zu durchforschen, er aus dem Lande, dessen Vegetations- Verhältnisse zu ergründen, das Ziel aller seiner botanischen Bestre- bungen ist, plötzlich abberufen und in ein ganz anderes Gebiet ver- setzt werden kann, wie es denn schon jetzt einleuchtend ist, dass die meist abgelegenen Stationen eines Kavallerie-Regimentes den Ge- brauch literarischer Hilfsmittel sehr erschweren, wo nicht unmöglich machen. In welches Land ihn aber auch die Zukunft führen mag, sein Forschungsgeisl wird sich auch dort bewähren und neues Licht über den Schauplatz seines botanischen Wirkens verbreiten. Wien, im December 1864. August Neilreich. Gute und schlechte Arten. Von A. Kerner. I. Es ist nun gerade zwanzig Jahre her, seit ich mich mit Botanik zu bescliäftigen begann und seit ich in Gesellschaft eines mir sehr werlhen jetzt greisen Botaniiters die ersten botanischen Ausflüge in die Gneis- und Granitberg-e des heimathlichen oberen Donauthales auslülirle. Die Kenntnisse meines Führers und Lehrers waren mir damals ein Gegenstand der Bewunderung, und seine Worte galten mir als unumstössliche Lehrsätze. Wie die meisten Botaniker der älteren Schule hielt auch mein Meister an den Gedanken der Un- wandelbarkeit der Arten fest, und ein sehr beliebter Gesprächsstoff von seiner Seite waren darum auch die sogenannten „guten" und „schlechten" Arten. Icli lauschte seinen diessfälligen Belehrungen und lernte durch eine Art Tradition nach und nach die „guten" und „schlechten" Arten meiner Heimath kennen, gestehe aber offen, dass ich schon damals nicht recht klar werden konnte, wie man in einem gegebenen Falle ohne Tradition zu erkennen im Stande sein würde, ob man es mit einer ,. guten" oder „schlechten" Art zu thun habe. — Natürlich hetrachlete ich in der ersten Zeit meines Botanisirens als eines der Hauptziele auch die Erwerbung eines möglichst umlang- reichen Herbariuujs und ich suchte dieses Ziel insbesondere durch einen mögliclist ausgedehnten Tauschverkehr zu erreichen. Mein Meister liess es auch bei diesem Tauschverkehre nicht an Beleh- rung fehlen und warnte mich namentlich davor, ,, schlechte Arten" für den Tausch zu sammeln. — So gewöhnte ich mich daran , in der ersten Zeit alle Uebergangsformen und Zwischenstufen auf meinen botanischen Ausflügen ruhig stehen zu lassen und eben nur solche Exemplare zu wählen, an welchen die in meinen botani- schen Handbüchern angegebenen Merkmale richtig vorhanden waren. Ich erinnere mich noch lebhaft daran, wie ich oft hunderte von Exem- plaren einer Pflanzenform für den Tausch sammelte, sie nach Hause trug, dort mit Müsse nochmals Stück für Stück durchging und alle jene Exemplare, auf welche die Diagnose meiner Bücher nicht ganz gut passen wollte, beseitigte. So hatte ich wenigstens immer das beruhigende Gefühl, mich nur mit ,, guten" Arten beschäftiget und ineine Tauschfreunde nicht mit „schlechter" Waare bedient zu haben. Ein paar Jahre später kam ich nach Wien. Auch dort horte ich wieder viel und oft über „gute und schlechte Arten" debatliren. Ich sali, dass manche Pflanze, die ich bisher als ,,gut" ansah, vom Stand- punkte mancher Wiener Botaniker eigentlich grundschlecht sei, und kam, naclulem ich der Reihe nach die Ansichten verschiedener Pflanzenforsciicr ausgeholt halte , zu dem Resultate , dass fast jeder Botaniker die ,, guten" und ,, schlechten" Arten nach seinem. Gefühle unforsclieidol und dass nur wenige über das Wesen der Arten mit sich ganz in's Reine gekommen wären. Wieder einige Jahre spater kam ich nach Ungarn. Durt hörte ich nun freilich nicht viel über „gute'' und ,,schleciite" Arten spre- chen j aber nicht etwa darum, weil die Leute im üngarlande über den Gegenstand im Reinen waren, sondern weil sie überhaupt dort nicht viel über Botanik sprachen. — Als ich mich dort der Pflanzen- well zuwandte, konnte ich mich durch geraume Zeit gar nicht zurecht- linden. Fast alle Pllanzen hatten ein etwas verändertes Aussehen und fast alle wichen von jenen Formen etwas ab, welche ich in der wesllichereii Heimath traditionell als die typischen ,, guten" Arten kennen gelernt halte. Ich sah also, dass die ungarische Flora mit meinem von Wien mitgebrachten Massstabe gemessen, eigentlich der Mehrzahl nach aus „schlechten" Arten bestand und dass ich somit in eine recht schlechte Gesellschaft gerathen war. Noch misslicher war die Sache, als ich wieder einige Jahre später eines Sommers in den Gebirgen bolanisirte, welche sich als Grenzscheide zwischen Ungarn und Siebenbürgen hinziehen. Die Frühlingsprimel zum Beispiele, die ich in meiner Heimath mit einfarbigen untiTseits grünen und nur schwach flaumigen Blättern gesehen hatte und die in der Wiener undnoch mehr in der Ofner FloraBlätlerzeigte, welche unterseils viel dichter flaumig und fast grau sammfig waren, erschienen dort an der siebenbürgischen Grenze zweifarbigund unter- seils fast weissfilzig. Diese Primeln vertraten sich vollkommen in den verschiedenen Gegenden, und wenn ich sie im getrockneten Znstande neben einander legte , so konnte ich eine Reihe darstellen , deren Grenzglieder allerdings so verschieden waren, dass selbst Botaniker, die eine Freude am „Zusammenziehen" haben, Ausland ^^enommen haben würden, sie unter einen Hut zu bringen, deren Mittelstufen aber dennoch ohne scharfe Grenze in einander übergingen. Hob ich die markirtesten Stufen dieser Reihe heraus, so fand ich sie mit den Diagnosen der Primula officinalis Jacq., Primula ittflata Lehm, und Primula suaveolens Bert, ganz gut übereinstimmen, unt, gar nicht gebe. Nachdem ich sechs Jahre lang in Ungarn gelebt und die Pflan- zenwelt des Ostens kennen gelernt halte, kam ich nach Tirol. Wie kaum in einem anderen Gebiete trelTen hier auf engem Raum klima- tische und geognostische Gegensätze hart aneinander und kaum dürfte (ki!ier irgendwo das Änschmleg-en der Pflanzenformen an Boden und Klima besser beobachtet werden können als gerade in diesem von der Flora so reich bedachten Lande. Die Mannigfaltigkeit der Lebens- bedingungen veranlasst hier eine Mannigfaltigkeit der Formen, von welchen man in anderen an Abwechslung weniger reichen Bezirke wohl kaum jemals eine richtige Vorstellung gewinnt. — Ich habe die Bemerkung gemacht, dass insbesondere jene Botaniker, welche in Ländern leben und i)ütanisiren, die in orographischer, kliuiatischer und seoffnostischer Bezieluino- weniij- gegliedert sind, am festesten an der Idee der Unwandelbarkeit der Arten festhalten und finde diess auch begreiflich. Die geringen Unterschiede, welche in einem ein- förmigen Lande KItma und Boden darbieten, bedingen auch eine ge- ringe Mannigfaltigkeit in der organischen Entwicklung. Die Botaniker dieser Länder sehen *bef in ihrer Heimat die Pflanzen immer in be- ständigen Formen nnd haben sich allmalig in die Idee der Beständig- keit so fest hineingelebt, dass sie über jede entgegengesetzte An- schauung schon im Vorhinein den Stab brechen. Würden sie in unsere Alpen kommen, hier mit Müsse und unbefangenem Blicke die Pflanzenwelt in Berg und Thal studiren und sich nicht damit begnügen nur auf flüchtigen Streifzügen Pflanzen zu sammeln und sich diese nachträglich nach hergebrachter Schablone in ihren Herbarien zu recht zu legen, so würden sie gewiss die liebgewordene Ansicht der Artbeständigkeit schliesslich fahren lassen, würden den kindischen Streit über ,,gule" und ,, schlechte" Arten aufgeben und den An- sichten Baum geben, welche ich hier zu vertreten mich nicht scheue, obschon ich recht gut weiss, welch' grosse Majorität ich in dieser Frage gegen mich habe. Innsbruck, den l i. December 18G4- Aus dem Trencsiner Comitate. Von Jos. Ludw. Holuby. Aus dem Trencsiner Comitate gelangt nur äusserst selten Etwas in die OefTenllichkeit, Ich bewohne zwar nicht den an botanischen Schätzen reichen Theil dieses Comitates, sondern den südwestlich- sten, an das Neutraer Comitat angrenzenden, der zwar eine minder mannigfaltige, aber doch interessante Flora aufweisen kann. Aus dem, nur flüchtig verfassten Verzeichnisse der, in meiner Umgebung von Knapp beobachteten Pflanzen, kann man ersehen, dass meine Be- hauptung begründet ist. Ich habe die Flora meiner, Umgebung im Manuscripte, will selbe aber im kommenden Frühjahr noch möglichst vervollständigen, hoffend über 1000 Phanerogamen, mit genauer Slandorlsangabe, wo möglich auch Unterlage zusammenbringen zu können. Dann sende ich sie Ihnen. Ich glaube, dass der Wissenschaft 9 mit einem einfachen Naniensverzeiclinisse, ohne genane Slandorlsan- gaben, nicht viel gedient sei, oder wenn man bloss das denv Sammler oder Beobachter Werthe, Interessante, Seltene in die Aufzählung auf- nimmt. Ich nehme und notire Alles, selbst das Gemeinste in meine Aufzählung, was ich selbst hier finde, stelle auch ein Herbar von hiesigen Pllanzen zusammen, darauf rechnend, seiner Zeit Jemandem einen guten Dienst damit erweisen zu können. Durch den Winter will ich mein Herbar ordnen, aus welcliemichdie Dupplicatender „Slovenskä Matica" versprochen habe. — Mein Freund H. Emil Keller botani- sirte fleissig und sammelte in der Umgebung von Wag-iVeustadlly bereiste aber vor einigen Jahren mehreremale die Karpaten auch und brachte viele Pflanzen nach Hause. Was mich an Pflanzen, die ich von ihm erhielt, am meisten freut, ist, dass sie sämmtlich sehr schön und instructiv getrocknet sind. Für Freunde der Hieracien findet sich so manches Interessante in den Podhragyer Weingärten, namentlich Varietäten des Hieraciuin umbellatum; auch fand ich an mehreren Stellen der Brosäcer, schon seit Jahren verlassenen Weingärten Formen des Hieracium Pilosella, die 2 — 3 köpfig sind und an Hieracium bifurcum erinnern. Die ßro- sacer und Podhragyer ßergwiesen und Weinberge haben in Menge Hieracium pratense, worunter gewiss auch andere, durch charakteri- stische Merkmale begrenzbare Formen gefunden werden können. Sämmtlich hier angeführten Hieracien wachsen auf einer Mer^^elkalk- Unterlage. Leider konnte ich diesen Sommer, wegen öfterer Unpäss- lichkeit, nicht so viel botanisiren, als ich gewollt. Was ich aber seit Ende August hier bemerkt und gesammelt habe, lässt für das kom- mende Jahr auf eine reiche Ausbeute rechnen. Ich erinnere mich in einem der früheren Jahrgänge Ihrer Zeit- schrift gelesen zu haben, dass zwischen Anagallis arcensis und coe- rulea eine Uebergangsform in Farbe bestehe. Diesen Herbst sah ich in der Nähe des Pfarrhauses auf Alluvialboden zwei Farbenspielarten dieser Pflanze, die bloss in der Farbe von Anagallis arvensis abwei- chen, iu den übrigen Merkmalen aber mit ihr übereinstimmend sind. Stellenweise kommen diese Millelformen sogar viel häufiger vor, als A, arvensis und coerulea. Der über 1600' hohe Berg Mlacovec be- herbergt an seinen Abhängen einige Rubus-kriew, darunter Rubus fruticosus mit unten weissfilzigen und fast kahlen Blättern; Rubus liirtus W.K., corylifolius — und andere Bastarte, aus denen man sich nur mit Mühe beim Bestimmen heraushelfen kann. Bis jetzt habe ich deren mehrere beobachtet, die man ohne Gewalt nicht unter den Hut des Namens R. frulicosus bringen kann. Jedenfalls verdienen unsere Rubus eine besondere Aufmerksamkeil, die ich ihnen denn auch nicht entziehen werde. Sowohl meine in diesem Herbst gesam- melten Hieracien, als auch Rubus stelle ich den Herren, die sich damit befassen, unter der Bedingung zur Verfügung, dass mir die richtigbe- stimmten Exemplare, je 1. Stück zurückgeschickt werden. In der „botanischen Zeitschrift« 1863 Nr. 1, Seite 26 lese ich, dass Herr Dr. Stenzel, Monotropa Hypopifys, bei Brezowie in ein- 10 blütliigen Exempluren beobaclilel habe. Meine Exemplare der Mono- tropa hypophegea, die ich im September und Anfangs Ocluber d. J. im Walde y,Jarülinky" nördlich vun N. Podhragy gesammeil habe, sind last sammllich einblüthig, und nur mit Mühe gelang es mir mehrblü- thige zu finden. Epüobium Dodonaei, das an der Wag massenhaft vorkommt, fand icli bei Bosäc in einer Schlucht, auf Mergelkalk- felsen, Da diese Pflanze in der ganzen Umgebung sonst nirgends, als an der Wag zu finden ist, kann ich mir ihr Erscheinen nicht anders erklären , als dass sie entweder durch Winde, oder durch Vögel hierher gebracht wurde. Freilich entsteht dann die Frage, warum wachst sie in der Haluzicer Schlucht nicht, wo sie dieselbe Unterlage fände, und der Wag bedeutend näher ist? Dass dieses schöne Epüobium am genannten Orle der Bosäcer Steinbrüche bereits seit vielen Jahren wächst, beweisen die mächtigen Exem- plare, die in den Felsenrissen sitzen, und nestförmige Büschel von alten, vertrockneten Stengeln zeigen. — An Acer campestre beob- achtete ich hier sonderbare Astverwachsungen. Die Aeste nandich sind in einer gewissen Entfernung vom Stamme zu zweien oder dreien verwachsen, oder in den Stamm hineingewachsen, und wei- ter abermals sich verzweigend, als kämen die Zweige aus einem ge- meinschaftlichen Aste. Diese Erscheinung ist nicht selten, sondern kann sowohl bei den Bosäcer Obstgärten, als auch an Zäunen in Podhragy und in den Kopanizen beobachtet werden. In den Bosäcer und Halusicer Bergwiesen sind mehrere Sauer- brunnen, deren Wasser von den K'opanicären gerne getrunken wird. Ich kenne eine Familie in den Kopanizen, die ziemlich wohlhabend ii.t, höchst selten anderes Wasser, als den Säuerling trinkt, aber alle Mitglieder derselben — etwa 12 an der Zahl — eine ungesunde Gesichtsfarbe haben und öfters über Brustbeschwerden klagen. Ob in Folge des fast ausschliesslichen Genusses des genannten Säuer- lings? \väre eine Frage für Aerzte. Molinia coerulea kannte ich früher nur ausgetrockneten Exem- plaren; im September fand ich sie in der Nähe des Halusicer Säuer- lings auf sumpfigen Wiesen. Am 11. October besichtigte ich den Püdhragyer Wald „Dubniky", wo mich das, dort auf trockenem, steinigem Boden in der Nähe morscher Buchenstämme wachsende Gnaphalium luteo-album umsomehr überraschte, da ich auch meh- rere vom Grunde an verästete Exemplare noch blühend angelrolTen habe. Daselbst sind auch die obenerwähnten Rubusarten zu Hause. Der 2868' hohe Grenzberg Lopennik, mit Wienersandstein- Unterlage hat eine bedeutend ärmere Flora als Javorina des Neu- Iraer Comitates. Am Lopennik wurde an den Qu^^Ußfi des Bosäcka- Ba(;hes, im October noch Cypern» fuscus und flcwescens, Triylochin paliistre, Glyceria fluitans, Bidens cerniia — beobachtet. Vielleicht lolint der kommende Frühling meine Besuche des Lopennik besser. Im Jahrgange 1862, Nr. 12 der „botanischen Zeitschrift" finde ich unter Anw österreichischen Botanikern den Namen des Rottalo- witzer Pfarrers in Mähren, Herrn Daniel Sloboda's nicht, der ja II auch ein botanisches Werk „Rusllinnicfvi" Prag 1852 veroffenllichle, vvelciies mein- ersler Lehrer in der Botanik war. Es vviire zu wünschen, wenn Herr Sloborla das Resultat seiner mehrjälirigen Forschungen um Holeschau, Rotlalowitz, am Radhost, durch dessen Veröffentlichung auch anderen Botanikern zugänglich machen wollte. Nächstens, mehr. Nemes Podhragy in Ungarn, den 13. November 1864. Mittheilungen aus Ungarn. Von Ignaz Grundl. Im Beireff meines diesjährigen Botanisirens konnte ich zwar eine vorgehabte Reise nach Siebenbürgen, eingetretener Hiniler- iiisse wegen leider nicht in Erlülliing bringen, durchforschte aber desto fleissiger meine nächste Umgebung. Mit Ende April hatte ich in Ofen zu tliun , und da die Witterung günstig war, so benützte ich diese Gelegenheit zu einem Ausfluge auf dem Blocks- und Adler- Berge, wo ich einige Exemplare von Draba Aizoon Wahlb., Seste- ria coerulea Ard. Aiyssiiin saxitile L. und Hutchinsia petraea R, Br. (welche sämmtlich im Jahre 1842 auf allen Felsen dieser Berge in Masse sich vorfanden) erbeuten wollte. In dieser Absicht begab ich mich am 28. April auf dem Wege, welcher vom Badhause aus auf den erstgenannten Berg führt; hier waren die Weingärten mit Andro- sace maxima L. und Ceratocephalus orthoceras D C. wie besäet. Angelangt zu den Felsen, fand ich mich aber in meiner Hoffnung .sehr getäuscht, denn trotz alles eifrigen Forschens, war von obge- uannlen Pflanzen, nicht die geringste Spur zu entdecken; ausser Scorzonera austriaca Willd. Alyssum montanum L. und Arabis nuriculata Lam. war nichts zu erblicken. Nun hoffte ich das Ge- suciite auf den Felsen des nahen Adlerberges auffinden zu können, und ging nun geraden Weges diesem zu. Der Weg dahin zwischen Weingärten war an beiden Seilen mit Alyssum oalycinum L. und A. minimum Willd., besonders aber durchgehends mit Ceratoce- phalus orthoceras DC. besetzt. Ceratocephalus falcatus Pers., der sich mit seinen kugelrunden Fruchtköpfchen von Weiten erkennen lässt — habe ich daselbst bloss in einer einzigen kleinen Gruppe aufgefunden. Bezüglich der gewünschten Pflanzen habe ich mich auch dorthin vergebens bemüht; denn ausser einer geringen, auf dem grasigen Plateau dieses Berges aufgefundenen Gruppe der Hutchinsia petraea R.Br. war von den übrigen gesuchten keine Spur vorhanden, obschon ich fast jeden Felsen durchspähte. Soll- ten diese durch schonungslose Sammler ausgerottet, oder in Folge der trocknen Winter und heissdürren Sommer ausgeblieben sein? Uebrigens war doch meine Mühe durch schöne Exemplare von 12 Vinca herbacea W. K. Biscutella laemgata L. und Helianthemum oelandicum Wahlb. hinläng^lich belohnt, besonders aber durch Ca" lepina Cornini Desv., welche ich im Rückwege am Rande einer Wiese in grosser Menge auffand. Im Monate Mai machte ich einen Ausflug zu einem meiner Freunde in das im Comorner Comitate neben dem gegen 2000 Fuss hohen Berge Geretsen gelegene Dorf Heregh. Auch diese Gelegen- heit benutzte ich zum Botanisiren. Die Wälder in dieser Gegend sind mit dem reichblüthigen Helleborus dumetorum Kit. gefüllt. Am 11. Mai bestieg ich obgenannten Berg, der die Gränze zwischen dem Graner und Comorner Comitate bildet. Bellis perennis L., La- mium purpureum mit weisser Blülhe, Androsace elongata L. und Orchis fusca J a c q. war unten im Walde häufig zu treffen; weiter oben, an mächtigen Kalkfelsen unter Sträuchern von Evonymus verrucosus Ait. und Prunus Mahaleb L. stand zwischen den weis- sen ßlüthen der Arabis arenosa und Sisymbrium Alliaria Scop. das schöne Smyrnium perfoiiatnm Mi 11. in prachtvollen Exempla- ren, an den allen noch die verschiedenartigen gestalteten Wurzel- bläiter vorhanden waren. Auf dem Plateau des Berges zeigte sich sehr häufig Doronicum plantagineuin L. Hier geniesst man auch eine prächtige Aussicht von einer Seite auf die Stadt Gran mit ihrer malerischen Umgebung, und von der andern Seite auf die Stadt Todtis mit ihren mächtigen Teichen. Ergötzt durch diese schöne Fernsicht, schritt ich zur Besichligung der, an der Lehne dieses Ber- ges geöffneten grossartigen Marmor-Brüche, deren schönes Gestein sämmilich nach Peslh geliefert wird; mir aber lieferten dieselben sehr schöne Exemplare von Omphalodes scorpioides Lehm., die hier in Gesellschaft der Arabis Turrita, Scrophularia vernalis L. Cory- dalis Cava und solida Sw. aufzufinden waren. Auf der Rückkehr durch einen Buchenwald, schoss bei allen Bäumen die Lathraea Squamaria L. ihre nickende weissröthliche Blüthentraube aus der Erde euipor, wo auch die an buschigen Stellen sich hier ber- gende niedliche Adoxa Moschatellina L. zum Schlüsse zahlreich erbeutet ward. Aber auch meinem Lieblingsberge „Pills" habe ich im Laufe dieses Jahres einen zweimaligen Besuch gewidmet. Meine botanische Jagd auf diesem Berge war ganz besonders darauf gerichtet, die sel- tene Ferula sibirica Sadl., welche auf dem südlichen Felsenabhange dieses Berges ihren einzigen Standpunkt in dieser Gegend hat, in der Blüthe und Frucht zu erbeuten. Diess ist aber nicht so leicht zu erzie- len ; denn obschon diese Pflanze im frischen Zustande in allen ihren Theilen einen starken terpentinartigen Geruch besitzt, so wird selbe doch von dem Hornviehe gierig aufgesucht und abgeweidet. Man sieht daher auch diese herrliche Pflanze, nur in den, diesen Thieren unzugänglichen Felsen- Schluchten zwischen Sisymbrium slrictis- simum L,, Bupleurum jiinceum L., Carduus collinus W. K., Scorzo- nera kispanica L., Coronilla varia L., Inula hirta L. und Lactuca perennis L. in 4 bis 5 Schuh hohen Exemplaren mit ihren dotter- 13 gelben grossen Dolden prangen, deren man nur beschwerlich und mit grösserer Umsicht habhaft werdcMi kann, was mir auch vollkom- men gelungen ist. — Ausser jenen in der 1. Nummer des Jahres 1863 in dieser bot. Zeitschrift erwähnten Pflanzen, gewahrte ich heuer auf diesem Berge noch folgende: Dentaria enneaphyllos L., Meliltis Melissophyllum L., Lychnis diurna Sibt., Arum maculalum L. in grosser Menge; Cardamine impatiens L., Moehringia triner- via Clairv., Pai-is quadrifolia L., Oxalis Acetosella L., Actaea spicata L., Elymus enropaeus L , Lunaria redivica L. , Sanicu/a europaea L., Orchis paltens L., 0. pisca J acq., Cephalanthera pal- Icns Rieh., Betlis perennis L., Lysbnachia punctata L., Geranium columbinum L., Orlaya grandißora Hoffm. , Arena pratensis L., Cirsium serratuloides Boiss., Iris graminea und pumila L., Coro- nilln monlana Scop. häufig; Festuca heterophylla Lam. und gi- ganlea V^ill. , PotentUla recta L. , Melampyruin nemorosum L., Chrysanthemnin corynibosum L , Monotropa Hypopitgs L.. Sesleria caerulea Ard. auf einem einzigen Felsen aber in Menge vorhanden, mit Seseli glaucum L. , Allium acutangulum Willd.. Alsine fasciculata M. K., Linuni flavuni L., Semperviriwi hirtiim und iS. tectonnn L. Jedoch die von Dr. A. Kern er in der bot. Zeitschrift 1863 Nr. 5 beschriebene Genista hungarica konnte ich bisher auf diesem Berge noch nicht auffinden, vielleicht wird es mir in der Zukunft gelin- gen, worüber ich dann seiner Zeit den Bericht zu erstatten nicht ermangeln werde. Dorogh bei Gran, den 12. November 1864. Die europäischen Glyceria-Arten. Von Victor V. Janka. 1. Palea superior apice truncata vel emarginata. Caryopsis ulrinque convexa. 2. Palea superior apice 2-dentata. Caryopsis uno latere convexa altero impresso vel canaliculata. 3. 2. Rhizoma repens; folia latiuscule linearia ; panicula patens; spi- culae typice 2-florae; glumae dislinctae , superior truncalo- rolundata flore 2-plo brevior; palea inferior tota herbacea; heriia elata : Glyceria aquatica P r e s 1. Rhizoma fibrosuni; folia angusta; panicula coarctata spiculae typice 1-fl.; glumae minutae obsoletae superior acuta flore mullo brevior; palea inferior late scarioso-marginata; herba nana: G. algida F r. 3. Spiculae calli pilorum brevium rigidorum fasciculo instrucli. 4. Calli nudi. 7. 4. Glumae flore imo longiores. 5. Glumae flore imo superatae. 6. 14 5. Glumae obtiisiusculae V. aculae; palea inferior dorso inferne seri- ceo-pilosa, obtusiuscula : G. QDnpontia) Fischeri R. B r. Glumae acuminatae; palea inf. glaberrinia aculiiisouia setula saepius terininata: G. ( Diipotitia^ psilosantha Riipr. 6. Culmus crassus; fulia late linearia plana, superiora longiora; palea inferior elliptica obtiisata: G. fulta Fr. Culmus gracilis; folia anguste linearia plana vel interne con- voluta, sursum decrescentia; palea inf. oblongo-Ianceolata ob- tusiuscula : G. pendulina F r. 7. Culmi humiles basilumidi; folia brevia convolufasetacea ad culmi basin dense fasciculata-aggregata spiculae 2 — 3 florae: G. QColpodiuni) humilis Janka. Culmi elatiores haud tumidi, spiculae plurillorae. 8. 8. Palea inferior valide 7-nervis (stilus distinctus; caryopsis latere inleriore longitudinaliter sulcata}. 9. Palea inferior obsoletius 5-nervis (stilus subsessilisj caryopsis lalere interiore leviler impressa. 14. 9. Spiculae ante anfhesin cylindricae; folia linearia. 10. Spiculae ante anthesin a latere compressae; folia lineari-lan- ceolata. 13. 10. Panicnla spiciformis, angusta, disticha siniplex vel rarius basi ramo uno alterove auctus, vaginae teretes: G. loüacea Godr. Panicula haud spiciformis, laxa ramosa, vaginae compressae ancipites. 11. 11. Palea inferior apice rotundata repando-crenulata. 12. Palea inf. apice acutiuscula integra: G. fluitans R. B r. 12. Palea superior inferiorem paulo superans; ligula longiuscula: G. spicata Guss. Palea superior inferiore paulo superata; ligula brevissima: G. plicata Gr. 13. Panicula amplissima stricta, rami 5 — 9 divaricali; spiculae oblon- gae; palea inferior obtusissima integerrima: G. spectabilis M. K. Panicula rara subnutans: ramilaxierectiusculi, spiculae lineari- oblongae; palea inf. subtruncata denticulata : G. remota Fr. 14. Perennes; folia angusta elongata. 15. Annua; folia lata brevia: G.procumbens S m. 15. Glumae lanceolatae parum inaequales, inferior altera triente cir- citer brevior. 16. Glumae ovales magis inaequales, inferior altera 2-plo brevior. 19. 16. Gluma inferior dimidiam paleae oppositae partem superans. 17. Gluma infer. dimidiam paleae oppositae partem haud alfingens: G. maritima M. K. 17. Gluma inferior subacuta, superior apice rotundata: G. festucaeformis Hey^^^- Gluma utraque obtusa. 18. 18. Fol'a subulata plicata niargine involuta; ligula rotundata: G. convoluta Fr. Folia filiformia; ligula acuta: G. tenvi folia ß oiss. et Reut. 15 19. Paniculae rami inferiores subquini semiverlicillati; palea inferii»r suboblique truncato-vel rolundato-obtusa. 20. Paniculae rami inferiores subgeinini; palea inferior oblusa- aculiuscula. 21. 20. Paniculae laxae rami inferne longo tractu nudi demum reflcxi; flosculi laxi; gluma inferior oblusa; palea inferior apice rotuft- dala; folia firma acuminata: G. distans Walilb. Paniculae conferlae rami fere a basi spiculiferi erecto-paten- les; flosculi approximali; gluma inferior obtusiuscula ; palea iuf. truncata; folia moilia acuta: G. conferta Fr. 21. Glumae acutiusculae; palea inferior obtusa: G. Gussonii Pari. Glumae rotundato-oblusae; palea inferior obtusiuscula: G. permixta Guss. Grosswardei n, am 13. November 1864. Mittheilungen über zwei neue schweizerische Fflanzenarten. Von Pfarcr Münch. Wie es im Allgemeinen im Interesse der Naturwissenschaften liegt, neue Entdeckungen zu veröflentlichen und zu verwerthen, so ist es zunächst auch auf dem Gebiete der Pflanzenl'orschung. Diess veranlasst uns, üher 2 interessante Pflanzenarten, welche in neuerer Zeit in der Schweiz als Seltenheiten entdeckt wurden und die wir in unserm Herbar besitzen, folgende Eröffnungen zu machen. 1. Centaurea Kotschynna Heuffel. — Wurzel holzig, von alten ßlattresten beschopft. Stengel 1 — 2' hoch gefurcht, 1 — 3 köpfig, unter den Köpfchen dicht befilzt. Die ersten VVurzelhlatter in den Blattstiel verschmälert, länglich eirund ganzrandig oder kerbig gezähnt; die spätem gestielt, tief fiederspaltig, leierförmig, mit grossen, stumpfen Endlappen. Stengelblätter sitzend, fiederspaltig, am Grunde oft gefie- dert, mit grossen, stumpfen Endlappen, oben kahl, an den Rücknerven rauh behaart. Hauptkelch kugelig. Anhängsel der nervenlosen Blättchen dreieckig, spitz, braunschwarz, mit langen braunen, an der Spitze grauen, die halbrunden grünen Blättchen ganz deckenden Fransen. Köpfe in blühendem Zustande 2 Zoll im Durchmesser. Diese Köpfchen sind 2 bis 3 mal grösser als bei Cent. Scabiosa. — Blüthen violett, purpurn. Randblüthen tieflineal öspaltig. — Scheibenblüthen purpurn. Narbe lang beflaumt. Samen weiss, schwach behaart, so lange als der braune Schopf. Ausd. Juli — August. Am südlichen Abhang der Schafmatt im Entlebuch über Alp Green an der Fluh, Kanton Luzern. Bis jetzt einziger Standort für die Schweiz. iß Diese Cent. Kolschyana, deren Vorkommen auf alpine Höhen beschränkt ist, wächst auch auf der Alp Korongyis bei Radna im nörd- lichsten Siebenbürgen und steht daselbst auf Gneis. Wir besitzen sie von den Alpen Siebenbürgens. Sie hat grosse Aehnlichkeit mit C. alpestris Hag. welche auf den AHpen um St. Moritz in Graubünden häufig ist, wo sie im Juli und August mit ihren grossen, purpurrothen Blumen eine Zierde der Wiesen bildet. 2. Calla palustris L. — Rhizom dick, lang, kriechend gegliedert, mit weissen Fasern besetzt. Stengel 1 Fuss hoch, aufstrebend. Blätter wurzolständig, aus dem Rücken einer — die Wurzel oder den Stengel umschliessenden — Scheide entspringend, lang gestielt, gross, herzei- förmig, pfriemlich zugespitzt, ganzrandig, glänzend, oben etwas con- cav, Blattscheide mit 2 Oehrchen den Kolbenstiel umfassend, dann eiförmig flach ausgebreitet, in eine pfriemliche Spitze auslaufend, aussen grün, innen schneeweiss bei der ßlüthe, später auch grün. Kolben endständig gestielt, walzlich, ganz mit einzelnen von 4 — 6 Staubgefässen umgebenen Fruchtknoten besetzt. Perigon fehlt. Beeren erst grün, dann hochroth, 5 — 7 linig. In Sumpf- und Abzugsgräben des Chrüstirainwaldes bei Sem- pach Kanton Luzern. Einziger bisanhin bestimmter Standort für die Schweiz. Der von Schleicher bezeichnete Standort am Lac de Joux, K. Waadt hat sich längst als eine Täuschung erwiesen. Ausd. Juli, August. Basel im November 1864. Correspondenz. Innsbruck, den 14. üecember 1864. Sie finden unter der diessmaligen Sendung auch Chantransia thermalis und Prasiola Sauteri Ktzg., zwei Algen, aufweicheich besonders aufmerksam machen will. Die erstere fand sich einzig und allein an den KalklufTabsätzen in den warmen Quellen (26*' R.) des Kaiserbades bei Ofen und ist jetzt, nachdem man den Fundort gänzlich verbaut und die Quellen gefassl hat, verschwunden und wahrschein- lich für immer als ausgestorben zu betrachten. Die Prasiola Savteri entdeckte ich in einer Quelle, deren Temperatur am 26. Juli 0''. 8 R. betrug und die an der NW. Seite des Plerchnerkammes, eines Felsen- riffes, welcher die Eismassen des Lisenser Ferners nach Osten begrenzt und die Wasserscheide zwischen dem tirolischen Stubaier und Seirainer Thal bildet, hervorsprudelt. Dieser Standort scheint mir ein ganz besonderes Interesse in Anspruch zu nehmen. Die Gebr. Schlagintweit gaben nämlich als die höchste in den Alpen bisher be- kannt gewordene zu Tag tretende Quelle jene an der Salmshöhe bei n 17 8223 P. F. = 8450 W. F. an. Die Höhe der von mir am Plerclinerkamm aul'gel'undenen Quelle stellte sich aber zu Folge meinen barometri- schen Messung auf 9230 W. F. heraus, und diese Quelle liegt demnach noch um 780 Fuss höher als jene auf der Salmshöhe, ja sogar um 28' höher als das nach den bisherigen Beobachtungen für das höchst- elegene fliessende Gewässer der Alpen gehaltene Grubenvvasser in der Goldzeche der grossen Fleuss in Kärnthen (8858 P. F. = 9102 W. F.). Die Quelle am Plerchnerkamm wäre demnach jetzt überhaupt als die höchsigelegene Quelle unserer Alpen zu bezeichnen. Sie ist zuverlässig nicht durch Abschmelzen von Eis entstanden, da sie aus einem im Juli und August ganz schneefreien felsigen Rücken aus einer Felswand die über die Eismassen des Lisenzer Ferners sich empor- böscht und beiläufig 300 Fuss über dem Niveau des Gletschers liegt, entspringt. Ob sie auch in den Wintermonaten fliesst, muss ich dahin gestellt sein lassen. In den Sommermonathen fliesst sie reichlich und beständig und es scheint mir die Beständigkeit nicht nur durch die Aussage des mich begleitenden Senners, sondern auch durch den Umstand bestätiget, dass das ganze Rinnsal mit der smaragdgrünen im eisigen klaren Wasser floltirenden Prasiola Saiiteri ausgekleidet ist. — In der Seehöhe über 9000 Fuss ist die Zahl der Pflanzenarten in unseren Alpen bekanntlich schon eine sehr spärliche. Von Phanero- gamen finden sich dort nur mehr ein Dutzend Arten, von Flechten und Moosen beiläufig eben so viele, und von Algen war bisher in die- ser Höhe nur der die Firnfelder rolh färbende Haematococcus nwalis bekannt. Durch die Auffindung der Prasiola Sauteri in der Quelle am Plechncrkamm ist daher die Flora jener Region, in welcher das pflanz- liche Leben nur mehr in so wenig Typen pulsirt noch um ein Gebilde vermehrt worden und zwar um ein Gebilde, für welches wir eine um so grössere Pietät haben, als es den Namen eines um die Erforschung unserer Alpen so hochverdienten vaterländischen Botanikers trägt. Kerne r. Breslau, im December 1864. Ich wollte mir erlauben, Ihnen von einigen literarischen Erschei- nungen Mittheilungen zu machen, welche einem Theile der Leser Ihrer Zeitung vielleicht nicht uninteressant sein dürften. Von G. Met- tenius ist ein Werk über die Hymenophyllaceen erschienen, welches diese interessante Farn-Gruppe in anatomisch-physiologischer Hin- sicht mit der bekannten Gründlichkeit behandelt. Hier wird zum ersten Male der Keimungs-Process vorgeführt. Wie bei den Moosen ent- wickelt sich zuerst ein confervenähnlicher Vorkeim, welcher an ein- zelnen Stellen Antheridien und Archegonien trägt; dieser Vorkeim breitet sich stellenweise blattartig aus und am Rande dieser Ausbrei- tung erscheinen gleichfalls die erwähnten Organe. Paraphysen fand Metten ius nicht bloss bei Loxsoma, sondern auch bei Hymenophyl- lum und zwar treten sie hier unterhalb der Sporangien auf. Aus allen seinen Beobachtungen zieht Metten ius den Schluss, dass den Hymenophylleen unter den Farnen die niedrigste Stufe anzuweisen Oesterr. botan. Zeitschrift. 1. Heft 18t;5. ü 18 sei. Eine zweite selir interessante Abhandlung erseliien in dem August-Berichte 1864 der Berliner Akademie. Hans lein berichtet hier über die mit Glück wiederholten Aussaat-Versuche der berüch- tigten Nardoo-Früclite. Es sind diess die Samenkapseln zweier Mar- ^^ sileen (^Marsilea Drummondii AI. Braun und Marsilea salvatrix^t^ Hanstein nov. spec), deren Genuss Barke und seinen Gefahrten^^H zuletzt während ihrer Wanderung im Innern Neuholland's das Leben gefristet und einem von ihnen dasselbe erhalten hat. Eine ausführliche Darstellung wird H. in Pringsheim's Annalen veröffentlichen. Am interessantesten ist der Bericht über die directe Beobachtung des Befruchtungs-Aktes auf dem Vorkeime. Eine linsenförmige Schleim- masse, welche aus dem Archegonium hervorbricht, öffnet den Hals desselben; die aus ihren Zellen hervorgeschlüpften Samenfäden sah H. je 1, höchstens 2 im Halse des Archegonium's verschwinden. Mehr erhielten nie zu einem Archegonium Ziilritt; sie wurden durch ein nicht naciiweisbares Hinderniss zurückgewiesen. Inzwischen sind «lie jungen Nardoo-Pflanzen kräftig herangewachsen, ich erhielt durch AI. B raun herrliche Exemplare mit Früchten. — Das sehene Aspidium remotum, das man bisher nur aus Baden kannte, ist mir nun von AI. Braun auch aus der Gegend von Aachen mifgetheilt worden. AI. Braun hält diese Pflanze jetzt für eine Form von Aspidium Filix mas, und es fiel damit auch die Scheidewand zwischen Aspidium spinulo- sum und A. Filix tnas, wie sie zwischen A. cristatum und A. spinulo- sum bereits gefallen ist. Neulich untersuchte ich die var. caespitosa von Equisetum Telmateja anatomisch und war nicht wenig erstaunt, die 12 kantigen secundären Stengel mit Spaltöffnungen bedeckt zu finden, welche 6 bis 10 Zellreihen bedeckten. Damit fällt die Unnatur noch mehr in die Augen, Avenn man E. Telmateja wegen der spaltöff- nungslosen Stengel zum Typus einer besonderen Gruppe erheben will. In dem Archiv des Vereines der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg 1863 p. 268 wird ein Bastard von E. Telmateja und E. palustre, von Jasmund stammend, erwähnt. Herr Zabel aus Wolgast hatte die Freundlichkeit, mir diesen vermeintlichen Bastard zur An- sicht zu schicken. Es war Nichts als eine sehr robuste (12 kantige) Form von E, palustre, an der die Asthülle nicht glänzend schwarz, wie sonst, sondern schwarz mit braunem Rande gefärbt war. Equise- tum litorale Kuehlew. habe ich nun auch aus Lappland gesehen; ich fand es unter E. palustre und E. art/ense, von Angström bei Kengis in Norbotten gesammelt, in einer zwergigen Form. Von dem klassi- schen Standorte der Welwitschia schickt mir Wel witsch eine schöne Equiseten-Form zur Untersuchung, die sich als E. ramosissi- mum var. Burchellii (E. Burchellii Vaucher} erwies. Die seltnen nordischen Botrychien - Species B. lanceolatum Angstr. und B. boreale Milde sind neuerdings vielfach in Lappland gesammelt und mir mit anderen auch mitgetheilt worden; von Lappländischen Exem- plaren des B. crassinervium sah ich wenigstens Zeichnungen. Noch vor wenigen Tagen sind meine Meraner Novitäten um eine wieder vermehrt worden, nämlich eine monoecische Dicranella mit am Rande 19 auch auf dem Rücken gesägten Blatlern; sie wächst in Gesellschaft des Canipylopiis subulatus, aber weit seltner als dieser, an den heisse- sten Abhängen um Meran; wahrscheinlich fructificirf sie im Mai; ich sah von ihr nämlich nur ganz unentwickelte Früchte. Mir geht es, Gott jfcei Dank, recht gut; ich kann meinem Amte wieder vorstehen und wünsche nur, dass es so bleiben möge. Dr. J. Milde. Walldürn in Baden, den 30. November 1864. Von der im Allgemeinen nur vereinzelt und immer seltener vor- kommenden roj^MS 6acco/a findet sich, nach neuesten BeobachluMiren. im Höllenthale is- Arten entwickelt, am schwächsten bei H, tunicalus Vent. aus Guiana, am schönsten und weilesfen bei H. apeciosus aus Java. Hinsichtlich der Entstehung und Bedeutung dieses Schleiers bemerkt der Sprecher, dass leider darüber noch gar nichts von den exot. Arten beobachtet wurde, und was sich hierüber angeben liisst, kann man bloss aus dem Vergleiche mit der Entwickelungsgeschichte einheimischer Arten, namentlich aus den Ar- beiten von Micheli, Corda und De Bary schöpfen. Indem der Vortra- gende nun diese Entv^'icklungsgeschichten erörtert, komn)t er zu dem' Schlüsse, dass der Schleier der Uymenophallus-Xv[en ein auch bei unseren Phalloideen in der Anlage vorhandenes Gebilde sei, welches sich bei jenen nur mächtiger entwickelt hat und bleibend wurde, und dass schliesslich dieses Merkmal vielleicht nicht genügen dürfte, eine eigene Gattung zu gründen. — Sodann übergibt der Vortragende einen Nachtrag zur Flora von Jglau in Mähren von Schwärzt. — J. Kern er übergibt im Namen seines Bruders Dr. A. Kern er einen Be- richt über die Reise, welche letzterer mit A. v. Ebn er nach Krain und Isirien wegen Feststellung von Pflanzenformationen im verflos- senen Sommer unternommen hatte. X. — Im chemischen Laborafori um der VViedener Oberreal- schule in Wien wurde von Professor V. Kletzinsky eine Versuchs- reihe über die Gewinnungsmethode der Cellulose, des reinen Pflan- zenfaserstofTes aus verschiedenartigen Gewächsen, welche namentlich im Hinblicke auf die fortdauernde ßaumwollenkalamität und die unbe- friedigenden Resultate des Maisfabrikates unternommen und gab bei der Weidenrinde den Stängein der Asciepiadeen und dem gewöhnli- chen Rasengrase überraschend schöne Faserstoffprodukle und führte zur Aufstellung folgender schematischer Methode, die mit korrespon- dirender Veränderung der Zeitdauer, Intensität und Wiederholungen der einzelnen Operationen für die Reindarsteilung des Faserstoffes 27 aus sämnilllchon Vegefabilieii passend befunden wurde. Die zum Ver- suche oder zur Darslellung des FaserstolTes beslimtulen Vegetabilien >verden je nach ihrer Derbheil oder Zartheit mit 2 — 10'%, (ihres Ge- wichtes) conc, Laugenessenz dig^erirt oder macerirt. Diese Lau- genessenz ist aber vorher zur Hälfte mit Chlorgas gesiitligt worden, was am kichteslen so auszuführen ist, dass man die ganze Menge der disponiblen Laug-enessenz (von 136 spez. Gew., einem Gehalle von 26% anNalriumoxyd oder 83%% Nalrouhydrat) in zwei gleiche Hälf- ten theilt, die eine Hälfte vollsliindig- mit Chlorgas auf bekannte Weise sättigt, und hierauf die andere Hälfte zumischt. Dieses Gemisch be- sieht dann aus 12V4% Kochsalz, 15V2% unterchlorigsaurem Nairon (Bleichnalron Na Cl 0) (13% Natriumoxyd) 16V4% Natronhydrat (Aetznatron) und 55V2% Wasser. Dieses Gemisch mag Javellesche Aelzlauge oder Aetzbleichlauge heissen. Der durch 10 Stunden in der Kälte mit 2 — 10% seines Gewichtes Bleichätzlauge macerirte Stoff wird hierauf mit der nölhigen Menge Wasser übergössen, die zu seinem gänzlichen Eintauchen erforderlich ist, und je nach seiner Zartheit oder Derbheit, je nach dem Grade seiner bereits durch kalh; Maceration erreichten Aufschliessung durch Va— 5 Stunden unter Er- satz des verdampfenden Wassers im Wallsud erhalten (Röstsud). Die gewöhnlich grünlich braungefärbte Lauge ist dadurch nicht erschöpft und kann zum Vorbleichen oder Maceriren neuen Pflanzenstoffts ver- wendet und so vollständig ausgenützt werden. Der aus der heissen Lauge herausgenommene, etwa durch Metallsiebe geschöpfte Pflan- zenstoff wird nun mit 1 — 2% seines ursprünglichen Rohgewichtes an kaller, frischer ßleichälzlauge übergössen, und nach guter Durch- Iränkung im Freien oder unter einem gut ziehenden Schlotte mit der zur gänzlichen Bedeckung erforderlichen Wassermenge übergössen, welcher 1 — 2% vom ursprünglichen Gewichte des rohen Pflanzenstof- les rohe käufliche Salzsäure (circa 30%ige) zugesetzt wurden (Bleichbad). Hierauf wird der gebleichte Faserstoff in fliessendem \> asser (in Siebbutten oder Reitern) gespühlf, ausgerungen und nach dem Ucberlrocknen an der Lull mit einer kalkbereiteten gesättigten 10%igcn Lösung von doppellkohlensaurem Nairon bis zur Sättigung getränkt und abermals an der Luft im Schalten getrocknet. Dieser trockene, mit Natronbikarbonat imprägnirte Faserstoff kommt nun auf deuBoden einer Kufe, wird daselbst mit einem durch Steine beschwer- ten oder sonst wie am Auftrieb oehinderten Lattengilter bedeckt und sofort mit einer sehr verdünnten Salzsäure oder Schwefelsäure derart Übergossen (1 — 2 Pfund der Säure per Eimer Wasser), dass die Flüs- sigkeit weit über den falschen Latlengillerboden bis nahe an den Rand der Kufe reicht. Das die trockenen Fasern allmälig durchdrin- gende Sauerwasser macht in den Fasern aus dem dieselben impräg- nierenden starren Bikarbonate reichlich Kohlensäure frei, die in Bläschenform die Fäserchen zerschlitzt, sie als adhärirende Schwimm- blase zum Auftrieb nölhigt, sie durch das Lattengitter hinaufzuschlü- pfen zwingt, und sie als lockeres Vliess auf die Oberfläche der Kufe emporhebt (Hechelbad). Nach dieser Prozedur wird der Faserstoff in 28 fliessendem Wasser rein gespühll und getrocknet. Auf solche Weise hat Kletzinsky aus den Stäng-eln der Asclepias syriaca, welche vielleicht als Seidenwolle in naher Zeit die Aufmerksamkeit der Industriellen auf sich ziehen wird, eben so wie aus der Weidenrinde (von mehreren Salix - Arten) einen verspinnungsfähigen blen- dendweissen, sehr zähen Faserstoff und aus dem gewöhnlichen Rasen- grase einen kurzen, sehr zarten Faserbrei gewonnen, welcher der Papierfabrikalion ein empfehlenswerther Rohstoff werden könnte. — In einer Sitzung der schlesichen Gesellschaft für vaterländische Cultur in Breslau, botanische Section, am 20. October 1864, hielt Prof. Dr. Göppert eine Rede zum Andenken eines seiner ausgezeichnetsten Schülers, des Dr. Wilhelm Kabsch, der bekanntlich im vergangenen Sommer, fern von der Heimalh, ein Opfer seiner wissenschaftlichen Forschungen geworden ist. Prof. Fer- dinand Cohn knüpfte daran nachstehende biographische Mittheilungen über diesen der Wissenschaft viel zu früh entrissenen jungen Gelehr- ten, in dem auch er einen Freund und Schüler verloren hat: Albert Walter Wilhelm Kabsch wurde am 25. September 1835 in Bres- lau geboren, wo sein Vater Beamter am hiesigen königl. Provinzial- Steuer-Directorat war. Schon als Knabe entwickelte er einen auffal- lend regen Geist; auf dem hiesigen Elisabeth-Gymnasium, das er bis zur Secunda besuchte, machte sich in Folge des anregenden Unter- richts des Prof. Körb er früh eine ganz besondere Vorliebe für die Naturwissenschaft bei ihm geltend, und er benutzte die meisten freien Erholungsstunden zu botanischen Ausflügen. Diese Neigung bestimmte ihn auch, die pharmazeutische Laufbahn zu ergreifen, aus der nament- lich in Schlesien von jeher und bis in die neueste Zeit ausgezeichnete Vertreter der Naturwissenschaften hervorgegangen sind. In seinem 16. Lebensjahre trat er seine Lehrzeit in Hirscliberg bei den Apothe- kern Dausel und Gross mann an, bei denen er 4y2 Jahre blieb. Die reiche Flora des benachbarten Riesengebirges, die er mit vollem Eifer ausbeutete und in einem sorgfältig angelegten, umfangreichen Herba- rium sammelte, gab seiner Liebe für die Pflanzenwelt reichliche Nah- rung, wie er auch schon in dieser Zeit durch Selbstsludiuni sich eine wissenschaftliche Grundlage in Botanik und Chemie zu verschaffen auf das ernsteste bestrebt war. Der Wunsch, auch andere Gegenden un- seres Vaterlandes kennen zu lernen, veranlasste ihn im Sommer 1856 in Franzburg in (Pommern), im Winter 1856 in Siegen (Westfalen), und im Sommer 1857 zu Bacharach am Rhein Stellen anzunehmen, wo er in der ihn umgebenden Fülle von Naturschönheiten eine glückliche Zeit verlebte. Von da trat er auf ein Jahr in die Apotheke des Dr. Lucanus in Halberstadt. Ueberall, wo er gearbeitet, folgte ihm der Ruf seltener Pflichttreue und die Anerkennung seines wissenschaftli- chen Strebens. So kam er im October 1858 nach 'ly-ijährigev Abwe- senheit nach Breslau zurück, wo er seiner Militärpflicht in der hiesigen Lazarethapotheke vom October 1858 — 59 genügte, und gleichzeitig seine Studienzeil an der Universität antrat. Mit hingeben- dem Fleisse erwarb sich Kabsch nunmehr tüchtige natur wissen- 29 schafllicho Durchbildung und lernte insbesondere das Gebiet der Bolaiiik gründlirh beherrschen. Noch nach Ableistung des pharma- zeutischen Examens im Jahre 1860 blieb er in regem Verkehr mit seinen Lehrern, und arbeitete als Assistent bei Löwig, Göppert und Colin; dem Letztern assistirte er auch bei dessen Untersuchun- gen über contraclile Gewebe im Pflanzenreiche. Sein Wunsch war, sich der Wissenschaft ganz widmen zu können; doch die Verhältnisse nöthigten ihn, im März 1861 eine Stelle in einer Apotheke in Ham- burg anzunehmen, freilich mit der HolFnung, von hier aus leichter Gelegenheit zu einer wissenschaftlichen Reise in fremde Welttheile zu finden. Dies schlug fehl; doch benutzte er seine spärliche Alusse zu einer vortrelllichen anatomischen und physiologischen Untersu- chung über die Bewegungserscheinungen iui Pflanzenreiche, insbe- sondere bei Stf/tidium und Hedysarum gyrans. (Bot. Zeitung 1861), nachdem er schon vorher seine in Breslau gemachten Beobachtungen über die Reizbarkeit der Geschlechtsorgane, insbesondere von Ber- beris bekannt gemacht hatte. Im April 18fi2 ging Kabsch nach Zürich, um eine Stelle an der Cantonspital-Apotheke anzunehmen, und sich gleichzeitig an der dortigen Universität als Privaldocent zu habilitiren; nachdem eine Arbeit über die Lösliclikeit der Stärke und ihr Verhallen zum polarisirten Licht, ihm im August 1862 die Doctor- würde eingebracht hatte. Des Tages mit seinen ßerufsgeschäften, die ihm den Lebensunterhalt verschallen mussten, des Nachts mit Studien beschäftigt, war die ganze äussere Anspruchlosigkeif, die aufopfernde Begeisterung und die eiserne Energie des jungen Mannes erforderlich, um noch zu selbststäudigen wissenschaftlichen Arbeiten von hoher Bedeutung Zeit zu finden. Rasch hintereinander verölfenllichte Kabsch seine Untersuchungen über die Einwirkung verschiedener Gase und des lult\ erdüiinlen Raumes auf die Bewegungen im Pflan- zenreiche in der botanischen Zeitung von 1862 ; ferner über den anatomischen Bau des Holzes von Sucopira Assu und die Haare des Samenschopfs der Asklepiadeen, in der botanischen Zeitung von 18fi3; über die Vegelationswärme der Pflanzen in der Flora 1863, über die chemische BeschafTenheit der Eflanzengewebe im S.Bande von Prings- heims Jahrbüchern. Ferner schrieb er eine bis jetzt noch nicht gedruckte Abhandlung über Streptocarpus, und ein grosses Lehrbuch: das Pflanzenleben der Erde, welches so eben durch seinen Freund Berlepsch der OefFenflichkeit übergeben wurde. Um für dieses letz- tere Werk neues wissenschaftliches Material zu verschaflen, hatte er bereits im Sommer 1862 und 63 die schweizer Alpen vielfach bereist und noch im Frühjahr 1864 Excursionen nach dem Genfer-See und Wallis, ferner ins Wäggithal, in den Kanton Glarus, unternommen, und beabsichtigte zum Abschluss seiner Untersuchungen einen kurzen Ausflug in die appenzeller Berge, da er die Schweiz zu verlassen und nach Leipzig überzusiedeln gedachte, wo ihm günstige Aussichten eröffnet waren. Nachdem Kabsch am 17. Juli von Zürich abgereist und am 19. Juli glücklich den Saenlis bestiegen, unternahm er am folgenden Morgen allein bei herrlichem Sonnenschein die Besteigung 30 des Hohen-Kaslcn, eines 5538' liohon, felsig^en, aber jährlich von Tausenden wegen seiner schönen Aussicht erstiegenen Berges. Ein Nebel, der ihn bald darauf einhüllte, mochte ihn den rechten Weg- verfehlen lassen : dann um Mittag fanden Hirtenknaben, aufmerksam gemacht durch den Glanz seines niessingnen Aneroidbarometers, ihn todt in seinem Blute liegend, nachdem er wahrscheinlich von einer steilen Halde ausgeglitten und über eine mehrmals gebrochene Fels- wand von mehr als 100 Fuss hinabgestürzt war. Sein Notizbuch, das bei ihm lag, bewies, dass er bis zu seinem letzten Augenblick mit pflanzengeographischen Forschungen, Bestimmungen von Höhengren- zen, Ouellentemporaturen etc. beschäftigt gewesen war. Seine Leiche wurde durch Vermittlung seines aufopfernden Freundes von Ber- lepsch unter allgemeiner Theilnahme der ganzen Bevölkerung auf dem Friedhofe zu Pluntern bei Zürich beerdigt. Unter den Märtyrern der Wissenschaft, von denen namentlich die Pflanzengeographie schon so viele kostbare Leben in Anspruch genommen, verdient Kabsch um so mehr einen ehrenvollen Platz, als derselbe noch in jungen Jahren unter schwierigen äusseren Verhältnissen Bedeutendes gelei- stet, und sein Gedankenreichthum und seine Geistesklarheit, verbun- den mitstrengerwissenschaft lieber Methode, noch Grösseres versprach : die seinen braven Charakter und die Tiefe seines Gemüthes kannten, wissen, dass er auch ein vorlrefTlicher Sohn und ein treuer Freund gewesen ist. — Dr. Göppert beantragt, von Seiten der Gesellschaft ein Archiv der schlesischen Flora anzulegen, wo Alles, was in Bezug auf diese gesammelt und geschrieben wird, niedergelegt, und insbe- sondere die in der Provinz angefertigten Lokalfloren zur Benützung für künftige Forschungen aufbewahrt werden sollen. Als Anfang zu diesem Archiv überreicht derselbe einige bisher in seinem Besitze belindliche Manuscripte, insbesondere: Albertini, Flora von Gna- denfrey und die Kryptogamen von Gnadenberg; Un verrieb», Flora von Fürstenstein; ßeilschmidt, Flora von Ohlau und ßeuthen a. 0. Die geehrten Botaniker der Provinz werden ersucht, diese Sammlung durch ihre Beiträge gütigst zu vermehren. Kaufmann Milch zeigt eine mexikanische Selaginelta lepidophylla vor, welche ähnlich der Rose von Jericho durch Trocknen sich kugelig zusammenrollt, im Wasser aber zu einem frisch grünen Busch sich ausbreitet. — Prof. Cohn, hält einen Vortrag über Dictyota dichotoma von Helgoland, welche derselbe, trolz der olivenbraunen Farbe des Laubes, zu den Florideen zählt, da sie die charakteristischen Fruchtformen dieser Algenklasse: Antheridien , Vierlingsfrüchte, und vielsporige Kapselfrüchte auf getrennten Individuen (Trioecisch) trägt. Die Entwickelungsge- schichle dieser Alge wurde nach Beobachtungen im letzten Herbst, welche die Arbeilen von Thuret undNaegeli ergänzen, und mit Hilfe eigener Abbildungen erläutert. F. Cohn. — in einer Sitzung der schlesischen Gesellschaft iür vaterländische Cultur, in Breslau, naturwissenschaftliche Section am 19. October hielt Prof. Ferdinand Cohn einen Vortrag über die Gesetze der Bewegung mikroskopischer Thiere und Pflanzen unter Einfliiss des Lichtes, aus welchem nachstehende Hauptergeb- nisse hervorgehoben werden: 1. Die grünen mundlosen Infusorien (Flagellaten) und die Zoosporen der Algen zeigen die nämlichen Bewegungserscheiniingen, welche nur scheinbar den Charakter des Bewnsslen oder Willkürlichen an sich tragen, in Wahrheit aber von ganz bestimmten Gesetzen geleitet werden. 2. Im Zimmer und überhaupt da, wo das Licht nur von einer Seite einfallt, bewegen sich die in einem flachen Tropfen, z. B. auf einem Objectglase aufbewahr- ten grünen Organismen stets nach dem der Lichtquelle zugewendeten Rande des Tropfens. Im Freien dagegen, wo das Licht allseitig ein- fällt, findet eine Bewegung nach einem bestimmten Rande nicht statt. 3. In einem Wassercylinder bewegen sich die Organismen bei gewöhn- licher Tagesbeleuchtung von oben stets aufwärts nach der Oberfläche i\ea Wassers, und zwar im Freien gleichmässig (Wasserblüthe); bei einseitiger Beleuchtung nach dem zur Lichtquelle gewendeten obern Rande. 4. Fällt das Licht dagegen von unten, oder nur von einem Funkle in der Seitenlinie des Wassercylinders ein, so bewegen sich die Organismen im ersleren Falle abwärts, im letztern seitwärts der Lichtquelle entgingen. 5. Durch reflectirles (Spiegel-) Licht lassen sich die Organismen nach jedem beliebigen Punkte hin bewegen, indem sie z. B. in einem Tropfen auf einem Objeciglase bei parallel von unten einfallenden Strahlen (Beleuchtung- durch den Spiegel des Mikroskops) sich nach dem Boden begeben, bei schii'fer Stellung des Spiegels nach dem entsprechenden Rande des Tropfens. 6. Aus die- sen, wie aus einer grossen Zahl analoger Versuche ergibt sich, dass die Bewegung der grünen Organismen zunächst von der Richtung der einfallenden Lichtstrahlen bestimmt wird. Sie bewegen sich der Licht- quelle entgegen, der Richtung der Lichtstrahlen entgegengesetzt: sie werden, wie wir uns auch ausdrücken können, von der Lichtquelle geradelinig angezogen. Scheinbare Abweichungen von diesem Gesetz werden nur durch die Gestalt des Wassers, in dem sie sich belinden, bedingt. 7. Die grünen Pflanzen und Thiere zeigen ein polares Ver- halten gegen das Licht; sie stellen sich stets so, dass die eine Kör- perhälfte, gewöhnlich durch die Abwesenheit des grünen Farbstofls (Chlorophylls), wie durch die Anheftung beweglicher Geissein und nicht selten auch durch einen rothen Pigmentfleck (sogenanntes Auge) ausgezeichnet und desshalb als Kopf bezeichnet, der Lichtquelle sich zukehrt, während die grüne Hälfte von ihr abgewendet wird. Bei Aus- schluss des Lichts findet keine bestimmte Stellung statt. 8. Auch die Rotation um die Längsachse, welche stets die Bewegung der grünen Organismen begleitet, wird vom Licht bestimmt. Während im Dunkeln die grünen Organismen sich ebenso gut von rechts nach links, als von links nach rechts drehen und oft mit diesen Richtungen abwech- seln, wird durch das Licht bei ihnen eine bestimmte Drehungsrich- tung inducirt, bei den von mir bisher studirten Arten entgegengesetzt dem Laufe des Uhrzeigers, aber gleichläufig der Rotation der Erde (wenn der Nordpol als oben betrachtet wird. 9. Xur die stärker brech- baren Strahlen bewirken die hier berührten Bewesrunffserscheinun- 32 gen; die schwächer brechbaren, ohne chemische Thäligkeit, verhallen sich wie Abwesenheit des Lichles. Die Organismen werden am slärk- sfen von den blauen Lichtsirahlen angezogen, während die rothen sich wie totale Finsterniss verhallen. 10. BringcMi wir diese Gesetze mit der Organisation der Organismen, welche sämmllich eine grüne und eine farblose Hällle (Kopf) besitzen, wie mit der Eigenschaft der Chlorophylls, Einwirkung der Lichtsirahlen gewisse chemische Thäligkeiten, insbesondere die Zersetzung der Kohlensäure und die Ausscheidung von Sauerstoff zu bewirken, in Verbindung, so wird es wahrscheinlich, dass alle diese Bewegungsphänomene, soweit sie durch das Licht inducirt sind, mit den chemischen Lebenslhätigkei- ten dieser Körper in Zusammenhang stehen. Grube, Roemer. Botanischer Tauschverein in Wien. Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Kastropp in Sallniünsler, mit Pflanzen aus Kurhessen und Hannover. — Von Herrn Breidler in Wien, mit Pfl. aus Niederösterreich. — Von Herrn Pfarrer Matz in Höbesbrunn , mit Pfl. aus Niedei Österreich. — Von Herrn Laciiovv itz in Berhn, mit Pfl. aus Preusseii. — Von Herrn Professor Weiss in Lemberg, mit Pfl. aus Galizien. — Von Herrn Oberstit. v. Sonklar in Wiener-Neustadt, mit l^fl. aus Tirol und Niederöster- reich. — Von Herrn Petter in Wien, mit Pfl. aus Istrien und Niederöslerreicl). — Von Herrn Dr. Lagger in Freiburg, mit Pfl. aus der Schweiz. — Von Herrn D älterer in Berlin, mit Pfl, aus Preussen. — Von Herrn Pfarrer Grundi in Dorog, mit Pfl. aus Ungarn. Inserat. Verlag von E. Morgensteru in Breslau. Soeben ist in meinem Verlage erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben in Wien durch C. Gerold's Sohn, Stephansplatz Nr. 12: Die BastardbefruclitiLiig im Pflanzenreicli erläutert an den Bastarden der AVeiden von Max Wichura, königl. Regierungsrath. Gr. 4". Geheftet. t2*/j Bogen mit zwei Tafeln in Naturselbstdruck. Preis: 4 fl. 80 kr. E. Morgenstern Buchiiandlung (fr. j^ixg. Scliulz «Sc Co.) in Breslau. Redakteur und Herausgeber Dr. Alexander Skolitz. Verlag von C. Oerold. Druck von C. Ueberreuter. OesteiTcichisclie BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. Gemeinnütziges Organ für itie nsterrcichicciie Exemplare, butMiiiüche Zeltsclirirt ßA^IIIllr nn<1 Rni'anilfAl* die frei durcli diePost be- erscheint DOiaUlK UDU DOiaOlHer, zofen^erdensoUenslnd d«!i Ersten jeden Monats. blo« bei der Hedakllon ■::tt"r«."3Tu::"o:Iriv!»:-- ^ 34 oblusulis, siipreniis brevibus cum terniinali breviler apiculato-cuspi- (lulato aequepradiictis. Spathae tubus oblongo-ovoideus, exlus flavo- virens, intus albus. Ovaria flava. — Patria? S y n n. Philodendr. pinnatißdum H o r t o r. Observ. Petiolus Fb. pinncitifidi anguste-canaliculatus, lainina foi. tenuiter-charlacea, utrinque nitida, spathae tubus extus rubro- purpureus, Ovaria purpurantia..^ x ix >j Colobogynium S. Spathae tubus persistens, lamina navicularis, tandem rechisa et cum spadicis parte luascula decidua. Spadix dense- contiguiflorus, int'ra Ovaria pistillodiis, spicatim coordinatis, supra Ovaria antherarum spica etsupra antherasstaniinüdioruuispicateretius- cula onustus. Pistillodia substipitata. Ovariarum spica pistillodiis destituta. Antherae loculi ante et posl pollinis emissionem connecti- vum superantes. Staminodia prismatica. Colobogynium tecturatum S. Acaule,circumcirca turiones plures uni vel bifolias emitteus, Petiulus 3 — 4 pollices longus, antice depla- natus, obsolete margiualus, basi vagina latiuscula brevissima auctus. Lamina fol. oblongo-lauceolala, 5 — 7 poll. longa 1% — 'iV^ poll. lata, basi obtusata vel fere rotundata, apicem versus sensim anguslata et longe-cuspidata, supra atroviridis, nitida, secus costam plaga lata glauco-albida pennatini deliquescente picta, infra saturate ex glauco viridis. Pedunculus vix 2-puilicaris. Spatha 1% poll. longa extus glauco-viridis. longitudinaliter et approximate safurate-striata. intus in tubo pallide-glaucae estriata. in lamina pallide flavo-virens. Pistil- lodia sulfurea. Ovariorum spica cylindrica. Antherarum gilvarum spica quam feminea longior. Staminodia palliilius gilva. — ßorneo. S y n on. Schismatogtottis cariegata H o o cke r. Spaticarpa cornuta S. Lamina fol. ex ovato-cordato-haslata vel subhastafa, apice arcuatim-angustata, lobis posticis sinu aperto vix prol'undiusculo disfantibus, oblique-ovatis. exitu exirorsis. Venae in- terlobares aperfe, inferne rectiuscule, apice arcuatim, ut pseudoneura media, productae, venis coslalibus infimis pseudoneura intimae, inter- dum interrupta formanlibus comitatae, loborum posticorum rectangule exsertae , arcuatae , extima pseudoneura constituentes. Pedunculus füliis longior. Spatha elongato-Ianceolata, utrinque sensim angustata, inferne longissime decurrens, apice subula semipollicari aucta. Syn- nectivi pileus 2—3 — -4-partitus, parfilionibus subhorizontaliter pro- curvis, subtereti-conoideis, obtusis corniformibus. Antherae e sinu- bus pilei ex toto fere prominulae. — Parä. ElopiiimS. Spatha decidua. Spadix sessilis. Plstilla 3 — 4 — 5- locularia, astyla, stigmate rotundato, 3—4 — 5-crenato. Ovarii locula- menta multiovulata, ovulis anatiopis,superposite pluriserialibus,longe- funiculatis. Stamina 4. Baccae loculamentis polyspermis, seminibus Omnibus surrectis. Semen singulum praelonge-ellipsoideum, exacte anatropiim, rectum, albuminosum, funiculo longo rliapheos ope a niycropyle laterali fiindispectante ad hilum tliolispectantem usque produclo. 35 Frulices scaiulenles, raniis lelrag-onis, geiumis oxtraaxillaribus. Folia integerrima nuiltivenia, vaginis petiolaribus inarcescentibus. Rha- plikles in baccis nullae. Observ. Vox derivata ab tXoip, serpens innocua. Elopiiim Surinamense S. Petiolus vagina latiiiscula nivea deli- quescenle aiicfus, antice canaliculatus. Lamina fol. elliplica vel ellip- lico-oblonga, apiculo lenui niox sphacellato terminala, basi subobluse- cuneata, subcoriacea, supra laete-, vel subatro-viridis, infra-pallide ex glaucü viridis, venis patenlibus obtectis luimerosis. Pediinciilus vix ullrapollicaris. Spatha anlice decurrens. Spadix subbipollicaris. — Siirinama. Synon. Änthurium Surinamense Mi que\. Schönbriinn, den 16. Janrier 1865. Gute und schlechte Arten. Von A. Kerner. II. Es lag nahe, die günstige Gelegenheit, welche sich mir in Tirol dargeboten hat und hoirentiicli noch recht lange darbieten wird zu benützen, und hier jene im Früheren angedeuteten An- sichten über „gute und schlechte Arten^, welche sich mir im Osten und Westen unseres orographisch, geognostisch und klimatisch so reich gegliederten Landes aufgedrängt hatten, auch auf experimen- tellem Wege zu prüfen. In der That habe ich auch diese Gele- genheit nicht ganz unbenutzt vorübergehen lassen und eine Reihe von Versuchen in Angriff genommen , von denen ich hoffen darf, dass sie schliesslich über manche die Umwandlung der Form be- treffende Verhältnisse Aufklärung zu geben im Stande sein werden. Zunächst schien mir die Frage von grossem Interesse zu sein, in wie weit die See höhe die Form der Pflanzen umzuändern ver- mag, — Dass nämlich nicht wenige unserer auf den Felsenzinnen und Halden des Hochgebirges heimische Pflanzen nichts anders als Parallelformen gewisser Thalbewohner seien, ist männiglich bekannt. Viele Alpinen figuriren ja bekanntlich schon längst in unseren Bü- chern als „schlechte Arten" und werden je nach dem Geschmacke der verschiedenen Autoren als Subspecies , Varietäten oder Lusus den zunächst verwandten Thalbewohnern angehängt. Viele andere hat man freilich bisher noch ungeschoren lassen und als „gute Arten" angenommen; wird aber in dem Grade als man die Flora unserer Berge mehr und mehr kennen lernt und unbefangener be- trachtet, zu der Ueberzeugung gelangen, dass auch sie nur als Parallelformen gewisser Thalbewohner aufgefasst werden dürfen. 3 * 36 Wenn wir nun solche Parallelformen mit einander vergleichen, so ergibt sich uns das Resultat, dass die Bewohner der Alpenregion von den verwandten Formen der Ebene sich zunächst durch Verkür- zung der Internodien, geringe Entwicklung der Laubblälter, Ver- grösserung der Blumenkronen und Früchte und durch dunkleres Kolo- rit der Blüten und Samen unterscheiden. Der Gang der Meta- morphose erscheint demnach an den Pflanzen der Alpenregion abgekürzt, die reproduktive Sphäre tritt in ihnen mehr in den Vordergrund , während die Bildung vegetativer Organe mehr im Hintergrunde bleibt. — Welche Faktoren mögen nun wohl diese eigenthümlichen Umwandlungen hervorbringen. Ist es, wie man ge- wöhnlich angenommen hat, das geringere Wärmemass und der ge- ringere Luftdruck der Alpenregion, welche diese Aenderungen be- dingen? — Ich glaube keiner von diesen beiden Einflüssen. Sehen wir doch viele Frühlingspflanzen unserer Tiefregion mit einem sehr geringen Wärmemass ihren jährlichen Lebensoyclus abschliessen und nachträglich einziehen, um in einer Art Sommerschlaf zu ver- harren, ohne dass sie desswegen zu Grunde gehen. Warum sollten nicht auch die Alpinen sich im Thale ähnlich wie jene Frühlings- pflanzen benehmen können. Anderseits ist ja die Pflanzenwelt der ebenen niederen Polarlandschaften, welche in so vielen Stücken mit unserer alpinen Pflanzendecke übereinstimmt, dem Drucke der- selben Luftsäule ausgesetzt, welcher auf den Pflanzen unserer süd- licher gelegenen Flachländer lastet, und viele unserer Hochalpen- pflanzen gedeihen dort auf den Geländen, die sich hart am Meeres- strande hinziehen, dennoch ganz in derselben Form, mit der sie sich auf unseren Hochgebirgen in der Seehöhe von 5000 — 90Ü0 Fuss wiederfinden. — Meines Erachtens kann man auch der Ursache, welche die eben angedeuteten Aenderungen der Pflanzenformen im Hochgebirge bedingt, nur auf die Spur kommen, wenn man einen Blick auf die Polarlandschaften wirft und die Analogien berücksichtigt, welche sich zwischen den auf die Pflanzenwelt Einfluss nehmenden Faktoren hier und dort ergeben. Als eine der wichtigsten Analogien scheint mir nun jedenfalls die langdauernde Einwirkung des Lichtes auf die aus dem Winterschlafe erwachenden Pflanzen hervorgehoben werden zu müssen. Unsere Alpenregion hat zwar nicht das wochen- lang ununterbrochen einwirkende Sonnenlicht und die Mitternachts- sonne des Polarsonuners aufzuweisen, aber da der Frühling in der Hochgebirgsregion unserer Alpen erst im Juni, also zur Zeit der längsten Tage anbricht, so ist auch dort die Pflanzenwelt bei ihrem Erwachen aus dem Winterschlafe täglich durch 15 — 16 Stunden dem Lichte ausgesetzt. — Da nun aber erfahrungsgemäss das Licht die reproduktive Sphäre der Pflanzen mehr anregt und den Gang der Me- tamorphose abkürzt und da weiterhin dieses rasche Zueilen zur Blülhen- und Fruchtbildung für die Pflanzen der polaren und alpinen G-elände der normale Entwicklungsgang ist und die nächste Ursache ihrer zwergigen wenigblätterigen grossblüthigen Form bildet, so sind 37 wir wohl auch zu dem Schlüsse berechtiget, dass in letzter Linie die lange Ingliche Lichfdauer des Alpenfrühlings diese charakteristische Form der Alpenpflanzen veranlasst i). Wie weit aber geht dieserEinfluss? Wieweit geht die Schmieg- samkeit der Pflanzenwelt; wie weit kann durch Verlängerung der Lichldauer während des Erwachens aus dem Winterschlafe die Form einer Pflanze geändert werden ? Nur Versuche werden diese Fragen zur Entscheidung bringen können. — Bisher liegt aber nur wenig Brauchbares in dieser Rich- tung vor, und die wenigen Arbeiten die vorliegen, wurden nur im landwirlhschafllichen Interesse in Angriff genommen. Die interessan- testenAngaben verdanken wir jedenfalls dem unermüdlichen Professor Schübeier in Christiania, welcher zuerst auf die Umänderungen aufmerksam machte, welche die Pflanzen erleiden, wenn sie in nörd- licheren und südlicheren Breiten, beziehungsweis(i unter dem Ein- flüsse eines länger oder kürzer dauernden Lichteinflusses herange- zogen werden. Er fand, dass die Samen in einer verhällnissmässig desto kürzeren Periode zur Reife gelangten und dass die Samen desto schwerer und grösser wurden, je weiter nach Norden sie angebaut worden waren ■^). Hiemit stimmen auch Haberlandt's in jüngster Zeit angestellte Versuche wenigstens theilweise überein. Auch er fand, dass aus dem Süden bezogene Pflanzensamen in nördlicheren Gegenden verhällnissmässig mehr Körner und weniger Stroh und Stengel lieferten ^}, dass also in nördlicheren Breiten die vegetative Sphäre im Vergleiche zur reproduktiven Sphäre mehr in den Hinter- grund tritt. Nachdem Schübeier Samen einer und derselben Pflanze gleichzeitig in Breslau 51** n. Br., Christiania 60** n. Br., Throndhjem 63» n, Br., Sandtorv 68» n. Br. und Alten 70» n. Br. kultiviren liess und dann nachträglich die an diesen verschiedenen Orten gewonnenen Samen verglich, fand er auch, dass die Farbe der Körner desto inten- siver und dunkler wurde, je näher zum Pole die Kulturstätte gelegen war, und auf Seite 29 erwähnt Schübeier a. a. 0. : „wenn man die Originalbohnen (aus Montreal) mit den in Throndhjem (630 y\, Br.) aus ihres Gleichen entstandenen zusammenhält, so wird man schwer- lich glauben, das Produkt einer und derselben Pflanze vor Augen zu haben." Diese Resultate, so spärlich sie auch noch sein mögen, sind ge- wiss jetzt schon vom grössten Werthe und lassen uns vermuthen, dass analoge in grösserem Massslabe angestellte Versuche die wichtigsten Ergebnisse zu Tage fördern werden. Um nun zur Lösung der Frage: in wie weit ein alpiner *) Wir verweisen hier auf die ausführliche Behandlung der Lebensbedin- gungen der Alpenpflanzen in A. Kerner's „Kultur der Alpenpflanzen." Inns- bruck 1864. ^) Schübeier Kulturpflanzen Norwegens. Christiania 1862. S. 23 u. f. ') F. Haberlandt's Beiträge z. Frai;e"über die Akklimatisation d. Pflanzen. Wien 1864. S. 25. 38 Standort, beziehungsweise deiEinfluss verläng-er t e r Lichtdauer während der Vege tationsthätigkei t, die Er- scheinungsweise der Pflanzen zu ändern vermag-, das meinige beizutragen, habe ich im Jahre 1863 drei Versiichsgärten auf den Innsbruck zunächst liegenden Alpen an möglichst geschiifzten Stellen angelegt, und zwar den einen in der Seehöhe von 5000 Fuss auf der Nockspitze westlich von Innsbruck, den zweiten bei 6000 Fuss unter den Seegrubenspitzen in der Solsteinkette nördlich von Inns- bruck und den dritten bei 7000 Fuss Seehöhe auf dem Patscherkofel südlich von Innsbruck. Ausdauernde Pflanzen der Niederungen aus Ost und West und zwar vorzüglich Frühlingspflanzen, welche eine sehr geringe Wärmesumme bedürfen um zum Blühen zu gelangen, wurden hier eingepflanzt und zahlreiche Samen einjähriger Gewächse ausgesäet. Alljährlich sollen jetzt dort die allmälichen Veränderungen der Form nicht nur durch beiläufige Schätzung bestimmt, sondern in der Weise genau festgestellt werden, dass ein Theil der in den Ver- suchsgärten aufblühenden Exemplare getrocknet und mit den im Thale kultivirten Stammeltern verglichen wird. Eine zweite Versuchsreihe wurde in folgender Weise ausgeführt. Einjährige Pflanzen wurden in einem eigens zugerichteten Beete im Glashause im Herbste gesäet, so dasssie zur Zeit der kürzesten Tage zur Blüthe gelangten. Auf demselben Beete und unter möglichst gleichen Verhältnissen wurden aus den gleichen Früchten Samen im Frühling so ausgesäet, dass sie zur Zeit der längsten Tage ihre Blüthen öffne- ten. Die in beiden Perioden erblühten Exemplare wurden theilweise getrocknet und vergliciien und dadurch der Einfluss der Lichtdauer auf die Form der Pflanze ermittelt. Schon jetzt liegen mir nun mehrere durch diese Versuche ge- wonnene Resultate vor, welche meine im Früheren ausgesprochenen Vermuthungen nur glänzend bestätigen und mich zu der Hoffnung be- rechtigen, in nicht ferner Zeit in ausführlicherer Weise den Einfluss der Lichtdauer auf die Form der Pflanzen dem botanischen Publikum darlegen zu können. Innsbruck, den 14. Jänner 1865. Amerikanisches. Von P. Heuser. Endlich komme ich dazu, den lieben Freunden in der Heimath, von denen ich leider theilweise weder mündlich noch brieflich Ab- schied nehmen konnte, noch über das Weltmeer hinüber einen herzli- chen Abschiedsgruss zuzurufen und zugleich einige Mittheilungen zu machen, die auch für weitere Kreise nicht ganz uninteressant sein dürften. Als mir im Frühling dieses Jahres die Gewissheit wurde, dass 39 Amerika der Ort sei, wo ich fürs Reich Gottes arbeiten soll, säumte ich auch nicht lange diesen Plan auszuführen. Es hat immer etwas Schwe- res, die alte lieDe Heimath zu verlassen, um in fremdem Lande sich eine neue zu gründen, doppelt schwer ist es aber für den, welchen liebe Verwandte, langjährig erprobte Freunde, die ganze Neigung und Anhänglichkeit des Herzens an das theure Vaterland knüpfen, der alle diese Liebesseilo zerreissen soll, um einsam hinzuziehen in ein frem- des Land, wo keine Seele ihn liebt, noch kennt, einzig angewiesen auf Gott und die eigene Kraft. So erging es mir und doch wagte ich diesen von nicht wenigen missdeuteten Schritt, weil ich wusste, mein Gott ist mit mir und mein Vertrauen ist nicht beschämt worden. Im Februar verliess ich das mir so lieb gewordene Ebersdorf und im 3Iai langte ich nach längerem Besuch bei den ileinigen glücklich in Bremen an. Da alle Plätze auf Dampfschiffen schon auf mehrere Wochen im Vor- aus belegt waren, wagte ich es die Reise in der Cajüte eines Segel- schiffes zu machen, welches etwa 300 Auswanderer an Bord hatte. Keine Feder aber vermag die Leiden und Strapazen einer solchen Reise zu beschreiben, hätte Gott nicht unserem Capitän das Herz ge- rührt, dass er ohne die geringste Empfehlung mir aus freien Stücken und umsonst seinen Tisch und seine Cajüte zur Verfügung stellte, so weiss ich nicht, wie ich diese Beschwerden hätte tragen sollen. Ich habe auf meinen zahlreichen botanischen Reisen in den unwirthlich- slen Gegenden viel ertragen, aber solche Entbehrungen waren mir noch nie vorgekommen. Die Speisen, welche den Passagieren gereicht wurden, waren ohne Ausnahme verdorben, im Seewasser mit unend- lichem Schmutz gekochte Erbsen, Graupen etc. waren völlig unge- niessbar. Doch gereute es mich schliesslich nicht, die Reise per Segel- schiffgemacht zu haben. Ich habe manchem armen, an Leib und Seele kranken Auswanderer Erleichterung bringen dürfen, und meine Pre- digten, die ich auf des Capitäns Bitte allsonntäglich hielt, wurden mit wenig Ausnahmen von Passagieren wie Schiffsleufen sehr fleissig be- sucht. Auch zwei Todesfälle kamen vor, zwei Kimler frommer katho- lischer Eltern aus der Rheinprovinz starben und auf die Bitte der Eltern hielt ich einen feierlichen Gottesdienst. Nichts vermag das Er- greifende und Rührende einer Bestattung zur See zu schildern, auch die Rohesten vermochten die Thränen nicht zurückzuhalten. Nach achtwöcheatliclier langsamer aber glücklicher Fahrt liefen wir endlich am 18. Juli unter dem Gesänge „Nun danket Alle Gott" in den Hafen von New-York ein. Seereisen sind ja genugsam geschildert worden, ich habe mich darum kurz gefasst, ebenso will ich von New-York nichts weiter sagen, als dass einen_ das dortige Leben und Treiben fast betäubt. In der Greenwich- Street, nahe dem Landungsplatz, fand ich in Hubers Hotel ein vorzügliches, verhältnissmässig billiges Quar- tier, das ich nicht genug empfehlen kann, es ist das einzige reelle Gasthaus in dieser Gegend der Stadt, wie ich später hörte. Nachdem ich mich einigermassen erholt halte, setzte ich meine Reise nach Bethlehem in Pennsylvanien fort. Köstlich ist die ganze Gegend, welche man von New-York aus zu durchfahren hat, eine Ueppigkeit der Ve- 40 getation, wie ich sie bisher noch nirgends bemerkt hatte. Pennsylva- niens reiche Dörfer erinnern mit ihren alten Kirchen, deren spitzige Thürme weithin sichtbar sind, sehr an Deutschland, wenn auch seine Bewohner nur noch ein kaum versländliches Deutsch reden, in uel- chem wahrhaft Entsetzenerregenden Dialekt auch gepredigt wird, Bethlehem ist ein reizend gelegenes Städtchen an der Lecha-Wohyne, jetzt Lecha genannt, der alte Hauplplafz unserer amerikanischen Brüder- Gemeinen. In dem gastlichen Hause eines dortigen Bruders, an den ich einen Empfehlungsbrief hatte, fand ich sehr freundliche Aufnahme, aber meine Hoffnung eine sofortige Anstellung im ein- heimischen Missionsgebiet zu finden, ward leider getäuscht, man rielh mir als einem Grünen, so nennt man die eben erst Herüberge- kommenen, und der englischen Sprache Unkundigen erst eine Stel- lung als Lehrer oder Predigergehülfe zu suchen. Nachdem ich einige sehr frohe Tage in Bethlehem verlebt und besonders auch den dor- tigen Gottesacker mit seinen uralten historisch merkwürdigen Grä- bern besucht hatte, hier ruht der letzte der Mohikaner, welcher Coo- per den Grundriss zu seinem bekannliMi Roman lieferte, kehrte ich mit Empfehlungen von Bethlehem an die Brüder in New-York nach letz- terer Stadt zurück. Einer dieser New-Yorker Brüder nahm sich sehr freundlich meiner an und brachte mich in den nächsten Tagen nach Newark, einer grossen Stadt im Staat New-Jersey und führte mich ohne weiteres zu einem der dortigen deutsch presbyterianischen Pre- diger, welcher, wie er gehört hatte, einen Gehülfen im Predigtamt suchte. Obgleich derselbe schon vorher einen solchen engagirt hatte, also meiner Hülfe nicht bedurfte, ^\ urden wir doch auf das herzlichste und gastlichste empfangen. Mit dep Worten: „Du bist in guten Hän- den, ich muss nach Hause" verabschiedete sich der Bruder aus New- York von mir und ich war auf einmal mein eigener Herr, allein ohne eine bekannte Seele in einem fremden Hause unter Leuten, an die ich nicht die mindeste Empfehlung hatte. Der gute Pastor mochte meine Verlegenheit merken und stellte mir vor, dass in Amerika jedes Pfarrhaus eine Herberge für jeden Neuankommenden sei, da jeder aus Deutschland Herübergekommene aus eigner Erfahrung wisse, was es auf sich hat, hier ohne Freund, ohne Stütze in fremdem Lande sich eine Heimath zu gründen. Am folgenden Tage, einem Sonntag, hielt ich meine erste Predigt auf dem Festlande von Amerika in der Kirche meines gastlichen Pastors und besuchte sodann den anderen deutsch presbyterianischen Prediger Newarks, in dem ich zu meiner unbe- schreiblichen Freude einen ehemaligen Bruder fand. Nun war mir ge- holfen, er wollte mich nicht mehr fortlassen, bis sich etwas fände soll ich bei ihm bleiben, ein leiblicher Bruder kann sich nicht herzlicher freuen über den Besuch seines Bruders, als es bei ihm der Fall war. Bald erfuhren wir, dass in dem 3 Stunden entfernten Rahway der dor- tige deutsch reformirte Prediger einen Lehrer und Gehülfen im Pre- digtamte suche, wir fuhren mit der Eisenbahn dorthin und nach wenig Worten hatte ich in der Familie dieses treuen Knechtes des Herrn eine neue Hciuialh gefunden. Als ob der Herr mich mit Gnade über- 41 schütten wollte, fand ich in ihm nicht nur einen lieben Landsmann, einen Schlesier von Geburt, sondern auch einen ebenso tüchtigen als eifrigen Botaniker, Neffen des in der botanischen Welt rühmliclist be- kannten Dr. Heu gel in Riga. loh befinde mich Dank der Treue mei- nes Gottes nunmehr so wohl und glücklich in der neuen Welt, dass ich kaum weiss, wie ich genugsam Worte finden kann, den tiefen Dank meines Herzens dem Herrn meinem Gott auszusprechen. Seitdem habe ich wiederholte AuflToiderungen zu pecuniär besseren Stellungen ent- schieden abgelehnt und gedenke so lange, als mir Gott nicht klar und deutlich einen anderen Wirkungskreis anweiset, zu bleiben, wo ich bin, so gut wird mir's nirgends mehr werden, als ich's hier habe. Die geehrten Leser wollen vergeben, dass ich diese kurzen No- tizen über meine arme Person vorausgeschickt habe. Seit dem ersten August befinde ich mich nun hier in Rahway und mein lieber Pastor ist mir ein treuer Begleiter auf vielen botanischen Ausflügen gewor- den, besonders am Sonnabend, wo hier zu Lande die löbliche Sitte herrscht, dass die Schulen an diesem Tage geschlossen bleiben, pfleg- ten wir mit Hülfe der Eisenbahn weitere Excursionen zu unterneh- men, nachdem wir am Vormittag unsere Predigt studirt, wurde der Nachmittag dem botanischen Studium geopfert. Ehe ich eine der be- deutendsten und ausgiebigsten dieser botanischen Wanderungen nä- her schildere, will ich von meinem neuen Aufenthaltsorte noch einiges Allgemeine vorausschicken. Rahway ist ein freundliches von vielen Deutschen bewohntes Städtchen am Milton-River mit 7000 Einwohnern, aber sehr vveitläuftig, es hat eine Ausdehnung, wie man sie in Deutsch- land bei so wenig volkreichen Städten nicht kennt. Die Fruchtbarkeit des Bodens ist ausserordentlich, ein Beispiel davon bietet Zinnia ele- gans, welche dieses Frühjahr von meinem lieben Pastor von hohlen Blumen in sein Gärtchen gesäet, die herrlichsten gefüllten Blumen hervorbrachte, eine herrliche Zierpflanze. Dennoch ist der Ertrag hie- siger Landgüter trotz der enormen Preise nicht zu vergleichen mit dem in Deutschland, es fehlt zu sehr an Kräften, das Land gehörig zu bearbeiten. Der Staat New-Jersey versorgt den ganzen Norden Ame- rikas mit Pfirsichen, die hier ganz ausserordentlich gedeihen, täglich gingen in der Zeit der Reife dieser Früchte mehrere Frachtzüf^e nur mit Pfirsichen beladen nach New-York. Köstlich gedeihen hier alle Arten von Melonen, von denen gleichfalls ganze Frachtzüge den New- Yorker Markt versorgen. Die Hitze stieg diesen Sommer, der freilich nicht jedes Jahr so heiss ist, bis auf 30^ Reaumur also Blulwärme, und war selbst des Nachts fast unerträglich, um so empfindlicher war die kühle Witterung, welche Anfang October eintrat, in der Nacht vom 9. zum 10. October hatten wir den ersten Frost, welcher aber so stark war, dass stehendes Wasser am Morgen mit einer dünnen Eisrinde überzogen war, sämmtliche Georginen erfroren total, aber auch här- tere Pflanzen wie Xanthium slrumarium selbst Digitaria ßlifortnis. Die Kälte soll hier im Winter oft sehr empfindlich werden besonders durch den häufigen Wechsel und dem Winter am Rhein sehr ähnlich sein, lieber die politischen Verhältnisse schweige ich lieber ganz, ich 42 Ijin noch zu grün, als dass ich mir darüber ein Urtheil halle bilden können, ebenso ist es schwer etwas über das Volk zu sagen. Nur soviel will ich beinerken, man kann sich in Deutschland keine Vor- stellung von hiesigen Verhältnissen machen, wer darüber urtlieilen will, niuss hierher kommen und liier wohnen, nicht bloss flüchtig durchreisen, und auch das will ich zu Ehren meiner neuen Heimath sagen, sie ist nicht halb so schlimm, als mancher in Deutschland sich vorstellt. Leider scheint das Deutschthum immer mehr hier verschlun- gen zu werden, die englische Sprache wird die herrschende bleiben, nicht darum, wie viele meinen, dass die Deutschen hier ihre Nationali- tät verläugnen, ich habe davon bisher kaum einen solchen kennen ge- lernt, sondern weil die Kinder lieber englisch als deutsch sprechen, da es sich leichter spricht. Es ist das keine Hypothese, sondern von vie- len erfahrenen Schulmännern gemachte Erfahrung und ich sah es täg- lich an Kindern, die daheim mit den Ellern kein englisches Wort sprechen dürfen, dass sie untereinander am liebsten englisch sprechen ohne einen Grund dafür nennen zu können. Höchst seltsam klingen dem Neuling die vielen englischen Worte, welche sich auch hier zu Lande unter die deutsche Sprache gemischt haben. Als Beispiel eine kleine Anekdote. Ein junger Mann aus Deutschland schrieb an seine Eltern, die noch in Deutschland waren, sie möchten doch herüberkommen, denn es geht ihm sehr gut, er habe einen grossen Stock und gehe pal lein, auch habe er eine Lotte auf Lise genommen. Die guten Eltern geriethen in grosse Betrübniss, sie jammerten, dass ihr Sohn in dem fremden Lande so verkommen sei, dass er mit dem Stock in der Hand als Bettler das Land durchziehe und sich dessen gar noch rühme; nun habe er gar zwei Frauen genommen und mache nicht ein- mal ein Hehl daraus. Die guten Leute konnten das hier übliche Deutsch eben nicht verstehen. Slock heissl ein VVaarenlager, patteln hausi- ren, Lotte heisst ein Bauplatz und Lise allmälige Abzahlung oder Ablösung. Doch ich eile, dem geehrten Leser endlich ein wenig unsere herrliche Herbsiflora zu schildern. An einem herrlichen September — Sonnabend machten wir uns in aller Frühe auf, um eine längere bota- nische Excursion zu unternehmen. Wir fuhren mit der Eisenbahn nach New-Jersey City gegenüber New- Jork, um von dort aus zu Fuss hier- her zurückzukehren, ^vir halten dabei besonders die sogenannten Hackensack marshes Salzwiesen und Sümpfe zwischen New-Jersey- City und Newark zu durchsuchen beschlossen. Sobald wir New-Jersey- City hinter uns hatten, wanderten wir der Eisenbahn zu, deren sehr hoher Damm allein diese zum Theil unergründlichen Sumpfgegenden passirbar macht. Dicht bei New-Jersey-Cily durchschneidet die Eisen- bahn bedeutende Felsmassen, auf denen wir Bidens bipinnata L. in herrlichen Exemplaren antrafen, ebenso blühte hier noch wunderschön Onosmodiwn urginianum DC. und Cunila mariana L. Sobald wir die unabsehbaren Salzsümpfe erreichten, entzückte uns ein köstlicher An- blick. Plnchea camphorata D C. einen Zoll bis einen Fuss hoch färbte weithin die Sümpfe rolh und verbreitete einen peslilenzialischen 43 Geruch, wunderbarer Weise riechen die g-epressten Blumen sehr an- genehm. Mannshohe Exemplare der Solidago sempervirens L. ver- schiedener leider noch unbestimmter Helianthus- Arien, Joa fru- tescens L. und einer Menge meist verblühter mir noch ganz unbekann- ter Gräser, untermischt mit Cassia nictitans L., Atriplex hastata L., der herrlichen Sangiiisorba canadens/s L., Acnida cnnnabina L, Nasturtium palusfre DC, Polygala sanguinea L. an Irockneren Stel- len, Spiraea tomen osa L. , Älisma Planlago var. americanuni, Coreopsis discoidea Torr et Gr., Bidens connata {}n\\\\., Bidens frondosa L., der herrlichen Coreopsis tricho pertiia.M\ch\ Eupa- torium perfoliatuni L. Eup. teucrifoliuin W iWd. und Eup. purpureum L. dem fast nur hier vorkommenden Nabalus racemosus Hook mit wunderlichen ßlaltt'ormen, Spergidaria niarina, Juncus Gerardl Sa- molus Valerandi var. americanus , Sci.rpus Eriophorum Michx, Epilobium palustre var. lineare, Cirsium virginianum Michx und einer Menge anderer mir noch unbekannten Pflanzen, entzücken den deutschen Botaniker durch ihre Schönheit sowohl als ihre Neuheit. Die furchtbare Hitze dieses Sommers hatte diese Sümpfe so ausgetrocknet, dass wir es wagen durften, sie zu betreten, aber auch Millionen Mos- quitos ausgebrütet, die uns sehr lästig wurden. Letztere entwickeln sich wunderbarer Weise in stehendem Wasser und sind kaum grösser als unsere deutschen Mücken aber sehr bösartig, trotz unserer Cigar- ren konnten wir sie nur durch fortwahrendes Wehen mit einem Ta- schentuch abhalten und wenn wir Pflanzen in unsere Mappen legten, war es als ob diese kleinen blutdürstigen Ungeheuer das bisher Ver- säumte einzuholen eilten. Nach und nach gewöhnte sich aber meine Haut an ihre Stiche, so dass ich kein Anschwellen mehr zu leiden hatte, man behauptet hier, dass kleine Kinder von ihnen schon todt gestochen worden sind, die Möglichkeit will ich nach meinen dies- jährigen Erfahrungen nicht bestreiten. Dazu brannte die October- Sonne so furchtbar, dass ich fast besorgte, es könne mich ein Son- nenstich treffen, der hier sehr oft vorkommt und unheilbar ist. Mein lieber Pastor, der 10 Jahre Missionär in Indien war, aber durch die dortige Empörung vertrieben wurde, erzählte mir, dass in Indien Mondstiche ebenso häufig wie Sonnenstiche sind und jeder Einge- borene sich sorgfältig hütet, mit unbedecktem Kopf im Mondschein zu schlafen, wodurch mir Psalm 121, 6 erst recht verständlich wurde. Doch selbst in so ausgetrocknetem Zustande sind diese Sümpfe gefähr- lich, wer dort einmal versinkt, kommt nimmer wieder heraus, alle Bemühungen versenken ihn nur schneller, es muss ein entsetzlicher Tod sein, so Zoll für Zoll langsam aber unrettbar zu versinken und solche Unglücksfälle kommen leider hie und da in dieser Gegend vor. Wir betraten nun wieder den festen Eisenbahndamm, der hier überall als Fussweg benützt wird, da an den hiesigen Eisenbahnen nirgends Wär- ter angestellt sind. Wo Strassen die Eisenbahn kreuzen, findet sich keine Barriere, sondern nur eine Tafel mit der lakonischen Aufschrift „Sieh dich vor vor der Lokomotive." Hier fanden wir Lepidium virgi- nicutn L., Erigeron annuum Pers. Die herrliche Aster novae Angliae 44 L., flore rubro et flore caeriileo, die Zierde unserer Wälder und Felder zu Millionen. Aster puniceus L., A. multiflorus A i t., A. aestivus A i t., A. ericoidesL. A. simplex WiWd. mit ihren unzähligen Varietäten, Aster cordifoUus L. nebst der ihr sehr ähnlichen A. sagitti folius WiWd. A. Tradescanti L., Discopleura capillacea DC, Isanthus caeruleus Mi c h., AchiUea millefolium L., die einzige AchiUea Nordamerikas. Ahalilon Avicenae Gärtn. die aus Ostindien eingewandeit sein soll, zu Tausenden. Cephalanthus occidentalis L., Solidago canadensis L., Solidago ar- guta All. S. Biddellii Frank. S. tenuifolia Pursh eine herrliche Pflanze, welche einer Euphorbia cyparissias sehr ähnlich sieht. Vernonia Novebracensis, welche ich zuerst für eine Serratula hielt, die aber hier gar nicht vertreten ist. Verbascum Thapsus L., wel- ches wie V. Blattaria und Lychnitis aus Europa eingewandert und ziemlich verbreitet ist, Amerika hat kein einheimisches Verbascum. Dicht vor Newark fanden wir noch blühend Acerates viridiflora EW. und Asclepias purpurascens L. So erreichten wir ziemlich in Schweiss gebadet gegen Mittag Newark, von wo wir mit der Eisen- bahn bis Elizabelhtown, das nur 1% Stunde entfernt ist, fuhren, \on dort aber das gleichfalls iVa Stunde entfernte Rahway durch den Wald zu Fusse zu erreit hen beschlossen. In Elizabeth wandten wir uns sofort dem Hafen zu, der an einem Arm des Hudson, im Ganzen Slaa- ten-Island Sund genannt, liegt und mit dem Meere in Verbindung steht, Et)be und Fluth sind hier sehr deutlich bemerkbar, so sind die Salzwiesen um Elizabeth nur zur Ebbe-Zeit möglich zu betreten. Da wir gerade zur Ebbe-Zeit ankamen, durchwanderten wir diese an botanischen Schätzen sehr reichen Salzsümpfe, welche mit einer dünnen Rasendecke überzogen sind von einem mir leider noch unbekannten Gras. Auf dieser sehr festen, zähen aber schwankenden Decke können beladene Frachtwagen sicher fahren, obgleich darunter ein unergründlicher Sumpf ist, hie und da linden sich aber schmale offene Stellen. Wehe dem Unkundigen , der sie betritt, er versinkt rellungslos. Wir fanden hier die Flora der Salzwiesen bei New-Jer- sey-City reichlich vertreten, manches fehlte, doch fand sich auch einiges Neue. Aspidinm Thelypteris Swartz. Mimulus alatus Ait. und M. ringens L., Chelone glabra L., die hier auch anderwärts häufig ist, Gentiana Saponaria färbte die Wiesen blau, Gerardia maritima.^ Chenopodina maritima Moqu. Aster flexuosus Nutt. A. linifolius L., beide in ungeheuren Massen, Salicornia herbacea L. Statice Limonium var. caro/mia«a leider meist verblüht. Nun wandten wir uns den Wäldern zu, welche sich zwischen Elizabeth und Rah- way hinziehen und welche sich schon bei früheren Excursionen als eine fast unerschöpfliche Fundgrube erwiesen hatten. Diese Wälder bestehen meist aus C^j/ercws rMÄra, die namentlich jetzt im Herbst mit ihren blulrothen Blättern eine köstliche Zierde ist, Castanea i->esca, Juglans nigra L. und einer Unzahl mir leider noch unbekannter Laubhölzer, welche im Frühlinge eine herrliche Ausbeute versprechen. Trockene hügelige Stellen wechseln mit sumpfigen mit mannshohen Gräsern und herrlichen Carices bestandenen Waldwiesen. Ganze Hü- 45 gel von Zweigen gefällter Baume versperren oft den Weg, welchen wir auch darum gern auswichen, weil sie meist der Wohnort giftiger und ungifliger Schlangen sind, deren nähere Bekanntschaft zu ma- chen, mich eben nicht gelüstete. Hier will ich nur bemerken, dass mir bisher in diesen selten von einem menschlichen Fuss betretenen Sümpfen und Wäldern niemals eine Schlange zu Gesicht gekommen ist, obgleich sie in Menge dort vorhanden sind. Sie sind jedenfalls artiger als ihre Verwandten in Deutschland und gehen dem Menschen so weit aus dem Wege, als sie können. Die Klapperschlange gehört hier zu den Seltenheiten, doch ist sie noch vorhanden aber keines- wegs gefährlich. Dagegen habe ich am Milton-River dicht bei Rah- way eine Menge nicht giftiger aber zum Theil sehr langer dicker Schlangen gesehen, welche ziemlich unverschämt sind. An trockenen Stellen fanden wir im Walde Medicago lupulina L., welche Einwan- derer aus Deutschland sein soll, nur erscheint es unbegreiflich, wie sie mitten in diese Wälder gekommen ist. Spiranthes gracilis B ige low, Spiranthes cernua Rieh., welche beide auch sonst an trocknen Weg- rändern nicht selten aber wenig zahlreich vorkommen. Aspidium spinulosum S w a r t z, Asp. fragrans S w a r tz, Dicksonia puncülobulata Hook., Aspidium marginale Swartz, Adianthum pedatum L., Lyco- podium complanatum L., Aspidium acrostichoides Swartz, Alnusin- cana Willd., var. glauca, Desmodium paniculatum. D C, Gerardia purpurea L. flore rubre et flore albo, Gerardia tenuifolia Vahl. Das herrliche und seltene Eupatorium rotundifolium L., Veronica offici- nalis, Polygala fastigiata Nutt., P. verücillata L , Pycnanthemum lanceolatum Pursh und P. incanum Mi chx, Melampyrum america- num Mich,, Rosa Carolina L., Agrimonia Eupatoria L. und A. parvi- flora Ait., Chimophylla maculata Pursh., Linum virginianum L. Die kleine zierliche Barlonia tenella Muhl., Aster corymbosus Alt., A, macrophyllus L., A. undulatus L., A. Radula Ait., A, laevis L. var. laevigatus, A. linifolius L. A. carneus Nees. Die zierliche Solidago caesia L. S. bicolor L. S. nemoralis Ait. S. altissima L. Letztere hat einen Formenreichlhum, der einen zur Verzweiflung biingen könnte, Exemplare von V2 Fuss Höhe bis über Mannsgrösse, verein- zelte sehr schöne bis 2 Fuss hohe Exemplare der Gentiana Saponaria L., Nabalns [albus Hook., Galium trißdum var. latifolium, Cirsium pumilum Spreng., C altissimum Spreng. Rudbeckia laciniata L. An feuchten Stellen an Waldsümpfen: Osmunda regalis, Struthiopte- ris germanica in ungeheueren Exemplaren, leider ist die Frucliiica- tion beider längst vertrocknet. Jwncws tenuis Willd., Lycopus cirgi- nicus L., L. europaeus var. sinuatus und var. integrifoUus, Echino- chloa crus galli, Leersia oryzoides Swartz in Ungeheuern Mengen, Cyperus diandrus Torr., Eleocharis olivacea Torr., und E. oliva- cea Schulte«. Galium Aparine nebst einer dem Galium uligi- nosum sehr ähnlichen Form, das aber in Nord-Amerika nicht vor- kommt. Cuscuta chlorocarpa Engel m. Sagittaria variabilis Engel, welche diesen Namen mit vollem Recht verdient, besonders zeichnen sich var. latifolia und var. sagitüfolia aus. Böhmeria cilindrica 46 WiUd. Laportea canadensis Gaiidicli, Pilea pumila Asa Gray, Elodea virginica jN^iitt., Linaria canadensis Spreng., Ilysanthus qraiioloides ßenth., welche ich im ersten Aiio-enblick für unsere Lindernia pyxidaria hielt, Veronlca scutellata, Verbena urticifoUa und V. hastnta var. paniculnta. Die Zierden unserer Flora, die herr- liche dunkelrotbe Lohelia Cardinalis L. und die niciit minder schöne blaue Blume Lohelia siphylitica L., welche letzlere hier zumal von den schwarzen Doctoren gegen allerlei Geschlechts-Krankheiten fleis- sig aufgesucht wird, nicht minder geschieht diess mit der in Wald und Feld häufigen Lobelia inflata, welche ein starkes Gift enthalt. Im Sumpfe selbst wachsen häufig die schönen Pontederia cordata L., Scutellaria lateriflora L., Colliusonia cnnadenais L., deren Blüthen einen herrlichen Limonen-Duft verbreiten. Nuphar Ädcena Ail., Geumalhum Gmel., Polygotiuni virginianum L., P. pensylcanicumh., P. arifolium L., P. hastatum L., Penthorum sedoides L., Gentiana Andrewsii Griseb., Acalypha gracilens Asa Gray mit der Varietät monococca Engelm und Acalypha virginica L., Impatiens fulva Nutt. und J. pallida ^u\t., Myosotis palustris var. laxa Lehm., Bidens cermiaL., Bidens chrysanthemoides Wich., welche leider nur eine Varietät v. B. cernua ist; es finden sich zahlreiche Uebcrgänge. Von der Schönheit (Weser Bidens, welche alle Sümpfe zu Millionen be- deckt, kann man sich kaum eine Vorstellung machen. Ludicigii palu- stris L. und L. alternifolia L. Proserpinaca palustris L. Nun wandten wir uns wieder der Eisenbahn zu und fanden auf dem Damme derselben Trichostema dichotomum L., Amaranthus spi- nosus L., Hypericum canadense L., H. jnutilum L., H. Sarotlira Mich. Onoclea sensibilift L. noch herrlich fructificirend. Sinapis nigra L., welche nebst S. alba und S. arvensis aus Europa eingewandert ist. America hat keine einheimische Sinapis, besitzt überhaupt auffal- lend wenig Cruciferen. Mulgedium leucophaeum D C, Lactuca elon- gata Michl., Arteniisia trißda L. nebst var. integrifolia und yl. artemisiaefolia L. Letztere ist namentlich ein ungemein verbreitetes Unkraut und bedeckt zu Millionen Wegränder nnd Aecker. Polygonum aviculare var. erectum mit sehr breiten Blättern, Panicum capillare L., Cuscuta GronoviiWiUd., Oxalis stricta L., verschiedene Arten von Oenothera, leider verblüht. Am Milton River an buschigen x\bhän- gen bei Rahway fanden wir noch zu unserer Freude: Apios tuberosa Mönch, Epiphegus virginiana Bart, auf verfaultem Holz schmaro- tzend. Prnnella vulgaris L., die einzige Prunella N. Amerika's. Mi- kania scandens L., Clematis virginiana L., Phytolacca decandra L. hier überhaupt nicht selten, Lythrum lineale L., Cai>sia marilandica L., Solanum nigrum L., Datura Stramonium und D. Taiula, beide Einwanderer aus Ost-Indien, aber ungemein verbreitet und zahlreich. Die seltene Silene stellata Ait. , Tanacetum vulgare var. crispum aus Europa eingewandert. Cyperus strigosus L, und C. phymatodes Michl. auf flachen Wiesen am Flusse in grosser fllenge. MelUotus alba Lam,, welcher nebst M. officinalis Willd. aus Europa eingewandert ist, N.-Amerika besitzt keinen einheimischen Melilotus. Auf einem 47 vvösteii Platz am Flusse wuchs häufig Cucurbita ovifera und C. lage- naria, beide aus Süd-Anierica eingewandert aber ziemlich verbreitet, Mentha viridis und M. crispa beide aus Europa eingewandert. So habe ich denn in der Beschreibung dieser einen anstrengenden, aber äusserst lohnenden Excursion den geehrten Lesern ein Bild unserer herrlichen Herbsiflora vorzuführen gesucht und werde mich glücklich schätzen, wenn die geehrten Leser diese Zeilen nicht ganz unbefrie- digt zur Seite legen. Meine Zeit ist beschränkt genug, dennoch meine ich in der kurzen Zeit, wo die Sorge für ein äusseres Unterkommen und die mancherlei Nolhe der ersten Einrichtung und Eingewöhnung in der Fremde oft gar schwer auf meinem Herzen lag, nicht ganz un- thätig für meine Lieblingswissenschaft gewesen zu sein. Hätte freilich mein gütiger Principal bei der Bestimmung dieser mir fast ganz unbe- kannter Pflanzen mir nicht Auge und Zunge geliehen, wäre ich wohl so bald nicht damit fertig geworden. Da nämlich eine deutsche oder lateinische Flora nicht zu haben war, musste ich mit der englischen aber vortrelFlichen Flora von Asa Gray New-York 1859 vorlieb neh- men, bei meiner geringen Kenntniss der englischen Sprache würde mir das Bestimmen der Pflanzen doch noch sehr schwer geworden sein, ausserdem ist aber mein lieber Pastor ausserordentlich geschickt im Bestimmen schwieriger Pflanzen und überhaupt ein ausgezeichneter Botaniker, leider ist ihm sein herrliches Herbarium indischer Pflanzen dort von den Termiten gänzlich zerstört worden. Sehr inuss ich um Entschuldigung bitten, weil ich so ungeordnet geschrieben habe, aber meine sehr beschränkte Zeit erlaubte mir nur hie und da auf halbe Stunden an meinem Bericht zu arbeiten und ich hoffe auf die gütige Nachsicht der geehrten Leser. Vielleicht vermag ich später einen interessanteren und eingehenderen Bericht zu geben. Von den oben angeführten Pflanzen habe ich eine bedeutende Anzahl Exemplare gesammelt und an meinen langjährigen lieben Freund Herrn R. v. Uechtritz nach Breslau gesendet für ihn und einige mei- ner Freunde und Gönner in Deutschland. Sollte einer oder der andere der geesrten Leser Lust haben einige oder mehrere Centurien ameri- kanischer Pflanzen zu erhalten, so bin ich gern bereit solche zu ver- senden. Ich muss den Preis ä Centurie auf 3 Thaler preussisch. festsetzen, da ich für freie Beförderung nach Deutschland nämlich bis nach Breslau sorge und der Preis des schlechtesten Strohpapiers, das ich zum Pressen benutze ä Riess 2 Dollar ist, Löschpapier hat man hier gar nicht oder zu unerschwinglichen Preisen. Von der Theuerung hier zu Lande hat man inDeutschland keinen Begriff. Die schlechteste Stahl- feder kostet 1 Cent, also 5 Pfennig preuss., die schlechteste Cigarre 5 Cent, das Pfund des schlechtesten Rauchtabaks 2 Dollar. Ein Päck- chen Streichhölzer 100 Stück 5 Cent. Die Steuerlast ist furchtbar und unsere lieben Deutschen, welche der Steuerlast in der Heimath entge- hen wollten, sind buchstäblich vom Regen unter die Traufe gekommen. Allerdings nimmt man viel Geld ein, aber es zerrinnt auch wie Schnee vor der Sonne. Leider habe ich den Rest meines deutschen Herbars verschenkt vor meiner Abreise, von dem Empfänger aber bis heute 48 • '-^' nicht einmal erfahren, ob er es erhalten hat. Hier hätte ich es sehr liieuer verkaufen hünnen, da deutsche Pflanzen hier sehr gesucht sind, besonders wäre mir das Papier sehr nützlich geworden. Die Zahlung verlange ich für Pflanzen-Sendungen erst nach Empfang und dürfen ungenügende Sendungen nur einfach zurückgeschickt werden. Somit empfehle ich mich den geneigten Lesern zu fernerem freundlichen Wohlwollen und bitte nochmals um ihre gute Nachsicht. Directe Briefe bitte ich zu senden: Rev. P. Heuser Rahway Union County New- Jersey per steamer Hamburg or Bremen, Rahway, den 20. October 1864. Beiträge zar Flora des Neutraer Comitates: Von Emil Keller. n. Das mir zunächst liegende Gebirge bildet den westlichen Theil der Umgebung von Vag-yjhely und ist unter den Namen Nedzo be- kannt. Es findet seinen nördlichen Ausgangspunkt bei Bottfale und Hentsö, seinen südwestlichen bei Venbö Prasnik. Ich habe mir bereits bei meiner ersten Mitlheilung eine Ueber- schreilung der politischen Gränzen erlaubt, die Wissenschaft kennt eben keine solchen, da ich das Gebirge Inovecz in mein Florengebiet einbezog und sehe mich veranlasst auch diessmal diese Gränzen nicht strenge einzuhalten, indem ich meinen Bezirk bis zum Felsen Tu- reczkö, gegenüber dem Inovecz ausdehne. Diesen Felsen, der be- reits im Trentschiner Comitat liegt, betrachte ich als meinen botani- schen Garten, so reich ist er an interessanten Pflanzen. Von Prasniker Thale gegen Nordost bis an den Wildbach, der von Bottfale sich brausend in die Waag ergiesst, ist das schön ge- formte, zum grössten Theile kahle Gebirge trigonometrisch nur bei Vag-Ujhely aufgenommen. Von Prasnik, bei Venbö angefangen, bis Cseite (Burg 1188') besteht der Nedzö aus Dolomit, von Cseite gegen Vag- Ujhely ist das Grundgebirge ein lichtröthlicher, grauer Kalk, gleich dem von Tureczko. Drei Terrassen bilden das Gebirge von Cseite gegen V. Ujhely. Die höchste derselben ist bewaldet, die mittlere, mitunter kahl, trägt den berühmten rothen Wein, die unterste aus Löss bestehend, sichert dem thätigen Ländwirihe, sowohl in feuchten als trockenen Jahren, ergiebige Ernten an Feldfrüchten. Auf dem so eben angegeben Terrain habe ich nachfolgende Pflanzen beobachtet: 49 Triticum catiinum S c h r e b. V. U,') Loliiim perenne L. „ — temulentum L. „ Brachypodium pinnalum P. B. Tu- reczko. Brufiius asper Murr. Tureczko. Dactylis glomerata L. V. ü. Melica mutans L. Tureczko. Briza media L. V. U. Glyceria fliiilans R. B r. ,, Poa nemoralis L. Tureczko. — dura S CO p. „ Stipa pennata L. Plesivecz. — capillata L. V. U. AgrosÜs vulgaris W i t h. Tureczko — canina L. „ Phleum Böhmeri Wib. „ Anthoxanthum odoratum L. V, U. Setaria viridis F. B. „ — glauca F. B. „ — italica F. B. „ Andropogon Ischaemum L. „ Carex Schreheri Sehr. „ — acuta L. Festeny. — praecoa; Jacq. V.U. — digitata L. „ — silvatica Hds. „ Lw5ti/a pe/oi« Wild. „ Colchicum autumnale L. „ Anthericum ramosum L. „ Lilium Martagon L. Tureczko. Muscari comosum Mill. V. U. Ornithogalum umhellatmn L. „ Allium ochroleucum, W. K. „ — ursinum L. Festyeny. — oleraceum L. V. U, — flavum L. Flesivecz. Asparagus officinalis L. V. U. Convallaria multiflora L. Festeny. — majalis L. V. Ü. Majanthemum bifolium D C. V. U. //•«.« variegata L. Tureczko. — Pseudacorus L. V. U. Orchis fusca J c q. V. U. — pallens L. „ Himantoglossiim kircinum S p r. Tureczko. Cephalanthera pallens Rieh. V. U. — ensifolia Rieh. „ — rubra Rieh. „ Zannichellia palustris L. „ Potamogelon natans L. „ — praelongus Wlf. „ — crispus L. „ Sparganium ramosum Hds. „ Alisma Plantago L. Festeny, Sagittaria sagittifolia L. V. U. Butomus umbellatus L. „ Juniperus communis L. „ Pinus sylvestris L. Tureczko. — Larix L. „ — Picea L. „ Betula pendula Roth. V. CJ. Alnus incana D C. „ Salix fragilis L. „ — pnrpurea L. „ — coprea L. „ — angustifoliaW IL Tureczko, an der Waag. Populus alba L. V. U. — canescens S m. „ — tremula L. „ — pyramidalis R o z. „ — nigra L. „ Carpinus Betulus L. „ Corylus Avellana L. „ Quercus sessiliflora S m. Tureczko. — pubescens Wild. „ Fagus sihalica L. V. U. Urtica urens L. „ — dioica L. „ Ulmus campestris L. „ — suberosa Ehrh. „ — effusaWUd. „ Salsola Kali L. „ Polycnemum arvense L Fle>:ivec. Chenopodium album L. V. U. *) V. U. — Vag Ujhely, worunter ich stets das nordwestliche Gebirge verstehe. Oesterr. botan. Zeitschrift. 2. Heft 1865. 4 50 Chenopodliim Botrys L. V. U. Polygonum amphibiiim L. „ — lapathifolium L. „ — Hydropiper L. „ — aviculare L. „ — Convolvulus L. „ Rumex palustris Sm. „ Thesium ramosum Hayn. Cseite. Hippophae rhamnoides L, V. U. Aristolochia Clematitis L Asarum europaeum L. Plantago major L. — lanceolata L. Valerianella oliloria Pol Valeriana officinalisL. Dipsacus sylvestrisMW l.Tureczko Succisa pratensis Mönch. V. U. Scabiosa ochroleuca L. ,, — Columharia L. ,, Tussilago farfara L, „ Linosyris vulgaris C a s s. Tu- reczko. Aster patinonicus J ac q. Tureczko. Bellis perennis L. V. U. Erigeron canadensis L. ,, — ac/'«» L. ,, Solidago VirgaaureaL. Tureczko. Inula Helenium L. Pesteny. — salicina L. Tureczko. — /«V. — aquatica L. ,, Digitalis grandiflora h^Liw. „ Antirrhinum Orontium L. ,, Linaria Elatine MiW. „ — spuria Mi II. ,, — minor Dsf. „ — genistaefolia Mi 11. Cseite. Ferone'ca Anagallis L. V. U. — officinalis L. ,, — latifolia L. „ — spicata L. Tureczko ,, — serpillifolia L. V. U. — arvensis L. „ — agrestis L. „ Melampyrum nemorosum L. ,, Euphrasia officinalis L. „ Orobanche rubens Wallr. „ — ^ötra Mart. Tureczko. Lysimachia nemorum L. V. ü. Anagallis arvensis L. ,, — caerulea S c h r e b. „ Primula elatior Jcq. ,, Pyrola rotundifoUa L. ,, 4* 52 V.U. Sanicnla europaea L. Hacquetia Epipactis D C. Eryngium campeslre L. — planum L. Pesteny. Cicuta virosa L. Fulcaria Rwini Hst. Carum Carvi L. Pimpinella magna L. Bupleurum falcatum L. „ Oenanthe fistulosa L. Pesteny. Sese/i Eippomarathrum L. V. U. — glaucum L. 5? _ mrmm Trev. Tureczko. — coloratum Ehrh. V. U. Peucedanum officinale L. Tureczko. Anethum graveolens L. V. U. Pastmaca sativaL. C seile. Heracleum Sphondijlium L. V. IJ. ron7is Anthriscus Gmel. Tu- reczko. Conium maculalum L. V.U. Coriandrum sativum L. Plesivecz, Hedera /fe/ia; L. Tureczko. Corniis sanguinea L. V.U. - — mas L. t) horanthus eiiropaeush. Tureczko. Ribes Grossularia L. V. U. — nigium L. Tureczko. Sedum acre L. V. U. Sempervivum hirtum L. tseite Plesivecz. Saxifraga tridactylites L. V.U. Clematis recta L. ?? — Vitalba L. '' Thalictiim fliwum L. Pesteny. Anemone pratensis L. V. U. ildom's aestivalis L. ,? Rannnciilus aquatilis L. ,, — fluitans Lam. ,5 — Ficaria L. — auriconms L. — repens L. — arvensis L. Ca/fÄa palustris L. Pesteny. Isopyrum thalictroides L. reczko. Nigella arvensis L. V. U Delphinium Consolida L. „ Br. V.U. We'tt. Berberis vulgaris L. V. U. Papa-oer Rhoeas L. „ — dubiiim L. Tureczko. Chelidonium majus L. V. U. Fumaria officinalis L. ,, Nasturtium amphibium R- V.U. ilraöis arenosa Scop. Deniaria bulbifera L. Sisymbrium officinale L. — Sophia L. — Alliaria Scop. Erysimum strictum Fl. Cseite. Diplotaxis muralis D C. Tureczko. Alyssum saxatile L. Beczko. — montaiium L. V. U. — calycinum L. 5, Farsetia incana R. Br. „ Peltaria alliacea L. Cseite. Dra&a «erna L. V. U Camelina sativa Crtz. „ Thlaspi arvense L. „ — perfoliatum L. i^ Biscutella laevigata L. Cseite. — ambigua D C. ?) Lepidium Draba L. Plesivecz. — ruderale L. V. U. Capsella bursa pastoris Mönch. V.U. JVes/ifl paniculata D esv. V. U. Reseda lutea L. ») — lateola L. ?' Helianthemum vulgare G ä r t n. Fio/a odorata L. — canina L. — mirabilis L. — arrewsis Murr. Herniaria glabra L. A/sme Jacquini F{och. Cseite. Arenaria serpilifolia L. V. U. Cerastium arvense L. „ Dianthus prolifer L. Tureczko. — Carthusianorum L. V. U. — plumarius L. Cseite. Saponaria officinalis L. V. U. Cucubalus bacciferus L. „ S L. „ Dorycnium suffruticosum Vi II. V.U. Lo^ws villosus Thuill. V. LT. Astragalus Onobrychis L. „ — glyciphyllos L. „ Coronilla varia L. Tureczko. F^■c^a Cracca L. V. U Lathyrus palustris L. „ Orobus vernus L. ,, 1864. w Mittheilungen aus den Nilgegenden. Von Dr. Theodor Kotschy, IL Herr von Heuglin, Leiter der deutschen Expedition durch Ost- Afrika, ist in Cairo angekommen und hat an Herrn Professor Franz Unger geschrieben, dass er am Gazellen-Fluss (Bachr Gasal), einem Arm des Aveissen Nil, einen Butlerbaum entdeckt habe. Von Herrn Frovicar Knoblecher ist wahrscheinlich dieselbe Art eingesendet und am 3. November als neue Gattung ^Butyrospermum'^ der kaiser- lichen Akademie vorgelegt worden. Auch Herr Binder, Kaufmann aus Siebenbiirgen, brachte den Butterbaum vom weissen Nil in Knospen und Blättern nach Hermannstadt für das Herbar des dortigen naturhistorischen Vereines mit. Als Herr v. H engl i n von Chartum an's rothe Meer nach Sauakim zurückreiste, überraschte ihn am 20. Grad nördlicher Breite in der Wüste das Vorkommen eines Baumes, den er für eine Dracaena hielt. (Es kann DracaenaiAlectris} fragi-ans A. Rieh, oder Dracaena ar- horea Link, vielleicht aber auch eine neue Art sein, da noch nördlicher auf den kanarischen Inseln Dracaena Draco L. vor- kommt). In derselben Gegend zwischen UrdiOkuak und Sauakim w^achsen noch Bäume von der cactusartigen Euphorbia abyssinica Baues ch — Kol Qn^'la io Bruce Reise V. tab. 10. 11. — dann Balsamoden- dron africanum Arnot., auch ist hier so nördlich nicht selten die in Massana vorkommende Stapelia Ängo A. Rieh. fl. abyss. IL p. 50, mit schönen violettbraunen grossen Blumen zu finden. — Noch nörd- licher am 22. Grad nördlicher Breite begegnete Herr von Heuglin in häufigster Verbreitung den Halbbaum Raq-Salvadora Persica — den Baum El-Ud — Acacia Ehrenbergii — den Strauch Qiter — Zi- %yphus Spina Christi L i n n e. — Da Herr Dr. S c h w e i n f u r t h sich eben jetzt in diesen Gegenden aufhält, so hoffen wir zu jenem Beitrag unserer letzten Nachrichten von Dr. Schweinfurth ^J in baldiger Zeit interessante Aufschlüsse über die bisher unbekannten Gränzen zwischen der Region der Wüste und des nach Süden zu gelegenen Steppenlandes zu erhalten. Wien, den 14. Jänner 1865. ») Oesterr. botan. Zeitschrift Nr. H, 1864, p. 333. 55 Correspondenz. Trie st, den 5. Jänner 1865. Das leidige und langweilige Geschäft der Vergiftung etlicher hundert dicker Herbarien-Faszikel hat, was mir von Excursionen und Samuilungeu an Zeit erübrigte, vollauf in Anspruch genommen, auch bin ich durch einen schmerzlichen Todesfall in meiner Familie in der gewohnten Thatigkeil beirrt worden. Inzwischen ist das Jahr nicht fruchtlos und uuthatig verstrichen. Mehrere Ausflüge von der äusser- sten Südgranze unseres Floren-Gebieles bis in die Alpenkette, haben manche interessante Nachlese gebracht. Hier eine kurze Uebersicht: Die erste Frühlings-Excursion auf Lossino brachte nebst mehreren Seltenheiten Ophrys cornuta Stev,, Cytinus Hypocistis in Menge an sonnigen Abhängen auf Cistus creticns, Linaria simplex D C. die letzte neu für die Landesflora. Um die Mitte Mai wurde die Gegend um Adelsberg, die Hochwaldung an der Magdalena und Pinka-Grotte durchgesuciit — auf dem Scheitel des Javornik noch am 17. Mai Leucojum vernum aus dem Schnee sprossend gesammelt. Ein erster Ausflug zu Ende des Monathes und Anfangs Juni in die karnischen Alpenthäler über Gemona, Venzone nach Amaro, Tolmezzo und Pa- luzza brachte viel Schönes aus der dortigen reichen, von jener des Küstenlandes bedeutend abweichenden Vegetation: Medicago Pironae und Alyssum gemonense bei Gemona. Spiraea decumbens bei Ven- zone — auf den grasigen Malten um Tolmezzo Aquilegia atrata, die echte mit schwarzbraunen Blüthen, Paradisia Liliastrum, Saponaria ocymoides etc. und als neuen Fund für die Gegend Astragalus pur- pureus, bei Amaro endlich die lange und ohne Erfolg im Küstenlande gesuchte Pedicularis palustris, die ehedeui auch um Monfalcone vor- gekommen sein soll, gegenwärtig aber daselbst nicht mehr gefun- den wird. — Ein Ausflug zu Anfang Mai an die 3Iündung des Timavo verschallte Gaudinia f'ragilis die auf den feuchten Wiesen dort zuerst von Krasan und Suppl. Prof. Myk des Görzer Gymnasiums an- getroffen wurde. — Im Laufe desselben Monates wurden längere Ausflüge in die Umgegend von Pola^ Medolino, Altura — dann in jene von Parenzo unternommen; auf dem letzteren gelang es, das vor meh- reren Jahren gefundene, seitdem vermisste und umsonst gesuchte HaplophyllinnpataviinumRicdlQRuta L.) in grosser Menge wieder zu finden. Die Localfloren besagter Geg-enden erhielten auch mehrere Bereicherungen. In Herrn Ernst Müller v. Ratibor Gesellschaft, wurde zu Anfang Mai die Grotte von Orpo besucht, und an den Felsen des Ein- gangs jene ilfö/irm^'«« gesammelt, die inLoser's Catalog (öst. bot. Zeit- schrift 1860 S. 276.) Nr. 108 als M. Ponae verzeichnet ist, sich aber als die weit seltenere der südlichen Alpen eigene Form M. glaucovirens Bertol. ital. VI. 626 erwies. Ein längerer Ausflug mit dem Vorgenannten hatte den Besuch des in botanischer Hinsicht noch unbekannten Berges Kralischki (bei 4000' hoch) im Birnbaumer Walde zum Gegenstande ; in Fortsetzung der Reise wurde dem Freunde Dr. Dolliner in Idria 56 ein Besuch abgeslattel, und mit Vergnügen wahrgenommen, dass er der Erforschung der vaterländischen Flora noch immer mit Eifer sich widmet, auch demnächst ein Verzeichniss der seit Scopoli u. Hacquefs Zeiten berühmten, seither aber etwas vernachlässigt gebliebenen Flora der Gegend um Idria mit Einschluss der Ternover Berge und des Cavn zu veröffentlichen gesonnen ist, ein Unternehmen, wofür ihm die bota- nische Welt gewiss Dank zollen wird. — In der Nähe von Adelsberg wurden einige höhere Berge besucht, und etwas später der Cavn bei Heidenschaft besüegen, vorzüglich in der Absicht die dort im verflos- senen Jahre von Herrn Präs. v. Josch und Freiherr v. Rastern gefun- dene schöne und seltene Centaurea alpina zu sammeln ; doch I)licb leider unsere Bemühung fruchtlos; aber auch dem Herrn Bar. Rastern, der sich zu gleichem Zwecke dahin begab, konnte es eben so wenig gelingen die Pflanze an dem Standorte, wo sie im vorigen Jahre in Menge gestanden, zu sehen. *) Vielleicht mag die regnerische und kühle Witterung des diessjährigen Sommers im Gegensalze zu der trocknern und warmen des vorjährigen dieses aufrallende Verschwinden veranlasst haben. Für unsern Theil fanden wir an manchem anderen interessanten Funde Ersatz, vorzüglich an dem schönen Cerastium la- nigerum Clementi — \\elches D. Stur zuerst da antraf (über den Einfluss des Bodens H. H. Aufsa'z S. 74) und sicherlich eine von C. arvense und dessen vielen Varietäten wohl verschiedene Art ist. E: wuchert in dichten Büschen unter Haufen loser Kalksteine, und ist im obersten Felsengürtel an der Westseite des Cavnberges ziemlich häu- fig, und wurde wahrscheinlich in früherer Zeit als Form des C, arrense übersehen. Einen zweiten grösseren Ausflug auf die Alpe Plauris bei Veu- sorza , und in die Thäler der Carnia und über den Kreuzberg in di* Plekner Alpe Kärnthens unlernahm ich zu Anfang August's, und be- stieg den hohen Pollinik, die schöne und reiche Flora dieser Aipenge- gend ist zur Genüge bekannt; dagegen bietet der ganze Alpenzug dei Carnia noch ein weites bisher wenig ausgebeutetes Feld der For- schung. Sufl'ren in früherer Zeit und in der jüngsten Prof. Jul. Pirona haben 3Ianches davon bekannt gemacht; es bleibt aber noch sehr ^iei zu thun, um ein einigermassen vollständiges Bild der dorti- gen Vegetation darstellen zu können. Sie sehen aus dem Erwähnten, dass ich ungeachtet meines Al- ters noch ziemlich beweglich bin, und nicht müssig bleii)e. Wie lange kann diess aber noch währen? Gewiss nur kurze Zeit, im bessern Falle noch 1 oder 2 Jahre; dann ist es aber wohl zu Ende. T m m a s i n i. *) Herr Churchill aus Loadon , der alljälirlich Reisen in die österr. Alpen unternimmt, fand diese Pflanze im vergangenen September in Töpfe ver- setzt vor den Fenstern seiner Herberge in Bassano. Auf seine Frage, wolier sie sei, sagte man ihm, dass sie im Gebirge wachse und als er sich aul' den Standort führen lassen wollte , meinte man, dass zu dieser Zeit bereits alle Pflanzen von den Ziegen abgeweidet sein werden. (Anm. d. Red.) 57 N. Podhragy in Ungarn, den 5. üecember 18()4. Es dürfte Sie vielleicht interessiren, wenn ich Ihnen ein Ver- zeichniss der noch am 19. November in meiner nächsten Umgebung- blühend vorkommenden Pflanzen gebe. Wie bekannt war der Oktober nicht nur kühl, sondern an manchen Tage so kalt, dass sich an stehen- den Wässern fingerdickes Eis bildete: und doch gab es Pflanzen, die solcher Kälte zu widerstehen vermochten. Zwischen Bosac nun und Haluric noiirte ich nachstehende blühende Reste der Herbstflora: Ero- dium cicutarium, ziemlich häufig. Senecio vulgaris ist das ganze Jahr hindurch blühend zu haben. Anthemis arvensis vereinzelt. Stachi/s annaa zwar mit Blüthen aber starke Spuren der Fröste tragend. Veronica Buxbaumii schien bis jetzt für die Kälte unempfindsam und blüht fortwährend, Veronica polita ebenfalls schön blühend. Stellaria media, ist auch unter Schnee mit Blüthen zu sehen. Latnium pur- pureum ist seltener auf Aeckern blühend zu sehen, als das noch an Zäunen geschützte Lamium maculatum^ dagegen Lamium amplexi- caule nur äusserst selten mit offenen Kronen zu finden war. Viola tricolor ß arrensis. und zwar dreifarbig und einfarbig, letztere bald schmutziggelb, bald reinweiss mit sehr kleinen Blumenblättern, ist auf allen Aeckern um Bosac zu haben, Veronica agrestis, bei Haluric, und Scleranthus annuus sammt Arenaria serpijllifolia habe ich für meine Sammlung Podhragyer Pflanzen in recht gut brauchbaren blü- henden Exemplaren mitgenommen. Auch eiuige Euphorbien ertragen mehr Kälte, als ich geglaubt, denn ich fand Euphorbia exigua, fal- cata, heliosopia und platyphi/llos auf den Bosacer, damals noch nicht umgeackerten Hanf- und Krautfeldern, noch blühend. Capsella hursa pastoris hält Kameradschaft mit Senecio vulgaris. Polygonnm avicu- lare war nur selten in blühenden Exemplaren zu sehen, und nur die ganz niedergestreckte Form. Delphinium Consolida hie und da im Gebüsch am Fusswege zwischen Bosac und Haluric. Potentilla verna an sonnigen Hügeln, und coliina bei Haluric, wenig blühend. Eri- geron canadensis, serotinns, Knaulia arvensis, Scabiosa ochroleuca mit einzelnen frischen , durch Fröste nicht entstellten Blüthen. In Obstgärten und auf sonstigen Grasplätzen wnr BeUisperennis blühend und mit Knospen zu haben. Ebenso Cerastium triviale^ besonders an Zäunen. Es scheint, dass Geranium columbinum, das ich am selben Tage auf steinigem Boden der Weingärten in recht hübschen Exem- plaren blühend fand, mehr Kälte ertrage, als Geranium pusillum, das ich in meinem Hausgarten eben damals zwar auch noch blühend, aber vom Frost tüchtig beschädigt beobachtete. Poa anwia und hie und da eine Dactylis glomerata, und einige Halme von Seeale cerenle notirte ich in meinem Garten. An einem Bache östlich von Bosac blühte Senecio viscosus in einigen Exemplaren, Taraxacum officinale, und Achillea millefolium. In Haluric sah ich in Bauernhöfen noch immer blühend Sysimbrium officinale und Malva rotundifolia, Diploluxis muralis bedeckte bei Stortek einige Brachen in Tausenden von Exem- plaren, stand in schönster Blüthe und frischem Grün. Ebendort Sheraria arrensis und Sinapis arventis wenig. Von Stortek machte 58 ich einen Umweg über die Haluricer einstigen Weingärten, wo ich nichts Anderes noliren konnte, als einige durch Fröste ziemlich nie- dergepeifschte Exemplare des Verbascum thapsiforme. Am 20. des- selben Monats machte ich einen Gang in die Podhragyer Weingärten „Nazlaboch," wo ich ausser einigen schon oben angeführten Pflanzen noch folgende blühend angelrolTen habe: Brassica Napus , ohne Wurzel- und untere Siengelblätter, aber viel blühend. Fumaria offi- vinalis nicht selten. PotentiUa opaca verkrüppelt, Pimpinella Saxi- fraga sehr selten blühend. Erwähnen muss ich, dass ich gegen Mitte Oktober in denselben Weingärten Viola hirla zum zweitenmale in diesem Jahre blühend gefunden und gesammelt habe, die Kapseln der ersten Blüthen vom Frühjahre waren bereits ausgeleert und halb- verfault. Jos. L. Hol üb y. Wien, den 10. Jänner 1865. Die in der vorigen Nummer erschienenen Aufsätze vom Hochw. Gründet und Holuby haben mich sehr interessirt. Denn sie brach- ten Nachrichten über Gegenden, die wir zu wenig oder gar nicht kannten. Indem ich meine botanischen Tagebücher mustere, finde ich noch einige Angaben verzeichnet, die nicht ganz zu verwerfen sind. Ich gebe sie im nachfolgenden Verzeichnisse. Achillea nobilis L. An Strassengräben bei Kleiii-Ügröcz (Barscher G.), Amaranthus Blitum a silviestris Neilr. Auf Schuttstellen bei Leva, Anchusa italica Reiz. An Strassen bei Bagota (Komorner C.), Androsace elongata L. Auf grasigen Plätzen bei Verebely, Gyökönyös, Ober-Györöd, Gross. -Källna, Klein-Szecs und Leva am Kalvarienberge, A. maxima L An Aeckern bei Leva, Arabia thaliana L. Auf grasigen Plätzen bei Verebely, Ober-Györöd, Gross-Källna, Leva und Bagota, Artemi- sia scpparia W. K. Am Bache bei K. Ugröcz, Arum macnlatum L. Auf dem Örhegy bei Leva, Aster Tripolium L. An Mineralquellen bei Bori (Honter C.} Astragalus austriacus Jacq. Bei Ungarisch-Altenburg auf Wiesen und Raab neben der Bahn, Barbarea vulgaris R. Br. An Aeckern bei Leva, Bifora radians M. B. Bei Czifter (Krzisch Exsicc), Curex acutah. Aufwiesen bei Vajk (B. C.) und Leva, C. hordeistichos Vill. Auf Wiesen bei Komorn, C. Schreberi Schrk. Bei Komorn, 0. Györöd, Vajk und Leva C. stenophylla Wahlen b. Auf dürren Triften bei Leva am Kalvarienberg. 0. Györöd und Komorn, Centaurea Calci- trapa L. Auf Schutt bei Kürt (K. C), Cerastium anomalum W. K. Bei Leva auf Wiesen nächst P. Gin, C. brachi/petalum Desp. Auf dem Örhegy, Cirsium oleraceum Scop. Innerhalb Osz äny. Draba nemo- rosa L. Auf Wiesen bei K. Szecs, Fedia cqrinata D C. Auf Aeckern bei Leva, Geranium columbinum L. Auf dem Örhegy, Glyceria distans Wahl. An Mineralquellen bei Magyaräd und Bori, Iriula salicina L. Im Weingebirge bei Leva, Isatis tinctoria L. Bei Csüsz (K. C.) an Aeckern, Lactuca, quercina a. integrifolia Bisch. Bei Leva im Wein- gebirge gQ'^eix Örhegy, Lathyrus Aphaca L. Bei Leva im Weinge- birge selten, hirsutus L. Bei Leva am Siklös und Weingebirge, Lylhrnm hyssopifolia L. Bei K. Ugröcz am Bache, Medicago minima 59 Desz. Auf dem Orligy, Myosurus minimus L. Auf grasig-en Triften bei K. Szecs, Gyökönyös, 0. Györöd und Tila, Ononis hircina Jacq. Auf dem Gran bei Nemes Podliragy (Treues. C), Papaver dubium L. Bei Leva am Orhegy, Peplis Portula L. Am Granufer bei G. Örhegy und Siklös, Phtomis tuberosa L. Auf Wiesen gegenüber G. Källna, Rnnnnciilus aqiiatiUs L. Bei Leva gegen K. Szecs, R. illyi'icus L. Bei P. Gin, SalDia austriaca Jacq, Aufwiesen bei U. Altenburg, Saxi- fraga tridactyiites L. Bei Leva am Kalvarienberg Sagina nodosa L. Auf den Storteker Sumpfwiesen (Tr. C), Scabiosa Succisa L. Auf Wiesen bei Schemnitz, Scorzonera parmßora J a c q. An Mineralquel- len bei Bori, Sisymbrynm pannonicum Jacq. An Aeckern beiKomorn und Bagola, Spergu/aria marina ßess. a heterosperma Fenzl. An Mineralquellen bei Magyarad und Bori, Tordylium maximum L. Bei Leva im Weingebirge Valeriana officinalis L. Bei K. Ugröcz am Bache, Veronica praecox All. Am Kalvarienberg bei Leva, V.verna L. Eben- dort, Vicia lathyroides L. Ebendort und am Orhegy V. pannonica Jacq. Auf Aeckern bei Raab. Josef Knapp. Neunkirchen in Niederöst., den 18. Jiinner 1865. Der sehr vielen Botanikern bekannte Führer auf die Preiner- Alpen Lorenz Alphons, Webermeister in der Prein, ist vor einigen Tagen gestorben. Derselbe wusste genau alle Standorte seltener Pflanzen und ihre Blüthezeit, wusste sie auch recht gut zu benennen und zu trocknen und wurde von mir seil mehreren Jahren als Samm- ler in Anspruch genommen. Im verflossenen Sommer hielt ich mit ihm das Schneesturmweiter vom 11. bis 13. August auf dem Plateau der Rax-Alpe in den bereits verlassenen Lichtensteghütten aus. Durch Alphons Tod entbehrt die Prein jedes brauchbaren Führers für einen Botaniker auf die Rax- und Schneealpe. Dr. Krzisch. XIX. Jahresbericht des botanischen Tanschvereines in Wien, im Jahre 1864. Bis zu Ende des Jahres 1864 sind 390 Botaniker mit der Anstalt in Verbindung getreten. Von diesen haben sich im Laufe des Jahres 38 mitteist Einsendungen an derselben betheiligt und es wurden von ihnen im Ganzen über 24,000 Pflanzen-Exemplare eingeliefert, ins- besondere haben die Herren: Andorfer, Alois, Magist. Pharm, in Langenlois. — Eingesendet 400 Expl. aus der Flora von Niederösterreich. Bartsch, Franz, k. k. Beamter in Wien. — Eing. 481 Expl. aus der Fl. von Salzburg. 60 Bochkoltz, W.C., in Trier.— -Eing. 600 Expl. aus der FI. von Trier. Braunstingel, J., in Wels. -— Eing. 1080 Expl. aus der Fl. von Oberösterreich. Breidler, in Wien. — Fing-. 214 Expl. aus der Fl. von Nieder- österreich. Graf, Ferdinand, Beamter in Graz. — Fing. 976 Expl. aus der Fl. von Steiermark. Griewank, Dr., Physikus in Bützovv. — Eing. 307 Expl. aus der Fl. von Mecklenburg. Crrundl, Ignaz, Pfarrer zu Dorogh in Ungarn. — Eing. 220 Expl. aus der Fl. von Ungarn. Hartmann, Friedricl), Ritter v., k. k. Lieutenant in Innsbruck. — — Eing. 819 Expl. aus der Fl. von Tirol. Hazslinszky, Friedrich, Professor in Eperies. — Eing. 1000 Expl. aus der Fl. von Ungarn. Jims, Bohuslav, Med. Cand. in Prag. — Eing. 485 Expl. aus der Fl. von Böhmen. Juratzka, Jakob, k. k. Beamter in Wien. — Eing. 126 Expl. aus der Fl. von Niederösterreich. Kastropp, Gustav, Apotheker in Salmünster. — Eing. 1051 Expl. aus der Fl. von Kurhessen und Hannover. Keck, Karl, in Aistershaim. — Eing. 650 Expl. aus der Fl. von Ober- österreich. Kerner, Dr. Anton, Universitäts-Professor in Innsbruck. — Eing. 500 Expl. aus der Fl. von Tirol und Ungarn. Kloeber, Ernst, in Brody. — Eing. 645 Expl. aus der Fl. von Gali- zien und Ungarn. Kolbenheyer, Karl, Prof. in Leutschau. — Eing. 220 Expl. aus der Fl. von Ungarn. Krasan, Franz, in Wien. — Eing. 140 Expl. aus der Fl. von Görz. Kristof, Lorenz, in Wien. — Eing. 2103 Expl. aus der Fl. von Görz. Kuutze, Otto, in Berlin. — Eing. 357 Expl. aus der Fl. von Preussen. Lackowitz, W., in Berlin. — Eing. 367 Expl. aus der Fl. von Preussen. Lagger, Dr. Franz, in Freiburg. — Eing, 551 Expl. aus der FI. der Schweiz. Langner, H., Bergamtsassistent in Breslau. — Eing. 260 Expl. aus der Fl. von Schlesien. Luerssen, Christian, in Bremen. — Eing. 70 Expl. aus der Fl. von Bremen. IVIatz, Maximilian, Pfarrer in Höbesbrunn. — Eing. 319 Expl. aus der Fl. von Niederöslerreich und Ungarn. Müller, Ernst, in Ratibor. — Eing. 2294 Expl. aus der Fl. von Schlesien. Oberleitnei*, Franz, Kooperator in Windischgarsten. — Eing. 1434 Expl. aus der Fl. von Oberösterreich. Oertel, G., Lehrer in Gehufen. Eing. 265 Expl. aus der Fl. von Preussen. 61 Petter, Karl, Beamter in Wien. — Eing. 309 Expl. aus der Fl. von Niederöslerreich und Istrien. Pittoni, C. Ritter von Dannenfeldt, in Graz. — Eing. 400 Expl. aus der Fl. von Steiermark, Kärnthen und Krain. Progner, A., in 3Ielk. — Eing. 200 Expl. aus der Fl. von Nieder- österreich. Schiller, Sigmund in Neutra. — Eing. 171 Expl. aus der Fl. von Ungarn. Schlosser, Dr. J. C, k. k. Statthaltereirath und Protomedicus in Agram. — Eing. 700 Expl. aus der FI. von Kroatien. Sonklar, Karl von, k. k. Obersllieutenant in Wiener-Neustadt. — Eing. 1620 Expl. aus der Fl. von Niederösterreich und Tirol. Uechtritz, Freiherr von^, in Breslau. — Eing. 754 Expl. aus der Fl. von Schlesien. Vagner, Ludwig, Beamter in Huszt. — Eing. 1304 Expl. aus der FI. von Ungarn. Veselsky, Friedrich, Landesgerichts-Präsident in Kuttenberg. — Eing. 551 Expl. aus der Fl. von Böhmen und Ungarn. Weiss, Dr. Adolf, Universitäts-Professor in Lemberg. — Eing. 74 Expl. aus der Fl. von Galizien. XVIII. Continuatio E l e n c h i d u p l i c a t o r u m. Ärtemisia rwpestris L. Astrantia alpina Schulz. JSotruchium matricarioides Wild. Campanula glaucophylla Schloss. Carex arayroglochin liorn. Cirsium t'andolleanum Näg. Hieracium rhaeticum F r. Lathyrus montanus B er n h. Orchis papilionacea L. Peucedanum sibiricum W. Potentilla suhacaulis Wulf. Ranunculus laferißorus D C. Scleranthus biennis Reut. Stellaria Boraeana Jord. Kryptogamen. Lichenes. Acrocordia conoidea. — glauca. JBiatora fuliginea. — rupestris. Pertusaria Uioplaca. Petractis exantltematica. Sphaerompliale Hazslinszkyi. Algae. Ceramium capillaceum. Chantransia thermalis. Conferva rupestris. Prasiola Sauteri. Tetraspora explonata. Masci. Barliula Hornschuchiana, Ery um pseudotriquetrum. Cylindrothecium concinnum. Dicranella Schreheri. Dicranodontiuni longirostre. Dicranum tliraustum. Fissidens adiantoides. — rufulus. Hypnum arcuatum. — falcatum. — Sendtneri. — trifariuni. — turgescens. — Vattcheri. — Wilsoni. 02 Neckera Sendtneriana. Orthotrichum cwpulatum. Plagiothecium Schimperi. Pottia Ileitiiii. — truncata. Racomitrium canescens. Seligeria calcarea. Sphaerangium triquetrum. Webera elongata Wien, (Wieden, Neumanngasse Nr. 7.) Skofitz. Personalnotizen. — Eduard Vogel hat Dresden verlassen und befindet sich jetzt in Brüssel. — Dr. Hanstein, Privatdocent an der Universität Berlin, ist zum ord. Professor der Botanik und zum Direktor des botanischen Gartens an der Universität Bonn ernannt worden. Derselbe wird seine Thätig- keit daselbst zu Ostern beginnen. — Dr. Caruel von Florenz beabsichtigt Ceylon zu besuchen um es botanisch zu durchforschen, und Biccarl als Kryptogamist bereits vortlieiihaft bekannt, hat beschlossen nach Borneo zu reisen und dessen Flora zu untersuchen. — Prof. Pariatore ist über Auftrag der italienischen Regie- rung mit einer Monographie von Gossypium beschäftigt. Das Werk wird mit Tafeln in Chromolithographie, welche hier zum ersten Male bei einer wissenschaftlichen Arbeit zur Anwendung kommt, ausgestattet sein. Prof. Todaro veröffentlicht soeben eine Arbeit über denselben Gegenstand. Das verflossene Jahr gab er eine Ab- handlung „Osservazioni su alcune Specie di Cotone" heraus, in wel- cher er nicht weniger als 34 in seinem Garten gebaute Arten von Gossypium beschreibt; Pariatore bringt alle diese Arten auf 5 herab. — Dr. Johann Wilhelm Sturm ist am 7. Jänner, 56 Jahre alt, in Nürnberg gestorben. — Dominik Bilimek, Professor und Bibliothekar an der Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt , reist Ende dieses Monates nach Mexiko ab, nachdem er von Sr. Majestät dem Kaiser Maxi- milian mit dem Kustodiat der neu anzulegenden kaiserlichen Na- turalien-Sammlungen betraut wurde. Vereine, G-esellschafteu, Anstalten. — In der Sitzung der zool.-botan. Gesells chaft am 4. Jän- ner legt J, Knapp eine von ihm verfasste „Flora des Neutraer Comi- tates" zur Aufnahme in die Druckschriften vor. — Dr. H. W. Rei- chardt sprach über eine Krankheit der Runkelrüben, welche bisher 63 nicht beobachlcl wurde. Die betrefl'enden Rüben, welche ihm vom Sekre- tär derLandvvirthschat'tsgeseilschaft Prof. Dr. A. Fuchs gesendet wur- den, stammten von einem reichgedüngten Felde bei Atzgersdorf nächst Wien. Der untere Theil der Rüben war vorzugsweise von Fäulniss ergriffen, während der obere noch gesund erschien. Von der Rinde ausgehend und verschieden tief in das Innere der Runkelrübe eindrin- gend, fanden sich scharf begrenzte schwarze Flecke, in denen das Zellgewebe der Rübe zu faulen begann. Die Zellen im Bereiche dieser Flecken waren äusserst reichlich von den schlauchförmigen Fadenzel- len des Myceliums eines Pilzes durchzogen, der von Aussen in die Substanz der Runkelrüben eindringend, die Krankheitserscheinungen bewirkte. Dieser Pilz ist von Raben hörst unter dem Namen Rüben- tödter, Helminthosporium rhizoctonum beschrieben worden und ist in Bezug auf seine Lebensweise noch sehr unvollkommen bekannt; Kühn hat zuerst auf diese Erkrankung der Runkelrüben aufmerksam gemacht und nachgewiesen, dass er auch auf der gelben Rübe vorkommt. 3Ion- tagne hält ihn für identisch mit dem Wurzeltödter des Luzernenklees, Rhizoctonia Medicaginis D. C, der im südlichen Europa so furchtbare Verheerungen anrichtet, — J. Juratzka legte eine vom Seminar- Direktor C. Erdinger in Krems eingesendete Beschreibung einer neuen Weide: Salix Kerneri Erd. vor; dieselbe ist eine Hybride zwi- schen S. viminalis und incana und wurde von Erdiuger in einem männlichen Strauch auf der Donau-Insel gegenüber dem Ausflusse des Krems-Mühlbaches gefunden. — Dr. J. R, Lorentz sprach über Akklimatisation von Thieren und Pflanzen im Allgemeinen^ wobei er die Nothwendigkeit einer genaueren Unterscheidung dessen, was man darunter begreift, hervorhob; es können nämlich die Thiere und Pflan- zen entweder „sich akklimalisiren" oder „akklimalisirt werden." Hier- auf überging er auf eine Besprechung der BoumwoUkulturversuche in Venezien und Dalmatien, deren Ergebnisse im abgelaufenen Jahre er mit Rücksicht auf die dortigen, nach seiner Ansicht für die Baumwoll- pflanze günstig gewesenen Witterungsverhältnisse als ungünstig be- zeichnete. Diess rief eine Entgegnung von Seite des anwesenden Prof. Dr. Molin hervor, welcher behauptete, dass gerade die berührten Wit- terungsverhältnisse nicht als günstig, sondern als höchst ungünstig bezeichnet werden müssen, dass die Ernte trotzdem gut ausgefallen sei und dass sie in Jahren mit besseren Witterungsverhältnissen als sie im verflossenen Jahre herrschten, sehr günstige Resultate liefern werde und müsse. X. — In einer Sitz ' ig der kais. Akademie der Wissen- schaften, mathem- ilurvv. Klasse am 17. November 1864, legte Dr. Julius Wiesner, Docent am k. k. polytechnischen Institute, eine „Untersuchung über das Auftreten der Pectinkörper in den Geweben der Runkelrübe" vor. Ueber das Auftreten der Pectinkörper in der Zelle sind nur wenige und sich widersprechende Beobachtungen be- kannt geworden. Nach Fremy kommen diese Körper innerhalb der primären Zellmembran vor, nach Kabsch und Aug. Vogi ist die In- lercellularsubstanz der Sitz der Pectinkörper, und zwar hat Kabsch 64 im Parenchym der Kohlrübe und der gelben Rübe , Vogl im Paren- chym und in den Milchsaftgefassen der Lüwenzahnwurzel Pectose nachgewiesen. Dr. Wiesner hat gefunden, dass die Intercellular- substanz der Rübe durch Kochen im Wasser zu einer Gelatine auf- quillt, die sich in Oxal-, Citron- und Apfelsaure löst, und folgt daraus, dass die desorganisirte Zellwand (Intercellularsubstanzj der Ort ist an welchem die Pectinkörper auftreten. Der Vortragende hat die- selben nicht nur im Parenchym, sondern in allen anderen Geweben der Runkelrübe, selbst im Periderm, in jungen Gefassen und Holz- zellen nachgewiesen, woselbst man bis jetzt diese Körper noch nicht beobachtete. Der Vortragende benützt diese Auffindungen über das örtliche Vorkommen der PeclinstofFe zur ßeurtheilung der Zucker- fabrikationsmethoden. — Bei Anwendung der Reibe und Presse werden die Zellen zerrissen; es treten die Säuren des Zellsaftes (Oxal-, Citron- und Apfelsäure) in unmittelbaren Contact mit der Intercellularsubstanz und wandeln dieselbe in lösliche Pectinstoffe um, welche den Rübensaft eben so verunreinigen , wie die Salze, Eiweisskörper, Säuren etc. der Parencliymzellen. — Bei der im all- gemeineren Gebrauche stehenden Maceration wird entweder heisses reines Wasser oder ein Wasser, das durch Kalkmilch alkalisch oder durch Schwefelsäure sauer gemacht wurde, zur Auslaugung der Rübe benutzt; bei allen diesen Methoden kann aber eine Aufquellung der Intercellularsubstanz ebensowenig, als eine partielle Umsetzung der- selben in lösliche PectinstofTe vermieden werden; erstere erschwert den Austritt der Zuckerlösung aus der Zelle, letztere veranlasst eine Verunreinigung der Zuckersäfte. Dr. Wiesner bezeichnet die in neuester Zeit von Julius Robert erfundene osmotische Maceration, mit welcher in der bekannten Zuckerfabrik zu Seelowitz in ölähren bereits ausgezeichnete Erfolge erzielt wurden, besteht darin , dass dünn geschnittene Rübenlamellen mit reinem Wasser zusammen- kommen, welches im Kontakte mit den Rüben eine Temperatur von höchstens 40 Grad R. zeigt, bei welcher Temperatur, wie der Vortra- gende gefunden hat, noch keine Aufquellung der Intercellurlarsub- stanz stattfindet. Hiedurch wird ein doppelter Vortheil erreicht: der Austritt der Zuckerlösung wird nicht erschwert und die Verunreini- gung des Saftes auf ein Minimum herabgedrückt. — In einer Sitzung der Schle&i sehen Gesellschaft für vaterländische Kultur, naturwissenschaftliche Sektion, am 27. Juli 1864 in Breslau sprach Dr. Göppert über die Darwin'sche Transmutationslehre mit Beziehung auf die fossilen Pflanzen. Ein die- ser Ansicht entgegentretender Vortrag, der in Verbindung mit einer comparativen Bearbeitung der gesammten fossilen Flora in der letzten Abtheilung seiner Permischen Flora erscheinen wird, und hier nur im gedrängtesten Auszuge wieder gegeben werden soll. 1) Die Ordnun- gen, Familien, Gattungen und Arten der fossilen Flora waren sich nicht immer gleich, die meisten von nur sehr ungleicher Dauer und gewaltigem Wechsel unterworfen. Beispiele vom Untergänge ganzer Ordnungen finden sich freilich nur wenige und bis jetzt nur in den 65 Landfloren der paläozoischen Periode, wie die Calainileen, Annu- larien, Nögg-eralhien und Sigillarien, häufiger tritt dagegen das Ver- schwinden von Familien auf, wie Calamites, Lepidodendreen, oder von Gattungen in einzelnen Familien, wie z. B. in der Reihe der Farn. In späteren geologischen Zeitabschnitten kommt das Aufhören ganzer Ordnungen nicht mehr vor, kaum noch von Familien, wie etwa nur noch in dem auf die paläozoische Zeit unmittelbar folgendem bunten Sandsteine der Trias. Auch der Gattungstypus nähert sich hier immer mehr den Formen der Gegenwart. Was nun die Arten betrifft, so finden wir in der Regel ihre Dauer nur auf die grossen Perioden be- schränkt, und nur in dem Bereiche derselben einzelne, welche in einer älteren und jüngeren aufeinanderfolgenden Formation oder Abthei- lung zugleich vorkommen. Eine Ueberspringung einzelner Forma- tionen derselben Periode oder gar ganzer Perioden, wie im Bereiche der fossilen Fauna angegeben wird, ist mir in der fossilen Flora bis jetzt noch nicht bekannt geworden. In dem Bereiche der paläozoischen Periode selbst gehenvon der bis jetzt nur55 Arten zählenden oberdevo- nischen Flora nur 5 in die untere Kohlenformation über. Unter allen bis jetzt bekannten fossilen Pflanzen ist Neuropteris Loshii von der längsten geognoslischen Dauer, indem sie sich von der unteren Kohlenfor- mation durch die obere hindurch bis in die Permische Formation er- streckt. In der Flore der Trias findet eine weniger scharfe Begrän- zung gegen die des Jura, als zwischen den einzelnen Abtheilungen selbst statt. Die gesammte Juraperiode scheidet sich schrotf von der Kreideperiode , und diese wieder , obschon hier zuerst wahre Dicotyledonen, Laubhölzer auftreten, doch völlig von der Tertiär- periode ab. In der Tertiärflora zeigt sich nun mit der sich immer mehr steigenden Annäherung an die Gegenwart auch grosse Ver- wandtschaft und häufiger Uebergang einzelner Arten aus einer Ab- theilung in die andere, ja sogar durch alle einzelne Formationen hindurch bis in die Jetztwelt. Im Ganzen ergiebt sich also hieraus, dass neun Arten ohne inneren genetischen Zusammenhang zu allen Zeiten unausgesetzt entstanden und vergangen sind. 2) Einzelne Ordnungen und Familien gelangen schon gleich beim ersten Er- scheinen zu grosser Ausbildung und bleiben auf dieser Höhe bis in die Jetztzeit hinein, was sogar von den ältesten des Erdballs, von den Algen nach meiner Entdeckung von Florideen in der siluri- schen Formation als sicher anzunehmen ist, aber auch von etwas jün- geren, den Farn gilt, die schon in den ersten Landfloren eine grosse Ausbreitung erlangen und sie mit allen wesentlichen Merkmalen durch alle Formationen hindurch bis in die Gegenwart behaupten, also sicher niemals weder eine Transmutation erfuhren, noch ein Evolu- tionsmerkmal erkennen lassen. Andere Ordnungen treten zuerst in einzelnen Abiheilungen oder Familien auf, wie z. B. die Coniferen, welche mit den Abietineen beginnen und sich erst allmälig vervoll- ständigen, hier aber und zwar schon in der paläozoischen Periode von solcher Mannigfaltigkeit und höheren Ausbildung der inneren Struktur (mit vielstöckigen Markstrahlen), wie sie keine spätere Periode mehr Oesterr. botan. Zeitächrift. '2. Heft. 186:.. 5 6b aufzuweisen Iiat. Von ilen Cycadeen lässt sich dasselbe erweisen, wie am a. 0. naiier auseinandergesetzt wird. 3) Alle diese Verhältnisse, wenn man auch annehmen wollte, dass neue Entdeckungen manche bis jetzt nocli lückeniiatte Reihe zu ergänzen vermöchten, zeigen von dem selbslständigen Auftreten der einzehieuOrganismen und sprechen nicht für eine seculare Umwandlung bestimmter Formen, wobei man doch jedesmal wieder an eine vorangehende niedere, aber bisher jedenfalls noch gänzlich unbekannte, und zugleich natürlich noch ältere zu denken hätte. Einen noch entschiedeneren Beweis für die Selbslständisikeit und niclit zur Transformalion oder Evolution sich neigenden Beschaifenheit des sciiöpferischen Typus zeigen einzelne, nur auf die paläozoisciie Zeit beschränkle Familien von Ordnungen, die in der Gegenwart ebenfalls noch ilire Repräsentanten haben. Wie einfach erscheinen unsere nur auf die einzige Gattung Equisetum be- schränkten Calamarien im Vergleich zu den mannigfaltigen Bildungen der Calamiten, welche bereits in der ersten Landflora im oberde\ oni- schen Cypridinenschiefer Gattungen aufzuweisen haben , die den Typus aller damals schon vorhandcmen Hauptfamili(Mi wie die der Farn (^Calamopteris) , der Monocolyledoiien (Calamosijrinx), selbst der Coniferen (Calamnpitys^ in sich ver(iinigen; wie einfach und von be- schränklem Foi'uienkreise unsere Selagineen gegen die paläozoischen so vielgliedrigen Lepidodendreen, wobei wir die in beiden Gruppen vorherrschende Baumform gar nicht einmal in Rechnung bringen wollen. Jedoch bemerken wir ausdrücklich, dass jene so hoch ent- wickelten Calauiarien mit Farn, Monocotyledonen und Gymnospermen von unseren! Typus gleichzeitig vorhanden waren, und nicht etwa, wie es zuweilen heisst, das Auftreten derselb(.'n vorher verkündigten, in- sofern sie Merkmale in sich vereinigten, die später gewissermassen auseinandergelegt und nur isolirt in verschiedenen Gattungen vor- kommen. Völlig vereinzelt aber in der gcsammten Flora stehen die Sioillarien im Vereine mit den gegenwärtig als ihr Wurzelorgan nach- gewiesenen Stigmarien i« succisaefotia, sowie auf nassen und moorigten SieWen Juncus squar- 1-osus. Ganz St. Blasien, das dem Feste auf dem Berg beigewohnt, kehrte auf dem Heimwege heute Abend auch noch „im Hirsch" ein, allwo ich mein Quartier genommen. Am 21. früh Morgens gings nun dem nur V/2 Stunden entfernten Feldbergwirthshaus zu auf guter Sirasse. Gleich vor dem Dorf entnahm ich den im frischen Thau er- glänzenden Matten Rhinantus minor. Nicht mehr weit vom Ende des Waldes, wo dieser in die Alpenlriflen auslauft, stand am Weg viel Eriophorwn vayifiatum,mu\ als mich das veranlasste, nähere Bekannt- schalt mit dem Wald zu machen, so war ich nicht wenig erfreut immer am Fusse alter Tannen 1 — 2 Stöcke Slreptopus amplexifolius gerade mit seinen zierlichen Blülhen gesclimückt zu linden. Bald nach Ver- lassen des W^aldes machte dann auf der freien Höhe vor mir das neue Wirthshaus „zum FeldbergerHof seine Aufwartung. Ist das Aeussere dieses Hauses für den Nahenden schon eine freundliche Erscheinung, so werden seine Erwartungen durch den Befund im Innern noch über- trulfen. Alle seine Bedürfnisse und billigen Wünsche werden durch den freundlichen jungen Wirth ihre Befriedigung finden. Durch 20 neue gute Betten ist eben so für's Uebernachten gesorgt. Indessen steht das Haus, dessen Höhe 3900 franz. Fuss ü. M. beträgt , nicht wie ange- nommen werden möchte, auf der obersten Höhe des Berges, der 4600' missl; es braucht noch eine Stunde Zeit, um zu dieser zu gelangen. Auch ist der Feldberg kein für sich dastehender Berg oder eine über den Kamm des Gebirges sich besonders auszeichnende Gipfelerhebung. Mit seinem eine Stunde langen von Westen nach Osten sich erstre- ckenden und fast durchweg gleich hohen Rücken auf dem sich als ein- zelne Vorsprünge der Baldenwegerbuk und der Seebuk auszeichnen, bildet er >ielmelir selber ein Geljirg und als der höcliste Punkt des Schwarzwalds entsendet er nach allen Seiten hin Ausläuferund Berg- züge, die fast alle, im Anfang wenigstens, ihm an Höhe nicht viel nachstehen; woher es auch kommt, dass einem die Aussicht über die ^on ihm steil abfallenden nach Süden und Westen auslaufenden Tlialer der Wiese und der Dreisam verschlossen bleibt, während er 78 gegen Osten über den Seebuk beimWirthshaus zuvor auf 4000' herab gesunken , fast unmerklich in ein mit Tannenwahlungen bekleidetes Hochplateau übergeht. Für eine Aussicht in des Berges nähere Um- gebung bleibt somit nur die Nordseite übrig, wozu der SeebuK der geeignetste Punkt ist und die auf seiner Spitze angebrachten langen Reihe von Bänken die beste Gelegenheit bielen, die hier den Blicken sich erschliessende specifische Schwarzwald-Landschaft mit Müsse zu überschauen und dem Herz wie den Augen einen grossen Genuss zu verschaffen. Durchs Bärenthal und Rothwasserthal, aus dessen Schoos der Titisee heraufblickt und der dem, der sich darum bemüht, Nuphar pumilum und Isoetes lacustris und echinospora in beliebiger Zahl ab- lässt, schweift das Auge weithin über die nordwärts sich ziehenden Berge. Dörfer und eine Menge unten in den grünen Bergmatten zer- streut umherliegenden Höfe, Ställe und Scheuern mit ihren hellgrauen Schindeldächern helfen das Ganze zu einem lieblichen Bild zu ge- stalten. Der erste Preis übrigens von der Seebukaussicht fällt unstreitig dem fast senkrecht unmittelbar an seinem Fuss liegenden Feldsee zu. 8400' ü. M. liegt er in einer Tiefe von 1200' unter der Spitze des See- buk im Grund eines Felsenkessels, dessen Umkreis % St, beträgt. Mag man nun vom Seebuk auf den See hinab, oder vom See nach dem Seebuk hinauf seine Augen wenden, in beiden Fällen hat man hier ein Bild vor sich, wie man es nur seilen in der Alpenwelt wieder findet und das bei keinem Menschen, der ein fühlendes Herz im Leibe trägt, seine Wirkung verfehlen wird. Seit 5 Jahren bezeichnet ein runder 50' hoher aus unbehauenen Granitblöcken erbauter schöner Thurm, in dessen Innern man auf einer Wendeltreppe zu seiner Zinne gelangt, den höchsten Punkt des Feldbergs. Hat man, gegen Süden gewendet, auf seinem ganzen Rücken schon eine herrliche Ansicht der ganzen schweizerischen Alpenkette, so entfaltet sich diese dort oben wo mög- lich in noch weiterer Ausdehnung. Aber nicht jedesmal trifft sich's, dass Wetter und Luftbeschaffenheit der Art sind, dem Wanderer diese Riesen im Glanz der auf- oder niedergehenden Sonne erscheinen zu lassen. Es gehört Glück dazu, denn gar oft im Jahr steigt der Feldberg mit dem linken Fuss zuerst aus dem Bett und schneidet den ganzen Tag ein mürrisches und finsteres Gesicht. Auf dem Gehänge und den Alptrif- ten, die den ganzen oberen Theil des Berges bekleiden, liegen 6 verschie- dene Viehhütten zerstreut, die Eigenthum der umliegenden Gemeinde sind und die eine grosse Zahl Vieh hier sommern. Nur Schade, dass diese schönen Heerden nur aus Ochsen und jungem Gustvieh bestehen und die Milch aus des Feldbergs Kräutern nicht in schmackhaften Käse verwandelt wird. Es sind diess die Todlnauer, die St. Wilhelmer, die Zassler, die Baldenweger, die Lenzkircher und die Menzenschwan- der Hütte. Die Todtenauer Hütte ist die am höchsten gelegene und von ihr aus ist in Vi Stunde der Thurm zu erreichen; auch zeichnet sie sich vor den andern durch eine einigermassen wirthshausartige Einrichtung aus, so dass man auch da Erfrischung und Nachtlager findet, jedoch freilich nicht so anständig, gut und bequem, wie im neuen Wirlhshaus „zum Feldberger Hof", das eine Stunde östlich hie- 79 von jenseits dein Seebuk z^viscllen der Lenzkirelier und Menzen- sehvvander Hütte seine gastlichen Räume entstehen Hess und wohin vom Thurm weg gerade über den Seebuk ein neu angelegter guter Pfad den Wanderer geleitet. So sind wir nun von unserni Umgang über den Feldberg unver- sehens wieder dahin zurückgekommen, von wo wir ausgingen und nach genommenem Frühstück soll jetzt das Botanisiren wieder aufge- nommen werden. Um mit dem See und seinen Umgebungen den An- fang zu machen, lenkte ich meine Schritte dem nahen Walde zu, durch den ein rauher Fusssteig zu jenem hinableilet. Gleich vom Wirlhshaus weg waren die Triften erfüllt mit blühendem Meum atha- mantiQum und Mutellina. Die erstere, eine echte Schwarzwaldpllanze, bedeckt überhaupt zu tausenden alle freien Höhen über 3000' im Schwarzwald. Die letztere dagegen ist bloss auf den Feldberg be- schrankt. Durch die kalten Nächte aber, die wir Ende Mai und Anfangs Juni hatten, fand ich die Vegetation auf der Nordseite des Berges noch sehr weit zurück. Ranunculus aureus ^ c\\\. war das einzige allenfalls Bemerkenswerthe, das ich da blühen sah. Aus dem See \\ ar noch nichts zu haben. In dem nur durch einen schmalen AValdstreifen davon getrennten Sumpf waren Selaginella spinulosa, Lycopodium inundalum, Vaccinium Oxycoccos und uliginosum, An- dromeda polifolia, Carex limosa und paucißora., Scirpus caespitosus, Scheuchzeria und Drosera rotundifolia zu bemerken. — Was icli früher nie noch gethan, das wollte ich nun mehr versuchen, weil ich wusste (uiss es Andern auch schon gelungen, nämlich vom See aus gerade nach dem Seebuk hinaufzusteigen; ein schweres Stück Arbeit, das Kopf, Arme und Beine in starke Mitleidenschaft zieht und im besten Fall 2 Stunden in Anspruch nimmt. Ich that's und es gelang, aber ohne für meine Mühe entschädigt zu werden. Diese so krauterreichen felsigten und waldigten Hänge und Abstürze zeigten kaum erst ein Erwachen des Frühjahrs, nicht einmal Rosa alpina blühte. Einzig Carex frigida war am Bach, der von oben nach dem See her- abstürzt, einigermassen herangewachsen. Den wieder gewonnenen höchsten Rücken des Berges aber fand ich überdeckt mit blühender Fotentilla aurea. Aber auch der Sorbus Cliamaeinespilus, der um die Felsparthien auf der Nordseite unterhalb dem Höchsten seinen Platz hat, hatte seine Blüthenknospen noch nicht erschlossen. Ich kehrte nach dem Wirthshaus zurück und nath kurzer Erholung und Stärkung nahm ich meinen Weg nach dem 3 Stunden von da entfernten Schluchsee. Eine halbe Stunde ehe man den See erreicht, kommt man zu den Häusern von Aha, dessen Wirthshaus mit Recht von Jeder- mann gerühmt wird. Bei guten Speisen, Wein und Bier und freund- lichen Wirthsleuten fühlt man sich da gleich recht wohl und heimisch. Eine kleine St nde von da ist das Dorf Schluchsee recht freundlich auf einer Anhöhe über dem See gelegen. Die beiden hiesigen Wirths- häuser, der „Stern" und das „Schiff," wetteifern förudich mit einan- der in guten Eigenschaften. Letzteres indessen zeichnet sich noch aus durch auffallend billige Rechnungen und (Erfreut sich daher grosser 80 Giinsl seiner Besucher. So wenig als. aus dem Feldsee war schon Etwas aus dem Schluehsee zu haben. Dagegen steckte im Moos an seinen Ufern zahlreiche Scheuchzeria und im Moorgrund an seinem übern Ende stand unzähliges Eriophorum alpininn mit seinem nied- lichen Flöckchen. Nach gelöschtem Durst in der freundlichen Wirtiis- slube zu Aha trat ich die Heimreise an und ging Abends noch 3 St. weit bis Bernau. Trotz meiner Ermüdung vom vergangenen Tag war ich doch andern Morgens schon frü.'i wieder auf der Strasse gegen Todtmoos. Von Todtmoos eine Stunde lang das Werralhal hinab bis Au, dann rechts hinauf nach dem schön und hoch gelegenen Bergdorf Gers- bach, versehen mit einem sehr guten Wirthshaus; von da über Hasel kam ich Mittags 12 Uhr nach Schopfheim im Wiesenlhal gerade recht, um mit dem 12 Uhr 30 Min. abgehenden ßahnzug über Basel meine Heimath Müllheim Abends wieder zu sehen. Am 27. Juli machte ich micli zum zweitenmal auf den Weg nach dem Feldberg; und diessmal auf dem geradesten und kürzesten über Schönau, Todlnau,Brandenberg und Fahl. Von diesem letzten Dörfchen leitet einPfad in i^/^ Stunden zum neuen Wirthshaus auf dem Feldberg und obschon ich noch bei guter Tageszeit nach Fahl kam, so blieb ich doch über Nacht da, um am folgenden Morgen mit frischen Kräften den Bergin AngrifFzu nehmen und zu inspiciren, weil ich ihn in dieserRich- tung noch nie bestiegen halte. Diess Ihat ich folglich am Morgen des 28. Juli, langte jedoch beim Wirthshaus an, ohne elwas Besonderes bemerkt zu haben. Denn Petasites albus ^ Geraniwn sylvaticum^ Cacalia albifrons, Sonclms alptnus, Spiraea Aruncus^ Rosa alpina^ Aconitum Lycoctonum und Nopelhis, Luzula albida und was derglei- chen Dinge mehr sind, erfüllen alle Walder auf dem Feldberg und um ihn herum. Wie auf den Alpen, so sind auch hier die Viehhütten um- ringt von Rumex alpinus. Auf der Höhe, zunächst östlich vom Wirths- haus, wohin ich mich zuerst nun richtete, fand ich in kleinen feuchten Verliefungen Carex vulgaris, Jiincus filiformis und yquarrosiis.) welch letzlerer überhaupt auf allen dortigen Höhen zu treuen ist, wo eine ihm angenehme Lokalilät sich zeigt. In ungeheurer Menge blühten jetzt überall Aparijia alpina luiii Arnica montana. Wie das vorigemal von unten hinauf, so unternahm ich's jetzt vom Seehuk nach dem See hinabzusteigen, bei welcher halsbrechenden Arbeit zwischenden Cflca/m-Wäldern, die die felsichien Abstürze im Tannen- wald überdecken Actaea spicata zu sehen, mich am meisten über- raschte. Gleich mir hat gewiss noch Jeder, der vom Seebuk gerade nach dem See hinabstieg und mit heilen Gliedern anlangte — Gottlob gesagt. In des See's oberm Ende fluhtete jezt blühendes Spnrganiunt natans und nebenbei stand auf dem Grund des See's Isoetes chinospora. Im Sumpf hinter dem See zeigte sich nun neben dem Lycopodium inun- datum und der Selaginella auch Drosera longifolia. Auf dem Pfad, der durch den Wald zum See herabführt, wieder der Höhe zusteigend bemerkte ich Melampyrum syhaticuni, Circaea alpina, Lycopodium aniiotinum und Selago, Rumex arifolius, Centaurea montana. Folg- 81 podlum Di't/opteris, Phegopleris. Aspidium ßlix foemina, Pulypodiuin alpestre., ßlechniim Spicant, Tvollius etc. Vom Seebuk weg bis zum Höchsten auf der ganzen Nordseile i\es obersten Rückens des Berges war nun an die Stelle der Potentilla aurea, Gnaphalium supinum getreten , diese hohe Urgebirgspflanze der Alpen. Auch Lycopodiuin alpinum zeigte sich öfters auf trocke- nen, kiesigen Köpfen. Auf sumpfigen quelligcn Stellen blühte nun Swertia perennis, Epilobium alpinum und palustre und Bartsia al- pina ist da ebenfalls eine häufige Pflanze. Damit beschloss ich die iieulige Arbeit und kehrte zurück nach dem Wirthshaus, dabei öfters Orchis albida bemerkend. — Vom Höchsten, oder dem Thurm aus gerade gegenüber sieht man jenseits der unter einem liegenden Zasl- ler Hütte auf der nächsten waldigten Bergseite einige senkrecht aul- strebende Felswände und um diese in der Nähe zu betrachten, ging ich den folgenden Morgen, am 2d. Juli, über den Baldenwegerbuk dali in. Meine Holfnungen übrigens, die ich auf diese Felswände setzte erlu Uten sich nicht. In der sie umgebenden Vegetation konnte ich nichts bemerken, wodurch sie sich von der allgemeinen des Gebirges ausgezeichnet hätte. Nur hatte ich Liliuin Marlagoii nie in solchen Prachtexemplaren gesehen, wie sie liäulig hier herum mir erschienen. Beim üeberschreilen des Baches nachher, wo er zu hinterst im Zasl- ler Loch vom Felsen stürzt, traf ich auf mehrere schöne von Solda- nella alpina , Bartsia alpina und Carex f'rigida besetzte Plätze. Hieracien aber, auf die ich's besonders abgesehen hatte, wollten mir ausser den vielen Formen von murorum und rulgatuin, keine zu Ge- sicht kommen. Weil ich am '21. Juni den Sorbus Chamaemespilus noch nicht in völliger ßlüthe getrolfen, so wollte ich nun nachsehen, ob nicht der eine oder andere Stock noch einen Blüthenbüschi-l für mich aufgehoben. Aber die S locke hatten nun alle nicht nur vollstän- dig abgeblüht, sondern ich fand auch, dass sie alle ihre kaum ange- setzten Früchte wieder abwarfen. Ob dieser Fall bei den Feldberg- Exemplaren dieser Pflanze alle Jahre stattfindet, oder nur in einzelnen derEntwicklung ungünstigen, darüber fehlen mir die betreffenden Be- obachtungen. Gentiana lutea, obgleich nicht rar am Berge, treibt hier doch nur selten Blütiienstengel. Ungeachtet der so günstigen Lage Freiburgs für das Studium der Botanik, fanden die botanischen Exkursionen dennoch lange Zeit liindurch nicht mehr die vielen und eifrigen Anhänger, nachdem Spenner der Universität und seinen Freunden allzufrüh durch den Tod war entrissen worden. Die Sludirenden jener Zeit fanden gros- sentheils mehr Gefallen an Vergnügungen anderer Art. Daher kam es, dass die Standorte manch seltener Pflanzen in Vergessenheit gerie- then und in neuerer Zeit auch den fleissigsten Botanikern ihr Wieder- auffinden nicht mehr gelingen wollte, so dass man sie in der Rubrik der Verschollenen und Verschwundenen eintrug. Diesem Schicksale verfiel auch die schöne Campanula latifolia, von deren Standort Spenner in seiner Flora friburgensis sagt: „in dumclis riipestribus m. Feldberg ad praecipitium promontori Seebuck 82 et ad torrentem versus lac.Felilseo cam Hieracio hlattariokle copiose/' Herrn Apotheker Schneider aus Basel, einem geborenen Franit- furter, war es nun vorbehalten, diese todt geglaubte wieder in die Reihen der Lebendigen zurückzuführen. Voriges Jahr, am 1. August, zum erstenmal in seinem Leben auf dem Feldberg, fand er ganz richtig an dem Sp enner'schen Standort Campanula latifolia und Crepis blatiarioides. Vom Sorbus Chamaemespilus weg, ging ich nun wieder dem See- buk zu, mit dem Vorsatze, heute der Campanula latifolia zu lieb mein Möglichstes zu versuchen und mit ihrer Gewinnung sollte dann diese Exkursion ihren Abschluss finden. Die Sitzbänke zur Linken lassend, stieg ich jetzt die steile Grashalde abwärts, in der sich schöne Exemplare von Sagina saxatilis fanden und zog mich links hinüber in die mit Salix grandifolia, Rubus saxatilis, Sonchus alpinus^ Ca- calia albifrons, Digitalis ambigua, Geranium sylvaticum, Centaurea montana, Rosa alpina u. s. w. wild überwachsene und den Fuss zum Straucheln und Stürzen verleitende schroff abstürzende Felsparthie. Da ich aber auch Crepis blattarioides im Anfang der BlUthe befindlich ansichtig wurde, da gings mit erneuertem Eifer an's Suchen, denn diess musste der rechte Platz jetzt sein und meine Mühe blieb nicht unbelohnt. Mitten im Gebüsch sehe ich 3 Stengel von Campanula latifolia über ihre Umgebung sich erheben und breche mir Bahn zu ihnen. Wenn schon die Blumen noch nicht vollkommen ausgewachsen und aufgeschlossen waren, so mussten nun doch diese 3 Exemplare in Bogenlänge in meine Büchse wandern. Weiteren Exemplaren, die ich dann nachher noch fand, die aber in ihrer Entwicklung noch mehr zu- rück waren, v/urde von mir kein Leid zugefügt. Dennoch aber konn- ten sie ilirem Verhängniss nicht entgehen. Damals als Herr Apotheker S chnei der die Pflanze fand, hatten sich ihm einige auf dem Feld- berg kräutersuchende Freiburger Lyceisten angehängt und waren wie wüthend über die schönen Pflanzen hergefallen. 14 Tage nach mir kamen diese als Führer von ilirem Lehrer und einem Haufen anderer Schüler, im Ganzen ilirer 16, wieder und hausten nun schändlich unter der präclitigen Campanula. Die 4 Exemplare, die dann noch ihren räuberischen Händen entgingen, fielen 2 Freiburger Botanikern vollends zum Opfer, die 2 Tage später kamen. So ist nun dieses Jahr von allen miteinander nicht ein einziger Stock dem Verderben bringenden Messer entgangen. Gebe Gott, dass das Jahr, nach ihrer Wiedergeburt nicht auch schon wieder ihr Sterbejahr geworden. Wer weiss, ob ihr nicht vor vielen Jahren das gleiche Schicksal begeg- nete und sie diese Zeit zu ihrer Wiedergenesung bedürfend, dess- halb so lano- nicht mehr oefunden wurde. — Weil durch den Fund der Campanula mein Endziel erreicht war, so brach ich nun nach dem Wirthshaus auf, um, nachdem die Büchse ihren Theil empfangen, jetzt auch dem Magen den seinen zukommen zu lassen und dann noch einen Theil der Heimreise heute hinter mich zu bringen. Durch das unverhoff'te Eintreffen von 3 Freiburger Freunden ward der Nach- mittag noch zu einem recht vergnügten geschaffen und zu gleicher 83 Zeil rücklcMi wir ab: sie, um heute noch nach Sf. Blasien; ich über Todüiau nach Schönau zu kommen. H.iufig- an der Strasse zwischen Todtnau und Schonau bemerkte ich Agriinonia odorata. Am Vormittag des 30. Juli, bevor ich meine 5 Stunden von Schonau entfernte Heimath erreichte, traf ich diese Pflanze noch zu wiederholten Malen. Das letztemal gerade da, wo ich das Urgebirg verliess und der Kalk sich anschliesst — nur noch eine St. von Miill- heim. Soweit bis jetzt überhaupt meine Beobachtungen mit dieser Pflanze reichen, ist alle imseie Agrimonia, die im Urgebirg vorkommt, odorata und die auf Kalk , Löss und angeschwemmtem Boden Eupatoria. Es war am 18. August, als ich mich nach den hohem Schwarz- waldregionen zum drittenmal wieder aufmachte. Ueber Schönau und den F'ucliswald hinauf nach Hen enschvvand, dann weiter nach Todt- moos und St. Blasien, 12 St. von Müllheim, ging heute die Reise. Gast- hofin St. Blasien, nicht wie ich's liebe. Theuer, steifes Wesen, Kell- ner mit der Serviette unter dem Arm u. dgl. — Machte mich am 19. August beizeiten auf undnahm meistens durch alte Tannenwälder, in denen Dianthus deltoides, Equisetuin sylvaticiun, Llstera cordata, Pyrola uniflora sich zeigten , meinen Weu" nach dem Schluchsee, 2800 par. Fuss ü. M. gelegen. Theils im Dunkel, der ihn überragen-.; den Bergwaldungen, tlieils auflichten Stellen wolnien ausser den hier gewöhnlichen schon oft genannten Bergpilanzen, &uch Pyrola secunda, Rliinantlius angustifolius Gm., Phylheuma nigruin, Jasione pereimis^ auf den olfenen Bergmatten Gentiana campestris. Auf dem Moor am oberen Ende des Sees steht Salix pentandra, Comaruin palustre, Schoemis albus, Carex pauciflora, Eriophoruin alpinum, Thysselinuni palustre; letzteres aber nur sparsam. Die Hauptsache für mich war aber das nun blühende Nuphar Spenuerianum, das mir mit seinen schönen Blättern und über den Wasserspiegel sich erhebenden gelben Blüthen einen erfreulichen Anblick gewährte , und den ich dadurch, dass ich 1 Dutzend Exemplare meiner Büchse einverleibte, noch nachhaltiger zu machen trachtete. Nuphar Spennerianuni ist im Schluchsee die häufigere, N. pumümn in dem 2^/2 St. von da entfernten 2400' hoch gelegenen Titisee die häufigere Form. Im 3400' hoch gelegenen Feld-, see ist gar kein Nuphar mehr zu sehen. Vor wenigen Jahren be- merkte ich in ihm noch 2 Stöcke. Aber auch diese scheinen vollends ausgerottet worden zu sein. Durch die grösseren Blumen und die 3mal so lang als breiten Staubbeutel unterscheidet sich das Speune- rianurn am leichtesten von pumilum. An den Blättern konnte ich noch kein sicheres Unterscheidungszeichen herausfinden. Am Wirlhsliaus zu Aha konnteichnatürlich nicht stillschweigend vorühergehen. Da wurde Mittag gemacht und nach einigen Stunden erreichte ich den Gasthof auf dem Feldberg. Botanisirt wurde heute nicht mehr. Gleich den Bergwirthshäusern in der Schw(MZ kommen und gehen den Tag über Fremde und Reisende ins Wirthshaus auf dem Feldberg; besonders gegen Abend zum Uebernachten. So kam auch heute Abenil eine starke Gesellschaft an und brachte wätirend des Nachtessens plötzlich 84 dem Kaiser von Oosterreicli ein lehhalies Hoch aus. Ja sie prokla- mirlen ihn sog-ar zum deutschen Kaiser. Auf meine Frage nach der Veranlassung dieser Scene vernahm ich, dass heute des österreichi- schen Kaisers Geburlslag sei. — Am folg-enden Morgen des 20. Aug. war der Himmel trüb und Hess baldigen Regen erwarten, wesshalb ich nicht säumte gleich nach dem Frühstück mich hinunter an den See zu verfügen. Der anhaltend trockenen Witterung wegen fand ich ihn jetzt bedeutend zurückgetreten, so dass ich mir mit leichter Mühe eine Anzahl Isoetes lacustris und Echinospora, auch Myrio^ phyllum spicatum zueignen konnte. Die beiden Isoetes stehen nicht bei einander. Jeder hat seinen eigenen Platz und der echinospora ist im Feldsee der häufigere. In den Wiesen bei dem dem See zunächst gelegenen Bauernhof blühten Orchis globusa und Gentiana campesti'is, Mittlerweile aber fing der Regen an sich niederzulassen, was mich bewog, wieder nach der Höhe zurückzugehen und nur dem Seebuk noch einen Besuch zu machen. Wie aber schon gesagt, fand ich die Campanula latifolia alle bereits verschwunden. Dagegen stand nun blühende Crepis blaltarioides in Menge da, an und auf Felsköpfen ein Hier actum , das bisher immer für prenanthoides Vill. genommen wurde, allein vom H. prenanlhuides Vill. der Alpen so verschieden ist, dass ich es unmöglich mit diesem vereinigen kann. Uebrigens er- innere ich mich auch nicht, dieses Hieraciiim je weder in den Alpen noch sonst wo gesehen »u ha[)en. Am besten noch will es mir zu deit- ticulatum S m. passen. — Des Regens halber (rat ich nun den Heimweg an, indem ich mich der St. Wilhelmer Hütte zuwandte und von dieser auf steilem aber ^ulem Pfad ins St. WiliielmerTlial hinabo-elano-t durch Oberried hinaus nach Kirchgarten ging. Da erfuhr ich von meinen botanischen Freunden, Hrn. Apotheker Sickenberger und Stud. Rees, die oberwälmten traurigen Schicksale, von denen in letzter Zeit die Campanula latifolia war belroffen worden. Zugleich ver- nahm ich aber auch die überraschende Neuigkeit, dass He es vor zwei Tagen in Felsspalten am Hirschensprung, im Höllentlial, zwei Stunden von Kirchgarten und vier von Freiburg, die seltene und für Baden ganz neue Woodsia iliiensis gefunden habe. Zwischen Rees und mir wurde nun gleich wieder für nächste Woche eine Feldbergexkursion verabredet , um mir von ersterem sowohl den Standort der Campanula pusilla und AlchemUla alpina , die er droben gefunden, zeigen zu lassen, als auch um uns über die Benennungen der verschiedeneu Rinnen oder Wasserrunsen, die die untere Hälfte des Seebuk durchfurchen und die Standorte von vielen der besten Pflanzen des Feldberg sind, zu verständigen. In Kirchgarten wurde für heute Nacht Quartier genommen und am 21. August wurde von Freiburg an vollends mit der Eisenbahn die Reise beendet. Obschon es seitdem jeden Tag regnete, machte ich mich am 24. August doch wieder auf den Weg, und kam über Freiburg Abends in Kirchgarlen an, wo dann auf den kommenden Morgen um 5 Uiir der Losbruch verabredet wurde. Jeder von uns beiden mit Büchse 85 und Bergstock vprsehcn, niarscliirfon wir am 25. Morgens znr bo- i-tiiiinilen StiUKie ab, wozu der Himmel aber ein gar miüslalliges und unfreundliches Gesicht machte. Wir nalimen unsern Weg durch's Zasller Thal hinein. Zur Seile di^a Baches im Gehölze stand Alnus viridis mit hühschen miinnlichen und weiblichen Kalzchen. Es war lins warm gewurden den Berg iiinauf, als wir aber oben vor den Wald hinauskamen auf die freien Alpiriften, da ging der Wind rauh und kalt und schon fing es an zu rieseln. So eillen wir. die Wohllhat eines warmen Ofens und guten Kailees in der Zasller Hütte zu ge- niessen. Darauf, von der Zukunft das beste hotlend, strebten wir in der Richtung von Seebuk dem Kamm des Berges zu, wobei wir an verschiedenen nassen Stellen Awi Selaginella spinulosa und Soldanella alpina iralen. Dichter Nebel aber, der uns jelzl umfing, und jedes üotanisiren vorab am Seebuk unmöglich machte, nölhigle uns den Knischluss ab, uns ans Wegu^ehen zu halten und einmal vorerst nach dem Wirthsliaiis zu gehen. Wahrend dessen zerrissen aber\onZeil zu Zeit einzelne Windstösse auf Augenblicke den Nebel und Hessen Land und Seen, Berg und Thaler im Sonnenschein unter uns erglänzen. Unwillkürlich lenkten sich da unsere Schritte wieder dem Seebuk zu, um ungesäumt das Schafwegehen zu suchen, das die Mille des Berges durchschreitet, und von dort aus dann uns nach den verschiedenen Rinnen zu wenden. Campanula Scheuchzeri sahen wir überall über den Berg verbreitet, so auch Lycopodium Selago; seltener Licopod. tiavatum. Nun kamen wir wiederauf denPlatz der Crepis blattarioides, des oben besprochenen ///e/Y/cvtAm und der obersten Campanula latifo- lia. Es ist diess in gerader Linie herauf von der miltlern Rinne deren der Seebuk ihrer drei hat. Jetzt wandten wir uns zuerst zu der uns zur Rechten gelegenen und stiegen in ihr, das Wasser zur rechten Hand lassend, durch Dick und Dünn, durch Wald und über Felsen ab- wärts, bis wir zu einer Felswand gelangten, die sich zu unserer Lin- ken in den Wald hineinzog. Diess war die Stelle, die wir wollten. Auch würde es überhaupt unmöglich sein, da weiter hinabzukommen, ohne Hals und Beine zu riskiren. Aus den Ritzen der Felswand, 'die wir nunmehr durchmusterten, drängten sich in langen Rasen schöne üppig grüne Streifen von Campanula pusilla hervor. Aus einem star- ken Polster von vielen zarten und feinen Wurzelblätlchen erhebt sich der eben so zarte und glalle Stengel mit gewöhnlich nur einer, sel- tener zwei Blumen. Die ganze Pflanze erschien mir hier von so feinem und zartem Bau, wie ich sie nie in den Alpen gesehen hatte. Wäh- lend nun die meisten dieser hübschen blauen Glöckchen aus Nummero sicher lächelnd auf uns herab sahen, war derFuss der Felswand umla- gert von Massen \on Streptopus, geschmückt mit rolhen Früchten, von Alchemilla alpi/ia, Saxif'raga Aizooniind stetlaris. Cystopteris fra- gilis. Polypod'niin alpestre, Bellidiastrum muntamim. mit der durch ilire langen flaschenförmigeu Früchte ausgezeichneten Form „lage- naria^' der Rosa alpina etc. Unter Mühsalen und Gefahren, unter umgestürzten Tannen und über Felsen hinweg schafften wir uns von da w ieder empor in freiere Oesterr. botan. Zeirsciirift. ?,. Heft. lS<;."i. 7 86 Regionen In der Rinne links von Seebuk, nach der wir unsere Schrille nun richteten, trafen wir abermals an^ Alchemilla alpina und an nassen Stellen Swertia perennis. Wieder dem Höchsten zusteigend, beriellien wir, was nun weiter? Da half uns der Himmel zu schnellem Eiit- schluss. Der Riesel ging in Schnee über. Es begann zu schneien, was nur vom Himmel herabmochte, wie mitten im Winter. Also un- verzüglich den Heimweg eingescidagen und zwar über den Balden- weger Buk hinab dem Rinken zu, wo wir uns an gutem Wein, Kas, Butter und ßrod stärkten und erlabten und in dessen Umoebuno- noch Lycopodium inundatum und Crepis succisaefolia nahmen. Vot» hier aus hielten wir Alpirsbach die Richtung nach der grossen LandsIrasse ein, die durch's Höllenthal führt und als wir diese erreicht, wurde dem Moor hinter dem Wirthshaus zum Hirsch noch ein Besuch gemacht, dem ich Schoenus albus und Drosera obovata, aus longifolia und rotundifolia entstanden, enlnahm. Drauf wurde „im Rössle" Quartier bezogen, weil Rees morgen Vormittag beim Hirschensprung in der Hölle noch Aspidium Braunii mitzunehmen beabsichtigte. Durch den vielen Regen in den letzten 8 Tagen war aber der Bach so angeschwol- len, dass er nicht überschritten werden konnte, wie er es doch nmss, wenn man zum yli/j.jBrawwwgelangen will, und ihn mit blossen Füssen zu durchwaten, war nicht rathsam, denn wir hatten an jenem Morgen des 26. August eine empfindliche Kälte. Dafür stieg Rees nun wieder zum Standort der vor einigen Tagen von ihm entdeckten Woodsia ilvensis hinauf, um nachzusehen, wie viel eiirentlich davon noch dasteht. Es machten sich noch einige Stöcke sichtbar, die aber unberührt gelassen wurden, um die Pflanze zu schonen. Da der Standort eine gt^sprengte Felswand ist, so ist sie jedenfalls in neuerer Zeit von oben herabge- stiegen und dort würde mehr davon zu finden sein, wenn dalün zu gelangen wäre, was aber absolut unmöglich ist. Im Lauf des Vormit- tags wieder nach Kirchgarten zurückgekehrt, brachte mich Abends von Freiburg aus der Bahnzug nach Müllheim zurück und damit waren nun für diess Jahr meine Feldberg-Exkursionen zu Ende. So Gott will auf Wiedersehen! Schon seit mehreren Jahren mache ich regelmässig jeden Som- mer Ausflüge in den höhern obern Schwarzwald, ich fühle mich da wohl, so frisch, so frei und heimischer, als in irgend einem andern Gebirge. Ausser der reinen und gesunden Luft, trägt sehr viel dazu bei die Bildung, Gefälligkeit und freundliche Begegnung nicht nur der Wirthsleute, sondern der Menschen da im Allgemeinen. Weder durch die Rohheit der östlichen Alpenbewohner, noch durch die Beutel- schneiderei, brutale Zudringlichkeit und Bettelindustrie der Schweiz, wird die in das Menschenherz eingezogene zufriedene und heitere Gemüthsstimmung auf dem Schwarzwald in unangenehmer Weise ge- stärt. Zudem durchkreuzen gute Strassen in allen Richtungen das Ge- birg und erleichtern damit den Zugang von jeder Seite her. Aus die- sen Gründen mehrt sich aber auch von Jahr zu Jahr die Zahl der Schwarz waldreisenden, von denen auch ein grosser Theil für längere 87 oder kürzere Zeit seinen Aufenthalt da nimmt und wozu besonders und mit Recht die Gegend am Schluchsee vorzug-sweise gewählt wird. Müll he im im Breisgau, Oktober 1864. Correspondenz. Innsbruck, den 13. Februar 1865. Sie erhallen die eben ausgegebene III. Dekade unseres Herb. Ost. Weiden. Ich glaube annehmen zu können, dass diese Dekade unter den bisher ausgegebenen jedenfalls die interessanteste ist. Die Herbeiscliaffung mehrerer Nummern dieser Dekade in Blüthen und Blättern liat mir und meinem Bruder viel Mühe, Zeit und auch Geld gekostet. — Wegen Salix cuspidata unternalim mein Bruder eigens eine Reise in's Waldviertel. S. Ehrhartiana wächst eine Tagreise weit von Innsbruck und ich musste um sie schön auflegen zu können, zweimal nach Slerzing reisen. S. pubesrens (Nr. 30), jedenfalls eine Zierde der Sammlung, blüht schon zur Zeit des Schneeschmelzens in der Nähe des Lisenser Gletschers einen Tag weit von Innsbruck und da man zu dieser Zeit noch keine anderen Pflanzen in Blüthe findet, war es in der That ein Opfer, wegen der Blüthen dieser Salix eine eigene 2tägige Excursion zu machen. Meine neue Alge, Odonüdium aipiyenum, wird Rabenhorst in einer seiner nächsten Dekaden der Aig. europ. von mir präparirt ausgeben. Mit der nächsten Pflanzen - Sendung erhallen Sie gleichfalls eine Partie dieses schönen Odonti- diums präparirt für Ihre Tauschanstalt. K e rn e r. N. Podhragy, am 12. Februar 1865. Als ich im October v. J, den, wegen seiner vielen Versteine- rungen , durch Herrn Dr. Stür bekannt gemachten Kalkhügel „Srnansky Häj" besuchte, fand ich unter anderem eine auflallend kleine Form eines Ranunculus. Sämmtliche am Kamme des Berges in einer kesseiförmigen, nassen Vertiefung, wachsenden Exemplare, übersteigen höchst selten die Höhe von 1 Zoll. Ich sende Ihnen zwei Stückchen — die freilich kaum bestimmbar sind, da ich selbe seit October in der Brieftasche herumgetragen habe, und daher die Blumenblätter fast alle abgefallen sind. ^) Diese Zwerg-Ranunkeln fand ich sonst nirgends, weder im Neutraer, noch im Trencsiner Co- niitate. Sollten Ihnen Exemplare davon erwünscht sein, werde ich Ihnen im Sommer damit recht gerne dienen 2). Auch erlaube ich ^) Die übersandten Fragmente erwiesen sich als Ranunculus pygmaeus Wahlbg., eine Pflanze, die erst in jüngster Zeit im Gebiete der Karpaten aulgefunden wurde. (Oesterr. botan. Zeitschr. 1864, p. 211 und 223.) Anai. d. Red. 2) In Mehrzahl erwünscht. Anm. d. Red. 7* 8H mir norh auf einige Driickfehlor aufmerksam zu machen, die in meinem Briefe in der 2. Nummer der öst. Bot. Zeitsolir. die Orts- namen entstellen. Es soll nämlich Seite 57. statt Haluric überall Haluzic lieissen; Zeile 3 von unten statt Storlek Stvrtek. Jos. Holuby. Athen, d(Mi 24. Jänner 1865. Mit Ausnahme von einigen wenigen Regentagen und mehreren starken Gewittern hatten wir in Athen bisher keinen Winter. Auf dem Gebirge des Parnas und Pentelicon zeigte sich wohl etwas Schnee^ doch nur auf wenige Stunden. Jetzt haben wir den schönsten Früh- ling mit einer Temperatur von -+- 18 — 20^ R. Alte Mandel- und Pfirsichbäume sind schon mit Blülhen bedeckt. Sollte noch eine stär- kere Kälte eintreffen, die kaum ausbleiben dürfte, so ist an eine gute Ernte dieser Bäume nicht zu denken. Die Feldfrüchte stehen eben- falls prachtvoll und versprechen einen gesegneten Ertrag, Die Oelerndte ist auf den türkischen Inseln, auf Lesbos und Kreta sehr reichlich ausgefallen, eb(!nso auf den jonischen Inseln. Schon seit vielen Jahren gab es keine so ergiebige Ernte an Kastanien, wie im vergangenen und tausende von Säcken dieser Frucht wurden von Candia ausgeführt. Die von den Bäumen abgenommenen Kastanien werden sogleich enthülst und die Hülsen unter den Bäumen eingegra- ben, was letztere sehr stärken soll. Um aber die Kastanien selbst für spätere Monate aufzubewahren , werden solche in grosse Gruben geworfen und schichienweise mit Stroh bedeckt. Hier beginnen sie zu schwitzen und werden von Monat zu Monat besser und süsser. Die Okka (2y4 Pfund) solcher Kastanien kostet 60—80 Lepta (14—20 Kreuzer). Mau isst sie gesotten oder gebraten. Auf Kreta werden sie auch vermählen und mit Mehl gemischt zur Brotbereitung verwendet, doch ist ein solches Brot nicht schmackhaft, wird bald sehr hart und ist auch schwer verdaulich. Auch die Zitronen- und Orangenbäume auf Kreta waren im vergangenen Jahre mit Früchten überladen, so dass die meisten Orangenbäume 2000 — -3000 Früchte lieferten, wäh- rend mancher Zitronenbaum 8000 — 10,000 ja sogar 12,000 und 15,000 Früchte trug. Ein solcher Baum kann seinem Besitzer einen Gewinn von 100 — 130 Drachmen geben. Mit oben bemerktem Eingra- ben der Kastanien zum Zwecke der Conservation hat Aehnlichkeil die Methode in Klein-Asien die Weintrauben zu conserviren. Letztere werden in gut ausgemauerte Gruben eingehängt und diese durch hineingeworfene brennende Strohbündeln mit dichtem Rauch gefüllt, darauf wird die Grube hermetisch geschlossen. So aufbewahrte Trau- ben können durch 3 — 4 Monate vollkommen frisch erhalten werden. X. L a n d e r e r. 89 Personalnotizen. — Dr. Heinrich Hlasiwelz, Pi-ofessür au der Universität Inn.sbniclt, wurde vuii Sr. Majestät dem Kaiser, seiner Verdienste um die V/issenschaft wegen, durch Verleihung des Franz Josef-Ordens ausg-ezeichnet. — Aus dem Leben Friedrich Hofnieist er's, der am 1. Ok- tober v. J. in Reudnitz bei Leipzig- starb, erzählt Dr. v. Schlechten- dnl in seiner bolanischen Zeitung- (1865, Nr. 5) eine ItleineBegeben- lieit. welche des Verstorbenen Interesse für die Pflanzen der Flora von Leipzig darlegt. S chle chte n dal machte nämlich einstens eine Exkursion nach der sogenannten Bienitz bei Leipzig, weiche Gegend durch ihren Orchideen-Reichthum bekannt ist. Es war auffallend, dass auf den Wiesen wohl die gemeineren Orchis-Arten reichlich zu finden waren, aber keine der selteneren. Die Erklärung hiezu fand Schi, in der Begegnung der ebenfallsbotanisirenden Friedrich Hofmeister und seines Sohnes Wilhelm, welche allenthalben die seltenen Or- chideen abgepflückt hatten , um sie ihrer Flora zu erhalten, da sie sonst möglicher Weise von andern Botanikern mit den Knollen aus- gegraben worden wären und dadurch die Art für die Flora hätte ver- loren gehen können. „Wer wird jetzt," fragt Schi schliesslich, ,,für die Erhaltung der Orchideen bei Leipzig Sorge tragen?" — Johann Nave, dessen Tod wir unlängst (Botan. Zeitschrift 1864, S. 394), meldeten, wurde am 16. September 1831 zu Prag ge- boren, wo sein Vater, den er frühzeitig verlor, als kais. Beamter fiingirte. In den Jahren 1842 — 1850 studirte N. am Gymnasium in Brunn und zeigte schon damals eine besondere Vorliebe für die Na- tura issenschaften. Im J. 1850 begab sich N. nach Wien, um den ju- ridischen Studien obzuliegen und genoss bei dieser Gelegenheit den Unterricht des Prof. Unger. Im J. 1854 kehrte er nach Brunn zurück und trat bei der mähr. Finanz-Landes-Direktion in den Staatsdienst. Von nun an widmete er sich gänzlich dem Studium der Algen und stand dabei in lebhafter Verbindung mit Raben borst, Milde, Gru- now. Lenorinand u.a. Die Erforschung der Algenflora Mährens und Oeslerr. Schlesiens, soweit sie eben gediehen , ist fast gänzlich ]V a V e's Werk. — Dr. Joh, Wilh, Sturm, der Herausgeber der ,, Flora Deutschlands in Abbildungen," welcher am 7. Jänner d. J. starb, wurde am 19. Juli 1808 zu Nürnberg geboren und von seinem Vater zum Künstler wie zum Naturforscher herangebildet. Von seiner Flora waren in letzterer Zeit die Faren und Equiseten zur Herausgabe vor- bereitet. Dem Studium der ersteren Familiewidmete sich St. insbe- sondere und hinterliess auch das Manuskript eines Nomenclafor der- selben, welches mit der grössten Genauigkeit gearbeitet ist und einen namhaften Umfang erreicht hat. — Dr. Philippi hat sich Anfangs November v. J. nach der Itiscl Juan Fernandez begeben, um dort naturhistorische Studien zu machen. 90 — Abbe Susthene Veyron Lacroix starb den 30. Novem- ber V. J. zu Chatellerault im Alter von 47 Jahren. — Carl Helfe rieh, Direktor der landwirthschaftlichen Cen- tralschule in Weyhenstefan in Baiern ist am 20. Jänner gestorben. — Professor v. Lieb ig in München hat einen Ruf an die Uni- versität Berlin von Seiten des k. preiiss. Ministeriums erhalten, den- selben jedoch abgelehnt. — Maria Anna Libert starb am 13 Jänner zu Malmedy (Reg. Bez. Aachen), nachdem sie ein Alter von 83 Jahren erreicht hatte. — Dr. August Vogl, Assistent an der Lehrkanzel für Natur- geschichte an der k. k. Josefs-Akademie, erhielt von der kais. Akade- mie der Wissenschaften, zu einer Untersuchung über die Art der Be- theiligung der atmosphärischen Luft bei dem Zustandekommen der Gährungs Vorgänge und der Entstehung niederer Organismen, eine Subvention von 150 Gulden. Vereine, Gesellschaften, Anstalten. — In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- schaften, mathem. naturwissensch. Classe am 9. Dezember 1864 tiberreichte Prof. Dr. Boehm eine Abhandlung, betitelt: „Wird das Saftsteigen in den Pflanzen durch Diffusion, Capillarität oder durch den Luftdruck bewirkt?" Nachdem Malpighi und Grew die Spi- ralgefässe aufgefunden, glaubte man, dass in diesen das Saftstei- gen erfolge. — Nun führen aber die Spiralgefässe nur ausnahms- weise und dann nur zeitweilig Flüssigkeit, sondern Luft, oder es fehlen dieselben ganz. Nachdem Dutrochet die Erscheinung der sogenannten Endosmose und Exosmose entdeckt, glaubte man, dass das Saftsteigen durch Diffusion bewirkt werde, indem die relativ oberen Pflanzenzellen in Folge der Verdunstung concenlrirtere Säfte enthalten sollten, als die unteren. Wäre diese Ansicht rich- tig, so müssten die Pflanzen im absolut feuchten Räume Wasser abgeben oder die mit den concentrirteren Säften gefüllten Zellen zerreissen, was beides nicht der Fall ist. Dass ein Ausgleich der verschiedenen Concentrationszustände in den übereinander stehenden Zellen der im feuchten Räume sich befindenden Pflanze nicht erfolge, beweist der Umstand, dass in Wasser gezogene Pflanzen, nachdem sich dieselben durch 14 Tage im absolut feuchten Räume befunden hatten, normal weiter transspiriren, wenn sie dann in destillirtes Wasser gestellt und in trockene atmosphärische Luft oder selbst in Stickgas gebracht werden. In Folge der Erscheinungen des Tiiräncns beim Weinstocke wurde Hofmeister veranlasst, die Ursache des Saftsteigens als eine Diffusionswirkung der mit colloidartigen Sub- stanzen gefüllten Wurzelzellen zu erklären. In Folge dieses ihres In- 91 hnltes sollli'H die Wnrzelzellen iiielir Flüssigkeil aurzimehmen im Stande st-iii, als sie fassen können, und so der IJeherschuss in die oberen Pflanzenzellen g-epresst werden. Dieser Ansiclit widerspricht ebenfalls die von dem Verfasser nachgewiesene Thatsache : dass die Pflanzen im absolut feuchten Raum kein Wasser ausscheiden, so wie der Umstand, dass nur wenige Pflanzen und auch diese nur kurze Zeit bluten. Der Verfasser hat nun im verflossenen Jahre die Behauptung aufgestellt: „dass das Saftsteigen eine Folge von Transspiration, ein reiner Saugungsprocess sei; dass die Hebkraft von dem Luftdrucke geliefert werde." Mittlerweile wurde von Herrn Prof. Dr. F. Ungar die Ansicht ausgesprochen, dass der Nahrungssaft in den Molecular- interslilieu der Zellwande aufsteige. Der Verfasser kann aus anato- misclien und physikalischen Gründen dieser Vorstellung nicht bei- ptlichten. Er führt die Resultate seiner neuen Versuche an, welche alle für die Richtigkeit seiner Theorie sprechen. Ist das Saflsleigen wirklich eine auf der Elaslicität der Zellwände beruhende, durch die Transspiration und den Luftdruck bedingte Saugung , so muss die neben Chlorcalcium in einen möglichst luflverdünnten Raum versetzte Pflanze olFenbar vertrocknen. Diese Voraussetzung wurde durch den Versuch vollkommen bestätigt. Durch das Entweichen der in der Pflanze eingeschlossenen Luft im luftverdünnten Räume werden zwei- fellos viele Zellen zerreissen. Um nun dem Einwände zu begegnen, dass dadurch der Tod der Pflanzen bedingt werde, wurden dieselben bald nach dem Evacuircn wieder in die freie Luft zurückversetzt, wo sie normal weiter wuchsen. Auch der Nichtphysiologe weiss: ohne Luft kein Leben. Es wird ihn daher nicht wundern, dass die Pflanzen in luftverdünntem Räume absterben. Ueber das „Warum'' aber haben sich selbst die Fachmänner bisher keine Rechenschaft gegeben. Die Ursache des Todes der Pflanzen im luftverdünnten Räume kann ent- weder eine mechanische oder chemische sein. Wir wissen, dass alle Lebensproccsse der Organismen, insoferne dieselben von der atmos- phärischen Luft abhängen, durch den Sauerstoff eingeleitet werden. Es wurden daher Pflanzen bei gewöhnlichem Luftdrucke in trockenes Stickgas oder in luftverdünnten, absolut feuchten Raum gebracht. Die Pflanzen waren selbst nach 14 Tagen noch völlig unversehrt und wuchsen, in freie Luft versetzt, wieder weiter. Die nächste Ursache des Absterbens von Pflanzen im luftverdünnten Räume ist also eine mechanische; sie liegt darin dass unter diesen Umständen die Kraft fehlt, welche sonst von den elastischen Zellwänden in Spannkraft um- gesetzt, das Saftsteigen bewirkt. Wären die angedeuteten Versuchs- resullate und die daraus gezogenen Schlüsse richtig, so müssten die Pflanzen im lultverdünnten trockenen Räume verhältnissmässig lange lebend erhalten werden können, wenn die Luft in den Intercellular- räumen und Spiralgefässen immer unter dem Atmosphärendrucke erhallen würde. Zu diesem Zwecke wurde ein eigener Luftpum- penteller construirt, vermittelst dessen es möglich war, den in gläsernen Flaschen aus Zweigen, welche durch einen doppelt durch- bohrten Kautschukstoppel gesteckt waren, gezogenen Weidenpflan- zcn linier dem evaciiirten Recipicnten der Luftpumpe immer frische Luft zuzuführen. — Bei diesen Versuchen lebten selbst jene Pflanzen, welchen statt atmosphärischer Luft oder Sauerstoff reines Stickgas zugeführt wurde, wenigstens 14 Tage. Die Resullate der von dem Verfasser angestellten Versuche lassen keinen Zweifel übrig, dass das Saftsteigen weder durch Ditlusion noch durch Capiliarität, sondern durch den Luftdruck bewirkt werde, wenn sich auch nicht in Abrede stellen lässt , dass die Nahrungsaufnahme aus dem Boden durch einen von dem colloidartigen Inlialte der Wurzelzellen eingeleite- ten Dilfusionsstrom sehr unterstützt wird. — In einer Sitzung der kais. Akademie der Wissen- schaften, mathem.-naturwiss. Ciasse, am 5. Jänner übergab Dr. H. W. Reichardt einen Aufsatz, in welchem ein neuer Brandpilz aus Neu-Seeland besclirieben wird. Er bewohnt die Stengel, Bliithen- stieie und Früchte einer Umbellifere, Anisotome geniciilata Hook. fil. und gehört der Gattung Aecidium an. Dem entsprechend wurde er von dem Vortragenden Aecidium Anisotouies genannt. Dieseneue Art istdem auf ilen Bldltern \on Berberis ilicifolia Forst, lebenden Aecidium ma- gellanicum Berke]. am nächsten verwandt, unterscheidet sich von ihm aber durch die viel längeren, am Rande entweder ungetheilten, oder höchstens stumpf gelappten Becherchen , durch einen andern Bau des Peridiolums und durch verschiedene Dimensionen der Stylos- poren. Das Aec. Anisotomes bildet wegen der langröhrigen Form seiner Peridiolen, so wie dadurch, dass die Zellen derselben, nameul- licli im oberenTheile der Hüllchen, eigenthümlich verdickt erscheinen, den Uebergang zu der Gattung Roesteiia und rechtfertigt es, wenn man diese beiden Genera vereint. Aus Neu-Seeland und den antark- tischen Inseln sind im Ganzen kaum ein Dutzend Arten aus der grossen Klasse von Brandpilzen bekannt, und es dürfte daher auch dieser kleine Beitrag zu ihrer näheren Kenntniss nicht unerwünscht scheinen. — In einer Sitzung der schlesischen Gesells chaft fü r vaterländische Cultur. Botanische Section. Am 3. November zu Breslau hielt Dr. Milde einen Vortrag über Farnbastarte, indem er die aus der Befruchtung zweier Arten hervorgehenden echten Bastarte von den Varietäten unterschied. Während zu ersteren die Zwischenformen zwischen Aspiditim lobatum, Braunii, aciileaium, spinulosum und cristalum gehören, werden als echte Hybrida die Baslarle zwischen AspleniumTrichomanes und vhide, sowie zwischen A. Trichomanes und gennanicum, endlich der merkwürdige Baslart zwischen Srolopnidrium ofßcinarum und Ceterach off- beschrieben und durch getrocknete Exemplare und Abbildungen erläutert. Wund- arzt Knebel hielt einen Vortrag über die Manna liefernden Gewächse. Für das B'lanna der Bibel wurde früher der aus dem stachlichen Strauche Alkagi Maiirorum Tourn. im Orient ausgeschwitzte honig- arlige Saft gehallen, der, zu braunrölhlichen Körnern verhärtet, das persische oder Alhagi Manna liefert. Später hielt man Tamarix tiian- nifcra Ehr. ^eine Varietät der T. gallica), die am Sinai durch den 93 Slifh einer Schildlaus (Corcus majiniparus) ein gcniossbares Manna anssclnvilzt ( oin Baum ca. 80.000 Tropfen) für die biblisciu) Pflanze. Das Manna der xVpotlieken sfaiiunt meist von südeuropäisclien E;>clien (Ornus evropaea und rolnndifolia); selbst die einheimische Esche (Fraxinns excelsior) soll in wärmeren Gegenden Manna aus- schwitzen, wie andere Arten in 3Iexico und den Antillen. Dasselbe llnin drei Eichen Südeuropas und des Orients (Quercus mannifera, Aegilops, coccifera); auch Weiden, Rhododendron. Celastrus. und insbesondere Evcalyptns-ArXcw. Die Mannafleclite, Leranora esru- Icnta Pallas, wächst in der Tartarei. der Kirgi.^ensteppe und ganz >A'cstasien bis nach Sebastopol, und wird durch Stürme und Regen- güsse oft massenhaft nach einzelnen Punkten hingeführt, wo sie zu einer Art Brot verbacken wird; so fiel im März dieses Jahres in Klein- asien. N.-W. von Diabekir, ein Flechtenmanna nieder, von welchem Proben der Section vorgezeigt wurden. ' In der Sitzung vom \7. November berichtete Stud. Engler über seine Reise in die galizischen und ungarischen Ceniralkarpaten, w(>lclie er botanischer Zwecke halber in Gesellschaft einiger berliner und breslauer Botaniker im Sommer dieses Jahres unternahm. Her- vorgehoben wurde die scharfe Begrenzung der Tatra durch die vier Flüsse Waag, Poprad, Dunajec. Arva, die niedrige Tiefenlinie, welche das Gebirge umgibt, die Steilheit und Zerrissenheit des Gebirges, seine zahlreichen Querrückcn, die bizarren und schrofien Formen der einzelnen Spitzen und die eigenthümliche Thalbildung. Die Tatra selbst besteht ganz aus Granit und nur im Norden findet sich Kalk an- liegend; die westlich von der Tatra gelegenen liptauer Alpen und die östlichen zipser Alpen bestehen fast ganz aus Kalk. Wegen der Mas- sigkeit des Granits kann nur wenig Dammerde gebildet werden, daher die kümmerliche Vegetation über 6000'. Sehr reich ist die Flora in den zipser Kalkalpen, wobei aber der Kalkboden als ein geringerer Faktor anzuschlagen ist; vielmehr muss man den grössten Einflus.s den warmen Südwinden zuschreilien, welchen die zipser Alpen aus- gesetzt sind. Was die Vegetation der am Fuss des Gebirges sich hin- ziehenden Hochebene betrifft, so hat dieselbe auf der Südseite des Gebirges schon Manches aus Ungarn entlehnt, besonders reich ist an solchen Pflanzen der Galgenberg bei Kesmark. Von der Flora der zipser Ebene ist die der liptauer Hügelregion ziemlich verschieden, besonders ausgezeichnet durch das Vorkommen von Alliiim ochro- levrum. Campanula carpatica^ Calamintha aJpina, Erysimvm Witt- monui Zmoadsky, Lnctuca perennis, Teurrium Chainaedrys. Buplenrum rotinidifoünm etc. Es gehl diese sonst wenig belaubte Ebene nach dem Gebirge zu in eine sumpfige, von Fichten bedeckte Ebene über, ausgezeichnet durch das Vorkommen von Pedicularis Sceptnim Caro- linnm. Boirijchinm matrkarioides. Trientalis. Drosera rotundifoUa, Viola palustris und anderer sonst in den Karpaten seltenen Pflan- zen. Häufig ist auch hier Cimicifuga und Cirnnm Eriophorum. Die Buchenregion tritt recht charakteristisch nur östlich und westlich von der hohen Tatra auf, wo sie bis 3900' hinauf geht. Gegen die hohe 94 Tatra hin wird sie seltener und geht auch weniger hoch. Charakleri- stisch für die Buchenregion ist in der wesUich gelegenen Tatra Vibur~ mim Lantana, Senecio umbrosus, Buphthalmum salicifolium, Tozzia alpina. Es folgt die Fichtenregion bis 4000 Fuss, ausgezeichnet durch ihren Reichthum an Filices und Lycopodien , unter denen Cystopteris sudetica und C. montana hervorzuheben sind. Epipogium findet sich selten, dagegen sind Senecio subalpinus, Salix silesiaca, Arnbis alpina, Polemonium, das den Karpaten eigentiiüinliclie Chry- santhemum rotundifolium neben diesen gewöhnlichen Pflanzen in die- ser Region ziemlich häufig. Reicher als in der eigentlichen Tatra ist die Vegetation dieser Region in den zipser und liptauer Alpen, wo besonders Dianthus plumarivs, Alsine laricifolia, Leontopodium, Linum alpinum den Botaniker erfreuen. Die zipser Alpen bieten ausserdem noch in dem Eldorado der botanischen Karpaten-Reisenden, dem Drech- selhäuschen: Phaca australis, Arabis bellidifolia, Cortusa, Trifolium badium, Orobanche flava etc. Die Knieholzregion von 4300 — 5300 Fuss ist ziemlich scharf begrenzt. Ihr Charakter weicht sehr von dem der Knieholzregion in unserem Riesengebirge ab, da den Kar- paten die ausgedehnten sumpfigen Pläne mit den ihnen eigenthüm- lichen Pflanzen fehlen, welche in unserem Riesengebirge die Knie- holzregion so auszeichnen. Bemerkenswerthe Pflanzen sind unter anderen Crepis Jacquini , Bellidiastrum , Pedicularis Haequetii, Carex atrata, aterrima, ferruginea. ßrma, sempervirens, Rumex scutatiis und Campannla rhomboidalis. In der hohen Tatra ist die Vegetation auch in dieser Region arm zu nennen, reicher in den Kalkalpen, wo Dryas, Hutschinsia alpina, Draba aizoides, Saxi- fraga caesio, perdurans, androsacea, Ranuncnlus rntaefolius, Oxy- tropis campestris. Androsace laetea und Chamaejasme, Geutn reptans, Bupleurum ranunculoides, Gentiana nivalis, Avena carpatica etc., kurz eine vollständige Alpenflora uns entgegenlacht. flier zeichnet sich ebenfalls das Drechselhäuschen durch Phaca astragalina, Oxytropis carpatica Uechtritz, Phleum Michelii, Festuca nutans, Cerastium latifolium, Cineraria capitata, Primnla longiflora, Ery- simum helveticum. Draba tomentosa, Petrocallis pyrenaica und noch so manche seltene Pflanze aus. In den liptauer Alpen bietet der Chops als eigenthtimiiche Pflanzen dieser Region den Dianthus nitidus, Campanula pusilla und Coronilla vaginalis. In der oberen alpinen Region von 5300 Fuss an starren uns überall rauhe Felsen- massen entgegen, sehr vermissen wir die Gletscherbildungen der Alpen. Die Vegetation ist ziemlich dürftig: Aronicum Clusii, Saxi- fraga hieracifolia und S. carpatica, Senecio carniolicus und abro- tanifolius, Campanula alpina, Ranunculus montanus , Cherleria, Silene acaulis, Salix retusa, reticulata, herbacea und Jacquini sind für diese Region charakteristisch. Ueber 7000 Fuss treffen wir nur noch vereinzelt Gentiana frigida, Saussurea pygmaea, Chrysan- themum alpinum, Ranunculus glacialis, Saxifraga oppositifolia und retusa an. Dr. Richard Sad eb eck sprach über die monströse Ent- wickelung der männliehen Blüthen von Lychnis vespertina durch 95 Uredn anfherarum Pers. (Uredo Schlechtenddlii K\.^. In diesen im hiesigen botanischen Gaiicn beohaihlolen Blülhen waren die Anfheren, statt mit Pollen mit den violetten ßrandsporen ganzlich erfüllt; dafür hatte sich aber das Pistill, wie das Carpophoium nnter- halb des Stempels, welche in den gewöhnlichen mannlichen Blülhen gänzlich verkümmern , mehr oder weniger vollständig ausgebildet, so dass die Blüthen scheinbar zwittrig geworden waren. Der Secretär der Section, Prof. Ferd in and Co hn, hieU einen Vortrag über La- minavia digitata Lin. Diese colossalsle der Nordseealgen, einer Familie angehörig, welche in nördlichen Breiten, namentlich im arcti- schen und anlarctischen Meere, submarine Wälder von colossaler Höhe (bis zu 700 Fuss) darstellt, hat erst in neuester Zeit eine Ver- werthung zu chirurgischen und gynäkologischen Zwecken gefunden, indem die zu kurzen Cylindern abgedrechselten, ausgewaschenen und getrockneten Stiele nach dem Vorschlag von Wilson in Glasgow zu Bougies und Sonden besonders zur Erweiterung von Oetl'nungen und Canalen statt des Presschwammes benutzt werden. Es werden jedoch unter dem Namen der L. digitata zwei Arten verwechselt, welche zuerst durch den Rev. C. Clo ust o n auf den Orkneyins(.'ln unterschieden wurden; die eine, L. flexicaulis Le Jolis, in sehr flachem Wasser horizontal fluthend, zeichnet sich durch die unregel- niässigen Wurzelzweige, den süsslich schmeckenden , biegsamen glatten, glänzend kastanienbraunen, nie mit Schmarotzeralgen be- setzten, im Querschnitt meist elliptischen, oft an der Basis zusammen- gezogenen und nach oben verflachten Stiel und die verhältnissmässig sehr lange (12 — 20 Fuss), schmälere und wenig getheilte Blattspreite aus, während L. Cloustoni Edmonston, in tieferem Wasser auf- recht stehend, wirklich strahlige Wurzelzweige, einen verhältniss- mässig (4 — 5 Fuss) langen und sehr dicken, steif aufrechten, brü- chigen, walzenförmigen, nach unten stets, bis zu 7 Zoll Umfang verdickten, nach oben verschmälerten Stiel mit graubrauner, matter, runzeliger Rinde, die meist von Schmarotzerpflanzen besetzt ist, und eine höchstens 6 — 8 Fuss lange, fächerartig ausgebreitete', sehr viel- spaltige Blattspreite besitzt. Nur die Stiele der Laminaria Cloustoni Edm. taugen zu chirurgischen Zwecken, da diese mehrjährig sind und zu mehr oder minder dicken, hornartigen Cylindern austrocknen, wäh- rend die weit dünneren Stiele der ein- bis zweijährigen L. flexicaulis zu biegsamen Fasern verschrumpfen. In Wasser aufquellend, nehmen die Stiele der Laminaria Cloustoni nach einigen Stunden wieder ihre früheren Dimensionen an; bei entsprechenden Versuchen erreichte ein Cylinder von 55 Millimeter Länge und 24 Millimeter Umfang im Wasser von 20^ nach 2 Stunden einen Umfang von 27 Mm., nach 12 Stunden von 35 Mm., nach 18 Stunden von 40 Mm., nach 24 St. von 42 Mm.; die Länge war zu 61 Mm. (^Ü^/q) zuge- nommen. Es wurde daher der Durchmesser der Laminaria durch Aufquellen von 7,96 bis zu 13,68 Mm., um 72%, etwa im Verhältniss von 11: 19, vergrös-ert; dem entsprechend würde ein Canal durch diese Laminarie im Verhältniss von 49,9: 146,9, also fast um das 96 Dreifache, erweitert werden. Für die Praxis zu berücksiclilig-en ist jedoch der starke Gehalt der dickeren Laminaria-Sllhe an Meersalz, der sich durch -inen scharfen Gescliinack kundgibt, wie ihre Neig^ung- zum Faulen und Brechen. Zur Erläuterung- wurden getrocknete colossale Exemplare der beiden Laminarien von Helgoland vorg-ezeigt, wo dieselben überaus gemein und, in ungeheuren Massen an den Strand geschwemmt, durch sofortige Fäulniss höchst lästig werden, ohne bis jetzt irgend eine Verwendung gefunden zu haben; doch soll durchden Apotheker von Helgoland im nächsten Jahre ihre Verarbeitung zur Jod- und Brom-Fabrikation versucht werden. Dr. Herr mann Cohn theilte mit, dass, als er bei Verdauungsversuchen an einem Hunde in eine künstliche Magenfistel eine Laminariensonde einge- führt, das Thier jedesmal binnen einer Viertelstunde lebhafte Unruhe und Erbrechen gezeigt, während die Einführung eines Glasstäb- chens etc. keine Beschwerden herbeigeführt habe. In der Sitzung vom 7. Dezember verliest der Secretär ein An- schreiben des Präses der Gesellschaft, Geheimenralh Göppert, enthaltend eine Zusammenstellung der im Besitz der Gesellschafts- bibliothek bereits befindlichen 3Ianuscripte über die „schlesische Flora", welche eine nicht unbeträchtliche Anzahl werfhvoller Mono- graphien darstellen. Nach dem Vorschlage des Herrn Präses sollen diese Manuscripte in der Gesellschaftsbibliothek in einer besonderen Abtheilung aufbewahrt und unter den gewöhnlichen Bedingungen zur Benutzung gestattet werden; die Herren Besitzer ähnlicher Manu- scripte oder Lokalfloren werden ersucht, dieselben der Gesellschaft zur Aufbewahrung und Benutzung für zukünftige Bearbeitungen zu überlassen. Prof. Cohn theilte mit, dass Apotheker L o h meyer in diesem Jahr wiederum eine sehr grosse Anzahl von Modellen zur Erläuterung des Blüthenbaues und der Fortpflanzung der Gewächse angefertigt. Namentlich die complicirten Fructificationsorgane der Kryptogamen werden durch Reihen höchst instructiver Modelle, welche zum Theil die ganze Entwickelnngs-Geschichte darlegen, veranschaulicht. Diese in ihrer Art einzige, bis jetzt an 2Ü0 versciüe- dene Modelle enthaltende Sammlung, welche ihre Entstehung der uneigennützigen Hingebung und der technischen Begabung des Herrn Loh meyer verdankt, ist im Aud. V. der Universität ausgestellt. Ferdina nd Cohn. — Der kryptoga mis che Reiseverein unter Leitung von Dr. Schimper und Dr. Rabenhorst hat im zweiten Vereinsjalir 290 Tlialer eingenommen und 260 Thaler ausgegeben. Eingeliefert wurden von dem Reisenden Dr. v. Klinggräff 170 Nummern, von welchen 6 als werthlos cassirt wurden und 24 ihrer ungenügenden Anzahl wegen vorläufig zur Vertheilung nicht gelanoen. — Die Societa ifaliana delle scienze naturali wurde im Jahre 1859 in Mailand ursprünglich als eine geologische Gesellschaft ge- gründet, erhielt aber ihren gegenwärtigen Namen und Umfang in dem folgenden Jahre. Ihr Zweck ist die Förderung der Naturwissenschaft in allen ihren Zweigen und sie zählt gegenwärtig beiläufig 200 Mit- ,97 gliedor, bosondors ans doni forden llalitMis, wolclio ciiini Jnlirosboi- Irag- von 20 Fri'. zahlen und zum uncnliiellliilien Bezug der Atli be- reolitiot sind. Die Gesellscliafl hiiit niunadich eine Veri;anmilung- in Älailand und hat besehlossen jährlich einen „congresso"' in einer an- dern Stadt Italiens abzuhalten. Dererstecongresso wurde zu ßiella int Pieinont im vorigen Jahre unter dem Vorsitze von Qui'ito Selia eines ausgezeichneten Mineralogen und gegenu artig P'inanzminisler abge- hallen. Die Versammlung n urde am 3. Se|)t. eröflnet und dauerte 4 Tage. Die Gesellschaft Iheilte sich in drei Seclionen für Zoologie, Botanik und (jeologie. Die Geologen waren bei weitem die zahlreiclisten und ihre Arbeiten die wichtigsten, zunächst kamen die Zoologen und zu- letzt die Botaniker. Die beim congresso gehaltenen botanischen Vor- trüge waren folgende: Zumaglini über die seltenerenPhanerogamen der Flora zon Biella, Caruel über die Entwicklung der Flechten aus dem Genus Collema, Gibelli über die Geschlechtsorgane der Verru- carien, Cesati ül)er die bolanische Geographie des Disiriktes ßiella, Passer in i über eine Art \ on Ascon/yce. Rost an über die botanische Geographit' \on Aor lifalien. Dieses Jahr wird die Versamndung in Spezia unter dem Vorsitze des Marquis Doria abgehalten werden. Literarisches. — Das .,BulL'tin'- der naturforschenden Gesellschaft in Moskau enihält im 2. Hefle des J. 1864 unter andern: ,,Enumeratio plantarum in regionibus eis- et transiliensibus a cl, Semeno\io anno 1857 col- leclarum." Von E. Regel und F. v. Herder. (Mit 1 Tafel j. — Der nalurwissenschallliche Verein für Steiermark hat das zweite Hell seiner Miltheilungen herausgegeben. Dasselbe enthalt: ,, Nachträge zur Flora von Steiermark." Von Dr. J. C. Maly. — • ,,Das Sausalgebirge."' Von Dr. W. S Ireinz. — „Botanischer Ausflug in die Umgebung von Trifall." Von Ferd. Graf. — „Beiträge zur Flora von Eibiswald.'-'- Von Fr. v. Feil 1er. — ,, lieber Specialfloren." Von Ferd. Graf. — „Der Volksgärtner", eine Gartenzeilung redigirf von AI ex. Lukacsy, welche seit Mai v. J. in Pest in ungarisclier Sprache erscheint, wird nun auch in deulscher Uebersetzung ausgegeben. — Von Dr. H. Müller ist in Lippstadt erschienen eine „Geo- graphie der in Westfalen beobachteten Laubmoose." Dem Werke sind 2 Karten beigegeben. — - „Die B a s t a r l b e f r u c h t u n g im Pflanzenreiche erläu- tert an den Bastarten der Weiden von Max Wichura." (Breslau, Verlag von E. Morgenstern 1865). — Die Bestrebungen auf natur- geschichtlicliem Gebiete haben im V'erlaufe eines Jahrhunderts ein grosses Material von Beobachtungen geliefert; aber wie wurde es be- nützt zurLösung jener wichtigsten Aufgabe derNalurgeschichle beleb- 98 ter Wesen, zum Aufbau eines auf Abstammung gegründeten natürli- chen Systems. — Hier liegt einerseits die Schuld in der Planlosigkeit, mit welcher viele Beobachtungen gemacht wurden, andererseits in der Scheu, man könnte, indem man tiefere leitende Ideen in die Forschung hineinbringt, einer naturphilosopiiischen Bestrebung angeklagt wer- den, die mit Recht so sehr in Misskredit gekommen ist. D arv in hat zur rechten Zeit die Reaktion untergraben, welche die Naturphiloso- phie gegen sich heraufbeschwor: wieder darf der Gedanke und das ihm dienende Experiment in die Naturgeschichte eindringen, ja selbst die Hypothese, von der unser geistreiche Dr. Jäger in seinem Vor- trage über die Genealogie der Wirbelthiere kürzlich sagte „sie ist der Köder mit dem man Thatsachen fangt", kömmt wieder zu Ehren. Diese Gedanken drängten sich uns unwillkürlich auf, als wir die schöne und gründliche Arbeit von iVIax Wi chura durchlasen, in welcher eineReihe von exakten Versuchen über die Bastarlbildung der Weiden mitgetheilt wird, und die hieraus sich ergebenden auf die Systematik dieser Pflan- zenfamilie bezugnehmenden Resultate niedergelegt, so wie allgemeine Betrachtungen angeschlossen sind, welche sich auf die Eigenschaften der Bastarte überhaupt, auf die letzten nachweisbaren Ursachen ihrer Bildung so wie auf die Entstehung der Arten i)eziehen. Die Versuche verrathen eine Umsicht, die den gründlichen Beobachter kennzeich- net. Die mitgetheilten Resultate der Experimente machen den vollen Eindruck der Richtigkeit und Wahrhaftigkeit. Fügen wir noch hinzu, dass die Versuche mit Planmässigkeit durchgeführt sind, so haben wir wohl das beste gesagt, was sieh über eine Experimentaluntersuchung berichten lässt. — Von hohem Interesse erscheinen uns die allgemei- nen Betrachtungen über die Natur der Bastarie und über die Entste- hung der Arten. Die habituelle Schwäche der meisten Bastarte erklärt der Verf. auf eine ungemein einleuchtende Weise. Er geht von der Voraussetzung aus, dass einerseits jede Species Eigenschaften besitzt, die durch Anpassung an die äusseren Lebensbedingungen hervorge- gangen sind, und andererseits nur die Eigenschaften der Eltern auf die Kinder übergehen. Im Bastarte mischen sich also die differirenden durch verschiedene Lebensbedingungen hervorgebrachten Eigenschaf- ten; die neuen durch diese Mengung entstandenen Eigenthümlichkei- ten werden in der Mehrzahl der Fälle zur vollständigen Erreichung eines und desselben Lebenszweckes nicht au:^reichen. Aber auch nur in der Mehrzahl der Fälle, nicht in allen. Die Umstände können es ja hervorbringen, dass die von Vater und Mutter ererbten Eigenschaf- ten mit den dem Kinde gebotenen Lebensbedingungen so harmoniren, dass es gleichsam von Geburt aus schon accommodirt ist. Hiemit ist aber der Ausgangspunkt für eine neue Form oder wenn man will Species gegeben. Die so richtige Anschauung in Verbindung mit einem der Resultate seiner Beobachtungen: dass unvollkommene Ac- commodation dem Organismus eine vermehrte Fähigkeit zur Varietä- tenbildung gibt, drängt den Verfasser zu einer geistreichen; volle Würdigung verdienenden Idee: Die localen und klimatischen Verände- rungen, die auf unserer Erde statthatten, mussten eine Desaccom- 99 modation der bestehenden Pflanzen- und Thierfornien zu Folge haben. Diese hülle die Fortdauer der Organismen in Frage gestellt wäre sie nicht die Ursache gesteigerter Variabilität geworden, welche zu einer ausgebreiteten Varit'tälenbildung füliren musste, aus der zweifelsohne Furmen hervortraten, die sich mit Leichtigkeit den neuen Verhältnissen accommodirten und Sieger blieben im Kam- pfe um's Dasein? So haben wir denn eine Schrift vor uns, die nicht etwa bloss für den Hausbedarf des „bestimmenden" Bola- nikers geschaffen wurde, sondern die wegen ihres allgemeinen Stand- punktes jedem willkommen sein wird, der durch Darvin's geniale Werke angeregt, Interesse oder gar Antheil nimmt an den gegen- wärtigen Bestrebungen, das Räthsel über die Entstehung und Ent- wickelung unserer heuligen belebten Schöpfung zu lösen. Die schöne Ausstattung der Schrift (Quart, zwei Foliolafeln in Naturselbstdruckj verdient alle Anerkennung. Dr. J. W. Sammlungen. — Von dem Herbarium österreichischer Weiden der Gebrüder Kerner ist die 3. Dekade in schönen, instruktiven und reichlich aufgelegten Exemplaren erschienen. Sie enthält nachfol- gende zehn Formen, von denen manche wohl nur durch diese Samtn- lung in die Hände derButaniker gelangen werden. 21. Salix sphaero- cep/iala Kern. (Oesl. bolan. Zeitsch. ISfii, S. 240) c^. Von einem 2 Klafter hohen Busche an dem Gehänge, welches unterhalb Zirl bei Innsbruck das Ufer des Inn bildet. 2000' — 22. S. auritoides Cpnr- purea X auritaj Kern, (ßicderösl. Weiden S. 1.35) (^. Von einem 4 Fuss hohen vielästigen Strauche am Ufer des Lanser See's am Mit- telgebirge bei Innsbruck. 3000 Schiefer. — 23. S. Mauternensis ipurpvrea X Caprea) Kern. (Niederösl. Weiden. S. 139) ^. Wien. Von einem l^/j Klafter hohen Strauche zwischim dem Arsenal und dem Laaerberge in dem Salicelum nächst dem ersten Wächterhause der Raaber Eisenbahn. 700'. Tert. Schotler. — 24. S. amygdalina L. var. Villarsiana (S. amygdalina Vill.) cj" Klaflerhoher Strauch am Ufer des Innflusses bei Innsbruck. 1800'. Alluv. — 2b. S. daphnoides Vill. ^. Breitblältrige Form mit gelben Zweigen. Ufer des Inn zwi- schen Innsbruck und Zirl. 1800'. Alluv. — 26. S. cuspidata (_pen- tandra X fragilis} Schultz. ^^. An Wiesengräben bei Heinreichs am Plateau des böhm. mähr. Gebirges. Zwei Klafter hohes baumartiges Exemplar. 2000'. Granit. — 27. S. Ehrhartiana Qpentandra X alba^ Smith (^. Von einem auf kalklosen Moorgrund in der Seeh. von 3000' stehendem 3 Klafter hohen Baume bei Sterzing in Tirol. — 28. S. grandifolia Sering. 9. Am östlichen Ufer des Achensee's in Tirol. 3000'. Kalk. — 29. S- cinerea L. ^. Dornbach bei Wien. 800'. Lehmboden. — "iO.S.pubescens Schleich.^. Mannshoher Strauch im 100 Längenthal überLiscns inNordlirol. 6200'. Schiefer. Diese sind die zolin P'oriiien der 3. Decade, ihr ist gleich den frühem Decaden ein Bogen Text heigegeben, welciier zu den einzelnen Numniern erklärende Da- ten lieferl. So Nachweise zur Synonymik un die frei ilurcli il ie Fost be- ersclieint DOiaillM Ulltt DOldDIHer, ^o^en ^ve,■Oe^ s .Ilen, sind den Krsten jeden Monats. Mos l>ei der lte weitesten vom Rinnsale des Flusses, man trilfl ihn nämlich auf den äussersten rauhen Ufer- gehängen. Die Conglomeratfelsen und Uferwände stellenweise mit den zierlichen Veronica vrticaefolia, Campatiula carnica, caespitosa und Adianthum Cupillus behangen. Diesen reihen sich an durch den gleichen Standort: Potentilia caulescens, Paeder ola Ayeria, Phyteu- ma Scheuchzeri, Scabiosa graminifolia, Acena dislichophylla, Glo- hularia cordifulia, Sesleria coerulea, Erigeron glabratus, Calamintha thymifolia, Leotitodon hastilis var. hyoseroides Koch, Lasiagrostis Calamagrostis , Athamanta Matt/iioli, Cnidium apioides, Hieracium porrifoiium und bupleuroides; ferner Aspidium Lonchitis, Cystoptens fragilis, Polypodium calcareum und Scolopendrium oß'icinarum. An den Auen, besonders da, wo es an Feuchtigkeit und Schatten nicht fehlt, gedeihen in Fülle: Tofjeldia calyculata, BelUdiastrum 10;} Michelii, Carex alba, Epilobiiim montanum, Edca carnea, Leontodon incanus, Cletnatis recta,, Listera ovnta, Poli/gala Chainaebnxiis-, Prn- nella grandiflora, Orcliis maculata, miütaris , Gentiana cruciata, Veratrnm nigruni, Mercurialis ovata, Aster Amellus^ Selayinella liel- t:etica, Hacqiietia Epipactis. — Allium fallax und Biscutelia laevi- ffata nohinen die nacklesten Stellen an den Uferg-ehängen ein. Nähe von Quellen sowie vom Wasser überrieselte Al)liänge lieben: Anemone trifolia, Calainagrostis Innceolata , Chaerophyltuiu hirsntmn, Cardamine i^ylnatica und Impatiens , Pingulcula alpina, Cirsimn oleraceum, Sciwenus nigricans^ Blismus compreasus. Eben- daselbst findet man, doch in spärlichen Exemplaren, Astrantia car- niolica. Längs beider Uferwände zieht sich, durch Einstürze stark unter- brochen, ein dichtes Gehölz, bestehend aus Pyrus Aria, Ostrya vul- garis, Stnphylea pinnata, Pyrus Aucuparia, Spiraea ulniifoiia, Fra- xinuü Ornns, Pistacia Terebinthus, Firus Carica, Lonicera Xylosteum, Enonymns verrucosus , Aronia rotmidifo/ia, Prunus Mahaleb und Rubus discolor, zu dessen kühlenden Schatten manche Gebirgspilanze ihre Zutluclit nimmt, ich nenne besonders: Dentaria enneaphyllos^ bulbifera. Omphalodes verna, Viola mirnbi/is, Euphorbia cartiiolica, Cardamine trifolia, Oxalis Acetosella, Hypericum montanum, Arabis arenosa, Lapsano foetida, Aquilega vulgaris, Isopyrum thalictroides, Nepeta nuda var. violacea, Aconitum Lycoctonum und paniculatunt. Ferner sind hier selir häufig- auch: L'imium Orvala, Galeobdoion luteum, Senecio Fuc/isii, Epimedium alpinum, Symphitum tuberosum, Asarum europaeum, Hepatica trifoba, Melica unißora, Cyclamen europaeuin nel)sl Scolopendrinm officinarum, dann die etwas selte- neren Geranium nodosum , Piptatherum paradoxum , Bupleurum juncemn, Potentilla hirta, Bromus asper, Fesluca arundiuacea. — An sandigen Stellen Calamagrostis litoralis , Salvia verticillata, Verbascum nigrum , sowie eine Meng-e gemeiner weitverbreiteter Arten. Es hat die Vermuthung wohl viel Wahrscheinliches für sich, dass die Arten, welche im Isonzo-Thale angetroffen werden , ohne an ähnlichen Stellen in der Umgebung vorzukommen, aus anderen Gebieten hereingeschleppt wurden und nur darum auf das Isonzo- Betl beschränkt blieben, weil noch keine günstigen Umstände zu ihrer weiteren Verbreitung zusammengewirkt haben. Nun kann aber der Feuchligkeitsgrad der Atmosphäre mit den ihn begleiten- den Temperafurverhältnissen, der Verbreitung der Pflanze eben so eine Grenze setzen, wie die Bodenart selbst. Diess ist ohne Zweifei der Grund, warum auf völlig gleichem Substrate ausser dem Bette des genannten Flusses, Gebirgspflanzen nicht gedeihen. Indem wir diesen Grundsatz auf die Vegetation des Isonzo- Thales anwenden, erhalten wir die Ueberzeugung, dass von den 560 Arten Gefässpilanzen, welche sich daselbst nachweisen lassen, eine bedeutende Anzahl aus den nördlich gelegenen Gebirgen stammt. 8 •==• 104 In der That wurde mehr als 40% der angefülirlen Gewächse schon auf den nächstlieg-enden niedrigen Bergen vorgefunden. Nach Angabe des H. Prof. Piro na kouimt Tilia parcifoUa in den Wäldern der Carnia vor. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass sich ihr Verbreitungsbezirk in östlicher Richtung bis an die Ge- birge des mittleren und oberen Isonzo ausdehne. Ihr südlichster Stand- punkt ist am Austrifte des Flusses ins Flachland, wo man sie stets nur als Strauch findet. — Einen Beweis für das Zufällige des Vor- kommens dieser Pflanze im Isonzo-Bette erblickt man in dem Um- stände, dass sie in den Wäldern am Fusse der angrenzenden Berge fehlt. Ebenso fehlt sie am Flusse der carnischen Alpen. Es ist mehr als ein Grund für die Wechselseitigkeit zwischen der Vegetation Friauls und jener des Görzer-Gebietes vorhanden; erstlich hängen beide Landstriche, ohne durch ein hohes dazwischen liegendes Gebirge von einander getrennt zu sein, wodurch ihre gegenseitige Kommunikation gestört wäre, zusammen und umfassen kaum 40 QMeilen an Flächenraum zusammen. In beiden Landstri- chen nehmen den Norden Gebirge ein , die , wenn sie auch im Friaul'schen eine grössere Gliederung besitzen , doch ohne grosse Zwischenräume mit den Gebirgen des Gorzer Dislriktes in Verbin- dung stehen. Ferner begleiten den ganzen Südabhang eocene Terliärablagerungen bald in Form von langgestreckten Hügelreihen, bald zu einem weiten Plateau auseinander tretend. Diese Ablagerungen werden im Friaul'schen ebenso durch Bäche und Flüsse durchbrochen, die von Norden kommend, den ihren Lauf bezeichnenden Schotter durchfurchen und mit AUuvionen vermehren. Dieselben Erscheinungen von Pflanzenverschleppung wiederholen sich an den Ufern der Tagliamento, der Forre, des Indrio und derNatisone. Aber auch in der Vegelation des Tertiärbodens beider Nachbargebiete findet kein wesentlicher Unterschied statt. Wir werden darum um so leichter vom Allgemeinen auf das Einzelne schliessen können. Um ein Beispiel für die Wichtigkeit dieser gleichartigen Be- schafi'enheit beiderLandstriche anzugeben, erinnere ich, dass man über die Herkunft der in den Wäldern bei Görz so häufigen Dianthus bar- batus völlig im Unklaren schweben müsste, wenn man nicht die Flora Friauls in Erwägung zieht, da diese Nelkenart weder iui Bette des Isonzo, noch in den angrenzenden Gebirgen zu finden ist. Allein im Friaul'schen verfolgt man die Spur von Dianthus barbatus von den Wäldern der Ebene aus bis in die Voralpen bei Venzone. Es ist dar- um die Vermuthung wohl gegründet, dass sich Dianthus barbatus ursprünglich von Westen her über die tertiären Hügel bei Görz ausgebreitet habe und er somit hier weder ursprünglich einheimisch, noch überhaupt eine Pflanze des Flachlandes isL Dunkler als irgend ein Räthsel aus der Verbreitungsgeschichte der Pflanzen erscheint aber das so beschränkte Vorkommen von Leontodon Berinii Roth im Grus des Isonzo bei Görz. Diese Art steht im Ansehen dem Leontodon saxatilis nahe, unterscheidet sich indess von demselben sehr stark durch den scharf anzufühlenden, feinen 105 Ueberzuo-, welcher fast mehlig- erscheint , und die Berandung der Blätter. Bisher wurde Leont. Ber., soviel mir bekannt, nur im Isonzo- Bette unweit Görz sfesehen. Nach Koch soll diese Pflanze von Klitsch bis zum Ausflusse des Isonzo vorkommen, allein trotz fleissi- gen Xachsuchens konnte ich der merkwürdigen Pflanze nirgends sonst begegnen. Wie hoch ungefähr die Anzahl der im Isonzo-Thale bei Görz eingebürgerten Pflanzenarten sein müsse, wird man auf eine indi- rekte Weise aus folgender vergleichenden Zusammenstellung ersehen. Der intensivste Einfluss auf die Uebertragung der Pflanzen er- streckt sich bis zu den durchschnittlich 80 Klafter von einander ent- fernten Ufergehängen. Bechnet man nun 20 Klafter auf die Breite des Binnsals bei niederem Stande des Wassers, so kommen unge- fähr 30 beiderseits auf den von Pflanzen besetzten Baum. Nach mei- ner Wahrnehmung dehnt sich aber jener Einfluss in der Länge von nahezu 2600 Kl. vom Eintritte des Flusses ins Flach- land aus. Wir erhalten somit eine Fläche von 150.000 [JK\. oder nahezu %qq D^I'-? über die sich die mit dem Flusse herabgelangten Pflanzen ausbreiten. Eine möglichst genaue Zählung aller daselbst vorkniiimenden Arten von Gefässpflanzen gab aber die Zahl 5fiO zum Besulfat. Der benachbarte Distrikt des Diluvialgerölles östlich vom Isonzo beherbergt auf V2 nMl. 227 Arten Gefässpflanzen, welche ihm ausschliesslich eigen sind, nebst 332 Arten jener, welche er mit dem Terliiirboden (Mergel und Lehm) theilt. Im Ganzen be- sitzt also dieser Distrikt 559 Arten Gefässpflanzen, mithin soviel als das Isonzo-Thal selbst auf Vioq [jMl. Man wird den relativen Artenreichthum des Tsonzo-Thales bei Görz noch mehr zu würdigen wissen, wenn ich bemerke, dass auf V2 D^^'- f^^s Tertiärbodens östlich vom Isonzo mit Einschluss einer bedeutenden Waldstrecke westlich von dem Flusse nur 76 eigene Arten kommen. Zählt man die Arten hinzu, welche er mit dem Ternovaner Walde gemeinschaftlich hat. so erhält man 128 Arten, sammf jenen, welche der Tertiärboden mit dem Isonzo-Thal gemein hat 143. Ferner hat dieser Distrikt 332 Arten, die auf losem Dilu- vialschotter ebenfalls vorkommen; mithin ergibt sich für den Tertiär- boden bei Görz auf Vi Qj^Il- eine Gesammtsumme von 475 Arten Gefässpflanzen. Das Tertiärland mit seiner aus Mergel, Lehm und Thon besie- henden Unterlage ist also an Arten ärmer als das anstosscnde Kalk- steino-i-biet. Allein jene mineralischen Substanzen bedingen durch ihre Fähii>-keit, die Feuchtigkeit längere Zeit zu behalten, eine ver- hältnissmässig grössere Individuenanzahl, eine üppigere und zusam- menhäno-endere Pflanzendecke. Derselbe, wo nicht ein noch auffal- lenderer Kontrast der Vegetation hinsichtlich dieser zwei Unterlagen, bietet sich in Istrien dar. Verhältnissmässig am ärmsten an Arten ist der Ternovaner Wald, wo ich auf 4nMI. nur 190 Arten (Gefässpflanzen) beobach- tete, die demselben allein zukommen, und 58 solche, welche auch 106 im Tcrlicirland in der Niederung auflrelen, also zusammen 248 Arten. Allerdings niuss ich gestehen, dass mir dieses Gebiet noch zu wenig genau bekannt ist, als dass man jene Zahl als die richtige ansehen könnte. Allein, wenn man auch diese Zahl verdoppelt, so kommt sie doch noch nicht jener gleich, welche ich für jenen geringen Flächen- raum im Thale des Isonzo gefunden habe. Es bleibt daher immer eine sehr auflallende Erscheinung, dass die Ufer des Isonzo auf Vioo D"^^'- einü grössere Arfenanzahl aufzuweisen haben, als der ganze -iOOmal grössere Teinovarer Wald. In der Thal kann aber, genauer betrachtet, diese Thatsache nicht überraschen, wenn man bedenkt, dass die Pflanzen im Ternova- ner Walde, mindestens soweit der Hochwald reicht, wegen der ein- förmigen Gestaltung des Bodens und des sich überall gleich bleiben- den Masses der Feuchtigkeit und der Insolation, auch die Vertheilung der Arten gleichmässig, ja selbst der Individuen eine gleichför- mige, last einförmige sein muss. Daher kommt es, dass man hier fast ül)erall dieselben Arten antrilTt und erst am Saume des Waldes und an den äusseren Gehängen des Gebirges eine grössere Mannig- faltigkeil eintritt. Nach der Eigenschaft des Lehm- und Mergelbodens, die Feuch- tigkeit leichter zu behalten, wodurch zugleich die Temperatur im Sommer herabgedrückl wird, lässl sich vermuthen, dass die bewalde- ten Theile des Terliärlandes längs des Isonzo viele von den mit dem Flusse herabgelangenden Gebirgspflanzen aufnehmen und dauerhaft beherbergen werden. Dieses triff"! wirklich ein, denn man beobachtet z. B. in einer 50 Klafter vom Ufer entfernten Waldung folgende Arten: Euphorbia carniolica, Hacquetia Epipacti^, Lapsana foellda, Cardamine trifoUa, Epimediuni alpinum, Rubus glandulosus, Verbas- cum tkapsiforme^ Veronica urticaefolia, Gentiana asclepiadea, Sene- cio Fuchsü, Scilla bifolia, Äsarum europaeum, Polypodium Pheyop- tei'is , Aspidium aruleatum, Luzula albida, Hypericum hirsutiim., Doronicum austriacum, Petasites albus, Fagus sylvatica, Thalictruiu aquilegiifolium, Potygala Chamaebuxus, Alimm ochroleucum, Aster AmeUi.'S, Fugus sylvatica, Pinus picea und Abies, und selbst Acer Pseudo-platanus und Betula alba scheinen durch die Bora ins Flachland gelangt zu sein, da sie fast ausschliesslich auf die Hügel längs der Wippach beschränkt sind. Zu den besonders charakteristischen Arten für lichte sowohl als schattige Waldun:Teri und Heidestrecken zählen: Calluna vulgaris, Erica carnea^ Polygala Chamaebuxus, Prenanthes purpurea, muralis, Vacc nium Myrtillus , J uniperus communis, Hypericum hirsutum, Allium ockroleucum, Aster Amellus, Senecio Fuchsü, Galeobdolm luteum^ Actaea spicata, Paris quadrifolia, Salix aurita, Gentiana asclepia- dea, Dianthus barbatus u. a. Arten. Im westlichen Friaul steigen selbst Betonica Alopecurus, Pingui- cula alpina, Parnassia palustris, Daphne Mczereum und Fraxiuus excelsior ins Tertiärland herab. 107 Einen andern Beleg- für die Thalsaclie, dass Gebirgspflanzen in der Ebene auf schwerem Thon und Mergelboden gut furtkoniinen, während umgekehrt wieder viele dieser Bodenart angestammte Ge- wäehse in bedeutender Höhe gedeihen, liefert das Vorkommen fol- gender Arten auf der Spitze des Berges Slavnik: Inula ensifoUa (er- scheint in grosser Menge im Bette des Isonzo), Gnaphalium dioicum, Hypochoeris maculata , Fraxitins excelsior , Prunella grandifolia, Silene nutans, Salix caprea, Crocus vernui , Convallaria majalis, Lmula albida , Viola caiiina , Spiraea Aruncus, Potentilla alba, Sanicula euvopaea. Anemone Hepatica, Stellaria Holostea und Den- taria bulbifera, indem alle diese Arien in der Niederung auch, doch nur auf Tertiarboden angelrolFen werden. Wir sehen also, wie hier das physikalische Moment bestimmend auf den Florencharakter einwirkt. Der Einfluss der chemischen Zu- sammensetzung des Bodens bleibt ihm so weit untergeordnet, dass man sich nur durch gewissenhafte Erwägung der Extreme, welche die Struktur i\ci<. Bodens in diesem Landstriche darbietet (man vgl. Beiträge zur P'lora der Umgebung von Gorz in dieser Zeitschrift 1863, Nr. llj vor einer zu weit gehenden Schlussfolgerung bewahren kann. Wien, im Februar 1865. Aroideologisches. Von H. Schott. Aufgefordert zu einer Aeusserung über Ernst Ender's „Index Aroidearum'" theile ich Nachstehendes mit: Die gamosepalen Spathiphyllen Schotl's, deren Ovarien nicht über die Sepala vorragen, sollen nach der Bezilferung Ender's Mas- sowien, die anderen, also die eleutherosepalen ex Schott, mit vor- ragendem Ovario, Spathipliyllen genannt bleiben. SpathiphyUiim Bonplandii S. , cannaefuUum S., Gavdnerl S., communatum S. (dieses letzte noch besonders unler Beifügung End.J als Massowien bezeichnet, sind demnach echte Massowien C. K.. und Sp. blandum^ heliconif'olium, longiroslre etc., echte Spalhiphyllen (ex Enderj. Spathiphylluni Lechlerianum S., dessen Sepalen am oberen Ende frei werden, dessen Ovarien nicht hervorragend sich zeigen, so wie Sp. llumboldtii S. das ausser freien Sepalen auch noch ein hervor- ragendes Ovarium hat, werden aber von Ender, was auffallen muss, ebenfalls als Massowien begrüsst, wobei noch hervorzuheben ist, dass die Addenda ^\gs Index Ender's Spathiphyllopsis Teysm. et B. als selbstsländige Gattung anerkennen und aufzählen, die doch nur Spa- thiphylluni comnmtatum S. — die Massuwia comnmtata End. ist. 108 Schon In den Meletematen 1832 wurde im Charakter von Spa- tkipkyllu/n „Sepala .... plus niinusve conglutinata vel connafa" betont. Nur Rhaphidopiwral insignis S., deren Namen jedoch Scliott's Genera Aroid. 1858 nur durch einen Lapsus calami, statt derBezeich- nung Rh. eximia hrachien, leuchtet hier , fraglich freilich, ebenfalls wie alle übrigen 21, definitive als Synonyme zu Scindopsns einbezo- genen Rhaphidophoren des Prodr. Syst. Aroid. Sc holt's, als einzige, mit X. bezeichnete Art hervor. Ausser derselben geben jedoch die Addenda End er, 8 weitere Species, als Rhaphidophoren, ohne alle Frage. Morphologisch und im weiteren Sinne geographisch, stimmen aber alle hier im Index und den berührten Addendis 30 Rhaphidopliova oder Scindapsus (Ender) genannten Arten, durch zweifacherige Fruchtknoten, deren Fächer vieleiig, deren Eier an langem Strange, an den Kanten der gegenstandigen Halbscheidewände übereinander gereiht sind, deren elliptische Samen eiweisshältig, deren Keim ge- rade, deren Samenlappen keimend über den Boden gehoben wird, so wie durch ihr inilisches und südseeinsularisches Vorkommen, als echte Rhaphidophoren (Schott's} überein, wahrend der Gattung Scin- dapsus Schott ein einfächiger, eineiiger Fruchtknoten, ein grundständiges sehr kurz bestrangtes Ei, ein nieriggeformter Samen, ein hufeisenartig gebogener dicker Keim ohne Eiweiss, ein unterirdi- sches Keimen zukommt und eig-en ist. Aber nicht nur Rhaphidophora und Scindapsus (S.) werden im Laboratorio Enders zusammengeschujolzen, noch 2 andere Genera i\es Autors der Genera Aroidearum, Anadendrum (Schott), ausge- zeichnet durch den kelchartigen Becher jeder einzelnen Blülhe, wie durch den rundlichen eiweisslosen Samen, und Epipremnum (S.), merkwürdig durch die am Grunde 2 Eier tragende, nur einerseits vor- kommende Halbscheidewand und die runden Samen mit hufeisenarli- geu Embryo, — auch diese müssen zur durch Ender vervollkommt hergestellt natürlichen Gattung Scindapsus End er! beitragen. Was nun noch die Sp(;cies dieses so hin gestellten Scindapsus anbelangt, so ist bei Sc. decursivus End,, Rhaphidoph. Wallichü (Schott) als Synonym angegeben, was nicht richtig ist, bei micro- stachyus (de VrieseJ Anadendron montanum S. i]en Scindapsus montanus(Zo\\ingeT'),was richtig, aber nicht richtig angegeben ist, wenn Sc. tnontanus Knlh. mit dem Synonym ,, Calla monta7iaB\."- d. i. der Rhaphidophora montana S. allein aufgestellt wird, wie im Index Enders der Fall ist. Bei Sc. multijugus CMoch., oder pin- natiis Hort., ist die nicht beigezogene Raph. dicursiva S. zu ver- stehen, bei pinnatus, die Rh. pinnata S. und pinnatifida S., welche als einerlei gedeutet werden, was nicht zu beweisen ist, da letztere nämlich Rh. pinnatifida S., den Polhos pinnatifidus Roxburgh, der von diesem Autor aufgestellt wurde, uns auch heute noch gänzlich unbekannt geblieben ist. 109 Doch um nicht zu sehr Geduhl in Anspruch nehmen zu müssen, begnügen wir uns mit vorstehenden, Gattungen betreffenden An- führungen und erwähnen weiterschreitend einiger Daten, die eben charaklerisirend genug sind. Aglaoneina oblongifolium S. nach Enders Index, soll A. Sim- plex B I. sein, es exislirt aber gar nicht. Alocasia heteroneura C. Kch. ist Caladium Schomburghii S. Atocasia Indica C Kch. ist nicht A. Indica et macrorrhiza S. gen., sondern wie eben vorstehende Angabe erweiset, ein Mischling, der nur zum Theil AI. IndicaS. meint AI. macrorrhiza S.Melet. p. 18. Synops-, Gener. et Prodr. hingegen ist die von Hermann, Forster, Robert, Brown unter Arum niacrorrhizon (hin n.} begriffene Art. Erstere hat eine lange schmale und später flachere, letztere eine kurze kahnförmige BIülhenscheiden-Ausbreitung ! Mit A. undipes C. Kch. fAppend. 1854) nun Xanthosoma undi- pes C. Kch. (der Jacquini Schott. Melet, 1832), konnte A, IndicaS. Synops. p. 46, 1856, pro parte! die Colocasia pruinipes C. Kch. d.i. die spätere Leucocasia gigantea S. das Arum Indiciim Lour eis, und das Caladium giganteum Blume, die nicht die unler yl/ocasia von Knth. und Hasskarl gemeinte Colocasia (iAlocasia~) Indica ist, noch eben diese echte Alocasia Indica S. (I. c. etiam pro parte) die auch noch das Jrwm /?idecM7w Rox b urg umfasst, viel weniger ver- wechselt werden!! Alocasia variegata C. Kch. (Append. 1854, p. 5.) = Colocasia Borgt Knth. (1841) undlAlocasia Borgt S. (Synops. 1856), oder das Arum punctatum Desf., ist, da sie kein fertiles Pollen zu bilden scheint, wohl nur eine Hybride. Ein lebend Exemplar aus Java erhalten, hat die punklirten Blatt- stiele der AI. Borgt und dabei noch den kupferfarbigen Anflug der AI. Qiybrida?^ metallica S., dem Calad. cupreiini C. K eh. (Appendix 1854, p. 6 n. — 5.) oder das im Ender'schen Index ausser Acht ge- lassene Caladium plumbeum C. Kch. das durch ,,peliolus cupreo- erubescens, folia hast ato-pel ta ta, ob longo-lanceo lata, . . . cupreo-brunnea, 10 — 12 poll. longa, medio 5 — 6 poll. lata, a medio ad apicem sensim attenuata, . . . auriculae brevis, apice rotundatae, divergentes" charakterisirt wird (Append. 1854), und allerdings sehr verschieden ist von der späteren AI. cuprea C. Kch, der im Index von Ender sonderbarer Weise vergessenen En- solenanthe metallica S.; der AI. metallica Hook er. Amorphophallus Leonensis Lemaire (Fl. de Serres II. l. 161, 1845^, nicht Lani. Fl. d. Serres, wie der Schreib-, Auslassungs-, Unlerschiebungs- und Druckfehler-volle Index Ender's zu wissen gibi, regt zu der Bemerkung an, dass der bei van Houtte zur Blüthe gekommene zu Corynophallus Aßelii S. zu rechnen sein möchte. Es wird besagt, dass Lemaire dafür hält, dass dieser Corynophallus zu Conophallus zu ziehen, den er aber (wohl mit Recht (Ender?!) nicht als Genus anerkennt. Was nun diese so gewichtig betonte Anerkennung betrifft, so darf nicht übersehen werden, dass sie zum Theil durch den Gesichts- kreis des Anerkennenden bedingt ist. Anders wird die Erkenniniss des Monographen, anders die des, den einzelnen Gegenstand Be- obachtenden sein. Ersterer findet wichtige Uebereinstiniinungen und Differenzen, die Letzterer zu berücksichtigen, trotz dem, dass sie von der Natur klar ersichtlich und deutlich gegeben sind, nicht zum Gedeihen der Wissenschaft zu benutzen weiss. Corynophallus hat ein anatropes, sehr kurz bestrangtes Ei, und ecliinates Pollen. Conophallus ein lang bestrangtes rückgebogenes, daher eigent- lich resupinato-orthotropesEi und glattesPollen. Dabei fest aufsitzen- des fast halbkugeligen Stigma, während Amorphophallus lang be- strangtes Ei, glattes Pollen und auf dem langen beinahe abgesonder- ten Griffel eine 2 — 3 — 4-lappige JVarbe zeigt Anthurium affine S, und ellipticum C. K eh., die hier synony- misch zusammengeballt werden, kommen nicht einmal dem äusseren Ansehen nach überein. Anthurium trinerve Mi quel wird unnöthiger Weise brachyspa- thum C. Kch. benannt. Anthurium coriaceutn S. nichl Endl., da alle ,,Polhi amcricani auctorum" in den Meletemalis 1832 ausdrücklich zu Anthurium gezo- gen wurden und Endlicher die Meletemata benützte, — unter dem Namen Pathos gl aucus QAnthur.') von Schott in früher Zeit nach Berlin mitgetheilt, wurde dort zu P. (iAnthur.} glaucescens , Gra- ham's Pothos coriacea, wie ein Exemplar in Hooker's Herbar wei- set, ist unverkennbar vollkouimen übereinstimmend mit beiden eben Genannten, milhin ist Anth. glaucescens Kntli. Anth, coriaceum S. Anthurium FontanesiiS., das in Ender's Index fehlt, ist Pothos maj;i/«a Des f., genannte Art daher eben nicht Synonym von Anth. crassinermum S. Anthurium ellipticum C. Kch. fraglich zu Anth. acaule gezogen, und mit dem Synonym A. affine S. versehen, umfasst demnach, zwar bezweifelt, 3 äusserlich und innerlich ganz verschiedene Species, die von jedem Laien, der sie neben einander sieht, als verschieden wer- den anerkannt werden, Anthurium helleborifolimn Hos l. Er^ord. — Der Name helle- borifolium wurde einem Anthurio von uns an Linden von hier aus milgelheilt, dass durch die ausgezeichnet pedatiparliten Blätter der Abiheilung Schizoplacium CProdr.) entspricht und daher im System weit von A. rariabile Knth. entfernt, gesucht werden muss. Anthurium Hookeri S., das nach Ender's sonderbarer Aleinung nur Wagenerianum C. Kch sein soll, passt zu diesem wie Jagdhund zum Pinischer. Bis in die Beeren reicht ihre Verschiedenheit. Anthurium inamoenum im Prodr. ohne Angabe des Buches und der Zeit der Verötfentlichung angeführt, gibt eben dadurch klar zu erkennen, dass die Vorführung desselben am andern Orte, unter der verwechselten Benennung- .,A. indecorum'-'' zufällio- war. In Unacht- samkeit aberAbsichtslosiokeit blieb demnach die Korrektur desUeber- 111 Sehens zurück. — Nicht anders verhiilt sich die, einer derben Riigiing bedürtfige Sache 0- Aiiihur'mm leucocarpitin S., glaubt man zu Ä. inolaceum als ß ziehen zu können. — warum nicht? auchbei den Haaren!! — Subjek- tive Anschauungen wundervoller Art grassiren und werden grassiren zu allen Zeiten. Anthuriiun tnacrophyl/ium S. nicht Endlicher. Hier fehlt das im Prudr. angegebene und durch den Vergleich richtig gestellte Sy- nonym A. Selloum C. Ko eh. Anth ivium Maximilianum S. (ßonpl. 1862, p. 5) findet sich nicht bei Ender, dagegen ein Maximilia7m7n \. Eou II c mit Patria ignola! — Zufall! Anlhitriunt ornatum S., der Name ornatum wurde durch nach- lassiges Eintragen der bereits gegebenen Bezeichnungen von Schott zweimal angewendet. — Einmal 1857 im Bot. Wochenbl. p. 294 fuicht wie fälschlich im Index Ender's angeführt 297), das anderemal 1858 in der Botan. Zischr. p. 181, Letztere Angabe wurde dann im Prodr. in concinatuin umgeändert, leider da der Fehler vergessen war, ohne berichtigende Noiiz. — Bei Mojistera lingulata C. Ivch. tritt ein ähn- licher Fall auf, die eine Bezeichnung bedeutet Phllodendron Ungula- ium S., die andere Rhaphidophora lingulata S. ! Anlhurlum repcmdum S. wurde, wie Ender angibt, zweimal veröirenllicht! — Richtig, und zwar 1857 Botan. Wochenbl. p. 217 (nicht 317, wie der Index-Autor besagt!) und 2(j9, und das weil weitere nochmalige Anschauung Anderes zuliess , wesshalb „die Diagnosen zum Theil gar nicht übereinstimmen" (Ender I.e. innota) — bei Aiithiir sinuatum Ben t h. dieselbe Geschichte! Monstera dilacerata C, Kch. (Appendix 1855). Zu dieser wer- den Monster a ovata S. mit bleibender unvergänglicher Blattstiel- scheide und Tovnelia dilacerata S., welche der Tracht nach zu Epi- prenin. mir. kömmt, als Synonym gezogen, zwei Pflanzen, die bei uns wenigstens durchaus verschieden sind. Auch wird noch M. Vello- ziana S. angefügt. — Merkwürdig! Monstera deliciosa Liebm, Das Exemplar im Knth'schen Her- bar, mit der Angabe von „Warszewicz" und ein aus Mexiko direkt lebend bezogenes summen vollkommen überein. Die Namen Tornelia fragrans Gütierv., Monstera deliciosa Li ehm. und M. Lennea C. Kch. bezeichnen daher ein und dieselbe Pflanze! Monstera Klotschiana S. ist weit von M. pertusa de Vr lese dem Dracont pertus. Autorum praeteriti seculi, das auch die ili. Mil- Icriana S. einschliusst (nicht M. pertusa Adans. wie Ender sagt, ^) In vierzigjähriger Eilfertigkeit geschaffene 3282 Abbildungen, überall wo es möglich war, von genauen Analysen begleitet und 1282 nach der Natur gemalte, 2000 den Herbarien entnommene auf I^'olio-Tafeln, 105 Genera unil 1138 Species repräsentirend, stets für den Vergleich bereit, sind vielleicht eini- germassen geeignet den Eifer und die von Ender scharf betonten Verseheu Schott's näher zu charakterisiren. — ?!! 112 und wobei er M. Adansonii S. meini), verschieden. Sie ist in Brasilien heimisch, während letztere (iH. Adansonii S.) Martinique angehört. Monstera (Heleropsis) ohliqua Miq. (Linnaea XVIII. 1844 p.79) nicht Walp. 1849 noch vvenig-er Schott 1838, wie Ender belehren will. — Schott, der diese Art immer bei Herbar-Bestimmungen und auch brieflich unter M. microstachya kennzeichnete, hielt dieser- wegen und um mögliche, durch den Namen Heteropsis (welcher von Miquel später wirklich als Gattungsname gebraucht wurde) herbei geführte Irrungen zu vermeiden, die letztere, von ihm früh angewen- dete Bemerkung im Prodr. aufrecht. Monstera pertusa Adans. et de Vriese (zufolge Ender). Ad ans on jedoch, der 1763 nur die Gattung Monstera schuf, berück- sichtigte wenig die Art. Er konnte nur bei zurückgehenderForschung auf Plumier's Abbildung und Beschreibung, der ersten Darstellung der Pflanze unter der Benennung ^Arum hederaceum, amplis foliis perforatis" stossen (1693). Yorschreitend musste ihm Linne's ^Dra- contium foliis pertusis caule scandente" (1753, Spec. pl. Ed. I.) ent- gegen kommen. Auch Miller stellte ebenfalls (1760) ein „D/-rtcon- velche von Jacquin als Ar. sagittifoL im Hort. Vindob. abgebildet, von Ventenat als Calad. sagittifol. cilirt ist. X. Mafassa ist eine viel später einge- führte besondere Art, die streng genommen gar keine Aehnlich- keit mit X sagittifol. hat, dessen Charakter in den bis an den Blattslielreihen der membranösen Basis des Hinterlappens und 116 den dünn und lang über die Ovarien hervorragenden Slaminodien zu suchen!! X utile scheint das echte X sagütifol. zu meinen!! Uebersehene, wie wir annehmen wollen, Arten sind folgende: Alocasia Korthalsi Schott Anarmodium canariense S. Anthurium comtum S. — Fontanesii S. — gladnfoHum S. — helleborifolium S. — Jilekii S. — Maltji S. — Maximüiani S. — reflexum S. — subsignatum S. Arisaema Amurense Maxim. Arisarum crassifolium S. Arum Cypriwn S. — Ponticiim S Asterostigma l'meolatum S. — colnbrimim S. Cuscnaria Rumphii S. — spuria S. Cyrtospevma edule S. Ensolenanthe metallica S. Homalomena rubra S. Monster a protensa S. Philodendron disparile S. — ligulatum S. — longilaminatum S. — reciirnifolium S. Pinellia angustafa S. Rhaphidophora Cunninghami S. — Storkiana S. — Vitien sis. Rhodospatha Surinamensis S. Spathicarpa longicuspis S. — plathyspatha S. Steudnera Grijfilhü S. Symplocarpus — ? renifolius S. Xanthosoma blandum S. — Maximiliani S. Zomicarpa Steigeriana S. Ender's Index ist demnach ein: „Wirrund tendenziösverwirrend Gebotenes. " S c h ö n b r u n n , den 1 . März 1 865. Die europäischen Polypogon- Arten. Von Victor V. Janka. 1. Gliimae apice nunc integerrimae nunc brevissime retusae v. subretusae, rarissime bidentatae. 2. Glumae bifidae. 4. 2. Arista gluma subtriplo longior sub apice inserta: Polypogon monspeliensis D e s f. Arista apicalis gluma nunc brevior nunc eam aequans vel paullo superans. 3. 3. Glumae apice integerrimae v. levissime acute bidentatae; arista glumam aequans v. superans; glumae dorso scabridae, margine sparse ciliatae: P. littoralis Sm. \17 Gliimae subrctusae; arista ghima siibbrevior; olumao dorso hispidulac, carina cilialae, marginc niulac; : P. ndsrcndens Giiss. 4. Paniculae basis a vagina folii supromi tlilalala invuliicrala; pedi- celli arüciilali: articulus superior latitiidine 3plo longior inferio- rem siiperans: P- subspatlioceum Requien. Paniculae basis exserfa: pedicelli articulali: articulus su- superior subquadralus inferiore muKo brevior: P, maritimum W i 11 d . Die europäischen Gastridium-Arten. Von Viktor v. Janka. Glumae aculae nunquani acuminatae in medio snperiorepunctalo- scabrao: Gastr'idium scaörww Pres 1. Glmnae longe setaceo-acuminatae solum in carina exaspe- ratae. 2. Ligula lanceolata; inflorescenlia thyrsoidea densa; arista longe exserla vel deficiens. G. lendigeriim Mill. Ligula oblonga; inflorescenlia laxa; arista breviter exserla: G. laxum B. et R. Die europäischen Phalaris-Arten. Von Viktor v. Janka. 1. Glumarum carina alata; inflorescenlia densa spiciformis. 2. Glumarum carina haud alala; inflorescenlia paniculata sub- «lifTiisa: Phalaris arundinacea L. 2. Spicae basis vagina suprema involucrata. 3. Spica lola plus minus longe exserla. 4. 3. Inflorescenlia parva ovoidea; glumae oblongae oblusae, mucro- nalae carina a basi usque ad apicem alala: Ph. crypsoides d'Urv. Inflorescenlia mullo major oblongo-obovala; glumae spi- cularum fertilium angusle lanceolatae acuminatae, arislatae; carina in dimidio superiore alata : Ph. paradoxa L. (^Pk. Sibthorpü Gris.) 4. Inflorescenlia oblonga, cylindrico-oblonga vel elongato-cylin- drica. 5. Inflorescenlia ovoidea vel ovoideo-oblonga. 8. 5. Carina nunc Iota alata nunc solum in Va superiore ala integer- rima donala. 6. Carina a medio apicem alala: ala plus minus erosula v. denliculata. 7. Oesterr. botan. Zeitsclirift. 4. Heft. ISC..".. 9 118 6. Carina a liasi ad apicem angiiste alata; sqiiama ad paleae infe- rioris basin quarlam floris ferlilis parteni aoquans; radix tubercu- losa; gluinae lanreülatae acutae: Pli. nodosa L. Carina in y^ siiperiore alata; ala superne dilatata atque oblique truncata; squama ad pal. inf. basin flore ferlili 10-plo brevior; radix fibrosa; glumae semi-obovatae obtusiusculae: Ph. truncata Gus. 7. Palea inferior puberula ad basin squama lineari floris ferlilis trientem aoquanli munifa; radix fibrosa: Ph. minor Retz. Palea inf. glabra; squama ad basin paloae inferiöris vel mi- nutissima vel nulla; radix tuberculosa: Ph. roerulescens Desf. 8. Squamae ad basin paleae inferiöris lineares, aculae,cilialae, flore ferlili diir;idio breviores: Ph. canariensis L. Squamae ad !)asin paleae inf. ovales, obtusae, »labrae, flore ferlili 6-plo breviores: PA. brachystachys Link. Gross wa rde in, 15. März 1865. Itotauisclie Notizen aus (irieeheiilaiul. Von Dr. X. Landerer. — Die zum Krappfärben dienliche Krappwurzel QRnbia tinctn- runi) wurde früher nur auf der Insel Euboa angebaut und gesammelt, jetzt wird sie jedoch auch am Phalarus bei Athen mit gutem Gelingen angepflanzt und Tausende von Zentnern werden jährlich ausgeführt. Ausser dieser edlen Krappsorle , die unter dem Namen Risan, in Handel kömmt, wird seit einigen Jahren auch die wilde Krappwurzel die von Rubia peregrina gesammelt und in den Handel gebracht. Sie ist viel dünner als erstere , besitzt jedoch dieselben färbenden Eigenschaften und auch von ihr \\erdt;n viele Zentner jährlich in den Handel gebraciit. — Zu den absoluten Heilmitteln gehören in den meisten Thei- len Europa's die Flores Boraginis, die wie bekannt von Borago offl- cinulis abstammen. Der gemeine Boreth, wie man diese Pflanze nennt, ist eigentlich im Orient einheimis(;h, in Deutschland kulti\ irt und ver- wildert. Die Blumen dieser Pflanze sind im Oriente und in Kleinasien von den Aerzten noch im Gebrauche und aus derselben bereitet man sehr schleimige Absude, die beim Volke in allen entzündlichen Krank- heiten als kühlend und entzündungswidrig im Rufe stehen. Aus dem ausgepressten Safte bereiten sich die Leute mit Zucker oder Honig sehr wohlthätig wirkende Syrupe, die bei Kinderkrankheiten von ausgezeichneter Wirkung besonders gegen Husten sein sollen. — Cornus mascula ist eine seltene Pflanze bei uns in Griechen- land, dagegen findet sich dieselbe häufig in Kleinasien, in der Nähe von Smyrna, Brussa und Konstanlinopel, Gleirhwie bei uns die Him- 119 beeren gesaiiiniclt und zum Verkaufe ausgebolen werden, so ^verden auch diese scliünen, sehr angenehm säuerlichen Früchle auf den Strassen herumgelragen und gliiserweise verkaufl. Man hereilel aus denselbeu Syrupe und aus diesen wohlschmeckende und sehr erfrischende Scherbeis; ebenso Marmelade und andere wuhl- schmeckende Confetturen. Man nennt die Früchte Krauia und mit diesem Namen werden sie von den Händlern ausgerufen. Da die Türken nach dem Koran keinen Wein trinken dürfen, den sie durch den Gebrauch von Iraky Weingeist-Branntwein zu ersetzen suchen, so bereiten sich die Leute, besonders dieLandleule, aus dieser Krania einen Branntwein, der mit Mastix und auch mit Anis versetz!, einen angenehmen Geschmack besitzt und häufig von den Orientalen und besonders der ärmeren Menschenklasse getrunken wird. — Ciclioriinn Intybus ist im ganzen Oriente unter dem Namen Ra\ in eine radiale umgeändert worden; daher sind auch die angegrillenen Halmglieder bedeuleud verdickt, leicht <\('V Ouere nach brechend. 130 nieisl im Innern nicht liolil, dagegen gar nicht nach oben gestreckt, so class sie aus dem sie iinihiillenden Bialte gar nicht oder nur wenig heraustreten; ebenso bleibt die Ernährung der Aehre selbst zurück, daher die Körner wenig und zum Theil gar nicht reifen. Spater erholte sich jedoch ein Theil der Aehren mehr oder weniger vollständig, so (lass der von den Choropslarven ausgehende Reiz nur vorübergehend die Richtung des Bildungssaftes ablenkte. Die ganze Erscheinung be- weist, dass der Schade der Chloropslarven nicht auf der Zerstörung eines Theils des Rindengewebes, sondern auf einem vergiftenden, und die normale Ernährung abändernden Reize auf das Parenchym be- ruht, der mit den Gallenbildungen verwandt ist, und vernuithlich von einem von ihnen ausgeschiedenen giftigen Secret ausgeht. Wahr- scheinlich ist der verderbliche Einfluss der sogenannten Hessenfliege und Roggenmade (^Cecidomyia destructor und secalina) auf die jungen Gelreidehalme in ähnlichen Veihältnissen begründet. In der Sitzung vom 26. Jänner berichtete der Sekretär, dass er den erfolgreichenVersuch gemacht habe, in einem sogenannten Seeaquarium neben einer grossen Anzahl der interessantesten niederen Seethiere auch Meeralgen zu cultiviren. Durch die Güte des Herrn W. Alfred Lloyd, Custos des Aquarium im zoologischen Garten zu Hamburg, wurden demselben mehrere grüne, braune und rothe Algen von den Küsten des südlichen Englands zugeschickt, welche unbeschädigt an- kamen und nunmehr in einem kaum einen Kubikfuss Seewasscr ent- haltenden Glasgefäss sich weiter entwickeln und fructificiren. So unter anderen : Bornelia secnndißora, Philota elegans, SpiruUna Thureüi, Laminaria sacckarina^ Cladophora iiipestris, Derbesia tuarina, De- lesseria sanyuinea., alata, Polyides rotundus , Ulca latissima, Co- rallina officinalis, Coccotylus membranifolius, Cladostephus spon- giosus, Sphacelaria rirhosa u. a. Auf den Steinen entwickeln sich zahlreiche Kruslenalgen (EUdevbrandtia, Rolfsia, Melobesia). Zahl- lose marine Diatomeen bedecken die Glaswände» So erscheint es möglich, mit einem geringen Vorrathe von Seewasser, der nie erneut zu werden braucht, die Entwicklungsgeschichte der interessantesten Seealgen in seinem Zimmer mit grösserer Bequendichkeit zu studiren, als dies in der Regel an der Küste selbst möglich ist. Hierauf hielt Herr General-Major V. Ja cobi einen Vortrag über die Agaveen im Allgemeinen und deren systematische Eintheilung. Nachdem derselbe die ältere Geschichte dieser nur in Amerika vertretenen interessanten l'flanzenfamilie gegeben, von der Linne nur 4 Arten kannte, verweilte er bei den Bearbeitungen der bis jetzt unterschiedenen 3 Gattungen der Familie QAgave, Fourcroya und B es chorner in^ durch Kunth, welcher u. a. von erslerer Gattung 20 Arten nach den Blüthen und 28 andere ohne Blüthen charakferisirte. Hierauf folgte eine Kritik der Systeme des am 21. März 1861 in dem Alter von fast 88 Jahren dahin- geschiedenen, um die Botanik so hochverdienten Fürsten S a 1 m-D y k- R e i f e r s c h e i d t , sowie des Professor Karl K o c h , von denen der ertsere 46 Agaveen und 3 Fourcroyen, der letztere 64 Agaveen und 5 Fourcroyen feststellte. Hieran schloss der Vortragende eine Dar- 131 Stellung' seinns eigenen Systems, welches soeben in der lianib. „Garlen- Zlg." (Versuch zu einer systematischen Ordnung der Agaveen, 18fi4), veiöfTenllicht worden ist. Bei einer Familie, deren Arten in unseren Gärten selten, oft in Jahrhunderten nicht, zur Biüthe kommen, muss den vegetativen Charakteren ein höherer Werth beigelegt werden, und ist namentlich die BeschaflTenheit der Blatter und ihre Bcslache- limg von Bedeutung. Hiernacii werden die bis jetzt bekannten 105 Agaveen in vier Hauptgruppen: hornstachelige (ceratacantliaej, knorplichstachelige (chondracanthae), unbewafTnete (inermes) und krautartige (herbaceae) vertJjeilt; die ersteren wieder in marginatae, carnosae, subcoriaceae, subcarinatae, integerrimae, canaliculatae, lori- formes und juncineae vertheilt. Ausserdem werden 8 Fourcroyen und 4 Beschornerien unterschieden Dr. Milde legte die 24 lür eine Monographie der Equiseten bestimmten Tafeln vor, welche von der Breslauer photographischen Anstalt von Buchwald undGeorgi aus- geführt worden sind. Dieselben sind der Art, dass sie auch von dem Präsidenten der Carol. Akademie als höchst gelungen bezeichnet A\orden sind. F. Cohn. — Die unter dem Protektorate Sr. Majestät des Königs stehende königlich niederländische Gesellschaft zur B eförderung des Gartenbaues wird im Industriepalaste zu Amsterdam eine all- gemeine Ausstellung aller Erzeugnisse des Gartenbaues, sowie der damit zusammenhängenden Kunstgegensliinde und Fabrikate ver- anstalten, und Ihre Majestät die Königin der Niederlande hat das Protektorat dieser Ausstellung anzunehmen geruht. Aus Botanikern, Gärtnern und Gartenfreunden der Niederlande und des Auslandes wird linier der Ehren-Präsidentschaft des Prinzen von Oranien eine inter- nationale Jury gebildet werden, um über die eingesendeten Gegen- stände ihr Urtheil abzugeben. In Verbindung mit der Ausstellung wird zu gleicher Zeit ein internationaler Congress von Botanikern und Gärtnern in Amsterdam stattfinden. Das Ministerium für Handel und Volk^^^ irlhschaft bringt diess mit dem Bemerken zur öirentlichen Kenntniss, dass die bisher festgesetzten Bestimmungen des Aus- slellungsprogrammes sowohl bei sämmtlichen Gartenbau - Geseli- schafti'U, als im Departement für Landescullur im Ministerium für Handel und Volkswirllischaft einzusehen sind, welche jedoch spiiter noch vervollständigt werden, v\onach sodann die Tage der Eröirming und des Schlusses der Ausstellung, die Zeit der Anmeldung und Ein- lieferung, dann des Abholens der Gegenstände zur Kenntniss gebracht werden sollten. Betreffs der Eröffnung wird die Zeit um die Mitte April wahrscheinlich festgehalten werden. — In München fand am 20. Februar die erste Generalversamm- lung behufs Gründung einer agri kult ur-che mischen Ver suchs- station statt. Die Tages-Ordnung für dieselbe umfasste die Be- rathung des Stalutenentwurl'es, die factische Constituirung des Vereins und die Wahl des Directoriums. Das letztere soll nach dem Statutcn- entwurfe aus sieben Mitgliedern bestehen, und zwar aus dem Stations- vorstand, dem Abgeordneten des Generalcomite des landwirthschaft- 132 Uchen Vereins und fünf zu wählenden Mitgliedern , von denen vier Landwirihe sein und drei ihren Wohnsilz in München oder dessen Nähe haben müssen. Der Zweck der agrikullur-chemischen Versuchs- station, deren Hauptleitung Freiherr v. Liebig übernehmen will, wird ausser Gutachten und Untersuchungen über einzelne Avichtige praktische Fragen namentlich die genaue theoretische und praktische Erörterung der auf Produktion von Thieren und Pflanzen einwirkenden Verhältnisse, die Aneiferung und Belehrung der Landwirthe mittelst Vorträge durch Wanderlehrer und durch eine populär gehaltene gediegene Zeitschrift sein. Der Jahresbedarf ist vorläufig auf 6000 fl. festgesetzt; das Generalkomite hat sich zu einem Beilrage von jährlich 2000 fl. verbindlich gemacht. — Die 44. Au SS teil ung von Blumen, Gemüsen, Obst und Gegenständen der Garten-Industrie in Wien , wird im Gebäude der Gartenbau-Gesellschaft am 22. April um 9 fhr Morgens erolTnet und endet am 27. April um 7 Uhr Abends. Die Preiszuerkennung geschieht schon am 21. April um 10 Uhr Vormittags und wurde der 18., 19. und 20. April zur Aufnahme der Ausstellungs-Gegenstände bestimmt. — Künftigen September d. J. wird die k. k. Land wir Ihschafts- Gesellschaft in Görz ihre Säkularfeier mit einer Garten- landwirlh- schafllichen und industriellen Ausstellung in so viel möglich gross- artigem Massstabe feiern, zu dessen Theilnahme die Grafschaft Görz und Gradiska, Triest, Istrien und dann Friaul eingeladen werden. Zu jedem Gegenstande wird eine detaillirte Beschreibung der Cultur, Ver- wendung etc. gewünscht. Es werden auch geologische und geographi- sche Karten, statistische Tafeln, Mineralien, Pflanzen, Thiere der betreuenden Gebiete, und Alles mögliche desiderirt, um von den be- nannten Gebieten ein wissenschaftliches und materielles Bild der Pro- duktion vor Augen zu sehen. Sr. — Ende April d. J. wird in Palermo eine Blumen-, Obst- und Gemüse-Ausstellung stattfinden, zu welcher eine Anzahl goldener, silberner und broncener Medaillen als Preise bestimmt sind. Preiswürdig werden erkannt : schönste Sammlung von Fettpflanzen, von Rosen, von Nelken, von Schlingpflanzen etc., dann best aufbewahrtes und frisches Obst, Gemüse, dann Gartengerälhe, künstlich in Marmor oder Wachs ausgeführte Blumen und Früchte, Zeichnungen etc. Auch in Nizza \\\i\\ zu dieser Zeit eine derartige Ausstellung stattfinden, wo- bei ausser goldenen, Vermeuil, Silber- und Broncemedailleuauch Preise in baarem Gelde von der Gesellschaft bestimmt sind, ausserdem werden Ehrenmedaillen auch von Seite des Kaisers, der Kaiserin und der Damen von Nizza, ferner auch Medaillen und andere Auszeich- nungen von der Grossherzogin Helene Aon Russland, Prinz Oskar Aon Schweden, vom Fürsten von Moskau u. a. verthcilt. Ausser Blumen, Obst, Gen)üse, getrockneten Blumen, ki>nsllichen Blumen, Gartenpläne, kommen auch naturhislorische Gegenstände in das Gebiet des Garten- baues einschlagend, zur Ausstellung; wohlauchandere, wie Schwämme aus dem Mittelmecre, gänzlich acclimatisirle neue Haus- oder Luxus- thiere, Baumwolle u. s. w. Beinerkenswerth ist, dass zur Beurlheilung 13;J der Blumen ein Jury von Damen zusammengesetzt wird, welche allein die Preise bestimmen und vertheilen werden. Sr. — Anfangs April d. J. wird in Neapel eine B aumw olI-Aus- stellung stattfinden, die 2 Monate hindurch dauern wird. Da wir gerade die BaumwoUcultur erwähnen, so können wir nicht unter- lassen zu bemerken, dass trotz aller möglichen Anregung, Ver- sprechungen und Hoffnungen von Seite des unermüdlichen Herrn Prof. Molin, in den venetianischen Provinzen doch nicht gelingen dürfte, einen günstigen Erfolg zu erzielen, — wenn auch in diesen letzteren Jaliren einige kleine Partien zur völligen Reife gelangten, so beweisen dochdie von prak tischen Landwirliien vorgenommenen Pflanzungen genügend, dass man jedenfalls abstehen müsse, die Land- wirlhe noch ferner zu solch' nutzlosen Versuchen anzuspornen, Zeit, Mühe und Geld hinauszuwerfen. Prof. Kellner hat in einer der letzten Sitzungen der k. k. Akademie der Wissenschaften in Padua klar dargestellt, dass die venetianischen Provinzen in keinerBeziehung geeignet seien, allda die BaumwoUcultur einzuführen, dass Versuche im kleinen und im grossen die ungünstigsten Ei'folge gegeben haben, und dass es viel rentabler sei, Lein und Hanf zu cultiviren, welche einen sicheren Ertrag liefern. Wer nähere Daten über Gossypium und seine Cultur zu haben wünscht, den verweisen wir auf Todaro, „Osservazioni su talune specie di cotone osservate nel r. orto botanico (li Palermo" (Giorn. d. r. d'incorrag. Palermo 1864); Todaro, -Ue- lazione sui cotoni eoltivati nel r. orto botanico nell' anno 1864. ~ (Atti Soc. d'acclim. Palermo IV. 1864), dann das Journal; il racco- glitore (Padova 1864) mit Aufsätzen von Romanin, Ke 1 1 er, und Gegenvorstellungen von 3Iolin. S r. — InRegel's Reiseskizzen von St. Petersburg nach Brüssel finden wir nähere Daten über einige botan. Gärten. Wir entnehmen, dass der botanische Garten in Karlsruhe unter der Leitung der Herren Mayer, Vater und Sohn, als eine Musteranstalt zu belrachten sei. Es wird nicht nach möglichster Vollständigkeit aller Sammlungen gestrebt, sondern es werden in den Gewächshäusern nur die wichtigsten Re- präsentanten des Pflanzenreiches und die neuesten Modepflanzen kul- tivirt; die Kultur ist aber ^orzüglich, ausgezeichnet. Die Gewächs- häuser des Hauptbaues (1400 Fuss lang) sind von Eisen mit Doppel- fenstern von oben an einfachen zum Decken eingerichteten Fenstern. In Zürich erwähnt Dr. Regel namentlich das von Hrn. Uhl zweck- mässig unter Hrn. Ongier aufgeführte Orchideenhaus, 60 Fuss lang mit einer inneren Breite von 15 — 16 Fuss und welches auf circa 36.000 Franks zu stehen kam. In Bezug auf Paris erwähnt Dr. Re- gel des Bois de Boulogne, der Baumpflanzungen auf den Boulevards, des Museum d'histoire naturelle, des Gartens der Tuilerien, des Lu- xembourg, wo dessen Obergärtner Herr Riviere Vorlesungen über praktischen Obstbau und vorzugsweise über den Schnitt des Obst- baumes zu den verschiedenen Formen im Garten selbst gibt; der Obstgarten des Herrn Dubreuil, in welchen sich all die künstlichen Formen des Schnittes in wahrhaften Musterexemplaren vorfinden, 10 134 und auch Hr. Dubreuil gibt Unfervveisung-skiirse über den Sohniti der Obstbäume, die zabireich besucht werden ^); ferner sind noch erwähnungswerth die Handelsgärtnereien der Herren Luddemann (Orchideen), Pele und Chauviere (schönblühende Flurpflanzenj, Verdier (Rosen), Thibaud und Keleter (Orchideen, Pelar- gonien etc.) etc. In Brüssel wird von Dr. Regel angeführt Linden's Etablissement, welcher fast wochentlicji im Sommer über- seeische Sendungen erhält; in Gent Vers chaffe It's und Bau- mann's Handelsgartnereien, dann v. Hutte's grussartiges Institut etc. etc. — Herr Regel führt bei Erwähnung der Gärten auch die vorzüglichsten Pflanzenarien auf und bei mehreren auch die bezüg- liche Kultivirung. (Regel's Gartenfl. Febr. 1865). Sr. Literarisches. — Unter dem Titel „Icones Muscorum" gibt W. S. Sullivant ein Werk über Moose aus dem östlichen Nordamerika heraus: auf 129 Kupfertafeln bringt dasselbe 130 bisher noch nicht abgebildete Arten. — Von Seemann's Flora Vitiensis ist der erste Theil, enthal- tend die Ranunculaceen bis zu den Celastrineen, erschienen. — In England erscheint unter dem Titel: „Hardwicke's Science- Gossip" seit 1. Jänner eine neue iliustrirte Monatschiift. Der Zweck der Unternehmung ist, den Sinn für Naturgeschichte, welcher un- zweifelhaft bei einer bedeutenden Anzahl von 3Ienschen vorhanden ist, welchen aber die streng wissenschaftlichen Zeitschriften und die populären Journale für die höheren Classen beinahe unverständlich sind, und welche abgesclireckt würden, wenn sie plötzlich zu einer Uebersicht aller Schwierigkeiten gelangen, mit denen jene zu kämpfen haben, die ernstlich an der Ausbildung der Wissenschaft arbeiten, zu ermuntern und zu entwickeln. — Von Dr. A. Schenk ist in Wiesbaden erschienen : „Abbildungen von fossilen Pflanzen aus dem Keuper Frankens, von Dr. J. L. Schön lein." Es sind diess 13 Tafeln, welche Schönlein in früheren Jahren nach fossilen Pflanzen des Keupers, die er bei Würzburg sammelte, anfertigen Hess und zu welchen Schenk mit Benützung einiger fragmentarischer Notizen aus S chönlein's Nach- lasse den erläuternden Text schrieb. — Von Prof. Dr. J. B. Henkel und Universitälsgärtner W. Hoch stetter ist in Stuttgart erschienen: „Sinopsis der Nadel- ^) Oeffentliche unentüieltliche theoretische und praktisclie Unterrichls- kurse wären wohl auch bei uns in Wien höchst nöthig, und namentlich wäre dazu die k. k. Gartenbaugesellscliaft berufen, welche unter ihren Mitgliedern ge- wiss nicht weifige gediegene geistige Kräfte besitzt. 135 hölzer, deren charakteristischen Merkmale nebst Andeutungen über ihre Kultur und Ausdauer in Deutschlands Klirna," — Eine Flora von Siebenbürgen, verfasst von Dr.Ferd. Schur, wird demnächst in Wien erscheinen. — Von Joh. Lange ist in Leipzig erschienen: „Descriptio inconibus illustrata piantarum novarum v. minus cognitarum praecipue e Flora Hispanica adjectis Pyrenaicis nonnullis." — Von „Walpers. Annales bolanices systematicae," heraus- gegeben von Dr. C. Müller, ist des 6. Bandes 6. Fascikel er- schienen. — Schleiden's „Die Pflanze und ihr Leben" ist in 6. Auf- lage erschienen. — Geschichte des Mikroskopes. Ein Vortrag gehallen im Vereine zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien von Dr. Julius Wiesner. (Separatabdruck aus den Vereins- schriften.) — Bekanntlich erschienen in neuerer Zeit mehrere Werke, welche dasselbe Thema behandelten. Die Meisten trugen das Gepräge trockener Gelehrsamkeit an sich, und waren in ihren Darstellungen wohl für den Fachmann, aber keineswegs für den Anfänger oder den Dilettanten berechnet. Anders verhält es sich mit gegenwärtiger Schrift. In lebhafter Schilderung zu der sich noch die möwliclisle Kürze gesellt, werden hier die Geschichte des Mikroskopes sowie die Veränderungen , welche dieses Instrument im Laufe der Zeiten erfahren, abgehandelt. Kp, — Mikroskopische Untersuchungen derMaislische und der Maisfaserprodukte von Dr. Julius Wiesner. Mit Abbil- dungen. Separatahdruck aus Dingler's polytech. Journal, Bd. CL. XXV. S. 225. — Wir hatten Gelegenheit in den letzten Decennien zu sehen, wie Entdeckungen, die bereits im vorigen Jahrhunderle gemacht wurden und in Folge ungünstiger Resultate der Verges- senheit anheim fielen, wieder neu auftauchten. Ein solches Loos wurde auch der Älaispflanze zu Theil. Der vorliegenden Schrift entnehmen wir, dass Seh äff er in seinem Werke über Papierfa- brikation nach Mittheilungen von Plauens angibt, es hätte in Italien eine Papierfabrik existirt, in welcher aus den FruchlhüUen der Maispflanze Schreibpapier gemacht wurde. Mit der Geschichte der Verwerthung des Mais, die bis in unsere jüngsten Tage reicht, be- schliesst der Verfasser die Einleitung und lässt die Resultate der mikroskopischen Untersuchungen der Maislische folgen. Weiterhin begegnen wir den Untersuchungen der Sc häffer'schen Maispapiere, des Di am aufsehen ungebleichten Halbzeuges und Papieres, sowie der Maisfaserprodukte von Au er. Der Freundlichkeit des Letzte- ren verdankt auch der Verfasser die Objekte seiner Untersuchung. Der Verfasser ist zu dem Resultate gekommen, dass die Maislische ihren Werth nicht nur dem Reichthume an Prosenchim, besonders au Bastzellen, sondern auch dem Baue, welcher eine Abscheidung der Fasern ermöglicht verdanke. Die dem Texte beigefügten Abbil- dungen sind gut ausgeführt und können nur den Werth dieser Schrift erhöhen. Kp. 13G Botanischer Tauschverein in Wien. Sendungen sind eingetroffen: Von Herrn Schauta in Höflitz , mit Pflanzen aus Böhmen. — Von Herrn Dr. Hei den reich in Tilsit, mit Pflanzen aus Preussen. — Von Herrn Bilimek mit Pflanzen aus Ungarn und Nieder- österreich. — Von Herrn Bayer in Steyr mit Pflanzen aus Oberösterreich. Sendungen sind abgegangen an die Herren: Luerssen in Bremen, Baron Rastern in Laibach, Lackowitz in Berlin, Reck in Aistersliaim, Baron Schlichting in Glogau. Mittheilungen. — Man fand, dass die Quantität der Stärke in den Kartoffeln bis zum Zeilpunkt ihrer völligen Reife ebenso steigt, wie naclidem diese ihren Kulminationspunkt erreicht hat , nach dieser Zeit allmälig wieder abnimmt. Bei genauer Verfolgung dieses Gegenstandes erhielt man im Monat August aus 25 Pfund Kartoffeln , "2.5 Pfd. Stärke, im September dieselbe Quantität zur Untersuchung angewandt, 3-325 Pfd., im Oktober 3.ös7 Pfd. Stärke und im No- vember 4.25"Pfd. Stärke. Diesen Gelialt fand man im Monat Jänner und Fe- bruar konstant. Indess von dieser Zeit an, und namentlich im März, nimmt der Stärkemehlgehalt so allmählig wieder ab, dass man bereits im Monat April aus 23 Pfd. Kartoffeln gleicher Sorte nur 3. 43s Pfd. und endlich im Mai von ebenfalls 23 Pfd. Kartoffeln nur noch 2.5 Pfd. Stärkemehl erhielt. Ja es würde gewiss auch dasselbe Resultat bei den meisten Samen, Wurzeln und im All- gemeinen bei allen stärkemehlhaltigen Pflanzenlheilen erzielt werden, wenn sie in dieser Beziehung einer genauen Untersuchung unterworfen würden. Es beweist, dass sowohl die Bildung des Amylums, wie dessen Verschwinden, ein gewöhnlicher chemischer Process ist, woran die Pflanze keinen Theil nimmt; eine Wirkung, welche von Stoffen au-geht, die mit einander in Be- rührung stehen und unter dem Einflüsse steigender und abnehmender Tempe- ratur die Amylum-Erzeugung und Verniclitung bedingen. Dieselben Verhältnisse finden auch bei dem Auftreten des Zuckers statt; daselbst verdient beachtet zu werden, dass der Zuckergehalt während der höchsten Entwickelung der Pflanze, d. h. mit der Entfaltung der Blüthe und Entwicklung des Samens, in gleicher Weise verschwindet, und jetzt zur ßüdung der ätherischen und fetten Oele verwendet wird. Correspondenz der Redaktion. Herrn Seh. in N.: „Thre am Zobor bei Neutra gesammelte Arabis ist nach Mittheilungen des Herrn Prof. Kern er, dessen Arabis petrogena. — Herrn E. v. J.: „Wird mit Dank benützt." — Herrn D. Seh. in C. : „Erhalten, Ihre Desiderate werden möglichst berücksichtigt." — Herrn B. in St.: „Rubus- formen erwünscht. Wird mit Dank benützt und alles nach Wunsch geschehen." Redakteur und Herausgeber Dr. Alexander Skotitz. V'erlaa; von C. fierold. Druck von C. Ueberreuter. Oesterreichischc BOTANISCHE ZEITSCHRIFT Gemeinnütziges Organ Die Osterrelclilsclie botanische Zeitschrift erscheint den Ersten jeden Monats. Man pränumerirtauf selbe | mit 5 n. «5 Wr. Oest. W. (.? Thlr. 10 Ngr.f g a n z j ä )i r i », oder mit X ll.°B3 kr. Oest. \V. lialbjährig. Inserate die ganne Petitzeile 10 kr. Oest.W. Botanik und Botaniker, lärlner, Oekonouien, Forsliiiäniier, Aerzlc, ^"If;, Apollieker und Tecliuiker. N? 5. Exemplare, die frei durcli diePost be- zo^enwerden sollen, sind bios bei der neduktinn l„g. Xr. -) ZU pranumeriren. Im Wege des Buchhandels übernimmt Pränumeration C. Gerold's Sohn in Wien, so wie alle übrigen Buchliandlangen. XV. Jahrgaiis. Mai 1865. XNHAIiT: Gute uud schlechte Arten. Von Dr. K e r n e r. — Bastarde von Calamagrostis. Von Dr. Heidenreich. — Aus dem HoQlher-Coraitate. Von Keller. — Heinrich Schott. — Personalnotizen. — Vereine , Gesellschaften, Anstalten. — Literarisches. — Botanischer Tauschverein. — Mitlhei- lungen. — Inserat. Gute und schlechte Arten. Von A. Kerner. III. Versucht man es, die Pflanzen unserer Floren nach der Rolle zusammenzustellen, welche sie bei der allmäligen Entwicklung einer geschlossenen Vegetationsdecke spielen, so erhält man ohne grosse Schwierigkeiten drei grosse Gruppen. Die eine umfasst Gewachse, welche als erste Ansiedler den todten Boden zu bemeistern suchen, sich mit einer ganz liumuslosen Unterlage zufriedenstellen und im Laufe der Zeit den kahlsten Fels, das wüsteste Gerolle und den ödesten Flugsand zu bezwingen verstehen. Die Arten dieser Gruppe gehören vorwaltend den Compositen und Cruciferen, den Saxifragen und Crassulaceen, den Sileneen und Alsineen und einigen Gattungen der Gräser, Flechten und Moose an. Alle sind sie dadurch sehr aus- gezeichnet, dass ihre Früchte, Samen oder Sporen für den Trans- port durch Luftströmungen ausnehmend gut geeignet sind, und daher mit Leichtigkeit zu den Gesimsen und Ritzen der steilsten Fels- klippen getragen werden können. Die zweite Abtheilung umfasst Pflanzen, welche eines massig mit Humus gemengten Substrates bedürfen. Es gehören hieher vorzüglich die Leguminosen, Primeln Oesterr. botan. Zeitschrift. 5. Heft. 1S65. \ t 138 und Orchideen, sowie viele Gräser und Seggen, und die Arien dieser Abiheilung bilden bei dem Gange der natürlichen Kolonisation ge- wissermassen eine zweite Generation, welche allmälig die ersten Ansiedler verdrängt und von dein durch diese zubereiteten Boden Besitz ergreift. Der dritten Gruppe endlich gehören Gewächse an, welche nur in dem tiefen Humus gedeihen, den die Elemente der zweiten Generation nach und nach aufgespeichert haben, und welche wie Azalea procumbens, Trientalis europaea, Vaccinium nliginosum und Oxycoccos, die meisten Lycopodiaceen und manche Moose den natürlichen Entwicklungsgang unserer Pflanzendecke abschliessen. Es scheint mir nun eine sehr beachtenswerthe Erscheinung zu sein, dass die sogenannten „guten Arten" unserer Floristen, das heisst jene Pflanzenformen, welche innerhalb ihres ganzen Verbrei- tungsbezirkes überall genau mit denselben Merkmalen erscheinen, fast durchgehends Gewächse sind, welche in der Reihe der sich gegenseitig verdrängenden Generationen den Abschluss bilden, also in die dritte der oben autgefülirten Kategorien gehören, während die ersten Ansiedler, also beispielweise Sempervivum, Draba, Saxi- fraga , Senecio , Alsine, Calamagrostis sich in zahllose Formen gliedern, die man so oft mit dem Prädikate „schlechte Arten" ge- brandmarkt findet. Diese Erscheinung ist wohl keine zufällige, und heute dürfte es kaum mehr von irgend Jemand in Abrede gestellt werden, dass dieselbe mit den Bodenverhältnissen in einem be- stimmten Zusammenhang gebracht werden niuss. Auf Flechten und Moose , welche unmittelbar auf dem nackten Gestein haften, auf Semperviven und Saxifragen, welche mit ihren Rosetten über den schmalen Felsgesimsen wuchern, auf Nelken und Reitgräser, welche über dem öden Flugsand aufsprossen, wird begreif- licher Weise die chemische Konstitution des Substrates den tiefgrei- fendsten Einfluss nehmen können , während dieser Einfluss bei den Gewächsen der zweiten Generation, die in einem Boden wurzeln, der zur Hälfte aus dem Humus abgestorbener Pflanzen zusammengesetzt ist, schon bedeutend abgeschwächt, und endlich bei den Gewächsen der dritten Generation, welche von dem unterliegenden anorganischen Substrat durch eine dicke Humuslage getrennt sind, gänzlich eliminirt sein wird. Die Azalea procumbens^ welche in einer schwarzen Humus- schichtwuchert, die gleich gutem Torf beim Verbrennen fast gar keine Asche zurücklässt, das Empetrum nigrum, Vaccinium Oxycoccos und uliginosmn, Trientalis europaea, die meisten Lycopodium-Arlen und zahlreiche andere Pflanzen, welche auf dem liefen Humus der Alpen oder auf den Hochmooren der Thäler und Niederungen von einem Wasser getränkt werden, dem die unterliegende fast nur aus organi- schen Resten bestehende Schichte alle anorganischen StolTe entzogen hat, werden darum bei der Gleichartigkeit der gebotenen Nahrungs- mittel auch überall in gleicher Weise in Erscheinung treten. — Wenn wir hiernach dem Zusammenhange zwischen anorganischem Substrat und Pflanzenform nachforschen, so können wir die Gewächse der dritten Generation so ziemlich ausserhalb des Kreises unsererBetrach- 139 tungen lassen, und werden uns vorzüglich nur an jene Pflanzen halten, welche als erste Ansiedler mit dem lodten Boden in die unmit- telbarste Berührung kommen. Man braucht nun aber in einem geognostisch reich gegliederten Gebiete nur kurze Zeit zu botanisiren, und wird alsbald die Ueber- zeugung gewinnen, dass sich über chemisch dilferenten Unterlagen gewisse systematisch nahe stehende Pflanzenarten in der Weise ver- treten, dass sie bei der Kolonisation des Bodens eine ganz analoge Rolle spielen. Allen Botanikern, welche mit oflenen Augen geschaut, und welche die Pflanzenwelt mit unbefangenem Blicke in den Alpen verfolgt haben, Zahlbruckner, Unger, Sendtner, Brügger, Stur und zahlreichen Anderen ist der unläugbare Parallelismus ge- wisser Formen, welche hier über kalkhiilligem, dort über kalklosem Substrate als erste Ansiedler figuriren, aufgefallen. Die Rolle, welche auf dem Felsenschutte kalkloser Schieferalpen Hutchinsia brevicauHs, Tlilaspi cepeaefoliiim, Arenaria ciliata und Veronica saxatilis spielen, wird auf den Geröllhalden der Kalkgebirge von Hutchinsia alpina, Tlilaspi rotundifolitim, Arenaria multicaiilis und Veronica fruticulosa übernommen. An den Standorten, wo im Gebiete des kalklosen Schiefers Androsace carnea und glacialis, Anemone sulfurea und Draha Zahlbriickneri, Gentiana excisa und Juncus trißdus, Primula mllosa und Ranunculus crenatus blühen, findet man auf kalkhaltigem Boden die Androsace lactea und helvetica, Anemone alpina, Draha aizoides, Gentiana angnstifolia, Juncus mononthos, Primuta Auricula und Ranunculus alpestris. — Nicht bald wird man irgendwo eine Lokalität finden , wo sich der Parallelismus solcher Formen schöner beobachten lässt , als in der Alpengruppe , welche südlich von Innsbruck im Westen der Brennersenkung sich emporthürmt. Eine Reihe gewaltiger Berge, welche die Seehöhe von 7000 — 9000 Fuss erreichen, die Saile, die Serlosspitze , die Kugelwände, das Kirch- dach, die Alpe Falsun und mehrere andere, die ich alle der Reihe nach in den letzten Jahren erstiegen und untersucht habe, bestehen aus Gesteinen der Trias, Avelche dem centralen Schiefergebiete auf- gelagert sind. Am Fussgestelle dieser Berge trifft man daher in der Regel kalklosen Glimmerschiefer oder Thonglimmerschiefer, weiter aufwärts passirt man dann abwechselnd bald an Kalkwänden, bald an dünnblätterigen kalklosen bunten Schiefern vorbei und die Gipfel erscheinen dann gewöhnlich von zerschrundenen, steil aufragenden, oft schwierig zu erklimmenden gewaltigen Kalkköpfen gebildet. Auf dem Wege vom Thale zu den Gipfeln kann man nun entsprechend dem Wechsel von Kalkschichten und Schiefergeslein die Flora oft vier- bis fünfmal, ja auch noch öfter wechseln sehen. Ist man eben über ein Schiefergehänge empor gewandert, von dem Gentiana excisa, Hutchinsia brericaulis und Primula villosa entgegenblickten, so trifll man kurz darauf an den Kalkwänden an den analogen Stand- orten Gentiana angustifolia, Hutchinsia alpina und Primula Auricula. Es ist nun aber gewiss keine gewagte Hypothese, wenn man solche sich vertretende, systematisch nahe stehende Pflanzenarten 11 * 140 als einen Typus auffasst, welcher durch den Einfluss verschiedener Bodenunterlage in verschiedener ^yeise in Erscheinung tritt. Weiterhin liegt es aber dann auch nahe, durch Vergleichung dieser Parallelformen zu ermitteln, welcher Art denn die Formver- änderungen sind, die durch verschiedene Unterlage veranlasst werden können. Ich habe an einem anderen Orte ^) diese Formänderungen zu erläutern gesucht, und wiederhole daher hier nur in Kürze die Schlusssälze. zu welchen ich damals gekommen war. Diese lauteten: 1. Die Pflanzen des kalkreichen Bodens sind im Vergleich zu ihren auf kalklosem Boden gewachsenen Parallelformen gewöhnlich reichlicher und dichter behaart. Sie sind häufig weiss- oder grau- filzig, während ihre Parallelformen — wenn diese überhaupt behaart sind — drüsig erscheinen. 2. Die Pflanzen des kalkreichen Bodens besitzen häufig bläulich- grüne, ihre auf kalklosem Boden wachsenden Parallelformen dagegen grasgrüne Blätter. 3. Die Blätter der auf kalkreichem Boden gewachsenen Pflanzen sind meistens mehr und tiefer zertheilt, als jene der auf kalklosem Boden gewachsenen Parallelformen. 4. Sind die Blätter der auf kalkreichem Boden gewachsenen Pflanzen ganzrandig. so erscheinen jene der auf kalklosem Boden ge- wachsenen Parallelformen nicht selten drüsig gesägt. 5. Die Pflanzen des kalkreichen Bodens zeigen im Vergleich zu ihren auf kalklosem Boden gewachsenen Parallelformen meistens ein grösseres Ausmass der Blumenkrone. 6. Die auf kalkreichem Boden gewachsenen Pflanzen besitzen gewöhnlich matter und lichter gefärbte Blüthen, als ihre auf kalklosem Boden gewachsenen Parallelformen. Ist die Blüthenfarbe der erstsren weiss, so erscheint die der letzleren häufig roth, blau oder gelb. Bei dieser Parallele erscheinen nur Pflanzen berücksichtiget, welche in kalkhaltigen, beziehungsweise kalklosen Boden ilire Wur- zeln senken. — Die 3Iuthmassung, die sich unwillkührlich aufdrängt, dass nämlich ausser der Kalkerde auch noch andere dem pflanzlichen Organismus gebotene ^Nahrungsmittel die Form der Gewächse zu modifiziren im Stande sein werden, wird durch die Erfahrung vielfach bestätiget. Wir wissen, dass der bi 1 1 erer d ereiche Dolomit und Serpentin eine ganze Reihe von Gewächsen beherbergen, welche sich von verwandten auf anderen Gesteinen vorkommenden Formen durch Merkmale untersclieiden, die dem einen Botaniker so wesentlich erscheinen, dass er auf sie eine -gute Art" gründet, während andere Botaniker diesen Unterschieden nur einen geringeren V/erth beilegen und sich nur zur Aufstellung einer -Subspecies- oder „Varietät- berechtigt glauben. Unsere südtirolischen Dolomite beherbergen die Androsace Hausmanni. das Asplenkini Seelosii und die ^yoodsia gla- bella als Stellvertreter der auf anderen Gesteinen unter sunst ana- logen Verhältnissen vorkommenden Androsace glacialis. Asplenium Kern er in Verb. d. z. b. Ges. in Wien, 1863. p. 243. 141 septentrionale und Woodsia hyperborea. Hausmann und Milde machten die Beobachtung-, dass die Farne, wenn sie sich über Dolomit entwickein, gewöhnlich drüsiger sind, als wenn sie über anderen Sub- sraten aufgewachsen sind ^j. Die Serpentinstöcke von Schlesien, Mähren, Böhmen, Sachsen und Unterösterreich beherbergen das Aspleniuin Serpentini als Paralleltorm des auf anderen Gesteinen wachsenden Asplenium Adiantum nigrum^^. Noch weit auffallender aber als in diesen Fällen, manifestirt sich die formwandelnde Kraft gewisser Bodenbeslandtheile an den Ge- Avächsen, welche am Strande des Meeres wachsen und dort dem Ein- flüsse der im 3Ieerwasser gelösten Salze ausgesetzt sind. Als ich zum ersten Mal an der salzigen Küste unseres adriatischen Meeres bota- nisirte, war ich nicht wenig erstaunt, dort so viele Pflanzen in ihrer Form oft bis zum Unkenntlichen geändert anzutreffen. Der Tetragono- lobus siliquosus des nicht salzigen Bodens zeigte hier dicke fleischige kahle Biälter uinl war zum Lotus 7naritij)ius Linne's geworden. In ähnlicher Weise erschienen auch Anlhyllis Vidneraria, Lotus corni- culatus und noch viele Andere verändert, und es war dadurch ein sehr beachtenswerther physiognomischer Einklang dieser Pflanzen mit den anderen nur auf salzgeschwängertem Boden vorkommenden succulenten Chenopodeen, Umbelliferen, Compositen und Sileneen hergestellt. Sollte dieser physiognomische Einklang nur zufällig sein? Sollte es nur bedeutungsloser Zufall sein, dass auf dem salzigen Boden des Strandes die überwiegende 3Iehrzahl der Gewächse dicke, fleischige und kahle Blätter besitzt? — Ich glaube nicht. Ich glaube im Gegentheil, dass gerade diese physiognomische Eigenthümlichkeit ein wichtiger Fingerzeig ist und dass dieselbe in einem ganz be- stimmten ursächlichen, uns freilich bislang noch räthselhaften Zusam- menhang mit dem Gehalle des Bodens an Chlornatrium und anderen löslichen salzigen Verbindungen steht. ') „Als eine besondere Eigerlhümlichkeit der auf Dolomit vorkommenden Farne verdient hervurgehoben zu werden, dass dieselben sehr liäufig, manche immer drüsig bekleidet vorkommen. Zu letzteren gehören bekannllicli Phegopteris Hobertiana, Asplenium Sedosü und Aspidium rigidum; aber auch Asplenium Huta inuraria, Cystopteris fragilis und alpina\ Custopteris miyiitana und Woodsia glahella kommen nach v. Hausmann's und meinen eigenen ßeubach- tuniien aul Dolomit in drüsigen Formen vor."' Milde, die höherenSporenpüanzen 1865. p. 77. -) Nach einer brieflichen Mittheilung ist es Milde gelungen, das Asplenium Serpentini durch Kultur in Asp. Adiantum nigrum umzuwandeln. Exemplare des A. Serpentini \on den Serpentintelsen des Gurhofer Grabens in Niederosler- reich, die ich seit einigen Jahren ia Innsbruck cultivire, haben sich bis jetzt noch nicht wesentlich geändert. Auch die aus Sporen des A. Serpentini gezogenen Exemplare erhielten sich — wenigstens bisher — constant. — Es wiire sehr in- teressant zu erfahren, wie sich diese Pflanze in den botanischen Gärten zu Halle, Würzburg und Zürich, wohin ich lebende Exemplare gesendet habe, verhalten hat. — Eine von meinem Schwager ausgeführte Asclienanalyse des Asp. Serpentini^ findet sich in den Verh. d. z. b. Ges.in Wien 1861, p. 377. 142 So wie aber der Einfluss der Salze des Meeres auf die Pflanzen des Strandes sich in der Art kundgibt, dass er diese fettleibig macht, so scheint es mir anderseits auch ausser Zweifel, dass sich unter dem vermittelnden Einflüsse der Salze des Meeres an der Stelle jenes komplicirten grünen, chemisch noch so räthselhaften Körpers welchen man vorläufig mit dem Namen Chlorophyll belegt hat, ein rotlier Farbstoft' entwickelt, welchem die meisten Meeresalgen ihr prächtiges Kolorit und insoferne zum Theil auch ihre physiognomische Eigen- thümlichkeit verdanken. Es sei mir gestattet, hier eine Beobachtung mitzutheilen, aus welcher ich weiterhin einen hieher gehörigen Satz ableiten möchte. Am Strande des Inn bei Innsbruck steht eine Badeanstalt, in welcher man die Wannen in der Regel zwar nur mit gewöhnlichem gewärmten Q^i^'H^^'^sser füllt, in der aber auch seit ein paar Dezenien das ganze Jalir über ab und zu Soolenbäder genommen werden. Die Soole zu diesen Bädern wird aus dem Salzbergwerke bei Hall bezogen und das Badwasser wird nach erfolgtem Gebrauche in den Inn ab- fliessen gelassen. Das Ufer des Inn ist dort, wo die Gewässer der Badeanstalt einmünden, durch Steini)löcke gefestiget, und diese stets vom Wasser überflutheten Steinblöcke sind nun von der Mündungs- stelle des Badwassers angefangen ein paar hundert Schritte weit stromabwärts mit der braunrothen Bangia fusco-purpurea^) ganz dicht überwuchert. Weder weiter abwärts, noch weiter aufwärts ist eine Spur dieser Alge zu finden. Dass dieses Vorkommen daher mit dem Ausflüsse des salzigen Badewassers in Verbindung steht, kann wohl nicht geläugnet werden, eben so wenig als es in Abrede gestellt werden kann, dass das Auftreten dieser Alge erst in histori- scher Zeit erfolgte. Woher stammen nun die Keime dieser Alge? Mein erster Gedanke war der, dass sie von Hall herstammen, von woher man, wie schon oben bemerkt, die Soole zu den Bädern bezieht. Eine sorgfiiltige Musterung des Innufers, sowie aller Tümpel, Gräben und Brunnentröge bei Hall wiederlegfe aber diese Annahme, und ich kann mit Bestimmtheit behaupten, dass die oben genannte Bangia bei Hall nicht vorkommt. — Hall hat keine natürlichen Soolen- quellen. Das Salz gehört dort der Trias an, ruht tief im Schoose der Erde und wird bergmännisch ausgebeutet. Die in der Tiefe des Berg- werkes künstlich gebildete Soole wird in unterirdischen Röhren zu den Sudhäusern geleitet, und von einem Abfluss überflüssiger Soole, *) unter den von Kützing abgebildeten Bangien summen B . fusco-pur- purea und B. roseo-purpurea am besten mit unserer Pflanze übtrein. i^iit Rück- sicht auf (Jas Ausmass inuss sie als B. fusco-purpurea bestimmt werden. Exem- plare der i?. /usco-2:>iu-/>iirea von Venedig, die ich verglich, stimmen im Gan^en gut, und weichen nur durch eine etvvas andere Gruppirung des Zellinhaltes ab, was aber kaum zur Aulstelkuig einer eigenen Art berechligen durfte. Grunow hält zu I^'olge einer brieflichen Mittheilung Bangia fusco-purpurea^ roseo- parpurea^ coccineo-purpurea und atro-purpurea für Formen einer und der- selben Art. 143 von Salzlachcn u. dgl. ist dort keine Rede. Auch sonst ist im ganzen Inntlial, ja in ganz Tirol nirgends eine kochsalzausblühende Stelle, ein Salzsee oder Salzsunijjf anzutreffen. — Die Annahme, dass die Keime der Bangia fuxco-pui-piirea aus nächster Nähe herstammen, fällt daher jedenfal's weg, und das Erscheinen derselben in histo- rischer Zeit auf einer beschränkten Lokalität im Inn, gerade an der Stelle, wo soolenhältiges Wasser ausfliesst, muss demnach auf andere Art erklärt werden. Nun sind aber meines Dafürhaltens hier nur drei Erklärungs- weisen denkbar. Entweder man nimmt an, dass die Keime dieser Alge von den ziinächstliegenden Standorten südwärts der Alpen (Padua, Venedig) in historischer Zeit durch Windströmungen herbeigeführt wurden und hier vor dem Badhause am Inn ein geeignetes Medium zu ihrem Gedeihen fanden, oder man setzt eine Generatio aequivoca voraus, oder aber man nimmt an, dass durch denEinfluss des salzigen Wassers sich eine andere Alge in diese Bangia umgewandelt habe. Was nun die erste dieser Erklärungsweisen anbelangt, so kann ich mich zwar nicht ganz unbedingt gegen dieselbe erklären, glaube aber doch, dass sie gerade in diesem Falle nicht recht am Platze sein dürfte. Es kann allerdings nicht geläugnet werden, dass heftige Wind- slrömungen Theile von Pflanzen oft auf unglaublich weite Strecken hin verschleppen. Namentlich der Scirocco bringt oftDiatomacceu, Sporen- und Pollenzellen, ja selbst geflügelte Samen grösserer Pflanzen aus dem Süden in unsere nördlichen Alpenthäler, und ich verweise in dieser Beziehung auf eine Abhandlung, welche ich in der „Oesterreichischea Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentl. Leben"*) publizirt habe. — Dieser Einfluss des Scirocco dürfte sich aber wohl nur auf Pflanzen des Festlandes oder auf solche, welche in austrocknenden Tümpeln und Lachen zu Hause sind, beschränken, schwerlich aber auch auf Algen, welche nur auf einer Grundlage gedeihen, die dauernd vom Wasser bedeckt ist. Und selbst dann, wenn ange- nommen werden könnte, dass Keime dieser Algen aus weiter Ferne her in unsere Berge verschlagen werden konnten, so ist doch schwerlich auch zu glauben, dass dieselben ihre Keimfähigkeit zu bewahren im Stande waren. Dass die Samen von Gräsern und Nelken oder die Früchte der Hopfenbuche bei der Wanderung auf den Flü- ^) 1. c. III. p. 779, Kern er, Botanische Streif/.üge durch Nordtirol. — Es wird in diesem Aufsätze nachgewiesen, dass die nördliche Yegetationslinie ge- wisser PQanzen, wie z. ß. Lasiagrostis Calamagrostis^ Manunculus parnassi- folius ^ Saponaria ocymoides , JLuzula nivea ^ Valeriana supina etc., eine oigenthümliche Ausbuchtung nach Norden zeigt und zwar gerade dort, wo in Folge eigenlhiimlicher Plastik des Terrains der Hauptstrora des Scirocco verläuft, und dass diese Pflanzen an den Ufern der Scirocco-Rinnsale in unseren Alpen gerade wie manclie Cruciferen Chenopodeen und Compositen an den Rändern der lleerstrassen vorkommen. Ich füge den in diesem Aufsatze mitgetheilten That- sachen noch bei, dass ich in jüngster Zeit an den Gehängen der Solsteinkette bei lansbruck, welche dem über den Brenner abfliessenden Sciroccostrom am meisten ausgesetzt sind, eine sonst nur in den südlichen Thälern der Alpen aufgefundene Cupulifere, nämlich Ostrya carpinifoUa, entdeckte. 144 gehl des Scirocco ihre Keimfähigkeil nicht verlieren , kann ich mir ganz gut vorstellen, nicht aber auch, dass Keime einer unter Wasser fluthenden Alge auf einer viele Meilen langen Luftreise keinen Schaden leiden sollten. Die Baccilarien, welche der Sciroco auf die Schneefelder unserer Alpen aus dem Süden herbeiführt, sind immer todt, und frisch gesammelter Passatstaub, welcher vor ein paar Jahren im Mai den Schnee der Solsteinkette färbte, zeigte mir wohl neben der erdigen Masse abgeriebene und zerbrochene Schalen von Diatom- maceen, nirgends aber noch lebende Individuen,^) daher sich denn auch keine neuen Diatoraaceen und überhaupt keine Algen ent- wickelten, als ich mit entsprechender Vorsicht den frisch gesam- melten Passatstaub mit Wasser übergössen längere Zeit ruhig im Zimmer stehen gelassen hatte. — Ich glaube daher nicht, dass es richtig wäre, das Erscheinen der Bangia fusco-purpurea bei Inns- bruck mit Luftströmungen in Zusammenhang zu bringen. Also ist diese Alge vielleicht durch eine Generatio aequivoca entstanden? Ich will die Möglichkeit, ja selbst die Wahrscheinlichkeit einer auch jetzt noch stattfindenden Urzeugung von Pflanzen nicht in Ab- rede stellen, glaube aber, dass sie jetzt und zu allen Zeiten sich nur auf gewi.sse niederste einzellige Formen beschränken konnte. Nim- mermehr kann ich mir dagegen denken, dass sich eine Bangia aus dem salzigen Wasser ohne gegebeneu Keim spontan sollte entwickelt haben. Mir fiillt bei den Debatten über Urzeugung iuuner der derbe Ausspruch eines Zoologen ein, der da sagte, er könne sich jedenfalls leichter vorstellen , dass sich in undenklich langen Zeiträumen ein Schwein allmälig in einen Elefanten umwandle, als dass plötzlich ein Elefant mit Haut und Zähnen aus dem „Urschlamui" empor steige. Ich möchte nun diesen Ausspruch auch auf unsere Bangia in Anwen- dung bringen und sagen, dass es jedenfalls viel naher liegt, anzu- nehmen, es habe sich dieselbe unter dem Einflüsse des salzigen Wassers im Laufe der letzten Dezennien aus den Keimen einer andern in nächster Nähe wachsenden Alge im Inn herausgebildet, als dass wir zu der Hypothese einer spontanen Zeugung uns hinaufschrauben. — Wer erinnert sich hier nicht auch daran, dass Algen, die man sonst nur in den Thermen der Euganäen auf Ischia und bei Abano beobaclifele, auch an dem Ausflusse heissen Wassers bei Fabriken und Bahnhöfen in Deutschland sich einstellten, ^j Konnten sich hier unter dem Einflüsse geänderter physikalischer Verhältnisse thermale *) Pouchel's UntfTSucliungen ergaben gleichfalls, dass der von I^ufl- strömungen mitgebraclue Staub, den er an den verschiedensten Punkten, auf den Gietsclierhölien der ftlaladetta, in den Pyrenäen, wie in den Katakomljen von Theben, auf dem Festlande wie auf dem Weere, auf den Pyramiden Egyptens wie auf der Spit/.e des Domes von Ronen untersuchte, nur ausgetrocknele Leichen und todte Schalen mikroskopischer, thierischer und pflanzlicher Organismen enthielt. ') Vergi. Rabenhorst's Aufsatz „Al^ologisches Curiosum" in Hedwigia, 1853, Nr. 1. p. 16. . "^ " J45 Algen aus den Keimen anderer Algen herausbilden, warum sollle sich nicht auch unter dem Einflüsse eines salzgeschwängerlen Wassers aus einer Süsswasseralge eine salzliebende Bangia entwickeln. Es fehlt im Gelände des Inn nicht an Algenformen , welche möglicher- weise den Ausgangspunkt zur Bildung der Bangia fusco-purpurea abgeben konnten. In den Seitenbächen des Inn, und dort, wo kleine Quellen in den Inn einmünden , wuchern zahlreiche L^/ofAz-jo;- Arten, und darunter auch U. valida und U. inaequalis, welche wohl in unseren künstlichen Systemen auseinander gehalten werden , in so vielen Stücken aber mit den Bangien ganz übereinstimmen. — Ich nehme nun keinen Anstand, mich für die Ansicht zu erklären, dass die oben erwähnle Bangia sich aus einer Ulothrix herausgebildet habe, und dass hiebei unler dem Einflüsse des Chlornatriums sich das Chlorophyll in jenen rothen Farbstoff, der die meisten Meeresalgen so sehr auszeichnet, umgewandelt habe. Der Schluss aber, der sich nun aufdrängt, würde lauten: Aehnlich, wie unter dem Einflüsse des Kalkes die Blumenkronen ein grösseres Ausmass und matteres Kolorit, die Blätter eine feinere Zer- theilung, eine dichtere Bekleidung und einen bläulichen Farbenton bekommen, ebenso werden die Pflanzen unter dem Einflüsse des Kochsalzes succulent und ihr grüner Farbstoff" vermag sich in rothen FarbslofT umzuwandeln Diese aus dem Verhalten der Pflanzen in der freien Natur abge- leiteten , zum Theile nur auf sehr vereinzelte Fälle basirlen Salze bedürfen natürlich jetzt der ßesläligung durch das Experiment und der theoretischen Begründung. — Hierauf näher einzugehen, möge dem nächsten Blatte vorbehalten bleiben. Zwei Bastarde in der Gattung CfitainagrostisUoth. Beobachtet bei Tilsit iu Ostprenssen. Von Dr. Heidenreicli. Als ich am 10. Juli v. J. eine botanische Excursion in den elwa eine halbe Meile von Tilsit entfernten Schilleningker Wald machte, w elcher zu zwei Theilen aus Kiefern QPimis silvestris L.) zu einem Theil aus Rothfannen QAbies excelsa DC.) und Eichen QQuercus pednnculata Ehrh.} besteht, um die früher dort von mir beobachtete Calamagrostis acutiflora Schrad. einzusammeln, welche vom bota- nischen Tauschverein desiderirt war, traf ich die daselbst vorkom- menden CaJamagi'ostis-Arle]], mit Ausnahme von Cahimagr. lanceo- lata Roth noch nicht blühend, und es wollte mir daher aucii nicht gelingen, die gesuchle Pflanze aufzufinden. Endlich glaubte ich in einem umfangreichen Rasen von etwa zur Hälfte blühender Halme 146 beim ersten Anblick die gesuchte Pflanze entdeckt zu haben. Ich überzeugte mich aber sogleich, dass die gefundene Pflanze der Cala- tnagrostis acutißora Sehr, zwar ähnlich war, jedoch diese selbst nicht sein könne, zumal da sie gleichzeitig so grosse Aehnlichkeit mit Calaniagrostis lanceolata Roth zeigte, dass ich erst durch Ver- gleichung mit einem benachbarten Exemplar dieser Art mir die Gewissheit verschafTen mussfe, dass es diese nicht war, eine Aehn- lichkeit, wie sie bei Calaniagrostis acutißora Sehr, keineswegs beobachtet ^^ird. Ich wurde alsbald gewahr, dass ich eine neue Pflanze gefunden hatte, und zwar, wie sich später zu Hanse ergab, niclil allein für Preussen, sondern auch für Deutschland. Es musste zu ihrer Bestimmung in Ledebour's Flora Rossica Rath gesucht werden; jedoch schien auch unter den dort aufgeführten Calama- grosiis-Arlen sich keine mit Gewissheit als die von mir gefundene zu ergel)en. Es wurde letzlere vielmehr nur muthmasslicher Weise von namhaften Botanikern der Reihe nach für Calam. Langsdorßi Trin., für Varietät von Cal. neglecta Ehrh., und endlich für Cal. Hart- manniana Fr. erklärt, mit welcher letzterer sie noch am meisten übereinkommt. Wie mir schon beim ersten Erblicken meiner Pflanze ihre Aehn- lichkeit mit Calaniagrostis lanceolata Roth in die Augen gefallen war, so erkannte ich aucli bald, dass sie in der Mitte stehe zwischen Calaniagrostis silvatica DC. und Calamagrostis lanceolata Roth., wohl also ein Bastard beider sei, sowie dass die Aehnlichkeit mit Calamagrostis acutißora Sehr., welche ich gleichfalls für Bastard, nämlich von Calaniagrostis silvatica DC. und Calamagrostis Epigeios Roth, halle, davon herrühre, dass beide einen gemeinschaftlichen Faktor, Calamagrostis dlvatica DC, enthalten. In dieser meiner Ansicht von der Bastardnalur beider Pflanzen bin ich durch genauere Untersuchung und Betrachtung nur bestärkt worden, und die Begrün- dung derselben ist der Zweck dieses Aufsatzes. Als Kriterien eines Bastardes gelten: intermediäre Gestalt zwischen den konstanten dilTerirenden Merkmalen der Stammarten, ausschliessliches Vorkommen unter denselben, sowie auch zersireufe Verbreitung und geringe Zahl der Individuen; endlich unregelmässige Form des Pollen und unvollkommene Ausbildung oder gänzlicher Mangel des Samens. Ich werde die Bastardnatur der beiden in Rede stehenden Pflanzen hauptsächlich nur durch Darlegung der inter- mediären Gestalt zu begründen ^ ersuchen müssen, da ich ausschliess- liches Vorkommen unter den angegebenen Stammarten, sowie geringe Zahl der Individuen nur für die von mir gefundenen Exemplare beider Bastarde konstafiren kann, und ich Untersuchungen über die unregel- mässige Form des Pollen noch nicht habe anstellen können. Das Merkmal der Unvollkonnnenheit des weiblichen Geschlechtsapparats findet sich allerdings bei den von mir gesammelten Exemplaren beider Bastarde, bei welchen der Same meist durch Mutterkorn ersetzt wird; doch dürfte es hier von keinem wesentlichen Belange sein, 147 da es sehr häiifig^ auch bei unzweifelhaften Arien von Calamngrostis stattfindet. Bevor ich nun zur näheren Betrachtung- meiner beiden Bastarde tibergehe, sei es mir erlaubt, die vielleicht einzelnen Lesern nicht mehr erinnerlichen Bcmerkuno-en von El. Fries über die Gattung Calatnagrostis Roth, anzuführen, da ich mich in meiner Arbeit nach derselben richten werde: ^Hoc genus et specierum numero et praecipiie indwiduorum copia versus septentrionem accrescit longeqne insignioreni partem vegefationis gramiiieae apud nos praebet quam in auatralioribus terria. Multa in hoc genere observanda restafit, cum fonnae in natura distinctiasimae notas parum palpabiles offerant ; vulgo autem, etiam ad sectiones discernendas citatae (v. c. situs aviKtae, rudimentum seciindi floris') passim accidentales. Ob varietates muticas v. c. C lance o lata et C. Hall eriana ex aristae insertione discerni nequcKüt; in C. epigejo etc. aristae insertio aperte varia. Nee magni mometid censeo species, quas peritus non primo obtntu dis- cernere valet sine subtiiissimi cvjusdam characteris adminiculo. Sine naturali dispositione omnis definitio fallit^ — Characteres magni momenti censeo biologicas v. c culmum demum ramificantem, pani- ciilam post atithesin laxam vel contractam, spiculas defloratas squar- rosas vel clausas e. s. p." (Elias Fries: Summa vegetabilium Scardinaviae 1846. p. 239). Ich werde nun denjenigen der beiden Bastarde zuerst betrach- ten, dessen intermediäre Gestalt leichter in die Augen fällt, da er so genau zwischen allen konstanten differirenden Merkmalen der Stamm- arien die Mille hält, dass an seine Abstammung von denselben wohl kaum Zweifel aufkommen dürften. I. Calamagrostis Qsilvatica DC. X Epigeios Roth.) mihi Ca- lamagr. acutiflora S c h r a d e r. D iagnosis. Culmo rigido, simplici; panicula rigide stricla glomerato-lobata ramis patentibus vel erecto-patentibus spiculis cristatis; valvis lanceolato - snbulatis post anthe;;in subclausis, flosciilo glumis subduplo breviore pilos superante; arista basali subgenicvJata, glumas pauUum excedente. Descriptio: Culmi caespitosi vel solitarii, stricti, 3 — 4 — 5 pedales nee non altiores internudio siimmo longissimo e basi ob- lique erecti laeves infra paniculam scabriusculi- Folia rigida, utrinque et margine scaberrima, planiusciila 2 — 3 — 4 lin. lata, exsiccatione involuta, longisdme acuminafa; vaginae internodiis breviores striatae asperae glabrae vel pilosae; ligula oblonga, truncata. Panicula 4 — 8 uncias longa, ramis inaequalibus non raro subpyraniidalis et lobata vel verticillis remotis basi inter- rupta sub antliesi erecto-patens violaceo-coerulescens post candem contracta sordide rufescens; rachis recta, scabra; rami scaber- rima a basi floriferi patentes et erecto-patentes , spiculis conden- satis subsecundis fere cristati. Glumae subaequales, iubmembra- naceae , carina scabrae , flosculum tertia parte vel subduplo 148 superantes. Palea inferior viridula, superiore terlia parte longior, apice nervibus excurrentibus 2 — 4 ßda; arista paleam duplo superans , glumas paullo nee non (/uinta vel quarta parte exce- dens, infra medium subgeniculatum obsolete torta'-, pili basales paleam superiorem aequantes rudimenti barba paullo longiore. Anlherae fulvae. Variat piniculae colore niridi, spiculis etiam magis sub- ulato-angustatis. Betrachten wir nun die eben beschriebene Pflanze in Bezug auf ihre intermediäre Gestalt zwischen den angegebenen Stamin- arten , so finden wir als konstante Merkmale, in Betrefl" welcher letztere übereinstimmen, folgende beim Bastard unverändert nieder: culmi saepius caespitosi, simplices, panicula post anthesin plus minus contigua, glumae subaeqiales post anthesin subclausae, arista sub medium dorsi inserta subbasalisA^ Die konstanten differirenden Merkmale der Sfammarten, zwi- sciien welchen der Bastard die Mitte hält, welche man demnach nur mit gegenseitigen Modifikationen in demselben wiederfindet, stelle ich hier übersichtlich zusammen. Calam. Epigeios. Statur a sat duplo ro- bustior quam in C. silvatica, omnesque partes rigidiores. Culmi incrassati 3 — 5% pedales. Folia rigida , medio 2 — 3—Ö lin. lata, scaberrima. Panicula oblongo-lan- ceolata, patens, 6 — 12 Lindas longa, i 3 uncias medio lata glomerato-lobata. Spiculae condensatae fere uni laterales subfalcatae;' fusco- purpurascentes ; C. Silva ticay. incurva dorsalis, paleam paullo superans, glumis inclusa (Vg — % longitudinis pa- Calam. silvatica DC. Pili flosculo quadruplo breviores, pauci. Flosculus glumis paullo brevior. Palea inferior superi- orem parum supe- rans. Arista basalis, paleam diiplo superans, glu- mas longe excedens infra medium geni- culalum torta. Rudimentum plerum- que invenitur. leae^ Rudimentum rarius desideratur. Aus obiger Vergleichimg ersehen wir, dass die beiden Slamm- arten sich in Betreff dreier Merkmale unterscheiden, welche von El. Fries als sehr wesentliche und natürliche Unterscheidungszeichen für Calamagrostis-Arlen aufgestellt sind : bei Calam. lanceolata Roth ist nämlich der Halm später ästig, die Rispe nach der Blüthe ausgebreitet, die Klappen nach derselben sparrig; bei Calam. sil- vatica DC. ist der Halm stets einfach, die Rispe nach der ßlüthe zu- sammengezogen, die Klappen nach derselben geschlossen. In Betreff der intermediären Gestalt desBaslardes hinsichtlich dieser drei Haupt- unterscheidungsmerkmale der Eltern finden wir, dass der Bastard nur in Bezug auf das erslere derselben die Mitte hält: der Halm zeigt nämlich die Rudimente von Verästelung; hinsichtlich der beiden andern Merkmale verhält er sich wie Calam. silvatica: die Rispe ist nach der BliUhe ährenförmig zusammengezogen und die Klappen sind nach derselben geschlossen. Ich glaube aber nicht, dass man hieraus einen Beweis gegen die Bastardnatur der Pflanze entnehmen kann, denn auch viele anerkannte Bastarde nähern sich in Betreff einzelner Merkmale ganz der einen Slammart. So stehen z. B. bei Salix repens X viminalis die Narben hinsichtlich ihrer Gestalt und Farbe nicht immer zwischen denen der Stammarten, sondern oft findet man bei diesem Bastard fast genau die — langen, fädlichen, zurückgekrümmlen gelben Narben der Salix viminalis. Eine Abweichung von der intermediären Gestalt zwischen den Slammarten scheinen bei unserer Pflanze die Halmblätter zu zeigen, welche häufig — nicht immer — bei geringerer Länge viel breiter als die von Calam. lanceolata Rth. und eben so breit als die viel längere von Calam. silvatica DC. sind. Die im Verhältniss zu denen der Stammarten kleineren und armblüthigeren Rispen, sowie die meist schlankeren Halme bei meinem Oesterr. botan. Zeitschrift. 5. Heft. 1865. 12 154 Bastard sind wohl als Zeichen mangelhafter und schwächlicher Ent- wicklung, welche Bastarden überhaupt eigenthümlich ist, anzusehen. Es dürfte nun wohl nicht unnothig sein, die Unterschiede meiner Pflanze von nahestehenden Calamagrostis-Arten anzugeben. Von Calamagrostis Langsdoi'fii Irin, gibt Dr. A. Grisebach in L edebour's Flora Rossica folgende Diagnose: culmo laeviusculo, foliis linearibus , ligula elongata lacera, paniciila patente demum laxa. glutnis subaequalibus lanceolatis acuminatis, culli pilis florem parum excedentibns rudimentum, minutum pilis elongatis terminatum includentibns, palea inferiori apice bidentata superiorem fere duplo superante e dorso fere medio aristala, arista florem parum excedenle recta inclusa. Da über etwaige Verzweigung des Hahnes, sowie über das Verhalten der Klappen nach der Blüthe sich nichts angegeben findet, so erlaube ich mir hinzuzufügen: culmo ramißcante, glumis fructiferis divaricatis. Demnach unterscheidet sich Calam. Langs- dorfii Trin. von meiner Pflanze: panicnla demum laxa glumis fructi- feris dinaricatis, pilis florem parum excedentibus , palea inferiori superiorem fere duplo superante; auch ist C. Langsdorßi Tr. ausser- dem viel kräftiger, durchschnittlich breitblättriger, die Aehrchen sind dunkler gefärbt. Calamagrostis neglecta Ehrh., zu welcher von einer namhaften Autorität meine Pflanze als Varietät gebracht wurde, kommt mit der- selben in folgenden Merkmalen überein : culmo plus minus evidenter ramificante, panicula post anthesin coarctata, glumis subaequalibus demum clausis, flosculo pilos paullo superante , arista recta dorsali paleam fere aequante; sie unterscheidet sich jedoch augenfällig durch folgende ÄJerkmale: panicula magis densiflora, fusco-purpu- rascente, ramis magis a basi floriferis, valvis oblongo-lanceolatis acutis, minime acuminatis. — So liat denn meine Calam. silvatica X /fl»ceo/a< lanceolata abweichen, sind folgende: ,,culmus rigidus'"'', (bei Cal. silvalica yK. lanceolata finden sich meist S("hlanke Halme;) ,,culmi subcaespitosi v. solitarii^\ (von meiner Pflanze fand ich nur zwei umfangreiche Rasen von je etwa 40 — 50 Halmen;) „stolones breves'-\ (ich sammelte an einem 57 Zoll hohen Halm meiner Pflanze eine 14, bis zur Spitze der Blätter 20 Zoll lange Stolone;) „ligula brems'"'-, (ich messe meistens 2 Linien, seltener 1 Linie lange Blatlhäutchen;) „glumae laeviusculae carina obsolete minute scabriusculae^''., (bei meiner Pflanze sind die Klappen am Kiel deutlich scharf;) ,.floscvlus pilos duplo superans'-', (bei meiner Pflanze findet man die Haare länger, nämlich V3 bis y^ so lang als die Spelzen; noch länger jedoch scheinen sie bei Cal. Hartmanniana nach der von Fries gebrauchten Bezeichnung: „pilis glumella bre- vioribus'''- zu sein, so dass die Haare meiner Pflanze hinsichtlich der Länge etwa in der Mitte stehen zwischen den von Andersson und Fries für Cal. Hartmanniana gemachten Angaben). Leider hat eine Vergleichung meiner Pflanze mit Originalexem- plaren von Calam. Hartmanniana Fr. bisher noch nicht stattfinden können , da im Berliner kgl. Herbarium die betreflfenden Fascikel des beiden Calamagr. silvatica DC. als Factor aufgestellt wird, nur bei dereinen (Calaniagr. silvatica X Epigeios) die Granne gekniet und gedreht ersclieint, während bei der andern sich keine Spur davon zeigt. Sollte nicht aber Drehung und Knie von der Länge der Grannen abhängen in der Weise, dass bei grösserer Kürze Drehung und Knie verschwinden; so findet man z. B. bei .ööZcms niollis L. e\ne längere, die Klappen überragende, und dabei gekniete Granne, bei dem nahe stehenden Holcus lanatus L. eine kürzere von den [(.läppen eingeschlossene nur gekrümmte Granne. Bei Alopecurus geniculatus L. ist die Granne doppelt so lang als die Spelze und später etwas gekniet; bei Alopecurus fulvus Sm., welcher dem Alopec. geniculatusL. so nahesteht, dass manche Autoren ihn nur als Varietät desselben betrachtet wissen wollen, ist die Granne nur etwa so lange als die Spelze und gerade. 12 * 156 Herb. Norm. Frisii fehlen sollen. Vielleicht hat aber Herr Dr. Reichardt die Gefälligkeil, die Resultate der Vergleichung mit Exemplaren im k. k. Herbarium zu Wien hier mitzutheilen. *) Sollte eine Pflanze , deren Halme die Anfänge von Verästelung zeigen, sich wirklich als Calam. Hartmanniana Fr. herausstellen, so dürfte die Behauptung von Fries und Andersson, dass der Halm bei Calam. Hartmanniana Fr. stets einfach bleibe, es zur Gewissheit erheben, dass die Verästelung bei meiner Pflanze stets nur rudimentär bleibe, (da sie sonst von den genannten Autoren nicht hätte tiber- sehen sein können) und somit als intermediärer Zustand zwischen einer Calamagrostis- Art mit später ästigem und einer mit stets ein- fachem Halm zu betrachten sei, woraus bei der sonst so grossen Be- ständigkeit dieses Unterscheidungsmerkmales für Calamagrostis- Arten die Bastardnatur meiner Pflanze, mithin auch die der Calam. Hartmanniana Fr. mit Sicherheit sich ergeben würde, in welchem Falle an keine anderen Stammarten als an die von mir aufgestellten zu denken wäre. Ob denn in der Familie der Gramineae überhaupt schon Bastarde mit Sicherheit konstatirt sind? In der nahestehenden Familie der Cyperaceae werden in neuerer Zeit mehrfach Bastarde anerkannt, so Carex paniculatay^remota, Carex muricata X remota , Carex vulpina X remota , Carex bri- zoides X remota , Carex vesicaria X hirta, Carex ßliformisXri- paria u. a. Unter den Gramineae ist, abgesehen von mehreren spontanen Bastarden, welche man beobachtet haben will 2), soviel mir bekannt, nur ein Bastard bisher sicher konstatirt, nämlich Aegi- lops ovata L. X Triticum imlgare L., welche Verbindung von D. A. Godron durch Befruchtung von Aegilops ovata mit dem Pollen von Triticum vulgare künstlich dargestellt wurde. (D. A. Godron de la fecondation des Aegilops par les Triticum, Memoires de 1' Academie de Stanislaus Nancy 1855.) Tilsit, im Februar 1865. *) Dem an mich gestellten Ansuchen mit Ver£,nügen entsprechend, habe ich das Fries'sche Original-Exemplar der Calamagrostis Hartmanniana Fr, (Herb, norm. Fase. X.) mit 3 von dem Herrn Verfasser eingesendeten Exemplaren der C. silvaticax lanceolata Heidenreich verglichen und gefunden, dass das vor- liegende Exemplar (\qtC. HartmannianaVr. genau mit den Diagnosen von Fries, Andersson und Hartmann übereinstimmt. So weit ich also nachdem vorlie- genden Materiale beurtheilen konnte, scheinen die beiden in Frage stehenden Formen allerdings verschieden. Ob diese Unterschiede aber bedeutend und kon- stant genug sind, um eine Trennung zu rechtfertigen, das müssen Untersuchungen entscheiden, welche an reichhcherem Materiale, als mir vorlag, angestellt wurden Dr. H. W. Reichardt. *) So Alopecurus pratensis X geniculatus Wichura: s. „Wildwachsende Bastardptlanzen, hauptsächlich in Schlesien," beobachtet von Dr. Fr. Wimmer. Breslau 1853, S, 7. 157 Berichtigung. In meinem Aufsatze über Tripelbastarde unter Weiden (s. diese Zeitschrift 1864, S. 15) finden sich mehrere den Sinn verdunkelnde Druckfehler, welche ich hier zu berichtigen mir erlaube: S. 17, Z. 29 St. wirklich 1. merklich; S. 18, Z. 30 st. pubescentes 1. pubescentia; S. 19, Z. 7 st. auch 1. mich; S. 19, Z. 12 st. fuscentes 1. fuscescentes ; S. 19, Z. 26 st. (S. viminalis 1. S. CapreaXviminalis. Dr. Heidenreich. Aus dem Honther Comitate. Von Jos. Keller. Schon lange her hatte ich mich gesehnt, die Kuppen der Eipel- thaler Gebirgskette zu besteigen, bin aber erst bei Gelegenheit einer Rückreise, die ich im verflossenen Monate August (d. 17.) von der Schemnitzer Gegend machte — dazu gekommen. Die Reise nach Schemnitz zu Wagen gemacht , mein Aufenthalt in Sz. Antal nur auf einen halben Tag bemessen, Hessen nicht viel zu berichten — jedoch kann ich es nicht unterlassen , bevor ich zur Schilderung obigen Ausfluges übergehe, auch von jener Etwas in Erwähnung zu bringen. Vor Allem muss ich der malerischen Schönheit jenes Theiles meiner Reise gedenken, die sich von circa einer Viertelstunde über Nemethi angefangen, auf beiden Seiten der Landstrasse dem Auge ülTnet. Schroff herabreicliende Bergwand begleitet die in diese loth- recht eingegrabene Landstrasse, wahrend auf der linken Seite der Strasse das hier noch sehr kleine Flüsschen Schemnicze und dessen schmales Thal ihren Lauf haben, und wieder von Bergen, die aber schon mitunter stark verflachte Abhänge hineinsenden — begrenzt werden. Die Landschaft behält diesen Charakter auch weiter nord- wärts zu beiden Seiten der Strasse, ja sie wird nach einer kleinen Abwechslung noch schöner , bis endlich eine Viertelstunde noch vor Sz. Antal sich die circa 1000 — 1500' hohen Begleiter verlieren, und man mit Sz. Antal auch eine viel einförmigere Gegend erreicht. Ich nolirte bisher bloss: Allium flavnm L. bei Nemethi , auf der schroffen Felswand der Landstrasse, etwas weiter bei dem Orte Teplicska sah ich Marrubium retnotum KU. und das oft wiederkehrende Origanum vulgare , und ebendort in dem jetzt schon zur Rechten liegenden und hier breiten Flussthale Alnus glutinosa eingenistet, während an einer Stelle der zur linken Seite unserer Strasse fortziehenden Bergabhänge plötzlich ein schön violetter Anflug von dicht neben einander stehenden Me- lampyrum nemorosum zum Vorschein tritt. Was das Gehölz anbelangt, soweit dieses vom Wagen aus unterscheidbar gewesen — ist Acer 158 campestre am Fusse des Gebirges, untermischt mit Crataegus Oxyacantha et monogyfia, Acer Pseudoplatanus, Prunus spinosa etc. zu erkennen gewesen, während mehr oben die Q//e/Tws-Arten, und hier zumeist Q. sesülißora mit Acer campestris, und jetzt auch schon mit Fagus sylvatica, die Ueberhand einander stellenweise abgewin- nend, schöne, geschlossene, fortziehende Walder bilden. Nach kleiner Restaurirung in Sz. Antal begab ich mich allso- gleich in die herzogl. Coburg'schen Wälder, um mir richtige Ansiclit über das Verhalten einer Conifere zu verschaffen, und benutzte die übergebliebene zweistündige Zeit zu einem schnellen Besteigen des höchsten Punktes der dortigen Vorgebirgspartie , des 3168' hohen Szitfnya. Dorthin gelangt man: durch den sog. Fasanengarien, die kleine Filialortsohal't Jlüa und den ihr knapp anliegenden, circa 2700' hohen Vorberg Bacsik. Alles dieses zur Nordseite des Fusses Szittnya. Der Fasanengarien , Eigenthum des Herzogs Coburg, ist einsehr grosser Obstgarten, Unweit von diesem passirt man den feuchten Zickzacklauf eines Baches , wo mir die gesellschaftlich lebenden Mentha aquatica, dann Epilobinm angustifolmm^ palustre et parr:i- fiorum Schrb. begegneten, während Ainus glutiiiosa mich bis hinauf auf das Gebirge längs des Baches begleitete. Auch Exemplare von Lamium maciüatum und Campanula glomerata sah ich im Orte Illia, von wo aus ein steiler Fussweg immer dem Bächlein entlang in eine Blosse führt, wo wir den ergrauten Szittnya neben seinem Sohne Bacsik erblickten. Gehen wir näher zu dem Bacsik — so über- rascht uns eine dichte Nadelwalddecke, aus lauter Abies pectinata bestehend, mit am Fusse hie und da eingesprengter Fagus sylvotica» Diese ist die Hauptmischung, während als Üebergemengtheile Carpi- nus Betuhis^ Acer Pseudoplatanus , und als Forslunkraut einige Po- pulus erscheinen. Von Kräutern notirle ich unten in der Waldblosse Pimpinella Saxifraga, triippenweise und stark vertreten, Dianthus Carthusia- noruin ß. pratensis und tiana. Centaurea phrygia ß. semiplumosa in niedrigen Exemplaren, Potentilla aurea. Ebendort, jedoch mehr oben, circa 900' : Veronica spicata; Teucrium Chamaedris. Geht man nun durch den besagten Tannenbesland bergauf, so sieht man da mehrere Aspidium Filix tnas, die ihre braunbärtigen Wurzelsfocke nur sehr Seicht in der lockeren Nadelslreue ausbreiten, damit solche den bele- benden Niederschlägen recht nahe zu liegen kommen. Wir sehen auch den zweiten Hauptbestandtheil unseres Waldes, die Rothbuche, immer stärker und stärker vertreten, und begegnen zugleich von den Kräutern: der Campanula rapiwculoides sehr oft, und dicht belaubten Senecio nemorensis ß. angustifoliiis , deren sämmtliche einzelne Köpfchen je 4 randständige Zungenblülhen be- sitzen, wesshalb man sie mit dem Adjectiv qualuorglossus auch noch benennen könnte. Sie wurzeln rechts vom Wege au dem steilen Waldrande in mächtiger Sireu locker und seicht, während unweit davon in einer feuchten und grasigen Blosse Gateopsis rersicotor und Astrantia major angenehm überraschen. Auch einen Pyrus Malus 159 mit sauren unreifen Früchten bemerkte ich auf dieser Blosse, von wo aus, noch einige Schrille den schattigen Waldweg bergauf gegangen, man an den Gipfel desBacsik gelangt. Wir sehen nun, dass die natür- liche Mischung des Gehölzes in den erwähnten 2 Hauptbestandtheilen aueh oben auf dem Bacsik dieselbe bleibt, jedoch nur mit dem Unter- schiede, dass hier (oben) die Rothbuche schon stärker vertreten ist. Abies pectn. bleibt also prävalent. Die letzten Bäume auf dem Berge Bacsik , also die am Gipfel stehenden sind : mehr Buchenbcsland, untermischt auch mit Quercus peduneulata, und ganz oben auf dem Gipfel neben den vorhängenden Felswänden des allen Szittnya gesellen sich noch einige Sorbus aucuparia bei. Der Gipfel des Bacsik , die Ebene eines abgestutzten Kegels, hängt mit der Gebirgsmasse des Szittnya zusammen, und ist mit einer Grasdecke überzogen, worin, als an dem Schlüsse theil- nehmend, Hi/pnum-Avlen und aus deren weichem Polster emporge- wachsene Vaccinium Myrtillus zu erkennen möglich waren. Wir gingen von dieser kleinen Hochebene auf die Kuppe des vielfach zer- bröckeilen und zerklüfteten Szillnya. Gleich bei den Treppen fanden wir die schon einmal erwähnten AUiiitn ßavum wieder. Sie sitzen mit Hypnum und Vaccinium Myrtillus auf der kühlen Felswand, und scheinen auf dem ganzen Berge einzig und allein auf diese, sowie auf die schroffen Wände des unweit von hier liegenden Einsturzes ge- wiesen zusein. Auf dem Gipfel des Szittnya angelangt, sehen wir, dass deren Rücken durch eine bemerkbare Wölbung und schiefe Ab- iiachung gegen Osten, auch in der Pflanzendecke verschieden ist. Neugierig bückte ich mich nieder, um letztere einer näheren Betrach- tung zu unterziehen, wurde aber durch einen plötzlich dahergeeilten Regen vertrieben, und musste mich mit einer oberflächlichen Durch- suchung begnügen. Dazu noch wird die Pflanzendecke dieses Gebirgs- rückens regelmässig als Wiese benutzt und ist auch diessmal erst vor Kurzem abgemäht worden. Daher bestand auch mein ganzer Fund aus lauter Invaliden , und ich notirle nur: Genista tinctoria, Viola tricolor parciflora, jedoch mit iy»'" breiten Blüthen (Uebergang in die Form /?.). Cnicus acauUs^ Vaccinium Myrt. weniger, und endlich zum theilweisen Ersatz des schlechten Erfolges eines durch den Regen verhinderten weiteren Suchens fand ich eine Crucifere in mehreren reife Schoten neben Blüthen tragenden Exemplaren, deren grundständige Blätter bu ch tig-fied erspaltig, länglich verkehrt eiförmig, langgestielt, von zahlreichen dichten Gabelhaaren, rauh und dunkel graugrün, während die noch kleineren Oberblälter lanz.-lineal und sammt dem obersten Theile des Stengels dem Traubenstiele kahl, letzterer sogar glänzend, sind. Von den eingelegten 4 Exemplaren behielten 2 ihre natürliche milchweisse Farbe auch getrocknet, während die andern ins Bläuliche übergingen. Auch Tfiesium lino- phyllum a. minus sah ich hier an einer Stelle, und nachdem mir durch die sich um uns verdichteten Wolken, welche sich schon zu entladen begannen, auch der Genuss der Fernsicht geraubt war, eilte ich mit meiner halbleeren Büchse schnell nach Sz. Antal zurück und 160 fuhr noch denselben Abend ab. Mit Bedauern überblickte ich jenen bereits geschilderten Gebirgszug, der sich von Sz. Antal gegen Ne- methi lierunler zieht, dessen dicht belaubte schroffe Wände ausser der Aninulh, die sie dieser Gegend verleihen, gewiss auch zahlreiche Naturschätze bergen. Hier sind es insbesondere die sich zwischen Nemethy und Teplicska befindlichen Schlupfwinkel der jungfräulichen Natur, die eine interessante Ausbeule zu versprechen scheinen. Der 21. August d. J. — einer jener Tage, die ich nach meiner Rückreise von Sz. Antal in Visk gefeiert — war es, wo mir durch die Güte des Herrn Forstmeisters Anton Fischer möglich wurde, während meiner Heimfahrt einen kleinen Abstecher in die benach- barte Eipelthaler Gebirgskette zu machen. Der Berührungspunkt war Peröcseny, ein Dorf, IVa M. südlich von Ipoly-Sagh, in einem tiefen Thale an dem westlichen Fusse der Kette und an einer Aus- ästung derselben , nach welcher auch die ganze Kette benannt wird. Wir kamen um 11 Uhr Vormittag an, und eilten allsogleich in Beglei- tung des Herrn Oberförsters Strobl, bei dem wir einkehrten, auf das Gebirge. Dieses besitzt hier oberhalb des Dorfes eine flache Aus- salllung, aus deren Mitte sich kegelförmig die Kuppe des nur circa 900' hohen Vöros-Märom erhebt. Ueber die niedrige , den Kegel des Yörös-Märom gleichsam tragende Vorgebirgsreihe quer gestiegen, führte uns der Weg zu der südlichen Abdachung des Vörös-Märom, wo zwischen dieser und dem gegenüber knapp anliegenden Satlel- kamme eine Thalfurche mit einem Wasserrisse in der Mitte hinzieht. Die hier anlehnende Seile des Vörös-Marom bedeckt ein felsiger Ab- sturz, während den gegenüberliegenden Sattelkamm dichter Eichen- wald krönt, von wo aus uns eine erfrischendekühle Luft empfing. Ueberblicken wir die sich vor uns der Länge nach hinziehende Thal- furche, so sehen wir diese mit einem Walde von Kräutern be- wachsen , die durch überwiegenden Hochwuchs keinen Schluss haben. Ohngefähr in der Mitte der Sohle an den Rändern des seichten, früiier zwischen seinen Felsstücken eine langsam hinschlei- chende Quelle ableitenden Wasserrisses ist eine üppige Pflanzenfülle, gleichsam ein Wall wahrzunehmen; nicht so ist es aber mit den übrigen Bewohnern der Thalsohle. Diese scheinen eine bessere Ver- gangenheit zu betrauern und erliegen nun einem Kampfe , den sie, beraubt ihres Schutzes des sich noch vor Kurzem bis hierher aus- dehnenden nahen Waldes, mit dem eindringenden Erigeron canadensis aufnehmen müssen. Ueber das ganze Kräutermeer stehen einzelne Dornbusche und belassene hohe Samenbäume zerstreut, von welchen mir eine hierher verirrte Rothbuche durch ausserordentlich viele und durchgehends gesunde Früchte auffiel. Sehen wir uns jedoch die Pflanzenwell näher an, so begrüsst uns alsbald an dem Rande des den Saltelkamm dieses ganzen Theiles krönenden Eichen- (^Quercus sessilißora^ Waldes die Campanula persicifolia und rapunculoides, die ihr gesichertes Forl- kommen dem theil weisen Schulze des Waldes verdankend, sich hier angesiedelt haben. Hie und da gesellt sich zu ihnen ein Melamp yrum 101 barbatum , das jedoch schon zu den Kampfesflüchtigen gehört. Vom Waldrande einwärts führt uns ein schmaler Fussweg durch die Sohle der Thalfurche auf die gegenüberliegende Lehne des Vörös-Märom und es begegnete mir gleich von dem Waldrande einwärts: Epilobium montanum, hier gemein, mit paltistre. Einige Schrille nur weiter überraschte mich Atropa Belladonna in Exemplaren von niedlich niedrigem bis mannshohem Wüchse, die ich hier in einer Menge bei- sammen getroffen, in welcher ich sie noch nie gesehen. Eine andere unsern We% berandende Pflanze war Mentha artensis a. genuina, die uns bis auf die Südlehne des Vörös-Marom begleitete. Hier an- gekommen sehen wir die Bergwand mit einer Unzahl von rothen Felsentrümmern bedeckt, die aus dem Verbände mit ihresgleichen gerissen, nun die steile Bergwand — dachziegelförmig über einander liegend — lose bedecken. Es ist ein Hornblendeporphyr. Machen wir einen Schritt vom Fusswege einwärts in dieses Steinmeer und über- blicken wir es, so fällt uns schon von der Ferne ein aus allen Trüm- nierklüften sich sparrig erhebendes rothes Gewächs auf. Es ist das Geranium Robertianum, dessen flach ausgebreitete, sehr grosse buschige Stöcke mit ihren feinen einfachen Wurzeln nur sehr lose in dem spärlichen feuchtwarmen Moder der Gesteinfugen sitzen, so dass sie ungemein leicht herausgehoben werden können. Denkt man sich nun zwischen diesen 2 — 3' langen platten Blöcken zerstreut stehende bogige Brombeerranken und Rosensträucher, die überdiess noch von Potygonum dumetorum vielfach umwunden sind, und zwischen diesen Dianihus Armeria in grosser Zahl, dann Viola tricolor, Mentha ar- vensis^ üriganum vulgare, Tanacetum corymbosum, Erythraea Cen- taurium, nebst Cirsium cannm, Carduus acanthoides-, Urtica dioica, Convoiculus sepium und das Regiment des gem. Berufkrautes als Gefolge — so ist das Augenfällige der Farbenmischung der Decke dargestellt. Weiter bergauf suchte ich nach der hier vermeintlich vorkommenden Arnica montana, jedoch vergebens, und kam auf den Rücken des Vörös-Marom, wo ich eine Pflanzendecke mit schon we- nigerem Gestrüpp, und von den niederen Kräutern folgende in Blülhe antraf: sehr schöne grossköpfige Exemplare von Trifolium rubens, Betonica ofßcinalis, Serratula tinctoria — alle drei ziemlich ver- treten, dann fand ich noch auf tiem Lücken Solidago Virga aurea, Coronilla montana und auf dem Saume der Westwand üppige Exemplare der Digitalis ambigua. Nach einer kurzen Viertelstunde, während der wir von hier aus das Granthal besahen, begaben wir uns nach Hause, und ich benutzte die Zeit auf unserem Rückwege zur Revision meiner Skizze, wo ich am Westfliisse des Vörös-Marom noch die Mentha Pulegium und über die Baumwelt Folgendes nach- trug: Der Wald besteht aus Quercus sessiliflora, und scheint solche auf der ganzen Südwestseite der niedrigen Vorgebirgsreihe vorzu- herrschen, Avährend auf der viel höheren östlichen und südöstlichen Reihe Fagus sylvatica am meisten vertreten ist. Auch die Quercus Cerris sah ich gleich über Peröcseny einen kleinen Wald bilden, IG2 •tülein sie bleibt doch unterg-eordnet. Erwälinenswerlh sind auch die Juniperus communis, die icli an den Waldrändern hie und da gesehen. Diess der Erfolg eines einslündigen Aufenthaltes auf dem Vörös- Märom. Mehr konnte ich in dieser beschränkten Zeit unmöglich thun, als dass ich mir nur jene Pflanzen, die mir öfters und in grösserer Masse begegneten und somit zu den Hauptpartien des Vegetations- bildes gehörten, notirle. Jedoch beseelt mich der Wunsch, von nun an diesem Gebirge mehrere Besuche abstatten zu können , um auch durch etwaige Erforschung seiner vegetabilischen Schätze zur Ver- vollständigung des eben skizzirten Vegetationsbildes beizutragen. Zeliz in Ungarn, im Jänner 1865. Heinrich Schott. Schott, der am 5. März d. J. in Schönbrunn unter Pflanzen und Blumen entschlief, war auch unter Pflanzen und Blumen ge- boren und schon um seine Wiege schlang die Natur ihre frischen grünen Gewinde, an denen sie ihn dann durch sein ganzes Leben festhielt. Heinrich Schott kam in Brunn am 7. Jänner 1794 zur Welt und wuchs dort im gräflich Mi t tro wsky'schen Garten, welchen sein Vater als Gärtner pflegte, mitten unter seltenen und schönblühenden Gewächsen zum Knaben heran. Die Eindrücke, welche er hier empfing, wurden mächtig angeregt, als sein Vater später den Universitätsgarlen in Wien zur Pflege erhielt und den lernbegierigen Schüler plötzlich der Reichthum der Gärten, Her- barien und Bibliotheken der Kaiserstadt umgab, Männer wie die beiden Ja c quin und berühmte Botaniker, durch die Sammlungen und Aufzeichnungen des Vaters angezogen, ihm belehrend und anregend entgegenkamen. Einen besonders tiefen und nachhaltigen Eindruck aber machte die Anwesenheit Humboldt's auf den eben schwer erkrankten Heinrich, und der freundliche Zuspruch des gefeierten Mannes wirkte nicht bloss anregend und ermuthigend auf die weiteren Bestrebungen, sondern selbst physisch heilend auf die ermattete Lebenskraft des Jünglings. Nachdem er in Wien seine Studien in der Naturkunde und den verwandten Fächern beendigt hatte, diente er während der Jahre 1809 bis 1813 im k. k. Universitätsgarten als Gehülfe seines Vaters. Im letztgenannten Jahre wurde er zum Assistenten seines Vaters und 1815 zum k. k. Gärtner in dem Garten der „Flora austriaca" im oberen Belvedere ernannt. In dieser Eigenschaft wurde er im Jahre 1817 der von Kaiser Franz I. zur Erforschung Brasiliens bestimmten naturhistorischen 163 Expedition beigegeben und blieb dort bis 1821, in \vekliem Jahre er über Portugal, England und Frankreich nach Wien zurückkehrte. Seiner unermüdlichen Ausdauer gelang es, in verhällnissniässig kurzer und mannigfach beschränkter Zeit, im fortwährenden Kampfe mit dem ungewohnten Klima eine eben so reichhaltige als werth- volle Sammlung naturhistorischer Gegenstände zu schaffen. Die grossartige Ausbeute, die er nach Wien sendete, bestand in 76 Kisten mit lebenden Pflanzen, einem Herbarium UMt 1449 Spe- cies in 6078 Exemplaren, 773 Species Sämereien, 79 verschiedenen Holzmustern und 24 verschiedenen Pflanzen und Früchten in Wein- geist. Die Pflanzen und Sämereien wurden für die kaiserlichen Hofgärten, das Herbarium für das damals abgesondert bestehende brasilische Museum bestimmt. Einige Monate nach seiner Rückkehr aus Brasilien wurde er zum Hofgärtnersadjunkten bei dem damaligen k. k. Hofgärten- und Menageriedirektor Boos, und im Jahre 1828 zum k. k. Hofgärlner ernannt. Im Jahre 1827 war ihm nämlich die Umgestaltung der Anlagen des holländisch-botanischen Hofgartens (jetzt HofpflanzengartenJ aufgetragen worden und er löste diese Aufgabe mit solchem Erfolge, dass ihm jetzt auch die nöthigen Mittel gewährt wurden, um anstatt der alten, theils baufällig , theils unausreichend gewordenen nach seinem Plane neue Glashäuser zu erbauen, wie das Gedeihen der weltberühmten Pflanzensammlung zu Schönbrunn sie erheischte. Diese Bauten wurden kurz vor seiner im August 1845 erfolgten Er- nennung zum k. k. Hofgärten- und Menageriedirector vollendet und erwarben ihm neue Beweise der Anerkennung. Durch die im Winter 1848 auf 1849 begonnene und im letzteren Jahre zu Ende geführte Anlage des oberen Theiles des Hofpflanzengartens, des sogenannten „neuen Grundes", wurde die Umgestaltung dieses Hofgarlens ab- geschlossen. Die Alpenflora hatte Schott anfangs auf seine Kosten be- gründet, erhielt aber dann von hoher Seite die Geldmittel zur Fortsetzung derselben, und auf solche Weise erwuchs sie zu einer Sammlung, die wohl nirgends ihresgleichen findet. Unter Schott's Oberleitung wurde im Jahre 1852 auch die Umgestaltung des gegen das Kaiserhaus gelegenen Theiles des grossen Lustgartens zu Schonbrunn in eine englische Anlage voll- endet, ferner die Herstellung des grossen Parterre, der sogenannten lichten Allee, der das Colonnadegebäude umgebenden Anlagen. Seiner Oberleitung war ausserdem auch der k. k. Garten der „Flora austriaca'' im oberen Belvedere anvertraut. Als ihm derselbe im Jahre 1840 nach dem Ableben des Freiherrn v. Jacqin übergeben wurde, war sein erstes Augenmerk darauf gerichtet , diesen Garten ebenfalls zeilgemäss umzugestalten, und zu seiner Freude wurde er in die Lage gesetzt, diese Umgestaltung sowohl im Grunde, als in der Verlheilung der Gewächse mit Berücksichtigung des ihrer Specialität zukommenden Standortes vorzunehmen. 164 Schot t's Thätigkelt beschränkte sich während seiner lang-jäli- rigen Dienstleistung nicht allein auf die praktische Hortikullur, sondern er wirkte auch als kritischer Schriftsteller im Fache der Bo- tanik. Seine verschiedenen Abhandlungen, Avelche er bei seinen vielfältigen Amisgeschäften nur mit Benützung der Nachtstunden zu Stande bringen konnte, erschienen theils als selbstständige Werke, theils wurden solche in verschiedenen Zeitschriften des In- und Aus- landes abgedruckt. Seine literarischen Arbeiten verschafften ihm nicht nur bedeu- tende, für die ilim anvertrauten Anstallen vortheilhafte Verbindungen, sondern sie erwarben ihm auch einen weit verbreiteten Ruf, so dass mehrere seiner Fachgenossen ihm ihre Werke widmeten oder neu- beslimmle Pflanzen nach ihm benannten. Zugleich machten seine ausgebreiteten Verbindungen es ihm möglich, in vierzig Jahren eine aus 1282 gemallen und 2000 gezeichneten, zusammen aus 3282 Ab- bildungen in Foliotafeln bestehende Sammlung von Aroideenformen zu schaffen und 105 Genera und i 138 Species zu uniersuchen und zu bearbeiten. Die Kosten der Herstellung dieser Tafeln, die er in auf- opferndem Eifer für die Wissenschaft sich auferlegte, betrugen über 16.000 fl. In Verbindung mit seinen Sammlungen stand die Herausgabe zweier Prachtwerke. Das eine derselben, von welchem jedoch wegen Mangels an Unterstützung nur zwei Lieferungen (Wien 1834) erschie- nen, sollte die Abbildungen und die Beschreibung sämmllicher Farren- kräuter enihalten. Das zweite, über die Aroideen, erschien 1853 bis 1859 auf Kosten des Verfassers, doch belohnte der Erfolg auch hier nicht die Mühen und Opfer, welche Schott darauf verwendet halle. Wollten ihm in dieser Beziehung keine materiellen Vortheile erwachsen, so ging er doch nicht leer an verdienten Ehren und Aus- zeichnungen aus, die ihn in seinen rastlosen Bestrebungen wohl- thuend ermiinlerlen. Im Jänner 1848 wurde er zum correspondirenden Mitgliede der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, im August 1857 zum Mitgliede der kaiserlich Leopold-Karolinischen Akademie der Naturforscher rait dem Namen Velozo ernannt; im April 1858 sendete ihm die Universität Jena das Ehrendiplom eines Doktors der Philosophie. Nebstdem ernannten ihn zahlreiche naturwissenschaft- liche Vereine des In- und Auslandes zu ihrem wirklichen oderE'iren- mitgliede. Se. Majestät der Kaiser verlieh ihm im J. 1856 das Ritter- kreuz des Franz Josef-Ordens, zu welchem im Mai 1859 die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft und im April 1864 der k. mexi- kanische Guadeloupeorden sich gesellten. Sein Wirken, dass den Herrlichkeiten der Natur gewidmet war und diese nicht bloss in Schrift und Wort, sondern in anziehend lebendiger Form zum Verständniss zu bringen wusste, grünet und blüht in dem, was er geschaffen, fort; die liebliche Pflanzenwelt, die er hinterlas sen, nennt seinen Namen. 165 Personalnotizen. — Professor Alexander Braun in Berlin wurde von der Akademie der Wissenschaften in Paris zu ihrem ausw. Mitgliede für die botanische Sektion an die Stelle des verst. Blume gewählt. — Die kais. L. C. Akademie deutscher Naturlorscher hat zu Älit- gliedern ernannt, die Botaniker: John Jos. Bennet, Direktor des botan. Museums in London, mit den Beinamen Rumphius; Dr. Georg Engelmann in St. Louis (Delius^ ; Dr. Joh. Hanstein, Professor in Bonn (Moldenhawer); Dr. Peter Karting, Professor in Utrecht (Dioscorides); Dr. Ferd. v. Herder, Konservator des botan. Gartens in St. Petersburg (Georg Forst erj; Dr. Herrn. Fr. v. Le onhardi, Prof. in Prag (Pythagoras); Dr. Ernst Nolte, Prof. in Kiel (Weber); Ant. Spring, Prof. in Lüttich (Heraclides}; Dr. de Vry in Java (Berzelius). — Andreas Zlik, Pfarrer in Teschen, der in früheren Jahren in Steiermark und Schlesien eifrig botanisirte, ist am 29. März ge- storben. — Dr. Ph. H. Zöllner, Adjunkt am botanischen Garten zu München, ist als Professor der pharmaceutischen Chemie und Pharma- cognosie an die Universität zu Erlangen berufen worden. — C. 0. Bulnheim, Schuldirektor in Leipzig, starb am 26. März nach einer mehrvvochentlichen schweren Krankheit. — Dr. Jacob Volhard, Privatdocent an der Universität Mün- chen erhielt die Stelle eines Adjunkten am physiologischen Institute des botanischen Gartens zu München. — Friedrich Kokeil, k. k. Beamter in Klagenfurt, starb 63 Jahre alt, am 21. März. Seine Sammlungen vermachte er dem natur- historischen Verein in Klagenfurt. Vereine, Gesellschaften, Anstalten. — In der Sitzung der zool.-bot anischen Gesellschaft am 6. April zeigt Dr. H.W. Reichardt aus den für das wissenschaft- liche Werk der Novara-Reise zu bearbeitenden Pilzen die aus Rio Janeiro mitgebrachte Cora pavonia Fries vor, und weist anatomisch nach, dass dieses Gebilde zu den Flechten und nicht zu den Pilzen gehöre. — Dr. A. Pokorny Iheilt mit, dass der Schneepilz Lanosa nivea im verflossenen März im hiesigen Stadtpark häufig vorgekom- men sei, bespricht dessen Wachsthumsverhältnisse, seinen bedroh- lichen Einfluss auf die Grasnarbe, und dass er wahrscheinlich die Ur- sache des sogen. Auswinterns des Getreides sei, das er gänzlich zer- störe. — Der Vorsitzende Dr. Th. Kotschy gibt Nachricht von dem in Afrika reisenden Botaniker, Dr. Schweiufurth, der eine Schil- 166 derung seiner Besteig-img des Dschebel Tiur in der Gebirgskette des Ke^seir einsendete. X. — In einer Versammlung der Sohlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur, botanische Sektion, den 9. Februar zu Breslau, sprach Dr. Rosen thal über papierliefernde Pflanzen. Er wies nach, wie die Menge des alljährlich erzeugten Flachses in keinem Verhältniss zu dem 0"anti"i' des gebrauchten Papiers stände, und dass alle leinenen Lumpen mit Inbegrifl' der baumwollenen, die mit jenen zusammen verarbeitet werden, nicht im Stande sind, den jährlichen Bedarf an Papier zu decken. Daher einerseits das Steigen des Preises; noch im Beginn dieses Jahres z. B. sei in Amerika der Preis der sänuntlichen zahllosen Zeitungen um 20% erhöht worden, wegen Auf- schlagen des Rohmaterials, andererseits die eifrigen Bemühungen, Substitute für das letztere in genügender Menge und zu adäquatem Preise zu beschalfen, zwei Bedingungen, die ein fabrikmässiges loh- nendes und Konkurrenz machendes Verarbeiten lediglich ermöglich- ten. Die Billigkeit aber könne dadurch erzielt werden, dass das Roh- material in möglichster Nähe zu haben sei, weil hohe Transportkosten die Fabrikation natürlich vertheuerten. Aus den zahlreichen vom Vortragenden für die letztere geeigneten Pflanzen erwähnen wir hier nur der wichtigsten, die bereits eine ausgedehnte Verwendung finden. Hierher gehören zunächst einige Gräser und zwar das Espartogras, Lygeum Spartum, das in Spanien und Nordafrika ungemein häufig, und wegen seines reichen Faserstüflgehalts, 73, 5, sich leicht und ohne Zusatz verarbeiten lässt. Es biliiet bereits einen bedeutenden Han- delsartikel (1862 wurden 240.000 Ctr. nach England eingelührl), und sollen die grossen Londoner Zeitungen auf Espartopapier gedruckt sein. Wichtiger noch ist der Mais oder türkische Weizen, Zea Mays, dessen Kolbenblätter gleichfalls reichlich Faserstoff" enthalten. Die- selben wurden bereits seit einigen Jahren in der kais. Fabrik zu Schlögelmühle zu sehr gutem Papier verarbeitet, nur erschwerten die hohen Erzeugungskosten die Konkurrenz mit dem Lumpenpapier. Da wurde die folgenreiche Entdeckung gemacht, dass sich der gewon- nene Faserstülf gleich dem Flachs trefflich verweben lasse, wodurch also nur die billigen Abfälle zur Papierfabrikation bleiben, wozu spä- terhin die Lumpen aus den gewonnenen Geweben kommen werden, so dass die ganze Fabrikation einen Umschwung erleiden muss, und für eine grossarlige Industrie der Grundstein gelegt ward. Auch hat sich bereits eine grosse Aktiengesellschaft gebildet, die eine grosse Herr- schaft in Ungarn angekauft hat, um daselbst eine grosse Fabrik anzu- legen. Für Norddeutschland aber ist eine Einbürgerung dieser Indu- strie nicht zu erwarten. Dass das Siroh unserer Getreidearten in der Papierfabrikation vielfach benutzt wird, ist eine bekannte Thatsache. Das Strohpapier ist, wenn es auch gebraucht werden kann, zu brüchig, doch eignet es sich vortrefflich zu Packpapier und Pappen. Neuer- dings wird in Deutschland und Frankreich aus Stroh ein vortreffliches Schreib- und Druckpapier hergestellt. In Mexiko geben die Fasern der Agavearten (^A. americana, filamentosa, filifera etc.) vortreffli- 167 ches Papier, das daselbst allgemein benutzt wird, während in Algier die dort in unendlicher Menge vorkommende Zwergpalme, Cliamae- rops humilis^ die rosshaarälinliche Fasern (vegetabilisches Pferde- haar) enthält und bisher nur als lästiges Unkraut betrachtet ward, gleichfalls sehr gutes Papier liefert, auf welchem der in Algier er- scheinende „Akbar" gedruckt wird, was für Oesterreich der Mais, für Spanien das Esparto, das sind für uns die Nadelhölzer, zumal un- sere herrlichen Tannen und Fichten, deren Holz mit Lumpen ver- mischt ein gutes Papier liefert, und zu diesem Zweck auch bereits in mehreren Fabriken verarbeitet wird. Einige der in Breslau erschei- nenden Zeitungen sind auf diesem Papiere gedruckt. Die Wichtigkeit dieser Anwendungsweise liegt auf der Hand, da das Material jederzeit in genügender Menge und am Orte zu haben ist. Das Verzeichniss der zahlreichen übrigen genannten Pflanzen wird anderswo vollständig veröffentlicht werden. Papierfabrikant Bock knüpfte an diesen V^or- trag interessante Mittheilungen über die Fabrikation desHolzpapieres. R. V. Uechtri tz bespricht neue und seltene Pflanzen der schlesi- schen Flora und legt Exemplare derselben vor, welche er dem Her- barium der Gesellschaft zum Geschenk macht; insbesondere als neue Arten: Thlaspi alpestre L. (bei Löwenberg von Limprecht gefun- den), Galium Wirtgeni F. Schultz (Krietern , Junger), Alnus autumnalis Hart ig (Obernigk, v. ü echtritz), Carex Ohmülleriana 0. P. Lang (do.). Neue Formen: Erysimum cheiranthoides ß denta- Gallonen schönen weissen Syrups; der Process ist so einfach, dass er sich mit den gewöhnlichen Utensilien in einer Pächtersküche ausführen lässt. Eine Newyorker Geseilschaft soll die Erfindung bereits für die Summe von 400. OÜO Dollars anijekauft haben, um ohne Verzug diese Zucker- bereitung im grossartigen Massstabe zu betreiben. — Mahonia üicifolia. Dieser Strauch ist ungefähr vor 30 Jahren nach Europa gekommen und wird jetzt als Zierstrauch in den Gärten gezogen. In Frankreich findet man ihn namentlich auf den Eisenbahn-Stationen. Er trägt kleine Trauben, die denen des VVeinstockes ähnlich sind. Die Beeren nehmen eine violette Farbe an, die bis zur völligen Reife — im August oder Septem- ber — immer dunkler wird. Dieselben haben einen süssen und zugleich sauren Geschmack. 1862 stellte Boutin mit dem sehr dunkel purpurgefärbten Saft dieser Beeren Versuclie an und fand, dass derselbe sehr bald in die weinige Gährung überging. Nach acht Tagen zeigte der Saft einen starken weinigen Geruch. Verschiedene Destillationen ergaben , dass darin 7 Percent Alkohol enthallen waren. 1863 wurden die Versuche wiederholt, und hier betrug der Alkoholgehalt, T'/^ Percent. Die gewöhnlichen französischen Weissweine be- sitzen keinen grösseren Alkoholgehalt. 1864 enthielt der gegohrene Saft 8 Percent Alkohol, woraus hervorgeht, dass auch hier wie bei den Weintrauben der Zuckergehalt in trockenen und warmen Sommern grösser ist. Ira letzteren Jahre operirte Boutin mit grösseren Massen, so dass er einige Litres Alkohol erhielt. Dieser war im Geruch und der Feinheit dem Alkohol aus Wein gleich. Aus 100 Pfund Trauben erhielt er 85 Pfund gegohreneu Saft und hieraus 3'7 Litres Weingeist von 36 Percent. — Interessante Resultate liefert die Vergleichung der Vegetation in"2bestimmter Höhe über den Meeresspiegel unter verschiedenen Breitegraden. Sie zeigt eine auffallende Aehnlichkeit, und ihre Unterschie le beruhen nur auf der sehr verschiedenen Wärmevertheilung. Auf einer Bergspitze in Frankreich oder der Schweiz haben die Sonnenstrahlen eine reine, dünne Luftschichte zu durchbrechen, und wirken daher mächtig auf den Boden , den sie in holiem Grade erwärmen; während unter einem Breitengrade, wie jener von Spitzbergen ist, die dichte Luft einen grossen Theil der Sonnenwärine auffängt. Es wird daher nicht überraschen, dass Karl Martins auf de. n höchsten Gipfel des Faul- hornes 131 Phanerogamen fand, während man auf der ganzen Inselgruppe von Spitzbergen ihrer nur 93 entdecken konnte. — Aus der zu grossen Annäherung der Gasleitungen an dieBaum- reiiion entstehen Nachtheile für deren Vegetation, welche die grossen und nützlichen Anlagen derselben paralysiren. Den Beleg hiefür liefern Daten, die wir einem Vortrage Girardin's ii der Societe imperiale de soiences zu Lille entnelmien. In den letzten Monaten des Jahres 18ö9 bemerkte man, dass die schönen Pappeln an der Strasse von Lille nach Courtray in rapider Weise ab- starben. In kurzer Zeit gingen 16 der schönsten Bäume ein. Die Röhrenleitung des Ga^es lag 2—4 Fuss entfernt auf der rechten Seite der Baumreihen. Sie bestand aus thöncrnen, mit Erdpech überzogenen Röhren, deren Verbindung 171 unter sich völlig unversehrt und an denen keine Spur einer Gasentweichung zu bemerken war. Es wurden aber zwei Erdproben, die eine von der rech- ten Seite aus der Nähe eines kränkelnden Baumes, die andere von der linke n Seite gegenüber einem in voller Vegetationskraft stehenden Baume entnommen und einer chemischen Analyse unterworfen. Die letztere Probe zeigte nun bei der Untersuchung völlig das Aussehen und alle Eigenschaften einer normalen Erde , während die erstere Substanzen, die sich für gewöhnlich nicht in der Erde finden , nämlich brenzliche ölige Substanzen, Schwefel und Ammoniak- salze in sehr markirten Verhältnissen enthielt. Das Vorhandensein dieser Sub- stanzen znigt in evidenter Weise, dass die Erde der ersteren Probe vollständig von Leuchtgas durchdrungen war, dessen Leitung in einer Entfernung von 3 Fuss am betreffenden Baumkörper vorüberging. Nun vernichten aber Amraoniakgas, Schwefelwasserstoff und vor Allem die empyreumatischen Oele, weiche das Leuchtgas auch bei der möglichst reinen Darstellung enthält, selbst in schwachen Dosen die Vejietation und führen das Absterben der Wurzeln und anderer Organe herbei. Es ist daher das Zu^rundegehen der Pappeln, die auf der rechten Seile der Strasse von Lille nach Couriray in der Nähe der Gasleitung stehen, allein nur den Ausströmungen des Leuchtgases zuzuschreiben. Schon 1842 wies Neumann nach, dass aus demselben Grunde eine grosse Anzahl Rüstern am Boulevard de l'Hopilal verkümmerte. 1846 und 1851 konstatirte G irardin das Gleiche officiell zu Ronen an einer grossen Anzahl Bäume auf den Boulevards Canchoise und Bouvreul. Die [{Öhrenleitungen in Paris und Ronen waren von Gusseisen. Noch leichter finden bei Ti)onröhren Ausströmungen statt. Daher soll man überhaupt die Röhren- leitungen in der Mitte der Strasse und so tief es angeht anlegen , damit der Zwi- schenraum zwischen ihnen und den Bäumen so gross als möglich werde. Man ist zuweilen nicht abgeneigt gewesen, das Absterben der Bäume in der Nähe von Gasleitungen dem zu grossen Lichtreize zuzuschreiben ; dass dem nicht so ist, beweist der Bericht Girardin's. Correspondenz der Redaktion. Herrn A. M. in N. „Wird mit Dank benützt." — Herrn G. in G. „Er- halten." — Herrn V. d. L. und Dr. A. et E. „Wird mit Dank benützt." Inserat. RalDenliorst's l)otaiLisc]ie "Werke! Bei Eduard Kummer in Leipzig sind von Dr. L. Rabenhorst fol- gende Werke erschienen und durch jede Buchhandlung zur Ansicht zu beziehen: Flora europaea algarum aquae dulcis et submarinae. Sectio l. Algas diatomaceas complectens. Cum figuris generum omnium xylographice im- pressis. gr. 8. 1864. Preis 2 Thlr. C3^ Sectio IL erscheint in einigen Wochen. Kryptogamen- Flora von Sachsen, der Ober-Lausitz, Tiiüringen und Nordböhmen mit Berücksichtigung der benachbarten Länder. Erste Abtheilung. Algen im weitesten Sinne, Leber- und Laub- moose. Mit über 200 Illustrationen , sämmtliche Algengattungen bildlich darstellend. 8. geh. 1863. Preis 31/5 Thlr. Die Verlagshandlung iässt statt aller Anpreisung einige Stellen aus Ur- theilen der Presse über vorstehendes Werk hier folgen: 13 '■' 172 Botanische Zeitung von H. von Mohl und Dr. F. L. von Schlechtendal. 1863. Nr. 18. Unser schliessliches Urtheil über die ganze Arbeit ist, dass sie in jeder Be- ziehung gerechten Anforderungen entspricht, dein Anfanger, der sich nicht die un- erschwinglich theuern Werke von Kützing, Bruch und Schimper etc. anzu- schaffen Mittel zur Geniige hat, ein äusserst em pfehl enswer thes Hand- buch liefert, dem geübteren Kryptogamenforscher aber immerhin von grossem Nutzen sein kann und wird. Somit kann Ref(.^rent versichert sein, dass diese Ra benhorst'sche Flora, die sich auch durch einen civilen Preis empfiehlt, einen grossen Leser- und Besitzerkreis finden wird, da weder die in- noch die auslän- dische Literatur ein ähnliches praktisches und instruktives Werk in so gedrängter Form besitzt. Die Ausstattung in Bezug auf Papier, Druck und Illu- strationen stehe ich nicht an, vorzüglich zu nennen. Oesterreichische botanische Zeitschrift. 1863. Nr. 2. Sind auch die Grenzen — welche sich der verehrte Autor auf dem Titel- blatte steckt — ziemlich enge, so ist der die Algen betreffende Theil (wie Herr Dr. Rabenhorst selbst in der Vorrede bemerkt) bei der kosmopolitischen Natur dieser Pflanzen dessenungeachtet als eine Flora von Deutschland zu be- trachten, welche das meiste und bedeutendste Neue, welches seit 1850 entdeckt wurde, in sich fasst und so das Bestimmen dieser wechselvollen Gestalten unge- mein erleicliterl. üeberdiess sind sämmtliche Gattungen der Algen in recht gelungenen Holzschnitten abgebildet, so dass für den Anfänger jede Schwierigkeit beseitigt ist, sich in diesen Regionen zurecht zu finden. Bei den Leber- und Laubmoosen hingegen ist dur'^h zahlreiche analytische Schlüssel die Bestim- mung möglichst erleichtert und im Allgemeinen für Jene — denen das botani- sche Latein Schwierigkeiten machen sollte — dadurch vorgesorgt, dass die Diagnosen, möglichst bündig, in deutscher Sprache verfasst sind. Von den übrigen Vorzügen wollen wir nur einen hervorheben, den es mit wenigen seines Gleichen theilt: es ist praktisch im wahren Sinne des Wortes! Wir empfehlen es daher mit vollster Ueberzeugung von seinem Werthe allen deutschen Jüngern der Kryptogamenkunde, indem sie darin das neueste und beste Handbuch fin- den werden. Deutschland's Kryptogamen - Flora oder Handbuch zur Bestim- mung der kryplogamischen Gewächse Deutschland's, der Schweiz, des lombardisch- venetianischen Königreiches und Is trien's. 2 Bände und Synonymen-Register dazu. gr. 8. 1844 bis 1853. Preis 8 Thlr. 13 Ngr. Inhalt. I.Band: Pilze. 3 Thlr. 10 Ngr. — 2. Band: 1. Abth. Lichenen. 25 Ngr. 2. Abth. Algen. 1 Thlr. 10 Ngr. 3. Abth. Leber- und Laubmoose und Farren. 2 Thlr. 3 Ngr. Synonymen-Register dazu. 25 Ngr. Die Süsswasser-Diatomaceen (Bacillarien). Für Freunde der Mikroskopie bearbeitet. Mit 10 lithographisclien Tafeln, gr. 4. geb. 1853. Preis 2 Thlr. Beiträge zur näheren Kenntniss und Verbreitung der Algen. Heft L Mit 7 hthographischen Tafeln, gr. 4. 1863. Preis l'/a Thlr. Inhalt: Janisch und Rabenhorst, über Meeres-Diatomaceen von Hon- duras. — Hantsch, über einige Diatomaceen aus dem ostindischen Archipel. — Hermann, über die bei Neudaram aufgefundenen Arten des Genus Characium. P3^ Ein zweites Heft erscheint im Laufe des Jahres 1865. Redakteur und Herausgeber Dr. Alexander Skofitz. Verlag von C Cjerold. Druck von C. Ueberreuter. OesteiTeichische BOTANISCHE ZEITSCHRIFT. Gemeinnütziges Organ für i>ie Asterreiciiigciie Exemplare, botniiiscbe Zeltgcbrlft Rnioilll/ nnfl RAfnniLror die frei dnrck die Post be- erscheint OOltlUlli UU« DUmUlHer, zozen werden 3ollen,si..d den Ersten jeden Monats. blo» bei der Hedaktlon mus'flATur'oelriv! Gärtner, Oekononieü, Forsliuänner, Aerzle, ^'^it;r^':zi7i^n'^ (3 Thlr. 10 Ngr.) 1 .1 l J T I "l Im Wege des ganzjährig;, oder ADOineKer UDO leCDDlker. Buchhandels übernimmt mit 2 11. ea kr.Oest. \V. F Pränumeration halbjährig. C. Cerold's Sohn Inserate in Wien, die ganze Petitzeile IffO £% *" ^^'® ^^^ übrigen lOkr. Oest.W. J3I =' Ot Buchhandlungen. XV. Jahrgang. TOJi. Juni 1865. XMHAIaT: Pedicularis Vulpii. Von So Ims-Laubach. — Gj/wnadenio-Bastard. Von Dr. Ascher- son. — Alpecformen von Thalpflanzen. Von Val de Li^vre. — Zur Flora von Neusolil. Von Markus. Die europäischen Agrostis-kx\.e.i\. Von Janka. — Gute und schlecLte Arien. Von Dr. K e r n e r. — — Correspondenz. Von Holuby, Jan ka, Dr. Aschersou. — Vereine, Gesellschaften, Anstalten. — Botanischer Tauscliverein. — Mittheilungen. Pedicularis Vulpii So 1ms. Ein Bastard von fed. incarnata J a c q. und Ped. tuberosa L. Von Hermann Graf zu Solms-Laubach. Im vorigen Sommer erhielt ich durch die Güte des Herrn Vul- pius zu Müliheim i. B. ein mit den Eltern im Bernina - Heulhai gesammeltes Exemplar dieser ausgezeichneten Pflanze. Weiteres rei- ches Material sammelte Herr Kammergerichtspräsident von S tramp ff dahier, am 28. Juli 1864 an eben demselben Standort und überliess mir dasselbe freundlichst zur Untersuchung. Die stattliche über 5 Fuss hohe Pflanze übertrifft an Grösse bei weitem ihre Stammeltern und man könnte sie bei flüchtiger Betrachtung für eine riesige P. tu- berosa halten, wenn sie nicht von dieser durch die steifen gerade auf- rechten Stengel im Habitus so sehr abwiche. Der unterirdische Stengel der fraglichen Pflanze ist sehr ästig und trägt zahlreiche langge- stielte Blätter , die in Form und Zähnung insoferne ungefähr in der Mitte zwischen denen beider Stammarten stehen als sie stärker einge- schnitten und gezähnt sind, als die der P. incarnata, aber dagegen auch breitere Abschnitte und Zähne haben, als die von P. tuberosa. Es kommen indess auch Exemplare der typischen P. incarnata mit stärker gezähnten Blättern vor, die denen des vorliegenden Ba- stards sehr ähnlich sehen. Der Stengel unserer Pflanze ist ähnlich Oesterr. botan. Zeitschrift. 6. Heft. 1S65. 14 174 wie der der P. ineamata, bis zur liiflorescenz mit ziemlich grossen Blättern besetzt, die jedoch an Grösse nicht sostarli abnehmen, wie bei dieser. Die Inflorescenz ist gedrängt wie bei P. tuberosa, die unteren Bracteen sind den sitzenden Stengelblätlern an Gestalt und Grosse ähnlich, nach der Spitze hin nehmen sie an Grösse beträchtlich ab. In der Gestalt dieser Bracteen nun finde ich das sicherste Merkmal, welches unsere Pflanze als Bastard von P. tuberosa mit P. incarnata ausweist. Es finden sich nemlich hier die genauen Mittelformen zwischen der einfach Sspaltigen ganzrandigen Bractee von P. incarnata und der völlig laubblattartigen der P. tuberosa. An den unteren grossen Bracteen des Bastards, die im Aussehen denen der P. tuberosa sich nähern , findet diese Bildung ihren Ausdruck in der auffällig starken Längenentwicklung und der ge- ringen oft ganz fehlenden Zähnung der 2 — 4 untersten Fiedern, weiter nach oben im Blüthenstand tritt ihre Neigung zur einfa- chen 3Theilung deutlicher hervor, indem bei der gleichen mächti- gen Entwicklung und geringen Zahnbildung der untern Fiedern der einfach gefiederte Mitteliheil des Blattes immer mehr an Grösse ab- nimmt und vor den seitlichen Theilen zurücktritt. Es erhält durch die angedeutete Tendenz zur 3Theilung fast jede Bractee eine eigene häufig sehr unregelmässige und jedenfalls schwer zu beschreibende Form. Es kommen manchmal auch bei unzweifelhafter P. tuberosa Bracteen mit stärkerer Entwicklung der untersten Fiedern vor, die- selben sind aber dann nicht lineal und zahnlos, wie bei P. Fw/pii, son- dern keilförmig mit um so stärkerer Zähnung. Auch in Beziehung auf den Kelch hält P, Vulpü ungefähr die Mitte zwischen ihren Eltern. Derselbe ist nicht kahl wie he'i P. tuberosa, sondern ziemlich dicht mit weissen Haaren besetzt, jedoch bei weitem nicht so wollig wie bei P. incarnata, seine Abschnitte sind fast ganzrandig an der Spitze schwach gezähnt. Die Corolle ist gelb mit rothem Anflug. Die beiden längeren Stamina sind spärlich behaart. Die Diagnose würde demnach lauten wie folgt: Pedicutaris incarnata X tuberosa = P. Vulpii S o 1 m s. Caulis siibterraneus valde ramosus, Bracteae calycem supe- rantes decrescenti-pinnatae, pinnis 2 — 4 inßniis ceteris multo longio- ribus subintegris vel parce denticulatis. Calyx piiis longis albidis adspersus, laciniis apicem versus parvi dentatis Corolla flara colore roseo suffusa, staminibus longioribus parce pilosulis. Berlin, 15. März 1865. Nachschrift. Vorstehendes war bereits vor mehreren Wo- chen niedergeschrieben, als wir zufällig im 6. Jahresbericht der naturf. Gesellschaft Graubündens 1861, S. 242 unsere Pflanze bereits, freilich ohne Standort und Beschreibung, erwähnt fanden. Es geschah diess in einer Arbeit von Herrn Jean Muret, dem würdigen Nestor der Schweizer Botaniker, welchem die Flora der Alpen so viele in- teressante Bereicherungen (wir wollen hier nur an die ebenfalls in Graubünden von ihm entdeckten Prtm?*/a-Bastarde P. Muretiana :<, 175 Morilzi, Dinyana Lagger, latifolia X integrifolia erinnernj ver- dankt. Mit gewohnter Freundlichkeit gab uns derselbe auf unsere Anfrage über seinen Standort so ausführliche und interessante Mit- theiiungen, dass wir es uns nicht versagen wollen, dieselben hier in Uebersetzung folgen zu lassen. „Die er^te Nachricht über die Pedicularis tuberosa X incar- nnta erhielt ich von Herrn Vulpius, der mir ein im Val del Fein am 26. Juli 1853 gesamiiielles Exemplar miltheille. Seitdem habe ich sie selbst beim ßernina-Wirthshause und im Val del Fein, den 30. Juli 1853, den 16. August 1855 und den 1. August 1863 gesammelt. Das Bernina-Wirlhshaus liegt bekanntlich ganz isolirt an derHauptstrasse, welche von Samade nach Poschiavo führt, ungefähr eine Lieue unter- halb der Passhühe nach Norden zu; gegenüber dem Wirlhshause, westlich der Strasse befindet sich eine grosse Wiese, welche gemäht wird und durch Mauern von den Weiden getrennt wird. Auf dieser Wiese wachsen sehr zahlreich Pedicularis recutita, incarnata und auch, obwohl seltener, P. atrorubens Schi. Oben auf der Wiese und auf den angrenzenden Weiden, besonders nach Norden und Westen, trifft man dieselben Pedicularis-Arien, nebst P. tuberosa und P. tu- berosaX incarnata, letztere indess sehr sparsam an. Das Val del Fein (Heulhalj beginnt5 Minuten oberhalb des Wirthshauses, und ist eben- falls durch die Ueppigkeit seiner Vegetation, wie durch die Seltenheit seiner Arten, deren man die schönsten Exemplare antrifft, ausge- zeichnet; ein bequemer Weg führt an demselben entlang. Va Lieue vom Wirlhshaus fangen die Pedicularis an. P. recutita, incarnata und tuberosa sind häufig, atrorubens Qincarnata X recutita^ selten, in- carnata X tuberosa für einen Bastard ziemlich zahlreich. Wenn man das Thal aufwärts verfolgt, findet man die Pedicularis auf der Strecke einer Lieue nicht überall, aber fast auf allen kleinen Anhöhen. Sie blühen alle fast gleichzeitig, nur P. recutita etwas früher als die an- deren; alle mindestens 10 Tage früher beim Wirthshause als im Val del Fein, was sich durch die Verschiedenheit der Höhe und Exposition der beiden Standorte erklärt; das Wirthshaus hat eine Meereshöhe von 2049 M., die Mitte des Val del Fein von 2400 M. Vor 7 oder 8 Jahren sagte mir Herr Delasoye, Kanonikus auf dem St. Bernhard, dass er auf der Montagne la Baux, nahe dem berühmten Kloster eine sehr merkwürdige Pedicularis nur in einem Rasen gefunden habe; in seiner Beschreibung glaubte ich die P. incarnata X tuberosa zu er- kennen, und war über das Vorkommen dieses Bastardes am gedach- ten Standorte, wo beide Eltern häufig sind, keineswegs überrascht." 2. Mai 1865. 14 176 Beschreibang eines 6r|/iiifia