''V A ." **. f\ -y > //^ Der Naturwissenschaftler Allgemein yerslänfllick Wocliensclirift für sämüiclie Gebiete der Naturwissensckflen später: JaturwissenschaftlicheWochenschriff' ERSTER BAND (Oktober 1887 bis März 1888) ^-^t-^SrH""-^^ BERLIN. Verlag von Riemann & Möller. I n h a St;ite Allgemeines und Verschiedenes. Dessau, Edison's neueste Ertindiuig 113 Pütz, Die Wirkung der Farben in der Photographie 185 Pohlig, Ur. H.. üeber Klima, Boden u. Pflanzenwelt in Persien 23, 31, 38 46, 56 Potonie, H., Die Geschichte der Darwin'schen Tlieorie . . . 181, 189 Potüuie, W., Die deutschen Sprecli- laute 201 ßedeut, Dr. Ernst, Ueber den jetzigen Standpunkt der coeles- tiächen Pliotograpliie 16 V i r c h w , Ueber den Transformismus 109 117, 125, 133 Aus Elsass-Lothringen 83 Filz-Eiweissplatten zur Befestigung zoologiscli anatomischer Präparate 186 Kilnstliche Seide 210 Preisaufgabe 85 Spraclie und Sprachorgaue .... 194 Zoologie. Brelim, Dr. Reinhold, Raubvögel- Brutstätten in Central-Spanien 13, 21 29, 37, 45 — Raubvögel-Brutstätten in Central- Spauien 11 112, 119, 127, 135 Hiller, Ueber Polyphylla fullo L., eineiiVerwandten unseres Maikäfers 169 Kennel, Professor Dr. J. v., Ueber Umfang u. Hilfsmittel der Zoologie 53 61, 69, 77, 85 Kolbe, H. J., Das Tierleben in den nördlichen Polarländern .... 206 — Eine neue europäische Wildziege 157 Jlelsheimer, Zur Naturgeschichte des Erdsalamanders . . , .93, 102 Absterben der jungen Hühnchen zu verhindern 154 Alpenläniniergeier 210 Aquariumtischchen, Ein dankbares . 98 Bedeutung der Eberesclje (Sorbus aucuparia) zum Zweck des \'ogel- schntzes 130 Begattung des Erdsalamanders . . 138 Bewegungen der Seesterne .... 129 Brieftaube, Zur üeschichte der . . 202 Bürger der Fauna, Ein bisher noch nicht beobachteter 18 Eingeweidewürmer der Hummel . . 90 Elternliebe 1 eim Ulm 154 Entwicklungsgescliichte der Aale . 129 Forscliungen, Biologische, über die niedere Tierwelt 58 Instinkt der Hühner 163 Kaiseradler in Deutschland . . . 194 Katzen, Scliwanzlose 33 Kertag 26 Kiefernfeind, Ein neuer 58 Miesmusclieln, Giftige 183 Jlittel zur Beseitigung der Kaninchen- plage in Australien 194 MoUuskenfauna d. atlantischen Inseln 18 Molluskenfauna des Riesen gebü'ges 9 Reblaus, Die, (Phylloxera vastatrix) in Sachsen 138 Its-Vepzeic Seite Reilierstand, Der Listruper . . . 186 Rindenlaus .... 74 Schmetterlinge, Singende .... 107 Schnabelbildung, Abnorme, d. Staares 90 Seidenschmetterlinge, Die wilden, und ilii'e technische Bedeutung ... 65 Sinnesorgan, Ein neues, bei LameUi- branchiern 66 Sperchon glandulosus Zach. 114, 147 Stran galia quadrifasciata, Abart VdU 146, 1 78 Triton palmatus im Harz .... 49 Verwandter des Essigälchens, Ein, in den Gärungsprodukten der Eichen- rinde. Von Professor Dr. F. Ludwig 9 Botanik. Cracau, Ein neuer Beweis für Intus- susception 103 Grönland, Dr. J., Ueber üeisch- verdauende Pflanzen .... 6, 14 Kienitz-Gerloff, Ein neuer Bei- trag zur Fleclitenfrage .... 87 — Ein pttanzenphysiologisches Pro- blem 158, 167, 173 Kny, L., Die Ameisen im Dienste des Gartenbaues 197 Lindemutli, H., Ueber eine bo- tanisch interessante Birnensorte . 205 Ludwig, Ueber den Wii'ts Wechsel der Rostpilze 121 üchsenius,Dr C, Aristo telia Maqui aus Chile 71 Assimilation und Sauerstoifabgabe . 122 Anzahl der rheinischen Flora fremder Pflanzen in Kreuznach .... 82 Bacillus, Ueber einen leuclitenden . 202 Befruchtung, Eine eigentümliche, bei üphrys araclinites Host ... 138 Braudiiilze, Neue Uuteisucliungen über 193 Chiuaalkaloi'de, Der Sitz der ... 82 Fleischverdauende Pflanzen ... 42 Flora der Insel San Mayen ... 9 Fülhing der Blumen 90 Futterpflanze, Eine neue .... 194 Hopfen, Russischer 123 Inhaltsstoff, Ein neuer, in den pflanz- lichen Zellen 98 Krugblume, Die, Sarracenia purpurea in Thüringen 23 Leuchtmoos (Schisttistega osmundacea) 146 Lokalisation, Ueber die, der Alkaloide in den Pflanzen 114 Luft'a-Schwäuinie und ihre \'erwen- dung 170 Methode, Eine neue, niedere Algeu- pilze aus dem Wasser zu isolieren 130 Mimuhis luteus L 122 Neuseeländer Pflanzen 49 Pttanzeuleben u. Pflanzenatmung 141, 149 Reizstoff in den Haaren der Brenn- nessel 146 Sonnenblumen, Beobaclitung au . . 98 Süsswasserrtoridee, Eine neue ... 90 Teakbaum 74 Verbreitung der Zirbelkiefer in den bayrischen Voralpeu 15 Wie sind die Ranken der Cucur- bitaceen zu deuten? 138 h n i s. Seite Wurzeln als Atmungsorgane ... 58 Wurzelsymbiose der Ericaceen. Von Professor Dr. Ludwig 34 Mineralogie und Geologie. Schenck, Die geologisclien Schichten Südafrikas und das Vorkommen des Goldes in denselben 176 Abtragimg von Gesteinsmassen. Die Mitwirkung von Rauhreif u. Glatteis bei derselben 202 Diamanten- und Goldproduktion, Süd- afrikanische, im Jahre 1886 . . 16 Erdbeben 170 Goldhigerstätten in Brasilien ... 74 Jura-Zeit, Die Erde zur 27 Laubanit, ein neuer Zeolitli ... 9 Mannit, Die Bildung von .... 98 Petroleum in Venezuela 146 Quecksilber in Mexiko 107 Scliwefelvorkommen bei Truskawiec 114 Spuren vormaliger Gletscher auf der Südseite der Holien Tatra . . . 162 Topase, Sublimirte, im lYachyt der Anden 26 Tropfsteinhöhle, Die, bei Warstein . 81 Untersuchungen Sandberger's über Erzlagerstätten 154 Zerstörung der Gesteine 49 Zinkblende vom Fuchsberge bei Striegau 58 Palaeontologie. Bernsteinttchte 9 Flora der nordamerikanischen La- ramieschicliten 58 Paludina diluviana Kunth ist nicht ausgestorben! 162 Petrefakt, Ein verkanntes, (Tylo- deudron) .... 162 Scliifi'sbohrwurm , Ein fossiler, mit Palette ly4 Physik. Dessau, Dr. B., Eine neue Kraft . 64 Jordan, Das Trägheitsgesetz . . 184 Blitzableiter, Eine Verbesserung der 83 Element, Ein neues galvanisches . 90 Erscheinung, Eine auffallende ... 74 Fliessen fester Körper 186 Grubenlampe, Elektrische .... 146 Konstantes Element, galvanisches . 74 \'ielkörperproblem 186 Astronomie. Alb recht, Die totale Mondfinster- nis am 28. Januar 1888 .... 143 Alter der Sterne 170 Arbeiten und Entdeckungen, Asti'o- nomische .... 146, 154, 162, 210 Astronomisches 19 Bestimmung der mittleren Dichtig- keit der Erde 43 Dauer der Sonne 154 Meteorit, Der Aachener 18 Meteorit von Angra dos Reis ... 27 Nachrichten, Astronomische . . . 195 Planet! Ein neuer 178 Ungleichheit, Die jährliche, des Son- nen-Durchmessers 42 :] s s I :] Seite Urania 170 Woclienkaleuder, Astronomischer 34, 43, 50, 59, 67, 75, 83, 91, 99, 107, 115, 123, 131, 138, 147, 155, 163, 171, 178, 186, 195,203, 210 Meteorologie. Boyseu, L., Die Atmospliäre und die Erscheinung'en in derselben 25, 39, 57, 63, 70, 79, 88, 94, 104 Dessau, Lenisti-öm's Nordlicht-For- schungen 128 Jordan, Beziehung zwischen Luft- druck und Temperatiu' .... 192 Einäuss, Der, des iMondes auf das Wetter 115 Hagelkoni, das eine Steinmasse ent- hielt i;i8 Luftdruck und Tenipei'iitur . . . . 177 Sauerstoffgelialt der atmosphärischen Luft, lieber die Schwankiuigen im 98 Sturmgang, Der, über die Erde in den Jahren 1886—1887 ... .80 Wetterprognose, Eine phänologische 130 Chemie. Kreusler, llauerfrass und Jlauer- salpeter 97 Worms, Chemische Ausblicke . . 150 Antimonsalze, Nene 209 Bleichmittel, Ein neues, besonders gerühmtes für organische Stoffe . 66 Bellit, ein neuer Sprengstoff ... 74 Darstellungsweise, Eine neue, des Natriums 186 Einwirkung des Sonnenlichts auf Kohlensäure 74 Fabrikation von Sauerstoff' im grossen 1 78 Glycine, lieber die 1.30 Hopeiu 91 Holzstoffreagens, Ein neues ... 99 Reagens, Ein mikroskopisch-chemisches auf Zinn 91 GeograpMe. Aus Afrika 34 Aus Chile 26 Neu-Guinea 58 Pechuel-Loesche contra Stanley . , 34 Sevanga-See 75 Timbuktu 34 Hygiene und Verwandtes. Goliuer, l'eber Nahrungsstoffe und Nahruugsmittel 136 Alkoholische Gärung der Milch . . 122 Anilinfarbstoft'e im Wein .... 138 Antibakterion 107 Arzneimittel, Diu-ch die synthetische Chemie gewonnene neue .... 210 Assimilation der Kohlenhydrate, Zur Kenntnis der täglichen .... 130 Atmungsgiftes, In Sachen des . . . 210 Blasenziehende Käfer, Zwei neue Alten 99 Desinfektion der Wände 89 Fleischmilchsäure bei der normalen Fleischverdauung 155 Gefahren des Tabaki-auchens ... 66 Höhenschwindels, Eine neue Erklä- rung des 96 Kefyr 50 Kreolin, Ein neues Desinfektions- mittel 83 Sf^ite Nutzlosigkeit der bei Choleraepide- mien üblichen Chlorräucherungen 146 Produkt der Atmung des Menschen und der Säugetiere ist giftig! . . 178 Saffransurrogat 130 Unschädlichkeit des Saccharins bei fortgesetztem Gebrauch für den Menschen 42 \'erbreitung des Albinismus ... 82 Vergleich des Fischüeisches mit Rind- fleisch 14() Wägungeu von Kindern und Hunden 130 Wirkung des Papain und Pepsin liil Schule und Unterricht. Engelhardt, Heber einen Uebel- stand im Naturgeschichtsunterricht an unseren höheren Schulen . . 105 Gerland. E., Eine neue Wage für Unterrichtszwecke 200 Oppermann, E., üeber den ge- samten naturwissenschaftlichen Un- terricht inhii)iei!en.Mädehenschulen 47 Volger, Dr. G H. Otto, Die Pflege der Naturkimde in ihrer Bedeutung für das Gemeinwolil und für das Glück eines jeden Menschen . . 1 Anschauungsmittel für den geogra- phischen l'nterricjit 170 Mikroskop in der Familie .... 73 Schulreform, Ein erster Schritt zur praktischen Lösung der .... 16.") Kongresse und Vereinswesen. Anthropologen-Kongress, Der XVIIL, zu Nürnberg 7 Association fran(;aise pour Favan- cement des sciences 210 Geselisciiaft, Die deutsche ostafrika- nische ... 43 Kümatologische Sektion der Natur- forscher-Versammlung zu Wies- baden 43 Versammlung der deutschen Geolo- gischen Geselisciiaft 1887 zu Bonn .32 Die LX. Versammlung deutscher Na- turforscher und Aerzte .... 40 Personalien. Aufruf zur Erriclituii.g eines Denk- mals für Eichler 170 Astronom Joseph Baxendell f . . 131 A. von Groddeck -j- 9 Prof. Dr. Gustav Robert KircLhoff 7 49 L. G. de Koninck f !•' Vom deutschen Reisenden Dr. H. Meyer 43 Dr. 0. Meyer 66 Personalnachrichten . . 163, 171, 178 Fragen und Antworten. Abfallen der Nadeln bei Nadelhölzern im Herbarium 163 Abnorme Verdickung am Stamm eines Baumes 66 Barometerstand 195 Bismarckspende 51 Lichtmühle 203 Mauerfrass 27 Ozonometer . . 115 Präparieren der Pilze für Sammlungen 1 47 Rose von Jericho 178 Seite Radiometer 203 Eousseau's Herbarium 187 Unterscheidiuig des Geschlechts bei Insekteu und Schlangen .... 51 Xanthoarsenit 10 Litteratur und Bibliographie. Baade, Ziu- Reform des Naturge- schichts-Unterrichts in der \'olks- schule 83 Bendt, F., Grundzüge der physika- lischen Geographie ...... 187 Bau, Handbuch für Schmetterlings- Saramler 91 Bonn, Die Strukturformehi . . 51 B r c k h a u s' Konversations-Lexikon 35 Crakau, Gift und Gegengift ... 99 Eyferth, Die einfachsten Lebens- formen des Tier- und Pflanzenreichs 44 Fauna von Surinan resp. Guaiana . 211 Fischer, Winke für Naturalieu- sammler 68 G u i 1 1 e m in, ■ Die ■ physikalisclieH- - Kräfte 179 Günt he r,Handbucluler Ichthyologie 123 Der Käfersammler 131 Kiessling & Pfalz, .Methodisches Handbuch füj- den Unterricht in der Naturgescliichte an \'olks- und iiöhereu Mädchenschulen .... 139 — \Viederholungsbuch der Naturge- schichte für gegliederte Volks- und höhere Mädchenschulen .... 139 Kobelt, Prudromus Fauiiae Mollus- corum 75 Le))sins, Geologie von Deutschland und den angrenzenden Gebieten . 35 Lorscheid, Lehrbuch der anorga- nischen Chemie mit einem kurzen Gruiidriss der Mineralogie . . . 1.S7 Medicus, Illustriertes Käferbudi . 195 — Schmetterlingsbucli ..... 163 — Unsere essbaren Schwämme . . 163 Meiser & Mertig, Galvanisciie Elektricität n. Influenzelelektiicität 108 Mohn, CTrundzüge der Meteorologie 19 Pflüger, Kurzsichtigkeit imd Er- ziehung 203 Piltz, Aufgaben und Fragen für Naturbeobachtung des Schülers in der Heimat 115 Potonie, Illustrierte Flora . . . 171 Pütz, Grundzüge der Kartographie für Natiu'- und Wanderfreunde . 179 Studer, Die wichtigsten Speisepilze 155 Traube, Die Minerale Schlesiens . 211 Urbanitzky, Die Elektricität des Himmels und der Erde .... 195 Weiss, Bilder-Atlas der Sternenwelt 59 Willibald, Die Nester imd Eier der in Deutschland und den angrenzen- den Ländern brütenden Vögel . . 10 Wolter, Kui-zes Repetitorium der Zoologie 10 Zop f , Der naturwissenschaftliche Ge- samtunterricht auf preussischen Gymnasien beiderlei Art .... 147 BibliograpMe 10, 19, 27, 35, 44, 51, 59, 68, 75, 83, 91, 99, 108, 116, 124, 131, 139, 147, 155, 164, 171, 179, 187, 195, 211. (^ Der Naturwissenschaftler. Allgemein verständliclie Wochensclirift für sänitliche Grebiete der Naturwissenscliafteu. Abonn ementspreis : Bei den Postanstalten und Buch- handlungen vierteljährlich ^IC 2. — ; Bringegeld bei der Post 1 5 -4 extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition JC 2,40. Kedaktion: Dr. Carl Riemann. \ erlag von Riemann & Möller, Berlin S. W. 48. Friedrich-Strasse 226. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 .4. Grössere Auftr.Sge entsprechenden Rabatt. Beilagen oit. 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 2. Oktober 1887. No. 1. Der Abdruck der Originalartikel ist nnr mit Geneliniigang der Terlagshandinng gestattet. Inhalt: An unsere Les-er! — Dr. G. W. ütfo Volfier: Die Pflege der Naturkunde in iiu-er Bedeutung für das Gemeinwohl und für das Glück eines jeden Meus.hen. — Dr. J. Grönland: Ueber tleischverdauende PUanzeu. — Der XVIII. Anthropologeu-Kongress in Nürnberg. — Kleinere Mitteilungen: Prof. br. Ludwig: Ein Verwandter des Essigälcbens in den Gärungsprodukten der Eichenrinde. Zur Molluskenfauna des Kiesengebirges. Die Flora der Insel San Mayen. Die Berusteinfichte. Laubanit, ein neuer Zeolith. A. von Groddeek f. — Fragelcasten. — Litteratur: Dr. E Willibald: Die Nester und Eier der in üeutschlaud und den angrenzenden Ländern brütenden Vögel. Dr. M. Wolter: Kurzes Repetitoriun» der Zoologie. — Bibliographie. — Inserate. An unsere Leser! Xiis erscheint vielleicht als ein gewagtes Beginnen, die Zahl der bestehenden naturwissenschaftlichen Zeitschriften durch eine neue zu vergrössern, doch sind die Ziele und Aufgaben, welche sich der Herausgeber und die Verlagshandlung gestellt haben, von denjenigen der bereits bestehenden so verschieden, dass sie glauben, auf eine recht günstige Aufnahme ihres Unternehmens in den Kreisen der naturwissenschaftlich gebildeten Welt rechnen zu dürfen. Es liegt uns fern, dem sich von Tag zu Tag breiter machenden Dilettantismus Vorschub leisten zu wollen. Unser Zweck ist, echte naturwissenschaftliche Kenntnisse einem grösseren Leserkreise zugäng- lich zu machen. Besonders sind es die Kreise der Lehrer, welche mit der Erteilung des naturwissen- schaftlichen LTnterrichts an den verschiedensten Lehranstalten betraut sind, für welche unsere Wochen- schrift bestimmt ist. Der naturwissenschaftliche Unterricht ist das Stiefkind an den meisten unserer heutigen Schulen und die HelDung desselben ist es vorzüglich, was wir bezwecken. Hierzu ist es aber vor allen Dingen notwendig, dass dem Lehrer selbst möglichst schnell die mit Riesenschritten fortschreitenden Errungenschaften der Naturforschung in einer allgemein verständlichen Form zugänglich gemacht werden. Diese finden sich in sehr vielen Fachzeitschriften zerstreut, deren Durchsicht für den einzelnen zu zeitraubend, andererseits aber auch nur den allerwenigsten vergönnt ist, weil diese ihres hohen Preises wegen nur von sehr gut dotirten Schulen oder reichen Privatleuten gehalten werden können. Sie gehen also für die Mehrzahl der Menschen verloren. Diesem Uebelstande will der „Naturwissenschaftler" dadurch abhelfen, dass er die in den Fach- zeitschriften zerstreuten Resultate der Naturforschung sammelt und in einer allgemein verständlichen und klaren Sprache den Lehrern und allen Freunden der Natur zugänglich macht. Ferner will er dadurch für die Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse wirken, dass er in jeder Nummer selbständige Originalaufsätze aus allen Gebieten der Naturwissenschaften bringt. Von Zeit zu Zeit werden von bewährter Hand grössere Aufsätze erscheinen, welche die Fortschritte besprechen sollen, die irgend eine Disciplin in einem bestimmten Zeitabschnitt gemacht hat, und werden wir diese Aufsätze so einrichten, dass jede Disciplin im Laufe eines Jahres je nach Bedürfnis ein bis zweimal besprochen w'ird. Besondere Pflege werden wir dem naturwissenschaftlichen Unterricht angedeihen lassen und alles das einer eingehenden Besprechung unterziehen, was dazu dient, diesen zu heben und eine An- schauung der naturwissenschaftlichen Errungenschaften im Schulunterricht zu vermitteln. Auch die Grenzen und Ziele des naturwissenschaftlichen Unterrichts sollen besprochen werden, überhaupt alle brennenden Tagesfragen in dieser Hinsicht die eingehendste Berücksichtigung finden. Dies kann natürlich nur dann geschehen, wenn wir der Unterstützung unserer verehrten Leser gewiss sind, und wir unterlassen es nicht, diese hierdurch recht herzhch um eine solche zu bitten. Einer kritischen Erörterung aller in unser Gebiet einschlagenden Fragen werden wir unsere Spalten nicht verschliessen, vorausgesetzt, dass dieselbe rein sachlich gehalten und soweit thunlich so geschrieben ist, dass sie jeder auch nur mit Elementarkennt- nissen Vertraute verstehen kann. Natürlich werden wir es nicht unterlassen, unsern Lesern die Anwendung der ]-".rrungensihaften Der Naturwissenschaftler. No. 1. der Naturforschung auf das häusliche Leben, auf Handel und Verkehr, Industrie u. s. w. mög-lichst eingehend zu schildern, um dadurch den wahren Wert der Naturforschung recht deutlich vor Augen zu führen. Unter der Rubrik: „Kleinere Mitteilungen" bringen wir unsern Lesern Berichte über interessante Naturerscheinungen, Mitteilungen über geplante oder im Gange begriffene wissenschaftliche Unternehmungen, über neue Entdeckungen, Personalnachrichten etc. etc. In einer „Bücherschau" werden wir über alle in unser Gebiet einschlagenden litterarischen Erscheinungen kurze sachliche Referate bringen und dabei ganz besonderen Wert auf die Besprechung ■neu erscheinender naturwissenschaftlicher Lehrbücher legen. Die Einrichtung eines „Fragekastens" wird vielen unserer Leser eine willkommene Zugabe sein. Es sollen hier alle eingehenden Fragen, soweit sie ein allgemeines Interesse haben, eine fachmännische Beantwortung finden. Fragen von mehr persönlichem Interesse werden ebenfalls soweit als möglich brieflich ihre Erledigung finden, Ihre Mitwirkung bei unserm Unternehmen haben bis jetzt zugesagt: Herr Dr. Ackermann in Kassel; Herr Professor Dr. Albrecht in Memel; Herr Professor Dr. Bail in Danzig; Herr Dr. C. Baenitz in Königsberg i. Pr.; Herr L. Boysen in Rendsburg; Herr Professor Dr. D. Brauns in Halle; Herr Dr. Re In- hold Brehm in Madrid; Herr Dr. Breslauer in Berlin; Herr Professor Dr. Ludwig Büchner in Darmstadt; Herr Professor Dr. C. O. C e c h in Agram ; Herr Dr. Friedrich Da hl in Kiel ; Herr Oberlehrer Hermann Engelhardt in Neustadt-Dresden; Herr Dr. O. Finsch in Bremen; Herr Dr. E. Francke in Breslau; Herr Professor Ur. Frank in Berlin; Herr Dr. E. Gerland in Kassel; Herr i'rivatdozent Dr. med. et iihil. H. Griesbach in Basel; Herr Dr. J. Grönland in Dahme; Herr Dr. Geyler in Frankfurt a. Main; Herr Dr. L. Heuser in Frankfurt a. .Main; Herr Dr. AdolfHof in I-iibben ; Herr Dr. G. Holzmüller in Hagen i. W.; Herr Professor Dr. G. Jaeger in Stuttgart; Herr Dr Ottomar Emil Imhof in Zürich; Herr Professor Dr. J. V. Kennel in Dorpat; Herr Ür. F. Kienitz-Gerloff in Weilburg; Herr Dr. F. 'W. Klatt in Hamburg-Eimsbüttel; Herr Privatdozent Dr. L. Klein in Freiburg i. B. ; Herr Dr. 'Wilhelm Koch in Behrenwalde bei Richtenberg; Herr Privaldozent Dr. G. Kohl in Marburg; Herr Professor Dr. Leimbach in Arnstadt, Thüringen; Herr Ober- lehrer Dr. E. Lö-w in Berlin; Herr Professor Dr. Ludwig in Greiz; Herr Konsul Dr. Carl Ochsenius in Marburg; Herr Dr. Theodor Petersen in Frankfurt a. Main; Herr Privatdozent Dr. Pohlig in Bonn; Herr Professor Dr. Carl Prantl in Aschaffenburg; Herr Professor Dr. Anton Rehmann inLemberg; Herr Dr. Julius Scheiner in Potsdam; Herr Dr. V. Schlegel in Hagen i. \V.; Herr Direktor Dr. Paul Schreiber in Chemnitz; Herr Professor Dr. Schubert in Hamburg; Herr Professor Dr. Senft in Eisenach; Herr Professor Dr. C. Taschenberg in Halle; Herr Dr. G. H. Otto Volger gen. Sencken- berg, Meister des „Freien Deutschen Hochstiftes" in Frankfurt a. M.; Herr Dr. Otto Zacharias in Hirschberg i. Schi.; Herr Schul-Inspektor Dr. Zwick in Berlin. Mit Rücksicht darauf, dass wir auch den weniger Bemittelten das Lesen einer naturwissenschaftlichen Zeitschrift ermöglichen wollen, haben wir den Abonnementspreis auf nur Mark 2. — vierteljährlich festgesetzt und hoffen hierdurch, auch dem im entlegensten Bergdorfe wohnenden, von aller Welt abgeschnittenen Lehrer die Möglichkeit zu bieten, sich an den regen Arbeiten der naturwissenschaftlichen Welt zu beteiligen und durch Verwertung des ihm Gebotenen beim Unterrichte wesentlich zur Hebung und Vervollkommnung des Volkes beizutragen. Und so sehen wir der Zukunft getrost entgegen; die Ziele, welche wir uns gesteckt, sind, wenn auch sehr hohe, doch derartige, dass wir sie erreichen können, und dann kann uns die Unterstützung der natur- wissenschaftlich gebildeten Welt nicht fehlen. Dr. Carl Rieraaim Riemann & M()ller Redakteur. Verlagshandlung. Die Pflege der Naturkunde in ihrer Bedentung für das Gemeinwohl und für das Glück eines jeden Menschen. Von Dr. ü. H. Otto Volger in Frankfurt a. M. Es giebt in unseren Lebensverhältnissen nicht wenige, welche, weil sie herköniiiilich und gewohnlieitsuiiissig ge- worden sind, von uns als selbstverständliche hingenonnnen und weitergetragen werden, obwolil sie weit davon ent- fernt sind, angemessen und wünschenswert zu sein. Wenn man darüber nachdenkt, wie sehr der Mensch als Glied der zwischen ewigem Werden und Vergehen schweben- den Erscheinungswelt, welche wir als N atur zu bezeichnen pflegen, mit dieser selbst verbunden ist, so muss man als- bald erstaunen über die in Wirklichkeit zwischen Mensch und Natur stattfindende Entfremdung. Anstatt dass wir uns ganz und voll bewusst sein sollten, in und mit der Natur zu leben, anstatt dass wir, als nach der ersten Notwendig- keit, nach der Kenntnis der gesamten Natur streben sollten, stellen wir die Naturkunde als einen Wissens- kreis den übrigen Wissenschaften gleich, mit welchen der eine sich aus Beruf beschäftigt, der andere nicht. Wir vergessen, dass die Naturkunde unser nächstes und allgemeinstes Geistesbedürfnis sein sollte, zu welchem jeder Mensch als solcher den gleichen Beruf in sich trägt. Es ist eine den Fortschritt der Gesamtheit bedingende Aufgabe, zum klaren Bewusstsein dieses Bedürfnisses zu gelangen. Aber bevor eine solche Einsicht zum Gemein- gute werden kann, ist es erforderlich, dass zunächst eine weit allgemeinere Pflege der Naturkunde Platz greife; denn durch diese erst werden immer weitere Kreise mit dem Bewusstsein der alle anderen Wissenschaften weit überragenden Bedeutung verständnisinnigen Zusammen- lebens mit der Natur erfüllt werden. Die Frage nach der Bedeutung der Pflege der Natur- kunde für das Gemeinwohl lässt sich für den Ein- geweihten in aller Kürze in trefl:ender Weise erledigen. Jedes Gemeinwesen will und soll seinem Zwecke gemäss gedeihen. Die Bedingung des Gedeihens ist eine den in ihm vereinigten Kräften entsprechende Entwicklung. Da- zu bedarf es der Teilnahme an allem Wissen, dessen das No. 1. Der Naturwissenschaftler. Zeitalter sich erfreut: denn auf dieser Teilnahme beruht der eigene Anteil an der gemeinsamen Bildung. Ein- seitige Bildung ist keine Bildung. Also darf die Natur- kunde nicht fehlen. Nun ist aber vollends die ^^'it•htilr- keit der Naturwissenschaften für unser Zeitalter eine so überwiegende, dass man letzteres mit Ixecht als das naturwissenschaftliche Zeitalter bezeichnet hat, und die Blüte dieses Zeitalters beruht eben auf der hohen Stufe, zu welcher in der Gegenwart die Naturwissenschaften bereits emporgestiegen sind. Die Frücl.te der Natur- kiuide sind es, welche wir in den Einriclitungen unseres gesamten Lebens geniessen. Ohne Kenntnis können die- selben dem Gemeinwesen nicht gewonnen Mcrden. Aber ungescheut mag man auch die Behauptung wagen, dass ohne Anteil an naturwissensch: ftlicher Bildung heutiges- tags niemand sich zu den eigentlich Gebildeten rechnen darf, ja, dass in dem Masse, als der einzelne in den Naturwissenschaften zurückgeblieben ist, seine Gesamt- bildung als eine unvollständige erscheint. Eine möglichst grosse Zahl vollgültig und hoch gebildeter Mitglieder zu besitzen ist die Bedingung des Gedeihens der ganzen Ge- meinde. Also sind Veranstaltungen zur Pfletre der Natur- künde nützlich und notwendig — aber nicht bloss iu dem- selben Masse, wie für die Pflege aller anderen Wissen- schaften, sondei-n in J\ücksicht auf die Geschichte iniserer Gesamtbiklung und ihrer eigentündichcn Anforderungen in ganz vorzüglichem Verhältnisse! Der geschichtliche Gang der Entwicklung imserer Bildung hat es riiit sich gebracht, dass die Naturkunde jahrhiuidertelang und bis auf die neueste Zeit wesentlich hinter anderen Wissenszweigen zurückgeblieben war. VVolil ist xuis bekannt, dass schon im frühen Altertume die Naturkunde gepflegt wurde. Bei den „ältesten" Völkern finden wir S])uren eines tiefen, wie es uns scheinen will, urspri'ingliclien und unmittelbaren Erfassens der Natur, welches man wohl als eine „Urweisheit" des Menschengeschlechts hat bezei<'hnen wollen. Das sei dahin gestellt. Bei den Aegyptern hatte die Natur- kunde nach sicheren Zeugnissen einen hohen Grad der Ausbildung erreicht. \"on ihnen ging dieselbe ülier auf die Griechen, welche unter den X'ölkein Euro]jas die ersten Träger edlerer Bildung waren. Dort umfasste in einem Geiste das gesamte Wissen seiner Zeit der Jjehrer Alexanders des Grossen, Aristoteles, welcher bis auf unsere Tage einen ebenbürtigen Nachfolger — selbst unsern Alexander von Humboldt nicht aus- genommen — noch keineswegs gefunden hat. In der Zeit aber, wo die Lehre des Christentums in die Welt trat, lebte die Menschheit in einseitiger Erdenseligkeit versunken, und das AN'erk der Erh'isnng musste sein ganzes Streben dahin richten, die Blicke de Menschen vom Irdischen abzuwenden und dem Bestän- digen, Ewigen, welches i'ilier die irdische Vergänglidi- keit hinaus seine Bedeutung bewahrt, zuzulenken. So erklärt sich die vom Stand [lunkte des Sch("ipfiuigsglaubens nicht ohne weiteres zu b(>greifendc Thatsache, dass das Christentum und die christliche Bildung über ein -lahr- tausend die Naturkunde in tiefen Schatten stellte und vorwiegende Pflege denjenigen Wissenszweigen zuwandte, welche dienen konnten, um die L(^hre des Heils von Volk zu Volk zu vermitteln, und welche man als die wahrhaft menschenwürdigen, ja menschlichen, als die „humanen'' Wissenschaften zu bezeichnen liebte. Die Geschichte der Menschheit, ihres Abfalles von dem reinen Dienste des Ewigen, ihrer Erl(')suug ans der Nacht der Verirrung, die Kunde der Sprachen, durch deren Ver- mittlung die heilige Lehre sich von Völkern zu Völkern mitteilte, kurz, die Grupj)e der geschichtlich-sprachlichen Wissenschaften galt einzig als erstrebenswert in den Augen der Sendboten und Lehrer des Christentums, welche lange als die alleinigen Träger und Pfleger der Bildung bei den bekehrten Heidenvölkern Europas er- schienen. Durch den Gegensatz, welcher das Keich dieser irdischen Welt dem Bösen zusprach, fiel sogar ein Schatten der ^'erwerflichkeit auf die Beschäftigung mit der Natur. Das Bemühen, in das Wesen ihrer Kräfte und Wir- kungen einz\idringen, erschien als eine Gefährdung des zu erstrebenden Heils, wurde für sündhaft erklärt und verfiel im späteren Mittelalter abergläubischer Ver- dächtigiuig und beklagenswertem Wahne. W ir können uns kaum mehr vorstellen, wie wenig im Laufe des gesamten sogenannten Mittelalters die Er- scheinungen der Natur des Blickes der Menschen ge- würdigt wurden. Der harmlose Genuss, welcher uns in Feld und Wald, in Thälerii und auf Bergen so hoch ent- zückt, war für eine lauge Reihe von Menschengeschlechtern nicht vorhanden. Alle Lebewesen nicht als Schicksals- genossen und Mitberechtigte, sondern als Feinde zu be- trachten, weh^he getötet werden müssen — diese An- schauung war eine allgemeine geworden uiul dermassen in die (xewohnheit der Menschen übergegangen, dass sie noch heute iu bedauerlichster Weise sich geltend macht. Folgt nicht unsere Jugend in erschreckender Roheit noch inuuei- d(>m wüsten Triebe, alles Lel)endige ohnr Bedacht und ohne Sinn zu töten?*) Es war wohl nur die Unentbehrlichkeit der zur Berechnung der heiligen Feste notwendigen Himmelskunde und das Verlangen nach ^Milderung leiblichen Siechtumes durch die schon in früher Vorzeit geiirtegte Heilkunde, wodtueh unsere Voi- fahren übei' das Bedürfnis der geistlichen Lehre hinaus zur Beschäftigung mit den Schriften der (relehrten des Altertums zurückgeführt wurden. Wohl gewannen nun auch die Schriften eines Aristoteles neue Bedeutung und neues Ansehen; doch wurde die Welt noch jahrhunderte- lang ihres Inhaltes nicht froh über den sprachlichen Schwie- rigkeiten und den daraus sich ergebenden Missverständ- nissen, unter wek'hen die X'erbreitung ihrer Kenntnis stattfinden musste. Lernten doch die Vöilker des Abend- landes und insbesondere unsere \'orfahren die Weisheit des Aristoteles keineswegs sofort in ihrer ursprüng- lichen griechischen Sprache keimen, sondern in mehrfach übeitragener und durch die wiederholte Uebertragung ins Hebräische, Syrische und Arabische und eist aus '■') Leider beschränkt sich diese aus mittelalterlicher Finsternis entsprungene Roheit noch lange nicht einmal auf die unverständigo Jugend und die an Bildungsniangel ihr gleichstehenden Schichten der Bevölkerung. Noch giebt es sogar viele Gebildete, welche es dulden und selbst befördern, dass ihre Kinder odei Zöglinge auf sonimerliehen Erholungsaustlügen rücksichtslos dem Triebe der Zer- störung des Lebens huldigen. Es ist eine heilige Ptlicht alier, be- sonders aber der Lehrer, die Jugend davor zu bewahren und sie zu einem verständigen Sammeln anzulialten. Der Naturwissenschaftler. No. 1. diesen wieder ins Lateinische vielfach entstellter Wieder- gabe. Da knüpften sich darni die tiefsten Uelnmgen des Scharfsinnes an die sprachliche Erklärnng und an die Abwäginig de)- notdürftig ei-niittelten aristotelischen Meinnniren sieaen die niibedingt bevorzugten und ver- teidigten Sätze der heiligen Schriften. Mit befremdetem Staunen erfuhr man nun. fast beiläufig und gelegentlich, wie viel Wissenswertes die luis umgebende W elt darbiete. Aber so weit war man von der Betrachtung der letzteien (■ntwöhnt, das« man noch lange weit weniger die Dinge und die Thatsachen scHjst fiir Ix-achtenswürdig hielt, als die von Aristoteles über sie geäusserten Ansichten. Damals entstand jene später der \'erspottung anheim- gefallene, von Schule zu Schule ohne vergleichende Prü- fung und eigene Beobachtung fortgepflanzte (relehrsam- keit, welche als Sclndgelehrsnmkeit oder „Scholastik" einem langen Zeiträume, der ganzen zweiten Hälfte des Mittelalters, ebenso zurKennzeichnung diente, wie unserem Zeitalter die Naturforschung. In jener Zeit war die Menschheit zu blinder Unterordnung unter geschriebene Worte gewöhnt und schien in ileiii N'erzichte auf selb- ständiges T^enken sogar eine hohe Tugend zu finden. Es ist allbekannt, wie seit der Mitte des fünf- zehnten Jahrhunderts wichtige Ereignisse sich vereinigten, um den (resichtskreis der Völker Ein-0]ias zu erweitern, dieselben von \'orurteilen zu befreien mfd vor neue Zu- kmiftsanfgaben zu stellen. Zu der mächtigen Anregung durch die Erfindung des Buchdruckes lügte si<-h die Ver- breitung der Kenntnis dei- grieciiischcu Spra<-he ver- mittels der infolge der iOruberuug Konstaiitinhls geboten zu sein. Sic lehrt uns Selbständigkeit des Denkens, übt unsei'e BetTdiigung zum eigenen Beol)achten, Wahrnehmen und l'rteilen — sie erhöht den Wert jedes einzelnen Büigers, während die Dnnmien jeglicher Verführung widerstandslos ziun Opfer fallen, für sich bedeutungslose Nullen, für das. Gemeinwohl aber in ihrer Gesamtheit eine bestärrdige Gefahr seiir müssen. Unsere Gegenwart wird unablässig beunruhigt und bedroht durch die An- zeicheir einer weit verbreiteten Missstimmrurg grosser Schichterr der Bevölkerrrng. Diese Unzufriedcrrheit weist allerdirrgs zunächst und voilrerischend auf den versagten Mitgemrss in Bezug auf leibliches Wohlbehagerr, auf Be- queriilichkeit der A\ ohnurrg, (lenüge der Kleidung, Zu- träglichkeit der Nahniirg hin. In diesen Stückerr erblicken die .Veriireien das Wohllebcrr derlveichen: irr dieserr Stückerr also mi'ichterr sie nrit derrselberr wetteiferrr und gleichgestellt seirr. Nur allzuviel suchen die W ohlhaberrdeu für- ihren irr ül)errnässigern Erweibsstr-eljerr abgestnmpfterr Geist eine Er-frischuirg inr Krrei])eirle]icii, welches doch keinem eirrerr wahreir Gerrirss irrrd wirkliche Erhohnrg gewährt. Aber die Aerrrrer-err lassen sich durch das Vorbild der Keicherr zu derir Glarrberr verleiterr, irrr Kneipenleberr bestehe eine Erhöhung des Glückes. Sie verlarrgeir ihr'eir Anteil dararr. Dazir gehört Zeit; dazu gehört Geld. Daher die doppelte No. 1. Der Natui'wissenschaftler. Forderung: Zeit und Geld — xuid der Versuch, die ge- sellscliaf'tliclie Notfiage zu lösen durch Herabsetzung der Arbeitszeit auf die Hälfte und durch Erhöhung des Arbeitslohnes auf das Doppelte. Das eigentliche Uebel aber, welches der Unzufriedenheit zu Grunde liegt, be- steht in der öden Inhaltslosigkeit des Lebens so vieler, deren Geist ebensowohl nach einer Nahrung verlangt, wie der der Bevorzugten. In der That hier liegt der Schwerpunkt der uns so sehr beunruhigenden Frage. Die Aufgabe: Brot für alle zu schaö'en, ist gewiss keine imerfüllbare. Aber ihre Lösung allein würde dem Miss- behagen nicht abhelfen. Müsste man sich doch einen sehr niedrigen Begriff von dem Grundwesen der Men- schen auferlegen, wenn man nicht glauben sollte, dass aus geistigem Hunger weit mehr Unzufriedenheit ent- springt, als aus leiblicher Entbehrung. Die Beseitigung der „Magenfrage" würde nicht genügen, um die Unzu- friedenheit aus der "Welt zu schaö'en. Eeichtum allein hat noch keinen befriedigt. Wie viele Gesi'ittigte luid Uebersättigte verzweifeln aus geistiger Armut und Ver- ödung. Kur geistige Nahrung vermag den Menschen in wahrhaft wohlthuender Weise zu sättigen und zu be- glücken. Solche Nahrung aber bietet jedem die Be- schäftigung mit der Natmkunde, deren Fächer so viele inid mannigfaltige sind, dass sie jeglichem Bedürfnisse angemessenen Eaum und genügende Befriedigung geben. Die Pflege der Naturkunde ist das wahre gemeinsame Tummelfeld, auf welchem alle, welcher Vorbereitung sie auch seien, zu vollwertiger und beglückender, genuss- reicher Bethätigung Gelegenheit finden. Hat es nicht der Hirten der Wüstenländer bedurft, um die Hinnnels- kunde zu begründen? Sind nicht Tausende beschaulicher Beobachter erforderlich, um die dem Menschen so wich- tige Wetterkunde aufzubauen? Und wie könnte der Erd- forscher die Beschaffenheit des Bodens, auf dem wir leben, ergründen und die Geschichte seiner Entstehung erörtern, genösse er nicht der Erfahrungen aufmerksamer Bauleute, der Brunnengräber, der Steinbrecher, des Berg- mannes? Pflanzen- und Tierkunde erfordern die Mithülfe des Ackerers, des Gärtners, des Züchters, des Forst- und Weidmannes. Ja, auf dem Gebiete der Erforschung der uns allen gleich nahestehenden Natiu- findet jeder zum Denken geneigte Mensch — und das Denken ist es ja, was den Mensclien als Menschen ausweist — die reichste Gelegenheit zu selbständiger Beteiligung und vollberech- tigter, ehrenreicher Mitwirkung zum Gedeihen des Gan- zen. Hier handelt es sich nicht um einen bevorzugten, abgeschlossenen Gelehrtenstand — sondern jeder kann sich befähigen zu nützlichem Mitthun. Halten wir eine Rundschau unter denjenigen, welche durch Förderung der Naturkunde und drn-ch verständnis- volle Einführung ihrer nützlichen Ergebnisse in das menschliche Leben sich unsterbliche Verdienste erworben haben, so begegnen uns keineswegs ausschliesslich oder auch nur vorherrschend gelehrte „Professoren" oder vom Staate mit Amt und Würden belehnte, mit ihrem Lebens- unterhalte iür diese Thätigkeit bezahlte Männer. Könnte doch überhaupt niemand die Arbeit bezahlen, durch welche die Naturwissenschaften fortschreiten. Hier ent- springt der lohn lediglich aus der Arbeitsfreude selbst. Es ist der überwältigende Drang zum Genüsse der laben- den Früchte, welche diese friedlichen imd beglückenden Beschäftigungen ihren Pflegern darreichen, durch den so viele Männer und selbst Frauen der fremdartigsten Be- rufsstellungen veranlasst werden, jede Mussestunde ihren Lieblingsforschungen zu widmen inid in solcher Bethä- tigung das edelste Glück zu suchen. Sollen Beispiele ge- nannt werden?' — Nun, war nicht der Begründer luiserer heutigen Anschauiuig vom Weltganzen, von der Himmels- ordnung, Nikolaus von Köper nick — Copernicus ge- nannt — ein Geistlicher, der über dem Himmel Jehovahs den unbegrenzten Sternenhimmel erforschte? — und der grosse Herschel war seines Erwerbsgeschäftes ein Mu- siker. Benjamin Franklin, der dem Himmel, wie seine stolze Grabschrift verkündet, „den Blitz zu entreissen" sich unterfing, war ein Buchdrucker. Der Erfinder der Luftpumpe, der Urheber wichtigster Lehren im Gebiete der Kiuide von den Natinkräften, Otto Gericke, war Bürgermeister von Magdeburg, obendrein in der furcht- baren Zeit des dreissigjährigen Krieges. August Johann Rösel, der verdienstvolle Erforscher der Kerftierwelt und des Froschgeschlechtes, war Maler und Kupfer- stecher — • ebenso Jakob Sturm der Vater und Friedrich und Johann Wilhelm Sturm die Söhne, welche über ein halbes Jahrhundert ihre Heimatstadt Nürnberg durch die Bearbeitung der Pflanzenwelt Deutschlands und andere bedeutende Werke zu einem Mittelpunkte der Wissenschaft erhoben. Eine Malerin, Sibylla Merian, lehrte uns die Kerftiere von Surinam kennen. Ferdinand Ochsenheimer, der rvdunvolle Meister der Schmetter- liugskunde, war Schauspieler. Der treffliche Bremi, Er- forscher des Lebens der niederen Tiere, in Zürich war ehrsamer Drechsler; Gabriel Koch, dessen wunderbar reiche Schmetterlingssammlung noch eine Zierde des Tiergartens zu Frankfurt a. M. bildet, war Spengler. Ein Pfarrer war der grosse Erforscher der gefiederten Tiere, Christian Ludwig Brehm; ein Kechtsbeamter sein Fachgenosse Friedrich Boie. Jeder Blütenmai und jeder Fruchtherbst erneuert den Ruhm des Baumveredlers Pfarrers Christ in Kronberg am Taunus .... Doch wir brechen ab — denn endlos zu werden droht die Auf- zählung der Forscher aus den verschiedensten Berufen und Lebensstellungen, welche durch die Erfüllung ihrer Mussestundeu mit sinnigen Arbeiten im Dienste der Wissenschaft für immer zu Wohlthätern der Menschheit geworden sind. Sie alle winken uns zur Nachfolge! Wie gross oder wie klein das Gebiet sei, welches sich einer erwähle, wie naheliegend, wie alltäglich der Gegenstand, welchem er seine Aufmerksamkeit widmen will, stets kann er sicher sein, einen wertvollen Beitrag zum gemein- samen, für den einzelnen durchaus unübersehbaren Ganzen unserer Naturkunde zu liefern. Wer, der da würdig ist, ein Mensch zu heissen, würde nicht Genuss darin finden, beschauliche Musse- stundeu der Beobachtung des Sternenhimmels zu weihen, wo der streng gesetzliche Gang der Gestirne gleichsam den ruhigen Hintergrund bildet für so viele in ihrer Resrelmässiakeit erst teilweise erkannte und unserer Auf- nurksamkeit so würdige Erscheinungen? Sehr verdienst- lich ist es, mit Ausdauer und Gleichmässigkeit die Strö- 6 Der Natui'wipsenschaftler. No. 1. mungen der Ijuft, den Gang der AVinde und im Zu- sammenhange mit ihnen die Gestaltungen der Wolken, das Auftreten der Gewitter, die Züge der verheerenden Hagelwetter zu verzeichnen; Abend- und Morgenröte und ihre begleitenden Erscheinungen zu beobachten; die Be- wegungen der Gewässer, seien os Meere oder Seen, oder wäre es auch nur ein Stück unseres nächsten Flusses oder eines bescheidenen Bächleins; die Niederschläge aus der Luft auf dem Boden und im Grunde der Erde; Grundwasser- und Quellen-Bildung; die anziehenden und abstossenden Kräfte der Körper; das Verhalten der Stoffe in Misclumgen und Entmischungen, Austauschungen, Zer- setzungen; die Entstehung, Beschaffenheit luid Umbildung der Schichten des Erdbodens, der Gesteine; die Formen der Geschiebe in den Flüssen und in den A])lagerungen der Thäler; die Gestalten der S])ate, der „Krystalle", der Pflanzen und Tiere. Was letztere anbetrifft, so gewährt schon die einfachste Altenkenntnis, die Befähigung, jedes Wesen zu benennen, einen reichen, wenn auch oft unter- schätzten Genuss. Freilich bei dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft stellt sich ein reicherer Gewiini in Aus- sicht durch die Erforschung des Lebens der einzelnen Arten, vollends aber ihrer so innig verknüpften Lebens- gemeinschaften. Wie rätselhaft bleibt noch immer der Zug der Vögel, das zeitweilige Erscheinen gewisser Pflanzen- und Tiergattungen, die wiuiderbare Wanderung derselben! Jede Art bietet in ihren Lebensbedingungen und Lebenserscheinungeu die erforschungswürdigsten Rätsel dar. Kein Wesen besteht für sich; alle Wesen einer Gemeinschaft sind gegenseitig A'on einander ab- hängig. Wer uns nur die Welt eines Haines, einer Wiese, eines Sumpfes, eines Flusses in diesem Zusanmienhange und Gegenseitigkeitsverliältnis durc^h alle Jahröszeitcn mit Gründlichkeit erforschen wollte, der dürfte sicher sein, seine Mühe einem bedeutenden Zwecke gewidmet und der Wissenschaft einen grossen Dienst geleistet zu haben. Nichts ist etwa schon zu bekannt — ül:)erall bringt vielmehr dieAVertiefungin das Geringste und Nächst- liegende preis würdige Ergebnisse. Die Welt ist imer- schöpflich reich; zur Ermittlung ihrer Gesetze sind un- zählige Beobachtungen notwendig. Die fortschreitende Forschung bahnt sich inmier neue Wege luid eröffnet sich stets neue Aufgaben. Im heiligen Dienste der A\ issenschaft vermag jede willige Kraft mit bescheideiisten Mitteln und in jeglicher Lebensstelhuig sich die Unsterblichkeit zu erwerben. Da winkt jedem der beseligendste (tcuuss und die voll- kommenste Zufriedenheit, da bietet sich Krholung für den ermüdeten Geist. Erfrischung für das Herz, Erhellung für das Gemüt — und zu alledem findet jeder die wohl- thuendste Pflege der leiblichen Gesundheit, unvergleich- lich glückliche Stunden am häuslichen Herde und Er- lösung von der gesellschaftlichen Pest unserer Zeit, dem geistverödenden Kneijienleben. Vielleicht möchte uns jemand diese wiederholte Hin- deutuug verargen — und doch geschah sie mit Bedacht; denn das ,,Kneipen" ist in keiner Weise zu verwechseln mit dem Betreten des gastlichen Hauses, welches dem Wanderer Unterkunft und Stärkung bietet. Aber nian('her liCser möchte einwenden: der Mensch sei doch einmal ein sceselliges Wesen! Dieser Kinwurf könnte uns nur willkommen sein, denn er erinnert uns an die edle Form der Geselligkeit, welche vor allem für die Pflege der Naturkunde sich empflehlt, die, welche das Vereins- leben darbietet. Doch diesem Gegenstände sei demnächst eine besondere Betrachtung gewidmet! lieber fleischverdauende Pflanzen. Von Dr. J. Grö Unter den physiologischen Vorgängen im Leben der Pflanzen haben in neuerer Zeit diejenigen in ganz be- sonderer Weise die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf sich gezogen, in welchen die Tiere zur Dienstleistung bei den Funktionen der Pflanzen herangezogen werden. Es ist allgemein bekannt, welche wichtige Rolle die In- sekten bei dem Befruchtungsakte vieler, man darf wohl sagen der meisten Pflanzen spielen und wie eigentümlich gar manche Blüten gebaut sind, um die sie besuchenden Gäste geradezu zu der von ihnen geforderten Dienst- leistung zu zwingen. In diesen Zeilen soll aber von einer anderen Aus- nutzung der Tiere durch die Pflanzen die Rede sein, nämlich von der Ernährung einiger Pflanzen durch von ihnen gewaltsam festgehaltene Tiere. Seitdem im Jahre 1875 das berühmte Werk von Charles Darwin über die insektenfressenden Pflanzen erschienen ist, welches im nächsten Jahre in Stuttgart in deutscher Uebersetzung herausgegeben wurde, ist über die Aufnahme animalischer Nahrung auf dem Wege einer wirklichen Verdauung manches beobachtet und geschrieben worden. Nun ist aber der Name „insektenfressende Pflanzen" wohl eigentlich nicht ganz passend, da zum Fressen doch nicht nland in Dakme. bloss Fangwerkzeuge, sondern eben geradeFresswerkzeugc. nötig wären, und wir wollen deshalb lieber von insekten- verdauenden Pflanzen sprechen. Die Zahl derjenigen Pflanzen, bei denen Tierverdaimng nachgewiesen worden ist, ist keineswegs eine geringe. In der sechsten Auflage des Lehrbuches der Botanik von Thome 1883 wird sie auf etwa 350 Pflanzenarten angegeben, welche 15 ver- schiedenen dikotylen Gattungen angehören. Von der in uordamerikanischen sumpfigen Gegenden vorkommenden Venus - Fliegenfalle, Dionaea nuiscipula, welche neuerdings mit Erfolg in den Bergen Thüringens ausgepflanzt und somit ein Gast der deutschen Flora ge- worden ist, kannte man bereits seit mehr als einem Jahr- hundert die Eigentümlichkeit ihrer Blätter, Insekten zu fangen und so lange festzuhalten, bis sie tot waren, ob- gleich man damals keine Idee davon hatte, dass die Leiber dieser Tierchen von der Pflanze verzehrt würden. Hier soll nun ganz speciell die Rede sein von zwei einheimischen Pflanzengattungen, die keineswegs in unserer Flora selten vorkommen, deshalb mit grosser Leichtigkeit nachlieobach- tet werden können. Es sind dies die Gattungen Sonnen- thau (Drosera) und Schuppenwurz (Lathraea). Wenn wir einen Spaziergang über eine etwas nasse, moorige Wiese No. 1. Der Naturwissenschaftler. iiiachcu, so wiril laibcr Aui;'c liald j;i't'c'8silt von oinciu allerliebsten Pflänzohen mit kreisrunden Blättern, welche an ihrem Rande, sowie ülier die ganze obere KlattHäehe mit langgestielten, purpurroten Kö])felieii besetzt sind, deren jedes von einem Tröpfehen einer ganz klaren, wasserhellen, schleimigen FlüssigkiMt umgeben ist, so dass die von der Sonne beschienenen ]'tlänzchen gar herrlich glitzern luid daher den Namen „Sonnenthau" erhalten haben. Ausser dieser rundlilätterigen Art konnnen an denselben Orten, aber weniger liäufig, zwei Arten mit schmäleren Blättern, sonst aber ebenso gebaut, vor, der mittlere und der lang- blätterige Sonn<'nthau. Gew("i]in]ic]i s|n(>ssen diese PHanzen aus den gelblichen schwannnigen Polstern der Torfmoore hervor. Als der Verfasser dieser Zeilen l)ei (xelegenheit einer Untersuchung der Ilaargeliilde der Pflanzen im •Jahre 1851 auch die gestielten Köpfchen der Sonnenthau- blätter betrachtete, machte er die Entdeckung, dass diese Drüsenffebilde in ihrem anatomischen Bau von den an- deren Haargebilden wesentlich abwichen, indem sie der Länge nach von einem Gefässstrange durchzogen sind, welcher im Köpfchen selbst von S]iiralfaserzellen um- geben ist. Später wurde diese Arbeit von ihm in französischer Sprache in den „Annales des sciences na- turelles" veröffentlicht. Ki' hielt diese Geliilde für Biatt- auswüchse oder Blattla]i]>en, nicht aber für eigentliche ITaargeljilde, die physiologische Thätigkeit indessen er- kannte er nicht. Wenn nun auf das Blatt einer Drosera .sieh ein Insekt setzt, so wird es vorderhand durch die schleimige P^lüssigkeit verhindert, sofort zu entkommen. Der durch die Berührung entstandene Reiz veranlasst die Drüsenköpfchen zu einem reichlicheren Ergüsse der besag- ten Flüssigkeit, und bald ist das Tierchen vollständig von dieser eingehüllt und stirbt am Erstickungstode. Der r(Mchliche Erguss der Flüssigkeit dauert noch fort, wäh- rend ixleichzeitig die am Rande stehenden, langgestielten Drüsen sich nach innen kiümmen und das Tierchen fest- halten, allmählich verhalten sich die auf der Blattfläche stehenden Drüsen ähnlieh, und nach Verlauf einiger Zeit, etwa äO Stunden, ist der Insekteiileib von den Drüsen vollständig eingeschlossen. Die zähe, schleimige Flüssig- keit, welche die Drüsen aussondern, enthält nun einen Stoft', der auch im Magensafte der Tiere sich vorfindet, das Pepsin, und verflüssigt allmählich die "Weichteile der Tiere, welclie vom Pflanzenkör]ier aufgenonnnen werden, so dass nur die hornartigen Chitinsc-halen zurückbleiben. (Schluss folgt.) Der XVIII. Antliropologeii-Kongress in Nürnberg. (0 r i g i ü a 1 b e r i c h t ) Nach einem festlichen Begriissungs- nnd Empfacffsabend seitens der Stadt Nürnberg und ihrer Vertreter eröffnete der Vorsitzende der deutschen anthropologiechen Gesellschaft, Herr Geh.-Rat Virchow am Montag, den 8. August, im grossen Saale der Museumsgesellschaft morgens 9'/} Uhr den diesjährigen Eongress mit einer geistvollen Rede Der Redner definirte zunächst den Begriff Anthropologie. Im Anschlass an die neuerdings in Alaska gewonnenen Erfahnmgen berührte er alsdann den Menschen der Reutier- und Mammutzeit und entrollte vor den Augen der zahlreich anwesenden Damen und Herren ein hochinteressantes, anschauliche- Bild von der Steinzeit. Noch eingehender wurde das Bronzezeitalter bebandelt, wobei der Umstand nicht unerwähnt blieb, dass man über die Wiege der Bronze- technik sehr wenig wisse. Wo dieselbe zu suchen, sei trotz der An- sicht der Linguisten, welche sie nach Indien verlegen, nicht mit Sicherheit anzugeben. Verschiedene Begrüssungsansprachen übergehend, gedenken wir hier hauptsächlich der in naturwissenschaftlicher Hinsicht manches Interessante bietenden Rede des Lokalgeschäftsführers, Herrn Be- zirksarzt Dr. Hagen. Der Redner unterrichtete seine Hörer in anziehender Weise über die Gegend, in der sie sich versammelt und über die prähistorischen Verhältnisse daselbst. In geologisch-geognostischer Hinsicht nimmt er für Nürnberg und seine Umgebung die Keuper- und Juraland- schaft in Anspruch. Er betont, dass die günstigen oro- und hydro- graphischen Verhältnisse der Gegend auf die ältesten Ansiedelungen von günstigstem Einflüsse gewesen sein müssten. Etwa 130 km westlich von Nürnberg erhebt sich, vom NO. nach SW. halb- kreisförmig sich als Steilrand über dem westlich vorliegenden Muschelkalkplateau hinziehend , der Keuper in der sogenannten „fränkischen Höhe." Während dieselbe an einzelnen Stellen bis zu 500 m ansteigt, dacht sie sich ostwärts zum Rednitz-Regnitzthale bis zu ungefähr 300 m Höhe allmählich ab nnd zeigt an ihrer tiefsten Stelle die Stadt Nürnberg. Südlich nnd östlich von hier zieht der Jura, welcher sich in ein- zelnen Partien bis zu 550 to erhebt. Den Uebergang vom Keuper zum Jura bildet der Lias als sanft sich erhebende Terasse. Der Keuper besteht aus massig starken, bunt gefärbten Thon- und Mer- gelschichten, zwischen welchen Sandsteinfelsen eingelagert sind, üeber den Thonschichtcn, namentlich gegen den tiefsten östlichen Rand zu, finden sich zahlreiche grössere imd kleinere Weiher. Dass in prähistorischen Zeiten diese Gegenden versumpft und mehr oder weniger unzugänirlich gewesen, schliesst der Redner aus den äusserst geringen Spuren frühester Bewohnvngen. Auch auf den mit diluvialem Sande überdeckten Fluren in der nächsten Umgegend der Stadt fanden sich wenig Reste, während die mittlere Kenper- region, welche von SO. nach NW. über Klosterheilsbronn, Markterl- bach, Neustadt und Scheinfeld nach Unterfranken zieht, zahlreiche Grabhügel aufzuweisen hat Das umgekehrte Verhalten scheint im Jura und der ihm vorgelagerten Terrasse stattgefunden zu haben. In seinen südlichen und östlichen Gebieten bis zu dem nördlichen Abfall in den Main finden sich zahlreiche üeberreste früherer Ansiedelungen. Trotz der zahlreichen Quellen und Gewässer, welche dem Jura entstammen, sind Versumpfungen nirgends zu bemerken Abgesehen von einigen zerklüfteten Kalksteinschichten ist das Plateau oft mit fruchtbarer tertiärer Erd- und Lehmkrume bedeckt. Die Thalabhänge sind noch heute mit der üppigsten Vegetation bedeckt und an jagdbarem Wild wird es, wie Knochenfunde ergeben, in frühester Zeit nicht gefehlt haben. Solche Gegenden dürften dem von Jagd und Fischfang lebenden Siedler um po mehr zu Wohn- pitzen geeignet erschienen sein, als noch die Natur lür Wohnungen in Gestalt von Höhlen gesorgt hat. Die Jurakalkplatte ist nämlich mit dem sogenannten Franken- dolomit überdacht , welcher vielfach ausgenagt erscheint. Üeber achtzig zum Teil weltberühmt gewordene Höhlen nnd Halbhöülen finden sich in dieser Gegend, und in ihnen begegnet der Forscher den Irühesten Spuren menschlichen Daseins. In Gemeinschaft mit dem Höhlenmenschen lebte der Höhlenbär, der Höhlenlöwe, das Ren- tier etc. Männer wie Esper, Goldfuss, Graf Münster haben schon im Anfange dieses Jahrhunderts die Höhlen durchforscht und ersterer fand in der Höhle von Geilenreuth emen menschlichen Kiefer und einen Schädel. Später wurden solche Funde mehrlach con- statirt. Der Steinzeitmensch, welcher in diesen Höhlen hauste, dürfte sich in somatischer Beziehung wenig von den heutigen Be- wohnern der Gegend unterschieden haben, denn der von Esper ge- fundene Schädel ist hoch brachycephal, ebenso wie es noch heute iu dieser Gegend vorkommt. Nach der Periode der Höhlenbewohner finden sich in Franken Spuren ältester Bewohnung mit Ausnahme der Grabhügel nicht mehr. Schon die Troglodyten begruben ihre Angehörigen unter Felsblöcken uud in Steinhügelu. In oberea 8 Der NatiirwissenscliafUer. No. 1. Schichten der Höhlen findet sich bereits Bronze und Eisen, und beeeere Produkte der Keramik sind ebenfalls vorhanden, ein Beweis, dass diese Höhlen auch zur Metallzeit temporär bewohnt waren. Die Grabhügel müssen nach den darin gefundenen Gegenständen teils der Bionzezeit, teils der Hallstädter Periode zugeschrieben werden. Demnach würden die hier besprochenen Gegenden bis zum 3. und 4. Jahrhundert t. Chr. stark bewohnt gewesen sein. Aus den letzten Jahrhunderten vor und dem ersttn Jahrhundert nach Chr. findet sich nichts. Die nächst jüngeren Spuren von Ansiedelungen weisen die Reihtngräber auf, namentlich die von Fraunfeld, Barglengenteld und ürossbreitenbrunn bei Ansbach. Die Grabfunde bestehen zum grossen Teil aus Ohrringen, welche slavischen Ursprungs sind Auch ger- manische Ueberreste finden sich hier und dort, und es ist nicht un- wahrscheinlich, dass der Boden zwei Rassen neben einander beherbergte. Aus den Voiträgen und wissenschaftlichen Demonstrationen, welche in der Dienstagesitzung das allgemeine Interesse beanspruchten, wollen wir die Mitteilungen des Herrn Sanitätsrat Dr. t.rempler (Breslau) her- vorheben. Derselbe hatte Ausgrabungen in der Nähe von Saarau vor- genommen und einen Teil seiner Funde mit nach Nürnbeig gebracht. Die Funde deuten auf romanischen Ursprung aus dem 3. Jahr- hundert nach Chr. und fanden sich in drei Gräbern, von denen das eine ein Männer-, das zweite ein Frauen-, das dritte ein Mädcheugrab war. Prachtvolle Eicheln , ein goldenes Jlanneshalsgehänge, eine Münze mit dem Bildnis vom Kaiser Claudius III., zwei unversehrte Glastrinkgeiässe, Beinsteinsachen, Ueberreste eines eisernen Schwertes und silberne Gürtelschnallen charakterisierten das Mannesgrab; Arm- und Halsringe von kleineren Dimensionen und andere Schmucksachen erschienen charakteristisch für die Mädchen- und Fraueagruft. Von den vorhanden gewesenen Leichnamen war nichts als Zahnreste erhalten. Aber wer lag hier begraben? — so fragt der Redner mit Recht. Das Fundgebiet war nicht römisch. Kaiser Clau- dius kam zwar an die Donau, schlug eine Schlacht in Mösien, starb aber an der Pest. An das rechte Oderufer bis in die Nähe von Bres- lau kam er nie. Ueber I'rähistorisches von Gunzenhausen und Umgegend sprach Herr Dr. Eidaui, prakt. Arzt in Gunzenhausen. Der lieduer giebt zunächst eine wissenschaftliche Beschreibung des Altmüblthales. An- mutige Höhen und der langgestreckte Zug des „Hahnenkammes", ein aus Jurakalk bestehender, ca. 650 m hoher Gebirgsrücken, begrenzen es. Das Thal selbst zeigt Keuperformation. Das grosse Sandsteinlager aber erstreckt sich von Korden her bis in die Linie Gunzenhausen- Pleinfeld und grenzt daselbst an einen von West nach Ost ver- lautenden Liaszug, der sich von Dinkelsbühl über Weissenburg, ' KUingen. Herdetk nach Thalmässing und in einem nördlichen Aus- läufer über Neumarkt, Altdorf und Hersbruck nach Veklen zieht Kach Süden zu folgt der Jura, der sich von Pappenheim über Eich- städt nach Kipfenberg nördlich bis Thalmässing, südlich bis Nacheu- fels erstreckt. Im Süden von Pappenheim tritt luradolomit zu Tage, welcher durch das Thal der Altmühl zieht. Sollenhofeu zeigt in seinem be- rühmten lithographischen Schiefer ein wahres Riesenlexikon fossiler ueberreste vergangener Erdbildnngsperioden. Bei Georgensgmünd und Hohenhüdingen tritt auch tertiärer Kalk heraus. Unter den Ver- steinerungen sind die Knochen des Mastodon, des Pidäotherium, des Dinotherium von hervorragendem Interesse. Das Klima dieser Gegenden muss einst ein tropisches gewesen sein, und da England mit Frankreich, Sicilien und Spanien mit Afrika noch zusammenhingen, so konnten die genannten Tiere bequem einwandern. Als später der grössere Teil Buropas unter Wasser gesetzt wurde, drang dasselbe auch bis in die mittelfränkischen Gegenden. Die folgende zweite Eiszeit mit ihrer gewaltigen Eisbildung brachte den Menschen mit sich. Als Beweis dafür werden die Funde aus der Höhle bei ützmenimingen, sowie die aus den Höhlen der schwäbi- schen Alp, der fränkischen Schweiz und der Umgebung von Regens- burg angeführt. Auf diese Zeit folgte die neolithische Periode, aus welcher bis jetzt aber nur ein Fundstück, ein 25 cm langes, mit Stielloch versehenes Steinbeil bekannt ist. Die ältere Hallstadtperiode ergiebt nur spärliche Funde, desto zahlreicher sind dieselben aber aus der jüngeren Hallstadtperiode, ja die meisten der Grabhügel der vom Redner beschriebenen Gegend gehören ihr an. Die Eisen- und Brouzesachen weisen eine hochstehende Metalltechnik auf, und die Ornamentik der Gefässe ist geradezu erstaunlich. Aus der üeber- gangszeit von dieser jüngeren Hallstadt- zur La Töneperiode stammt der Grabhügel von Döckingen, aus welchem eine Lanze und eiserne Ringe aufgedeckt wurden; auch finden sich die einschneidigen, ge- krümmten Hiebmesser, die man früher irrtümlich der Hallstadtperiode zuschrieb. Aus der La Tönezeit selbst sind nur zwei Grabfunde zu bezeichnen, eine Tierkopffiebel und ein kleines Eisenmesser nebst Steinamulet Die Frage, wo die ersten Germanen aus der Zeit des Amorit und Armus in diesen Gegenden begraben liegen, lässt der Redner ollen. Ein Begräbuisplatz der einst dort sesshaftea Hermun- duren ist nicht bekannt. Dagegen geben die zahlreichen germani- soben Reihengräber aus dem 6. und 8. Jahrhundert nach Chr. cha- rakteristisches Inventar, welches zum Teil während des Kongresses in Nürnberg ausgestellt wurde. Am Mittwoch, den 10. August, machte der Anthropologen-Kon- gress einen Ausflug nach dem benachbarten Bamberg, welcher na- mentlich der Besichtigung der prähistorischen Sammlung in der Materna des Domes und der Bibliothek galt. Vom Donnerstag, den 11. August, als am letzten offiziellen Tag» der Versammlung wollen wir kurz noch einiger hochintereisanter Sitzungsthem.ata Erwähnung thun. Herr Professor von Törek- Budapest sprach über Mensehen- und Atlenschädel und berührte auch die alte Frage von der Abstammung des Menschen im Sinne der modernen Entwicklungslehre. Redner ver- sucht darzulegen, dass die Verwandtschaft zwischen Menschen- und Aöenschädel eine verhältnismässig geringe zu nennen sei, enthält sicü aber jeder Geringschätzung des Darwinismus und seiner Konse- tjuenzen, gesteht vielmehr otlen, dass er es sei, welcher als die Grund- lage der heutigen Naturwissenschaft angesehen werden mösste, weil er monistischer Weltanschauung huldige Anschliessend an den vom Herrn üeneralsekretär Prof. Rauke-München in einer der vorhergehen- den Sitzungen verlesenen Jahresbericht nahm Herr Professor Kollmann- Basel das Wort. Rauke hatte bei Besprechung der Untersuchungen Tur- ners über Menschen- und Aüenskelette die Resultate des englischen Gelehrten ervjähnt, die kurz darin gipfeln, dass keine der bekannten Menschenrassen besondere Aehnlichkeit mit Atfen zeige, so dass es zu einer Verwechslung von Affen- und Menschen knochen kommen könne. Herr Prof. Kollmann, der wohl glauben mochte, Ranke hätte zuletzt seine eigenen Ansichteu vorgebracht, gestattete sich dj,rauf hinzuweisen, dass doch eine grosse Zahl bekannter Naturforscher existire, denen die Abstammung des Menschen, in der Weise wie die moderne Entwicklungsgeschichte sie vorführe , über allen Zweilel erhaben sei. Nach weiterer Erörterung über die Sache fühlte sich der Vorsitzende, Herr Geh.-Bat Virchow veranlasst, seine Ansichten über diesen Punkt der Versammlung mitzuteilen. Die Frage nach der Herkunft des Menschen verlegt der letztere in das Reich der Speku- lation. Hierin mag er nicht ganz Unrecht haben, ob er aber auch damit Recht hat, dass derartige Fragen nicht vor das Forum der Anthropologie gehören, in der so manche Vermutungen und Hypo- thesen einer Besprechung gewürdigt werden, wollen wir dahingestellt sein lassen. In derselben Sitzung wurde die Aufmerksamkeit der Zuhörer des weiteren in ganz hervorragendem Masse durch die Vorträge und Demonstrationen der Herren von Törek, Ranke und Benedict- Wien gefesselt. Es handelte sich dabei um krauiometrische Methoden, über welche es zwischen von Törek und Benedict zu einer heftigen De- batte kam. Den streitigen Punkt bildete die Frage: Lässt sich die Kraniomettie auf streng mathematische Formen zurückführen und giebt es in ihr einen fixen Punkt? Wii- wissen nicht, was grössere Bewunderung hervorrief, die fein- durchdachte mathematische Methode des Herrn Benedict oder sein überaus grossartiges Rednertalent. Nach einigen weiteren hier weniger interessierenden Mitteilungen wurde gegen vier Uhr Nacli- mittags der XVIII. Anthropologen-Kongress durch den Vorsitjenden geschlossen Am Freitrag, den 12, August, machte der Kongress einen Ausflug in den fränkischen Jura. Derselbe galt namentlich der unweit Neu- haus gelegenen Maximilians-Höhle zu Krottensee. Die Besichtigung der mit Kerzen imd Magnesiumlampen prachtvoll beleuchteten Höhle bildete einen würdigen Abschluss der diesjährigen Versammlung. Vielleicht ist es uns möglich, auf den einen oder den anderen der gelegentlich des Kongresses zur Sprache gebrachten interessanten Gegenstände in einer der nächsten Nummern zurückzukommen. No. 1. Der Naturwissenschaftler. Kleinere Mitteil iiimen. Ein Verwandter des Essigälchens in den Gärungspro- dukten der Eichenrinde. Das Ei^sigäloben. Kabditis oxypLila (Anguillnla aceti Ehrb.>, jenes -winzige Wüimchen, das zu Millionen in altem Eesig sieb umheitniumelt und dem Anfänger ia der Mikroskopie oder auch dem Besitzer des billigsten Vergrös eruug^glases, wie es ant den Jahrmärkten feilgeboten wird, ein ebenso ergötzlbhes Beo- bachtungsobjekt wie die Käsemilbe abgiebt, hat einen Rivalen be- kommen in einer neuen sehr inteiesFanten Wiirmart Dieselbe wurde von mir in den späteren Gärungsprodukten der Hiinle lebender Eichen in grosser Menge aufgefunden und zwar allenthalben, wo ich die unter der Entwicklung versfhiedener Pilze (Endomyces llagnusii mit Saccharomyces, Leuconostoc Lagerlieimü; vor sich gehenden Gärungen ( Alkoholgärung und Schleinifluas) der Eiche zuvor beobachtet hatte. Sie findet sich z B. I^ei Greiz, Leip'ig, Kassel, Sobleuringen. Nur Schmetterlinge, Hornissen und Wespen scheinen so regelmässig an den gärenden Eichen sich einzufinden, wie dieses ,,Kicheuälchen " Einer UDF-erer ersten Helminthologen, Geh Hofral Prof Dr Leiicl^art in Leipzig, dem ich dasselbe zur weiteren Untersuchung überliess und der dafür den Namen lihp^bditis dryrphila vorschlug, stellt eine eingehendere Bearbeitung dei Entwicklungsgeschichte dea Tieicbeus in Aussicht. Greiz. Prof. Dr. Ludwig. Zur MoUnshenfanna des Riesengebirges. (Der Wanderer im Kie.sengebirge No. 56.) Eine bisher im Kieseugebirge noch nicht beobachtete Geliäuseschnecke, Zonitoides (Hyalina) nitida Müll., welche vorzugsweise der Ebene angehört, ist von W. Thamm bei Johannisbad in wenigen Exemplaren aufgefunden worden. Dr. Rein- hardt führt diese Schnecke in seiner „Molluskenfaiiua der Sudeten" nur aus dem Mährischen Gesenke an, doch selreiut sie im ganzen Gebirge sich zu finden, denn ausser bei Landeck in der Grafschaft Glatz sammelte sie Thamm in ziemlicher Menge am Fusse des Kem- nitz-Kammes bei Kabicliau und bei Friedeberg am Queis. Bis jetzt ist Johannisbad der höchste beobachtete F"undort derselben. Aus der kleinen Schneegrube, welche den einzigen nicht arktischen Fund- ort der interessanten hochuordischen Pupa arctica W'ahlenb. bildet, sind zu den schon bekannten Arten noch folgende Mollusken nach- zutragen : Arion subfuscus Drap., Limax arborum Boucli. und Cocli- licopa lubrica Müll. Am kleinen Teich findet sich nach Merkel Clausula plicatula Drap, und Clauailia cruciata Stud. mit Arion sub- fuscus Drap, und Arion Bourguignati Mab. Die Flora" der Insel San Mayen. (Deutsche bot. Monatshefte. Jahrg. 4, S. 182.) Die botanische Durch'^oischuug der Insel San Mayen wai bisher eine nocn lückenhafie. Es waien nur 11 Phane- rogamen bekannt; Saxifraga caespitosa L., nivalis L., oppositifolia L. und livularis L., Kanunculus glacialie L., Habanthus peploides Fr., Cerastium arcticum Lge., üraba corymbosa BBr., C'ochlearia groenlandica L., Oxjiia digyua Campd. und Catabrosa algida Fr. Keichaidt führt (Die internationale Polarforschung IfiS.' — h'S. Die österreichische Polarstation San Mayen. 3 Band, Wien 1'8G) ausser den genannten noch an: Cyslopteris fragilis Beruh., Enuisetum ar- venee L., Poa alpina L. und flexuosa Wahlenb , Festuca Ofina L. und rubra L., Lazula arcuata Hook, Salix herbacea L., Koenigia islan- dica L.| Polygonum vivipaium L. , Silene acaulis L., Ranunculus pygmaeus 'VN'ablenb., Cardaniine bellidifolia L , Draba alpina L , Saxi- fraga cernua L, Mer;ensia maritima Don und Taraxacum officinale Wigg. San Mayen besitzt im Vergleich zu der Büreninsel mit 38 und zu Spitzbergen mit 113 Gefüsspflanzen eine äusserst arme Flora, eine Erscheinung, die wohl durch den ausgeprägt yulkanischen Cha- rakter der Insel bedingt ist. Lanbanit.ein neuer Zeollth. {N J f Min., Geol. u Palaeont. li^87. Bd. 2, S 64-65.) Im Basalte des Wingendorfer Steinbergs bei Lauban i Schi finden s'ch kleine 3—5 mm grosse, anscheinend dick- stengelige, nach der Mitte aber feinfaserige, excentrische, bisweilen kugelige Bündel, welche fast ausnabms'os auf wa-iserhellen, 5 cm grossen Phillipsitkrystallen aufsitzen, von denen sie sich ziemlich leicht abheben lassen. Diese Bündel wurden früher für Desmin ge- hauen, von welchem sie sich jerloch durch grössere Härte und das Feh'en jedes Glanzes unterscheiden Die chemische Analyse ergab Traube 'ils Cs Si-, H12 Osi = AI2 (Si O.sl.i + Cao ;Si O3) 2 -1- 6 H3O oder Gag Mj (Si O.j) 5 -f- 6 H-/> Demselben wurde der Name Lau- banit gegeben nach dem Fundort Lauban. Seiner chemischen Zu- sammensetzung nach steht der Laubanit dem Laumontit am nächsten. Er ist schneeweis.';, doch ist er aussei lieh blass gelblich durch aus- geschiedenes Eiseuoxydnvdrat gefärbt; er ist nur in dünnen Splitte.-n durchsichtig und ohne jeden nlanz, seine Härte beträgt 4.5 — 5. Nach seinem optischen Verhalten krystallisirt er wahrscheinlich mönoklin, doch konnten Krystallflächen nicht beobachtet werden. Vor dem Lötro'ir schmilzt der Laubau't zu einem schaumigen Glase Von konzentrierter Salzsäure wird er unter Abscheidung von hiieael- gallerte in der Wärme vollständig zerlegt. Die Bildung des Lau- banits ist eine der jüngsten in dem Baaalie des Wingendorfer Stein- bergs. Die Bernsteinflcbte. (Deutsche Botan. Monatshefte, Jahrg. 4. S. 184.) In seiner letzten Arbeit über die Bernsteinflorii, welche Göppert mit Menge im Jahre 1883 veröfientlichte, beschrieb erstcrer auf Grund der untersuchten Holzeiuschlüsse sechs verschiedene Baumspecies als die Mutterpflanzen des baltifchen Bernsteins, welche er zum Teil zu den Taxineen, zum Teil in die Nähe von Abies und Pinua stellte. Conwentz hat die verschiedemn Rinden-, Holz- und Markteile, welche im Bernstein eingeschlossen sich finden, einer sehr eingehenden Untersuchung unterzogen unJ kommt zu dem Re- sultat, dasB alle Bernsteinhölzer zu einer Gattung, nämlich zur Fichte, Picea Lk., gehören. Er lässt es vorläufig dahingestellt, ob das Beru- steinharz von verschiedenen Fichtenarten abstammt, tasst dieselben vielmehr unter einem gemeinsamen Artnamen zusammen, den er Picea succinifera nennt. Die Form der Mehrzahl der gefundenen Nadeln führt zu dem Schluss, dass die Bernsteinfichte als eine Pichte an- zusehen ist, welche tanneiiartige Nadeln trug, also heute in Ostasieu lel)endeQ Arten nahesteht. A. von Groddeck f. Am 19. Juli verstarb nach schwerer Krankheit Dr. Albrecht von Groddeck, Direktor der Berg- akademie zu KlausthaL Geboren zu Danzig am 25. August 1H37, besuchte er das djrtige Gymnasium, welches er mit dem Zeugnis der Reife verlies«, um die Universität Berlin und später das Poly- technikum in Braunschweig zu beziehen. An letzterem Orte ent- sehloss er sich, Hüttenmann zu werden, arbeitete praktisch auf ver- schiedeneu Werken und setzte darauf in Berlin und Breslau seine Studien fort. Vom Herbst 1862 bis ebendahin 1863 besuchte er die Bergakademie Klausthal und war dann bis Anfang Mai 1864 als Chemiker im Privatdienste thätig Am 20. Juli 1865 wurde er defi- nitiv als Lehrer an der Bergakademie zu Klausthal bestellt, nachdem er vom 4. Jlai 1864 probeweise dort~elbst beschäftigt worden war. Am 15. Juli 1867 wurde er kommissarisch mit der Verwaltung der Geschäfte des Direktors der Bergakademie betraut und am 1. Januar 1871 definitiv zum Direktor derselben ernannt, welche verantwortungs- volle Stellung von Groddeck bis zu seinem leider zu schnell erfolgten Tode innehatte. Am 16. Juli 1872 wurde ihm der Charakter eines Bergrats verliehen. Von Groddeck war ein ausgezeichneter Lehrer und Forscher. Seine zahlreichen Arbeiten auf dem Gebiete der Geologie und der Lehre von den Erzlagerstätten werden ihren Wert nie verlieren. Von denselben führen wir die wichtigsten an: „Ueber die Erzgänge des nordwestlichen Oberharzes", Zeitschr. d. deutsch, geolog. Ges. 1866. — „Ueber die schwarzen oberharzer Gangthonschiefer", Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1869. — „Abriss der Geoguosie des Harzes" 1871. Neue Auflage 1883. — „L'eber das Vorkommen von Gold-, Kupfer- und Blei-Erzen in der Provinz Rio Grande do Sul in Bradlien." Berg- und Hüttenm.-Zeit. 1877. — .,Die Lehre von den Lagerstätter der Erze." Leipzig 1879. — ,,Ueber die Erzgänge von Lintorf." Zeitschr. f Berg- Hütten- und Salineuwesea. Berlin 18S1. Bd. 29. — „Zur Kenntnis einiger Sericitgesteine, welche neben und iu Erz- lagerstätten auftreten." N. J. f Min., Geol. etc. 1882. Beil. Bd. 2. ^ „Zur Kenntnis der grünen Gesteine (grüne Schiefer) von Mitter- berg im Salzburgischen." Jahrb. d. k. k. geol. Reicbsaustalt. Wien 18^3. Bd. 33. — „Zur Kenntnis der Ziuuerzlagerstätten des Mount Bischoff in Tasmanien." Zeitschr. d. deutsch, geol. Ges. 1884, Bd. 36, 18S6, Bd. 38 und 1887, Bd. : 9. — „Ueber das Vorkommen von V^ueck- silbererzen am Avala- Berge bei Belgrad in Serbien." Zeitschr. f. Berg-, Hütten- und Salinenwesen. 1885, Bd. 33. — „LTeber Lager- gänge." Berg- und Hüttinm. -Zeitung. 1885. Beiträge werden bereitwUligst entgegengenommen und werden, falls sie Aufnahme findeti. m,it 10 Pf. die zweigespaltene Druckzeile honoriert. Dieselben sind zu adressieren an die Redaktion des Naturwissenschaftler, Berlin SW. 4S, Die Beanttoortung von Anfragen, welche gleichfalls an obige Adresse zu richten sind, geschieht kostenlos. Abonnements, Inserate, sonstige Bestellungen etc. »inä zu richten an die Expedition t das kleine aber praktische Werkchen. Die dem Text beigegebenen 8 Tafeln tragen durch ihre schematische Aus- führung wesentlich zum Verständnis bei. Das Buch kann daher nicht nur den Studierenden, sondern allen, welche sich für Zoologie interessieren, besonders aber den Lehrern bei ihren Vorträgen über diesen Gegenstand nicht warm genug empfohlen werden. Anerbacb, Dr. F., Die Wirkungsgesetze der dynamo-elek- trischen Maschinen. Mit !^4 Abbildungen. Geh. Preis 3 Mk., girb 4 Mk. A Hartleben in Wien. Brass, A., Kurzes Lehrbuch der normalen Histologie des Menschen und typischer Tierfor men. 3. Lfg. Preis 2 Mk. Georg Thieme in Leipzig Dennert, Dr. Eberhard, Die Bakterien. Preis 1 Mk. Gebr. Henninger in Heilbronn. Eyfertb, B., Die einfachsten Lebensformen des Tier- und Pflanzenreichs. Naturgeschichte der mikroskopischen Süss- wasserbewohner. 2. Auflage. Gebunden Preis 16 Mk. Benno (lOeritz in Braunschweig. Fischer, E., Winke für Naturaliensammler. Mit Holz- Ecbnitten und 4 Farbendrucktafeln. Preis 40 Pf. Oskar Leiner in Leipzig. Franz, Dr. med. Rnd., Deutschlands Seh langen mit besonderer Berücksichtigung des Bisses der giftigen Kreuzotter. Mit 2 litho- graphischen Abijildungen Preis 50 Pf Fr. Bartholomäus in Erfurt. Genther, A., Prof. der Chemie in Jena, Beispiele zur Erlernung der quantif. ehem. Analyse, ßroch. Preis 1 Mk. 50 Pt. Carl Doebereiner Nachf. in Jena. Glaser-de Cew, Die Konstruktion der magnet-elektrischen und dyna nio-elektrischen Maschinen. Fünfte Auflage von Dr. K Auerbach. Mit 80 Abbildungen. Geh. 3 Mk., geb. 4 Mk. A. Hartleben in Wien. Gremli, A , Neue Beiträge zur Flora der Schweiz. Heft 4. Preis 2 Mk. Ph. Wirz-Christen in Aaran. 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Nicht nur der Fachmann wird hier vieles Neue und Interessante linden, sondern auch jeder Gebildete. Das Werk Ist eine hervorragende wissenscliaftllche Ersctieinung. [11] **************************************** Meipfi Bieoker-lfitilar« Institut für Mikroskopie [loj empfiehlt Mikroskopische Praeparate au.s allen Ijebieteu und sämtl. Utensilien zur Mikroskopie. Mikroskope der ersten Werkstätten zu sehr günstigen Bedingungen. fl^~ Cataloge gratis. '•8 No. 1. Der Naturwissenschaftler. 11 Verlag von Julius HofTmann in Stuttgart. H. Rebau's Naturgeschichte [15] für Schule und Haus. 850 Seiten Text mit zahlreichen Holzschnitten und 639 Abbildungen auf 51 fein kolorierten Tafeln. Aclite Auflage. Gross Oktav. Preis : Eleg. kart. Dk. 13.—. In Prachtband Bk. 16.—. Das Rebau'sche Werk hat sich bei Lehrern, Naturfreunden und in gebildeten Familien so allgemein eingebürgert, dass es keiner weiteren Empfehlung bedarf. Wir erwähnen daher nur als einen besonderen Vorzug dessen Reichhaltigkeit (da«; Register enthalt über 7000 Namen). — Die Fülle des Materials und die anziehende Schilderung ver- leihen dem Werke neben der Eigenschaft eines „Natui wissenschafllichtii Konversations- lexikons" den Wert einer unterhaltenden Lektüre. nach Linne's System. 80 fein kolorierte Tafeln mit ca. 800 Pflan7en -Abbildungen. - Eleg. kart. 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Um so mehr ist di*'8 von dem vorlietrenden, in mehifacher Beziehung vervollkommneten neuen Jah^-gang zu erwarten, [12j Soeben ist er^chieLeu im Veilage von H. R. Stein in Arnsberg: j Bnseh, Friedrich, Beiträge zur Erkenntniss des Däm- \ merungs-Phänomens. Pnis Mk. l.no. Früher erscliien: Goering, H , Die Sonnenuhr oder praktische Anleitung, die Zeit zu bestimmen, Sonnenuhren verschiedener Art, darunter auch solche, die jede einzelne Minute zeigen, zu construiren. Preis Mk. 2.25. [3j_ Die Chemische Fabrik Dr. Theodor Sohiichardt, (jörlitz (Schles.) ,7] o f f I- r i r t ihre 1' i ä p a r a t >■ f li r wissenschaftliche, pharmaceutische, photographische und technische Zwecke. Calderoni 6c Co. Lehrmittel -Handlung, Budapest (Ungarn). Meusehliche Skelette, Schädel etc. in sdiöiister Montiruog, gewühlte Exemplare. Zersprengte, auf Distanz tuoßtirte, sowie zer'iigte menschl. Schädel, Gebiss-Tablcaux, Skeletttheile, Th ier - Skele t te, Schädel etc. Billigfste Preise. 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Taschenforni. Geh. 9,50 M.. geb. 10,75 M. Mit ;i4 Holzschnitten (320 verschiedene Zeichnungen enthaltend), pflanzengeograph Karten etc^ Die Voll In der Post-Zeitungs-Preisliste für das deutsche Reich ist der „Naturwissenschaftler" unter Jio. 3b2!ta im 14 Nachtrag eingetragen; in der tlir Bayern unter >ü. tSl^ic in der II. Abteilung u. in der tiii- Oesterreich unter Ko. ItiSOa im 4. Nachtrag. Der I'cst Abonnementspreia in Oesterreich ist 1 H. 37 Itr., in der Schweiz 3 fr. 30 cts. pro Quartal. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Carl Kieiuann in Görlitz. — Verlag von Rieniaun & Möller, Berlin S.W. 48. Druck von Gustav Hofi'mann, Berlin C. Allgemein verständliche Wochenschrift für sämtliche Gebiete der Naturwissenschaften. Ahonnementspreia : Bei den Postanstalten und Buch- handlungen vierteljährlich^ 2. — ; Bringegeld bei der Post 15 ^ extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition „Ä 2,40. Redaktion: Dr. Carl Riemann. Verlag von Riemann &. Möller, Berlin S. W. 48. Friedrich-Strasse 226. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 ^. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilat;en JC 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. JalirgaDg. Sonntag-, den 9. Oktober 1887, No. 2. Der Abdruck der Originalartikel ist nur mit Genehmigang der Verlagshandinng gestattet. Inhalt: An unsere Abonnenten! — Dr. Keinhold ßrehni: Raubvög;el-Brutstätteu in Central-Spaiiien. — Dr. J. Grönland: Ueber ileischverdaueride PÜauzeu (Schluss). — Die Verbreitunjj der Zirbelkiefer in den bayrischen Voralpen. — Südafrikanische Diamanten- und Goldprodiiktion im Jahre 188b. — Dr. Krnst Redeut: Ueber den jetzigen Standpunkt der coelestischen Photographie. — Kleinere Mitteilungen: Ein bisher noch nicht beobachteter Bürger der Fauna. Die Molluskenfauna der atlantischen Inseln. Der Aachener Meteorit. Astronomisches. L. G. de Koninck f. — Litteratur: H. Mohn, Grundzüge der Meteorologie. — Bibliographie. — Inserate. An unsere Abonnenten! jliingelaufene Anerkennungsschreiben legen Zeugnis davon ab, dass der ,, Naturwissenschaftler" von vielen Seiten mit grosser Freude begrüsst worden ist. Sie sollen uns anspornen, auf dem betretenen Wege immer weiter vorwärtszuschreiten, damit alle Lehrer und Erzieher die segensreichen Fortschritte der Natur- wissenschaften sich zu Nutze machen können und damit auch beim grossen Publikum unsere Wissenschaft als die nützlichste und wertvollste immer mehr Eingang finde. Es ist uns gelungen, als Mitarbeiter noch nachstehende Herren zu gewinnen: Herr Professor F. Blumen tritt in Leitmeritz (Böhmen); Herr Dr. C. von Gehäusen in Kessenich bei Bonn; Herr Dr. Cracau in Leipzig; Herr Dr. Emil Deckert in Loschwitz-Dresden; Herr Dr. D[ränert in Hamburg; Herr Dr. J. Frita in Rexlingen b. Drulingen i. Eis.; Herr Professor Dr. A. Gruber in Freiburg i. B.; Herr Lehrer Jülicher in Frauenhagen (Kreis Angermünde); Herr Dr. Rob. Keller in Winterthur; Herr Dr. Knuth, Verfasser der „Flora von Schleswig-Holstein" in Kiel; Herr Dr. W. Kobelt in Schwanheim a. M. ; Herr Professor Dr. Kreusler in Poppeisdorf b. Bonn; Herr Professor Dr. Kurd Lasswitz in Gotlia; Herr Dr. Carl Lohs in Einsiedel bei Chemnitz; Herr Dr. G. Müller in Potsd.im; Herr Gymnasialoberlehrer J. Plassmann in Warendorf (Westfalen); Herr P. Riedel in Tempelburg (Pomm.); Herr Privatdocent Dr. J. E. ^Veiss in München; Herr Dr. R. Worms in Leipzig; Herr Professor Zeiss in Landshut. Wir bedürfen aber zur Verbreitung unseres jungen Unternehmens der energischen Unterstützung unserer Leser und darf man uns wohl nicht unbescheiden schelten, wenn wir um Mitteilung von Interessenten aus ihren Bekanntenkreisen bitten. Namentlich ersuchen wir die Herren Lehrer uns bekannt geben zu wollen, wann und wo grössere Lehrerkonferenzen, Versammlungen oder sonstige Zusammenkünfte abgehalten werden, damit wir Probe- nummern zur Verteilung einsenden können. Berlin, S.W. 48. Friedricli-Strasse 226. Mit ausgezeichneter Hochachtung Die Redaktion und die Verlagshandluiig. Raubvögel- Brutstätten in Central-Spanien. V^on Dr. Reinhold Brehm. Dem Naturfreunde oder Jäger, welcher die kasti- liauische Hochebene etwa in der Richtuno; von VaUadolid nacii Madrid durchkreuzte, dürfte die grosse Aiizalil von Raubvögeln aufgefallen sein, welche er über jenen kahlen, baiunlosen, weitau.'^gedehnten Elieneii, im I)lauen Aether kreisend oder mit raschem Fluge dem sie quer durch- schneidenden Gebirgszuge der Sierra dt' Cxuadanama (C'ordillera Carpeto-vetönica) zustrebend, zu heul »achten Gelegenheit fand. War der Reisende Naturforsclier und scharfer Beobachter, wird er /.nuächst die drei in Spanien tuid im übrigen Südeuropa heimischen Geicr- arten unteischiedeu haben, zuerst den Kutten-, Möuchs- oder grauen (leier (Vidtur cinereus), den zweitgiiii^steu Raubvogel Einopas, ausgezeichnet im Fluge dmch die dunkle, beinahe schwarz erscheinende P^arbe seines (le- fiedeis, diucb seine breiten Scliwingen \m(\ den dazu im Verhältnis autiäihuid kinzen Sclnvnnz. Genanntem luäcli- tiffeu Flieaer folfft fast immer sein beinahe ebenso mäch- tiger Gattungsverwandter, der fahle oder Gänsegeier (Gyjisftdvus). Gleich majestätisch wie der erstgenannte. 14 Der Naturwissenschaftler. No. 2. wiegt er fast ohne Flügelsclilag in der reinen, durchsich- tigen Luft sich dahin, in etwa tausend Meter Hölie weite Kreise beschreibend und die tief unter ihm die Ebenen nach Aas durchspähenden Milane beobachtend, ob sie di<-ht über dem Boden enge Kreise ziehen imd mit ge- senkten Fängen oftmals nach unten stossen, ein sicheres Zeichen, dass sie ein totes Tier entdeckten, oder ob sie jagend nach lebendem Getier hin und herstreicheu. Ueber- zeugte er sich, dass letzteres der Fall, steigt er in Schneckenwindungen zu solchen Höhen empor, dass er dem menschlichen Auge nur noch als dunkler Punkt er- scheint oder auch wohl gänzlich entschwindet. Dort, wo die beiden genannten grossen Geier erscheinen, dürfte der kleinste Vertreter der Gattung, der schmutzige Aas- vogel (Neophron iiercno])terus) nur selten vermisst werden, denn er pflegt ihnen in gleicher Jlöhe nachzuziehen und über dem aufgefundenen Aase mit ihnen die gleichen ]v reise zu beschreiben. P> ist jedoch von seinen Ver- wandten leicht zu unterscheiden, einmal durch seine viel geringere Grösse, sodann durch seine spitzen Flügel und seinen langen stufenförmigen, dem des Bartgeiers in Form ähnlichen Stoss oder Schwanz. Trägt der Malthesergeier — auch solchen Namen hat man ihm beigelegt — bereits sein ausgefärbtes, in dei- reinen fjuit jener Zone schnoe- weiss glänzendes Kleid, so hat ci' im Gefieder grosse Aehnlichkeit mit dem weissen Storche, da ihm ja auch die schwaizen Schwingen nicht fehlen, und wird vom Kenner so leicht nicht mit einem anderen h'aubvogel verwechselt werden können. Während seine beiden vorgenannten Gattungsver- wandten fast ausschliesslich vom Aase sich nähren und nur ausnahmsweise ein krankes oder vielleicht gefesseltes oder angebundenes Tier — junge Ziege, Schaf, Keh — an- greifen, verschmäht derschmutzige Aasvogel kli'inere waiiii- oder kaltblütige Geschöpfe durchaus nicht, erfasst mitseinen scharfen Krallen, was er erwischen und bewältigen kann und macht mit wenigen wohlgezielten Schnabelhieben jener Leben ein Ende. Häufig genug koiuite ich ihn beobachten, wie er dem Storche gleich auf feuchten Wiesen, an Bach- und Fhissufern, selbst an der Seeküste umherspazierte, Heuschrecken und Fni.sche jagend oder ans Ufer gcsjmlte tote Fische, Krebse, Krabben und anderes Seegetier verspeisend. Aber auch der schön schwarz und grüngelb, an den Seiten mit himmelblauen, schwarzeingefassteu Punkten gezeichneten grossen Eidechse (Lacerta ocellata oder margaritata), welche in grosser Anzahl Spaniens Gebirge und heisse, trockene Ebenen bewohnt, ist er ein gefährlicher Feind, lauert ihr, der rasch beweglichen, mit stoischer Kühe stundenlang an ihrer Wohnung — hohlen Stämmen und Wurzeln, ver- lassenen Kaninchenbauen, Steinhaufen — auf und erfasst sie mit sicherer Kralle, sobald sie ihren bergenden Schlupf- winkel zu verlassen wagt. Von den drei genannten Aasgeiern wird das Auge des Beobachters unschwer den stattlichsten, schönst- gefiederten und i)rächtigsten aller europäischen Raubvögel unterscheiden, den Geieradler, Bart-, Lämmer-, Gemsen- oder Jochgeier (Gyi)aetos barbatus). Grösse, spitze Flügel und langer, stufenförmiger Schwanz zeichnen ihn im Fluge, selbst aus grjlsserer Entfernung gesehen, vor allen übrigen gefiederten Luftbewohnern aus und lassen nur etwa in weitester Ferne ihn an tiestalt dem Turmfalken (Ceichneis tinnuncula) ähnlich erscheinen. Einsam, selten paarweise, wohl -.liemals in grösserer Anzahl durcheilt er ohne Flügel- schlag oder mir zuweilen die mächtigen Schwingen nach unten faltend, sein weites Kevier, jetzt wenige Meter über dem Boden ])feilschnell dahinjagend, jeden Beigrücken, jedes Thal oder jede Schlucht nach Beute durchspähend und absuchend; jetzt langsam weite Kreise beschreibend und nach einei- bestinuiiten Höhe strebend, um dort angelangt, eine gewisse Jiichtung einzuschlagen und in wenigen Mi- nuten aus ilem Gesichtsfelde des Heobaihters zu ent- schwinden. Vom Geieradler bis zum zierlichsten der in Spanien heimischen Falken, dem Ivötelfalken (Cerchneis cenchris) herab, kann man dort die verschiedensten Haubvögel zu (jesicht bekonunen, so dass sich dem Naturfreunde unwill- kürlich die Frage aufdrängt : wo findet solch grosse An- zahl gefiederter Käuber hinreichende Nahnuig und wo liassende Nistidätze in jenen baumlosen Ebenen und auf jenen kahlen Gebirgen? Beide J^ragen zu beantworten ist Zweck dieser Zeilen. (Fortsetzung folgt.) lieber fleischverdauende Pflanzen. Von ür. J. Gr( Ist dieser Akt der Verdauung vollständie; vollzotren, so hören die Drüsen auf, Schleim abzusondern, lassen all- mählich voneinander, und dei- Wind entfühit die Ueber- reste der Tierchen, während sich das Blatt allmählich wieder in normaler Weise ausbreitet, die Drüsen wieder Schleim absondern und sich zu einem neuen Lisekten- fange anschicken. Fs liegt nun die Frage nahe, ob die Drosera-Prtauze zu ihrem Gedeihen dieser animalischen Nahrung bedarf oder nicht, da sie doch auch durch die Wurzeln aus dem Boden Nahrung aufninunt. Eine e.\;- perimentelle Lösung dieser Frage erheischt ganz besondere Vorsicht und Umsichtigkeit, denn wenn man als Ver- gleichsobjekte solche Pflanzen wählte, die man im Freien gesammelt hatte, so konnte man ja durchaus nicht wissen, in welchem Grade die Pflänzchen bereits animalische Nahrung uland. [Schluss.] genossen hatten. Man musste al.so die Vergleichspflanzen aus Samen erziehen und nun einem Ted der Pflanzen in miigliclist gleichmässiger Weise Fleischnahrung zuführen, dem anderen dagegen- dieselbe vollständig vorenthalten. Dieser ^^'eg ist denn auch eingeschlagen worden und es hat sich (lal)ti herausgestellt, dass allerdings in beiden Fällen die Pflanzen sich normal entwickelten, bei Dar- reichung stickstoü'haltiger Nahrung dagegen kräftiger gediehen. Daraus darf man wohl die Folgerung ziehen, dass die Fleischernährung der Blätter keineswegs" ein Idosses eigentümliches Spiel der Natur ist. Bei der anderen oben genannten Pflanze, der Schuppen- wurz (Lathraea Squamaria), welche man nicht selten in schattigen Wäldern schmarotzend auf den Wurzeln ver- schiedenei- Bäume und Sträucher. namentlich des Hasel- No. 2. Der Naturwissenschaftler. 15 nussstrauclies antrift't, ist mm der Mecliimismus, welclier zur Gcf'angeimelmiung der Tiere dient, ein ganz anderer. Diese Pflanze ist eine echte iSchinarotzer])tlanze, die niclit assimilieren, d. li. nnorganiselit; Bestandteile anfnehnien und in Pflanzensubstanz imi\yandeln kann. .Schon ihr Mangel an IJlattgiün und ihr bleiches, hellamethyst- f'arbenes Aussehen, sowie der Aufenthalt des mit dickiMi, flei= schigen Ulätteni besetzten Stengels in der Erde deuten darauf hin; nur die einseitswendigen Blüten- trauben ragen über den Boden Bistte,- .urLathraea squamaru .•^ !• 1 n • 1 • -Dl aus: Potonie,llIustrirteFIur;iNord. hervor. Die dickfleischigen Blat- „„d Mitteldeutschlands, Verlag ter sind es nun, welche Fang ■">■" "oritz Boas in Berlin. und Verdauung der im Boden beiindlichen Tiere, kleiner Insektenlarven und Würmer, übernehmen. Betrachtet man ein solches Blatt mit einer Lupe Aon der dem Stengel abge- wandten Seite, so bemerkt man licht durchscheinend eine An- zahl senkrecht gestellter, Länglicher, ausgezackter Höhlun- gen, noch besser gewalu-t man dieselben, wennmanmiteinem scharfen Messer die vordere Schicht des Blattes weg- nimmt. Ein das Blatt von der Seite von oben nach unten treffender Schnitt zeigt nun, dass die Kanuner zum Fan- gen der Beute am luiteien Ende einen Vorsprung, der Rückenseite des Blattes gegenüber, hat, so dass die In- sekten leicht in die Kammer schlüpfen können, es ihnen aber des versiierrendcn Vorsinunges wegen nicht leicht möglich ist wieder zu entkommen. In den Kammern werden sie nun durch ]>rotoplasmatische Strömungen aus gewissen Zellen festgehalten und verdaut. Andere Vorgänge der Fleischnahrung werden noch mehreren Pflanzen aus unserer heimischen Flora, nament- lich aus den Gattungen Bartschia, Aldrovandia, Pingui- cula, Utricularia, nachgesagt. Für diesmal möge es ge- nügen auf die beschriebenen aufmerksam gemacht zu haben. Die Verbreitung der Zirbelkiefer in den bayrischen Voralpen. (Bot. Centralblatt Bd. PinusC'embra ist nach Dr. Dingler aus den bayrischen Alpen bisher nur von den höheren Stöcken des Älgäu, wo sie an ganz wenigen Punkten noch in einzelnen Stäiiunen vorkommt, ferner aus dem Wetterstein und Karwändel und endlich aus dem Berchtesgadener Gebirge bekannt gewesen. In ansehnlichen Beständen tritt sie nur im Wetterstein sowie in Berchtesgaden auf. NachSendtner findet sie sich im Allgäu bei 5218 Par.' Höhe, im Wetter- stein zwischen 4552' und 5956', besonders schön aber zwischen .5200' und 5600' und in Berchtesgaden zwischen 4472' (sogar 4234' Keitalm) und 6300' (steinernes Meer). Ganz zu fehlen schien sie dem niedrigen östlichen Teile des Mittelstockes zwischen Isar und Inn, den Tegernsee- Schlierseer Alpen, welche nirgends GOOO' Höhe erreichen. Erst auf den höheren, den Achensee umgebenden Stöcken dieses Teiles der nördlichen Kalkalpen Tirols war sie bishei' bekannt und hier nur in vereinzelten kümmer- lichen Kesten, welche aller Wahrscheinlichkeit nach früher eine sehr viel bedeutendere Ausbreitung gehabt haben müssen. Die Zirbelkiefer findet sich aber auch in dem dem Schliersee benachbarten Stocke der roten Wand und zwar an verschiedenen Stellen. Vor allem an dem Ost- abfall des vom Jägeikam]^ zur roten ^^'and ziehenden Gi'ates, und zwar an einem vom Taubenstein nordöstlich gegen die Krottenthaler Alpe vorspringenden Felskopf in einer ^leeieshöihe von beinahe 5000' (1600 iit). Ge- messen ist der Punkt bis jetzt nicht. Sie findet sich daselbst in Gesellschaft von hochstämmigen Fichten und Krummholz in vier starken Stämmen und einigem jungen iSachwuchs, dai unter eine grössere Anzahl von ca. 2 m hohen, aus einem einzigenZapfen aufgegangenenExeniplaren. Ein in der Felsiitze einer Wand nicht weit vom obern Rand wurzelnder Baum, zu dem man nur gelangen kann, indem man auf die fast hoiizontale Stanunbasis sich liinablässt, niisst 40 cjh übci' dieser 45 cm im Dunh- 30, Seite 222-223.) messer und mag etwa 15 ni. hoch sein. Der Baum, welcher auf seiner Westseite in Folge der Stürme fast astlos ist, ist dabei aber ganz gesund und trug zahlreiche wohlent- wickelte Za])fen. Er ist sicherlich nicht viel weniger als 100 Jahre alt. Ferner findet sich die Zirbelkiefer an dem schroffen Felskopf am Soinsee bei der Grosstiefenthaler Alpe, östlich von der Rotwand, und ebenso soll sie au den westlichen Abfallen vereinzelt vorkommen. Ein letzter Punkt, wo sie nach Dinglers Erkundigungen bei den Foi st- leuten ebenfalls vorkommt, ist der Nordabfall des Miesing. Hier soll sie an der oberen Waldgrenze in einer Anzahl jüngerer Exemplare vorhanden sein, während vor 25 Jahren dort der letzte starke Stamm gefällt wurde, dessen Holz Einrichtungsstücke für eine Sennhütte der Klein- tiefenthaler xVlpe lieferte. Die Herdeinfassiuig dieser Hütte besteht in der That, wie Dingler konstatierte, aus Zürbenholz. Die Zirbelkiefer ist somit zweifellos im Rotwaud- stocke einheimisch und nicht etwa nur angebaut. Nach ihrem so zerstreuten Vorkommen kann man sogar mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass sie, wie in anderen Teilen der Alpen, auch hier dereinst viel verbreiteter gewesen sein muss. Freilich, ob der Mensch sie zurückgedrängt hat, oder ob sie im freien Konkur- renzkam ])f mit dei- siegreichen Fichte unterlag, ist hier kaum zu entscheiden. Jedenfalls muss die Verdrängung schon weit zurückliegen, indem sonst wohl mehr Reste in den niederen (rebirgen erhalten wären. Angepflanzt, gedeiht sie bekanntlich bis in die Ebene hinab ganz gut und trägt auch reife Früchte. Den benachbarten Stöcken, welche ähnliche Höhen erreichen, und mindestens ebenso treeisneten Boden bc- sitzen, scheint sie dagegen zu fehlen, so wenigstens dem Wendelsteinstock, der überhaupt an alpinen Arten viel ärmer als die Rotwand ist, wenn er auch einzelne seltene .\i'teii, wie Saussurea pygmaea, mit ihr gemeinsam, eine 16 Der Naturwissenschaftler. No. 2. einzige, Campamila alpina, sogar vor ihr voraus hat. Immerhill wäre es möglich, dass der Grosse Traithen oder der westlich gelegene Kamm des Wallbergs bis zum Risserkogl, welcher noch durchaus nicht genau durchforscht ist, Reste der Zirbelkiefer birgt. Südafrikanische Diamanten- und (Neues Jahrbuch für Miu., Geol. u. Was zunächst die Diamanten -Produktion anbetrifft, so ist dieselbe für die Dry-Diggings in CTri(|iia];uid-West direkt angegeben; für die Gruben am ^'aaltlllss und für die Dry-Diggings im Orange-Freistaat uiuss man in Er- manglung anderer Anga])eii die Einfuhr von dort nach Kimberley als Produktion ansehen, obwohl in Gri(|ualand- West gestohlene Diamanten immerhin auf diesem ^^ ege in den Handel gel)raclit werden können. Jedenfalls wird die Gesamt- Produktion noch etwas grösser sein, als sich aus den unten folgenden Zahlen ergiebt, da sicherlich auch jetzt noch gelegentlich Diamanten ausgeführt werden, welche sich der offiziellen Kontrolle entziehen, wenn auch infolge der veränderten Besitzverhältnisse seltener, als in früheren Jahren. im vV erte von Produktion Kimberley 889 P64 Karat 17 670 064,75 Mk. Old de Beers 795 895 „ 15 094 717,50 „ Du Toits Pan 700 SO'i'/i „ 19 544 0=0 00 „ Bult foutein 661 339 Vj „ 12916133,20 „ St. Augustine .... 239V4 „ 6 486,50 „ Einf. V. d. River Digging.s 38 673'/8 ,, 1 ß!>6 591,75 „ „ a. d. Oran ge-Freistaat . ■ 7-^ 3033/4 „ 2 681 757,00 „ Zusammen 3 159 617V8 Karat 69 609 831,60 Mk. Man kann wohl annehmen, dass Süd-Afrika in den letzten 15 Jahren (1872—1886) tür eine Milliarde Mark Diamanten geliefeit hat. Die Produktion iiat sich im ver- tlossenen Jahre niclit unerheblich gesteigert, da sie 1883 bis 1885, in welchem ZeitriUiiii sie ziemlich konstant war, durchschnittlich nur 2 372 809^8 Karat im Werte von 53 617 099,20 Mk. pro Jahr betrug. Dieser Fortschritt ist wohl in erster Linie der Einführung eines nnterirdi- sclien Abbanes zuzuschreiben, infolgedessen Al)riitsciiungcn des Nebengesteins nicht mehr wie früher so bedeutende Betriebsstörungen verursachen k("iniien. Ausserdem mag die Ende 1885 fertig gestellte Eisenbahn - Verbindinig zwischen Kapstadt und den l^iamantfeldern nach mancher Kichtung fördernd gewirkt haben. Nachdem schon im Laufe des letzten Jahrzelmts der Privatbesitz von Aktiengesellschaften übeinommen worden ist, deren Zahl sich allmählich verminderte, dürfte jetzt eine noch umfangreichere Verschmelzung in naher Aussicht stehen, so dass wahrscheinlich bald jede Grube in der Hand einer oder einiger weniger Gesellschaften vereinigt sein wird. Die 8 grössten Aktiengesellschaften repräsen- tierten Ende 1886 ein Aktienkapital von nahezu 70 Mil- lionen Mark, und es wurde für das letzte Vierteljahr eine durchschnittliche Dividende von 4*/s ^/o erwartet. Weniger günstig hat sich bisher die Goldproduk- Gold-Produktion im Jahre 1886. Paläoat. 1S87. BJ. y, S 81—33.) tion gestaltet. Obwohl man in den letzten Jahren an vielen Punkten Süd-Afrikas Gold gefunden hat und zahl- reiche Compagnien mit einem sehr bedeutenden Kapital gegründet worden sind, so erscheinen doch die aus der Goldausfuhr hervorgehenden thatsächlichen Erfolge einst- weilen noch recht unbedeutend. Aus Transvaal, wo die bis jetzt produzierenden Goldfelder fast ausschliesslich gelegen sind, wurde über Kapstadt und Natal in den ersten 10 Monaten von 1886 für 2 412 940 Mark aus- geführt, gegen 1 390 860 Mark im Jahre 1885. In dem Zeitraum 1874 — 1884 betrug die Goldausfuhr durch- schnittlich pro Jahr 784 810 Mark. Dabei sind aller- dings diejenigen Goldmengen nicht einbegriffen, welche nach Delagoa Bai gelangten, oder durch private Beförde- rung sich der Kontrolle entzogen haben. Aber selbst wenn man diese letzteren Beträge verhältnismässig hoch veranschlagt, so handelt es sich doch nur um geringfügige Summen, wenn man bedenkt, das die Vereinigten Staaten allein 1884 für 135 520 000 Mark produzierten. Trotzdem sind die Aktien zum Teil in ganz unglaublicher Weise gestiegen, diejenigen der Sheba Reef Gold Mining Co. z. B. von 20 Mk. Nominalwerth bis auf 2000 Mk. Wenn auch die Produktion sich wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht unerheblich steigern wird, so ist doch die jetzige Spekulation einer gedeihlichen Entwick- lung sicher nicht förderlich. Von den in letzter Zeit aufgefundenen Goldfeldern liegen die ausgedehntesten und am besten durchforschten, die De Kaap Goldfelder, südöstlich von Lydenburg, zwischen dem Krukoililtluss und Komatifluss : eine zweite Gruppe durchzieht der mittlere Transvaal in der Rich- tung von Ost nach West, dem Verlauf des Witwatersrand folgend: eine dritte Gruppe gehört dem Knysna-Distrikt in der südöstlichen Ka])kolonie an. Hierzu kommen noch eine ganze Reihe anderer Punkte, über welche bisher aber weniger eingehend in den südafrikanischen Zeitungen berichtet worden ist. M(')gen auch einzelne Angaben sich nicht bestätigen, so steht doch soviel fest, dass Gold im östlichen und centralen Teile von Süd-Afrika und besonders in Transvaal in ganz ausserordentlicher Verbreitung vorhanden ist. (_)b aber die Fundstätten so reich sind, dass die Produktion für den Weltmarkt von erheblicher Bedeutung werden wird, lässt sich einstweilen noch nicht übersehen. Bemerkens- wert ist noch, dass das Gold am Witwatersrand in Konglomeraten auftreten soll. lieber den jetzigen Standpunkt der coelestischen Photographie. \'oa Dr. Ernst Ke i ■ut. Kurz nach der Erfindung des photographischen Ver- fahrens, zur Zeit der Daguerreotypie, hat man schon mit den Versuchen begonnen, diese neue Methode der Zeichnung auf die Darstellung der Himmelskörper anzuwenden. Biese Ver- suche sind natürlich nur unbefriedigend ausgefallen, und erst mit der Erfindung des nassen KoUodiuraverfahrens beginnt die coelestische Photogr.aphie an Bedeutung zu gewinnen. Bei der verhältnismässigen Unempfindlichkeit der Kollodiuraplatten No. 2. Der Naturwissenschaftler. 17 konnten sich die Versuche hauptsächlich nur auf hellere Ob- jekte erstrecken, also auf SonnLi und Mond, und i;t in dieser Beziehung damals schon ganz Vorzügliches gi-leistet worden. Erst mit der Anwendung der trockenen BromsilberGela- tineplatten konnte man die Photographie ipit Erfolg auch auf die schwächsten coelestischen Objekte ausdehnen, da diese Platten einer ausserordentlichen Empfindlichkeit bei grosser Bequemlichkeit der Handhabung fähig sind. Augenblicklich werden mit wenigen Ausnahmen nur noch die Trockenplatten in der coelestischen Photographie benutzt, bei den Aufnahmen hellerer Gestirne mit Unrecht; denn trotz der vielfachen Vorteile, die ihre Anwendung bietet, stehen sie in einer Beziehung sehr hinter den KoUodiuniplatten zurück. Die letzteren besitzen nämlich ein ganz bedeutend feineres Silberkorn als die Gelatineplatten, so dass sie nachherige Vergrösseruugen um mehr als das Hundertfache vertragen, während bei den jetzigen Trookenplatten eine zehnfache Ver- grösserung schon nicht mehr gut anwendbar ist. Bei der Ausmessung von Photographien himmlischer Objekte ist aber die grössere Feinheit des Silberkorns von grossem Vorteile, und erst durch die Ausmessung erhalten die coelestischen Photographien ihre eigentliche Bedeutung. Wir wollen nun vom geschichtlichen Gange der An- wendung der Photographie auf die Gestirne ganz absehen und versuchen , dem Leser einen kurzen Ueberblick über das zu geben, was augenblicklich auf diesem Gebiete geleistet wird, und welcher Aufschwung diesem Zweig der Astrophysik demnächst bevorsteht. Vielleicht haben wir in einem späteren Artikel Gelegenheit, über irgend ein Kapitel einmal etwas Ausführlicheres mitzuteilen. Bei der ungeheuren Intensivität des Sonnenlichtes kann mau sehr unempfindliche Platten verwenden und muss ausser- dem noch Sorge für eine nur momentane Belichtung tragen. Zur Erreichung di' ses Zweckes kann man verschiedene Wege einschlagen, am einfachsten dürfte wohl die Anwendung fines vorbeifliegenden Spaltes sein. Expositionszeiten von weniger als '/500 Sekunde genügen vollständig, selbst wenn das direkte Sonnenbild des Objektives durch ein Vergrüsserungssj'stem stark vergrössert « ird. Solche Sonnenphotographien zeigen zuweilen ganz über- raschende Schärte und eine Menge Details auf der Sonnen- obeifläche. Man braucht hier nur an die Janssen'schen Sonnen- photographien zu erinnern, sowie an die Aufnahmen, welche auf dem astrophysi kaiischen Observatorium zu Potsdam an- gefertigt werden. Auf letzterem Institute werden zum Zwecke nachheriger Ausmessung der Eleckenpositionen täglich Auf- nahmen der Sonne gemacht vermittels des sogenannten Helio- graphen, eines Instrumentes, dessen kurze Beschreibung viel- leiolit interessieren dürfte. Das Fernrohr von 4 ;// Länge und 16 cm OefFnung ist fest auf einem Pfeiler in der Richtung der Erdachse gelagert, so dass sein Objektiv auf den Spiegel eines darunter befindlichen grossen Heliostaten zeigt. Dieser wirft die Sonnenstrahlen in das Objektiv hinein und wird zu diesem Zwecke durch ein Uhrwerk bewegt. Am oberen Ende des Fernrohrs ist die Camera angebracht; der Momentverschluss besteht in einem durch eine starke Feder vorbeizuschnellenden Spalte von verstellbarer Weite. Die gewöhnliche Grösse der mit diesem Apparate erhaltenen Sonnenbilder ist 10 cm\ sie zeigen zuweilen selbst noch die feinsten Details auf der Sonnenoberfläche. Einige der mit stärkeren Vergrösserungen angefertigten Bilder sind von ganz vorzüglicher Schärfe. Das grösste Hindernis bei der Herstellung guter Sonnenphotographien ist die Unruhe der Luft, sowohl der äusseren, als auch derjenigen im Innern des Fernrohrs. Sie ist die Uisache, dass man wirklich vor- zügliche Bilder nur selten erhält. Auch bei totalen Sonnenfinsternissen hat man die Photo graphie mit Vorteil angewandt zur Fixierung der eigentüm- Ichen Formen von Corona und Protuberanzen. Die Versuche dagegen, welche beim vorletzten Venusdurchgange angestellt wurden, um durch Ausmessung von Aufnahmen dieses Phä- nomens möglichst genaue Positionen der Venus auf der Sonnen- scheibe zu erhalten, sind nicht als geglückt zu betrachten. Photographischen Mondaufnahmen scheint man in den letzten .Jahren wenig Aufmerksamkeit zugewandt zu haben. Die schon vor längerer Zeit angefertigten Mondphotographien von Rutherford können wohl noch immer den ersten Platz beanspruchen. Sie sind sehr schön und zeigen eine Menge Einzelheiten der Mondoberfläche mit grosser Schärfe, können jedoch nicht mit den grossen Mondkarten von Mädler und Schmidt konkurrieren. Die Anwendung der Photographie auf die grossen Planeten und auf Kometen stösst schon auf bedeutend grössere Schwie- rigkeiten. Die Helligkeit der grossen Planeten genügt zwar noch, um im Brennpunkte grosser Fernrohre Bilder bei etwa 1 Sekunde Expositionszeit zu geben, dieselben sind aber dann so klein, dass kaum etwas auf ihnen zu erkennen ist. Bei Anwendung von Vergrösserungen muss schon länger exponiert werden, dann kommt aber die Schwierigkeit der exakten Be- wegung des Fernrohrs hinzu, worauf wir noch bei Gelegen- heit der Stellai Photographie zurü kkommen werden. Die besten Photographien, die man bis jetzt von Jupiter und Saturn hat, sind von den Gebrüdern Henry in Paris angefertigt, einen wissenschaftlichen Wert besitzen sie aber kaum. Auch mit dem Photographieren von Kometen ist man noch nicht weit gekommen. Hier wirkt besonders störend die so sehr ver- schiedene Helligkeit von Kern und Schweif. Es ist nicht möglich, bei einer Aufnahme den ganzen Kometen scharf zu erhalten, da entweder der Kern überexponiert ist oder die entfernteren Schweifteile überhaupt nicht auf der Platte er- scheinen. Sternschnuppen hat man ebenfalls photographisch zu fixieren gesucht, was zur Bestimmung ihrer Bahnen sehr wichtig sein würde ; man scheint aber bis jetzt noch keinen Erfolg dabei gehabt zu haben. Wir kommen nun zum wichtigsten Teile der coelestischen Photographie, zur Stellarphotographie, die neuerdings einen bedeutenden Aufschwung genommen hat nnd nach Ausführung der Beschlüsse der astronomisch- photographischen Konferenz in Paris, die in diesem Frühjahre stattgefunden hat, geradezu epochemachend für die Astronomie werden wird. Wir wollen uns deshalb mit diesem Gegenstande etwas ausführlicher be- schäftigen. Einen eigentlichen Wert besitzen Aufnahmen des Fix- sternhimmels nur dann, wenn sie noch die schwächeren Sterne aufweisen können und zugleich eine solche Genauigkeit be- sitzen, dass Messungen auf der Platte den direkten Messungen am Himmel nicht nachstehen. Trotz der grossen Empfindlichkeit der Bromsilber-Gela- tiueplatten sind beide Bedingungen gleichzeitig nur äusserst schwierig zu erfüllen, da selbst bei sehr grossen Fernrohren Expositionszeiten genommen werden müssen, die mindestens eine halbe Stunde betragen, während welcher Zeit das Bild eines Sterns mit einer allen Anforderungen entsprechenden Genauigkeit auf derselben Stelle der Platte festgehalten werden muss. Die bis jetzt erreichte Genauigkeit, mit welcher grössere Fernrohre dem scheinbaren Laufe der Sterne durch ein Uhr- werk folgen, ist zwar eine sehr bedeutende, reicht aber nur in den seltensten Fällen an das, was hier verlangt wird. Aber wenn man dies auch erreichen könnte, so tritt ein Um- stand hinzu , der durch keine automatische Einrichtung be- seitigt werden kann. Dies ist die Strahlenbrechung des Lichtes in unserer Atmosphäre, oder vieiraehr nicht sie selbst, sondern ihre Aenderung mit der Höhe der Gestirne über dem Hori- zonte. Während der langen Exposition ändert sich die Höhe der zu photographierenden Himmelsgegend, mit ihr die Re- fraktion und also auch dir Ort des Sternes auf der Platte. Man hat deshalb schon frühzeitig das menschliche Auge zu Hülfe genommen, um beständig den Gang des durch ein Uhrwerk ge- triebenen Instruments zu berichtigen und den Einfluss der atmosphärischen Strahlenbrechung zu beseitigen. Dies in der bis jetzt vollkommensten Weise erreicht zu haben, ist das Verdi nst zweier französischer Astronomen, der Gebrllder Henry in Paris. Sie haben das Problem dadurch gelöst, dass 18 Der Naturwissenschaftler. Mo. 2. sie zwei Fernrohre von derselben Brennweite, mit Objektiv- öffnungen von ] 2 und 9 Zoll verwenden, welche fest mit einander verbunden sind, so dass beide genau dieselben Be- wegungen ausführen müssen. Ihre optischen Achsen sind einander parallel, und mithin beherrschen beide genau dieselbe Stelle des Himmels. Während nun an dem einen Fernrohre mit grösserer Objektiv-Oeffnung die photographische Camera mit der empfindlichen Platte befestigt ist, befindet sich am anderen ein stark vergrösserndes Okular. Hier ist nun der Ort des Beobachters, dessen ganze Aufmerksamkeit mit der grössten Anstrengung darauf gerichtet ist, während der Dauer der Exposition einen bestimmten, im Gesichtsfelde befindlichen Stern mit einer Marke im Fernrohr in beständiger Koincidenz zu halten. Treten kleine Störungen im Gange des Fernrohrs ein, so wird mittels der sogenannten Feinbewegung sofort die frühere Einstellung wieder hergestellt, und ebenso wird der Einfluss der Strahlenbrechung für den als festen Punkt dienenden Stern aufgehoben. Auf diese Weise ist es nun thatsächlich den Gebrüdern Henry gelungen, bei Expositionen von mehr als einer Stunde noch vollständig runde Bilder der Sterne zu erhalten, selbst bei Betrachtung durch die Lupe. In der schon vorhin erwähnten astronomisch -photogra- phischen Konferenz in Paris ist nun beschlossen worden, unter Beteiligung fast aller Nationen eine Karte des ganzen ge- stirnten Himmels auf photographischera Wege herzustellen, und zwar unter Benutzung genau der Instrumente, wie sie von den Gebrüdern Henry konstruiert worden sind. Indem wir uns ein Eingehen auf die Grossartigkeit dieses Unternehmens und dessen Bedeutung für die Zukunft der Stellarastronomie für eine spätere Mitteilung versparen, wollen wir hier nur noch die Beschlüsse der Konferenz den Lesern vorführen: 1. Die in der astronomischen Photographie gewonnenen Fort- .schritle fordern mit Macht dazu aiit", dass die Astronomen der Jetzt- zeit gemeinschaftlich die Beschreibung des Himmels vermittels des photographischen Prozesses übeinelimen. 2. Diese Arbeit wird auf den noch zu wählenden Stationen mit Instrumenten unternommen werden, welche in ihren wesentlichen Teilen identisch sein werden. 3. Das hauptsächlichste Ziel wird sein: Eine photographische Karte des Himmels für die jetzige Epoche zu zeichnen und Daten zu erlangen, welche es erlauben werden, die Positionen und Grössen aller Sterne bis zu einer bestimmten Grüssen- klasse mit möglichst grosser Präzision zu fixieren. Instrumen te: 1. Die angewandten Instrumente werden ausschliesslich Refrak- toren sein 2 Die Oeft'nung des Objektivs soll ungefähr 0,33 m sein, und die Brennweite 3,43 m, so dass eine Bogenminute nahe gleich 1 mm sein wird. 8. Der Applanatismus und Achromatismus der augewandten Ob- jektive sollen für die der Frauenhofer'schen Linie G benachbarten Strahlen berechnet werden. Diese Bestimmung soll so verstanden werden, dass die Minimai- Brennweite für oiuen G benachbarten Strahl gelten soll, in der Ab- sicht, das Maximum der Empfindlichkeit für die photographischen Platten zu erreichen. 4. Die Objektive sollen so konstruiert werden, dass das für Messungen nutzbare Gesichtsfeld vom Mittelpunkt aus mindestens 1" betragen soll. 5. Die Rohre der photographischen Instrumente sollen aus einem Metall hergestellt werden, welches möglichst günstig zur Erhaltung einer unveränderlichen Brennweite ist, und sollen eine Einteilung für die Bestimmung und Feststellung der Plattensorten tragen. Sterngrössen: Die Sterni- werden bis zur inkl. 14. Grösse photographiert, welche Grösse vorlänlig durch die jetzt in Frankreich gebräuchliche Grössea- skala bestimmt ist unter dem Vorbehalte, ihren photometrischea Wert noch später genau festzustellen. Photographische Platten: 1. Alle Platten sollen nach einer und derselben später zu be- stimmenden Formel präpariert werden. 2. Eine ständige Ueberwachung dieser Platten in Betreff ihrer relativen Empfindlichkeit für die verschiedenen Strahlengattungen soll eingerichtet werden. Orientierung der Platten, Bestimmung der Koordinaten etc.: 1. Ausser den Photographien, welche die Sterne bis zur 14. Grösse enthalten werden, werden Aufnahmen mit kürzerer Expo- sitionsdauer gemacht werden, um eine grössere Genauigkeit in der Messung der Anhaltsterm' zu gewinnen und die Herstellung eines Kataloges zu ermöglichen. 2. Diese zur Konstruktion eines Kataloges bestimmten Aufnahmen werden die Sterne bis zur inkl. 11. Grössenklasse enthalten. 3. Jede pbotographischt- Platte, welche zur Herstellung des Ka- taloges bestimmt ist, wird alle nötigen Daten aufweisen, um ihre Orientierung und den Wert ihres Massstabes zu bestimmen. Soweit wie möglich, sollen diese .\ngaben auf der Platte selbst eingeschrieben .sein. Jede Platte dieser Art wird mit einer gut centrierten Kopie eines Anhaltnetzes versehen, welches zur Ermittlung der Verzerrung des Gesichtsfeldes und zur Elimination derjenigen Fehler bestimmt ist, welche durch eine spätere Deformation der empfindlichen Schicht entstehen können. Kleinere Mitteiluugeu. Ein bisher noch nicht beobachteter Bürger nnsrer Fan na. Ueber einen interessanten zoologischen Fund aus der Nähe von Berlin und in Perlin selbst berichtete jüngst Prof Franz Eil- hard Schulse in der Akademie der Wissensohatten Es handelt sich um das AuffinJen einer Planarieuart. Derdrocoelum piinctatum, von der man bisher nur wufste, dass sie am Baikalsee, an einigen Orten in Belgifn und in der Angara heimisch sei Diese Wurmart nun hat Ur. W. Weltner zuerst im Tegeler See und später am Spreeufer an der Jannowitzbrücke aufgefunden. Zueist beschrieben hat diese P anarienart der einstige Berliner Professor Pallaz im Jahre 1774. Die Mollnskenfanna der atlantischen Inseln ist nach Eobelt nicht als das Produkt eines selbststäcdigen Schöpt'ungscentrums an- zusehen, sondern muse als Ueberrest und diiekte Nachkommenschaft der siid- und mifteleuropäiscben Miocenfauna angesel en werden; sie enthält zahlreiche Gattungen, welche im Mainzer Becken und in den südfranzösischen Schichten mit Helix Ramondi vorkommen, und auch viele Arten finden dort ihre nächsten Verwandten. Spuren die- ser Miocenfauna finden sich auch noch im äusseisten Westen Euro- pas lind Nordafribas. Kobelt schliesst daraus, dass die atlantischen Inseln bis zum Ende der Miocenzeit landfest mit Europa verbunden vraren. Eine Vergleichurg der heutigen westindischen Mollusken- fauna mit der europäischen Jlliocenfauna lässt ihm auch e.nen erheb- lichen Theil dieser Kauna, insbt sondere die Glandinen, die meisten Cyclostomiden und Helices als Abkömmlinge europäischer lliocen- arten erscheinen. Es deuten also auch die JloUusken auf eine Land- verbin 'ung zwischen der alten und neuen Welt zur Miocenzeit; aber allem Anschein nach sind die Mollusken von Osten nach We-ten ge- wandert, während bekanntlich sowohl für die Säugetiere als für die Pflanzen eine Wanderung im umgekehrten Sinne anwenommeu werden muss. Das gänzliche Fehlen aller afrikanischen Züge in der westhidischen Fauna beweist, dass die bandiorücke sich nicht bis süd- lich von der Sahara erstreckt haben kann. Ko. Der Aachener Meteorit. Der Kölnischen Zeitung entnehmen wir folgendes: Im Jahre 1762 fand man auf dem Obern Büchel vor dem heutigen Neubade unter dem Strassenpflaster eine unregelmässig geformte, über 3300 Kg schwere Masse; sie wurde 1814 ausgegra- ben und schliesslich in den Hof des Polytechnikums gebracht, wo sie bis zum heutigen Tage von Einheimischen und Fremden andächtig betrachtet wird, denn Kenner hielten den Fund für einen Meteoriten; so bezeichnet findet er sich in allen Führern und Reisebüchern. Nach einer früheren Analyse sollte die Masse zum grössten Teil aus me- tallischem ÜFen, Kieselsäure, Schwefel, Kohle und etwas Arsenik be- stehen, auch Spuren von Kobalt enthalten. In fachmännischen Krei- sen tauchten bald Zweifel üljer den Ursprung der Masse auf; vfäh- rend die einen sie für Meteoreisen hielten, erachteten sie andere für ein Kunstprodukt, indem sie sich darauf stützten, dass in der Nähe des Fundorts viele Eisenschlacken aus römischer Zeit (?) ausgegraben worden waren Eine jüngst durch den Vorsteher der Abteilung für Bergbau, Hüttenkunde und für Chemie au der hiesigen technischen Hochschule, Professor Dr. Arzruni, sorgfältig ausgeführte Untersu- chung des Fundes bat ihn nunmehr endgiltig des Nimbus sein.-r über- irdischen Herkunft beraubt Nach dem Ergebnis dieser Untersu- chung besteht die Masse aus den Rückständen geschmolzenen Eisens, hüttenmännisch „Rennf'euersau" genannt, nnd dürfte einer Zeit ent- stammen, wo es noch keine Hochöfen gab, sondern nur Schmelzölen, in denen kleinere Mengen Eisen in höchst unvollkommener Art ge- No. 2. Der Naturwissenschaftler. 19 schmolzen wurden. Als Beleg für seine Ansicht über die Herkunft der Masse ans einem von Jienschenhand gebauten Ofen bezeichnet Professor Arzruni das Vorkommen von Schlarkeneinscblüssen in der- selben, lerner zeigt sie eine für künstlichesEiseD charakteristische und bei Meteoreisen niemals vorhandene Urobkörnigkeit. Um gau?. eicher zu gehen, machte Professor Arzruni scbliesslich den Versuch, auf de' po- liiten Fläche eines abgeschlageneu Stücks des angebliehen Meteoriten durch Beizen mit verdünnter Salpetersäure die nach ihrem Entdecker benannten Wiedniannstätt'schen Figuren zu erzeugen. Diese, nur dem Meteoreisen eigentümlich, bestehen aus höchst zarten Linien nnd Figuren, welche i.uf d^r mit der Säure behandelten Fläche her- vortreten und beweisen, dass die ganze Masse aus dfinnen Lagen einzelner Krystalle besteht und auch in chemischer Beziehung nicht gleichartig ist. Dass bei dem mit einem Stück des Aachener Pseudo- Jileteoriten angestellten Versuche weder Linien noch Figuren auf der Fläche erschienen, beweist deutlich, dass die Masse nicht einst feuri- gen Fluges aus himmlischen Höhen herabsauste, sondern weit eut- fernt von jedem meteorischen Ursprung einem auf unserm Planeten vor sich gegangenen Scbmelzprozess ihre Entstehung verdankt. Nach diesem Spruche der genauen Wissenschaft wird die Bezeich- nung der Masse als Meteorit wie ihre Auflühiung unter den Merk- würdigkeiten Aachens in Zukunft wohl unterbleiben müssen. Astronomisclies. Am Morgenhimmel vor Sonnenaufgang voll- zieht sich gegenwärtig die Erscheinung eines in astronomischen Kreisen mit gewisser Spannung erwarteten (jestirns, nämlich die Rückkehr des im Jahre 1816 von Olbeis entdeckten Kometen. Die hllipti/ität dieses nach L mläufen von etwa 72 Jahren zur ^onne zurückkehrenden Gestii ns ist schon von dem beriihmten Besael festgestellt worden; die Vor- ausberechnung für 1887, welche von F. K. Gintel in Berlin durch eine Sehr umfassende Arbeit geliefert worden ist, zeigte eine Un- sicherheit der Ki ckkunft von 1—6 Jahren an, und dor Beiechner er- mittelte die Bahnkurven, in welchen der Komet aufzusuchen sein würde. Nachdem nun der bekannte Kometenentdcoker Brooks aus Nordamerika am ?4. August ein neues Gestirn dieser Art meldete, wurde durch die Beobachtungen desselben in Strassburg, Wien, Genf und Königeberg alsbald die Identität des neuen Komettn mit dem erwarteten Olbers'schen konstatiert. So weit es sich bis jetzt über- sehen lässt, würde der Komet am 14 Oktober in seine Sonnennähe kommen und sich nur um 0,8 Jahre (statt der oben bemerkten Un- sicherheit von 1 — 6 Jahren) verspätet haben. Der Komet steht ge genwärtig dicht über dem grossen Löwen, in guter Uebereinstim- mung mit der Ginzel'scheu liechnung, ist etwa so liell wie ein Stern siebenter Grösse und schreitet, allmählich noch heller werdend, dem südlichen Theile des kleinen Löwen zu. L. G. de Eoninck -J*. Laurent Guillaume de Koninck wurde ge- boren zu Löwen am 3. Mai 1809, studirte daselbst Medizin und Natur- wissenschaften, promovirte zum Doktor der Medizin und ging dann nach Gent, wo er im Jahre 1825 mit dem üuterriobt in der technischen Chemie betraut wurde. Ein Jahr später siedelte er nach Lüttich über und Obernahm 1847 an der dortigen Universität die Professur für Paläontologie und organische Chemie, nachdem er bereits im Jahre 1842 zum Mitgliede der belgischen Königlichen Akademie er- nannt worden war. Für seine hervorragenden Arbeiten wurde de Koninck zu wieder- holten Malen durch Verleihung von Ehrenpreisen und Medaillen aus- gezeichnet. So erhielt er 1885 den Wollaston-Preis, 1875 die goldene WoUaston-Medaille, mehrmals bedeutende Geldpreise und 1879 i en rothen Adleroiden 2ter Klasse. Wenn wir auch de Koninck wichtii;e chemische Untersuchungen verdanken, so war doch sein Hauptgebiet die Paläontologie. Im Jahre 1876 trat er in den wohlverdienten Ruhestand, um sich ganz seinen Lieblingsstudien zu widmen, aus welchen er plötzlich am 17. Juli herau'gerissen wurde Seine bedeutenderen Arbeiten sind: Deseription des coquilles fossiles de l'argile de Basele, Boom, Schelle etc. 1H3-I, Elements de chimie inorganique 1839. Sur les crustaces fossiles de Belgique 1841. Des- cription des animaux fossiles du terrain carbonifcre de la Belgirjue 1842 — 1844. Note sur quelques iossiles du Spitiberg 1846 — 48. Deux memoires sur des Brachiopodes fossiles 1H46 — 1853 Monographie du genre Productus 1847. Monographie des genres Productus et Chonetes 1847. Recherches sur les animaux fossiles I. partie 1847. Note sur les genres Davidsonia et Hypodima 1853. On Fossils from Jndia 1863. Nouvelles Recherches sur les Fossiles du terrain carbo- nilere de la Belgique 1871. Monographie des Fossiles carbonife es de Bleiberg en Cariuthie 1873. Recherches sur les Fossiles paleo- zoiques de la Nouvelle-Galles du Sud (Austjralie) 1876 — 1877. Faune du Calcaire carbonilere de la Belgique 1878 — 1883 (noch unvollendet.) Litteratur. Grnndzfige der Meteorologie Die Lehre von Wind und Wetter naeh den neuesten Forschungen gemeinfasslich dargestellt von H. Mohn Deutsche Original-Ausgabe. Vierte verbesserte Auf- lage. 364 Seiten mit 36 Holzschnitten und 23 Karten. 1887. Berlin, Verlag von D. Reimer. Wie sehr vorliegendes Buch eine Lücke in unserer Litteratur auszufülleu berufen ist, geht wohl am besten da- raus hervor, dass es ihm vergönnt war, in dem kurzen Zeitriiuin von zwölf J; ständigen D davon, dass rücksichtigt stalt gewiss gewinnen welche sich Anschaffung ihren vier Auflagen zu erleben Das Werk ist einer voll- urchsicht unterzogen worden und giebt überall Zeugnis die Resultate der neuesten Untersuchungen nicht unbe- gebHeb»n sind Es wird sieh in seiner neuen Ge- die alten Freunde erhalten und zahlreiche neue dazu Den Bibliotheken unserer Lehranstalten, sowie allen, für die Lehre von Wind und Wetter interessiren, sei die desselben wärmstens empfohlen.*) Demnächst erscheint von „Flückiger, pharmaceatische Chemie" eine zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Wir weisen jetzt schon auf dieses Buch, welches in Inhalt und Ausstattung als ein vollkommen neues erscheinen wird, hin und glauben annehmen zu dürfen, dass unsere Mitteilung von jedem Pharmaceuteu, Arzt, Che- miker und Droguisten mit Interesse entgegengenommen wird. Arnold, C, Kurze Anleitung zur qualitativen chemischen Analyse, 2. Aufl. Preis kart. 2 Mk. 40 Pf Carl Meyer (Gustav Prior) in Hannover. Bibliothek der gesamten Naturwissenschaften. Herausg. von Uammer. 16. Lieferung. Preis 1 Mk. Otto Weisert in Stuttgart. Bock, C. E., Handatl.ia der Anatomie des Menschen. 7, Anflüge, umgearbeitet u. s. w. von A. Brass. 1. Halbheft. Mit 6 Tafeln. Preis 1 Mk. 50 Pf. Renger'sche Buchhdig. in Leipzig. Bunsen, R., Anlei tu ng zur Aualyse der Aschen und Mineral- wasser. 2. Aufl. Mit lllustr. Preis 2 Mk. Carl Winter's üniv- Buibhdlg in Heidelberg Diedrich, G., Vollständig umgearbeitete Aufsätze aus dem Gesamtgebiete der Naturkunde f. Volks- u. Fort- bildungsschulen. 5. Aufl. Preis 1 Mk. 40 Pf. Friedr. Korn's.;he Buchhandlung in Nürnberg. Encyklopädie der Naturwissenschaften. 3. Bd. 2. Hälfte. Handbuch der Botanik. Herausgegeben v A. Schenk. 3 Band. 2 Hälfte. Mit Holzschn. Subskr -Preis 15 Mk , geb. 17 Mk. 40 Pf. Eduard Trewendt in Breslau. Engler, A. n. K. Prantl. Die natürlichen Pflanzen- tamilien, nebst ihren Gattungen und wichtigeren Arten, insbesondere den Nutzpflanzen. 11. Lfg. Mit lUustr. Subskr.-Preis 1 Mk. 50 Pf, Einzelpreis 3 Mk. Wilhelm Euijelmann in L'iip'.ig. Esselborn, J.. Leitfaden der Naturlehre Ausg. A. Nebst einem Anhang aus der Chemie. Mit 47 Abbildgn. Preis 40 Pf. Ausgabe B Mit 38 Abbildungen. Preis 30 Pf. Anton Otto in Neustadt a. d. Haardt Hoifniann, R. E. n. K. Knsgf See wasser- Aquarium im Zimmer. Preis 3 Mk. Creutz'sche Verlagsbuchhandlung (R. & M. Kretschmann' in Magdeburg. Jacobsen, E., Chemisch-technisches Bepertorium. Ueber- sichtlich geordnete Mit'eilungen der neuesten Erfindungen, Fort- schritte und Verbesserungen auf dem (Sebiete der technischen und industriellen Chemie. 1836. 2 Halbj 1. Hälfte Mit Illustr. Preis 5 Mk. 40 Pf. li. Gaertner's Veriag, H. Heyfelder in Berlin. Eatzenelsuhn, N., Ueber den tiiinfluss der Temperatur auf die Elasticität der Metalle. Preis 1 Mk. 80 Pf. Mayer & Müller in Berlin. Kleyer's Encyklopädie der gesamten mathematischen, technischen und exakten Naturwi-ssenschaften. 13. bis 20, Lfg Preis pro Lfg 1 Mk Julius Maier in Stuttgart. Morbp, J., Der praktische Vogelfreund. 14. Aufl. Preis 1 Mk. 50 Pf. S. Mode's Verlag in Berlin. Mnspratt's theoretische, praktische und analytische Chemie in Anwendung auf Künste und Gewerbe Ency- klopädisches Handbuch der technischen Chemie von F. Stohmann und B. Kerl. 4. Aufl. 1. Band, '^b. und 26 Lfg. Preis pro Lfg. 1 Mk. 20 Pf. Fr Vieweg & Sohn in Braunschweig. Piltz, E.. Aufgaben und Fragen zur Naturbeobachtnng des Schülers in der Heimat. 3. Auflage. Preis 70 Pf. Hermann Böhlau in Weimar. Strässle's, F.. Illustrierte Naturgeschichte der drei Reiche. 4. Auflage vollständig umgearbeitet von F. Strässle und L. Baur. 19. Lfg. Preis 50 Pf. Wilhelm Nitzschke in Stuitgart. Zittel, K. A. u. K. Hanshofer, Paläontologische Wand- tafeln und geologische Landschaften 8. Lfg. Tal. 32 bis 39 ä 4 Blatt, Fol. mit Text. Preis 16 Mk. Für Aufziehen jeder Tafel 3 Mk. Theodor Fischer in Kassel. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir obige Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen, Berlin S.AV. 48. Die Expedition des „Naturwissenschaftler." *) Wir maclien noch besonders auf das Inserat der Verlagshand- liing in heutiger Nummer aufmerk-am D. R^d. 20 Der Naturwissenschaftler. No. 2. Der praktische Ratgeber im Obst- u. Gartenbau. Illustrierte Wochenschrift für Gärtner, Gartenliebhaber und Landwirte erseheiiit au jedem (Sonntage. mT" Abouiiement yierteljährlich eiue Mark ''VI inkl. PostzatDchlag. ^^= 26000 Abonnenten. ^^ Der praktische Katgeber giebt allen, die sich für Gartenbau und Obstbau interessieren, in stets an- regender, einfacher, allgemein verständliclior Sprache Anleitung, wie sie (xartenljau im allgemeinen, Obstzucht, Gemüsebau, Blumenzucht ])raktisch und riclitig ljetreil)en sollen. Das Verst-'uidnis der von den ersten Autoritäten auf den verschiedenen Gebieten des Gartrnbaues verfassten Aufsätze wird ungemein erleichtert dadurch, dass die Artikel durch eine Fülle von Künstlcrhaud eigens für den Katgcljer angefertigter Abbildungen erklärt w(>rden So hat der praktische lvatgel>cr den grossen Erfolg aufzuweisen, dass er in 1 '/a dahren 36 000 Aboillieilteil. bekommen. Man abonniert bei allen Postanstalten (Landbriefträgcrl) und werden solchen Abonnenten, die inmitten eines Quatals eintreten, stets die seit Beginn des Quartals erschienenen Nummern nachgeliefert. Das Alionnemeut kostet vieiteljährlich eine Marie. [18] Probenuinmerii senden wir gern gratis und franko. Frankfurt a. Oder. Trowitzsch & Sohn, KiXl. lloflincluli uckerei. R. HEGELMANN Elektrotechnische Anstalt Erfurt, ÄDpr 11 lä 16 liefert als S]iezialität elelitrisclie und niagnetisohe 9Ie!<«ifveilcheu (V'iola palustris) und begrüsst das luis Deutsche so aidieimelndc Vcrgissmeinnicht (Myosotis). muss auch, will er an dem Hange einer Schlucht em|)or- steigen, durch dichtes Gesträuch gelbblühender Besen- pfriemc (Spartium sco])ariiini) Bahn sich brechen. Kosmaringel)üsche (Kosmariiius officinalis) mit ihren kleinen hellblauen Blüten, Cistusgcsträuche, deren weiss oder weiss xnid tiefpurpurrot lilühende Röschen recht freundlich von der fast schwarzgrünen Belaubung abstechen, bekleiden bis über 200 m Höhe über dem Kloster die steilen Hänge, luitermischt mit Candueso (Lavandula Stoechas), welcher blühend den Boden auf weite Strecken hin mit diuikelviolettem Kleide schmi'ickt und weit höher an den Berglehnen emporsteigt, als sein lieblich duftender Verwandter, der edle Lavendel (Lavan- dula sjiica s. oflicinalis), der im A'ergleich zu jenem auch in weit sic'rincerer Anzahl sich findet. Weissblütiuer spanischer Thymian (Thynuis hispanicus), ausgezeichnet durch den ganz besonderen AVohigeruch seiner kleinen graugrünen Blätter, und noch verschiedene andere Arten aromatischer Kräuter haben AVurzel geschlagen, wo solche elien in den steinigen Boden einzudringen luid zu haften vermochte; einige öffnen der emporsteigenden Sonne ihre verschiedenfarbigen Blüten entgegen, andere das grelle Ivicht scheuende schliessen sie bis zum nächsten Abende. Aiii'r nicht allein der gelehrte l'flanzenkemier, welcher zum ersten Male jenes Gebii'ge besucht, dürfte so manches seltene Pllänzchen für sein Herbaiium einheimsen, auch der Blumenfrevmd wird viele HlüuK'hen linden, welche er in seinen Gartge ihrei- günstigen J,iage bis Anfang No- vember schneefrei werden und erst dann wieder frische Schneebedeckung erhalten. wähn>nd selbst minder liehe, aber ungünstiger, obwohl südlicher gelegene Hoch- gebirge, wie diejenigen des IJrmiasee's beständige Schnee- kajipen tragen, im Mai den letzten und im Se])teiiiber den ersten Schneefall haben: an dem etwa 170(KJ' hoiien eisbedeckten Ararat liegt die Grenze des (>wigen Schnees in ungefähr 13000' Höhe. Wehe der Bevi'dkerung, wenn einmal ein })esondeis lieisser Sommer den Schneevorrat frühzeitig schmelzen IFisst. die letzten für Erziehmg der Ernten unentbehrlielien ifiuiisale versiegen macht, odei- wenn Heusclu-eckenscliwät'me uuil ähnliche Plagen auf- treten. Die schrecklichsten Hungersnöte werden uns dann aus dem schlecht oder eigentlich gar nicht verwalteten, son- dern nur systematisch (hucli die Kegierung ausgeraubten Lande genuddet, deren letzte von dem Jahr 1871 uocli in furchtliarer Eiinnenmg ist. Die Hochgeliirge sind in lian zaidreirli, besoinlers in Nordpersien, so dass der dort Ueisende selbst in dem heissesten Sommer den Schnee kamn aus dem (resichte verliert: aber infolg(> ihrer meist vulkanischen Zusanuiien- setzung. teilweise auch wegen des Mangels an Gletschern inid stärkeren, fliesscnden (iewässern haben die Berge niclits von alpinem Landseliaftsgepräge an sich. Den ein- zigen (iletsdier Irans hat der Ararat; grossartige Fels- partien und Wasserfälle, Klammen und Seenspiegel, welche den Reiz unserer heimatlichen Alpennatur aus- machen, sucht man in Persiens Hochgebirgen vergeblich! Auch wird die Erhabenheit der Berge dadurch wesentlich beeinträchtigt, dass dieselben meist auf jenes bis über 5000' hohe Plateau aufgesetzt sind. Die Mehrzahl der ii-anischen Gebirge erinnert, auch in der äusseren Ge- staltung, der vulkanischen BeschaÖ'enheit entsprechend, an unsere heimatlichen Höhen von ähnlichem Aufbau, wie das Siebengebirge oder die Rhön, das böhmische Mittelgebirge u. a. Bei dem Mangel an Vegetation und Umsetzung des Bodens durch Thätigkeit der letzteren erscheinen die Höhen in den ursjirünglichen Färbungen der an die Olierfläche tretenden geologischen Gebilde, nicht selten über weite Flächen hin grellroth, grün oder violett: für den Geologen wird durch jenen Vegetations- mangel die Uebcrsiclit bedeutend erleichtert. Der Boden des Hochlandes ist zum grösseren Teil an sich sehr fruchtbar. Die höheren Gebirge zwar sind steinig und an ihrem Fuss von gewaltigen, wüsten Geröll- massen umgeben, aber das Hügelland und die Ebenen bestehen an der Oberfläche vorzugsweise aus Mergeln der tertiären Salzformation, unserem Keuper sehr ähn- lich, inid aus dem Detritus vulkanischer Gebilde. Wo daher Wasser genug vorhanden ist in Iran, da ist Reich- tum. Zudem ist das Land, oljwohl naliezu dreimal grösser, als das deutsche Reich, nur etwa von dem achten Teil der Einwohnerzahl des letzteren bevcJkert, jeder hat daher dort Platz genug, sich auszubreiten und sich das Feld seiner landwirtschaftlichen Thätigkeit beliebig zu wählen und zu verändern: künstliche Düngung des Ackerbodens ist in Persien nicht liekannt. Nur in solchen Gegenden, wo der fast überall, wenigstens spurweise vorhandene Salzgehalt des Bodens überhand nimmt, ist eine Bebauung des letzteren ausgeschlossen; dort gedeihen nur die für den Botaniker so bemerkenswerten Halophyten in grösserer Menge. Die grosse Salzwüste verschlingt ganze Fluss- systeme spurlos und ohne irgendwelchen Vorteil für die Entwickelung von Vegetation. Abel- schon die Hochgebirge bieten trotz ihrer weit ungünstigeren Bodenbeschaffenheit infolge ihrer uner- schöpflichen Feuchtigkeitsquellen, der Schneelager, ein minder unerfreuliches Vegetationsbild, als die öden, weiten Flächen ausserhalb der menschlichen Ansiedelungen; und da, wo der Einfluss grösserer Wasserbecken unmittelbar sich geltend machen kann, wie besonders an den persi- schen Küstengegenden des kaspischen Meeres, da zeigt sich der überraschendste Gegensatz in dem Aussehen des fjandes gegenübei- demjenigen der Hochfläche; da dehnen sich üppige, undurchdringliche Urwälder sogar weithin aus. Die iranische Pflanzenwelt zeigt sich daher in drei gesonderten Hau|)tzoneii verschiedenartig entwickelt, in der Stepiienregion, in der hc'ilicren Gebirgsfaeies und in den Küstenstrichen und deren unmittelbarer Naihbarschaft. Nimmt man als .Vusgangspunkt des Begriffes „Steppe" diejenigen Gegenden an, für welche das Wort ursprüng- lich yeschatt'en wurde, die irrossen südiussischen Brach- flächen, so sltheu die persischen und w<'itereii inner- asiatischen Steppen der eigentlichen Bedeutung des Wortes No. 3. Der Naturwissenschaftler. 25 „Wüste"' näher, als jene zuerst erwähnten Gebiete; denn diese sind unter dem Einfluss eines minder trockenen, günstigeren Klimas den ganzen Sommer hindurch wenig- stens mit dürftigem Graswuchs bestanden; sie sind auch fähig, zu Kultursteppe, zu Saatland oder auch zu Wald- bezirken umgewandelt zu werden auch ohne künstliche Be- wässerung. Die persische Steppe dagegen ist in dem heissen Sommer eine trostlose Wüste; alles Pflanzenleben des Frühlings daselbst versengt dann, nur stachelige Astragalus und rotblühender Kameeldorn (Alhagi), allenfalls noch das den Persern heilige Peganuni her- mala mit seinen weissen Blütensternchen gedeihen selbst dann kaiun gesehen weiter und bieten teilweise den Ka- meelen ihre überkärgliche Weide. (Fortsetzung folgt.) Die Atmosphäre und die Erscheinungen in derselben. Von Ij. Boysen. Die Erde können wir uns als aus vier Hüllen oder Sphären bestehend denken. Das Innere derselben ist von einer feuerflüssigen schweren Masse erfüllt, über diese lagert sich die feste Erdrinde. Diese wiederum ist, wo nicht die Erhebungen der Kontinente ein Hinderniss bilden, von der verhältnissmässig nur dünnen Wassersphäre be- deckt. Um dieses Ganze legt sich die leicht bewegliche Atmospliäre, die Luft. Die letztere Hülle, an deren Boden wir leben, soll der Gegenstand unserer Betrach- tung sein; beginnen wir mit den Bestandteilen derselben. In früheren Zeiten glaubte man, die Luft sei ein einfacher Körper, eines der vier Grundelemente. Erst seit dem vorigen Jahrhundert weiss man, dass dieses nicht der Fall ist, sondern dass dieselbe aus einem Gemenge von namentlich zwei Gasen besteht, Stickstofi' und Sauer- stoff. Unsere Beobachtungen reichen bis zu einer Höhe von ca. 7000 /«, bis zu dieser hat sich das Verhältnis der beiden Gasarten als ein fast konstantes herausgestellt und zwar nach Berzelius so, dass in 100 Raumteilen Luft ca. 7y Teile Stickstoff und 21 Teile Sauerstoff, in 100 Ge- wichtsteilen ca. Tß'/s Teile des ersteren und 23'/3 Teile des letzteren Gases enthalten sind. Ausser diesen Haupt- bestandteilen aber sind der Luft noch ferner beigemischt Kohlensäure, Wasserdampf, Ammoniak und organische Substanzen in geringen Mengen, welche veränderlich sind nach OcrtHchkeit, Jahreszeit etc. Da die Luft ein Ge- menge und nicht eine chemische Verbindung dieser Be- standteile ist, so ist es wahrscheinlich (allerdings nicht durch direkte Beobachtung erwiesen), dass in den untern und dichtem Ilegionen mehr Teile des schwereren Sauerstoffs angehäuft sind als in den oberen Schichten, wenigstens würde die Bergkrankheit, welche den Menschen in grossen Höhen über dem Meeresspiegel l)efällt, wohl eher durch eine Abnahme des ziun Leben nötigen Sauerstoffgehaltes als durch die geringere Dichtigkeit der Atmosphäre er- klärt werden können. Was nun die Dicke dieser äusseren Hülle der Erde oder die Hc'ihe der Luft betrifft, so kann hier von Be- obachtuncen in einigermassen ausreichender Weise na- türlich keine Rede sein. Nach theoretischen Gründen müssten wir die äusserste Grenze der Luft da suchen, wo die Anziehungskraft der Erdmasse und die Schwung- kraft sich das Gleichgewicht halten; dieses findet nach Laplai'c am Aequator in einei- Hrilie von ca. 35000 km statt, eine Höhe, welche den Radius der Erde um das Fünffache übertrifft. Wm wirkliche (ircnzc liegt aber jedenfalls viel näher. Die Erscheininigen dei' y\tmo- splläic jedoch, welche den Menschen am meisten inter- ftssieren, wi'lcii«' aul' sein Tliiui und Treilien, seine Ge- sundheit, überhaupt auf sein ganzes Leben einen so immensen Einfluss haben, die Erscheinungen, welche man kurz als Witterung bezeichnet, spielen sich in einer ver- hältnismässig sehr geringen Höhe ab. Bevor wir jedoch zu diesen Erscheinungen übergehen, betrachten wir zu- vor noch das Gewicht der Luft. Wie man in früheren Zeiten von der Zusammensetzung der Luft eine voll- ständig verkehrte Ansicht besass, so ebenfalls von deren Gewicht, man hielt sie einfach für gewichtslos. Aristo- teles hatte allerdings schon vermutet, dass die Luft eine Schwere besässe, und um dieses zu prüfen auch einen Versuch angestellt. Er wog einmal einen mit Luft ge- füllten, das andere Mal den leeren Schlauch. Er ent- deckte keine Differenz der Gewichte und sprach dess- lialb aus : die Luft sei gewichtslos. Bei dem Ausspruche dieser Autorität beruhigte man sich ca. 2000 Jahre. Erst um die Mitte des 17. Jahrhunderts konstatierte Torricelli durch seinen berühmten und entscheidenden Versuch, dass die Luft einen Druck ausübt. Bei Gelegenheit einer tiefen Brunnenanlage entdeckte man, dass die Wassersäide immer nur bis zu einer gewissen Höhe emporgesogen wurde. Um nun das Vorhandensein des hier wirkenden Luft- drucks nachzuweisen, füllte Torricelli eine ca. 90 cm lange und an einem Ende verschlossene Glasröhre mit Queck- silber. Indem er das offene Ende mit dem Finger ver- schloss, stellte er dasselbe in ein weiteres Quecksilber- gefäss. Es zeigte sich, dass das Quecksilber aus der Röhre nicht ausfloss, sondern in senkrechter Stellung in einer Höhe von 760 mm (28 Par. Zoll) über dem Queck- silber-Niveau im Gefäss stehen blieb. Ueber dieser Höhe entstand in der oben geschlossenen Röhre ein leerer Raum, das nach Torricelli genannte Vakuum. Nehmen wir den (Querschnitt der Röhre zu 1 qctn an, so haben wir durch den Luftdruck gehalten eine Quecksilbermasse von 76 kern, oder, da das spezifische Gewicht dieses Metalls gleich 13,59 ist, ein Gewicht von 1,033 kg auf 1 qcrn. Eine Quecksilber- säule von 760 mm ist gleich einer Wassersäule von 10,33 m. An Versuchen zur Bestätigung, dass die Luft einen so kolossalen Druck ausübt, fehlt es nicht, namentlich die Luftpumpe bietet eine Reihe schöner Experimente, auf die liier nichi näher eingegangen werden kann. Die (^uecksilbersäide wird nur von derjenigen Luft- masse gehalten, welche von oben her auf das äu.ssere Niveau drückt, so dass, wenn man mit dem ganzen Ajipa- rat in die IL'ihc steigt, bei dem dort geringeren Luftdruck sich naturgemäss auch die Länge der Säule verkleinert. Den Druck von 760 w//w, welchen wir als den normalen bezciebnen, linden wii- im Niveau des ( )ztreis : Bei den Postanstalten und Buch- handlungen vierteljühilich JC 2. — ; Bringegeld bei der Post 1 5 -4 extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition „Ä 2,40. KidMktioii: Dr. Carl Riemann. Verlag von Riemann & Möller, Berlin S. W. 48. Frii'dri(_-li-Str:i.--,sc 'JM. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 4. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen JC 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 23. Oktober 1887. No. 4. Der Abdruck der Origiiialartikel iütt mir luit < — 110 23' — 11" 44' — 12» 6' —12" 25' —120 46' —130 6' —13" 26' —13" 40' M. S. -15.34 -l,'i.41 -15.49 -15.55 -16. 1 ~lö 6 -16.10 -16.14 Oj < U. M. U. M 6 41 i.41 - 43 45 45 43 46 41 48 39 50 37 52 35 54 33 = ^>^ "•2 St. 11. U.M. U. M 10. 6 6. 2 5 26 2 9.58 55 6 7 5. 2(1 51 47 43 6.13 5.14 39 St. M. 14. 6 14.18 14.30 Monats- uud Jahrestag. i fco s Bahnbewe gunp: und Phase. W .2 S 3 1 Deklin. a Untergang c ^ s. < U. M. U. M. St. M. U. M. U. M. S. 23. 296 2790 6. 39, Nm 1. Viertel 5.59 Nm 20. 6 -180 51' 1.40Nm 10.22 Nra M. 24. 297 3050 6 49 „ 21. — 16" 45' 2.18 „ 11.26 „ D. 25. 29^ 3 LS" 7.36 „ 21. 52 -130 52' 2.48 , M. 26. 299 328» 8.21 „ 22.41 -10» 25' 3.14 „ 32Vm D. 27. 300 341» 9. 4 , 23. 28 — 6'' 34' 3.36 „ 138 „ F. 28. 301 355» 9,46 „ 0.14 - 20 28' 3. 56 „ 243 „ S. 29. 302 8" Erdferne 10.28 „ 1. -1- 10 43' 4.16 „ 3.47 „ S. 30. 303 210 11.10 „ 1.46 + 50 51' 4.36 „ 4 52 „ „Vorstehender astronomischer Wochenkalender", den wir nunmehr regelmässig jede Woche bringen werden, soll in erster Linie dazu dienen, den Nichtastronomen in unserem Leserkreise das verständnisvolle Verfolgen der Himmelserscheiuungen zu erleichtem. Die Angaben sind sämtlich auf die geographische Lage von Berlin bezogen. Damit aber auch die ausserhalb Berlins wohnenden Leser denselben benutzen können, werden wir in den nächsten Nummern geeignete Methoden mitteilen, nach denen unsere Angaben für jeden Ort in Deutschland umgerechnet werden können. Die Einrichtung der Tabellen soll hiermit ein für allemal erläutert werden, doch ist die „Ex- pedition des „Naturwissenschaftler" bereit, diese Erläuterungen apart und auf Pappe gezogen zu billigem Preise abzugeben, um den ge- ehrten Lesern damit ein handliches Material zum Studieren des V\ ocbenkalenders zu geben Die Sonuentafel enthält in der ersten Spalte Datum und Wochentag; iu der zweiten die astronomische Länge der Sonne, auf das mittlere Aequinoktium von 18S7,0 bezogen. Durch Addition von 180" erhält man hieraus bekanntlich die Länge der Erde in der Bahn. Während diese Angabe nun auf den mittleren Mittag (Uhrzeit) eich bezieht, sind die in den folgenden beiden Spalten sich findenden Kektascensionen und Deklinationen auf den wahren Mittag (Meridian-Durchganir der Sonne) bezogen. Der Unterschied zwiscüen beiden llitta^eu oder zwischen Sonnenuhr und mechanischer ühr ist ah .,ZeitgleicTiung" in der folgenden Spalte notirt, und zwar mit dem Minus-Zeichen, weil der wahre Mittag gegenwärtig vor dem mittleren eintritt. So kulminiert am 25. die Sonne bereits um 11 Uhr 44 Min. 11 Sek und von diesem Zeitpunkt sind die Momente des Auf- und Unterganges, wie man aus den rechts folgenden Zahlen ersieht, gleichweit entfernt Aus dem bedeutenden Betrage der Zeit- gleichung erklärt es sich auch, dass der Tag, d. h. die bürgerliche Dämmerung, am 23. z. B. um 6 ühr 2 Min. morgens anbricht, wo- gegen es am selben Tage um 6 Uhr abends schon dunkel ist, weil die Abenddämmerung 5 Uhr 26 Min. beendigt ist; ein Umstand, der selbst clem Unkundigen auffällt. — Der Zeitraum zwischen Auf- und Untergang ist als „Tageslänge" in der viertletzten Spalte notirt. Die letzte Spalte gibt an, wieviel Sternzeit es im mittleren Mittage ist ; man findet daraus z B., dass am 29. gegen 11 ühr Abends etwa 14'/, St. -f 11 St. = 25'/, St = 1'/, St. Sternzeit ist und kann hier- nach die Sternkarte zur Betrachtung des Fixsternbimmels orientieren In der Mondtafel ist neben dem Monats-Datum auch die laufende Nummer des Tages im Jahie angegeben; es folgt die An- gabe der mittleren Länge des Mondes, wonach man seinen Ort in der Bahn annähernd bestimmen kann. Genauer geschieht das mit Hülfe der Kektascension und Deklination, welche für den Zeitpunkt der oberen Kulmination genau stimmen. (Nm bedeutet Nachmittag Vm. Vormittag, desgl. beim Auf- und Untergang). Planeten. Merkur ist unsichtbar. Venus geht als Morgen- stern sehr früh auf, am 26. um 3 ühr 9 Min.; sie gelangt vom Stern- bild des Löwen in das der Jungfrau. Mars, der am 26 um 1 ühr 22 Min. morgens aufgeht, befindet sich gleichfalls rechtläuiig im Löwen. Jupiter ist unsichtbar. Saturn geht abends 10 Uhr 25 Min. (am 26.) auf; er bewegt sich rechtlänfig im Sternbild des Krebses. — Den Morgenhimmel beherrscht Venus durch ihren hellen Glanz, der am 31. sein Maximum (48 mal so hell als der Fixstern et lyrae) erreichen wird. Von der kleinen Stern schnuppen -Periode des Oktober (18. bi 24.) wird des Mondlichts wegen am Abend nicht viel zu sehen seins In den esten Tagen der Woche, wo morgens kein Mondschein. ist, kann man gegen 4 bis 4'/, Uhr das Zodiakal-Licht als schief stehende Pyramide, deren Spitze etwa im Löwen nicht weit von Mars gelegen ist, am östlichen Himmel bei gehöriger Aufmerksam- keit beobachten. J. P- No. 4. Der Naturwissenschaftler. 35 Die bereits erschienenen Nummern werden nachge- liefert, so dass ein Abonnement jedereeit aufgegeben iverden kann. Die Post erhebt für Nachlieferung 10 Pfg. filr Porto. Alle Beschwerden über unregelmässiges Eintreffen, Fehlen etc. einiger Nummern sind immer an die Bezugs- quelle (Postanstalt oder Buchhandlung) zu richten, da nur von dort aus Reklamationen Berücksichtigung finden können, Fragekasten. Dr. med. Klonk, Herford in Westfalen. Als sehr gnles Buch fOr den von Ihnen beabsichtigten Zweck empfehlen wir Ihnen: Die Lei tf os silien, Synopsis der geologisch wichtigsten For- men des vorweltlichen Tier- und Pflanzenreiches von Dr. Hippolyt J. Haas, Leipzig, Verlag von Veit & Comp., in velchem Sie über tausend recht gute Abbildungen finden. Für Ihre Gegend im Be- sonderen möchten wir Ihnen : D.Brauns, Der obere, mittlere und untere Jura im nordwestlichen Deutschland zur Anschaffuug empfehlen. Beide Werke können Sie von der Expedition des Natur- wissenschaftler beziehen. Wegen der freundlichst übersandttu Zeich- nungen wild Ihnen brieflich Mitteilung zugehen. ß. Kn. in Vonderheydt. Ihre ßestellaug haben wir bestens dankend erhalten. Selbstverständbch werden wir auch der (ieologie. Physik und Meteorologie den ihnen gebührenden Platz einräumen. Sie werden das aus den erhaltenen Nummern wohl bereits teilweise ersehen haben. U. L. in N. und Dr. W. K. in B. Besten Dank für übersandte Adressen. Gerne sehen wir den übrigen entgegen. Gäbe es nur mehr solcher aufrichtigen Freunde, dann würde der „Natui Wissenschaftler" wohl bald grössere Verbreitung finden Jnl. Semmelr in B. Den gewünschten Katalog über elektro- technische Schriften könuen wir Ihnen erst Anfang November senden, da derselbe sich augenblicklich im Neudruck befindet Ueber ge- sandten Geldbetrag quittiien wir hiermit dankend Litteratur. Brocbhaus' Konversations-Lexikoii. Dieses älteste und angesehenste Konversalions-Lexikon, ben il.s in einer halben Million von Exemp'aien verbreitet, löst ruf das trefllichste die Auf- gabe, das n;en8chljche Wissen und Können in leichtverständlicher Form zxisammenzufassen, und gewährt dem Suchenden auf den mannig- fachen Gebieten des Lebens und Wissens leicht auffindbare, gründliche und zuverlässige Auskunft über jede Einzelheit. Die nunmehr voll- endete dreizehnte Auflage zählt nahe an 9000O Artikel gegen nur etwa 3COrO der vorigen Auflage, und während keine der Irühern Auflagen mit Abbildungen versehen war, bietet sie eine Fülle plan- massig nach den verschiedenen Wissensfächern g ordneter Illustra- tionen auf 434 beigegebenen Karten und Bildenafeln von vorzüg- licher Ausführung sowie im Texte selbst. Wie Brockhaus' Konver- gations-Lexikon das älteste und bewährteste ist es nun zugleich auch wieder das neueste und gegenwärtig das einzige, das abgeschlossen vorliegt. Damit dieser Vorzug der Neuheit dem Werke erbalten bleibe, lässt die Verlagshandlung für die Besitzer der dreizehnten Auflage einen Supplementband in 15 Heften erscheinen, welcher alle VeränderuDgeo, Ergänzungen und Zusätze, die während de» Drucks nicht melir aufgenommen werden konnten, bis auf die jüng- sten Tage in lexikalischer Bearbeitung enthalten wird. Geologie von Deutschland nnd den angrenzenden Ge- bieten von Dr. Richard Lepsin». 1 Band, 1. Lieferung, Stutt- gart 1887. Verlag von J. Engelhorn. Mit vorliegender Lieferung beginnt die Herausgabe einer Reihe von Publikationen, welche unter dem Titel „Handbücher zur deutschen Landes- uud Volkskunde" sich die Aufgabe stellen, eine auf wissenschnftlicher Gru dlage begründete Kenntnis unseres deutschen Vaterlandes der gebildeten Welt zu er- schliessen. Die vom deutschen Geographentage eingesetzte Central- kommissicn tür wissenschaftliche Länderkunde von Deutschland leitet dieses Unternehmen und hat tüchtige Kräfte für dessen Verwirk- lichung gewonnen. Dies beweist die vorliegende erste Lieferung der Geologie von Deutschland und den angrenzenden Gebieten in der Bearbeitung von Dr. R. Lepsius, Professor an der technischen Hoch- schule imd Diiektor der geologischen Landesanstalt zu Darmstadt. Dieselbe beschäftigt sich mit der geologischen Beschreibung des niederrheinischen Schiefergebirges. Der Verfasser hat es in vor- züglicher Weise verstanden, den in übergrosser Menge zu (iebote stehenden Stoff zu einem recht übersichtlichen Gesamtbild zu ver- schmelzen. Wie nicht anders zu erwarten, füllt die Beschreibung des alten Sohiefergebirges selbst, welches zu den ältesten Pestlands- teilen unseres Kontinents gehört, den Hauptteil der ersten Lieferung. Verfasser beginnt mit einer kurzen orographischen Uebersicht des Gebirges und bespricht dann die einzelnen Abteilungen desselben in einer so ausführlichen Weise, dass die wissenschaftKchen Grund- züge des Gegenstandes dem Leser klar nnd übersichtlich dargelegt werden. Daran schliesst sich die Schilderung der permischen Ab- lagerungen in der Saar- uud Nahe-Gegend, sowie am Ostrande des rheinischen Schiefergebirges. Auf diese folgt die Beschreibung der Triasschichten, welche sich von Luxemburg her weit in unser Gebiet erstrecken und die Schichten des Schiefergebirges überlagern, na- türlich unter Berücksichtigung der neusten Untersuchungen von Blanckenkorn. Juraschichten treten nur vereinzelt in unserem Ge- biete in der Triererbucbt und am Nordrande der Eifel bei Kommern auf und ist ihrer Besprechung nur wenig Raum gewidmet. Aus- führlicher werden wieder die Kreideschichten behandelt, welche den Nordrand des rheinischen Schiefergebirges umlagern, ebenso die Ter- tiärablagerungen, welche die von Diissildorf bis nach Königswinter sich erstreckende Bucht erfüllen, sowie den Weatetwald und die Fifel stellenweise bedecken. Mit der Besprechung der Diluvial- und Alluvialabbigerungen schliesst die erste Lieferung, nicht ohne der Erdbeben Erwähnung zu thun, welche in dieser Gegend ziemlich häufig sind Die Bearbeitung darf al« eine woblgelungene bezeichnet werden und i t allen denjenigen aufrichtig ?u empfehlen, welchen es tm eine tiefere Kenntnis un^e es Vaterlandes ernsthaft zu thun ist. Hoffentlich folgt recht bald die Fortsetzung dieses ausgezeich- neten Werks, dem .wir eine recht weite Verbreitung von Herzen wünschen Allerdings können wir uns nicht der Befürchtung ver- schliessen, dnss der sehr hohe Preis dieser Publikationen einer sehr zu wünschenden allgeme neu Verbreitung hinderlich sein wird, wenn auch d:e gute Ausstnttung derselben diesen einigermasäen recht- fertigt. Aisberg, M. Au thropologie, mit Berücksichtigung der Ur- geschichte des Menschen. 8 Lfg. Preis 50 Pf. Otto VVeisert iu Stuttgart. Apothekerkalender für das Deutsche Reich auf das Jahr 1888. Hisg V. Schliokum 16". Pieis geh 2 Mk. Ernst Günther's Verlag in Leipzig. Braun". D., Einleitung in d.is .StudiuMi der Geologie. Preis 5 11k. Ferdinand Enke in Stuttgart. Hager's Untersuchungen 2. Aufl. Wnr. von H. Higer un 1 E Holde; mann \^ Lfg. Pieis 2 Mk. E-nst Günther iu Leipzig. Harlacber, A. R., Die i y droraetrischen Beobachtungen im Jahre 18S-6. Tabellarisch und graphisch dargestellt. Preis 3 ]\Ik. J. G. Calve in Prag. Harnack, E.. Die Hauptthatsachen der Chemie. Für das Bedürfnis des Mediziners, sowie als Leitfaden tür den Untericht zusammengestellt. Preis geb. 2 Mk Leopold Voss iu Hamburg Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie und ver- wandterTeile anderer Wissenschaften Herausgegeben von F. Fittica. Für 1885. 3. Hft. Preis 10 Mk. J. Ricker'sche Buchh. in Giessen. Mannsfeld, W., Ueber die Bildung sogenanntergeschlossener Molek üle, und über einige Verbindungen des Üiätbylendi. Sulfids Preis 80 Pf. Vandenhoeck und Ruprecht in Göttingen Mitteilungen, mineralogische und petrographisuhe. Hrsg. von G. Tschermak. 9. Bd. 1. Hft. pro kplt. Preis 16 Mk. Afred Holder in Wien. Muspratt's theoretische, praktische uud analytische Chemie in Anwendung aut Künste und Gewerbe Ency- klopädisclies Handbuch der technischen Chemie v. F. btoh- mann und B. Kerl. 4 Autt 1. Bd. 27. und 28. Lieferung. Preis 1 Mk. 20 Pf Vieweg & Sohn in Braunschweig. Repertorium der Pädagogik. Begründet von F. X. Heiadl. Hisg. V. J. B. Schubert. 42. Bd. Jahrg. 1888. 1. Hit. pro kplt. Preis f> Mk 40 Pf J. Ebnersche Buchh. in Ulm. Strässle's. F.. illustrierte Na turgesch ich te der drei Reiche 4. Aufl vollständig umgearb. v. F. Strässle und L. Baur. 20. Lfg. Preis 50 Pf Wilh. Nitzschke iu Stuttgart. Wagner, E., Ueber das Vorkommen und die Vertheilung des Gerbatoffs bei den Crassulaceen. Preis 80 Pf Vanden- hoeck & Ruprecht in Göttingen Zopf, W., Ueber einige niedrige Algen pilzo(Phycomyceten) uud eine neue Methode, ihre Keime aus dem Wasser zu - isolieren. Preis 2 Mk 40 Pf Max Niemeyer in Halle. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir obige Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen, Berlin S.W. 48. Die Expedition des „Katnrwissenschaftler." Wir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, u>elchs An- gebot, Nachfrage und Tausch naturwissenschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. 36 Der Naturwissenschaftler. No. 4. Inserate, namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gera tschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. Bei Benutzung der Inserate bitten wir höflichst, auf den ..Jfatnr Wissenschaftler" Bezng nehmen m wollen. ^^8 Das vornehmste humoristische Wochenblatt Oesterreichs ist „Das lachende Wien". Preis pro Quartal für Deutschland Mk. 3.—. Die Administration Wien, IV. Bez., Karlsgasse No. 9. Brockhai Conversations Texikon. Mit Abbildungen und Karten. • , 16 Bände und 1 Supplementband. Zeitschrift Nalifungsmittel-Untefsuchuni und Hfene. Monatsschrift für chemische und mikroskopische Unter- suchung von Nahrungs- und Genussmitteln, Gebrauchs- gegenständen und für Hygiene. Unter Mitwirkung hervorragender Facligelelirter herausgegeben von Dr. Hans Heger Wien I., Kolowratring ,9. Diese Zeitschrift bietet durch interessautc Original-Artikel ULd Beferate eine erschüpfeniie L'ebersiclit üIht alle neueren Erfahrungen auf dem Gebiete der NahrnngSmittel-Chemie und Hikroskopie, öffentlichen Gesundheitspflege ui»! Gesetzgebung, sowie der Untersuchung von Lebensmitteln "ihI Gebrauchsaegen- ständen. Sie ist daher allen Chemikern, ffiikroskopikern, Aerzten, Dedicinalbeamten und Apothekern, ferner d. u Unter- suchuugs-Aemtern, Markt -Behörden, Fleischbeschaueru, Appro- Tisionirungs-Gommissionen, on Erzeugern ^on diätelischen Prä- paraten, Nahrungsmittel -Conserven, hygienischen Artikeln und chemisch-optischen Apparaten in.a Instrumenten, rilterapparaten, Desinfectionsmitteln etc. etc be»teu$> auznenipt'ehlen. Bezugspreis: I-ür ein Jahr 3 )l. ö. W. = 5 Mark, für ein Halbjahr Jl. 1,50 ö. )V. = 2,50 Mark. Die ausserordentliche Billigkeit bei gediegendstem wissenschaft- lichen Inhalte sichert dem Blatte die grösste Verbreitung. Die „Zeitschrift für Nahrungsmittel-Untersuchung und Hygiene" ist als Insertions-Organ bestens zu empfehlen, Anzeigen kosten 12 kr. ^ 20 Pfg- die einspaltige Kleinzeile Ioder deren Raum. Bei Wiederholungen und grösseren Aufträgen entsprechende Preisermässigung. Probenummern gratis u. franco. Durch alle Buehhandluagen und Postanstalten, sowie durch dea unterzeichneten Verleger zn beziehen: Photographische Mitteilungen Zeitschrift des Vereins zur Förderung der Photographie und der Deutschen Gesellschaft von Freunden der Photographie in Berlin. lloraurigegftben vnn Prof. Dr. H. W. Vogel, Ltbrtr der Spectralanalyse und Photochcmlt a d. Ä. Uchn. Hoehtchule OharloUenlturg-fierlin. 18^7,88. .Jahrgang XXIV. 1887/88. Mon.^tlich 2 Hefte in gr. S" von zusaiumen 1V2— 2 Bogen Umfang mit jälirlic.h mJDileäteas 6 Kunstbeilagen unil Ilolzstichen. Preis la Mon.nle Ml<. 10,00 — 6 Monate Mk. 5,00. Die Jahrgänge beginnen im .^jiril iinil ßchlie-ssen im März des Jahres, Die Photographischen Ditteilungen enthalten: 1) Berichte über die Sitzungen des Vereines zur Förderung der Photographie ii. d. fies-llscbatt von Fieunden der Photographie. -') Originalartikel und brielliche Mitteilungen über die neuesten lOrlinüungeii des In- u. Auslandes im tiebicte der Photographie und verwandter Kächer. 3) Ilitteilungen aus dem Photographischen Laboratorium der Kgl. teclini.M'lh-n 1 loc'.isilinle, Herliii-( 'barlottenburg. ■1) Kunst-Beilagen, Prolien neuer Vert'aliren etc. fi) Anzeigen (Pieis der durchlaufenden Zeile 30 Pfg., für Stellen- gi'.-.uiTie u. Aiigeliote nur 20 Pfg.) finden weite \'erbreitun^ über die ( I rennen Deutschlands hinaus in l)eutscli-()esterreich,Scnweiz, llcdland, liiissland, Diini'niark n. Ver.-Staaten v. Nord- Amerika, wo die l'hnt. Miltfil;;. einen znidreiehen Abnehmerkreis haben. Die PhOtOgiaphiSChen Ilitteilungen berücksichtigen besonders die ^i( li stets aUt-dehiieiide Anwendung der Photographie iu Wissen- schaft, Kunst und Kunsthaadwerk und wenden sich ausser an die Photographen von Fach, die Lithographen und Buchdrucker, auch an Kunsthandwerker jeder Art, sowie an Maler, Mediciner, Bo- taniker, Physiker, Fo'rschungsreisende etc. Probehefte nüt Kunstbeilagen liefert der unterzeichnete Ver- h'ger postlrei, sowie jeile Buchhandlung unberechnet. Berlin W. 10.' Robert Oppenlieiiu. Durch die Expedition des „Natorwissenmcliaftler", Berlin SW, 48, Friedrichstrasse 226 sind stets franko zu beziehen; Winke lür Hatnraliensammler. Mit Holzschnitten und 4 Parben- drucktafelu von L. Fischer. Prei s 40 P fg. Deutschland's Schlangen mit bes. Berücksichtigung des Bis- ses der giftigen Kreuzotter. Mit 2 lithogr. Abbildungen von Dr. med. R n d. F r a n z. Prei s fO P fg. Zur Beform des Naturgeschichts- unterrichts in der Volksschule. von F. B a a d e. Köuigl. Serniuar-Lehrer in Neu- Ruppin. Pr eis 50 P fg. Bepetitorium der Zoologie. Mit 82 Abbildungen von Dr. M. Wolter. Preis 2 Mk. 1. Auflage in einem Semester ver- kauft. Iu gerate für No. 6 des, Naturwissenschaftler" müssen spätestens bis Sonnabend, 29. Oktbr. in unsern Händen sein. Berlin SIF. 48. Die Gxp. d. „Naturwissenschaftler". WilLScMöter iE Halle a.S. Lehrmittel- [20] «. Naturalienhandlung. Reichhaltiges Lager aller naturhi- storischer Lehrmittel, sowie sämt- licher Fang- und Präparirwerk- zeuge, künstlicher Tier- und Vogel- augen, Insektennadeln und Torf- platten. Kataloge gratis u. franco. Der Sammler. IX. Jahrgang. 12 Nummern halbj. Mk. 3,40 = 2 fl. Illustrirte Fachzeitschrift u. inser- tionsorgan fiir das Sammelwesen jeder Art und Richtung. Red. Dr. H. Brendicke, Inhaber des eis. Kreuzes etc. Münzen, Siegel, Wappen, Gemmen. Stiche, Schnitte, Autographe und Antiquitäten. Naturwissenschaft- liche, Kunst- U.Bücher-Liebhabe- reien. Postwertzeichen u. Völker- kunde. Kunstgewerbe. Zu beziehen durch jede Postanstalt und Buchhandlung (Ed. Strauch- Leipzig u. d. die Exp. Berlin W. 57.) 1 Probe-Nr. durch den Buchhandel unentgeltlich. 3 Probe-Nrn. durch dieExped Mk.0,50 = 30 Kr. ö. W. Geschmackvolle Ausstattung, bolzfreies, satinirtes Papier, gediegene Abbildungen, gedrungene Sprache und erfrischende Kürze des Ausdrucks zeichnen diese Fach- Zeitschrift aus, die gegenüber den einzelnen bewährten öpecialblältem In der Uni- versalität der BeriicksichtiguHg aller Sammel - Bestrebungen ihre Bedeutung sucht und in den besten Kreisen, bei Behörden und Vereinen findet. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Carl Riemaun in Görlitz. — Verlag von Ricmann Ä Möller, Berlin S.W. 48. Druck von Gust.av HoB'mann, Berlin C. Z^" Der Naturwissenschaftler. Allgemein verständliche AVochenschrift liir säuitliche Gebiete der Naturwissenschaften. Aftonnementspreis : Bei den Postanstalten und Buch- handlungen vierteljährlich i/Ä 2. — ; Bringegeld bei der Post 15 -^ extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition JC 2,40. Jvedaktion: Dr. Carl Riemann. Verlag von Riemann & Möller, Berlin S. W. 48. Friedrich-Strnsse Ü2ti. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -4. Grössere Aufträge entsprechenden Rab.-ilt. Beilagen J(. 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 30. Oktober 1887. No. 5. Der Abdruck der Originalartikel ist nur mit Geiieliinigang der Verlagshandlnng gestattet. Inlialt: Dr. Keiuüold Brehni: KaubvögeiBrut.stätteu in Ceutral-iSpanien (Fortsetzung!. — Dr. H. Fohlig: Ueber Klima, Boden und Pflanzenwelt in Persien (Fortsetzung). — L. Boyseu: Die Atmosphäre und die Erscheinungen in derselben. — Die LX. Ver- sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte. — Kleinere Mitteilungen: Ueber tleischverdauende Pflanzen. Die Unschädlichkeit des. Saccharins bei fortgesetztem Gebrauch für den Menschen. Ueber die jährliehe Ungleichheit des Sonuendurchmessers. Vom deutscheu Reisenden Dr. H. Meyer. Die deutsche ostafrikaniscbe Gesellschaft. Die kliuiatolügische Sektion der Naturforscherversamm- lung zu Wiesbaden. S'eue Bestimmung der mittleren Dichtigkeit der Krde. — Astronomischer Wochen-Kalender. — Fragekasten. — LItteratur: B. Eyferth, Die einfachsten Lebensformen des Tier- und Pflauzeureiclis. — Bibliographie. — Inserate. Raubvögel- Brutstätten in Central-Spanien. Von Dr. Reinhold Brehm. (Fortsetzung.) Um Gewissheit darüber zu erhalten, ob die grossen Geier nur ein Ei oder ob sie deren mehrere legen — eine Frage, welche in den Naturgeschichten noch nichtgenan erörtert ist — auch gleichzeitig i'est/.ustellen, welche Geierart auf Felsen, welche auf Bäumen nistet, nuisste ich frühzeitig im Jahre, eigentlich noch im Winter, einen Ausflug nach einem Geicrbrutplatze unternehmen, auf weicht m Gänse- und Mönchsgeier in Gesellschaft brüten sollten. Ende Fel)ruar begab ich mich nach meinem ornitho- lo^ischen 8tandi(uartiere Escorial, wo ein in ganz Spanien bekannter Kaubzeugjäger mich erwartete. Frühzeitig am nächsten Morgen brachen wir nach der Südseite des westlichen Teiles des Guadarrama-Gebirges auf, nach dort, wo solches in die Sierra de Avila ül)crgeht. Die undiegenden Beige zeigten sich reifbedeckt, Penalara dahingegen und ihre beinahe gleich hohen Geschwister in dichten Schneemantel gehüllt, welchen die eben aufgehende Sonne in rosigem Schimmer erglühen machte. Der Morgen war frisch, klar und windstill imd versprach einen jener schönen Winteitage, deren Neu- Kastilien viele zählt, ihresgleichen jedoch nicht leicht anderswo zu finden sein dürften. Aussicht auf heiteres, stilles Wetter ist für jeden ornithologischen .\ustlug ein wesentlicher, war aber für den bealisichl igten ein um so er- freulicherer Umstand, als die Entfernung iiachderGeierbrul- stättenachmeinesBegleiters Berechnung fünf bis sechsWeg- stunden betragen sollte. Dass die fünf oder sechs Stiuiden zu acht oder neun sich dehnen würden, darauf war ich nun schon gefasst, denn gar zu oft hatte ich die Erfahrung gemacht, dass der gemeine Si>anier Entfernungen nicht abzuschätzen vermag und jedesmal ziun Nachteile des Wanderers sich verrechnen wird, ^^'eht nun aber am Morgen eines Wintertages der in jener Gegend zu ge- nannter Jahreszeit vorherrschende Nordwind, welchen die kahlen, trockenen Sandel>enen Alt-Kastiliens seines P^euchtigkeitsgrades beraubten, und werden die eisigkalten Schichten feinster scharfer Luft durch die dort auch noch im Winter recht wärmende Sonne mehr und mehr ausge- dehnt, so entstehen heftige, oftmals bis zum Sturm an- steigende Tjnftströmungen von so scluieidender Kälte, das.s kaum die dicksten Winterkleider den Iveisendeu gegen derartige Unl)ill des Wetters zu schützen ver- mögen. Dass unter solchen Umständen ein mehrstün- diger Ivitt an pfadlosen, schrofl'en Bergwänden entlang oder über scharfgesclinittene Gei>irgs|)ässe hinüber nicht als V^ergnügungstour angesehen werden kann, dürfte der freiuidliche Leser dic^ser Zeilen mir gern glauben. Noch 1 itfen wir an jäh aiifallender Berglehne im engen Tliale dahin einem in spitzer Pyramidenform hoch auf- strebenden Berge entgegen, als ich auch schon des ersten grossen Raubvogels ansichtig wurde, welcher, im Aether schwinnnend, die Bergspitze umkreiste. Seine mächtigen, sjutzen, nicht sehr breiten Schwingen, der lange keilförmig endende Schwanz kennzeichiu'ten ihn bereits aus gn'isserer Entfernung als den gewaltigsten und schönsten aller grossen europäischen geliederten Iväuber, den Geieradler oder Bartgeier. Frühzeitig musste er seinen AVohupIatz verlassen hallen, tun schon liei Sonnenaufgang Hochebeneu, Berglehnen luid Thalnudden nach Beute abzuspüren. Wohl mochten ihn 'die soeben an sonniger Bergwand auf die W eide getriebenen Schafherden mit ihren Lämmern herangelockt haben und eins der letztgenannten ihm als ersehnter Morgenimbiss erscheinen, denn in geringer Höhe über jenen beschrieb er in blauer Luft enge Kreise. Doch Hirten inul Hunde waren auf der Hnt imd nur ihre Gegenwart hielt des kühnen Stossvogels Ixaubgelüste in Schranken. Vielleicht trcistete er sich bei ihrem Anblicke mit der Hofiiiung, dass es ihm trotz jener Wachsamkeit späterhin dennoch gelingen werde, ein unvorsichtigerweise zurückgebliebenes Lämmchen rauben zu können, und wollte inzwisciien ve^^U(•hen. ein unschuldiges Häschen oder Kaninchen in wiiidgeschütztem, an sonniger Berg- wand unter duitendem Kosmarin- oder Thymiangebüsch -angelegten Lager im Morgenschlafe zu übeiraschen, eine weiter als r;itsam von nienschlicher Behausung nmher- schleicheude Katze zu greifen oder auch dem Blitze gleich aus der H(")he auf einen keinerlei Gefahr ahnenden, friedlich hinter seinem auf hohem Maidtiere sitzenden Herrn dahin- trolleuden Köter herabzustossen, ihm die hartscharlen Fänge tief ins Fleisch zu schlagen luid den treuen Wächter des Hauses trotz seines Umsichbeissens und kl-'iL'licIii'ii Gc- 38 Der Naturwissenschaftler. No. 5. heuls, trotz Schreien, Toben und Fluchen des Eeiters hoch durch die Lüfte nach ferner Bergkui)pe zu entführen, dort dem Schlachtopfer mit wohlgezieltem Schnabelhiebe den Schädel zu zerschmettern und es sodann mit Haut, Haar und Knochen auf einen Sitz aufzuzehren. Während ich den schönen Räuber noch mit den Augen verfolgte und für den Fall unvorsichtigen Nahens die Büchse bereit hielt, erhoben die Schafhirten lautklagendes Geschrei, in welches die Hunde mit wütendem Gebell einstimmten, alle wie toll nach einer bestimmten Richtung hinstürmend. Noch im Unklaren über solch ganz eigen- tümliches Betragen der Hirten und Hunde sah ich einen grösseren Schäferhund von graurötlicher Färliung an der Bergwand herab auf uns zukommen, unseren Weg kreuzen, uns einige Augenblicke lang anstauneu und sodann im dichten Cistusgebüsch verschwinden. Dorthin jagte ich ihm eine Kugel nach, denn der friedliche Hund war von mir — leider zu spät — als Wolf erkannt worden. Sein von Hirten und Hunden wohlbemerktes Erscheinen hatte den Aufruhr hervorgerufen. Dass meine Kugel ihn nicht getroflen luid ebensowenig wie der Knall der Büchse auch nur erschreckt hatte, bewies sein ruhiger Gang an dem gegenüberliegenden Hange hinan. Nur von Zeit zu Zeit wandte er den Kopf nach den ihn noch immer verfol- genden Hunden. Geieradler und Wolf waren hinter den Bergen ver- schwunden, auch wir hatten den Puerto erreicht und schickten uns an zum Abstieg nach den jenseitigen tiefer gelegenen Geländen. Längere Zeit überschaute ich vom Gebirgspässe aus die vor meinen Augen ausgebreitete, maleriscl:e Land- schaft: den nahenden Frühling kündende, bereits grün sprossende Saatfelder und Wiesen in der Tiefe zur Linken, zur Rechten die bis zu ihren steilen, kahlen, schneebedeckten Gipfeln mit Kiefern bekleidete Cordillera. Auf einem ihrer Vorberge initerschied ich die Ruinen des Klosters von Guisando, dem Spanier bekannt und merk- würdig wegen mehrerer in ihrer Umgebung sich finden- der Monolithen, rohgearbeitete Stiei gestalten darstellend, die Toros de Guisando. Als Stierlnlder haben sie für den Stiergefechte liebenden Eingeborenen hohes Interesse; auch behauptet er, dass jene Blöcke auf Befehl der Kö- nigin Isabella I. zu Stierbildnissen ausgehauen worden seien, zum Ideibeuden Gedächtnisse an ein grosses Stier- gefecht, welches jene KTmigin dort veranstalten Hess, als ihr die Granden \nid Eilellente Alt- luid Neu-Kastiliens am 19. September 1468 den Eid der Treue geschworen und sie zur Erbprinzessin beider Königreiche ausgerufen hatten. Anders lautet dahingegen der Bericht des Alter- tumsforschers. Ihm zufolge stammen jene Steinbilder aus der llinnerzeit und wurden auf Befehl Julius Cäsars ausgeführt, zur bleibenden Erinnerung an die Stierheka- tombe, Vielehe der grosse Feldherr zum Danke für seine ülier des Ponii)eius Si'ihne erfochtenen Siege den luisterl)- lichen Göttern oiifern Hess. Dass die Toros de Guisando hohen Alters sein mögen, beweist ihr schon sehr zer- bröckeltes Aeusseres. (Fortsetzung folgt.) Ueber Klima, Boden und Pflanzenwelt in Persien. Von Dr H. P o h 1 i g. l Fortsetzung ) R\iinen Die grösste Mannigfaltigkeit von Pflanzentypen zeigt sich in dem eigentlichen Urwald der sumpfigen Niede- rung. Mit Ausnahme von Taxus sind es lediglich Laub- bäume, welche dort den Bestand bilden. Teils sind es Typen, die auch bei uns gewöhnlich sind, wie Erlen. Ulmen, Ahorn, Linden, Rot- und Weissbuchen, Eichen, Pappeln und Weiden, aber diese stehen wild durchein- ander mit noch zahlreicheren Formen, welche unseren Wäldern fienid sind: da finden sich die stacheligen Gle- ditschien und Akazien, die Diospyros, Zelcovien und Pterocaryen; kastanienblättrige Eichen stehen neben Melia, Zizyphus und Celtis, uralte Stämme von Wallnuss, Feige, Maulbeere und Buchsbaum neben der merkwürdigen Parrotia persica, wohl der westlichsten Vertreterin ihrer an dem Himalaya besonders lieiinischen Gattung, in 20 bis 30 Fuss hohen Büschen wachsend. An dem Wege stehen Ruscu.s und Sambucus ra- cemosa, Büsche von Granaten, Misjielu und anderen Fruchtsträuchern; durch das Dickicht des Unterholzes, vorzugsweise von Brombeeren und Rosen gebildet, hauen die Eingeborenen von einer Ansiedelung zu der anderen hin schmale Gänge. Von heimatlichen Pflanzeuarten be- merkte ich dort auch die AValderdbeere und die roten Glocken der Judenkirsche (Physalis), sowie die Hasel- nuss. Alte Baumriesen sind bis in die Kronen hinauf an der Seeseite ausser mit Moos noch diclit mit Kletter- farnen und anderen Pflanzen bedeckt: stürzen die erstereu nach ihrem Absterben um, so siedeln neue Generationen auf ihren Leichen besondeis gerne sich an und geben dann durch ihre merkvi'ürdig reihenweise, scheinbar künstliche Anordnung die Stelle an, wo der Alte gelegen, selbst dann noch, wenn von diesem keine Spur mehr vorhanden ist. Als Liane tritt neben Smilax und Periploca die edle Weinrebe hauptsächlich auf, welche, in scheukel- dicken Stämmen unmittelbar zu den höchsten Kronen der Bäume emporsteigend, deren Wipfel in phantastischen Gewinden mit einander verwebt. Jene Epheubedeckungen der Kronen, welche die Bäume ertötet und in morschen m Walde aufragen lässt, eine der eigenartigsten Erscheinungen der pontischen Urwälder in der Batumer Gegend, bemerkte ich in den kas))ischen Küstenstrichen nicht. Dort findet man nach Radde unter den Einge- borenen noch eine Art abergläubischer Verehrung ein- zelner Bäume und Baumgruppen, welchen Brandopfer dargebnicht werden. Der Boden des Waldes steht vielfach über weite Strecken hin ganz unter Wasser; da wachsen riesige Schilfe und Seerosen, gewaltige Scharen von Schild- kröten beleben die Lachen. Uebeih:ui|it entfaltet sich in diesen Bezirken zugleich die Tierwelt zu ungleich grösserer Menge und Mannigfaltigkeit, als auf dem Hoch- land: während die Berge des letzteren von Argalis und Bezoarziegen, die Ebenen von Gazellen, Springmäusen und Heuschrecken bewohnt sind und nur in günstigeren Bezirken, wie um den Urmiasee, sich auch Land- schnecken, Schmetterlinge, Landschildkröten, Eidechsen und Schlangen in grösseren Mengen finden, beherber- gen die kaspischeu Urwälder namentlich Wildschweine in grossen Rudeln, eigenartige Hirsche (Cervus maral) und Rehe, Bär, Wolf und Katzenluchs, Hyänen, Panther, Jagdgepardeu und Königstiger. Das Klima dieser Gegenden gleicht der Treibhaus- teni])eratur und ist demjenigen des Hochlandes daher gerade entgegengesetzt; während es in letzterem so gut wie gar nicht regnet, gehört in dem Sumpfland der Regen zur Tagesordnung. Die Luft ist so feucht, dass die Früchte dort nicht reif werden, auch der Wein nicht; man findet an den Sträuchern Knospen, Blüten und Früchte aller Entwickelungsstadien zugleich. Für den Ausländer ist jene Sumpfluft gefährlich, fiebererzeugend, und sie ist eine weitere Ursache der Schädlichkeit aiich des Hochland- klimas, denn so seltsam es klingen mag, ist selbst dort auf der Hochfläche das Wechselfieber die gewöhnlichste Krankheitserscheinung; die leichteste Erkältung ist da, wie bei uns ein Schnupfen, gleich das Fieber, welches vernachlässigt tötlich werden kann. Dasselbe scheint No. 5. Der Naturwissenschaftler. 39 erzeugt zu werden durch kaspische AVinde, welche l)is- weilen auf kurze Zeit den normalen Ostwind des Hoch- landes ablösen und an den im Norden ant'stfigenden Wölkchen bei sonst rein blauem Hinnnel zeitig genug vorausgesehen werden können, im sich gegen dieselben zu schützen, wenn sie nicht gerade bei Nacht eintreten: fin- den letzteren Fall thut der Neuling in dem Lande stets gut, nicht gleich den Eingebornen während dos Som- uiers im Freien zu schlafen, sondern im Gegenteil sein Nachtlager hermetisch gegen aussen abzuschhessen, auch prophylaktisch sich an Chinin zu gewöihnen. Die Strauch- und Baumgrenze der kaspischen AN'ald- bezirke ist nicht überall gleichartig, auch sind jene zwischen Khasvin und Ivescht vorhandenen Abstufungen des Pflan- zenwuchses da nicht so ausgeprägt, wo der Waldgürtel zwischen See und Hochland erheblich schmider ist. An der Südwestküste beispielsweise, aufwärts von Astara an dem Talysch, erreicht man bereits in wenigen Meilen den Gebirgskamm; die sumpfige Niederung erstreckt sich von der Küste aus blos einige Kilometer landeinwärts, der Wald endigt auf der luftigen Höhe mit Zwergholz von Eichen und Buchen unserer gewöhnlichen Arten, luid an der jenseitigen Abdachung bilden fette Weidegründe den Uebergang in die trockene Steppenregion der Hochfläche. Der Baum- und Buschbestand der kasjiischen Küsten- striche ist nicht der einzige, wenn auch der hauptsäch- lichste wildwachsende des Perserreiches. Ueberall da, wo der Einfluss grösserer Wasserbecken unmittelbar sich feltend machen kann, wie besonders an den übrigen den leeren zugewendeten Abdachungen der Plateau ränder, sowie auf den Inseln des Urmiasees und hie und da an grösseren Flüssen, findet sich nach obigem wildwachsendes Holz, allerdings ganz vorwiegend Unterholz. An den Nordabhängen des Savalan und des Karadagh bis west- lich in die Gegend der Stadt Maiand, an dem Unterlauf des Araxesflusses, an den VVestabdachungen der Zagros- kette, des türkisch-persischen Grenzgebirges und in den Küstengebieten des persischen Golfes landeinwärts bis in die Gegend von Kerman kommt Strauchvegetation wild- wachsend in grösserer Verbreitung vor; meist ist es Zwerg- holz gewöhnlicher Eichen und Buchen, wie auf dem Ta- lyschkamm, auch treten Kirschbäume, Platanen und Po- maceen auf. An dem Savalan wächst Buschwerk von gemeinem Wachholder (Jnniperus) und von C'otoue- aster, verwebt durch rankende Brombeersträucher (Ku- bus) und Haiderosen; südlich von Kerman bildet ähnlich wie an dem Elbnrs C'y|)ressenl)estand die Uebergangszone zwischen der Ste])penregion und dem beludschisch-indi- schen Urwald, und zwar an den Südabhängen der Berge: auf den Urmiasee-Inseln endlich und an dem Araxes stehen vereinzelt Tamariskenbüsche und niedrige Stämme. Es ist möglich, obwohl nicht wahrscheinlich, dass Iran ip früheren, historischen Zeiten besser bewaldet war. In der Urzeit freilich, als die grossen pliocaenen Dickhäuter und Wiederkäuer da hausten, deren Reste ich zu Maragha ausgegraben habe, oder als die Palmen, Bauuifaine und C'oniferen daselbst wuchsen, deren Ab- drücke ich in den mesozoischen Kohlenlagern des Eiburs aufsannnelte, scheint eine üppige Vegetation gleichmässig jene Gegenden bedeckt zu halien unter günstigeren kli- matischen Verhältnissen, als die heute dort herrschenden sind. Es erübrigt, einiges über die in Persien vorkommen- den Kulturpflanzen hinzuzufügen. Was zunächst die Baumpflanzungen aidjelangt, welche besonders auf dem Hochlande die Ansiedehingen umgeben, so bestehen jene ganz vorwaltend aus italienischen Pappeln, auch Weiden einer kleinen Form; nur vereinzelt, wie in Tabris, sah ich Pappeln von bedeutender Grösse und einer zwischen derjenigen der italienischen luid deutschen Art etwa die Mitte haltenden Gestalt. Diese Bäume liefern den Per- sern auch das Holz zur Anfertigung der unentbehr- lichsten Gegenstände, Truhen, Thüren und Fenstergitter, sowie zum Stützen luid Decken der flachen Lehmdächer; Dielen giebt es indem holzarmen Land selbst bei dem Reich- sten nicht, so Avenig wie Holzmöliel, welche sich in dem trockenen Klima auch gar nicht halten. Zum Anmachen des Feuers gebraucht man teils das Reisig der Bäume, teils hilft man sich mit den holzigen Artemisien und Astragaleen der Steppe, welche ebenso wie die Stämme auf Eseln nach dortiger Sitte in Ermangelung von Wagen und Strassen in die Ortschaften gebracht werden. Unter- halten wird das Feuer aber mit Kuchen von getrocknetem Mist, welche in hohen Feimen für den Winterbedarf auf- gehäuft werden. (Fortsetzung folgt.) Die AtmosphJire und die Erscheinungen in derselben. Von L. Bossen. (Fortsetzung.) in der Atmo- Wenden wir uns jetzt den Vorgängen Sphäre zu, welche sich täglich vnid stündlich unserm Auge darbieten, den Niederschlägen, den Winden und der Luft- el ktricität, so steht uns für diese Erscheinungen ein reiches Material von Beobachtiuigen zu Gebote. Be- trachten wir zuerst die Niederschläge. Hier kommt vor allen Dingen die Temjieratur der Luft in Betracht. Von den Wärmestrahlen, welche die Sonne ziu- Erde sendet, wird ein Teil in der Luft absorbiert, bei klarem Wetter ungefähr der vierte Teil, bei bedeckter Luft und bei sehr schräg einfallenden Strahlen (v\enn die Sonne dem Horizont nahe ist) mehr. Der grösste Teil aber gelangt zur Erde luid erwärmt diese. Die Erde strahlt die emijfangene Wärme wieder zurück und erwärmt die nächsten Luftschichten: so erklärt es sich, dass die hohem Luftschichten viel kälter sind, als die untern. — Bei den Niederschlägen nun interessiert uns vor allen Dingen die verschiedene Form derselben. A\ erden die Luftschichten an der Erdoberfläche durch die Ausstrahlung aus dem festen Erdkörper erwärmt, so dehnen sie sich aus und werden leichter; die natürliche Folge ist, dass sie in die Höhe steigen. Dabei gelangen sie in Regi(nien, deren Temperatur geringer ist als an der Erde. Nimmt die Temperatur ab, so wird dieFeuchtigkeitskaiiazität geringer, in den obern Schichten wird die Luft deshalb mit Feuchtigkeit gesättigt, die letztere kondensiert sich und bildet zuerst Tröpfchen, welche sich in Form von Nebel und Wolken zusanunenballen und vermöge ihrer Leichtig- keit in der Luft schweben. Die äussere Gestalt der Wolken ist verschieden: man unterscheidet: 1) Federwolken, dieselben sind die liöchsten und bestehen aus kleinen Eis- krystallen 2) Schichtwolken, grosse Wolkenschichten, die sich weit über den Ilinunel ziehen 3) Haufenwolken, eine häufig im Sommer beobachtete Wolke. Neben diesen drei Ilaupttypen giebt es Zwischenformen, so zwischen Schicht- und Haufenwolke die Regenwolke etc. In letzterer ballen sich die kleinen Tröpfchen zu Tropfen zusanniien, die verm(")ge ihrer Schwere zur Erde fallen; es entsteht der Regen. Die Wolken- und Regenbildung findet auch statt, wenn durch südliche und westliche Winde warme, feuchte Luft in kältere Regionen n;etrieben wird. Fallen luui die ersten Regentropfen aus der Höhe hinab, so gelangen sie in wärmere Luftschichten, welche noch nicht mit Flüssigkeit gesättigt sind. Die ersten Regentropfen lösen sich desshalb wieder auf. Erst nach- dem die ganze Luftmasse gesättigt ist, fallen die Tropfen 40 Der Naturwissenschaftler, No. 5. zur Erde. Im Sonmier ist häufig Golegeiiiifit. diosou A'or- gang zu beolinchten. Sinkt dir Tmiiperntur der Ijut't unter (irad, so krystaliisieren die AA assertr(i])iclien zu Eis; es liildet sicli .Sclince. ■ — Für den Ilagei nimmt man eine andere Entstfhniigsweise an. welche wir uns an einem Versuch khir maclien kcinnen. Bei vollständiger Kxdie kann man ein (refäss mit Wasser bis auf 8 Ijis 10 (irad alikiihlen, ohne dass das ^Vasser zu Eis erstarrt. Bei einer kleinen Erschütterung oder liei Berührung des Wassers mit einem festen Kiirper erstarrt piritdich die ganze Masse. Man nennt den Znstand, in welchem sich aas Wasser befand, den Znstand der Ueberschmelznng. Die Hagelkinner nun bestehen ans einem Schneekein, welcher von Eisschichten umgeben ist. Wegen des re- lativ grossen (itewichts deiselben kann man nicht anneh- men, dass sie sich ruhig in der I>utt gebildet hätten ohne hinabzufallen. Da nimmt man mm an. dass die AVasser- tröpfchen sich in ruhiger Tjuft unter Grad abgekühlt haben und in den Zustand der Ueberschnielzung über- gegangen sind. Bei einer Bewegung oder Berührung mit einer Schneeflocke tritt ]>lötzliche Erstarrung ein. Das entstandene Eiskornchen fällt lieral) und ülxMzielit sich hier- bei mit schalenförmigen Eisschichten;es entsteht das Hagel- korn. Dassellie eisclieint weiss, weil im Eise Luft eiuge- schlossen ist. Auf analoge Weis(> erklärt man das Glatteis. Die W asserteilchen befinden sich im Zustande der Ueber- schmelznng und erstarren bei der Berührung mit der festen Erdrinde. — Andere Formen des Niedeischlags sind Tau und licif. Durch die nach Untergang der Sonne stattfindende starke Wärmeausstrahlung kühlen sieh die Oberfläche der Erde und die nahen Luftschichten ab. Die in der wärmeren Ijuft enthaltene Wasserdampf- menge sättigt die abgekühlte mit Feuchtigkeit. Der Wasserdamiif kondensiert sich und setzt sich in Gestalt kleiner Tröi)fchen, als Tau, au die festen Körper der Erdoberfläche. Eline rauhe, dunkle Oberfläche, Gräser, Wiesen etc. und klarer Hinnnel begünstigen die Aus- strahlung, wie wir im Sommer häufig zu beobachten Ge- legenheit haben. Sinkt die Temperatur der Erdoberfläche und der nächsten Luftschichten unter Grad, so ver- wandelt sich der Tau in Keif. Zur Messung der in einem gewissen Zeitraum sich an- sannnelnden Feuchtigkeit bedient man sich des Regen- messers, eines oben weiten Gefässes, das in eine mit Skala versehene enge Köihre ausläuft. Die jährliche Niederschlagsmenge wird daini in cm oder nun ausge- drückt. Bei uns beträgt dieselbe ca. 60 — 65 rw, in Ost- europa ca. 50 cm. Grössere Mengen fallen in Europa an der norwegischen Küste, durch den warmen Golfstrom veranlasst, über 200 C7//, mehr noch an der schottischen Küste. Die grösste bis jetzt konstatierte Feuchtigkeits- menge findet sich in Vorderindien, in C'herra Punji am Fusse des Ilimalaya, wo dieselbe 1200 cm übersteigt. Uelierhauiit sind (xebirge und Ilocidänder im aligemeinen regenreicher, als flache Länder. (Fortsetzung folgt.) Die LX. Versaininluiig deutscher Naturforscher und Aerzte. Originalbericht von D Bei einem liückblick auf die in Wiesbaden gepflogenen Ver- handlungen des diesjährigen Naturforscherkongresses bietet sich nur Hocherfrenliches ilar. Kein Misston störte die angenehmen und lehrreichen Stunden, welche die Jünger der machtvollsten und sieg- reichsten aller Wissenschaften zum Zwecke wechselseitigen Meinungs- austausches riiit einander verbrachten. Eiwa SCCK) Teilnehmer hatten ihre Nameu in die leisten eingezeichnet. Auch die gebildete Frauen- welt bekundete ihr lebhaftes Interesse an den Verhandlungen, inso- fern dieselbe in den sogenannten „allgemeinen Sitzungen", welche im grossen Saale des Kurhauses stattfanden, stets zahlreich vertreten war. In Begleitung von naUirforechonden Vätern oder Gatten haften ca. 600 Damen die Reise nach Wiesbaden mitunternommen. Bei Gelegenheit von Ausflügen, beim Festdiner und auf dem Festballe zeigte es sich, dass dieselben ihren wahren Beruf, schöne Stunden durch ihre Gegenwart noch schöner zu gestalten, wohl auszuüben verstanden. Am 19. September morgens nach Eröllnung der VerEammlunf^ durch den ersten Geschäftsführer Herrn Geheimrat Prof R. Fresenius fand die erste allgemeine Sitzung statt. Eine ungemein grosse Zu- hörei Schaft war erschienen. Der leipziger Chemiker Prof Dr. Wis- licenuB betrat zuerst die Kednerbühne, um einen Vortrag über die Entwickelung der Lehre von der Ji-omerie der chemischen Verbin- dungen zu halten. So trefflich und gründHch das Thema von Seiten des Redners bebandelt wurde, so wenig war es leider geeignet, das Interesse eines nicht ausschlie'slich aus Fachchemikern bestehenden Auditoriums zu fesseln Eine wahre Völkerwanderung entstand im Saale und die Mehrzahl der Anwesenden zog es vor, im Kurparke frische Luft zu schöjifeu. Prof. Wislicenus sprach schliesslich nur vor einem kleinen tfäuHein Getreuer, und diese mögen ihm wohl dankbar für seine sehr lehrreichen Ausführungen gewesen sein. Jn betreff derselben müssen wir .jedoch auf den wörtlichen Bericht in Nr. 3 des , .Tageblattes" dir Versammlung veiweisen, da es ganz unthunlich ist, den uuifang; eichen und mit chemischen Formeln reich- lich gespickten Vortrag auszugsweise mitzuteilen. Das nahezu ein- stimmige Urteil aller anwesenden Nicht- Chemiker lautete dabin, dass Prof. W islicenus sicherlich grossem Dank geerntet haben würde, wenn er sein Manuskript in einer chemischen Fachzeitschrift publiziert hätte, anstatt es einer Zuhörerschaft zum Angehör zu brin- r. Otto Zacharias. gen, von d;r mau nicht voraussetzen kann, dasä sie übir die geächioht- liche Entwickelung der synthetischen Chemie hinlänglich orientiert ist. Nach Wislicenus sprach der Jenenser i^hysiologe Prof. W. Preyer. JUittlerweile hatte sich der Saal wieder bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Ansichten eines namhaften Forschers über ,,Natur- forschung und Schule" wünschte jed^r gern zu vernehmen In der Voraussetzung, dass Preyers Vortrag gerade für die Leser des ,,NaturwiKsen8chattler" ein specielleres Interesse haben dürfte, soll ül)er denselben etwas ausführlicher berichtet werden Es geschieht dies unserer Ansicht nach am besten, indem wir die Hauptpunkte jenes Vortragi direkt anfuhren. Die Na* ur Wissenschaft hat auf alle Gebiete des Lebens in jüngster Zeit den grössten Einfluss gehabt, nur die Schule ist von den Fortschritten derselben unberührt ge- blieben Der Grund dafür liegt weniger in dem Widerwillen der Schulmänner gegen diese Wissenschaft, als vielmehr in der Eigen- tümlichkeit der Deutschen sich an das Hergebrachte festzuklammern. Wir haben die Anpassungsfähigkeit in Fol^e dieser Gewöbnuug ein- gebüsst Lie Art des Unterrichts, welche auf unsern höheren Schulen, insbesondere auf dem humanistischen Gymnasium herrschend ist, verstöjst gegen die einfachsten und bekanntesten Thatsachen der Physiologie. Das Gehirn der Zöglinge wird überfüttert, und die JUus- kulaUir muss darben Es wird ganz ausschliessHch das Nervensystem in Anspruch genommen nnd vielfach überspannt. Aber i;uch der hiuptsächlich vom Gymnasium verfolgte Zweck ' (Anfüllnng des Gehirns mit Gedächtnisstoff) wird — wie Preyer meint — nicht erreicht. Es lassen sich ziffernmässige Beweise dafür liefern, dass nur ein sehr kleiner Bruchteil der Schüler das Zeugnis der Reife erl.ält, und da'S selbst auch die Zahl derer gering ist, welche mit dem Einjährigen-Freiwilligen Zeugnis abgehen Dazu kommt noch, dass von diesen Einjährigeu wieder nur ein kleiner Teil zum Militärdienst für tauglich und gesund befunden wird Die preussischen Militärerhebungen zeig-n, dass der Prozentsatz der Untauglichen unter den Dreijährigen viel geringer ist, als bei den Einjährigen. Besonders treten Kurzsichtig- keit und allgemeine Körperschwäche in erschrekendem Masse auf. Die Ursache dafür ist einzig und allein in der Schule zu suchen. Es soll daher als Präservativ gegen solche Schwächezustände das Schwimmen und Turnen in viel höherem Massstabe eingeführt nnd geübt werden. Vor allem soll aber der Lehrer in Bezug auf Haltung No. 5. Der Naturwissenschaftler, 4] des Körpers und auf gjmnastische Ueliunsreri dem Schiikr mit gutem Beispiel Torangehen. Der Hauptfehler unserer Schulen liegt aber doch im Unterrichtsstoff selbst. So hocb auch der Wert des Latei- nischen und Giiecbischen an und für sich zu schätzeu ist — für die Schulung und geistige Ausbildung der Kinder sind diese Sprachen durcl.aus ungeeignet. Die lateinischen Aufcä'ze siid mehr oder weniger eirje Zusammenstellung von Phniten. Und was den lateini tchen Unterricht betiitit, lo läuft er doch im wesentlichen auf eine blosse Wörterkenntnis hinaus. Der Schüler muss dadurch Unlust !ur Arbeit bekommen, er niu's faul werden, weil einem lebensfrischen Jungen eine solihe Verwendung seiner Kräfte mit der Zeit langweilig fein wird. Den Inhalt dieser niumienarfi en Schrilten könnte man viel leichter aus Uebersetmngen kennen lernen. Wer späterhin nicht Philologie studiert, für den ist die specielle Vorbildung in den alten Sprachen nichts weiter als Zeitversäumnis. Oder glaubt man, dass ein Arzt, der den Enripide? fiiessend übersetzen kann, dadurch bei seinen Kranken grösseres Vertrauen erwecken wird? Durch den Unterricht in den klas-iscben Sprachen vird vor- wiegend das Gedächtnis belastet und eventuell geschärft. Dagegen bleibt die Sinnesthätigkeit vollkommen unausgebildet. Solche Schüler verlernen voüständig das richtige Sehjn und Beobachten Sie sind im Autoritätsglauben aufgewachsen und bekunden einen grossen Mangel an Selbstvertrauen. Die hauptsächlichste T .ätigkeit unseres Verstandes, nämlich das Aufspüren der Ursachen von gegebenen Wirkungen bleibt durch die humanistis he Erziel. ungsraethode ganz ungeübt Der ganze Unterricht besteht in einer grammatischen Dressur. Trotz alledem bevorzugt der Staat die Abiturienten dor humanistischen Schulen. Ein tritt'gcr Giund hierfür ist nicht zu finden. Auch ist es ein Irrtum, dass die Gymnasien eine gleich- massige Bildung bewirkten. Der Sohn des gewöhnlichen Bauern bleibt immer in seiner Bildung von dem Sohne eines vornehmen Staatsmannes verschieden. Aus alledem geht hervor, dass eine gründliche Schulieiorm an der Zeit sein würde Zunächst müssen Cjymnasien und Healgymnasien in Bezuj auf den Unterricht in den Naturwissenschaften gleichgestellt werden Dann wird es sich zeigen, ob die Gymnasien überhaupt noch lebensfähig sind Im Jahre 1870 haben die medizinischen P'akultäten sich gegen eine solche Gleichberechtigung ausgesprochen. Eine abermalige Ab- stimmung aber werde ganz sicher ein anderes Kesultat ergeben. Auch vom historischen Standpunkte aus lässt sich nicht verteidigen, dass die klassischen Sprachen allein die richtige Bildung gewähren. Pas beweisen auch Männer wie Kopernikus, Galiläi und Luther, die dadurch, dass sie das Althergebrachte abgeschüttelt und verworfen hüben, untndliches Heil über die Menschheit brachten. Schliesslich ist auch der Voiwurf unberechtigt, dass wenn wir Latein und Griechisch von den Schuleo nähmen, wir den; Realismus in die Airae fallen würden. Gerade in der hingebenden Beschäftigung mit der Naturwisi-enschaft liegt der Keim zur Entwiclselung eines ge- sunden Idealismus. Wir müssen uns frei machen von dem Druck der einseitigen humanistischen Bildung und dafür so: gen, dass unsere Kinder bei Zeiten mit den Naturgesetzen bekannt und durch deren Kenntnis zu tüchtigen, geistesklaren Männern werden. Der anhaltende Beifall, der dieser Rede von Seiten der Zuhörer gespendet wurde, bewies: dats Preyer im allgemeinen die Ansichten der versammelten Naturforscher zum Ausdruck gebracht hatte. Es wird indessen niemand leugnen können, dass manche der Preyer- schen Behauptungen etwas kühn sind. Insbesondere wird m in dies von seiner abfälligen Kritik des altsprachlichen Unterrichts sagen müssen, der doch wahrlich nicht blossimmer auf „grammatischer Dressur" beruht, sondern zugleich bestrebt ist, das ästhetische und mora- lische Gefühl der Jugend durch die Lektüre der klassischen Schrift- steller auszubilden. Wir wollen uns an dieser Stelle jedoth lediglich referierend verhalten. Es wird die Aufgabe berufener Schulmänner sein, die Preyer'schen Angriü'e aegen das Gymnasium auf das rechte Mass zurückzuführen. Dass wirkliche und tiefgehende Mängel im Unterrichtssyslem unserer höhern Schulen vorhanden sind, kann aller- dmgs nicht in Abrede gestellt werden. Die stiefmütterliche Behand- lung, welche der Naturwissenschaft im Vergleich zu den andern Fächern zu Teil wird , ist zweifellos sehr beklagenswert. Und diese Schattenseite scharf hervorgekehrt und vor aller Augen bioss- gestellt zu haben, i«t ein entschiedenes und grosses Verdienst des l'rof. Preyer. In der zweiten allgemeinen Sitzung (52. Septbr.) sprach zunächs f^eheimrat Prof. Virchow über den Transform ismus. Er er- örterte in seiner Darlegung das Verhältnis der modernen Entwickelungi- lehre zur Anthropologie und kritisierte die verfrühten dogmatischen Aufstellungen der Ultra - Darwiniiten, welche für die wirkliche Forschung eher hemmend als fördernd gewesen seien. Zweifellos habe sich der Darwinismus als ein befruchtender Gedanke erwies n, aber das dürfe uns nicht hindern, von Zeit zu Zeit zu untersuchen, wie es mit dem direkten Nachweise der transformistischen Erbfolge stehe Bezüglich der Frage na h der Abstammung des Meuschen liege die Sache so, dass sich ein aRe ähnlicher Urmensch (ein Proanthropos) bis jetzt nicht habe nachweifen lassen Der Australier möge in seinem Habitus noch soviel „Pitbekoides" besitzen — ein vormensch- licbes Wesen sei er deshalb ebensowenig wie ein leibhaftiger Affe. Er trage vielmehr alle Merkmale der menschlichen Erscheinung an sich. Bis jetzt könne eine Verwandtschaft des Menschen mit den Säugetieren nur auf Grund vergleichend-anatomischer Thatsachen be- hauptet werden Hieraus resultiert dann die Schlussfo'gerung, dass wenn der Mensch anatomisch nicht von den höheren Vertebraten zu trennen ist, er wohl auch einen gemeinsamen Ursprung mit diesen hal en müsse. Dieser Schluss hat die allergrös^te Wahrscheinlichkeit für sich; trotz alledem dürfen wir aber nicht ve'gessen. dass uns direkte Beweise für das Hervoigehen des Menscnen aus der Tier- welt fehlen. Die von beissspornigen Vertretern der EntwickeUings- lehre leichthin skizzirten Stammbäume des Menschen und der höheren Tiere seien ein stark verlrühtes Unterlängen; man werde sich vor- läufig damit begnügen müssen, wissenschaftlich festzustellen, welche Einflüs.se der Aussenwelt umgestalten 1 auf die Organiäation einwirken, und welche Variationen der Organe auf die nachfolgenden Geaerationen übertragbar sind. Ein emziges Experiment nach dieser Richtung hin werde mehr zur Lösung des Entwickelung'problems beitragen, als alle bisher heransspekulierten Genealogien der Lebewesen. Mit den Worten, dass derjenige, welcher uns lehre, aus einem Spaltpilz einen Schimmelpilz zu züchten, mehr zur Erklärung dir Artenentstehung beigetragen haben würde als alle Heraldiiier der Stammbäume — mit diesem Satze schloss der Redner seinen sehr beifällig aufgenommenen Vortn.g. Virchow hat sich dem Darwinismus bisher immer skeptisch gegenüber verhalten. AVie er selbst sagt, ist er kein Anhänger, sondern ein Freund dieser Theorie. Bei den Hyperdarwinianern gilt er deshalb für „nicht kompetent" in Bezug auf descendenz-theoretische Fiagen — ähnlich wie Kölliker, Nägeli und verschiedene andere. Man kann jedoch ein vollkommen überzeugter Anhänger der Lehre von der allmählichen Entwickelung der Organismen sein und doch die Erklärungsw^eise Darwins nicht in allen Stücken annehmbar finden. Eine ganze Anzahl namhafter Naturforscher befindet sich jetzt in dieser Lage, und dieselben sind es, denen Virchow aus der Seele ge- sprochen hat. Was uns jetzt in erster Linie not thut, das sind faktische Beweise für die Vererbbarkeit solcher Veräuderangen, welche durch äussere Einflüsse au den Organismen erzeugt werden. Der experimentelle We^ muss auch in diesem Falle betreten werden, wenn wir witer kommen wollen. Nach Virchow hielt Prof W. Detmer (Jena) seinen Vortrag über Pflanzenleben und Pflanzenatmung. Die Au-führuugen des Redners brachten nur al gemein Bekanntes in ansehendem sprach- lichem Gewaude, so dass das anwesende Laienpublikum im besten Sinne des Wortes angenehm untei halten wurde Prof Meynert (Wien) sprach hierauf über die Mechanik der Physiognomik. Grundlage für die Behandlung dieses Ge- genstandes ist Darwins Werk über den Ausdruck der Gemütsbewe- gungen Der Vortragende geht auf die von Darwin aufgestellten Gesichtspunkte ein und unterwirft sie einer eingehenden kriti-chen Untersuchung. Dann kommt er auf die Affekte zu sprechen und bezeichnet dieselben als eine neben den fünf Sinnen und dem Bewe- gungpgefiihl bestehende siebente Empfiudung^form uud zwar als eine Wabrnehmuug der Ernährungszustände unseres Gehirns. Be- züglich der näheren Begründung dieses Satzes müssen wir ebenfalls auf No 3 des ,, Tageblattes" verweisen Als Objekt für mechanisch-physio- gnomische Untersuchungen eignet sich das Kind natürlich am besten, weil dessen Centralnerveusyttem noch ganz unbeemflusst ist. Den Schluss des Vortrages bildete der Hinweis auf die hohe biologische Bedeutung der Physiognomik. 42 Der Naturwissenschaftler. No. 5. Die dritte allgemeine Sitzung (24. September) war nicht minder gut besucht alB die vorhergehenden Der erste Kedner an diesem letzten (öffentlichen) Versammlungstage war Prof. Benedict (Wien). Er sprach über die Bedeutung der Kraniometrie für die theoretischen und pral fischen Fragen der Biologie. Es fehle un? noch an einer zuverlässigen Methode für die SchäL.elmessung Dierelativ beste bestehe jetzt in der Anwendung desKoordinaten-Syttems zu kraniometrischfn Zwecken Dazu bedürfe es freilich sehr präcis gearbeiteter Jnstrumente. Der Schädel erweise sich bei der genauen Messung als ein sehr regelmässiges Uebilde. Man erkenne hieraus, dasB in der Natur nlles nach geometrischen Gesetzen sich entwickele, dass es also eine rein mathematische Morphologie gebe. Das aber erscheine deshalb von hoher Bedeutung, weil wir durch Fort- schreiten auf diesem Wege zu einer wirkl'chen Biomechanik gelangen werden Jlanche Kätsel der Natur, z. B. der Transformismus, werden sich dann mechanisch erklären lassen. Nach Aosicht des Redners läset sich auch die Anordnung des Nervensystems auf biomechanische Vorgänge zurückführen. Mit dem Wunsche, dass die Naturforscher mehr als bisher der geometrischen Betrachtung der Natur- erscheinungen Beachtung schenken möchten, schloss Prof. Benedict seinen Vortrag. Als letzter Redner erschien Prof. Dr. Löwenthal (Lausanne) auf dem Podium. Sein Thema war: Die Aufgabe der Medizin in der Schule. An die früheren Ausfuhrungen von Preyer an- knüpfend, stellte Löwenthal den Satz auf, dass die medizinische Wis- senschaft ein volles Anrecht auf die Mitarbeit in dei- Schule habe. Es sei die Kenntnis der Entwickelung des Körpeis und des Geistes durchaus notwendig für eine richtige Methode des Unterrichts. Gegenwärtig seien unsere Pädagogen lediglich Philosophen und Philo- logen. In Zukunft dürfte jedoch auch d e Mediziu nicht ausser Acht gelassen werden Lei der Votbildung der Lehrer. Ohne Anthropobiologie sei eine heilbringende Pädagogik gar nicht denkbar. Es sei gewiss nicht zu viel verlangt, das.^ die Lehrer, denen wir unser Bestes, unsere Kinder, anvertrauen, sich mehr mit der Gesundbeitswissenschaft (Hy- giene) bescbäftigen sollen. Bei einer Schulreform komme es also in erster Linie auf eine bessere Pflege der Uiiterrichts-Hygiene an und ferner auf eine zweckmässige Ausbih uag der Lehrer, sowie auf eine ständige fachmänüische Schnl-Jnspektion. Zum Schlnss wendete sich dieser Redner gegen den Vorwnrf, dass die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Dingen notwendig ztim Realismus oder gar Materialismus führen mü?se. Das sei ein grosser Jrrtum. Die Ur- sache des immer mehr um sich greifenden Realismus sei vielmehr in der heutigen Dnterichti^methode zu erblicken. Denn wer in der Schule sich daran gewöhne, nur des Zeugnisses oder eines ehrgeizigen Er- folges wegen zu arbeiten, wer durch trockenen Lehrstoff und durch äusseren 2wang in Unlust zur Arbeit aufwachse, der werde auch im späteren Leben nie ein richtiges Verständnis von der hohen Bedeu- tung opferwilliger Pflichterfüllung und von der Freude selbstlosen Schaflens und Arbeitens haben können Die Versammlung gab dem Redner durch einen wahren Beifall- sfurm zu erkennen, dass er Ansichten ausgesprochen hatte, welche von allen Anwesenden voll uüd ganz geteilt wurden. Es fehlt uns hier an Raum, auch über das, was in den einzelnen Sektionen verhandelt worden ist, zu berichten. Nur soviel sei erwähnt, dass ausserordentlich viel gearbeitet worden ist. Die einzelnen Sektions- sitzungen waren stets sehr stark frequentiert uud Sanitätsrat Pagen- stecher, der zweite Geschäft slübi er, hatte Recht, wenn er in seinem Abschiedswoi te an die Naturforscher bemerkte : „erst spätere Tage würden die Früchte ernten können von dem Baume, der hier in Wies- baden so schön geblüht habe". Mit dem Kongress war auch eine trefflich arrangierte natar- wis-enschaftliche Austeilung verbunden, in welcher die neuesten Fortscliritte auf dem Gebiete der Mikroskopie, der Präpariertechnik, der Fabrikation chirurgischer Instrumente u. s w. durch geeignete Objekte zur Anschauung gebracht waren Das Verdienst, diese Aus- stellung in systematischer Weise zusammengestellt und überhaupt in so reichhaltiger Weise ins Leben ge ufen zu haben, kommt einem in Wiesbaden lebenden Privatmann, Herrn Rentier Ludw Dreyfus, zu Es muss hoch anerkannt werden, daas dieser Herr, dessen schön- gelegene Villa während der Wiesbadener Versammlungstage einer der Mittelpunkte des geselligen Verkehrs wii-, auch noch Zeit fand, von früh bis spät als Vorsitzender des Au'stelluugskomitees und als allezeit liebenswürdiger Cicerone in den Ausstellungsräumlichkeiten thätig zu sein. — Der Natur'brscherkongress wird im nächsten Jahre 2U Köln tagen. Kleinere Mitteilungen. Ueber fleischverdauende Pflanzen. In No. 1 und 2 dieser Zeitschritt berichtet uns Dr. Grönland über interessante Erscheinungen bei Drosera und Lathraea als ficischverdiuiende Pflanzen; er macht auch aufmerksam auf ähnliche Vorgänge bei PinguicuUa und Utricularia. Ueber letztgenannte l flanken habe ich eirigehendere Beobaclitungen gemacht, welche ich hier nit- teilen will Pinguiculla vulgaris, eine zu den Lentibulanaceen ge- höreude kleine Pflanze, finden wir in Gesellschaft von Drosera in unsern Torfmooren (häufig bei Dinslaken am Rhein). Sie ist eine perennierende Pflanze, welche im Winter im Torfmoore (."^paanum palustre) geschützt ist. Im Frühjahr bildet sie eine Rosette, welche aus uDgeetielten, fleischigen Blättern zusammengesetzt ist Aus der Mitte der Rosette erhebt sich im Sommer der 8 — 10 cm hohe Blüten- stiel, welcher eine einzige lippenblumenähnlich", violettlarbene Blüte trägt. Auf den dicken, fleischigen Blättern befinden sich viele Di- gestionsdrüsen, welche eine klebrige Flüssigkeit ausscheiden. Wenn nun Jnsekten die Drüsen berühren, so rollt sich der Rand des Blattes langsam zusammen, das Au.-scheiden der klebrigen Flüssigkeit mehrt sich und ihr Säuregehalt wird stärker. Duich die Säure werrlen die festgehaltenen Insekten zersetzt und von der Pflanze verzehrt. Utricularia vulgaris ist ebenfalls eine zu den Lentabulariaceen gehöreniie Wasferpflanze mit fiederartigen Blättern und vielverästel- ten Zweigen. (Sie findet sich häufig bei Kempen und St. Hubert im Rheinlande ) An den Zweigen der Pflanze sitzen kleine Schläuche von der Form einer Halbkugel und eines Hohlcyliuders Die Schläuche be- stehen aus einer durchsichtigen, elastischen Membran und sind mit einer veritilattig nach innen sich öflnenden Klappe versehen Im Winter sind die SchläucLe an den Wurzeln mit Wasser gefüllt, und so wild die Pflanze durch ih'e Schwere auf dem Grunde der Ge- wässer gehalten. Im Frühjahr erhebt sie sich vermöge ihrer luft- erfüllten Blasen bis an die Oberfläche des Wassers Hier entwickelt sie die Blüte, welche lippenformig und von schöner, dottergelber Farbe ist. Die Fangorgane dieser Pflanze sind die schon erwähnten Schläuche Als Anlockungemittel besitzen dietelben am Eingange vier haarähnliche, boretenförmige Anhängsel. Der erwähnte am obern Ende der Schläuche befindliche Deckel, lässt sich leicht nach innen stossen und das Insekt in den Schlaucb hinein Die Elastizität des Deckels aber verursacht beim Authöieu des Drucks ein Zurückschnellen desselben, vermöge welchen Vorganges das Insekt gefangen wird. In dem Scülauch tritt alsdann eine Zersetzung und Verdauung des gefangenen Tierchens ein. Hüls (Rheinprovinz). J. Niessen. Die ünsctaädlichkoit des Saccharins bei fortgesetztem Ge- branch für den Menschen. Das von Dr. Const. Fahl berg aus dem Steinkohlenteer chemisch dargestel te Saccharin (Benz.o6'säure-Sul- finid), welches eine ca. 300 mal grössere versü-sende Wirüung hat als Rohrzuck'^r, wird jetzt von der Firma Fahlberg, List & Co zu Salbke-Westerhüsen a d Elbe im grossen angelertigt (Preise in Glasflascheu mit Nickelverschluss; 1000 g = 1(J0 JC, v50 g — 26 ^, 50 g ^ 6 -ft:, 25 g = 3,50 ^«) Nach Attesten von der Direktion der l. medizin. Klinik zu Berlin (Prof. Dr. Leyden) und der medizin. Klinik zuHeidelberg(L)r. Stadel mann) hat sich das Saccharin aucb bei länger fortgesetztem Genuss als dem menschlichen Organismus durchaus unschädlich erwiesen. Bei Diabetikern wurde durch Saccharin-Uebrauch eine erwünsctite und nützliche Bereicherung des diätetischen Regimen gewonnen, insofern das .Mittel ermöglicht, diesen Kranken sowol feste Nahrungsmittel (Brot, Kuchen) als auch die fl issigen Nahrungs- und Genussmittel (Suppen, Kaffee, Thee etc. zu versüssen und schmack- haft zu machen, onne dem Körper Kohlenhydrate (Zucker) zuzuführen. — Eine schädliche Beeinflassung auf die Verdauungsthätigkeit ist nirgends wahrgenommen worden, weder wurde die Peptouisierung des Eiweisses durch Magensaft im geringsten gestört, noch die Trypsin- wirkung ungünstig beeinflusst. — nn. (Jeber die jährliche Ungleichheit des Sonnendurchmessers veröflentl.cht Prof. Auwers in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften neue Untersuchungen und zwar unter Berücksichtigung von 19 umfangreichen Beoabachtungsrerhen, von 12 mit mehr als 21 000 Beobachtungen für den horizontalen und 7 No. 5. Der Naturwissenschaftler. 43 mit nahe halb eoviel Beobachtungen für den vertikalen Durchmesser. Diese Reihen rühren yon 7 verschiedenen Sternwarten her und sind mit 12 verschiedenen Jnstriimenten angestellt. Von diesen Ueihen stimmen 16 imit 26 COO Beobachtungen) darin überein, den Sonnen- durchmeeser entweder während des ganzen Jahres gleich oder mit einer iähi lieben Ungleichheit von solcher Form und Grösse behaftet zu geben, dafs dieselbe ersichtlich durch den Einfluss der Tem- peraturänderungen auf das Jnstrument erzeugt ist Nur drei Reihen zeigen Schwankungen im Laufe des Jahres, welche auf diese Weise nicht sofort vollständig erklärt werden. Die nähere ünt ersuchung der weitaus an Beobachtungen reichsten und gewichtigsten dieser Rtihen, der von Madras, lätst diis abweichende Verhalten gänzlich den ausführenden Beobachtern zur Last fallen. Auwers sieht daher den namentlich von dieser Beobachtungsreihe gegen die Annahme der Kugelgestalt der i^onne und der Unver- änderlichkeit ihres Durchmessers erhobenen Widerspruch als gänzlich unbegründet an. In diesem Widerspruch bleiben bloss noch die beiden bekannten LindeunU - Maskelyne'schen Reihen (Rechnungen Lindenau's über 33 Jahrgänge der unter Miiskelyne's Leitung am Passageinstrument der Greenwicher Sternwarte beobachteten Durch- gangszeiten der Sounenscheibe). Auwers weist nach, dass auch dieser Widerspruch unberechtigt und seine Lösung zweifellos ausschliesslich in den Beobachtungen selbst oder ihrer Berechnung zu suchen sei. — nn. Dem deutschen Reisenden Dr. H. Meyer, Sohn des be- kannten Verlegers in Leipzig, ist es gelungen, den Kraterrand des Kino, des höchsten Gipfels des Kilimandjaro, /u ersteigen; Johnston hatte in etwa 5(00 m Höhe umkehren müssen. Der Reisende wird mit reichen Sammlungen im Oktober zurückerwartet. Die deutsche ostafrikanische Gesellschaft hat mit dem Sultan von Sansibar einen Zollvertrag abg. schlössen und die ganze Küste, soweit sie in die deutsche Interessensphäre fällt (d. h. doch wohl nur die Zollerhebung daselbst), auf fünf Jahre gepachtet. Ko. In der klimatologischen Sektion der Natnrforscherver- sammlnng zn Wiesbaden gab Dr. Ponppel sehr interessante hygieinische Notizen über die fSüdseegebiete. Auf Tonga und den Vi ti-Inseln befinden sich die Europäer durchschnittlich ausgezeichnet; Malaria ist selten, d.mn und wann kommt Dysenterie vor, mitunter eine epidemische Entzündung und Vereiterung der Leistendrüsen. - Auch aut Sambia können die Verhältnisse noch durchweg als günstige bezeicLnet werden ; auf Neu-liuinea und im Bismarck- Archipel freilich weniger, doch hat hier die Malaria unter den deutschen Beamten noch kaum ein Opfer gefordert, iiit der zunehmenden hultur werden auch hier die Gesundheitsverhältnisse sich bessern, namentlich wenn einmal bessere Wohnungen beschaflt seiu werden; jedenfalls sind sie nicht, schlechter, als in üoUändisch-lndien. Ko. Mond-Ephemeride. Nene Bestimmnng der mittleren Dichtigkeit der Erde hat Ur. Wilsiug (Potsdami mittelst einer neuen Methode (ange- febeii in dem Sitzungsber. der Akad d. W iss zu Berlin vom l.°>. 1 p5) urch Pendelbeobachtungen vorgenommen. Die vor kurzem ver- öäentliehen hesultate dieser letzteren ergeben als mittlere Dichtig- keit 5,594 mit einem wahrscheinlichen teiler von -f- 0,0;<2. Diese Zahl ist wesentlich kleiner als das von Jolly (Münchjn) s Z. mit der Wage geiundene Ergebn s (5,69) und wenig giösser, als die Be- obachtungen mit der Torsionswage im Mittel ergeben haben Caven- dish fand 6,48, Reich 5,49 und später 5,fi8, Baily 5,66, Cornu und Baille 5,66. Jolly fand aus einer bedeutend grösseren Anzahl von Beobachtungen mit der Wage enen Fehler von -}- 0,68 tür das Endresultat, während die Methode der Pendelbeobachtungen nur tinen halb so grossen wahrscheinlichen Fehler aufweisen. — nn. Astronomischer Wochen-Kalender vom 30. Oktolier bis 6. November Sonnen-Ephemeride. 1887. M tj) a j Tag und Datam. a 2 tu Ol ja DekÜD. •5-g s tic ,. CB.O N E fiD < U < to St. M. M. S. U. M. U.M. St. M. U.M. U. M St. M. 8. SO. 2170 14.18 — 13046' —16.14 6.54 4.33 9.3!» 6.15 5 12 14.34 M. 31. 2180 21 -140 6' -16.16 56 31 3.^ D. 1. 2190 25 -140 26' -16.18 68 29 31 M. 2. 220" 29 —14044' -16 20 59 271 2i- 6.19 5. 7 14.46 D. 3. 2210 33 —150 3' —16. 20 7. 1 26 24 F. 4. 225iO 87 -150 22' — 16 19 8 24 21 S. 5. 223» 41 —150 40' — 16. li- 5 22 17 6,25 6. 2 14. 5V S. 6. 224» 45 —16« 58' —16.16 7 20 13 Monats- und Jahrestag. S. 30. M. 31. D. 1. M. D. F. S. S. 303 304 305 30H 307 30H 309 310 210 840 470 600 740 870 100° 1130 's O £ 1 w PC ü. M. St. M. ll.lONm 1.46 11.53 „ 2.32 0.37 Vm 3.21 1.23 „ 4.11 2.11 „ 5. 3 3, 1 , 5. ,57 352 „ 6.52 Deklin. + 5051' + 9" 46' -f-130 18' -t-16'i 17' -t-180 32' + m> 54' -1-200 14' Untergang Parallaxe. U, M. 4 36Nm 4 57 „ 5.20 „ 5 46 „ 6.18 „ 6.56 „ 7.42 „ 8.37 „ U. M. 4.52Vm 5.57 „ 7. 2 „ 8. 7 „ 9.11 „ 10 12 „ 11.10 „ 12 2 „ 8,1959 8,2001 8,2098 Vollmond den 31. Oktober um 10 Uhr 25 Min. Nm. In der vorigen No. haben wir angegeben, dass die kn len- darischen Notizen auf BerUn bezogen sind. Es lässt sich d e 'fafel aber auch für andere Orte umrechnen, wenn man deren geographische Breite und ihren gleichfalls aus der Landkarte zu entnehmenden Läugenunterschied gegen Berlin berücksichtigt Bei den Notizen über Rektascension und Dekhuition, die auf den Zeitpunkt der wahren Kulmination sich beziehen, hat man nur den in /eitmass ausge- drückten Läugenunterschied anzuwenden Der Moridiau z. B., auf welchem die Städte Altona, Hildesbeim, i'öttingen, Würzburg und Ulm nahezu liegen, ist beinahe 14 Zeitminuten vom Berliner Meridian nach Westen entfernt. Das ist beinahe der hundertste Teil von 1440 Minuten oder 24 Stunden. (Jelangt also die Sonne in diesen Meridian, d. h. haben die genannten Orte wahren Mit'ag, so ist in Berlin schon etwa 0,01 des mit dem wahren Mittag begonnenen Tages verflossen ; die Zahlen für Rektascension und Deklination des Tagesgeftirns müssen also um den hundertsten Teil des B.'trages vermehrt oder vermindert werden, um welchen sie bis zum nächsten Mittag gewachsen oder verkleinert sein werden. Für den 30. Oktober gäbe das in Rektascension einen Zuwachs von 0,03 Zeitminuten, in Deklinationein Minus von 0,19'; Unterschiede,die, wie man sieht, innerhalb der Genauigkeitsgreuzen der Tafel bleiben. Für Memel (Zeitunterschied gegen Berlin beinahe 31 Minuten (östlich) oder 24 St. : 47 hätte man '/47 Tag zurück, für Metz (Unterschied 24 St : 50) dagegen V.io Tag voran zu rechnen ; Korrektionen, die oöenbar bei den Sonnen- örtern für unseren Zweck belanglos sind, während sie ausserhalb Deutsjhlands und bei den Moudörtern, worübär in nächster No zu reden ist, viel erheblicher werden. — Ueber die Benutzung der als „Parallaxe" aufgeführten Zahl, welche den um 10 vermehrten log. sin. der Horizontal-Parallaxe des Mondes für den mittleren Berliner Mittag gibt, mu'^s auf die astronomischen Lehrbücher ver- wiesen werden. — Die Notizen über die Mondphasen reduziert man du ch einfache Anbringung des Ze.tunterschiedes auf andere Orte. Beim Eintritt des Vollmondes am 31. hat man z.B in Berlin 10 Uhr 26 Min., in dem westlicher gelegenen Köln erst 9 Ohr 69 Min. Die Zeitgleichung oder der Unterschied zwischen wahrer und mittlerer Zeit erreicht um Mitte dieser Woche den höchsten .Megativ- Betrag von 16'/, Minuten, um danu wieder sich der Null zu nähern. Aus diesem Gruude kürzen vom Mittwoch an die Tage schneller am Morgen als am Abend, während in den letztyergaugenen Wochen das Umgekehrte stattfand; der Unterschied wird bald bemerkbar werden. Planeten. Merkur bleibt unsichtbar Venus geht an 2 Nov. morgens um 3 Uhr auf, erscheint am 31. Oktober in grösstem Glanz und bewegt sich rechtläufig in der Jungfrau. —Mars, der sehr fiüh am .Vliitwocü um 1 Uhr 17 Min. nachts aufgeht, b-wegt sich rechtläufig im Löwen; er steht ungelähr mitten zwischen Venus und Regulus. — Jupiter ist unsichtbar. — Saturn geht Mittwoch lollhr abends auf und geht rechtläufig im Krebs weiter »etwas darüber die sogenannte Krippe). J. P. Fragekasten. Mehrere Abonnenten in Halle a. d. Saale. Besten Dank für freundliche Uebersendung des Brieger'schen Aufsatzes. Unserer Anticht nach würden wir demselben zu viel Ehre erweisen, wenn wir ihn einer eingehendeu Besprechung unterziehen wollten, ganz abge- sehen davon, dass der Verfasser desselben durch eine solche sich dazu veranlasst sehen könnte, sein Elaborat für bedeutender zu halten, als es in Wirklichkeit ist. Ausserdem wird jeder, welcher den Brieger- schen Autsatz mit AuliuerliSamkeit liest, sich des Gefühls nicht ent- wehren können, dass der gelehrte Schreiber sich selbst sehr wohl der Richtigkeit der Prejer'scheu Behauptungen und der Berechtigung seiner Forderungen bewusst ist, es aber für seine Pflicht hält, als Philolo:je im Bewusstsein seines gekränkten Ehrgefühls gegen die- selben Front zu machen Es wird jedoch die Kntwiokelung der in Fluss gekommenen Frage unauthaltsam fortschreiten trotz der ver- zweifelten Versuche, welche gemacht werden dieselbe aufzuhalten. \\ ir dürften noch oft in die Lage kommen, den beregten Gegenstand zur Sprache zu brmgen. Im Uebrigen verweisen wir aut unsern Uriginalberichf in der heutigen Nummer. 44 Der Naturwissenschaftler. No. 5. Litteratur. Die einfachsten Lebensformen des Thier- nnd Pflanzen- reichs. Naturgeschichte der mikroskopischen Süsswasser- bewohner, bearbeitet von B. Eyferth. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Braunschweig IBS^, Ver,asr von (joeritz und zu Putlitz. Preis 16 Mk. Der Zweck vorstehenden Buches isN die in unsern (ewä'^^ern fast überall ; eitweilig vorkommenden oder seist besonderes Interesse gewährenden, mikroskopisch kleinen, ),flanz- lichen und tierischen Lebensformen übersichtlich iusammenzustelleu nnd dem mit dem MikrOfkop Arbeitenden ein bequem 'S Naclischlage- buch zu bieten. Dieser Autgabe wird dassdbe in seiner neuen Gestalt um so mehr gerecht, als es nicht unwesentliche VeivoUstäu- digungen erfahren hat So sind die Schizophjteu und Flagellaten in die neue Auflage mit aufgenommen und die Spaltpilie einer voll- ständig neuen liearleitnng ui tei zogen wo.i en, ganz absesehen von den Erweiterungen unl Verbefseiungen, welche uns i.berall entgegen- treten. Auch diu dem Werke beigegeLenen 7 Ta ein sind zum grösst n Teile neu ge-/ei(hnet und liefern uns mit ihren über 4U(i wohlgelunger.en Abbildungen ein Übersicht liehe* Bild der k einstei Tier- und Pflanztnw It unserer (ewäser. Fin kurzer geschicht- licher Kückblick bidet den Schli.ss der verditns'vollen Arbeit des Verfasser-, der wir eine recht weite Verbreitung w nscben, umso- mehr, als der Preis in Anbetracht der geschmackvollen Ausstattung des Werks ein sehr mäsaigtr ist. Beiträge, zoologische. Hrsj». v. A Schneider 2 Bd l.Hft. Mit 11 Tafeln u. 1 Holzschn Preis 18 Alk J. U. 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Aufsätze, ä.sthct., biograpb., litterar. u. kulturhistor. Essays, Litteratur- u. Knnstberichte vom In- u. Auslande, Besprechungen von litterar. Novitäten, texterläuternde JUustrationen pp. — Stetige Mitwirkung erster Schriftsteller. — Inserate — solide Anzeigen jeder Art — linden wirkungsvolle Ver- breitung. Preis pro dreigesp. Petitzeile SO Pf;.'. Annahme durch die Verlagsnandlung und die Expedition von Haasenstein & Vogler. Z^IZII Elegante Aasstattang. ZZUZH Preis pro Quartal 2 Mk , bei dir. Versendung 2.60 Mk. resp. 3,20 Mk. Bestellungen werden jederzeit von der Verlagshandlung, allen Buchhandlungen und Postanstalten entgcgonge nojum en. ISf^T' Probenumimrn gratis und franko. "^H Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert Novität! Monatsblatt. Jährlicher Subscriptionspreis 5 Ulark. Dieses Blatt widmet sich im besondern den Interessen der Dilettanten und Anfänger in der Photographie und bezweckt, densel- ben dutch einfach gefasste Aufsätze, sowie durch häufige Anwendung der Jllustration die Ausübung zu erleichtern. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Po stansta lten. ^;;;^ Probenummer auf Verlangen postfrei. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. Durch die Expedition des „Naturwissenschaftler", Berlin SW.48., ist zu beziehen : Die natürlichen Pilanzenfamilien herausgegeben von A. Engler und K. Prantl. Mit mehreren tausend Holzschnitten. In Lieferungen (ä 3 Bogen) Lex. 8" zu JC 1,50. Jährlich 15—20 Lieferungen. Vollständig in ca. 6 Jahren. Prospekt und Probeheft gratis [25] duich die Expedition des „Naturwissenschaftler". Düsseldorf. Ed. Liesegang'a Verlag. Dr. Carl Biemann, Görlitz einplielilt sich [24] zum Zusammenstellen von Natura- lien-Sammlungen jeglicher Art.auch übernimmt er das Bestimmen und Ordnen bestehender Sammlungen unter billigster Preisberechnung. Jede Auskunft wird bereitwilligst erteilt. Manatüs' aiußricaiiES üesm. Skelett und Fell 100 cm. lang, ferner ein Skelett von Struthio molybdophanes Bchw. hat abzugeben ['i'i] Wilhelm K c h 1 tt t e r in Halle a. Saale. Einzelne Nummern unseres „Xatar Wissenschaftler" liefern wir zum Preise von 25 Pffl. pro Nummer franko. (Briefmar- ken werd in Zahlung genommen.) Berlin SW. 48. Die Exp. d. „Naturwissenschaftler". Inserate für No.7des „Naturwissenschaftler" müssen spätestens bis Sonnabend, 5. Novbr. in unsern Händen sein. Berlin SW. 48. Die Exp. d. „Naturwissenschaitler". Verantwortlicher Redakteur: Dr. Carl Riemann in Görlitz. — Verlag von Rieinann & Möller, Berlin S.W. 48. Druck von Gustav Hoffmanu, Berlin C. \//frv r Der Naturwissenschaftler. Allgemein yerständliche Wocheiiselirift für sämtliche Gebiete der NaturwisseiLscliafteii. Abonnementsjtreis: Bei den Postanstalten und Buch- handlungen vierteljährlich „Ä 2. — ; Bringegeld bei der Post 15 ^ extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition JC 2,-)0. Kedaktioii: Dr. Carl Ricmanti. Verlas von Riemann & Möller, Berlin S. W. 48. Frii'dricli-.Str:i!.s(> 2-iG. Inserate: Die viergespaltene l'etitzeile 30 4. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen M. 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 6. November 1887. No. 6. Der Abdruck der Originalartikel ist nnr mit Geneliiuignng der Verlagshandlang gestattet. Inhalt: Dr. Reinhold Brehm: Raubvögel-Brutstätten in Ceutral-Spanlen (Fortsetzung). — Dr. H. Pohlig: Ueber Klima, Boden und Pflanzenwelt in Persieu (Fortsetzung). — E. Oppermann: lieber den gesamten naturwissenschaftlichen l'nterricht in höheren Mädchenschulen. — Kleinere Mitteilungen : Triton palmatus im Harz. Neuseeländer Ptlanzen. Die Zerstörung der Gesteine. Prof. Dr. Gustav Robert Kirchhott f. Ketyr. — Astronomischer Wochen Kalender. — Fragekasten. — Litteratur: K. Bonn: Die Struktur- formeln. — Bibliographie. — Inserate. Raubvögel-Brutstätten in Central-Spanien. Von Dr. Reiuhold Brehm. (Fortsetzung) Weiter nach Westen hin über Guisando hinaus fesselt unseren Blick ein zweiter Punkt von weit höherem geschichtlichen Interesse, die Ruinen des in nebelgrauer Ferne kaum noch erkennbaren Klosters von Juste, wie all- bekannt letzter Aufenthaltsort des grossen Kaisers Karl V., nachdem er der Kaiserkrone entsagt und die Kegiernng niedergelegt hatte. Dort verschied er am 22. September 1558. Der seiner Zeit mächtigste Herrscher der Erde, des ewigen Kriegführens und Regierens müde, hatte seinen Leibarzt ausgesandt, ein stilles, abgeschiedenes, gesundes Ruheplätzchen zu suchen, woselbst er fern dem Getriebe der grossen Welt und des Hofes seine letzten Lebenstage in Frieden und Ruhe verleben und beschliessen könne. Der Ab- gesandte bereiste Spanien nach allen Richtungen hin und wählte das Kloster von Juste. Dass er Verständnis für die Erhabenheit der Natur besass, beweist die Wahl des Ortes. Hohes Gebirge, die oben genannte Sierra de Gredos, schützt Juste vor rauhen Nordwinden. Zahlreiche, am Fusse der Cordillera hervorsprudelnde Quellen liefern frisches, reines Trinkwasser; ihre weitausgedehnten Schnee- felder entsenden selbst in den heissesten Sommermonaten das zur Bewässerung der Gärten erforderliche, in süd- lichen Ländern ganz unentbehrliche Lebenselement in unzähligen Rinnsalen zur Ebene. Während auf den tiefer gelegenen Geländen hohe, dickstämmigeKaStanien-, Feigen- und Nussbäume Schatten, Kühle und schmackhafte Früchte in reicher Fülle spenden, die essbare Eicheln tragende Encina (Quercus esculus) die Bergwand bekleidet und der bis zur Batnngrenzc emporsteigenden nordischen Eiche Platz macht, gedeiht in den Klostergärten die südlicherer Zone angehörige C'itrone und gelangt die goldene Frucht des Orangenbaumes zur Reife. Rosenrotblühende Oleander- büsche'(Nerium Oleander) umsäumen die Ufer der Flüsse, Bäche und Wassergerinsel. Ueber die gesamte Ijaud- scliaft, sowohl iiber rebenbep'flanzte Ebene, als über das schrofi'e, zackige Gebirge, spannt der fast beständig wolken- lose Himmel sein tiefblaues Zeltdach. Selten nur dringt ein Laut von der Aussenwelt in jene ferne Einsamkeit und stört ihre friedliche Ruhe: nur dort selbst entstehende Geräusche und Töne vernimmt das Ohr: Rauschen der zwischen und über Felsblöcke herabtosenden Bergwässer, Gekrächze des Kolkraben (Corvus corax), der korallenrot- schnäbligenSteinalpenkrähe(Fregilus graculus), ihrer gelb- schnäbligen Verwandten, der Alpendohlendrossel(Pyrrhoco- rax alpinus), das trauliche Rucksen der zahlreich die Eichen- wälder bewohnenden Ringel- und Turteltauben (Palumpus torquatus und Penistera turtur), den weithinschallenden, krä- henden Lockruf des überall auf Bergen und Ebenen sieh findenden Rothuhns (Perdrix rubra) und Gesang, Zwit- schern und Locken unzähliger kleinerer Vögelarten. Von Raubvögeln lassen ebenfalls Bussard (Buteo), Wander- falke (Falco peregrinus), Turm- und Rötelfalken ihre Stinmien erschallen, während Geier und Adler lautlos die Lüfte durchsegeln. Das feierliche Schweigen der meist sternhellen Nächte unterlnicht das Geheul des an den Bergen nach Beute umherhmgerndcn Wolfes, das heisere Bellen des in gleicher Absicht umherschleichenden Fuchses, dci' unheindich schallende Schrei des in Fels- höhlcn hausenden Uhu (Bubo maximus) inid der klagende Ruf der hohle Bäume bewohnenden Käuzchen (Strix scops und Athene passerina). Das ist der entlegene luden winkel, wo Kaiser Karl, menschlicher Macht und Hoheit entsagend, ein stilles Asyl für den Alx'ud seines thatenreiclien Lebens fand und welchen <'\ zur letzten Kidiestätfe für seini' Gebeine auserkor. Zu wiederholten Malen habe ich in (icscllsclialt natur- und jagdliebender Freunde jenen ., wildroman- tischen Felsenwald", wie von Minutoli die Sierra de Gredos so trcftlicli benannt, nach allen Iviclituiigen durch- 46 Der Naturwissenschaftler. No. 6. streift, den dort noch in Rudeln lebenden spanischen Steinbock (Capra pyrenaica) zu jagen und Tier- und Pflanzenwelt des imponirenden GeTiirges 7A\ erforschen; jedesmal hat uns die Cordillera neue Naturschönheiten erschlossen. Orgelpfeifenartig türmen ihre schlanken Granitkegel, spitzen Pyramiden und Felsnadeln hinter- und übereinander gegen 2650 /« sich empor, lun mit den beiden Altos de Almanzor ihre grösste Höhe zu er- reichen. (Fortsetzung folgt.) Ueber Klima, Boden und Pflanzenwelt in Per8ien. Von Dr H. P o h 1 i g. (Fortsetzung) Nächst den genannten Arten sind Oleaster (Elae- agnus cfr. hortensis), Maulbeerbäume und Platanen allgemein verbreitet und von diesen am häufigsten die ersteren, persisch „Pschat" geheissen, welche sich besonders durch stärkeren Silberglanz der Blätter und zwar auf beiden Blattseiten vor der bei uns angepflanzten Form auszeichnen; diese erfüllen Anfang Juni die Ansiedelungen mit dem betäubenden Vanilleduft ihrer langen gelben Blütentrauben und liefern zu Anfang November mehlige liraune Früchte von der Grösse der Oliven. Von Platanen sah ich einen prächtigen Hain alter Stämme zu Khasvin, von Maulbeerbäumen einzelne gewaltige Riesen an dem Urmiasee, als Mittelpunkte des Bazars der Markt- flecken; ein hohler, derartiger Stamm beherbergte die Dorfschmiede. Die kleinen weissen Früchte der letzteren Art bilden mit den Weisskirschen Ende Mai das erste Obst des Jahres; eine grosse schwarze Sorte jener ist bis in den August hinein an den Bäumen. Die Kirschen sind ge- ring, wie alles bei uns bevorzugte Obst; es giebt nur eine Sorte, auch von Sauerkirschen, welche bei den Persern einen besonderen Namen führt und zu Frucht- saft Verwendung findet; diese reift erst im Juli. Be- kanntlich stammt unser Wort „Kirsche" von dem latei- nischen „cerasus", der gleichnamigen altgriechischen Ko- lonie an dem schwarzen Meer entlehnt, von welcher die Römer jene Pflanze zuerst nach Europa brachten; diese Stadt aber hat ihren Namen nach einem hornfönnigen Felsen, um welchen sie herumgeiiaut ist (ähnlich wie Trapezunt nach einem tischförmigen von trajicza), von dem griechischen „Ke ras"' -Hörn erhalten, welches auch der persischen Bezeichnung für Kir.sphe entsiiricht. So wandern die Wörter von Begrifl' zu Begriff. Zu Anfang des Juli werden in Iran die Ainikosen reif, welche dort sehr verbreitet sind und von den Persern mit Vorliebe schon im Juni gegessen werden, wenn die Früchte noch ganz grün sind; auch eine Art von Früh- pfirsichen hat man daselbst. Ende Juli giebt es hier und da bereits reife Trauben, die Krone des persischen Obstes und wohl aller Tranben der Welt. Es giebt deren mehr als ein Dutzend verschiedener Sorten, welche ohne Zuthun des Menschen sich differenziert haben: grüne, gelbe, blaue und rote Beeren, solche mit und ohne Kerne („Kischniisch", von welchen die Sultaninrosinen gewonnen werden), runde, eiförmige und fingerförmige, von der Grösse unserer Weinbeeren bis zu derjenigen unserer gemeinen Pflaume. Der Umfang einzelner Trauben erinnert au die biblische Sage von denjenigen Khalebs. Sie werden fast ausschliesslich zur Gewinnung von Ro- sinen benutzt, einem der wichtigsten Ausfuhrgegenstände Persien.s, ausserdem zum Rohessen, zu Syrup-. Scherbet- und Essigbereitung; Wein dürfen die Mohammedaner nicht bereiten, und die dortigen Armenier und Juden, welche Wein und aus Rosinen „Arach" herstellen, be- wahren den ersteren halb ofien in riesigen Thonkrügeu von der klassischen Form auf, so dass er sauer wird ; Fässer kann man wegen der Trockenheit des Klimas nicht gut halten. Der W^ein dagegen, welchen die wenigen Europäer des Landes für sich selbst keltern und aufheben, besonders der „Kischniisch", dürfte das beste sein, was es auf Erden in dieser Art überhaupt giebt; er verbindet das milde Feuer der Südweine mit der lieblichsten Blume und kann unter Luftabschluss beliebig lange ohne Schaden selbst in Zimmertemperatur aufbewahrt werden, sobald er nur vor der unmittelbaren Einwirkung der Sonne ge- schützt bleibt. Heimlich huldigen übrigens selbst die islamitischen Damen und Priester dem Wein- und Schnapsgenuss, wo sie irgend des verlockenden, von den Armeniern aus Furcht vor dem fanatischen Pöbel nur bei Nacht verkauften Getränkes habhaft werden können. Neuerdings ist mit bestem Erfolg ein Ausfuhrversuch l)ersischcr Trauben nach Russland zum Zweck der Wein- bereitung daselbst gemacht worden und zwar von einem Deutschen. Den Ruhm des Weines als Krone des iranischen Obstes können mit ihm die vorzüglichen dortigen Pfirsiche teilen, eine Frucht, welche ja aus Persien erst nach dem Abendland verpflanzt worden und deren deutscher Name aus dem italienischen „Persici'' herzu- leiten ist, besonders aber auch die Melonen, deren es wohl noch mehr Sorten als von den Trauben giebt. Die Zuckermelonen mit weissem, gelbem oder grünem Fleisch werden von den Europäern "mit PfeÖ'er und Salz genossen; die Wassermelonen, Arbusen, innen schön rot, weiss oder gelb, sowie die mancherlei Kürbisse, wie Flaschen-Kürbisse, bilden mehr ein Genussmittel des gemeinen Mannes und werden von diesem in erstaunlicher Menge verzehrt; man sieht Tragkinder, welche in der einen Hand den Milchzulp in der anderen eine Melonenschnitte lutschen. Alles Obst kostet wenig mehr als nichts und bildet in der Erntezeit für die meisten mit dem erbärmlichen dortigen Brot und Käse zusammen die einzige Nahrung. Das beste in ihrer Art sind ferner die iranischen Granat- äpfel, welche erst sehr spät reifen vmd Kindskopfgrösse erreichen. In dem Süden Europas habe ich diesem Obst nie recht Geschmack abgewinnen können; in Persien sind dagegen deren Kerne sehr viel grösser und süsser. Sie halten sich ebenso wie die Melonen den ganzen Winter hindurch bis zu dem nächsten Frühjahr. Feigen von geringer Güte sieht man nur in einigen Bezirken, Datteln in dem äussersten Süden des Reiches: Oliven. Citronen No. 6. Der Naturwissenschaftler. 47 lind Pomeranzen werden hie und da in den kaspischen Küstengebieten angebaut. Dagegen sind Quitten von gewaltiger Grösse, auch Mispehi, Kornelkirschen und Oleaster, ferner Wallnüsse, Mandeln und Pistazien all- gemein in den Anpflanzungen vertreten, während man eigentliches Beerenobst fast nirgends antrifi't. Aepfel, Birnen und Pflaumen sind gleich den Kirschen von sehr geringem Werte und auch nur in ganz wenigen Sorten vertreten; unsere gewöhnliche Pflaume habe ich gar nicht gesehen, nur ganz vereinzelt eine runde Frühpflaume und die Reineclaude der heimatlichen Form. (Fortsetzung folgt.) Ueber den gesamten naturwissenschaftlichen Unterricht in höheren Mädchenschulen. Von E. Üp Deber diesen Gegenstand wurde in der in der zweiten üktoberwoche in Hannover stattgefundenen Versammlung von Direktoren und Lehrenden an höheren M ädc henachulen eingehend ver- handelt. Ans dem lichtvollen, die neuesten Bestrebungen massvoll beriicksicbtigenden Keferate des Herrn A. Fr icke, Lehrer an der höheren llädthenschule zu Braunschweig, heben wir die Hauptge- danken hervor. Der naturkundliche Unterricht in der höheren Mädcheftchule soll einfuhren in das Verständnis der Natnr, indem er die E scheii untren der körperlichen Dinge in ihrem Zusammenhange und die Natur als ein wohlg.ordnetes, von unwandelbaren (lesetzen regieites Ganzes auflassen lehrt; er soll beitragen zum Verstä-ulnis des praktischen Lebens, indem er mit der Verwendung der Natujprodukte und Natur- gesetze im Dienste des Menschen bekannt macht; er soll mithelfen zur harmonifchen Ansbilduig der geistigen Fähigkeiten und zur Er- zielung eines sittlich-religiösen Charakteis, indem er alle Hauptthätig- keiten des tieistes übt oder „das empirische, spekulative, ästhetische, sympathische und religiöse Interesse" pflegt. Für die Auswahl des Stoffes gelten folgende Grundsätze: Die Stoffauswahl hat sich zu richten nach dem zu erstrebenden wis- senschaltliclien, praktischen und pädagogischen Ziele; sie hat die weiblichen Lebensverhältnisse zu ihrem Hechte kommen zu lassen, den geistigen Eigentümlichkeiten der Schülerinnen gerecht zu werden (Abneigung des weiblichen Geschlechts gegen die Abstraktion des formalen Denkens), den Gedankenkreis der Schülerinnen zu be- rücksichtigen und Bezug zu nehmen auf andere Unterrichtsfächer. Es sind aus den naturwissenschaftlichen Fächern auszuwählen: 1. Stoffe, welche besonders geeignet sind, Naturverständuis zu erzielen, also: diejenigen Naturkörper und Lebensgemeinschaften, welche die Lebenserscheinungen und Lebenfgesetze möglichst deutlich erkennen lassen, sowie physikalische und chemische Erscheinungen, welche für das Nafurleben von grosser Wichtigkeit sind. 2 Stoffe, welche eine besondere Bedeutung für das praktische Leben überhaupt, wie für das häusliche Leben insonderheit haben, also aus der Naturge- schichte: Kulturpflanzen, Haustiere, der menschliche Körper, Ge- sundheitspflege, Jlineialien, welche zum Häuser- und Strassenbau dienen und im Haushalt verwandt werden; aus der Physik: lustru- mente zum Bestimmen des Gewichts, der Zeit, der Wärme, des Luft- drucks, den Feuchtigkeitsgehaltes der Luft, Vorrichtungen zum Sehen^ Schreiben und Sprechen in die Ferne, Druck- und Saugpumpe, Feuer- spritze, Dampfmaschine u. s. w ; aus der Chemie: Heizung, Be- leuchtung, Reinigung, Gärung, Verderben und Konservieren der Nahrungsmittel. 3. Stofle, welche sich besonders zur Pflege des viel- reitigen Interesses eignen, also : das, was sich leicht beobachten läast (heimatliche Dinge und Erscheinungen); das, bei dem sich leicht der Zusammenhang finden und die Gesetzmässigkeit begreifen lässt; das was besonders den Sinn für das Schöne bildet; das, was Teilnahme für und Freundschaft mit der Natur erzeugt (was sich zu sinniger und poetischer Auffassung eignet). 4. Stoffe, deren Kenntnis von anderen Unterricht sgegenständen (hier besonders von Geographie und Geschichte) gefordert wird, also aus der Naturgeschichte: charak- teristische ausländische Naturkörper und Lebensgemeinschaften und aus der Physik: Centralbeweguug und Ccutralkrälte, Abschnitte aus der Wärmelehre zum Verständnis der klimatischen Verhältnisse. Es sind aber aus den naturkundlichen Fächern auszuscheiden: alle StoHe, welche nicht durch Anschauung, sondern nur durch ab- straktes Denken zu begründen sind (welche also nur du ch höhere Mathematik verständlich gemacht wirden können) und alle Stoffe, welche nur für die Wissenschaft von Bedeutung sind, welche also für elementares Naturverständnis und für das Verständnis des prak- perman n. tischen Lebens entbehrlich erscheinen. Demnach sind auszuscheiden aus der Naturgeschichte: manche nur mit dem Mikroikop zu sehende niedrige Thiere (Amöben, Moneren, Radiolarien u s. w); eine zu sehr ins einzelne gehende SystematiS oder gar verschiedene Systeme; das Bestimmen der Naturkörper, das eine Meu're technischer Ausdrücke verlangt, die sonst nicht erlorderlicü sind; eine genauere Anatomie (King-, Netz-, Spiralfaserzellen, Treppengefässe u. s. w.) • Krys'allographie, Härteskala, seltene Mineralien; aus der Physik: wisenschaitiich genaue Gesetze über die Fallgeschwindigkeit und über das Verhältnis der Schwingungszahl zur Pendellänge ; die Formel über die Längenansdehnung der Körper durch VVärme; alle Hypo- tliesen, die noch nicht ziemlich allgemeine Zustimmung gefunden haben (Edlunds Hypothese über die Entstehung der Luftelektricität) ; alles mathematisclie Beiwerk (mathematische Beweise); alle Vorrich- tungen und Maschinen, die entweder nur no;h historische Bedeutung besitzen oder noch keine praktische Anwendung e langt haben, die dem Kinde und dem Erwachseneu selten, vielleicht niemah im Leben begegnen (Voltas Säule, Phonograph, Thermosäu'e, Brahmas hydrau- lische Presse, Reals Extraktpre'se, Nicholsons Druckwage); aus der Chemie: alle Formeln, Atomgewichte, Valenzen, stöchiometrischen Angaben, alle Elemente oder Verbindungen, die nur für die Wissen- schaft von Bedeutung oder für besondere dem weiblichen Leben fern- liegende technische Zwecke wichtig sind. Für die Anordnung des Stoffes gelten folgende Grundsätze: Der Unterricht Bjhliesse sich an das an, was schon vor seinem Beginne das grösäte Interesse des Kiudes erregt hat; er berücksichtige beider Anordnung des Stoffes die gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Zweige einer Wissenschaft; er veranl.sse allseitige Anschauung der Naturkörper, beachte die geistigen Entwickelungsstufen des Kindes , und sorge für unverlierbare Aneignung des Stoffes. Auf der ünter- und Mittelstufe wird vorzugsweise Naturgeschichte, auf der Oberstufe Physik nebst Chemie behandelt; doch können manche Stoffe der Naturgeschichte erst auf der Oberstufe auftreten, nachdem Physik und Chemie ihr Verständnis angebahnt haben (Mineralogie, Er- nährung der Meuschen, Tiere und Pflanzen, Gesundheitslehre). Das Natürlich - Zusammengehörige darf nicht getrennt werden; die Natnrkörper aus den verschiedenen Heichen sind nicht nach, sondern neben einander zu behandeln (Lebensgemeinschaften). Das Wich- tigste aus der Anatomie, Morphologie und Biologie ist nicht in einem gesonderten Endkursus zu bearbeiten, sondern wird auf allen Uater- richtsstnfen, je nachdem es der Fassungskraft der Schülerinnen ent- spricht, an besonders dazu geeignete Naturgegenstände angeschlossen. In einem Schlusskursus mues alles gesammelte Wissen zn einer Ein- heit im Bewusstst'iu verarbeitet werden, indem man die das Ganze verknüpfenden und durchdringenden Wechselbeziehungen aufsucht (Die Erde als Lebensgemeinschaft, die Einheit der Naturkräfte). Der Unterricht betrachte die Naturkörper wiederholt in ihreu ver- schiedenen Entwicklungsätufeu. Der Unterstufe (den drei ersten Schul- jahren) fallen im allgemeinen die Stoffe zu, welche nur durch sinnliche Anschauung zu erfassen sind, der Mittel- und Oberstufe aber die- denigen, welche neben dem sinnlichen Wahrnehmen auch ein ver- standesmässiges Ergreifen fordern Der Unterstufe ist es nur zu thuu um die Erscheinung, der Mittel- und Oberstufe um die Erscheinung und das Gesetz ; die Unterstufe erstrebt Kenntnis, die Mittel- und Oberstufe suchen Kenntnis und Erkenntnis zu erreichen. Der Unter- richt lasse wichtige Punkte wiederholt auftreten, allerdings stets mit der nötigen Erweiterung oder doch der dem entwickelteren Geistes- leben des Kindes entsprechenden Vertiefung: Prinzip der konientri- schen Kreise. Der nach diesen Grundsätzen aufgestellte Lehrplan für den ge- 48 Der Naturwissenschaftler. No. 6. samten Dahirwissenscbaftlichen Unterricht an höheren Mädchenschulen verteilt den Stoff auf die einzelnen Schuljahre in folgender Weise. Zu unterscheiden sind ein vorbereitender Kursus, der die ersten drei Schuljalire (Klasse X— VIll) umlasst, und ein die letzten sieben Schul- jahre (Kl. VII — I) umfassender Hauptknrsiis. Letzterer gliedert sich wieder in einen vorwiegend naturgeschichtlicheu Kursus (Kl. VII — IV, 4. — 7. Schuljahr) und in einen vorwiegend physikalisch-chemischen Kursus (Kl. 111- 1, 8 -10. Schuljahr). Für Klasse VII-IV sind 2 wöcheniliche Stunden, für Kl III— I aber 3 Stunden bestimmt. Der Vorbereituugskutsus bat noch keinen gesonderten natur- kundlichen Unterricht. Der Unterricht ist ein Teil des Anschauungs- oder heimatkundlichen Unterrichts und beschränkt sich auf die Be- sprechung verschiedener Naturkörper und Naturerscheinungen, soweit dieselben der sinnlichen Wahrnehmung zugänglich sind Hier gilt: Keine Gesetze! Keine Systematik! Kl. VII, 4. Schuljahr. Naturgeschichte: Im Sommerhalb- jahre der Frühjahrs- und Herbstgarten und die Wiese zur Sommer- zeit, im Winterhalbjahre die Pflanzen und Tiere, welche unser Zimmer schmücken, und die Tiere in Haus und Hof. Das Gesetz der physio- logischen Zweckmässigkeit wird bei der Besprechung der einzelnen Tiere entwickelt und dann wieder angewandt. Das Notwendigste aus der Organographie und Morphologie. Blumenpflege. Systema- tisches; Säugetiere (Huf-, Nage- und Raubtiere); Vögel (Sing- und Schwimmvögel); Insekten. („Kiessling und Pfalz", II Kursus.) Physik: Gelegentliche Beobachtungen von Naturerscheinungen, die dem Gebiete der Physik angehören. Nur Feststellung des That- sächlichen ! Kl. VI, 5. Schuljahr. Naturgeschichte: Der Wald im Sommer und Winter, das Leben in und am Wasser (Teich und Fluss) zu beiden Zeiten \md der Garten im Herbst. Das Gesetz der Ab- hängigkeit. Ausbreitung der Früchte und Samen durch Wind und Tiere. Knospen. Selbst- und Fremdbestäubung, insekten- und •windblütige Pflanzen. Erweiterung des Systems: Fledermäuse, In- sektenfresser, Sumpf-, Raub- und Klettervögel; Reptilien, Lurche, Fische; Kätzchenblütler, Schmetterlingsblütler, Kreuzblütler, Korb- blütler; Kernobst- und Steinobstgewächse. („Kiessling und Pfalz", III. Kursns.) Betrefi'B der Physik gilt für Kl.VI-IV das für Kl. VII Gesagte. Kl. V, 6. Schuljahr. Naturgeschichte: Die niedere Tier- und Pflanzenwelt, wie sie in Wald und Wasser der Heimat vertreten •ist; die Haustiere (kulturhistorisch behandelt) ; der Boden hinsichtlich seiner Entstehung und Beziehung zur Pflanzenwelt. Das Gesetz der Anpassung wird neben den früher entwictelten Gesetzen ac gewandt, das System vervollständigt. („Kiessling und Pfalz". IV. Kursus.) Kl. IV, V.Schuljahr. Naturgeschichte: Garten, Feld und Wiese. Die heimatlichen Kulturpflanzen nach Kiessling und Pfalz, V. Kursus (I. Halbjahr). Plantage, Wüste, Wüstensaum und die dort vorkommenden Tiere und Pflanzen nach Tellers Naturgeschichte. Die aufgefundenen Lebensoesetze werden auf die auswärtigen Natur- gegenstände und Lebensgemeinschaften angewandt. Das System wird wiederholt. Kl. III, 8. Schuljahr. Naturgeschichte: 1 St. wöchentlich. Der Urwald, der hohe Norden, das Meer (nach Teller). Anwendung der gefundenen Lebensgesetze auf die auswärtigen Gruppen. Einige? über den inneren Bau und die Lebensvorgänge der Pflanzen, soweit es sich ohne Chemie verstehen lässt. Abschluss des Systems. Physik: Die einfachsten Erscheinungen aus allen Gebieten der Physik. Kl. II, 9. Schuljahr. Chemie und Mineralogie, 2 St. wöchentlich: L Die atmosphäiische Luft, Sauerstofi' und Stickstoff' 2. Das Wasser und der AVasserstoff. 3. Das Holz. Der Kohlenstoff'. Die Kohlensäure. Das Koblenoxydgas Das Leuchtgas. 4. Der Schwelel und die schwcfelige Säure. 5. Der Phosphor und die Zünd- hölzchen. 6. Feuer und Flamme. Unsere Lampen und Oefen. Das Löschen des Feuers. 7. Kochsalz. Chlor und Natrium. Natron, Aetznatron, Soda. 8. Holzasche, Pottasche, Kalium, Kali, Aetzkali, Fette, Seife. 9. Kreide. Gebrannter Kalk. Gelöschter Kalk. Mörtel. Hartes und weiches Wasser 10. Stärke und Zucker. II. Eiweiss und Gäiung. 12. Wein, Bier, Essig, Brotberoitniig. Wiederholungen aus der Physik. Naturgeschichte, 1 St. wöchentlich: Die Lehre vom Bau und der Pflege des menschlichen Körpers. I. Das Knochensystem (be- sonders die Zähne und ihre Pflege), Entstehung und Verhütung von Schiefwuchs. 2. Das Muskelsyatem. 3. Das Nervensystem und die Sinnesorgane (besonders Auge und Ohr). 4. Die Ernährung unseres Körpers. Was zur Ernährung unseres Körpers gehört, Anforderungen an die Nahrungmittel, die wichtigsten Nahrungmittel (!VIilch, Ei, Fleisch, Brot), Konservierung der Nahrungsmittel, die Umwandlung der Nahrungsmittel in Blut und die Verdaunngsorgane, das Blut und der Kreislauf desselben (das Herz und die Adern), die Blutreinigung (Lunge und Haut), Gesundheitsregeln in Bezug auf die Ernährung unseres Körpers. (Das unter 4. Aufgeführte kommt erst im Winter- halbjahre zur Behandlung, nachdem die Schülerinnen die nötige chemische Grundlage für diese Erörterungen erhalten haben.) Kl. I, 10 Schuljahr. Physik: Die allgemeine Anziehungskraft in ihren verschiedenen Erscheinungen, das Paralellogramm der Kräfte und die Centralbewegung, das Schwierigere aus der Lehre vom Licht, von der Wärme und der Elektricität, Einheit der Naturkräfte. Naturgeschichte und Verknüpfung des Ganzen: die Erde als Lebensgemeinschaft (nach Junge). I. Die Glieder der Erde, A. Uebersicht über dieselben. a) Wasser- und Luftmeer, b) Grund und Boden c) organisierte Körper. B, Abhängigkeit derselben von einander und vom Ganzen. a) Von einander. 1. Das Unorganische: Einwirkung von Luft und Wasser (Schwemmen, Gletscher, Wanderungen des Unorganischen). 2. Die Pflanzen : Boden, Wasser, Luft (Kohlensäure), Gesellig- keit der Pflanzen, Verbreitung durch Tiere, Menschen, Wasser, Luft; Bestäubung. 8. Die Tiere: Boden, Wasser, Luft (Sauerdtoft), Verbreitung durch Menschen, Tiere und Pflanzen. 4 Die Menschen: Boden, Luft, Wasser, Pflanzen und Tiere (Beschäftigung u. s. w.). 1>) Vom Ganzen (Schwerkraft, Licht und Wärme). 1. Einwirkung der Schwerkraft aa) auf Boden, Luft und Wasser, bb) auf Pflanzen und Tiere. 2. Einwirkung des Lichtes aa) auf die Pflanzen (Keimen, Wachstum, Blühen, Tag- und Nachtleben), bb) auf die Tiere (Färbung, Wachen und Schlafen, Höhlen- bewohner, Nachttiere), cc) auf die Menschen (Farbe, Wachen, Schlaf, körperliches und geistiges Wohlbefinden). 3. Einwirkung der Wärme aa) auf die nichtorganisierfe Natur: Luft- und Meeres- strömungen, (iewitter, Kreislauf des Wassers, Aggregat- zustände, Verwitterung und Neubildung, bb) auf die Pflanzen: Keimen, Wachstum, Verkümmerung, Winter- und Sommerleben, Pflanzengeographisches, cc) auf die Tiere: Bedeckung, Winter- und Sommerschlaf, Wanderungen, Entwickelung (Brüten), Seelenleben (Singvögel), dd) auf die Menschen: Winter- und Sommerleben, geo- graphische Verbreitung, körperliches und geistiges Ge- deihen. II. Die Erde als Ganzes. A. Ihre Entwickelung: Bildungsgeschichte, Ergänzung der Mine- ralogie a) Gemengte Gesteine (Granit, Basalt etc.). b) Geschichtete Gesteine (Saudstein, Thonschiefer etc.) c) Mineralien organischen Ursprungs (forf, Stein- und Braun- kohle, Ackererde, Korallen, Beinstein). B. Ihre Stellang zum Sonnensystem. Ueber die Behandlung des Stoffes gelten folgende Grund- sätze. Da der naturkundliche Unterricht in hervorragender Weise AtschauuEgsunterricht sein muss, so hat der Lehrer aufs gewissen- hafteste die ihm zu Gebote stehenden Anschauungsmittel zu benutzen und zwar 1. die Natur, sowie chemische und physikalische Einrich- tungen des praktischen Lebens selbst. Der Lehrer muss daher bei seinem Unterrich' möglichst von lebenden Naturkörpern, chemischen und physikalischen Erfahrungen der Schülerinnen, sowie von Ver- No. 6. Der Naturwissenschaftler. 49 Blichen ausgehen; er muss genieinachaftliche Aui^flfige zur Beobach- tung von Naturgegenständen, chemischen und physikalscbeu Eiurich tungen des praktischen Lebens veranstalten, die Schülerinuen zu Ein- zelbeobacbtungen ausserhalb der Schule anregen ( — Piltz, Aufgüben für die Naturbeobachtung — ) und lebende Land- und Wassertiere, die Verwandlung der Insekten, das Keimen und die Entwickelung der Pflanzen in geeigneten Vorrichtungen in der Schule beobachten lassen (Raupenkasten, Aquarium, Terrarium, Schulgarten); 2. physi- kalische und chemische Apparate (möglichst einfach, gross, zerlegbar, oder doch den ganzen llechauismus deutlich zeigend); 3. besonders präparierte Tiere und Pflanzen: die Insekten, besonders in der Art, dass Lebensweise und Verwandlung dargestellt sind (Wiuneguth in Zerbst), die Ges;pinnstpflanzen, aber am besten so, dass ihre Verar- beitung z'i erkennen ist (Hestermann in Hamburg); 4. plastische Nachbildungen in Papier mache oder Gips : Pilze von Arnoldi, Teile des menschlichen Körpeis von Steger in Leipzig, einzelne Blüten von Brendel in Berlin; 5 Abbildungen: von einzelnen Tieren (Leh- mann-Leutemann), von ausländischen Kulturpflanzen (Zippel und Bollmann), von ausländischen Lebensgemeinschaften (Kirchhoff und Suphan); 6. Zeichnungen an der Wandtafel. Die ünterrichtsweise sei vorzugsweise entwickelnd, und nur da, wo ein Selbstfinden seitens der Schülerinnen nicht möglich ist, trete die mitteilende, unmittelbar gebende Lehiweise ein. Der Unterricht hat auch die äussere Selbstthätigkeit der Schülerinnen in Anspruch zu nehmen, indem er sie anregt: das Schulzimmer im Sommer mit selbstgefertigten Blumensträussen zu sckmücken, Topfgewächse im Schulzimraer zu pflegen, die Fütterung der Tiere in dem Aquarium, Terrarium und Raupenka,-ten zu übernehmen, Herbarien anzulegen, einfache physikalische Apparate selbst her«iistelleu oder vorhandene Apparate (Mikroskop) selbstständig zu gebrauchen, Hülfe zu leisten bei den anzustellenden Versuchen und den vom Lehrer an der Wand- tafel zu entwerfendeu Zeichnungen. Endlich hat der Unterricht eine sinnige und gemütvolle Betrach- tung der Natur zu erstreben. Das wird erreicht dadurch, dass die Schülerin ein solches Verständnis der Natur erlangt, dass sie Beziehun- gen auf sich selbst macht und dadurch, da's passende Gedichte, Pflanzen- und Tiersagen, sowie die Symbolik der Tier- und Pflanzen- welt an geeigneter Stelle verwertet werden (Scheöel, Carmen Sylva, Relling-Bohnhors"^ u a.) Aus den Ausführungen des Herrn Direktor Dr. Morgenstern in Göttingen seien noch einige Sätze mitgeteilt. „Naturwissenschaftliche Bildung ist den Frauen der gebildeten Stände notwendig. Sie be- fähigt zu einer sinnigen, genussreichen Betrachtung der Natur und zur Teilnahme an den allen gebildeten Kreisen unserer Zeit gemein- samen naturwissenschaftlichen Interessen, sie giebt ihnen Verständnis für die Verwendung der Gal en und Kräfte der Natur zu zahllosen Erzeugnissen, deien wir uns erfreuen Sie gewährt insonderheit der Hausfrau grössere Befriedigung in ihrem Berufe und unterstützt in hohem Masse die Mutter in der leiblichen und geistigen Pflege ihrer Kinder." Kleinere Mitteilungen. Triton palmatnn im Harz. Der Leistenmolch, Triton palmatus Schneid, (helveticus Razoum), ist im westlichen Deutschland weit ver- breitet. Er findet sich ausser in ganz Frankreich auch in England, Belgien, Deutschland westlich des Rheins uud in der Schweiz Oest lieh vom Rhein tritt er nur sporadisch auf, nach Leydig in der Um- gegend von Würzbuig, nach hirschbaum bei Wiesbaden nud Koenig- stein am l'aunus und nach Brüggematn ganz vereinzelt in Uberneu- landbei Bremen. Neuerdings ist derselbe duich Herrn W. Woltersdorff in Halle in giösserer JSJetge am Kamsenberge bei Wippra am Harz, durch Herrn E. Schulze in Heiligenthälchen bei Geiuode und einen dritten Herrn bei Wernigerode aufgefunden woiden, woraus hervor- geht, dass Tritin palmatus im Haiz nicht ganz selten sein dürfte; er muBS nur gesucht werden. Triton palmatus ist durch den niedrigen Rückenkamm, den ungezackten Flossensauni am Schwänze, den scharf abgesetzten Scbwanztiden, den breitereu Kopf uud die deutlich her- vortretenden Seit enteisten von dem allgemein verbreiteten Tr taeniatus leicht zu unterscheiden. i2ool Anz. ia»7 No. 253 S. 321.) Neuseel&nder Pflanzen. Duich Herrn Alwin Helms in Ham- burg-iimsbüttel, Emilit nstrasse 47, werden seit einiger Zeit neusee- ländische Pflanzen in den Handel gebracht, welche von dessen Bruder an Urt und Stelle gesammelt sind Dieselben sind von Herrn Dr Karl Müller in Halle und Herrn F. Stephani in Leipzig bestimmt und trotz ihrer, wie man allgemein hört, ausgezeichneten Ei haltung zu ausser- ordentlich billigen Preisen zu haben Helms bat bis jetzt vier ver- schiedene Sammlungen zusammengestellt, welche 165 Phaneroganien, 113 harne und Lycopodien, 70 Laubmoose und '2(j Lebeiiuoose um- fassen. Wir wollen nicht verlehlen, unsere Leser auf die güns.tige Gelegenheit aufmerksam zu machen, welche sich hierdurch bietet, mit nur geringen Oplern einen iinblick in die herrliche Pflanzenwelt des grossartigen Alpenlandes zu gewinnen, welches uns bisher nur sehr wenig zugänglich war Herr Helms versendet Interessenten auf Wunsch gernVerzeichnisse der einzelnen Sammlungen mit Preisangabe. Die Zerstörnng der Gesteine und ihre Umwandlung in loses Erdreich, auf welchen die höher entwickelten Formen der Pfl inzen- welt die Bedingungen ihres Gedeihens finden, wird nicht allein durch die Kräfte der unorganischen Natur, insbe ondere die zerreibende und ausspülende Wirksamkeit des Wassers, hervorgerufen; es fällt yielmehr em nicht geringer Teil dieser Aufgaben eiuigen Angehörigen der organischen Welt und zwar des Pflauzenieichs zu. Die Haupt- rolle unter diesen vegetabilischen Pionieren, welche die unwirtliouen Felsen allmählich für andere Pflanzen bewohnbar machen, spielen die Flechten. An den kahlen Felsen siedeln sie sich an, senden ihre Wurzeltädeu in das Gestein und saugen es gewissermassen aus, ziehen die Mineralstott'e in den Kreislaut des Lebens hinein. Auch dadurch, dass sie das Gestein feucht halten und d m Wasser Kohlen- säure mitteilen, wodurch es lösungskrältiger wird, tragen sie zur Zerbröckelung und chemischen Veränderung des Pelsbodens bei. Neuerdings hat der französische Forscher A. Müntz festgestellt, dass sich auch die Mikroorganismen, speciell die Bakterien, an dieaer Arbeit beteiligen. Müntz hatte im Verein mit Schlössing vor etwa 10 .Jahren im Erdboden die Anwesenheit von Mikroorga- nismen nachgewiesen, welche die Umwandlung uer Ammoniakver- bindungen des Bodeus in salpetersaure Salze bewirken und d idurch für die Ernährung der Pflanzen, die diese Stoffe leicht assimiheren, von Wichtigkeit sein sollen. Müntz hat nunmehr, wie die „Naturw. Rundsch." berichtet, auch ermittelt, dass diese Mikroorganismen allent- halben selbst im kahlen Gestein, dem iede ^pur von Pflanzenerde fehlt, anwesend sind. Er untersuchte die verschiedensten Gesteine (Granite, Glimmer, Kalksteine) nicht bloss an der Oberfläche, sondern auch in mehr oder minder tiefen Spalten, und an allen Punkten, wo er seine Beobachtungen anstellte, auf dem Gipfel des Pic du Midi, am Monte Rosa, am Gornergrafgletscher, am Mont Blanc, am St. Gotthard, am Faulhorn, am Grindelwald, am vulkanischen Gestein des Puy de Dome, in den Vogesen und anderwärts, stellte er das Vorhai denseiu der salpeterbildenden Mikroorganismen fest. Die Art, wie dieselben auf die Gesteine wirken, denkt sich Müntz ä'inlich der Wirkungsweise der flechten; die mikroskopischen Organismen haften jedoch fester an den losgelösten Teilchen und setzen ihre auf- sohliessende Wirkung noch in der losen Ackererde fort, weshalb ihre Bedeutung für dis Vegetation eine so grosse ist Durch Frost werden sie nicht getötet, denn Müntz fand sie nicht bloss auf hohen Berg- gipfeln, sondern auch unter Gletschern uud ewigem S-hnee, wo die Temperatur niemals über ü" steigt In den kah en Felsen fiiiden diese Mikroben keinen organischen Kohlenstoff, den sie zu ihrer Er- nährung biauchen, und aus der Kohlensaure der Luft können sie ihn nicht wie die grünen Pfliinzen assimilieren; aber da die Luft nach Müntz überall, auch auf den höchiten Bergen, Alkohol enthält, der in der Erde durch Zersetzung organischer Stoffe gebildet wird, so ist auch den Mikroorganismen des Felsbodens damit eine Kohlen- stoÖ'quelle geboten. Der Stickstoff, den sie zum Aufbau ihres Körpers brauchen, wird ihnen in genügender Menge in Form von Ammoniak sowohl durch die Laft, wie in den atmosphäiischeu Nieuersclilägen zugeführt. Im Uebngen ist die Ansicht, dass die Mikroorganismen des Bodens an der Entstehung der salpetersauren Salze be'.eiligt sind, nicht unbeanstandet und hat z. B. in Prof A Frank (Berlin) einen Gegner gefunden. Professor Dr. Gustav Robert Kirchhoff f Schon wieder ist die Wisseuschaft von einem herben und unersetzlichen Verlust betroB'en worden. Am IH. Oktober starb plötzlich und unerwartet zu Berlin einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der Naturwissenschaften, speciell der Physik und Chemie, Professor Gustav Robert Kirchhoö. Er wurde am 12. Mäz 18'24 za Königsberg in Preussen geboren. Jm J.ilire 1842 begann er an der Universität seiner Vaterstadt seine Studien und widmete sich vorzugsweise der Physik und Matheiuatik. 1848 habilitierte er sieb in Berlin als Privatdozeut und wurde von dort bereits IBM als ausserordentlioner Professor nach Breslau b-rufen, wo er bis 1854 wirkte Daun folgre er einem liafe als ordentlicher Professor der Physik nach Heidelberg Seit lc74 bekleidete er die Stellung eines ordentlichen Profiissors der Physik an der Universität Berlin, wurde mit der Errichtung und.Leituug eines fconneuobservatoriuius betraut und war Mitglied der Akademie 50 Der Naturwissenschaftler. No. 6. der Wipsenschaften. Kircblioffs wissensohaitliche Untersuchungen betrafen in der eisten Zeit siner Thätijjkeit (Jeeenstäude aua dem Gebiete der Elektricilät und des Galvanismus. Später veröffentlicüte er Schriften über die Elasticität, die Ausdehnungsfähigkeit und andere physikalische fcigensi hatten der Körper, über Spannung der Wasserdämpfe etc. Diese Untersuchungen legte er hauptsächlich nieder in Poggendoiffs „Aunalen", zum Teil auch in dem Crelle'scLien „Journal für Mathematik" Seine grossartigen Erfolge verdankt er besondes seinen Studien auf dem Gebiete der Optik Einer Abhand- lung über die FrMuenhofer'schen Linien folgten die klassischen und UDvergesslichtn Untersuchungen über die ispektialanalj'se, welche er zusammen mitBunsen unter dfm Titel veröftentli hte: „Untersuchun- gen über das Sonnenspektrum ucd die Spektren der chemischen Elemente" (Berlin 1861, 3 Aufl. l^tit)^. Durch die hervorragenden Entdeckungen, resp. Spekulationen, welche in diesem Werke nieder- gelegt sind, erfuhr die Chemie eine nie geahnte Erweiterung. E« ward dadurch eine ganz neue Art der chemischen Analyse geschaffen, welche an lienauigkeit alle anderen analytischen Methoden hinter sich lässt. Nicht nur dass es durch die Spektralanalyse möglich wurde, mit staunfnerregencler Empfindli. hkeit die geringsten Spuren wenn auch TOI läufig nicht aller, fo doch reler Elemente zu entdecken, so ist es auch besonders wicfaiig, dass durch sk- der Anstoss zur Ent- wicklung einer astronomischen Chemie gt geben wurde Was man früher nicht für^rreichbar gehalten hatte, ward es mit einem Schlage, nämlich die Erforschung der chemischen Zusammensetzung der fremden Weltkö'per; es gelang, durch die Spektralanalyse die Geg-'n- wart eiuer grosten Anzahl irdischer Elemente auf der Sonne und anderen Gestirnen nachzuweisen — Die glänzendste Bestätigung fand die Kirchhotf-Bunsen'sche Theorie durch die von ihnen durch die Spektralanalyse gemiichte Entdeckung zweier neuer Alkalimetalle, des Caesiums und Rubidiums. Andere i"orscher Hessen im Laufe der Zeit diesen beiden noch mehrere Elemente folgen, von denen bauptsächl.ch zu erwählen sind: dis Jndium (Keich und Kichter, Frei- berg) und (Jallium (Lecoq de Boisbaudran, iaris'. — Kirchhoti' wird von der Wissenschaft nie vergessen werden. Er hat sich ein Denk- mal gesetzt, welches ihm einen Platz unter den grössten Männern nicht bloss seines Jahrhunderts einräumt. D — tz. Kefyr, ein durch einen eigentümlichen Gärungsprozess mittelst der Kelyrkömer aus der Kuhmilch gewonnenes t^etränk. ist reich an Nährstoflen, leicht verdaulich und durch massigen Alkohol- und Kohlensäuregehalt erfrischend Namentlich für alle eiuer besseren Emähnmg bedürfenden Kranken, besonders für Blutarme ist der- selbe vorzüglich geeignet. Weder ein (ieheim-, noch ein spe. ifisches Heilmittel wird der Kelvr als bestes Ernähtungsmittel ärztlich viel- fach verordnet und mit bestem Erfolg sowohl in der klinischen, als auch in der Privatpraxis angewandt. Namentlich bewirkt der Kefyr in Fällen der Entkräftung und Abmagerung erhebliche Kräfte- und (>e- wicbtszunahmen. Wegen seines prickelnden Wohlgeschraa cks und seines hohen Nährwerts verdient der Kefyr nicht nur eine hervor- ragende Stelle unter den Stärkung»- und Heilmitteln fiir Schwache und Kranke, sondein empfiehlt sich auch als ein vorzügliches Volks Nahrungs- und Genussmittel Die Herstellung des Kefyr mit Hilfe der kauka- sischen Kefyrkörner, dem einzigen Eeimeut, welches die Wissenschaft zur Zeit zur Erzeugung einer alkoholischen Gärung in der Kuhmilch kennt, ist eine verhältnisnjässig einfache, billige und in ledem Haus- halt durchführbare. Die in Breslau, Zwingeistrasse 22, seit dem 1. Mai 1886 bestehende, unter persönlicher Anleitung des Ackerbau- achuldirektors Ferencz Wolf aus Ekaterinodar im Kaukasus begrün- dete Erste Kaukasische Kefyianstalt von A Lessenttin, welche sich die Einführung des Kefyr in Deutschland in giösserem .Massstabe als bisher zur Aufgabe macht, versetdet garantiert echtes und wirkungs- fähiges Kefyrferment mit genauer, leichtfasslicher Anleitung zur Dar- stel uug des wohlschmeckenden und gesunc en (Getränks. Ein aus- führlicher Prospekt mit ärztlichen Zeugnissen und Bezugsbedingungen liegt unserer heutigen Nummer bei. Mond-Ephemeride. Astronomischer Wochen-Kalender vom G. bis 13. November 1887. Sonnen-Ephemeride. Tag and Datam. o «5 Deklin. a ä s < l 11 53 i-3 ^1 'S S St. M. M. S. U.M. U. M. St. M. U. M. U. M St. M. S. 6 2240 14.45 — 150 58' -16.16 7. 7 4.20 9.13 6.27 5 15. 1 M. 7. 225" 49 -16» 16' -16.13 9 18 9 D. 8. 2260 53 — 16» 34' — 16. 9 10 17 7 M. 9. 227" 67 — 160 61' —16. 4 12 15 3 6 31 4 56 15.13 D. 10. 228» 15. 1 -170 8' —15.59 14 13 8.59 F. 11. 229» 5 -170 25' -15 53 16 12 56 S. 12 230» 9 — 17c 41' -15.45 18 10 52 6 37 4 51 15.25 S. 13 231" 13 —170 B7' -15. 37 20 9 49 MoDats- und Jahrestag. i S 5 1 2 Sä Deklin. 1 Untergang Parallaxe. § a £ < U. M. St. M. U. M. U. M. S. 6. 310 1130 3 52Vm 6.52 -1-200 14. 8.37Nm 12. 2Vm 8,2144 M. 7. 311 126» 4 45 „ 7.49 -t-190 28' 9 40 „ 12.46 . D. 8. 312 139" 5 38 „ 8.46 -t-170 34' 10 50 „ 1.24Nm M. 9. 313 152» 6 81 „ 9 43 4-14" 34' 1.57 „ 8,2311 D. 10. 314 I6.S0 723 „ 10.40 -f 10» 38' 0. 6Vm 2.26 „ F. 11. 316 178» 8.16 „ 11.37 + 50 56' 1.25 „ 2 52 . S. 12 31« 192« 9 9 „ 12.34 + 0»44' 2.46 , 3.18 „ 8,2463 S. 13. 317 205" 10.4 „ 13 32 - 40 36' 4. 9 „ 3 44 „ Letztes Viertel den 8. November um 5 Uhr 56 Min. Nm. Die Umrechnung der für Berlin gegebenen Kektascensionen und Deklinationen auf einen Ort von anderer geographischer Liänge ist beim Monde nicht so einfach wie bei der Sonn-, weil das Inter- vall in diesem Fall ziemlich ganau 24 Stund-^n, in jenem immer etwas mehr beträgt. lu den meisten Kälten macht bei un3e''n 'ie- nauigkeitsgrenzen diese Unterscn ed wenig aus Ein Beispiel möge genügen. Es sei der Ort des .Mondes am 7. (Monta.?' für Jletz /.u berechnen. Der .Metzer Mittag verspätet sich gegen den Berliner .Mittag um 24 St. : 60 (vgl die vorige No.) Um ein gleiches Inter- vall vi-rspätet sich die Mon I- Kulmination, wenn man von der UektascensionsAeuderUQg zunächst absieht. Da aber von der Kul- mination am 7. bis zu der am 8. nicht 24 St , sondern 24 St. 53 Min. oder 24 St, X 1 1 + ö™ 1 verfliessen, «0 hat man die in dieser Zeit stattfindenden Aenderungen nicht durch 50 zu dividieren, sondern durch 50 X I 1 -f- pi ). Es ist aber — eine Näherungs-Formel, die man in manchen Zweigen der Naturwissenschaft mit Nutzen ver- werten kann — ■(■-!) ab mit Vernachlässigung des kleinen Gliedes 1 : b^ Die Aenderung in Pektascension beträgt nun vom 7. zum 8. 57 Minuten, die Dekli- nations-Aendernng — 114'; man hat also 57:50 = 1,14. 1,14:50 = 2,28. 1,14 :27 = 0,0t 2,28:27 = 0,08. 1,18. 2M- Daher muss man in der einen Koordinate 1,18 Zeitminuten addieren, in der anderen 2,36 Bogenminuten subtrahieren. Durch den Zuwachs in Rektascension verspätet sich der Meddian-Durchgang, findet also in iletz 4 ü. 46 M statt, was bei einer genaueren Rechnung mit an- geschlagen werden müsste Obwohl die Zeitsleichung allmählich abnimmt, ist ihr Ein- fluss bei der geringen Tageslänge noch sehr merklich. Planeten. Merkur bleibt unsichtbar — Venus geht die gan7e Woche hindurch ungefähr 2 D. 56 M morgens auf; ihre Sicht- barkeitsdauer nimmt also, da der Sonnenaufgang sich fortwährend verspätet, mch immer zu, während ihr Glanz allmählich abnimmt. Sie rückt im Sternbilde der Jungfrau langsam nach Osten weiter, zwischen Fegulus und Spica, näher bei letzterem Stern Am Morgen des 12. steht; sie in der Nähe der Mondsichel und lässt sich mit Hülfe derselben nachher auch bei Tage aulfinden. — Mars, rechtläufio; im Löwen zwischen Venus und Kegulus, bildet mit diesen eine charakte- ristische Gruppe; steht am 11. etwas über dem Monde, geht etwa 1^ St. nach Mitternacht auf. Jupiter ist unsichtbar, da er am Morgen des 9. mit der Sonne in Konjunktion tritt. — Saturn geht zu Anfang der Woche um 9%, zu Ende um 9!4 Uhr abends auf; sein Ort beim Sternhaufen „Krippe" (genauer beim Aselhn australis) ist beinahe unverändert. In der Nacht vom 7. zum 8 ist er sehr nahe beim Monde zu finden. J. P. Vom 11. — 14. November rechnet man die November-Periode der Sternschnuppen. Dieselbe ist in gewöhnlichen Jahren nicht be- sonders auffallend, wird jedoch in diesem durch die Abwesenheit des Mondlichts einlgermassen beijünstigt. Das Sternbild des Löwen, nach welchem sie gewöhnlich als Leoniden bezeichnet werden, geht erst spät auf. Fragekasten. Den Uebersendern von Adressen sagen wir hiermit öff'etiUich unsern besten Dank. Nur durch stetige Empfehlung seiner Gönner ist ea dem „Naturwissenschaftler** möglich, seitietn Ziele immer näher «u kommen: die Naturwissenschaften in immer weitere Kreise su tragen und denselben dadurch d«n Platz zu erobern, den sie verdienen. Der billige Preia von No. 6. Der Naturwissenschaftler. 51 J 2 Mark pro Vierteljahr — der hillignte aller übrigen naturwissenschaftlühen Blätter — wird die Erreichung dieses Zieles ttnterstützen und eher zum Abonnement bewegen. Dass der „yaturwissenschaftler" nur Gutes bringt, wird jeder auch nur bei flüchtiger Durchsicht herausfinden. Ph. Kramer in Giessen. „Wie belcannt, wurde ein Teil der Bismarckspende vom Jahre 1885 fUr junge aliademiscli gebildete Lehrer ausgesetzt. Können diese Stipendien auch an Naturwissenschaftler und nicht nur an Philologen verliehen werden; ferner an wen ist das Gesuch zu richten und welche Schriftstücke müssen beigelegt werden?" Stipendien aus der Schöoliauser Stiftung können an jeden Schul- amtskandidaten vom Btginn des Probejahrs an verliehen werden, vorausgesetzt, dass derselbe keine remunerierte Stellung einnimmt. Bei der Bewerbung ist neben einer beglaubigten Alpschrift des Prü- fungszergnisses eine entweder vom Magistrat des Heimatsortes aus- gefertigte odt-r von diesem beglaubigte Darlegung der Vermögens- veihälfnisse erforderlich. Das besuch ist vorschriftsmäf!-ig an den „Sekretair der Schönhauser Stiftung zu Schönhausen a. E." zu richten und muss, wenn es am 1. April des nächsten Jahres berücksichtigt werden soll, bis spätestens Ende Januar eingereicht werden, — Es dürlte zweckmässig sein, sich ausschliesflich der deutschen Schrift zu bedienen, weil in solcher auch sämratliche Antwortschreiben ausge- fertigt werden. Dr. H. Max Rudolph in Stralsund. „Wie unterscheidet man bei Insekten und bei Schlangen das männliche Geschlecht von dem weiblichen?" Die Frage lässt sich leider in der Allgemeinheit nicht genügend beantworten Ad 1. Bei den Insekten unterscheiden sich die Männchen von den Weibchen durch eine grosse Zahl äusserlicher Abweichungen der verohiedensten Körpei-teile, die bei extremer Ausbildung sogar zu einem au8gep;ägten Dimorphismus der Ueschlechter führen uie unterscheidenden Charaktere der Männchen sind ganz allgemem: Schlankere Körperform, lebhaftere Färbung, höher entwickelte Sinnes- organe (grössere Augen und längere Fühler). Bisweilen sind die Fiihlerglieder verschieden geformt iCuliciden unter den Dipteren), in andern Fällen finden sich typische Sexualcharaktero an den Schienen der Vorderbeine (Dipteren), bei andern fiüden wir die Mundwerk- zeuge des Männchens abweichend gestaltet (Bremsen, Hirschkäfer), das Kopfschild mit besonderen Abzeichen versehen u. dgl. m. Bei sehr vielen Formen fehlen überhaupt unterscheidende Geschlechts- charaktere. Ad 2. Die männlichen Schinngen besitzen ganz allgemein äussere Kopulaticnsorgane in Form zweier oft mit Stacbeln besetzter, hohler Kuten, die in eine häutige Tasche hinter der Kloake zurück gelegt werden können Daneben finden sich häufig Unterschiede in der Farbe und speciellen Zeichnung, an denen man sofort das Männ- chen vom Weibchen unterscheidet, die sich aber allgemein gültig nicht präcisieren lassen. Dr. Koch. Lehrer Pinsch in Berlin. W ir empfehlen Ihnen nachstehende Bücher, die Jhrem Zwecke wohl entsprechen dürften: Dr. Max Barth Die Obstweinberei tuug mit besonderer Berücksichtigung der Beerenweine. Preis 1 Mark. Karl Maier. Die Ausbrüche, Sekte und Südweine. Voll- ständige Anleitung zur Bereitung des Weines im allgemeinen, zur Herstellung aller Gattungen Ausbrüche, Sekte, spanischer, französischer, italienischer, griechischer, ungarischer, afrikanischer und asiatischer Weine und Ausbruchweine nebst einem Anhange, enthaltend die Be- reitung der Strohweine, Kosinen-, Helen-, Kunst-, Beeren- u. Kern- obstweine, auf (irundlage langjähriger Erfahrungen ausführlich und leichtfasslich geschildert Zweite sehr vermehrte und verbesserte Auflage. JUit 14 Abbild. 2 Mk. 25 Pfg,, geb 3 Mk. 06 Pl. Karl Weber. Die Malzfabrikation Eine l>arstellung der Bereitung von Grün-, Luft- und Darrmalz nach den gewöhnhchen und den veischiedenen mechanischen Verfahren. Mit 77 Abbild. 4 Mk 50 Pf., geb. 6 Mk. 30 Pf. Wir bitten höflichst, uns Jhre Bestellung eventuell überreichen zu wollen. Um Irrtümern su begegnen, teilen wir mit, dass wir aelbatveratändlich nur Originalbeitrage honorieren können und nicht Auszüge aus anderen Journalen, Sitzungs- berichten etc, Litteratur. Die Straktnrformeln, Geschichte, Wesen nnd Benr- teilnng des Wertes derselben von R. Ijonn. Verlag von Trowitzsch & Sohn, Frankfurt a. Oder. Das Büchlein i^t sehr lehrreich, dass heisst nicht für den, der etwas daraus lernen will, soLdern für den, welcher eben- falls die Absicht hat, Bücher in die Welt zu setzen; es zeigt ihm nämlich, wie man das nicht machen soll. — Es folge zuerst eine kurze Uebersicht über den Inhalt der Schrift In der Einleitung giebt der Verfasser eine gedrängte genetische Darstellung der Ent- wicklung der chemischen Formeln und des Ueberganges der einzelnen Theorien in einander. Dann veibieitet er sich ausiührlich über die Strnkturchemie, welche er dem System Kolbes gegenüber verteidigt. Er kommt zu dem Resultat, dass die Strukturformeln im Gegensatz zu denen der KolbeVchen Theorie einen besseren Einblick in die ehemische Natur der Körper gestatten, das Verständnis der Isomerien erleichtern und als beste Grundlage für die Klassifikation der Körper gelten können. Zum Schluss ergeht sich der Verfasser in einer län- geren Polemik über die Le Bei — van t' Hoff'sche Hypothese, welche die räumliche Anordnung der Atome betrifft. So verdienstvoll eine kurze Darstellung der Struklurchemie, wie sie der Verfasser aus- führen wollte, und eine gediegene Kritik derselben sein mag, so wenig hat es der Verfasser verstanden, seine- Aufgabe gerecht zu werden. Vor allen Dingen erscheint die Breite nicht gerechtfertigt, mit welcher er sein Gebiet behandelt und welche dem klaren Ver- ständnis d'ir Thatsachen Eintrag thut. Der Verfasser gestattet sich eine Unzahl Wiederholungen, die sich sogar auf fast wörtlich wieder- kehrende Sä*ze und Satzperioden erstrecken. Konnte dies bei einem Umfang des Buches von nur 56 Seiten nicht vermieden werden? Um darzulegen, welche Sorgfalt der Verfasser auf die Ausarbeitunaf seines Werkes verwendet hat, dürfte die Anführung einiger Beispiele von geradezu sinnentstellenden Fehlern genügen; Seite 5 „Durch die Auffindung des Kakodyl durch Bunsau erfuhr der Bejrili , Radikal' in sofern eine Erweiterung, als dadurch die Ansicht befestigt wurde, dass es sauerstorthaltige Radikale gebe" etc. Kakodyl ist bekannt- lich saueratofifrei. Auf Seite 23 spricht der Verfasser z weimal von der 18iH durh Wöhler ausgeführten Synthese der Harnsäure. Diese Thafsacbe dürtte der chemischen Welt neu sein. Sollte dem Verfasser nicht bekannt sein, dass der erste synthetisch dargestellte organische Körper der Harnstoff war? Ueber die Konsequenz des Verfassers in seinen Schlüssen und Ansichten mögen folgende drei Proben zur Beurteilung vorliegen, welche über die Lehre von der räumlichen Lagerung der Atome handeln. Seite 45: „Die Arbeiten auf diesem Gebiete sind noch sehr zurück und steht es überhaupt in Frage, ob auf diesem Felde weitergearbeitet werden kann." Seite 46: „Es steht jedoch zu hofl"en, dass in dieser Richtung im Laufe der Zeit handgreiflichere Aufscblüs§e gegeben werden." Seite 56: „Dies ist ein uns vorläufig unerreichbares Ziel, ob für immer, ist nicht wahrscheinlich.'' Stilblüten und Druckfehler, von denen das Werk wimmelt, anzugeben, führt uns hier zu weit. Dem Verfasser würden wir raten, ein andermal die Korrektur seiner Werke in sachlicher und technischer Beziehung etwas sorgfältiger zu ge- stalten. D — tz. Beilstein, F., Handbuch der organischen Chemie. 2. Aufl. 26 Lfg. Preis 1 Mk. 80 Pf. Leopold Voss in Hamburg. Engler, A. und K. Prantl, Die natürlichen Pflanzen- familien, nebst ihren Gattungen und wichtigeren Arten, insbesondere den Nutzp llanzen. 12. Lfg. Mit Illustr Subskr.-Preis I Mk. 50 Pf. Einzelpreis 3 Mk Wilhelm Engelmanu in Leipzig Ganser, A., Das Ende der Bewegung. Fortsetzung der „Kos- mogonie". Preis 1 Mk. Leuschner & Lubensky in Graz. Kerz, F., Weitere Ausbildung der Laplaceschen Nebular- hypothese. 2. Ausg. Mit 5 Taf. Preis 12 iVIk. Otto Spamer in Leipzig — , Ueber die Entstehung der Körper, welche sich um die Sonne bewegen. 2. Ausg. Preis 1 Mk. 80 Pf. Otto Spamer in Leipzig. Kratz, U., Reflexionen über den Sternenhimmel Mit 1 Karte. Preis 80 Pf. Heuser's Verbig in Neuwied. Polack, F., Illustrierte Naturgeschichte der 3 Reiche in Bildern, Vergleichungen und Skizzen. 2 Kurse. 5. Aufl. Preis 2 Mk 80 Pf, in 1 Bd geb Preis ;< Mk. 30 Pf. — 1. Repräsen- tanten der 3 Reiche Preis 1 Mk 2U Pf. Einbd 25 Pf. — 2. Ver- gleichung von Repräsentanten und systematische Be- handlung der Naturgeschichte. Hrsg. von W Machold. Preis 1 Mk. 60 Pf. Einbd 80 Pf. R Herro^e Verlag in Wittenberg. Preyer, W., Naturlorschung u Schule. Preis 1 Mk 50 Pf. W. Spemann in Stuttgart Roth, J., Allgemeine u chemische Geologie 2. Bd. 3. Abth. Kry stallinische Schiefer- n Sedimentgesteine Preis 9 Jlk. Besser'sche Buchh. iu Berlin. Schlechtendal, D. F. L. v., L. E. Langethal u. E. Schenk, lilora V. Deutschland 5 Aufl, hrsg. v. E. Uallier. 224. u. 225 Lfg. Mit 24 Taf Preis ä Lfg. 1 Mk. Fr. Eugen Köaler's Verlag in Gera-Untermhaus Seefeld, F. S. v., Astronomische Aufsätze eines Amateurs der Naturwissenschaft. 1. Heft. Preis 80 Ptg. G. Laudien in Leipzig. Strässle's, F., illustrirte Naturgeschichte der drei Reiche. 4. Auflage, vollständig umgearbeitet von F. Sttässle und L Baur. 21. Lfg Preis 50 Pfg. vVilb. Nitzschke in Stuttgart. Vogel, O, K. Müllenhoff, F. Kienitz-Gerloff, Leitfaden für den Umerricht in der Zoologie 3. Heft. Kart, Preis 1 Jttk. 20 Pf. Winckelmann & Söhne in Berlin. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir obige Werke franko. Zur Besorgung lUterarischen Bedarfes halten wir- uns bestens empfohlen, Berlin S.W. 48. l>ie Kxpedition des „^Naturwit^iienischaftler." 52 Der Naturwissenschaftler. No. 6. Inserate, namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, ]ihysikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. ^^ S^T* Für den Inhalt der Inserate sind wir nicht verantwortlich. "VB Bei Benutzung der Inserate bitten wir böflicbst. auf den „IVatnrwissenschaftler" Bezug nehmen zu wollen. Zeitschrift iniiiei- ünd Hvffiene Monatsschrift für chemische und mikroskopische Unter- suchung von Nahrungs- und Genussmitteln, Gebrauchs- gegenständen und für Hygiene. Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter liurausgfgebeii von Dr. Hans Heger Wien L, Koloivratring .9. Diese Zeitschrift bietet durch iuteressaute Original-Artikel und Referate eine erschöpfende Uebcrsitht üljcr alle umierea Erfahrungen auf dem Gebiete der NahrungSmittel-Cbemie "nd Mikroskopie, öOentlichen Gesundbeitspflege un i Gesetzgebung, .s(i\sie der Untersuchung von Lebensmitteln und ßebiaucbsgr gen- ständen. Sie ist daher allen Chemikern, Hikroskopikern, Aerzten, Olediciaalbeamten und Apothekern, feruer den Unter- suchungs-Aemtern, Blarkt-Bebörden, Fle.scbbeschauern, Appro- visionirungs-Commissionen, diu Erzeugern \on diätetischen Prä- paraten, Nahrungmittel-Conserven, hygienischen Artikeln und chemisch-optischen Apparaten und Instrumenten, Filterapparaten, Desinfectionsmitteln etc. etc. bestens anznenipfehltii. Bezugspreis: Für ein Jahr 3 ü. ö. W. = 5 Mark, für ein Halbjahr ß. 1,50 ö. W. = '4.30 Mark. 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Druck von Gu.stav Hoflfraanu, Berlin C, Der Naturwissenschaftler. Allgemein yerständliche Woclienschrift für sämtliclie Gebiete der Naturwissenseliafteu. Abonnetnentsitreia : Bei den Postanstalten und Buch- handlungen vierteljährlich JC 2. — ; Bringegeld bei der Post 1 5 4 extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition JC 2,40. Kedaktion: Dr, Carl Riemann. Verlag von Riemann & Möller, Berlin S. W. 48. Friedrioh-Strasse 220. Insertxte: Die viergespaltene Petitzeile 30 4. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen M. 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahrae bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgaug. Sonntag, den 13. November 1887. No. 7. Der Abdruck der Originalartikel ist nnr mit Genehniignng der Verlagshandlnng gestattet. Inhalt: Professor Dr. J. von Kenael: Ueber Umfang und Hilfsmittel der Zoologie. — Dr. H. Poh Hg: Ueber Klima, Boden und Pflanzen- welt in Persien (Schluss). — L. Boysen: Die Atmosphäre und die Erscheinungen in derselben (Fortsetzung). — Kleinere Mittei- lungen: Ein neuer Kiefernfeind. Biologische Forschungen über die niedere Tierwelt. Wurzeln als Atmun^sorgane. Die Flora der nordamerikanischen Laramieschichten. Zinkblende vom Fuchsberge bei Striegau. Neu-Guiuea. — Astronomischer Wochen- Kalender. — Fragekasten. — Litteratur: Dr. Edm. Weiss: Bilder-Atlas der Sternenwelt -- Bibliographie. — Inserate. Ueber Umfang und Hilfsmittel der Zoologie. Von Professor Dr. J. von Kenne 1. Bei dieser unendlichen Fülle von Wissen inid Wissen- schaften üher ein einziges zoologisches Ol) jekt ist es selbstver- ständlich, dass wir den Begriff nnd Umfang der Zoologie enger fassen müssen und von der Lehre vom Menschen wir das Wort „Zoologie" wörtlich übersetzen Wenn in „die Lehre von den Tieren" und diese Uebersetznng in ihrer weitesten Bedeutung gelten lassen wollten, so würde heutzutage wo es keinem Zoologen mehr zweifel- haft ist, dass auch der Mensch als Homo sa])iens der Tier- | nur das hereinziehen dürfen, was denselben in rein körper- reihe angehört, sich uns ein so ungeheures Gebiet des Forschens und Wissens eröffnen, dass niemand daran denken könnte, sich auch nur annähernd mit den That- sachen und Fragen desselben bekannt zu machen. Die Lehre vom Menschen allein umfasst schon so vielerlei, was Jahrhunderte hindurch die Geistesthätigkeit rastloser For- scher ausfüllte, zerfällt selbst in so zahlreiche Eiuzelgebiete, erfordert so detaillirte und einander so fernstehendeStudien, dass schon dazu eines Mannes Thätigkeiten weitaus un- zulänglich sind. Gehört doch zur Lehre vom Menschen nicht nur die Kenntnis seines anatomischen Baues, der Funktionen seiner Orgaue und der Art seiner Entstehung aus dem Keime und seiner Entwicklung, sondern auch die Geschichte der Abstammung und Herkunft des ganzen Menschengeschlechts, die gegenseitige Stelhnig und die Beziehungen der Menschenracen zu einander, der Kampf ums Dasein der Menschheit im Ganzen und der einzelnen grösseren und kleineren Gruppen, die Kesidtate dieses Kampfes, also die materiellen und geistigen Errungen- schaften, welche die Menschheit zu ihrer gegenwärtigen Stellung geführt haben und in derselben festigen — denniach die Wissenschaften, die unter dem Titel Anthro]iologie vmd Ethnologie, Geschichte und Sprachforschung, Kunst- und Litteraturgeschichte etc. sich ausgebildet haben und ihre Zusammengehörigkeit diuch die zahllosen Bcrührtnigs- punkte und die Verschmelzung der Grenzgebiete sowohl als durch die gleichen Forschungsmethoden darthun. Aber auch der kranke Mensch und die Wissenschaft, welche von diesem handelt,gehört zurLehrevom Menschen, d.h. fast das gesamte Gebiet der Medizin und ihrer Hilfswissenschaften. lieber Beziehung angeht, also seine Anatomie, Physiologie und Entwicklungsgeschichte, letztere allerdings in Rück- sicht auf die Entwicklung des Individuums, wie auf die der Art. Sein Geistesleben werden wir insofern berück- sichtigen, als es zum Vergleich mit den geistigen und seelischen Thätigkeiten der übrigen Tiere notwendig ist. Lassen wir also den „Menschen mit seiner Qual'^ einmal ganz ausser Betracht und stellen ihn so gleichsam auf die Stufe, die er Jahrhunderte hindurch sich anmasste, ausserhalb und über der Natur zu stehen, so bleibt uns als Objekt der Forschung für den Zoologen die gesamte Tierwelt, vom einfachsten „Urtier", das ein mikrosko- pisches Klümpcheu lebendigen Protoplasmas ist, bis her- auf zum höchsten Sängetier, und auch da ist die Mannig- faltigkeit der Fragen und der Forschung, die uns darauf Antwort geben soll, noeb eine ausserordentlich grosse. Wir haben uns zu kümmern um den anatomischen Bau der Tiere, die feinere Ziisanniiensetzung der Organe und Gewebe aus kleinsten organischen Gebilden, den Zellen und ihren Umwandlungsprodukten, um die Art und Weise der Entstehung der Tiere aus den einfachen Keimen, den Eiern, imi die Leistiuigeu des Tierkörpers und seiner Or- gane, ferner um die Lebensäusserungen und geistigen Fähigkeiten der Tiere, ihr .Vbhängigkeitsverhältnis von einander und von der umgebenden Natur, endlich um die Entwickhmg des Tierreichs im allgemeinen, d. h. um die Entstehung der luiheren Formen aus den niedrigeren, ein- facheren, ihr Verwandtschaftsverhältnis und infolgedessen um die systematische Stellung und Einteilung der ein- zelnen grösseren und kleineren Gruppen. Das letztere 54 Der Naturwissenschaftler. No. 7. ist so recht eigentlich das Strelieii iiiul Ziel aller und jeder zoologischen Forschung. Denn es hat doch jetzt die durch Darwin wohl be- gründete Theorie von der Blutsverwandtschaft aller Tiere und der allmählichen Entwicklung der höheren Wesen aus niederen durch die beiden Hauptmotive der „Ver- erbung und Variabilität" allgemeine Aufnahme gefiuiden, vmd es ist seitdem eines der Hauptziele jeder zoologischen Forschung, diese Verwandtschaftsbeziehungen zu enthüllen, den Stammbaum der Tiere festzustellen, die Art und Weise und die Ursachen ausfindig zu machen, welche die Umwandlung der Formen bedingten und doch wieder die neuen Formen an Stelle der alten oder auch neben ihnen in ihrer Existenz und Eigenart befestigten. Es ist mit einem Wort das System der Tiere, freilich nicht in dem alten Sinne, sondern in der Bedeutung „des gra- phischen Ausdrucks der Verwandtschaftsbeziehungen" wieder in den Vordergrund gerückt, und es auszubauen, zu begründen, dazu tragen alle Zweige der grossen Wissenschaft der Zoologie bei. I{ls wäre leicht, eine Menge von erläuternden Beisiiielen aufzuführen, wie sowohl die vergleichende Anatomie als die Entwick- lungsgeschichte, die Histologie, die l'alaeontologie und die vergleichende Physiologie ihre wesentlichen An- teile beigetragen haben zur Erkennung der Ver- wandtschaftsbeziehungen der Tiere und wie so oft l)ald diese bald jene dieser Disci])linen eintreten niuss, wenn die Hilfsmittel der andern versagen. Keine für sich allein vermag sichere Eesultate zu liefern, eine nniss die andere kritisieren oder ergänzen. Keine wiederum kann entbehrt werden, wenn nicht die grössten Irrtümer in den Schlussfolgerungen aus Untersuchungen der anderen Gebiete unterlaufen oder gar solche Untersuchungen lui- möglich werden sollen. Die vergleichende Anatomie, die wohl sehr selbständig behandelt werden kann, war von jeher der Boden, auf dem die Lehre von der Verwandtschaft der Tiere aufgebaut worden ist. Was aber hätte man durch sie allein anfangen können mit zahlreichen Parasiten und degenerirten Tier- formeu, deren Organisationsverhältnisse so verändert und von denen ihrer nächsten Verwandten so abw'eichend geworden waren, dass ihre Zusammengeh("irigkeit mit diesen nicht mehr zu erkennen war? Nur durch die Entwick- lungsgeschichte konnte Johannes Müller die wunderbaren Schläuche der Entoconcha in Holothurien für Schnecken erklären, durch sie allein war es möglich, in den unförm- lichen Sacculineu und Peltogasterarten modifizierte Krebse zu finden, sie allein erkläi-te den Zusammenhang zwischen Band- und Blasenwürmern, zwischen Trematoden und den formlosen Sporocisten, zwischen den kleinen fest- sitzenden Polypen und den grossen freischwinunenden Quallen. — Dass anderseits die jetzt so aufstrebende Wissenschaft der vergleichenden Embryologie wieder die vergleichende Anatomie zur Voraussetzung haben muss, ist an und für sich klar. — Beiden Disciplinen muss die Histo- logie ihre Dienste leihen, nicht nur, weil die meisten embryologischen Objekte mikroskopisch klein sind, son- dern weil oft genug nur durch sie allein der morphologische Wert der Organe und ihre Zusammensetzung erkannt werden kann. — Wie sehr die Histologie wiederum von der Entwicklungsgeschichte beeinflusst wird, zeigt sich klar genug darin, dass man die Gewebe und Organe der Tiere geradezu nach den Ursprungsstätten einteilen kann und eingeteilt hat, von denen aus sie im Embryo sich allmählich entwickelten und differenzierten. — Die grosse Bedeutung der Palaeontologie für das Studium der Zoologie dokumentirt sich in neuester Zeit wieder durch die wunder- vollen Bestätigungen, welche die vergleichende Embryologie durch die Auffindung der Uebergänge zwischen fünfzehigen bis zu einzehigen Säugetieren in der Abstammungsreihe der Pferde in Nordamerika erfuhr, und noch mehr erhellt ihre Wichtigkeit daraus, dass sie im Stande ist, Lücken auszufüllen, welche die bisher genannten Zweige der Zoologie trotz aller Bemühungen offen lassen mussten: man denke nur an die fossilen zahntragenden Vögel gleich- falls aus Nordamerika und an den berühmten Archae- opteryx aus dem Solenhofener Schiefer, Funde, ohne welche wir über die Ausgangsinnikte des Stammes der Vögel, der in seiner gegenwärtigen Entwicklung ein abgeschlos- senes Ganzes bildet, noch sehr im Dunkel wären. — Wenn ich endlich auch die vergleichende Physiologie in das Ge- biet der Zoologie hereinziehen möchte, so meine ich jene Wissenschaft nur in ihrer weitesten Bedeutung; ich meine dabei die Erforschung der äusseren auf die Tiere ein- wirkenden Agentien, an die Veränderungen, welche durch Temperaturschwankungen, verschiedene Nahrung, man- nigfache Zusammensetzung des Mediums, in welchem die Tiere leben, auf dieselben ausgeübt werden und dergleichen. Wenn es von vornherein scheinen möchte, als ob der- artige Untersuchungen ihren Zweck in sich selbst trügen, indem sie höchstens die Wissbegierde des Menschen in jedem speciellen Fall befriedigten, aber nichts beitragen könnten zu der Erkeinitnis des „Systems der Tiere", so braucht man nur an zwei Fälle zu erinnern, wo durch physiologische Versuche einfachster Art der Nachweis geliefert wurde, wie allenfalls neue Arten von Tieren ent- stehen können. — Die beiden Tagschmetterlinge Vanessa le- vana und Vanessa prorsa sehen sich so unähnlich inFärbung luid Zeichnung, dass sie bis in die neueste Zeit als zwei ,gute' Species uuterschieden wurden. Nun aber M'urde gezeigt, dass die eine die Sommer- die andere die Wintergeneration einer und derselben Art ist, und es gelang Weismann, aus Eiern der Sonunergenerationen ganz nach Belieben Prorsa oder Levana zu erziehen, je nachdem er die Ent- wicklung durch Kälte verzögerte oder durch Wärme beschleunigte; ja er züchtete sogar durch l)eliebige Ab- kürzungen des Prozesses Zwischenformen. Jetzt haben wir in der freien Natur Ijeide Varitäten; sollten sich aber unsere Temperaturverhältnisse einmal so ändern, dass jährlich nur eine Generation erzeugt werden könnte, weil der Sommer zu kurz wird, so müsste notwendig die Sommergeneration aussterben, und die Wintergeneration bliebe allein übrig. — Noch merkwürdiger ist das andere Beispiel, wo die Natur selbst das Experiment machte, das dann künstlich mit demselben Erfolg wiederholt wurde und das die Ueberführung einer Tierform in eine andere zur Folge hatte, die bis dahin von den Systematikern in zwei verschiedene Gattungen untergebracht worden waren. Es sind das zwei zu den Phyllopoden gehörige Krebse; Artemia .salina, die im salzigen Wasser, und Branchipus No. 7. Der Naturwissenschaftler. 55 stagnalis, der im süssen Wasser lebt. An der Küste des schwarzen Meeres wurde plötzlich durch eine Sturmflut ein l)is dahin Sü.sswasser enthaltender Teich derart mit Meer- wasser anj^efüllt, dass das Wasser stark brakisch wurde. Bald darauf zeigten sich darin Mengen von Artemia salina, deren Eier wohl aus ausgetrockneten Rrakwassertümpeln durch den Wind dorthin übergeführt worden waren, Generation folgte auf Generation. Allmählich aber wurde durch Kegengüsse das Wasser immer weniger salzhaltig und in demselben Masse verloren sich bei den aufeinan- der folgenden Generationen der Artemia salina ihre cha- rakteristischen Merkmale, bis endlich im völlig süssen Wasser Branchipus stagnalis sich herausentwickelt hatte. Schmankewitsch hatte diese Beobachtung gemacht, und es gelang ihm, künstlich dasselbe interessante Re- sultat zu erzielen. — Abgesehen aber von diesen Fällen gehören ja in das Gebiet der vergleichenden Physiologie die hochinteressanten Bastardierungs- und Krenzungsversuche, deren Erfolge bei unseren Haustieren — man denke nur an Hunde und Tauben — die überraschendsten sind und Formen erzeugt haben, welche man, in der freien Natur gefunden, kaum in ein und dieselben Species einreihen würde. Diese kurz angedeuteten Anschauungen vom Anfang der Zoologie luid dem Zusammenwirken der einzelnen Dis- ciplinen derselben sind wohl die allgemein herrschenden unter den Zoologen der Jetztzeit, und wenn auch das Ge- biet zu gross geworden ist, um in alle Details von einem einzigen Menschen gleichmässig umfasst zu werden, wenn auch für die einzelnen der aufgeführten Fächer s]Jecielle Lehrer an den Hochschulen thätig sind, und wenn auch die einzelnen Zoologen das Gebiet ihrer wissenschaftlichen Thätigkeit vielfach specialisieren — alle arbeiten an dem gleichen grossen Lehrgebäude von der Verwandtschaft der Tiere, am System derselben. Natürlich giebt es auch zahllose Fragen, welche für diesen grossen Zweck weniger Be- deutung haben, an inid für sich aber wohl wichtig und interessant genug si«d, gleichfalls ihre Bearbeitung zu finden. Die berührten Forschungszvieige sind das eigentliche Gebiet des Zoologen „vom Fach"; zur Bearbeitung der- selben sind wohl organisierte und mit mannigfaltigen, zum Teil komplizierten und kostspieligen A pparaten ausgerüstete Institute nötig, die Litt ratur in den einzelnen Fächern ist so enorm angewachsen, und die Masse des zu Beobachtenden und Wissenwerten häuft sich von Tag zu Tag mehr, so dass, wie schon erwähnt, auch die wissenschaftlich ge- bildeten und mit allen Hilfsmitteln versehenen Zoologen anfangen, sich in Bezug auf ihre Arbeiten zu specialisieren. Darin liegt aber für den einzelnen die grosse Gefahr, einseitig zu werden in der Auflassung der Wissenschaft und in der Wertsciiätzung einzelner Zweige derselben. So ist ein Zweig d' r zoologischen Forschung, der früher alle anderen an Bedeutung überwog, bei dem begeisterten Aufschw\nig, den die Zoologie in neuester Zeit erfahren in.d über den Errungenschaften, welche die modernen Untersuchungsrichtungen und Methoden gemacht haben, etwas in Misskredit geraten, ein Zweig, der aber immerhin nicht nur seine Berechtigung, sondern seine grosse Be- deutung hat: ich meine die Erforschung der P\uuia der einzelnen Gegenden, das vielbewusste Sammeln, Sichten und Bestimmen der Tiere engerer und weiterer Bezirke. Nicht gar viele Zoologen sind Faunisten; das, was früher für die Hauptthätigkeit des Zoologen galt, wird leider seit den gewaltigen Fortschritten und der Um- gestaltung der zoologischen Forschung vielfach ignoriert oder der Thätigkeit der Liebhaber zugewiesen, und der Zoologe vom Fach sieht oft genug mit einer gewissen Geringschätzung auf die „Sammler" herab und hat für Tiere nur Interesse, wenn er sie wohl konserviert in Spiritus stecken oder gar zu mikroskopischen Schnitzereien ver- arbeitet in Paraffin eingeschmolzen vor sich hat. Und doch ist die Thätigkeit dieser Sammler auch jetzt noch von grosser Wichtigkeit für das Studium der geographischen Verbreitung der Tiere, für die Erkenntnis des allmählichen Vordringens mancher Arten nach bestimmter Richtung vmd der Verdrängung anderer durch neu hinzugekommene. Die Fauna keines Landes ist eine völlig eingeborene, sondern grösstenteils eingewanderte, und wir können durch das Studium von Verschiebungen in der Jetztzeit Schlüsse ziehen auf frühere Zustände und Ursachen erkennen für das Zustandekommen der gegenwärtigen Fauna. Nun ist ja bekannt, dass die Specialisten, in deren Hände diese Aufgabe grösstenteils abgegeben ist, ihre Liebhabereien haben, dass vor allen Dingen das gesam- melt wird, was durch hübsches Aussehen auch das Auge be- friedigt: Schmetterlinge, Käfer, Schnecken und Muscheln (aber nur Schalen) bilden das Hauptmaterial solcher Sammlungen; selten überwindet sich jemand, die weniger ansehnlichen Insekten oder gar die schwierig zu konser- vierenden Siiinnen zusammenzubringen; die Sammlungen der Säugetiere und Vögel verlangen meist beträchtliche Mittel und grössere Räume, als sie Ijiebhabern zu Ge- bote stehen, und die Freunde der in Spiritus aufzube- wahrenden Reptilien, Amphibien und Fische sind spär- lich vertreten. Nun gar die niederen Tiere! Wer, der nicht Zoologe von Fach ist, sammelt und bestimmt wohl Anneliden, Turbellarien, Bryozoen, Nematoden, Band- uud Saugwürmer oder noch niedriger stehende Tiere? Giebt es doch Schncckensanunler von hervorragendem Ruf, in deren grossartigen Specialsammlungen alle Nackt- schnecken fehlen, weil man sie nicht getrocknet in Käst- chen zu den andern legen kann ! Es gehört freilich schon zur systematischen Unterscheidung solcher Tiere mehr, als dem Dilettanten zugemutet werden darf, Keinitnis der Anatomie und der Entwicklungsgeschichte. Sie müssen aber gesammelt, bestimmt, das neue untersucht und be- schrieben werden, nicht nur, weil es an und für sich wünschenswert ist, mit der Zeit ein vollständiges Bild der einheimischen Faiuia bis in die kleinsten Details zu gewinnen, sondern auch, weil oft in diesen verachteten kleinen Wiesen ein Material vorliegt, das bei genauem Studium für die Wissenschaft von weittragender Bedeu- tung werden kann. Es darf sich z. B. nur schicken, dass in irgend einem bisher unbekannten oder unbeachteten kleineu Tiere ein Bindeglied entdeckt wird zwischen eini- gen Gruppen, deren nahe Verwandtschaft mau kaum ver- mutet hatte oder doch bisher nicht hatte beweisen können. (Fortsetzung folgt.) 56 Der Naturwissenschaftler. No. 7. lieber Klima, Boden und Pflanzenwelt in Persien. Von Dr. H. Pohli (Schluss.) Um den Gemüsebau ist es in Persien schlecht be- stellt. Die einzigen häufiger angebauten Gemüse sind süsse Gurken und Zwiebeln, die man in Menge roh ge- niesst, sowie eine Solanee (S. melanogena), deren faust- grosse, harte, schwarze Früchte von Eiform viel gekocht werden und bis zu gewissem Grade die dort fast gänz- lich fehlende Kartoffel ersetzen. Im Mai giebt es Kopf- salat von geringer Güte, kleine längliche lläuptchen, welche die Perser ohne jede Zuthat geniessen; ebenso ist es Brauch, Estragon. Münze und Kresse ohne weitere Zuthat, um Käsestückclien gewickelt, zu verspeisen. Ferner hat man eine Kohlart, deren Blätter zum Umwickeln der beliebten lleisklösschen verwendet und gekocht wer- den. Wild wachsen Spargel, welche wohl gar nicht be- nutzt werden, und eine Rhabarberart (Rheum rivas), deren keimende Stiele als Gemüse sehr beliebt sind. Als Gewürz ist der violette Koriander allgemein verbreitet. Auch der Gärtenbau ist in Iran nicht sehr ent- wickelt. Wohl hat fast jede Hütte, in der Stadt wenigstens, ihren Blumenschmuck in einem Ilausgärtchen, der Freude der Haremswelt: da sieht man Levkojen der verschie- densten Sorten, Rosen von geringer Güte, Hollunder, Schneeball und Jasmin, in den Gärten der Vornehmen meist ein Becken lebendigen Wassers umgebend. Indess der heutige Orientale, wenn es ilun auch nicht an Sinn für das Schiine felilt, ist viel zu träge, um mehr als das Notdürftigste zu thun: Obst- und Blunienzui-ht ist nicht seine Sache. Ebenso beschränkt ist der Feldbau; die Ijei weitem überwiegende Feldfrucht ist (lerste, Hafer sieht man fast gar nicht. Aus Gerstenmehl wird in den Gebirgen das erbärmliche Fladenbrot, Lawasch oder Schureg bereitet, Gerste bildet statt des Hafers das Kutter der für das Land so wiclitigen Pferde. Die Ernte Ix'ginnt in manchen Ge- genden des IIoch]and(>s wie an dem l'riniasee schon Ende Juni, in Gebirgsgegenden dagegen erst Anfang September. Während man bei uns im Frühjahr die Ort- schaften von grünenden Fluicn uingelien sieht, findet man gewöhnlich in Persien nichts dergleichen ; nur vereinzelt in unmittelbarer Nähe der Hütten bemerkt man ein Getreide- feld; meistens sind die (ielände mit liolien Lehnnvänden umzämit. Den günstigen Einfluss gn'isserer Wasserbecken auf die Pflanzungen haben die Perser wohl erkannt, hie und da findet man künstlich angelegte Teiche im kleinen nach Art des ägyptischen Mörissees, welche zugleich als Rückhalt dienen, wenn in besonders trockenen Sommern die letzten Rinnsale versiegen. Was auf dem Hochland die Gerste ist in den kas- pischen Küstenstrichen der Reis: ReisiJlanzungen und Melonenfelder bilden dort den wesentlichsten Anl)au. Der Reis ist von vorzüglicher Güte und könnte daselbst leicht in genügender Menge gewonnen werden, um den ganz ])edeutenden Bedarf des Reiches zu decken, welcher gegenwärtig sicherlich zum überwiegenden Teil von dem Ausland bezogen wird; der ebenso allgemein unentbehr- liche Zucker vollends kommt ausschliesslich von Russ- land und Indien und ist sehr teuer. Die übrigen Feldfrüchte Irans treten ganz zurück und finden sich nur vereinzelt angepflanzt. Einer allgemeinen Kultur unter diesen erfreuen sich noch Ricinus undTabak. Erstere Pflanze wächst dort auch wild, aber wohl überall nur als einjährige. Persien könnte ganz Europa mit Ricinusöl versorgen; in dem Lande selbst ist der Ver- brauch verschwindend gering, dem wenigen etwa Be- nötigten machen die russischen Stearin- und die heimischen Hammeltalglichte, auch das Naplitha von Baku besonders in den kaspischen Gegenden wesentlichen Wettbewerb. Unter den verschiedenen Tabakssorten hat diejenige von Schiras in dem ganzen Orient eine Art von Welt- ruf erlangt und ist in der That sehr eigentümlicher Art; dieselbe ist so giftig, dass man ohne Schaden solchen Taeak nur aus der Wasserpfeife rauchen kann, welche die gefährlichen Bestandteile zurückhält. Am verbreitetsten ist im Norden der gelbe kurdische Tabak, welcher nicht in Blättern, wie jener, sondern in fein zerriebener Form ver- kauft wird. Auch baut man neuerdings mit bestem Er- folg in den kaspischen Küstenstrichen Tabak, welcher in türkischer Weise verarbeitet wird, während die dortige Seidenzucht gänzlich daniederliegt. Allgemeiner werden ferner die verschiedenen Klee- arten angepflanzt, als Luzerne, Esparsette und Kopfklee. Baumwolle kommt ebenfalls überall fort und wird ausser bei der Teppichweberei zu einem groben einheimischen Stoft', „Kerbas" genainit, und statt des mangelnden Hanfes zu Seilen verarbeitet; die ganz überwiegende Menge der in dem Lande verbraucliten baumwollenen Zeuge dagegen, selbst die feineren wollenen, werden wiederum aus Europa bezogen, teilweise sogar aus Amerika. Vereinzelt trifft man ausserdem besonders in dem Süden des Reiches Opiumban und Farbepflanzen, als In- digo, Hennah und Krapp an. Zur Anfertigung verschie- dener (iewerbserzeugnisse finden endlich nächst den be- reits angeführten Holzarten noch einige feinere Ver- wendiuig, wie Buchsliaum zu Holzschnitzereien, Kirschen- stämmchen zur Anfertigung von Pfeifenrohren, Schilf- halme für Fl<">ten und Schreibfedern (Kalam); in den kaspischen Gegenden hat man Tragstangen aus einer dor- tigen Ulnienart und fertigt die Binsenmatten an, welche in dem ganzen Lande bei den Vornehmeren unter den schweren persischen Teppichen die Stelle der Dielen ver- treten. Auch verarbeitet man dort die Flaschenkürbisse mit hübschen Verzierungen zu dem Gebrauch von Wasser- pfeifen (Kalian). Aus Reisstroh werden die fahnen- förmigen Tizianfächer der Frauen geflochten, und aus Weidenruten macht man grobe Tragkörbe für die Esel zur L^eberführung von Obst. Höchst eigenartig und ursprünglich sind die Geräte und Hantirungen, deren man sich bei dem Bestellen und Einernten bedient; ich gebe darüber an anderer Stelle ausführliche Beschreibungen und auch Abbildungen. Nur soviel mag ich an dieser Stelle noch hinzufügen, dass dort wie zu Abrahams Zeiten der Pflug aus drei Hölzern zusammengesetzt ist, deren eines als Ptlugscharträger, das zweite als Handhabe des Bauern, das dritte als Deichsel No. 7. Der Naturwissenschaftler. 57 dient, und mittels der letzteren an ein Querjoch befestigt ist, welches dem Widerrist der Ochsen unmittelbar und ohne besondere Verbindung aufliegt; dass ferner das Mähen meist mit der Sichel, das Dreschen durch Cirkulieren einer Reihe von Rindern über die auf die Tenne gebreiteten Schwaden und das Mahlen durch die Frauen auf urein- fachen, steinernen Handmühlen geschieht, mit denjenigen völlig übereinstimmend, deren Steine man bei uns in den Hünengräbern aufgefunden hat; dass endlich das Oel in den Ortschaften auf mächtigen, rohen, steinernen Tischen gewonnen wird, indem man auf letzteren die Ricinus- ]iflanzen mittels eines grossen, oft mit zwei Gruben als Handhaben für beide Hände versehenen Rollsteines zer- reibt. Ein näheres Eingehen auch auf diesen Abschnitt würde über den für vorliegenden Aufsatz bestimmten Rahmen hinausgreifen. Die Atmosphäre und die Erscheinungen in derselben. Von L. Boysen. (Fortsetzung.) Ebenso wie für die Niederschläge ist die Temperatur massgebend für die Bewegungen in der Atmos])häre, für die Winde, indem letztere einfach durch die verschiedene Temperatur der Luft hervorgerufen werden. Wird an einer Stelle die Erdoberfläche mehr erwärmt als au einer anderen, so wird dort auch mehr Wärme ausgestrahlt. Die Folge davon ist, dass die über dieser Stelle lagernden Luftschichten mehr erwärmt werden als die andern und sich ausdehnen. Die Luftsäule wird hier höher, es ent- steht in den obersten Schichten eine Aufwölbung. Da aber die Luft sehr leicht beweglich ist, so beginnt von den oben aufgewölbten Schichten ein Abfliessen nach den tieferen, die Luftmasse über der erwärmten Stelle wird kleiner und leichter, das Barometer fällt. Durch die ab- fliessende Luft werden die benachbarten Schichten mehr belastet, es wird ein Druck ausgeübt, der sich gleich- massig fortjjflanzt, das Barometer steigt an dieser Stelle. Durch den höheren Druck werden alier die untersten Luftschichten hinausgedrängt, es entsteht ein Zufliessen der Luft nach dem stärker erwärmten Ort. So finden wir überall die einfache Regel, dass an der Erdoberfläche die Luft aus den Gebieten höhern Luftdrucks nach den- jenigen des niedrigeren fliesst, während in den obersten Teilen der Atmosphäre die entgegengesetzte Bewegung stattfindet. Diese Bewegung ist um so stärker, je grösser die Temperaturunterschiede sind, d. h. je schneller und je mehr eine Luftmasse gegenüber den benachbarten aus- gedehnt wird. Dieses Zufliessen der Ijuft würde in grader Linie stattfinden, wenn nicht durch die Achsendrehung der Erde eine Aenderung einträte. Durch die Kond)i- nation beider Bewegungen wird die gradlinige in eine spiralförmige umgewandelt, so dass wir nunmehr für die Bewegung der Luft folgende Regel aufstellen können: aus den Gebieten höhern Luftdrucks fliesst die Luft in spiralförmiger Bewegung heraus und ebenfalls in Spiralen in die Gebiete niedrigeren Luftdrucks hinein. Diese Be- wegungen sind auf der nördlichen und südlichen Erdhälfte verschieden. Folgende schematische Darstellungen geben dieselben auf beiden Halbkugeln an, wobei immer die PfeUe die Richtung des Windes zeigen. Für die prak- tische Anwendung kann man sich die Regel in der fol- genden Form merken: 1) Auf der nördlichen Halbkugel: hat man den Wind auf dem Rücken, so liegt rechts hinten ein Gebiet hohen Luftdrucks oder ein Maximum, links vorne ein Gebiet niedrigeren Drucks oder ein Minimum 2) Auf der südlichen Hallikugel : hat man den Wind auf dem Rücken, so liegt links hinten ein Maximum, rechts vorno ein Minimum. Durch diese Regel kann man sich, wenn die Barometerstände W indrichtung konstruieren. gegeben sind, für jeden Ort die Nördliche Halbkugel. Südliche Halbliagel. Für eine Untersclieidung der Winde ist nun sowohl die Richtung als auch die Stärke derselben massgebend. Was die Richtung anbetrifit, so macht man die Angaben meistens nach der 16teiligon AVindrose, weil solche nach der 32teiligen doch niemals genau sein würden. Es handelt sich hier also nur um die folgenden Richtungen: Ost, Ostnordost, Nordost, Nordnordost, Nord, Nordnord- west, Nordwest, Westnordwest, AVest etc. Im gewöhn- lichen Leben macht man auch nicht einmal von den Zwischenrichtungen Ostnordost, Nordnordost, Nordnord- west etc. Gebrauch, sondern lienennt die Winde einfach nach den -1 Hauiitriclitungen und den dazwischen liegenden Nebenrichtungen. Die Stärke des AVindes wird teils nach Schätzung, teils nach positiver Messung angegeben, erstere Methode soll liei einiger Uebung sicherer sein als letztere, weil nicht ganz genaue Messapparate zur Verfügung stehen. Zur Schätzung benutzt man eine 10- oder 12teilige Skala, wo dann die Zahl 10 oder 12 die Stärke eines Orkans bedeutet. Zur Alessung benutzt man ein Schalenkreuz, welches vom Winde getrieben wird und dadurch selbst ein Rad mit einem Zeiger in Bewegung setzt, an welchem die Geschwindigkeit des Windes, in Metern ausgedrückt, aljgelesen weiden kann. Bei dieser Bestimmung lässt 58 Der Naturwissenschaftler. No. 7. aber namentlich die Reibung des Apparates eine genaue Bestimmung nicht zu. Wenn wir die beiden Methoden mit einander vergleichen, so %\ürde bei der 12teiligen Skala z. B. die Zahl 2 einer absoluten Geschwindigkeit von 4 Metern in der Sekunde, die Zahl 6 einer solchen von 10, 12 einer solchen von ca. 50 Metern in der Se- kunde entsprechen. Die letzten höchsten Werte kommen bei uns absolut nicht vor. Zu bemerken ist noch, dass die Windstärke nach oben meistens zunimmt. (Fortsetzung folgt.) Kleinere Mitteilungen. Ein neuer Kiefernfeind. Herr Professor Dr. Altum lenkt im 8. Heft des Jahrgangs ]hS7 der Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen die Aufmerlisanilieit der Forstleute auf einen neuen Feind der Kiefer Im Dünenbezirk Kossitten, Rgbz. Königsberg, ging gegen Mitte .Juni d. J. eine grosse Anzahl einen Monat vorher gepflanzter einjähiiger Kiefern ein, welche bereits lebhaft getrinbeu hatten Die Unter- suchung ergab, dass vielen 1 flanzen der untere Teil der zarten Wurzeln -weggeschnitten und an dem oberen Teile die Wurzelrinde bis zu den N'adeln hicauf mehr oder wtniger stark befre-sen war. Es wurde festgestellt, dass der Frass von einem kleinen schwaizen Käfer herrührte, welcher sich 5—10 . Ferd Dümmler's Verl -Buchh. in Berlin. -, Wunder der Urwelt 30 Aufl Suppl. 91. u 92. Lfg Preis ä Lfg. 50 Pf. 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"9^ Bei Benutzung der Inserate bitten wir höflichst, auf den „Xatnrwissenschaftler" Beüug nehmen zu wollen. R. HEGELMANN Elektrotechnische Anstalt, Erfurt. Sämtliche elektr. Apparate fiir den Unterricht. Als Specialiiät: Apparate zur optischen Projektion von Experimenten. SciopüiöMfflitMollißlßiiclitiiDS. Optische Laternen für Kalk und Elektr. Licht. Elektr. Projektionslampeii (2ß^ Antiquaria. ^i?^ einfachster KonstruktiOD, selbt-tre^ulicTfiid, Marmor etc. Elcktrouiaguete, Ifireiiiier für Kalklicht iu verscliicdcuen Ausl'iihrUDjTen. lustraiueiitariniu für Kalklickt ohne Säcke, bestehend aus: Saaerstoff-Generator und Leuchtgaserzenger nach neuester Konstruktion. Bei Bedarf bitte um genaue Bezeiclinung der gewünschten Gegenstände, um Specialofferle abgeben zu können. [38] Die Chemische Fabrik Dr. Theodor Schucliardt, Görlitz (Schles.) ,7] offeriert ihre Präparate für wissenschaftliche, pharmaceutische, photographische und technische Zwecke. Verlai; von Paul Frohberg iu Leipzig. 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Möller, Berlin S. W. 48. Friedrich-Strasse 22ü. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 ^. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen JC 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 20. November 1887. No. 8. Der Abdruck der Originalartikel ist nar mit Geneiimignng der Verlagshandlang gestattet. Inhalt: Professor Dr. J. von Ken nel: Ueber Uinfaug und Hilfsmittel der Zoologie (Fortsetzung'. — L. Boyseti: Die Atmosphäre und die Erscheinungen in denselben (Fortsetzung). — Dr. B. Dessau: Eine neue Kraft. — Die wilden Seidensehmetterlinge und ihre technische Bedeutung. — Kleinere Mitteilungen : Ein neues Sinnesorgan bei Lamellibranchiern. Ueber ein neues, besonders gerühmtes Bleichmittel für orLranische Stoffe. Dr. Ü. Meyer: Ueber die Gefahren des Tabakraucliens. — Astronomischer Wochen-Kälender. — Fragekasten. — Litteratur: Em. Fischer: Winke für Naturaliensammler. — Bibliographie. — Inserate. Ueber Umfang und Hilfsmittel der Zoologie. Von Professor Dr. J. von Kenne 1. (Fortsetzung.) Wir beiindeu uns hiermit auf einem Gebiete der Zoologie, das über das wissenschaftliche Institut hinaus- reicht in I'eld und Wald, Wiese und Teich und das hineinragt in die Wohnung jedes einzelnen, der bei Lust und Liebe zur Natur, ohne Zoologe von Fach zu sein, seinen Teil beitragen möchte zur Kenntnis der Tiere und zur Erkenntnis ihres Wesens und ihrerLebensbedingungen. Man könnte das, wovon ich jetzt sprechen möchte, die zoologische Hausindustrie nennen, die wir nur schwer entbehren können, wenn wir stetig fortschreiten wollen im Verstiindnis der uns umgebenden Lebe weit. Man fürchte nicht, dass die Aufgabe, die ich jedem Natur- freunde stellen möchte, eine schwierige sei — es gehört nich ts dazu als offenes Auge und unbefangener Sinn — und diejenigen, die das besitzen, sind viele, und viele derselben leben in steter Berührung mit der freien Natur, während diejenigen gering an Zahl sind, die zwar mit zoologischer Bildung versehen, aber die meiste Zeit an ihre Arbeitstische gefesselt sind. Das Leben und Treiben der Tiere, der grossen und kleinen, der hohen imd niedrigen, ihr Abhängigkeitsverhältnis von einander und von ihrer Umgebung, ihre Fortpflanzungsverhältnisse, Liebesspiele und Brutpflege, ihre Wohnungsbauten und Nahrungsmittel, durch die sie oft für den Menschen zu schädlichen oder nützlichen Tieren werden, ihre Erschei- nungszeiten, ihre Wanderungen, die Abänderungen in Färbung und Gestalt, ihre Verwandlungen, Stimmen luid nicht in letzter Linie ihre geistigen Fähigkeiten — das ist das Forschungsgebiet, das sich hier weit und gross eröffnet! Die Beobachtungen selbst gewähren reinere Freude als manche andere Thätigkeit, mit der man freie Stunden zu verkürzen pflegt. Und es ist nicht (>innial inuner nötig, dabei anstrengende Wanderungen zu machen, man kann vieles leicht bei sich zu Hause haben und mit dem Apparat sein Zimmer schmücken! Es sei gestattet, dass ich bei diesem Kapitel der allgemeinen Biologie noch etwas länger verweile, da es mir ganz besonders am Herzen liegt und zu seiner Förderung jeder beitragen kann, und dass ich auch an Beispielen zeige, inwiefern auch die Bestrebungen der anderen Zweige der Zoologie dadurch gefordert werden können und schon wesentlich gefördert worden sind. Ich darf vielleicht vorausschicken, wie die Liebhaberei für schöne Blumen und Blattpflanzen geeignet war, durch alle erdenklichen Mittel, zu denen die Natur die Finger- zeige gab oder die der Mensch selbst sich aussann, die Pflanzen fast willkürlich zu verändern; wie Veredelung und Hybridation das Wunderbarste leisteten in Neuer- zeugung von Blumen- und Pflanzenformen, an die man vor- her nicht denken konnte. Die Pflanze ist ein leichter zu be- handelndes Objekt, ihre Pflege und Nahrung ist einlacher als die der Tiere; durch ihre dekorativen Eigenschaften hat sie sich überall Freunde erworben, und der Blumen- tisch fehlt fast in keinem Hause. Und denkt man nun daran, welche Fülle von Beobachtungen und Errungen- schaften die Botanik dieser Liebhaberei, der scheinbaren Spielerei verdankt, berücksichtigt man die zahllosen Spiel- arten, die im Lauf der Zeit erzeugt wurden, betrachtet man nur eine Kollektion von Blattbegonien, beobachtet man, wie so oft durch Kreuzung zweier Formen nicht eine Mischiuig der Charaktere, sondern ein völliges Novum auftritt, so begreift man die Wichtigkeit dieser Be- strebungen, welche geeignet sind, Andeutungen zu geben, auf welche Weise auch in der freien Natur Formen er- zeugt werden m(")gen, die l)ei weiterer Inzucht als neue Arten sich befestigen k(innen. Dazu kommen viele von Liebhabern gemachte Beobachtungen über Befruchtungs- organe, über die Rolle, welche Insekten dabei spielen, 62 Der Naturwissenschaftler. No. 8. und so zahlreiche andere Förderungen, dass die Wichtig- keit der Pflanzenliebhaberei für die botanische Wissen- schaft wohl nicht bezweifelt werden wird. In neuerer Zeit nun hat sich diese Liebhaberei glücklicher Weise auch zoologischen Gegenständen mehr zugewendet als früher, und wenn auch von solchen Erfolgen wie bei der Pflanzen pflege noch nicht die Rede sein kann, so ist in der verhältnismässig kurzen Zeit doch schon Nennens- wertes geleistet worden. Hatte man früher den Kanarienvogel, den Buchfinken oder eine Grasmücke im Käfig, so wurden infolge der vortrefflichen Konmiunikationsniittel und angeregt durch reizvolle Schilderungen, wie die Brehms u. a., in letzter Zeit die ausländischen V(")gel Mode: Papageien aller Art, die zierlichen afrikanischen Prachtfinken, die farben- prächtigen Webervögel, ja in der Folge die schwer zu ernährenden tropischen Insektenfresser nebst noch allerlei Seltenheiten ; und die meisten dieser Tierchen wurden so billig, dass mau überall statt kleine Käfige grosse Volieren in Zimmern und Gärten sah, besetzt mit diesen niedlichen Bewohnern. Bald zeigte es sich, dass diese ausser durch ihr Schniuckgefiedcr den Ijiebhabcr auch noch erfreuten durch die Leichtigkeit, mit der sie zum Nestbau, zur Eiablage und zur Aufzucht der Jungen schritten und das oft genug im kleinsten Käfig. Von vielen tropischen Vögeln lernte man die Nester, die zierlichen Werbungen der Männchen durch Liebestäuze, die Zahl und Färbung der Eier und das Jugeudgeiieder der Jungen erst durch die Beobachtungen, die im Käfig gemacht wurden, kennen. Die höchst interessanten Vcrfärbiuigen vieler der ge- nannten Vögel zur Begattuugszeit und die Zurückfnrbung nach derselben in ihr gewclhnliches Kleid ist hier der Untersuchung zugänglich gemacht, nicht zu reden von den Einflüssen verschiedener Nahrungsmittel auf die Färbiuig der Federn, die zui' Beobachtung kamen. Ja man hat Bastardierungsversuchc mit Erfolg gemacht und dabei Kesultate erzielt, welche sich denen bei l'flaiizen würdig an die Seite stellen. — So wurde in England, wo ein reicher Gutsbesitzer seiner ganzen Sammlung der verschiedensten Pa])ageicu eines Tages die Freiheit schenkte, die sehr wichtige Beobachtung gemacht, dass in dem umfangreichen Park der Besitzung, in welchem die Vögel sich noch jahrelang aufhielten und gefüttert wurden, ein gelbhaubiger und ein weisshaubiger Kakadu sich gepaart hatten — nebenbei bemerkt ganz aus freiem Antriebe, obwohl Auswahl in beiden Arten vorhanden war. — Das Kesultat der Brut waren elunge, die weder M'eisse noch gelbe Schöpfe hatten, sondern dunkel orange- farbene ! — Bei dem nämlichen freilich grossartigen Acclimatisienmgsexperiment stellte sich auch heraus, was später vielfache Bestätigung fand, dass Tiere wärmerer oder selbst heisser Klimate ganz gut in gemässigtem fort- kommen, auch beträchtliche Kälte ertragen können, wenn nur die Schwankungen der Temperatur, der sie unter- worfen sind, nicht zu gross werden. Wenn man früher tropische Tiere nur in Gewächshäusern halten zu können glaubte, hat man durch solche Versuche gelernt, dass sehr viele derselben bei gewöhnlicher Zimmertemperatur unter der genannten Vorsiebt, möglichst gleichmässige Temperatur zu unterhalten, wohl gedeihen; und das ist nicht nur für den Zoologen von praktischem Wert, der dadurch leichter in den Stand gesetzt wird, lebendes Ma- terial aus warmen Gegenden zu züchten, sondern es ist von grösster Wichtigkeit geworden für Auffindung von Gesetzen für die geographische Verbreitung der Tiere. Man unterscheidet jetzt schon nicht mehr Tiere heissen oder gemässigten Klimas, sondern nach den Temperatur- Schwankungen, die sie ertragen k(")nnen, eurytherme*) und Stenotherme*) Tiere, und man weiss, dass erstere geeignet sind, kontinentales Klima verschiedener Zonen zu ertragen, während letztere nur an insulares Klima mit geringen Schwankungen sich gewöhnen können. Etwas später als diese Vogelliebhaberei verbreitete sich die Freude an A(|uarien, die zunächst mit Fischen, dann auch mit Amphibityi, Tritoneu, Axolotln (Siredon mexicanus), sowie mit niederen Wassertieren, Schnecken, Wasserinsekten u. dgl. besetzt wurden. Es lässt sich in der That kaum ein reizenderer Zimmerschmuck denken, als ein vvohlgepflegtes und gut besetztes A(iuarium. Die Chinesen hatten schon vor Jahrhunderten die bei uns moderne Liebhaberei und, wie sie in allerlei Kuriositäten excellieren, durch konse((uente Züchtungsversuche gezeigt, was aus einem Tier gemacht werden kann; sie haben Fischgestalten jiroduziert, wie sie die üp))igste Fantasie kaum ausdenken könnte. Wer jemals Gelegenheit gehabt hat, die wundervollen schleierschwänzigen Goldfische zu sehen, deren Schwanzflosse, durchsichtig wie Glas, von der doiipelten Länge des Körpers und dabei nicht ein- fach sondern in zweie gespalten, wie zarteste Schleier bald nachgeschleppt wird, bald den ganzen Körper ein- hüllt — oder die Teleskopfisclie, deren Augen wie die der Krebse auf Stielen jederseits an dem dicken Kopfe stehen — wird sich kaum weniger über die Bildungs- fähigkeit des Tierkörpers als über den Geschmack wun- dern, der solches wünschte, oder über die Ausdauer und Umsicht, mit welcher der Erfolg erzielt wurde. — Doch auch bei uns sind in der kurzen Zeit, in der die Aquarien allgemeine Verbreitung gefunden haben, von nicht zoologi- scher Seite Beobachtungen und Entdeckungen gemacht worden, die nicht nur allgemeines Interesse erregen kön- nen, sondern auch für die Wissenschaft von grosser Be- deutung sind. Ich erwähne nur die Beobachtiuigen über den Schlaf der Fische, über den Nestbau und die Brut- pflege des Stichlings, eines kleinen überall gemeinen Fischchens, das sich so sehr für Aquarien eignet; wie hochinteressant in biologischer Hinsicht ist der Nestbau und die Brutpflege der Makropoden, kleiner tropischer Fische, die ihr Eiernest aus Schaum bauen und ihre Jungen nicht nur längere Zeit beaufsichtigen, sondern jedes einzelne gründlicher Reinigung unterziehen, und deren Gebahren erst im A(|uarium studiert werden konnte. AVelche Anregung geben solche Beobachtungen, wenn es sich darum handelt, der Entstehung dieser auffallenden Gewohnheiten nachzusinnen ! Es könnte das Gesagte schon genügen, um die Wich- tigkeit dieser Art der zoologischen Forschung zu erweisen, ") Aus dem griechischen eVQvG = breit, weit; GtsvoO = eng i\nd^£Q/Jia eigentlich so viel wie warme Bäder und daher „Wärme" selbst, d. h. also Tiere, welche grosse und geringe Temperatur- Schwankungen ertragen können. No. 8. Der Naturwissenschaftler, 63 und man brauchte nicht zu erwähnen, dass über die mannigfachsten Beziehungen der Wassertiere untereinander, über ihre Fortpflanzungsweise, Ernährung luid ihre psychischen Eigenschaften nur die Beol)achtung im Aqua- rium Aufschhiss geben kann ; dass aber auch ganz streng wissenschaftliche Fragen aus dem Gebiete der Mor])ho- logie und der Abstammungslehre ihre Beantwortung finden können durch Versuche, welche von Laien ange- stellt werden, zeigen u. a. die Resultate, welche Fräulein von Chauvin in Freiburg in Baden bei ihren Züchtungen von Axolotl, Salamandern und Proteus erzielte. Als im Jardin d'Acclimatation zu Paris zum ersten Male ein mexikanischer Axolotl, ein Kiemenmolch, seine Kiemen verlor, den breiten Rudersaum seines Schwanzes resor- bierte, die Struktur seiner ganzen Haut änderte und aus einem Wasserbewohner zu einem Landtiere wurde, war die ganze wissenschaftliche Welt erstaunt über die Ent- stehung eines neuen Tieres, eines Amiilystoma, von dem man bereits einige andere Arten kannte. Man hatte ja den Axolotl nicht für die Larve eines Tieres halten können, da er eine bedeutende Grösse erlangt hatte und sich durch Generationen hiiuhuch in derselben Weise geschlechtlich vermehrte. Nun aber gelang es der ge- nannten Dame und nach ihr noch vielen anderen Be- obachtern durch genaues Studium der Jjebeusliediiigungen ganz nach Belieben die jungen Axolotl zur Verwandlung zxi bringen oder auf dem Larvenstadium zu erhalten — und als es fernergelang, auchTriton-undKrötenlarvenjahre- lang nicht zur Verwandlung gelangen zu lassen, sondern sogar teilweise im Larvenstadium der Geschlechtsreife nahe zu bringen, verbreitete sich über die ganze Frage ein neues Licht. Man erk-nnte nun, dass der Axolot wirklich nur die Larve eines Amblystoma ist, die aber in ihrer Heimat infolge bestimmter Existenzbedingungen nur selten in das definitive Tier übergeht, sondern als Larve sich vermehrt, ihre volle Grösse erreicht und so für gewöhnlich auf einem Stadium stehen lileibt, welches für sämtliche Salamandrinen in der individuellen Ent- wicklung charakteristisch ist und das die Organisation der Vorfahren der jetzigen kiemenlosen Molche repräsen- tiert. Ob es sich mit andern Kiemenmolchen ähnlich verhält, wie vielfach vermutet wird, kann kaum anders als durch gleichartige Experimente entschieden werden. Eine andere schöne Beobachtung machte die genannte Dame in Bezug auf die Entwicklung unserer europäischen Salamander; der gewi'ihnliche gefleckte Regenmolch, Sa- lamandra maculosa, bringt im Frühjahr eine grössere Anzahl lebender Junge zur Welt, die er ins Wasser ab- setzt, wo dieselben genau von Gestalt unserer Triton- larven, mit vier Beinen luid äusseren büschelförmigen Kiemen jederseits des Halses versehen, eine Zeit lang leben, bis sie endlich unter Verlust der Kiemen und anderen Umände- rungen das Land aufsuchen. — Der schwarze Alpenmolch dagegen, Sal. atra, der in den höheren Regionen der Alpen zu Hause ist, wo ihm ])assendes Wasser nicht leicht zur Verfügung stände, hat sich im I^aufe der Zeit einen anderen Modus der Vermehrung angezüchtet. Er bringt nur je zwei Junge zur Welt, die jedoch von halber Grösse der Mutter gleicli als fertige Salamander ohne Kiemen mit dreherundem Schwanz luid warziger Haut, durch Lungen atmend, er- scheinen. Eigentlich produziert das Weibchen gleichfalls eine grössere Anzahl von Eiern, allein in jedem Eileiter entwickelt sich nur eines derselben, und das daraus her- vorgehende Junge frisst die übrigen Eier auf und wächst auf deren Kosten heran. Dabei durchläuft es im Leibe der Mutter sein Larvenstadium mit Kiemen: diese aber wachsen so enorm, dass sie wie ein Schleier zarter Fäden den ganzen Körjier des Jungen einhüllen und durch ihre Berührung mit der Uteruswand den Gasaustausch zwischen niüttcrliclK'iii und emluyonalem Organismus ver- mitteln. Fräulein von Chauvin versuchte niui zu ermitteln, ob diese Jiuigen, noch im Kiemenstadium aus dem Uterus der Mutter entnommen, in Wasser gebracht existenz- fähig seien, luid es stellte sich dabei das merkwürdige Resultat heraus, dass die zarten, langen Kiemen zu Gruude gingen und an ihrei' Stelle derbe, k\uze Kiemeiibüschel wuchsen, mit deren Hilfe die jungen Tiere gleich anderen Salamanderlarven ein freies Wasserleben zu führen im Stande waren. Man sieht aus diesen wenigen Beispielen besser als aus theoretischen Auseinandersetzungen, wie vieles die Liebhaberei füi- A((uarien der Wissenschaft schon genutzt hat, und bemerkt auch, dass bei keinem der gemachten Experimente, bei keiner Beobachtung mehr vorausgesetzt zu werden braucht, als die Kenntnis der betreffenden Tiere selbst und ihrer Lebensweise. Jederzeit wird selbstver- ständlich der Zoologe von Fach bereit sein, derartige Bestrebungen durch seinen Rat zu unterstützen und An- deutungen zu geben, in welcher Richtung voraussichtlich Erfolge zu erzielen sein dürften. (Fortsetzung folgt.) Die Atmosphäre und die Erscheinungen in derselben. Von L. Boysen. (Fortsetzung.) Beobachten wir die Windrichtiuig an verschiedenen Orten, so finden wir, dass dieselbe auf dem grössten Teile der Erde sehr häufig von der einen Seite der Wind- rose zur andern übergeht, wobei man allerdings bei genauer Beobachtung meistens konstatieren kann, dass während des Verlaufs eines Jahres die eine oder andere Rich- tung die vorherrschende ist, wie in unserei' Gegend der Südwestwind. Dagegen aber giebt es giosse Distrikte, wo während eines ganzen Jahres in der Hau|)tsache nur eine oder zwei Windrichtungen vorkommen. So weht z. B. im Passatgebiet ein Wind konstant aus einer Himmels- richtung. In andern Kegionen wechselt die Richtung periodisch entweder nach Jahros-oder Tageszeit. Betrachten wir zuerst das (iebiet, wo während des ganzen Jahres eine Windric^htung herrscht. Am Aequator werden die Erd- oberfläche und die über derselben lagernden Luftschichten am meisten erwärmt. In dieser Zone weiden die Luft- teilchen mehr ausgedehnt als in den benachbarten, es steigt ein warmer Luftstrom vertikal nach oben. Diese Zone verschiebt sich, dem höchsten Stand der Sonne folgend nach Norden oder Süden, so dass sie in unserm Sommer nach Norden vom Aequator rückt. Diese Re- 64 Der Naturwissenschaftler. No. 8. gion heisst die Kalmenzone. Die mit Feuchtigkeit erfüllte Luft kühlt sieh beim Aufsteigen ab und wird wegen der oben herrschenden geringeren Temperatur mit Feuchtig- keit gesättigt, der grösste Teil des Wassergehaltes stürzt in Form heftiger Regen herab, wobei Gewitter eine häufige Erscheinung sind. Ueber der Kalmenzone wölbt sich die Luft auf und fliesstdann nach beiden Seiten ab, nach Norden und Süden, so dass in der Höhe ein Lxiftstrom vom Aequator polwärts geht. Durch die Achsendrehung der Erde aber wird eine Ablenkung des Stromes von der nordsüdlichen und südnördlichen Richtung bewirkt. Am Aequator ist die Rotationsgeschwindigkeit der Luft- teilchen grösser als in höheren Breiten, weil sie dort in 24 Stunden einen grösseren Weg zurückzulegen haben. Fliessen dieselben daher polwärts, so eilen sie, weil ihre Geschwindigkeit grösser ist als die der Luftteilchen höherer Breiten, gleichsam voraus und erfahren eine Ablenkung nach Osten; die äquatoriale Luftströmung in der Höhe tritt daher auf der nördlichen Hallikugel als Südwest- wind, auf der südlichen Halbkugel als Nordwestwind auf. Durch das Abströmen der Luft wird in der Kalmenzone die Luftniasse vermindert, das Barometer wird hier fallen- Nördlich und südlich hingegen wird die Luftmasse ver- grössert, der Barometerstand steigt, es entsteht an der Erdoberfläche ein Zuströmen der Luft zum Aecjuator. Die Achsendrehung der Erde bewirkt auch hier eine Ab- weichung von der meridionalen Richtung, weil die Luft- teilchen aus höheren Breiten geringere Geschwindigkeit besitzen, als die am Aequator; sie bleiben gleichsam zurück und werden nach W'esten abgelenkt, so dass diese Luft- strömung auf der nördlichen Halbkugel aus Nordost, auf der südlichen aus Südost kommt. Diese konstant aus Nordost und Südost wehenden Winde heisseu „Passate", die in der Höhe in entgegengesetzter Richtung wehenden „Antipassate". Dass die letztere Ltiftbewegung wirklich stattfindet, hat man häufig Gelegenheit gehabt zu be- obachten. Bei vulkanischen Ausbrüclien sind in die Höhe ge- schleuderte Aschenmassen dem unten wehenden Passat direkt entgegen grosse Strecken fortgeführt worden, was nur durch den Antipassat seine Erklärung findet. Wo grosse erhitzte Ländermassen in das Gebiet dieser Winde fallen, wird diese Luftbewegung natürlich bedeutend modifiziert, auf dem Ozean hingegen wehen sie mit ziem- licher Regelmässigkeit. Im Atlantischen Ozean überwiegt das Gebiet des Südostpassats gegen das des Noidost- passats. Die weitesten Grenzen der Passatregion sind ca. 35 Grad südlicher und nördlicher Breite, doch ge- wöhnlich sind die Grenzen viel enger. Wie sich die Kalmenzone mit dem höchsten Stand der Sonne verschiebt, so natürlich auch die Passatregion. — Als die grossen Ozeanreisen begannen, lernte man sehr bald diese für die Segelschiftährt so nützlichen Winde kennen und ge- brauchen. Während über dem Ozean die Erscheinung des Pas- sats und Antipassats ziemlich regelmässig ist, erleidet dieselbe, wie erwähnt, über grossen erhitzten Landmassen eine Modifikation. Das berühmteste Beispiel hierfür bietet C'entralasien, Arabien und die Fortsetziuig dieses Landstriches in Afrika. In diesen Regionen fliessen die durch die Wärme im Sommer aufgewölbten Luftschichten nach Süden und Norden ab. Es wird hier ein Gebiet niedrigen Luftdrucks entstehen, wie auch in Centralasien im Sommer ein Sinken des Barometerstandes beobachtet wird. Infolgedessen findet vom Indischen Ozean ein Zu- strömen der Luft nach diesem Gebiet statt und zwar aus Gründen, die oben erörtert sind, von Südwest nach Nordost. Dies ist der Südwestmonsun dieser Gegend, welcher aus dem Indischen Ozean grosse Massen von Feuchtigkeit mitbringt, die er abladet, sobald er auf Ge- birge trifft; so haben wir an der Malabarküste und dem östlichen Teile des Himalaya Orte sehr grossen Nieder- schlags. Im Winter tritt die umgekehrte Luftbewegung ein, dann sinkt durch die Abkühlung die Luftsäule über Centralasien zusammen, es findet ein Abfliessen der höheren Luftschichten vom Ozean statt; über Centralasien lagert ein Maximum, über dem Indischen Ozean ein grosses Gebiet niedrigen Lufidrucks. Es erfolgt daher ein Zu- strömen der Luft aus Centralasien, welches im nördlichen Teile des Indischen Ozeans als sogenannter Nordostmonsun auftritt. Der Südw» stmonsun weht etwa von April bis Mitte Oktober, dann beginnt die langsame Abkühlung Centralasiens, und ungefähr während eines Monats wehen veränderliche ^Vinde. Dann aber tritt der Nordostmonsun auf, welcher trocken ist, weil er aus hcihern und kälteren Breiten kommt. Auf der südlichen Erdhälfte beeinflussen Australien, Südafrika und Südamerika den Passat wenn natürlich auch lange nicht in dem Masse, als das viel ausgedehntere Centralasien. (Fortsetzung folgt.) Eine neue Kraft. Von Dr B, Während die Physiker unablässig bemüht sind, die als verschiedenartig bekannten Naturkräfte auf einander zurück- zuführen — so wurden der Magnetismus als eine Wirkung elektrischer Ströme, Licht und Wärme als ihrem Wesen nach identisch erkannt und Maxwells Theorie fasst beide als Stö;ungftn im elektromagnetischen Gleichgewichte des Aethers a if — während so die Zahl der verschiedenartigen Natur- ■ kräfte eine geringere wird, tauchen von Z-it zu Zeit \' ersuche auf, uns dafür irgend eine neue Kraft zu bescheren, es werden Beobachtungen beschrieben, welche durch keine bekannte Ursache erklärbar seien und daher die Existenz einer neuen Kraft beweisen sollen. Neuerdings wiederum bat der Engländer i J. Thore der Royal Society in London das Ergebnis der- j artiger Versuche unterbreitet, welche ihn zur Annahme einer i Dessau, bisher unbekannten, vom menschlichen Körper ausgehenden oder doch von demselben vermittelten Erat führten Sein Apparat und der Vorgang, wie ihn Crookes in der Chemical News beschreibt^ ist der denkbar einfachste Ein kleiner Elfenbeincylinder ist über einem Tische an einem ungedrehten Cocon'aden aufgehängt, so dass er sieli nach allen Seiten frei drehen kann. Während dieser Cylinder sich in Ru e befindet, nähert ihm der Experimentator einen zweiten, den er Pfeiler nennt, bis auf etwa 1 iiiiri Entfernung, und sofort beginnt der aufgehängte Cylinder eine Drehung im Sinne des Uhrztigers, wenn der Pfeiler — den der Beobachter samt dem hängenden Cylinder vor sich hat — links vom Cylinder steht, im umgekehrten Sinne dagegen, wenn er sich rechts befindet. Die Rotation ist nach Thore unabhängig No. 8. Der Naturwissenschaftler. 65 von dem Material der Cylinder, ihrer Masse und ihren Dimen- sionen; Licht und Wärm»*, Magnetismus und Elektricität vermöj^en nach Thore die beobachteten Bewegungen nicht zu erklären. Crookes hat nun behufs Kontrole diese Versuche mit Cylindern aus verschiedenem Material wiederholt, wobei der Apparat zunächst, um Luftströmungen und "Wärmestrahlung möglichst auszusch'iessen, sich in einem Glasgehäuse befand. Die Beschreibung der einz^lnen Versuche würde hier zu weit fuhren Crookes ist der Ansicht, dass man die Ursache der Bewegung in der vom Gesichte des Experimentators aus- gehenden Wärmestrahlung zu suchen habe, welche eine Ver- grösserung des Molekulardrucks zwischen den beiden Körpern hervorbringe. Schon 1875 hatte Crookes die merkwürdige Thatsaehe konstatiert, dass zwei auf verschiedener Temperatur befindliche Körper bei gewöhnlichem Atmosphärendruck sich mit einer gewissen Kraft anziehen, welche mit abnehmendem Drucke bis auf das Vierfache steigt, bei hoher Verdünnung der umgebenden Luft aber plötzlich aufhört und dann sogar in eine Abstossung übergeht. Letztere eneicht bei den höch- sten Graden der Luftleere, wel- he man lierzustellen vermag, den 13tachea Betrag der bei Atmosphärendruck beobachteten Attraktion. Einer ähnlichen Ursache, einem ,, Bombardement der Moleküle'', schreibt nun Crookes auch die in Rede stehende Erscheinung zu, obschon, wie er selbst zugiebt, der konstante Sinn der Hotation dadurch unerklärt bleibt; ja derselbe sollte geradezu umgekehrt sein, wie der thatsächlich beobachtete. Da nun auch ein etwa durch die Wärmestrahlung hervor- gebrachter Luftstrom nicht diese konstante Drehung bewirken kann, so hält Thore an seiner Vermutung einer neuen Kraft fest und stützt sie zudem durch neue Experimente, welche nach den Angaben des Autors eine Mitwirkung der Wärme vollständig ausschliessen. So sei es vor allem nicht gelungen. besagten DrehungseiFekt, der von einer Wärmestrahlung "der Gesichts herrühren soll, durch andere Wärmequellen hervos- zubringen; andererseits aber bleibe der Eflfekt nicht aus, wenn der umgebende Raum samt dem Apparat die Temperatur des menschlichen Körpers besitze, obschon hier selbstverständlich jede Strahlung aiisgeschlos.'^en sei Ein Eisblock, zwischen Beobachter und Apparat, oder hinter letzteren gesetzt, sei ebenso ohne Einfluss; dagegen sei es wesentlich, dass der Beobachter in materiellem Kontakt mit dem „Pfeiler" stehe, und ferner sei die Einschliessung des Apparats in Glasgehäuse unstatthaft, weil man nicht wisse, wie weit etwa das Glas die Wirkung der Kraft aufhalte oder beeinträchtige. Als merkwürdige Thatsaehe wird ferner konstatiert, dass die rechte Hand bei der Berührung mit dem Pfeiler eine doppelt so starke Rotation bewirke wie die linke! Es liegt uns fern, über diese Beobachtungen, die wir hier lediglich registrieren, ein Urteil fällen oder in BetrefiF der Ursache der Erscheinungen eine Vermutung aufstellen zu wollen; weitere Experimente können erst hierüb-r Klarheit bringen. Nur in einem können wir Herrn Thore schon jetzt nicht beistimmen. Unter Hinweis darauf, dass selbst nach Crookps die Theorie der molekularen Strahlung nicht alle Thatsachen zu erklären vermöge, veitritt derselbe die An- schauung, dass schon eine einzige unerklärbare Thatsaehe zur gänzlichen Verwerfung einer Theorie genüge. Solch radi- kalen Neuerung-ibestrebungen gegenüber kann nicht genug zur Vorsicht gemahnt werden: man versuche es zunächst, durch geeignete Modifikation die bisher erprobte Theorie auch den neuen Thatsachen anzupassen und vergegenwärtige sich namentlich, das.s die Annahme neuer Ursachen, neuer Natur- kräfte erst dann zulässig erscheint, wenn alle Versuche, mit dem Bekannten auszureichen, gescheitert sind. Die wilden Seidenschmetterlinffe und ihre technische Bedeutung. (Zeitsebrift für diu cliemische I Einem Vortrage, welchen Herr O. N. Witt im Verein zur Beförderung des Gewerbefleisses zu Berlin gehalten, entnehmen wir, dass bis jetzt 50 Arten von Schmetterlingen bekannt sind, welche seidenreiche Cocons liefern, dass trotzdem aber nur von einigen wenigen die Cocons besonders verwertet werden. Am wichtigsten ist der Tussur-Spinner, dessen Co- cons 3 — 4 mal so gross, wie die des Maulbeei Spinners sind. Sie bestehen aus einem ununterbrochenen, 1400 m langen Doppelfaden, welcher sich leicht abhaspeln lässt, seitdem man gelernt hat, den Kitt, mit dem der ganze Cocon getränkt ist, und der fast ausschliesslich aus saurem harnsaurem Natron besteht, durch alkalische Mittel auf- zulösen. Der Tussur-Spinner ist schon seit Jahrtausenden ein Haustier in Indien und es knüpfen sich an seine Zucht eine Reihe von Sagen und religiösen Vorschriften. Nächst diesem ist der Eichenspiuner zu nennen; er wird in China in der Provinz Setochuan in jungen Eichen- hainen regelrecht gezüchtet, gepflegt und bewacht nament- lich vor Mäusen luid Vögeln, und so wird eine grosse Ernte erzielt. Ein anderes Tier, welciies in China zur Seidengewinnung verwendet wird, ist der schönste und grösste aller Schmetterlinge, Attacus Atlass. Es spinnt einen grossen Cocon, welcher an beiden Enden oßen ist und viel Seide liefert, die als Fazara-Seide bekannt ist. In Ja[)an haben wir zunächst den Ailanthus-Spinncr,dann besitzt es auch den merkwürdigsten inid für die Zukunlt am meisten versprechenden Jamamai. Dieser produziert eine apfelgrüne Seide von holiem Glanz, welche hocli ge- ndustrie, Heft 6, S. 168-169.) schätzt wird, so dass sie lange Zeit ausschliesslich für den Gebrauch des Mikado reserviert wurde. Bis vor kurzem stand in Japan die Todesstrafe auf die Ausfuhr von Jamamaieiern. Die Kultur der wilden Seidenspinner in Europa ein- zuführen hat zuerst Frankreich versucht. Man sandte Leute nach China und Japan, Hess die Verhältnisse stu- dieren, brachte nicht ohne Gefahr Eier der Seidenspinner nach Eurojia und versuchte sie unter der Leitung von Guerin- Mineville zu accliniatisieren. Als besonders günstig wurde der Ailanthus-S])inner erachtet, man pflanzte grosse Alleen des Ailanthusbaumes im südlichen Frankreich und kultivierte den Ailanthus-Spinner mit be- friedigendem Resultat. Heutzutage wird auch in Süd- frankreich die Kultur des Jamamai-Spinners versucht, und es werden gerade auf diesen Spinner grosse Hoff- nungen gesetzt. Die Verarbeitung der in Frankreich vom Ailanthus- Spinner erhaltenen Cocons stiess anfangs auf Schwierig- keiten; die Rau]ie s]iann ihren Cocon weit unregel- mässiger als der Maulbeersiunner und man brachte es nicht fertig, den Ailanthuscocon richtig abzuhaspeln. Erst den Bemühungen von S. G. Lister in Bradford und von Thomas Wardle in Leek ist es gelungen, Methoden zur Verwertung solcher Cocons aufzufinden. Sie werden entweder durch vervollkommnete Maschinen gehaspelt oder äiuilich wie Wolle und Baumwolle vor- bereitet und gesponnen. Ein zweites Hindernis liei der Verwertung der 66 Der Naturwissenschaftler. No. 8. wilden Seide l)ildete die braune Farl)e des Fadens, welche durch Entschälen nicht entfernt werden konnte. Anfangs schlugen alle Versuche fehl, schliesslich wurde aber von Tessi6 de Mothay in der Behandlung der Seide mit Wasserstoffsuperoxyd ein Weg gefunden, um eine voll- kommen weisse Faser zu erzeugen. Die wilden Seiden besitzen heute eine bedeutende technische "Wichtigkeit, sie werden nicht mehr als Ersatz der Maulbeerspinnerseide verwendet, sondern dienen zu gewissen Artikeln, welche nur daraus gemacht werden können und für welche die echte Seide nicht zu ver- wenden wäre. Die wilden Seiden zeichnen sich durch grosse Elasticität aus. Ihr kurzgeschnittener Faden hat etwas mehr hnarartiges als derjenige der gewöhnlichen Seide und eignet sich vorzüglich zu Fellimitationen und Plüschen. Ferner verwendet man die wilden Seiden zu gewissen Stoffen, die man früher aus Indien einführte und die zu sogenannten Bastkleidern in grosser Menge benutzt werden. Eine interessante Anwendung besteht schliess- lich darin, dass man sie auf der Strickmaschine für ge- wisse Gewebe verarbeitet, die einen elastischen Faden erfordern. In letzter Zeit haben die Wirkmaschinen eine grosse Bedeutung gewonnen. Auf diesen Wirkstühlen kann man bunt gemusterte Stoffe erzeugen, inid wenn man bestimmte Drehungen vornimmt, springtnachherderStoffso zusammen, dass sich auch gewisse Keliefmuster ergeben. Kleinere Mitteil iiiii^-eii. Ein neues Sinnesorgan bei Lamellibranchiern hat Dr. Johannes Thiele in Berlin bei Area Noae in Form von zwei neben und etwas vor der Afterpapille hinter den Kiemen gelegenen gelblichen Papillen entdeckt. Diese ben haben etwa 1 mm im Durchmesser und sind von ovaler l'orm mit einem kleineren hinteren Fortsatze Nach der Afterpapille ziehen von ihnen schmale Hautfalten Diese abdomi- .nalen Sinnesorgane, wie sie Ihiele vorläufig benennt, werden durch einen Nerv versorgt, der sich von dem mittelsten der von den Vis- ceralganglien nach hingen ziehenden Nerven abzweigt Derselbe bildet unter dem Organ ein kleines Ganglion, von welchem die einzelnen Nervenfasern sich nach den ^inneszelien erstrecken. Äehnliche Sinnes- organe hat Thiele bei dem mit Area nahe verwandten Pectuneulus, sowie bei den meisten der mit, einem ofieneu Mantel versehenen Avi- culiden, Pectiniden und Oi-treiden gefunden. Bei diesen liegen sie jedoch meistens auf den Hauttältchen, die von der Afterpapille aus- gehen Die nenentdeckten l'aiiillen sind nicht retraclil. l'biele stellt weitere Untersuchungen in Aussicht. (Zool. Anz. Nr. 2.')7, S. 413— 414 ) Ueber ein nenes, besondern gerühmtes Bleichmittel für organische Stoffe berichtet che ,,Ph Centralh."; es ist das mangan- saure Blei. Das mangansaure Blei, ein chokoladenbraunes Pulver Pb lln Oj, besitzt in neutraler, alkalisch oder schwacbsaurer Lösung die Eigenschaft, wie Wasserstoflsuperoxyd Sauers' ofl' Hizugeben und dadurch bleichend zu wirken, ohne Zerstörungen zu verursachen Diese Wirkung beruht darauf, dass es durch Abgabe von Sauerstoü zu Pb Mn Ü3 wild, welches eine unlösliche Verbindung ist. So werden die gebleichten Flüssigkeiten nicht verunreinigt, da die auf dem Boden zurückbleibenden Hesidua durch Filtrieren etc. entfernt werden können und keine Spur von Blei an die Bleichfliissigkeit ab- geben. Die Anwendung des mangansanren Bleis ist folgende: Man verreibt es mit Wasser zu einem dünnen Brei und trägt diesen portions- weise in die kochende Bleichflü?sigkeit und zwar so lange, bis eine herausgenommene und filtrierte Probe die gewünschte Wirkung zeigt. Besonders passend ist dit-s Bleichmittel für Leimlöaungen, Lohbrühen, Fxtraktlösungen , desgleichen als Oxydationsmittel zur Darstellung gewisser chemischer Präparate z B. i!es Ferrocyankalium. Die Vorzüge des mangansauren Bleis als Bleichmittel s.llen darin bestehen, dass es billiger als WasseistoÖsuperoxyd, von gleich kräftiger Wirkung ist wie dieses, aber viel haltbarer, die Flüssigkeiten nicht verunreinigt, milde wirkt, die Flüssigkeit in ihren Grundbestandteilen nicht zer- stört und in seineu Rückständen wieder Verwendung finden kann. ■_ ^ — K. Dr. O. Meyer formuliert in einem Aufsatz über die eoeänen Mollusken von Tacksou, Missisippi (im Bericht d. Senckenb. Gesellaoh. 1687) seine Ansichten über die Entwicklung der Arten wäh- rend der Tertiärzeit in folgender Weise: ,,1. Es ist eine That- sache, dass in verschiedenaltrigen aufeinanderfolgenden Schichten des Alttertiärs bald dieselbe Art unverändert wiederkehrt, bald die- selbe Art in Varietäten auftritt, bald sehr nahe verwandte Arten auftreten 2. In »llen drei Fällen ist direkte Abstammung die wahr- scheinlichste Verwandtschaftsbeziehung. 3. Im Zusammenhang hier- mit niuss die Thatsache betont werden, dass vom ä testen Eocän an die warmen Tertiärformen denjenigen der Jetztzeit immer ähnlicher werden In Verbindung mit Obigem kann dies wohl nur so gedeu'et werden, dass sich die jetzigen marinen Formen allmählich aus den alteocänen entwickelt haben. Bei fortschreitendem Sammeln wird es immer mehr möglich sein, die jetzigen marinen Formen bis in das Eocän zu verfolgen, und betrachte ich dies als eine der Haupt- aufgaben der Tertiäiforschung". Hinzuzufügen wäre wohl noch, dass die Entwicklung durch die verschiedenen Abteilungen des Tertiär hindurch durchaus nicht an derselben Lokalität und nicht einmal innerhalb desselben Formengebietes erfolgt zu sein braucht, wodurch sich neben der genauen Speciesforschung die Wichtigkeit des genauen Studiums der geographischen Verbreitung von selbst ergiebt. Ko. Ueber die Gefahren des Tabakraachens hat H. Sellden einige inteiessante Beobachtungen gemacht, welche wir nach der „niediz -chirurg Kundschau" mitteilen. Tabakrauch besteht nach Hichardpon aus Wasserdämpfen, Kuss in äusserst kleinen Partikelchen, einigen gasförmigen Am moniakverbindurgen, Kohlensäure und Kohlen- oxyd und unreinem Nikotin, gleichfalls in Gasform. Ausserdem finden sich dariu orgauitche Säuren (Essig-, Ameisen-, Butter-, Vwlerian-, Blausäure' netst Kreosot, einigen CH-Verbinduogen und Oelgasen. Der Hubs macht die Zähne und das Zahnfleisch missfarben; das Am- moniak vei sengt die Zunge, rei?t die Speicheldrüsen und wirkt zer- setzend auf das Blut. Kohlensäure und Kohlenoxyd bewirken Müdig- keit, Koplscbnierzen und unregelmässige Herzaktion, IJuskebittern und Erbrechen. In dieser letzten Wirkung werden sie vom Nikotin kiättig unterstützt. Die flüchtigen Verbrcnnungsprodukte beengen die Kespiration und bringen jenen eigentümlich unbehaglichen Zustand hervor, den wir bei des Rauchens ungewohnten Personen beobachten. Die bitteren Extraktivstofle endlich bedingen den ab- scheulich scharfen Geschmack, den jeder, der eine unsaubere Pfeife einmal gebraucht, kennt. Die schwereren Symptome der Tabake- Intoxikation gleichen ganz denen des Opiums und des Chloroforms: auf die motorischen Nerven als Irritens, auf die sensiblen als Narko- tikum. Man bat gesagt, dass die Pfeife die unschuldigste Form des Tabakgennsses wäre. las ist richtig, wenn man das türkische „Nar- gileh" oder den orientalischen „Horkah" meint; der Rauch wird in ihnen abgekühlt teils durch die vielen Schlangenwindungen, teils durch das kalte Wasser und kommt so gereinigter in des Rauchers Mund. Kurze Pfeifen sind natürlich äusserst schädlich; auch die lange Pfeife hat den Nachteil der schweren Reinigung. C'igarren sind nach des Verfassers Ansicht, wenn man die nötige Vorsicht dabei beobachtet, am wenigsten gefährlich. Die zu beobachtenden Regeln sind: 1. Rauche stets in freier Luft und massig, d. h. höchstens eine Ci- gaire täglich. 2. Rauche Cigarren aus möglichst trockenem, alten, feinen Tabak. Diese enthalten am wenigsten Nikotin und am wenigsten Beimischungen, wie sie die ordinären Sorten jetzt haben, von Mohn, Bilsenkraut und Stechapfel, von den Chemikalien ganz zu schweigen 3. Hauche stets aus einer Spitze, je länger desto besser. 4. Rauche die Cigarre nicht bis zum letzten Stumpf und — qualme nicht. 5. Spüle nach dem Rauchen den Mund mit Wasser und 6. vor allen Dingen rauche keine Cigaretteu. K. Fragekasten. H. E. in W Wie ist folgende Erscheinung bei einem Baume zu erklären ? Auf dem alten Kirchhofe zu L. steht eine Linde, welche bis zu einer Höhe von 2 m einen Umfang von 87 cm, dann aber bis zum ersten Aste, der von hier ab in 26 cm Entfernung entspringt, fast den doppelten Umfang hat, nämlich 160 cm; ausserdem zeigt die Hauptaxe des Baumes über dem ersten Aste einen grösseren Umfang, als ihn der untere Stammteil besitzt. Zwischen dem unteren dünne- ren und dem oberen dickeren Stamme befindet sich ein wulstförmiger Uebergang, der Querrisse zeigt. Die Rinde des unteren Teiles ist rissig, die des oberen glatt; überhaupt zeigen die Krone sowie die Rinde des oberen Stammes und der Aeste das üppigste Aussehen, nur sind im Laufe der letzten Wochen mehrere Aeste dürr geworden. Es fehlt dem Baume weder an Luft noch Licht, so dass nicht etwa ein gedrückter Stand die Ursache des DUrrwerdens ist. Bekanntlich haben wir in der Pflanze zweierlei verschiedene Säftebewegungen, einen emporsteigenden Strom der durch die Wurzel aufgenommenen Nahrungsstoöe und einen niedersteigenden Strom der durch die Blätter assimilierten Stofl'e. Der erstere steigt in dem Holze nach oben, der zweite in der Rinde nach unten. Höchst wahrscheinlich ist der obige Baum vermittel» eines Drahtes oder Seiles angebunden gewesen, damit er grade in die Höhe wachse. No. 8. Der Naturwissenschaftler. 67 und es konnte infolgedefsen der heraijsteigende Strom nur bis zu der umbundenen Stelle hinabsteigen. Der untere Teil des Baumes musste demgeniäss im Dicken Wachstum znrückbleiben Dasselbe beobachtet man noch besser bei der Anlage des sogenannten Zauber- ringes. Schneidet man an einem Baum aus der Rinde einen King heraus bis auf das Holz, so dnss die oberhalb und unterhalb des- selben liegenden Teile der Rinde nicht mehr in Veibindunir stehen, so zeigt sich, dass der Baum vorläufig tortvegetiert, dass aber die Ernährung des oberen Teiles gefördert, die dts unteren Teiles da- gegen gebindert ist, und dass infolgedessen die Wurzel und damit auch der ganze Stamm absterben, falls der Kingelscbnitt am Haupt- stamm angebracht worden ist. ilaclit man den Schnitt an einem Aste, so tbut dieses de-.u Baume keinen Schaden, da die Kommu- nikation mit der Wurzel nicht unterbrochen ist; es entwickelt sich dann jener Ast ganz besonders üppig und tiägt die besten Früchte, da ja alle von seinen Blättern assimilierten NährstoflFe, die sonst dem ganzen Baume zu gute kommen würden, in ihm zurückgehalten werden. Das Absterben einiger Aeste dts Baumes ist vielleicht der Anfang des Absteibons des ganzen Baumes. Dr. H. F. K. in M. i. W. Für freundlichen Brief mit Einlage besten Dank. Sehen der Zusendung des in Aussicht Gestellten entgegen und bitten Sie im Kie'se Ihrer Freunde und Bekannten ferner lür den Naturwissensehattler wirken zu wollen. Dr. A. B. Trier. Die gewünschten Pflanzenpressen mit Fxcur- sionsmappen bezieben Sie am besten von Rieh Henuing in Erlangen. Preisliste nebst Gebrauchsanweisung erhalten Sie von dort gratis und franko. Lehrer Sp. in B. Für Ihr freundliches Interesse bestens dan- kend, sehen wir Ihrer Besprechung unserer Wochenschtift in einem württembergischen Schulblatte entgegen. Hnssong, Neunkirchen, ßeg.-Bez. Trier, Ihrem Wunsche BoU Rechnung getragen werden. Auslührlicbe Beantwortung der Frage folgt in einer der nächsten Nummern. Mitarbeiter in Dresden. Besten Dank für freundliche Ueber- aendung und die Mühe, welche Sie sich um das Bekanntwerden des Naturwisssenschaftlers geben. Wir bitten um Ihr ferneres geneigtes Wohlwollen. Astronomischer Wochen-Kalender vom 20. bis 27. November 1887. Sonnen-Ephemeride. Tag and Datum. m 3 Deklin •5-g a d < a M i1 ^1 S 5 St. M. M. S. U. M. U.M. St. M. U. M. ü. M St. M. S. 20. 238« 15. 42 — 19041' -14.16 7.32 3. .59 8.27 6.50 4 41 15.57 M. 21. 239» 46 -19055' -14. 1 34 57 23 D. 22. 2400 51 —200 8' — 13.45 36 56 20 M. 23. 24 If 55 —200 21' —13.29 37 55 18 6.54 4.3« 16. 8 D. 24. 242" 59 -200 33' — 13. 12 39 54 15 F. 25. 243" 16. 3 — 2b0 46' -12 54 41 53 12 S. 26. 244» 8 -20c 57' -12.35 42 52 10 6.59 4.35 1«. 2Ü S. 27. 245" IS —210 8' —12.16 44 51 7 Moud-Ephemeride« Monats- und Jabreatag. s. 20. 324 M. 21. 326 D. 22. 326 M. 23. 327 D. 24. 328 F. 26. 329 S. 26. 330 S. 27. 331 S 3 § 3 J. M. St. M. 4.42 Nm 20.39 531 „ 21.33 6.18 „ 22. 23 7. 2 „ 23. 12 7.45 „ 23.58 8.26 „ 0.44 9. 8 „ 1.30 9.50 „ 2.16 Deklin. — 17058' —150 18' —11" 58' — 8« ir — 40 7' -1- 00 6' + 40 18' + 80 21' U. M. 0.17Nm 051 „ 1.19 „ 1.42 „ 2. 3 „ 2.23 „ 242 „ 3.2 „ Untergang. U. M. 9.11Nm 10.18 „ 11.25 „ 0.31 Vm 1.36 „ 2 41 „ 3.46 „ Parallaxe. 8,2178 8,2017 8,1966 Erstes Viertel 22. Novbr. 1 1 U. 37 M. Vm. ; Brdferne 56. Novbr. 10 ü. Vm. Wir kommen zum letzten Teil unserer Gebrauchsanweisung, nämlich zur Umrechnung der für Berlin angegebenen Auf- und Unter- gänge von Sonne, Mond und Sternen auf andere Orte. Die Formel: cos. t =: — tan q) tan rf, in welcher t der halbe Tagebogen, 6 die Deklination des Sternes, (f die eeogr. Breite ist, lässt erkennen, dass lör südliche oder negative d der Halbtagebogen in unseren Breiten kleiner als 90" oder als —900 einen 6 Stunden, für^inördlichecJ aber grösser als 6 Stunden ist; für d grös- ser als 90" — wird der Stern cirkumpolar, für <)' kleiner alSf/, — °"0 wird er unsichtbar. Gelteu t und m für Berlin, t' und w' für'^ei anderen Ort, so ergibt sich: COS. t' : COS. t = tan (f : tan (f, log. COS. t' = log. COS. t + [log. tan ff' — log. tan (f]. Hat man daher lür alle in Betracht kommenden Deklinationen, etwa von -)-30" bis — 30°, die log. cos. t für Berlin berechnet, so biauchen letztere nur um die eingeklammerte Grösse vermehrt zu werden, wenn man sie auf einen anderen Ort umrechnen will . Es ist z B (Y)'-iürStrassburg = +4>4"35',ylog. tan rt)=0,05446; «.für Berlin=:^ -f520 30' 16' 7, log. tan y = 0,11509; [log. tan (f -log. tau «)] = 9,93937 —10, um welche Grösse also sämtliche Logirithmen der Tafel zu vermehren sind, um sie für Strassburg umzurechnen. Aus jenen Logarithmen ist nuu toder der halbe Tagebogen für Berlin in der Tafel berechnet, und ebenso lässt er sich aus der reduzierten Tafel für Strassburg oder einen beliebigen anderen Ort berechnen. So findet man für d = -23". log. cos. t = 9,74294—10 [log.tany'-log.tary] =; 9,9:^937-10 log. COS. t' 9,68^31- 10=log. cos. 6I0 14' 15" = log. cos. 4 St. 4 M. 57 Sek. und da t = 3 St. 45 M. 38 Sek, so ist t'— t = -hl9 M. 19 Sek. Diese Korrektion t' — t, die man leicht in Tafeln bringen kann und die für entijegengesetzt gleiche (J entgegengesetzt gleich wird, hat man d mn einfach, wenn sie positiv ist, zur Zeit des Untergangs zu addieren und von der Aufgan jszeit zu subtrahieren; wenn sie negativ ist, umgekehrt. Freilich sind die berechneteu Aut- und Untergänge auch vjn Refraktion und Parallaxe abhängig, doch kann man innerhalb Deutschland einen gleichen Eiuflnss dieser Korrektionen auf die Tage- bogen verschiedener Orte ohne allzu grossen Fehler annehmen. Hingegen muss man beim Monde beide Zeiten in gleichem Sinne um die inzwischen eingetretene Kektascensions-Aenderuug verbessern. — Die Korrektion t— t gilt mit grosser Annäherung auch für Tagea-Anbruch und Tages- Ünde. Halbtagebogen für die Breite von Berlin. (-1-520 30' 16", 7.) &' log. cos. t t t log. cos. t 6' +50 9,87653 n 9 St. 15 M 15 Sek. 2 St 44 M. 45 Sek. 9,87653 -30 -1-29 9,85884 „ 9 „ B „ 3 „ i „ 54 ,. 57 „ 9,85884 -29 -h28 9,84076 „ 8 „ 65 „ 29 „ 3 „ 4 „ 31 „ 9,84076 -28 -1-27 9,82226 „ 8 „ 46 „ 28 ,. 3 „ 13 „ 32 „ 9,H2226 -27 -h2ri 9,80327 „ 8 „ 37 „ 54 „ 3 „ 22 „ 6 „ 9.80327 -26 -H25 ;i,78d7b , 8 -, i9 „ 43 „ 3 „ 3u „ 17 „ 9,7ao76 -xb +24 9,76367 „ 8 M 21 „ 53 „ 3 „ 38 „ 7 ., 9,76367 —24 +i3 9,74294 „ 8 „ 14 „ 22 „ 3 „ 45 „ 38 „ 9,74294 -23 -1-22 9,7a. 50 „ 8 „ 7 „ 7 „ 3 „ 52 „ 53 „ 9,72150 -22 +21 9,69927 ,. 8 „ „ 5 „ 3 „ 59 ,. 55 „ 9,69927 —21 -1-211 9,67616 „ 7 „ 53 ,, 17 „ 4 „ 6 „ 4d „ 9,b7blb -20 + 19 9,65106 „ 7 „ 46 „ 24 „ 4 „ 13 „ 36 „ 9,65106 -19 -fl8 H,62678 „ 7 „ 40 „ 14 „ 4 „ 19 „ 46 „ 9,62687 -18 + 17 9,60043 „ 7 ,. 34 „ 56 „ 4 „ 26 „ 4 „ 9,60043 — 17 -1-16 9,!S7259 „ 7 „ 27 „ 47 „ 4 „ 32 „ 13 „ 9,57259 — 16 + 15 9,54514 „ 7 „ 21 „ 46 „ * ., 3« „ 14 „ 9,.'543i4 -15 + 14 9,-51186 „ 7 „ 16 „ 51 „ 4 „ 44 ., 9 „ 9,51186 —14 +ia 9,47845 „ 7 „ 10 „ 3 „ 4 „ 49 „ 57 „ 9,47845 -13 + 12 9,44256 „ 7 „ 4 ,. 20 „ 4 „ 55 „ 40 ,, 9,44256 -12 + 11 9,40374 „ 6 „ 58 „ 42 „ 5 „ 1 ,. 18 „ 9,40374 — 11 +10 9,86141 „ 6 „ öi „ 9 „ 5 ,. 6 „ 51 „ 9,36.41 -10 + 9 9,31480 „ 6 „ 47 „ 39 „ B „ 12 „ 21 „ 9,31480 - 9 + 8 9,'>6289 „ 6 „ 42 „ 13 „ 5 „ 17 „ 47 „ 9.26189 - 8 -h 7 9,20423 „ 6 „ 38 „ 50 „ 5 „ 23 „ 10 „ 9,20423 — 7 -4- ti 9.13671 „ 6 „ 31 „ 30 „ 5 ,. 28 „ 30 „ 9,13671 - 6 + 5 9,Uö7u4 „!6 „ 2Ö ., 11 ,. 5 „ 33 „ 49 „ 9,0571.14 - 5 + 4 8,9R973 „|6 „ 20 „ 55 „ 5 „ 39 „ 5 „ 8,95973 - 4 + 3 8 83449 „ 6 „ 15 ,. 40 „ 5 „ 44 „ 20 „ 8,83449 - 3 + 2 ■^,668 17 „ 6 „ 10 „ 26 „ 5 „ 49 „ 34 „ 8,65817 — 2 + 1 8,35701 „ 6 „ 5 „ 54 ., 5 „ 54 „ 6 .. 8,35701 — 1 — 00 6 St M. OSek. 6 St AL. U Sek. — 00 Planeten: Merkur wird zu Ende der Woche in der Morgen- dämmerung sichtbar sein. Seine Konjunktion mit Jupiter am Morgen des 23 dürfte nur unter sehr günstigen Umständen sichtbar sein. Am 27. geht er 5 Uhr 56 Min morgens auf ((J = — 140 39'); er befindet sich rückläufig, nach dem 27. rechtläufig in der Wage. — Venus, unverändert rechtläufig in der Jungfrau, geht Mittwoch 3 Uhr 5 Min. morgens auf (ß = —4» i3); ein Sterncheu 6. Grösse, das am 24. etwa zwei Mondbreiten weit unter ihr steht, ist Uranus. — Mars bleibt rechtläufig im Bilde der Jungfrau. Aufg.ang am Morgen des 23. um 1 Uhr 3 Min. ((J = +i° 31'). — Saturn geht Mittwoch Abend 8 Uhr S8 Mia. aut (d = +19" 1'); Ort fast unverändert. Der 27. November ist der Jahrestag der mächtigen Meteor- Schauer von lo72 und 1886. J. F. 68 Der Naturwissenschaftler. No. 7. Litteratur. Winke für Natnraliensammler Herausgegeben von Emil Fischer. Verlag von Oskar Leiner in Leii.zig Preis 40 Pfg. Vor- hegendes kleine recht zei'gemässe Werkchen bringt iu gecliängter Form alles das, was derjenige zu beohnchteu hat, welcher sich mit dem Sammeln von Pflanzen, Käfern, Schmetterlingen und Mineralien beschältigt, giebt gleichzeitig kur>e Anleitungen, wie die betreuenden Objekte am besten für die Sammlung präpHriert und diese letztern selbst am zweckmäfsigsten eingerichtet werden Allen Eltern, welche ihien Kindern eine gute Anleitung zum Sammeln von Naturgegen- ständen aller Art geben wollen, sei dieses praktische und wohlleile, elegant ausgestattete Büchlein angelegentlichst empfohlen. Arnold, C, Repetitorium der Chemie. 2. Aufl Geb. Preis B Mk Leo] cid Voss in Hamburg. Bibliothek der gesamten Naturwissenschaften. Hri'g. von 0. Damnier. 18. Ltg. Preis 5U Pfg Otto Weisert in Stuttgart. Bock, C. E., Hand-Atlas der Anatomie des ileuschen. 7. Aufl., umgearb. etc. v. A. Brass. 2. Halbhft. Jlit ti Taf. Preis 1 Mk. 50 Pfg. Henger'sche Buchh. in Leipzig. Branu, H., u. T. P. Uanansek, Lehrbuch der Materialien- kunde des Ihier-u. Jlineral reiches auf naturgeschicht- licher Grundlage. JMit lUustr. Preis 2 Mk. 5ö Pfg. Altred Holder in Wien. Detmer, W., Das pflanzenphysiologisohe Prakti kum. Mit Holznchn. Preis 8 Mk, geb. 9 Mk. Gustav Fischer in Jena. Encyhiopädie der Naturwissenschaften. 2. Abih. 46 Lfg. Handwörterbuch der Chemie. 26 Lfg. Subskr.-Preis 3 Mk Eduard Trewendt in Breslau. Haberlandt, G., Ueber die Beziehungen zwischen Funktion u. Lage d. Zellkernes bei den Pflanzen. Mit 2 Taf. Preis 3 Mk. 60 Pfg. Gustav Fischer in Jena. Lehrbuch der speciellen Methodik. Hrsg. v Zenz. 7. Bdchn. Inhalt; Methodik d. naturgeschichtlichen Unterrichtes. Von W. Zenz. Mit lllustr. Preis 56 Pfg Alfred Holder in Wien. Lorscheid, J., Kurzer Grundriss der Mineralogie. Sep.- Abdr. aus der 11. Aufl. d. Lehrbuchs der organ Chemie. Mit lllustr. Preis 40 Pfg. Herder'sche Verlagshdig iu Freiburg i B Lorscheid, J,, Lehrbuch der organischen Chemie m. e. kurzen Grundriss der Mineralogie 11. Aufl, bea'-b. v. H Hovestadt. Mit lllustr. Pieis 4 Mk., E nbd 50 Pig Herder- sche Verlagshdig in Freiburt; i. Ü. Mitterejürger, J.. Leitfaden der Naturlehre für landwirt- schaftliche Schulen. Preis 2 Mk. Alfred Holder in Wien Muspratt's theoretische, praktische u. analytische Chemie in Anwendung auf Künste u Gewerbe. Encyk opädiscbes Handbuch der technischen Chemie v. F. Stohmann u. B. Kerl. 4 Aufl 1. Bd. '29 u. 3(1 Lfg. Preis a Lfg. 1 Mk. 20 Pfg. Friedrich Vieweg & Sohn in Braunschweig. Phllippi, R. A., Die tertiären u. quartären Versteinerun- gen Chiles Mit 5S lith. Taf In Mappe l'reia 7U Mk. F. A. ßrockhaus in Leipzig Piiiner, A, Kepetitorium der anorganischen Chemie. 7. AqU. Preis 7 Mk. 50 Pfg., geb. 8 Mk. Robert Oppenheim in Berlin Flosa, H., Das Weib in derNatur- n. Völkerkunde. Anthro- pologische Studien 2. Aufl Nach dem Tode d Verf be;irb. u. hrsg V. M Bartels 9. Lfg Preis 2 Mk. 40 Pfg. Th. Orieben's Veilag in Leijizig Urbanitzky, A. Kitter v.. Die Elektricität des Himmels u. der Erde 1. Lfg. Mit lllustr. Preis 60 Pfg. A Hartleben's Verlag in Wien. Wandtafeln für den naturgeschichtlichen Auschaiuings- Unterncht an Volks- u. Bürger-chulen auf Grundlage der Lesebücher, bearb. v. A Hartiuger. 1. Abth Zoologie. 11. Lfg Fol Preis 8 Mk ; auf Pappe, gefiinisst und mit (Jesen 12 Mk. Carl i'erold's .-0!jU in Wien. Ziiumerinann, W. F. A., Naturkräfte u Naturgesetze. 9. Lfg. Preii 50 Pfg F. Dümmler's Verl -Buchh. in Berlin. — , Wunder der Urwelt. Suppl 93. u 94. Ltg Preis ä Lfg. 50 Pfg. F. Dümmler's Verl.-Buchb. in Berlin Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir obige Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes lialten wir uns bestens empfohlen, Berlin S.W. 48. Die Kxpedition des „iVatnrwissenschaftler." Inserate, nameutlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalisclien etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Eücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. SV Für den Inhalt der Inserate sind wir iiiciit verantwoei Beobachtungen an Ort und Stelle a\issetzen müsste, und noch dazu der fortwährenden Fuicht, durch einen Zufall die ganze Frucht seiner Mühen einzubüssen. Die Untersuchung der Entwicklungsgeschichte tropischer l/andschnecken luid Erdwünner, die noch in völliges Dunkel gehüllt ist, wird bei uns möglich gemacht; die Kenntnis der früheren Entwicklungszustäude zahlloser exotischer Insekten kann gefördert werden, sofern mau nur die Eier derselben bekommen kann — und wie leicht das ist. zeigen uns 70 Der Naturwissenschaftler No. 9. »lif .Sclimettprlingszücliter jeden Tat;, und sie zeigen nnch seit langem, mit wie einfachen Apparaten die Arlieit getlian Avcrden kann. Leider l)eschränkt sich die Thätigkeit der meisten Besitzer solcher Insekfenterrarien hauptsächlich darauf, einmal v('>llig intakte Exemplare für ihre Sammlung zu erhalten mid dann noch von seltenen Arten möglichst giosse Mengen für den Tausch oder Verkauf zu erzielen, l'nd doch können diesen Lieb- habern wissenschaftliche Aufgaben gestellt werden, welche sie mit geringer Mühe lösen kc'innten. Um bei den Schmetterlingen zu bleiben, deren Zucht ja am meisten betrieben wird, .so kennt man bereits eine grössere Zahl von Fällen, in denen die Nahrung dei- Kaupen den tiefgreifendsten Einflnss ausübt auf die Färbiuig der Schmetterlinge; fütteit man ilie Raupe d(;r Arctiacaja, des Bärens))iiuiers, mit Nussblättern, so wird der Schmet- terling, der zu den buntesten unserer Fauna gehört, einfarbig schwarzbraun. Nun giebt es besonders unter den Kleinschmetterlingen eine Menge von Formen, die von den Systematikern als „gute" Arten unterschieden werden, häufig auf Giund ganz minutiöser Unterschiede; dabei variieren diese Arten sehr stark. Da wäre es nuu in hohem (irade verdienstvoll, wenn Sclnnctterlingszüchter sich daran machen wollten zu untersuchen, oli es nicht »ijelingt, aus Eiern der einen Art durch Fütterung der Kaupen mit anderen Pflanzen Exemplare einer andern sogenannten guten Art zu erzeugen. Da beicits durch solche Versuche manche gute Art sich als \'arietät erwiesen hat. SU darf man wohl noch öfter auf Erfolg rechnen, und derartige Beobachtungen sind für die Descendenz- theorie von ausserordentlicher Wichtigkeit: sie zeigen direkt den grossen Einflnss äusserer Agentien auf die Organisation der Tiere und die Struktur ihrer Teile, der geiade in neuerer Zeit von verschiedener Seite als geringwertig angeschlagen oder geradezti veineint wird. Eine andere Beobachtung ist die über die parthenogenetische Fort|itlanzunggewisserSchmetterlinge, deren Weibchen ent- weder ganz flügellos sind oder ein beschränktes Flugver- mögeu haben. Diese besitzen die Fähigkeit, auch ohne Befruchtung Eier zu legen, a\is denen Räupchen aus- schlüpfen: diese Fähigkeit ist auch von andern Insekten wohl bekainit, und soviel man weiss, resultieren aus solchen unbefruchteten Eiern immer nur Individuen eines und desselben Geschlechts, üb das auch bei jenen Schmetter- lingen der Fall ist, und ob die aus unbefruchteten Eiern sich allenfalls entwickelnden Weibchen im Stande sind, sich abermals parthenogenetisch fortzujiflanzen, oder ob mau durch besondere Ernährung der Ranpen einen Ein- flnss gewinnen kann auf das Geschlecht der Nachkommen, das sind Plagen von höchstem Interesse für die in neuester Zeit viel ventilierten Theorien von der Vererbung. Hier sind Gebiete zu bearbeiten, wozu dem Zoologen leicht das Material von seifen der Naturfreunde geliefert werden kann, wemi es niu- gelingt, denselben bei ihren Lieb- habereien das Interesse für solch wichtige Angelegen- heiten einzuflössen. (Fortsetzung folgt.) Die AtmosphUrc und die Erscheinungen in derselben. Eine tägliche Abwechslung in der Windrichtung finden wir an grossen Küstengebieten und in Gebirgen: in den ersteren haben wir das Spiel der l^and- und See- winde, in den letzteren das der Berg- und Thalwinde. Die Erklärung dieser Erscheinungen folgt aus den vor- hergehenden Anschauungen. Das Land ninunt die Wärme rascher in sich auf und strahlt dieselbe auch wieder schneller aus als das Wäs.ser. Durch die Erwärmung am Tage werden auf dem Lande die untern Luftschichten aufgetrieben und heben dadurch die obcrn enijior. Es entsteht ein .Vbfliessen der oberu Schichten nach dem Meere zu und infolgedessen wegen erhöhten Drucks wieder ein Zufliessen der unteren Luft nach dem Lande, der Seewind. Derselbe beginnt nicht direkt am Lande, sondern weiter in die See hinaus. In waiinen Küsten- strichen, wo die Land- und Seewinde häufig sehr stark ausgeprägt sind, hat man diesen Voigang oft beobachtet. Es zeigen sich weit draussen zuerst kräuselnde Wellen, welche allmählich dem Lande näher konunen und mit der wachsenden Erwärmung und infolgedessen stärkeren Luft- cirkulation an Stärke und Grösse zunehmen. Während der Nacht findet die umgekehrte Bewegung statt. Durch die Abkühlung wird die Luftsäule über dem Lande nie- driger, es erfolgt ein Abströmen der obern Seelult und unten ein Zuströmen der Landluft nach dem Meere, in der Nacht herrscht Landwind. Der Seewind beginnt zwischen 9 und 10 Vhv morgens, die umgekehrte Be- Von L. Boysen. (Fortsetzung.) weguug etwa lun Mitternacht. Bei der Umkehrung ist Windstille, in den Tropen die schlimmste Zeit des Tages. Der Landwind wird in tropischen Gegenden, als Miasmen tragend, gefürchtet. Der Seewind eireicht an manchen Orten eine grosse Stärke, so z. B. in Valj)araiso. Die Höhe dieser ganzen Luftbewegung ist relativ gering. Mit einem Ballon captif hat man beobachtet, dass die Bewegung des Seewindes bis ca. 150 m ging, von 150 bis 200 tu herrschte Windstille, darüber bis ca. 350 m ein Abflicssen der Landluft zur See. Eine ähnliche tägliche Periode haben die Berg- und Thalwiude. .\ni Tage erwärmt sich mit em))orsteigender Sonne die J^uft im Thale und an den Gehängen der Berge, es entsteht ein horizontales Abflicssen der oberen Luftschichten zum Berge, zu gleicher Zeit aber am Ge- hänge sel))st ein vertikal nach oben strebender Luftstrom. Die Koud)ination beider Bewegungen ergiebt einen längs dem Herggchänge nach oben wehenden Wind, den Tag- wind oder Thalwind. Derselbe ist besonders stark in den Verengungen der Thäler, den Klannns etc. Des Nachts findet ein Zusannnensinkcn der Luftsätile und daher die umgekehrte Bewegung statt, es entsteht der Nachtwind, auch Berg- oder Oberwind genannt. Derselbe ist kalt und trocken, weil er aus höheren und kälteren in die tieferen und wärmereu Regionen weht. Besonders stark aus- geprägt ist die Erscheinung des Berg- und Thalwindes, wo einSee iniThale liegt, am grossartigsten undregelmässigsten No. 9. Der Naturwissenschaftler. 71 entwickelt in Tibet. Doch aucli hei uns, namentlich in den Alpen, dem Tanntis nnd anderen (iebirgen, ist dieser Vorgang sehr gut /u heohachten. l)ie Oberflächen- gestaltung wirkt hier be^-ondcrs mit. Enge, von hohen und steilen Felswänden eingeschlossene Nehenthäler, welche nur kurze Zeit des Tages oder gar nicht von der Sonne erwärmt werden, senden häufig kalte Winde in das von der Sonne durchwärmte Ilauptthal. So stürzt aus dem Taunus der kalte Wisperwind zuweilen in das viel wärmere Kheinthal. In gebirgigen Küstengebieten komplizieren sich die Berg- und Thalwinde mit den See- und Landwinden. Die bisher erwähnten Winde zeigten in ihrem Auf- treten eine grosse Kegeluiässigkeit. Anders wird die Sache, wenn wir luis südlich nnd nhiTn Breiten. Abgeseiien von den beiden grossen Ivegionen hohen Tjuftdrucks, welche auf den Oceanen (.lie Passate heivorrufen, finden wir nördlich hiervon in unseren.i Winter folgende Verteilung: Ueber den beiden Oceanen, dem atlantisciien nnd dem pacifischen, befinden sich im Norden grosse Gebiete niedrigen Luftdrucks, Depressionen. Von diesen beiden hat das nordatlantische Minimum für uns die grösste Wichtigkeit. Im nördlichen Teile des Atlantischen Oceans bilden sich, wohl hauptsäch- lich durch den warmen Golfstrom hervorgenifen, fortwäh- lend Depressionen. Dieselben bewegen sich vorwärts und zwar fast immer nach Osten, weil sie von Westen ausgefüllt werden. Geht nun ein solches Minimum von Nordengland über Skandinavien nach Osteuropa hinein, so haben wir in Deutschland folgende Windrichtung zu verzeichnen: zuerst Ostsüdost, dami Südost, Süden, Südwest, Westen und endlich Nordwest. Bei uns ist also der gewöhnliche Verlauf des Windes so, dass er sich mit der Sonne von Osten über Süden nach Westen und Nordwesten dreht. Nimmt das Minimum aber einen A\ eg von Norden nach Süden an der AVestküste Europas entlang, so wird die Drehimg der Windrichtung in Europa die entgegenge- setzte. Durch den gewöhnlichen Gang des Minimums im Norden von Europa erhält also ein grosser Teil dieses Erdteils vorwiegend südliche und südAvestliche warme Winde. Diese sind selbst noch in Russland und West- Sibirien vorherrschend, nehmen jedoch nach Osten hin an Wärme und Feuchtigkeit ab. (Fortsetzimg folgt.) Aristotelia Maqui aus Chile Von Dr. C. Ochsen ins. Aus (leschätt^kreisen wird zur Lage des Weinhandels lt. a. geschrieben, dass die massenhaft in Deutsdiland ein- geführten französischen Rotweine unmöglich Traubenblut sein können. Als Beweis wird neben dem durch die Reblaus seit 25 Jahren verursachten Ausfall der Produk- tion in Frankreit'h auch noch angeführt, dass man dort aus andern Mittelmeerländei'n grosse Mengen von Land- bekannte Art den Vulgärnamen tler Frucht als Species- bezeichnung. Die Gattung vereint die beiden Familien der Tiliaceen und Elaeocarpeen (nach Gay's Auflassung). Der Typus des Maipiistrauches ist der eines schlan- ken und etwas schmalblättrigen Exemplars unserer Ahl- kirsche (Prunus Padus). Astwinkel, Stamnifarbe, Stärke, Höhe des Strauches, auch Form, Grösse und Randung weinen verarbeite luid zu deren Färbung MaC(Ue, eine j der Blätter sind bei Ijeiden Gewächsen sich sehr ähnlich: chilenische rote Fä rbepflanze, die jetzt in bedeu- j nui' ist die Belauliung des Matpiis mit nickenden Blättern teiiden (Quantitäten dazu von driilien bezogen wiirde. j lichter, und sein Habitus etwas weitschweifiger, anwende. ' In den Gegenden, die seiner Entwicklung günstig Es heisst da auch: „Die Franzosen sind uns in der sind, d. h. in dem mittlem Teil seines Verbreitungsge- Weinanfertigung weit über: ihre Ware geht unljean- standct über die Grenze und wird vom grossen Publikum flott getrunken. Würde auch das Zeug einmal durch eine Analyse als reines Gebräu ohne alles Rebenblut entlarvt werden, so ist der Koch desselben doch nicht zu fassen, während ein Weinfälscher in Deutschland schwer bestraft wird." bietes. das vom 31 <> bis 48 « S. Br. in Chile reicht, ist Aristotelia Macjui recht häufig. Er liebt feuchte, schat- tige Ränder von Lichtungen, Ufer von Wasserläufen et<-.. aber nicht den eigentlichen Urwald. Die schwarzbraune Stamm- und Astrinde ist zähe und geschmeidig, sitzt nur sehr lose an dem saftreichen, hellen Holze und giebt ein gesuchtes Bastmaterial. Das Hierbei handelt es sich eben nicht um eine Fälschung: Holz ist weich und leicht, dient zur Anfertigung von denn in der That sind die Maqui- (spr. Maki), nicht musikalischen Instrumenten, Verzierungen und dergl.; Maquebeeren ein vortreffliches Mittel, um dem Trauben- | mit der Zeit erhärtet es. most etwa fehlende Rotweineigenschaften mitzuteilen. ] Die auf der Unterseite meist rötlich geäderten Blätter Der nur in Chile einheimische Strauch liiess bei den sind nicht, wie die der meisten chilenischen Gesträuche dortigen Indianern Clon, und die Früchte führten den Namen Maqui; der Botaniker LTIeritier nannte ihn Ari- stoteles zu Ehren Aristotelia und Hess füi- die einzige und Bäume, starr und lederartig, fallen aber trotzdem im Winter nicht in dem Masse ab, wie wir Europäer es an der gleichartigen Belauhung unserer Holzpflanzen zu sehen ge- 72 Der Naturwissenschaftler. No. 9. wohnt sind; doch pflegt unter den Maquibeständen mehr vegetabilischer Detritus zu liegen, als unter anderni Busch- werk. Als Hausmittel finden die Blätter auf dem T^ande vielfache Anwendung; Aufgüsse davon z. B. gegen Mund- und Halskrankheiten, getrocknetes Pulver als Einstreu- niittel auf rebellische Geschwüre, als Kataplasnien etc. etc. Die kaum b mm grossen Blüten bestehen aus einem flachglockenförmigen, einblätterigen, fünf- seltener sechs- tiefspaltigon Kelch, der von den gelblichweissen Blumen- blättern in gleicher Anzahl nur wenig überragt wird; sehr kurzgestielte, hypogynische Antheren sind zwei- oder dreimal soviel vorhanden als Blnmenblätter und umgeben den Fruchtknoten, der drei sehr kleine sitzende Narben zeigt. \'^ereinigt zu armblütigen, achselständigen, aber äusserst zahlreichen Träubchen, deckt das helle Gelbgrün der Maquiblümchen im Frühling die Ruten des Strauches in einer dem Auge recht wohlthuenden Fülle. Bald nach der Befruchtung führt der Wind die hin- fälligen Kelch- und Blumenblätter fort, und die kugeligen, sechssamigen, fleischigen Früchtchen wachsen bis zu 5 mm Durchmesser heran; doch nehmen die harten, hellbräun- lichen Samenkerne wohl die Hälfte der ganzen Beeren- frucht ein, die, wenn reif, schwarzpurpurn in reichlicher Menge an den spitzwinkelig nach oben stehenden Ruten hängt. Diese Beeren bilden ein sehr beliebtes Waldobst. Ihr Geschmack ist süssaromatisch; die Farbe ihres kar- mesinroten Saftes geht beim Trocknen in die der Beere über, und diese liefert daher (oder lieferte wenigstens früher) ein recht brauchbares Tintenmateriaj. Ich selbst habe in den 50er Jahren als Friedensrichter manches Protokoll mit Maquitinte im Innern der chilenischen Provinz Colchagua aufgesetzt, wenn der Schreiber oder Diener das Iveisetintenfass vergessen, verloren oder zer- brochen hatte. Zu allen Jahreszeiten war solche Tinte zu haben, bezw. rasch herzustellen ; denn die Beeren trocknen leicht an der llerbstsonne ein und fehlen fast in keinem ländlichen H.aushalt, weil sie genossen etwas adstringierend wirken und daher gegen die häufigen Ei-- kältungs-Diarrhoeen fast stets erfolgreich angewendet werden. Auch beim Macpii inächt sich die Kegel geltend, der die meisten chilenischen Pflanzen huldigen, d. i. Fern- bleiben des Aromas aus den Blütonteilen gegen starke Entwicklung desselben in Holzzellen, Blättern oder Früchten. Frischer Maqui wird zu Konfitüren einge- gemacht und zu Obsteis verwendet, doch sind die Kerne immerhin etwas Störendes. Wir treffen aber in dem Fleische der Beeren also vereint: Träger von Zucker, Aroma, Farbe und an- genehmer Herbe, d. h. vier Substanzen, die, in hinreichen- der Menge einem mittelmässigen Weisswein mitgeteilt, denselben zu einem vortrefflichen Kotwein zu machen vermögen. Nun könnte man mit Recht fragen: „Wenn das alles so ist, mü,sste der aus Maqiiibeereu unvermischt gewonnene Most bezw. Wein ja auch ein vorzügliches Getränk sein." Das ist in der That der Fall. Die In- dianer, bei denen die Zeit, welche auf das etwas müh- same Einsammeln des Maquis geht, keinen grossen Wert besitzt, stellen aus ihm einen Tecu genannten Most her, den sie ausserordentlich schätzen. Derselbe hat aber auch einen bei weitem höheren Preis als Traubenblnt und als dei' jetzt nach der Entstehung von ausgedehnten Apfel- wäldern recht geringwertige Apfelwein. Selbstredend macht ein Zusatz von Ma(|ui zu den Trauben beim Keltern aus dem Produkt einen vortreft- lichen „mosto". So nennt man in C'hile den einfach ge- gorenen Landwein; wird dagegen ungefähr ein Drittel des frisch gekelterten Traubensaftes langsam zur Syrups- dicke eingedampft und das übrig bleibende Gemisch von Zucker luid Extraktivstofien dem Most vor der Gärung zugesetzt, so führt das daraus hervorgehende Getränk den Namen „vino". Doch scheint in letzter Zeit der Unter- schied in der Bezeichnung nicht mehr so scharf aufrecht erhalten zu werden.*) Im Innern der zunächst südwärts von Valparaiso ge- legenen Provinzen wusste man während der Zeit meines Aui'enthaltes die Fülle der herrlichen, aber nicht halt- baren Saftfrüchte oft nicht als solche zu verwenden. In der Melonen- und Wassermelonenernte kam es vor, dass die Hörigen so viele Wagenladmigen von jenen ab- lieferten, dass man auf den von guten Verkehrsadern entfernt gelegenen Gütern genötigt war, sie mit Kleie vermischt zur Fütterung des Viehes, besonders der Schweine, zu verbrauchen, weil die Transportkosten bis zum nächsten Markte kaum durch den Erlös gedeckt wurden. Aehnliches passierte übrigens im 16. Jahrhun- dert auch in Kalabrien mit köstlichen Feigen, wie die Chronik über die Rückreise Karls V. von Tunis im Jahre 1535 besagt. In Yaquil Hess ich den Ueberfluss an schönen, süssen, violetten Feigen einfach nach Landes- sitte mit den Tranben keltern und nicht zum Schaden des ablaufenden „mosto". Gedörrte Birnen geben da nebenbei einen recht brauchbaren Zusatz zum Material für Branntweindestillation ab. Vielleicht ist es jetzt durch Eisenbahnen u. s. w. anders geworden, aber trotzdem n)an in jenen Gegenden mancherlei in verein mit Trauben zu recht gutem Weine macht, führt Chile dennoch viel von diesem Getränke ein': so 1884 für mehr als eine Million Pesos an Wert gegen eine Ausfuhr von etwa nur 41000 Pesos in 1884 und ebensoviel in 1885. Ich glaube, dass die in Chile berühmten Weine von Cauquenes und Concepcion einen grossen Teil ihrer Lieb- lichkeit, Stärke nnd dunkeln schönen Farbe dem Maqui- zusatz verdanken; schwerlich stammt die letztere nur aus dem Pigment der blauen Traubcnschalen. Es wäre da- her wohl an der Zeit zu überlegen, in wie weit sich der- artige Vorteile für uns dienstbar machen lassen könnten. Was wird aus denjenigen Sorten unserer Weissweine, welche so sauer sind, dass sie selbst nicht durch Zusatz oder Aufgebot einer tüchtigen Dosis Patriotisnuis in trinkbare Flüssigkeit übergehen? Zu Bowlen wird nur ein ganz geringer Teil verbraucht. Ich habe mir sagen lassen, dass die Franzosen sie *) Europäische Gebräuche, Ausdrucks- und Bebandlungsweisen durchsetzen immer mehr das Vaterland des Maquis; wie denn auch europäische Unkräuter die niedere chilenische Flora stellenweise schon auf ein Minimum reduziert haben. No. 9. Der Naturwissenschaftler. 73 für ein hilliges aufkaufen, mit nach Hause nehmen und sie uns in Gestalt von leichten Bordeauxweinen wieder zuschicken. Wahrscheinlich ist es so. Ich eiinnere mich, kürzlich gelesen zu haben, dass das ganze Bordelais kaum eine Million Flaschen wahrhaftigen Kotweins jetzt pro- duziert, Deutschland allein al)cr an vier Millionen Flaschen konsumiert. Bei dieser Gelegenheit half man mir aber auch über das Bedenken, Geld nach Frankreich für Wein gehen zu lassen, hinweg mit der Bemerkung, dass der meiste in Norddeutschland verbrauchte, franzosisch etiket- tirte Kotwein im Inlande hergestellt würde. Wie man das ohne Staatsanwalt fertig bringt, weiss ich freilich nicht. Der eingangs erwähnte Artikel (Köln. Ztg., No. 305, 1, 1887) besagt auch, dass unsere Geschäftsleute die „Maqiie- quellen" schon finden werden. Es handelt sich dabei auch um viele Millionen, die alljährlich für (vielleicht nur „maquisirten") Kunstwein von Deutschland nach Frankreich gehen. Dies ist der Grund vorstehender Notiz. Gewiss wird es der Mühe wert sein, einmal aus der chilenisclien Provinz Valdivia, wo mehrere tausend Deutsche ansässig sind, die kostbare Weinfrucht in irgend einer Gestalt zu beziehen. Stellt sich dann hier oder dort ein grosser Nutzen heraus, so würde es sich empfeh- len, in einer der Provinzen Valdivia, Angol oder Arauco eine MatiuicuUur einzurichten, die unter Anwendung geeigneter Pflege und vielleicht mineralischer Dungmittel grössere Beeren erzeugt. Variationsfähig ist der Maqui- strauch gewiss; denn es existirt schon jetzt eine Spielart mit hellgrünen Beeren, die mehr Süssigkeit und Aroma besitzen, als die schwarzen ; das Kernholz dieser Varietät ist erünlich, während das der Stammart bräunliche Farbe hat. Was hat Kultur und Veredlung nicht schon aus vielen einfachen Kindern der Flur und des Waldes gemacht! An deutschem Patriotismus fehlt es vniseren Lands- leuten in Südehile nicht; nur darf das angewandte Geld nicht minderwertig sein. Aber von den Franzosen brauchen wir uns „drül)en in den Maquibüschen" noch lange nicht überflügeln zu lassen! Das Mikroskop Aus der stillen Arbeitskammer der Naturforscher ist schon so mancher Apparat hinausgewandert in die weite Welt, hat sich eingebürgert in der grossen M^sse des \'olkes und ■wurde hier zu einer Quelle reiehhaltiger Unterhaltung und Belehrung. Um die Laterna Magica sammelt sich ah langen Winterabenden der gemischte Kreis jugendlicher und bejahrter Zuschauer, um den bunten Wechsel der aufeinander folgenden Bilder zu bewundern. Das Stereoskop ist in Millionen von Exemplaren verbreitet, und mit stets frischem Interesse be- trachten wir die fernen Landschaften, die berühmten Bauwerke und reizenden Figurengruppen, die hinter seinen Gläsern in greifbarer Gestalt auftauchen. Man hat auch oft versucht, das Mikroskop, jene gewal- tige Waffe, mit deren Hülfe der menschliche Geist in das Reich des Unsichtbaren siegreich einzudringen vermochte, in der Familie einzubürgern. Aber die meisten dieser Versuche schlugen leider fehl, denn was man im allgeraeioen dem Publikum für billigen Preis anbot, das war eire re' ht schlechte Ware, und ausserdem knüpfte man an die Anpreisung der- selben überschwängliche Versprechungen, die niemals; in Er- füllung gehen konnten. Es wurde den Laien voi geredet, dass sie mit Hülfe der kleinen, billigen Mikroskope ihr Fleisch auf Trichinen, ihre Nahrungsmittel auf Verfälschungen etc. unter- suchen können. Das war nun grundfalsch, und jeder, der anfangs diesen Vorspiegelungen Glauben geschenkt hatte, musste nur allzubald erkennen, dass ihm zu solchen Unter- suchungen die nötigen Vorkenntnisse fehlten. !So müssen auch wir von vornherein erklären, dass es eine Illusion ist, dass das Mikroskop in der Familie jemals praktischen Nutzen bringen wird. Und trotzdem ist der Wert seiner Verbreitung in gebildeten Krei'^en ein nicht zu unter- schätzender. Selbst das einfachste Miliroskop gewährt dem Laien einen überraschenden Einblick in die wunderbarsten Schöpfungen der Natur, erweitert den Gesichtskreis seiner Bildung und gestaltet »ich namentlich in den Händen der Jugend zu einer unerschöpflichen Quelle geistiger Anre- gung. Wir haben uns praktisch von der Wahrheit überzeugt und gelegentlich Leute verschiedenen Standes und verschie- denen Alters an unser Mikroskop geladen. Der Erfolg war wirklich überraschend, das Mikroskop erwies sich als ein vor- zügliches Mittel zur Unterhaltung, .die den meisten um so mehr Befriedigung gewährte, als sie stets mit Belehrung ver- bunden war. Wir können darum zu einem derartigen Versuche er- in der Familie. muntern. Die Ausführung desselben wird durch den Umstand ganz besonders eileichtert, dass in letzter Zeit wirklich gute Mikroskope für einen billigen Preis zu be- schaffen sind. Namentlich möchten wir die Aufmerksamkeit l'niversiil-Taschcu-Mikroskoii. der Kauflustigen auf das „Universal-Taschen-Mikroskop" lenken, welches das optische Institut von Paul Waechter (Berlin SO, Köpnickerstrasse 112 1 auf den Markt gebracht. Selbst Fachleute haben dasselbe mehr ach für weniger wichtige wissensi-haftliche LTntersuchungen empfohlen, und dies beweist zur Genüge, dass wir in diesem Falle mit keinem jener wertlo.-:en Schwindela'tikel zu thun haben. Das Waechter sehe Taschen-Mikroskop giebt bei fünfzigfacher Linearvergrösserung schöne und klare Bilder, es ist laut der beigegebensn Ge- brauchsanweisung äussert leicht zu handhaben und ko-stet in hübschem Etui nebst drei Präparaten, drei Objektgläsern, unter denen eins mit Hohlschlitf zur Aufnahme von Flüssig- keiten sich befindet, und einer vorzüglichen Lupe nur 6 Mk. Wer Lust hat, sich mit einem grösseren Vorrat interressanter Präparate zu versehen, d>-r kann von demselben Institut eine recht hübsche Auswahl beziehen (10 Stück kosten 2,50 Mk.) und auf Verlangen das Präparatenverzeichnis desselben gratis und tranco erhalten. 74 Der Naturwissenschaftler. No. 0. AJlen aber, welclien es auf einige Mark mehr nicht an- kommt, möchten wir dringend empfehlen, sich eins der beliebt gewordenen Salon-Mikroskope anzuschaiFen, die stärker ver- grössern und selbstverständlich klarere und schönere Bilder zeigen. Auch in dieser Hinsicht können wir die Firma Paul Waechter mit gutem Gewissen empfehlen, da sie gerade in der Herstellung von Mikioskopen mit schwächerer und mitt- lerer Vergrösserung sich eines besonderen Rufes erfreut, Wenn jedoch das Instrument nicht zu einem wertlosen Spielzeug in der Hand Unkundiger herabsinken soll, so ist es nötig, dem Laien gleichzeitig ein belehrendes Buch in die Hand zu geben, und wir möchten für diesen Fall unsere Leser namentlich auf das Werkchen „Das Mikroskop und seine Anwendung" von Dr. Hermann Hager, mit 316 Holzschnitten (Berlin, Ver- lag von Julius Springer), aufmerksam machen. Der Preis des Buches ist 4 Mk. Kleinere Mitteilungen. Eine Rindenlans tritt nach einer Mitteilung dea Garten- directors Grube in Aachen in dortiger Gegend leider sehr zahlreich an der Buche auf. Das kleine Tier ist leicht auf der Rinde sichtbar durch einen dichten weissen üeberzug, der es schützend utngiebt Zuerst erscheinen einzelne dieser weissen Flocken auf dem Stamm, bald aber wiid der ganze Stamm bedeckt und erscheint von unten bis hoch oben wie mit einem weissen Filz überzogen. Die Folge davon ist, dass die Rinde zuerst senkrechte Risse zeigt, von denen aus sich dieselbe in wagerechten Rindenblättern aufrollt und aus- trocknet. Der Baum wird mit der Zeit hierdurch getötet. Das ganze Auftreten ist nach Grube übereinstimmend mit den Angaben, welche Kaltenbach und Altura über Chermes fagi machen. Die von der Laus befallenen Stämme wurden mit Sapokarbol, wovon 3 Esslöflel auf je 1 Liter Wasser genommen wurden, abgewaschen und mit Stahlbürsten abgerieben. Dies Mittel scheint geholfen zu haben. Die Rindenlaus ist in ihrem Leben noch wenig bekannt, sie wandert langsam von West nach Ost und soll auf dieser Wanderung schon bis Hannover vorgedrungen sein. Jedenfalls ist das schädliche Injekt jetzt in der Rheinprovinz und in Westfalen schon sehr ver- breitet. Es ist sehr zu wünschen, dass weitere uud genaue Beobach- tungen hierüber gemacht werden. {Verb. d. Nat. Ver. d. Rheinide etc. 1885 Corresp. Bl. S 65—66.) Ueber den Teakbanm iTectona grandis) giebt uns Brandis folgende Mitteilungen. Das Hotz ist höchst wertvoll, vorzüglich wegen seiner ungemeinen Dauerhaftigkeit. Selbst im tropischen Khma, wo das Holss rasch der Fänltis und den Insekten anheimfällt, hat das Teakholz eine ausserordentliche Dauer. Es lässt sich leicht bearbeiten, schwindet nicht, reiset nicht und wirft sich nicht, selbst nicht bei dem ecbroflcn Wechsel zwischen trockener Hitze und grosser Feuchtigkeit. Mit dem Kichenholz hat es grosse Festigkeit und atdeie wertvolle Eigenscliafien gemein; aber es hat vordem Eichen- hohe den Vorzug, dass es das Eisen nicht angreift und in Berührung mit diesem sich nicht färbt. Der Preis ist ein sehr hoher, iu Rangiiu, dem wichtig.-iten Ausfuhrplatze für Teakbolz, schwankte der Preis in den letzten 20 Jahren zwischen 70 und 120 Mk. pro Kestmeter und betrug in London in derselben Zeit 140—230 Mk Der Teakbanm ist heimisch in den Tropengegenden von Vorderindien und dem west- lichen Teile Hinterindiens. Er findet sich auch auf Java, Sumatra und andern Inseln des Indischen Archipels. Der Teakbaum gehört zur Familie der Verbenaceen. Die grossen, gegenständigen Blätter sind 30 — 60 cm, an Stockausschlägeu und jungen Ptiauzeu über 1 m lang. Der Baum bildet keine reinen Bestände, sondern findet sich eingesprengt in einem Älischwalde von Bambus und anderen meist wertlosen Bäumen, nur etwa den zehnten Teil des Bestandes bildend. Dieser Umstand erschwert die Ausnutzung und die nachhaltige Be- wirtschaftung der Teakwaldungen. Die grosse Reproduktionstähig- keit und das rasche Wachstum des Teakbaums in der Jugend machen eine Verjüngung desnelben und die Erhaltung dieser wertvollen Art in den Mischwaldungen möglieb. Aber eine nach- haltige Wirtschaft kann nur durch die Kultur des Teakbaumes in grossem Massstabe gesichert werden. Solche Kulturen werden in Vorderindien sowohl als auch in Birma von der Indischen Forstver- waltung gemacht, und auch auf Java wird das Areal der Teak- bestände stetig durch Pflanzung ausgedehnt. Ceber die Goldlagerstätten in Brasilien entnehmen wir einer Mitteilung von Generaldirektor Landsberg in Aachen folgendes: Das Gold findet sich abgesehen von seinem Vorkommen im Alluvium teils auf Quarzgängen, teils auf Schwefelkiesgängen, teils als Infil- tration in den diese Gänge begrenzenden Eisensteinen Besonderes Interesse bieten die Lagerstätten, auf welche zuerst Metzger auf- merksam machte und welche in einer Art Schlot bestehen, durch welche goldführende Dämpfe zu Tage getreten sind. Diese Schlote oder Schornsteine von verschiedener Form enthalten eine Quarzum- hüllung gleichsam als Mantel; in demselben befinden sich als Aus- füllung die goldführenden Kiese. (Verb. d. Nat. Ver. d Rheinide, etc. 1886, Corresp.-Bl. S. 63.) Ueber eine auffallende Erscheinung bringt die Nr. U des .Elektrotechnischen Anzeigers" Nachricht. Vor einiger Zeit zeigte ich an zwei sehr trockenen Tagen eine ganze Buch- und Stein- druckerei elektrisch. Aus allen Maschinenteilen konnte man mit dem Finger Funken von mehreren Centimeter Länge ziehen, wie aus dem Konduktor einer Elektrisirmaschine. Das Ueber- springen von Funken war einigemale so heftig, dass die Masohinen- mädchen nicht mehr weiter arbeiten wollten, da auf sie bei jeder Annäherung an die Maschinen stechende Fuuken übersprangen. Am auffallendsten zeigten sich die elektrischen Erscheinungen an den lithographischen Schnellpressen Es wurde gerade ein kiäftiges, aus Cellulose hergestelltes Papier bedruckt, und die Mädchen, welche die Bogen abnahmen, bemerkten stets ein leises Knistern des an dem Wachstuche des Cylinders ziemlich fest anhaftenden Bogen«, das sich schliesslich zu lautem Knallen steigerte, begleitet , von schönen 10 bis 15 cm langen, prächtig glänzenden Funken. Je rascher man die mit Elektricität geladeneu Bogen wegzog, desto ausgeprägter war die Erscheinung. Eine kleine Kreissäge, welche in 10 bis 12 cm Entfernung von einer eisernen Säule auf- gestellt war, gab während des Betriebes iu Pausen von 20 bis 30 Sekunden unter lautem Schlage kräftige Funken auf die Säule. ; Diese Erscheinungen wurden stundenlang beobachtet, aber nach zwei Tagen war die Druckerei wieder vollständig unelektrisch und ist es seitdem geblieben. 1 Konstantes galvanisches Element. Die Erfindung bezieht j sich auf ein Element: Kohle — Kupferchlorid — Zink — kaustisches j Alkali und bezweckt, die elektromotorische Kraft und die Wirkung des Elementes konstant zu erhalten. Da die Konstanz der elektro- motorischen Kraft von der Unveränderlichkeit der wirksamen Ober- fläche des negativeu Poles abliängt, in dem oben genannten Element aber durch Abscheidung von metallischem Kupfer auf dem negativen Kohlenpol diese Oberfläche verändert wird, so kommt freie Chlor- wasserstofl'säure in direkter Berührung mit der Kohle zur Anwen- dung, indem die Kohlenelektrode zur Aufnahme derselben becken- förmig gestaltet wird. Das sich aus der Kupferchloridlösung ab- scheidende metallische Kupfer wird von der ChlorwasserstoÖsäure sofort wieder in Kupferchlorid umgewandelt, uud gleichzeitig wird beständig Chlor an das Zink geführt, wodurch die Wirkung des Elementes konstant erhalten wird. (Deutsche Chem.-Zeitung Nr. 44, S. 352.) . Ueber die Einwirkung des Sonnenlichts auf Kohlen- säure hat Dr. Kling er in Bonn Versuche angestellt, welche ergaben, drtss dieselbe zu Ameisensäure reduziert wird. Dieselben wurden in der Weise angestellt, dass eine sorgfältig vou Luft befreite, wässe- rige Lösung vou Eisenvitriol mit Kohlensäure gesättigt und in einem zugeschmolzenen Ballon isoliert wurde. Von September 1885 bis An- fang März 1886 stand die Lösung unter möglichster Ausnutjuug des direkten Sonnenlichts ohne sich zu verändern; als Anfang März warme sonnige Tage sich einstellten, färbte sie sich gelblich; im Verlaufe der Zeit von März bis Juni trübte sich die Lösung immer mehr, uud schied sich ein gelblicher, flockiger Niederschlag ab. Mitte August 18f6 wurde der Ballon geöffnet und abdestilliert. Das eisenfreie Destillat übte auf alkalische Silberlösung eine zwar schwache, aber doch deutliche, reduzierende Wirkung aus. Klinger glaubt daraus schüessen zu können, dass das Wasser in Wasserstofi uud Sauerstofl zerfällt, von denen der letztere die Bildung des gelben, aus basischem Eisensulfat bestehenden Niedersoblags veranlasste, während der Wasserstolf die Kohlensäure zu Ameisensäure reduzierte. Bellit, ein neuer Spreng.stoff. Derselbe ist von einem Schweden Lamm entdeckt und besteht aus einer Mischung von Ammoninmnitrat mit Di- oder Tri-Nitrobeuzin. Der bedeutende Wert desselben liegt darin, dass weder durch Reibung noch durch heftigen Stoss die lUasse zur Explosion gebracht werden kann, sondern dass dazu unbedingt Feuer oder ein stark erhitzter Körper erforderlich ist, welcher mit der Masse in Berührung gebracht werden muss. Versuche, welche von der schwedischen Artillerie angestellt wurden, haben ergeben, dass 15 gr genügen, eine Granate von 42,5 k auf eine Entfernung von 120 m zu werfen. In Bezug auf seine Sprengkraft ist er ebenfalls andern Mitteln überlegen Die mittlere Kraft soll 45 mal so gross sein, wie die des gewöhnlichen Kanonen- pulvers. Verglichen mit der Schiessbaumwolle ist das Verhältnis 23 : 20. No. 0. Der Naturwissenschaftler. 75 Der Sevanga-See oder Gok Tschahi (gleich Blauwasser) iu Trans- iauliasien, SOOO m hoch gelegen, ist von Pohlig auf seiner Eeise nach Persien zweimal besucht und eingehend untersucht worden. Die Untersuchungen haben ergeben, dass in demselben ein wirklicher Kiatersee vorliegt, als welcher er auch schon von früheren lieisenden angesprochen wurde. Er ist ganz wie unser Laacher See, nur in bedeutend vergrösserteiu Massstabe von einem 2000 m hohen Höhen- kranz umgeben, zusammengesetzt aus gleichmässig gebauten und einheitlich gelagerten Tuifachichten, welche nur auf ein gemeinsames Eruptionecentrum bezogen werden könneu. Die Tutiechichten fallen nach Pohlig rings um das Wasserbecken herum nach dem See hin ein. Transkaukasien ist wohl, wie kein anderer Teil unserer Erde, reich an Seen, welche durch vulkanische Thätigkeit entstanden sind. Der grösste ist der genannte Sevanga-See, welcher eine Fläche be- deckt, die in ihrer Grösse dem Herzogtum Altenburg gleichkommt. Südöstlich von diesem ca. 3000 m hoch iiuf seiner Uebirgsumzäuuung liegt inmitten vieler kleiner Maare der Ala-Göl, nordwestlich der Arpa Göl (Gersteusee), der Chasapin-Göl und der grosse Tschildir, ebenfalls etwa 2000 m hoch, f ernsr sind zu nennen im Süden der- selben das höher gelegene Aiger-Maar nördlich von Kars; noch weiter südlich der Dagni-Göl, ferner der grosse ßalych-Göl (Fischsee) in ca. 2500 m Höhe; westlich vom grossen Ararat befindet sich das Maar des Kip-(jöl m mehr als 3000 m Höhe, desgleichen südlich von Bajazid ein Maar, an welchem Taudurk in ca. 3500 m Höhe liegt. (Verh. d. nat. Ver. d. Rheinide. etc. 18S6 Sitzungsberichte S. 174—176.) Astronomischer Wochen-Kalender vom 27. November bis 4. Dezembei' 1887. Sonnen-Ephemeride. Tag und Datum. ■s ö JA 9 Deklin. ■5-S "5) < 1 a DO a> ^3 ii ^1 'S e 9 St. M, M. S. U.M. U.M. St. M. U. M. D. M St. M. S. 27 245» 16.12 —210 8' -12. 16 7.44 3.51 8. 7 7. 1 4 34 16.24 M. 28. 2460 16 -210 18' -11.56 45 50 5 D. 29. 2470 20 -210 gg. -11.35 47 49 2 M. 30. 2480 25 -21» 39' —11.14 48 49 1 7, 5 4 33 16.36 D. 1. 2490 29 —210 48' —10.51 50 48 7.58 F. 2. 2500 33 -210 68' —10. 29 51 47 56 S. 3. 261» 38 -220 6' — 10. B 53 47 54 7. 9 4 31 16.48 S. 4. 2520 42 —220 15. - 9.41 54 46 62 Mond-Epfaemeride. Monats- und Jahrestag. S. 27. M. 28. D. 29. M. 30. D. 1. F. 2. S. 3. S. 4. 331 332 333 334 335 336 337 338 3 B U. M. 9.50Nm 10.34 , 11.20 , 0. 7Vm 0.57 1.49 2.42 £ IU Sl. M. 2.16 3. 4 3.53 4.45 5.39 6.35 7 32 + 80 21' -1-120 6' -Hl 50 22' +170 57' -t- 190 42' -1-200 26' -t-200 2' & U. M. 3 2Nm 3.24 „ 8.49 „ 4 18 „ 4.54 „ 5.38 „ 6.31 „ 7.32 „ Untergang, U. M. 3.46 Vm 4.51 „ F.57 „ 7. 2 „ 8. 6 „ 9. 6 „ 10. .. 10.48 „ 8,1972 8,2036 8,2139 Vollraoud 20, November 4 Uhr 14 Miu. Nui. Die Deklination der Sonne und mit ihr die Taues'änge nähert sich dem Mininialwerte und nimmt daher nur mehr um geringe Beträge ab; da nun die Zeitgleichung immer sch-ieller sich ändert, mues, wie man nach dem früber Gesagten leicht erkennen kann, die Verspätung des Sonnenaufganges viel bedeutender als die Verfrühung des Unterganges sein. Erstere beträgt, wie die Tafel zeigt, iu dieser Woche lü, letztere 5 Minuten; der Unterschied wird no.h grösser werden. Planeten: Die Deklinationen und Au'^gangszeiten sind für Mitt- woch den 30. gültig. Merkur (rf = — 140 5r, Aufg 5 Ubr 4S Min ) ist als Morgenstern augenblicklich in sehr guter Lage für die Sicht- barkeit mit freiem Auge. Eine ziemlich grade Linie (grösster Kreis) geht von liegulus über Mars und Venus nach Merkur. Da er in voriger Woche rückläufig war, in dieser wieder rechtiäufig wird, kommt er mit dem nahe stehenden Jupiter am 4. wieder in Kon- junktion. Jupiter wird 3 Mondbreiten tiefer als Merkur erscheinen. — VenuB(*^rmoplastili ixnd l^luseolog-ie oder das Modeltieren der Tiere nod da« Aufstellen uud Krbaltenvon Naiuralit^n sammluagen. Zwt'ite rermphrte nnd Tcrh. Aufliiire. Nebst einem Atlas von 10 Tafeln gr. S. Geh. 7 Mark 50 Pfge. Dritt er Teil: IVatixi' st neuen. Die botanischen, zoologischen u AccH- matisationsgär:en,Mei agerien, Aquarien u Terrarien in ihrer L'egenwäriigen Ent- wickelung — Allgemeiner Naturschutz; Einb'iri^erung fremder Tiere u (Jesnnd- heitspflege gt-fangf D.>äugeiiereu.Vögel 2 Bände, mit Atlas von 1*2 Tafela. itr. h. t.th. 12 Mark ÖO Pfk'*'. Preis d 8 konipletteu Werkes 2ü Mark. L Yorr/ittff tn ntfen Huvh/tanfiiunffen, ^fotarielleBeNtätigaiig; des tausendfachen Lobes über den Holland. Tabak v. B. Becker in Seesen a. Harz lOPtd. fco.SMk. haben die versch. Zeitungsexpe- ditionen eingesehen. [34] Einzelne Nummern unseres „Xatnrwisseii'chaftler'' liefern wir zum Preise vou 25 Pffl. pro Nummer franko. (Briefmar- ken werd. in Zahluug genommen.) Die Exp. d.„NatarwissenschaftIer". Billige Prachtwerke. Wilh Jacobsohn & Co., Buch- handlung in Breslau, cilli-r. s(n\ Barzailung iPost Nachnahme : RieseDthal, Raubvögel, 6u color Taf. in Folio mit Text. 2 Bde eleg. geb. (Statt 80 Mk.) nur 27 Mk — Reichenow, Papageien. 33 prächtig co or. Tafeln mit Text in eleg. Mappe ustatt 60 Mk I nur 20 Mk. - Schinz, Naturge- schichte der Vöge . Text u. 120 Tafeln mit vielen 100 fein color Abbildurgen. 4"eleg. geb. (statt 120 Mk.) nur 30 Mk.- — Oken's Naturgescliichte, 13 Bde. Text mit 120 coloricrt. Tafeln geb. (statt 80 Mk.) nur 18 Mk. — Brehm's Illustriertes Tierleben. II. .Aufl. 10 Bde. eh-g. geb. COlorirtCstattl80Mk.lunrlOOMk.: d.i.v-fllpe schwarz nur 75 Mk. — Müller. Tiered.rHeiuiat. lllustr. Praehtwerk. 2 Bde. sehr eli-g. geb. 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U^ Ifh warne "^S im Interesse der Wahrheit Jt'deo, den) an der Erhatturg seines Haaret) liegt vor Gebrauch der reklamehaft ausposaunten Wuodermiltel. — Es folge Jeder meinem Kate, ehe es zu spä isl — »Olle, I Sie Ihr Kopf- uud ILirtliaar erhalteu, .iusf'iill Htillrn iiitU eincu üppigen Huaruuilis er- reichen, 80 gebrauchen ^ie das allein reine Nat -Pr.iparat (27] Roborantium (Haar erzeugende Kssenz ) Hei Kablköprteki-it, wo die Ilaar- mirzela nocb 1 bensfätiig sind, uod bei Baitlusigkfit, sowie schwac lem Bar wuchs sind die Erfolge lang- jahrig erprobt — K-t erzeugt zwar kein 185 Ce >uni. lauge» Uieaenbaar biunen H Monaten, denn das gehört in das Reich der Märchen, Kabeln und Ij'igen. welcbe mau kleinen Kin- dern vurscbwatztf aber — einen be- frli-diircudeu, ivlrkUchcit Kifulg. Oiig.FJac kosten Mk. 3—, j Dtzd. Mk I^-, Proben Mk L' — , 1 Dtzd. Mk 12.— ab Brunn per Nachnahme. Joiiann Ciirolich, Parfumeriewaaren-Fabrik und alle'nigur i">zeuffer des echten „Koboraniium • in Brunn Haaptversandt f Detail zum Original- preii« vou Mk. 3— und Mk 2.— per Flac'on bei C F. Dahms, Oroguerje in Berli , S W. Komniaudanienstr 8 Inserate f. No. II des „Naturwissenschaftler" müssen spätestens bis Sotinabend, 3. Dezbr. in unsern Händen sein. Berlin SW. 48. Die Exp. d. „Naturwissenschaftler". Verantwortlicher Redakteur: L)r. Carl Riemanu in Görlitz. — Verlag von Riomann & Möller, Berlin S.W. 48. Druck von Gustav Hoffmann, Berlin C. Der Naturiissenschaftk Allgemein verständliche Wochenschrift für sämtliche Gebiete der Naturwissenschaften. Ahonnetnentspreia : Bei den Postanstalten und Buch- handlungen vierteljährlich ^Ä 2. — ; Bringegeld hei der Post I 5 -4 extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition ^1C 2,40. Redaktion: Dr. Carl Riemann. Verlag von Riemann & Möller, Berlin S. W. 48. Frii'drieh-Strasse 226. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 4- Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen JC 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 4. Dezember 1887. No. 10. Der Abdruck der Originalartikel ist uiir mit Ciieiieliini'^ang der Verlag!«liaudlang gestattet. Inhalt: Probeabonnement für Dezember auf den „Naturwissenschaftler". — Professor Dr. J. von Kennel: Ueber Umfang und Hilfsmittel der Zoologie (Fortsetzung). — L Boysen: Die Atmosphäre und die Erscheinungen in derselben (Fortsetzung). — Der Sturmgaug über die Erde in den Jahren 188ti — 1887. — Die Tropfsteinhöhle bei Warstein. — Kleinere Mitteilungen: Verbrei- tung des Albiuismus. Eine Anzahl der rheinischen Flora fremder Pflanzen in Kreuznach. Der Sitz der C'hinaalkaloide. Eine Verbesserung der Blitzableiter. Ein neues Desinfektionsmittel, das Kreolin. Aus Elsass-Lothringen. — Astronomischer Wochen- Kalender. — Litteratur: F. Baade: Zur Reform des Naturgeschichts-Uuterriehts in der Volksschule. — Bibliographie. — Inserate. Probe-Abonnement für Dezember auf den „Naturwissenschaftler". Dürfen wir an unsere geehrten Leser das höfliche Ersuchen richten, in Freundes- und Bekannten- kreisen, welche ein Interesse an unserem Blatte haben könnten, ein Probe-Abonnement für Dezember zu empfehlen? Wir liefern dasselbe direkt franko zum Preise von 75 Pfg., welcher Betrag- am einfachsten in Briefmarken einzusenden ist. Für freundliche Unterstützung danken wir im Voraus bestens. BERLIN SW. 48. ^^j' ergebenster Hochachtung Friedrich-strasse 226. Die Expedition des „Naturwissenschaftler". Ueber Umfaiig und Hilfsmittel der Zoologie. Von Professor Dr. J. von Kennel. (Fortsetzung.) Wie viel weiter ist nun noch das Gebiet, welches für auch dieses gehört, gerade so gut wie zur „Lehre vom jeden Sehenden der Beobachtung in der freien Natur ofien steht , wenn er von Haus aus Freude an genauer Betrachtung seiner Umgebung hat, oder wenn durch Unterhaltungen, wie ich sie kurz geschildert habe, die Beobachtungslust geweckt worden ist! — Von den grössten und höchst entwickelten Tieren an bis zu den kleinsten und niedrigsten steckt die Natur noch voller Rätsel, denen man nicht beikommen kann mit allen technischen Hilfsmitteln, mit denen Physik, Chemie und Mechanik in den letzten Jahrzehnten den Zoologen ausgerüstet haben; wir können nicht das Leben untersuchen, indem wir es zerstören ; zwar gelingt es dem Physiologen, durch Eingriffe in den Organismus bald diese, bald jeue Quelle des normalen Lebens auszuschalten, und er gelangt da- durch zu einem Gesamtbild alles dessen, was das Leben bedingt. Das sind zweifellos höchst wichtige Probleme, deren Erforschung iür das Verständnis des Tieroi ganismus und der Wirksamkeit seiner Teile im Einzelneu und in ihrer Zusammenarbeit allein beitragen kann. Hier aber für uns handelt es sich um das volle, gesunde, unver- kürzte Leben, das körperliche, wie das geistige, das wir so kennen lernen wollen, wie es sich in der Natur ab- spielt. Wenn auch, wie schon früher erwähnt, nicht alle Zoologen besonderes Interesse dafür zeigen, so meine ich doch, das« zur Zoologie, zur „Lehre von den Tieren", Menschen" nicht nur die Kenntnis seines anatomischen und histologischen Baues, seiner Entwicklungsweise und allgemeinen Geschichte , sondern auch die Kenntnis seiner socialen Verhältnisse, seiner Thätigkeiten, seiner Leistungsfähigkeit und seines Geisteslebens gehört. ^^ ir müssen diese Seiten des Tierlebcns ebenso gut stu- dieren, wie wir die Funktionen der Verdauungsorgane, der Atuumgs- oder Geschlechtswerkzeuge untersuchen, denn in letzter Liuic handelt es sich doch auch um nichts anderes als um die Thätigkeit körperlicher Organe, des Centralnervensystems und seiner Lcitungsbahneu. Freilich ist das eins jener Kapitel, die sich nicht im Laboratorium und am Studiertisch beaibeiten lassen, sondern eines, das nur draussen in Wald und Feld der Untersuchung zu- gänglich ist, ein l'eld, das nicht von wenigen Forschern bebaut werden kanu, soudern an dem jeder, der Lust und Liebe dazu hat. mithelfen muss und mithelfen kann. Jede Beobachtung, welche sich auf Wechselverhältnisse der Tiere bezieht, jede Notiz über die Arbeiten der Tiere, über ihre Abhängigkeit von äusseren Verhältnissen, über ihre Benützung gebotener Gelegenheiten, über ihre Sinncs- thätigkeiteu und die Aeusserungen geistigen Lebens sind willkonunen. Eine Schwierigkeit, die sich dabei häufig geltend macht, ist die, dass der Beobachter sich immer fragt: „ist das auch interessant?" Wir sehen die Thätig- 78 Der Naturwissenschaftler. No. 10. keiten der Tiere, die wir kennen, fast wie unsere eigenen an, so geläufig uns ihre Erscheinung ist, so wenig können wir ihre gewöhnliche Thätigkeit von ihnen getrennt denken, und es fällt uns nur auf, wenn wir sie einmal anders handeln sehen, als wir es an ihnen gewöhnt sind. Daraus geht schon hervor, dass unsere Beobachtungen in dieser Hinsicht grosse Gefahr laufen einseitig zu werden, und die Bestätigung hierfür finden wir auch sehr leicht in allen Büchern, welche es unternehmen, Schilderungen aus dem Tierleben zu geben. Entweder bemerken wir, dass nur diejenigen Lebensäusserungen und Geistesthätigkeiten hervorgehoben werden, welche geeignet sind, die Tiere im günstigsten Lichte zu zeigen — oder aber die ganzen Darstellungen sind so von menschlichen Gesichtspunkten aus verfasst und das Ganze so anthro]jomorphisiert, dass man nicht mehr glaubt, Tiere vor sich zu haben, sondern Menschenseelen in Tierbälgen. Liest man z. B. Brehms Tierleben, ein Buch, dessen grosse Verdienste um die Verbreitung zoologischer Kenntnisse und um die Popu- larisierung der Liebhaberei an den Teilen der Zoologie, die ich gerade bespreche, voll anerkannt werden sollen — so kann man sich des eben geschilderten Eindruckes un- möglich erwehren, und liest man ferner die zahllosen Bei- träge zum Seelenleben der Tiere, speciell der höheren, so wird man finden, dass ausnahmslos Thatsachen mit- geteilt sind, welche die Intelligenz der Tiere beweisen sollen; niemals findet man eine Mitteilung über das Gegen- teil. Selten auch werden einfach die Thatsachen ohne Bei- gabe in völlig objektiver Weise referiert, sondern entweder ist die Darstellung schon in bestimmter Weise gefärbt, oder der Erzähler ist sofort mit der Erklärung der Hand- lungsweise bereit — er schiebt dem Tiere einfach die T^eberlegungen und Motive tuitcr, welche ihn selbst zu ähnlichem Handeln veranlasst hätten. — Und das können wir nicht brauchen. Wir brauchen viele, sehr viele Be- obachtungen von Thatsachen, mit allen Nebenuniständen sorgfältig aufgezeichnet — aber nur Thatsachen; aus einer oder zweien lässt sich nichts schliessen, aber aus vielen zusammengenommenen, gesichteten und verglichenen lassen sich nicht nur Schlüsse ziehen, die dem Zoologen, sondern auch solche, die dem Psychologen und Psychiaten von grossem Interesse sein können. Wir haben Grund anzunehmen, dass die geistigen Fähigkeiten der Wirbeltiere von denen des Menschen nicht qualitativ, sondern nur quantitativ verschieden sind, schon darum, weil wir das Centralorgan des Nerven- systems und die Sinnesorgane, welche die Eindrücke der Aussenwelt dem Individuum vermitteln, vom Menschen aus abwärts in allen möglichen Uebergängen bis zum einfachsten, aber typisch immer noch demselben verfolgen können. Und doch treten uns bei den Wirbeltieren schon grosse Schwierigkeiten entgegen. Wir wissen aus Erfahrung, mit welchen Organen wir sehen, hören, riechen, schmecken etc., und übertragen dieselben Funktionen auf die morphologisch identischen Organe der Tiere, wobei wir annehmen, dass sie ähnliche Empfindungen haben werden. Wie steht es nun aber nur mit dem Geruch und Geschmack der Fische. Wir riechen z. B. nur in der Luft suspendierte kleinste Teilchen gewisser Stoffe, im Wasser können wir nicht riechen — die Fische haben nun eine Nase, die derjenigen der höheren Tiere morphologisch entspricht, sie können damit aber doch wohl nur im Wasser gelöste Substanzen wahrnehmen in einer Weise, wie wir mit unserer Zunge schmecken! Wir können uns eigentlich keine Vorstellung machen davon, wie die Fische mit ihrem (leruchsorgan emi>finden. Dazu kommen noch besondere Sinnesorgane an Kopf und Seitenlinie, die bei höheren Tieren fehlen; was die Fische damit machen, können wir nicht einmal vermuten. Nichts aber ist wahrscheinlicher, als dass Tiere mit anderen und mehr Sinnesorganen auch anders empfinden, infolge- dessen sich auch in ihrem Nervensystem andere Vor- gänge abspielen, d. h. dass ihr Geistesleben teilweise ein anderes ist, und zwar nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Und nun erst bei wirbellosen Tieren, deren Nerven- system auf das der höheren Tiere bis jetzt in keiner Weise bezogen werden kann, deren Sinnesorgane so ganz anderer Art sind als unsere, bei denen wir Sinneswahr- nehmungen konstitieren, für die wir die Organe noch gar nicht kennen! Wir beobachten bei Insekten Sinnes- wahrnehnumgen, für deren Vollkommenheit oder auch für deren Qualität uns jedes Verständnis fehlt. — Es giebt grosse Schlupfwesi)en, die mit langer, feiner Lege- röhre versehen, ihre Eier in die Larven von Holzkäfern ablegen, die unter der dicken Borke der Waldbäume im Splint leben: sie sind genötigt, mit der feinen Säge, mit der die Legeröhre versehen ist, die Kinde zu durch- bohren und die Käferlarve anzustechen, um derselben das Ei zu applizieren, wozu sie oft lange Zeit bedüri'en. Man will nun beobachtet haben, dass diese Tiere niemals an einer Stelle die Rinde durchbohren, wo keine Larve sitzt, und das ist wahrscheinlich, da sie in ihrem kurzen Leben viele Eier abzusetzen haben; wie aber, fragen wir, er- fahren sie, dass gerade da eine Larve unter der fast zoll- dicken Borke steckt, eine Larve, kaum grösser als ein Gerstenkorn, die verfehlt wird, wenn sie ein wenig schräg bohren? Andere winzig kleine Schlupfwespen legen ihre Eier in die Eier gewisser Schmetterlinge, z. B. des Ringel- spinners, die ungemein hart sind und in grösserer Anzahl um dünue Zweige herum angeklebt werden. Sie durch- j bohren mit der Legeröhre die Eischale und machen eine so feine Oeffnung, dass sie kaum durch das Mikroskop nachgewiesen werden kann; der Inhalt jedes Scbmetter- lingseies genügt zur vollen Aufzucht einer Schlupfwespen- larve ; niemals werden zwei Eier in ein Schmetterlingsei abgelegt, auch wenn eine zweite oder dritte Schlupf- wespe den Eierhaufen besucht! Woran erkennen sie, dass hier die Arbeit schon gethan ist? Man erkennt sofort, dass es sich hier um Fähig- keiten handelt, die zunächst unserer Beurteilung entrückt sind; hier ist das einzig mögliche, viele völlig objektive Beobachtungen zu machen, ob sich das wirklich immer so verhält, zu beobachten, wie die Tiere sich bei ihrer Thätigkeit benehmen, welche Vorbereitungen sie treffen — ich sehe keinen anderen Weg, zu einem Resultate über solche Fragen zu gelangen. Und dieser Fragen sind zahllose. (Schluss folgt.) No. 10. Der Naturwissenschaftler. 79 Die Atmosphäre und die Erscheinungen in derselben. Von L. Boysen. (Fortsetzung.) In Nordamerika wirkt dieses grosse Miiiiimini, welches über dem nordatiantisclien Ocean liegt, natürlich anders als in Europa; wiihrend hier südliche und südwestliche Winde vorherrschen, so dort kalte nordwestliche. Je rascher dieses oder überhaupt jedes Minimum sich fortbewegt, desto schneller ist der Wechsel des Wetters. Die nordatlantische Depression scheint in ihrer Wirkung häufig von einer an- deren grossen im Norden von Europa unterstützt zu werden. — Ein anderes grosses Minimum liegt im nord- paeifischen Ocean, umfasst einen grösseren Kaum als das vorerwähnte, ist aber um ca. 10 Grad weiter nach dem Süden verschoben. Alaska und der nordöstliche Teil Asiens sind daher durch kalte nördliche Winde ausge- zeichnet, während Skandinavien auf derselben Breite noch die warmen Seewinde empfängt. Zwischen diesen beiden Depressionen liegt über Sibirien ein grosses Maximum, welches im Ganzen nur wenig Veränderungen erleidet. Durch die starke Abkühlung wird die Luftsäule zusam- mengezogen und durch Zutluss von oben erhöht, es entsteht ein höherer Druck. Nun würde aus diesem Gebiet die Luft unten abfliessen, wenn nicht die um- schliesseuden Gebirge diesen Ablluss verhinderten, so aber wird der Fuss der Luftsäule vollständig still erhalten, während ein Ausströmen der Luft nur durch die engen Pässe der Gebirge und über die niedrigen Bergketten selbst stattfindet. So erklärt es sich, dass in diesem ganzen grossen Gebiet während des Winters an der Erdober- fläche fast keine Luftbewegung stattfindet, wodurch aller- dings die hier herrschende kolossale Kälte einigerniassen erträglich wird. In Nordamerika ist die Verteilung des Luftdrucks etwas anders. Der Westen und der Osten sind durch hohe Gebirge getrennt. Es hat sich hier nicht wie in Sibirien ein grosses Gebiet hohen Luftdrucks gebildet, sondern verschiedene Maxima lagern über dem Kontinent. Ein grosses Maximum finden wir auf dem Hoch- plateau im Westen, ein anderes im Osten des Felsen- gebirges, ein drittes bei den Bermuden, ein viertes im Süden. Da aber der Austausch der Luft namentlich im ganzen weiten Osten nicht durch gebirgige Ränder ge- hindert ist, so erreicht das Maximum hier absolut nicht die Höhe wie in Sibirien, ja ist oftmals kaum zu konstatieren. Der ungehinderte Austausch der kalten und der warmen Luft bringt in dem Wetter Nordamerikas die grössten und schnellsten Veränderungen hervor. Vom mexikanischen Golf erhält der Kontinent warme, feuchte Winde, welche ein Autlockcin der Luftschichten und infolgedessen eine Er- leichterung derselben bewirken. Von den nördlichen Gebie- ten hohen Drucks stürzen dann oft mit kolossaler Gewalt kalte Polarwinde in die erzeugten Gebiete niediigen Luft- drucks und bringen häufig im Verlauf eines Tages so kolossale Temperaturertiiedrigungen hervor, wie wir sie an andern Orten während so kurzer Zeit nicht beob- achten können. Hat ein Ausgleich der jjuftmassen statt- gefunden, so kann wieder ein Zuströmen der südlichen Luft erfolgen und der Wechsel von neuem beginnen. Auf der südlichen Hemisy)häre ist währenddessen die Verteilung des Luftdrucks eine andere. Hier finden wir zuerst südlich vom Aequator ähnlich wie im Norden eine Zone hohen Luftdrucks, durch welche die Passate hervor- gerufen werden. Unterbrochen ist die Zone, wie schon früher erwähnt, von den aufgelockerten Regionen der heissen Südkontinente, welche von der See her die kältere I^uft heranziehen. Südlich von der Passatzone fällt das Barometer, um dann bei der Annäherung zum Südpol wieder zu steigen. Die meteorologischen Beobachtungen, deren aus diesem Gebiet nur relativ wenige zu Gebote stehen, haben noch nicht zu feststehenden sicheren Re- sultaten führen können. Jedoch wissen wir, dass in diesem Depressionsgebiet Nordweststürme eine häufige Erschei- nung sind. In unserin Sommer ist die Anordnung des Luftdrucks wieder eine andere. Die Kalmen- und Passatzone ver- schiebt sich nach Norden über den Aequator hinaus. Die Landmassen im Norden, über denen im Winter Maxima lagen, werden erhitzt und erzeugen jetzt Minima. So bildet sicli namentlich über Centralasien und Sibirien ein grosses Depressionsgebiet, so dass dann von hieraus oben ein Abfliessen der Luft stattfindet. Man hat diese Ver- änderungen des Luftdrucks im Sommer und Winter dem Atmen verglichen: Während der kalten Jahreszeit wird die Luftmasse grösser, der Kontinent atmet Luft ein, im Sommer aus. Die nordoceanischen Minima werden nach Norden gedrängt. Auf der südlichen Halbkugel sind die Verhältnisse währenddessen einfach; hier liegt tim die ganze Hemisphäre ein Gebiet hohen Luftdrucks, welches im Atlantischen Ocean mit dem Maximum der Passat- region zusammenfällt. Innerhalb der grossen eben besprochenen Minima bilden sich häutig durch örtliche Einflüsse grössere Er- wärmung einzelner Orte, sekundäre oder Teilminima, Ijvelche häufig denselben Weg wie jene verfolgen, häufig aber auch sich von ihnen absondern und auf eigene Hand ihre Strasse verfolgen. Durch diese wird sehr häufig der Witterungscharakter eines Ortes beeinflusst. Je kleiner das Gebiet eines Minimums und je tiefer der Barometer- stand in seinem Centrum den umliegenden Orten gegen- über ist, desto gewaltiger bläst der Wind von allen Seiten in dasselbe hinein, es entstehen Wirbelwinde, C'yklone, welche mitunter eine solche Gewalt erlangen, dass sie alles in ihren Bereich Kommende zerstören. Manche Ge- genden sind durch das Auftreten solcher Stürme berüch- tigt. Besonders finden wir diese kolossalen Luftbewe- gungen in den Tropen, wo die Bedingungen für die Ent- wicklung von sekundären Minimis sehr günstig sind, doch kommen dieselben auch in unseren Breiten vor, wenn auch nicht so gewaltig wie dort. ^Während hier bei uns schon ziemlich heftige Winde durch Baro- meterunterschiede von ca. 5 mm hervorgerufen werden, finden wir dort zuweilen solche von 50 »um. AVandert eine Cyklone über einen Ort hinweg, so zeigen grosse schwarze Wolken das Herannahen derselben an. Der Wind beginnt allmählich, und je nach dem Umfang der Depression und der Tiefe des Barometerstandes in ihrem Centrum nimmt auch die Gewalt des Sturmes 80 Der Naturwissenschaftler. No. 10. zu, welcher sicli nur zu liäufig zu verheerenden Or- kanen gestaltet. Ist ein Ort im Centrum, so hat er Windstille, die aber nach dem Sturme nicht beruhigend wirkt, weil bald darauf aus einer andern Richtung die Luttl)eweginig wieder zu rasender Gewalt anwächst und erst aufliört, wenn die ganze Cyklone den Ort passiert bat. In den westindischen Gewässern nennt man diese Wirbelwinde Hurrikans, mehr noch als diese sind ge- fluchtet die Taifune der chinesischen und ostindischen Gegenden, wo dieselben namentlich zur Zeit des Monsun- wechsels auftreten. Namentlich an der chinesischen Küste wüten sie mit verheerender Gewalt. In dem westlichen Teile des Indischen Oceans ziehen die Cyklone fast immer eine bestimmte Strasse über die Insel Mauritius hinweg, dieselben haben daher den Namen „Maniitiusstürme" ei-halten. Von viel geringeren Dimensionen und deshalb lange nicht so weit zerstörend sind die Tornado.s, noch kleiner sind die Tromben, die Sand- und Wasserhosen, von welchen auch unsere Gegenden glücklicherweise nur selten betroffen werden. Dieselben senken sich schlauch- oder trichterartig zur Erde, führen mit sich fort oder zerstören alles, was in ihren Bereich kommt. — In den höheren Breiten schreiten die Centren der Wirbelwinde meistens schneller fort als in den Tropen. Ausser den hier erwähnten kolossalen huftbi-wegungen haben wir noch Winde von besonderem Charakter zu betrachten, durch welciic einige Gegenden besonders aus- gezeichnet sind. Das Wüstengebiet Nordafrikas sendet hei.sse, trockene Winde aus, wi'lche in den verschiedenen Gegenden mit verschiedenen Namen belegt sind. Ueber Sicilien weht der iieisse „Scirocco", welcher immer nur einige Stunden dauert, während dieser Zeit aber grosse Verheerungen anrichtet. ,\lles trocknet zusanmien, Staub lagert sicli ab und dringt durch verschlossene Thüien und Fenster in die Hänser. Die Feuchtigkeit der Luft ist ausserordentlich gering, die Temperatur hoch. Menschen und Tiere leiden darunter, besonders aber die Vegetation. die Blätter rollen zusannnen und fallen ab. Tritt dieser Wind zur Erntezeit auf, so wirkt er sehr zerstörend. Dieselben Winde findet man rings um die Sahara unter verschiedenen Namen: so an der ostspanischen Küste den „Leveche", über die Westküste Afrikas ins offene Meer hinaus bis Madeira den „Leste", in Oberguinea den ,,IIar- mattan", den „Khamsin'' in Egypten. Auch um andere grosse Wüstengebiete finden sich ähnliche Winde, so im nördlichen und mittleren Arabien der „Samum". Aehn- lich sind auch die Stürme der Mohavewüste in Nord- amerika und die aus dem Innern Australiens konnuenden Winde. Letztere sind besonders heiss, und Neumayer hatte einmal Gelegenheit zu beobachten, wie durch diesen Wind die Aepfel an den Bäinnen faktisch gebraten wurden. Dabei steigt das Thermometer in Neusüdwales zuweilen bis über 40" C, während sich die Temperatur nach dem Innern zu noch erhöht. Diesen warmen Winden stehen die kalten gegenüber, welche dann und wann bestimmte Orte heimsuchen, so im südlichen Frankreich der Mistral, ein stürmischer Nord- oder Nordwestwind, in Dalmatien und Triest die Bora, ein aus Nord oder Nordost kommender heftiger Wind. Man kann sich diese dadurch erklären, dass sich am Fuss der Gebirge, bei den erwähnten Winden also im Süden der Cevennen und im nördlichen Teile des adriatischen Meeres Depressionen bilden, in die dann vom Kamme der Berge die kalte und relativ trockene Luft hineinstürzt. Ein besonderer Wind ist auch der Föhn. Früher glaubte man, derselbe sei ein besonderes Phänomen der nördlichen Al])en, es hat sich aber herausgestellt, dass derselbe sich auch in zahlreichen anderen (iebirgsländern wiederfindet, so in der Krim, in (jrönland, am Himalaya etc. In den Alpen tritt er besonders am Nordabhang dei- Mittelalpen auf, vom Jura bis zum Vorarlberg, doch findet er sich vereinzelt auch weiter im Osten, im Inn- thal und im Salzkammorgut. Hann hat speciell für die Aljien folgende Erklärung dieses Phänomens gegeben. Am Nordfuss des Gebirges zieht sich von Westen nach Osten eine Depression entlang. Diese pumpt gleichsam die Luft aus den Thälern heraus, die niedersteigende Luft wird wärmer und dadurch auch relativ trocken. Erst nach ungefähr einem halben Tage kommt auch die Luft am Süda))hang des Gebirges in Bewegung. Diese ist reich an Feuchtigkeit, welche durch die oben herrschende niediige Temperatur kondensiert wird, es entstehen grosse Niederschläge; heftige Schneegestöber sind eine sehr häufige Erscheinung. Die meisten Föhntage treten im Herbst und Winter auf, im Frühling und Sommer weniger. (Fortsetzung folgt.) Der Sturmsrang über die Erde in den Jahren 1886-1887. (Tageblatt d 60. Vers, deutsoh. Naturf. und Aerzte, 1887, S. 116—117.) Alle Stürme, welche seit dem Frühjahr 1886 bis ' Antillen-Stürme gegangen sind. Im Antillen-Meer steigt Herbst 1887 über Europa gingen, hatten nach Becker ihren Ursprung in Nord-Amerika. Im Sommer 1886 (April bis September) sind fünfzehn Stürme über Europa der Herd der Cydone mit dem Aufstieg der Sonne (21. März) aus der Karaiben-See nach dem Golf von Mexico und geht mit dem Abstieg (21. Juni) wieder gegangen, die fast alle eine Fortsetzung von Stürmen in j nach dem Aequator hin. Trinidad, Jamaika, Cuba sind Nord-Amerika waren. Im Winter 1886—1887 zogen in die Stationen der Cyclone; von diesen gehen sie über sleicher Weise ungefähr ebensoviel über den Ocean her- über, und der Sommer 1887 hat mit einem Dutzend Stürmen den gleichen Gang bestätigt. Von vielen Stürmen Hess die Herkunft aus dem Antillen-Meer sich nachweisen. Bei den andern konnte man genau die gleichen Pfade erkennen, welche die Matamoros, Galveston, Neu-Orleans, Florida in grosser Breite über Nord-Amerika. Die Alleghanies trennen den Sturm in zwei Aeste: einer zieht am Mississippi hinauf bis zu den Kanadischen Seen: einer der Ostküste entlang nach New-York. An der Mündung des Lorenzostromes (45» nördl. Breite) treffen die Aeste zusammen. Hier No. 10. Der Naturwissenschaftler. 81 werden sie von dem kalten Strom, der an der Hudson- und Baft'in-Bai herabkomnit, zurückgewiesen und ostwärts über den Atlantischen Ocean gedrängt. Der Zug über den Ocean weist deutlich auf eine gleiche Triebkraft, wie die des Meeres-Stromes, des Golf-Stromes. Die Sonne erwärmt, wo sie senkrecht steht, das Meer auf SO" C. Der Dampf steigt kreiselnd empor; er wird bis zur Eiskuppel der Luft getrieben, dort erkaltet und in Gewittern, Kegen- und Hagelschauern herabg'eschleudert. Die Kreiselung entsteht durch Zu- strönumg kälterer Luft (nur wo die Sonne senkrecht steht, erhitzt sie das Meer auf 30", die Luft auf 60» C); der Wirbel dreht sich in gleicher Weise weiter; der W^asserdampf, der fort und fort dem Golfstrome entsteigt, giebt ihm neue Nahrung; er treibt ihn, bis auf dem trockenen Binnenland aller Dampf im ßegen herniederfiel. Mit dem Golfstrom kommt der Wettersturm nach Europa. An der britannischen Küste scheidet er sich in einen Nord- und einen Südstrom. Der Nordstrom zieht in zwei Aesten, einer um Norwegen und das Nordkap nach dem Nordpol; einer über die Nord- und Ostsee nach der Wolga zu; am Uralgebirge kommen die beiden Aeste zusammen. Der Südstrom zieht durch den Bis- caischen Busen nach den Alpen; hier spaltet er sich in zwei Aeste, einen, der über Ober-Deutschland nach Ungarn, einen, der über Oberitalien nach dem Balkan zieht. Im Osten der Karpathen am Schwarzen Meere vereinigen sich beide Südströme. Hier treffen sie auch mit dem von Moskau kommenden Nordstrom zusammen. Der vom Eismeer erkaltete Noi-dstrom wirft den Süd- strom zurück und bestreut die Alpen mit Schnee, oder der stärkere Südstrom schiesst eine Bresche und über- schwemmt die Theiss-Mulde. Der Nord- und Südstrom berühren einander und bilden den mitteldeutschen Strom, der von Paris zwischen Vogesen und Taiuius hindurch über den Ivhein- gau, den Main u. s. w. nach Böhmen zieht. In dem böhmischen Granitkessel oder in der Theiss-Mulde treffen nicht selten die drei Ström.' zusammen. Der Sommer 1887 bietet dafür erschreckende Beis])iele. In der zweiten Hälfte des April zogen mehrere Ströme von dem Mississippi nach Osten. Am 15. — 16. und 22. — 23. April gingen sie ab; am 25. A])ril trifft der erste, am 1. — 2. Mai der zweite in England ein. Nach kleineren Pausen meldet das Wetteramt zu Washington in der ersten Hälfte des Mai eine Keihe von Stür- men, die alle ostwärts über den Ocean zogen. Die April- stürme waren um Norwegen nach dem Ural gegangen und hatten die Dämpfe des entgegenstehenden Süd- stromes als Schnee auf die Karpathen, das böhmische Gebirge und die Alpen geworfen. Es kommen nun die Maistürme nach Europa; am 16. erreichen sie England und Frankreich, am 17. ziehen sie in drei Kolonnen über Mittel-Euro])a : einer dem Harz und dem böhmischen Ge- birge entlang über die Karpathen, einer über Mittel- Deutschland und Böhmen am Nordrand der Alpen, ein dritter am Südraud der Alpen hin. Sieben Tage währt der Kegenstrom, ganz Siebenbürgen und das Banat wer- den überschwemmt. Nach drei Tagen Pause kommt ein neuer Stromzug aus Westen, der dieselben Pfade geht. Von drei Seiten, aus Nordwest, aus West und Südwest wird das unglückliche Ungarnlaud von Sturm, Gewitter, Hagel und Regengüssen getroffen. Die ganze Theiss- mulde ist gefüllt; es brechen die Dämme, Dörfer und Städte vergehen in den Fluten, die Menschen ringen verzweifelnd mit dem Sturm und Regen, welche von oben, mit der Wasserflut, welche von allen Seiten sie be- drängt. Die zweite Hälfte vom Sommer 1887 bringt mit der rückschreitenden Sonne über Nordamerika, insbesondere das Binnenland im Westen der Alleghanies, grosse Hitze und Dürre. Der warme Meeres- und Luftstrom, der um den Nordpol zog, kam als kalter Strom durch den Sund von Island und die Baffin-Bai herab. Er schlägt die Dämpfe nieder, derart, dass selbst auf dem Ocean Schiffe in Brand geraten. Europa wird von gleicher Hitze betroffen; in Nordamerika 40— 42o, in Europa 35 — 37» C. Der wasserlose Sturm fegt über die Länder; in Nordamerika gehen Städte, Prärien und Wälder in Flammen auf. Das gleiche Schicksal trifft Europa. Am 6. und 7. Mai waren schon 5 Städte und Dörfer in Ungarn, eine ganze Stadt in Polen, grosse Waldungen in Galizien verbrannt. Ende Juli und anfangs August steht ein grosses Flammenmeer über ganz Europa. In London, Hüll und Paris brennen grosse Fabriken, in Belgien ein ganzer Wald, in Böhmen, Ungarn und Polen werden Städte und Dörfer zu Dutzenden zusammengebrannt. Es ist kein anderer Missethäter, als der Sturm. Die Lawinenbrüche, Bergstürze und Schneestürme im letzten Sommer seien nur erwähnt. Auch sie stehen im Zusammenhang mit dem grossen Sturmgang, der im Winter durch Frost die Bergschichten lockerte, im Früh- ling bei Tau sie löste und im Regenguss zu Fall brachte. Wer es erforschen könnte, möchte für all die Unfälle, welche in Eiuopa die Menschen trafen, die Seitenstücke in Nordamerika finden, zum mindesten die gleichen Ursachen und Wirkungen auf beiden Kontinenten erkennen. Die Tropfsteinhöhle bei Warstein. Ueber diese Hohle erhalten wir aus Duisburg nähere Mitteilungen, welche auf einem Berit'hte des Bergiueisters Pöpiünghaus fussen. Ungefähr 4 Kilo- meter westlich von Warstein au dem Wege nach Hirsclil)erg liegt der sogenaniito Bilstein, ein flacher Bergkegel von etwa 40 Meter Höhe. Derselbe besteht aus Stringocephalen-Kalkstein, der in massigen Bänken auftritt und stellenweise schrofl' hervorragende Felsen bildet. Durch Auswaschungen sind in demselben mehifäch Klüfte und Höhlen entstanden und seit Jahren bekannt; wegen ihrer geringen Dimensionen und weil in denselben nichts Al>sonderliches zu sehen war, wurden sie jedoch nicht weiter beachtet. Ebenso blieb eine an der halben Höhe des nördlichen Bergabhanges in der Felsenwand befindliche Oeffnung von 0.40 Meter Durchmesser ununtersucht. bis unlängst ein herzhafter Knabe aus Neugierde sicli hineinwagte und Wunder- dinge erzählte von alledem, was er m dem Berge ge- 82 Der Naturwissenschaftler. No. 10. sehen. Infolgedessen hat der "Warsteiner Verschönerungs- Verein eine Untersuchung und Erschliessung der Höhle vorgenommen. Der Massenkalk zeigt an dieser Stelle zwei Klüfte von 3 — 5 Meter Weite mit ziemlich steil ab- fallenden Seitenwandungen, welche mit ihren Endpunkten unter einem Winkel von etwa 40 Grad aufeinander stossen. Die an der Tagesohertläche ausgehende Kluft hat eine südliche Kichtung und eine Länge von etwa 45 Meter, während die zweite bei einer ungefähren Länge von 55 Meter eine nordöstliche Richtung nimmt. An dem Schnittpunkte dieser beiden Klüfte beträgt die Weite des Hohlraums 6— 7 Meter und die Tiefe 18 Meter. An dieser als der tiefsten Stelle sammelt sich auf dem Boden der Höhle etwas Wasser an, im übrigen ist die- selbe ziemlich trocken, nur an den noch später zu be- sprechenden Tropfsteingebildeu fallen hin und wieder einzelne Tropfen ab. Kalkstein-Blcicke von teilweise kolossalen Dimensionen liegen unregelmässig auf dem Boden der Höhle umher und füllen dieselbe stellenweise bis auf 2 Meter vom Gewöllje an, während der Hohlraum an anderen Stellen vollständig offen ist und eine Höhe bis 18 Meter zeigt. Zwischen diesen einzelnen Blöcken und den Hi'ihlenwandungen entstehen selbstverständlich mehr oder minder grosse und tiefe Si>alten, deren Ueber- steigen mit nicht geringen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden ist. Der malerische Keiz dieser unregelmässigen Wandbilduug wird noch besonders gestei^ort durch die prachtvoll ausgebildeten Stalaktiten und Stalagmiten, welche in zahlloser Menge und in allen möglichen Formen das Innere der Höhle ausschmücken. Dieselben erheben sich auf den Kalksteinblöcken nicht selten bis unter die Decke der Höhle, als formliche Tragsäulen von 0,30 Meter Durchmesser und bis zu 4 Meter II(ihe. Andere sind wieder von oben und unten fast aneinander gerückt und durch einen nur wenige Millimeter starken Faden miteinander verbunden. An einzelnen Stellen stehen dieselben so dicht zusammen, dass man beim Passieren der Höhle sich hindurchwinden muss. Ganz besonderes Interesse erhält die Höhle aber durch die vorweltlichen Knochen, welche in einzelnen mit dem sogenannten Höhlenlehm (die im Wasser unlös- lichen Bestandteile des ursprünglichen Gebirges) aus- gefüllten Ausbauchungen (Seitengewölben) gefunden sind. Der grösste Teil derselben wurde oben auf dieser Lehm- schicht gefunden; einzelne wurden aber auch aus dem Letten ausgegraben. Ein AVürzburger Geologe, der sich in der Nähe aufhielt und mehrere Tage hindurch die Höhle durchforschte und die Ausarbeitungsarbeiten persönlich leitete, hat die sämtlichen gefundenen Tierreste (eine grosse Kiste voll) zu näherer Untersuchung mitgenom- men. Nach deren Beendigung sollen diese Tierreste in einem besonderen Ausstellungsraum zu Warstein für die Besucher der Höhle aufbewahrt werden. Soviel in Er- fahrung gebracht wurde, befindet sich unter diesen Knochenresten ein ziendich gut erhaltener Schädel mit Zähnen vom Höhlenbären (Ursus spelaeus), desgleichen von der Höhlenliyäne (Hyaena spelaea) und andere Knochen von den Tiergattungen Felis und Canis. Andere neuerdings aufgefundene Knochenreste sind nach Bonn gesandt worden und vom Medizinalrath Prof. Dr. Schaafl- hausen untersucht und unzweifelhaft als dem Höhlenbär (Ursus spelaeus) zugehörig erkannt worden. Es waren dies Schädelknochen, der untere Teil des Oberarms und und ein wahrscheinlich einem Köhrenknochen angehöriges Bruchstück. Zur Zeit ist man eifrig damit beschäftigt, bequeme Auf- und Abstiege, auch Ueberbrückungen zur Sicherheit der Besucher herzustellen. Bis zur Fertig- stellung dieser Vorsichtsmassregeln ist der Besuch der Höhle Damen untersagt. Zur Zeit wird die Höhle täg- lich beieits von 40 — 50 Personen besucht und es ist unzweifelhaft, dass diese sehr interessante Entdeckung noch Tausende von Naturfreunden anziehen und mit Bewunderung erfüllen wird. Kleinere Mitteiluiigen. Ueber die Verbreitung des Albinismng hat unlängst der be- kannte Anthropologe R. Andrea einen interessanten Vortrag ge- halten, den wir hier in Kürze wiedergeben wollen: Man unterso neidet einen vollkommenen, einen unvoll komn)enen und einen teilweiseu AlbiniBmus. Der erstere ctarakferisiert sich durch den vollständigen Mangel des dunklen Farbstoffes im Körper des betreBenden Menschen oder Tieres ; der zweite Grad geht oft bis an die Grenzen des normal gefärbten Slenechen heran, sodass die Unterscheidung von den Blonden schwierig wird. Bei allen Naturvölkern sind die Albinos als kranke AuBuahmegeFchöpfe angesehen, welche e ne besondere Stellung ein- nelimen und an die sich allerlei Aberglauben knöpft. Am Hofe des Königs von Loango hielt man sie als Wundergeschöpfe, andeiwärts werden sie als unglückbringend betrachtet und darum schon als Kinder geopfert. Im malajiechen Archipel, auf den Philippinen be- steht der Volksglaube, dass sie aus einer Vermählung indischer Weiber mit Sternschnuppen, Teufeln, Orang-Utangs hervorgehen. Die Verbreitung des Albinismus ist eine sehr ungleiche Unter den Schwarzen Australiens ist noch kein Fall von Albinismus beobachtet worden. Die umliegenden Inseln, wie Neu-Hebriden, Nen-Caledonien. Bismarckarchipel, Fidschi-Inseln sind dagegen ein Hauptcentrum. Merk- würdig ist. dass sie im westlichen Neu-Guinea selten, im Osten häufig sind Auf dem asiatischen Festlande scheinen sie nur im äussersten Norden ganz zu fehlen, denn in allen übriG;en Teilen wie Indien, China etc. sind sie, wenn auch zuweilen nur vereinzelt, getimden worden. Unter den Rothäuten Noidaraerikas finden sich keine Al- binos In llexiKo hat sie schon Cortez sehr zahlreich vorgefunden "Weiter nach Stiden stets an Zahl zunehmend, erreichen sie in Central- amerika den Höhepunkt ihrer Verbreitung Vereinzelt werden sie unter den südamerikanischen Indianern beobachtet. Die meisten Albinos birgt Afrika. Im Nigerdelta machen sie einen nicht unbe- deutenden Teil der Bevölkerung aus; sie sind häufig in Kamerun, an der ganzen Westküste. Iuj Süden werden sie selten. An den Nil- seen ist wieder ein Centrum des Albinismus, und auch in der ganzen Breite des nördlichen Afrika sind sie verbreitet. Kuropa ist in dieser Beziehung noch nicht genau durchforscht. Ob der Albinismus an- geboren oder erworben ist, steht noch nicht fest, jedenfalls aber ist die alte Äl einung, d iss er ein Produkt der blutsverwandten Ehen ist, als irrig nachgewiesen worden. Eine Anzahl der rheinischen Flora fremder Pflanzen beobachtete Dr. (Jeisonheyner in Kreuznach und zwar Sisymbrium Sinapistrum Crtz., Lepidium perfoliatiim L , Anthemis rnthenica M. B., Senecio vemalis W. K. und Br.i-ssica elongata var. armoracioides (Czern) Aschers, auf einer Schuttablagerungestelle am Naheufer. Auch bei Bingerbruck fand Kobbe die letztere Pflanze mit Sisym- brium Sinapistrum Crtz. in grosser Menge und einigen Pflänzchen von Aegilops caudata L. Das Vorkommen dieser dem östlichen Europa angehörigen Pflanzen ist dadurch zu erklären, dass ein Kreuznacher Getreidegrosshändler, welcher mit Ungarn einen regen Verkehr unterhält, die Kückstände, welche das Keinigen des Getreides ergeben, an das Nabeufer hat bringen lassen. Ebenfalls zu den PreradTingen der rheinischen Flora gehört Lepidium perfoliatum, welches aus Niederösterreich stammt und noch weiter naheaufwärts vorkommt, ucd Hirschfeidia adpressa Mnch., welch letztere am linken Naheufer zwischen den festgefügten Steinen einer Böschung in der Nähe der Eisenbahnbrücke von Geisenheyner beobachtet wurde. Diese Crucifere ist sOdeuropäisch und gleicht vollkommen den Exemplaren, welche auf der Rheininsel bei Neuenburg gefunden werden und die von der typischen südeuropäischen Form durch eine weniger graue Farbe sich unterscheiden. Sie ist wahrscheinlich ebenfalls durch Samen eingeschleppt. Auf der Pfingatwiese, einem grossen Platze, auf welchem jährlich der Kreuznacher Markt abgehalten wird, beob- achtete Geisenheyner endlich weitverzweigte Exemplare von Crepis taraxacifolia Thuill. so reichlich besamt, dasa diese Art dort nicht nur einen neuen Standort erobert; sondern auch festzuhalten scheint (Verh. d. Nat. Ver. d. p. Rheinide. etc. 1886, Carresp.-Bl. S. 78— 80). Der Sitz der Chinaalkaloide ist nach Tschirch fast ausschliess- lich das Rindenparenchym und zwar der Inhalt der Zellen. Da dieses Rindenparenchyra bei den erneuerten Rinden in gan« ausserordent- lichem Masse vermehrt wird, so ist es erklärlich, warum gerade diese Rinden so alkaloidreich sind. Die Vermehrung des Alkaloid- gehalt! beruht vorwiegend in einer verstärkten Ausbildung der dünn- wandigen alkaloidführenden Gewebselemente, nicht in einer Ver- mehrung des absoluten Gehaltes der einzelnen Zelle an Alkaloid. (Tagebl. d. 60. Vers, d Niturf. u. Aerzte, 1337 S. 94.) No. 10. Der Naturwissenschaftler. 83 Eine Verbesserung der Blitzableiter hat ProfeäBor Gieseler in Bonn zufällig entdeckt. Er fand an einer alten Ulme von der Spitze des Baumes bis etwa 1 m über den Erdboden einen etwa zwei Finger breiten klaffenden Riss in der Rinde, der nachweiBslich von einem Blitzschläge herröhrte. Derselbe endigt genau an der Stelle, wo ein verzinkter Eisendraht an den Baum genagelt ist und denselben )ii;t Nachbarbäumen und Pfählen zum Schutze des Rasens verbindet. Durch den Draht ist also die Elekiricität aufgenommen und soweit an die verschiedenen Stützen verteilt worden, dass sie für jede einzelne, ohne nachweisbare Wirkung zu hinterlassen, an den Boden abgegeben wurde, (jieseler hält es demnach für sehr zweckmässig, überall da, wo es unmöglich ist, das (jrundwasser mit der Erdleitung zu erreichen, also hauptsächlich auf hohen Bergen und da, wo der Boden auf grosse liefen hin durchlassend ist, die Erdleitung dadurch zu verbessern, dass man die Enddrähte an die benachbarten Bäume da anschliesst, wo die Wurzel begiunt Unter der Rinde ist immer Feuchtigkeit, und die Wurzeln finden durch ihr Wachstum von selbst die relativ feuchtesten Stellen des Bodens. Die neue Einrichtung hat sich am Wirtschaftsgebäude des Drachen- fei« im Siebengebirge als praktisch erwiesen. (Verh. d. Nat. Ver. d. p. Rheinide. etc. 1886, Sitzucgsber. S. 261.) Ein neues DesinfektionsmittAl, das Kreolin. Dasselbe ist in weit höherem Grade sowohl desinfizierend und desodoiisierend wie antis.-ptisch wirkend, als die Karbolsäure Nach ünterauchungeu, welche Dr. v. Esmarch im Hygien. Inst, in Berlin angestellt und im Centialbl. f. Bakteriologie und Parasitenkunde IL Nr. 10 und 11 veröffentlicht hat, erstreckt .sich die Wirkung des Kreolins auf be- liebige Faulfliissig keifen, auf Cholera- und Typhusbacilleu. Nur allein bei Milzbiaudsporen erweist sich die Wirkung der Karbolsäure als überlegen. Von ganz ausserordeutlicber Wirkung war Kreolin bei Faulflüssigkeiten, die einen fürchterlichen Geruch von sich gaben Ein Zusatz von 1 pro ilille Hess denselben schon verschwinden, während das gleiche Quantum Karbol wirkungslos blieb nnd selbst ein lOfacher Zusatz davon den Gestanknicht wesentlich zu vermindern vermochte. Dr. Esmarch lenkt am Schlüsse seiner durch zahlreiche Tabellen erhärteten Ausführungen die Aufmerksamkeit der Chirurgen auf die besondere todbringeLde Wirksamkeit des Kreolins gegen- über pathogenen Mikroorganismen, besonders auch denen des Eiters. Ans EIsass-Lotbringen. Jn der Nähe des zwischen Saar- Union und Keskastel liegenden Butterbacherhofes wurden vor einiger Zeit etwa 500 römische Münzen gefunden; dieselben stammen aus der Zeit der „dreissig Tyrannen" (260— 26H u. 075). Die Münzen sind Eigentum des auf diesem Gebiete eifrig thätigen, bekannten Fachgelehrten, Pfarrer Dahlet in Hambach, welcher einige davon der btrafsburger t'ibliothek zugesendet hat. Man hat vor, demnächst die Ausgrabungen im Bärenthal (liei Bitsch-Niederbronn) fortzusetzen, woselbst einst die alte römische Strasse von Zabern nach Saarbrücken lührte und sich ein Kloster befunden haben soll Der bekannte Humorist des Saargaues, der frühere Amtmann JUoscherosch von Finstingen, einer der geistvollsten Schriftsteller des 17 Jahrhunderts, half — allerdings gegen seinen Willen — als Gefangener der Kroaten, das zum „Lutherischen Abt" genannte Kloster im Jahie 1687 plündern, wobei die Kroaten einen Schatz von 1200 Dukaten unter der Stein-, platte eines Grabes fanden. An dieser Stelle soll nun nachgegraben werden. — Bei ilackweiler im Lichelthal, der Aquila der Kömer, liegen gallisch-römische Ttermen, welche vor kuizem vom „Verein zur Erhaltung geschichtlicher Denkmäler des Elsass'' angekauft wurden. Man hat dort wieder eine Badestation errichtet, nachdem man lange nach dem Becken der „bichelgans", einer alten Mineralquelle und Quelle der römischen Wasserleitung, gesucht; das Wasser wird gegen- wärtig analysiert; die Entdeckung ist den Pfarrern Dahlet aus Uambach und Gourmez aus Diemeringen zu verdanken. Astronomischer Wochen-Kalender vom 4. bis 11. Dezember 1887. Sonnen- Epbemeri de. Tag und Dstnm. i 5 S M Deklin ■s-S ■5 3 Ml s < 5 a «5 11 ^1 d a M St. M. M. S.|U. M. U.M St. M. U. M. U.M St. M. S. 4. 252'^ 16.42 —22" 15' - 9.41 7.54 3.46 7. .52 7.10 4 30 16.52 M. 5. 253» 46 -!;2" 22' - 9.17 55 46 51 D. 6. 264" 51 —22" 30' - 8.52 57 46 4'- M. 7. 255" 56 -22" 37- — 8.26 58 45 41 7 14 4 30 17. 4 D. 8. 256" 17. U —22« 43' — 8. 59 44 45 P. 9. 257" 4 -220 50' — 7.33 ^. U 44 44 S. 10. 258" 8 -220 55. - 7. b 2 44 42 7, 17 4 29 17.15 S. 11. 259" 13 —230 0' - 6.38 3 44 41 Mond-Ephemeride. MoDats- und v^ahrestag. i Deklin. Aufgang. Untergang. Parallaxe. ü. M. Sl. M. tl. M. U. M. s. 4. 338 2.42 Vm 7.39 -f20" 2' 7.32 Nm 10.48 Vm 8,2177 M. 5 339 3 35 „ 8.29 -1-18" 99' 8.40 , 11.28 „ D. 6. 340 4 27 ,. 9.26 -1-150 51' 9.52 „ 0. 2Nm M. 7. 341 5.19 „ 10.21 -f 120 16' 11. 8 „ 0.31 „ 8,2300 D. 8. 342 6 10 , 11.17 -1- 7" 54' 57 „ F. 9. 343 7. 1 , 12.12 -1- 30 0' 0.26 Vm 1.22 „ S. 10. 844 7.53 „ 13. 7 - 2« 9' 1.46 , 1.46 , 8,2409 S. 11. 345 8.46 „ 14 4 — 70 16' 3.7 „ 2.11 „ Letztes Viertel am 8. Dezember 4 Uhr 4 Min. Vm. Die rasche Aenderung der Zeitgleichung mit der langsamen Ab- nahme der Tageslänge bringt es mit eich, dass gegen Ende der Woche die Tage abends anscheinend zu kürzen aufhören, wogegen morgens noch eine merkbare Abnahme stattfindet. Planeten. - Merkur | T, Aufg. abds. 7 Uhr 38 Min.) fast unverändert. Die kleine Sternschnuppen-Periode vom 8. bis zum 11. wird abends durch die Abwesenheit des Mondlichtes begünstigt. J. P. Litteratur. Znr Reform des Natnrgescbichts - Unterrichts in der Volksschale. Von F. Baade, Seiu -Lehrer in Neu-Ruppin. (34 S.) Spandau 18s7. Preis 0,50 Pf. Das Heft enthält einen in der Oktober-Ver- samiTilung des Lehrerverbandes der Provinz Brandenburg zu Rathenow gehaltenen Vortrag über die sich neuerdinss vielfach geltend machende Bewegung für eine Neugestattuug des Naturgeschichts-Ünterrichtes der Volksschule. Verfasser gehört nicht zu den radikalen Umstürzlern, die alles beschreibende Verfahren über Bord geworfen wissen wollen, sondern erkennt mit Recht an, dass die Beschreibungen ein sehr wichtiges Stück in dem naturgeschichtlichen Unterrichte sind und bleiben müssen. Wir stehen nicht an, sie geradezu die erste Stelle ein- nehmen zu lassen Dem Kinde die Fertigkeit beizubringen, richtig zu beobachten und das Beobachtete richtig und geläufig darzustellen, ist zeitraubend und schwierig, aber für das Leben von enormer Wichtigkeit Der Einflechtung von religiösen Betrachtungen, von poetischen Ergüssen und dergleichen möchten wir nicht das Wort reden, i'azn ist der Religionsunterricht, der deutsche Unterricht vorhanden. Die Ausführungen des Verfassers sind in klarer, gut lesbarer Weise ge- geben. Volksschul- und Seminarlehrer werden durch die Lektüre manche Anregung gewinnen. — e — Belssner, L., Handbuch der Coniferen- Benennung. Geb. Preis 2 Mk. Buchhandlung d. Deutschen Gärtner- Verbj,ndes in Erfu'.t Bibliothek der gesamten Naturwissenschaften. Hrsg. v Dammer. 19 Lfg. Pies 50 Pfg Otto Weiert in Stuttgart. Engler, A., u. K. Praiitl, Die natürlichen Pflanzentamilien, nebst ihren Gattungen u wichtigeren Arten, inbeson- dere den Nutzpflanzen 13. Lfg. Mit lUustr. Subskr.-Preis 1 Mk. 50 Ptg. Einzelpreis 3 Jlk Wilhelm Engelmann in Leipzig. Flückig'cr, F. A., Pharmaceutische Chemie. 2 Aufl. 2 Tle. Preis 24 Mk. K Gaertner's Verlag, H Heyfelder in Berlin Gantzer, R., Leitfaden f. den physikalischen Unterricht in höheren Lehranstalten 2. Aufl Mit Illustr. Preis 4 Jlk. Weidmann'sche Buchh. in Berlin Grossmaiin, Meteorologische Divisionstafeln 4 Taf. Preis 80 Plg. Schlüter'sche Buchh. (Wilh Hallet in Altona. Hellwald, F. t., Die menschliche Familie nach ihrer Ent- stehung u. natürlichen Entwickelung. 1. Lfg Preis 1 Mk. Ernst tjünther's Verl.Tg in Leipzig. Karsch, A., Vademecum botanicum. Handbuch zum Bestimmen der in Deutschland wildwachs., sowie in Feld u Garten, im Park, Zimmer u Gewächshaus kub i vierten Pfian en. 3. u 4. Lfg. Preis k Lfg. I Mk. 20 Ctg. Otto Lenz in Leipzig Lorscheid, J., Kurzer Grundriss der Mineralogie Sep.-Abdr. aus der II. Aufl d. Lehrbuchs der anorgan. Chemie. Mit illustr. Preis 40 Pfg. Herder'sche Verlagshandluug in Freiburg i. B. — , Lehrbuch der anorganischen Chemie m. e. kurzen Grundriss der Mineralogie 11. Aufl, bearb v. U. Hovestadt. Mit Illustr Preis 4 Mk.; Einbd. 50 Pfg. Herder'sche Verlagsh. in Freiburg i. B. 84 Der Naturwissenschaftler. No. 10. Schulthess-Rechberg, A. v., Fauna insectoruni helvetiae. Hy m enoptera. Farn. Diploptera Latr (Veppida att.) Preis 1 Äik. 60 Pfg. Huber & Co. (Hans Köiber) in Bein. Strässle'.s, F., Illustrierte Naturgeschichte der drei Kelche. 4. Aufl., volUtänd g nmgtaib v. F Stiässle u. L Baur. 2?. Lfg. P Eis 50 Pfg. Wilh. ^Jitzschke in Stuttgart. Gegen Einaendiing den Betrages (auch In Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Znr Besorgung litterarischen Bedarfes h'alten wir uns bestens empfohlen. Berlin S.W. 48. Die Expedition des „Xatnrtvissenschaftler." Inserate, namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, ])hysikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. SV Für den Inlialt der Inserate sind wir nicht verantwortlich. 'VS 9V Bei Benützung der Inserate bitten wir höflichst, anf den „Xatarwissenschaftler" Bezng nehmen zu wollen. Wir empfehlen unser Blatt gur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Atigeboten, sowie zu Anzeigen, welrhe An- gebot, Nachfrage und Tausch nattirwissenschaftticfier Samtnlungen etc. vermitteln lu Ernst Günther's Verlag iu Leipzig be;;;iiiut zu erscheinen: n »e menschliche F amilie [43] nacli ihrer Entstehung; uuJ natürlichen Entwicklung vou Friedr. v. Hellwald. In lOiuoiiatliclieii LiclVrunsiCii /n 1 Min-k. Aus dem reichen Inhalt lasseu wir folgende LehiTsIclit folt^eu : 1) Die Geschlechter und der ] 9) Exogainie u Clanbildung. PaaruDgstrieb. 2) Werbesitten , Geschlechts- verkehr im Tierreich. 3) Die Familie im Tierreich. 4) Natur- und Urmensch. 5) Das Schamgefühl und dessen Aeusserungen. 6) Kuss und Liebe. 7) Derüeschlechtsverk.i.d.Vorz 10) Das Matriarchat etc 11) Polyandrie u verw. Ersch. \'2; Der Frauenraub u s. Folg. 13) Die Kaufehe und ihre Ver- breitung. 14) Das Patriarchat. \h) Die antike Familie. 17j Die väterliche Familie der neueren Zeit etc. etc. Die Expedition des „Naturwisseuschaftlor" ist in den Stand gesetzt, die erste Lieferung vorzulegen und Bestellung auf die Fortsetzung entgegen zu nehmen Das vornehmste humoristische Wochenblatt Oesterreichs ist „Das lachende Wien^^ Preis pro Quartal für Deutachland Mk. 3. — . Die Administration Wien, IV. Bez., Karlsgasse No. 9. EifleiiWellriif haben O. Kirberg's b«ri)bmte Rasirmesser. ijelbc &ii>d auAdeui feioätcu Silborslahle, hohl f^escbliffpo, fertig zum Oebraucb. Preis perSiUclt U.S., 6 Stück M. #.S. Etui für Kasirmesser per Sliiclc 30 Pf. 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Ptemfl Patentanwalt cbutilk'heii Gebrauchs. Fabrikant: Paul Waechter, Berlin S.O. KöpulekiTsir. 112. Ausführl. Kataloge gratis und franko. 'i Abbild. Yi d. nat. Grösse. HesicDs erapl'ublen von den bedeulendsiru Zi-iitiugeu. z B. Oanenlaube, Ueber i.and und Meer. Mumbnldt, Die Natur, Deutsche M -dizinal Zeitung. VoBsiscbe Zeitung, Apoiheker.Zeitung. Köuigl preuss. Staatsaozeiger uud von noch Über lüO Zeitungen und Pacb;^t.-lebrten. Exp ort n ar h allen Ländern der Erde. [39) Den im Dezember neu hinzu- getretenen Abonnenten li>>fern wir die im Oktober und November er- schienenen Nummern unseres ■ Naturwissenschaftler ■ gegen Nachzahlung von 1,25 Mk. (am eintachsten in Briefmarken) franco nach. Die Expedition des „Saturivissenschaftler" Berlin SW. 48. Kein Nachahmer hat notariell bestät. lobende Anerkennungen wip zu Tausenden nur B. Becker iu Seesen a Harz über s. Holl. Taback 10 Pld. frc. 3 Mk. [35] Einzelne Nummern unseres „Katni-wiHMeu^cliaftler'* liefern wir zum Preise von 25 Pfg. pro Nummer franko. (Briefmar- ken werd. in Zahlung genommen.) Di e Exp. d.,.H3turwissenschaltler". 500 Mark in Gold, wenD (Jrolich'H Gesichtssiilbe nicht alle Hauiuor inifckeiieD, aU: Sommer- sprossen, Leberflecke, Soonenbraud etc. beneitigt uod den Teint bis ins Alter blt-ndend weiss und jugendlich frisch erhält — Keine Schminke. — Preis Mk 1,20 En gros 35 Ti^-geln = 1 Postpacket Mk 21,— ab Brunn per Nachn. — Haiipiversendiings-Depoi bei J GrolicU in Itriiun, Mahren. — Haupt^ Versand für (>etail /um Oiiginalpreiae vonMk •,20perTieKelbeiC.K.,Oahm8j Droguerie in Berlin ü-W,, Komman- danienstrasse 8. (26) luserate für No. i'l des „NaturHissensciiaftlcr** bis spätystPEN 10. DeAcniber erbeten. Unserer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Ver- lagsbuchhandlung Otto Weisert in S^tnttgart über die Volksausgabe der Bibliothek der gesamten Natur- wissenschaften bei, den wir der Beachtung unserer Leser empfehlen _^____ Veraatwortlicher Redakteur: Dr. Carl Riemauu ia üö »rlitz. — Verlag von ßiomauu & Möller, Berliu S.W. 48. HnflTtnpnTi. Rrtriin O, Der Naturwissenschaftler. Allgemein verständliche Wochenschrift für sämthche Gebiete der Naturwissenschaften. Abonnetnentspreis : Bei den PostanstaltPii und Buch- liaiidliiiigeii vierteljälirlieh JC 2. — ; Bringegeld liei der Post 15 ^ extra. I)irekt unter Kreuzband von der Expedition .M 2.40. Redaktion: Dr. Carl Riemann. Veilag von Riemann & IVIöller, Berlin SW. 48 Fnedricli-.StrassH 2-iti. Inserate : Die viergesi)altene Petitzeile 30 4. Grij-ssere Auftriigfe entspreclienden Rabatt. Beilagen J^ 5 pro Tau.';end exkl. Postgebühr. Inseratenannabme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 11. Dezember 1887. Nr. 11. Der Abdriifk der Ori}»i"«ls»»'t»kel «»«t ""i" •"•* ir Dr. .1. Von K (^Schluss.) Man hat sich früher in solchen Schwierigkeiten mit dem Worte „Instinkt" zu helfen gesucht, den uuin in dei' mannigfaltigsten Weise detinierte; auch jetzt noch holt man die leidige Bezeichnung oft genug, und wer sie nicht anwenden will, spi'icht von ,, Fähigkeit, Diang n. dergl." Damit ist aber nichts erkläi't, nichts begriffen. Eine Anzahl Erscheinungen, die man früher nntei' dieser Rubrik verzeichnen nnisste. sind ja durch sorgfältige P.e- obachtinigen dem N'erstiinilnis näher gebracht worden, so z. I>. die ,,Kähigkeit'' der Briettauben, aus grosser Entfernung den Weg zum heimatlichen Schlag wieder- zufinden; das ist keine besondere Gabe, sondern wie 86 Dei' Naturwissenschaftler. Nr. 11. man jetzt wolil weiss, ein dui-ch vortieft'liclie Seliorg-ane unterstütztes , hoch ausg-ebildetes Ortsgedächtnis, und unsere Zugvögel, die jeden Früliling den Ungeheuern Weg zum Teil aus dem Innern Aii'ikas hei'aus und jeden Herbst dahin zurücli: machen, finden gleichfalls nur dadurch ihr Nest wieder. Die Aufmerksamkeit dieser Tiere bei ihren Fitigen hoch in der Luft und auf weite Entfernungen ist nicht wie bei den Menschen durch eine Menge von Gedanken von dem abgelenkt, was sie sehen; sie erfassen das Bild der Gegend ohne Störung und prägen es fast momentan ihrem Gedächtnis ein, so dass sie es jederzeit wiedeierkennen. Eine Brieftaube, die man soweit von Hause wegschickt, dass sie beim Aufsteigen in die Höhe nichts von bekannter (Jegend sehen kann, findet höchstens durch Zufall, wenn sie bei tagelangem Umheriri'en endlich doch einen Anhaltspunkt merkt, ihi'en Heimweg ■\\ieder — ein junger Zugvogel findet ohne den Schwärm derjenigen, die mindestens ein- mal die Reise gemacht haben, niciit nacli dem gelobten Land des ewigen Sonnnei's, er bleibt zurüi-k und ver- kommt. Hat er den Weg aber einmal gemacht, so ver- gisst er ihn nie wieder. — Bei diesen Zugvögeln, kann man einwenden, ist aber doch noch der Di'ang unerklär- lich, der sie von hier forttreibt teilweise zu einer .lahi-es- zeit, wo fiii' sie Futter in Hülle und Fülle voriianden ist, wo die Temperatur keine Abnahme zeigt — dei' sie forttreibt von ihren Jungen, die noch nicht mitkönnen, und der selbst den jahrelang im Käfig g(>liaitenen zu bestimmter Zeit ergreift und unruhig macht, das ist doch Instinkt! Gewiss ist diese Erscheinung nocii nicht er- Idärt, aber vielleicht biaucht man auch hier den Instinkt nicht, wenn man daran denkt, dass sie hervorgerufen sein kann durch Alteration des Nervensystems infolge von Ernährungs- und Stottwechselvorgängen. genau so wie der Wechsel dei' Federn, der Eintritt der Brunst eine Eri'egung der Haut resjjektive der Geschlechtsorgane ist, die gewiss niemand einen Instinkt nennen will. Leider liegen derartige Untersuchungen ^■om Wege der meisten Zoologen so weit abseits, dass sie eher geneigt sind, auf Grund uKirphologischer Untersuchungen in Streitfragen sich einzulassen, als zuei'st einmal durch Beobachtung ihres Objekts im Leben nachzusehen, ob der Streit die Mülie lohnt! Wie viel wurde infolge der Erkenntnis vom Bau des zusannnengesetzten Auges der Insekten geschi'ieben, über die Art des Sehens dieser Tiere; nach dem einen sollen sie nur in dei' Nähe, nach dem andern nur in der Ferne scharf und deutlich sehen; übei'zeugt hat keiner den andern. Ich bin der Meinung, dass diese Seite der Frage sich viel müheloser und schneller durch Beobachtung lebender Insekten wiitl entscheiden lassen; und zui' Lösung derselben braucht man weder Zoologe noch Phj^siologe zu sein. Ich möchte mü' hier noch gestatten zum Beweis, wie einfach sich oft das geistige Leben der Tiere ana- lysieren lässt, von einem reizenden Experiment zu er- zählen, das ein Aquarienliebhaber, ohne es zu wollen. anstellte. Zu seinen kleinen A(iuarienfisclit'n brachte er eines Tages einen jungen Hecht, der beträchtlich grösser war als die übrigen Fische. Als lichtiger Räuber machte sich der Hecht daran, die andern Fische zu verzehren und hatte in kurzer Zeit mit ihnen aufgeräumt. Neu hinzugesetzten Fischchen ei-ging es nicht anders. Der Besitzer wollte den Hecht nicht entbehren, aber auch andei'e Fische am Leben erhalten, und so teilte er das Aquarium duich eine Glastafel in zwei Teile, in einem dei' Hecht, im andei'n die übrigen Fische; der Hecht erhielt kleine Fische als Nahrung, aber sobald er mit diesen fertig war oder auch schon früher, stiess er nach den Bewohnein der andern Hälfte, rannte sich aber jedes- mal an der unsichtbaren Scheidewand die Nase an. Nach einigen Tagen schon machte er keinen Versuch mehr, die Fische der andern .Abteilung zu erbeuten, sondern verfolgte nur, was zu ihm hineingesetzt wurde. Nun nahm der Besitzer die Glastafel wieder heraus; obwohl nun die Fischchen alle wieder den lleclit umspielten, Hess er sie ungekränkt, dagegen frass er alle, die neu hinzukamen. — Die ganze geistige Thätigkeit des Hechts liegt hier sehr klar: er machte beim Versuch, jene Fische zu eibcuten, die Erfahrung, dass das unmöglich und vor allem scliiiierzliaft sei; er hat auch ein gutes Gedächt- nis und merkt sich die Individualität jener nicht zu er- langenden Beute — aber er ist ausser stand, eine Ur- sache seiner Misserfolge zu erkennen, ausser stand, die spätiM' veränderten Umstände zu erfassen — für ihn sind jene Fischindividuen, die er kennt, unfressbar, die andriii nicht. Und wie \iele der berühmten Geschichten von der Intelligenz dei- Munde, Pferde und anderer Tiere würden sich bei genauem ZuselK-u und der Möglichkeit, die Umstände dbjektiv zu prüfen, um vieles einfacher ge- stalten, wie oft würde die bewusste Absicht des Tieres, die merkwürdige Vorausberechnung- verschwinden. Ich bin weit entfenil. au der Intelligenz der Tieri' zu zweifeln; ich wollte nur andeuten, wie vorsichtig man sein muss, nicht zu viel zu lienbachten. Ich könnte aus eigner Er- fahrung eine ganze Anzahl l'.eiibaclituiii^en mitteilen von hohen und niederen Tieren, die kaum anders aufgefasst werden können, als in dem Sinne, dass die Tiere Er- fahrungen, die sie gemacht haben, auf ihre Ursache zu l>rüfen im stände sind, dass sie die Erfahiungen sich zu nutz machen und danach Disjiositioneii trefien; dagegen kenne ich andere, welche selbst liei hochstehenden Tieren das gerade Gegenteil beweisen. Es mag sein, dass es auch bei Tieren in der Freiheit kluge und dumme giebt. Jedenfalls sind wir noch lange nicht so weit, um all- gemeine Urteile abzugeben, um uns ein Bild zu machen vom Geistesleben auch nur (Muei- klehieu Gruppe von Tieren. Dieses Kapitel der Biologie der Tiere muss noch gründlich durchforscht werden, und zur Beihilfe sind alle berufen, die Lust und Liebe dazu haben. Ich weiss wohl, dass ich im Laufe dieser Zeilen von dem durch die Ueberscln-ift gezeigten Wege etwas Nr. 11. üer Natui'wissenscliaftlei'. 87 abgvkdiiimen bin mul Dinge voi'gebi'aclit habe, die unter dein (ibenstelienden Titel scliwer initeiy.id)ringen sind; es kam mir.abei' diesmal weniger dai'aufan, einen belehrenden, als einen aufmunternden .Vufsatz zu schreiben. Diejenigen, die sicii der Ueberschiift zufolge anderes verspi'ochen haben, möüen mir \erzeilien. die abei-, welche durch meine Worte allenfalls angeregt wurden, die Zoologie und ihre a^ufgaben anders als oft üblich zu betrachten und ihi' in dem oben ausgeführten Sinne ihi-ewerkthiitige Unterstützung entgegenbringen wollen, seien aufrichtig willkommen! Ein neuer Beitrag zur Flechtenfrage. \'oii Dr. Kie Die Flechten werden heutzutage nicht mehi' als ein- heitliche Organismen angesehen, sondern als eigenaitige l'rodulvte eines i'arasitismus von Pilzen aus der Keihe der Ascomyceten einerseits und niedei'cn Algen andrei-- seits. Seit Scliweudenei' zuerst 1868 diese y\nsicht vor- trug, hat sie mit jedem .Jahre mehr IJoden ei'obert, und augenblicklich hängt ihr die überwiegende Majoiitiit der liotaniker an. Sie wird ebensowohl durch die Resultate anatomischer Untei'suchungen, wie duich die von Ivultui- versuclien gestützt. Niemals ist es gelungen, das Hervor- wachsen der algenartigen Bestandteile, die man Gonidien nennt, aus den pilzartigen Fäden, den Hyplieu, zu er- weisen. Dagegen zeigten sich erst(M'e in ihrem Bau nach allen Richtinigen übereiirstimmend mit Algen, die man auch in ti'eiem Zustande kannte. F]s gelang, die Gonidien aus dem Flechtenthallus zu befreien, sie aus.sei'- lialb desselben zu züchten, und sie machten dann genau dieselbe Kntwicklung durch und jitlanzten sich ebenso fort, «ie die ihnen ähnlichen Algen. F]s fand sich fei-ner, dass die Flechten|iilze, wenn man sie aus den isolierten Fort]iflanzungskör])ern odei- S])oren erzog, abstaiben. nachdem sie kaum die ei'sten Keimungsstadien durch- laufen hatten, dass .sie sich dagegen zu normalen Flechten entwickelten, wenn man ihnen die ents])r(>chenden Algen dai'bot. Trotz dieser Fülle von Thatsachen, welche für die Schwendenei'sche F^lechtentheorie sprachen, hat dieselbe doch von seifen der Lichenologen bis in die neueste Zeit Anfechtung erlitten. F'reilich stellten sich ihre an- geblichen Gegenbeweise stets als unzulänglich und auf Irrtümern beruhend heraus. Immerhin erhoben sie aber mit einem grösseren Recht den Einwand, dass die Theorie Scliwendenei's so lange als unumstösslicli nicht betrachtet werden könne, als es nicht gelungen sei, auch die J'^lecliten- pilze isoliert d. h. ohne Algen zu erziehen. Ob diese Foi'dernng erfüllbar sei, konnte alleitlings als zweifelhaft gelten. Es wai' ja denkbai', dass die parasitischen Flechten- pilze ihren Wirten, den Algen, deiart sich angepasst hätten, dass ihre künstliche Ernährung ohne die Algen unmöglich geworden wäre. Indessen sind die Methoden zur künstlichen Kultur von Pilzen in Nähiiösungen in letzter Zeit namentlich durch Boefeldts Verdienst so vei'vollkomni- iiitz-Gprlot'f. net worden, dass die Wahi'scheinlichkeit ihi'es Gelingens auch bei Flechteni)ilzen sehr gestiegen war. In der That hat vor kurzem ein Schüler Boefeldts, Alfred ^löller, der- artige Kultui'en erfolgreich durchgefühlt und die Re- sultate seiner Arbeiten in den „Untersuchungen aus dem botanischen Institut dei' königl. Akademie zu Münster i. ^^'.■■ unlängst verötfentlicht. Beziehen sich dieselben zur Zeit auch nur auf Krustenflechten, so ist der Ver- fasser doch damit beschäftigt, seine Kultuien auch auf Strauch- und BlattHechten auszudehnen, und er giebt an, dass die hierbei gewonnenen Resultate mit den mit- geteilten sich vollkommen im Einklang befinden. In ein- zelnen Fällen haben es die künstlich einährten Flechten- pilze bis zur Bildung von Fiuclitkörpem gebracht. Es ergab sich, da>s die Flechteniiilze eine Langsamkeit der Entwicklung zeigen, «-eiche unter den bekannten Pilzen ihresgleichen bis jetzt nicht hat. .Tedenfalls düifte jetzt die ,i''rage nach der Dojipel- natui- der Flechten als endgiltig gelöst gelten, da der letzte Beweis\\'eg, welchei' zur Widerlegung der gegne- rischen Einwände möglich war, erfolgreich beschritten worden ist. Gewissermassen als Nebenprodukt hatte aber Möllers Arbeit noch ein zweites wichtiges Resultat gezeitigt. Unter den Oi'ganen d(^r Flechten waren es die Spermo- gonien und die in iiinen gebildeten Speimatien, deren Bedeutung bis jetzt völlig rätselhaft geblieben wai'. Zwar hatte Stahl in .lena beweisen zu können geglaubt, dass diese Spernuitien bei einigen Flechten die Rolle von männlichen Befruchtungskörpern spielen. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen waren indessen nicht einwands- frei. .letzt hat mm Möller die F'lechtenpilze nicht nur aus den Schlauchsporen, sondern mit ganz gleichem Er- folge auch aus den Spermatien gezüchtet. Damit ist die Natur derselben aufgeklärt. Sie haben sich als Fort- ptlanzungszellen entpu])i»t und stellen sich den auch bei anderen Ascomyceten bekannten und dort weit verbi'eiteten „Pycnoconidien" an die Seite, mit denen sie auch die Gestalt und Bildungsweise gemein haben. Möllers Arbeit liefert somit zwei wertvolle Beiträge zu unserer Kenntnis einer lange verkannten (iruiipe von Oi'ganismen. 88 Der Natunvisscnschaftler. Nr. 11. Die Atmosphäre und die Erscheinungen in derselben. Von L. Boy seil. (Fortsetzinig.) Die optischen Eisclieinung-en der Atniosi)häre wer- den teils durch Absorption, teils diu'cli Reflexion und Refi-alition des Lichtes hei'vorgeriifen. Eine täglich be- obachtete Erscheinung ist die blaue Farl)e des Himmels; im Zenith ist dieselbe am tiefsten und whd nach dem Horizont zu weisslich. Je freier die Atmosphäre von Dunst und Rauch ist, desto reiner eischeint das Blau des Himmels. Eine dui'chaus befriedigende Lösung der Entstehung dieser Kaibe ist noch nicht gegeben. Sie ist dadurch erkläit, dass durch die I^uftteilchen die blauen Sti'ahlen des zusammengesetzten weissen Lichtes stärker reflektiert werden als die andern, h^ine andere Erklärung sagt, dass in den höheren Regionen eine Menge der roten Strahlen absorbiert werden. — Die Morgen- und Abendröte zeigt sich dann, wenn die Soinie nahe am Hoi'izont steht und die Strahlen derselben einen langen Weg durch die Luft zurücklegen müssen, IjcNor sie zum Auge gelangen. Dieselbe entsteht wahrscheinlich dailmrh, dass die längeren Wellen des loten Lichtes bei ihrem Duichgang durch die Atmosphäi'e von den durch nächt- liche Abkiililung kondensierten Dunstkügelchen in ihn-m regelmässigen Lauf weniger gestört wei'den als die andern Strahlen. l>ei klarem Himmel zeigt die Erscheinung eine mehr gelbe Farl)e, bei sclnvacli bcdecktei' Luft matt- rot; schön rot, wenn llaufenwolken in der Nähe dei- Sonne stehen. Der Feuchtigkeitsgehalt dei' Luft hat auf die Farbe einen Einfluss, imd wolil kann man danach bei einiger Uebnng auf die kommende Witterung schliessen. Breitet sich das Abendrot weisslich gelb über den Himmel aus, so kann man auf wahrscheinlich stüi-misches Wi'tti^r schliessen, bei schön iDter bis i)uriiurner Farbe daif man gutes Wetter ei'warten. VAne glänzrudr optische Er- scheinung ist der Regenbogen; deiselbe entsteht teils dui'ch Bi'echnng, teils dui'ch Zerstreuung des Lichts. Haben wir die Sonne im Rücken und \uy uns eine Regenwolke, den Staub eines Wasserfalls oder Spring- brunnens, so zeigt sich uns ein P.ogen schöner Farben, welche denen des Sonnenspektrums entsprechen, innen violett, aussen rot. An jedem Oi't sieht man einen anderen Regenbogen, oder anders ausgedrückt, jeder Be- obachtei' sieht seinen eignen Bogen. Derselbe hat un- gefähr einen Halbmesser von 41". Der Mittelpunkt des Bogens liegt stets auf einer Linie, welche man vom Auge nach dem der Sonne diametial entgegengesetzten Punkt, der unter dem Horiznnt liegt, gezogen denkt. Steht die Sonne demnach hoch, so erscheint er flach, hochgewöllrt bei niedrigem Sonnenstand. Schon Descartes gab eine Erldärung des Regenbogens. Tritt ein Strahlenbündel in einen Regentropfen, so wird dasselbe an der voideren Seite gebi'ochen, an der hinteren Seite tiitt dei- grössere Teil aus, der kleinere wird reflektiert, und zwar so, dass der reflektierte Stralil mit dem eingetretenen einen Winkel von ca. •41° bildet. Weil die verschiedenen einfarbigen Strahlen, welche das Sonnenlicht zusannnensetzen, ver- schieden gebrochen werden, so dass der ^^'inkel füi- rot 42" 30', für violett 40" 40' beträgt, so werden die Strahlen zersti-eut. Nach diesen Zahlen beträgt die Zer- streuung 1" 50'. Wäre die Sonne ein Punkt, so würde der Regenbogen in dieser Breite bestehen, dieselbe er- scheint als Scheibe von ','2" Durchmesser, so dass im ganzen der Bogen eine Breite von 2" 20' zeigt. Neben dem Hauptbogen erscheint häuflg ein Nebenbogen, der in der Anordnung dei- Farben die umgekehrte Reihen- folge zeigt als jener und durch z^\eimalige P>rechung und Reflexion im Innern des Troiifens entsteht. Der- selbe erreicht eine Breite von 3" 33'. Eine namentlich im Norden und in der kalten Jahres- zeit gar nicht seltene Erscheinung sind Ringe und Höfe um Sonne und Mond. Man führt die Entstehung der- selb(Mi zurück auf die Brechung d(^s Lichtes in den Eis- krystallen, weiche in hohen Regionen schweben. Beim Monde l)eobachten wir die Erscheinung häuflger, weil die von ihm kommenden Lichtstrahlen keine grosse Wärmewirkung hervorbringen und deshalb für das Fort- bestehen der Eiski ystalh^ günstig sind. Am öftesten beobachtet man einen Ring von 22". Seltener sieht man zwei oder meliri'ie Hinge. Ist dieses jedoch der Fall, so tritt auch meistens ein horizontaler Liclitstreif dabei auf, der an den Durchschnittspunkteii mit den Ringen Nebensonnen oder -Monde bildet. Manche Erscheinungen berulien auf der Ihvchung des Lichtes allein. Für die Brechung des Lichtes gilt ja l)ckanntlich der Satz, dass ein Lichtstrahl, von einem ilüninTen in ein dptisch dichteres ^Mittel tretend, dem Einfallslot zugebi'ochen wird. Im nininalen Zustand nimmt die Dichtigkeit der Luft von oben nach unten zu. Ein von der Sonne kommender Lichtstiahl wird in der Atmosphäre denniach so gebrochen, dass er einen Bogen beschreiljt, dessen konkave Seite nach unten gerichtet ist. In der Richtung der an den letzten Teil der Kurve gelegten Tangente sehen wir den lenclitemlen Punkt. Je grösser der Weg, den ein Strahl durch die Atmo- sphäre zurücklegen muss, desto grösser ist auch die Täusclinng über den Avahren Ort des leuchtenden Punktes. Strahlen vom Zenith erhalten keine Ablenkung. Auf dieser Brechung des Lichtes beruht die Dämmerungs- erscheinung. Je grösser der Winkel ist. unter dem die Stralilen in die Atmosphäre einfallen, d. li. je weiter ein Ort zum Pole hin liegt, desto länger ist die Dämmerung, In den Tropen gehen dalu'r Tag und Nacht unvermittelt ineinander über, nach den Polen nimmt die Dämmerung immer mehr zu. Die voUe Nacht dauert nur so lange, bis die Sonne sich von unten dem Horizont bis auf 16" genähert hat. Von ca. 51" nördhcher und südlicher Breite giebt es bei dem jedesmaligen höchsten Stand der Sonne keine Nacht, es gehen dann Abend- und Nr. 11. Dei' Naturwissenschaftler. 89 Mori;-en(lilmmerunK ineinaiuler über. Auch auf der Erde selbst -wird man durch die Brechung des Lichtes getäuscht. Konnnt von einem hohen Punkt ein Strahl ins Auge des l^eobachters, so ist derselbe durch die immei' dichter werdenden Luftschichten gebi'ochen, der Strahl beschreibt einen nach unten offenen Bogen; dei' Punkt erscheint höher, als ei- in Wirklichkeit ist. Sind die Luftschichten übei' der Erde weniger dicht als die übleren, wie dieses in den heissen Wüstenregionen, im Spätherbst über dem dann wärmeren Meei'e häufig der Fall ist, so wird das Licht in entgegengesetzter Weise gebrochen, dann wird die konvexe Seite des Licht- bogens der Ei'de zugewendet. Es entstehen merkwürdige Luftspiegelungen, welche namentlich in den Wüsten- regionen l)ekannt sind und hier als Fata Moi'gana den Wüstenwanderei' täuschen. \\'eil die Luftschichten häutig schwanken, so werden nicht selten die Bilder unklar und undeutlich. In Küstengebieten, so in Italien, Holland, Ostfriesland und andern Orten, sowie ferner in den I^olarmeeren kommen häufig solche Luftspiegelungen vor. Man sieht hier eine Partie des Strandes, ein Schiff' etc. in umgekehrter Stellung, noch bevor diese Gegenstände in den Bereich des Hoiizontes eines J3eobachters ge- kommen sind. Es sind Beisjüele bekannt, wo man zwei Bilder übereinander ^\■ahrgenommen hat, das unterste in umgekehi'tei', das obei'ste wieder in gerader SteUuug. Aus dieser Stellung kann man sclüiessen, dass sich in der Höhe anoi'mal erwärmte Luftschichten befanden. Eine der glänzendsten optischen Erscheinungen der Atmosphäre ist das Polailicht, je nachdem es auf der südlichen oder nördlichen Hemisphäre sichtbar ist, Süd- licht oder Noidlicht genannt, welches so häufig die langen Nächte der höheivn Breiten ei'hellt. Dieses Phänomen ist noch nicht in genügender Weise aufgeklärt worden, doch ist wohl ziemlich sicher, dass dasselbe mit dem Erdmagnetismus in Zusammenhang steht, weil der Mittel- punkt desselben der Lage nach der Richtung der Magnet- nadel entspricht. Das Nordlicht oder Südlicht zeigt sich in verschiedener Gestalt. Oft gehen von einem kleinen Seg- ment am Horizont Strahlen radial bis über den Scheitel des Beobachters hervor, oft bilden sich meikwürdig aussehende Draperien. Je nähei- man dem Aequator kommt, desto weniger Polarlichter sieht man. Dass diese Erscheinung der Erdatmosphäre angehört, geht daraus hervor, dass sie an der Achsendrehung dei' Eide teilnimmt. Man hat verschiedentlich versucht die Höhe des Polarlichtes zu bestimmen. Professor Lemström hat unterhalb der Wolken Nordlichtstrahlpu beoliachtet. Dahingegen hat man manchmal konstatiert, dass die Höhe der Ausstrahlung bis über 130 /■■;/( betrug. (Fortsetzung folgt.) Desinfektion der Wände. Dr. Esmarch. Assistent am hygienischen Institut in Berlin, hat die Desinfektion der Wände zum Gegen- stand \iin Untersuchungen gemacht, deren Eigebnis in einem dei' neuesten Hefte der ..Zeitschrift für Hygiene" veröffentlicht ist. Man hat die Wände von Zimm(>rn, welche zum Aufenthalt von Personen gedient hatten, die mit ansteckenden Krankheiten behaftet waren, früher vielfach in der ^^"eisl» desinfiziert, dass man die Tapeten einfach abriss und \erl)raiiiite. hlin solches ^'el'faln'en ist aber nicht nur ungeeignet, sondern auch gefährlich, da beim Herunterreissen der Tai>ete fast sämtliche daran sitzende Keime abgestäubt werden und so einmal den Arbeiter infizieren, dann aber auch in die benachbarten Zimmer gelangen und den Tnf ektionsstott' weiter verbreiten können. Auf diese Gefahi' ist man schon früher auf- merksam geworden, und es sind eine ganze ßeilie von Desinfektionsmitteln zui' ^'erwendung gelangt, von denen sich aber mehrere als ganz uuzweckmässig erwiesen. Die schweflige Säuie z. B.. auf die man lange festes Vertrauen gesetzt hatte, erwies sich nach den \ mi Koch und Woltfhüij'el ausgefülirten Versuchen als ganz unge- eignet zur Desinfektion der Zimmerwände; das Gleiche gilt nach Fischer und Proskauer von den C'hlordäiniifcn, und auch der von Koenig empfohlene Sublimat dampf vermag nach Heraeus und Kreibohm die Wände nicht genügend zu desinfizieren. Dr. Esmarch hat nun die Wirkung einiger anderen Desinfektionsmittel einei' L'nter- suchung unterzogen. Eins derselben beruht auf der Anwendung heissei' Wasser dämpfe. Esmarch Hess bei seinen Versuchen den Wasserdampf, ehe er auf die Wand traf, noch durch eine Flamme sti'eichen und er- hielt dadurch für denselben Temperaturen bis zu etwa 200 ". Das Resultat war nicht sehr günstig, da einige Taiieten noch, nachdem der Wasserdampf vier und fünf Minuten eingewirkt hatte, nicht vollkommen sterilisiert waren. Ausserdem ist aber zu berücksichtigen, dass durch den Luftzug des mit Heftigkeit aufprallenden A\'asserdampfes eine ganze .Vnzahl von Keimen losge- rissen und im Zimmer serstäubt werden, ehe die hohe Temperatur des Dampfes sie erreicht und zt^rstört hat. Es sind also bei diesem Vorgehen dieselben Gefahren wie beim Altreissen dei' Tapeten zu befürchten. Das Abwaschen dei' Wände mit Sublimat- oder Karbol- säure-Lösung hatte einen bedeutenden Effekt, absolute Jveimfreilieit «'urde aber auch hier nur in wenigen Fällen erzielt. Bei zweimaligem Abwaschen der Wände war das Resultat befriedigender, da in der Hälfte der l'^älle die "Wand von allen Keimen befreit wurde, l^s war dabei im grossen und ganzen gleichgilf ig, ob 1 prozentige Sublimat- oder 2- oder 5 prozentige Karbolsäurelösung zui' Verwendung kam. Es sclieint also, als ob bei dieser Art der Wandreiniguug das mechanische iOntfernen der Keime mittelst des Schwammes die Hauptsache ist. Aelin- liche Resultate wie mit dem Abreiben wurden erzielt, als die Wände dem von Guttmann empfohlenen Si)rüli- regen von liii'ozentiger Sublimat- oder öprozentiger 90 Der Natuiwisspnschaftler. Ni'. 11. Kai'bolsiuiielösuiit;' ausgesetzt \\'ui den. Der dieser Metliode gemachte PJinwui'f, dass die Keime einfacli xon der A^'and abgesiiriiht werden und in die Zimnierluft übergehen, ist nach Esmarchs Versnclien unl)egründet. Beim Absprühen tritt nicht die mechanische, sondern die chemische Wirliung in den Vordergrund; die Keime bleil)en an der Wand sitzen, werden aber durch Sublimat bezw. Karbolsäure daselbst getötet. Dieses Verfahren ist dem Abwaschen insofern vorzuziehen, als das Aussehen der Wände nicht darunter leidet. Schliesslich ist nofii ein Mittel zum Reinigen der Wände belvannt. das allerdings nicht bak- terientötend wirken kann. Es ist dies das Abreiben dei' Wände mit Brot. Neuerdings ist dasselbe in Berlin polizeilich vorgeschrieben woiden bei der Des- infektion \on Wohnungen nach ansteckenden Krankheiten. Um seine Wirksamkeit zu erpi'oben, verfuhr Esmarch so, dass er frisches Eoggenbi-ot derartig zei-sehnitt, dass er handgrosse Stücke der harten Kinde bekam, an dei' noch eine dünne vSchiclit der weissen Krume ansass. Erkannte mit diesen Brotstückchen sehr bequem unter massigem Drurk die Wände abreiben. Diesi^s Verfahren ei'gab nun viin allen die besten Resultate, in drei Fällen untei' zwölf wai' nach einmaligem Abreiben die \\'and völlig keimfrei geworden, in den übrigen war die Zahl dei' noch haften gebliebenen Keime eine sehr geringe. Nach zweimaligem Abreiben, was in drei Fällen ausge- führt wurde, fanden sich nirgends mehr Keime. Das Aussehen der Wände leidet, wie es ja auch bekannt ist, durch das Abreiben nicht. Da auch die Anwendung des Sublimats und des Karbols verschiedene Uebelstände mit sich führt, die bei dem Abreiben mit Bi'ot nicht \ov- handen sind, so emptiehlt Esmarch das letztei'e Verfahren als das beste und voi1<'ilhafteste. Fivilich ist das zu verwendendi' Material etwas teurer als bei den andern Methoden. Duch würde ein mittelgi'osses ZimnK^i', d'"^sen Wände etwa ji' 5 ni lang und 3 iii hoch sind, au(;h nur für etwa 2— 2. .50 Mk. l>rot erfordern. (Die Zalü der Keimi' an den Wänden eines solciien Zimmers be- rechnest Esmarcli auf etwa li7ii,2()().) Dabei kann das Abreilien leicht auch \on nngi'schiilten i'ersonen aus- geführt werden. Man muss nur darauf achten, dass die beim Abreiben auf die Ei'de tauenden ISrdtkniini'u sorg- fältig entfernt und unschädlich gemacht weiden, was am besten dnrcli N'eibreuui'n geschieht. Kleinere Mitteil uii^t'ii. TJeber abnorme Schnabelbildung des Staares (Stiunus viilgiuis L.) ti'ilt 1 Icii- ( )liri iiirstii .MiKlii-iiiirr in Linz lolg-eiules mit: Im OktüLer 1S84 l)eüljaclit(:ti' ii:li rineii l''liiir Stiiai-i-, mul es finl mir dabei auf. dass einer dersellien vun einem andern S'ef'''tert wurde. Da das Iffittern der jnng-en Staare durcli dii> Alten um diese Zeit liing-st aufsioliürt liat, so vermutete ieli jjleieli. dass der also s^etutterte Staar in einem Zustande sieli befinden müsse, der ilim eine .Sell)st- erniilirung unmiii;li(di marlite. Vm mir Gewisslieit darüber zu ver- seliafi'eu, sclioss ieli ilm, leider aber mit S(j dieliem Schrot, dass nur iler Kopf nnver.selirt bliel). den ich hiermit vorlei^e. Der untere .Schnabel weicht um 32" nach rechts ab, wiidurcli sich meine obiire Vpruintunir bestätig'te. Bei der ["iitersucliuni;' y.ii Hause stellte sich heraus, dass es ein altes Weibchen war. Das Männchen hatte also schon seit Jaliren nicht nur seinem Weihchen, sondern auch den Jungen Nahrung- zugetragen, 31 it welchem Kifer es sich dieser Liebesarbeit unterzog, ging aus dem überaus wohlgenährten, ja feisten Zustande des Weibchens hervor, wie ich es ähnlich nie wahrge- nommen habe. Gewiss ein rührendes Jieispiel von Gatten- und Vatertreue. (Verh. d. Nat. V. d. p. Rheiidde. 1886. Korresp.-B1.2S.7.) TJeber Eingeweidewürmer der Hummel (Sphaerularia Bombi) machte l'rof. Schneider in einer Sitzung der Schles. Ges. rat. Kultur (64. .Jahresber. S. XXXIj nähere Mitti-ilungen. Be- kanntlich geht eine Hummelkolonie, nachdem sich neben den ge- schlechtslosen Arbeitern im Laufe des Sommers auch Slännchen und Weihchen entwickelt und nachdem diese die Begattung vollzogen haben, auseinander; alles stirbt ausser einigen Weibchen, die in der Erde überwintern, ab. Auf diese Unglüi-kstieie nun warten in der Erde die zahlreichen kleinen obengenannten Würmer. Sie be- fallen die Hummeln und bleiben in den Wirten bis zum Frühjahr. Die überwinterten Tiere können danach keinen neuen Staat bilden, sie liiegen nach dem Auskriechen aus der Erde ängstlich umher und lassen dabei die jungen Schmarotzer fallen. Diese zerstreuen sich auf dem Boden und erwachs.-n zu geschlechtsreifen Tieren. Es hält nicht schwer, im Frühjahr Hummeln zu fangen, deren Eingeweide die genannten Parasiten enthalten. — nn. Eine neue Süsswasserfloridee beobachtete Mübius in der Nähe von Heidelberg in einem Waldbache. Dieselbe hatte sich auf Aneura pinnatifida angesiedelt. Sie bildet polsterftji-mige Lager voti verschiedener Grösse und Farbe, die aus senkrecht zur Oberfläche verlaufenden Zellreihen bestehen. Es lassen sich besonders unter- scheiden sehr kleinzellige Lager von gelblicher Farbe und solche aus etwas grösseren Zellen von violetter oder rotbrauner Farbe. Bei den letzteren sind die Zelh-n ;ui der Olici-tliirhe durch mehr oder minder regelmässige Teilungen kleiner als ili.' inneren Zellen und bilden so eine auch durch die grössere Meni;'.- des in ihnen ent- haltenen Plasmas besonders ditferenzierte .Schicht. Kiu solches [^ager enfwi<-kelt .sich aus einem kurzen Zellfadcn. der durch wiederholte seitliHie Verzweigungen einen abgerundeten, bald midirscliichtig werdenden Zellkomple.\ entstehen lässt. ilit .Sicherheit als l''ort- ptianzung'sorgane zu deutende Zellen konnten bisher nicht aufge- funden werden. In der Regel verlaufen zwischen den Polstern wiederholt dichotomi.sch verzweigte Zellfaden V(]n meist roter, bisweilen auch violetter oder grünlii-her Farbe des Zidlinhalts. welche den (irenzen der Aneurazellen zu folgen pflegen. Da diese Fäden dii> pnlster- fürmiL'en Lager selbst durchziehen und da mehrfach beobachtet wurde, da.ss die jungi'ii I'idster als AussprossiiiiL.'-en der Zellfäden auftreten, so stehen diese otfeuliar in genetischem Zusammenhang mit den viel- zelligen Lagern und können als chantrausi.aartige Vorkeime derselben aufgefasst werden. Für die Zugidiörigkeit zu l'hantransia sprechen auch die vom Substrat sich i>ihelii>nden l-"äden, welche meist einfach, selteiH-r verzweigt sind uiul oft in ein farbloses Haar endigen. Es wurden an diesen auch sporiileu- und cystocarpieiiähnliche (^ebilde wahrgenommen, doch muss es noch unentschieden bleiben, ob aus den Reprodtiktionsorganen der Chantransia wieder diese odei' sogleich der Thallus, welcher die P(dster bildet, hervorgeht. (Tagcbl. d. 60. Vers. d. Naturf. u. Aerzte. 1887 S. 90—91.) Die Eüllung der Blumen hat nach Prof. H o f f m a n n (Giessen) eine Ursache in mangelhafter Ernährung. Es gelang ihm vielfach, mittelst Dichtsaat in engen Topien gefüllte Blumen und auch andre Degenerationen des Sexualapparates zu erzielen. Er fand ferner, dass diese Anomalien sich leicht vererben. Er behauptet angesichts dieser Thatsachen gegenüber den Weissmann- schen Austülirungen, dass durch äussere Einflüsse Variationen ver- ursacht werden, und dass demnach „erworbene Eigenschaften" un- zweifelhaft vererlit werden können. — nn. Ueber ein neues galvanisches Element. Dasselbe besteht aus Zink in Kali- oder Natronlauge von SO"!), und Kohle in einem Gemisch von gleichen Raummengen Salpetersäure von 36" B. .Schwefel- säure von 26" B, Salzsäure und Wasser. Die Salzsäure hat dabei nach der Ansicht des Erfinders den Zweck, zum Teil Chlorver- bindungen zu bilden, welche be.ssere Stromleiter sind als dieNitr.ate. Andrerseits gestattet die Gegenwart der Schwefelsäure die An- wendung von verdünnter Salpetersäure, wodurch der Sauerstott" voll- Nr. 11. D("i' NatuiAvi.ssen.sdiaftl i'i'. 91 stäiuliner ausg-emitzt und dii' Brzeiiguiig- .scliüdlii'lier Dämpfe ver- mindert wird. l)as V"iiluniverliiiltni.s der erregenden znv depolari- sieiPiiden Flii.ssiglieit ist nngefulir 5:2. Das Element zeiclniet sich diireli liiilie elektromotorisrlie Kraft (2,3 — 2,4 Volt) und gro.sse Be- ständigkeit aus; der innere Widerstand liegt zwisdien dem des Bun sen'.sclien und des Bii-hromatelemente.s; er stieg in 30 Stunden vnn 0.066 auf 0.182 (K). vcni 0,0625 auf 0.102 (Na), während die E. K. von 2.39 (K) auf 2,26. von 2.35 (Na) auf 2,23 sank. (Dt. Chem.-Zeit. Xr. 41 .S. 3:2) Ein mikroskopisch-chemisches Reagens auf Zinn giebt Streng in dem neusten (.25.) 15er. d. Olieriiess. (;es. f. Natur- kunde in Gie.ssen. Behandelt man irgend eine /innverhindung vor dem Lötrohr auf Kohle mit Soda in der Reduktionstiamme, so er- hält man hekanntlii-h Zinnkönielien. die sich durch Reihen im Aehat- mörser auswalzen lassen zu kleinen MetallÜittern. Um mit diesen eine bestätigende Reaktion vorzunehmen, liringt man .sie auf einen Objektträger, setzt ein Tröpfchen Salpetersäure hinzu und wartet, bis die Oxydation vollendet ist. Man findet dann unter dem Mikro- .skoji rings um die Stidle, wo ein /inntlitterchen gelegen hat, sehr scharfe farblose Oktaeder, deren Ecken durch m m zugespitzt sind. Sie sind isotrop und bestehen aus Metazinn.säure: H.jSnO^. — nn. Hopein. Das neuerdings von England aus in den Handel gilirachte HiipeTn. das angeblich aus einer in Amerika wildwachsen- den Varietät des Hopfens dargestellte Alkaloid. welches als vor- treffliches Hypnotikuni empfohlen wird, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nicdits anderes sein als ein mit Hopfen aromatisiertes Morphin. Astronomischer Wochen-Kalender vom 11. l)is 18. Dezember 1887. Sonnen-Ephemeride. Tag imd Datum. Länge. <6 1 Deklin. 1 ob 1 ■e 5 . J3 :- tu St. M. M. S. ü. M. ü. M. St. M. U. M. U. M. St. M. S. 11. 259" 17.13 —230 0' - 6.38 8. 3 3.44 7.41 7.18 4.29 17.19 M. 12.1 260" 17 —230 5' — 6.10 4 41 40 D. 13. 2610 22 -230 9- — 5.42 5 44 39 M. 14. 262» 26 —230 13' — 5.13 6 44 38 7.21 4.29 17.81 D.I.".. 2630 30 - 230 17' — 4.44 7 44 37 F. 16. 264" 35 —230 20' — 4.15 8 44 36 S. 17.12650 39 —230 22' — 3. 45 8 44 36 7.23 4.29 17.43 S. 18. 2660 44 -230 24' — 3.16 9 44 35 Mond-Ephemeride. Monats- u. Kul- tion. cd fcJ3 M s ö Jahrestag. S.5 ü .-1^ !* " BS < 5 0, U. M. St. M. U. M. U. M. S. 11. 345 8.46Vm, 14. 4 — 70 16' 3. 7Vm, 2.1 INm. 8.2429 M. 12. 346 9.40 „ 15. 3 —11059' 4.29 „ 2.40 .. D. 13. 347 10.37 ., 16. 4 —11" 55' 5.51 .. 3.14 ., M. 14. 348 11.35 ,. 17. 7 —18" 45' 7.10 ., 3.56 ., '8,2401 D, 15. 349 0.35Nm. 18. 10 —200 15' 8.21 „ 4.46 ., F. 16. 350 1..33 .. 19.12 —20" 20' 9.22 „ 5.45 „ S. 17. 351 2.29 „ 20.12 --19" 8' 10 11 „ 6.50 „ 8.2245 S. 18. 352 3.21 „ 21. 9 -160 49' 10.50 „ 7.59 „ 12. Dez. 11 U. vorm. Krdnithe-, 14. Dez. 8 U. 15 Min. nachm. Xeumiind. Bemerkungen. j\ian beachte, dass die Untergangszeit der Sonne in dieser VVocdie unverändert erscheint, weil ihre wirklicli noch stattfindende geringe Verfriihung durch die Abnahme des Unterschiedes zwischen wahrer und nuttlerer Zeit i;'(M'ade ausgeglichen wird. Planeten: .Merkur ('? = — 19i'37', .\nfg. 6 Uhr 23 Min.), rechtläulig im Sk(U'pion, kann in dieser Woche noch gut in der Morgendämmerung gefunden werden; steht am 13. nicht weit vom MüjHle niudi unten und rechts. — Venus (ie Expedition «le»« ..XatiirwiMüeuMohaftlev." 92 Der Naturwissenschaftler. Nr. 11. 1^©©^©,%© £i^~ Ifli warne "WQ im Interesse der Wahrheit Jeden, dem an der Erlialtuns seines Haares liegt, vor Geljraueli der relilameliaft ausposaunten Wundermittel. — Es t'ol^e Jeder meinem Kate, ehe es zu siiHt ist. —'Wollen Sie Ihr Kopf- und Barthaar erhalten, Ausfall stillen und einen üppigen Haar- "wuchs erreichen, so j;ei)rauchen Sie das allein reine Xat.-Präjiarat Roborantium (Haar erzeugende Essenz.) Bei Kalüliöiilijilieit, wo ilie Haar- \\urzeln noeli lehensfähig sind, und liei Bartlosi^Ivpit, sowie seliwaelieni Bartwuelis sind die Krfoljje lau^- ,j:ilirij< eritroht. — Es erzeugt zwar kein 185^7« langes Kiesenliaarli innen 14 Monaten, denn das gehört in ilas Keicli der Märeiien, Falielu u. Lügen, welelie man lileiuen Kindern vor- schwatzt, aller — einen befriedi- genden, wirklichen Erfolg. llrigin.Flae. kosten .ii.:\,—. I Dtzd. .'(. 18,— , Proben Ji. 2,—, 1 Dtzd. .!/■ Vi,- ah Brunn per Xaehnahme. Johann 4i;, Erlangen. Nur praktiseli niiil dauerhaft, rreislisfe nelist illnstrieiter l ie- lii-;inelis;in\veisun£r gratis und fri'i. > Patentanwalt .KiRCHRATH ZITTAU Diireli die Expedition des .,Xaturwissensfhaftler", Berlin SW. 48, Friedrichstrasse 226 sind stets franko zu beziehen : Winke für Naturaliensammler. Mit Hulzsebnitten und -i Farben- drucktafeln von E. Fiselier. Preis 40 Pfg-. Deutschlands Schlangen mit bes. JJerüeksirlitigung des Bis- ses der giftigen Kreiizntter. 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Tabak (10 Pfd. lose in ein. Beutel fco. 8 Mk.) in Hüte von kein. Nachahim-r erreicht wird. B. Becker in Seesen a. Harz. [31] Inserate fiir Nr. 13 müssen spätestens biä Sonnabend, den 17. Dezember in unsern Händen sein. Die Expedition. \'"erantwortlicher Redakteur Dr. Carl iüemann in Görlitz. — Verlag von Jiiemaiin & Müller. Berlin SW. 48. Druck von Gebrüder Küesau, Berlin SW. 48. Der heutigen Nummer unseres Blattes liegt ein Prospekt von O. 5fey. lleehaniker in Berlin SW. ^Vilhelnistr. 34 über Magnesiinnlanipen bei, den wir der freundlichen Beachtung unserer Leser bestens empfehlen. Der Naturwissenschaftler. Alk'emeiii yerständliche Woclieiisclirift für sämtliche Gebiete Abonnemenfspreis: Bei den rüstaiistalten und Buch- handlungen vierteljährlich JC 2. — ; Bringegeld bei der Post 15 -^ extra. Direkt unter Kreuzband vim der Expedition JC 2,40. der Natiirwisseiiscliat'ten. Redaktion: Dr. Carl Riemann. Verlag von Riemann & Möller, Berlin SW. 48 Frii'ilrich-.^tras^e 2l'<). Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -j. Grössere Aufträge entsprechenden P^abatt. Beilagen ^If 5 pro Tausend exklPostgeliühr. liiseratenannahme bei allen Aininnrenbiavaux, wie bei di'r Expedition. I. Jalim'aiio'. 8(»nntaü'. den 18. Dezember 1887. Xr. l± Der Abdriifk der Orijsinalartikel ist nur iiii* «eiiehiiiijjiinj»; «1er Verlagshaiidlims; gestattet. Inhalt: Obi-rtiirster ilelsheimer: Zur Xaturfrcschichti- des Krdsalamanders. — L. Boysen: Die Atmosphäre und die Erseheinungen in der- seDien (Fortsetzung). — Eine neue Erklärung des Hölieiisrhwindels. — Prof. Dr. Kreusler: Mauerfrass und ilauersalpeter. — Kleinere Mit- teilungen: Ein dankliarrs Aiiuariunitischchen. Ein neuer Inhaltsstotf in den pflanzlichen Zellen. Die Bildung von Mannit. Beobaohtung an SiMincnliliinien. l'ebei' die SchwankuuL'cn im .Saiii'rstotfgehalt der atmospliärisclien Luft. Kin neues Holzst(jtt'rea<;ens. Ueber zwei neue Arten lilasenzichciidir Käfer. — Astronomischer Wochenkalender. — Litteratur: Crakan; (iift und i Gegengift. — Bibliographie. — Inserate. Zur Naturgeschichte des Erdsalamanders. (Salamandra maculosa Laur.) Von Ober fürs Fast alle /Zoologen, welche bisher über ■ Öalaniandra maculosa o-eschrieben, wie Schreiber in seiner Herpetoiooie nnd Brehni in seinem Werke „illusti'iei'tes Tierlebcn", stimmen darin übrnvin, dass die Natni'geschichte desselben in vielen i'iudini mehr als das doppelte Korpervolumen. Mit er- sichtlichem Behagen verzehrte es weiche Insekten und verschiedene Wassertiere z. IJ. Phrj-ganidenlarven. welche ich ihm zuweilen zer- kleinert bot. Schon nach wenig Wochen wurde das Tierchen so zutraulich, dass es die Nahrung aus der Hand nahm, und kommt jetzt jederzeit herbeigeschwommen, sobald icli an das Acjuarium klopfe oder den blossen Finger in das Wasser halte, den es mit seinen Bartfäden eifrig und possierlich nach Nahrung absucht. Es gewährt einen herrlichen Anblick, vier bis fünf solcher Tierchen sich an den hineingehaltenen Finger herandrängen zu sehen, wobei sie durch ihr Tasten und Schnappen ein eigentümliches Geräusch hervor- bringen. Sonst untersuchen sie mit grossem Eifer die Lücken zwischen dem Gestein, welches den Boden des Behälters bedeckt, wobei man Gelegenheit hat, das ausserordentlich feine Gefühl dieser Tiere zu bewundern. F. Fechtner. Einen neuen Inhaltsstoff in den pflanzlichen Zellen hat W. Zopf entdeckt. Er fand in den Sporen eines auf dem Weiss- dorn häufig vorkommenden Mehltaupilzes, der Podo.sphaera Oxya- canthae, eigentümlich organisierte Körperchen, welche im Zellen- plasma eingelagert waren. Sie glichen bald einer mehr oder minder flachen Scheibe, bald hatten sie die Gestalt eines Hohlkegels mit abgeschnittener Spitze. Hinsichtlich der Reaktion zeigten sie grosse Uebereinstimmung mit der Pilzcelhilose, die nach der v(]n Fremy gewählten Bezeichnung zu den fibrösen Korperchen gehört Des- halb nennt Zopf den neuen Stoff' „Fibrosinkörper". Während sie in konzentrierter .Schwefelsäure sich auflösen, bleiben sie in Salpeter- säure und Kupferoxydammoniak bestehen. In den Conidien zeigen .sie sich anfangs noch sehr klein, entwickeln sich aber mit dem Wachsen der Pflanzenteile. Dass man den Stoff' bisher übersehen hat, ist nur daraus zu erklären, dass er in den meisten Pflanzen nur in äus.serst geringer Jlenge vorhanden ist und zudem sehr leine Konstruktion hat. Erst ein sehr starkes Mikroskop und günstige Beleuchtung macht die Fibrosinkörperchen siehtliar. Sie haben die Bedeutung eines Reservestott'es. Denn sie werden bei der Keimung aufgelöst und mit zur Bildung des Keimschlauches verwandt. Es ist um so bemerkenswerter, dass ein Kohlehydrat — denn das ist das Fibrosin — als Reservestoff' in Pilzsporen auftritt, als sonst im Pilzreiche Reservestoft'e immer nur in Form von I'ett oder ( )el auf- gespeichert werden. Die Bildung von Mannit glaubt Weber (25. Ber. Ober- hess. Ges. Naturk. Giessen 1887. p. 139) als eine Folge der Störungen ansehen zu müssen, welche der Prost in dem Organismus von Apfel- bäumen hervorruft. Er fand in den unreifen Früchten eines durch Frost stark geschädigten Apfelbaumes, welche er zur Herstellung von äpfelsaurem Eisen benutzte, das Mannit. I)ieser Mannitgehalt fand sich in den Früchten desselben Baumes bei der Verarlieitung derselben in den .fahren vor dem i"roste nicht. — nn. Nach Beobachtung an Sonnenblumen (Helia)ithus annuus) zeigen dieselben selir ausgiebige Bewegungserscheinungen, indem sie die Scheibe ihrer Blüte der Sonne zukehren; so dass mit dem Fortschreiten derselben von Ost nach West die r)rehuns' der Blüte um die Längsachse des Stieles mehr als 180" beträgt. Die Beobachtungen wurden an Pflanzen gemacht, die annähernd 3 m hoch waren. Ausserdem neigen sich die Blumen mit Zunahme der Intensität der Bestrahlung nach dem IJoden zu — (ob nur infolge ihrer Zunahme an Gewicht ist uns fraglich'?) — sie machen dann den Bindruck, wie wenn sie das Gesiebt durch Neigen des Kopfes vor den Strahlen der Sonne zu schützen suchen. Dr. v. C. ITeber die Schwankungen im Sauerstoffgehalt der atmosphärischen Luft hat U. Kreussler neuerdings wieder Beobachtungen angestellt und deren Resultate in dem 14. Bd. der Thiel'schen landw. Jahrb. veröffl. (p. .303 — 378). Dieselben sind im wesentlichen dahin zusammenzufassen, dass die .Schwankungen viel geringer sind, als bisher angenommen; 138 Versuche an unter sehr verschiedenen meteorologischen Verhältnissen geschöpften Luftproben ergaben als Minimum des Sauerstoff'gehaltes 20,867%. als Maximum 20,991 "/q. Die Versuche wurden angestellt mit dem .JoUy'schen Kupfereudiometer, aber unter Beobachtungen von Kautelen. die .lolly ausser acht gelassen. Kreussler fand nämlich trotz sdrgfältiger Trocknung des Apparates und der eingeführten Luft in dem ersteren Nr. 12. Der Natnrvvi.s,senschaftler. 99 doch iiocli iniiiiin' Wassi'iilaiiipt'. Dii'scr iiius.ste di'ii I'niziMifsehalt au Sauerstoff zu klein er^'plieii. Kreu.ssler lie-seitiste den Fehler durch Einfiiliruus eines Stüi'kehens Aetzkali oder eine.s Rimerchens mit Phospliorsilureanhydrid. .l(illy hat s. Z. bei seinen Untersuchuno-en (verütt'. in Vngg. Ann. 1879 S. 520) erhebliche Schwankting-eu ge- funden, die grüssten zwischen 20,53 und 21,01%. — nn. Ein neues Holzstoffreagens giebt Dr. Moli, seh in d. Verb, der zool.-bot. (>es. Wien an. Es i,st das Metadiamidbenzol. In 5'Vo wässeriger Lösung Verwendet, tai'bt dasselbe verlKjlzte Zell- häute tief dottergelb und zwar so intensiv, dass sogar noch schwache Verholzung unterm Mikroskop selbst bei starker Vergrösserung deutlich erkennbar wird. .Seither nahm Itekanntliob unter den Ligninreaktionen das von Wiesner in die Mikrohistochemie einge- führte ridimiglucin + .Salzsäure und Anilinsulfat die erste Stelle ein. — nn. Ueber zwei neue Arten blasenziehender Käfer berich- tete, wie die Pharm. Rundschau mitteilt, Breitweiss vor der Brit. Phfirm.C'onference. Es sind iMilabris bifasciata und lunata. In dererstern wurde ein besonders kräftiges blasenziehendes Agens in reichlichen Portionen gefunden, welches bei Untersuchung als identisch mit Cantharidin sich ergab. Die Mil. bifasc. entliält davon 1,09 Prozent, ■während unsere spanischen Fliegen nur 0,42 enthalten. Da die genannten Käfer weniger Fett als unsere Oanthariden enthalten, wo- durch die Gewinnung des Cantharidin sein' erleichtert wird, und in Südafrika in grossen Mengen vorkommen, so dürften ,sie zu einem schätzbaren und ge,suchten Handelsartikel werden. Die zweite Art M. hinata ist weniger kräftig. K. Astronomischer Wochen-Kalender vom 18. bis 25. Dezember 1887. Sonnen-Ephemeride. e ■ 1 Deklin. S S sä 1 J5 Sä 'S4 g V2 St. M. M. S. V. M. U. M. St. M. V. M. U. M. St. M. S. 18. 266» 17.44 —23" 24' — 3.16 8. 9 3.44 7.35 7.24 4.29 17.47 M,19. 267» 48 —23" 25' — 2.46 10 45 35 D. 20. 268" 53 —23" 26' — 2. 16 10 45 35 M.21. 269" 57 —23" 27' — 1.46 11 45 34 7.26 4.30 17.59 D.22. 270"il8. 1 -23" 27' — 1.16 12 46 34 F. 23. 271" 6 —23" 27' — 0.46 12 46 34 S. 24. 272" 10 —23" 26' — 0.16 12 47 35 7.27 4.32 18.11 S. 25. 273" 15 — 23" 24' + 0.14 13 48 35 Mond-Ephemeride. Monats- u. Jahrestag. 'S S OJ cd SS 1 Deklin. 1 < i 0) H es ci Ol U. M. St. M. U. M. V. M. S. 18. 3.52 3.21 nm. 21. 9 —16" 49' I0..50vm. 7.59 nm. 8.2 182 M, 19. 353 4.10 „ 22. 2 —13" 42' 11.21 ., 9. 8 „ D. 20. 354 4.57 „ 22. .52 —10" 1' 11.47 „ 10.16 „ M. 21. 355 5.40 „ 23. 40 — 5" 59' 0. 9nnn. 11.22 „ 8,2025 D. 22. 356 6.23 „ 0.26 — 1"46' 0.29 „ F. 23. 3.57 7. 4 „ 1.12 + 2" 29' 0.48 „ 0.27 „ S. 24, S. 25. 358 359 7.46 „ 8.29 „ 1.58 2,45 + 6" 38' +10" 32' 1. 8 ,, 1.29 „ 1.32 „ 2.37 „ 8,1975 22. Dez. 7 U. 55 M. vorm. erstes Viertel; 24. Dez. 4U. vorm. Erdferne. Bemerkungen: Das Winter-Sidstitiuni tritt am 22. morgens 4 Uhr ein. Die schon vorher scheinbar stattfindende Zunahme der Tageslänge ist eine Folge der starken Zeitgleichungs-Aendernng, die gerade in jenen Tagen ihr Maximum von 30 Sekunden erreicht. Planeten: Merkur wird wieder unsichtbar. Venus ((J ^ — 13" 17', Aufg. 3 Uhr 57 Min. morgi^ns) steht nahe bei a librae. — Mars [ä = — 1" 12', Aufg. 12 Uhr 36 Min. naclits) steht nahe bei ;- Virginis. — .Tupiter («f = —18" 18', Aufg. 5 Uhr 35 Min. morgens) in der Wage zwischen Venus und a .Scorpii. Man hat in dieser Woche Gelegeidii'it. mit Hilfe der drei hellen Planeten Mars, Venus, .Tupiter die so wenig bekannten Sternbilder .lungfrau. Wage, Scorpion iiacli der Karte aufzufinden. — Saturn {rJ = +19" 41', Aufg. 6 Ulir 40 Min, abend.s) verschiebt sich allmählich merk- barer gegen ä und s Cancri. Er ist rückläufig, alle anderen rechtläutig. Litteratur. Gift und Gegengift. Ein Hilfsbuch für vorkommende Ver- giftungsfälle von ( 'rakau. Verlag von Hermann Dürselen in Leipzig 1887. Preis 5 JO. Vorliegendes recht praktische Büchlein, nach welchem sich wohl schon lange ein fühlbares Bedürfnis zeigte, bringt zunächst in einer kurzen Einleitung eine Besprechung der stark wirkenden Gifte im allgemeinen, sowie des Verhaltens des Apothekers bei vork(jmmen- den Vergiftungen, bespricht dann in alphabetischer Reihenfolge alle giftigen Stoffe jiach ihren chemischen, physikalischen und toxischen Eigenschaften, ihrer Anwendung in der Medizin und Technik nebst Angabe di^' anzuwendenden Gegengifte. Nach einer Besprechung der gebräuchlichsten Gegengifte werden die ungiftigen Stoffe ein- gehend gi'schildert, welche durch Zufall Träger von Giften werden können. Die .Schilderung der Geheimmittel bietet sehr viel Interessan- tes und Wissenswertes. Den .Schluss bildet eine Aufzählung der Vergiftungssymptome. Das Buch ist recht praktisch und nicht allein den Medizinern und Apothekern, sondern jedem, besonders denen, welche fern von Arzt und Apotheker wohnen, bestens zu empfehlen, da es bei den so häufig vorkommenden Vergiftungsfällen sich stets als zuverlässiger Ratgeber herausstellen wird. Für eine neue Auf- lage empfehlen wir ein Verzeichnis der gewöhnlichsten Gifte mit deutschen Namen, welches die Brauchbarkeit des Buches nicht unwesentlich erhöhen wird, weil die allgemein durchgeführte wissen- schaftliche Bezeichnung nicht allen geläufig sein dürfte. Preis 1 JC. Mit lUustr. Sipmann'sche Burgerstein, A., Materialien zu einer Monographie betr. die Er- scIieliiuiii/rH der Transpirationen der Pflanzen. Preis 1 JC 20 ,j. Alfred lliilder in Wien. Erfurth, C, Haitstelegraphie, Telephonie u. Blitzableiter in Tlieorie u. Praxis. 2. AuH. Mit Illustr. l'reis 4 JC, geb. Preis 4 JC 60 4. Polytechnische Buchhandlung in Berlin. Hansen, A., u. G. Köhne, Die Pflanzenwelt. 8. Lfg. Preis 40 .(. Otto Weiserf in Stuttgart. Lutz, K. G., Der Pflanzenfreund. Eine Anleitung zur Kenntnis der wichtigsten wildwachs. Gewächse Deutschlands. Mit Illustr. Geb. Preis 4 JC. C. Hott'mann'sche Verl.-Bucbli. (A. Bleil.) in Stuttgart. Naturkunde, allgemeine. 106 Lfg. Mit Illustr. Bibliiii;raphisches Institut in Leipzig. Pfuhl, E., Physikalische Eigenschaften der Jute. Preis 5 J(. Julius Springer in Berlin. Rubner, M., Biologische Gesetze. Preis 1 JC 80 .^. Burlih. (Carl Kraatz) in Marburg. Sammlung naturwissenschaftlicher Vorträge. Hrsg. v. E. Huth. 2. Bd. 2. Lfg. gr. 8". Preis 40 ..«. Inhalt : Ueber Hypnotis- mus. Viirtrag v. Heriiig. (16 S.) R. Friedländer &, Sohn in Berlin. Steinhauser, A., Grundzüge der mathematischen Geographie und der Lanilkarten-Projektion. 3. Aufl. gr 8". Preis iJ(. Friedr. Beck in Wien. Stendal, W., Im Reiche der Tiere. Eine Wanderung durch die Lebensordniingen der Tierwelt, Preis 3 JC, geb. Preis 3 JC 50 ^. C. Mewes in Berlin. Strässle's F., Illustrierte Naturgeschichte der drei Reiche. 4. Aufl., vollständig umgearbeitet von F. .Strässle u. L. Baur. 24. Lfg. Preis ,50 ,(. Wilh. Nitzschke in Stuttgart. Urbanitzky, A. Ritter v.. Die Elektricität des Himmels und der Erde. 3. Lfg. Mit Illustr. l^reis (iO .j. A. Hartleben's Verlag in Wien, Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. Red. von R. v. Wettstein. ,Iahrg. 1887. 37. Bd. S.Quart. gr. .'^". Preis 5 JC. F. A. lirockhaus' Sort. in Leipzig. Vogel, H., Schul- Natunjeschicltte. An.sg. A. Ein Handbuch für Lehrer. 2 Tle. 2. Aufl. Preis 8 JC. H. W. Schlimpert in Meissen. — . Tierkunde und Mineralogie für Lehrer an Volksschulen. Preis 4 JC 50 -.(. H. W. .Sclilimpert in Meissen. Wandkalender, astronomischer, t das Jahr 1888. (iezeichnet v. P. Manojlovits. Text v. K. Zelbr. Fol. Preis 2 JC. C. Gerold's .Sohn in Wien. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- ■utarkcn) tiefem irir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litternrisehen Bedarfes halten wir uns Itestens empfohlen. «cilin SW. 4». Die Kxpedition des „Natnrwissenseliaftler." Berichtigung: In voriger Nummer lies in dem Artikel „Ein neuer Beitrag zur Fh;chtenfrage" erste Spalte letzte Zeile und zweite Spalte dritte^Zeile „Brefeldts" statt „Boefeldts". 100 Dev Natunvissenschaftler. Nr. 12. l^P^^afe© Deutsche Ghemiker-Zeitung namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. g^~ Für den Inhalt der Inserate sind wir niclit verantwortlicli. ^^g g;csamten Xatnr- \s iss( iis( haften. Geeiirner. rieisi h aufU'riehinen. Finnen 1 1( /ii iintersiii'lien; Infaso- III 11 im Wa.sser .sind klar zn eniiiii. i)er Apparat iiuüt den streng.sten An- Inidi niiiuen. Preis ver- nii kl Ir iiikl.Lnpe. 3 fertigen ipai iten ii. (»ijektträgern I 11 ti sti Miiwie Hiis.sige Kür- 1 . 1 111 I leL'aiit. 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En gros 35 Tiegeln = 1 Postpacket .«.21,— ab Brunn per Nachn.— Hauptversendungs-Depotb. 0. Qrolich i. Brunn, Mähren. — Haupt- versand für Detail zum Original- preise von M. 1,20 per Tiegel bei C. F. Dahms, Droguerie in Berlin SW., Kuminandantenstrasse 8. [26] Nachstehende Werke liefern wir zn beige.setzten billigen Preisen franko : Bernhardt, Dr. 6., Die Käfer. Eine Anleitung zur Kenntnis der Käfer, sowie zweckmässiger Einrichtung von Kiifersammlungen. Mit 72 illum. Bildern. 6. Aufl. Eleg. kart. Statt J( 1,— für 50 -j. — , Schmetterlingsbuch. Mit 34 kolorierten Alibildungen. 8. Aufl. Eleg. kart. Statt M l— für 50 -j. 6Utbnch, Vollst., oder Unterricht, die Giftpfl., Giftminerale und Gifte kennen zu lernen und Ge.sundheit und Leben gegen Vergiftungs- Gefahren sicher zu stellen. Mit 2 kolorierten Tafeln. 6. Aufl. Statt J( 2,50 für 60 4- lohnston, Die Chemie des tägl. Lebens, 2 Bd. Statt ^'^ 3,— für JC 1,50. Schubert, 0. F., Allgem. Tierseelenkunde. Psychol. Betracht, üb. d. Tier- reich. EinUnterh. fürJederm. Mit 111. Statt. '^6,— für 90 ^. -g- Briefmarken werden in Zahlung genommen, -g- Berlin SW. 48, Friedrich.stra.sse 226. Die Expedition de« „Sfatnrwissensfhaftler". Verantwortlicher Redakteur Dl-. Carl Riemann in Gürlitz. — Verlag von Riemann & Müller, Druck von Gebrüder Kiesau, Berlin SW. 48. Berlin SW. 48. Der Naturwissenschaftler. Allgemein verstäudliche Wochensclirift für sämtliche Gebiete der Naturwissenscliaften. Abonnementspreis : Bei den Postanstalteii und Buch- handlungen Tierteljährlich .^IC 2. — ; Bring-egeld bei der Post 15 ^ extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition JC 2,40. Redaktion: Dr. Carl Riemann. Verlag von Riemann & Möller, Berlin SW. 48 Friedrich-.Stra.s,se 2"2r). Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 ^. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen JC 5 pro Tausend exkl.Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang'. Sonntag-, den 25. Dezember 1887. Nr. 13. l>er AlMlriiok der Orig;inalai-tikel ist nur mit 45 3 34 4. 25 5. 18 6 14 7 12 8 10 +10" 32' -1-14" 2' -j-16" .58' +19" 7' +20" 18' +20" 22' +19" 14' l . M. 1.29 nm. 1.Ö2 „ 2.19 .. 2.52 „ 3.33 „ 4.23 .. 5 22 ., 6.29 .. V. M- 2.37 mg. 3.43 .. 4.49 ., 5.53 ., 6.55 .. 7.53 .. 8.45 ., 9.29 .. 8.1986 8,2076 8.2200 Vollmond den 30. Dez. nirgs. 9 l"lu' 8 Min. Bemerkungen; Die Planeten sind mit Ausnahme von Saturn zur Zeit reehtläutig. — Merkur ist unsichtbar. — Venu.s (ö= — 15" 29', Aufg. 4 Uhr 14 Jlin. vm.^ bildet mit den etwas weiter rechts beündlichen Fixsternen « und /J librae ein naliezu gleichseitiges Dreieck. — ■ Mars («J= — 2" 27'. Aufg. 12 Uhr 27 Min. nachts) erreiclit am 26. sein Apheliuni; steht luthe bei ;-virginis. — Jupiter (rj= — 18"36'. Aufg. 4 Uhr 54 Jlin. mrgs.'' links von Venns. nahe bei ß und ;'SCorpii. — Saturn ((}= + 19"27'. .-Vufg. 6 Ulu- 12 .Min. nm.) -iteht am 31 |iez, links beim Munde. 108 Der Natiuwissenschaftlei'. Nr. 13. Litteratur. Meiser und Mertig, Inhaber physikalisfli-teclmisclier Werk- stätten, Anleitimg, zum experimentellen Studium der Physik. I. Gal- vanische Elektricität. 2. Aufl. (47 8.). U. Influenzelektricität (31 S.). Dresden. Selbstverlag. Die beiden Hettchen wollen eine Anleitung zum Experimen- tieren geben und zwar unter Zugrundelegung der Apparate, welche die Verfasser anfertigen und verkauten (Atelier: Dresden, Karl- strasse 6.); dass sich ihre Apparate als zweckentsprechend und zu- verlässig funktionierend bewährt haben, beweist eine Reihe von Attesten, welche Fachmänner (wir führen hier nur die Xamen Sachse-Jena. Burbach-Gotha, Hagen-Crefeld . Toepfer-Dresden an) ausgestellt haben. Doch auch für solche Lehrer, welche nicht von den Verfassern ihre Apparate bezogen haben, können die beiden Hefte mit Nutzen der Vorbereitung ihrer Versuche zu Grunde ge- legt werden. Die Anleitungen sind instruktiv und sachgemäss. Eine Fortsetzung für die anderen physikalischen Disciplinen ist in Aus- sicht gestellt. — e — BeUstein, F., Handbuch der organischen Chemie. 2. Aufl. 28. Lfg. J'ri'i.s jed. Lfg. lt'^-80..j. Leopold Voss in Hamburg. Epstein, Th., Geonomie (mathematisclie GeoLrrapliie), gestützt auf Ijpobachtung u. elementare 1-iereehnung. Mit Illustr. Preis IbJC. ("iirl (H'rold's Sohn in Wien. Handbuch der vergleichenden Histologie und Physiologie der Haus- säugetiere. Hrsg. V. W. Ellenbergcr. 1. Bd. Histologie. Mit Dl. Preis 'ibM. Paul Parey in Berlin. Keussen, A., Anleitung zur Selbstverfertigmw elektrischer Uhren n Haustelegraphen. Mit 111. Pr. \J((iQ..i. W. H. Kühl in JJerlin. Kiessling, J., Beiträge zu einer Chronik ungewöhnlicher Sonnen- nnd llimnielstarbungen. Preis IJCiO.^. L. Fricderichsen & Co. in Hamburg. KLeyer, A., Die elektrischen Erscheinungen und Wirkungen in Theorie und Praxis. 77. u. 78 Heft. Preis jed. Lfg. 25 .j, Julius Maii-r in .Stuttgart Köhler's Medizinal-Pflanzen in naturgetreuen Abbildungen mit erklär. Text. Hrsg. v. G. Pabsf. 2b. Lfg. Mit 4 'l'af. Preis jed. hig.l^lC. Fr. Eugen Köhler in ( iera-l'ntiTmhaus. May, O., Anpreisung für den elektrischen Lichibctrieh. l'rcis geb. \ ^'K . F. W. Biedermann in Leipzig. Medieus, W., Illustriertes Käferbuch. Anleitung zur Ivenntnis d. Käfer U.Anweisung z. Anlage v. Sammlgn. Mit 111. Preis IJC. geb. 1 JC 50 ..}. Aug. (iotthold's ]3nchh. in Kaiserslautern. Naturkunde, allgemeine. 107. Lfg. Mit Illustr. Preis jed. Lfg. IJf. Bililiiiorapliisches Institut in Leizpig. Publikationen d. astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam. Xr. 22. 6. Bd. 2. .Stiick. gr. 4". Preis 5 M. — Inhalt: Bestimmung der mittleren Dichtigkeit der Erde mit Hilfe eines Pendelapparates. Von J. Wilsing. (S. 35—127.) Wilhelm Bngel- niaini in Leipzig. Sachs, J., Vorlesungen üb. Pflanzen-Physiologie. 2. Aufl. M. Illustr. Preis 18 Jf : Linbd 2J(. Willi. Engelmanji in Leipzig. Sehleehtendal, D. P. L. v., L. E. Langethal n. E. Schenk, Flora von Deutschland. 5. Aufl. Hrsg. v E. Hallier. 228.— 2:W. Lfg. Mit 40 Taf. Preis jeder Lfg. 1 J^. Fr. Eug. Köhler in Gera-Untermhaus. Schulze, R., Die physikalischen Kräfte im. Dienste der Gctverbe. der Kun.it u. der Wi.ssenschaft. Nacli A. tJuillemin in freier Bearbeitung. 2. Aufl. 1. Lief. Mit Illustr. Preis 75 ~S- <^*tfo Salle in Braunschweig. Thome's Flora v. Deutschland, Oesterreich u. d. Schweiz in Wort u. Bild. 84. Lfg. Mit 14 col Taf. Preis jed. Lfg. 1 JC. Fr. Kug. Köhler in Gera-Untermhaus. Zimmermann, Nafurkräfte und Naturgesetze. 4. Preis 50 ..j. Diinimler's Verl.-Buchh. in ]5erlin. — Wunder der Uhrurlt. 30. Aufl. Suppl. 06. liis ä Lfg. .50 .(. Diinimler's Verl.-Buchh. in Berlin. Zwick, H., Leitfaden für den Unterriclit in d. Tierkunde. 1. — 3. Kurs. Preis 1^/^. — 1. 9. Aufl. MitlUu.str. Preis 40 ,j. — 2 3. 6. Aufl Mit Illustr. Preis 60 .,(. Nicnlai'sche Verlagsh. in Berlin. Aufl. 11. Lfg. 99. Lfg. Preis Gegen Khisemlung des Betrages (auch in Krief- marhen) liefern wir vor.stehen(le Werhe franko. Zur Jiesortjung litterarisclien Bedarfes fuilfen wir uns hesfeii.s ein/tfo/den. Koilin S\V. 48. I>ie Ie«litioii des „Sfaturwissenscliaftler". S ^ © © 1» st^fe o namentlich Anzeigen allei' optischen, chemischen, iiliy.sikalisciien etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, .sowie liüclieranzeiö'en linden weiteste und passendste Verl)reitun<.^ £1^" Fiii- «Ich InliaU der liisci-ate Mind wir iii«-lit vf'rantwortlicli. '^Q a^- Bei Benutzung der Inserate bitten wir höüichst, auf den ..XaturwisMonscIiaftUM— Bezug nehmen zu wollen. "Wü Hir eitipfe/den unser Blaff zur Inserfion von Sf eilen- Gesuehen nnie Expedition «le» ..Xatnrwiss«'nsrliaftler". Einzelne Nummern unseres „ Natnr wi ssenschaftler " liefern wir zum Preise von 25 Pfg. pro Nummer franko. (Briefniarken werden in Zalilung genommen.) Die Exp. d. „Naturwissenschaftler". TTITTTTTIITTTTTTTIIT pBltai > Patentanwalt „Kl RCHRATH ZITTAU Niemand ist unzufrieden, der den Holland. Tabak v.jii B. Becker in Seesen a. Harz je vi-rsui'ht hat. 10 I'fd. frn. Xaclinahme AC. »,—. (Garantie: Zurücknahme. [33] i Diiivh die Expedition i\<-< ..Xatiii'w isseiiMfliaftier" Berlin SW. 48, Friedrichstrasse 226 sind stets franko zu lieziidien: Winke für Naturaliensammler. Mit Holzschnitten und 4 Farben- drucktafeln von E. Fischer. Preis 40 Pfg. Deutschlands Schlangen mit bes. Berücksichtigung des Bis- ses der giftigen Kreuzotter. Mit 2 lithogr. Abbildungen von Dr. med. Und. Franz. Preis 50 Pfg. Zur Reform des Naturgeschichts- unterrichts in der Volksschule von F. Ha ade. Königl. Seminar-Lehrer in Xeu- Uuppin. Preis 50 Pfg. Bepetitorium der Zoologie. Mit 82 Abbildungen von Dr. M. Wolter. Preis 2 Mk. 1. Auflage in einem Semester ver- kauft. £i^~ leli Marne "VQ im Iiiteres.s<;' der Waiirlieit .Inilen, dem an der IOr)ialtiing seines ffiKires liegt, vor Gebraueli der i'eklameliaft ausposaunten Wunderniiltel. — Ks t'olffe Jeder nieineui Rate, elie es zu s|iät ist. —Wollen Sie Ihr Kopf- und Barthaar erhalten, Ausfall stillen und einen iippigen Haar- wuchs erreichen, so gebrauchen Sie das allein reine Nat.-Präiiarat Roborantium (Haar crzeuiieiule Ksaenz.) Bei Kahlköpti^cli^'it, wo die Haar- wurzeln nofli iplifiistahig sind, und bei Bartlosigkeit, sowie scliwauhem Bartwuchs sind die Erfolf^e lang- jährig erprobt. — Es erzeugt- zwar kein 185 1;« langes Rieseuhaar binnen 14 Monaten, denn das gehört in das Reich der Märchen, Fabeln u. Lügen, welche man kleinen Kindern vor- schwatzt, aller ~ einen befriedi- genden, wirklichen Erfolg, Origin.-Flac. kosten ./^H,— , 1 Dtzd. 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Verlag von Riemann & Möller, Berlin SW. 48 Friedrich-Strasse 226. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -}. Grossere Auftrage entsprechenden Rabatt. Beilagen ^IC 5 pro Tausend exkl.PostgehüLr. Inseratenannahme hei allen Annoncenbureaux. wie bei der Expedition. L Jahrgano-, Sonntag-, den 1. Januar 1888. Nr. 14. Der Abdruck ei Triiskawiec. Astronomische Arbeiten und Entdeckungen. Der vielbesprocliene Bintluss des Mondes auf das Wetter. — Astronomischer Wochenkalender. — Preisaufgabe. — Fragekasten. — Litteratur: Piltz- Auluaben und Fragen für Xaturbeobachtung- des Srliülers in der Heimat. — Bibliographie. — Inserate. Der Naturwissenschaftler. Der Naturwissenschaftler heis.st alle .^eiue alten Freunde, wie die neu liinzug-otreteneu bei Beginn .seines zweiten Vierteljahres herzlich willkommen. Mögen ihm die älteren verzeihen, wenn er am Anfang eines neuen Quartals einige "Worte an seine neuen Abonnenten rielitet, um sie kurz mit seinen Zielen bekannt zu machen. Der Naturwissenschaftler will vor allem echte naturwissenschaftliche Kenntnisse einem grösseren Leserkreise zugänglicli machen. Er vereinigt zu diesem Zwecke in seinen Spalten Originalaufsätze von berufener Feder mit Referaten aus den wichtigsten naturwissenschaftlichen Speciälfachblättern und ghuil)t liierdurch am besten seinen Lesrrn ein Gesamtbild (h'r neuesten Forsclumgen und Errungenschaften auf silmtliclien Gebieten der Natur- wisseuNchaft vorführen zu Ifönnen. * p]r will sicli alipr aucli di-m praktischen lieben widmen. Er will die "Wissenschaft, die er vertritt, an- gewendet wissen in Schule und Haus, Industrie, Handel und Verkehr. Er vermittelt somit die Anschauung der naturwissenschaftlichen Fortschritte im Schulunterricht, be.spricht die Grenzen und Ziele des naturwissenschaftlichen Unterrichts und schildert auch die praktische Anwendung seiner "Wissenschaft aufs häusliche und gewerbliche Leben. Der Naturwissenschaftler wendet sich ferner an seine Leser, mit besten Kräiten an diesen Zielen mitzuaibeiten und ilini oiuie Sclieu die Erfalnungen, die sie auf natm'wissenschaftlichem Gebiet g'esammelt. mitzu- teilen, denn nur durch Austauscli der Erfahrungen und Gedanken la.ssen sich brauchbare Resiütate feststellen. Der Naturwissenschaftler eiteilt seinen Lesern kostenlosen Rat. Anfragen werden stets bereitwilligst beantwortet; sind sie vom allgemeinen Interesse, werden die Ant\\oiten in seinen Spalten verötfentlicht. Immer und irauier wieder betont der Naturwissenschaftler, dass ei- mit seinem Inhalt und seinen Be- strebungen den Lesei'n angehören will, imd in diesem Sinne bittet er um entgegenkommendes "\"\'uhlwollen und "S'ertrauen. lieber den Transformismus. Vortrag des Herrn Geh. Rath Prof. Dr. Vireliow in der 60. Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Wiesbaden. Der Name „TransformLsmus" ist bei unseren west- lichen Nachbarn im Gebrauch, um jenes Gebiet von Er- scheinungen zu bezeichnen, welches bei uns meist unter dem Namen des ,, Darwinismus" zusammeugefasst wird. Dieser Gebrauch ist nicht ganz ohne einen nativistischen Beigeschmack. Die Franzosen haben in dei' fhat einigen Grund, eine Eichtung der Naturbetrachtung, zu deren Durchbildung französische Gelehrte schon vor Dar^\'in wichtige Arbeiten geliefeit hatten, nicht als eine rein englische er.scheinen zu las.sen. "Wir Deutselicu könnten ähnliehi- Ans)iriiche geltend machen, rebenlies ist das (ilebiet des Transformismns ungleich grösser, als die Frage von dem Ursprung der Arten und von der Abstammung der lebendigen "Wesen, und es \\-üJxle ein Hindei-nis für die Gesamt-Erkenntnis der transformierenden Lebens- vorgänge sein, wenn man die IJeti'uchtung jedesmal an ein ganzes Individuum oder gar an eine ganze Species richten müsste. Es entsi)i'ach dem Entwickelungsgange der Wissen- .schaft, dass Daiwin schien .Vngritt' wesentlich gegen die Un\eiänderlichkeit der Species richtete. Denn bis auf ihn hielt die .Vuturität CuvitM^'s jeden Zweifel an dei- 110 Dei' Natunvissenscliaftler. Nr. U. Beständigkeit der Arten nieder. Aber die Erlösung von diesem Dogma betraf im Grunde doch nur eine Doktrin. Die Species existiert als ein reales Objekt überhaupt nicht: existent sind nur die Individuen, welche die Species repräsentieren; die Art als solche ist nur etwas Gedachtes. Der Streit knüpft stets an die Individuen an, inwiefern sie sich innerhalb des gedachten Art-( iesetzes entwickeln oder über dasselbe liinausgehen. In An- erkennung dieser Abweichung hatte man sich lange vor Darwin in allen biologischen Disciplinen daran gewöhnt, die individuelle Variation zuzulassen. Man hat damit nicht mehr getlian als eine Erfahrung anzuerk(Mni(?n, welche die Voraussetzung des gegenseitigen Erkennens niclit bloss unter den Menschen, sondern auch unter den Tieren ist. Wie sollte es überhaupt möglich sein, ein Individuum wiederzuerkennen, wie sollte die Mutter ihr Kind, das Kind seine Mutter finden, wie sollte der Lehrer seine Schüler, der Offiziei' seine Sol- daten unterscheiden, wenn die individuelle Variation nicht gross genug wäre, um auch einer gewöhnliclien Intelligenz die häufig genug unwiUküiIiche Fixierung g-e.wiss'ien»<*iiaftlef'>. Berichtigung. In voriger Nummer im Artikel : „Dr. Gracau, Intuss uscrptiiiu ", Zeile 12 schalte hinter „That" „aber nicht" ein und Hess im selben Artikel 2. Spalte. Zeile 16 „Maniliot" statt „Manchot". Ia^©l»^fe© namentlich Anzeigen aller opti.selicn, chemi.sclien, pliy.sikali.schen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie TMiciipranzeijreu linden weiteste und passendste Veiiiieitung-. ^g9~ Für den Inhalt der Inserate sind wir niclit verantwortlieli. Ilir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- mn^^^^^^^^H^HH^^^^^^g Gesuchen und -Angeboten, sou-ie zu Anzeigen, welche An- gebot, Nachfrage und Tausch naturwissenschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. Das erste Quartal des Naturwissenschaftler Avird gegen iMusendung von 2 ..IC 10 ..j in Briefmarken nucligelielert. Einzelne Nummern kosten 25 ..(. Die Expedition des „Naturwissenschaftier." Berlin SW. 48. Einen Weltruf ^ * ^ ^ * ■ haben 0. Kiilieig'.s hiTÜliuitf Rasirmesser. Selbe siiul aus d- feinsten SilherstalUe, liohl gescliliffcn, fertig zum Gebvaueli. Preis per Stück M. 3, fi Stiiclc M. 15. Etui luv Rasirnii-sser per Stiicli 30 Pf. Original-Streichriemen zum SL-h.nrfeu I iler Rasirmessii- per Stiicls M. 2,50. 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En gros 35 Tiegeln = 1 Postpacket M. 21,— ab Brunn per Nachn.— Ha upt versendungs-Depot b. J.Grolichi. Brunn, Mähreu. — Haupt- versanil liir Detail zum Original- preise von M. l,20iier Tiegel bei C. F. Dahms, Droguerie in ISerlin SW., Kninniandantenstrasse 8. [26] Xotarielle Beisitätigniig des tansendfachen Lohes über den Holland. Taliak v. B. Becker in Seesena.HarzlOPfd.fko.8Mk., haben die versch. Zeitung-sexpedi- tionen eingesehen. [34] Inserate für Nr. 15 des „Naturwissenschaftlers" müssen spiite.steus bis Sonnabend, 31. Dez. in imsereu Händen sein. Die Expedition. Bei Benutzung der Inserate bitten wir unsere Leser höflichst, auf den „Naturwissenschaftler" Bezug nehmen zu wollen. V^erantwort lieber Kedakteur Dr. (Airl liiemaun in Gürlitz. — Verlag von lliemanu & JMe Druck von Gebrüder Kiesau, Berlin SW. 48. er, 1-lerliu SW. 48. liegt als Extrabeilage „Die Erläuterungen zum Astronomischen Wochenkalender" bei. / a3 OD CO 03 CO CO 1^ :cn ,- - = 5 £ 'S £.2 fe a ^ S S d .» ^ ~ h; g 'S .£ c = -- 3+- I '"' 3 ! ic_ S II f- g •s = ^ „ ,= 11 S = -S -= 3 .= • I I &0 ;S -^ - tD .ä «'Sc S « 1 in CO i~ j] ^ C: J) CT, Ol C-- ^ yj it! CT o^ 1^ 1— r~ t^ :c c-r t7 oT sT oT 2 -^ ^ (W Ol t- in CT o t— (D -jj --D '-C .O oT cT oT cT si" -* ^ in -^ ^; 73 7? O^ 03 {73 oT oT oT oT cT -*■ CO W 1— -- S S 3 S S cT x' 00 x" x" 8 1 -- ^ 15 S g •■= i:: ^ ^ S ;S ? s •« " 2 = = = = = s s i; 2 g ? ■" g 3 ■•= X o ■^ g r = c = = r : :: :; ~ ^ T :^ T = = = = = 5i 5 S ' 2 gi S S '4 s s "22S3 S3;s!S- »SS?i?i 33S353 o S t = = = = :l r = r r = r p = = = = = = = = = = = = = = = = CT f^i :^ « « W r^ rc ro ro -f -t -f -^ u-; ■n in m ut m in iß in in in :0 2"SS3 ;? 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Friedrich-.Srra.sse 2'26. 48 Inserate: L'ie vierge.spaltene Petitzeile 30 4. Grijs-sere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen M 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenaunahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 8. Jannar 1888. >s'r. 15. Uei- Abtlriiok der Originalartikel ist nur mit (weneliniigung «1er Verlagshancllnng gestattet. Inhalt: Professur Dr. Virchow: Ueber den Transformisnjiis. (Fortsetzung). — Dr. Reinhold Brehm: Raubvögel-Brutstätten in Central- Spanieii II (Fortsetzung). — Prof. Dr. Ludwig: Ueber di'ii Wirtswechsel der Rostpilze. — Kleinere Mittellungen: Miniulus luteus L. Ueber Assimilation und Sauerstofiabgabe. Eine alkoholische Gärung der Milch. Rus.sischer Hopfen. — Astronomischer Wochenkalender. — Fragekasten. — Lltteratur: Albert C. L. G. Günther: Handbuch der Ichthyologie. Uebers. von Dr. Gustav Vun Hayek. — Bibliographie. — Inserate. Ueber den Transformismus. Vortrag des Herrn Geh. Rath l'rof. Dr. Vircliuw in der 60. Versammlunc (Fortsetzung). Doutsrher Naturforscher und Aerzte in Wiesbaden. Die ältere Schule der Tran.sformisten, als deren Haupt Joli. Friedr. Meckel betrachtet werden darf, ging- von der Voraus.setzuno- au.s, dass jede vollständiger entwickelte oder, wie man kurzweg sagt, höhere Art, Gattung, Familie u. .s. w. im Laufe ihi'er Entwickelung alle Stadien dei' Ausbildung- dei- weniger entwickelten, der niederen .\rt, Gattung u. .f. w. dui'chmachcn müsse, dass demnach der Lebensgang der höheren Art jedesmal eine Wieder- holung des Leben.sganges der niederen Arten und zugleich eine A^'eiterbildung über das Ziel derselben hinaus dar- stelle. Wo ein solcherFortsclnitt nicht stattfand, da schloss man auf eine eingetretene Hemmung und .sprach von einer niederen oder Defekt-Bildung, gleicliviel ob diesei' Zustand als ein individuell zweckmässiger oder unzweck- raässiger nachzu^\'eisen wai'. Wenigei' sicher war man, wenn der Foilscluitt tiber das gewöhnliche Mass der Entwickelung hinausging, wenn eine p]xcessbildung ein- trat: nicht jede liesenmässige P]ntwickehing eines Oi'ganes oder eines Individuums liess sich als ein Hciheres dar- stellen, da die Unzweckmässigkeit derselben zu sehr einleuchtete. Wie sollte eine excessive Vergrösserung des Herzens oder einer einzelnen KxtnMnität als ein Höheres nachgewiesen werden? Die neueren Transformisten sind auf diesem Wege der Interpretation nur zum Teil weitergegangen. Die Embryologie hat gelehrt, dass keine.swegs jedes höhere Wesen aUe Einzelheiten des Lebensganges der niederen durchmacht, Avenn auch gewisse Vorgänge des Embryonal- lebens eiifer grossen Reihe höherer und niederei- Wesen gleichmässig zukommen. Duicli keine Art von Dcfekt- bildung kann aus einem Säugetier ein Fiscli oder ein Arapliibium «erden, wenngleich das eine oder andere Organ oder (ie\v(^l)e i^ine gewisse Fisch- ndi'r .\mpiiibien- ähnlichkeit eiiangen mag. Ueberdies hat Darwin gezeigt, — und es ist dies nicht das kleinste seiner Verdienste — dass die besondei-e Leben.sweise gewisser Arten oder Gattungen, ihre Anpassung an gewisse Formen der Existenz und Tiiätigkeit bald eine defektive, bald eine excessive Ausl)ildung einzelner Teile oder des ganzen Körpers nach sich ziehen, welche für die konkrete Lebens- weise dieser Arten und Gattungen als zweckmässig sich erweisen, obwohl sie keinem Zustande niederer Alten oder Gattungen entsprechen. Nach der MeckeFschen Doktrin ist eigentlich jede Defektbildung ein Rückschlag auf eine niedere oder frühere Art; nach der Auftas.sung Dai'wins giebt es gewisse Reilien ganz neuer Defekt biklun- gen, welche durch die Anpassung an neue Lebens- verhältnisse oder diu'ch d^n Zwang äussere!' Ehiwirkungen hervoi'gerufen wei-den. Einigermassen entspricht dieser Gegensatz den in der i'athologie seit alters her gebräuch- lichen Piezeichnungen der erblichen und der erworbe- nen Abweichungen, nur daif man den Gegensatz nicht als einen absoluten auffassen. Denn eine erworbene Abweichung kann in späteren Genei'ationen erblicli werden, und nicht jeder scheinbare Rücksclilag auf eine fiühere Art ist als Folge von Erblichkeit aufzufassen. Ich befinde mich mit diesen Sätzen nicht im Wider- .spruch mit Darwin, aber wohl mit einzelnen neueren Autoren, welche seiner Schiüe angehören. Was dies Verhältnis der ei'worbenen zu den erblichen Abweichun- gen anbetrifft, so will ich auf die Erörterungen, welche ich bei Gelegenlieit und in Folge dei- vorletzten Natur- forsclier-Versammlung angestellt habe, nicht ausführlich zurückkommen. Nui' das mu.ss ich uocluiuiis betonen, dass nacli meiner Autfas.sunt;' der .Vufang einer neuen 118 Der Naturwissenschaftler. Nr. 15. Keihe erblicher Abweichungen, also auch der Eintritt einer neuen Art ohne eine voraufgegangene erworbene Abweichung undenkbar ist. Denn wie könnte ein Indi- viduum auf seine Nachkommenschaft etwas vererben, was es nicht selbst ererbt hat, wenn es dasselbe nicht dm-ch ij-gend welche Beziehungen zu äusseren Dingen erworben hat? Da wo der Beginn einer neuen, d. h. einei' ab- weichenden Ali liegt, muss die zu vererbende Abweichung dui'cli irgend eine Ursache vorher hervorgebracht sein. Aus diesem Gninde habe ich gesagt, dass jede Ab- weichung des Artcharakters auf ein patholo- gisches Verhältnis des Erzeugers zurückzuführen sei. Um nicht missverstanden zu wenden, will ich hin- zusetzen, dass nicht alles J'athologische krankhaft ist, und dass die Erwerbung dei' Abweichung nicht notwendig durch eine einmalige Einwirkung einer Ursache bedingt sein, und dass diese Einwiikung nicht bloss einen Er- zeuger treffen muss, sondern dass die Ursache wiederholt und auf eine Reihe von folgenden Generationen bestimmend einwirken kann. Zweifelhaft dürfte es erscheinen, wenn icli sage, dass Rückschlag auf eine niedere oder frühere Art nicht not- wendig erblich sein muss. Rückschlag wird gewöhnlich übersetzt durch Atavismus, und dieses Wort bedeutet allerdings den erblichen Rückschlag, (iiebt es denn etwa auch erworbene Rückschläge? Ich glaube ja. Nehmen wir ein MeckeTsches Beispiel. Das Herz des Menschen unterscheidet sich von dem vieler niedei'(>n Tiere durch die vollständige Trennung seiner Kammern und Vor- kammern. Nicht ganz selten kommt aber eine Defekt- bildung der Scheidewand vor, und zwar in so grosser Variation, dass man alle Uebergänge von einer blossen Duichlöcheruug der Scheidewand bis zu einem vollstän- digen Fehlen derselben in dem Cor univentriculare auf- stellen kann. Meckel spiaeh deshalb von einem Fisch-, einem Reptilien- u. s. w. Herzen. Al)er es ist nicht schwer zu beweisen, dass bestimmte individuell wiikende Ursachen, meist Verengei'ungen gewisser Ausflussstellen füi' das Blut, die vollständige Ausbildung und damit den Verschluss der Scheidewand verhindert haben, dass es sich also um ein eiworbenes Verhältnis handelt. Die Missbildung ist trotzdem eine tierähnliche, aber diese Theromoi'phie ist nicht atavistisch. Denn ursprünglich fniilt bei jedem Menschen die Herzscheidewand, und es bedaif nicht erst eines erblichen Rückschlages, um ihr Fehlen hervorzubiingen. Aber im natürlichen Laufe der Entwickelung entsteht bei jedem normalen Menschen eine vollständig trennende Scheidewand, und wenn dies in geringerer oder grösserei' Ausdehnung nicht geschieht, so genügt zu der Erklärung vollständig der Nachweis der Zwangslage, in welche die Herzhöhlen durch die Behinderung des Ausflusses und die Spannung der Herz- wandungen versetzt .sind. So entsteht eine erworbene Theromorphie. Ich will nicht darüber streiten, ob die Ausdrücke „Rücksclilag" und „Theromorphie" hier ganz passen. Ich würde sie leicht vermeiden können, aber ich habe sie absichtlich gebraucht, weU nicht wenige Forscher an dieser Klippe gescheitert sind, und weil es noch jetzt nicht an solchen fehlt, welche eine Grenze zwischen Atavismus und Erwerbung, zwischen Descendenz und Pathologie zuzugestehen verweigern. Diese Grenze wird durch die Erblichkeit gegeben, jene höchst bedeutungs- volle, wenngleich trotz aller Fortschritte der Embiyologie noch immer unerklärbare Eigenschaft, dmxh welche sich die lebendige Welt so scharf von der niehtlebendigen unterscheidet, deren Bedeutung deshalb seit .Jahrhunderten auch den ungelehrten Leuten vollkommen eingeleuchtet hat. Atavismus und Descendenz knüpfen eben an die Erblichkeit an. Sie setzen voraus, dass diejenigen Lebensvorgänge, welche durch diesen Ausdruck bezeichnet werden, nicht durch den Zwang äussei'er Dinge, nicht einmal durch die Ein- wirkung äusserer Ursachen, sondern aus einem immanenten Triebe zu .Stande kommen. Jede er- worbene Eigenschaft, sie mag nocii so sehr tierähnlich sein, ist davon auszuschliessen. Die Erblichkeit würde ein vortreffliches Kilterium sein, wenn wli' etwas mehr von dem Wesen der Ver- erbung wüssten. Leider wissen wir davon so wenig, dass in der Regel nur ein statistischer Nacliweis dafür geliefert wird. Man ist jedesmal geneigt, eine Eigenschaft als eine erbliche zu betrachten, wenn sie sich im Laufe aus einandei' hervorgehender Geneiationen wiederholt. Je häutiger sie auftritt, um so sicherei' erscheint sie als eine erblic'he. Al)er gerade in dei jenigen Wissenschaft, welche praktisch am meisten mit der Fiage der Erblichkeit befasst ist, in der Pathologie, hat die Erfahrung gelehrt, wie unsicher das Merkmal der Wiederholung ist. Unser .Jahrhundert hat in dieser Beziehung die herbsten Lehi'en gebracht. vSo lange man die Krätze für eine Dyskrasie hielt, fand man keine Schwierigkeit, auch eine erbliche Krätze zuzidassen; erst der Nachweis der Krätzmilbe hat solchen Träumereien ein Ende gemacht. Dann kam der Favus an die Reihe, eine Krankheit, die man im Deutschen geradezu als Eibgrind bezeichnet hatte, und die doch schliesslich duich eine bahnbrechende Entdeckung Schön- leins auf einen Fadenpilz zurückgefühlt wurde. Als ein wahres Muster einer erblichen Krankheit galt seit uralter Zeit der Aussatz, auf den vorzugsweise die Drohung der heiligen Schrift bezogen wurde, dass der Herr die Sünden der Väter rächen werde bis in ferne Glieder, und für den noch vor einem Menschenalter die norwegische Regierung ein allgemeines Verbot der Ehe- schliessung aller Mitglieder aus verseuchten Familien plante; mit der Aufflndung des Aussatzpilzes sind alle diese Erwägungen aus den Traktanden verschwunden. Und soll ich noch an die Lehre von der iMblichkeit der Schwindsucht erinnern, die statistisch so fest be- gründet erschien, und deren Anhänger durch die Er- kennung des Tuberkel-Bacillus in die schwerste Verlegen- heit gebracht sind? Nr. 15. I)pr Natui-wissenschaftler. 119 Es mag an diesen lieispielen gi'nügen, um die Auf- merksamkeit darauf zu lenken, wie unsiclier der Boden ist, auf welchem die Vorstellungen von der Erblichkeit eirichtet sind. Mögen die Schwärmer wenigstens gewaint sein, die uns jetzt die Erblichkeit des Alkoholismus oder wenigstens die erbliche Dis])Osition zur Trunksucht als ein Objekt der Gesetzgebung lehren wollen. Sicherlich giebt es zahlreiche örtliche Dispositionen oder Anlagen zu Krankheiten, und das Studium derselben wird noch auf lange für uns einen wiii'digen Gegenstand dei' Forschung bieten, aber von der Disposition bis zur Krank- heit ist noch ein weiter Schritt, und er wird niemals zurückgelegt, ohne dass neue bestimmende Ursachen ein- wirken. Die Verei'bung als solche häng-t nicht von solchen Ursachen ab; sie vollzieht sich durch den Akt der Zeugung. Was nach derselben auf die Frucht einwirkt und sie verändert, auch wenn es eine wirkliche Ab- weichung dei' Entwickelung hervorbringt, das hat keinen Aiisiiruch darauf, erblich genannt zu werden. Es gehört in das Gebiet der fi'üh erworbenen und dabei- sehr häufig angeborenen Abweichungen. Trotz aller Reserven bleibt aber doch die Erblichkeit als eine allgemeine Eigenschaft der Lebewesen bestehen. Auf ili!' beruht zweifellos der Foi-tbestand der lebendigen Welt. Freilich richtet sich das Sehnen der nach voller Ei-kenntnis dürsteuden Menschen über den Fortbestand dieser Welt hinaus immer wieder auf die Frage nach dem Urspiung derselben. Man möchte wissen, wie das Leben überhaupt entstanden ist. Denn dei' Yeivsuch, eine Befriedigung des Sehnens durch ein Dogma von der P]wigkeit dei- lebenden Welt zu gewähren, ist noch jedesmal gescheitert. Die Menschen glauben mit gutem Grund, dass es eine Zeit gegeben hat, wo nocii kein Lebewesen existirte, und sie wollen wissen, wo dei' Anfang des Lebens zu suchen sei, und wie das Leben inmitten der unbelebten Welt begonnen hat. Wer diesem Drängen nicht widerstehen kann, dem bleibt schliesslich nur die Wahl zwischen dem Dogma von der Schöpfung und dem Dogma von der Urzeugung, der soge- nannten Generatio aequivoca. Keines dieser Dngmen ist ein (iegenstaiul der Forschung, denn nocli nie ist ein lel)endes Wesen (xler auch nur ein lel)ende.s Element, sagen wir eine lebende Zelle gefunden worden, \iiii deui'u iiiaii hätte sagen können, sie seien die ersten ihrer Art gewesen. Noch nie ist auch nur ein verstpim^rter Rest entdeckt worden, an dem die Möglichkeit hervorgetreten wäre, dass er einem ersten oder durch Urzeugung entstandenen Wesen angehört habe. Es ist allerdings noch nicht lange her, dass man selbst vollkommen entwickelte Wesen, z. B. Eingeweidewürmer, dm-ch Generatio aequivoca entstehen liess; ja noch in unseren Tagen erhebt sich immer wieder die Frage, ob nicht gewisse niederste Wesen, namentlich solche, welche der Familie der Spaltpilze angehören, wenigstens aus organischer Substanz, aus den Trümmern früherer Zellen neu aufgebaut werden. Durch neuere Forschungen sind alle diese Möglichkeiten zerstört. Die Eingeweidewüimer haben ihre erbliche Fortpflanzung so gut wie die anderen Tiere, und seit Pasteur's entscheiden- den Entdeckungen über die Geschichte der niedersten Pilzformen hat selbst die Praxis der Aerzte und Land- wirte sich auf die Erblichkeit dieser kleinsten Gebilde der organischen W'elt eingerichtet. Auch die Asyle, welche die Urzeugung in der Pathologie gefunden hatte, sind geschlossen w^orden, seitdem die plastischen Exsu- date und die Rohblasteme aufgehört haben, als Mutter- laugen für die vorausgesetzte organische Krystallisation zu gelten, seitdem insbesondere die Lehre von der Erb- folge der Zellen, zusammengedrängt in der Formel: omnis cellula a cellida, Allgemeingut der medizinischen Anschauung geworden ist. Die Generatio aequivoca er- scheint nur noch gelegentlich als die Krönung des Gebäudes der Descendenzlehre, nicht als eine Frage der praktischen Naturforschung, sondei'u als ein Postulat der Naturphilosophie. Es mag sein, dass eine andere Zeit die Mittel findet, auch in dieser schwierigen Angelegenheit mit einer objek- tiven Forschung einzusetzen. Wer sich mit dem Dogma von der Schöjifung nicht beruliigen will, der liat allerdings das Recht zu fragen, wo denn die lebende Welt her- gekommen ist, wenn sie nicht in Ewigkeit \oilianden war, und die Geologie bietet ihm eine gute Stütze, indem sie Zeiten dei' Erdbildung oder genauer Schichten der Ei'drinde kennen lehrt, wo lebendige Wesen nicht vor- handen waren und nicht einmal vorhanden sein konnten. Und doch wird die Generatio aequi\oca eine transcendente Formel bleiben, so lange ein de novo entstandenes Wesen nicht aufgefunden ist. In der aktuellen Welt, wie sie uns bisher erschlossen ist, giebt es solche Wesen nicht: in ihr giebt es nur Leben du ich Erbfolge. (Fortsetzung tdigt.) Raubvögel-Brutstätten in Central-Spanien. Von lir. lliMiihuld lirc'lim. ( Fortsetzung".) Nach längerem Suchen fanden wir eine Stelle der entweder auf ihre Nrslci' /urückgekrhrt waren oder Wand, wo der Abstieg nach der Ebene möglich, führten sieh vertioneii hatten: das letztere war das Wahrschein- ihn glücklich aus und gewuhrteii zu unserer (ienug- j licliste. Zunäclwt suclitcn wir iiarli .•iucm iiassendcn Ver- Ihuuiig, dass die kreisenden \'iigi'l veiscliwunden, also : steck, iiiii uns \i']l>ergi-ii und l''elswaiul und iinhe liänme 120 Der Naturwissenschaftler. Nr. 15. beobachten zu können. Versteckt man sich, so lange noch Geier über einem kreisen, ist das Warten in der Regel umsonst, denn Stunden düiften vergehen, bevor ein Geier nach seinem Neste zurückkehrt, wenn der scheue Vogel gesehen, dass ein Mensch, welchen er in der Nähe seines Nistplatzes beobachtete, plötzlich ver- schwunden ist. Anstatt sich niederzulassen, wird der Vogel sein Kreisen nicht einstellen, sondern er scheint auch andere aus der F'erne hei' angesegelt kommende Raubvögel vor der drohenden Gefahi- zu warnen, denn keiner von ihnen wird die Schwingen einziehen, um sein Nest aufzusuchen oder sonst wo sich niederzu- lassen; alle werden mit jenem in der Luft zu kreisen beginnen und schliesslich wiedeium abziehen ohne sich gesetzt zu haben. Kine schief an mächtigem Felsblock sich anlehnende Steinplatte schien mir zu sicheiem Versteck der geeig- netste Ort. Beide offenen Seiten schlössen wii- dui'ch auf- recht gestellte dichte Kiefernbüsche, welche wir unmittel- bar über dem Boden abgeschnitten und deren zurück- bleibende Stummel soigfältig mit Erde verdeckt hatten, so dass die Schnittfläche selbst für ein Geierauge un- kenntlich gemacht war. Wo die Steinplatte am Fels- blocke ruhte, Hess sie einen breiten Spalt, welchei' mir freie Aussicht auf Bäume und Felswand gestattete. So geborgen durften wir nuninchi- an Befriedigung unseres mahnenden Magens denken, nntcrsuclitcn unsere alfoijas und priesen dei' gastfreien Klosterlirüder Fürsorge, welche sie reichlich mit Mundvoi-räten und tiefflichem Weine gefüllt hatte. Etwa di'eiviertej Stunden mochten wir in nicht eben bequemer Stellung in unserem Stande ge- hockt haben, als laut vernehmbares Brausen über uns die Rückkehr eines grossen Geiers anzeigte. Konnte ich gleich den Vogel selbst nicht sehen, so gewahi'te ich dennoch vor mir auf dem Boden seinen Schatten, denn die Sonne neigte sich bereits stark nach Westen und stand nur im Rücken. Nae-h und nach verstärkte sich das Brausen in der Luft und mehrte sich die Anzahl der Schatten auf der Erde. Schliesslich erschienen die Vögel selbst in meinem Gesichtsfelde; ich konnte ver- schiedene Gänsegeier und drei Mönchsgeiei- unterscheiden, welche alle die Köpfe nach unten gesenkt hatten und sorgfältig die Felsen und ilu'e Umgebung durclispähten. Nichts Verdächtiges schienen sie zu gewahren, denn ein Gänsegeier faltete die mächtigen Schwingen, zog sie fast an den Körper an und sauste aus der Höhe herab einem Steine gleich in schiefer Richtung dem Horste zu. Kurz vor ihm breitete er die Fittige wiederum aus, fusste sicher auf dem Nestraude und verscliwaud alsogieich im umfangi'eichen Baue. Ihm folgten lasch aufeinander noch drei andere, während die beiden ihres Eies beraubten nur noch einige Kreise über ihre Wohnung zogen, wahr- scheinlich um von dem schon aus der Höhe bemerkten traurigen Umstände, dass man ihnen ihr Ei weggenommen, vollständig sich zu überzeugen. Kurz darauf wai-en sie in der Ferne verschwunden. Die di'ei Mönchsgeier hatten ebenfalls sich hei'ab- fallen lassen, wai'en mit weithin vernehmbarem Flügel- klatschen, zwei auf Seestrandskiefern, der dritte auf dem Wipfel einer immeigrünen Eiche, aufgebäumt und hatten in der dichten Krone alsbald sich unseren Blicken entzogen. Nunmehr war der passende Augenblick gekommen, mich darüber zu veigewissern, ob sie auf jenen Bäumen brüteten oder sie nur zur Schlafstätte erkoren hatten. Ohne Verzug \erliess ich mein ^'ersteck und eilte nach dem ersten vermeintlichen Nistplatze. Bekanntlich streben Aeste und Zweige der sogenannten Seestrandskiefer nach oben und bilden eine dichtvertilzte, breite, ebene, pilz- dachähnliche Krone, welche genauere Beobachtung eines in ihrem Geästo geborgenen, selbst grösseren Vogels oft- mals nicht gestattet. Aber einen Mönchsgeier musste man ja doch ohne Schwierigkeit sehen können. Unter dem Baume angelangt, überzeugte ich mich, dass ich mich geirrt hatte. Wohl veiniochte ich einen umfang- reicheren, buschähnlichen, vom grünen Nadelmeere sich abhebenden Gegenstand zu bemerken, vom Geier selbst hingegen konnte ich nichts gewahren. Der dunkle Busch musste demzufolge das Nest sein, wenn überhaupt ein solches dort vorhanden. Auf wiederholtes starkes Klopfen von selten meines Begleiters an dem dicken, glatten Stamm vernahm ich in der dichten üaiunkrone lautpolterndes Geräusch und starkes Flügelklatschen und gewahi-te bald den mäch- tigen Vogel über unsere Köpfe dahinbi'ausen, mit eiligem Flügelschlage das Weite suchend. Nunmehr Hess ich die Kiefer l)esteigen, um mir Gewissheit darüber zu ver- schaffen, oll die verfilzte Krone den Geierhüi'st beherberge. Das Besteigen des Baumes war gerade keine leichte Aufgabe, doch wusste Don Manuel de la Tone, vulgo Chhrin Rat und seinem weitvcrbieiteten Rufe Ehre zu machen, ki-amte aus seinem alles Eidenkliche bergenden Ranzen eine lange, dünne Hanfleine heraus, befestigte an ilu'em einen Ende einen faustgrossen Stein, warf ihn ge- schickt über den untersten Aststummel und Hess ihn zui' Erde herabgleiten, so dass er die Leine nach sich zog. Sodann ergriff er ihre beiden Enden, umfasste mit den Füssen den dicken Baumstaunu und zog mit Hilfe des Strickes an ihm sich in die Höhe, bis es ihm gelang, den untersten Ast mit den Händen zu packen. Ein einziges Ei lag im Horste und wurde von dem Besteiger in seinem an die Leine gebundenen Hute herabgelassen. Es glich in Form und Farbe den den Gänsegeierhorsten entnommenen zum Verwechseln und untei-schied sich von ihnen nui' dui-ch seine um ein geiinges bedeutendere Grösse. Ohne beide verschiedenen Eier nebeneinander zu sehen, hätte man schwerlich bestimmen können, welches dem Gänsegeier angehöre, welches das des Möuchsgeiers sei, und um jene späterhin nicht mit einander zu ver- wechseln, bezeichnete i('h sie sofort in entspi'echen- der Weise. Gleichwie beim Horste des Gyi)s fnlvus bildeten auch bei dem des Vultui- cinereus Knüppel von Nr. 15. Der Natnr\viss(^nschaftlei'. 121 der Dicke eines Mannesarmes eine Unterlage und fanden auf den dichtsteiienden, zaldlosen, kleinen Nadelzweigen sicheren Baugrund. Auf jene folgte die au.s einer Schicht dünnerer, dürrer Aestehen bestehende Nestmulde, welche wiederum mit einigen Flocken Schafwolle und Klumpen Tieihaai'en ausgekleidet war. Der Gesamtbau stellte eine so umfangreiche Fläche dar, dass mein Jägei' im Neste sich legen und strecken konnte, ohne dass man von ihm ausser den Füssen, welche ein wenig über den Nestrand herausragten, etwas zu gewahren ver- mochte. Von dort begab ich mich nach dei- anderen Kiefer, auf welcher ich den zweiten Geier hatte aufbäumen sehen, konnte jedoch unter ihr angelangt weder Geier noch Horst in der dichten Kione genauer unterscheiden. Mehrere kiäftige Schläge an den Baumstamm veranlasste den Nest- insassen zum Verlassen seiner Wohnung. Das Besteigen des Baumes ei'gab gleiches Resultat, wie das des ersten. Es fand sich ein einziges Ei im umfangreichen Horste. Noch verblieb mir der Besuch des dritten Nistplatzes. Die Krone der Encina war nicht so dicht wie die der Kiefer, und demzufolge der mächtige Nestbau schon aus grösserer Entfernung im Geäste der Eiche erkennbar. Näher gekonnnen, konnten wir den Horst ganz deutlich, vom brütenden Vogel aber nur die Schnabelspitze sehen. Mein Begleiter schickte sich an, den etwas schief ge- wachsenen Stamm zu erklettern, ich hingegen trat aus dem Schatten der Eiche heraus, um diesmal den Geier herunterzuschiessen, sobald er vom Neste abfliegen würde. (Fortsetzung folgt.) Ueber den Wirtswechsel der Rostpilze. Nach den neuesten L'iitersucliungen von riütessur Dr. Ludwifr. Seitdem De Baiy den Nachweis gefühlt hat, dass die Schüsselpilzchen (Aecidien) des Bei'beritzenstrauches in den Entwickelung-skreis des Getreiderostes (Puccinia graminis) geliöien, ist die Zahl der Rostpilze, die zu ihrer vollen Entwickclung einen Wirtswechsel nötig haben — dem ähnUch, der bei den I>andwürmern und anderen Würmern sclion länger bekannt ist — auf mehr als 40 gestiegen, wovon eine ganze Anzahl erst in der Neuzeit näher erforscht worden sind. In erster- Linie finden sich solche wirtswechselnde Rostpilze auf den dicht und geselhg wachsenden, ilire Schmarotzer gut überwintern- den Gräsern. Man kennt bisher 12 Arten von Gras- rosten, die auf wilden Gräsein und auf Getreideai'ten ihre Sommer- (LIredo-) und Wintersporen (Teleutosporen) bilden, dann aber nur auf anderen Wirtspflanzen die aus dem Pi'omycelium der letzteren hervoi'gehenden Sporidien zur Keimung kommen lassen. Die daraus sich entwickelnde Mycelfoi'm erzeugt (Spermogonien und) Aecidien — deren Sporen des weiteren wieder allein auf den Gräsern zur Entwickelung kommen — auf folgenden Wirtspflanzen: Beiberideen, Borragineen, Kreuz- dorn und Faulbaum, Rhamnus saxatilis (Puccinia Sesleriae), AUium ursinum und Convallaria majalis, Orchideen (P. Moliniae), Rumex, Tussilago und Petasites und für viei- Species auf Ranunculusai'ten (Puccinia perplexans, P. Magnusiana, LTromyces Poae und U. I )actylidis). Das Wohlergehen aller dieser Ge- wäclise ist also abliängig von dem A'orkommen gewisser Gräser in der Nähe und umgekehrt. Den Grasrosten folgen der Zahl nach die wirts- wechselnden Rostpilze der Rietgräser und anderer Halb- gräser, llii'e ersten Wirte (auf denen das aecidienbij- dende Mycel zui' Kntwickelung kommt) sind meist Compositen, so bei Puccinia silvatica Schrot. 1. Generation auf Taraxacum ol'ticinale und Senecio nemorensis. 11. u. 111. (Sommer- und Wintersporen) auf Carex brizoides, pallescens, virens, silvatica etc. P. dioicae Magn. : Cirsium oleraceum u. palustre — Carex dioica, Davalliana etc. P. Vulpinae Schrot.: Achillea Ptarmica, Chry- santhemum Tanacetuni — Carex vulpina. P. Schoeleriana Plowr. : Senecio Jacobaea — Carex spec. P. Eriophori v. Thümen: Cineraria paluster — Eriophorum. P. obscura Schrot.: Bellis perennis — Luzula. Uromyces Junci (Desm.): Pulicaria, Bupiithal- mum — Juncus. Dagegen haben andere Wirte Puccinia limosa Magn.: Lysimachia vulgaris — Carex limusa und P. Caricis Schuni. : Urtica dioica etc. — Carex acuta, vesicaria etc. A. B. Barclay in Calcutta fand neuerdings durch Infektionsversuche, dass auch das Aecidium Urticae var. Himalayense auf Urtica parviflora Roxb. im Himalaya zu einer Puccinia auf Carex setigera Don geholt. Im Himalaya fand derselbe auf der Brennessel noch eine autocische (Aecidien, Sommer- u. Wintersporen auf derselben Wu'ts- pflanze zeitigende) Puccinia Urticae vor, ähnlich ^\•ie auf Taraxacum, Berberis, Eupliorbia etc. neben den Aecidien wirtswechsehider Roste auch noch wirtsbeständige Arten von Puccinia und Uromyces vorkomiiien. Aehnliclie feindliche Beziehungen wie zwischen Riet- gräsern und Compositen finden weiter statt zwischen den Pomaceen einerseits und den Coniferen (Wachlioldern, Cedern etc.) anderseits. Auf jenen finden sich fast nui' Roste der (iattung Gyninosporaugium (wie den Rosaceen die Gattung Phragmidium eigentümlicii ist) und zwar in der Aecidienform (Roestelia), die dann die Teleutosporen (Uredo fehlt) nur aitf den genannten Coniferen bilden und unter denselben oft ebenso t>rossen Schaden anrichten 122 Der Naturwissenschaftler. Nr. 15. wie die Roesteliaform unter den Obstbäumen. Coniferen- anlagen und Obstbaumanlagen veitragen sieh ebenso wenig zusammen, wie Roggen und Beiberitzenhecken. In Deutschland sind drei Arten von Gymnosporan- gium bekannt: G. Sabinae Dicks. : T. auf Birnbäumen, Juni — Sep- tember. II. auf Juniperus Sabina etc. G. clavariaeforme Jacq. : I. Apfelbaum, Weissdorn. II. Wachholder etc. G. juniperinum Wint.: Eberesche, Wachholderarten. In Amerika hat man die Zugehörigkeit dei- Roestelien und Gymnosporangien erst neueidings untersucht; ausser den drei deutschen Arten, die in Amerika nur eine grössere Zahl von Wii-tspflanzen aus den l'omaceen be- züglich Coniferen haben, sind noch bekannt geworden: G. biseptatum: I. Roestelia botryapites auf der canadischeu Felsenmispel, 11. auf der weissen Geder- (Cupressus thyoides). G. macropus: I. R. pyrata auf wilden und kul- tivierten Aepfeln, Felsenmispeln, II. auf der i-oten Cedei'. G. clavipes: 1. R. aurantiaca auf Weissdorn, Apfel, Quitte, Felsenmispel, II. rote Ceder und Wach- holder. Ferner G. Ellisii, G. globosuui, (4. speciosura. Die Abietineen unter den Coniferen spielen bezüglich der Aecidien für einen Kreis verschiedener Gewächse fast dieselbe Rolle wie bezüglich der Sommer- und Winter- sporen die Gräser. Coleosporium Senecionis auf Kreuz- krautarten und Cronartium asclepiadeum auf dem Hundswürger (wahrscheinlich auch auf (Jentiana as- clepiadea, Ralsamina hoitensis, Paeonia officin^lis) erzeugen beide ganz gleich gestaltete Aecidien (Periderinium Pinij auf der Kiefer, die ihnen oft erliegt (Kienzopf. Kienpest); die Chiysomj^a Ledi auf dem Sumpfpforst und Ch. Rhododendri der Alpenrosen rufen den Fichtennadel- rost (Aecidium), die Chrvsomvxa I'iidlae di'i- Winter- grünarten vielleicht das Aecidium conorum piceae her- vor. Der Tannennadelrost (Aecidium) hat seine Teleuto- sporenform in der Melampsora Goeppeitiana der Preissei- beeren. Melampsoraformen der Pappeln (M. Tremidae etc.) erzeugen die Kiefern- und Lärchendielikrankheit (Caeoma pinitorquum, C. Laricis), indem ilue Sporen auf diesen Coniferen ein aecidienbildendes Mycel erzeugen. Bigentümlichenveise bildet eine ganz ähnliche Melamp- sora ihre erste Generation aufdemBingelkraut (Mercurialis perennis) und Melampsora populina Sphröt., von der Pappel, nach Schröters Infektionseigebnissen ein Caeoma auf Allium oleraceum und Allium vineale. — Die Melampsora farinosa Pers. und M. epitea Kze. & Schmidt bilden die Sommer- und WintergeiuM'ation auf Weiden, die Aecidiengeneratiou l)ildet erstei'e auf Evonymus, letztere auf Ribes. Von den Papilionaceenrosten haben zwei einen Wh-tswechsel durchzumachen und zwar beide auf der Wolfsmilch (Tithymalus Cypaiissias): Uromyces Pisi, der Rost der Erbsen und Wicken und Tromyces striatus Schröter, der Rost des Hoin-, Acker- und Schneckenklees. Beide rufen die bekannten Missgestaltungen der Cypressenwolfsmilch hervor. Die Nährpflanze bleibt nur unter der Wirkung des zweit- genannten Pilzes kleinei-, und ihre Blätter werden kürzer und breiter. Auf den Wolfsmilcharten sind im ganzen etwa zehn veischiedene Rostjiilze bekannt, auf der Cy- pressenwolfsmilch: üi-omyces scutellatus (Schrantz) und Melampsora Helioscopiae bishoi' nur in der zweiten und dritten und Aecidium lobatum Körn, bisher nur in der ei'sten (Generation. Als letzten eben erst bekannt gewordenen Fall wirts- wechselnder Roste erwähnen wir aus dem Himalaya: Puccinia I'olliniae liarclay: 1. auf Strolulanthes DaJhousiaiHis Clarke, II. u. 111. auf l'ollinia nuda Trin. Kleinere Mitteilungen. Mimulus luteus L. laml sicli nach Jliiri'iliiiig den Herrn Lelirers .Jüliclier in Frauenliageii (Kreis Aiiyermüiidc) in diesem Jalire in iiielii'eren Ivrüftigen Kxeniplarcn an einem N'orsprunge des rechten M^elseufers, nürdlich von I'assow. Die Ganivlerlilume iiiimmt in der Provinz Brandenburg wie im ganzen übrigen Deutsehland nur sporadisch \-or. Sie ist eine Ziei-ptlan/c welclie wir aus Nord- Amerika und Chile erhalten haben und ilie hier und da verwildert vorkommt. Knuth beobachtete sie bei Klein-Flottberk. Ueber Assimilation und Sauerstoffabgabe dei- grünen PHan/en/elle hat l'ringslieim eingehende Vi-rsuidie angestellt, deren Resultate er auf der 60. Vers, deutscher Naturl'orseher und Aerzte mitteilte. Diese Versuche zeigten, dass die grüne Ptianzenzelle schon bei kürzerem Verweilen in einem sauerstotffreien Räume in einen Zustand gerät, in welchem sie die Fähigkeit verliert, die Kohlensiiure im Lichte zu zersetzen. In diesem Zustande, den Pringsheim mit Inanition bezeichnet, ist die Zelle jedoch abge- sehen vom Verluste der Assimilationsfiihigkeit in jeder Beziehung völhg intakt, namentlicli auch in Bezug auf die Beschaft'enheit des Chlorophylls, [lie eingetretene Inanition kann sofort wieder gehoben werden, und die Zelle beginnt wieder unges(-liwächt zu assimilieren, sobald auch nur Spuren von Sauerstoff hinzutreten. Ferner gelit aus di'ii Versueln-n Priiigslieinis dii' ülierrasclieiide Thatsache hervor, dass bei der Zersetzung der Kolilensiiiire im Innern der Plianzeiizelle gar kein .Sauerstoff entsteht, sondern ein Körper, der erst bei seinem diosmotisohen Austritt ans der Zelle zertUllt und hierbei Sauerstoff abgiebt. Der Sauerstoff den die grünen Zellen im Lichte entwickeln, kommt daher nicht aus ihrem Innern, sondern wird an ihrer äusseren Dbertläclie gebildet und er- scheint erst hier als freier Sauerstoff. Drittens lehren diese Versuche, dass die Fffanzenzellen unter bestimmten Umständen auch im Finstern Sauerstoff abgeben, und dies thun nicht blos die chlorophyllhaltigen, sondern auch die nicht chlorophyllhaltigen Zellen. Die hier luiehgewieseTie .\bhängig'keit der Assimilation von der Sauerstoftathmung der Zelle und der Umstand, dass bei der Zer- legung der FCohlensäure im Lichte unmittelbar gar kein Sauerstoff entsteht, widerlegen die Vorstellungen, die über den chemischen Vorgang der Kohlensäurezersetzung in der Pflanze und die R(dle, die das Cliloroiihyll dabei spielen soll, verbreitet sind. Eine alkoholische Gährung der Müeh wird, wie uns Hi'rr Professur Dr. Ludwig in Creiz mitteilt, nicht nur durch Kefyr- Nr. 15. Der Naturwissenschaftlei'. 123 körner. .sonrlcni auch durch .Saccliaromyces eing-eleitet. In Thüring'en nehmen wenigstens die Hausfrauen zur Herstelhmg eines Ivumys- artigen, aus Milch und Zucker bestehenden Getränkes Bierhefe. Russischer Hopfen. Bekanntlich sind es nur wenige .Jahre, seit man in r)eutschlaMd übi>rhaupt etwas über russischen Hopfen weiss. Erst durch das von Dr. Cech gegründete „Archiv für russische Bierbrauerei" hat man im Auslande erfahren, dass es in Russland Hupfen gieht, hat die I'roduktionssorten, sowie die Namen der Produzenten und die vielfachen Sorten des unter verschiedenen Verhältnissen produzierten Hopfens kennen gelernt. Durch die ]?emiihungen dieses Fachblattes wurde russischer Hopfen zuerst ins Ausland e.^jportiert, und wurde im .Jahre 1882 infolge der 11 issernten in Deutschland russi.sclier Hopfen schlechtester Qualität zu horrenden Preisen für das Ausland aufgekauft. Als dann die folgenj:len vier Jahre für russischen Hopfen, der mit Ausnahme des wolhynischen in der Qualität nicht an die guten ausländischen Sorten hinanreicht, keine Käufer sich fanden, derselbe unverkauft blieb, beschuldigte man den Redakteur des „Archivs" öffentlich und denunzierte ihn bei der Regierung als .Scliädiger des russischen Hopfenbaues, welcher durch Propagierung des buhmischen und bayrischen Hopfens den russischen Hopfen entwertete. Man ging in der Agitation gegen ausländischen Hopfen sogar .so weit, dass man dem wissenschaft- liolien Fachblatte „Archiv" unter Androhung von Repressalien ver- bot, die niederen Preise des russischen Hopfens zu veröffentlichen. Als hierauf der in solch brutaler Art verdächtigte Fachgelehrte freiwillig seine wissenschaftliche 'J'hätigkeit ins Ausland übertrug, gelang es den von blindem Hasse gegen ausländischen Hopfen wütenden Agitatoren auf diesen für die Fabrikation eines guten Bieres unumgänglich notwendigen Rohstoff einen unerhört hohen Schutzzoll zu erringen, in der Hoffnung, dass dadurch die russischen Brauereibesitzer gezwungen sein werden, statt des guten ausländischen — schlechten rus.sischeii Hopfen zukaufen. .Jetzt nach einem .lahre hingegen zeigt es sich, dass die russischen Brauereibesitzer trotz der unerhörten Hetze gegen ausländischen Hopfen und trotz des excjrbi- tanten Schutzzolles auf demsellien dennoch ausländischen Hopfen kaufen und den i-us.sischen Hopfen nicht einmal probeweise ver- wenden wollen. Dr. Cech. welcher jahrelang mit Hingebung für die Fjinfuhruiig eines rationellen Hopfenbaues in Ru.ssland wirkte, der den russischen Hopfen zuerst im Auslande bekannt machte, und zahlreiche Dankadressen russischer Hopfenbauer, sowie Auszeich- nungen von Seiten der Regierung und wissenschaftlicher Korporationen für die Eröffnung des Exportes russischen Hopfens nach Frankreich. Belgien, England u. s. w. erhielt, wird im Verlage von Riemann & Möller in Berlin ein Werk über russi.sclien Hopfen herausgeben, aus welchem zu er.sehen ist, dass die Deutschen nie Feinde des russischen Hopfens waren und demselben zuerst Aufnahme im Aus- lande verscliafft liaben. Solche Verläumdungen eines Fachgelehrten sind in einem Rechtsstaate unmöglich. Uebrigens ist Herrn Dr. Cech von der nissischen Regierung vollständige Satisfaktion geworden, indem die einzig kompetente Instanz in dieser Frage, das kaiserliche Domänen- Ministerium, ihn als Experten zu Beratungen der JjUCjuete über Hopfenbau nach der Residenz eingeladen hat. Der im Monat No- vember in Moskau tagende Kongress russischer Bierbrauer und Hopfenbauer, brachte diesen letzteren jedoch ein vollständiges Fiasko, indem die grössten Bierbrauereibesitzer Russlands erklärten, auch in Zukunft böhmischen oder bayrischen Hopfen zu verwenden, da weder die Qualität des i-ussischen Hopfens, noch die Solidität und Kredit- kraft der russischen Hopfenhändler dem Bierbrauer die gewünschte Garantie bieten können. Astronomischer Wochen-Kalender vom s. bis 1,3. .Januar 1888. Sonnen-Ephemeride. -TS . c5 Deklin. < s P MC cöreö ^►4 «'S ^1 'S St. M. M. S. ü. M. U. M. St. M. U. M. ü. M.,St. M. S. 8. 288" 19.17 -22» 17' 6.48 8.11 4. 3 7.52 7.27 4.47 19.10 M. 9. 2S9« 21 ooo f^' 7.14 11 4 53 D.IO. 290» 25 -22» 0' 7.38 10 5 55 M.ll. 291» 30 -21» 51' 8. 3 10 7 57 7.26 4,51 19.22 D.12. 292" 34 - 210 42' 8.26 9 8 59 F. 13. 293» 38 —21» 32' 8.49 8 10 8. 2 8. 14. 294» 43 —21» 21' 9.12 8 11 3 7.24 4.55 19.33 S. 15. 295» 47 -21» 11' 9.34 7 13 6 Mond-Ephemeride. Monats- u. Jahrestag. 3 C fe5 <6 Ca 1 Deklin. afgang. tergang. 1 §S 03 < s ö PL. U. M. St. M. ü. M. D. M. S. 8. 8 7.32 vm. 14.41 —10» 11' 2.12 vm. 0.41 nm. 8,2372 M. 9. 9 8.26 „ 15.39 —14» 21' 3.31 „ 1.12 „ D. 10. 10 9.22 „ 16.39 -17» 37' 4.48 „ 1.49 ., M. 11. 11 10.19 „ 17.41 -190 42' 6. 1 , 2,34 „ 8,2333 D 12. 12 11.17 „ 18.42 —20» 28' 7. 6 „ 3.28 ., F. 13. 13 0.14 „ 19. 43 —19» 54' 8. 1 „ 4,30 „ S. 14. 14 1. 8„ 20.42 —18» 07' 8.45 „ 5,37 „ 8,2211 S. 15. 15 2. „ 21.37 —15» 21' 9.20 „ 6.47 „ Erdnähe den 8. nm. 2 Uhr; Neumond den 13. mgs. 9 Uhr 32 Min. Bemerkungen. Man beachte den starken Zuwuchs derZeit- gleichnng. Planeten. Merkur ist unsichtbar. — Venus(matische Teil bringt die Einteilung der Fische in Ordnungen. Unterordnungen, Familien und Gattungen. Die Arten sind nur dann berücksichtigt, wenn besonders interessante .Species zu verzeichnen waren, und dies mit vollem Recht, weil, wenn dies in grösserem Masse geschehen wäre, der Umfang- des Buches zu gross geworden wäre. An Illustrationen ist das Werk sehr reich, besonders sind die ganz vorzüglichen analytischen Figuren hervor- zuheben, welche die anatomischen Kinzelheiten darstellen. Rühmend hervorzuheben ist noch, dass auch die fossilen Formen etwas melir berücksichtigt wurden, als dies sonst zu gesohelien pflegt. Das vorliegende Werk ist ganz geeignet, eine schon lange fühlliare Lücke in unserer Litteratur auszufüllen "und wird sich daher schnell die wohlverdiente Verbreitung erwerben. 124 Der Natm-wissenscliaftler. Ni-. 15. Berichte der naturforsehenden Gesellschaft zu Freihurg i. B. Hrsg. V. A. Gruber. 1888. I. Heft pro kptl. Prei.s 10 JC. J. C. B. MoliT in Freiburg i. B. Eylenfeld, L., Trost und Hilfe bei Krebsleiden. Rin Wort zur Beherzigiiiig. S**. Prei.s 1 M. P. Ehrlich in Leipzig. Geerdts, L., Ein Fall von doppelter Ureterenbildung mit blinder Endigung d. einen derselben, gr. 8". Preis 1 JC. Lipsius & Tisclier in Kiel. Gruber, A., Weitere Beobachtungen an vielkernigen Infusorien. gr. 8". Preis 1 M 80 .j. J. C. B. Mohr in Freiburg i B. Hilfsbueh f. den Unterricht in der Geschichte u. Naturgeschichte (Nach dem Münchener Lehrplan bearb.). hrsg. vom Bezirlislehrer- Verein München, gr. 8". Preis geb. 75 ../. Inhalt: Geschichte. 35 4. — Naturgeschichte. 35 -j. Max Keller in München. Jaeobsen, E., Chemisch-technisches Bepertorium. Uebersichtlicli geordnete Mitteihingen der neuesten Ei-findiingen, Fortschritte und Verbesserungen auf dem Gebiete der technischen und industriellen Chemie. 1886. 2. Halbj. 2. Hiiltte. gr. 8». Preis 6 J(. R Gärtners Verlag in Berlin. Jahrbücher für ivissenschaftl. Botanik. Hrsg. v. N. Pringslieim. 18 Bd. 4. Heft. gr. 8». l'reis 14 JC. Gebr. Bornträger in Berlin. Kaller, G., Hygienische Gymnastik f. d. weibliche Jugend icährend d. schulpflichtigen Alters. 8". J'reis kart. 1 JO ('arl iSurcjw in Hf'idclberg. Kühner, A., Buch der Gesundheit. 2. Hft. lieber Nahrnngs- und Gi-nnssmittel. 1. Hälfte, gr. 8". Preis 1 JC 50 4. Gebr. Knaiier in Frankfnrt a. M. Rosenbuseh, H., Mikroskopische Physiographic der Mineralien lad Gesteine. 2. Bd. Mikroskopische Physiograpliie der massigen Gesteine. 2. Abt. 2. Auti. gr. 8". Preis 12 M. E. Schweizer- barfschc Verlagslidig. in Stnttgart. Sardemann, E., Beiträge z\ir Anatomie der Thränendrüse. gr. 8". Preis 1 .« 20 ..j. J. C. B. Mohr in Freibnrg i. B. Schillng's, S., Grund riss der Naturge.ychichte. 3. Teil: Mineral- reich. Ausg. A. 14 AuH., voUstilndig neu bearbeitet von A. Mahreu- holtz. 2. Tl. Petrographie nnd Geologie, gr. 8". Preis 1 J^ 30 .,j. Ferdinand Hirt in Breslau. Schultz, G., Die Chemie des Steinkohlentheers mit besond. Berück- sichtigung der künstlichen organischen Farbstoffe. 2. Aufl. 2. Bd. Die Farbstoffe. 1. Lfg. gr. 8". Preis 6 JC. Deutsche Verlags Anstalt in .Stuttgart. Spiegel, H., Das Wesen d. Spiritisnms, vom physikal. und phy- sinlog. StandpiinMe besprochen, g., 8". Preis 1 Jt 50 .;. Oswald Mntze in Leipzig. Statistik, preussische. XCl. Die Sterblichkeit nach Todesursachen und Alterskla,ssen der Gestorbenen sowie die Selbstmorde nnd Verungliicknngen im pren.ssischen Staate während d. .1. 1885. gr. 4". l'reis ö J( 40 ..f. Verlag d. K. .Statist. Bureaus in Berlin. Steimuann, G., Zur Entstehunq des Schxcarzwaldes. gr. 8". Preis \ J/. .1. G. B. Mohr in Freihurg i. B. Strässle, F., Illustrierte Naturgeschichte der drei Reiche. 4. AuH., vcjllständig umgearb. v. F. Striissle und L. Baur. 25 Fjfg. gr. 8". Preis jeder Lieferung 50 .j. Wilh. Nitzschke in Stuttgart. Theodor, F., Das Gehirn des Seehundes (Phoca Vitulinii). gr. 8". Preis :i ,1/. J. 0. B. Mohr in Freiburg i. B. Weismann, A., und C. Ischikawa, lieber die Bildung der liiilitutujski'trper bei tierischen Eiern. gr. 8". Preis 4 i#. J. ('. B. Mohr in Freiburg i. B. ilfqcn Ein.srmliittn tlcs liefrage.s (auch in Brief- murken) liefern irir vorstehende U'erke franko. Zur lie.sojyaiif/ fi/ferarisehen ßeilarfe.s halfen mir uns he.stens empfohlen. Itt'ilin »W, 4!«*. Die Kvpedition « „Xatnrwis!ei' AI»di*iiok der Ori<>-iiialartikel \%t nur mit (iieiieliiiii$>-uni;; der Verlagfsliaiidliing; gestattet. Inhalt: Professor Dr. Virchow: Ueber den Transforniisnius (Portsetzung). — Dr. Reinhold Brehm: Raubvögel-Brutstätten in Central- Spanien IL (Fortsetzung). — Dr. Bernhard Dessau: LenistrOm's Xordlichtforschungen. — Kleinere Mitteilungen: Entwickelungs- geschichte der Aale. Ueber die Bewegungen der Seesterne. Bedeutung der Eberesche (Sorbus aucuparia) zum Zwecke des Vogel- schutzes. Ueber die Glycine. Eine neue Methode, niedere Algenpilze aus dem Wasser zu isolieren. Zur Kenntnis der täglichen Assimilation di-r Kohlenliydrate. Ueber das .Satfransurrngat. Wäguiigeii von Kinib'rn und Hunden. Eint' phänologische Wetter- prognos \ Astroniim .losepli Baxendell f. — Astronomischer Wochenkalender. — Fragekasten. — LItteratur: A. u. G. Ortleb: Der KäfHr^annnler. — Bibliographie. — Inserate. Ueber den Transform ismus. Vortrag des Herrn Geh. Rat Prof. Dr. Virchow in der 60. Versanmiluii| (Fortsetzung) Lieutscher Naturforscher und Aerzte in Wiesbaden. Gei'ade diese Erfahi'ung- fiilut uns notwendig auf die Frage von der Ab.'ntstehung dieser Elektricität existieren verschiedene Theorien; wahrscheinlich wirken mehrere Ursachen zu- sammen, und eine der wesentlichsten derselben ist ohne Zweifel die allenthalben vor sich gehende Verdampfung salzhaltigen Wassers, wobei dieses negativ, der Dampf positiv elektrisch wird. Ei'steres bleibt auf der Erde, letzterer steigt in die Höhe, vei-dichtet sich zum Teil zu Wolken und gleicht seine elektrische Ladung in Gewittern mit der negativen Erdelektricität aus; zum Teil aber ge- langt der Wasserdampf mit seiner Elektricität bis in die oberen Schichten der Atmosphäre, welche vermöge ihrer Verdünnung leitend werden und eine positiv geladene Hohlkugel i'ings um die negative Erde darstellen, von dieser durch die isolierende untere Atmosphäre ge- trennt. Beide Elektricitäten suchen sich zu vereinigen, auszugleichen und die Anziehung muss um so stärker sein, je gei'inger die Entfernung beider Schichten. Am kleinsten ist diese Entfeinung aber in den Polarzonen, wo die Höhe der Atmosphäre vermöge der niederen Temperatui- eine geringere ist, als in den gemässigten und heissen Zonen. Dort müssen also die beiden Elek- tiicitäten sich anhäufen und dort muss sonach vorzugs- weise der Ausgleich in jener regelmässigeren und ruhigen Form stattfinden, welche wir als Polarlicht kennen. Ijcmström vermochte diesen Ausgleich zu begünstigen, ja hervorzurufen, indem er die Gipfel mehrerer Bei'ge in Lappland mit gewaltigen, zur Eide abgeleiteten Spitzen- apparateu armieite. Ein in die Leitung eingeschaltetes Galvanometer zeigte beständig einen Strom an, der von der Luft zur Erde gerichtet war, und nachts ging stets von den Siiitzen eine Lichterscheinung aus, welche alle Charakteristika des Nordlichts besass. Sonach findet in der heissen Zone der Ausgleich beider Elektricitäten fast nur in der heftigen Form der Gewitter statt, während Polaiiichtei' nahezu fehlen; in den gemässigten Zonen wechseln beide Erscheinungen ab, und in den arktischen Regionen sind Gewitter äusserst selten und dann von ausnehmender Heftigkeit, während die Polarlichter zu den regelmässigen Vorgängen gehören. Zwischen beiden Extremen steht dann noch in unzälüigen LTebergangsstufen dei' sogenannte Wärmeblitz oder das Wetterleuchten. Kleinere Mitteilungen. Entwiekelungsgeschiehte der Aale. In Bezug hierauf hat der verdienstvolle .SckrcUir des Fischereivereins für den Reg - Bez. Kassel. Herr Anitsgerichtsrat Seelig, eingehende Studien gemacht und sieh namentlicli die grfisste Mühe gegeben, die Frage zu entscheiden, ol) die tingerlangen, jungen Aale, die eigentliclie Aalbrut, unnnterbrcichen und unaufhaltsam ihre Reise stromaufwärts fortsetzen, wenn sie aus dem Meere in den Mündungen der Flüsse augelangt sind, oder ob sie zunächst eine gewisse Zeit in den Fluss- mUndungen verweilen und dann erst die Heise in die oberen Fluss- gebiete antreten. Da dem Beobachter bei allen seinen sorgfältigen Untersuchungen weder in der Weser zwischen Älünden und Minden, noch in der Fulda, Werra, Eiider, Dieniel etc. jemals eigentliche Aalbrut zu beobachten Gelegenheit gegeben war, so glaubt er, dass die Aalbrut erst eine gewisse Zeit in den Flussmündungen verweilt, ehe sie stromaufwärts steigt. Es wird diese Ansiebt bestätigt durch Beobachtungen von Prof. Metzger-Münden, Bock-Mülheim a. Ruhr, Dücker-Menden, Amtsrat Adickes-Lüneburg, welche ]3eobachungen Dr. 0. Schneider-Dortmund in einem Vortrage „über den gegen- v.-ärtigen Stand der Aalfrage", gehalten auf der 44. Generalvers, des Naturhist. Ver. der preuss. Rheinlande (1. .funi 1887) zu Dort- mund, ausführlicher darlegte. — nn. Ueber die Bewegungen der Seesterne hat der vielseitige Jeuenser Physiologe Wilhelm Preyer unlängst auf der zoologischen Station in Neapel Untersuchungen angestellt, welche das interessante Ergebnis gehabt haben, dass auch diese niedrig organisierten Tiei-e keinen Instinkt, sondern bereits einen überraschend hohen Grad von Intelligenz besitzen, nach der sie alle ihre Bewegungen (als Ausdruck ihres geistigen Lebens) regeln. Eine ganze Reibe von I5ewcisen dafür hat Preyer dadurch erbracht, dass er beobachten lv(ninte, wie 130 Der Natui-wissenschaftler. Nr. 16. die Tiere aus Situationen, welche niclit ihre g-ewuhnheitsmiissigen, sondern neu, selbst unangenehm und getUhrlich für sie waren, mit krampfhaften Bewegungen sich zu befreien suchten, die den Ein- druck von Mussersten Kraftanstrengungen machten. So wussten sie •sich Kautschukringen, die ihnen über die Arme gestreift waren, mit grosser Schnelligkeit und Geschicklichkeit zu entledigen, aus der Rückenlage warfen sie sich energisch in ihre normale Lage zurück. In neue Lebensverhältnisse, die man ihnen dauernd aufzwang, wussten sie sich bald zu finden, so in einen beschränkten Itaum, veränderte Nahrung und dergl. Einen schlagenden Beweis von ihi er Intelligenz gaben die Tiere dadurch, dass sie sich, wenn ihnen ein Arm fest- geklemmt wurde, durch die Selbstamputation desselben behalfen, indem sie ihn zurückliessen, um sich weiter bewegen zu können. Alle die wunderbaren Bewegungserscheinungen der Seesterne, wie das Anheften der Arme an feste Unterlagen, das Selbstunidrehen, die Fluchtversuche aus unbequemen Lagen u. s. w. fasst Preyer demnach nicht als Reflexthätigkeiten auf, soiulern als Impulse, die von dem psychischen Centrum ausgehen, das in dem an dem centralen Ende der Arme gelegenen Nervenring seineu Sitz liat. Wurde die.ser zerstört, so hörte jede Koordination und Zweckmässigkeit in der Bewegung der Tiere auf Der Reiz wird von einem Arm auf den anderen nur fortgeleitet vermittelst dieses Nervenringes, der den von der Peripherie her erhaltenen Reiz wieder peripher auf die benachbarten Arme ausstrahlt. Die Durchschneiduug des Nervenriuges zwischen zwei Armen macht die Ausbreitung eines Reizes zwischen diesen beiden unmöglich. Bedeutung der Eberesche (Sorbus aueuparia) zum Zwecke des Vogelschutzes. Link. Apotheker in Burgpreppach, macht in einer Bearl)eitung der Vogelfauna l'"rankens (14. ]5er. der Naturf. Ges. Bamberg) auf die grosse Wichtigkeit des Vogelbeer- baunies aufmerksam, dessen weithin leuchtende Früchte in Zeiten dringender Not oft nur die einzige Nalirung der Vögel ausmachen. So hat der Genannte in einem der letzten schneereiclien Winter folgende Voge'arten teils in grösserer, teils in geringerer Menge von den Vogelbeeren ihr kümmerliches Dasein fristen sehen : Schwarz- amsel (Jlerula vulgaris Leach.), Wacliliolderdrossel (Turdus pilaris Linn.). Misteldrossel (T. viscivorus L.). Weind ossel (T. iliacus L.). Rabenkrähe (Corvus corone L.). Elster (l^ica caudata Buii'). Grau- specht ((Tecinus canus Gm.), Kohlmeise (l'arus major L.), Blaumeise (Parus coeruleus L ), Buchfink (Fringilla coelebs L.), Bergfink (F. inontifriiigilla L.), Grünling (LiL'urinus chloris L.). Gimpel (Pyrrhula europaea \'ieill.). Wir stimmen dem obengeuaniiten Beoliachter vollkommen bei. wenn er die Anpflanzung der Kbereschi' im Inter- esse des A'ogelschutzes warm empfiehlt, befinden sich doch unter den aufgezählten dreizehn Vogelarten nur zwei schildliche (Elster und Rabe), die ja leicht erlegt werden können. — nn. lieber die Glycine (Wistaria chinensis) teilt uns Rein mit. dass diesi'll)!- in den Bprgwaldungen .lajians weit verbreitet ist. Sie kommt alier auch kultiviert sehr häufig vor und wird, um ihre langen, hellbl.anen. herabliüngenden Trauben zur vollen (.icltung zu bringen, in der Hegel zu Laubgängen verwandt. So findi>t sich nach Rein bei Tokio ein Exemplar, dem man ein Altei- von 250 .laliren zu- schreibt. Sein Stamm misst 2.45 m im Umfang, und die w(>itver- zweigten Aeste überdecken einen grossen Hof und entwickeln Tausende von Blütentrauben. D,as rasche Wachstum dieser i'flanzc und ihre grosse Neigung zum Winden sind bek.annt. In einer Villa am Comersee bedeckt ein Exemplar die ganze Wand eines grossen Gebäudes und zeigt einen Stamm von 1,1 m Umfang. Eine andere riesige Glycine in Versailles hat von 1845 bis 1878 einen Stamm- umfang von 1,2 ni und 75 m lange Aeste gebildet. Eine neueMethode, niedere Algenpilze aus dem Wasser zu isolieren, in einer soeben ei'schienenen Abhandlung' ,, über einige niedere Algenpilze'', Halle 1887. besehreibt W. Zopf eine neue Methode, die Keime niederer Cliy dridiac een ,-I)aprolegniaceen und Jlonadinen aus einem beliebigen daraufhin zu untersuchenden Gewässer einzufangen und sodann zur vollen Entwicklung d. h. zur Fruktifikation zu bringen. Es besteht diese Methode darin, dass man etwa 1 / oder mehr von dem zu untersuchenden Wasser in flache, sterilisierte Schalen füllt und mit Pollen körneru. Farnsporen. IMlzsporen oder anderen isolierten Pfianzeiizellen bestreut. Das Kultnrgetass wird sodann durch einen Deckel verschlossen. Die genannten Organismen zeigen die Eigimtümlichkeit, dass ihre Keime sofort oder doch bald nach der Aufsaat der Pollenzellen nach diesen hinwandern. in sie eindringen und in ihnen zur weiteren Entwicklung (oft in 15 — 30 Stunden bis zur .Sporangieiibildung) kommen. Dass dabei chemische Reize einen richtenden Einfluss ausüben, ist nach den L^ntersuchungen Pfeffer's, der durch Apfelsäure die Farn- spermatogoiden und durch Zucker die Moosschwärmsporen in ähn- licher Weise einfing, kaum zweifelhaft. Zopf ist es (meist durch Pollenkörner von Koniferen) z. H., gelungen, aus stehenden und fliessenden Gewässern von Halle und Hettstädt auf die angegebene Weise eine ganze Reihe von Phyromyreten und Monadinen zu isolieren, darunter ein neues Lagenidium. 2 Rhizophidien. einige Olpidien, eine Vampyrella und mehrere andere monadinenartige Organismen. Ludw. Zur Kenntnis der täglichen Assimilation der Kohlen- hydrate betitelt sich eine Dissertation von Otto Menze (Halle 1887). Nachdem durch die .Sachs'schen Untersuchungen längst fest- gestellt ist, dass die t'hlorophylikörner der einzige Ort sind, wo Stärke aus anorganischem Material erzeugt wird, und demzufolge alle Stärke in den nicht chlorophyllhaltigen Pflauzenteilen nur als eingewandert zu betrachten ist. und nachdem ferner .Sachs. eine I'e- riodicität des Er.sclieinens und Verschwindens der .Stärke gefunden hat. stellte sich Menze die Aufgabe: die Mengen assimilierter Stärke und deren Lösungsprodiikte an genau bekannten Blattflächen durch Trockengewichts-, zumal aber durch gewichtsanalytische Bestim- mungen festzustellen und zwar: 1. weiinBlätter nornuilen Vegetations- bedingungen unterliegen; 2. wenn Blätter in kolilensäurefreier Luft sich befinden und der l^eleuchtung ausgesetzt sind. I)ie vom Verfasser gewonnenen Resultate sind kurz zusammengefasst folgende: 1. Blätter vermehren am Tage bei ungehinderter Assimilation ihr Trocken- gewicht. 2. niese Vermehrung giebt sich gewiclitsanalytisch als assimilierte .Stärke zu erkennen. 3. Infolge der Auflösung der .Stärke im Lichte und Stauung der Losungsprodukte steigt auch im abge- schnittenen Blatte der Gidialt an Zuckerarten. 4. BUttter in kohlen- säurefreier Luft, dem Lichte au.sgesetzt, verlieren an Trockensubstanz, und dieser Verlust besteht in Stärke. 5 Deren Auflösungsprndiikt giebt sich durch eine Anreicherung gelöster Kohlenhydrate gewii'hts- analytisch zu erkennen. — nn. lieber das Saffransurrogat (auch Goldgelb. Viktoriagelb, .raiine-anghiis gen:iiiiiti. welches im Handel zum (Jelbfärben von Natur- und Kunstbutter, Nudeln und Likören benutzt wird, hat Dr. Th. Weyl in Berlin experimentelle Untersuchungen angestidlt, welche das starke Gift desselben ergeben haben. Das .Saft'ran- surrogat besteht aus dem Kaliumsalz des „Dini trokressol" und loO'j, .Salmiak. Als Kaninchen die geringe Menge von 0.25 (j pro Äyy Körpergewicht durcli die Si'hlundsoude in den Magen eingeführt wurde, traten bald AtiMunot und .Streckkrämpfe ein. denen die Tiere innerhalli einer .Stunde erlagen. Der Verlauf der Vergiftung durch das 1 )initrokressol ähnelte sehr der Vergiftung durch Pikrinsäure, was aucn durchaus nicht wunderbar erscheint, da die beiden Sr.b- stanzeu chemisch nahe verwandt sind; denn die Pikrinsäure ist Trinitrophenid, das Dinitrokressol aber Dinitrophenol. das noch um eine Methylgruppe (f'ifa) reicher ist als die Pikrinsäure. Aus der alkalisehen Lösung des Dinitrokressols kann mau letzteres durch .Säuren in gelben Krystallen alischeiden, die leicht analysierbar und wägbar sind. Aus den Ergebnissen des Tierexperimentes g-elit auf das unzweifelhafteste hervor, dass das .Sattransurrogat ein giftiger StoflT ist, dessen Anwendung zu Nahruugs- und Genussmitteln zu verbieten ist. Als lOrsatz bieten sich der Industrie die an Farbkraft dem Dinitrokressol nicht nachstehenden, natürlichen Farbstoft'e Sart'ran, (lelbbeeren. Orleans, CaliMidula und Gelbholz und die künstlichen Farhstott'e Martiusgelb und Buttergelb, deren Unscliädlichk(>it Dr. Weyl gleichzeitig nachgewiesen hat. Wägungen von Kindern und Hunden. Nacli längere Zeit durchgeliilirteu Wägungi.'U au Kindern und llnndeii Iii'trug die Gewiftlitszunahnie vom dritt n Tag der (Tcburt an bei einem Mädchen pro Tag 28 g. bei einem Knaben pro Tag 39 g. bei versi'hiedenen jungen Hunden pro Tag 30'/8i 37, 81^/4, 38 ff. Die betrefteudeu Kinder erhielten während dieser Zeit Kuhmilch mit einem Zusatz von (rerstenschleim. Die Hunde wurden von der Mutter ernährt. Die Gewichtszunahme würde also, um ein verständliches Bild zu gebrauchi^n. etwa ein grösseres oder kleineres Taubenei betragen. - , Dr. V. C. Eine phänologische Wetterprognose gab Prüf H. Hoff- mann in (iie.sseii (25. lier. ( ilierbess. (ies. p. 144). Gestützt auf die vieljäbrigen Beobachtungen der Meteorologen, kann man bekannt- lich mit gresser W^ahrscheinlichkeit von einem excessiv warmen oder kühlen Sommer auf einen Winter von bestimmtem ( 'harakter schliessen (und zwar keineswegs nach der landläufigen Regel des Volkes). Prof. Hott'mann ist der An.sicht, dass, was für die thermometrische Be- obachtung gilt, auch für die Entwicklung der Pflanzenwelt gelten müsse, stellt doch die Pflanze in gewissem .Sinne in iliren verschie- denen Phasen ein Wärmethermoraeter dar. Er glaubt nach seinen 28jährigen Beobachtungen die Regel aufstellen zu können, dass einer sehr frühen Fruchtreife der Rosskastanie ein auffallend milder Winter folgt. — nn. Nr. 16. Der Naturwissen.schaftler. 1.31 Der Astronom Joseph Baxendell, liaupt.siiclili(?h Jnr(li seine Arbeiten über die veränderlichen Sterne bekannt, ist gesturlieii. Astronomischer Wochen-Kalender vom 15. bis 22. Januar 1888. Sonnen-Ephemeride. a3 Deklin. HD 'S ü M 6b cS:S ■ ^ Ei 'S a 'S e2« ►J Pä M < HhJ »^^ S St. M. M. S. ü. M. U. M. St. M. U. M. U. M. St. M. S. 15. 295° 19.47 —210 11' + 9.34 8. 7 4.13 8. 6 7.23 4.56 19.37 M.16. 2960 51 —210 0' + 9.55 6 15 9 D.17. 297" 56 -200 48' +10. 15 5 16 11 M.18. 2980 20. —200 36' + 10. 35 4 18 14 7.21 5. 1 19.49 D.19. 2990 4 -200 24' + 10. 54 3 20 17 F. 20. 3000 8 —200 11' + 11.12 2 21 19 S. 21. 3010 13 —190 58' + 11.29 1 23 22 7.19 5. 5 20. 1 S. 22. 3020 17 — 19044' + 11.46 7.59 25 26 Mond-Ephemeride. Monats- u. Jabrestag. 's a ^~ SS Deklin. C cd 3 tergang. Lrallaxe. §s Bä ■< a. ü. M. St. M. U. M. U. M. S. 15. 15 2. Onm. 21.37 —150 21' 9.20 vm. 6.47 nm, 8,2159 M. 16. 16 2.48 „ 22.30 —110 52' 9.48 „ 7.57 „ D. 17. 17 3.34 „ 23.19 - 7054' 10.12 „ 9. 5 ., M. 18. 18 4.17 „ 0. 7 — 3042' 10.34 „ 10.12 ., 8,2023 D. 19. 19 4.59 „ 0.53 + 00 36' 10.53 „ 11.17 ., F. 20. 20 5.41 „ 1.39 + 4" 49' 11.12 „ 12.22 „ S. 21. 21 6.23 „ 2.25 + 80 50' 11.32 „ . ,, . 8,1979 S. 22. 22 7. 7 „ 3.13 + 120 31' 11.54 „ 1.27 vm. Erdferne den 21. mgs. 2 Uhr; Er.ste.s Viertel den 21. mgs. 5 Uhr 43 Min. Bemerliungen. Die Zeitgleifhung wäch.st schon langsamer, doch zeigt ihr hoher Betrag sich jetzt auffallender als vordem. Planeten. Merkur ist unsichtliar, da er am 18. in obere Sonnen-Konjunktion tritt. — Venus (ic Geschichte der Erde. Umgearb. von Th. Engel. 11. Lfg. Mit Illustr. Preis der Lfg. 50 4. Otto Weisert in Stuttgart Kuss, K., Die fremdländischen Stubenvögel, ihre Naturgeschichte, Pflege und Zucht. 4. Baiul. Lehrbuch der .Stubenvogelptiege, -Ab- richtung u. -Zucht. 8. Lfg. Preis der Lfg. 4 M 50 4. 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FÄr den Inhalt der Inserate sind -»vir nicht verantwortlieh. If'ir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- | Gesuehen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, trelelie An- \ gebot, Nachfrage und Tauseh naturwissenschaftlieher Sammlungen ete. vermitteln. Blimiii ^ milii Buchhandlung für Naturwissenschaften Berlin SW. 48. Friedriehstrasse 226 empfielilt sich zur Besorgung von naturwisseiischaft- liclif 11 Werken mul Zeitschriften. '¥. Ansichtssendungen stplien jederzeit zu Diensten. >♦> Behufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Wir liaben zu unserem Natur- wis.seiiscliaftler eine geschmackvolle SaiiiiiieliiiapBe mit Klappeo in grüner l'arbe mit feiner Pressung und GoldiTlcken zum Preise von = Mk. 2,— = antertigT-n lassen, welclie später aucii als Einbanddecke benutzt werden kann. Wir liefern diese .Sammel- mappe franko geg-en Ein- sendung des Betrages (auch in l^riet'markeii). 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U) im SJf, „Globus", .lalirg. 1881. 83— 87 (a 2-4.«) <■"'• ^ ' '''• "tt'e- rieren in wenig gebr.comjil. Exempl. C. r. Windaus' Buchh. in Gotha. i d; Der Wetterprophet. Kille Anleitung, das Wetter 24 Stunden vorauszubestimnien I und wie sich jedermann ein Wetterglas für noch nicht 50 I l'fennige herstellen kann. von Dr. W. i^ehnlx. Elegant brosch. Preis 50 ,j'. Zu bi'zieheii durch die Ver- lagsli.G.Goldbach, l'.i'rliu SW.48. , i oder durcli dii' Expedition des I „Naturwissenscliaftler". Preis pro Quartal für Deutschland Mk. H,—. Die Administration Wien, IV. Bez., Karlsgasse Nr. 9. | Wir empt'ehh'ii zur Anscliatfuiig; Fischer, Winke für Naturaliensammler. Preis 40 ..j. Bernhardt, Dr. 6., Die Käfer. Eine Anleitung zur Kenntnis der Käfer, sowie zweckmässiger Einrichtung von Käfersammlungen. Mit 72 illuni. Bildern. 6. Aufl. Eleg. kart. In fast ganz neuen Exemplaren. Statt Jl- 1,— für 50 ...(. — , Schmetterlingsbuch. Mit 3-4 kolorierten Abbildungen. 8. Aufl. Eleg. kart. 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Verantwortlicher Redakteur ; Dr. Carl Riemann in Görlitz. ■ — Verlag von Riemann & Müller, Berlin SW. Druck von Gebrüder Kiesau, Berlin SW. 48. 48. Der J*.^ .T --tS».- Alteemeiii verständliche Woclieiisclirift für sämtliche Gebiete Abonneitienfsprcis: Bei (1™ rostaiistiiltHii iiml liuch- liandlungen viertcljälirlicli •/((■ 2. — ; Briiig-egeld bei der Post 15 -j extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition JC 2,40. der Naturwissenschaften. Redaktion: Dr. Carl Riemann. Verlag von Riemann & Möller, Berlin SW. 48 Friedrich-.Stra.sse 2'26. Inserate: Iiie vierg-pspaltene l'etitzeile 30 ^. Grössere Aufträge entsprechenden Rabatt. Heilagen JC 5 pro Tausend exkl.l'o.stgebiilu'. Inseratenaniiahme bei allen Ann(jncen1inri'aux, wie bei der Expedition. I. Jahrgang*. Sonntag, den 22. Jannar 1888. Nr. 17. Der A1)di*nck der Oi*ig:inalartikel ist nnr mit Grenelimigung der Verlagüübandliinjo; gestattet. Virchow: Ueber den Transformismus (.Sohhiss). — Dr. Reiuhold Brehm: RaubvOgel-Brutstätten in Central- Nahrungsmittpl. — Kleinere Mittellungen: Die lieblaus Eine eigentümliche Befruditung lici ( Iphrys arachnites das eine Steinmasse enthielt. Xachweis von Auilinfarb- F. Kiessling und E. Pfalz: Methodisches Handbuch hcnschulen. Wiederholungshueh der Naturgeschichte für Inhalt: Prolessdr Dr. .Spanien II (Schluss). — Dr. med. (Joliner: Ueber Nahrungsstoffe und (Phylloxera vastatrix) in .Sachsen. Zur Begattung des Erdsalamaiiders. Host. Wie sind die Ranken der ('ucurbitaccen zu deuten? Hagelkoni. Stoffen im Wein. — Astronomischer Wochenkalender. — Litteratur: Dr für den Unterricht in der Naturgeschichte an Volks- und höheren .Mäd gegliederte Volks- uuil höhere Mädchen.s<'hulen. Bibliographie. — Inserate. Ueber den Transformismus. Vortrag des Herrn Geh. Rat Prof. Dr. Vii in der 60. Versammlung (Schluss) Deutscher Naturforscher und Aerzte in Wiesbaden. Vielleicht i.'^t i'.s hier am Platze, ein Wort einzu- .schieben über die interessanten Katzen, welche Herr Dr. Zacharias in der Aiis.'^tellung- untei'gebraclit hat. Heide haben verkürzte Schwänze und zwar ersichtlich an.s erblicher Ur.sache. Dies er.scheint absolut .sicher, da .schon in mehreren Würfen die Katzeniiuitter neben regel- mässig gesch\\'änzten einzelne kiu'zschwänzige Junge zur Welt gebracht hat. Zweifelhaft ist die Geschichte der Mutter. Von ihr ist allerdings ei'zälüt worden, sie habe einen Teil ihres Schwanzes durch äussere Ui'sachen ver- loren, aber es ist wedei' die frühere Vollständigkeit des Schwanzes, noch der Verlust desselben durch Augen- zeugen festgestellt. Wäre dies der Fall, so wüiden wir einen höchst interessanten Beweis für die üeberführung eines erworbenen Defektes in einen erblichen vor uns haben. Ohne den Nachweis absoluter Evidenz muss es zweifelhaft bleiben, ob nicht eine andere Form der Defekt- bildung vorliegt. Es ist keine Seltenheit, namentUch bei den Haustieren, dass gelegentlich von langschwänzigen Kitern kurzschwänzige oder sogar schwanzlose Junge (entstammen, ja dass eine wii'kliche Rasse diesei' Alt er- zeugt wird. Bei Hunden ist diese Erscheinung recht häutig, und in England ist die Manxer-Rasse der fast schwanzlosen Katzen ziemlich vei'breitet. Immerhin ist es für das Studium der so verwickelten Erblichkeitsfrage selii' lehrreich, dass hier zwei Arten von Vererbung in derselben Linie zur Eischeinung kommen, indem lang- schwänzige und kurzschwänzige Junge nebeneinander von derselben Muttei' hervorgebracht werden. Es läge sehr nahe, im Anschluss an die Schwänze auch die Besonderheiten und Abnormitäten der Behaarung zur Sprache zu bringen, von welchen die ersteren eine so grosse Bedeutung haben, dass wiederholt versucht worden ist, nach ihnen die Klassifikation und Abstammung der Menschenrassen festzustellen, und von welchen die anderen häufig in so hohem Masse tlieromorph sind, dass manche Beobachter der Versuchung, sie zum Beweise des tierischen Urspi'unges des Menschen zu gebrauchen, nicht haben widerstehen können. Allein dieses Gebiet ist ein so grosses, und es hängt zugleich so innig' mit einem anderen nicht minder wichtigen, nämlich mit dem der Hautfarbe zusammen, dass ich darauf verzichten muss, es zu betreten. Ich kann jedoch nicht schliessen, ohne noch einige Worte über die Menschenrassen zu .sagen. In die.ser Frage begegnen sich die kirchlichen und die natura- listischen Orthodoxen, indem sie die Einheit des Menschen- geschlechtes annehmen, nur dass die einen die sämtlichen Rassen von einem Urmenschenpaar, die anderen von einer längeren Reihe sich allmählich transformierender (Jeneiatiduen der Proanthropiden ableiten. Beide Auf- fassungen sind in betrett' der Frage nach der Rassen- bildung nicht weit \on einander entfernt, denn auch die kirchlich-orthodoxe Auttassinig setzt die Transformation voraus, wenn man sich nicht den einen der beiden Ur- ehegatten weiss, den anderen schwarz vorstellt — eine Vorstellung, welche sowohl den kirchlichen, als den natui'alistischen .\nnahmen vielleicht am besten entsprechen wüide, welche aber meines Wissens bisher nicht in Be- tracht gezogen ist. Waren Adam und Eva gleichfarbig, so wäi-e zu entscheiden, ob sie, wie die Maler allgemem annehmen, weiss oder, wie die naturalistische Autfassung näher legen würde, schwarz waren. Wie von der ur- sprünglich langschwänzigen Katzenmutter kurz- und lang- scliwänzige Junge, so würden wir von einem gleich- farbigen menschlichen Elternpaare weisse und schwarze Kindei' und endlich ganze Rassen heileiten nulssen. 134 Der Naturwissenschaftler. Nr. 17. In der That lassen sich zalilreiche Beispiele berichten, welche für die Transformation des Menschen sprechen. Es gilt dies namentlich für das Aeiissere, namentlich füi- Haar und Haut, Gesichts- und Kopfbiklung-, Bau des Rumpfes und der Glieder. Manche Reisende, welche gerade den Uebergängen zwischen den verschiedenen Stämmen und nicht den typischen Eigentümlichkeiten derselben ihre Hauptaufmeiksarakeit zuwenden, veilieren darüber geradezu den Boden unter den Füssen; ja, wenn wii' um uns schauen, ohne dem deutschen Vatei'laude den Rücken zuzukehren, so hält es gar nicht schwer, in Zimmei-n und auf Strassen allerlei negerartige oder mon- goloide Personen zu entdecken. Das Lehrreichste in dieser Beziehung ist die Verwendung der Semiten in der ethnischen Anthropologie: sie tauchen bald als Ein- geborene des Kaukasus, bald als Volke,)' von Neu-Guinea, bald als lU'alte Bewohner Amerikas auf, und man kann zufrieden sein, wenn der beti'eit'ende Beobachter sich mit dei- Ei'kläi'ung begnügt, den verloren gegangenen Stamm der .Juden als ihre Quelle zu bezeichnen. Mit allen diesen Betrachtungen ist die Entscheidung über den Transformismus beim Menschen um kein Haai' breit weiter gerückt: er ist und bleibt eine Möglichkeit, sagen wii- sogar eine Wahrscheinlichkeit, aber es gi{»l)t keine Thatsache, welche ihn übt^r jeden Zweifel sicher stellt. Alle jene Uebergänge lassen sich teils durcii individuelle Variation, teils durch Mischung- von Angehöri- gen verschiedener Rassen leicht und sicliei- erklären. Wenn man, wie viele Amerikanei' der Sndstaaten vor dem Sezessionskriege die Neger nicht als IJrüdcr, nicht einmal als Menschen betrachten d. Ii. ihnen einen von den Weissen verschiedenen l'rsprung zuschreiben will, so lassen sich die erwähnten Uebergänge eben so betpiem, ja sogar der Erfahrung mein- entspiechend erklären. Denn dei' Nachweis von Transformation mit erb- lichem Chai'akter ist beim Mens(;hen nicht so leicht zu führen, wie manche Hitzköpfe annehmen; übeidies vei- lieren sich die meisten dieser Transformationen nach der ersten oder nach wenigen Generationen durch Rückschlag in den Typus der Rasse. Die Erfahrungen übei- die Schädel- fonnen liefern ein vortreffliches Beispiel für die Schwierig- keit solcher Untersuchungen. Nichts ist theoretisch leichter, als denselben Schädel je nach Umständen lang und schmal oder kurz und breit werden zu lassen; auch sind solche Umbildungen praktisch von vielen Völkern geübt worden, indem sie künstliche Deformation des Schädels erzeugten, und sie sind andererseits nicht selten die Folgen be- stimmter pathologischer Verhältnisse. Aber weder die künstlichen Deformationen, noch die gewöhnlichen patholo- gischen Umbildungen sind erblich. Dagegen die ethnische Dolichocephalie und Brachycephalie sind im höchsten Grade erblich, so sehr, dass einer unserer umsichtigsten Forscher, Herr Kollmann, den Beweis angetreten hat, sie seien schon in der Quartärzeit vorhanden gewesen und erhielten sich mit vollkommener Pertinacität, aber unter zahllosen Mischungen und Diu'chdi'ingungen. In der That hat noch niemand nachgewiesen, dass aus einer langköpfigen Rasse durch Transformismus eine kurzköpfige geworden ist. Wenn z. B. hier in Wiesbaden und im ganzen Rheingebiet die ReUiengräber aus der Zeit der späteren römischen Kaiser und der früheren Merovinger wesentlich langköpfige Leichen bei'gen, und heutigen- tags die herrschende Kopffoim eine kurze und breite ist, so liegt nicht der kleinste Beweis vor, dass die heutige Bevölkerung ohne Mischung der alten dolicho- cephalen Stämme mit vielleicht noch älteien ausgemacht brachycephalen Stämmen zu ihren kurzen Köpfen ge- konnuen ist. (ianz ähnliche Ergebnisse liefert das Studium dei' Acchmatisation, auf dessen Bedeutung und Schwierigkeit mitten in der I\^riode der höchsten kolonialen Erregung liingewiesen zu haben ich mir als ein kleines Verdienst zurechne. Ks sind seitdem einige .Jahre vergangen, und die Kolonial-Freunde haben alle Zeit gehabt, thatsächliche Beweise für die Möglichkeit einer wirklichen Rassen- Acclimatisation beizubringen. Aber das Erg-ebnis ist dasselbe, zu dem ich schon vor drei Jahren gelangt war: die germanische Rasse hat an keinem I' unkte der tr(t])isclien Zdue eine dauerhafte Besiedelung herzustellen vermocht. Alle Hoffnungen, es werde sich ailiiKililicli unter der Einwirkung des neuen Ivliinas eine l'iiigi^staltmig der Körperteile oder Organe vollziehen, welche nicht bhiss mit der Fortdauei' des L^ebens unter den Tropen, stiiulein auch mit einer erblichen ITeber- tragung di'r Immunität auf nachfolgende Geneiationen vei'träg'lich sei, sind aufgegeben. Man s]iiicht nur mich von Plant;igeii- Kolonisation. Von welchem Punkte immei' die Frage illier die Entstehung der Menschenrassen in Ang^riff g-enommen ist, überall hat sie sich als eine unnahbare erwiesen. Was dem spekulativen Gelehrten als selbstverständlich ersciieint, das ist für den unglücklichen Forscher ein unlösbares Rätsel. In Peziig auf den Transformi.smus ist die An- thropologie ein fast veischlossenes Reich mit lauter Pro- hibitiveinrichtungen. Ich bezweifle nicht, dass umsomehr die Angriffe darauf gerichtet werden, und der Zweck dieses Vortrages würde schon erreicht sein, wenn der- artige Angriffe durch kompetente Forscher mit genügender Ausdauer unternommen würden. Statt Stammbäume zu erfinden, sollte man darauf ausgehen, an einem einzigen Stamme zu versuchen, ob und wie er durch Transfor- mation zu seinen besonderen ethnognomonischen Merk- malen gekommen ist. Vielleicht wäre ein solches Vorgehen auch von Einfluss auf die zoologischen Studien. Indess ich will nicht in Gebieten, die meiner Kennt- nis nicht in voller Ausdehnung offen liegen, das Amt eines Lehrers vindizieren ; "flu' die Aufgabe des Warnens, welche jedem Naturforscher auch in Bezug auf Nachbar- gebiete zusteht und obliegt, ist das Gesagte genügend. Ich habe als Freund und nicht als Gegner des Trans- formismus gesprochen, wie ich zu allen Zeiten dem un- sterbUchen Darwin freundlich und nicht gegnerisch Nr. 17. Dei' Naturwissenschaftler. 135 entg'eyeiiyetreten bin. AbiT ich habe immer untei'.scliieden zwischen Freund und Aniiiingei'. Ich kann eine wissen- ! schat'tliche Hyiiotliese freundlicli beg-rüssen und so^'ar unterstützen, elie sie durcli Thatsachen bewiesen ist, aber ich kann iiu' nicht als Anhänger zufallen, so lange genügende Beweise felilen. Nicht einmal der Umstand, dass es zur Erklärung gewissei' Naturgebiete zeitweilig nni' eine gute flypotliese giebt, ist entscheidend, denn manche fiypotliese, die ihivr Zeit sehr gut ei'schien, ist ü'efaljen. weil sie sich als falsch erwies. Ich erinnei-e nur an die Beweg'ung di^r Sonne, an das l'hlogiston, an die Epigenese lebender Wesen und Zellen. I,)iese Hj^io- thesen schienen den Zeitgenossen nicht minder selbst- verständlich, wie manchen unserer Transfoi'misten ihi'e Stammbäume. Vor der Hand sind diese Stammbäume sämtlich spekulative Arbeit. Wer uns leint, aus einem Spaltpilz einen Schimmelpilz zu züchten, der wird mehr gethan haben, als alle Heraldikei- des Stammbaumes der Menschen. Raubvögel-Brutstätten in Central-Spanien. n. Von Dr. Reinliold Brelim. (Schluss.) Der Monchsgeiei' ist gleich dem Gjt'^ fulvus übei' ganz Spanien verbleitet, h'ndet aber ständig sich nui' auf jenen ( iebiigen und Bergketten, auf welchen noch grosse Kiefern zur Anlage seines Horstes voihanden sind, also besondeis in Nord- und Mittelspanien, da ja fast alle Sieri'as der Sndprovinzen dei' Waldungen entbehren, wohl Schrotte Felsen in Unzaiil, hingegen selten einen grossen Baum aufweisen, der dann allerdings oftmals von einem KuttengiMerpaare bewohnt ist. Nichtsdestowenigei- besucht er Südspanien des Aufsuchens der Nahi'ung halber, wenn er solche in dei' Nähe seines Standortes nicht lindet. Solange das Junge nicht flugbar geworden, schläft wohl auch das MänncJKMi auf einem Baume in dei' Nähe des Horstes, sonst aber erwählen die Kutten- geier Felsen, w<'!che einigen Schutz gegen Unbill des Wetters gewähren, zu ihivm Schlafplatze. Dort ver- weilen sie bis nach Sonnenaufgang, ijutzen ihr (Gefieder, fliegen sodann zur Tränke und zum Bade und beginnen im Winter gegen neun L'lir, im Sommer einige Stunden früher die Aassuche. Hat ein Mönchsgeier ein Aas ent- deckt, nimmt er sich Zeit, darauf iieiabzustossen, kreist vielmehr erst einige Stunden lang in hoher Luft, sorg- fältig die gesamte Umgebung durchsi)äliend, ob er etwas Verdächtiges entdecken möge, auch abwartend, bis andere ans weiter Ferne ihn beobachtende Cieier herbeikommen. Selten nur dürfte man den Mönchsgeier \or nenn Uhr früh beim Aase antreffen. Die liebsten Stunden für die Maiilzeit sind ihm von zehn Uhr morgens bis zwei Llhr- nachraittags; nach drei l'hr kommen grosse Geier fast niemals mehr zum Aase. So wie der Gänsegeier die Ein- geweide, bevorzugt der Ivuttengeier das Muskelfleisch des toten Tieres. Vögel mit Federn frisst er niemals, balgt man sie aber ab und wirft den nackten \*ogel- körper auf einen Luderplatz, so scheut er sich nicht, selbst das Fleisch seinesgleichen zu verschlingen. Lebende liiere fällt er nur dann an, weini er glaubt, sie mit Leichtig- keit bewältigen zu können. Ich selbst habe gesehen, dass ein Mönchsgeier auf eine junge Zieg-e stiess, welche icii auf dem Hochplateau d^r Sierra de f Juadarrama neben meinem Schiessstandc als l\öd(-r für den Bart<;'eier an- gebunden hatte. Das Zicklein begann plötzlich ängstlich zu blöken und entsetzt hin- und herzurennen, soweit es der Strick erlaubte; ich vernahm g-ewalliges i5rausen über nur, hoffte schon, der Bai'tgeier stosse he; ab, und war nicht wenig überrascht, anstatt seiner einen Kutten- geier etwa sechs Meter über mir zu erblicken, welcher mit halb eingezogenen Schwingen und weit \orgestreckten Ständern herangesaust kam. Sofort sprang ich aus dem Verstecke hei'vor und verleidete ihm die wahrscheinlich schon als sicher angesehene leckere Mahlzeit. Mönchs- und Gänsegeier sind mit so warmem Feder- kleide angethan, dass sie keine Kälte zu fürchten brauchen, v«rla,s.seu- daher auch im strengsten Winter ilir Stand- (luartiei' nicht, sondern kehren jeden Abend nach ihm zurück, wenn sie auch am Tage zuweilen fünfzig und mehr Meilen weit von ihm sich entfernt hatten. Dass sie oftmals mehrere Tage lang Hunger leiden müssen, ist selbstverständlich, da nicht immer Aas zur Befriedi- gung ihres A]ipetites ihnen zur Verfügung steht. Haben sie ein solches jedo(!h glücklich aufgefunden, so fressen sie mit derartiger Gier, dass fünfzig oder sechzig ihres- gleichen von einem toten Pferde in weniger als einer halben Stunde nichts weiter als die grossen Knochen übrig lassen. Die erste Verdauung g'eht im Kröpfe vor sich und zwar mit unglaublicher Schnelle, weshalb sie die- selbe, sofern sie nicht gvstöit weiden, in der Regel noch auf dem Fres~.i)latze selbst abwarten. Eine Anzahl voll- gefressener grosser (Jeier mit bis zum Bersten gefüllten Kröpfen gewährt einen höchst eigentümlichen Anlilick. in träger Ruhe sitzen sie um das l'ferdegerippe herum, schauen nunmehr gleichgiltig grossen Hunden. Kolkraben und Gabelweihen zu, denen sie \oilier keinen Bissen gönnten, sondern mit mächtigen Schnabelhieben streitig machten, und gestatten ihnen, die letzten Fleischreste von den Knochen abzunagen. Tritt man unverseliens aus seinem Verstecke heraus und unter sie, ein ^'ergnügen, welches ich mir oftmals bereitete, so kennt iiir S(>hrecken keine Grenzen, sie werden vollkommen kojiflos, trippeln ein iiaaj' Schritte hin und lier. speien einen Teil des Kroiifinhaltes wiederum aus. fächern i^-ewalti:.'- mit den 136 Der Natui-wissenscliaftler. Nr. 17. mächtigen Schwingen, bis es ilmen gelingt, Luft unter sie zu fassen, und eilen nunmehr mit heftigen Flügelschlägen hastig in die Ferne. Ihr Kropfsaft ist von solcher Schärfe, dass man einen in den Kropf geschossenen Geier sofort abbalgen muss, will man sein Federkleid un- vei-sehrt erhalten, widi'igenfalls nicht nm- alle von jenem Safte benetzten Federn ausfallen werden, sondein auch die von ihm getrotfene Haut zu mürber, brüchiger Masse zerfallen dürfte. Erst spät am Abende erreichten wir unser Nacht- quartiei' bei den gemütlichen Mönchen. Ich begann zu- nächst, die erbeuteten Eier auszublasen, musste jedoch von solchem Vorhaben abstehen, weil sie schon zu stark bebrütet waren. Noch mit dem Abbalgen der Geier be- schäftigt, ti'afen zwei meiner madrider Jagdfreunde ein, welche ich ziu' .Jagd auf Luchse und Wölfe eingeladen hatte. Sie hielten mich beim Wort, ich musste ilmen die Jagd für den nächsten Tag arrangieien, demzufolge den beabsichtigten Besuch des Bartgeierhorstes auf einen späteren Ausflug verschieben mid bitte daher den freund- lichen Lesei', ein anderes Mal zu jenem mich begleiten zu wollen. Ueber Nahrungsstoffe und Nahrungsmittel. Von 1 ir m Der grosse Chemiker .Justus v. Liebig hat uns zuerst dui'ch eingehendes Studium dei' Chemie die höchst bedeutsame Erkenntnis von den innigen Beziehungen zwischen Tier- und Pflanzenreich verschafit. Darnach erfolgt der Aufbau sämtlicher organischen Stoffe unter dem Einfluss des Sonnenlichtes in den grünen Pflanzen- zellen aus den organischen Stoffen: Kohlensäure, Ammo- niak, Wasser. Die Kohlensäure, welche die Pflanzen aus der Atmosphäre und mittelst iliiiM' Wurzeln ans dem Bodenwasser schöitl'en, wird duicli das von der Sonne beleuchtete Chloiophyll reduziert und der hierbei fi'ei gewordene Kohlenstoff' im Verein mit den Elementen des Wassers zum Auf bau dnr K ohlehydrate und Fette veiwendet. Die Eiweissstott'e bauen die I'flanzenzellen aus Ammoniak, salpetrigei' und Salpetei-säure auf, die sie als solche oder als Salpeter Verbindungen aus dem Boden oder aus dem Regen- wassei' aufsaugen. Diese organischen Veibindungen des Pflanzenleibes werden von den Tieren entweder direkt aufgenommen, so von den I'flanzenfressern, oder erst nach- dem sie zum Bestandteil des Leibes von einem Pflanzenfresser geworden sind, welch letzteiei' dem Fleischfi'essei- und dem Menschen zur Nahrung dient. Im Organismus aller Tiere, ob Fleisch- oder Pflanzenfresser, zerfallen die organischen, ui- sprünglich der Pflanze entlehnten Verbindungen wieder zu Kohlensäure, Ammoniak und Wasser und werden in dieser Form nach aussen abgegeben. Dagegen ist der Tierkörper nicht im stände, die wichtigsten seiner organischen Stoffe: Eiweiss, Fett und Kohlehj'drate aus anorganischem Material aufzubauen; er muss sie schon als solche dem Pflanzenreich entlehnen. So beflndet sich die stoÖliche Grundlage des Tier- und Pflanzenieichs in einem steten Kreislauf, inner- halb dessen der Tierkörper dauernd an seinen wesent- lichen Baustoffen : Wasser, Eiweiss, Fett und Salzen einbüsst. SoU daher ungeachtet dieses Verlustes der Körper am Leben und leistungsfähig bleiben, so gilt es, den geeigneten Ersatz hierfüi' zu beschaft'en. Alle diejenigen chemischen Stoffe nun, durch welche ein für das Bestehen des Köi'pers notwendiger Stoff hei-- gestellt odei- dessen Abgabe verhütet wkd, heissen Nahrungsstoffe. Solche Nähi-stoffe sind: Wasser, die anorganischen Salze, Eiweiss, Fett und ed. <; dl in er. Kohlehydrate. Dagegen nennen wir Nahrungs- mittel ein in der Natur vorkommendes oder technisch hergestelltes Gemenge von zwei oder mehreren Nähr- stoffen, z. B. Fleisch, Eier, Brot, Käse u. s. w. Ein Gemisch von Nährstoffen und Nahi'ungsraitteln bildet die Nahrung. Die Wirkung der einzelnen Nahiungsstoffe im Körpei- lässt sich nur dann feststellen, wenn man den Einfluss kennt, welchen dieselben auf die Zersetzungen ausüben. So hat sich durch zahlreiche Beobachtungen ergeben, dass die Grösse der Ii]iweisszersetzungen in erster Linie von der Menge der in dei' Nahrung enthaltenen Eiweiss- stoffe abhängig ist. Wenn Tag füi' Tag die gleiche Menge eiweissartiger Substanzen mit der Nahrung zu- geführt wird, so bleil)t der Ernäliiungsstand der (iewebe unverändert, es wird täglich soviel lOiweiss zei'setzt, als in der Nahiung enthalten ist. Wenn aber die Zufuhr von Eiweiss gesteigert wird, so wächst einerseits die Grösse der Zersetzung-, anderei'seits wird eine gewisse Eiweissmenge von den Oiganen festgehalten und zum An- satz von Körpermateiial verwendet. Die Aufspeicherung von Eiweiss im Körpei- flndet al)er nur so lange statt, bis der iM-nährungszustand der Gewel)e der gesteigerten Zu- fuhr von Eiweiss angepasst ist; dann tritt wiederum ein Gleichgewichtszustand ein. bei dem sich Kinnahmen und Ausgaben vollkommen decken. In gleicher Weise besitzt der Organismus die Fälligkeit, seinen Bestand an Eiweiss und die Grösse der Zersetzung auch einer vermindei-ten Zufuhr von Eiweiss anzupassen. Was das gegenseitige Verhältnis zwischen Eiweiss, Fett und Kohlehydraten betritt't, so kann die Zersetzung von Eiweiss im Körper durch die Zufuhr von Fett und Kohlehydraten zwar erheblich beschränkt, aber niemals ganz aufgehoben wer- den. So wird bei ausschliesslicher Darreichung von Fett und Kohlehydraten fast ebensoviel Eiweiss verbraucht, wie bei absolutem Hunger. Das Eiweiss ist deshalb zur Unterhaltung der Lebensprozesse absolut notwendig und durch andere Nahrungsstoffe nur bis zu einem gewissen Grade ersetzbar. Die ganze Leistungsfähigkeit unseres Körpers ist wesentlich an die Gegenwart der Eiweissstoffe in der Nahrung gebunden. Im Gegensatze zu diesem Nr. 17. Der Natiirwi.ssenscliaftler. 1.37 Verhalten der Eiweisskörper i.st die Grös.se der Fettzer- setzimg- \ 011 der Fettzufulir unabhängig. Dagegen machen sich andere Einflüsse in hohem Grade geltend, welche für den Umsatz von Eiweiss ohne Belang sind. Obenan steht die Ai'beitsleistung des Körpei's, bei welcher die Gewebe viel mehr Fett zersetzen als in der Ruhe. Fernei- macht sich eine Einwiikung der Temperatur dei" den Köriier umgebenden Luft geltend, indem in der Kälte mehr, in dei' Wärme weniger Kohlensäui'e geliefert wird, solange die Eigentemperatur des Körpers keine Ver- minderung erfähit. Die stoffliche Wirkung von Eiweiss und Fett im Körper ist in gewissem Sinne eine entgegen- gesetzte, indem ersteres den Stoffumsatz und die Sauer- stotfaufnahme erhölit, während das Fett in umgekehrter Richtung wirkt. Diese Wirkung des Fettes ist von besonderer Wichtigkeit, wenn es sich darum liandelt, einen Ansatz von Körperbestandteilen zu erzielen. Bei alleiniger Zufuhr von Eiweiss können stets nur geringere Mengen dieser Stoffe im Körper zurückgehalten werden, da jeder Zuschuss von Eiweiss in der Nahrung eine Steigerung des Umsatzes bedingt, bis nach wenigen Tagen das Gleichgewiclit eintritt. Hingegen ist bei gleichzeitiger Darreichung von Eiweiss und Fett eine kleinere Menge \on Eiweiss hinreichend, den stofflichen Bedarf des Or- ganismus zu decken, während ein etwaiger Ueberschuss grösstenteils im Körper unzersetzt verbleibt und zum Ansätze gelangt. Es erklärt sich nunmelir, warum Fett, zum Fleisclie — in welchem wir bekanntlich das p]iweiss liauptsäclilicli geniessen — hinzugefügt, den Bedarf an Fleisch veiringert; das Fett vermindert eben die Zersetzung von Eiweiss. Was endlicli die Wiikung dei' Kohleliydrate betrifft, so stimmt dieselbe mit deijenigen des Fettes vielfach übeiein, da die Kohlehj'di'ate gleiclifalls eine gewisse Menge von Eiweiss vor der Zeisetzung schützt. Bei gleiclizeitiger Dari'eichung von Eiweiss und Fett begünsti- gen die Kohlehydrate den Ansatz von Fett, weil sie selbst sehr leicht der Zersetzung anheimfallen und dadurch andeie Nahrungsstoffe vor dem Zerfall schützen. Bei Geevnwart von Fett und ivohleliydraten in den Nahrungs- mitteln werden stets die Kohlehydrate zuerst aufge- braucht, und wenn dieselben in genügender Menge vor- handen sind, können sie den Fettverbrauch im Körper völlig aufheben. Auch bei Ernährung mit Fleisch und Kohlehydraten allein ohne Zusatz von Fett kann ein l^'ettansatz stattfinden, indem dasjenige Fett, welches als Spaltungsprodukt aus den Eiweisskörpern entsteht, durch die Kohlehydrate der Zersetzung entzogen wii'd und zum Ansatz gelangt. Soll bei einem Organismus ein Ansatz von Eiweiss erzielt werden, ohne dass der Fett- vorrat wesentlich vermehrt wird, so muss eine i'eichliche Menge von P]iweiss mit wenig Kohlehydraten gereicht werden. Erseheint dagegen ein stärkerer Fettansatz wünschenswert, so muss die Nahrung weniger Eiweiss und mehr Kohlehydiate untei' Zusatz ' von Fett ent- halten. Gleichzeitig mit den organischen Nahrungsstoften geniessen wii' in unserer täglichen Nahrung gewisse anorganische Salze, welche für das Wachstum des Körpers unentbehrlich sind. Man nennt diese Salze Nährsalze, auch Asche, weil sie sich bei jeder Verbrennung eines organischen Gebildes beständig in der Asche vorfinden. Diese Salze sind vorzugsweise phosphorsaure Alkalien und Erden, Clüoralkalien und Eisen. Zui- Erhaltung des Lebens bedarf es der stetigen Zufuhr von Nährsalzen, besonders von Kochsalz, phosphorsauren Erden und Eisen- salzen. Sobald die Zufuhr von anorganischen Salzen längere Zeit unterbrochen wiid oder nur unter eine ge- wisse Grenze sinkt, geht eine erwachsene Person trotz sonst ausreichender Ernähiung nach vier Wochen zu Grunde. Die Erfahrung lehrt nun, dass in dei' normalen Kost des Menschen, welche das Bedürfnis an Eiweiss und Fett deckt, gewöhnlich Aschebestandteile genügend vorhanden sind. Gehen wir nunmehr zur Betrachtung der Nahrungs- mittel über, so finden wir bedeutende Unterschiede in dem Gehalt derselben an Nahrungsstoften. So sind die aus dem Tierreiche stammenden Nahrungsmittel durch ihren reichiiclien (rehalt an Eiweissstoff'en, sowie auch an schmeckenden Substanzen ausgezeichnet. Erfahrung und Beobachtung haben ausserdem gelehrt, dass die meisten derselben von den menschlichen 'S'erdauungs- organen viel leichter und \ollständiger bewältigt werden, als dies bei der Mehrzahl der pflanzlichen Nahrungs- mittel der Fall ist. Letztere enthalten im Gegensatze zu den tierischen Nahrungsmitteln wenig Eiweiss und Fett, dagegen mehi' Kohlehydrate. Die schwei'ei'e \ev- daulichkeit der Vegetabilien erklärt sich aus dem Um- stände, dass die meisten pflanzliclien Nahrungsstoft'e in derbe Hüllen von Celliüose eingeschlossen, welche \om Magen- und Darrasaft nur sch^\'er gelöst wird. Erst nach Beseitigung dieser Hüllen vor dem Genuss werden die Nährstoffe freigelegt und dann leichter verdaut. Aber auch die an sich verdaulichen Nährstoffe, wie Eiweiss, Fett, Kohlehydrate u. s: w. werden bei pflanzlicher Nahrung im Darm weit schlechter ausgenutzt, als bei tierischer, weil sie zu rasch den Darm wieder verlassen, um genügend ausgelaugt werden zu können. In den vegetabilischen Nahrungsmitteln sind durchweg die stick- stofffreien Nahrungsstott'e gegenüber den stiekstoff'haltigen in überwiegender Menge vorhanden und zwar haupt- sächlich, wie oben beivits angedeutet, in Form von Kohlehydraten. Unter den pflanzlichen Nahrungsmitteln nehmen die erste Stelle die Cerealien ein, welche seit- den ältesten Zeiten eines der wichtigsten Nahrungsmittel des Menschengeschlechts bilden. Die Samen der Cerealien sind insgesamt durch einen reiclilichen Gehalt an Stärke- mehl ausgezeichnet, ausserdem enthalten sie Cellulose und geringe Mengen von Zucker, Gummi und Fett. Die Mehrzahl der Nahrungsmittel sind in ihiem natürlichen Zustande dem Geschmacke der ]\Ienschen wenig zusagend. Die Kochkunst bereitet deshalb aus 138 Der Naturwissenschaftler. Nr. 17. den verschiedenen rollen Nahrungsmitteln durch Ein- wiitung höherer Temperaturen, wie dui'ch zweckmässige Mischung und Zusätze schmackiiafte Gei'ichte und trägt gleichzeitig füi' die notwendige Ahwechselung Sorge. A"on hoher Bedeutung ist die Zubereitung ganz besonders bei den vegetabilischen Nahrungsmitteln. Unter dem Einflüsse des Wassers und der höheren Temperatni' wird das oi'gani- sierte Gefüge der Pflanzen zerstört, die harten Cellulose- kapseln gespi'engt und so der eigentlich nährende Zell- inhalt freigelegt und dem Angriffe der Verdauungssäfte zugänglich gemacht. Ferner wird das an sich so schwer verdauliche rohe Stärkemehl zur (^)uellHng gebracht und in einen galleitig-kleisterartigen Zustand übergeffthit. in welchem es durch Mund- und Eauchs])eichel leichter ge- löst wild. So wild durch die Kochkunst der Thätigkeit der Verdauungsoi-gane zweckmässig vorgearbeitet und dieselbe erleichtert. Kleinere Mitteiluiiti"eii. r-i Die Reblaus (Phylloxera vastatrix) in Sachsen. Die aru 22. Ausn^t d. .1. in (1(M' Liissnit/ in iIit iiiiiTiitti41i;upn Xllhe Dresdens aufgefundene llelilausinfektion erstreckt sich nach den Er- hehutigen his zum 12. Oktuher auf 41.5 ha. und ist dies somit der bedeutendste Rehlauslierd in Deutscliland. da das in den Rheing-eji'en- den verseuchte (Jehiet eine Ausdelinung: von nur 38 lia unifasst. Die zur Zerstörung der [nCektion angewendete Massnahme, die hauptsäclilich wegen der den Besitzern (h'r verseuchten Relien- gärteii zu gewilhrendiMi Entscliädigung mit selir hedeuteiiden Kosten vei'bunden ist, liesti'lit darin, dass nach vorgendinmener D-^sinfizierung die angegriffenen Tleljcn samt den Wurzeln verbrannt werden und der landen Sddann mit Petroh'um übergössen wird, woiiei auf sechzig (Quadratmeter eine Tonne Petroleum gerechnet wird. Die Durch- forscliungs- und Bekampfuugsarbeiten. die durch einen vom Reichs- amte abgesendeten Kommissär eingeleitet worden ^iml. werib'u eifng.st fortgesetzt Zur Begattung des Erdsalanianders. Die interessanten Mitteilungen des Herrn ( )berfürster .Melshi-inn-r in Nr. 12 des ,Xatur- wissenschaftler" veraidassen mich. Beobachtungen über den Feuer- salamander hier mitzuteilen, welclie ich selbst im Mai 1882 gemacht habe. Im Zimmerafiuariiim des DelikatessenhUndlers Nürnberger in Greiz befand sich in jener Zeit ein Pärchen des .Salamanders. Das Weibchen hatte kurze Zeit nacheitiandcr erst 10. zuletzt am 7. Mai 17 .hinge zur Welt gebracht. Jeh hatte den Besitzer des Aquariutns aufgefordert, auf eine etwaige JJegattiing zu achten uiul micli eventuell sofort davon zu benachrichtigen. Dies gesehall auch bald, so da.ss ich zweimal, am 13. und am 15. Mai. Oelegenlieit hatte, die ISegattung zu beobachten. Männchen und Weibchen lagen mit der Bauchseite aneinander in reibender Bewegung, das Weibchen lag beidemal zu oberst. Als ich am 15 Mai die Tiere auseinander riss, fand icli nelien fast fester Gallerte zähe .Sperma- tozoidenmasse. Die peitscheiiformigen, überall gleich dicken .Siierma- tozoiden waren in h'bhaftester Bewegung'. Sie sind mit undulierender Membi-an versehen und zeigten eine Länge von 16-1 — 218 ß. trocken und ausgestreckt liis 4üü ,a. Kiii rräparat ih^selben ist iiocll in meinem Besitz. Greiz, den 19. riezeniber 1887. l'rof. Dr. Ludwig. Eine eigentümliche Befruchtung bei Ophrys arach- nites Host, beobachtete Eckstein (Mirt. bot. Ver. Freiljiirg Xr. 42). Der Pollen war an ziemlich langen, ähnlich wie d r Rüssel eines Schmetterlings spiral eingerollten Staubfäden bi-festigt. Beim Auf- blühen rollte sich die Spirale auf. und der Pollen setzte sicOi an der X^arbe fest. Eine 'J'äuscliung soll absolut ausgeschlossen gewesen sein. Beobachter wünscht .Auskunft darüber, oli ein gleiches Verhalten bei der in Rede stehenden Pflanze bereits anderweitig festgestellt worden ist. — nn. Wie sind die Banken der Cucurbitaceen zu deuten? Auf Grund vergleichend anatomischer und teratcdogischer Beob- achtungen, welche Dr. 0. Müller an zahlreichen Arten dieser Familie angestellt hat, und gestützt auf die Thatsache, dass bei einer grossen Arteiizahl die Anatomie des Rankenstammes mit der des Stengels und die Anatomie der Rankenzweige mit der der Blattspindel autfallend übereinstimmen, ist es wahrscheinlich, dass der Rankenstamm ein Stengel, der Rankenzweig eine Blattspindel ist. Hagelkorn, das eine Steinmasse enthielt. Es wurde mir eine Steinmasse übergeben, die nach H. Sudre. Professor an der Ecole normale zu Tarbes, am 20. Juni gegen 4 Uhr abends, als ein Sturm, von Hagelschauer begleitet, wütete, in einem daumen- grossen Hagelkorn enthalten war. Es ist eine bearbeitete Gips- platte von milchweissem Aussehen und 0,Ü13 m Durchmesser, 0,005 m Hübe und 2 g (Jewicht, die. wenn die Beobachtung genau ist, nur durch eine Trompe in die Regionen der Hagelbildung ge- hoben und dort in ein Hagelkorn eingeschlossen sein kann. (G, Tissandier i. d. Deutsch. Chem.-Zeitung). Den Nachweis von Anilinfarbstoffen im Wein ciliriiigt Carpenne in folgender ganz neuer Weise Der Farlisrotf des Rot- weines färbt Hefezellen nicht. ('. benutzt diese Thatsache. sammelt Hefezellen von Weisswein auf einem Filter, wäscht liis zur X^nitra- lität des .\blaufwassers und bewahrt die feuchte Masse in widil- ver-ichlossenen Reageiisgläsern. Bei Prüfung von Rotwein versetzt man nun einige Kiiliikceiitimeter di'sselben mit wenigen obigev Hefe- zelleii und betrachtet nach kurzer Zeit melircre auf Objektträger ge- brachte Tropfen der Mischung unter dem Mikroskope, und zwar am besten bei ditl'usem Lichte. Sind die Hefezellen gefärbt, so ist der Wein mit 'J'heerfarbstotten ijefurht; sind sie farblos, so kann die Probe noch dahin verschärft werden, dass man den AVein konzentriert, mit Alkoliol aiistallt, aliermals konzentriert und jetzt mit dieser Flüssig- keit die Färbung der Hefezellen nochmals versucht. Tritt auch diesmal keine Färbung ein, dann sind Theerfarbstott'e nicht vm-handen, (.lourn. de Pharm, et de Cliim. 18S7. T. X\'I. p. 39). Astronomischer Wochen-Kalender vom -l-l. l)is L".). Jauiiiir ISSH. Sonnen-Ephemeride. St. M. S. 22. 3020l20.17 M.23. 303« 21 D.24. 304« 25 M.25. 305» 29 D,26. 306" 34 F. 27. 307" 38 S. 28. 308» 42 S. 29. 3090 4fi -19044' -190 31' -190 16' -190 2' -180 47' -180 32' -180 16' -18" I,' M -fll.46 -fl2. 2 + 12. 17 +12. 31 + 12.44 + 12.57 + 13. 9 + 13.20 58 57 56 54 53 51 50 26 28 30 32 34 36 37 St, M. 26 28 31 34 38 41 45 47 7.14 7.10 5.12 20. 5 20.17 5. 17i20.29 Mond-Ephemeride. Monats- u. Jahrestag- 3 C 03 rf c3 1 Deklin. ergang. s = < 5 5 U. M. St. M. ü. M, U. M. s, 22. 22 7. 7nm. 3.13 + 120 3p ll,54vm, 1.27 nm, 8,1993 M. 23. 23 7.52 „ 4, 2 +150 42' 0.19 „ 2.32 „ D. 24. 24 8.40 „ 4.54 +180 13- 0,50 ., 3.37 ., M. 25. 25 9.31 „ 5.49 +190 52' 1.27 „ ■i.40 „ 8,2104 D. 26. 26 10.24 „ 6.46 +200 28' 2,12 „ 5.40 „ F. 27. 27 lt.l8 ,, 7.45 +190 52' 3, 7 „ 6.35 „ S. 28. 28 — • n — , — +-» -' 4.12 ,. 7.23 „ 8,2261 S. 29. 29 0.13.,, 8.44 +180 2' 5.24 „ 8. 4vm, Vollmond den 29, mgs. Uhr 13 Min. Nr. 17. Der Natui-wissenseliaftler. 139 J5i>nit'rkiing (Ml. Pls seht aus der Taljclln hervor, dass die Helligkeit gegenwärtig- abends um 6 Uhr viel bedeutender als um 6 Uhr morgens ist; eine Fulge des noch immer langsam wachsenden Unterschiedes zwischen mittlerer und wahrer Zeit. I'laneten. Merkur bleibt unsichtbar. — Venus (3 = — 21" 28'. Aufg. 5 Uhr 17 Min. vm.) hat sich wieder stark nach Osten verschoben; das in voriger Nummer erwähnte Dreieck ist hierdurch stumpfwinkelig geworden. — Mars {ä ^ — 6''37'. Aufg. 11 Uhr 41 Min. nm.) steht zwischen a und J'Virginis.- — Jupiter (des Teiles 4 JC ,50 4. Wiederholungsbuch der Naturgeschichte für geglie- derte Volks- und höhere Mädchenschulen. In sechs Kursen bearbeitet von denselben Verfassern 2 Hefte (86 S. 91 S.) ä 60 4. Ebendaselbst. Das Handbuch giebt nicht Beschreiliungen einzelner Tier- und Plianzenspecies oder einzelner (Gruppen, die systematisch zusammen- gestellt sind, soudern es giebt Anleitung, die Naturobjekte, so wie sie nebeneinander vorkommen und entstehen, sich mit- oder von- einander ernähren und entwickeln, miteinander den Kampf ums Dasein führen, im Unterrichte zu betrachten. Ueberall ist auch (iiwicht gelegt auf die Beziehungeu der abg-ehandelten Naturkörper zum mensclilichen Leben. Die Anordnung des Stoffes richtet sich nach dem Gange der Jahreszeiten. Im ersten Kursus, bestimmt ttlr das dritte Schuljahr, wird die ei'Ste Bekanntschaft mit Wiese. Wald und Teich der Heimat vermittelt, und bildet dieses I'ensnm also einen Teil der Heimatskunde. Dei' zweite Iviirsus (viertes .Schuljahr) bebandelt im Sommer den Frühjahrs- und Herbstgarten und die Wiese zur .Smumerzeit, im Winter die Pflanzen und Tiere, welche in Haus und Hof gehalten werden, bezw. die unser Zimmer schmücken. I 'er dritte Kursus (fünftes Schuljahr) be.spricbt den Wald im .Sommer und Winter, das Leben im und am Wasser. Teich und Fluss. Die beiden letzten uns vorliegenden Kurse sind der niederen Tier- und Pflanzenwelt der Heimat gewidmet, ferner einer kultur- geschichtlich gehaltenen Behandlung der Haustiere und ökonomisch wichtigen Pflanzen, ausserdem ziehen sie den Boden hinsichtlich .seiner Entstehung und seiner Beziehung zur Pflanzenwelt in den Kreis der Betrachtung. Die beiden mit guten Aldjildungen aus- gestatteten Hamlbüclier bieten dem Lehrer ein brauchbares und will- kommenes Hilfsmittel zur Vorbereitung auf die Lektionen. Die nach dem gleichen Principe ausgearheiten, auch mit vortrefflichen Illustrationen geschmückten Wiederholungsbücber. für die Hand der Schüler bestimmt, werden dieselben befälligen, den in der Unter- richtsstunde dargebotenen Stott' zu Hause zu reproduzieren und .sich dauernd anzueignen. — e — Baumann, O., Beiträge z. Ethnographie d. Congo. Preis 1 Jf- 50 -j. Alfred Holder in Wien. Bernecker, A., Kurzer Leitfaden der Naturgeschichte für die mittleren Klassen an Realschulen, Gymnasien und anderen Lehr- anstalten. Preis 1 ^IC 40 »j. r)siander'sche Buohh. in Tübingen. Berwerth, F., Das Meteor v. Sl. April 1SS7. Preis 1 JC. Alfred Holder in Wien. Bibliothek der gesamten Naturwissenschaften. Herausgegeb. von (). Danimer. 25. u. 26. Lfg. Preis jeder Lfg. 50 ..j. Otto Weisert in .Stuttgart. Boltzmann, L., Gustav Robert Kirchhoff. Festrede. Mit Portr. Pnns 1 ,10, Johann Ambrosius Barth in Leipzig. Budde, W., Thysihalische Aufgaben f. d. oberen Klassen höherer Lehranstalten. Preis 2 JC 50 .j. Friedrich Vieweg & Sohn in Braunschweig. Crookes, W., L>ie Genesis der Elemente. Ein Vortrag. In das Deutsche übertragen von A. Delisle. Pi'eis 1 JC. Friedrich Vieweg & .Sohn in Braunschweig'. Kalender, astronomischer für 1S8S. Herausgegeben von der k. k. Sternwarte. Neue Folge. 7. Jahrg Preis kart. 1 JC 60 -j. ( 'arl (4erold's Sohn in Wien. Kittl, E., Beiträge z. Kenntnis d. fossilen Säugetiere v. Maragha in Persien. 1. Carnivoren. Mit 5 Taf. Preis 7 JC. Alfred Holder in Wien. Krieg, M., Taschenbuch der Elektricität. Ein Nachsc.hlagebuch u. llafyelier für Techniker, Praktiker, Industrielle etc. Mit Illustr. Pri'is oeb. 3 JC' 75 ,(. Oskar Leiner in Leipzig. Marktanner-Turneretscher, G., Beschreibung neuer Ophiuriden und Bemerkungen zu bekannten. Mit 2 Taf. Preis 3 JC 60 4. Alfred Holder in Wien. Paeher, D., und M. Freih. v. Jabornegg, Flora von Kärnten. 1. Teil. 3. Abt. Preis 1 JC 50 , f. Ferd. v. Kleinma.vr's Buchh. in Klagenf'.irt. Pelzein, A. v., und L. v. Lorenz, Typen der ornithologischen Sammlung des k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien. o. Teil, l'reis 80 4. Alfred Holder in Wien. Paetel, F., Katalog der Konchylien-Sammlung v. F. P. 5. Lfg. Preis der Lfg. 2 JC 70 ,(. Gebr. Paetel in Berlin. Prager, A., Beiträge zur Kenntnis der Naphtalinderivate. Preis 75 .1. (iustav Fock in Leipzig. Babenhorst's L., Kryptogamen-Flora von Deutschland. Oester- reich und der Schweiz. 2. Aufl. 1. Bd. Pilze von G, Winter. 29. Lfg. Preis 2 ^IC 40 „1, Ednard Kummer in Leipzig. Wahlström, E. A., Logarithmische Tafel für die Berechnung v. elektrischen Leitungen. Fol. Mit Erklärung. Preis 1 ^IC 75 ,». geb. 2 JC: cdine Erklärung 1 JC 25 4. F. W. v. Biedermann in Leipzig. Zehnder, L., lieber den Einfluss d. Druckes auf den Brechungs- e.ipnnenten d. Wassers auf Natriumlicht. Mit 1 Taf. Preis 1 JC 20 -.j J. Ricker'sche Buchh. in (iies.sen. Gegen Einsendung des Betrages (atich in Brief- marhen) liefern irir vorstehende Verhe franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten ivir uns bestens empfohlen. Kerlin SM . 48. Die Expedition «les ..Jfatnrwissenschaftler". 1^^:©^»©,%© namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, phj^sikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bücheranzeig-en finden weiteste und passendste Verbreitung. g^~ Für den Inhalt der Inserate sind wir nicht verantwortlieh. "Tpß Wir empfehlen unser Blatt ^nr Insertion von Stellen- Gesnchen und -Angeboten, sowie su Anseigen, frelche An- gebot, Nachfrage und Tausch naturu-i,s,senschaftlicher Sammlungen etc. vermitteln. Das erste Quartal des Naturwissenschaftler wird gegen Einsendung von 2 uU 10 .j in Briefmarken nachgeliefert. Einzelne Nummern kosten 25 >j. Die Expedition des „Naturwissenschaftler." Berün SW. 48. Wir empfehlen zur Anschaft'ung: Fischer, Winke für Naturaliensammler. Preis 40 ../. Bernhardt, Dr. 6., Die Käfer. Eine Anleitung zur Kenntnis der Käfer, sowie zweckmässiger Einrichtung von Käfersammlnngen. 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Diese Bibliographie i.st .seit diesem .Jahre insoweit rer- viillkiinimet worden, als .sie jetzt auch die wichtigeren Auf- sätze aus Zeitschriften in .systematischer Ordnung verzeiclinet. Die endlich ermöglichte Beschaffung des dazu erforderlichen so sehr umfangreichen Zeitschriften-Materials machte allerdings erbebliche Schwierigkeiten, setzt uns nun aber auch in die Lage, unsere Bibl. hisi.-nat. von jetzt an allen Denjenigen, welche sich über die IJtteratur der In-schreibi'nden Xaturwissen- schaften im einzelnen sicher, schnell und bequem orientieren wollen, als das am zweckmilssigsten eingerichtete, vollständigste und verhältnismässig auch billigste Hilfsmittel und Nach.schlagewerk empfehlen zu können. S^T" Für neue Abonnenten erniilssigen wir hierdunb den Preis der .Jahrgänge 1858 -188() von 67 M 30 .( auf a4 Mk.: den Preis der Jahrgänge 1876—1886 von 34 J/ 60 .j auf 16 Mk. (Diese .Jahrgänge entlialten auch die Litteratur der I'hysik, Chemie und Mathematik, welche erst mit diT „Neuen Folge" ausgeschieden ist.) Göttingen, Januar 1888. Vandenhoeck &. Ruprecht. Das vornehmste humoristische Wochenblatt Oesterreichs ist „Das lachende Wien." Preis pro Quartal filr Deutschland Mk. >'i,—. Die Administration Wien, IV. Bez., Karlsgasse Nr. 9. Bei Benutzung der \ Inserate bitten wir un- sere Leser höflichst, auf den „Naturwissen- schaftler" Bezug neh- men zu wollen. Inserate f Nr. 19 des „Naturwissenschaftler" müssen spätestens bis Sonnabend, den 28. Januar in unsern Händen sein. Berlin SW. 48. Die Exp. d. „Naturwissenschaftler", ir^ATA- -Ar 'ATA^a I Der Wetterprophet. |j Eine Aiileitiinj^ das Wetter I '24 Stunden ^ilptezubestinimen >t und wie sich jedermann ein Ij Wetterglas für noch nicht 50 I j Pfennige herstellen kann. J von Dl*. W. ^elinlsE. J Elegant brosch. Preis 50 .j. ij Zu beziehen dnnJi die Ver- Jlagsh.G.Goldbach, Berlin. 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Main. i Verbreitung durch Empfehlung treuer Kunden au Freunde fand tausendfach der vorzücl. HoUilnd. TaVialc. 10 Pfd. franko 8 Jl- bei B. Becker in Seesen a. Harz [32] Prachtvolle Kollektionen der Erzeugnisse de Steinsalz-Berg- werks zu StaSSfUrt, jiraktisch für Lehranstalten, alii-li Zimmerzierde vermittelt die Expedition des „Naturwissenschaftler" Berlin SW. 48. Repetitorium der Botanik u. Zoologie von [r>2j Dr. M. Wolter Mit vielen Ahbild. l'reis a 2 JC. Verlag m Hermann Wolter, Anklai. l Milli Buchhandlung für Naturwissenschaften Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 226 empfiehlt sich zur Besorgung von naturwissenschaft- lichen Werken und Zeitschriften. '«< Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten. 3f Behufs anhaltender Verbindung w(]lle man sich mit der Firma in Ivorrespondenz setzen. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Carl Riemann in Görlitz. — Verlag von Riemann & Möller, Berlin SW. 48. Druck von Gebrüder Kiesau, Berlin SW. 48. Der Naturwissenschaftler. Allgemein verständliclie Wocliensclirift für sämtKclie Gebiete der Naturwissenschaften. Abonnementspreis : Bei den Postanstalteii und Buch- handlungen vierteljährlich M 2. — ; Bringegeld bei der Post 15 4 extra. Direkt unter Kreuzband von der Expedition JC 2,40. Redaktion: Dr. Carl Riemann. Verlag von Riemann & Möller, Berlin SW. 48 Friedrich-Strasse 226. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 4. Grossere Aufträge entsprechenden Rabatt. Beilagen JC 5 pro Tausend exkl. Postgebühr. Inseratenannahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Kxpedition. I. Jahrgang. Sonntag, den 29. Januar 1888. Nr. 18. Der Abdruck der Originalartikel ist nur mit Cienehiiiigiing der Verlagsliandlung gestattet. Inhalt: l'rofessur Dr. W. Detnier: Ueber i'Hanzeiilpbeu und Pflanzenatmung. — Professor Dr. Th. Albrecht: Die totale Mond- finsternis am 28. .Januar 1888. — Kleinere Mitteilungen: Eine Abart von Strangalia fpiadrifasciata L. Das Leuchtmoos f.Schistostega osmundacea). Der Reizstoff in dnn Haaren der Brenne.ssel. Astronomisrhe Arbeiten und Entdeckungen. Elektrische (irulienlampe. Petroleum in Venezuela. L'i'bi;r die Nutzlosigkeit der bei Choleraepidemien iililichen Ohlorräueheru/igen. A'ergleich des Fischtieisches mit Rindfleisch. — Astronomischer Wochenkalender. — Fragekasten. — Litteratur: Zopf. Der naturwissenschaft- liche (iesamtunterricht (Natur- und Frdkundc) auf preussiscbeii Gymnasii-n lieiderlei Art. — Bibliographie. — Inserate. Ueber Pflanzenleben und Pflanzenatmung. Vortrag des Herrn Professor Dr. AV. Detmer in der tiO. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Wiesbaden. Die Ergebnis.se pflanzenphysiologisclier Forschung sind keineswegs in demjenigen Masse allgemeiner bekannt und gewürdigt, wie es ihrer hohen theoretischen und praktischen Bedeutung entspricht. Es ei-scheint daher wohl gerechtfertigt, an dieser .Stelle einige Betrachtungen über Pflanzenleben und Ptlanzenatmung anzustellen, und wir weiden sehen, dass uns unser Thema mit einer Reihe der grossartigsten Naturprozesse vertraut machen wud. Wenn man die Samen höherei' l'flanzen in (^)uarz- .sand zur Keimung bringt, den man vor dem Oieljrauche ausgeglülit und mit einer wässeiigen Lösung verschiede- ner Mineralstotte durchtränkt hat, so findet man alsbald, dass die Untei-.suchungsobjekte sich kräftig entwickeln, wenn sie nui' überhaupt günstigen Vegetation.sbedingungen ausgesetzt sind. Ein Vergleich der Menge der organischen Substanz in den ausgelegten Samen mit dei' (Quantität organischer Substanz, welche in den krältig entwickelten Pflanzen vorhanden ist, belehrt uns sofort darübei', dass diesen letzteren die wunderbare {''ähigkeit zukommen muss, Olganische Substanz, d. h. kohlenstoffhaltige, ver- brennliche Körper aus rein anorganischem Material zu erzeugen. Unseren Untersuchungsobjekten bieten wir ja nur Quarzsand, Wasser und einige Mineralstoö'e, die für ihr Leben absolut erforderlich sind, dai'; ausserdem stehen ihnen noch die Bestandteile der atmosphärischen Luft als Nahrungsmittel zur Vorfügung. Organische Stoffe fehlen also in denjenigen Medien, in welchen sich die Pflanzen entwickeln, völUg, aber trotzdem produzieren sie schnell reichliche Mengen derselben. Man hat sich bereits in vergangenen Jahi'hundeiten ernsthafter mit denjenigen Fragen besciüiftigt, welche sich auf die Ernähiung dei- Pflanzen beziehen, aber nicht früher als gegen das Ende des vorigen .Jahrhunderts wurde eine Reihe von Beobachtungen gemacht, die den Grund zu tieferer Erkenntnis legten. Bonnet stellte fest, dass grüne Pflanzenteile, die unter Wasser dem Sonnenlicht ausgesetzt wei'den, Gasblasen abscheiden; er wusste nicht viel mit diesem merkwürdigen Beobachtungs- resultat anzufangen. Erst den Besti'ebungen des Holländers Jngen-Housz sowie der Genfer Senebier und de Saussure ist es gelungen, die soeben ei-wähnte That- sache und eine grosse Reihe anderei' mit derselben aber im genauesten Zusammenhange stehenden Erscheinungen richtig zu deuten. Das hochwichtige Resultat derjenigen pflanzeüiihy.sio- logischen Forschungen, von denen hier die Rede ist, lässt sich wie folgt zusammenfassen. Alle grünen Pflanzenzellen besitzen unter dem Einflüsse des Lichtes die Fähigkeit, die Kohlensäure, welche ihnen aus der Luft oder dem Wasser zugeführt worden ist, zu zersetzen. Sie scheiden den Sauei'stoff ab; der Kohlenstoff der Kohlensäure verbindet sich aber in der Pflanze mit den Elementen des Wassers unter Bildung organischer Substanz (Assimilations- prozess). Die Vertreter der Humustheorie, die zu Anfang unseres Jahrhunderts ihre Anschauungen mit Nachdruck geltend zu machen suchten, und welche die organischen, humosen Stott'e des Bodens als wichtigste Pflanzennahrungs- mittel hinstellten, suchten fieilich die Ergebnisse exakter phy.siologischer Forschung als unhaltbare und mit den Thatsachen in Widei'spruch stehende nachzuweisen; in- dessen derartige Bestrebungen konnten auf die Dauei- keinen Anklang finden. Es ist insbesondere das Veidienst Liebig's, die Ulihaltbarkeit der Humustheorie klar dar- gethan zu haben, und nun eröftnete sich von den ge- wonnenen sicheren (irundhigen aus ein weites Feld der 142 Der Naturwissenschaftler. Nr. 18. Tliätigkeit fiii' diejenigen Männer, welche den Lebens- erscheinungen der Pflanzen nachforschten. Bei mikrosliöpischer Untersuchung grüner Pflanzen- zelkni findet man, dass in dem Protoplasma derselben kleine grüne Gebilde von gewöhnlich rundliche)' Gestalt vorhanden sind. Wii' haben es hier mit den Chlorophyll- körpern zu thun, die, wie eingehendere Beobachtungen lehren, aus einer protoplasmatischen Grundmasse und einem an dieser haftenden Pai'bstotf, dem Chloropliyll- pigment, zusammengesetzt sind. Die Verbreitung des Chlorophylls im Pflanzenreiclie ist eine überaus weite. Es giebt nui' relativ wenige Gewächse (Pilze, sowie vielleicht einige höhere Pflanzen), welche gar kein Chloro- phyll enthalten. Dies allgemeine Vorkommen der C'hloro- phyllkörper deutet schon von vornherein auf die wichtige Rolle hin, welche sie im Leben der Pflanze spielen, und in dei' That wird eine solche \'oraussetzung bei genauerer Untersuchung der Verhältnisse im vollkommensten Masse bestätigt. Die Chioiophyllkörix-r sind die Organe der assimilatorischen Thätigkeit der Zellen. Tn ihnen findet unter dem Einflüsse des Lichtes die Kohlen- säurezersetzung und die Bildung org'anischer Substanz aus anorganischem Material statt. Wenn man die verschiedenen Glieder der höheren Pflanzen, an welche wir uns hier besonders halten, auf ihren Chlorophyllgehalt i>rüft, so findet man, dass voi- allem die grünen Laubblättei' chlorophyllreich sind. Die Laubblätter müssen daher aucli in erstei- Linie als die- jenigen Oigane angesehen werden, in denen sich die assimilatoiische Thätigkeit vollzieht, und in der That sind die Blätter dieser ihrei- wichtigsten Funktion in be- wunderungswürdig vollkommener Weise angeiiasst. Die Spieite eines Laubblattes besteht, wenn wii' von feineren anatomischen Details absehen, der Hauptsache nach aus zartem, grünem Gewebe, dem Mesophyll, und den Blatt- nerven. Gewöhnlich durchzieht ein starkei' Mittelnerv die Blattspreite von ihrer Basis bis zui' Spitze. Von diesem Hauptnerven zweigen sich in mein- oder minder spitzen Winkeln iSeitennerven ab, aus denen ihrerseits wieder Seitennerven, die vielfach mit einander anastomo- sieren, hervorgehen. Die ganze Blattspreite wird da- durch in kleine Felder eingeteilt, und das ganze Gewebe derselben unter Vermittelung der Blattnerven in einem ausgebreiteten Zustande erhalten, ähnlich wie der Ueber- zug eines Scliirmes durch die Speichen desselben. Be- sondei-e Beachtung verdient auch noch der Verlauf der Nerven in unmittelbarer Nähe des Blattrandes, und zwar ist es Sachs gewesen, der zuerst auf die liier kui'z zu erwähnenden Verhältnisse hingewiesen iiat. In zahl- reichen Fällen verlaufen die von der Mittelrippe abgehen- den primären Seitennerven in einem gegen den Blatt- rand konvexen Bogen, um in der Nähe des Blattrandes selbst an den nächstvorderen NeiT anzusetzen. Häufig büden die Blattnerven noch viel kompliziertere Bogen- systeme am Blatti-ande, so dass derselbe gewisserraassen gesäumt erscheint, wodurch die Blätter in hohem Grade vor dem Zerreissen diu'ch den Wind geschützt sind. Diese Einrichtungen der Blätter, sowie auch nament- lich noch ihre gewöhnlich bedeutende Hächenentwickelung setzen das chlorophyllreiche Mesophyll in den Stand, seine assimilatorische Funktion in bester Weise zu eifüllen. Das Wesen des Prozesses der Bildung organischer Substanz aus anorganischem Material ist noch sehr wenig aufgeklärt. Auf jeden Fall macheu sich im Chlorophyll- koin bei der Assimilation eine Reihe verwickelter chemi- schei- l'rozesse geltend, aber wir sind im Grunde nui' genau übei' die Natui' der Endprodukte orientiert, die infolge der Assimilation entstehen. Es ist das grosse Verdienst von Sachs, den Nachweis dafür beigebracht zu haben, dass die in den Chlorophyllkörpern unter dem Einflüsse des Lichtes auftretenden Stärkekörner als Assi- milations])i'odukte anzusehen sind. Manche Pflanzen pro- duzieren freilich bei dei' Assimilation keine Stärke, sondern Zucker, aber auf jeden Fall ist docii fast immer ein Kohlehydrat das Produkt jenes wundei'baren Vorganges der Bildung organischer Substanz in den Pflanzenzellen. Die Spannki-aft. welche in den gebildeten organischen Körpern angehäuft ist und bei deien Verbrennung wieder frei wird, entstammt dei- aktuellen Energie dei' leuchten- den Strahlen des Sonnenlichtes; es wurde ja auch schon mehrfach erwähnt, dass die chlorophyllhaltigen Zellen nur unter dem Einflüsse des Lichtes organische Substanz zu bilden vermögen. Die assimilatorisciie Tliätigkeit ist von grösster Bedeutung für die i'flanzeii. in deren grünen Zellen sie zu Stande kommt, denn der Organismus gewinnt erst infoige der Assimiiatimi iliejeiiigeii organischen Stoffe sowie diejenigen Krätte, deren er zu seiner Existenz bedarf. Wenn die meisten Gewächse auf Kosten des orga- nischen Materials, das von ilinen selbst erzeugt worden ist, zu duicliaus normaler Entwickelung gelangen können, so giebt es doch einige Pflanzen, welche neben den durch Assimilation selbst produzierten Körpern zugleich eine gewisse Menge als solche aufgenommener organischer Substanz in ilirem Lebensprozess verwerten. Ich habe hier natürlich die chlorophyllhaltigen Saprophyten, Pai'a- siten und Insektivoivn im Auge. Manche dieser Ge- wächse, z. B. die Thesium- und Melaini»yrumarten, sind reich an Chlorophyll; ihr Bedürfnis nach fe'tiger orga- nischer Substanz ist daher nur ein geringes. Der Ciiloro- phyllgehalt der Viscumspecies ist schon ein viel geringerer, und die Neottia ist so chloroiihyllarm, dass sie sicher die grösste Quantität des für ihre Entwickelung erforderlichen organischen Materials dem Humus der Wälder entnimmt. Es ist möglich, eine lange und sehr vollkommene Reilie von Pflanzen aufzustellen, deren einzelne GUeder alle denkliaren Abstufungen in ihrem Clilorophyllgehalt er- kennen lassen. Je mehr das Chloroiihj'll schwindet, um so grösser wird das Bedüi-fnis nach von aussen aufnehm- barem, fertigem organischem Material. Nr. IH. Der Naturwissen.schaftle)'. 143 Die insektenfressenden l'tlanzen, die, wie sclion er- w'äiint, ebenfalls zu denjenigen Gewächsen gehören, welche neben iiner assimilatorischen Tliätigkeit zugleich das Ver- mögen besitzen, organische Körper von aussen aufzu- ni'hmcn, beanspruchen ihrer merkwürdigen Lebensweise wegen ein besondeies Interesse. Es möge hier nur auf eine insektenfressende Pflanze, auf die auch in Deutsch- land auf moorigem Boden häutig vorkommende Drosera rotundifolia hingewiesen werden*). Die in einer grund- ständigen Rosette angeoidneten Blätter dieses Organis- mus bestehen aus einem Stiel und einer runden Spreite von etwa .5 mm Duichmesser. Die Blattspi'eite ist mit zahlieichen Tentakeln besetzt, welche an ihren Enden ein kleines Drüsenköpfchen tragen, dessen Zellen eine klebrige Flüssigkeit absondein. Wenn kleine Insekten mit den Drüsenköpfchen in Kontakt geraten, so bleiben sie an denselben kleben ; sie sind gefangen. Die Pflanze sucht sich ihren Fang aber noch zu sichein, indem sich *) Siehe „Naturwissenspliaftler" Nr. 1 und 2. die Tentakeln infolge einer Reizwirkung, deren (Jisache in der Berühi'ung ihrer Köpfchen mit dem Insekt liegt, über die Blattspreite zusammenlegen. Die gefangenea Tiere gehen alsbald zu Grunde, und indem sie, abgesehen von der erwähnten, noch eine weitere Reiz^\iikung auf die Zellen der Drüsenköpfchen geltend machen, sondern diese ein Sekret ab, das neben einer Säure Pepsin ent- hält. Dies Sekret löst die P^iweissstoffe des Insekten- körpers auf, und die gebildeten Peptone kann die Drosera nun aufnehmen und für ihre Entwickelung vei-werten. Es existieren endlich Gewächse, die Pilze sowie vielleicht auch einige höhei'e Pflanzen, die absolut chloro- phyllfrei sind. Diese nehmen die Gesamtmasse des orga- nischen Materials, dessen sie bedüifen, entweder parasi- tisch oder sapiophytisch \on aussen auf. weil ihnen assimi- latorische Tliätigkeit völlig abgeht. Die Lebensansprüche dieser l'flanzen stimmen in wichtigen Punkten mit den- jenigen der Tiere überein, denn auch diese assimilieren nicht und müssen daher organische Stofle von aussen aufnehmen. (Schluss folgt). Die totale Mondfinsternis am 28. Januar 1888. \'(jii Priifessur Dr Die Erde und der Mond sind dunkle Weltkörper, welche von der Sonne ihr Licht erhalten. Wenn daher die gegenseitige Stellung dieser drei Himmelskörper eine solche ist, dass die Sonne vom Monde aus gesehen durch die Erde verdeckt wird, oder mit anderen Worten, wenn der Mond in den Schattenkegel der Erde eintritt, wird derselbe seines Ijic^htes beraubt und, je nachdem er nur teilweise oder ganz in den Erdschatten eintaucht, paiiial oder total verfinstert werden. Ver(iiisterung(Mi dieser Art können sich nur zur Zeit des N'ollmondes ereignen, weil nur zu die.serZeit, von der Erde aus ge.sehen, Sonne und Mond entgegengesetzte Stellungen einnehmen; sie finden aber nicht bei jedem Vollmonde statt, weil der Mond in einer Bahn die Erde umkreist, welche 5 Grad 9 Minuten gegen die Erdbahn oder die sogenannte Ekliptik geneigt ist. Da aber der Erdschatten, welcher immer in der Ekliptik liegt, in der Entfernung des Mondes nur einen scheinbaren Halbmesser \on ^/i Grad besitzt, wird der Mond bei seinem Vorübergange am Schattenkegel der Erde nur dann verfinstert werden, wenn seine Breite, d. i. sein Abstand von der Ekliptik, 1 (Jrad nicht übersteigt. I )iese Bedingung ist- niu' dann erfüllt, wenn er sich um diese Zeit in dei' Nähe eines seiner Knotenpunkte, d. i. der Durchschnittspunkte seiner Bahn und der Ekliptik, befindet. Eine Mondflnsternis kann nur dann stattfinden, wenn die Entfernung des Mondes vom Knotenpunkte 13,3 Grad nicht übersteigt. Liegt dieselbe zwischen den Grenzen 13,3 und 7,8 Grad, so ist die Mondfinsternis möglich, aber nicht gewiss; geht sie aber unter den letztgenannten Betrag herab, so ist der Eintritt einer solchen sicher. Die Lage dieser Knotenpunkte ist aber einer beständigen Verändei'ung unterworfen; sie rücken dergestalt auf der . Tb. Albreolit. Ekliptik weiter, dass sie nach 18 Jahren 11 Tagen sehr nahe wieder mit dem Vollmonde zusammentrett'en. Es g'eht daraus hervor, dass sich die Mondflusternisse nach Ablauf von 18 Jahren 11 Tagen wiederholen, ohne dass indess eine genaue Uebereinstimmung im Verlaufe der- selben stattfindet. So ist die Mondfinsternis am Nach- mittag des 17. Januar 1870, bei welcher der Mond in Deutschland gegen Ende der totalen Wrtiusterung auf- ging, der Vorläufe)' derjenigen, welche am 28. .lanuar d. ■!. eintritt. Der scheinbare Halbmesser des Erdschattens im Ab- stände des Mondes ist gleich der Summe der Mond- und der Sonnen- Parallaxe (d. i. der Winkel, unter welchen vom Mond bezw. der Sonne ausgesehen der Hallimesser der Eide enscheint) verringert um den scheinbaren Halb- messer der Sonne und vergrössert um etwa ein Ftinfzig- stel seines Betrages. Diese Vergrösserung ist der Atmo- sphäie der Erde wegen erforderlich, weil dieselbe in den unteren Schichten die an der Erde vorbeigehenden Sonnen- strahlen fast vollständig absorbiert. .le nach dem ver- änderlichen Abstände der Erde von der Sonne und des Mondes von der Erde schwankt dieser Halbmesser zwischen den Grenzen von 38,5 bis 46,8 Minuten, während der- jenige des Mondes nach dessen Stande in der Erdferne oder dei- Erdnähe sich zwischen den Grenzen \on 14,7 bis 16,8 Minuten bewegt. Der Halbmesser des Erd- schattens übersteigt daher den des Mondes so erheblich, dass der Mond vollständig in den Erdschatten eintauchen und bis zur Dauer von zwei Stunden total verfinstert werden kann. Bei der bevorstehenden Mondfinsternis beträgt der scheinbare Halbmesser des Erdschattens 42,9 Minuten 144 Der Naturwissenschaftler. Nr. 18. und der des Mondes 15,9 Minuten. Da der Mittelpunkt des Mondes nm- wenig südlich an der Mitte des Erd- schattens vorübergeht, ist diesmal die Dauer der totalen Vei'finsterung eine' ziemlich beträchtliche und währt 1 Stunde 38 Minuten. Die Mondfinsternis ist während ihres ganzen Verlaufes in Südamerika und der östhchen Hälfte von Nordamerika, wo sie in den Nachmittags- stunden ziu' Zeit des Mondaufganges eintritt, ferner in ganz Eiu'opa und Afrika wäluend der Nachtstunden, sowie in den Morgenstunden ziu' Zeit des Mondunter- ganges in West- und Centi'al-Asien zu beobachten. Der specielle Verlauf der Vei-finsterung für Berlin ist aus der folgenden Figur zu ersehen. Ai~-* Der grosse schraffiert angelegte Kreis bezeichnet den Erdschatten, die Horizontallinie dur(.'h dessen Mittel- punkt eine Parallellinie zum Himmelsäquator und die Vertikallinie einen Deldinationskreis. Ferner stellt die den Erdschatten in schräger Richtung dui'chschneidende Linie die Bahn des Mondes dar, welche der jedesmaligen Lage des Mondraittelpunktes entsprechend in Stunden und Minuten eingeteilt ist. Der Mond bewegt sich von rechts nach links gegen den Erdschatten hin. Sobald sein Mittelpunkt bis zur Stellung A vorgerückt ist, imi 10 Uhi' 2-1 Minuten abends, beginnt die i)artiale Ver- finsterung, und der Mond tritt an seinem linken Rande in den Erdschatten ein. Nach Ablauf von 1 Stunde 1 Minute, also um 11 Ulu' 25 Minuten, ist der Mond- mittelpunkt in die Stellung B gelangt, der letzte von der Sonne erleuchtete TeU des Mondes verschwindet an seinem rechten Rande, und es beginnt die totale Veiünsterung. Die Stellung C, um 12 üln- 14 Minuten, entspricht der Mitte der Finsternis, zu welcher Zeit der Mond am tiefsten in den Schattenkegel dei- Erde eingetreten ist. Um 1 Uhr 3 Minuten ist der Mondmittelpunkt bis zum Punkte D gelangt, der erste Lichtstrahl blitzt am linken Rande des Mondes wieder auf, und die totale Verfinste- rung hat ihr Ende erreicht. In der Lage E endlich, um 2 Uhr 4 Minuten, erfolgt das Ende der partialen Vei-finsterung, und der Mond tritt vollständig aus dem Schattenkegel der Ei'de heraus. Um eine volle Ueber- einstimmung dei' Figm- mit dem Bilde am Himmel zu erzielen, ist es notwendig, den sogenannten parallaktischen Winkel, d. i. den Winkel zwischen dem Deklinations- kreise und dem N'ertikalkreise, zu berücksichtigen. Der in der I^lgur als viTtikale Linie eingezeichnete Dekli- nationskreis hat nämlich in der Wirklichkeit nur beim Durchgange des Mondes durch den Meridian eine senk- rechte Stellung, vor und nach diesem Termin ist er gegen diese nach der einen bezw. dei' anderen Seite geneigt. Um dieser Neigung Rechnung tragen zu können, sind die Buchstaben A, B, C, I) und E am oberen nördlichen Rande des Schattenkreises derart wiederholt, dass diese Stellen genau den obersten Punkten des Schattenkreises zu den betretfenden Zeiten entsprechen. Wenn man also beispielsweise im Moment des Beginnes der partialen Verfinsterung, wo sich der Mondmittelpunkt im Punkte A der Mondbahn befindet, die Figur in volle Ueberein- stimmung mit dem Himmel bringen will, muss man die- selbe derart nach links geneigt halten, dass nicht der Punkt Nord, sondern der am oberen Rande des Schatten- kreises verzeichnete Punkt A die oberste Stellung ein- nimmt. Zur Zeit der Mitte der Finsternis ist keine Neigung der Figur nötig, da der Mond um diese Zeit genau im Süden steht und daher der Punkt C in den Dekhnationskreis selbst zu liegen kommt. Für die späte- Nr. 18. Der Natui'wissen.scliafth'r. 145 ren Teimine ist die Figur nach reeiits zu neigen, so dass nacheinandei' die Punlvte I) und E die oberste Stellung einnehmen. Was den Verlauf der \'eitinsterung selbst anlangt, so wird in dieser Beziehung das Folgende zu bemer- ken sein. Nach Beginn der partialen Finsternis erscheint auf der Mondscheibe die Begrenzung des Erdschattens als eine mehr oder weniger verwaschene Kreislinie. Diese nicht scharfe Begrenzung des Erdschattens wird wesent- lich durch die Erdatmosphäre bedingt. Die in den Schatten eingetretenen Teile des Mondes verschwinden nicht vollständig, sondern bleiben in zunächst allerdings sehr mattem, später aber wieder zunehmendem Lichte sichtbar. Diese Erscheinung ist eine Folge der Brechung des Lichtes in der Erdatmosphäre, welche bewirkt, dass ein Teil des Lichtes in den Erdschatten gelangt und den Mond auch ferner, wenn auch nur schwach, beleuchtet. Dieses Licht ist infolge der Brechung und Farbenzei'- streuung, welche die Sonnenstrahlen bei ihrem Durch- gang durch die Erdatmosphäre erfahren, i-öthch gefärbt. Infolge der Verwaschenheit des Erdschattens vei-schwin- det der Mond bei Beginn der totalen Veitinsterung nicht plötzlich, sondern es nimmt geraume Zeit in Anspruch, bis die letzten Spuren des Sonnenlichtes am Mondrande verblassen. Nachdem die Totalität eingetreten, ist mit Ausnahme der am tiefsten im Schatten der Erde be- findlichen Teile des Mondes, welche nur sehr schwach wahrzunehmen sind, der ganze Mond in mehr oder weniger glänzendem Rot leuchtend am Himmel zu sehen. Die Intensität der Färbung nimmt aber in dem Masse ab, als sich dei' Mond der Mitte des Schattens nähert. Zur Zeit dei' Mitte der Verfinsterung, wo der Mondmittel- punkt nur 6,-3 Minuten von dem Mittelpunkt des Schattens absteht und selbst der der Schattengrenze am nächsten gelegene südliche Rand der Mondscheibe über 20 Minuten von derselben entfernt ist, wird der Mond nur noch sehr schwach zu sehen sein. Dann leuchten mit Annäherung an die Schattengrenze zunächst die auf der linken Seite der Mondscheibe gelegenen Teile in intensiverem Rot wieder auf, und endlich erscheint mit dem Ende der Totalität am linken Rande des Mondes wieder das volle Licht. Füi' Orte ausserhalb Berlins ist, sofern sie noch innerhalb der Gi-enzen Deutschlands gelegen sind, der allgemeine Verlauf der Verfinsterung ein gleicher wie in Berlin. Die Erscheinung vollzieht sich ganz der obigen Figur gemäss, nur ist zu berücksichtigen, dass für diese Orte die Uhizeiten andere sind als in Berlin. Für Orte westlich von Berlin tritt die ganze Erscheinung um so viel Minuten früher ein, als die Ortszeit von der Bei'liner Zeit abweicht, für östlich geleg-ene um die Differenz der Ortszeiten später. Für einige Hauptorte sind in der folgenden Tabelle die Zeiten des Anfanges und Endes der partialen bezw. totalen Verfinsterung sowie der Mitte der Finsternis zusammengestellt. Anfang der par- tialen Verf. Anfang der totalen Verf. Mitte der Finsternis Ende der totalen Verf. Ende der par- tialen Verf. Uhr Min. Uhr Min. Uhr Min. Uhr Min. Uhr Min. Kühl . . . 9 58 10 59 11 48 12 37 1 38 Strassburg . 10 1 11 2 11 51 12 40 1 41 Frankf. a.M. 10 5 11 6 11 55 12 44 1 45 Stuttg-art 10 7 11 8 11 57 12 46 1 47 Hannover 10 9 11 10 11 59 12 48 1 49 Hamburg . - 10 10 11 11 12 12 49 1 50 Miinelien 10 17 11 18 12 7 12 56 1 57 Dresden . . 10 25 11 20 12 15 1 4 2 5 Prag . . . 10 28 11 29 12 18 1 7 2 8 Wien . . . 10 36 11 37 12 26 1 15 2 16 Breslau . . 10 39 11 40 12 29 1 18 2 19 Danzig . . 10 45 11 46 12 35 1 24 2 25 Königsberg . 10 52 11 53 12 42 1 31 2 32 Die wissenschaftlichen Beobachtungen während der bevorstehenden Mondfinsternis werden sich auf die Beob- achtung der Zeiten des Beginnes und Endes der partialen und totalen Verfinsterung erstrecken, doch ist hierbei infolge der Verwaschenheit der Schattengrenze und des dadurch bedingten allmählichen Ueberganges keine grosse Genauigkeit zu erreichen. Ferner weiden dieselben auf Messung der Entfernung der Hörnerspitzen der Mond- sichel mittelst des Heliometers auszudehnen sein, um auf diesem Wege Material zur erneuten Bestimmung des Vei'grössei-ungsfaktors für den Schattenhalbmesser zu er- halten, für welchen zur Zeit noch die Angaben zwischen Vso und Vno schwanken. Die Unsicherheit in der Kennt- nis dieses Faktors ist indess nicht so sehr durch unzu- längliche Bestimmung desselben veranlasst, als vielmehr Folge einer wirklichen Veränderlichkeit dieser Grösse. Wenn die Atmosphäre an denjenigen Stellen, wo die Sonnenstrahlen an der Erde vorbeistreichen, mit dichten und hochgehenden Wolkenmassen erfüllt ist, wird der Vergrösserungsfaktor des Erdschattens beträchtlicher aus- fallen, als wenn die Atmosphäre an den betrefienden Stellen frei von jeder Bewölkung ist. Diesem Umstände ist es auch zuzuschreiben, dass sowohl der Vergrösserungs- faktor, als auch der Grad der Verwaschenheit an der Schattengrenze beim Ein- und Austritte des Mondes verschieden sein kann. Endlich wird die Zeit der totalen Verfinsterung noch zur Beobachtung der Ein- und Aus- trittszeiten von Sternen zu benutzen sein, welche während dieser Zeit vom Monde verdeckt werden, um auf diesem Wege neue Daten zur Bestimmung des mittleren Mond- durchmessers zu erhalten. Während der totalen Ver- finsterung können nämlich infolge der sehr erheblichen Lichtabnahme des Mondes die Bedeckungen auch sehr schwacher Sterne beobachtet werden, so dass sich in dieser Beziehung ein reichhaltiges Material während einer ein- zigen solchen Erscheinung sammeln lässt. 146 Der Natui-wisspiischaftler. Nr. IS. Kleinere Mitteihins-en. Eine Abart von Strangalia quadrifaseiata L. Seit den letzten .Jaliren liat sich Strang-alia quadrifaseiata L. auch in der Ebene ziemlich liäufig gezeigt, während er sich früher vorzüglich nur in gebirgigen Gegenden aufhielt. Eine interessante Abändening aber, welche im vergangenen Sommer in der Umgegend von Münster i. W. zu verschiedenen Malen gefangen wurde, steht selbst in den neueren Käferwerken nicht verzeichnet, weshalb es wohl am Platze sein dürfte, einige Worte darüber zu sagen. Bevor wir jedoch zu dieser Abart übergehen, wollen wir eine kurze Beschreibung der Stamniart vorausschicken. Strangalia quadrifaseiata L. 15 — 18 mm. Schwarz mit gelblichen, feinen Haaren dicht besetzt; Halsschild so lang als breit mit einer schwachen, nach hinten bedeutend stärker werdenden Jlittellinie, zu deren beiden Seiten sich eine flache Ver- tiefung l)efindet. An den Seiten des Halsschildes ein kleiner, spitzer Dorn und am Hinterrande mit einer starken Querrinne. Flügel- decken gellibraun, die Naht, die Spitze und drei zackige Querbinden, von denen die mittlere am breitesten ist, und die erste sich um die Schulterecke und Wurzel herum zu dem kleinen, dreieckigen Schild- chen zieht, und ein gemeinschaftlicher dreieckiger Fleck auf der Naht schwarz. Fühler und Beine ebenfalls schwarz. Was nun die Abart anbetriti't, so stimmt diese mit der Stamm- art in der GrOsse vollständig überein. Auch die Färl)ung ist im allgemeinen dieselbe, nur dass bei der ersttren die drei letzten Fühlerglieder wie die Decken gelblichbraun oder rotbraun ge- fUrbt sind. Die Exemplare, welche bei Münster i. W. von derartiger Färbung gefangen wurden, waren sämtlich Weibchen. Es ist somit noch nicht erwiesen, ob bei dem männlichen Geschlecht dieselbe Abänderung vorkommt oder nicht, was jedocli zweifelhaft sein dürfte. Sollte dies jedoch der Fall sein, so würde diese Abänderung als Varietät zu betrachten sein. — -1 Karsch. Das Leuchtmoos (Sehistostega osmundaoea) ist neuer- dings einmal wieder der Gegenstaml wissenschaftlii-her rntersui'hung geworden und zwar beschreibt P. Vuilleniin den Leuchtapparat und eine eigentümliche Vermehrung des Monsvorkeimes. Das Leuchten des Vorkeinies dieses in den Fels.spalten des Fichtelgebirges, des 'l'hüringerwaldes (Schmücke) etc. wachsenden, einem Farnkraut en miniature gleichenden, zierlichen Mooses beruht auf einer eigentüm- lichen lleflexion und Refraktion des Tageslichtes in den halbkugelig gewiilbten Zellen. Dies, wie der häutige Zerfall des Vorkeimes in getrennte Zellgruppen, den Vuillemin als eine Art Sporen- oder Gonidienbildnng näher schildert, ist übrigens schon 18:M von l'nger nachgewiesen worden. Vuillemin beschreibt die Zellen des auch durch die besondere Fortpflanzung algenäliiilichen Vorkeimes näher. ])er vordere kugelig gewölbte Teil derselben wird durcli eine von dünnem Plasmabelag umsidilossene. hyaline .Siibsranz gebildet, wrdche das Licht wie eine Linse konzentriert. Der grils.sere Teil des Plasmas l)edi'ckt mit den im Zustand des Glanzes dicht aneinander schliessen- den ChloniphyUkörnern die hintere schwach aufgetriebene .Seite. Letztere strahlen das smaragdgrüne Lieht in den Leuchtmoos-Höhlen und -Sp.alten zurück. Bei anderer als der schwachen Helenclitung ilires natürlichen Standortes ändern die Ohlorophyllkilrner leicht ihre Lage; so dass der Glanz verschwindet. Wie schon Unger hervor- liob, ist die Erscheinung völlig gleicher Natur, wie die der leuchten- den Ansjen der Katzen. Marder, gewisser Nachtsidunetterlinge etc. — Ludw. Der Reizstoff in den Haaren der Brennessel ist nach Haberland' s Untersuchungen «Sitzungslier. k. .\k. Wiss. Wien. 93. Bd. S. 123) nicht Ameisensäure, sondern eine andere nicht flüchtige Substanz. I)urch Alkohol wird sie ans dem Zellsaft ge- fällt; sie ist in Wasser löslich. — nn. Astronomische Arbeiten und Entdeckungen. Per- rotin in Nizza hat längere Beobachtungen des Planeten Mars ver- anstaltet. Dieselben scheinen im wesentlichen die Arbeiten von Scliiaparelli zu bestätigen. Auch geht aus ihnen hervor, dass in der Mars- Atmosphäre zeitweilige Trübungen durch Wolken oder Nebel stattfinden. — Der am 18. /30. August v. J. zu Taborg, Gou- vernement Perm unter heftiger Detonation niedergegangene Aero- lith ist von Daubree untersucht. Die Hauptmasse wiegt 115 kg, ist hell aschgrau, steinartig, enthält aber aucli viel Eisen. Olivin und Augit zeig(>n sich auf dem Dünnschlift". selben angestellt wurden, ausgezeichnete Resultate geliefert hat. Die Lampe wiegt 3,20 kg und besteht aus einem kleinen, hölzernen Ge- häuse, welches einen Accumulator und eine Glühlampe enthält. Der einzige Uebelstand ist der. dass der Preis derselben ziemlich hoch, ungefähr 50 F'rcs. ist. Die Lampe hat eine Lichtstärke von 21/2 Kerzen und kann 14 — 15 Stunden brennen, ohne wieder geladen werden zu müssen; sie wird vor dem Accumulator angebracht, von welchem .sie mittelst eines Reflektors getrennt ist. und wird durch eine Glasscheibe geschützt. Ein Kommutator ermöglicht das Aus- lösehen der Lampe, sowie deren Anzünden und ebenso die Licht- stärke beizubehalten, wenn der Accumulator anfängt .sich y.n er- schöpfen. Die Kohlenfasern können .500 .Stunden aushalten, also doppelt so lange, als bei gewöhnlichen (ilülüampen, allein man rauss den L'mständen, unter denen die Lampe verwendet wird und den Stössen, denen dii^selbe ausgesetzt werden kann, Rechnung tragen. „Chroiiique industrielle." Elektrische Grubenlampe. Herr Burrows, Honorarsekretär der geologischen Gesellschaft in Manchester, hat in der am 7. Juni 1887 stattgefundenen Sitzung der genannten Gesellschaft eine von derEdison-Compagnie hergestellte elektrische Grubenlampe vorgezeigt, welche in den Kohlengruben von Atherton, wo Versuche mit der- Petroleum in Venezuela. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die sich kaum erst über die Konkurrenz des russischen Petroleums beruhigt haben, sind von einem neuen, ihnen weit näher gelegenen Mitbewerber bedroht. In Venezuela werden nämlich Pe- troleumlager am INLaracaybosee, welche längst als sehr reichhaltig bekannt sind, von Kapitalisten ausgebeutet werden, und der ameri- kanische Kciusul erwähnt sogar ein Gerücht, wonach das Haus Rothschild geneigt scheine, sich das Monopol dieses Unternehmens zu sichern. — ■ Der Maracaybosee liegt im Norden von Venezuela und steht durch den Golf von Venezuela mit di'm Meere in Ver- bindung. I >as umliegende Land, viele hundert Quadratmeilen gross, ist nnt l'etroleum und Asphalt gesättigt. Nach dem Berichte des amerikanischen Konsuls gehen in dem sandigen Boden des Landes täg- lich grosse (Quantitäten ausfliessenden Oeles verloren. — Das Vene- zuela-Petrcde.um nimmt in der Qualität die Mitte zwischen dem amerikanischen und russischen Rohöl ein, es liefert 50 ",„ lu'enn- bares (Jel oder Kerosen von hochfeiner Qualität. Diese Lager haben aber den wesentlichen Vorteil vor den beiden anderen voraus, dass sie am Ufer des Sees, also sozusagen an der Meeresküste liegen, während die Quellen von Baku 560 Meilen von Batuni liegen und das amerikiuiische Produkt von der Quelle bis zur Küste 400 bis I 500 Meilen zurückzulegen hat. — Wenn die Darstellung des „En- ' gineering". widcher wir folgen, zutreft'end ist, so bestehen keinerlei i technische .Schwierigkeiten zur Massenausbeute, und das Oel wird sich dem amerikanischen bald an die Seite stellen können. I'm die Elitwickelung der Sache zu fördern, hat die Regierung von Vene- zuela einen iMufuhrzoU von Ib^j-j Pfg. per Gallone auf den Artikel gelegt, was ungefalir dreimal den Engrospreis viui amerikanischem oder russischem Petroleum beträgt. Ueber die Nutzlosigkeit der bei Choleraepidemien üblichen Chlorräueherungen der Menschen berichteti' l'etten- kofer in der k bayer. Akademie der Wissenschaften gelegentlich der Berichterstattung über Versuche Dr. Lehmann's über Wirkung giftiger Oase. Zur Tötung der Bakteriensporen ist ein Chloroe- halt der Luft von 3 "/oo während 3 Stunden oder einer von 0.4 7oo (des Volumens) während 24 .Stunden erforderlich. Das hält kein Menscli aus Vom JMensidien werden nur etwa 0,002 liis 0.004"/oo, von daran gewöhnten viidleicht etwas mehr (höchstens O.Ol" hq) ohne .Schaden ertragen. — nn. Vergleich des Fisehfleisches mit Rindfleisch. Die im Voit'scben Laboratorium in München mit dem Muskelfleisch des Schelltisches an Hunden und Menschen ange.stellten Aiismitzungs- versuche ergaben, wenn man die p.ozentige Ausnutzung des Fisch- fleisches und von magerem Rindfleisch im Darmkr.nale eines gesunden, kräftigen Menschen miteinander vergleicht, als unausgenutzt im Kot: Kschfleisch Rindfleiscli Trockensubstanz . 4,9 4,3 Stickstoff' ... 2,0 2,5 Fett 9,0 5,2 Asche .... 22,5 21,5 Es werden also im menschlichen Darm (ebenso wie im Hunde- darm) die Bestandteile des Fischfleisches ebenso gnt ausgeiuitzt wie die des Rindfleisches. Nur die Resorption des Fettes stellt sich beim Rindfleisch etwas günstiger; dies rührt davon her, dass beim Rindfleischversuch im ganzen täglich 59 g' Fett aufgenommen wurden, beim Fischfleischversuch abei" nur 35 g und von der grösseren Menge Fett stets verhältnismässig mehr resorbiert wird. Das Fisch- fleisch besitzt also den nämlichen Nährwert wie das magere oder von Fett befreite Rindfleisch . Darreichung gleicher Mengen Nr. 18. Der Naturwi.s.senscliaftlei'. 147 Tr{ifkHiisub.staiiz vorausgesetzt; lienii das FiseliUeisch ist wasser- reiclier als das niag-ere RiiidHeiseli (im Scliellfisc]i 81, 9 % Wasser, RiiidHi'isoli 75,61 "/o), imd 500 g' von jenem entlialten annähernd die gleiclie Menge Trockensubstanz wie 375 g RindHeisrli. Es lässt sicli demnach das FischHeisch vortrefflich als Eiweissträger mit den stickstort'armeu Nahrungsmitteln z. B. mit Kartoffeln zur Herstellung einer richtigen Nahrung für das ^'olk verwerten, und es kann nicht genug darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig in dieser Beziehung die Hebung der Seefischerei ist. (Atwater in Zeitsclir. f. Bicl. 24. 10.) Astronomischer Wochen-Kalender vom 29. Januar bis 5. Februar 1888. Sonnen-Ephemeride. TS . a5 in o cd JA ai PS Deklin. 6B 'S'ö 'S) sc a (ä 3 < S sä ^4 'S N 1 03 St. M. M. S. U. M. U. M. St. M. U. M. ü. M. St. M. S. 20. 3090 20.46 — 18" 0' + 13.20 7.50 4.37 8.47 7. 9 5.18 20.33 M.80. 310» 50 —17» 44' + 13. .so! 48 39 49 D.31. 311" 54 — 170 27' + 13. 39 47 41 54 M. 1. 312» 58 —17" 11' +13.47 45 43 58 7. 4 5.24 20.44 D. 2. 313» 21. 2 -16" 5.3' +13.55 44 45 9. 1 F. 3. 314» 6 —16" 36' + 14. 2 42 47 5 S. 4. 315« 10 -16" 18' + 14. 8 40 49 9 7. 5.29 20.56 S. 5. 316» 14 -16" 0' +14. 14 39 51 12 Mond-Ephemeride. Monats- u. Jahrestag. 'S ä Deklin. ufgang. tergang. '•2 SS . ^ < s (2 ü. M. St. M. U. M. U. M. S. 29. 29 0.13vm. 8.44 +18" 2' 5.24 nm. 8. 4vm, 8.2306 JI. 30. 30 1. 8„ 9.43 +15" 2' 6.41 „ 8.38 ,. I». 31. 31 2. 2 „ 10.41 +11" 3' 8. 1 „ 9. 7 ., M. 1. 32 2.54 „ 11.37 + 6" 22' 9.21 „ 9.33 .. 8.2379 D. 2. 33 3.46 ., 12.33 + 1" 17' 10.40 „ 9.57 ., F. 3. 34 4.38 „ 13. 29 — 3" 52' 12. „ 10.21 .. S. 4. 35 6.29 ., 14.24 — 8" 46' — . — 10.46 ,. 8.2362 S. 5. 36 6.22 ., 15.21 —13" 7' l.lDvm. 11.15 .. Erdnähe den 2. Februar mgs. 6 Uhr; letztes Viertel den 4. Februar abends 8 Uhr 19 Min. Planeten. Merkur (>J= —15" 49', Untergang 5 Ubr 32 Min. abends) beginnt im Laufe dieser Woche als Abendstern aufzutauchen, ßeehtlaufig im Steinbock. — Venus (fJ^ — 21" 56', Aufgang 5 Uhr 29 Min. mgs.) steht zwischen / und ß Sagittarii. — Mars (}. A. Hartleben's Verlag in Wien. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarisehen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin SW. 48. ]>ie £xpe«lition des „Watarwissensohaftler". Berichtigung. In Nr. 16 pag. 130. Kleinere Mitteilung: „Eine neue Metliode. niedere Algenpilze aus dem Wasser zu isoHeren" lies Zeile 4 statt Chydridiaceen und Dapndegniaceen Chytridiaoeen und Saprolegniaceen; /eile 17/18 statt Farnspermatogoiden Farnsperma- tuZoideu und Zeile 22 statt Phyromyreten Myxomyceteii. l^©©^a%:o namentlich Anzeigen aller optischen, chemLsehen, physikalischen etc. Gerätschaften, Naturalien, Chemikalien, .sowie Bücheranzeig-en finden weiteste und passendste Verbieitung. Fttr den Inhalt der Inserate sind wir nieht verantwortlich, "^m Wir empfehlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie su Anzeigen, welche An- gebot, Sachfrage und Tau.sch nafurwissenscha/tlichei- Sanimlungen etc. vermitteln. iimaii Uil Buchhandlung für Naturwissenschaften Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 226 empfiehlt sieh zur Besorgung von naturwissenschaft- li( heil "Werken und Zeitschriften. *< Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten. >*