,^ M C '-itS-i!»' • \, ^' I "■«i^^L'*« R HARVARD UNIVERSITY. LIBRARY OF THE MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY. ^^ ^ (Xyw-OX- V^A>iAJo( .(XAa>u- ^ X'^ {"iX-X MITTHEILUNGEN AUS DER ZOOLOGISCHEN STATION ZU NEAPEL ZUGLEICH EIN REPERTORIUM FÜR MITTELMEERKÜNDE. DRITTER BAND. MIT 26 TAFELN, 17 HOLZSCHNITTEN UND 3 TABELLEN. « » « ■ « LEIPZIG, VERLAG VON WILHELM ENGELMANN. 1882. J A^// 7 Inhalt des dritten Bandes. Erstes und zweites Heft. Ausgegeben am 9. Decemlier 1881. Seite Über eigenthümliche Organe bei Eudendrium racemosum Cav. Von A. Weis- mann. (Mit Taf. I.) 1 Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. Von J. W. Spengel. (Mit Taf. II— IV.) 1.^ Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie und Histologie des Nerven- systems der Plathelminthen. Von A. Lang. IV. Das Nervensystem der Tricladen. (Mit Taf. V u. VI.) 53 V. Vergleichende Anatomie des Nervensystems der Plathelminthen . 76 Recherches expérimentales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. Par E. Yung 97 Sur la faune des Siphonophores du Golfe de Naples. Par M. Bedot . . . 121 Intorno alla scissiparità delle attinie. Note del A. Andres. (Con tav. VII.) 124 Die Entonisciden. Von R. Kossmann. (Mit Taf. VIII u. IX.) 149 Studien über Bopyriden. III. Jone thoracica und Cepon portuni. Von R. Kossmann. (Mit Taf. X u. XI.) 170 Methode zur Anfertigung von Serien-Präparaten. Von W. Giesbrecht . 182 Der Bau von Gunda segmentata und die Verwandtschaft der Plathelminthen mit Coelenteraten und Hirudineen. Von A. Lang. (Mit Taf. XII — XIV.) ISV Studien zur Urgeschichte des Wirbelthierkörpers. Von A. Dohrn. (Mit Taf. XV— XIX.) 252 Drittes Heft. Ausgegeben am 28. April 1882. Contribuzioni all' Ittiologia. Von C. Emery 281 Über die Entwicklung des Kalkskeletes von Asteroides calycularis und dessen morphologischer Bedeutung. Von G. v. Koch. (Mit Taf. XX u. XXI.) 284 IV Seite Beiträge zur E.enntnis einiger Notodelphyiden. Von W. Giesbrecht. fMit Taf. XXn— XXIV.) 29.1 Über die chemische Zusammensetzung der Wohnröhren von Onuphis tubicela Müll. Von O. Schmiedeberg^ 373 Viertes Heft. Ausgegeben am 1. September lSS"i. Über die Vertheilung der Algen im Golf von Neapel nebst einem Ver- zeichnis der bisher daselbst beobachteten Arten. Von G. Berthold. (Mit 3 Tabellen.) 393 Vorläufige Mittheilungen über die Gorgonien (Alcyonaria axifera) von Neapel und über die Entwicklung der Gorgonia verrucosa. Von G. v. Koch, (Mit 15 Holzschn.) 537 Zur Naturgeschichte der Feigeninsecten. Von P. Mayer. (Mit Taf. XXV -XXVI u. 2 Holzschn.) 551 Bericht über die Zoologische Station während des Jahres 1881. Von A. Dohrn. 591 über eigenthümliche Organe bei Eudendrium racemosum Cav. Von Dr. August Weismann, Professor in Freiburg i. Br. Mit Tafel I. An einem andern Ort wurde über Untersuchungen berichtet ^ welche ich über die Entstehung der Geschlechtsproducte bei Eudendrium racemosum Cav. angestellt habe. Diese Untersuchungen ergaben noch nach anderer Richtung hin ein mittheilenswerthes Resultat. Ich stieß nämlich auf sonderbare Auswüchse am Hydranthen- köpfchen, die ich zuerst wenig beachtete, weil sie mir pathologische Bildungen unerrathbaren Ursprungs zu sein schienen, die aber, als sie mir wiederholt vorkamen, eine genauere Untersuchung veranlassten. Es sind hornförmige, gerade oder gekrümmte dicke Fortsätze, deren immer nur einer vom Köpfchen des Polypen seitlich hervorwächst. In der Gestalt ähneln sie einem Tentakel, sind aber nicht mit einem solchen zu verwechseln, da sie mindestens den dreifachen Durchmesser besitzen, ja oft an Dicke dem Stiel des Hydranthen gleich kommen. Ihre Länge kann bis zu 2, 3 mm betragen und nach dem Ende zu ver- jüngen sie sich gewöhnlich nicht, schwellen sogar öfters ein wenig kolbig nn. Sie bestehen aus beiden Leibesschichten und enthalten auch einen Fortsatz der Leibeshöhle, der bis an ihr Ende fortläuft. Da diese Auswüchse immer nur an wenigen Hydranthen eines Stockes vorkamen, so bot sich zunächst die Vermuthung, sie möchten zwar aus normalen Organen entstanden, aber doch Degenerationen von solchen sein, etwa leer gebliebene und in Folge dessen entartete 1 Zool. Anzeiger 1881, Nr. 77. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. HI. 2 A. Weismann Gonop hören, welche ausnahmsweise als atavistische Bildungen am Hydranthen hervorgewachsen wären, anstatt an einem Blastostyl. Bei Eudendrium racemosum Cav. bilden sich nämlich die Gono- phoren, weibliche wie männliche, normal nicht an Hydranthen, sondern an besonderen Individuen des Stockes, sog. Blastostyleu. Man hat in Bezug auf diesen Punkt bisher wohl zu wenig zwischen den verschiedenen Arten von Eudendrium unterschieden, die sich offenbar recht verschieden verhalten. Allman, dessen große Ver- dienste um die Kenntnis der Hydroidpolypen Niemand mehr an- erkennen kann, als ich — hat die Sache so dargestellt, als ob bei der Gattung Eudendrium die Gonophoren stets an Hydranthen hervor- sprossten, die aber dann mehr oder weniger verkümmern könnten bis zum gänzlichen Verlust von Tentakeln und Mundöffnung. Er sagt aus- drücklich, dass man oft an ein und demselben Stöckchen von Eudendrium die proliferirenden Hydranthen in ganz verschiedenem Grade von dieser Rückbildung betroffen finde, von einer bloßen Ver- kleinerung der Tentakel bis zu völligem Fehlen derselben ; er bildet auch Hydra nthen mit voll ausgebildeter Tentakelkrone ab, die darunter einen Kranz von Gonophoren tragen und diese sind genau eben so weit entwickelt als bei mund- und tentakellosen Blastostyleu desselben Stockes. Es kann also danach nicht bezweifelt werden, dass es Eudendriumarten giebt, bei welchen sowohl Hydranthen Gonophoren- träger sind, als Blastostyle ; dies ist auch gewiss nicht ohne Interesse, da es zeigt, wie die beiden Extreme einer phyletischen Entwicklungs- reihe sich unter gewissen Bedingungen neben einander erhalten konnten ; denn es unterliegt keinem Zweifel, dass die Blastostyle in phyle- tischem Sinne verkümmerte Hydranthen sind. Dagegen aber bezweifle ich sehr, dass sie bei irgend einer Eudendriumart dies in ontogenetischem Sinne sind, d. h. dass in der That während der Entwicklung des einzelnen Hydranthen eine Rückbildung an ihm eintritt in Folge des Hervor- sprossens von Gonophoren ; ich glaube vielmehr, dass die Blastostyle überall schon als solche angelegt werden und sich schon als Knospe von den Hydranthenkuospen unterscheiden. Für die von mir beobachteten Eudendriumarten kann ich dies wenigstens nachweisen , wie an einem andern Orte geschehen soll. Allerdings kommen bei diesen — Eudendrium racemosum Cav. und Eud. capillare Alder — überhaupt keine proliferirenden Hydranthen mehr vor; auch fehlen durchaus verschiedene Stufen der Rückbildung, vielmehr sind alle Gonophoreuträger eines Stöckchens genau in dem- über eigentliümliche Organe bei Eudendrium racemosum Cav. 3 selben Grad rückgebildet, nur ist die Rückbildung verschieden weit vorgeschritten bei männlichen und bei weiblichen Stöcken. Ich ver- muthe aber, dass auch bei der von Allman studirten Art — Eud. ramosum Linué — die Blastostyle als solche schon angelegt werden. Entstünden sie wirklich erst durch Verkümmern der Tentakelkrone eines Hydranthen, so könnten keine Hydrauthen mit reifen Gonophoren und völlig" entwickelter, lebensfrischer Teutakelkrone gefunden werden, wie sie doch bei Allman Taf. XIII, Fig. 1 abgebildet sind. Giebt es doch auch andere Tubulariden genug (Clava, Coryne) , bei welchen die Hydranthen selbst die Gonophoren tragen und keineswegs dadurch verkümmern oder irgend wie in ihrer Lebenskräftigkeit verkürzt werden; das Hervorbringen von Geschlechtsknospen muss also durchaus nicht mit Nothwendigkeit eine Verkümmerung des Hydranthen nach sich ziehen. Es scheint mir dies in so fern nicht unwichtig, als es zeii;t, dass die phyletische Entstehung der Blastostyle nicht durch den directen Einfluss der Hervorbringung von Gono- phoren zu denken ist, wie man bisher als selbstverständlich an- genommen hat. Die Einrichtung der Blastostyle muss vielmehr auf indirectem Wege entstanden sein. Es handelt sich hier zunächst um die Frage, ob die hörnerartigen Auswüchse an Hydranthen als degenerirte Gonophoren aufzufassen sind. Ich habe nur in ganz seltenen Fällen beobachtet, dass es in der That auch bei Eudendrium racemosum Cav. noch zur Bildung von Gonophoren am Hydranthen selbst kommen kann : allerdings niemals zur Bildung eines vollständigen Kranzes von zehn oder mehr Gono- phoren, wie ein solcher den Blastostylen eigen ist. Aber es ist mir vorgekommen, dass ein einzelnes weibliches Gonophor von einem voll entwickelten großen Hydranthen hervorwuchs und in einem Fall war das darin enthaltene Ei schon so weit entwickelt, dass es wohl auch die volle Reife erreicht haben würde. Leere und in Folge dessen ent- artende Gonophoren finden sich gar nicht selten und kommen sogar an Blastostylen vor ; an und für sich also konnte der Gedanke, dass die Hörner degenerirte, leere Gonophoren seien, berechtigt erscheinen. Allein schon die Stelle, an welcher sie entspringen, deutet darauf hin, dass sie mit Gonophoren nichts zu thun haben ; sie sitzen nämlich regelmäßig unten am Hydranthenköpfchen, ziemlich nahe dem Hals desselben und unmittelbar oberhalb einer Ringfurche, von der später genauer noch die Rede sein wird. Gonophoren aber, auch solche einzelne, gewissermaßen verirrte, entspringen ausnahmslos unmittel- bar unter dem Tentakelkranz, an derselben Stelle, an welcher 1* 4 A. Weismann sie auch bei Blastostylen hervorwaclisen, somit in der oberen Hälfte des Hydranthenköpfcliens. Ich hätte diese ganze Coujectnr übergangen, wenn sie mir nicht erwünschte Gelegenheit geboten hätte, die Beziehungen zwischen Hydranth und Blastostyl hier kurz zu besprechen ; denn dass die Hörner keine degenerirten Gonophoren, sondern Dinge sui generis sind, lässt sich auch direct zeigen. Zunächst sind sie schon zu häufig, um bloße Degenerationen ver- irrter Organe vorzustellen. Sie finden sich an männlichen Stöcken ungefähr an jedem neunten Hydranthen, so weit sich dies an meinem Material feststellen ließ, an weiblichen Stöcken sind sie erheblich seltener, falls nicht der Zufall mir gerade nur solche weibliche Stöck- chen in die Hände gespielt hat, an denen ihrer nur wenige waren. Sodann aber deutet ihr feinerer Bau auf eine bestimmte Function ; sie sind nämlich einmal activ beweglich, da sie eine stark ent- wickelte Muskellage besitzen und zweitens in auffallender Weise mit Nesselorganen ausgerüstet; sie mögen desshalb jetzt schon Cnidophoren oder Nesselorganträger heißen. Über ihren Bau ist Folgendes zu sagen: Das Ectoderm zeigt nur in so fern eine Abweichung vom Ectoderm des Hydranthenköpfchens, als es sehr viel reicher an Nesselzellen ist. Bei den meisten Cuido- phoren concentriren sich dieselben gegen die Spitze des Organs hin, welche oft zu einer förmlichen Endkuppe verdickt ist und dann in viel- facher Lage über einander geschichtet mehrere Hundert Nesselzellen enthält (Fig. 4 und 5) . Die oberste Lage steht senkrecht zur Oberfläche und ragt mit den Spitzen der Nesselorgane etwas über dieselbe hinaus, die tiefer liegenden sind zwar im Allgemeinen auch senkrecht gerichtet, weichen aber doch auch häufig von dieser Lage ab, wie sie denn auch hauptsächlich aus unreifen Nesselorganen bestehen. Die Nessel- kapseln sind gruppenweise geordnet, wie man am besten an Osmium- präparaten in Oberflächenansicht erkennt (in Fig. 1 angedeutet) . An solchen springen die großen Ectodermzellen oft wie Polster vor und man erkennt im Innern einer jeden eine Gruppe parallel gerichteter Nessel- kapselu. Dass es sich hier wirklich um Nesselorgane und nicht etwa um irgend welche andere Körperchen handelt, wie solche allerdings bei Hydroidpolypen vorkommen und später noch kurz besprochen werden sollen, unterliegt keinem Zweifel. Es sind dieselben Nesselorgane, wie sie auch im Hydranthenköpfchen und im Coenosarc vorkommen, läng- lich-ovale, nach außen in eine Spitze zulaufende, stark lichtbrechende über eigenthiimliche Organe bei Eudendrium racemosum Cav. 5 Körperchen von 0,011mm Länge, an welchen man bei starker Ver- größerung sehr wohl den Doppelcontur der Kapsel erkennt ; mehrmals sah ich auch den vorgeschnellten Faden, der etwa 0,05 — 0,06mm lang, sehr fein und ohne Widerhaken ist (Fig. 5) . Cnidocilien waren an Zupfpräparaten öfters wahrzunehmen. Bei Cnidophoren mit kolbigem Ende enthält dieses die Nessel- batterie, die übrige Oberfläche nur spärliche zerstreute Nesselorgane (Fig. 1). Nicht immer aber concentrireu sich die Nesselzellen in dieser Weise, sondern viele Cnidophoren sind in ihrer ganzen Länge reichlich mit ihnen besetzt, wenn auch immer gegen die Spitze zu am stärksten. Das Ectoderm des Cnidophors ist nirgends von einem Perisarc umhüllt, sondern völlig nackt. Es besteht der Hauptsache nach aus großen Epithelzellen, welche auf der Stützmembran aufstehen, also die ganze Dicke des Ectoderms durchsetzen. Zwischen und in diese Zellen schieben sich die Nesselzellen ein. Auf der Stützlamelle liegen sehr feine, längsgerichtete Muskelfasern, die höchst wahrscheinlich den Epithelzellen angehören; sie sind weder sehr lang, noch liegen sie sehr dicht ; durch Maceration ließen sie sich mehrfach von der Stützlamelle abheben (Fig. 8 LM) , wenn es auch nicht gelang sie im Zusammen- hang mit den Epithelzellen zu isoliren. Mit frischen Thieren würde dies wohl nicht schwierig sein , ich arbeitete aber ausschließlich mit conservirtem Material, welches sich nicht so leicht und vollständig durch Maceration zerlegen lässt. Die Stützlamelle ist fein und zeigt nichts Besonderes. Das Entoderm besteht aus großen, hellen Epithelzellen, mit kleinem Kern in der Spitze und flüssigem, von feinem Protoplasmanetz durchzogenem Inhalt. Um den Kern herum liegt häufig ein Ballen von Körnern, die Zellen nehmen also Nahrung auf. Wimperu waren an meinen Präparaten nicht zu erkennen, doch lässt die geräumige Leibes- höhle nicht daran zweifeln, dass sie im Leben vorhanden sind. Außer diesen Epithelzellen finden sich noch subepitheliale Zellen ganz in der Tiefe des Entoderms, unmittelbar auf der Stützmembran und diese geben Muskelfasern den Ursprung, welche k r e i s f ö r m i g V e r 1 a u f e n. Ringmuskeln sind bisher nur bei Tubularia unter den Hydroid- polypen bekannt geworden, wo sie als selbständige, dem Ectoderm an- gehörige Muskelzellen von Ciamician ^ beschrieben wurden. Es giebt i Über den feineren Bau und die Entwicklung von Tubularia Mesembryan- themum, Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XXXII, p. 323. 6 A. Weismann indessen auch entodermale Ringmuskeln. So weit ich bis jetzt von ihnen Kenntnis habe, finden sie sich am stärksten ausgebildet am Rüssel wahrscheinlich aller Hydroidpolypen, also an dem beweglichsten und kräftigsten Theil des ganzen Thieres. Dort stehen sie in Zusammen- hang mit den großen, langen Entodermzellen, welche bei vielen Arten regelmäßige, radiär angeordnete Längswülste bilden und dadurch die Zahl der Muskelfasern wesentlich erhöhen und zugleich den Rüssel un- gemein erweiterungsfähig machen i. Auch die Ringmuskelschicht der Cnidophoren von Eudeudrium ist stark entwickelt und besteht aus sehr feinen, langen, beiderseits zu- gespitzten Fasern, die meist recht dicht aufeinander folgen. Sie zeigen häufig eine feine Querstreifung, wie sie — allerdings noch schärfer aus- geprägt — von den Subumbrellarmuskeln der Medusen und Schwimm- glocken der Siphonophoren bekannt ist. Dass sie der Innenfläche der Stützlamelle aufliegen, kann man an Zupfpräparaten zuweilen sehr deutlich erkennen, indem man den optischen Querschnitt der Fasern erblickt bei Einstellung auf den Querschnitt der Stützlamelle (Fig. 8 RM) . An solchen Stückchen Entoderm sieht man auch die oben er- wähnten subepithelialen Zellen, als geringe Anhäufungen von Proto- plasma um kreisrunde, blasse Kerne von 0,005 mm. Offenbar sitzen die Ringfasern an diesen Zellen und zwar häufig zwei an einer Zelle. Eine vollständige Isolirung der Zellen gelang zwar auch hier nicht, wohl aber Isolirung eines Theils der Fasern. Nach dieser Schilderung des feineren Baues der Cnidophoren, wird ihre Deutung als Waffe wohl kaum angezweifelt werden. Die starke Muskulatur muss wurmförmige, recht ausgiebige und energische Be- wegungen möglich machen und wenn man die Stärke der Nesselbatterie und die im Verhältnis zum Polypen colossale Größe des Organs in Be- tracht zieht, wird man nicht anstehen, die Cnidophoren als eine Waffe von bedeutender Wirkung aufzufassen. Allerdings bin ich bisher noch nicht in der Lage gewesen, die Be- wegungen der Cnidophoren direct, d. h. am lebenden Thier zu beobachten, da aber alle meine Stöckchen plötzlich (durch Osmiumsäure oder abso- luten Alkohol) getödtet wurden, so lässt sich aus der sehr verschiedenen 1 Auf dem Querschnitt erscheinen diese Längswülste als vier-, fünf- oder sechsstrahlige Rosetten; bei Tubularia theilen sich die Strahlen wieder, so dass bis zu 12 Strahlen gegen die Stützlamelle hinziehen. Die Zahl der Strahlen ist nicht nur bei verschiedenen Arten verschieden, sondern auch bei den Individuen derselben Art, ja bei ein und demselben, je nachdem der Schnitt weiter unten oder oben am Rüssel geführt wurde. über eigenthümliche Organe bei Eudendrium raceinosum Cav. 7 Stellung, in welcher das Cnidophor erstarrt ist, gar wohl eine Vor- stellung seiner Bewegungsart ableiten. Zum Theil ist dasselbe nach abwärts gekrümmt, zum Theil nach aufwärts geschwungen, zum Theil auch steht es gerade nach außen ab; bei manchen krümmt sich nur das Endstück auf- oder abwärts, bei anderen bildet nur das Wurzelstück eine Curve und das Endstück steht gerade hinaus — kurz, es zeigt sich eine ziemliche Mannigfaltigkeit der Stellungen (Fig. 1, 2, 3). Dass ein im Verhältnis zum Thier so mächtiges Organ einen starken Zug auf dasselbe bei seinen Bewegungen ausübt, leuchtet ein und so erklärt es sich leicht, warum bei größeren Cnidophoren eine verdickte Ectodermleiste von der Wurzel desselben bis gegen die Tentakelkrone hinzieht (Fig. 1 L) . Die Ursprungsstelle der Cnidophoren ist immer die gleiche; sie entspringen stets von einem ringförmigen, meist kaum bemerklich vorspringenden Ectodermwall (Fig. 2 NW) , der wie ein Keif um den untersten Theil des tassenförmigen Köpfchens herumläuft. Gegen den Stiel hin wird dieser Wall durch eine tiefe, das ganze Ectoderm durch- setzende Ringfurche [RF] begrenzt, auf welche nach unten zu ein eigenthUmlicher Zellenring folgt [DB) . Ich will letzteren als Drüsen- ring bezeichnen, den Wall darüber aber als Nessel wall, da erder einzige Theil des Polypenköpfchens ist, der Nesselkapseln in größerer Zahl enthalten kann, von den Tentakeln natürlich abgesehen. Der Drüsenring findet sich auch bei Eudendrium capillare. Er besteht aus einer einzigen Reihe von Zellen, die sich von den Ectoderm - Zellen der Umgebung wesentlich unterscheiden. Während der Inhalt der letzteren der Hauptsache nach flüssig ist und nur von einem spar- samen Netzwerk von Frotoplasmafäden durchzogen wird, findet sich hier ein compacter, durch und durch protoplasmatischer Zellkörper, der sich stark mit Carmin färbt. Desshalb tritt auch bei nicht zu stark ge- färbten Präparaten die Zellenreihe des Drüsenrings sehr deutlich hervor. Die einzelnen Zellen desselben erscheinen en face als längliche Vierecke (Fig. 7 DR)^ im Profil aber annähernd dreieckig mit der Basis auf der Stützlamelle fußend, mit der Spitze nach außen gerichtet (Fig. 6 A und B) . Es ist bemerkenswerth, dass an dieser Stelle das Ectoderm stets einschichtig ist, dass also die Drüsenzelle die Oberfläche erreicht. Dies kommt daher, dass diese Zellen in der tiefen Ringfurche des Ecto- derms liegen, oberhalb deren sich dann der Nesselwall erhebt. Es hat zwar manchmal den Anschein, als ob die Drüsenzellen in der Tiefe eines geschichteten Ectoderms lägen (Fig. 6 B)^ dies ist indessen Täuschung und beruht auf einer Übereinanderschiebung der Ränder der Furche. S A. Weismann Zur Rechtfertigung des Ausdrucks »Drüsenzellen« weise ich zu- nächst auf Eigenschaften und Lage derselben hin, auf den protoplasma- reichen Zellenleib, die Communication mit der Oberfläche, die Lage in der Kingfurche, welche geeignet erscheint, ein schleimiges Secret auf- zunehmen. Auch die Analogie mit höheren Coelenteraten darf wohl gel- tend gemacht werden. Bei den Actinien, deren Schleimsecretion keiner besonderen Demonstration bedarf, haben Heider ^ und später Hert- wiG^ und JouRDAN* dicQuellc derselben in zahlreichen Drüsenzellen des Ectoderms nachgewiesen. Es sind mir übrigens bei Eudendrium sehr häufig Hydranthen vorgekommen, um deren Hals ein Kranz von aller- hand Schmutztheilchen lag, zusammengehalten durch einen unsichtbaren Klebstoff (Fig. 1 SK) und es liegt nahe, den letzteren von den Drüsen- zellen abzuleiten ; diese Deutung wird um so wahrscheinlicher, da der Schmutz sich meistens nur an dieser Stelle in Form einer Halskrause des Polypen sammelt. In Bezug auf die Cnidophoren ist dieser Drüsenring von keiner Bedeutung, wohl aber der vor ihm gelegene »Nessel wall«, denn von ihm aus wächst das Cnidophor hervor. Der Gehalt dieses Walls an Nesselkapseln ist übrigens bei Eudendrium racemosum sehr verschieden. Es giebt Individuen, bei welchen nur vereinzelte Nesselkapseln hier vorkommen, während bei anderen Hunderte von ihnen den Ringwall erfüllen (Fig. 6 A und B) . Nur bei letzteren finden sich Cnidophoren, aber bei Weitem nicht bei allen. Bei Eudendrium capillare (Fig. 7) fehlen die Nesselzellen im Ring- wall so gut wie gänzlich. Es kommt wohl hier und da eine vor, aber kaum häufiger, als auch an anderen Stellen des Hydranthenköpfchens (die Tentakel ausgenommen) . Was die Ontogenese der Cnidophoren angeht, so kann über die Natur des morphologischen Vorgangs, dem sie ihre Entstehung ver- danken, kein Zweifel sein : es sind Ausstülpungen der Leibes- wand. Wiederholt kamen mir die jüngsten Stadien dieses Processes vor in Gestalt stumpfer, breiter, solider Höcker des Nesselwalls, ge- bildet durch Wucherung des Ectoderms. Das nächste Stadium enthält dann schon einen kurzen Entodermblindsack (Fig. 3 Cnph 2] , sieht wie * »Sagartia troglodytes, ein Beitrag zur Anatomie der Actinien«, Wiener Sitzungsberichte Bd. 75 (1877) und »Cerianthus membranaceus Haime«, eben daselbst Bd. 79 (1879). 2) Oscar und Richard Hertwig, »Die Actinien«, Jena 1879. 3 »Zoanthaires du Golfe de Marseille«, Ann. scienc. nat. 6 sér. Tom. 10, p. 1; 1880. über eigeuthümliche Organe bei Eudendrium racemosum Cav. 9 die Kuppe eines Fingers aus und von diesem Stadium bis zu den mit bloßem Auge bequem erkennbaren Cnidophoren von 2,3 mm Länge, wie sie die Figuren 1 — 3 zeigen, fanden sich alle Zwischen- stufen. Dabei ist zunächst bemerkenswerth , dass man niemals eine Hydrauthenknospe findet, welche schon Spuren eines Cnidophors trüge; dieselben entstehen also erst an ausgebildeten Hy- drant hen. Dies spricht für einen relativ jungen phyletischen Ur- sprung dieser Organe, der auch von anderer Seite her bestätigt wird. Weiter scheint es mir in phyletischer Hinsicht interessant, dass schon ganz kurze, also junge Cnidophoren dieselbe Dicke besitzen, wie die längsten, so wie dass sie schon mit einer sehr ansehnlichen Zahl von Nesselkapseln bewaffnet sind. Das Organ ist offenbar von Anfang an gewesen, was es jetzt ist: eine Waffe. Wenn es aber auch leicht gelingt, diese physiologische Bedeutung des Organs imAllgemeinenzu erkennen, so ist es doch sehr schwer, seine specielle biologische Bedeutung — oder was dasselbe ist — die biologische Nothwendigkeit seines Entstehens sich klar zu machen. Der Umstand, dass die Cnidophoren nicht allen, sondern nur einzelnen Hydranthen des Stockes zukommen, leitet zu der Vermuthung, es müsse sich hier um die Vertheidigung bestimmter Partien des Stockes handeln, etwa der Gonophoreu, die ja selbst ganz unbewehrt sind. Allein dem widersprechen die Thatsachen : an den Stöckchen wenigstens, welche ich untersucht habe, war keine bestimmte Zone am Stock zu er- kennen, die besonders reich an Cnidophorenträgern gewesen wäre, auch standen dieselben durchaus nicht immer in der Nähe der Blastostyle; wohl fand ich wiederholt mehrere Cnidophoren tragende Hydranthen beisammen auf demselben Zweig, allein dies war meist ein solcher, der kein Blastostyl trug. Kämen die Cnidophoren an allen Hydranthen vor, so würde man sie einfach als eine Waffe zum Schutz des betreffenden Hydranthen be- trachten können, so aber wird man sie als eine Coloniewaffe ansehen müssen, die zur Vertheidigung des ganzen Stockes bestimmt ist, wenn sie auch nur von einzelnen Hydranthen geführt wird. Jedenfalls hat sich dieselbe aus einer rein individuellen Waffe entwickelt, denn der Nesselwall kann direct nur seinen Träger beschützen. Die Ver- muthung liegt nahe, dass die Cnidophoren gegen einen ganz bestimmten Feind gerichtet sind, eine Vermuthung, über die nur durch Beob- achtung lebender Colonien an ihrem natürlichen Wohnort entschieden werden kann. j^Q A. Weismann Interessant scheinen mir die Cnidophoren aber noch in mehrfacher Beziehung. Einmal dadurch, dass sie bei den übrigen Euden- driumartennichtvor kommen. Bestimmt kann ich dies freilich nur für die wenigen von mir selbst untersuchten Arten angeben, d. h. für Eudendrium capillare und ein aus Neapel stammendes, noch gono- phorenloses Stöckchen, das ich für Eudendrium rameum Pallas zu halten geneigt bin. Allein es lässt sich kaum annehmen, dass Cnido- phoren bei den übrigen Arten vorkommen, weil dieselben zu auffallend sind, um übersehen zu werden. Falls sich herausstellt, dass sie that- sächlich den übrigen Eudeudriumarten fehlen, so bestätigt sich dadurch ihre durch die Ontogenese schon angedeutete phyletische Jugend. Ferner muss ihre einseitige, gänzlich asymmetrische Stellung an dem im Übrigen doch radiär gebauten Hydranthen über- raschen. Man glaubt beim ersten Anblick derselben etwas dem Stock Fremdes, etwa einen parasitischen Wurm, vor sich zu haben und muss sich erst durch das Mikroskop überzeugen, dass der seltsame Anhang wirklich zum Polypen gehört. Der Grund, warum das Organ nicht in mehrfacher Zahl und radiärer Stellung am Hydranthen hervorsprosst, ist indessen leicht zu errathen, er liegt offenbar in der colossalen Größe desselben, die für mehrere solche Organe nicht erreichbar gewesen wäre, derselbe Grund, der auch bei anderen Hydroiden Asymmetrie her- vorgerufen hat, der z.B. bei Hybocodon und bei Steenstrupia, der Me- duse von Corymorpha nutans drei der vier Randtentakel unterdrückt und nur einen einzigen zu desto mächtigerer Entwicklung angetrieben hat. Bei diesen beiden Medusen sind die anderen Tentakel in früheren phyletischen Stadien ohne Zweifel vorhanden gewesen, wie denn auch bei Steenstrupia stark vorspringende Wülste an der Einmündungssteile der Radiärcanäle in den Ringcanal die drei geschwundenen Ten- takel andeuten. Für die Cnidophoren wird man dies nicht annehmen dürfen, obgleich sich eine Tendenz zur Wiederholung des Organs zuweilen erkennen lässt, denn ich fand einige Male Hydranthen mit zwei kurzen, zapfenförmigen Vorsprüngen des Nesselwalls, oder auch mit einem großen und einem ganz kleinen Cnidophor (Fig. 3 Cnph 1 und 2) . Wie mir scheint, betrachtet man übrigens richtiger die Cnidophoren als besondere Individuen des Stockes, denn als bloße Organe des Hy- dranthen. Morphologisch steht dem jedenfalls so wenig etwas entgegen als bei den Fangfäden oder den Tastern der Siphonophoren. Ihre asymmetrische Stellung wird aber bei dieser Auffassung noch leichter erklärlich, als durch die eben gemachte Vorstellung einer virtuellen über eigenthümliche Organe bei Eudendrium racemosum Gay. H Unterdrückung der correspondireuden Theile. Auch der Ursprung vom Hydrauthenköpfchen kann nicht dagegen geltend gemacht werden, da ja auch Gonophoren bei vielen Hydroiden am Köpfchen des Hydranthen hervorknospen. Allerdings aber unterscheiden sich die Cnidophoren durch diesen eigenthümlichen Ursprung von allen ähnlichen Bildungen, welche bei Hydroidpolypen bekannt sind. Besondere Waffenträger des Stockes kommen bekanntlich nur bei wenigen Familien vor , nämlich bei den Hydractiniden , Plumulariden , Milleporiden und Stylasteriden. Für erstere hat Grobben ^ an Podocoryne gezeigt, dass die schon durch Strethill Wright2 bekannten «Spiralzooide« in diesem Sinne gedeutet werden müssen; sie sind der Form nach den Cnido- phoren sehr ähnlich, tragen auch an dem kolbigen Endstück eine Nesselbatterie, entspringen aber vom Wurzelgeflecht des Stöckchens, also vom Coenosarc; die Berechtigung, sie als besondere Individuen aufzufassen, kann nicht bezweifelt werden. Eben so wenig bei den »mouthless zooids« von Millepora und den »Dactylozooids« der Stylaste- riden, welche nach Moseley's Entdeckung 3 in größerer Anzahl einen mit Mund verseheneu Polypen umgeben , bewaffnet mit vielen Nessel- organen. Anders bei den »Nematophoren« der Plumulariden, die be- kanntlich von Allman ^ als Nesselkapsel führende Sarkodemasse be- trachtet wurde, eine Auffassung, deren Richtigkeit schon von F. E. Schulze bezweifelt wurde. Offenbar hätte sich der vortreffliche Beobachter durch den Anschein am lebenden Thier nicht täuschen lassen, wenn ihm damals schon die heutigen histologischen Methoden zu Gebote gestanden hätten. An gefärbten Präparaten überzeugt man sich leicht, dass die Hauptmasse der Nematophoren aus deutlich ge- sonderten Ectodermzellen besteht. Man kann aber auch an manchen. Nematophoren mit aller Sicherheit feststellen, dass ein Entode rm- fortsatz in sie hineintritt und in der Achse bis gegen die Spitze hinzieht. Dieser Fortsatz erscheint zwar nur wie ein feiner Faden, aber er enthält mehrere Kerne und ist von der Stützlamelle umgeben. Die Nematophoren bestehen somit aus beiden Leibesschichten und können als Individuen aufgefasst werden, deren Leibeshöhle geschwun- ^ Über Podocoryne carnea, Wien. Sitzungsberichte Bd. 72 (1875). 2 Edinb. New Phil. Journal Vol. V, 1857. 3 »On the structureof a speciesof Millepora«, Phil. Trans. R. S. Vol. 177 (1876) und: »On the structure of the Stylasteridae« ebendas. Vol. 169 (1878). 4 Tubularian Hydroids p. 115. 12 A. Weismana den ist. Durch den Mangel einer Leibeshöble und das schwach ent- wickelte Entoderm unterscheiden sie sich wesentlich von den Cnido- phoren, wie ferner auch dadurch, dass sie niemals an Hydranthen- köpfchen, sondern stets am Coeuosarcrohr entspringen. Drei Arten dieser Waffenträger sind jedenfalls unabhängig von einander entstanden, denn sie kommen nur bei kleinen Formengruppen vor, die nicht direct mit einander zusammenhängen: die Spiral - zooide sind auf die Familie der Hydractinidae beschränkt, bei deren beiden Hauptgattungen Hydractinia und Podocoryne sie nachgewiesen sind, die Ne matop hören finden sich nur bei den Plumulariden und zwar bei sämmtlichen Gattungen und Arten dieser Familie, die C nid o- phoren schließlich scheinen auf die einzige Art von Eudendrium be- schränkt zu sein, falls nicht spätere Untersuchungen sie doch noch bei anderen Arten nachweisen. Außer den soeben besprochenen Individuenformen kenne ich bei Hydroidpolypen nur noch eine Bildung, bei welcher man eine ähn- liche Bedeutung vermuthen könnte; es sind dies die eigenthümlichen Ranken, welche Hincks ^ zuerst bei Campanularia angulata be- schrieben und abgebildet hat, und welche kürzlich von Fraipont^ in eingehender Weise auf ihren feineren Bau untersucht wurden. Die Stämmchen dieser Art laufen nämlich häufig in einen langen, rankenartigen Fortsatz aus, der an seinem Ursprung stark geringelt ist und in dem kolbigen Ende eine Menge eigenthümlicher, stark licht- brechender Körperchen in dem verdickten Ektoderm enthält. Fraipont schildert genau diese Körperchen, ohne sich aber über ihre Natur be- stimmt auszusprechen : »ou prendrait tout d'abord ces corps pour des noyaux de forme irrégulière ; — ils sont ovoides, sphériques, en forme de larmes ou tout à fait irréguliers; ils sont délimités par une membrane fort réfringente ; ils contiennent à leur intérieur, des granulations dont les contours sont aussi fort réfringents. Le carmin les colore comme des noyaux de cellules.« (p. 242) . Gerade die letzte Bemerkung konnte vermuthen lassen, es möchten hier Nesselzellen in unreifem Zustand vorliegen, denn wenn auch die reifen Kapseln sich wenig oder gar nicht mit Carmin färben lassen, so nehmen doch die jugendlichen Ge- bilde sehr leicht Farbstoff auf. Ich unterzog desshalb diese Ranken 1 Thomas Hincks, A history of the British Hydroid Zoophytes, London 1868 p. 170 und PI. XXXIV, Fig. 1. - Julien Fraipont, Kecherches sur l'organisation histologique et le déve- loppement de la Campanularia angulata. Arch. zool. expér. et generale, Tom. VIII, 1879 und 1880. über eigenthümliche Organe bei Eudendrium racemosum Cav. 1 3 einer Untersuchung, fand aber, dass die fraglichen Gebilde keine Nesselkapseln sind ; ich halte sie für Kerne, die allerdings öfters eine ungewöhnliche Gestalt besitzen ; sie gehören kleinen, hellen Zellkörpern an. welche dicht gedrängt das Ectoderm erfüllen. Über ihre Bedeutung, wie über die des ganzen Organs, wage ich keine Vermuthung zu äußern, das aber kann ich bestimmt angeben, dass diese »organes appendicu- laires« (Fraipont) oder »tendril-like claspers« (Hincks) keine Cnido- phorensind; nicht allein fehlen die Nesselorgane, sondern die Ranke ist auch überall von einem ziemlich dicken Perisarc umhüllt, welches eine Wirkung von Nesselorganen nach außen hin durchaus unmöglich machen würde. Erklärung der Abbildungen. Tafel I. Alle Figuren beziehen sich anf Eudendrium racemosum, mit einziger Ausnahme von Fig. 7 ; alle sind nach Präparaten gezeichnet. Fig. 1. EinHydranth mit gewissermaßen geschwungenem Cnidophor (Cw^jä), an dessen etwas geschwelltem Ende die Nesselbatterie {N£) in Gestalt kleiner, gruppenweise beisammen stehender Pünktchen zu erkennen ist. H Rüssel; L Längsleiste des Ectoderms, verursacht vermuthlich durch den Zug des Cnidophors ; A^JF Nesselwulst, ì2jP Ringfurche, Ä-K" Kranz von Schmutztheilchen , den Hals des Hydranthen umgebend. Ver- größerung 30. Fig. 2. Ein Cnidophoren tragender Hydranth im optischen Querschnitt gezeichnet, nur der Nesselwixlst [NìF] mit Ringfurche und Drüsenring (Dr) sind in Oberflächenausicht eingezeichnet. K Köpfchen des Hydranthen, Cnph Cnidophor, in dessen Ectoderm die Nesselkapseln als dunkle Punkte und Striche angegeben sind, eben so die Nesselzellen des Nesselwulstes (NW). Im Entoderm des Cnidophors liegen dunkle Körnerballen. T Ten- takel, R Rüssel, Stl Stiel des Hydranthen. Vergröß. 30. Fig. 3. Ein Hydranth, welcher neben einem voll entwickelten Cnidophor lC7ì2}h 1) noch ein rudimentäres zweites [Cnph 2] trägt; die Nesselzellen sind hier auf das schwach kolbig verdickte Ende des Cnidophors con- centrirt. Vergröß. 30. Fig. 4. Die Spitze eines Cnidophors im optischen Längsschnitt ; die Nesselorgane sind auch hier zu einer förmlichen Nesselbatterie (A^^) concentrirt, die ziemlich scharf sich von dem proximalen Theil des Cnidophors absetzt; die Kerne sind nur im Entoderm angegeben, hier auch auf der linken Seite die den Kern umgebenden Nahruugsballen ; LH Leibeshöhle, st Stützlamelle. Vergröß. 170. 14 A. Weismann, Über eigenthümliche Organe bei Eudendrium r-ac. Cav. Fig. 5. Ein Stückchen der Nesselbatterie desselben Cnidophors im optischen Längsschnitt. Gr Grenzsaum des Ectoderm ; die Nesselkapseln der obersten Reihe stehen senkrecht zur Oberfläche , die tieferen sind zum Theil ib Querschnitt (Q) oder Schrägschnitt zu sehen; X Kern einer Nesselzelle. Vergröß. 540. Fig. 6 A. Basis eines Hydranthenköpfchens im optischen Querschnitt ; en^ Ento- derm, eA;i Ectoderm, st Stützlamelle, iVJF Nesselwulst, der bei diesem Individuum sehr arm an Nesselkapseln ist (nur zwei sichtbar), RF Ring- furche, Brz eine der Drüsenzellen, welche den Drüsenring bilden. Fig. 6 B. Dieselben Theile eines andern Hydranthen, dessen Nesselwulst reich an Nesselkapseln ist ; die Ringfurche scheint hier zu fehlen, ist aber nur künstlich zusammengeschoben und verhält sich in Wahrheit eben so wie inA; s;; Perisarc des Hydranthenhalses ; si Stützlamelle. Vergrößerung bei A und B = 368. Fig. 7. Ein Hydrauth von Eudendrium capillare Alder, mit Ringwall [RW] , hier gänzlich ohne Nesselkapseln, Ringfurche [RF] und Drüsen ring [DR] ; diese Theile sind in Oberflächenansicht gezeichnet, man sieht die Polygone der Ektodermzellen. Vergröß. 176. Fig. 8. Die Muskelschichten eines Cnidophors, durch Maceration und Zerzupfen sammt der Stützlamelle, st, isolirt ; i3/ Längsmuskelfaser, der Außen- fläche der Stützlamelle aufliegend und etwas von ihr abgehoben ; RM Ringmuskelfasern, der Stützlamelle innen aufliegend und in Verbindung mit kleinen Kernen und Zellkörpern der tiefen Eutodermlage ; an einigen Stellen, z. B. bei a, ist feine Querstreifung sichtbar. Vergröß. 780. Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. Von Dr. J. W. Spengel, Director der naturwissenschaftlichen Samminngen in Bremen. Mit Tafel II— IV. Echte Parasiten gehören unter den polychaeten Anneliden bis jetzt zu den größten Seltenheiten, ja ich glaube nicht zu irren, dass bisher die in Ctenophoren schmarotzenden Jugendstadien der AIciopiden die einzige Ausnahme von der Regel bildeten , dass alle Polychaeten frei leben, wenn wir zunächst absehen von den noch in vielfacher Beziehung dunklen Beobachtungen von H. Koch über die angebliche Viviparität einer 3Iarphy sa, welche Ehlers auf einen Fall von Parasitismus zurück- zuführen versucht. Ein Zufall hat mich in die Lage gebracht , eine zweite Ausnahme von dieser Regel constatiren zu können , und zwar weicht der von mir beobachtete Fall in so fern von dem bisher bekann- ten der Alciopidenlarven ab, als der Schmarotzer augenscheinlich nicht eine Jugendform, sondern ein ausgebildetes, wenn auch allerdings nicht in der Geschlechtsreife getroffenes Thier ist, das zugleich für die Wissen- schaft neu ist. Als ich im vergangenen Frühjahre in der Zoologischen Station zu Neapel die demnächst eingehend zu beschreibenden kleinen Bonellien, welche in den Lücken der Kalkalgen verschiedener Secchen des Golfs nicht selten sind, untersuchte und zu dem Zwecke die Leibes- höhle derselben öffnete, drang gleichzeitig mit dem Darme ein orange- farbener Strang hervor, der durch seine eigenen Bewegungen und durch sein geringeltes Aussehen sofort meine Aufmerksamkeit erregte. Ich erkannte in ihm ein polychaetes Annelid und konnte mich bald mit Hilfe von Herrn Dr. Eisig, der mir in freundlichster Weise seinen Rath zu 1(3 J. W. Spengel Theil werden ließ und mir eine Anzahl seiner Präparate zur Verglei- eliung überließ, davon überzeugen, dass der Wurm zur Familie der Lum- hriconereiden im Sinne Grube's gehörte. Im Laufe meines Aufenthaltes habe ich noch eine nicht unerhebliche Anzahl (8 — 10) von diesen Para- siten erhalten, da von den Bonellien von der Secca della Gajola jede zweite oder dritte mit wenigstens einem, einige Mal sogar zweien der- selben behaftet war. Leider war ich genöthigt, die Untersuchung fast ausschließlich an conservirteu Exemplaren vorzunehmen , da ich einer- seits in erster Linie meine Hauptaufgabe, die Untersuchung der Bonellia, namentlich des Männchens, im Auge zu behalten hatte, andererseits aber schon bei den ersten Versuchen zu meinem Schaden bemerkte, dass der Parasit gegen Seewasser sehr empfindlich ist. So kann ich jetzt, nachdem ich die Untersuchung an dem conservirten Material in Göttingen beendigt habe , über einige Punkte , welche der Prüfung am frischen Objecte bedurft hätten, keine bestimmte Auskunft geben. Das Thier gehört in die Gruppe der prionognathen Euniceen von Ehlers , unterscheidet sich aber von allen bisher beschriebenen Gat- tungen in mehrfachen Beziehungen und muss daher zu einer neuen Gattung erhoben werden, der man vielleicht sogar den Werth einer besonderen Unterfamilie zuerkennen wird. Ich schlage für unseren Schmarotzer wegen der unten näher zu schildernden beschränkten Zahl der Kieferstücke den Namen Oligognathus vor und bezeichne die vorliegende Art als Oligognathus Bonelliae. Die größten Exemplare , welche ich gefunden habe , hatten eine Länge von reichlich 10 cm bei einer Dicke von etwa 1 mm in der Mitte, die nach dem Hinterende zu bis auf kaum 74 inm abnahm . Ich zählte über 200 Segmente und hinten einen Abschnitt mit einer mehr oder min- der großen Anzahl noch unvollkommener Segmente. Der wie bei den meisten Lumbriconereiden aller Anhänge entbehrende eiförmige Kopf- lappen ist an der Rückenseite nach hinten nicht scharf abgegrenzt. Hinter ihm liegen zwei wahrscheinlich vorstülpbare »Nackenwülste« und auf dem unmittelbar vor diesen gelegenen Gehirntheile, aber noch bedeckt von der Decke der Nackenwulsttaschen, stehen 4 Augenflecke, nämlich 2 vordere und zwei einander etwas näher liegende hintere. Das Mundsegment und das erste Kumpfsegment entbehren der Para- podien ; jedes der folgenden besitzt zwei kurze Parapodien mitBorsten. Jedes Parapodium enthält eine oder zwei gerade, nadeiförmige, die Cuticula nicht durchbrechende Stützborsten (Fig. 16), ferner eine im vorderen Theil des Bündels gelegene dicke pfriemförmige Borste (Fig. 17) und eine Anzahl (5—6) geschweifter einfacher Borsten (Fig. 15), Oligoguathus Bonelliae, eine schmarotzende Eimieee. 17 deren Endabselinitt eine feine Stnchelung erkennen lässt und mit einer sehr weichen, biegsamen Spitze versehen ist. Nur die letztgenannten Borsten treten zwischen den zwei Lippen hervor, von denen die vordere sehr liurz, die hintere etwas länger ist (Fig. 5) . Ein Rückencirrus fehlt, doch findet sich das für die Euniceen charakteristische kleine, hier nur aus einer einzigen Borste gebildete Bündel nicht perforirender Borsten an der dorsalen Grenze der Basis des Paropodiums (Fig. Icd). Die Mundöffnuug ist glatt. Es ist ein Schlundsack mit rudimentärem Kiefer- apparat vorhanden. Dieser besteht aus einem kleinen Unterkiefer mit zwei hinteren Schenkeln und einem Oberkiefer, der aus dem charak- teristischen langen Träger der Priouognathen und, wie es scheint, nur 3 kleinen Zähnen zusammengesetzt ist. Die neue Gattung ist be- gründet auf diese bisher bei Priouognathen nicht bekannte Einfachheit des Kieferapparates. Ich schreite nach dieser kurzen Beschreibung der für die Syste- matik wichtigsten Theile dazu, den Bau der einzelnen Organe zu schil- dern , so weit ich denselben an dem bescheidenen Materiale habe er- kennen können. Da genauere, die Structur der Organe berücksich- tigende Untersuchungen über andere Lumbriconereiden nicht vorlagen, so war ich genöthigt , mir selbst diese Lücke in einigen Punkten aus- zufüllen, und ich werde daher im Folgenden auch einige Beobachtungen über den Bau von Arabella quachistriata^ Halla pariiienopeia^ Lumhri- conereis sp. und einigen anderen Euniceen mitzutheilen haben. Ich bemerke aber, dass das Folgende keinerlei Anspruch auf abschließende Vollständigkeit macht, im Gegentheil meistens als das Resultat bei- läufiger Studien betrachtet und beurtheilt zu werden beansprucht. Die histologische Structur habe ich nur für wenige Orgaue etwas berück- sichtigen können. Der Hautmuskelschlauch. Der Oligognathus besitzt im Gegensatz zu den meisten übrigen Lumbriconereiden, welche eine aus mehreren gekreuzten Faserschichten zusammengesetzte dicke irisirende Cuticula tragen, eine äußerst zarte Cuticula, in welcher ich keine Structur habe erkennen können. Es steht damit offenbar die große Empfindlichkeit des Thieres gegen dün- nere Medien in Zusammenhang, welche oben erwähnt wurde. Unter der Cuticula liegt eine complicirt gebaute Epidermis, die an den meisten Stellen reich an Drüsenzellen ist ; man beobachtet eine Abnahme dieser letzteren gegen die Segmeutgrenzen hin und in den Intersegmental- furchen scheinen dieselben völlig zu fehlen. Die Drüsenzellen erscheinen Mittheiluiigen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. Hl. 2 jg ' J. W. Spengel im Leben als helle Flecke ; nach der Conserviriing findet man sie bald mit einem dunklen , körnigen Inhalt erfüllt , der sich in den gewöhn- lichen Tiuctionsmitteln stärker färbt, wie es ja meistens mit dem Inhalt von Schleimdrüsenzellen der Fall ist , bald erscheinen sie wie große helle Vacuolen. Zwischen den Drüsenzellen liegen spindel- bis faden- förmige Zellen mit langgestrecktem Kerne. Eine besondere Entwicklung erreichen die Hautdrüsen an vier Stellen jedes Segmentes, wenigstens in der vorderen Hälfte des Körpers. Diese Stellen liegen in den ventralen Hälften der Seitenwand , je zwei nahe der vorderen und der hinteren Segmentgrenze. Man übersieht diese Anordnung am deutlichsten auf horizontalen Längsschnitten, wie deren einer in Fig. 10 dargestellt ist. Sowohl vor wie hinter dem Farapodium verdickt sich die anscheinend ausschließlich aus großen, mit einem hellen Inhalte angefüllten Drüsen- zellen bestehende Epidermis zn einem hohen, weit in die Segmenthöhle vorspringenden Polster [dr] . Der Muskelschlauch der Leibeswand ist aus einer ungemein schmächtigen Ringfaserschicht und aus starken Längsmuskeln zu- sammengesetzt. Die erstere ist so dünn, dass sie der Beobachtung leicht entgeht; am besten sieht man sie an den auslaufenden Rändern dünner Flächenschnitte. Es scheint danach nur eine einzige Lage sehr zarter Fa- sern vorhanden zu sein. Die Längsmuskeln sind wie bei anderen Lum- hriconereiden angeordnet, nämlich in zwei ventralen und zwei dorsalen Bündeln, die durch zwei Seiten- und zwei Medianlinien getrennt sind. Die letzteren haben die ganze Breite der Basis der Parapodien ; von den ersteren ist die dorsale Linie sehr schmal, die ventrale, über welcher das Bauchmark liegt, etwas breiter. Hier entspringen jederseits einige Muskelfasern , die neben dem Bauchmarke vorbei in die Leibeshöhle treten und sich an das innere Ende des Borstenbündels ansetzen. Das System der horizontalen Muskeln endlich ist nur schwach entwickelt. Schmale Stränge von solchen entspringen aus dem Neurilemm an der dorsalen Seite des Bauchmarks und begeben sich von dort an die Leibes- wand in der in Fig. 8 halbschematisch dargestellten Weise. In jedem Segment sind 4 Bündel vorhanden ; von diesen verbinden das vorderste und das hinterste das Neurilemm mit einem nahe der Segmentgrenze ge- legenen Punkte der Haut ; die zwei mittleren Bündel dagegen conver- giren gegen die Parapodien hin und setzen sich zum Theil vorn und hinten an die Basis derselben an, zum Theil dringen sie bis an das Ende der Parapodialhöhle vor, um sich hier neben den Aciculen anzuheften. Zur Bildung geschlossener »planchers musculaires« kommt es also nicht. Wahre Quermuskeln, die von einem Parapodium zum gegenüberliegen- Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 19 den ziehen, wie ich sie bei Hyalinoecia tubicola beobachtet habe, sind bei OUgognatlms und den nächstverwandten Formen nicht vorhanden. Gegen die Segmenthöhle hin sind die Längsmuskeln von einem niedrigen Peritonealepithel überzogen , das sich auf die Borstenbiindel und alle übrigen Organe der Leibeshöhle fortsetzt. Die Dissepimente scheinen vollkommen geschlossene Membranen zu sein, welche nur vom Darmcanal und den Segmentalorganen durchbohrt sind. Sie bestehen aus einer dünnen Membran, welche auf beiden Seiten vom Peritoneal- epithel überkleidet ist. Muskelfäden konnte ich nicht darin bemerken. Der Frage nach dem histologischen Werthe der Muskeln bin ich nicht nahe getreten. Der einzige Punkt, auf den ich geachtet habe, ist die Ausdehnung der Längsmuskeln. Bekanntlich hatte sich vor Jahren ein Streit zwischen Quatrefages und Claparède über diesen Punkt entsponnen, indem Ersterer eine Unterbrechung wenigstens eines Theiles der Muskelfasern auf der Segmentgrenze behauptet hatte, welche Letz- terer in Abrede stelltet Nach meinen Präparaten ist es mir wohl ver- ständlich , wie Quatrefages zu seiner Ansicht kommen konnte. An manchen derselben erscheint die Continuität der Fasern wie durch eine Scheidewand unterbrochen, von deren beiden Flächen Fasern von der Länge eines Segments entspringen. An anderen Präparaten aber über- zeugt man sich mit einer über jedem Zweifel erhabenen Deutlichkeit von dem entgegengesetzten Verhalten, indem sämmtliche Fasern durch mehrere Segmente hindurch ohne Unterbrechung hindurchziehen. Dass das letztere Verhalten das natürliche, das erstere nur ein Kunstproduct ist, dürfte aber kaum bestritten werden können. Bei der von Quatre- fages untersuchten Marpkysa sanguinea fand ich die Continuität der Fasern so deutlich wie nur möglich. Im Anschluss an die Haut und Muskulatur bleibt noch Einiges über die Borsten und deren Bewegungsapparat zu sagen. Es ist mir gelungen, den zuerst von mir bei Echiuriden'^ beobachteten Bildungsmodus der 1 A. DE Quatrefages, Histoire des Anneies, t. I. p. 29. E. Claparède, Les Annelides Chétopodes du Golfe de Naples, Mém. Soc. Phys. Hist. Nat. Genève t. XIX. p. 327. Quatrefages, Note sur la disposition des couches musculaires des Annelides. (Ann. Sc. Nat. Zool. sér. 5. t. XI. p. 309.) '^ J. W. Spengel, Beiträge zur Kenntnis der Gephyreen. II. Die Organisation des Echiurus Pallasii. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. XXXIV, p. 479. Zu der dort gegebenen Übersicht der älteren Beobachtungen über Borstenbildung bei Oligo- chaeten ist hinzuzufügen , dass R. Horst (Aanteekeningen op de anatomie van Lumbricus terrestris L. in : Tijdschr. Nederl. Dierk. Ver. Bd. III. p. 14) sowohl die eine große Basalzelle als auch die zarte Streifung des anliegenden Borsten- theiles beschreibt und abbildet. 20 J- W. Spengel Ersatzborsten auch bei Oligognatlms und anderen Polychaeten nachzu- weisen. Wie bei jenen Gephyreen wird der Grund des Borstensackes von einer einzigen großen, durch einen großen Kern mit stark lichtbrechen- dem Kernkörperchen ausgezeichneten Zelle eingenommen. Bei den pfriemförmigen Borsten (Fig. 17) erhält sich diese Bildungszelle [h] oft- mals auch dann noch, wenn die Borste bereits ihre definitive Größe er- langt hat. Bei den übrigen Borsten findet man sie deutlich nur an jüngeren Ersatzborsten, während sie bei fertigen Borsten völlig resorbirt zu sein scheint. So lange die Borsten wachsen, bemerkt man an ihrem wachsenden, also der Bildungszelle zugewandten Ende eine gröbere Längsstreifung , wie sie auch bei den Echiuridenborsten angetroifen wurde. Sehr schön sieht man diese Verhältnisse, wie die große Bil- dungszelle, an den Ersatzborsten von Halla (Fig. \ 8) , besonders aber an solchen von Sternaspis tJialassemoides Otto. Die Borstenmusculatur ist aus mehreren, nach ihren Angriffs- punkten unterscheidbaren Gruppen zusammengesetzt. Nur die Be- wegung der Aciculen ist eine directe ; diese überträgt sich auf die mit ihr verbundenen freien Borsten. Die sich an die Spitze der Aciculen ansetzenden Muskeln entspringen an der ventralen Seite von der Um- gebung der Basis des Parapodiums (siehe Fig. 7 und 9) , an der vorderen und hinteren Seite zum Theil von der Segmentgrenze, zum Theil aber von der Basis des benachbarten Parapodiums (siehe Fig. 8) . Ihnen ge- sellen sich die oben erwähnten Muskeln zu, welche an der ventralen Medianlinie der Haut entspringen. Von der dorsalen Seite her aber scheinen keine Muskeln direct an die Stützborsten zu treten, sondern die ziemlich zahlreichen von dorther entspringenden Muskeln treten sämmtlich au die den Rückencirrus repräsentirende Borste (Fig. 7, ac), welche ihrerseits durch starke Muskeln mit den Aciculen verbunden ist. Da die letzteren nicht perforiren, so hat die Anspannung dieser Muskel- gruppen gleichzeitig eine Vorschiebung der Spitze des Parapodiums zur Folge, und diesem Vorgange wirken die gleichfalls bereits erwähnten horizontalen Muskelstränge entgegen, welche sich vom Neurilemm des Bauchraarks zur Spitze der Aciculen begeben (Fig. 8, 16;. Die Beschränkung der Zahl der Borsten des rudimentären Rücken- cirrus auf eine einzige ist übrigens keine Eigenthümlichkeit des Oligo- gnathus^ denn auch bei Lunilriconereis und selbst bei der mit einem papillenförmigen hohlen Cirrus ausgestatteten Arahella finde ich nicht mehr ; dagegen ist bei Halla und anderen Euniciden mit entwickeltem Rückencirrus ihre Zahl viel bedeutender. Der diese Borsten um- schließende Follikel besteht überall aus großen Zellen von drü- Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 21 sigem Habitus, die oftmals pigmentirt sind und in solchem Zu- stande von Ehlers irrtliümliclierweise für Segmentalorgaue angesehen sindi. Einen Ausführungsgang dieser Drüse habe ich nicht zu ent- decken vermocht. Der Darmcanal. Der Darmcanal verhält sich im weitaus größten Theile seiner Aus- dehnung sehr einfach. Hinter dem Abgange des ventralen Kiefersackes bildet er ein cylindrisches, von den Dissepimenten nur sehr wenig, oft gar nicht eingeschnürtes Rohr, das unter allmählicher Verengerung bis an den After zieht. Dasselbe ist überall von einem hohen Cylinder- epithel ausgekleidet, an dem ich in meinen Schnitten keine Flimmern erkennen kann. Ein besonderer Endabschnitt ist nicht differenzirt. Sehr complicirt verhält sich dagegen der Darmcanal im vorderen Ab- schnitte. Gleich hinter der Mundöffnung beginnen regelmäßige Falten; Anfangs sind es nur zwei , welche von den Seiten her das Lumen des Oesophagus einengen und auf dem Querschnitte etwa x - förmig er- scheinen lassen (Fig. 24 mio) . Nach hinten werden diese Falten rasch so hoch, dass sie sich ventral wärts umlegen, indem ihre ursprünglich dorsalen Flächen, die hier mit einem hohen Epithel bedeckt sind, sich der Medianebene zukehren ; der Querschnitt des Lumens ist jetzt anker- förmig geworden (Fig. 25) . Am Boden liegt hier der kleine Unter- kiefer [tik) . Die Grundlage der Falten bilden Muskeln, welche zwischen den beiden Flächen derselben ausgespannt sind. Diese Falten sind für die Lumhriconereiden (im Sinne Grube's) typisch und hier meist in einem Maße entwickelt, welches den Zustand bei Oligognathus als rudimentär erscheinen lässt. Bei Lumbriconereis (Fig. 38 — 42) beginnen dieselben als zwei die ventrale Fläche des Kopflappens seitlich begrenzende, sich weit nach vorn erstreckende Leisten (Fig. 38, 39 mtv), die noch vor derMundöflfnung(Fig.40, 41) zu den sogenannten Mundpolstern (Ehlers) anschwellen, in der Mundhöhle (Fig. 42)eaber sich zusammenlegen und ganz so verhalten, wie es oben für die Falten von Oligognathus genauer beschrieben ist. Kaum minder stark entwickelt als bei Lumhriconereis sind solche Falten bei Arabella und namentlich bei Halla. Bei letzterer Gattung sind sie der Sitz wohlausgebildeter »becherförmiger Organe«, die empfehlenswerthe Objecte zum genaueren Studium dieser so weit 1 Ehlers, Die Borstenwürmer, p. 277, 302, 341 etc., Taf. XIV. Fig. 15, Taf. XV. Fig. 9, 10 etc. cf. Claparède, Ann. Chét. Naples, Suppl. a. a. 0. t. XX. p. 396. 22 J- W. Speugel verbreiteten Form des Sinnesepithels sein dürften. Die Anordnung der- selben erhellt aus Fig. 32, was ich von ihrer Struetur erkannt habe, aus Fig. 33. Dieselben sind dadurch ausgezeichnet, dass sie von einer dicken, hellen, aber von feinen Poren durchbrochenen Cuticula bedeckt sind ; dass diese Poren zum Durchtritte von Sinneshaaren dienen wer- den, ist in hohem Grade wahrscheinlich, ließ sich indessen an den con- servirten Thieren nicht mehr nachweisen. Die Sinnesorgane selbst sind aus hellen, mit einem länglichen Kerne etwas unterhalb ihrer Mitte versehenen Cylinderzellen gebildet, die einen etwa kugligen Körper darstellen. Die Lage lässt in denselben Geschmacksorgane vermuthen. Auch bei Lumbriconereis sind ähnliche Sinnesorgane vorhanden, doch minder scharf differenzirt ; ich habe sie nicht genauer untersucht. Bei Oligognathus habe ich nichts der Art gefunden. Das constante Auf- treten dieser beiden Falten, die außerdem in einer unten näher zu schildernden Weise mit dem Schlundnervensystem in bestimmte Ver- bindung treten, veranlasst, dieselben mit einem besonderen Namen zu belegen, und als solcher scheint die Bezeichnung »Mund Wülste« geeignet. Wir kehren jetzt zur Beschreibung der Mundhöhle von Oligognathus zurück. Während die Mundwülste nach hinten allmählich immer nie- driger werden, erheben sich ventralwärts von denselben zwei andere Falten, die wir als »Kieferwülste« bezeichnen können, da auf ihrer Oberfläche die Kiefer als Cuticularbildungen zur Absonderung gelangen. Die Hauptmasse derselben aber liegt nicht mehr in der Mundhöhle, son- dern unmittelbar hinter den Mundwülsten vereinigen sich in der Mitte der Höhle die DarmwandungeU; so dass eine dorsale Höhle, der Oeso- phagus, und eine ventrale, der Kiefersack, entstehen. Während die erstere ein weites Lumen besitzt (Fig. 27 — 29 oe), ist das der letzteren durch die Kieferwülste auf zwei horizontale durch eine mediane verti- cale verbundene Spalten reducirt, wenn wir zunächst von dem in den Figuren mit nh bezeichneten Theile absehen. Entsprechend der geringen Entwicklung der Kiefer ist aber auch dieser Theil des Kiefersackes nur sehr kurz : der dorsale Theil, der auf dem Schnitte Fig. 27 durch die starke Ausbildung seines hohen Epithels die Hauptmasse des Kiefer- sackes bildete, erscheint dicht dahinter (Fig. 28) nur noch als ein un- bedeutender Anhang des von starken Epithellagen begrenzten, hohen verticalen Spaltes, in dessen dorsalem Theile das Vorderende des Kieferträgers als eine zweitheilige Chitinscheibe sichtbar ist. Die mus- culöse Grundlage der Kieferwülste , welche hauptsächlich aus Fasern gebildet ist, die von vorn und innen schräg nach hinten und außen ver- Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 23 laufen, ist hier zu mäclitigster Entwicklung gelangt. Dann verseliwindet auch der ventrale horizontale Schenkel des Lumendurchschnittes, und der ventrale Spalt zerfällt in zwei über einander gelegene Hohlräume, von denen der dorsale, von rundlichem Durchschnitte, den Kieferträger enthält, während in dem ventralen, mehr abgeplatteten ein weiterer Chitinstab, ein accessorischer Kieferträger, liegt. Der dorsale erstreckt sich viel weiter nach hinten als der ventrale, beide aber enden daselbst blindgeschlossen. Betrachten wir die hier geschilderten Theile auf einem medianen Längsschnitte (Fig. 11), so erscheint der Zusammenhang der zahlreichen Hohlräume sehr übersichtlich. Die Mundhöhle theilt sich zunächst in den dorsalen Oesophagus [oe) und den ventralen Kiefer- sack [ks], von dessen lateraler Fläche der den Oberkiefer [ok) tragende Kieferwulst vorspringt, während weiter vorn, an der ventralen Fläche, der Unterkiefer [uk) liegt. Hinter dem Oberkiefer aber theilt sich der Kiefersack in zwei mediane Blindsäcke, einen dorsalen [kt] für den Kieferträger und einen ventralen [M) für den accessorischeu Kieferträger. Vor der Fortsetzung der Schilderung des Darmes muss hier eine genauere Beschreibung des Kieferapparates Platz finden. Die typischen Bestandtheile desselben und ihre Anordnung haben bereits Erwähnung gefunden. Der Unterkiefer (Fig. 2) besteht aus zwei beilförmigeu seit- lichen Stücken, die durch eine schmale mediane Brücke zu einem U-för- migen, nach hinten offenen Körper verbunden sind. Er stellt eine blassbraune locale Verdickung der sonst sehr dünnen Cuticula des Kiefersackepithels dar. Der Oberkiefer (Fig. 1) besteht aus wenigen mit Zähnen versehenen Stücken. Bei der Beschränktheit des Materiales ist es mir nicht gelungen, die Form und Zahl dieser Stücke mit Sicher- heit festzustellen: nach dem besten meiner Präparate habe ich bei 350facher Vergrößerung obige Figur entworfen. Danach ist links (also im mikroskopischen Bilde rechts) ein Zahn mit 3 Spitzen vorhanden. links ein vorderer dreispitziger größerer und ein hinterer zweispitziger kleinerer. Der Kieferträger zeigt das charakteristische Merkmal des Prionognatheugebisses, die große Längsausdehnuug dieses Theiles, in excessivem Maße. Er stellt einen unpaaren Chitiustab dar, dessen seit- liche Ränder verdickt und stark braun pigmentirt sind, während die Mitte dünner und ziemlich pigmentfrei ist. Nach hinten wird er all- mählich platter und endigt schließlich mit einem spitz zulaufenden, blassen Abschnitte. Oberkiefer und Kieferträger sind gleichfalls nur pig- mentirte locale Verstärkungen der Cuticula des Kiefersackes. Auch in der nächsten Umgebung der Oberkieferzähne ist die Cuticula verdickt 24 • J- W. Spengel und pigmenthaltig (siehe Fig. 26), und hier setzt sich nun der oben erwähnte accessorische Kieferträger an , ein plattes, ebenfalls nur im vorderen Theile pigmentirtes Chitinband. Dieser accessorische Kieferträger ist aber nicht eine Eigenthümlich- keit des OKgognathus^ sondern ein solcher gehört zu den typischen Be- standtheilen des P r i o n o g n a t h e n g e b i s s e s , wenn ich meine Unter- suchungen an Arabella^ Holla und Drilonereis verallgemeinern darf; dagegen fehlt er den labidognathen Formen, auch der in der Körpergestalt den Prionognathen so ähnlichen und desshalb von den meisten Autoren mit diesen vereinigten Gattung Lumhriconereis. In Fig. 4 habe ich diesen accessorischen Kieferträger yon Halla in Flächen- ansicht und in Fig. 3 in Profilansicht und in seiner Verbindung mit einer der Zangen und dem Kieferträger dargestellt. Der einzige Beobachter, der dies Gebilde gesehen zu haben scheint, ist Ehlers; wenigstens dürfte seine Angabe, dass bei Arabella quadristriata »der Hohlraum des Kiefersackes sich nach hinten zu einem nur nach vorn offenen engen Canale verschmälert, in dem außer den dünnen Trägern nur noch eine halb so lange ^ spitz auslaufende und hr'dunlich gefärbte Falte der Chitin- auskleidung Platz hat«, in diesem Sinne gedeutet werden könnend Als eine Abweichung von dem gewöhnlichen Verhalten könnte -es erscheinen, dass ich Oligognathus xiva einen Kieferträger zuschreibe, während die übrigen Prionognathen nach der landläufigen Dai*stellung deren zwei besitzen. Indessen auch bei diesen ist der Träger stets nur ein unpaarer Stab mit verstärkten Seitenrändern, die bei der Isoliruug desselben in Folge der weicheren Beschaffenheit des mittleren Theiles aus einander reißen. Der den Träger erzeugende Sack hat überall nur ein einfaches, ungetheiltes Lumen. Die Zähne des Oberkiefers sind bei Oligognathus vollkommen solide Cuticulargebilde. Bei anderen Gattungen, in denen sie stärker ent- wickelt sind, wie bei Lumbriconereis ^ lassen sie mancherlei Eigen- thümlichkeiten ihrer Structur erkennen . Vor Allem besitzen die Zangen einen deutlichen Hohlraum, in den sich nicht nur die epitheliale Matrix fortsetzt, sondern auch noch eine Capillarschlinge eindringt, welche mit anderen unter der Kiefermatrix liegenden Capillaren zusammen- hängt. Auf Schnitten sieht man sehr deutlich, dass die Kieferstücke nur modificirte Theile der allgemeinen Ciiticula des Kiefersackes sind, und zwar ist ihre Grenze nur durch das meistens ziemlich unvermittelte Auftreten des dunklen Pigments bezeichnet. Auch lässt die Anordnung J E. Ehlers, Die Borstenwürmer, p. 403. Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 25 des Pigments die BetheiliguDg zahlreicher Zellen an der Bildung der Cuticiüa an manchen Stellen deutlich erkennen. In den Kiefersack münden bei Lumhriconereis von vorn her zwei mächtige Drüsen. Es sind etwas abgeplattet eiförmige Körper mit einem spaltförmigen Hohlraum und einer dicken, aus hohen Cylinder- zellen zusammengesetzten Wandung, die von Capillaren umsponnen ist. Die Zellen besitzen einen hellen Inhalt und einen nahe der Basis gelegenen Kern. Möglicherweise haben wir es hier mit Giftdrüsen zu thun. Der Kiefersack ist mit einem Muskelapparat zur Ausstülpung und Rückziehung versehen, auf dessen genaue Beschreibung ich jedoch ver- zichten muss. Die Muskeln entspringen zum Theil von der Leibeswand und setzen sich an den Kiefersack, zum Theil sind sie zwischen den einzelnen Abschnitten und Anhängen dieses letzteren angebracht. Längs- und Querschnitte durch den vorderen Abschnitt des Darmes belehren uns nun aber, dass in den Kiefersack von der ventralen Fläche her noch ein Canal ausmündet, der von einer in das Epithel des Kiefersackes übergehenden Lage etwa cubischer Zellen ausgekleidet ist. Die Einmündung dieses Canales ist aus Fig. 11, wo derselbe mit nh bezeichnet und mit brauner Farbe angelegt ist; deutlich ersichtlich. Ich habe mich von diesem Verhalten durch mehrere Schnittserien genau überzeugt. Im vordersten Abschnitte ist der Canal sehr niedrig und liegt dem Kiefersacke dicht an (Fig. 26 — 28 nh) : allmählich wird er höher (Fig. 29) und nimmt schließlich hinter dem Kiefersacke einen runden Querschnitt an (Fig. 30 und 31) . An manchen Stellen, wie in Fig. 31 , er- scheint sein Lumen sehr verengt, an anderen wiederum erheblich weiter. Der Canal erstreckt sich, wie leicht nachzuweisen ist, weit nach hinten, stets parallel mit dem Darme an dessen ventraler Seite hinziehend. Um so schwieriger ist es, das Verhalten des Hinterendes dieses Canales zu ermitteln. Es ist mir gelungen, indem ich sagittale Längsschnitte durch etwa je 15 bis 20 Körpersegmente legte, denselben bis etwa ins 80. Seg- ment zu verfolgen. Diese Stelle ist in Fig. 13 abgebildet: man sieht in dem Präparat wie in der Zeichnung mit großer Deutlichkeit, dass der Canal hier blind endigt, während die ihn überkleidende Peritonealschicht sich weiter nach hinten fortsetzt. In den nachfolgenden Segmenten sieht man aber in der Fortsetzung dieses Canals einen dünnen Strang (Fig. 1 4) liegen, der nicht nur aus einem Peritonealschlauche besteht, sondern im Innern große längliche Kerne enthält, die sich von denen des Über- zuges durch ihre Dimensionen wie durch ihr Aussehen bestimmt unter- scheiden. Ein Lumen ist aber in der Achse dieses Stranges nicht zu er- 26 J- W. Spengel kennen. Leider ist es mir nicht gelungen, denselben bis au sein hinteres Ende zu verfolgen, das sich jedenfalls in einem der nächsten Segmente finden muss ; denn auf Querschnitten; welche hinter der Mitte des Wurm- körpers genommen sind, finde ich keine Spur desselben mehr. Von der Entscheidung der Frage aber, ob dieser Canal wieder in den Darm ein- mündet oder hinten blind endigt, hängt es ab, ob wir in demselben einen »Nebendarm«, wie er unter den Anneliden bisher nur bei den Oa- pitelliden bekannt war, oder einen Anhang des Kiefersackes in Gestalt eines sehr langen Blinddarmes zu erblicken haben. Es wird hierfür von einigem Gewicht sein, dass der in Rede stehende Canal des Oligogna- thus nicht in jeder Hinsicht die Eigenschaften zeigt, die nach der Schilderung von Eisig dem Nebendarme der Capitelliden i zukommen. Nach dieser beginnt der Nebendarm » im Bereiche der Übergangsstelle des Oesophagus in den Magendarm«, während der Canal des Oligogna- tJms an der Vordergrenze des Kiefersackes entspringt. Und ferner stimmt auch der Bau seiner Wandung nicht völlig mit dem des Haupt- darmes überein, wie es bei den Capitelliden der Fall ist, sondern ich vermisse an dem ventralen Canale die Muscularis. Beide Unterschiede sind indessen wohl kaum so bedeutsam, dass sie zur Beantwortung der Frage genügen oder im Falle des Nachweises einer hinteren Communi- cation die Deutung des Canales als Nebendarm erschüttern würden. Ich habe daher versucht, die durch den Mangel an geeignetem Unter- suchungsmateriale von OligogiiatJms bedingte Lücke durch Beobach- tungen an verwandten Formen auszufüllen. Allein auch hier bin ich nicht zu dem gewünschten sicheren Resultat gelangt. Zwar ist es mir leicht gelungen, nachzuweisen, dass die nächsten Verwandten des Oligogna- thus, d. h. sämmtliche mir zugänglichen Prionognathen, nämlich Ara- hella^ Halla und Drilonereis, gleichfalls im Besitze dieses suspecten Nebendarmes sind, d. h. eines Canales, der aus dem vordersten Theile des Kiefersackes entspringt und nun ventral vom Darme weit nach hinten verläuft. Bei einem Exemplar von Halla glaubte ich mit voller Deutlichkeit etwa im 125. Segment wie bei OUgognathus ein blindes Ende dieses Canales zu finden ; bei anderen Exemplaren konnte ich denselben jedoch durch die mir vorliegenden 200 Segmente ver- folgen 2, Da Halla groß genug ist, um dies Organ makroskopisch prä- pariren zu können, so wird eine genaue Untersuchung dieser Gattung 1 H. Eisig, Der Nebendarm der Capitelliden und seine Honiologa. Zool. Anz. Jahrg. I. 1878. No. 7, p. 148. 2 Bei einem neuerdings erhaltenen Exemplare endet der Canal unzweifelhaft blind ca. im 150. Segment. Juni 1881. Oligoguathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 27 gewiss leicht eine sichere Ermittelung des Verhaltens gestatten. Da mir z. Z. geeignetes Material fehlt, bescheide ich mich bis auf Weiteres, bezeichne aber den Canal provisorisch als Nebendarm. Über den Hauptdarm ist das Wichtigste bereits oben gesagt. Es bleibt nur Einiges über den Bau der Wandung hinzuzufügen. Das Epithel (Fig. \'òd) besteht überall aus hohen wimperlosen Cylinder- zellen mit einem rundlichen Kerne. Häufig trifft man eine Anzahl der Zellen mit Tröpfchen dicht angefüllt. Außerhalb des Epithels (Fig. 12) liegt eine sehr dünne Muscularis, die aus einer einfachen Lage sehr locker angeordneter feinster innerer King- und äußerer Längsfasern zu- sammengesetzt ist. Im vordersten Abschnitte (Oesophagus) ist dieRing- musculatur etwas stärker entwickelt. Darauf folgt ein zelliges Perito- neum von der bekannten Beschaffenheit. Außer denDissepimenten hal- ten ein ventrales und ein dorsales Mesenterium den Darm in seiner Lage. Dem Peritoneum dürften auch eigenthümliche große Zellen ange- hören, welche die Basis der Borstenbündel überziehen. Dieselben sind sehr vergänglich, so dass man au den conservirten Präparaten nur trübe, von einem körnigen Inhalt erfüllte Reste schlecht begrenzter Zellkörper antrifft, deren jeder indessen einen rundlichen Kern enthält. Das Nervensystem. Das Gehirn zeigt entsprechend der bedeutenden Größe des Kopf- lappens eine stattliche Entwicklung. Die Hauptmasse nimmt etwa das hintere Drittel des Kopf lappens ein : hier liegt eine starke Fasermasse, welche im Wesentlichen eine mächtige Quercommissur darstellt und auf allen Seiten von Massen kleiner Ganglienzellen umgeben wird, die sich bis an die Epidermis ausdehnen und gegen diese nur undeutlich abge- grenzt sind. Die Ganglieumassen lassen deutlich eine bilateral symme- trische Anordnung erkennen, die nach hinten sich noch stärker ausprägt, indem das Gehirn sich in zwei kurze kegelförmige Lappen aus- zieht. Nach vorn dagegen ist die Begrenzung des Gehirns sehr unbe- stimmt: die Fasermassen theilen sich zunächst in zwei, dann in vier und endlich noch mehr , allmählich schmäler werdende , longitudinal verlaufende Aste, die von unregelmäßig gestalteten Zellengruppen be- gleitet, bis an die Epidermis des vorderen Kopflappenrandes ziehen und mit dieser sich ohne Grenze verbinden. In Folge dieser Anordnung gewährt ein Querschnitt durch den Kopf läppen einen seltsamen Anblick (Fig. 21) und das Ungewohnte wird noch dadurch gesteigert, dass zwischen den Fortsätzen des Gehirns hindurch zahlreiche diametrale 28 J- W. Spengel Muskelfasern [m] sich durclikreuzeii, gegen welche die spärlichen, in nur zwei kleinen Bündeln angeordneten Längsmuskeln [m] sehr zurück- treten. Auf der hinteren Hauptmasse des Gehirns liegen die Augen, deren Stellung oben bezeichnet und auch aus der Fig. 51 ersichtlich ist, welche eine halbschematische Ansicht des Gehirns von der Rückenfläche her darstellt, in welcher der im Vordertheile eingetretene Zerfall der Ganglienmassen in einzelne Gruppen nicht wiedergegeben, sondern auch dieser Theil als eine compacte Masse erscheint. Fig. 52, eine ebenfalls halbschematische Ansicht der ventralen Seite des Gehirns, dient in erster Linie dem Zwecke, das Verhalten einer aus zwei sym- metrischen Hälften zusammengesetzten Masse zu erläutern, die mit dieser Fläche in Verbindung steht. Aus dem vorderen Theile der cen- tralen Fasermasse des Hauptabschnittes geht nämlich jederseits ein schräg nach vorn und gegen die Bauchseite gerichteter Faserzug hervor, und diese vereinigen sich zu einer von der besagten zweitheiligen Zellen- masse umgebenen Quercommissur. Rechnen wir diese Theile — wie wir aus vergleichend-anatomischen Gründen thun müssen — zum Gehirn, so können wir das Verhalten auch so ausdrücken, dass die Fasermasse einen aus einer mächtigen dorsalen und einer dünnen ventralen Hälfte gebil- deten Ring, etwa von der Gestalt eines Siegelringes, darstellt ; die dor- sale Hälfte zertheilt sich nach vorn hin in der oben angegebenen Weise in eine Anzahl von parallelen Ästen , wohingegen aus der ventralen zwei von verhältnismäßig spärlichen Zellenmassen begleitete Faser- stränge, ein rechter und ein linker, hervorgehen, um sich an die dorsale Schlundwand zu begeben. Die in Rede stehende ventrale Gehirnmasse kann daher mit dem Namen eines Pharyngealknotens belegt werden. Dicht hinter der Austrittsstelle der kurzen Connective, welche diesen Knoten mit der Hauptgehirnmasse verbinden, entspringen die Schlundringschenkel oder Schlundconnective , zwei starke, an Zellen sehr arme Faserstränge, welche in der bekannten Weise die Verbin- dung mit dem vordersten Ganglion des Bauchmarks herstellen. Als Theile oder Anhänge des Gehirnes erscheinen noch zwei bei Oligognathus wie bei allen Verwandten mächtig entwickelte Organe, welche ich mit Ehlers als »Nackenwülste« bezeichnen will. Von der Hauptfasermasse des Gehirns erstrecken sich nämlich durch die hinteren kegelförmigen Lappen zwei Faserstränge, und diese treten in zwei in ihrer Gesammtmasse fast kuglige Körper, eben diese Nackenwülste, ein. Dies sind zwei ziemlich lange Blindsäcke , deren Offnungen viel weiter vorn, etwa in oder dicht vor einer die vorderen Augen verbin- denden Linie liegen. Die dorsale Wand dieser Säcke wird von einem Oligognathus Bonelliae, eine schmiirotzende Eunicee. 29 niedrigen Epithel ausgekleidet, das sich am Grunde und an den Seiten in das Epithel der ventralen Wand umschlägt. Dies letztere hat in der vorderen Hälfte die Structur des Kopflappenepithels mit der demselben zukommenden Cuticula und steht in inniger Verbindung mit dem die Augen tragenden Gehirntheil. In der hinteren Hälfte unterscheidet man einen vorderen wimperlosen und. einen hinteren mit starken Wimper- haaren besetzten Epithelabschnitt : in beiden sind die Zellen hoch und mit spindelförmigen Kernen versehen (Fig. 45) . Der nach Abzug dieser Wandungen und des spaltförmigen Hohlraums des Sackes übrig blei- bende Theil jedes Nackenorganes vs^ird nun von einem Ganglienzellen- haufeu eingenommen, iu den die erwähnten, den Zusammenhang mit dem Gehirn vermittelnden Faserstränge eindringen. An dem hinteren Ende jedes Nacken Wulstes iuseriren sich an der denselben umgebenden dünnen Biudegewebskapsel einige Muskelfasern, die als Retractoren dienen. In allen wesentlichen Zügen verhält sich das Gehirn der Ara- helliden vollkommen wie das eben geschilderte des Oligognathus. Am innigsten schließen sich die auch sonst nächst verwandten Gattungen Arabella und Halla an; nur geht bei Beiden die Zertheilung des vorderen Gehirnabschuittes noch weiter, in ca. 32 Stränge. Bei Lum- hriconereis ist dies in etwas geringerem Maße der Fall, so dass man nur an 16 Stränge unterscheiden kann. Diese Gattung unterscheidet sich ferner durch die deutlicher ausgeprägte Scheidung der dorsalen Fasermasse des Gehirns in zwei seitliche Hälften (Fig. 38] , vor Allem aber durch die mangelnde Sonderung eines Pharyngealknotens. Die Schlundnerven entspringen zwar auch von der ventralen Hälfte einer ringförmigen Fasermasse, aber diese ist hier von großer Mächtigkeit und entsendet außer den Schlundnerven sowohl die ventrale Hälfte der vorderen Faser- züge als auch die Schlundconnective. Sowohl die ArahelUden als auch Lumhriconereis gleichen Oligo- gnatlms in dem Besitze zweier Nackenwülste. Die erste genauere Be- schreibung dieser Gebilde findet sich bei Claparède\ der auch darauf hinweist, dass die von Audouin und Milne- Edwards beschriebenen zwei verkümmerten Fühler von Lumhriconereis Orhignyi^ so wie die von Savigny abgebildeten rudimentären Fühler von Aglaura (Aglaurides) fulgida zu diesen Organen zu zählen sein dürften. Er beschreibt sie von Lumhriconereis Edwardsii Clap. [L. tingens Kef.) als bohnenförmige Körper und erkannte an ihnen lebhaft schwingende Cilien. Indessen 1 E. Claparède, Beobachtungen über Anatomìe und Eutwicklimgsgeschichte wirbelloser Thiere. Lpz. 1863, p. 58. 30 J- W. Spenge! bleibt die BescbreibuDg des Baues noch sehr ungenügend. In demselben Jahre, in welchem Claparède's Untersuchungen erschienen, beschrieb Grube ' eine Lzimbriconereis , deren Nackenwülste hervorgestülpt waren, als ein neues Genus Zygolohus^ ein Irrthum, den dann 1868 Ehlers 2 richtig stellte. Gleichzeitig giebt dieser Verf. eine kurze Schilderung der von ihm jetzt als Nackenwülste bezeichneten Organe von Lumhriconereis Nardonis Gr. und auf Taf. XV, Fig. 2 die Abbil- dung eines Längsschnittes , auf der die topographischen Beziehungen sowohl wie die Gestalt des Organes gut hervortreten ; auch erkennt Ehlers diese Gebilde als Hirnanhänge und schließt sich Claparède '■* in der Deutung derselben als Sinnesorgane an. Ich selbst habe die Nackenwülste bei Lumbriconereis^ Arabella quadristriata Gr., Halla ixirthenopeia D. Ch. und Drilonereis ßlum Clap. untersucht und bei allen diesen Formen wesentlich eben so gebaut gefunden wie bei Oligognathus^ wie sich aus Fig. 46 sogleich ergiebt. Diese durchweg größeren Arten eignen sich für die Untersuchung be- greiflicherweise sehr viel besser als der kleine Oligognatlms^ und so erkennt man an den Präparaten namentlich leicht die Existenz der Wimpern auf der hinteren Hälfte der ventralen Taschenwand und z. B. bei Arabella (Fig. 46) sehr hübsch die Zusammensetzung des diese Cilien tragenden Epithels aus langen Fadenzellen, deren innere Enden mit den darunter gelegenen nervösen Elementen in Verbindung stehen dürften, wenn mir auch an dem conservirten Material ein bestimmter Nachweis dieses Zusammenhanges nicht möglich gewesen ist. Bei Lumbriconereis fand ich regelmäßig einen Haufen von pigmentirten Zellen in der Nähe des hinteren Endes jedes Organes, der vielleicht nicht ohne Bedeutung ist, da auch Ehlers das Vorhandensein von Pig- ment in den Nackenwülsten dieser Gattung erwähnt und, wie wir sehen werden, auch in den homologen Organen anderer Anneliden sich häufig Pigment findet. Die Nackenwülste sind nun aber nicht etwa Organe, die den Lum- briconereiden und Arabelliden eigenthümlich wären , sondern es lässt 1 E. Grube, Beschreibung neuer oder wenig gekannter Anneliden. Arch. f. Naturg. 1863. I. Zu dieser Gattung zieht darauf Claparède (Glanures zootomi- ques parmi les Anuélides. Mém. Sog. Phys. et d'Hist. Nat. Genève, t. 17. p. 573) Lumhriconereis tingens Kef., L. breviceps Ehi., Zygolobiis Grubianm Clap. (eine Lumhriconereis) und Arabella quadristriata Gr. Von allen werden die Nackeu- organe kurz beschrieben. - E. Ehlers, Die Borstenwürmer, p. 380. Ehlers berichtigt daselbst auch den gleichen Irrthum KiNBERa's. ^ E. Claparède, Beobachtungen über wirbellose Thiere, p. 59. 01igognathi;s Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 31 sich zunächst leicht zeigen, dass sie auch den übrigen Euniceen nicht fehlen. Schon bei den Gattungen, denen Nackenorgane in der Gestalt von zwei auf der Grenze von Kopflappen und Mundsegment gelegenen Taschen zukommen, wie sie bisher beschrieben sind, tritt eine Ver- schiedenheit hinsichtlich der Lage der Öffnungen dieser Taschen auf. Bei keiner der von mir untersuchten Gattungen liegen dieselben so weit vorn wie bei OUgognathus^ bei dem der die vier Augen tragende Hirn- abschuitt ganz von den Taschen bedeckt ist. während bei Arabella und Drilonereis die Augen offen zu Tage liegen, indem die Taschenöffnungen sich wie bei den meist augenlosen Lumhriconereis-kxitxs. auf der Grenze zwischen Kopflappen und Mundsegment befinden. Dahingegen erkennt man bei Halla (Fig. 50) am dorsalen Rande des Mundsegmentes einen Ausschnitt und in diesem die zwei Öffnungen [nt] . Dass bei der beschrie- benen Anordnung ein Hervorstülpen der Nackenwülste bei Oligognathus noch möglich ist, scheint mir sehr zweifelhaft, und es steht wohl damit in Zusammenhang, dass die Retractoren bei dieser Form nur sehr schwach entwickelt sind, während dieselben bei Lumbriconereis^ die thatsächlich von verschiedenen Beobachtern mit ausgestülpten Nackenwülsten an- getroffen worden ist, sehr kräftig erscheinen. Sucht man nun bei den nächst verwandten Thieren, in der Familie der Euniciden^ nach solchen NackenwUlsten, so vermisst man zwar überall Nackentaschen oder -Gruben, aber man überzeugt sich sehr leicht von der Existenz zweier besonderen Hirnabschnitte, die das hintere Ende desselben einnehmen, häufig Pigment enthalten und auf einer gegen die Umgebung scharf abgegrenzten etwas kreisförmigen Oberfläche ein erhöhtes, aus fadenförmigen Zellen zusammengesetztes Epithel besitzen, das auf dem hintersten Abschnitte Wimpern trägt. Diese Gebilde sind auch früheren Beobachtern nicht völlig entgangen, jedoch meines Wissens nur von einem in ihrem Wesen richtig erkannt. Semper 1 nämlich sagt in seiner Abhandlung über »Strobilation und Seg- mentation« in einer Schilderung des Baues des Gehirns von Hyalinoecia tubicola : »Dicht neben dem mittleren Fühler stehen zwei eigenthümliche Organe in Form kugelförmiger Becher, die sich nach außen zu öffnen scheinen ; ihr Epithel ist geschichtet und in Continuität mit den eigent- lichen Epidermiszellen ; dem dorsalen Schlundganglion sitzen sie direct auf. Vielleicht sind diese Gruben, deren innerste Zelllage Wimpern trägt, den eigenthümlichen Wimpergruben gleichzustellen, welche bei manchen 1 C. Semper, DieVerwandtschaftsbeziehungen der gegliederten Thiere. III. Stro- bilation und Segmentation. Arb. zool.-zoot. Inst. Würzbiirg, Bd. III. p. 147. 32 J- W. Spengel Anneliden am Kopfe vorkommen.« Wenn auch diese Schilderung des Baues sich nicht als ganz zutreffend erweisen wird, so kann doch kein Zweifel darüber bestehen, dass sie sich auf die Organe bezieht, die ich nunmehr nach den Hauptzügen ihres Baues von einigen Euniciden be- schreiben will. Ich habe Diopatra neapolitanoY) . Gh., Hyalinoecia {Onu- phis) tuhicolaMüW. xmàMaiphysa sanguinea^f) Mont. untersucht ; darunter hsit Diopatra die entwickeltsten Nackenorgane K Dieselben fallen schon bei Betrachtung des Kopfes mit bloßem Auge oder schwacher Lupe als zwei etwas convexe, mit schillernder Cuticula bekleidete Scheiben hinter der Lücke zwischen dem un paaren und den medialen paarigen Ten- takeln auf (Fig. 49 ?iw). Auf Schnitten (Fig. 48 ?iw) erkennt man, dass das Nackenorgan nicht nur aus dieser Scheibe besteht , sondern dass dazu noch ein Epithelstreifen gehört, der mit starken Wimpern ausge- stattet ist, sich aber äußerlich sonst in keiner Weise abhebt. Dieser entspricht offenbar dem hinteren, wimpernden Abschnitte des Nacken- organes der Lumbrtconereiden, während die Scheibe dem vorderen, ja auch bei diesen wimperlosen und von der Cuticula überzogenen Theile an die Seite zu setzen ist. In beiden Abschnitten aber ist das Epithel aus langen Fadenzellen zusammengesetzt, und darunter liegt ein Gan- giienknoten. Das Epithel der Scheibe ist nicht selten dunkel pigmentirt. Man wird danach berechtigt sein, die Nacken wülste zu den ty- pischen Organen der Euniceen zu rechnen. Obwohl nun damit die Reihe derjenigen Beobachtungen zu Ende ist, welche den Bau, den Zu- sammenhang und die topographischen Beziehungen dieser Gebilde so weit ergründet haben, dass man die Homologien sicher nachweisen kann, so fehlt es doch nicht an Beobachtungen, welche auf eine noch viel weitere Verbreitung dieser Sinnesorgane im Kreise der Anneliden schließen lassen. Ich stelle im Folgenden diejenigen Angaben zu- sammen, die ich in der Litteratur gefunden habe, ohne indessen einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Unter den den Euniceen nächst verwandten Lijcorideen sind einige Nereiden zu nennen: von 1 Dieselben sind von allen früheren Beobaclitern gesehen, aber meistens für Augen gehalten, so z. B. von Quatrefages (Hist. Nat. des Anneies, t. I. p. 33S. tab. 17. Fig. 1), Ehlers (Borstenwürmer, p. 287. Taf. XII. Fig. 6), Grube (Familie Eunicea, Jahresb. d. Schles. Ges. 1877. p. 82; Anmilata Semperiana, Mem. Acad. Petersb. [7] t. XXV. p. 138. 140. Taf. IX. Fig. 11). Nur Claparède (Ann. Chét. Naples, Mém. Sog. Genève, t. XIX. p. 434 und Supplement, t. XX, p. 390) erklärt: »Les yeux font défaut. On trouve, il est vrai, à leur place deus régions convexes et lisses, derrière les antennes de la paire moyenne, mais ces régions offrent le méme èclat métallique que le reste du corps, et ne sauraient étre les organes visuels.« Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 33 Nereis caudata beschreibt Claparède * unmittelbar hinter jedem der 2 hinteren Augen »un bouton protractile (organe sensi tif)« und von N. parallelogramma in der Occipitalgegend des Kopflappeus »deux émi- nenees un peu protractiles«. In der Familie der Syllideen sind zwei Wimpergruben an der dorsalen Seite des Nackens sehr verbreitet ; so bildet Claparède 2 zwei »poches. fosses« oder »sacs vibratiles« vonPae- dophylax veruger Clap., P. claviger Clap., Syllis simülima Clap., Trt/- panosyllis coeliaca Clap. ab, zwei Wimperbüschel an der dorsalen Seite des Vorderrandes des Mundsegments von Sphaerosijllis pusilla 3, zwei flimmernde Gruben an der Bauchseite des Mundsegments von Exogone Kefersteinii Clap.*. zwei lange Wimperbüschel an den 'Seiten des Mundsegments von Odontosyllis gihha Clap.^, zwei flügeiförmige Lap- pen, »Räderorgane«, an der dorsalen Seite des Hinterkopfes von Pte- rosyllis formosa Clap.^ und Pt. dorsigera Clap.'^. Es sei hier auch erwähnt, dass Ehlers ^ die Vermuthung ausspricht, es möchten die genannten »Räderorgane« und der vorspringende Höcker des ersten Seg- ments von Odontosyllis'^ den Nackenwülsten von Lumhriconereis ent- sprechen. Zwei wimpernde Wülste am Nacken besitzen auch die von Greeff vorläufig den Syllideen zugerechneten Pontodora pelagica und Pelagobia longocirrata^^^ . Zwei mit Wimpern besetzte knopfförmige Wülste an der dorsalen Seite des Mundsegments von Sagittella barbata beschreibt Uljanin '1. Gehen wir dann über zu den Phyllodoceen. so finden wir die Angaben von Claparède von zwei »mamelons exertiles« auf der Grenze von Kopflappen und Mundsegment bei Phyllodoce cor- niculata Clap., Anaitis cephalotes Clap. ^'^ und A. perempttoria Clap. ''^ ' E. Claparède, Annelides Chétopodes de Naples. a. a. 0. t. XIX. p. 477. 479. pl. 10. Fig. Irt. 2 Ebenda, pl. 12. Fig. 3; pl. 13. Fig. 2 ; pl. 12. Fig. 5; pl. 13. Fig. 3. 3 E. Claparède, Glamires zootomiques. a. a. 0. p. 549. pl. 6. Fig. 3. 4 E. Claparède, Untersuchungen über wirbellose Thiere, p. 43. Taf. 12. Fig. 5. 5 Ebenda, p. 47. Taf. 12. Fig. 7. e Ebenda, p. 46. Taf. 13. Fig. 30. ■^ E. Claparède, Glanures, a. a. 0. p. 560. pl. 7. Fig. 1. 8 Ehlers, Borstenwürmer, p. XVIII, 9 E. Claparède, Wirbellose Thiere, p. 47 ; Glanures, p. 555. '0 E. Greeff, Über pelagische Anneliden von der Küste der canarischen Inseln. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 32. p. 237. " B. OuLiANiNE, Sur le genre Sagittella N. Wagn. Arch. zool. expér. et gén. t. 7. p. 1. ,12 E. Claparède, Ann. Chét. Naples. a. a. 0. t. XIX. p. 546. 54S. pl. 17. Fig. 1. 3. 13 E. Claparède, Ann. Chét. Naples. Suppl. a. a. 0. t. XX. p. 459. pl. 9. Fig. 6. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. III. 3 34 J- W. Spengel und zwei vorstülpbaren Taschen bei Hxjärophanes Krohnii^. Auch bei Tomopteris dürften die gleichen Orgaue vorhanden sein ; denn nach Vej- DOVSKY 2 sind die von Carpenter und Claparède für T. onisciformis beschriebenen Bläschen am Gehirn Grübchen (V. sah sie nur bei T. vitrina) , und Greeff ^ fand an entsprechender Stelle bei T. Kefersteinii Greeff zwei »Wimperkolben«; die offenbar nichts Anderes als die aus- gestülpten Wimpergruben sind. Aus den übrigen Familien der Errau- tien sind, so weit ich sehe, keine Wimperorgane dieser Art beschrieben; allein es wäre gewiss ein voreiliger Schluss , wollte man daraus den thatsächlichen Mangel derselben folgern. Bei den sedentären Polychaeten begegnen wir gleichfalls zahlreichen Angaben über Wimpergruben und Wimperlappen. An erster Stelle ist Polygordius zu nennen, dessen zwei Wimpergruben von allen Beobachtern wahrgenommen sind. Von Poly- opldhalmus sind zwei vorstülpbare Wimpertaschen durch Quatrefages ■* und Claparède ^ bekannt, und letzterer hat solche auch bei Ophelia radiata Clap, nachgewiesen^'. Auch Saccocirrus ist hier zu erwähnen, dessen zwei Flimmergruben durch Marion undBoBRETZKi ^ beschrieben sind. Die vorstülpbaren Wimpertaschen der Capitelliden sind von ver- schiedenen Beobachtern dargestellt, unter denen namentlich Claparède zu nennen ist, der dieselben von Capitella capitata v. Ben., C. Costana Clap. xmà Notomastus lineatus Clap. genauer schildert und abbildet*^. Über Wimperorgane von Ariciiden habe ich nur eine Angabe von Cla- parède gefunden : nach ihm liegt bei Theodisca liriostoma Clap. an jeder Seite des Mundsegments eine ovale wimpernde Grube'*. Arenicola entbehrt solcher Organe ; dagegen liegen bekanntlich am Schlundringe zwei Gehörorgane ; es liegt die Vermuthung nahe , dass diese aus ur- 1 E. Claparède, Ebenda, p. 465. pl. 11. Fig. 2. 2 Fr. Vejdovsky, Beiträge zur Kenntnis der Tomopteriden. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 31. p. 88. Taf. VI. Fig. 1. g. 3 R. Greeff, Über pelagische Anneliden von der Küste der canarischen Inseln. Zeitschr. f. wiss." Zool. Bd. 32. p. 275. Taf. XV. Fig. 41, h. 4 A. DE QuATREFAGES, Memoire sur la famille des Polyophthalmiens. Ann. Sc. Nat. Zool. sér. 3. t. 13. p. 14. 5 E. Claparède, Glanures zootomiques. a. a. O. p. 470. « E. Claparède, Ann. Ciiét. Naples. a. a. 0. t. 2U. p. 25. pl. 26. Fig. 1 A. ■^ A. F. Marion et N. Bobretzki, Aunélides du Golfe de Marseille. Ann. Sc. Nat. Zool. sér. 6. t. 2. 8 E. Claparède, Ann. Chét. Naples. a. a. 0. t. 20. p. 12, 16, 20. pl. 27. Fig. 1, 1 C, 2, 4 A. ; ferner Capitella ruhicuncla, Beobachtungen über wirbellose Thiere, p. 28. Taf. 15. Fig. 7. cf. Keferstein, Untersuclmngen über niedere Seethiere, Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 12. 9 E. Claparède, Ann. Chét. Naples a. a. 0. t. 20. p. 50. pl. 24. Fig. 2. Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eimicee. 35 sprünglicheu Nackenorganen hervorgegangen sein möchten, und in dieser Beziehung ist an die Angabe von Langerhans zu erinnern, dass bei Arida acustica Lang, die hier vorhandene Reihe der Gehörorgane sich nach hinten in eine Reihe von Wimpergrübchen fortsetzt, die Langerhans als Vorläufer oder Jugendstadien der Gehörkapseln anzu- sehen geneigt ist^ Endlich sind die Sabelliden zu nennen: nach Cla- PARÈDE findet sich bei Myxicola infunclihulum'^ zwischen der Basis des Kiemenapparates und dem Vorderrande des Thorax jederseits ein Grüb- chen, unter dem sich ein vom Gehirn entspringender Nerv ausbreitet: Claparède glaubt darin ein Sinnesorgan erkennen zu müssen. Sempera nennt als Besitzer von Wimpergruben außer Capiteila noch Sahella und Eriographis ; doch ist es mir unbekannt, worauf diese Angabe sich be- zieht. Schließlich ist noch ein den Oligochaeten zugezähltes Thierchen zu erwähnen, Ctenoclrilus pardalis Clap., an dessen Kopf zwei kreis- förmige wimpernde Seitengruben sich befinden^. Von keiner der hier aufgeführten Anneliden weiß man irgend etwas über die Innervirung der in Rede stehenden Wimperorgane, und so lange diese Lücke nicht ausgefüllt ist, wird man kein bestimmtes Urtheil über die Homologien derselben fällen können, so sehr es auch durch die über- einstimmende Lage derselben am Nacken, d. h. an der dorsalen Seite und auf der Grenze zwischen Kopf läppen und Mundsegment, wahrscheinlich gemacht wird, dass wir hier gleich werthige Organe vor uns haben, die in die gleiche Kategorie gehören wie die Nackenwülste der Euniceen und wie diese als Sinnesorgane anzusprechen sind. Um mir indessen nicht den berechtigten Vorwurf zuzuziehen, dass ich mich mit einer Wahrscheinlichkeit begnügt hätte, wo ich mit einigem Bemühen mir hätte BeobachtuDgsthatsachen schaffen können, habe ich auch die Wimperorgane einiger sedentären Formen untersucht, und zwar des Pohjgordius lacteus Sehn., von dem ich im vorigen Sommer Gelegenheit hatte, mir einige Exemplare zu conserviren, und des Notomastus lineatus Clap. Das Ergebnis bestätigt die obige Annahme vollkommen : Vom Hinterrande des Gehirns erstrecken sich bei Polygorclius (Fig. 47, nw) zwei Ganglienhaufen unter die Wimpertaschen i^ng] , und eben so sind 1 P. Langerhans, Die Wurmfaiina von Madeira. III. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 34. p. 87. - E. Claparède, Recherches sur la structure des Annelides sédentaires. Mém. Sog. Genève, t. 22. p. 131. pl. 6. Fig. 2, 3. 3 Semper, Strobilation und Segmentation. a. a. 0. p. 147. 4 E. Claparède, Beobachtungen über wirbellose Thiere, p. 26. Taf. 15. Fig. 28 g. 36 J- W. Spengel bei Notornastus zwei biutere Hirnlappen oder , wenn man lieber will, Hirnanbänge vorbanden, welcbe in Verbindung- mit den Wimperorganen stehen. Näber auf die Structur dieser Tbeile einzugeben scheint mir bier niebt erforderlicb. Wir kehren nach dieser Abschweifung zum Nervensystem von Oliffognathus zurück und betrachten nunmehr das Bauch mark des- selben. Auch dieses bietet mancherlei Eigenthümlichkeiten dar, die eine etwas eingehendere Darstellung erfordern. Während die Bchluudcon- nective nur spärliche Ganglienzellen enthalten, treffen wir gleich nach der Vereinigung derselben jederseits eine starke Anhäufung solcher, die ein in ihrer Gestalt von den folgenden Ganglien unterschiedenes Unter- schlundganglion darstellt (Fig. ò2usg, Fig. 37). Dasselbe liegt im zweiten Segment; es besteht aus zwei Zellenmassen, deren jede etwa die Gestalt einer halben Bohne hat, und den bier sehr starken Fasersträngen. Noch innerhalb des zweiten Segments aber folgt ein weiteres aus zwei fast kugligen seitlichen Zellenknoten zusammengesetztes Ganglion (Fig. 43). In ähnlicher Weise wiederholen sich in den sechs bis sieben folgenden Segmenten (Fig. 37) stets je zwei GangUen, deren Gestalt sich nach hinten mehr und mehr verändert, indem die Zellenbaufen immer geringer wer- den und auch der Durchmesser der Faserstränge etwas abnimmt. Vom 8. — 9. Segment an sind die Anschwellungen nur noch sehr unbedeu- tend. Außerdem ändert sich weiter nach hinten die Lage der Ganglien der Art, dass das vordere nicht mehr innerhalb eines Segments, sondern auf der Grenze zwischen je zweien zu liegen kommt. Peripherische Nerven entspringen nur von den hinteren Ganglien, die wir daher als Hauptganglien werden bezeichnen müssen. Über die Anordnung der Elemente des Bauchmarks ist wenig zu sagen, da sie durchaus die typische ist. Die Fasern, welche sich in jedem Ganglion zu einer ungetheilten Masse (Fig. 35, 43) vereinigen, bilden zwischen denselben nicht, wie in der Regel, zwei, sondern drei Connectivstränge (Fig. 34). Das Neurilemm (Fig. 35) ist an den Seiten dünn, an der Rückenfläche aber stärker und zum Theil aus hellen, blasigen Zellen zusammengesetzt. Hier scheint es auch einzelne Längsmuskelfasern zu enthalten. Es setzt sich auf die Connective als eine dünne Hülle fort ; an jedem Ganglion aber erleidet es eine kleine Unterbrechung, indem hier die Ganglienzellen sich auf eine kurze Strecke so eng an die Epidermiszellen anlegen, dass es mir nicht ge- lungen ist, eine Grenze zwischen jenen und diesen zu erkennen. Gegen das Hinterende des Körpers wird dieser Zusammenbang des Baucb- marks mit der Epidermis ein immer ausgedehnterer, bis schließUcb die Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 37 Grenze völlig schwindet und das Banchmark nur als eine Verdickung der Epidermis erscheint, au deren dorsaler Fläche ein dünnes Faser- band kaum noch zu erkennen ist, ganz wie es von Semper 1 für andere Anneliden beschrieben ist. Ein Vergleich des Bauchmarks von Oligognathus mit demjenigen der nächstverwandten Formen zeigt, dass dasselbe eine Reihe von be- sonderen Eigenschaften besitzt, die jenen fehlen; dahin ist die Aus- bildung eines secundäreu Ganglions auf jeder Segmentgrenze zu rechnen, die ich sowohl bei Holla und Arabella als auch bei Lumhriconereis vermisse. Eben so erscheint die starke Breitenausdehnung der vorderen Ganglien als eine Eigenthümlichkeit des Oligognathus; bei Halla und Aralella tritt zwar etwas Ahnliches auf, aber bei Weitem nicht in solcher Ausbildung, während bei Lumhriconereis die Breite der Bauchmarks- ganglien von vorn bis hinten ziemlich gleich bleibt. Ferner ist die Ver- bindung der Ganglien mit der Epidermis bei keiner der genannten Formen eine so innige, wie bei Oligognathus^ obwohl eine solche auch dort besteht ; allein dieselbe ist keine directe, sondern wird durch ein Zellenband vermittelt, das sich in der ventralen Mittellinie erhebt und das Bauchmark mit der Epidermis verbindet. Gegen das Hinterende des Körpers wird dies Band immer schmäler, bis schließlich hier eine Verschmelzung des Bauchmarks mit der Epidermis erfolgt. Bedeutsamer als alle diese Abweichungen erscheint indessen eine andere, welche den histologischen Bau betriift. Während bei Oligognathus die Ganglien- zellen des Bauchmarks wie des Gehirns keine erheblichen GrößendifiFe- renzen erkennen lassen, treten im Bauchmark von Halla und Arabella solche in auffallendster Weise hervor. Da ich erstgenannte Gattung am genauesten habe untersuchen können, will ich die an derselben ge- machten Befunde ausführlich mittheilen. Die weitaus meisten Ganglien- zellen sind von unbedeutenden Dimensionen, mit einem verhältnismäßig großen, grobgekörnt erscheinenden Kerne versehen und so dicht an einander gelagert, dass die Form der Zellen, durch den gegenseitigen Druck bedingt, polygonal ist und es nur schwer gelingt, einen Fortsatz deutlich zu erkennen, so dass ich über die Zahl derselben nach meinen ausschließlich an conservirten Objecten angestellten Beobachtungen nichts aussagen kann. Neben diesen kleinen Zellen aber findet man in jedem der vorderen Ganglien eine sehr beschränkte Anzahl von Zellen (Fig. 54), die durch ihre wahrhaft ungeheuren Dimensionen von ca. 0,1 mm im Durchmesser sofort in die Augen fallen. Ihr Kern ist ' Semper, Strobilation und Segmentation. a. a. 0. p. 144if. 38 J- W. Spengel zwar relativ kleiner als derjenige der kleinen Zellen, aber absolut sehr groß, nämlich ca. 0,025 mm im Durchmesser; er besitzt eine dicke deutlich doppelt contourirte Membran, welche einen hellen Inhalt um- schließt, in dem ein sich mit Farbstoffen stark imbibirendes großes Kernkörperchen liegt. Das Plasma der Zelle ist sehr feinkörnig und entsendet einen einzigen mächtigen Fortsatz, der immer gegen die dor- sale Fläche des Bauchmarks gerichtet ist und hier sofort in die Faser- masse eindringt, um dort einen gleich näher zu schildernden Verlauf zu nehmen. Diese riesigen Ganglienzellen unterscheiden sich aber noch in einer anderen bedeutsamen Hinsicht von ihren kleineren Genossen. Während nämlich diese nur in ihrer Gesammtheit von Bindegewebe um- geben sind, ist jede der großen Zellen mit einer eigenen dicken Hülle versehen, die aus concentrischen Faserschichten mit zahlreichen spindel- förmigen Kernen besteht (Fig. 54) . Diese bindegewebige Scheide nun geht auch auf den Fortsatz über und ermöglicht es , dass man diesen weit verfolgen kann. Nachdem derselbe in die Faserschicht des Bauch- marks gelangt ist, biegt er in den meisten Fällen zunächst nach einer Seite hin ab, krümmt sich oftmals nach verschiedenen Richtungen und nimmt endlich einen longitudinalen Verlauf, in welchem er sich gleich- zeitig mehr und mehr der dorsalen Fläche des Bauchmarks nähert, bis er schließlich aus den Fasersträngen heraustritt und damit in die lockere bindegewebige, innere Schicht des Neurilemms geräth, um in dieser, wie es scheint, seinen Verlauf bis nahe an das Hinterende des Körpers fortzusetzen. Dies gilt zunächst indessen nur von der erwähnten Hülle des Fortsatzes, denn dieser selbst war in allen meinen Präparaten immer nur im vorderen Theile seines Verlaufes deutlich zu erkennen, während weiter nach hinten die röhrenförmigen Hüllen nur ein meist unregel- mäßig contourirtes Gerinnsel zu umschließen schienen. Die Röhren [nc] aber erkennt man auf jedem Schnitte, wie deren z. B. einer in Fig. 53 dargestellt ist. Hier liegen in der inneren Neurilemmschicht 7 große ovale Lumina, die von einer kernhaltigen fasrigen Schicht umgeben sind; im Innern eines jeden findet sich eine blasse, unbestimmt be- grenzte Masse , das oben erwähnte Gerinnsel. Außer diesen größeren Durchschnitten sind noch einige kleinere vorhanden, und ähnliche sieht man innerhalb der Fasermasse. Die Zahl der größeren Röhren scheint ziemlich Constant zu sein, und es ist daher anzunehmen, dass dieselben durch Vereinigung mehrerer entstanden sind und auch die kleineren aufnehmen. Wie viele von den riesigen Ganglienzellen vorhanden sind , weiß ich nicht genau : doch mögen es ca. 20 sein, da ich in den vordersten 7 bis 8 Ganglien deren je 2 bis 3 traf; Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 39 weiter nach hinten fehlen sie entweder gänzlich oder sind wenigstens sehr spärlich. Die röhrenförmigen Hüllen der Fortsätze aber sind schon längst bekannt; sie sind nichts Anderes als die «fibres tubulaires gigantesques« von Claparède', von denen dieser Forscher allerdings, vermuthlich weil er sehr dicke Schnitte untersucht hat, nur drei gesehen hat. Mit der Aufklärung der wahren Natur dieser Gebilde bei Halla scheint mir der erste Schritt zum Verständnis der so viel besprochenen und so mannigfach gedeuteten »Neuralcanäle« der Anneliden gethau zu sein, und es dürfte desshalb eine eingehendere Discussion der hier in Betracht kommenden Fragen wohl am Platze sein. Um für dieselbe eine sicherere Clrundlage zu gewinnen, habe ich mich vor Allem bemüht, meinen Be- obachtungskreis zu erweitern ; doch ist dies zunächst bei dem Zustande meines Materiales nur in sehr unvollkommenem Maße gelungen^ Da ist in erster Linie zu registriren, was ich über das Vorkommen solch rie- siger Ganglienzellen beobachtet habe. Zellen von relativ gleicher Größe wie die der Halla finden sich bei Arabella und scheinen auch hier auf die vorderen Ganglien beschränkt zu sein ; dieselben gleichen den oben beschriebenen ferner im Besitze einer bindegewebigen Hülle, die auf den einen mächtigen Fortsatz übergeht und schließlich als ein »Neural- canal« im Neurilemm erscheint ; von diesen sind 5 bis 6 vorhanden, so dass also auch hier eine Vereinigung mehrerer stattfinden dürfte. Bei Oligognathus sowohl wie bei Drilonereis fehlen mit den »Neuralcanälen« auch die riesigen Ganglienzellen. Bei Liwihriconereis ist vom fünften bis sechsten Segment an ein einziger medianer Neuralcaual von sehr bedeutendem Durchmesser an der dorsalen Seite des Bauchmarkes vor- handen : derselbe hat aber nur eine ganz dünne Wandung, in der nur hier und da ein Kern zu sehen ist. Verfolgt man ihn auf Längsschnitten von hinten her, so erkennt man, dass er vorn eine Reihe von dünneren Asten abgiebt und dabei selbst allmählich schmächtiger wird. Die Aste dringen alle in die Faserstränge und sind bis auf die ventralen Gan- glienzellen hin zu verfolgen, bis sie endlich verschwinden, wahrschein- lich Aveil sie sich plötzlich seitwärts wenden. Es ist mir nicht möglich gewesen, einen Zusammenhang mit Zellen nachzuweisen : doch sah ich deutlich das Lumen der Röhren in den vorderen Theilen von einem blassen, zart-längsstreifigen Strange angefüllt. Die Schwierigkeit der Beobachtung ist hier tbeils durch die Dünnheit der Wandung, theils ' E. Claparède, Ann. Cliét. Naples, a. a. 0. t. XIX. p. 449, t. XX. pl. 31, Fig. 4 j. . 40 J- W. Spengel vermutlilich durch die Beschaffenheit der Ganglienzellen bedingt ; denn es fehlen hier Zellen von solch ungeheuren Dimensionen wie bei Halla und Arabella ; dafür aber ist in den vorderen Ganglien eine sehr große Anzahl mittelgroßer Zellen vorhanden, welche die kleineren nur um das 3 bis 4 fache des Durchmessers übertreffen, trotzdem aber ohne Zweifel den riesigen Zellen entsprechen, da jede einzelne von einer be- sonderen kernhaltigen Hülle umgeben ist. Derartige Zellen liegen bei Lumhriconereis auch am hinteren Rande des Gehirns und am unteren hinteren Rande der Ganglien der Nackenwülste, und mit diesen dürften röhrenförmige Hohlräume zusammenhängen, welche die Fasermassen des Gehirns durchziehen. Was ich sonst noch über Anordnung und Zahl der Neuralcanäle beobachtet habe, will ich nicht weiter schildern ; es sei nur noch erwähnt, dass ich bei Nephthys gerade an der Stelle des ersten Bauchmarkganglions, wo die beiden großen Neuralcanäle endigen, welche bei dieser Gattung dicht neben der Mittellinie hinlaufen, an der ventralen Seite des Nervenstranges zwei riesige Ganglienzellen mit gleichfalls außerordentlich großen Kernen getroffen habe. Oligochaeten dagegen, Licmhricus und Lumhriculus^ habe ich nur mit negativem Er- folge untersucht, eben so auch Spirographis Spallanzanii^ welche nach Claparède's Angaben durch besonders mächtige »fibres tubulaires« aus- gezeichnet ist. Ich fand Claparède's Schilderung ^ in allen Punkten sehr genau und konnte ferner constatiren, dass die Canale von einer äußerst blassen Masse erfüllt waren, die deutlich eine sehr zarte Längs- streifung erkennen ließ ; riesige Ganglienzellen hingegen ließen sich nicht nachweisen, und eben so blieben meine allerdings etwas curso- rischen Bemühungen, über das vordere Ende der Canale ins Klare zu kommen, ohne Erfolg. Es muss daher einstweilen unentschieden bleiben, ob die von einem blassen weichen Inhalte erfüllten Röhren, welche das Bauchmark sa vieler Anneliden durchziehen und sich zum Theil bis in die Schlund- connective und das Gehirn erstrecken, sämmtlich von gleichem Werthe oder vielmehr Bildungen verschiedener Art sind. Jedenfalls ist durch die obigen mitgetheilten Untersuchungen dargethan, dass die »Röhren- faserna der Halla und Arabella wirklich das darstellen, als was Cla- PARÈDE 2 und Leydig 3 die »Neuralcanäle« der Oligochaeten schon längst angesprochen haben, nämlich »riesige Nervenfasern«, welche von zuge- » E. Claparède, Structure des Annélides sédentaires. a. a. 0. t. XXII. p. 1 1 2 ff, 2 E. Claparède, Recherches anatomiques sur les Oligochètes. Mém. Soc. Genève, t. XVI. p. 225. 3 Fr. Leydig, Vom Bau des thierischen Körpers, p. 154 etc. Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 41 hörigen riesigen Ganglienzellen ausgehen i. Trotzdem sind auch für diese Objecte noch manche wichtige Punkte aufzuklären, so namentlich das Verhalten der Fasern an dem von der Zelle abgewandten Ende, aus dem allein Schlüsse auf die Function dieses Apparates zu ziehen sind. ' Statt einer eingehenden Darstellung der historischen Entwicklung unserer Kenntnisse von diesen Gebilden, welche kein dem beanspruchten Räume ent- sprechendes Resultat liefern würde, gebe ich eine Zusammenstellung der darauf bezüglichen Litteratur in chronologischer Anordnung mit kurzen Hinweisen auf die von dem jedesmaligen Verfasser acceptirte Deutung resp. Bezeichnung, in der Hoffnung, dass diese Übersicht einem späteren Beobachter, der sich dem Studium dieses Gegenstandes intensiver und extensiver widmen kann, die Mühe etwas er- leichtern möge. -'»^ E. Claparède, Etudes anatomiques sur les Annelides, Turbellariés, Opalines et Grégarines observés dans les Hébrides. Mém. Soc. Phys. et Hist. Nat. Ge- nève, t. XVI, 1862. — Pacht/ dr ilus , p. 75 «cylindre axial«, Clitellio are- nurius p. 104 »cylindre d'axe«. Recherches anatomiques sur les Oligochètes. ibid. p. 225 »canal axial«, der sich bei genauerer Untersuchung herausstellt als «forme d'une substance corticale et d'un faisceau de fibres central«. Lumbriculus variegatus, pl. III. fig. 5; Stylodrilus Heringianus, pl. III. fig. 8. W. Keferstein, Untersuchungen über niedere Seethiere. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 12. 1862. (Sep.-Abdr. p. 125.) Cö^eie?/«, »Centraler Canal.« E. Claparède, Beobachtungen über Anatomie und Entwicklungsgeschichte wir- belloser Thiere an der Küste von Normandie angestellt. Leipzig 1863. — Capitella rubicunda, p. 27. »Axencanal.« Fr. Leydig, Vom Bau des thierischen Körpers. Bd. I. Tübingen 1 864. p. 154. »Dunkel- randige Nervenfasern.« Lumbricus agricola, p. 170 ff. Kritische Bemerkungen. Lumhriciilus variegatus p. 171. Stylaria proboscidea, p. 171. Eneliytraeus galba p. 174. " • Tafeln zur vergleichenden Anatomie. Heft I. "Tübingen 1864. Lutnbricus agricola, Taf. III. Fig. 8, Taf. IV. Fig. 8, Taf V. Fig. 1 ; Enchytraeus galba, Taf. IV. Fig. 3; Stylaria proboscidea. Taf IV. Fig. 5 ; Lumbriculus variegatus, Taf. IV. Fig. 6. E. Ehlers, Die Borstenwürmer. Leipzig 18(64— )68. p. XIV »Axencanäle«. Eu- nice Harassii, p. 335 »1 Centralcanal«. Taf. XIV. Fig. 24. Nereis cultri- fera, p. 488 3 Canale. Taf. XIX. Fig. 17, 18. Nephthys cacca, ^.^V2 »2 Axen- canäle«. Taf. XXIII. Fig. 32. Glycera dibranchiata, p. 691 »6 Axencanäle«. Taf. XXIV. Fig. 27. E. Claparède, Les Annelides Chétopodes du Golfe de Naples. le partie. Mém- Soc. Phys. et Hist. Nat. Genève, t. XIX. 1868. — Halla parthenopeia, p.449. t. XX. pl. 31. fig. 4. »3 fibres tubulaires gigantesques«. Les Annelides Chétopodes du Golfe de Naples. 2e partie. ibid. t. XX. 1870. »grosses fibres tubulaires«. — Arenicola Grubii, p. 39, pl. 19. fig. 2 F, 2 G, 2 H. »2 grosses fibres«. Theodisca liriostoma, p. 52, pl. 24. fig. 3 F, »1 fibre tubulaire«. Arida foetida, p. 49. pl. 20. fig. 2 G. |'l grosse fibre tubulaire«. Nerine cirratulus, p. 68, pl. 24, fig. 1 M. »1 lar^l Äbre tubulaire«*' und 2—3 schmälere. Notomastus lineutus, p. 20, pl. 27. fig. 4 F. »1 fibre tubulaire«. .\ ..-■ 42 J- W. Spengel Nach den bisherigen Beobachtungen wissen wir nicht einmal, ob diese Fasern aus dem Bauchmark austreten und bestimmte Orgaue versorgen, oder ob sie, wie es fast den Anschein haben könnte, ganz im Bauch- marke liegen bleiben'. Die Unsicherheit über diese Verhältnisse er- E. Claparède, Recherches sur la structnre des Annélides sédentaires. Mém. Soc. Phys. et Hist. Nat. Genève, t. XX. 1873. »fibres tubulaires«. — Sinrograiihis Spallanzcmii, p. 113 — 117, pl. 5; Branchiomma, p. 117, pl. 14, fig. 10 ; Pi-otula intestinum, p. 117, pl. 8. fig. 2 — .5; Myxicola infundibidwn , p. 117 — 120, pl. 6 u. 7. Nerine cirratulus, p. 121, pl. 1.5, fig. 5. — Terehella flexuosa, p. 122, pl. 10, flg. 1 unù. Audouinia ßligera, p. 122, pl. II, fig. 9. »2 cordons d'une substance homogene, depourvus d'enveloppe«. C. Semper, Die Stammesverwandtschaft der Wirbelthiere und Wirbellosen. Arb. zool. zoot. Inst. Würzburg, Bd. II. 1874. p. 54 »Chorda«. Die Verwandtschaftsbeziehungen der gegliederten Thiere. III. Strobilation und Segmentation. ibid. Bd. III. 1876. p. 202. LEYDiG'sche Fasern. Keine echte Nervenfasern. Sabella, Spirograjyhis: Röhren. Lumbricus, Nais: über den Nervensträngen ; Polynoe, NephtJnjs : in der Mitte derselben ; Hyulinoecia, unter denselben. Hyalinoecia 1 ; Sabella, Liimbriciis 2 oder 3, Polynoe 4. Zusammengehörigkeit dieser Gebilde zweifelhaft. W. C. McIntosh, Beiträge zur Anatomie von Magelona. Zeitschr. f. wiss. Zoo- logie. Bd. 31. Ib78. — p, 455 »Neuralcanäle«. Liste der Familien, von denen solche bekannt sind [Sigalioniden, Nereiden, Euniciden, Onuphidide?i, Goniadiden, Glyceriden, Ariciiden, Spioniden, Haiehninthiden, 3Ialdamden, Hermelliden, Säbelnden^ Eriographididen und Serptiliden). Magelona und Ne- rine foliosa: hinten 1, vorn 2 Canale. Fr. Vejdovsky, Beiträge zur Kenntnis der Tomopteriden. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 31. 1878. »Bauchstrangscanälc. « p. 87. Tomopteris. Erwäh- nung solcher von Criodrilus, Enchytraeiis, Polyophthalmus. Beiträge zur vergleichenden Morphologie der Anneliden. I. Monographie der Enchytraeiden. Prag 1879. — »Von einer feinen Membran umgebene Röhren , die aus einer knorpelartigen Substanz zu bestehen scheinen.« P. Langerhans, Die Wurmfauna von Madeira. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 34. 1880. — Prionospio Steenstrupii, p. 91. 2 LEYDiG'sche Fasern; Schwärzung in Osmiumsäure ; markhaltige Nervenfasern. Ein Gebilde, das gleichfalls mit diesen LEYDiG'schen Fasern zu vergleichen ist , dürfte der von Greefp entdeckte »Centralcanal« des Nervensystems der Echiuriden sein. Vgl. darüber R. Greeff, Über die Organisation der Echiuriden. Sitzungsber. d. Ges. z. Bef. d. ges. Naturw. Marburg 1874. Nr. 2. p. 25. Echiurus Pallasii. »Centralcanal«. Die Echiuren (Gephyrea armata) : Nova Acta Ksl. Leop. -Carol. Deutschen Akad. d. Naturf. Bd. XLI. pars II. No. 1. Halle 1879. — Echiurus Pallasii p. 85, Taf. XVII. (2) Fig. 20 A, 21, 22 ; Bonellia viridis, Taf. XXIII. (8) Fig. 87. J. W. Spengel, Beiträge zur Kenntnis der Gephyreen. II. Die Organisation von Echiurus Pallasii. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 34. 1880. — »Neuralcanal.« p. 487. 488. 490. Taf. 26. Fig. 47. 48. 49. 1 Von der Vermuthung ausgehend, es möchten vielleicht diese Zellen für Sinnesorgane bestimmt sein, welche in naher Beziehung zu den Ganglien des Bauch- Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 43 • Schwert auch zur Zeit den Vergleich mit der bei anderen Thieren be- stehenden Anordnung der Elemente des Nervensystems. Hier kommen zunächst die Hirudineen in Betracht, deren sog. FAivRE'scher interme- diärer Nerv von Leydig und Späteren den »riesigen Nervenfasern« der Chaetopoden verglichen wird. Was wir durch Hermann > über diese Theile gelernt haben, ergiebt nun zwar einen Zusammenhang des me- dianen Nervenstranges mit großen medianen Zellen : aber einerseits sind diese multipolar und geben Fortsätze auch an die Seitennerven ab, und andererseits mischen sich dem medianen Nerven Fibrillen von den klei- neren Zellen des Ganglions bei , Unterschiede , welche mindestens zur Vorsicht bei solcher Vergleichung mahnen. Eines geht indessen sicher aus den bis jetzt vorliegenden Beobach- tungen hervor, nämlich dass erhebliche Differenzen in der Größe der Ganglienzellen wie bei Wirbelthieren und Arthropoden so auch bei An- neliden bestehen, und dass die bestimmte Anordnung dieser auf eine zunächst allerdings noch unbekannte besondere Function dieser großen Elemente schließen lässt. Bei fortgesetzten Untersuchungen wird das Augenmerk sich also mehr als bisher auf diese Gebilde zu richten haben, um namentlich deren Zusammenhang mit den fasrigen Elementen und weiter mit peripherischen Organen festzustellen 2. Aber auch für marks stehen, suchte ich in der Litteratur nach Angaben über solche, und dabei fielen mir in Ehlers' »Borstenwürmern« ;Taf. XVI, Fig. 17 u. 18j die Angenflecke des Palolowurmes auf. Dieselben sollten nun aber nach der Angabe von J. D. Mac- donald (On the esternai anatomy and natural history of the genus of Annelida named Paiolo by the Samoans and Tonguese, and Mbalolo by the Figians. Trans. Linn. Soc. London, vol. XXII. 185S. p. 237 — 239. pl.41), denen auch Ehlers Die Borstenwürmer, p. 367 Anm.) beistimmt, auf dem Kücken liegen. Dies ist indessen einirrthum : dieselben stehen auf der Bauchseite und zwar liegt jeder Fleck einem Ganglion des Bauchmarks an, offenbar dem von Ehlers erwähnten, als Rest einer Drüsenmasse bezeichneten »längslaufenden Streifen einer feinkörnigen Masse«. Die von Ehlers a. a. 0. gegebene Beschreibung ist in den wesentlichen Zügen durchaus zutreffend. Leider waren die mir vorliegenden Exemplare nicht gut genug erhalten, um den Bau dieser Organe vollständig erforschen zu können. Es kann jedoch keinem Zweifel unterliegen, dass dieselben nicht, wie Ehlers meint, Drüsenausführungsgänge, sondern wirklich Augen sind. 1 E. Hermann, Das Central-Nervensystem von Hirudo medicinalis. München 1875. p. 89—90. 2 Man findet in fast allen neueren Publicationen über den feineren Bau des Nervensystems der Arthropoden riesige Ganglienzellen erwähnt, dagegen nur ganz vereinzelte Angaben über den Zusammenhang derselben mit den Fasern. Nach Claus (»Der Organismus der Phronimiden. Arb. a. d. Zool. Inst. "Wien, Bd. IL p. 50) gehen aus denselben bei Phronimiden »breite bandförmige Nervenfasern her- vor, welche sich sehr deutlich von den umgebenden zarteren Fibrillen abheben und 44 J. W. Spengel « die Frage nach dem Wesen der sog. Punktsubstanz werden diese Ele- mente eine Bedeutung gewinnen müssen , und hier habe ich in erster Linie auf die Untersuchungen von A. Lang über das Nervensystem der Trematoden hin/Aiweiscn, durch welche zum ersten Male ein Verhalten dargethan ist, das dem der riesigen Ganglienzellen wenn nicht in jeder Hinsicht analog, so doch sehr ähnlich ist, indem dort gezeigt ist, dass die Ganglienzellen von einer namentlich an den größeren Zellen sehr deutlichen Scheide umgeben sind , welche auf den Fortsatz übergeht und hier als «Nervenröhre« erscheint, dass aber die sog. spongiösen Stränge nur ein Complex von engeren und weiteren solcher «Nerven- röhren« sind. Um den Umfang dieses Aufsatzes nicht über die Gebühr und in argem Missverhältnis zu dem meiner Untersuchungen auszudehnen, be- gnüge ich mich mit diesen, wie ich gestehe, etwas flüchtigen Andeu- tungen und wende mich nunmehr zur Schilderung des peripherischen Nervensystems. In jedem Segmente verlässt ein Nervenpaar das die Mitte einnehmende Hauptganglion. Die charakteristische Anordnung der Elemente des Ganglions, welche auch bei den verwandten Anne- liden stets in derselben Weise wiederkehrt, ist aus Fig. 6 ersichtlich. Die Faserzüge senden nämlich jederseits einen Strang, der die Zellen- massen durchbricht, in schräger Richtung gegen die ventrale Fläche, um zwischen Muskulatur und Epidermis gegen die Basis des Parapodiums hinzuziehen. Die Anordnung wird auch da nicht aufgegeben, wo wie bei Lumbriconereis und Halla das Bauchmark viel weiter von der Haut entfernt ist ; in Folge dessen nehmen die austretenden Nerven zuerst einen fast parallelen verticalen Verlauf , bis sie die Haut erreichen. Bei Holla, wo eine Art Cutis, nämlich eine bindegewebige Schicht mit sich durch- kreuzenden Muskelfasern stark entwickelt ist, liegen die segmentalen Nerven in dieser und geben hier starke Äste an die ungemein drüsen- reiche Epidermis ab (Fig. 56). An der ventralen Seite der Basis des Parapodiums erhält jeder Nerv eine ganglionäre Verstärkung (Fig. 7 und 9 ffr) und erzeugt ein kleines Fußganglion, wie es Quatrefages unter dem Namen »Ganglion de renforcementa für verschiedene Anne- liden beschrieben und abgebildet hat^. Ich fand dasselbe auch bei bis in den vorderen Abschnitt des seitlichen Nervenstammes verfolgen lassen«. Die Deutung dieser Zellen als motorische scheint mir indessen zunächst der Begrün- dung zu entbehren. 1 A. DE Quatrefages, Memoire sur le Systeme nerveux des Annelides. Ann. Sc. Nat. Zool. sér. 3. t. XIV. p. 329. Siehe auch Claparède, Ann. Chét. Naples, Suppl. a. a. 0. t. XX. p. 451. Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 45 Arabella^ Halla^ Z)n7owem5 und Z^^»^inco?^em■s schön entwickelt. Von diesem Ganglion aus wendet sich der Nerv au die Hinterseite des Para- podiums und tritt dann, hinter dem Borstenbündel herum, wieder in die Mitte des Segments, so dass auf Querschnitten die Fortsetzung' in der dorsalen Hälfte sichtbar wird (Fig. 9) . Man überzeugt sich unschwer davon, dass die Nerven von beiden Seiten her weit gegen die dorsale Mittellinie hin vorrücken, und da man auch Schnitte trifft, in denen an der Rückeuseite ein von der einen zur anderen Körperseite quer hin- überziehendes Stück des Nerven zu erkennen ist, so ist wohl nicht daran zu zweifeln, dass die von Quatrefages ^ für Nereis regia angegebene Vereinigung der segmentalen Nerven an der Rückeuseite auch bei Oligognathus eintritt, obwohl es mir nicht gelungen ist, Schnitte zu er- halten, welche die Nerven in der ganzen Ausdehnung ohne Unter- brechung zeigten. Zu demselben Resultat bin ich durch meine Unter- suchungen an Halla gekommen ; hier habe ich Querschnitte durch den dünneren Hinterkörper gelegt und auf diesen ein reich entwickeltes Nervenuetz, das sich über die dorsale Mittellinie von beiden Seiten hinaus erstreckte, unter der Epidermis des Rückens gefunden. Sonach bestände auch bei Chaetopoden die durch Kefeestein und Ehleps^ für Sipunculus und durch meine Untersuchungen für EcJmirus^ con- statirte ringförmige Schließung der peripherischen Ner- ven. Welche Verbreitung diese Anordnung hat, ist natürlich zur Zeit nicht zu sagen, so lange unsere Kenntnisse über die peripherischen Nerven der Anneliden so mangelhaft sind. Auf Längsschnitten durch den Körper, sowohl dorso-ventralen wie horizontalen, fallen bei aufmerksamer Beobachtung blasse Stränge auf, die dem Bauchmark parallel nahe dessen dorsalen seitlichen Rändern von der vorderen zur hinteren Grenze jedes Segments, vielleicht mit Ausnahme der vordersten, ziehen und mit den Nebenganglien in Ver- bindung zu stehen scheinen. Dieselben enthalten (Fig. 36; eine Anzahl großer kugliger Kerne [sy] mit einigen dunklen Körnchen; das um- gebende Plasma traf ich indessen nie deutlich zu Zellen abgetheilt. Außer diesen Elementen wird der Strang von einer Substanz gebildet, die äußerst zarte Längsstreifen erkennen lässt, die vielleicht zum Theil auf Faltungen einer dünnen Hülle zurückzuführen sind, welcher auch einige spärliche längliche Kerne [p] angehören, zum anderen Theil 1 A. DE Quatrefages, a. a. 0. p. 343, pl. 6. fig. II. 2 W. Keferstein u. E. Ehlers, Zoologische Beiträge. Leipzig 1861. p. 47. 3 J. W. Spengel, Beiträge zur Kenntnis der Gephyreen II. Zeitschr. f. w. Zool. Bd. 34. p. 486. 46 J- W. Spengel aber von einer Faserung des Inhalts herzurühren scheinen. Ich bin geneigt, in diesen Zügen, die man Constant auf den oben bezeich- neten Schnitten autriift, die ich aber nur bei Oligognatiais unter- sucht habe, ein sympathisches Nervensystem zu erblicken; doch gebe ich diese Deutung mit aller Reserve, die durch den mangeln- den Nachweis des organischen Zusammenhanges mit dem Bauchmarke einerseits und mit dem Darmcanale andererseits geboten ist. Ich theile diese Beobachtungen nur mit, um auf diesen gewiss weiterer Verfolgung würdigen Gegenstand hinzuweisen. Genauere Untersuchungen hierüber dürften um so mehr erwünscht sein, als über einen Sympathicus bei Chaetopoden bis jetzt nichts Sicheres bekannt ist^. Es bleibt endlich das Schlundnervensystem von OUgognathus, dessen Ursprung aus einem besonderen Abschnitte des Gehirns oben geschildert ist, genauer zu beschreiben. Ich verweise dafür auf die Figuren 23 — 29. Aus jeder. Hälfte des erwähnten Ganglions entspringt ein Schlundnerv, der zunächst der dorsalen Wand der Mundhöhle an- liegt (Fig. 23 und 24), mit dem Auftreten der Mundwülste aber etwas mehr seitlich rückt, dann noch einen kleinen seitlichen Ast abgiebt und schließlich gegen das hintere Ende der Wülste, wo der Kiefer- sack sich vom Oesophagus abzweigt (Fig. 26 und 27), an der ventralen Seite des letzteren erscheint. Schon weiter vorn aber sind um den an- fangs nur aus Fasern gebildeten Strang Ganglienzellen aufgetreten (Fig. 25), die sich an der Grenze von Kiefersack und Oesophagus zu zwei starken Ganglien ansammeln, welche nicht nur in der Oesophagus- wand liegen, sondern diese geradezu bilden helfen, indem hier keine Grenze zwischen Epithel und Ganglienzellen zu erkennen ist (Fig. 26 und 27 ) . Es ist möglich, dass hier auch eine Commissur die beiden Ganglien verbindet , obwohl ich dieselbe in meinen Schnittserieu ver- misse; indessen ist sie bei Halla und auch bei Euniciden (z. B. Dio- patra] , wo sich gleichfalls zwei solche Schlundganglien finden, sicher vorhanden. Die Nerven aber lassen sich in der Wand des Oesophagus (Fig. 28 und 29) noch bis in die Gegend des hinteren Endes des Kiefer- sackes verfolgen , bis sie allmählich dünner werden und endlich auf- 1 Über das sympathische Nervensystem der Hirudineen siehe Leydig, Vom Bau des thierischen Körpers, p. 160; Tafeln zur vergleichenden Anatomie, Taf. IV, Fig. 1 ; ferner E. Hermann, Centralnervensystem von Hirudo, p. 93—94. Taf. IX. Vgl. ferner J. T. Cattie, Beiträge zur Kenntnis der Chorda supra- spinalis der Lepidopteren und des centralen, peripherischen und sympathischen Nervensystems der Raupen. Zeitschr. f. w. Zool. Bd. XXXV. p. 304, woselbst die Litteratur über den Sympathicus der Insecten angeführt ist. Oligognathus Bonelliae, eine schmarotzende Eunicee. 47 höreu. Wo die Mundwülste kräftig entwickelt sind, wie bei Halla und Lumhriconereis zweigt sich von jedem Schhmdnerven vorn ein beson- derer Ast ab (Fig. 40 — \1pK], der die Sinnesorgane der Mundwülste versorgt. Bei Lumhriconereis (Fig. 40) finde ich einen dünnen Nerven- strang, der den Schlundnerven [pli] mit dem Schlundconnectiv [seh] ver- bindet. Da ich eingehendere Untersuchungen über das Schlundnerven- system der verwandten Gattungen nicht augestellt habe, verzichte ich auf eine Discussion dieser Befunde und einen Vergleich mit den genauen Beschreibungen von Quatrefages u. A. i. Blutgef äfssystem . Über dies System habe ich nicht viel ermitteln können, da die lebenden Thiere zu Untersuchungen darüber ganz ungeeignet waren, die Präparate aber nicht den Zusammenhang aller Theile erkennen ließen. Folgendes sind die Thatsachen, die ich mit einiger Sicherheit beobachtet habe. Wie bei den meisten Anneliden laufen ein dorsales, mit musculöser Wandung (Fig. 20, Fig. ^ dv] versehenes, also con- tractiles und ein dünnwandiges, der Muskeln entbehrendes ventrales Ge- fäß (Fig. 8, Fig. 13, Fig. 9 w^ Fig. 31 vv^ Fig. 36 m) der Länge nach durch den ganzen Rumpf. Dorsalwärts vom Rückengefäße aber treffe ich auf Quer- Fig. 9 dv) wie auf Längsschnitten stets noch ein zweites dünnwandiges, aber nur enges Längsgefäß, dessen Zusammenhang mit dem ersteren ich nicht habe auffinden können. Eben so gesellen sich zu dem ventralen Hauptgefäß noch secundäre, nämlich zwei zu den Seiten des Nebendarmes verlaufende, durch Queranastomosen verbundene Gefäße (Fig. 30 und 31 vt»') und ferner zwei Nervengefäße (Fig. 19, Fig. 34, Fig. 35 wo^ , welche rechts und links vom Bauchmarke hinziehen. So weit ich habe erkennen können , verbinden sich diese letzteren durch kurze Anastomosen mit dem ventralen Hauptgefäß ; ob aber ein directer Zusammenhang zwischen diesem und den Nebendarmgefäßen 1 Über das Schlundnervensystem der Chaetopoden siehe namentlich : Fr. Leydig, Vom Bau des thierischen Körpers, p. 146. 169^176. A. DE Quatrefages, Memoire sur le Systeme nerveux des Annelides. Ann. Sc. Nat. Zool. sér. 3. t. XIV. p. 329 ff. Note sur les systémes musculaire, vascu- laire et nerveux de la trompe chez la Marphyse sanguine. Ibid. sér. 5. t. XI. p. 323. E. Ehlers, Die Borstenwürmer. p. 363. 485. 690. C. Semper, Die Verwandtschaftsbeziehungen der gegliederten Thiere. III. Arb. zool.-zoot. Inst. Würzburg, Bd. III. p. 1-50. 301 ff. Fr. Vejdovsky, Monographie der Enchytraeiden. Prag 1879. 48 J- W. Spengel besteht, weiß ich nicht. Dagegen verbinden sich die letzteren mit den Schlingen, welche Bauch- und Rückengefäß in Communication setzen. Solcher Schlingen entspringen aus dem secundären Rüekengefäße in jedem Segment zwei : eine verläuft dicht unter der Haut, zwischen Ring- und Längsmuskeln, die andere zwischen Längsmuskeln und Darm durch die Leibeshöhle. Am ventralen Rande des dorsalen Längsmuskel- bandes aber vereinigen sich diese beiden und ziehen dann neben dem Ringnerven an der hintern Basis des Parapodiums hin, um sich, wie mir schien, an der ventralen Seite des letzteren abermals in mindestens zwei, vielleicht drei Äste zutheilen. Von diesen läuft einer zwischen den beiden Muskelschichten bis zur ventralen Medianlinie und vereinigt sich hier mit dem Aste der anderen Körperseite, und aus dem Vereinigungspunkte entspringen zwei kurze Gefäße ^Fig. 34 nv'] , welche dorsalwärts auf- steigen und in die Nervengefäße ■nv] münden. Der andere Ast tritt wiederum in die Leibeshöhle und scheint zum ventralen Hauptgefäß zu ziehen: doch ist mir diese Verbindung etwas zweifelhaft geblieben. An der dorsalen Gabelungsstelle der Schlinge mündet im Gebiete des Nebendarms endlich in jedem Segment ein vom Nebendarmgefäß aus- gehender Ast ein. Noch complicirter wird der Verlauf der Gefäße am Kopfende. Hier senkt sich das dorsale Gefäß zwischen den Nackeu- wülsten ventralwärts und theilt sich in zwei Äste, die mit zwei Gabel- ästen des ventralen Hauptgefäßes zu commuuiciren scheinen, außerdem aber in den Kopf läppen zahlreiche Gefäße abgeben, die hier ein feines Capillarnetz bilden. Das Blut ist blass gelblich gefärbt und enthält eine Anzahl rundlicher Zellen (Fig. 36). Segmeutalorgaue. Segmentalorgane sind in allen Segmenten mit Ausnahme der vordersten zu je einem Paare vorhanden. In welchem Segment sich das erste Paar befindet, vermag ich nicht anzugeben. Am frischen Objecte habe ich von denselben nichts wahrnehmen können, wenn nicht etwa ein Wimperbüschel, das ich an einem frischen Präparate an der Basis jedes Parapodiums sah, die Ausmündung derselben bezeichnete. Später habe ich solche nicht wieder beobachtet. Dagegen ist es nicht schwer, sich auf Schnitten die Segmentalorgane in ihrer ganzen Ausdehnung zur Anschauung zu bringen und zwar eignen sich dazu vorzüglich horizon- tale Längsschnitte (Fig. 55) . So viel ich habe erkennen können, be- ginnt jedes Segmentalorgan mit einem Trichter [tr), der dem ventralen und hinteren Theile der Seitenwand des Segments so anliegt, dass er Oligognathus Bouelliae, eine schmarotzende Eunicee. 49 njit der nach vorn gerichteteu Öffniiug iu die Segmenthöhle blickt. Die Form des Trichters konnte ich indessen an keinem meiner Präparate genau erkennen. Eben so wenig vermochte ich Wimpern an demselben wahrzunehmen. An den Trichter schließt sich nun ein dünner, mit äußerst engem Lumen versehener Canal [sg] an, der medianwärts ziehend das Dissepiment durchbricht, dann, in der dahinter gelegenen Segmenthöhle angelangt, ziemlich kurz umbiegt und schräg nach hinten und lateralwärts bis an die Basis des Parapodiums zieht, um hier mit einem sehr feinen Porus auszumünden. In der Wandung des Canales und des Trichters liegen rundliche Kerne ; die Grenzen der zugehörigen Zellen konnte ich nicht darstellen. Längliche Kerne an der Oberfläche des Organes gehören einem Peritonealüberzuge an. Über den Bau der Seg- mentalorgane der verwandten Anneliden sind meine Beobachtungen lei- der noch lückenhafter geblieben, was um so mehr zu bedauern ist, als über die Segmentalorgane der Euniceen bisher überhaupt erst sehr v^^enig bekannt ist. Meines Wissens liegen darüber, abgesehen von den bereits oben erwähnten ganz irrigen Angaben von Ehleks, nur zwei Beobachtungen vor, von denen die eine von Claparède herrührt ^ und sich auf Eunice scMzohranchia bezieht, während die zweite sich in der neuesten Abhandlung über Segmentalorgane der Anneliden von Cos- mo vici '-^ findet. Nach Claparède's Abbildung hat es den Anschein, als ob die Öffnung des becherförmigen Trichters gegen das Segment ge- richtet wäre, dem auch der canalförmige Abschnitt des Organes an- gehört; aus dem Text ist indessen über diesen Punkt nichts Sicheres zu entnehmen. Die Mündung des Canales konnte Claparède nicht entdecken ; er verfolgte denselben nur bis au die Basis des Parapo- diums. Cosmo VICI beschreibt die Segmentalorgane von Marphysa sanguìnea] dieselben sollen an der hinteren Wand des Dissepiments liegen und mit einem in das zugehörige Segment mündenden Trichter versehen sein , wie denn Cosmovici überhaupt für alle Polychaeten die Behauptung aufstellt, die Segmentalorgane communicirten nur mit dem Segmeute, in dem sie ausmünden. Die äußere Mündung ist auch Cos- movici entgangen. Dagegen fehlen mir Beobachtungen über die innere Öffnung, den Trichter, während ich den Canal, der mit einem weiten Lumen versehen und von einem mit langen Cilien besetzten Epithel aus- gekleidet ist und den äußeren Porus bei Lumhriconereis und Halla be- obachtet habe. Derselbe hat in beiden Fällen genau die entsprechende I E. Claparède, Aun. Chét. Naples, Suppl. a. a.O. t. XX. p. 398. pl. 2, fig. 6. - L. C Cosmovici, Glandes genitales et organes segmentaires des Annelides polychètes. Arch. Zool. experim. et gén. t. VIII. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. III. 4 50 J- W. Spengel Lage wie bei OUgogmdhus. Bei Halla ist ein besonderer, mit dicker drüsiger Wandung versehener Endabschnitt vorhanden (Fig. 56). Der Porus liegt auf der Höhe des von Ehlers erwähnten und abgebildeten »stumpfen kegelförmigen Höckers, auf dessen Spitze eine runde Öffnung [fovea ovale Delle Chiaje) angebracht ist«^ Geschlechtsorgaue. Die von mir untersuchten Oligognathen waren sämmtlich nicht in geschlechtsreifem Zustande, und es ist mir daher nicht gelungen, Ge- schlechtsorgane bei denselben aufzufinden. Dagegen kann ich für Halla die Angaben von Ehlers ^ im Wesentlichen bestätigen. Auch ich habe nur weibliche Individuen getroffen. Die in der Seitenlinie angehefteten Gefäßbüschel waren dicht mit Eiern in verschiedenen Sta- dien der Ausbildung bedeckt, von den jüngsten Geschlechtszellen an bis zu reifen oder wenigstens nahezu reifen Eiern. An allen erkannte man deutlich einen zarten Überzug mit länglichen Kernen, der den frei in der Leibeshöhle liegenden Eiern fehlt. Ganz entsprechend verhalten sich die Geschlechtsdrüsen von Arabella, die ich auf einem wol noch indifferenten Stadium antraf. Neapel, Juli 1S81. Erklärung der Abbildungen. Tafe III. Alle Figuren mit Ausnahme von Fig. 3, 4 und 18 beziehen sich auf Oligognathus Bonelliae. Oberkieferapparat. 250/j. Unterkiefer. 250/j. Oberkieferapparat von Halla parthenopeia in Frofilansicht. z, ventraler zungenförmiger Anhang. 'Vi- Der zungenförmige Anhang von der Fläche. 'Vi- Ein Parapodium. Kopf mit den ersten 4 Segmenten. Verticaler Medianschnitt durch ein Parapodium. ac, Acicula; cd, dorsale Acicula ; (jr, »ganglion de renforcement« ; m, Muskelbündel, das neben dem Bauchmarke entspringt und sich an die dorsale Acicula ansetzt ; sg, • Ehlers, Die Borstenwürmer, p. 412. Taf. XVII. Fig. 31. 2 Ehlers, a. a. 0. p. 420. Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4. Fig. 5. Fig. 6. Fig. 7. Oligognathus Bonellìae, eine schmarotzende Eunicee. 51 Querschnitt des Segmentalorganes , in seinem weiteren peripherischen Verlaufe punctirt. 23o/j. Fig. 8. Halbschematische Übersicht der Borstenmnsculatur. hpv, vordere, bph, hintere Basiparietalmuskeln ; h, hr, horizontale Muskeln ; m, ventrales Hauptgefäß, 'so/j. Fig. 9. Querschnitt durch die Mitte eines Segments, hinter dem Nebendarm, dv, dorsales Hauptgefäß, dv' , dorsales Nebengefäß ; (jr, «ganglion de renforce- ment« ; vv, ventrales Hauptgefäß ; i^o/j , Fig. 10. Horizontaler Längsschnitt durch die Seitenwand eines der vorderen Seg- mente mit den Hautdrüsenballen dr. so/j . Fig. 11. Medianer verticaler Längsschnitt durch das Kopfende, kt, Kieferträger in seiner Tasche ; kt' , zungenförmiger Anhang; ks, Kieferwulst; mh, Mundhöhle; w6, Nebendarm; o . Alle diese Stämme vereinigen sich im Mesenchym in einem Centralorgan (Gehirn) und sind mit diesem zusammen ectoder- malen Ursprungs 2. Ein d ritte r Theil des Nervensystems der Polycladen endlich wird gebildet durch die Sinnesorgane (Augen) und die histologisch differenten Sinnesnerven, die, obschon sie im ausgebil- deten Thiere ebenfalls im Mesenchym liegen und obschon es weder mir noch einem anderen Forscher bisher geglückt ist, ihren Ursprung zu ermitteln, doch, wie a priori wahrscheinlich ist, vom Ectoderm ab- stammen. 1 Die zweithintersten Nerven, die jederseits vom Gehirn der Polycladen ab- gehen, haben mit den hintersten, den kräftigen Längsstämmen, eine gemeinsame Wurzel im Gehirn, können also als die ersten Seitenzweige dieser letzteren an- gesehen werden. - Den Beweis dafür werde ich in meiner Monographie der Polycladen er- bringen. Hier nur so viel : Im Embryo entstehen durch Wucherung aus dem Ecto- derm zu beiden Seiten des auf einem gewissen Stadium durch eine kleine Lücke im Ectoderm mit der Außenwelt in offener Verbindung stehenden, medianen Darm- astes zwei Zellgrupi^en, welche nach hinten auswachsend, sich secundär unter diesem Darmaste zum Gehirn vereinigen. Die Nervenstämme entstehen ursprüng- lich als Auszackungen des Gehirns und treten dann selbst wieder peripherisch von Neuem durch Commissuren mit einander in Verbindung, indem sie zugleich sich reichlich verästeln. Ihre Communication mit dem wahrscheinlich im Anschluss an die Musculatur aus dem Mesenchym hervorgehenden mesenchymatösen Plexus wird also erst eine secundäre sein. 78 Arnold Lang Es wiederholen sieh also bei den Polycladen dieselben Theile des Nervensystems, wie bei den Cteuophoren und zwar, was für einen Theil derselben sicher , für die übrigen Theile wahrscheinlich ist , mit der- selben Beziehung zu den Keimblättern. Die Unterschiede beruhen in erster Linie auf dem Auftreten einer Centralisation im Gesammtnerven- system der Polycladen. Während bei den Ctenophoren alle drei Theile beinahe unabhängig neben einander zu existiren scheinen, treten sie bei den Polycladen mit einander in Zusammenhang. Es verbindet sich der mesenchymatöse Plexus mit dem ectodermalen, es differenziren sich aus dem ectodermalen Nervenplexus größere Stämme heraus, welche sich in einem Centralorgane vereinigen, das seinerseits wieder mit den Sinnesorganen vermittelst besonderer Sinnesnerven in Beziehung tritt. Die specielle Anordnung des Nervensystems der Polycladen lässt sich wol unschwer aus der Umwandlung der Organisation erklären, welche ihre ctenophorenähulichen Vorfahren in Folge der Anpassung ans Kriechen durchzumachen hatten. Von den Polycladen ausgehend habe ich das Nervensystem nach zwei verschiedenen Richtungen hin verfolgt. Indem ich typische Formen herausgriff, habe ich einerseits die interessanten Modificationen er- läutert, welche die fortschreitende, durch die parasitische Lebensweise bedingte Degeneration im Nervensystem der Plathelminthen nach sich zieht. Andererseits habe ich das Nervensystem auch in jene Gruppen hinein verfolgt, welche das freie Leben beibehaltend, immer mehr die Anklänge an die Organisation der Coelenteraten verlieren, den höheren gegliederten Bilaterien sich hingegen in ihrem Baue immer mehr nähern. Bei der Zusammenstellung der gewonnenen Untersuchungsresultate fassen wir am besten jeden der drei Theile, in die wir das Nervensystem eintheilen konnten, gesondert ins Auge. 1. Das Centralnervensystem besteht aus dem Gehirn und den von ihm ausstrahlenden Nervenstämmen und ihren Commissuren, so weit sie vom Ektoderm abstammen. Das Gehirn ist anatomisch und histologisch nichts weiter, als die räumliche Vereinigung der Haupt- stämme des Centralnervensystems mit einander und mit den Sinnes- nerven durch Commissuren. Der Grad der Complication, den es er- reicht, entspricht in der That überall genau dem Verhalten der Nerven- stämme. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir bei den Polycladen, der ursprünglichsten Ordnung der Plathelminthen, das complicirteste Gehirn antreffen. Denn in dieser Abtheilung trifft man im Körper, wie schon hervorgehoben, eine ganze Anzahl von kräftigen Nerven an, Unters, zur vergi. Aiiat. u. Histol. des Nervensystems der Plathelminthen. 79 welche strahlenförmig- vom Gehirn ausgehen. Die Stelle, wo alle diese Nerven durch Commissuren mit einander vereinigt sind, das Gehirn, muss nothwendigerweise einen viel complicirteren Bau besitzen, als das Gehirn derjenigen Formen, bei denen das Centralnervensjstem nur aus wenigen Nervenstämmen besteht. Dass das Gehirn bei den Polycladen von einer häutigen Kapsel eingeschlossen ist. dürfte wol von keiner sehr großen Bedeutung sein. Streng genommen ist diese Darstellung nicht einmal richtig, denn unmittelbar außerhalb der Kapsel, dieser dicht anliegend, finden sich auch noch Commissuren zwischen den ins Gehirn eintretenden Nerven, und es ist kein Grund vor- handen, diese Commissuren nicht auch mit zum Gehirn zu rechneu. In diesem Falle gewinnt aber die durch den Austritt der Nerven vielfach durchbrochene Hülle der inneren Theile des Gehirns die Bedeutung eines Complexes von Substanziuselu, wie sie bei anderen Plathelmiu- then in den Lücken zwischen den Faserzügen des Gehirns vorkommen. Von diesem Standpunkt ausgehend, könnte man dann auch die, ge- nauer betrachtet falsche Ausdrucksweise anwenden, dass das Gehirn von dem umliegenden Körperparenchym nicht deutlich zu unterschei- den sei. Dies ist doch nur mit Bezug auf die Unzulänglichkeit tech- nischer Hilfsmittel richtig. Die den Fasermassen des Gehirns anlie- genden Zellen sind doch gewiss entweder Ganglienzellen oder fremd- artige ; Beides zusammen können sie sicherlich nicht sein. In der Gruppe der Tricladen, wo man ganz besonders von einem nicht scharf gesonderten Gehirn sprach, gelang es mir bei Gunda mit völliger Sicherheit nachzuweisen, dass ein umgrenzter, den Fasermassen außen anliegender Zellenbeleg von wirklichen Ganglienzellen gebildet wird, die sich von den außerhalb liegenden fremden Elementen ganz genau unterscheiden lassen. Würde man sich darauf capriciren, so würde man, dessen bin ich sicher, das nämliche Verhalten auch bei Süß- wasser- und Landtricladen constatiren können. Unter den Trematoden schließt sich, wie die Organisation und Lebensweise erwarten lässt, Tristomum im Bau des Gehirns am meisten an die Polycladen an. Da hier die Längsnerven unter allen Nervenstämmen in Folge der Verschiebung des Gehirns an das vor- derste Körperende weitaus am kräftigsten entwickelt sind, so besteht dem entsprechend auch das Centralorgan der Hauptmasse nach aus der, die beiden Läugsstämme verbindenden Faserbrücke, der gegen- über die Commissuren zwischen den übrigen austretenden Nerven sehr zurücktreten. Während bei den Polycladen die Commissuren, welche die Sinnesnerven mit einander und mit den übrigen Nerven verbinden, 80 Arnold Lang in der forderen und oberen Gehirngegend einen histologisch und ana- tomisch hervorragenden Theil des Centralorgans bilden, reduciren sich diese Elemente bei Tristomum (wo nur noch vier Augen, und zwar im Gehirn selbst liegend, vorkommen) derart, dass sie sich von^en übrigen Theilen des Gehirns nicht mehr unterscheiden lassen. ^ ^ Die Vereinfachung im Baue des Gehirns setzt sich bei deü übrigen untersuchten Trematoden nach Maßgabe der fortschreitenden Degene- ration weiter fort. Bei Pleurocotyle und Distomum nigro- flavum erscheint das Gehirn als unansehnliche Quercommissur zwi- schen den schwach entwickelten Längsstämmen. Bei Distomum hepaticum sind Seitennerven und Gehirncommissur etwas stärker entwickelt. Ganz eben so wie die erstem verhält sich das Gehirn bei Am philin a und denjenigen Cesto den^, deren Scolex nur unan- sehnliche Muskelapparate besitzt. Hier ist das Gehirn so schwach ent- wickelt, dass sein Nachweis mit den größten Schwierigkeiten ver- knüpft ist. Bei denjenigen Cestoden hingegen, deren Scolex, wie bei den Tetrarhynchen^, complicirte und kräftige Muskelapparate be- 1 MoNiEZ hat in seiner großen und schätzenswerthen »Monographie des Cysti- cerques« den Versuch gemacht, den Bandwurmkörper gerade umgekehrt, als wie es bisher geschehen, zu orientiren. Nach ihm ist der Scolex das hintere Köperende und weiter nichts als ein Haftapparat; das älteste Glied hingegen das vordere Körperende. Das Nervensystem im Scolex ist im Anschluss an die musculösen Haftapparate entstanden. Durch diese Orientirung glaubt Moniez die Gliederung und Sprossung der Cestoden mit der Segmentation und Sprossung der Annulaten in Einklang bringen zu können. Ich kann diesen Versuch durchaus nicht für glücklich halten. Das Gehirn der Cestoden hat entschieden nicht den Bau der bei den Plathelminthen im Anschluss an die Musculatur neu entstandenen Ganglien, sondern stimmt vielmehr mit dem Gehirn der anderen Plattwürmer im Wesentlichen überein. Kahane und ich selbst haben ferner im Scolex gewisser Cestoden unzweifelhafte Keste von Organen nach- gewiesen, die bei den übrigen PlattwUrmern stets zu dem Anfangstheil des Darm- canals in Beziehung stehen. Auch die Lage der contractilen Blase des Wasser- gefäßsystems spricht gegen die MONiEz'sche Auffassung. Entscheidend aber ist nach meiner Ansicht die Thatsache, dass jedes einzelne Bandwurmglied anatomisch dem ganzen Körper der übrigen Plathelminthen, also auch der ganzen gegliederten Gunda segmentata nach Abzug des vordersten Körpertheiles entspricht, der das Gehirn, aber keine Geschlechtsorgane enthält. Dieser vorderste Körpertheil wird in der Bandwurmstrobila durch den sich nicht wiederholenden Scolex re- präsentirt. - Unmittelbar vor dem Erscheinen meiner Abhandlung über das Nervensystem der Cestoden publicirte Pintner eine vortreflfliche Arbeit : »Untersuchungen über den Bau des Bandwurmkörpers«, worin er genaue Beobachtungen über das Nerven- system von Tetrarhynchen mittheilt. Ich freue mich, dass ich, was die Thatsachen anbetrifft, zu wesentlich denselben Resultaten, wie Pimtner gelangt bin, der sich Unters, zur vergi. Auat. u. Histol. des Nervensystems der Plathelminthen. 81 herbergt, an die zum Theil besondere, direct ans dem Centralorgan entspringende Nerven herantreten, tritt von Neuem eine größere, der verwickeiteren Anordnung der Nervenstämme entsprechende Compli- cation ein, die sich hauptsächlich in der Ausbildung dorsaler und ven- traler, einander congruenter Quercommissuren und in dem Auftreten paariger dorsoventraler Commissuren kundgiebt. Für die Einzelheiten verweise ich auf die detaillirte Beschreibung, die Pintner und ich selbst gegeben haben. — Was den sensoriellen Theil des Gehirns an- betrifft, so ist es von Tristomum ab in der ganzen Reihe der Trema- toden und Cestoden mir und Anderen unmöglich gewesen, irgend eine Spur davon aufzufinden. Auch in der anderen Reihe der von mir auf das Nervensystem un- tersuchten Plathelminthen, bei den Tric laden, erleidet der ursprüng- liche Zustand des Gehirns bedeutende Veränderungen. Diese werden auch hier hauptsächlich durch den Umstand bedingt, dass von allen den Nervenstämmen, welche bei den Polycladen vom- Gehirn nach allen Richtungen ausstrahlen, in Folge der Umwandlung der Körper- form in eine mehr oder weniger schmale, mehr oder weniger lang- gestreckte und in Folge der Lage des Gehirns, welches sich stets am vorderen Körperende befindet, nur die Längsstämme kräftig entwickelt sind. Ein ähnliches Verhalten haben wir ja schon bei denjenigen Po- lycladen constatiren können, wo, wie bei Proceros, Thysanozoon und Verwandten das Gehirn weit nach vorn gerückt ist. Bei den Süßwassert ricladen ist das Gehirn im Vergleich zu den Längsstämmen wenig entwickelt. Nur undeutlich lässt sich in ihm ein vorderer und oberer sensorieller Theil von einem hin- teren und unteren motorischen unterscheiden. Mehr noch tritt das Gehirn bei einzelnen Landt ricladen zurück. Bei Arten der Gattung Rhynchodemus ist es sogar (Moseley, Lang) unmöglich, eine be- stimmte Commissur der kräftigen Längsstämme als Gehirncommis- sur zu bezeichnen. Als Centralorgan kann man hier nur ganz im Allgemeinen diejenige Gegend im vorderen Körperende unmittelbar hinter den Augen bezeichnen, in der die convergirenden, etwas ange- schwollenen Längsstämme durch zahlreichere Quercommissuren ver- bunden sind. jedoch vorsichtig der Deutung einiger interessanter, mit dem Nervensystem ver- bundener Apparate enthält. Ich bin indessen überzeugt, dass auch er zu den von mir vorgetragenen Auffassungen gelangt wäre, wenn ihm dasselbe Vergleichs- material zur Verfügung gestanden hätte. Mittheilnngen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. UI. 6 82 Arnold Laug Bei den Meer est ricladeu (Gunda segmentata) hÌDgegen er- langt das Gehirn von Neuem eine hohe Entwickelung, aber in ganz anderer Richtung, als bei den Polycladen, denn auch hier wird seine Structur durch relativ wenige in dasselbe eintretende Nervenstämme bestimmt. Es besteht aus einer starken hinteren und unteren »moto- rischen Q u e r c m m i s s u r « , welche die durch die Vereinigung der vorderen und hinteren Längsstämme entstehenden seitlichen Ganglien mit einander verbindet, und einer ebenfalls kräftigen vorderen und oberen, innig mit der ersteren verbundenen »sensoriellen Com- missura, aus deren seitlichen Theilen die Tast- und Augennerven entspringen. Die sensorielle Quercommissur ist mit der motorischen jederseits durch eine »motorisch sensorielle Commissur« ver- bunden, welche jederseits von den mittleren Theilen des Gehirns durch eine Substanzinsel getrennt ist. Was die Lage des Gehirns der Plathelminthen anbetrifft, so befindet sich- dasselbe, wie überhaupt alle Theile des Nervensystems, mitten im Mesenchym. Bei den Polycladen und T r i c 1 a d e n trifft man es, mehr der ventralen Körperoberfiäche als der dorsalen genähert, stets unterhalb des charakteristischen, nach vorn verlaufenden, medianeu Darmastes an. Immer liegt es hier vor der Mundöffnung. Bei den Trematoden wird es durch die Verschiebung der Mundöfifnuug ans vordere Körperende (bei den Distomiden mehr, bei den Tristomiden weniger auffallend) an die vordere und obere Seite des Pharynx ge- drängt. Da wo vor dem Pharynx ein Saugnapf entwickelt ist, kommt es in die sattelförmige Vertiefung zwischen beiden zu liegen. In allen diesen Fällen biegen die seitlichen Partien des Gehirns links und rechts nach unten um, so dass die Stelle, wo die Läugsnerveu entspringe d, immer ventral ist. — Bei den Cesto den liegt das Gehirn im Scolex in der Mitte zwischen Bauch und Kücken. Peripherischer Theil des Centralnervensystems. Bei den Polycladen sind die vom Gehirn ausstrahlenden Nerven se- cundär wieder von Zeit zu Zeit durch anastomosirende Commissureu verbunden. In der Art und Weise, wie diese Commissuren die Nerven- stämme mit einander verbinden, ist mit Rücksicht auf den Centralpuukt, das Gehirn, eine concentrischeAuordnuug um so weniger zu verkennen, als man sich letzterem selbst nähert^ so dass z. B. die dem Gehirn zu- nächst liegenden Commissureu, die auch die Sinnesnerven mit den übrigen verbinden, eine Art Nervenriug um das Centralorgan herum bilden. Dieser Nervenring mit den von ihm aus nach dem Gehirn zu- strebenden Stämmen ist eine getreue Wiederholung der Anordnung der Unters, zur vergi. Anat. u. Histol. des Nervensystems der Plathelminthen. 83 Commissnren im Gehirn selbst. Würde er an letzteres selbst heran- treten und sich ihm außen innig- anlegen, so würden einfach die schon bestehenden Faserzüge des Gehirns durch von außen her sich anle- gende, neue, parallel verlaufende Schichten verstärkt und die Structur des Gehirns nicht im geringsten verändert werden. Dadurch wird von Neuem die schon dargelegte Auffassung des Gehirns bestätigt. — Die •Hauptstämme des centralen Nervensystems der Polycladen liegen ven- tral über der Bauchmusculatur ; einige kleinere liegen dorsal unter der Rückenmusculatur. Von den ventralen Hauptstämmen treten die zwei nach hinten verlaufenden stets besonders hervor. Sie sind immer die längsten (das Gehirn liegt durchgängig vor der Körpermitte) und kräf- tigsten. Bei denjenigen Polycladen, bei denen die Tentakeln und ihnen folgend das Gehirn sich am vordersten Körperende befinden, dominiren sie ganz besonders alle übrigen. Aus ihnen entspringen die Nerven, welche die Communication mit dem meseuchymatösen Nervensystem des Rüssels, der Geschlechtsorgane und des Saugnapfes herstellen. Nach außen geben sie zahlreiche Zweige ab, welche, gleich den übrigen Stämmen des Centralnervensystems unter Bildung von Verästelungen, Commissuren und Anastomosen schließlich in den Mesenchymplexus des Nervensystems übergehen. — Das erste Paar der Seitenäste der Längs- stämme zweigt sich von letzteren gleich nach deren Ursprung aus dem Gehirn ab, so dass es bei oberflächlicher Betrachtung ein gesondert aus dem Gehirn austretendes Nervenpaar zu sein scheint. Es mag hier noch ein- für allemal hervorgehoben werden, dass in der Anordnung der Nervenstämme und besonders ihrer Commissuren eine gewisse Übereinstimmung mit der Topographie der übrigen Organe des Körpers, hauptsächlich des Darmcanals nicht nur bei Polycladen, sondern auch bei den übrigen Plathelminthen zu erkennen ist. Diese Beziehung wird offenbar besonders durch zwei Factoren bestimmt. 1) Die Ernährungsverhältnisse, welche durch die Anordnung- der Darm- äste hervorgerufen werden und 2) räumliche Verhältnisse. Eine be- stimmte Körpergestalt zugegeben, so müssen sich die einzelnen Organe in ihrer Lage gegenseitig so beeinflussen, dass jedes Organ dahin zu liegen kommt, wo es ihm, abgesehen von seiner functionellen Leistung, der Raum gestattet. Unter den Tremato den zeigt Tristomum, im Einklang mit seiner Lebensweise und Organisation, in der Anatomie des periphe- rischen Theils des Centralnervensystems die größte Übereinstimmung mit den Polycladen. Entsprechend der Lagerung des Gehirns aber treten die vorderen und seitlichen Gehirnnerven gegenüber den kräftig 6* 84 Arnold Lang o entwickelten Läugsstämmeu sehr zurück. Eben so stark, wie die Seitennerven ist hier auch das erste Paar ihrer äußeren ebenfalls nach hinten verlaufenden Äste entwickelt, so dass man sie füglich als äußere Läugsstämme bezeichnen kann. — Im hinteren Körpertheile werden die äußeren und inneren Längsstämme durch die Entwickelung eines großen Bauchsaugnapfes in einer Weise beeinflusst, die bei den Plathel- minthen unter gleichen Bedingungen stets wiederzukehren scheint. Die Längsstämme convergiren nämlich gegen die Ansatzstelle des Saug- uapfes zu und treten alle vier vereinigt durch seinen Stiel in ihn hinein, um die Verbindung mit dem Mesenchymplexus des Saugnapfes herzu- stellen. Man kann sich dies so erklären, dass ein großer Theil des ur- sprünglichen Verbreitungsbezirkes der Längsstämme zur Bildung des ventralen Saugnapfes aufgebraucht worden ist, so dass sie nunmehr durch seinen dünnen Stiel in ihn hineinzutreten genöthigt sind. In der That, im Verbindungsstücke des Saugnapfes ist jeder der vier Nerven noch zu unterscheiden und nachher ist auch jedem derselben im scheiben- förmigen Saugnapf sein eigener Verbreitungsbezirk angewiesen. Das Commissurensystem der Nervenstämme ist bei Tristomum ent- sprechend der Reduction der vorderen Nerven im vorderen Körpertheil sehr verkümmert und beschränkt sich auf eine einzige das Gehirn um- laufende Ringcommissur. Um so stärker ist dasselbe hingegen im mittleren und hinteren Körpertheil, im Bereich der kräftigen Längs- stämme entwickelt. Alle vier Längsstämme sind in regelmäßigen Ab- ständen durch Quercommissuren verbunden, deren Abgangsstellen ein- ander meist entsprechen. Die von den äußeren Stämmen abgehenden, als äußere Fortsetzung der Quercommissuren erscheinenden Seitenäste zeigen auch hier in ihrer Verzweigung viele Übereinstimmung mit der Verästelung der Darmdivertikel. Bei Pleurocotyle und Distomum sind von all den ursprüng- lichen Nervenstämmen der Polycladen beinahe nur noch die beiden Längsuerven übrig geblieben. Zarte, vom Gehirn nach vorn und nach den Seiten abgehende Nerven sind die einzigen Überbleibsel der übrigen Nervenstämme. Bei Pleurocotyle begegnen wir der interessanten That- sache, dass im Hinterende des Körpers der Längsnerv derjenigen Seite, welche die asymmetrisch angeordneten Saugnäpfe trägt, bedeutend stärker als der andere entwickelt ist. Das Commissurensystem scheint spurlos verschwunden zu sein. An die Distomiden schließt sich Amphilina und die übrigen Cestoden an. Bei Amphilina gehen die Läugsstämme hinten in einander über. Die Taenien besitzen außer den Längsnerven noch Unters, zur vergi. Anat u. Histol. des Nervensystems der Plathelmintben. 85 solche, welche vom Gehirn zu den Saugnäpfen verlaufen. Neben diesen existiren bei den Tet rar hy neben noch besondere paarige Nerven, welche entweder im Gehirn oder aus den Längsstämmen entspringend, an die muskulösen Eüsselkolben herantreten, indem sich jeder von ihnen zu dem Behufe in zwei Aste spaltet. Commissuren sind bis jetzt auch bei Cestoden nicht aufgefunden worden. In der anderen Entwicklungsrichtung, die uns von den Polycladen zu den Tricladen führt, gewinnt das Centralnervensystem schließlich einen Bau, der auffallend an höhere gegliederte Thiere erinnert. In Folge der Reduction der seitlichen Körpertheile der flachen und breiten Polycladen und der dadurch in der Organisation des Darmes und der Geschlechtswerkzeuge herbeigeführten Vereinfachung, treten auch bei den Tricladen die vorderen und seitlichen Nervenstämme gegenüber den Längsstämmen vollständig in den Hintergrund. Diese aber erlangen eine Ausbildung, wie sie im Stamme der Würmer nur die Bauchgan- glienkette der Annulaten besitzt. In vielen Fällen ist sogar das Gehirn im Vergleich zu den Längsstämmen sehr unansehnlich. Am meisten schließen sich im Verhalten des Nervensystems, wie übrigens auch im Bau der anderen Organsysteme. die Süßwasser- T rie laden an die Polycladen an. Zwar sind auch hier die beiden ventralen Längsstämme ganz vorheiTschend entwickelt, zwar be- schränkt sich auch hier in Folge dessen das Commissurensystem auf diese Längsstämme ; im speciellen Verhalten der Commissuren aber und besonders der von den Seitennerven nach außen abgehenden Aste ist eine gewisse Übereinstimmung mit den Polycladen nicht zu ver- kennen. In der That, entsprechend dem verästelten Baue des Darm- canals und der Geschlechtsorgane, den unter allen Tricladen die Süß- wasserformen noch am meisten beibehalten haben, sind auch die Quercommissuren und die äußeren Nervenäste noch nicht so ganz ein- fach angeordnet: die Seitenzweige der Längsstämme verästeln sich und anastomosiren zuweilen und auch in den Quercommissuren kom- men Verästelungen und Anastomosen nicht selten vor. Bei den Süßwassertricladen scheinen, wie für Planaria Limuli sicher nachgewiesen ist, die Längsstämme hinten im Bogen in einander überzugehen. — Hier ist vielleicht der Ort, auf die Bedeutung jener sogenannten Substanzinseln im Gehirn und in den Längsstämmen einzugehen, denen die Brüder Hertwig, auf gerade an Süßwasserplanarieu ange- stellte Untersuchungen sich stützend, eine große Bedeutung beigelegt haben, indem sie dieselben als Stütze ihrer Annahme verwenden, dass 86 Arnold Lang das Centralnervensystem der Plathelmintheu mesenchymatösen Ur- sprungs sei. Diese Stütze fällt durch den directen Nachweis seines ectodermalen Ursprungs von selbst dahin. Aber auch abgesehen davon scheinen mir die Substanzinseln von nebensächlicher Bedeutung zu sein. Wenn wir bedenken, dass das Gehirn eine secundäre Verbin- dung zweier anfänglich getrennter Aulagen ist, dass ferner im ganzen Centralnervensystem eine ausgesprochene Tendenz zur Bildung von Commissuren und Anastomosen sich kund giebt; dass die Substanz- inseln im Gehirn und in den Längsstämmeu durchaus nicht unregel- mäßig angeordnet sind, sondern der Abzweigung von Nervenästen und Commissuren entsprechen: dass endlich bei sehr jungen Süßwasser- tricladen sich noch keine Substanzinseln vorfinden — wenn wir alles dies bedenken, so werden wir nothweudigerweise zu der folgenden Auf- fassung gedrängt. Die Substanzinselu entstehen secundär durch Bil- dung neuer, den schon vorhandenen parallel sich anlegenden Com- missuren zwischen den aus Gehirn und Längsstämmen austretenden Nerven. Sie bleiben aber von den schon vorhandenen Faserzügen durch kleine Zwischenräume des übrigen Körpergewebes, in das sie sich ein- schieben, getrennt. Diese Zwischenräume sind eben weiter nichts, als Substanzinselu. Der Vorgang kann sich mehrfach wiederholen, so dass eine große Anzahl von Substanzinselu sich bildet, die dann dem Gehirn und den Längsstämmen jenes charakteristische Aussehen ver- leihen, das ich bei Land- und Süßwassertricladen eingehend geschil- dert habe. Zur Erläuterung des Vorganges stelle man sich z. B. vor, dass bei Tristomum die außerhalb des Gehirns liegende, die Nerven- stämme verbindende Eingcommissur so nahe an das Gehirn selbst heranrücke, dass sie von diesem nur durch geringe Massen anderen Körpergewebes getrennt bleibt. Dann würde sie als zum Gehirn selbst gehörend betrachtet werden können und die kleinen Massen fremden Gewebes würden sich in nichts von denjenigen unterscheiden, die man bei Tricladen als Substanzinseln des Gehirns bezeichnete. An die Süßwassertricladen schließen sich einerseits die Land-, andererseits die M e e r e s t r i c 1 a d e n an . Beide unterscheiden sich von den ersteren hauptsächlich dadurch, dass der verästelte Zustand der seitlichen Darmdivertikel und der Geschlechtsorgane beinahe gänzlich verschwindet. In auffallend regelmäßiger Anordnung wechseln zu beiden Seiten des Körpers die einfachen Darmäste mit den entweder in Einzahl vorhandenen oder in mehr oder weniger einfachen Quer- reihen angeordneten Geschlechtsdrüsen ab. Dem entspricht der Bau des Centralnervensy Sterns . Unters, zur vergi. Anat. u. Histol. des Nervensystems der Plathelminthen. 87 Bei den LaDcltricladen (Ehynchodemiis) durchziehen die mächtig entwickelten Längsstämme den ganzen, langgestreckten Kör- per, ohne hinten in einander überzugehen. In ihrem ganzen Verlaufe sind sie durch einfache, sich nicht verästelnde Commissuren verbunden, denen nach außen abgehende, ebenfalls nicht verzweigte Seiteuäste entsprechen. Die Mehrzahl der Commissuren verläuft quer, andere durchkreuzen diese in schräger Richtung, aber in coustanter Anord- nung, so dass zwischen den Seitennerven ein regelmäßiges Geflecht von Commissuren entsteht, dessen Dichtigkeit der gedrängten Anord- nung der auf einander folgenden Darmdivertikel und Hodenreihen ent- spricht. Im vordersten Körpertheil ist das Geflecht au einer nicht scharf umgrenzten Stelle, wo die Längsnerven etwas anschwellen und coDvergiren, dichter, ohne seine Structur zu verändern. Diese Stelle repräsentirt das Gehirn. Eine sicherere Stütze der von mir vorgetra- genen Auffassung des Gehirns der Plathelminthen konnte nicht gefun- den werden. War diese Auffassung richtig, so musste das Gehirn der- jenigen Formen, bei denen ausschließlich zwei Längsstämme entwickelt sind, nach Abzug seines sensoriellen Theiles einer oder mehreren Quercommissuren zwischen den Längsstämmen nebst den angrenzen- den Theilen dieser Längsstämme selbst entsprechen. Nunistjabei Arten der Gattung Rhynchodemus das Gehirn nichts weiter, als ein etwas stärker entwickelter Theil der Längsstämme mit etwas dichter als im übrigen Körper angeordneten Quercommissuren. — Auffallend ist, dass nach MosELEY und Kennel bei anderen Landtricladen (Bipalium) keine Quercommissuren zwischen den Längsstämmen vorhanden sind. Ihren Gipfelpunkt erreicht die regelmäßige Anordnung der peri- pherischen Theile des Centralnervensystems bei den marinen T ri- da den. Gunda segmentata besitzt hinten in einander über- gehende Längsnerven, die in vollkommen regelmäßigen Abständen durch unverästelte, einfache, ausschließ- lich querverlaufende Commissuren verbunden sind und die, wie ich ganz sicher nachgewiesen habe, vollständig der in allen Organen des Körpers, höchst wahrscheinlich auch in den Excretions- organen ausgesprochenen Segmentation entsprechen. So viele Seg- mente man im Körper von Gunda segmentata unterscheiden kann, so viele Quercommissuren zwischen den Längsstämmen sind vorhanden ; auf jedes Segment kommt eine Quercommissur. An den Stellen, wo von den Seitennerven die Commissuren nach innen ab- gehen, entspringt jeweilen außen ein Seitenzweig. gg Arnold Lang Die beiden Entdecker der Quercommissuren zwischen den Längs- stämmen der Süßwasser- und Landtricladen, Graff und Kennel, zö- gerten nicht, dem Nervensystem dieser Thiere den Namen und die Be- deutung eines Strickleiternervensystems beizulegen. Kennel unterstützt dabei seine Auffassung durch einige zutreffende Erwägungen. Für die Richtigkeit der Ansichten dieser Forscher glaube ich durch eine eingehendere »vergleichende Anatomie des Nervensystems der Plathelminthen«, durch den sicheren Nachweis der vollkommenen Glie- derung im Nervensystem von Gunda segmentata und durch die in meiner anderen Abhandlung über dieses interessante Thier nieder- gelegten Beobachtungen und Reflexionen den Beweis erbracht zu haben. Das Centraluervensystem von Gunda lässt sich in der That bis ins Einzelne mit demjenigen der Hirudineen und Anneliden vergleichen. Im Gehirn dieses Thieres konnten wir zwei Theile unterscheiden: einen vorderen und oberen sensoriellen Theil, einen hinteren und unteren motorischen Theil und eine rechte und linke motorisch-senso- rielle Commissur. Der sensorielle Theil (oberes Schlundganglion der gegliederten Würmer) besteht aus zwei durch die »senso- rielle Commissur« verbundene Anschwellungen, aus denen ausschließ- lich Sinnesnerven entspringen. Der motorische Theil (unteres Schlundganglion der gegliederten Würmer) besteht aus zwei durch die »motorische Commissur« verbundenen ventralen An- schwellungen. Die seitlichen Anschwellungen des sensoriellen Theiles sind mit denen des motorischen Theiles durch die »motorisch sensorielle Commissur« (Schlundcommissur der gegliederten Würmer) so verbunden, dass letztere vom Gehirn durch zwei Substanzinseln ge- trennt ist. Würden sich diese beiden Substanzinseln in der Medianlinie mit einander vereinigen, so würde der motorische Theil des Gehirns mit dem sensiblen nur durch die beiden seitlichen Commissuren ver- bunden sein. Von den seitlichen Anschwellungen des motorischen Theiles des Gehirns entspringen zwei nach hinten verlaufende, durch Quercommis- suren in jedem Segmente verbundene ventrale Längsstämme (Bauch- ganglienkette der gegliederten Würmer). Die Quercom- missuren in jedem Segment, nebst denjenigen Stellen der Längs- nerven, aus welchen sie entspringen und welche auch nach außen Aste abgeben (Bauchganglien der gegliederten Würmer), sind der motorischen Quercommissur des Gehirns mit ihren seitlichen An- schwellungen (unteres Schlundganglion) homolog. Die moto- rische Gehirncommissur geht bei Gunda, wie bei Land- imd Süß- Unters, zur vergi. Anat. u. Histol. des Nervensystems der Plathelmintben. 89 wassertricladen, wahrscheinlich aus der Vereinigung mehrerer Quer- commissuren der Längsstämme hervor. Ganz ähnlich verhält sich das untere Schlundganglion der Hirudineen. Gegen diese Homologisirung des Centralnervensystems von Gunda mit demjenigen der Hirudineen und Anneliden könnte man zweierlei geltend machen. In erster Linie könnte man einwerfen, dass diejenigen Theile des Centralnervensystems, die ich dem oberen und unteren Schlundganglion und der Schlundcommissur der gegliederten Würmer homolog halte, bei Gunda und den übrigen Tricladen das charakter- istische Lagerungsverhältnis zum Schlünde gänzlich vermissen lassen. Dann könnte man hervorheben, dass bei den Hirudineen, die ich für die nächsten Verwandten der Tricladen halte, nach Analogie mit den Anneliden das obere Schlundganglion einerseits, das untere Schlundganglion mit der Bauchganglienkette andererseits wol mit ge- trennten Anlagen aus dem Ectoderm entstehen und erst secundär mit einander in Verbindung treten, während es bei den Tricladen möglich wäre, dass der sensorielle und der motorische Theil des Centralnerven- systems mit einer gemeinsamen paarigen Anlage aus dem Ectoderm hervorginge. — Was den ersten dieser Einwürfe anbetrifft, so erwie- dere ich darauf mit folgenden Erwägungen. Die Mundöflfnung der Pla- thelmintben liegt entwicklungsgeschichtlich und vergleichend - anato- misch dem Sinnespole, wie bei den Cteuophoren, entgegengesetzt, am hinteren Leibesende und erst secundär nähert sie sich mehr oder we- niger dem vorderen Körperende, ohne dasselbe weder bei Polycladen, noch bei Tricladen je zu erreichen. Bei der Verschiebung der Mund- öffnung innerhalb dieser Ordnungen kann man nun eine wichtige That- sache constatiren, nämlich die, dass die Commissuren der ventralen Längsstämme dadurch in keiner Weise in ihrer Lage beeinträchtigt werden. Mag die Mundöffnung hinten, in der Mitte oder vor der Mitte der Bauchfläche liegen, immer behalten die Quercommissuren vor und hinter derselben die ventrale Lagerung bei. Da nun die motorische Gehirncommissur (unteres Schlundganglion) den Quercommissuren der Längsstämme (Bauchganglien) homolog ist, so sieht man nicht ein, wesshalb sie, gesetzt den Fall, dass die Mundöflfnung das vorderste Körperende erreicht, von den anderen eine Ausnahme machen sollte. Behält sie aber, wie diese anderen, ihre typische ventrale Lagerung bei, so kommt sie unter den Schlund zu liegen. Nicht dieselben Er- wägungen gelten für die sensorielle Commissur mit ihren seitlichen Verdickungen (oberes Schlundganglion) . In derThat, da dieser Theil des Gehirns ausschließlich Sinnesnerven 90 Arnold Laug ■o in sich aufnimmt, die meisten Sinnesorgane selbst aber stets dorsal liegen, da dieser Theil ferner den Quercommissuren der Längsstämme weder morphologisch noch physiologisch homolog ist, so erscheint als a priori wahrscheinlich, dass er bei einer Verlegung des Mundes an das vorderste Körperende im Anschluss an die Sinnesorgane auf die Rück- seite des Schlundes zu liegen kommt. In diesem Falle wird die mo- torisch -sensorielle Commissur von selbst zur typischen Schlundcom- missur. — Wenn im Einklang mit diesen Erwägungen bei Gunda seg- mentata der Anfangstheil des Darmcanals das Gehirn in der Mitte zwischen den Substanzinseln, an der Grenze der oberen sensoriellen und der unteren motorischen Commissur durchbrechen würde, so würde das Centralnervensystem dieses Thieres in allen Einzelheiten morpho- logisch und physiologisch mit dem der Hirudineeu vollkommen über- einstimmen. — Was den zweiten Einwurf anbetrifft, so ist er vor der Hand gegen- standslos. Denn weder ist für die Hirudineen die getrennte Anlage des oberen und unteren Schlundganglions nachgewiesen, noch ist bei Poly- claden oder Tricladeu der Ursprung des sensoriellen Theiles des Gehirns bekannt. A priori ist wahrscheinlich, dass er aus demEctoderm stammt, obschon die Sinnesorgane (Augen) schon sehr frühzeitig im Mesenchym liegen (was übrigens auch bei Hirudineen der Fall ist) . Nun ist es ja möglich, dass der sensorielle Theil des Centralnervensystems ge- trennt vom motorischen aus dem Ectoderm sich hervorbildet und dass beide erst secundär mit einander in Verbindung ti'eten. Dafür spricht die deutliche histologische Sonderung der beiden Theile des Gehirns. Sollte aber wirklich der einheitliche Ursprung beider Theile nach- gewiesen werden, so wäre es immer noch denkbar, dass bei den höheren gegliederten Würmern in Folge der auch in der Ontogeuie Platz greifen- den Verlegung des Mundes ans vorderste Körperende die ursprünglich einheitliche Anlage des gesammten, vom Ectoderm abstammenden Nervensystems in eine doppelte verwandelt wurde. Es könnte endlich noch ein dritter Einwand ins Feld geführt wer- den, nämlich der, dass an den Abgangsstellen der Quercommissuren bei Gunda segmentata keine solchen gangliösen Anschwellungen ent- wickelt seien, wie sie für die höheren gegliederten Würmer fast durch- gängig charakteristisch sind. Diesen Einwurf halte ich für so wenig stichhaltig, dass ich mir nicht einmal die Mühe gebe, ihn zu wider- legen. Sollte Jemand nach aufmerksamer Berücksichtigung der in meinen Untersuchungen niedergelegten Thatsachen dennoch daran fest- Unters, zur vergi. Anat. u. Histol. des Nervensystems der Plathelminthen. 91 halten, dann wäre es mir allerdings unmöglich, ihn vom Gegentheil zu überzeugen. 2. Das mesenchymatöse Nervensystem. So nenne ich denjenigen peripherischen Theil des Nervensystems der Plathelminthen, dessen auffallende und bis ins Detail sich erstreckende Beziehung zur Musculatur mich vermuthen lässt, dass er im Anschluss au letztere selbst aus Zellen des Mesenchyms sich entwickele. Bei den Poly- claden besteht es aus einem feinen Netzwerk von Nervensubstanz, das den ventralen und dorsalen Muskelschichten innig anliegt. Die Maschen des Netzwerkes sind meist polygonal. Besonders entwickelt und ver- filzt ist es im Saugnapf. Auch bei den Süßwassertricladen habe ich es stellenweise aufgefunden. Bei den Landtricladen sind dessen Maschen meist viereckig und in longitudinalen und transversalen Reihen angeordnet, entsprechend dem Verhalten der Muskulatur, die vorwie- gend aus Quer- und Längsmuskeln besteht. Zum mesenchymatösen Nervensystem gehört bei G un da segmentata vermuthlich der am Körperrand auf der Bauchseite verlaufende Randnerv. Zahlreiche Durchschnitte von Nerven findet man auch im muscu- lösen Rüssel der Tricladen. Sie bilden offenbar auch hier ein Netzwerk, in welchem sich sogar (Planaria torva, Gunda) eine ringförmige Com- missur dififerenzirt. Unter den Tremato den war ein dem der Polycladen ähnlicher mesenchymatöser Plexus beiTristomum nachweisbar, wo er beson- ders schön im großen ventralen Saugnapf entwickelt ist. Von Zeit zu Zeit liegen in demselben ungewöhnlich große Ganglienzellen. Pleurocotyle beherbergt au der Basis der asymmetrisch gele- geneu Saugnäpfe Gruppen von Ganglienzellen, die mit dem Längsnerven der betreffenden Seite durch Fasern in Verbindung stehen und offenbar dem mesenchymatösen Nervensystem angehörende Neubildungen sind. Bei Distomum^ nigroflavum ferner ließ sich sogar der Nachweis 1 Sommer hat kürzlich in einer vortrefflichen Arbeit »Die Anatomie des Leberegels Distomum hepaticum L. (Z. f. w. Z. Bd. 34, 1880)«, in der er die LEUCKART'schen Beobachtungen über das Nervensystem dieses Thieres bestätigt und in Bezug auf die thatsächlichen Befunde zu mit den meinigen beinahe iden- tischen Eesultaten kommt, einen von mir übersehenen, unpaaren, dem Schlünde unten anliegenden Nervenknoten als unteres Schlundganglion und die Nerven, die dasselbe mit der Gehirncommissur (nach Sommer das obere Schlundganglion) verbinden, und die ich als Pharynxnerven beschrieben habe, als Schlundcommissur beschrieben. Ich brauche wol nicht noch besonders zu erwähnen, dass ich diese Ansicht durchaus nicht theilen kann, da ich die Längs- nerven der Plathelminthen für der Bauchganglienkette der höheren gegliederten Würmer homolog halten muss. Bei Distomum entspringen diese Längsstämme 92 Arnold Lan o liefern, class ein an der Basis des Baiichsaiignapfes liegendes, zweifels- ohne mesencbymatöses Doppelganglion mehr und größere zellige Ele- mente enthält, als das Gehirn. Unter den Ce sto den zeigen uns die Tetrarhynchen in den merkwürdigen, den Rüsselkolben aufliegenden Ganglienzellen interessante Bildungen des mesencbymatösen Nerven- systems. Ich habe hier nur ganz kurz und beiläufig einige der interessan- testen Bildungen des mesenehymatösen Nervensystems erwähnt. Für die Einzelheiten, hauptsächlich die verschiedene Art und Weise der Verbindung desselben mit dem Centralnervensystem muss ich auf die speciellen Theile verweisen. Es sei mir hier nur noch die Bemer- kung gestattet, dass ich die letzten Endigungen in den Muskelfasern in keinem Falle habe erkennen können, hingegen die mir immer wahr- scheinlicher werdende Vermuthung ausgesprochen habe, dass die den Muskelfasern äußerlich anliegenden Kerne und Zellen nervöser Natur sein dürften. 3. Sinnesorgane und Sinnesnerven. Von speciellen Sinnesorganen habe ich in den von mir untersuchten Ordnungen der Plathelminthen nur Augen nachweisen können. Bei den Polycladen sind sie stets in großer Anzahl und mannigfaltiger Anordnung vorhan- den. Unter den Trematoden finden wir sie nur noch bei einzelnen Polystomiden in reducirter Anzahl und mit vereinfachtem Bau, bei den übrigen Familien dieser Ordnung und bei den Cestoden sind sie hingegen entweder vollständig verschwunden oder auf freilebende Jugendformen beschränkt. In der Ordnung der ein freies Leben führenden Tric laden er- halten sich die Augen. Einzelne Süßwasser- und Landtricladen be- sitzen deren noch, wie die Polycladen, eine größere Anzahl ; bei den meisten Gattungen jedoch ist ihre Zahl auf zwei reducirt. — Bei allen Plathelminthen liegen sie stets im vorderen Körpertheil an der Dorsal- seite : in den Tentakeln, dem vorderen Körperrand entlang, über dem Gehirn, ja sogar im Gehirn selbst — stets aber unter den dorsalen Muskelschichten im Mesenchym. Im Baue der Augen scheint überall eine große Übereinstimmung aber nicht aus dem unteren Schlundganglion Sommer's, sondern aus den seit- lichen Theilen der Gehirncommissur (oberes Schlundganglion Sommer's). Den dem Schlünde von Distomum unten anliegenden Nervenknoten halte ich für eine zum mesenehymatösen Nervensystem im Anschluss an die Muskulatur des Schlundes entstandene Bildung. Für meine Auffassung spricht außer dem histologischen Ver- halten auch der Umstand, dass das erwähnte Ganglion unpaar ist. Unters, zur vergi. Anat. u. Histol. des Nervensystems der Plathelminthen. 93 zu herrschen. Sie bestehen durchweg aus drei Theilen, erstens aus Sehzellen, welche das letzte Ende des Sehnerven sind und in ihrer Lage mit der Linse der Augen anderer Thiere übereinstimmen ; zwei- tens aus einem Pigmentbecher und drittens aus einem von diesem eingeschlossenen Krystallkörper, der mehr oder weniger deutlich aus Stäbchen zusammengesetzt erscheint. Merkwürdig ist die wol durch die Art der Innervation des Auges bedingte Lage desselben. Sehzellen, Krystallkörper und Pigmentbecher liegen nämlich meist nicht senkrecht über einander, sondern mehr oder weniger horizontal neben einander, so dass die Sehzellen, welche vor der diaphragma- artigen Öffnung des Pigmentbechers liegen, nicht nach oben, sondern (mit Ausnahme der Tristomiden) seitwärts und nach außen gerichtet sind. Bei den Tristomiden sind die Öffnungen der Pigmentbecher der zwei Augen jeder Seite einander zugekehrt, so dass das vordere Paar nach hinten, das hintere nach vorn blickt. Außerdem zeichnen sich die Augen dieser Formen noch durch eine bemerkenswerthe Verein- fachung ihres Baues aus. Sie liegen nämlich im Gehirn selbst und ihre Sehzellen sind auf eine einzige reducirt, die sich durch nichts von den Ganglienzellen des Gehirns unterscheidet. Von der Zahl und Anordnung der Augen hängt natürlich das Ver- halten der Sehnerven ab. Wo viele vorhanden sind, verästeln sich die Sehnerven, dabei liegen aber oft mehrere Augen an einem und dem- selben Zweige des Sehnerven. Bei Thysanozoon konnte ich die That- sache constatiren, dass Zweige des Sehnerven über dem medianen Darmast sich zu einem kleinen Ganglion vereinigen, von dem aus die- jenigen Augen, welche in einem direct über dem Gehirn liegenden Hofe zusammen gruppirt sind, innervirt werden. Ich kann dieser vereinzelten Thatsache indessen keine besondere morphologische Bedeutung beimessen, halte sie vielmehr für mit der Anordnung der Augen in diesem speciellen Falle in Beziehung stehend. Außer den Augennerven entspringen aus dem sensoriellen Theile des Gehirns bei Polycladen und Tricladen noch andere, die sich als Sinnesnerven documentiren und zwar durch ihren dichten Beleg von kleinen Ganglienzellen, die mit denen des sensoriellen Theiles des Ge- hirns selbst identisch sind und auch den Nervi optici nicht fehlen. Da- durch, dass die erwähnten Nerven sich ans vorderste, als Tastorgan fungirende Körperende oder in die Tentakeln begeben und sich an diesen Stellen bis unter das Körperepithel verfolgen lassen, cha- rakterisiren sie sich als Tastnerven. Kennel hat bei Süßwassertri- claden Sinnesnerven an differente Stellen der Haut, die er den Wim- 94 Arnold Lcang pergrubeu der Rhcabdocoelen und den Seitenspalten der Nemertinen gleichwerthig hält, herantreten sehen. Ich darf hier ferner nicht ver- gessen, darauf hinzudeuten, dass jene von Moseley bei Bipalinm aufgefundenen »ciliated sacs«, an welche Gehirnnerven herantreten, sich bei erneuter Untersuchung als den becherförmigen Organen der höheren Würmer homologe Gebilde herausstellen dürften. Ich erwähne noch, dass bei den Polycladen zwischen den flim- mernden Zellen des Körperepithels hie und da solche vorkommen, welche pinselförmige Büschel von zarten, unbeweglichen Härchen (Tastborsten der Autoren) tragen. Es ist mir bis jetzt nicht gelungen, eine Verbindung dieser Zellen mit Nervenfasern zu beobachten. Ich habe überhaupt im Ectoderm der erwachsenen Plathelminthen nie ir- gend eine Spur von Nerven oder unzweifelhaften specifischen Sinnes- organen aufzufinden vermocht. Wenn ich nun schließlich noch einige Bemerkungen über das Ner- vensystem der Rhabdocoelen und Nemertinen, über das ich keine spe- ciellen Untersuchungen angestellt habe, machen darf, so ist es mir wahrscheinlich, dass das der ersteren Ordnung aus demjenigen von Süßwassertricladen ähnlichen Formen durch Verschwinden der Quer- commissuren entstanden ist. Was aber die Nemertinen anbetrifft, so erscheint es mir trotz der neuesten genauen Untersuchungen von Kennel, Graff und hauptsächlich von Hubrecht zur Zeit noch un- möglich, eine umfassende Vergleichung ihres Nervensystems mit dem der anderen Ordnungen der Plathelminthen durchzuführen. Ziemlich sicher scheint nur das zu sein, dass die Läugsstämme der Nemertinen denen der übrigen Plattwürmer homolog sind und dass sich in der fei- neren Structur des Nervensystems niederer Nemertinen nebst wich- tigen Verschiedenheiten auch vieles Übereinstimmende erkennen lässt (Hubrecht) . Die größte Schwierigkeit, die einem Vergleich entgegen- steht, liegt meines Erachtens in dem constanten Vorkommen einer den Rüssel dorsal umgreifenden Gehirncommissur. Diese Schwierigkeit bleibt bestehen, mag man an der Homologie der Bauchfläche der Ne- mertinen mit derjenigen der übrigen Plathelminthen festhalten, oder mag man mit Semper die Sache umkehren, indem man zugleich den Rüssel der Nemertinen mit dem der Turbellarien homologisirt und den Mund der ersteren in Folge eines Durchbruches des vorderen medianeu Darmastes der Polycladen und Tricladen entstehen lässt. (Für die SEMPER'sche Auffassung spricht, beiläufig bemerkt, meine Beobach- tung, dass bei den Polycladen auf einem gewissen Entwickelungs- Unters, zur vergi. Anat. u. Histol. des Nervensystems der Plathelmintben. 95 Stadium der mediane Darmast durcli eine flimmernde Lücke im Ecto- derm mit der Außenwelt communicirt.) Bei den niedersten Nemertiuen (Carinella, Malacobdella) ist nach Hubrecht und Kennel die den Rüssel dorsal umgreifende Commissur sehr schwach entwickelt und die Gehirnganglien sind jederseits noch einfach. Deutet dies nicht viel- leicht darauf hin, dass die dorsale RUsselcommissur (Vagus, Semper) eine erst in der Ordnung der Nemertinen auftretende Neubildung ist ? Mit einem eigenthümlichen Verhalten des peripherischen Nerven- systems der Nemertiuen hat uns Hubrecht ^ bekannt gemacht. Es bildet nämlich dieser Theil des Nervensystems hier in Form eines Plexus eine den Körper continuirlich umhüllende Schicht, welche ent- weder außerhalb der Musculatur (immer aber unter dem Ectodermi, oder aber zwischen zwei Muskelschichten liegt. Wol mit Recht hält Hubrecht diesen Nervenplexus als im Anschluss au die Musculatur entstanden. Sollten die Muskelschichten unter der Haut der Nemer- tiuen aus Mesenchymzellen und nicht, wie Hubrecht annimmt, aus dem Ectoderm sich hervorbilden, so würde dieser Nervenplexus mit dem von mir bei Polycladen und Tricladen beschriebenen mesenchy- matösen Nervennetze übereinstimmen. In diesem Falle wäre es aber dann zweifelhaft, ob die von Kennel signalisirten dorsalen Quercom- missuren zwischen den Längsstämmeu der Nemertinen wirklich den Quercommissureu der übrigen Plathelmintben entsprechen. Neapel, im Juli 1881. 1 The Peripheral Xervous System in Palaeo- and Schizonemertini, one of the Layers of the Body-Wall. Jouru. of micr. Science, vol. XX. Inhaltsverzeichnis der Untersuchungen zur vergleichenden Anatomie und Histologie des Nervensystems der Plathelminthen. Trematoden mit Vorbemerkung Diese Zeitschrift Bd. I I. Das Nervensystem der mar inen Den drocoelen (Polycladen) mit Tafel XV und XVI 1. Geschichtliches 2. Anatomie des Nervensystems 3. Histologie des Nervensystems Erklärung der Abbildungen . . II. Über das Nervensystem der Tafel I— III und 14 Zincographien Bd. II. A. Das Nervensystem der Tristomiden - B. Über das Nervensystem von Pleurocotyle Scombri C. Das Nervensystem der Distomiden - Erklärung der Abbildungen - III. Das Nervensystem der Cestoden im Allge- meinen und da s jenige der Tetrarhynchen im Besondern, mit Tafel XV und XVI und 8 Holz- schnitten Bd. II. A. Das Nervensystem der Tetrarhynchen ...... B. Notiz über das Nervensystem von Amphilina . . - - C. Das Nervensystem der übrigen Cestoden nach den Untersuchungen der neueren Forscher - D. Über muthmaßliche Rudimente von Verdauungs- organeu bei Cestoden - Erklärung der Abbildungen - IV. DasNervensystemderTricladen mit Taf. V u. VI. A. Das Nervensystem der Süßwasser tricladen . . Bd. III, B. Das Nervensystem der Landtricladen - - C. Das Nervensystem der Meerestricladen .... - - Erklärung der Abbildungen - - V. Vergleichende Anatomie des Nervensystems der Plathelminthen - - 1. Das Centralnervensystem - - 2. Das mesenchymatöse Nervensystem - - 3. Sinnesorgane u. Sinnesnerven - - Seite 459 - 460 - 460 - 470 - 477 - 487 Seite 28 44 46 50 Seite 372 - 394 - 396 - 398 - 400 Seite 53 59 64 74 76 78 91 92 Recherches expérimentales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. Par Dr. Emile Yung, Privat -Docent à l'Université de Genève. On s'est mis à étuclier de différents còtés depiiis ime vingtaine d'anuées l'action des priucipaiix poisons sur les animaux invertèbrés et on a éclairé de cette manière bien des points de la physiologie de ces animaux et permis de précieuses inductions anatomiques. Un des savants qui ont le plus fait de nos jours pour la physiologie comparée M. F. Plateau a groupé dernièrement sous forme de tableau les ani- maux chez lesquels on a jusqu'ici étudié l'action d'un seul poison, l'un des principaux il est vrai, le curare ^ Il ressort de l'examen de ce tableau que les Coelentérés (Méduses, Cténophores, Actinies) les Echinodermes (Astéries, Synaptes) les Vers (Planaires, Nai's^ Lombrics, Sangsues) les Mollusques (Lamellibranches, Gastéropodes , Céphalo- podes) les Arthropodes (Ecrevisse, Homard, Larves d'insectes) ont été déjà somnis à l'action du célèbre poison. Lors de mes séjours au bord de la mer ces dernières années, soit au Laboratoire de Zoologie expérimentale de Roscoff, soit à la Station Zoologique de Naples j'ai recueilli un matèrici expérimental assez con- sidérable sur cette question. Je me limiterai dans ce memoire à ce qui concerne l'Embranchement des Mollusques et plus particulièrement encore aux Céphalopodes. »La Physiologie du Systeme nerveux des Mollusques, disait, M, VuLPiAN en 1866 dans ses Legons sur la Physiologie géné- 1 F. Plateau, Recherches physiologiques sur le coeur des Criistacés déca- podes. Archives de Biologie de Van Bambeke et Van Beneden. Vol.I, pag. 662. ISSO. Mittlieiluiigen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. III. 7 98 Emile Yung rale et comp aree du Systeme nerveux, se réduit encore presque exclusivement à des inductions foudées sur l'Anatomie.« Depuis lors, la science a pregresse et l'assertion de l'éminent physiologiste u'est plus exacte aujourd'hui pour ce qui concerne le groupe important des Céplialopodes. Les recherches de Paul Bert, Leon Frédericq, Klemensiewicz et Krukenberg, pour ne citer que les principales ont fonde la physiologie de ces animaux. Quant aux Lamellibranches et aux Gastéropodes qui se prétent beaucoup moins bien à l'expérimen- tation il faut reconnaitre qu'il reste beaucoup à faire à leur égard. Les poisons étant des réactifs physiologiques d'une extreme déli- catesse et très aptes à servir dans les cas où la vivisection n'est pas possible j'ai surtout profité pour étudier leur action chez les Cépbalo- podes des excellentes conditions dans lesquelles est placée la Station Zoologique de Naples et du matèrici considerable qu'on y regoit chaque jour. — Paul Bert ^ a essayé l'action de la strychnine et du curare, de l'eau douce et de l'eau de mer à différentes temperatures sur la Sepia officinalis. Le professeur Colasanti 2 a étudié celle de la strychnine, de l'a- tropine et du curare sur les Cépbalopodes, sans qu'il ait iudiqué dans le memoire que j'ai sous les yeux, les espèces auxquelles il s'est adressé. Klemensiewicz 3 dans ses importantes recherches sur le jeu des Chròmatophores a soumis 1' Eledone moschata k l'action de TAmylnitrit, de la strychnine et du curare. Enfin dans une sèrie de travaux sur la Toxicologie comparée W. Krukenberg^ a fourni beaucoup de renseiguements sur la question qui nous occupe. Il a étudié sur Eledone et Sepia les poisons sui- vants: quinine, nicotine, atropine, strychnine, alcool, chloroforme, éther, curare, camphre, muscarine, vera trine, Coffeine, physostigmine, Picrotoxine. Il s'est attaché surtout à constater l'influence exercée par i Memoire sur la physiologie de la seiche. Extrait des Mémoires de la société des sciences physiques et naturelles de Bordeaux. Paris 1870. 2 Ricerche anatomiche e fisiologiche sopra il braccio dei cefalopodi. R. Acca- demia dei Lincei. F. del 5 Marzo 1876. 3 Beiträge zur Kenntnis des Farbenwechsels der Cephalopoden. Sitzungs- ber. d. k. k. Acad. d. Wiss. zu Wien. Bd. 78. III. Abth. 1878. * Der Mechanismus des Chromatophorenspieles bei Eledone moschata. Vergleichend-physiologische Studien an den Küsten der Adria. I. Abth. 1880. Recherches expérimentales sur l'action des poisous chez les Céphalopodes. 99 ces poisoDS sur les chròmatophores, ces témoins si sensibles des moindres modifications survenues dans le genre de vie de l'animai. Nous aurons à mentionner souvent ses importants résultats. J'ajouterai ici comme complément aux indications bibliographiqiies que Steiner S Krukenberg. Heckel et Vulpian se sont encore oc- cupés de l'action des poisons sur les Gastéropodes et quelques Lamelli- branclies. Mes études personnelles ont porte sur les espèees suivantes qui nous sont arrivées abondamment chaque jour à la station de Naples Octopus vtclgaris et 0. macropus^ Eledone moschata^ Sepia ofßcinalis et Loligo vulgaris. Les expériences faites en premier lieu sur Octopus ou Eledone étaient ensuite repétées sur les autres espèees. Il va sans dire que nous ne pouvons rapporter ici toutes nos expériences, il suffirade mentionner les résultats généraux et une ou deux expériences tjqnques. De l'absorption et de l'élimination des poisons. Nous pouvons admettre que les poisons agissent d'une manière ana- logue chez la très grande majorité des animaux. Les différences signalées par les auteurs tiennent dans la plupart des cas à une absorption dé- fectueuse ou à une rapide élimination. C'est ainsi que si l'on injecte sous la peau d'une Sepia ou d'un Octopus une forte dose d'un sei de strychnine on est étonné de constater que l'animai, une fois qu'il a été replacé dans l'eau ne parait pas en soufifrir. Il porte sur le dos une ampoule sous-cutanée renfermant le poison qui n'est pas absorbé ou ne l'est qu'en quantité insuffisante pour provoquer l'intoxication. La peau et les tissus sous-cutanés n'absorbent donc que d'une manière très imparfaite et c'est à tort que dans le memoire cité de M. Bert, Téminent physiologiste semble attribuer à l'excoriation de la peau de l'animai sur lequel il expérimenta la strychnine, une influence sur la rapidité d'action du poison. M. Bert cite cependant à propos du curare, le cas d'une Seiche qui succomba deux heures après l'intro- duction sous sa peau d'une forte dose de curare. Il est bien entendu que je ne parie ici que de l'action généralisée des poisons et non de leur action locale, car on sait déjà depuis longtemps que certaines sub- stances, nicotine, strychnine etc.; peuvent agir directement sur les chròmatophores de la peau sans étre pour cela eutrées dans la circulation. L'absorption est extrèmement rapide au contraire par les branchies 1 Über die Wirkimg des amerìk. Pfeilgiftes Curare. Arch. f. Anat. undPhysioI. 1875. p. 145. 7* 100 Emile Yuug et il suffit de déposer dans la cavité respiratoire des traces de certains poisons pour provoquer en peu d'instants l'empoisonDemeiit general. Il fallt noter à ce propos cependant que l'intensité du phénomène os- motique qui fait pénétrer le poison à travers les branchies varie infini- ment d'un poison à l'autre et peut étre très faible pour quelques sub- stances de nature colloide, telles que le curare et Tupas-antiar. Ceci explique pourquoi un animai plongé entiérement dans une solution de ces poisons, continue à y vivre pendant un temps assez long (plusieurs heures) avant de ressentir leur action. Nous aurons bientòt à en citer des exeraples. C'est ce qui nous a condiiit à recourir à l'injection directe dans l'artère céphalique, des poisons colloides. Le procède est très simple il suffit pour rencontrer l'artère de pratiquer une petite fente longitu- dinale au milieu de la face dorsale de l'animai, puis de pincer avec une serre-fine l'artère qui fait immédiatement saillie et d'introduire au dessus la canule d'une seringue de Pravaz. Lorsque l'injection a ètè poussée, on enlève la serre-fine et le poison est entraìnè dans la circulation. Il ne tarde pas à agir. Ce procède très efficace ne peut étre employè avec les poisons violents qui tuent l'animai si rapidement qu'il n'est pas possible de suivre les diiférentes phases de son action. — Quant à l'èlimination du poison, je suis arrìvé à des résultats qui demandent vérification. Elle parait s'effectuer concurremment par deux organes, le foie et la glande du noir. Mais comme je n'avais pas à ma disposition les réactifs nècessaires pour en poursuivre la recherche chimique, j'ai du me borner à en donner une preuve tonte physiologique et j'ai choisi à cet efifet des poisons dont l'action bien nette et très active permettait de constater physiologiquement leur prèsence. Exp èri enee I. Vn Eledone moschata de taille moyenne re^oit dans la cavitè brancliiale une forte dose de la solution de nicotine, puis il est immédiatement replongé dans l'eau. L'animai noircit, il est pris de convulsions, les mouvements respiratoires s'arrétent, les muscles du manteau" se contractent très fort et au bout d'un instant l'animai ne donne plus aucun signe de vie. C'est alors qu'on lui prend le foie et que Fon dècoupe cet orgaue en petits morceaux dans un vase renfermant de l'eau de mer avec un Eledone de petite taille. Ce dernier parfaitement sain jusqu'alors, donne bientòt tous le,s signes de l'intoxication par la nicotine. Le poison a donc été condense sans al- tération dans le foie. La méme expèrience faite avec le liquide de la poche du noir a fourni les mémes résultats. Eecherches expérimentales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. 101 Expéri enee II. Un Octopus vulgaris de forte taille est em- poisonné avee du sulfate de strychnine introdiiit dans la cavité bran- chiale. Les convulsions tétaniqiies provoquées par ce poison sout réel- lement terribles, comme le dit M. Bert. L'animai pàlit et meurt bien- tòt avee les signes qne nous décrirous plus loin. Son foie et sa poche du noir sout vénéneux comme dans l'expérience précédente et il suffit de les méler à de Teau de mer pour que les Octopus ou Eledone qui y sont introduits soient rapidement empoisonnés ^. Il serait sans doute interessant de rechercher sous quelle forme chimique le poison existe dans ces organes et de constater s'il s'y trouve réellement sous sa forme primitive comme l'identité de son action physiologique rend la chose probable. Nous pouvons résumer ce que nous avons acquis sur l'absorption et lelimination dans les propositions suivantes : 10. L'absorption sous-cutanée est toujours très faible chez les Céphalopodes et la pi up art des poisons qui leur sont injectés sous la peau paraissent inoffensifs. 1^. Lesbranchiesaucontrairesontunlieud'absorp- tion rapide pour les poisons de nature cristalloide. Les p oisons collo i des n'y sont absorbés que très le ntement. 3"\ Pour étudier l'action de ces derniers poisons, il faut les injecter directement dans le sang par l'artère céphalique. Cette Operation est rendue aiséeparles con- ditions anatomiques de ces animaux. 40. L'élimination se fait probablement concurrem- ment par deux organes, le foie et la glande du noir. L'encre de cette dernière est devenue vénéneuse chez les animaux empoisonnés par la strychnine et la nicotine. Action de l'eau douce. L'eau douce est très délétère, la rapidité de son action varie selon l'àge de l'animai. Une jeuue Sepia y meurt dans lespace d'une minute, tandis qu'une Sepia adulte et de forte taille y resiste. en moyenne vingt minutes. Les mouvements respiratoires d'abord ralentis pendant quel- ques secondes, s'accélèrent de nouveau, atteignent au bout de 7 à 12 minutes un maximum inférieur à leur nombre initial et à partir da quel, ils diminueut progressivement jusquà l'arrét définitif. L'irritation • Je dois ajoiiter que ces expériences ne réussissent pas dans tous les cas. Il est difficile d'opérer de manière que l'animai ne soit pas trop rapidement mort. 102 Emile Yuug causée par l'eau doiice se traduit par les efforts que fait l'animai pour en sortir et par le jeu rapide des chromatophores qui commencent par noircir et donnent lieu à une sorte de frémissement colore. Après une demi-heure les muscles répondent encore à Texcitation électrique (sur- tout ceux des bras) et contrairement a M. Bert, j'ai toujours trouvé les eoeurs en mouvement quoique ralentis. Expéri enee III. Une grosse Sepia qfßcinalis donnant nor- malement 36 mouvements respiratoires à la minute est transportée dans un vase renfermant de l'eau douce à la temperature de 10° C. Elle pàlit immédiatement et donne tous les signes d'un violent malaise. Deux minutes après commence un jeu remarquable des chromatophores qui se dilatent et se contractent rapidement mais d'une manière irrégu-^ lière. Les mouvements respiratoires tombés à 4 ou à 6 par minute re- montent bientòt à 26 à 28 sans atteindre le nombre initial de 36 ; puis ils redescendent progressivement et s'arrétent complétement après 12 minutes. Les bras continuent à s'agiter ainsi que la nageoire, pendant quelques minutes. Dix-sept minutes après le commencement de l'expérience, l'immobilité est complète. L'animai est ouvert, les eoeurs battent encore et les deux eoeurs veìneux continuent à le faire pendant environ une heure. Les bras répondent encore à une excita- tìon électrique. — NB. Dans une autre expérìence, j'ai conserve vivante une Seiche, pendant 45 minutes dans un mélange de 50 % d'eau douce. A ce mo- ment, comme les mouvements respiratoires étaient sur le point de s'éteindre, l'animai fut replacé dans l'eau de mer et reprit assez rapide- ment son état normal. — Acides. Les Céphalopodes sont extrèmement sensibles a l'action des acides minéraux. Là où le papier de tournesol annonce à peine la présence d'un acide, un jeune poulpe ou un jeune calmar y manifeste immédia- tement une vive douleur et on a beaucoup de peine à l'y maintenir. Toutefois pour devenir toxique, la dose doit s'élever plus haut. Expérìence IV. Trois Eledone moschata de petite taille et donnant de 24 à 26 mouvements respiratoires par minute, sont placés chacun dans un vase renfermant deux litres d'eau à laquelle on ajoute 0,5 "" d' acides sulfurique, azotique et chlorhydrique. Au premier instant, les animaux sont extrèmement irrités et font vivement jouer leurs chromatophores. Ils respireut rapidement et avec force. Cinq minutes après avoir regu l'acide ils donnent : Eecherches espériinentales sur l'action des poìsons chez les Céphalopodes. 1 03 Aspirations par minute Dans l'acide azotique .... 56. » » chlorhydrique . . 42. » )) sulfurique . . . 36. Quatre heures plus tard, alors que ces animaux paraissaient s'étre habitués à leur nouvean milieu et que les mouvements respiratoires avaient peu à peu repris leur chiffre normal, on double la dose des acides (!•''= dans deux litres d'eau). A cette dose, ils deviennent to- xiques. Les animaux après s'étre beaucoup débattus se fixent dans un coin, la respiration passagèrement accélérée diminue beaucoup, les mouvements réflexes s'effacent, les muscles des chròmatophores se re- làcbent et l'animai pàlit. La mort survient au bout de 2 heures dans l'acide azotique, 3 heures dans l'acide chlorhydrique et 47.2 heures dans l'acide sulfurique. Les coeurs veineux et artériel battent encore chez les trois animaux alors que les muscles du corps et des bras ne répondent plus à une exci- tation mécanique. On voit que l'acide sulfurique est, à dose égale, le moins toxique des acides minéraux. — Quant aux acides organiques, leur action est moins violente quoique de méme nature que celle des acides minéraux. J'ai porte mon attention sur l'acide oxalique et l'acide tannique, il faut de l'un et lautre une dose relativement forte pour amener la mort. Expérience V. Deux Eledone de méme taille que ceux qui ont servi dans l'expérience IV, sont plongés dans deux litres d'eau à laquelle j'ajoute successivement de l'acide oxalique et de l'acide tan- nique à la dose de 1 ''<'. — Six centimètres cubes d'acide tannique conduisent à la mort au bout de dix minutes. Il faut 8 centimètres cubes d'acide oxalique pour produire le méme effet dans le méme temps. — Les réflexes des bras s'éteìgnent plus vite que ceux des bran- chies. Un corps étranger (le doigt), introduit dans la cavité respira- toire, provoque des mouvements du manteau alors que l'animai paraìt déjà mort. — Alcalis. Expérience VI. Ammoniaque. — Deux Eledone de taille moyeune sont placés chacun dans un litre d'eau. On leur ajoute O^ò'^'^ d'ammoniaque concentré. L'intoxication est rapide, elle se traduit d'abord par une accélération considérable des mouvements respira- 104 Emile Yiing toires, rirritation est si vive que les branchies sont violemment proje- tées au dehors, on dirait que ranimal va se retourner — puis cliute rapide de la respiration. Les mouvements des parois du corps cessent apres 4 ou 5 minutes. Quelques convulsions succédent à la chute de la respiration, les bras se tordent sur eux-mémes. Le corps s'allonge et devient rigide. A la mort, les chromatophores sont dilatés, la peau uuiformément brune. — Note. L'ammoniaque est un poison musculaire, méme à plus petite dose, les mouvements de l'entonnoir sont les premiers altérés, en sorte que l'eau est bientòt expulsée par le bord de l'ouverture branchiale. La locomotion par réaction devient impossible. L'animai ouvert un moment après la mort apparente a les coeurs arrétés en Systole, mais au contact de l'air, ils recommencent à battre. Les ven- touses ne happent plus que les mouvements tortueux des bras durent ancore. Il me paraìt superflu de rapporter en detail les notes recueillies en expérimentant les autres bases. Il me suffira de dire que leur action est plus lente que celle de l'ammoniaque, quoique de méme nature. Voici quelques chiffres : Expérience VII. Dans trois vases renfermant chacun deux litres d'eau et un Eledone de taille moyenne on ajoute 3 cent, cubes d'ammoniaque, de sonde et de potasse. L'animai meurt presque immédiatement dans l'Ammoniaque, au bout de 45 minutes dans la Potasse, » » d'une heure dans la Sonde. Quant à la cbaux et à la baryte peu solubles dans l'eau, des Solu- tions saturées de ces alcalis n'ont conduit à la mort qu'après un temps si long que des doutes sont permis sur leur action speciale. — On peut résumer de la manière suivante ce que nous avons appris sur l'action des acides et des alcalis : 10. Les acides et les bases ne sont pas toxiques en raison de leur acidite et de leur basicité. — J'emprunte la forme de cette conclusion à un travail récent de M. Ch. Richet qui y est arrivé de sou coté en poursuivant des recherches analogues à celles que nous venons d'exposer sur l'écrevisse [Astacus fluviatilis). Le memoire de l'éminent physiologiste de Paris m'est parvenu à Naples pendant que j'étudiais les poisons sur les Céphalopodes et il m'a pam interessant de répéter ses expériences, sur des animaux aussi différents de Recherches expérimentales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. 105 celui auquel il s'était adressé. L'ensemble de mesrésul- tats concorde eu tous points avec les siens^. 20, Les acides organiques (oxalique, tannique) sont à dose égale, moins vénéneux que les acides minéraux. 30, L'ammoniaque est plus toxique que l'acide azoti- que, le plus violent des acides essayés. 40, Les acides se groupent dans l'ordre suivant, sous lerapportde leur toxicité. Acides azotique, chlorhydri- que, sulfurique, tannique. oxalique. 50. Les bases se distribuent au méme point de vue de la manière suivante: Ammoniaque, potasse, soude, cliaux (?), baryte (?). 6^. Les bases comme les acides produisent pendant un temps variable, une accélération des mouvements respiratoires. Bi-chlorure de m er cu re. Expérience Vili. Un Octopus vulgaris de forte taille, don- nant en moyenne 24 aspiratìons par minute est place dans un petit bassin renfermant 5 litres d'eau à laquelle on additionne 5 ""^ (Vi 000) d'une solution conceutrée de sublime corrosif. L'animai témoigne im- médiatement de l'inquiétude. Les parois de la cavité branchiale sont prises de contractious spasmodiques. Il lance son noir avec force et à plusieurs reprises. Le jeu de ses chròmatophores s'éteint au bout de dix minutes, ceux-ci sont dilatés et l'animai est fortement colore. Les mouvements respiratoires s'accélèrent et atteignent un maximum de 4,4 à la minute. Après 15 minutes ils s'arrétent brusquement sans s'étre progressivement ralentis. Les mouvements volontaires des bras per- sistent encore quelques minutes, les réflexes durent beaucoup plus longtemps. Un bras pince se retire sans produire de phénomènes géné- raux. Il en est de méme de la peau du dos dont l'excitation provoque quelques mouvements locaux. Quarante minutes après le commence- ment de l'expérience tout mouvement a cesse, ou peut pénétrer avec le doigt, dans la cavité branchiale sans provoquer le réflexe respiratoire. L'animai est alors ouvert par la face ventrale. Les coeurs veineux et les appendices réuiformes donneut encore quelques rares con- tractious qui sont accélérées si on excite avec l'appareil de Du Bois- Reymond le voisinage de la veine cave et arrétés si on irrite de la 1 Ch. Eichet, De rinfluence des milieux alcalins ou acides sur la vie des écrevisses. C. R. de l'Académie des sciences. t. XC. p. 1166. Mai 1880. 106 Emile Yiing méme manière le nerf visceral à la hauteur des branchies (P. Bert ; L. Frédericq). Les fonctions nerveuses sont donc partiellement eonservées. En résumé le sublime corrosif attaque d'abord la contractilité muscnlaire (bras, manteau, coeur et artère et en dernier lieu coeurs veineux). L'irritabilité ner- veuse est plus longtemps conservée. Les mouvements r espi r atoi r es accélérésjusqu'à un maximum qui une fois atteint fait place à un arrét subit. Arsenio. J'ai employé une solution saturée d'acide arsénieux à la tempera- ture ordinaire. Expérience IX. On ajoute 20 cent, cubes de la solution dans deux litres d'eau renfermant un jeune Eledone moschata. Ce n'est qu'au bout de quelques miuutes que l'animai paraìt indispose et fait des eiforts pour sortir du vase. Les seuls signes extérieurs sont un pà- lissement lent et graduel de la peau et un ralentissement progressif des mouvements respiratoires. Ceux-ci cessent complètement au bout de deux heures et l'animai paraìt mort. Le courant d'induction provoque des réflexes. Les coeurs sont arrétés en diastole, mais ils recommen- cent à battre au contact de l'air. En somme les efifets ne sont pas très caractéristiques. Curare. On a déjà fréquemment étudié l'action de ce célèbre poison chez les Mollusques. — Vulpian, Steiner, Bernstein, Krukenberg l'ont injecté avec succès sur les Gastéropodes et avec des résultats douteux sur les Lamellibranches. Quant aux céphalopodes, les opinions sont assez partagées. — Paul Bert a note une action en opérant sur la Sepia officinalis^ mais il s'étonne de la lenteur de cette action. »Les Seiches redoutent peu le curare, dit-il, et je puis dire que le peu de sensibilité des Seiches à l'action de ce poison si énergique et la lenteur de cette action m'ont beaucoup étonné. Ainsi une Seiche a mis plus de deux heures avant de succomber à l'ìntroduction sous la peau d'une dose de curare qui aurait bien tue 2 ou 3 lapins, Dans cette circonstance, elle commenca par se ralentir dans ses mouvements généraux au bout d'une heure en- viron ; puis elle pàlit beaucoup et perdit la faculté de dilater ses cel- lules chròmatophores ; enfin elle fut paralysée, incapable de fuir, bien que les mouvements respiratoires, fait remarquable, aient conserve Recherches expérimentales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. 107 lem* rhytlime, sìnon leur energie. Les mouvements des bras persistèrent davantage. Enfin tout disparut sauf les battements des coeurs. Jusqu'au dernier moment, l'animai avait à l'aide des bras restés libres, donne des signes de volonte et de sensibilité dans les parties déjà paralysées.« Je dois avouer qu'ayant répété plusieurs fois l'expérience de M. Bert sur des Octopus ou Eledone curarisés par iujection sous-cu- tanée je n'ai jamais obtenu que des résultats négatifs ou incomplets. Certain Octopus a supportò pendant plusieurs jours une injection de cu- rare sous la peau de son dos sans en paraìtre indispose. Une fois seu- lement, sur un jeune Eledone la paralysie se montra au bout de deux heures et demie. — Une autre fois, un Octopus curarisé fut trouvé mort dans Taquarium le lendemain d'une injection, mais sa mort peut s'expliquer par une autre cause; lampoule sous cutanee existait en- core, on en retira le curare qui se montra très actif sur une grenouille, de teile manière que l'on doit admettre qu'il était ainsi reste environ dix heures sous la peau de T Octopus saus j subir d'altération im- portante. — CoLASANTi de son coté n'a obtenu aucun résultat en administrant le curare aux céphalopodes et Klemensiewicz s'est trouvé dans le méme cas quoiqu'il ait plongé les animaux sur les quels il opérait dans des Solutions du poison. — Quant à Kruk^nberg il est arrivé à cette conclusion que le curare agit mais d'une manière compliquée. Je rapporterai ici ses propres paroles : »L'action est incertaine chez Eledone. Quelque fois après une injection de 1 à 2 milligrammes de curare ou après un séjour prolongé de l'animai dans une solution à V2 P« 1^0 (10 grammes de curare dans 2 litres d'eau de mer fraìche) , la mort arriva et le plissement spiriforme des bras, le brunissement Constant des animaux assure que dans ces cas, l'action du curare chez Eledone ne peut j)as étre rapportée à une para- lysie de l'appareil nerveux moteur terminal. Ces symptómes sont aussi peu une suite d'une paralysie centrale. L'image de l'empoisounement est dans tous les cas très compliquée, les troubles d'origine centrale se laissent difficilement distinguer des actions directes sur les parties péri- phériques car des morceaux de peau isolés brunissent dans une solution à 1/2 P- ^00 de curare et quoique cette coloration ne se conserve pas pendant des heures on réussit cependant à la provoquer sur une peau blanchie préalablement par la strychnine ou l'atropine en plagant celle- ci dans la solution de curare « On volt par ces différentes citations que la manière d'agir est assez obscure et qu'à l'exceptiou de Paul Bert aucun auteur n'a note 108 Emile Yung la paralysie des rauscles du corps et des bras. — La difficulté d'obteuir des résultats prècis réside daus celle de l'absorption. Pour ce qui concerne l'absorption par les branchies elle est évi- demment faible et il ne sera pas inutile d'emprunter à mes notes deux expériences qui le raontrent. Expérience X. (faite à Roscoff). Un Octopus vulgaris de taille moyenne donnant dans l'aquarium 26 mouvements respira- toires par minute et place dans un petit bassin renfermant 6 litres d'eau où il donne le méme nombre d'aspirations. On ajoute alors du curare 1 de manière à faire une solution à Y2 P- 1*^0, ce qui suffit pour colorer l'eau légèrement en jaune. Après 2 minutes les aspirations sont montées au cbiffre de 30 et sont très profondes. Cinq minutes plus tard elles sont redesceudues à 24 et elles demeurent à ce chiffre pen- dant plus d'une heure sans que l'animai paraisse indispose et sans que ses mouvements aient été ralentis d'une manière notable. La petite quantité d'eau dans laquelle se trouvait l'animai a obligé d'arréter l'ex- périence une beure et demie après qu'il y avait été place. Expérience XL Un jeune Octopus vulgaris et un jeune Eledone moschata re^oivent en méme temps 2 cent, cubes d"une solution saturée dans l'eau douce, dans la cavité branchiale et sont maintenus hors de l'eau pendant deux minutes. Lorsquon les y re- place, ils nagent avec force pendant quelques instants puis ils se fixent chacun dans un coin de l'aquarium et respirent normalement. L'exci- tation des bras provoque des mouvements. La coloration s'est accen- tuée. Une heure plus tard aucun Symptome d'empoisonnement ne s'étant manifeste, j'administre à l'Octopus une nouvelle dose de 3 cent, cubes du curare, mais je n'obtiens pas plus de succès. Quatre heures après les deux animaux paraissent en parfaite sante; ils servent à d'autre expériences. Expérience XIL Un jeune Octopus re§oit dans la cavité branchiale 4 cent, cubes de la solution saturée et il est maintenu pendant 5 minutes dans la position verticale de manière à empécher le rejet du poison. Puis on le replace dans l'eau. Il nage lentement, les mouvements respiratoires au nombre initial de 27 par minute, descen- dent à 22 — 24 et se maintiennent à ce chiffre pendant plus d'une heure. La peau brunit un peu et les mouvements des bras sont considérablement 1 Le curare que j'ai employé dans toutes ces rechercbes m'a été envoyé par Rousseau à Paris. Il se niontre très actif sur les grenouilles et les poissons. Une Ifotella qui a regu 2 gouttes de la solution concentrée, a été paralj-sée au bout de 4 minutes. Kecherches expérimentales sur l'action des poisons chez les Cépbalopodes. 109 raleutis. L'animai paraìt très fatigué et il éprouve beaucoup de peiue à se défendre lorsqu'ou l'excite. Il y a certainement un commencement de paralysie, toutefois cette gene manifeste des mouvements est passa- g-ère. Au bout de trois lieures elle a diminué et le lendemain matin l'animai est retrouvé dans un état très normal comme s'il n'avait jamais été curarisé. L'absorption branchiale n'ayant lieu comme on vient de le voìr que d'une fagon imparfaite et ne donnant que des résultats équivoques je me suis adressé à Tariere céplialique et j'ai injecté le poison dans la masse du sang méme. — Expérience XIII. Un Octopus vulgaris de grande taille, très fort et agile, dressant ses bras à la moindre excitation et happant vivement les crabes vivants qu'on lui présente comme nourriture, est fixe sur une planchette. Je pratique une incision longitudinale sur son dos et je mets à nu de cette manière l'aorte céphalique sur une petite longueur, puis je lui injecte au moyen d'une très fine canule 0,5 cent, cube de la solution. L'animai se contraete immédiatement, devient très foncé et cesse presque aussitòt tout mouvement de defense. Eemis im- médiatement dans l'eau il ne donne plus de mouvements respiratoires. L'iutroduction du doigt dans la cavité branchiale ne peut plus en pro- voquer. Les bras n'exécutent plus aucun mouvement, les réflexes sont éteints. Le jeu des chròmatophores continue, l'animai après avoir d'abord bruni, pàlit peu à peu. La paralysie étant complète au bout de dix minutes, l'Octopus est ouvert sans que le contact des ciseaux ré velile des mouvements. Les coeurs battent encore mais irrégulière- ment, les coeurs veineux et les appendices réniformes continuent long- temps leurs pulsations. — L'action a été très brusque dans ces conditions sur les muscles de la vie animale, mais ceux de la vie vegetative sont peu atteints. Les mouvements péristaltiques se montraient sur Tintestin et l'estomac pen- dant que les coeurs battaient encore. Je conclus de ces experiences : 1^. Que le curare agit sur les Céphalopodes à peu près comme chez les animaux supérieurs en provoquant une paralysie des muscles des bras et du manteau. 2^. Quecettepa r al y Siene s'è tend pas — àladoseem- ployée — auxmusclesducoeuretdel'intestin. 3**. Qu'il peut agir directement sur les cellules chrò- matophores en colorant la peau, comme cela a été con- state par Krukenberg, mais que cette coloration n'est 110 Emile Yiing que passagère et qu'elle fait place bientot à une pàleur persistante. 40, Que l'absorption du poison est très lente et im- parfaite par la peau, les tissus sous-cutanés et les bran- chies, ce qui explique le désaccord qui existe entre les auteurs qui ont étudié l'action du curare par ce procède. L'absorption n'est pas nulle cependant, puisqu'elle a été süffisante pour donner un commencement de paralysie dans l'expérience citée de P. Bert (sous la peau) et dans notre expérience XII (dans la caritè branchiale). 5**. Que le procède le plus efficace pour faire agir le curare est de l'introduire directement dans le sang par une artère. Strychnine. Cet alcaloide paraìt agir sur les Mollusques gastéropodes. En 1879 M. Heckel^ en expèrimentant avec le sulfate et l'oxalate de strychnine sur Helix pomatia^ Helix aspersa et Zotiites algirus a vu Helix aspersa succomber au milieu de convulsions 5 ou 6 minutes après l'injection de 0,025 gr. de ces sels. »Après la mort dit-il, j'ai constate un état de contracture des muscles très accuse dans le pied et dans la partie cèphalique; dans deux cas sur huit les organes copula- teurs avaient fait saillie pendant les convulsions. Cet ètat de rigidité musculaire a subsisté jusqu'au moment où la putrèf action a commencè. Avec la méme dose les Zofiites algirus et les Helix pomatia ont parfaitement resistè. Ces animaux avaient un poids net de 8 gram- mes pour les Zoìiites et de 9,70 gr. pour les Helix pomatia. Après huit jours de retrait dans la coquille, ils ont repris leur vie nor- male : la dèfècation a ètè assez abondante et je n'ai pu constater de trace de strychnine dans les fèces. A la dose de 0,045 gr. Zonites et Helix pomatia ont encore resistè.« — M. Heckel a conclu de ses expèriences : 1*'. Que les Mollusques gastéropodes jouissent d'une immunitè re- marquable en ce qui concerne les sels de strychnine ; 2 0. que chez ces animaux comme chez les Vertèbrés sur les quels on a expèrimentè, le degrè de nocivité de ce poison est en raison inverse du poids de l'ani- mai; 30. que les phénomènes toxiques s'y manifestent de la méme 1 E. Heckel, De l'action des sels de strychnine sur les Mollusques gastéro- podes. C. R. de l'Académie des sciences de Paris, t. LXXXVIII, p. 918. 5. Mai 1879. Recherches expérimeutales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. IH fagon que chez les animaux snpérieurs, en un mot que c'est un poison du Systeme nerveux (tétanìsant) . M. VuLPiAN ne mentionne dans ses »Le9ons« que des résultats négatifs à ce propos. — Nous ne devons guère nous étonner que sur des animaux d'une Or- ganisation plus élevée comme le sont les Céphalopodes, les résultats obtenus soient plus francs. Paul Bert trouva les seiches extrémement sensibles à l'action de la strychnine. »Ayant plongé, dit-il, une seiche dont la peau était un peu excoriée dans une solution contenant 10 centigrammes de chlor- hydrate de strychnine pour 3330 grammes d'eau de mer, je l'ai vue immédiatement prise de convulsions terribles , làcher son noir et se fixer énergiquement par ses huit bras étendus en éventail (les grands bras ravisseurs ne sortant pas de leurs poches) ; elle cessa de respirer et mourut dans cette position en 3 ou 4 miuutes. Ses muscles étaient encore contractiles, ses nerfs moteurs encore excitables ; mais la con- tractilité comme l'excitabilité nerveuse avaient certainement diminué et les actions réflexes avaient complètement disparu, Les coeurs battaient encore. «Pour un casseron, j'ai réduit la dose à 0,005 gr. dans un litre d'eau et j'ai obtenu les mémes phénomènes après 3 minutes ; la mort est survenue en 5 miuutes, l'animai présentait des convulsions provo- cables comme une grenouille. Avec 0,0025 gr., mort en 35 minutes.« — Selon CoLASANTi la strychnine agit sur les Céphalopodes en les fai- sant mourir dans des convulsions tétaniques. — Le méme fait a élé confirmé par Krukenberg qui nous a donne de très importantes constatations sur l'action de ce poison. Le savant ex- périmentateur s'est plus particulièrement attaché à l'étude de l'influence de la strychnine sur la peau et ses chròmatophores. C'est assurément un fait bien remarquable que le pàlissement excessif qui suit rapidement l'introduction d'un céphalopode dans une solution méme très faible de strychnine (Krukenberg a vu qu'une proportion de 1 : 40,000 du poison suffisait dans de l'eau de mer pour produire l'intoxication) , car cette action est évidemment indépendante des centres nerveux puis qu'elle a lieu aussi bien sur des morceaux de peau détachés du corps. Ce fait a conduit Krukenberg à rapprocher la strychnine de l'atropine et de la nicotine et d'en constituer sous le nom de poisons nerveux périphéri- ques, un groupe qu'il met en Opposition avec la quinine qu'il a égale- ment fort bien étudiée et qui n'agit que par Tintermédiaire des centres. La strychnine provoque une paralysie par épuisement des fibres 112 Emile Yung radiaires des chromatopliores, ceux-ci complètement contractés donnent un pàlìssement persistant de la peau. »On se convainc le mieux, dit Krukenberg, de l'action purement locale de ces poisons (strjclinine, atropine, nicotine) en exposant des morceaux ou tout le manteau d'un Eledone récemmeut tue, moitié dans une solution du poison, moitié dans une atmosphère simplement humide. La portion mise en contact avec le poison prend au bout de peu de temps la coloration caractéristique, c'est à dire que dans la strychnine et l'a- tropine elle devient bianche tandis qu'elle brunit dans la nicotine. J'ai souvent réussi à obtenir le méme morceau de peau 5 fois alternative- ment brun et blanc.« — Il faut donc selon cet auteur admettre la présence de ganglions périphériques. Il considère comme prouvé, que strychnine, atropine et nicotine agissent » sur des éléments intercalés entre les centres et les fibres radiaires«. — Je n'entrerai pas dans la discussion de savoir si l'existence de pa- reils organes est réellement prouvée par les expériences de Kruken- BERG. Nous devons attendre de l'Anatomie microscopique des éclaircisse- ments à ce propos. Je noterai seulement que la tétanisation des muscles des bras par la strychnine parie en faveur d'une action centrale de ce poison, action centrale que Krukenberg lui-méme admet en différents points de son memoire. J'en arrive maintenant à l'exposé de mes propres expériences com- mencées à Roscoff en 1879. Expérience XIV. Un grand Octopus vulgaris, donnant 24 re- spirations à la minute est transporté dans un aquarium avec six litres d'eau à la quelle on ajoute 0,02 gr. de sulfate de strychnine. L'ac- tion du poison se manifeste immédiatement par le pàlissement de l'animai, ses mouvements respiratoires s'accélèrent pendant une demi- minute, puis reprennent leur rhythme normal quoique demeurant puis- sants. L'animai parait très »essoufilé«. — Aprés dix minutes seulement des mouvements tétaniques apparaissent et sont surtout sensibles à l'ex- trémité des bras. La peau tonte bianche d'abord se bronze par places de taches foncées et changeantes. Les bras se raidissent, l'animai occupe une position verticale, la téte tournée en bas. Puis il est pris de spasmes dafls la cavité branchiale, il lache de Tenere à deux reprises et avec force. Les mouvements respiratoires devenus irréguliers, cessent deux minutes après le commencement des phénomènes tétaniques et l'animai parait mort. Les ventouses happent encore mais faiblement. Les coeurs veineux battent 34 pulsations irrégulières dans la minute Recherches expérimentales siu* l'action des poisons chez les Céphalopodes. 113 (un poiüpe normal pris comme terme de comparaison, en donne 24, mais j'aì pu m'assurer que ces battements n'ont jamais ime grande régu- larité) . Ces pulsations durent encore une lieure plus tard. — Expérience XV. J'ajoute à 1 lìtre d'eau renfermant un petit exemplaire ^Octopus macropus normal 4 gouttes d'une solution sa- turée de sulfate de strychnine. Après trois minutes le poulpe com- mence à ressentir les effets du poison, il se déplace et parait indis- pose. L'action de la strychnine est alors rapide, l'animai blanchit com- plètement, il tremble de tout le corps, les mouvements respiratoires deviennent plus puissants, saus devenir plus nombreux. Il lance beau- coup d'encre, les mouvements tétaniques sont visibles surtout à l'ex- trémité des bras et sur le bord du manteau. — Pendant les crises téta- niques, le corps s'allonge beaucoup et se raidit. On peut les provoquer par le choc comme chez les animaux supérieurs. Cinq minutes plus tard, l'animai épuisé s'affaisse au fond du vase. Les ventouses ne happent plus. L'excitation mécanique ne provoque plus de mouvements réflexes, la respiration n'est pas réveillée par Tintroduction d'un corps étranger dans la cavité branchiale. L'excitabilité des ganglions n'est pas abolie car un faible courant de la bobine de Du Bois-Reymond suffit lorsqu'on pose la pince sur le ganglion étoilé pour provoquer des mouvements du manteau. L'excitation des centres avec un courant plus fort provoque un léger brunissement de la peau, ce qui est contraire à une expérience de Kkukenberg. — Les coeurs veineux, les appendices réniformes et le coeur artériel continuent longtemps à battre. Les premiers donnent 18 à 20 pulsations par minute, au moment de leur mise à découvert qui a lieu quìnze minutes après le commencement de T expérience. L'animai abandonné à lui-méme reprend après plus d'une heure, une légère coloration brunàtre. — Les phénomènes tétaniques très frappants dans les deux expé- riences précèdentes le sont davantage encore lorsqu'on opere sur un ani- mal retiré de l'eau. Il suffit pour lui faire absorber le poison de lui en in- jecter quelques gouttes dans la cavité branchiale. Letremblementmuscu- laire est si vif qu'il donne lieu à une perte de l'équilibre, le poulpe effectue parfois dans la crise de vèritables tours de gymnastique (elonisme.) Quant à l'effet particulier sur les fragments de peau détachés du corps jai parfaitement vu tous les faits annoncés par Krukenberg, il serait interessant d'appliquer la strychnine directement sur les chro- matophores et à dose infinitesimale pendant l'observation microscopique, Mittheilnngen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. Hl. 8 114 Emile Yung de manière à uoter la marche de l'action. Les muscles radiaires ne paraissent pas susceptibles d'entrer en tétanos, car dans ce cas le pliéno- mène se traduirait par des effets de coloratiou qui n'ont pas été notes jusqu à présent. — Résumé. 10. Les sels de strychnine sont rapidement absorbés par la surface branchiale des Céphalopodes. Il en suffit d'une très petite quantité (V40000 de nitrate de strychnine selon Krukenberg) pour provoquer des phénomènes toxiques. 20. La strychnine agit sur le Systeme ganglionnaire et provoque de véritables mouvements tétaniques daus les muscles du manteau et des bras. — 30. Elle agit directement ou par Tintermédiaire d'un Systeme ganglionnaire périphérique non encore constate anatomiquement (Krukenberg) sur les fibres radiaires des chromatophores, les relàche et conduit à un pàlissement durable (mais non indéfiniment persistaut) de la peau. — 40. Les mouvements respiratoires sont altérés dans leur régularité, sans que leur nombre augmente ou di- minue d'une manière constante. Ils cessent ordinairemeut brusquement peu après le commencement du tétanos. — 50. Les pulsations cardiaques ne sont pas influencées d'une fagou reguliere par la strychnine, elles conti- nuent longtemps encore après la mort de l'animai. 60. La fatigue tétanique ne va pas jusqu'à l'épuise- ment des propriétés des nerfs et des muscles. Les mouve- ments réflexes sont abolis, mais l'excitation électrique des ganglions étoilés provoque la contraction des muscles du manteau. Nicotine. Ce poison extrèmement violent paraìt agir d'après mes propres recherches sur toutes les classes des Mollusques, mais chez les Céphalo- podes son action est frappante méme à dose très faible. Krukenberg le range dans le groupe des poisons périphériques à cause de son action sur des lambeaux de peau détachèe du corps. Il fait brunir la peau qui a bianchi à la suite d'une section des nerfs palléaux. Une goutte d'une solution de nicotine à 1 : 20 000 ^ suffit Une solution à 1 : 100000 agit encore selou Krukenberg. Kecherches expérimentales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. 115 lorsqu'on la pose sur la peau pour colorer fortement en brun la région touchée et cela sur tous les Céphalopodes mis en expérience (Octopus, Sepia, Eledone) . La sensibilité des fìbres radìaires est teile vis à vis de la nicotine qu'il suffit pour les faire reagir de souffler sur eux de la fumèe de tabac. Je rappellerai que la nicotine ramène au noir la peau pàlie par l'action de la strychniue ou de l'atropine ou encore selon Kkukenberg de la quinine. Mais à coté de cette action périphérique la nicotine agit bien aussi sur Porgane nerveux centrai et provoque comme nous allons le voir dans une expérience typique des profonds troubles locomoteurs. — Expérience XVI. Un Octopus vulgaris et un Eledone ma- sellata sont placés dans de l'eau de mer fraìche à laquelle on ajoute Vsooo de la solution de nicotine. L'action est extrémement rapide sur les deux animaux. Ils lancent Feau avec violence, les mouvements respiratoires se succèdent très vite, un par seconde pour le moins, mais après 30 ou 40 secondes, ils cessent brusquement. Les animaux épuisés ne happent que difficilement, les ventouses n'ont plus de force. Les muscles des bras ainsi que ceux du manteau sont pris de convulsions. La peau se frise et se bérisse et l'animai tordu et replié sur lui-méme ressemble à un chiffon. Tous deux lancent violemment de Tenere à plu- sieurs reprises. Les extrémités des bras se replient en spirale sur elles- mémes, sur la face interne ou obliquement. Après trois minutes il n'y a plus aucun mouvement quoique pendant ce temps on ait pu noter quel- ques tentatives pour reprendre les mouvements respiratoires. L'animai paraìt vouloir respirer mais il ne le peut pas. — A ce moment les muscles du manteau et des bras ìndiquent de la raideur, mais ce phénomène n'est que passager et ils reprennent bientòt leur souplesse habituelle. — Les mouvements réflexes sont vite éteints , mais l'irritabilité nerveuse est si bien conservée que méme chez des animaux empoisonnés avec une dose beaucoup plus forte de poison, la pince électrique posée sur les ganglions étoilés provoque la contraction du manteau. — Les animaux ouverts, montrent quelques contractions du canal intestinal qui expulse des excréments. Les coeurs veineux et le coeur artériel battent encore. Une goutte de poison placée sur la branchie produit de nouvelles contractions du corps et l'arrét momentane des coeurs. Les appendices réniformes et les coeurs veineux ainsi arrétés recommencent quelque fois à battre au contact de l'air après un temps plus ou moins long. — 8* 116 Emile Yung Avec des quantités très faibles (que je n'ai pas dosées exactement) de nicotine on peut suivre la progression des convulsions entrainant la paralysie des muscles respiratoires, paralysie qui a été très rapide dans l'expérience que nous venons de relater. La nicotine agit donc avec une puissance tonte exceptionnelle sur les nerfs moteurs. Gomme chez les Vertèbrés elle paralyse les muscles à l'état de contraction, ceux du manteau en premier lieu, puis ceux des bras, et enfin ceux de l'intestin et des coeurs. Pour ces derniers la chose est douteuse et la pbysiologie de ces organes est encore très obscure. En outre la nicotine agit rapidement sur les cbròmatophores en contractant les fibres radiaires et en étalant fortement la cellule pigmentaire. Atropine. J'ai étudié l'action de ce poison d'une fagon trop incomplète pour que je puisse m'étendre longuement à son propos. Colasanti n'a pas pu noter dans ses expériences de symptòmes caractéristiques. Krukenberg range ce poison relativem ent à son action sur les cbròmatophores à coté de la strychnine. L'atropine est en tous cas beaucoup moins active que les deux poisons précédents et quelle que soit la dose employée on a peine à obtenir d'autres effets bien précis qué la paleur de la peau. Toutefois cette paleur ne m'a pas paru aussi obstinée que le rapporte Krukenberg et j'ai réussi à la faire partiellement disparaìtre en portant une excita- tion électrique sur le cerveau. Expérience XVIL Un j cune Octopus mdgaris donnant 32 re- spirations à la minute, regoit 5 cent, cubes d'une solution saturée de Sulfate d'atropine dans la cavité branchiale. Au moment de l'intro- duction du poison il donne quelques fortes contractions provoquées sans doute par le contact de l'eau. Après deux minutes, l'animai a bianchi, il est replacé dans l'aquarium, le nombre des mouvements respiratoires est tombe à 18 et diminue progressivement. Au moindre attouchement tout le corps de l'animai se redresse et s'allonge avec des convulsions. Le poulpe lance de Tenere à plusieurs reprises. Cinq minutes plus tard les mouvements respiratoires sont arrétés, les réflexes conservés de teile manière que l'on réveille quelques aspirations en irritant la surface des branchies. Les coeurs ne battent que très lentement au moment de l'autopsie, mais le nombre de leurs pulsations augmente au bout d'un instant, probablement par le fait du contact de l'air. — Je me borne à citer cette expérience en m'abstenant de commen- Recherches expérimentales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. 117 taires. Nos connaissances sur la manière d'agir de l'atropine sont trop incomplètes pour noiis permettre des concliisions géuérales. — Muscarine. La muscarine que j'ai employée a été préparée par Mr. le profes- seur Denis Monnier à l'Université de Genève et retirée directement de VAgmicus muscarms. — Elle se présente sous la forme d'un liquide épais, gélatineux, de couleur jaune-brun et très soluble dans l'eau. — Krukenberg est le seul auteur à ma connaissance qui ait essayé ce poison sur les Céphalopodes. Il en a administré sur Eledone des doses de 1 à 3 milligrammes et il n'a note que la coloration de la peau. — Je résumerai ici les données aux quelles je suis arri ve à la suite d'un grand nombre d'expériences faites avec ce poison. — Sur la peau, la muscarine agit dans le méme sens que la nicotine quoique à un degré beaucoup moindre, c'est-à-dire qu'elle paralyse en contraction les muscles des chròmatophores. La place touchée par le poison brunit assez fortement. — Si sur une région ainsi brunie on place une goutte de nicotine les limites de celle ci se dessinent sur la première par une couleur plus intense. Krukenberg nous apprend qu'une solution de muscarine à 1 : 100 n'a pas plus d'influence visible sur des morceaux de peau séparés du corps que l'eau de mer ou l'eau distillée. Je n'ai pas fait une pareille expérience. La muscarine agit en outre sur les mouvements du coeur. Son absorption par les brancbies est assez lente. A faible dose, elle a pour premier effet de ralentir les mouvements respiratoires sans les anni- hiler complètement et l'animai peut survivre après une Indisposition de quelques beures. J'ai note dans deux cas où la dose administrée avait été très faible, une accélération passagère dans les pulsations des coeurs veineux et artériel. A forte dose les coeurs s'arrétent en diastole. La muscarine paralyse aussi les mouvements de l'estomac. — Quant à son action sur les sécrétions, si remarquable chez les ani- maux vertébrés, je n'ai pas fait d'expériences directes rendues très dif- ficiles par les conditions pbysiologiques dans lesquelles se trouvent les auimaux. Toutefois j'ai souvent note chez Eledone et Octopus em- poisonnés une fréquence et une abondance remarquables dans le jet du noir, ce qui semble indiquer une hypersécrétion. — Dans les cas où les coeurs se trouvaient paralysés à la suite de l'absorptiou du poison par les brancbies, j'ai toujours réussi à les réveiller par le courant d'induction convenablement applique, mais il 118 Emile Yung n'en a pas été de méme lorsque le poison était directement injecté dans le coeur. Véràtrine. La véràtrine employée provient du Laboratoire de physiologie de Londres, nous la devons à l'obligeance de M. le professeur Schaefer. Son action est rapide et intense. A la dose de 1 pour 10 000 elle est déjà evidente. — Krukenberg qui a essayé ce poison sur Eledone est très href à son sujet. Voici ce qu'il en dit : »L'injection de 2 milligrammes de chlorhydrate de véràtrine a eu pour résultat la mort. La coloration de la peau était toujours brune dans mes expériences, seulement la place injectée restait généralement bianche. Les symptòmes d'empoisonne- ment parlent en faveur d'une action centrale.« — Expéri enee XVIIL Un Octopus milgaris est place dans de Teau de mer à laquelle on a ajouté V5000 de la solution conceutrée de véràtrine. Presque immédiatement l'animai est pris de violentes contractions du manteau. Les mouvements respiratoires tombent rapi- dement à zèro après quelques vives et difficiles aspirations. Les bras s'agitent d'une manière désordonnée. Les mouvements se font sans aucune coordination, la faculté de se diriger vers un but donne parait avoir disparu. L'animai est replongé dans l'eau pure après 3 minutes. Il donne quelques aspirations et les mouvements respiratoires reprennent peu à peu, mais pour un moment seulement, leur rhytbme normal, interrompu de temps à autre par des soubresauts de tout le corps. Après étre re- montés jusqu'à 20 par minute, ils commencent à redescendre et 4 heures plus tard l'animai est mort, tout mouvement réflexe a disparu. L'animai a légèrement pàli. Expérience XIX. Un jeune Eledone regoit deux gouttes de la solution dans la cavité branchiale. Il se contraete immédiatement et s'agite si violemment qu'on a peine à le maintenir avec des pinces. Signes évidents d'une vive Irritation. Après une minute, il est replacé dans l'eau. Ses mouvements respiratoires sont bientòt arrétés malgré les efforts manifestes que fait l'animai pour les maintenir. Puis l'Ele- done est pris de convulsions, il se tord sur lui- méme et dans le défaut de coordination de ses mouvements, il exécute les tours de gymnastique les plus imprévus. Les ventouses happent toujours, la peau a bianchi. Dix minutes plus tard survient la mort apparente, l'animai est conche au fonddu vase, les musclesraidis. Les mouvements réflexes sont abolis. Recherches expérimeutales sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. 1 ] 9 Les bras et la partie postérieure du corps, si sensible à Tordinaire, ne répoudeut plus à une excitation mécanique. — A l'ouverture du corps, les coeurs sont arrétés, mais au contact de l'air les coeurs veiueux et les appendices réniformes recommencent à battre. Un fort courant d'inductiou provoque quelques contractions diffi- ciles dans les muscles du corps, mais ne réussit pas à faire mouvoir les bras. — Le jeu des cbròmatophores est maintenu, les deux eléctrodes placés sur le cerveau provoquent le noircissement de tonte la peau. La nicotine noircit fortement la peau préalablement blanchie par la véràtrine. — Le courant d'induction active considérablement les mouvemeuts du coeur ralentis par le poison. — On voit donc : 1 0. Que la véràtrine est chez les Céphalopodes comme chez les Vertèbrés un puissant irritant, qui est toxique à faible dose. 20. Qu'elle diminue le nombre des mouvements re- spiratoires etceux du coeur. 30. Qu'elle agit sur les centres coordinateurs des mouvements. 40. Qu'elle provoque des crampes convulsives des muscles du manteau et des bras. — Upas-Antiar. J'ai fait usage d'un Upas-antiar très actif qui m'a été envoyé par Rousseau à Paris. J'en fais une solution aqueuse saturée à la tempe- rature ordinaire. — Deux gouttes de cette solution introduites sous la peau d'un crapaud et de deux grenouilles, les tuent dans l'espace de quelques minutes. — Sur les Céphalopodes son action est extrémement lente et dans beaucoup de cas douteuse. Des doses considérables introduites dans la cavité branchiale n'ont pas été absorbées. Une fois, un jeune Eledone renfermé dans de l'eau contenant 3 p. 100 de la solution est mort après une heure par arrét des mouvements respiratoires sans avoir présente de symptòmes bien caractéristiques. J'ai note seulement dans les pre- miers moments une légère accélération de la respiration, puis elle s'est ralentie peu a peu, sans secousses, saus convulsions, saus aucune ma- nifestation de malaise. La couleur de l'animai n'avait pas changé. — 120 E. Yung, Recherches exper. sur l'action des poisons chez les Céphalopodes. Si on polisse le poison dans l'artère eéphalique, les choses chan- gent cl'aspect. Jai fait rexpérience sur Octopus et Eledone. À peine 2 ou 3 gouttes ont-elles été mélées au sang que l'animai se contraete violemment à plusieurs reprises, rejette du noir et brunit fortement à chaque eonvulsion. Les mouvements du coeur sont d'abord accélérés mais diminuent ensuite. Ceux de la respiratiou sont abolis et ne re- prennent pas lorsque l'animai est replongé dans l'eau. Les mouvements réflexes sont conservés longtemps. Immédiatement après l'administration du poison, j'ai toujours con- state une grande activité des mouvements péristaltiques de l'intestiu. — Je clos ici ce répertoire de faits relatifs à l'action des poisons chez les Céphalopodes. Poursuivant dans ce moment des recherches aöa- logues sur les autres classes de l'embranchement des Mollusques, je pense qu'il est convenable, de multiplier les observations avant d'établir des régles générales. — ^ Genève le 20 Mars 1881. - . Sur la faune des Siphonophores du Golfe de Naples. y Par M. Bedot. Les travaux de la Station Zoologique montrent tous les jours davantage la richesse du Golfe de Naples. Ayant eu l'occasion de passer 5 mois dans ce laboratoire, où je me suis occupé principale- ment de l'étude des Siplionophores, je erois étre utile aux naturalistes quf voudront étudier cet interessant groupe d'animaux, en leur indiquaut ^uelles sont les espèces qu'ils trouveront là. En Consultant les nombreux travaux sur le sujet dont je m'occupais et, en comparant le nombre des espèces trouvées par les naturalists, en différents points du rivage de la mediterranee, avec le nombre des espèces que l'on trouve à Naples, j'ai pu me convaincre que ce dernier endroit était un des plus riches de la còte méditerranéenne. , Voi ci la liste des espèces que j'ai pu observer : Physophores. Fam. Athorybiades. I Athorybia rosacea Esch. — Je n'en ai eu que trois exem- plaires. Fam. Physophorides. Physophora Philippii Köll. Trés abondante. Fam. Agalmides. A. Forskalia. F. contorta M. Edw. — La plus commune de toutes les espèces citées. F. formosa Kef. Ebl. — 122 M. Bedot. B. Haiistemma. H. rubrum Vogt. Très abondante. H. tergestina Claus. — Cette jolie petite espèce découverte par Claus il y a 3 ans dans la mer adriatique, a fait son ap- parition à Naples seulement deux fois pendant mon séjour ; le 14 et le 20 Dee. 1880. Elle ne se distingue de l'espèce pré- cédente que par ses vrilles urticantes qui sont recouvertes, seulement à leur sommet, d'un manteau en forme de cloche. C. Agalmopsis. A. S arsii Köll. — Fam. Apolemides. Apolemiauvaria Less. Fam. Rhizophysides. Rhizophysa filiformis Forsk. Calycophores. Fam. Hippopodiides. Gleba hip p opus Forsk. (Hippopodius neapolitanus) . Fam. Diphyides. A. Praya. P. Diphyes Blainv. très-abondaute. B. Diphyes. D. Siboldii Köll. D. quadrivalvis (Galeolaria aurantiaca Vogt). Cette espèce est assez abondante, j'en ai en mesurant jusqu'à 0,60"^ de long. Le 8 Février, j'ai pu en observer un individu qui possédait 3 cloches natatoires. La cloche supplé- mentaire était attachée sur celle des deux cloches qui a l'ouver- ture tournée vers Textérieur et était éxactement de la méme forme que celle-ci. Le point d'attaché était aussi à l'extrémité opposée à celle de l'ouverture. Le reste de la colonie était par- faitement normal. C. Abyla. A. pentagona Esch. Espèce très commune. Fam. Monophyides. Sphaeronectes gracilis Claus. — Dìscoides. Fam. Velellides. Vele 11 a spirans Esch. Porpita mediterranea Esch. Sur la faune des Siphonophores du Golfe de Naples. 123 Voicì donc un total de 17 espèces. Parmi ces espèces, il en est, comme je l'ai indiqiié, qui sout trés-abondantes et, à l'exception des jours où la mer était très-agitée, la péche m'a presque toujours rapporté quelques exemplaires de ces auimaux. Je dois ajouter que j'ai pu voir dans la collection du laboratoire 2 espèces qui ne figurent pas dans ce tableau, n'ayant pas été prises cet hiver. Ce sont: 10. Forskalia ophiura D. Ch. (?) prise le 27. XII. 1879. 20. Physalia spec. prise le 16. IV. 1879. Cela porte le total à 19, nombre relativement élevé pour un aussi petit groupe d'animaux. Un séjour plus long à Naples eùt probablement fait connaìtre encore un certain nombre d'espèces. Il est à remarquer que toutes les familles de Vordre des Siphonophores sont représentées dans le tableau que je viens d'exposer. Genève, Juin 1881. Intorno alla scissiparità delle attinie. Note del Dott. Angelo Andres. Con tavola VII.. In quei punti del porto mercantile di Napoli , dove il fondo è coperto da cespi di mitili, di serpule, di bugule, di tubularie ecc. (Mytilus minutus, Serpula uncinata, Bugula avicularia, Tubnlaria larynx etc.) abbondano pure certe piccole attinie che finora, per quanto sembra, non attirarono V attenzione dei naturalisti. Le medesime appartengono al genere Aiptasia^, del quale posseggono tanto i missili filamenti e la colonna ciuclidifera, quanto i tentacoli subuliformi, con riluttanza retrattili. Somigliano tutte 1' una all' altra per la piccolezza del corpo, nonché per la diafaneità del tessuto ; e tutte sono facilmente confondibili coi giovani individui dell' Aiptasia Contarini (A. diaphana Rapp, ma non Delle Chiaje) che vive bene spesso nelle identiche località e condizioni. Dietro breve esame si riconosce tuttavia ben tosto la differenza ; e si riconosce altresì che esse stesse non sono tutte eguali tra loro, ma che ponnosi agevolmente separare in varie categorie o per lo meno in tre gruppi. E cioè : — Alcune posseggono colonna striata da linee diafane in alternanza grosse e sottili; tentacoli annulati di bruno, grigio e bianco ; peristoma con zona periferica bruna , con raggi gonidiali distinti e con macchia labiale crocìforme (che coi raggi forma una stella a sei punte) . Di esse sonvi esemplari di colore fondamentale'bianchiccio con macchia labiale ben pronunciata ; ed altri di colore giallognolo con macchia quasi invisibile (e questi hanno in generale dimensioni minori) . 1 Ph. H. Gosse, On the British Actiniae. In: Ann. Mag. Nat. Hist. 3^. I. 1858, p. 416. Intorno alla scissiparità delle attinie. 125 Frequenti vi ricoiTono le mostruosità: quali la presenza di tre raggi gonidiali in luogo di due ; ovvero la moltiplicità delle linee formanti la macchia labiale, ecc. — Altre presentano colonna striata da linee dia- fane che alternano in ragione di una grossa per tre sottili ; tentacoli monocromici con tendenza alla forma cilindrica ; peristoma uniforme ; colore fondamentale bianchiccio, uniforme dovunque. A questo gruppo credo spettino altresì alcune piccole attiniette da me finora vedute una sola volta, provenienti dalla stessa località, e che hanno tentacoli rossi. — Altre ancora lasciano 1' osservatore indeciso se debbano formare gruppo a sé ovvero se debbano venir riunite piuttosto alle prime che alle seconde. Hanno colonna di color cupreo uniforme, tentacoli grigio-giallognoli con la porzione apicale bianco-giallognola ; peristoma giallo con zona bruna periferica e con raggi gonidiali biancastri. Di questi tre gruppi il primo ed il secondo diversificano abbastanza notevolmente 1' uno dall' altro per 1' aspetto dei tentacoli, per la forma dell' onco (che nel secondo lascia spesso protrudere in lungo tratto il peristoma o la faringe, mentre nel primo è costantemente emisferico ed appiattito) e per 1' insieme ; cosicché sarei tentato di costituirne due specie distinte. Me ne astengo tuttavia tanto nel pensiero di non eccedere in minutezza di suddivisioni, quanto nella considerazione che il terzo serve in certo qual modo d' annello di congiunzione tra i due e li rende tra loro compatibili. I tre gruppi sono quindi per me tre varietà di una specie unica. E per vero di quella stessa che io misconobbi tempo ad- dietro annoverandola nel mio Prodromus ^ quale Paractis cornata. Bosc nel 1802^ descrisse e disegnò una piccola specie oriunda della Carolina, che egli chiamò Actinia cavernata e che caratterizzò per avere corpo biancastro, striato per il lungo ; tentacoli poco numerosi, bianchi, subeguali; dimensioni assai piccole, p. es: un centimetro circa per r intiero disco. Il nome gli spetterebbe per 1' abitudine di vivere in piccoli fori. Questa specie venne accettata da Rapp nel 1829 ^ e messa tra le dubbie; fu riscontrata da Duchassaing alle Antille e accennata da lui nel 1850^ quale Urticina cavernata; ebbe posto nel 1857 per opera di Milne-Edwards ^ tra le attinie inclassificabili e in- 1 A. Andres, Prodromns neapol. actin. faunae. In : Mittheil, zoolog. Station Neapel. II, p. 314. 2 L. Bosc, Histoìre nat. des vers, 1802. In: Suites à Buffon; Castel, Paris (trad. ital; Farini, Storia nat. ecc. 183.5, Livorno.) — Voi. 2, p. 260, Tav. 21, fig. 2. 3 W.Eapp, Die Polypen im Allgem, unddieActinien insbesondere. 1829, p. 60. * P. Duchassaing, Animaux radiaires des Antilles. 1850. Paris, p. 9. 5 H. Milne-Edwards, Les coralliaires. 1857. Paris. Voi. I, p. 289. 126 Angelo Andres fine Mac Cready^ nel 1858 la presentò come soggetto di alcune osser- vazioni intorno alla fissione. — Delle Chiaje descrisse a sua volta già fin dal 1825 2 una piccola attinia trasparente di color carnicino sbiadito, cui diede il nome di Actinia hy alina. Tre anni più tardi ^ vi agginuse una varietà gialliccia striata per il lungo da linee leggiere. E nel 1 84 1 ^ cancellò il tutto dal novero delle sue specie dando a queste forme il significato di stadio giovanile dell' A. effoeta (Heliactis viduata del mio prodromo.) — Dalyell nel 1848° indicò sotto la denominazione di Actinia lacerata »the ragged Actinie« una sua nuova specie delle coste scozzesi comprendente piccoli animali di quasi due centimetri d' altezza (nine lines) ; con settanta-ottanta tentacoli ; color gialliccio ; colonna striata da linee longitudinali bianche e disco ornato da una zona perife- rica bruna ; la quale da Gosse, il classico autore per le attinie britan- niche 6, verrebbe incorporata volentieri o con la Sagartia viduata o con la Sagartia coccinea. Di queste tre specie, di Bosc, di Delle Chiaje e di Dalyell, l'ultima è quella che per dettaglio di descrizione e di figura si lascia più facilmente riconoscere come simile alle mie succennate forme ; epperò di questa ritengo il nome. La denominazione del naturalista napoletano dovrebbe a primo aspetto ottenere la preferenza; perchè con molta verosimiglianza, benché nessuna reale evidenza ci si imponga, il Delle Chiaje vide 1' una o V altra delle tre forme da me descritte e forse tutte e tre. Pure è opportuno il rigettarla, perchè da un lato asserirebbe una corrispondenza che è incerta, dall' altro confonderebbe la sinonimia mediante un aggettivo già usato dal Lesueur nel 1817^ per tutf altra specie, e adoperato altresì press' a poco dal Cavolini ^ per un' actinia crystallina gelatinoso-hyalina che pare debba essere un Bunodes. Per ragione della diagnosi vaga ed imprecisa poi non posso 1 J. MacCready, Instance of long, fission in Actinia cavernosa. In : Proceed. of Elliot Society (1853— 5S) 1859. voi. I, p. 275. 2 S. Delle Chiaje, Memorie sulla storia e notomia, ecc. 1825. Napoli, voi. 2, p. 233 e p. 243. 3 - — ibid. 1828. Napoli, voi. 3, p. 73, tav. 35, fig. 24. 4 Descrizione e notomia ecc. 1841 Napoli, voi. 4, p. 125, voi. 5, p. 136. 5 J. Dalyell, Eare and remarkable animals of Scotland. voi. I, p. 228, tav. 47, fig. 12—17. 6 Ph. H. Gosse, The British Sea-anemones 1860. p, 86 e p. 105. ■^ Ch. A. Lesuer. Observations on several species of actiniae. In: Journal Acad. Nat. Se. Philadelphia I. 1817. 8 J. Cavolini, Memorie postume, p. 272. Intorno alla scissiparità delle attinie. 127 assicurare 1' identità con la specie di Bosc, della quale del resto con- trasta r abito di vivere in pertugi. Le attinie in questione sono quindi a mio avviso le corrispondenti napoletane della specie scozzese di Dalyell e si possono comprendere sotto il nome di Aiptasia lacerata. Varietà della specie finora note sarebbero le tre partenopee, la scozzese, e forse quella di Bosc, e quella di Mac Cready (diversa dalla precedente per il suo colore verde). E sinonimi suonerebbero: Actinia cavernata Bosc, Rapp; Actinia cavernosa Mac Cready, Actinia byalina Delle Chiaje (non Lesueur), Actinia lacerata Dalyell, Paractis comata Andres. — Nella struttura anatomica parmi differiscano dalle restanti specie del genere per la scarsezza dei cinclidi, per la grandezza dei septostomi periferici e per il piccolissimo sviluppo dei genitali. — Ma di ciò non è qui il luogo. Premesso questo cenno speciografico (e il premetterlo era necces- sario, onde presentare in certo qual modo il soggetto delle osservazioni) vengo ad esporre il processo di scissione. Nel trattare 1' argomento io dapprima riferirò come parte analitica gli studii dei predecessori, le mie osservazioni originali e le mie spe- rienze ; poi come parte sintetica darò la descrizione generale del feno- meno, ne determinerò le condizioni e ne rintraccierò le cause. Note bibliografiche. Il primo a trattare della scissiparità delle attinie pare sia stato l' Abate Dicquemare. Nella interessante serie di memorie da lui pubblicate intorno a questi animali dal 1773 al 1787 (e sparse qua e là nel Giornale di Rozier, o riprodotte nelle Transa- zioni filosofiche!) ve n' ha una, quella del 1776, dedicata quasi esclu- sivamente a ciò 2, e due altre, nelle quali la questione è più o meno toccata. — Là dove descrive per la prima volta il fenomeno egli dice d' aver notato che la quarta specie di attinie (probabilmente Actinoloba dianthus dei moderni autori) vive sempre in colonie, formate da un esemplare grande circondato da minori e questi da più piccoli ancora ; che la base di questi non è quasi mai regolare ; e che la stessa è soventi comune a due individui diversi formando tra loro un delicato e sottile re- ticolo di congiunzione. Stimolato da questo a rivolgervi meglio la propria 1 Vedi il mio Catalogus bibliographicus actinologiae. In : Mitth. zool. Station Neapel, II, 342. - DiQUEMARE, Sur la reproduction des Aném. de mer. In: Observ. et Mém. sur la Physique par Rozier VIII, 1776, p. 305 — 313. 128 Angelo Andres attenzione, gli accadde di vedere uno degli individui grandi estendere in modo straordinario la propria base e poi contrarsi cosi da lasciar staccarsi alla periferia alcuni brandelli del lembo; e di vedere che questi brandelli dapprima irregolari si arrotondavano poco a poco e s' ingrossavano, sinché in capo a due o tre mesi si perforavano nel mezzo munendosi di bocca, e più tardi apparivano simili al parente. Dopo r osservazione egli tentò pure 1' esperienza ; tagliò con un piccolo scalpello alcuni pezzetti del lembo ed ebbe un eguale sviluppo; ma non in tutti i casi; talora i pezzetti deperivano e morivano. La spiega- zione del fenomeno la volle trovare supponendo 1' esistenza di bulbi o germi sparsi verso il lembo e sviluppantisi entro i brandelli ; nella scis- sione naturale questi sarebbero tutti bulbigeri e si svilupperebbero quindi tutti ; mentre nella scissione artificiale non lo sarebbero che in parte e appunto solo in parte si svolgerebbero. A questa ipotesi egli propende per aver osservato che dei pezzetti ad arte tagliati quelli si sviluppavano che erano più gonfi ed opachi. Cosi anche nel polipo d' acqua dolce, secondo lui, la redintegrabilità sarebbe dovuta a germi contenuti nei pezzi che se ne staccarono ; e in ogni pezzo per quanto piccolo ve ne sarebbero, giacché ve ne sono anche in questi brani delle attinie i quali relativamente all' animale sono molto più piccoli ; sono 1/500 mentre nell' idra sono Vie- Del resto questi germi sarebbero picco- lissimi per loro natura ; cosi piccoli da sfuggire all' esame del micro- scopio ; cosi minuti che per essi il corpo d' un' idra varrebbe come per noi una città. Anzi 1' animale intiero non sarebbe per così dire che un fodero racchiudente miriadi di tali germi viventi in società e questi germi sarebbero la causa materiale diretta che agisce nei fenomeni di germina- zione, di redintegrazione e di scissione. — Più tardi lo stesso Dicque- MARE ebbe opportunità di ristudiare il processo : e con essa di aggiun- gere alcuni dettagli e ritrattare questa ipotesi dei germi. Egli cioè notò che la base di un' attinia adulta presentava fibre raggi conver- genti dalla periferia al centro e che i brandelli invece avevano fibre quasi paralelle ; vale a dire che essendo i brandelli semplici segmenti dell' area di un cerchio le loro fibre originanti lontane sulF arco non si potevano riunire in un punto sulla corda ; e notò altresì che dopo avve- nuto il distacco, i pezzetti s' ingrossavano di spessore e tendevano ad aumentare 1' arco e diminuire la corda ; che questa tendenza si accen- tuava sino a ridurre l'arco a 360 e la corda a zero, che 1' azione progre- diva ancora cosi da cambiare le fibre da convergenti su un punto della periferia a convergenti nel centro ; e che contemporaneamente si mani- festavano man mano e 1' un dopo 1' altro fenomeni di dilatazione e con- Intorno alla scissiparità delle attinie. 129 trazione, di traslocazione, di perforazione d' un' apertura boccale, di formazione dei tentacoli, ecc. Tutto accadeva per una specie di rim- pasto dell' intiera sostanza del brandello ; niente di essa andava perito ; ad eccezione forse di alcune pellicole giallastre, le quali costituivano con molta verosimiglianza un prodotto di secrezione ed erano ad ogni modo tanto esigue da non poter venire considerate, sicché, riflettendo eziandio che le fibre della nuova attinia sembravano una continuazione di quelle dell' antica, si rendeva conseguentemente insostenibile l' idea della presenza di un germe o bulbo qualsiasi. — Distrutta cosi la pro- pria ipotesi (e a vero dire non a forza di logica, perchè la mancanza di rimasuglio non implica di neccessità quella di un germe, anzi il rimasuglio eventuale potrebbe opportunamente venir assorbito da questo) egli si chiede quasi smarrito : perchè il lacerto s' incurvi e s' inspessisca ; se senta il bisogno di diventare un nuovo animale o se piuttosto sia perchè le attinie hanno il principio vitale diffuso per tutto il corpo. E cosi chiude le proprie osservazioni. Queste bastarono alla scienza fino al presente quasi per intiero, e vennero tramandate da libro in libro sull' autorità del primo espositore e solo qua e là addizionate talvolta da apprezzamenti soggettivi dei singoli autori. Cosi ìIBruguière^ che nel 1789 descrive il processa totalmente sulle traccie del Dicquemaee e spesso colle parole stesse ; ma che, non sapendo acconciarsi a rigettare con lui l' ipotesi tanto com- moda dei germi, la dichiara più conforme alle leggi naturali ed imma- gina un modo di renderla meglio accettabile. Egli dice cioè che in ogni attinia verso la base sempre si trovano di questi germi, i quali se r attinia resta integra si sviluppano in posto, se si scinde in lacerti prendono eventuale svolgimento nei brandelli. E a sostegno di ques- t' opinione crede poter citare il fatto dell'Actinia moschata diFoRSKAEL, la quale verso il lembo è munita di tubercoli che qualche volta lasciano protrudere dei filamenti ; giacché egli interpreta i filamenti per tenta- coli di giovani rampolli annidati nella parete e causanti il rilievo dei tubercoli. E superfluo 1' osservare che 1' interpretazione è erronea; perchè nell' attinia di Fokskael trattasi di tubercoli cinclidiferi e di aconzii. — Cosi pure il Contarini^ (per tacere degli altri, nei quali trovasi una semplice menzione del fenomeno, del Cuvier, dell' Oken, del Rapp, ecc.) il Contarini che segue ciecamente i predecessori, mas- 1 J. G. Bruguière, Histoire naturelle des vers ou voi. sixième de l'Hist. nat. des animaux (Encyclopédie méthodique . . . etc.) Paris. 1789. 2 N. Contarini, Trattato delle Attinie .... di Venezia. 1844. Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. III. 9 130 Angelo Andres sime il Bruguière (anzi pare egli conosca Dicquemare solo con l' in- termedio dell' enciclopedista) e che pure vide ripetute volte compiersi il processo nell' Actinia diapliana (A. Contarini mihi). Egli sostiene la ipotesi dei germi, ma tuttavia pensa che la riproduzione per scis- sione sia devoluta ad una lacerazione prodotta dallo sviluppo delle ovaje, le quali si trovano nella base (frase che spiega nulla) e che quindi il fenomeno potrebbe egualmente accadere anche con un tenta- colo altra parte qualsiasi. Per trovare osservazioni migliori bisogna venire a Dalyell ^ il quale descrisse il processo nella sua Actinia lacerata, senza cono- scere, a quanto sembra, i lavori dell' Abate francese del Havre; per cui sono doppiamente preziose. Il fenomeno ha luogo secondo lui in ogni mese dell' anno, ma specialmente in agosto e settembre. E si presenta dapprincipio con una indecisa espansione ed irregolarità della base con- comitante con un leggiero ingrossamento del lembo ; in seguito l' irre- golarità si fa più sensibile sino a diventare poco a poco radiata, stel- lata, lobata ecc. ; e infine le porzioni distali dei raggi o dei lobi si staccano. Ma il distacco non è improvviso; accade anzi gradualmente col lento assottigliarsi dell' istmo che congiunge il frammento all' ani- male : istmo che appartiene più alla porzione laterale che all' inferiore, che non è aderente alla superficie del suolo, e che viene stirato parte dalla recessione della base parte dall' allontanamento del brandello. I frammenti cosi staccati sono irregolari e non uniformi né per aspetto, né per dimensione, né per origine da un dato punto ; — nello sviluppo si convertono in nuove attinie ; che dapprima sono mostruose e che poi poco a poco si regolarizzano. — L' autore nota che il processo può venire identificato colla gemmazione dell' idra, massime per 1' esistenza temporaria di quell' istmo di congiunzione. Nota altresì che nella specie scindeutesi non potè riconoscere altro modo di riproduzione. — Rispetto alla esistenza o mancanza di germi e bulbi egli non si spiega nettamente ; é certo che non adduce di proposito alcuna teoria benché in due punti paia che vi accenni ; e, curioso abbastanza, i due punti sono in contraddizione. In uno dice che i frammenti consistono of the Clements of embryo Actiniae Consolidated there and de- veloped into independent existence (1. e. p. 230) ; nell' altro asserisce che egli has ne ver been able to detect any pre- formation of the embryo in the flesh of the margin of the base. 1 Dalyell, 0. e voi. I, p. 285. Intorno alla scissiparità delle attinie. 131 Spencer Cobbold fu testimonio nel 1853 ^ di un caso di scissi- parità neir Actinia gemmacea e lo mostrò in un' adunanza della Phy- siological Society. Peccato che egli osservatore oculato e chiaro espo- sitore nulla abbia pubblicato in proposito. Ulteriore trattazione dell' argomento si trova alcuni anni appresso, nel 1856, ed è per opera di Gosse 2, il quale descrive nell' Anthea ce- reus un fenomeno che non è propriamente una lacerazione della base, ma uno spaccarsi in due di tutto 1' animale. Il processo comincia dal disco e si propaga estendendosi in basso alla colonna e al piede fino a produrre la formazione di due nuovi e ben distinti individui (Monti) . Le note di Mac Cready del 1858 3 espongono un fatto analogo. L' autore raccolse alcuni esemplari di A. cavernosa, che egli crede gio- vani di sei mesi, e vide in essi dopo alcuni giorni una divisione della base che man mano si fece più distinta, si estese alla colonna e in- fluenzò un raggruppamento dei tentacoli in due ciuffi; ma poi si ar- restò e non andò oltre. Il mancato svolgimento dipese forse da cattive condizioni offerte agli animali. Comunque dal poco visto, egli opina che la fissione è propria solo d' individui giovani ; che si compie dalla base verso il disco ; e che non interessa mai il centro assoluto né del r una né dell' altro. — Dippiù, precorrendo per così dire gli evoluzionisti moderni, manifesta 1' opinione che le attinie rappresentino le forme più elevate degli Attinioidi (Anthozoa?) perchè in esse la scissiparità ha luogo solo per gl' individui giovani. Lo stesso Gosse più tardi, 1860"*, tratta nella sua Actinologia la vera lacerazione. Al pari di Dalyell sembra ignorare le osservazioni di DicQUEMARE, del quale del resto, avendo egli avventurosamente avuto innanzi il fenomeno nella stessa specie (Actinoloba dianthus) di quest'ultimo, conferma tutta l'esposizione; e cioè : 1' abitudine coloniale degl' individui ; 1' espansione della base ; la separazione di frammenti (causata da una successiva contrazione come se 1' adesione loro h a d been so strong, that the animai fouud it easier to tear its own tissues apart than to overcome it); 1' arrotondarsi dei medesimi; e, in una parola, il loro svolgimento in giovani attinie. Aggiunge persino 1' accidentale evenienza della comunanza di base tra * T. Cobbold Spencer, Observations on the Anat. of Actinia. In : Ann. Mag. Nat. Hist. 2a. XI. 1S53, p. 122. 2 Ph. H. Gosse, Tenby, a Sea-side Holiday 1856, p. 373. 3 MaoCready, Instance of incomplete longit. fission, ecc. In: Proceed. EUiot Soc. I, p. 275. * Ph. H. Gosse, The British Sea-anemones etc. 9* 132 Angelo Andres due rampolli, che poi crescendo si fanno indipendenti affatto. — La Sa- gartia venusta presentò eguale processo, riferisce egli, sulla fede di Mr. HoLDSWORTH e anche di Miss Loddiges; — così pure la Sagartia coccinea, nella quale lo vide coi proprii occhi. — La Sagartia viduata dovrebbe, secondo lui, essere altresì fissipara, giacché egli la ritiene identica coli' A. lacerata di Dalyell; ed è anzi solo a proposito di questa specie che adduce con largo sunto le note del naturalista scoz- zese. (Per me, che accetto 1' esistenza specifica di un' Aiptasia lacerata, essa non lo è, . . . sino a evidenze di fatto.) — Infine testimonianze di varie persone gli confermano il processo di fissione dell' Anthea ce- reus, accennato poco fa. Nella numerosa serie di lavori attinologici posteriori non si trova altra menzione del fenomeno. Le memorie di Weight 1856, di Hogg 1857 e di Warrington 1858 i, che forse ne trattano, non ebbi oppor- tunità di consultarle. Osservazioni originali. La scissiparità venne da me riscon- trata nelle specie : Aiptasia lacerata, Aiptasia Contarini, Bunodes gem- macea, Heliactis bellis, Phellia nummus; e la trovai frequente nelle prime due, massime nell' A, lacerata; più rara nella B. gemmacea; una volta sola nelle restanti. La seguii attentamente in tutte cinque, ma solo in tre fissai con schizzi ed appunti le osservazioni. Posso tut- tavia asserire che per le altre due il fenomeno nulla presenta di pecu- liare, che non si possa vedere anche in queste. Delle dodici serie di svolgimento da me studiate espongo completa solo una : per amor di brevità delle restanti alcune le riassumo in pochi periodi ; altre mi limito ad accennarle; altre infine le sopprimo affatto. La semplicità del metodo impiegato mi esonera dal descriverlo ; si capisce che là dove parlo della base io espongo V aspetto di attinie ade- renti alla superficie liscia e trasparente, attraverso cui guardo. Per la conservazione istiologica uccisi gli animali di sorpresa col sublimato corrosivo in soluzione satura e calda. I disegni delle figure vennero eseguiti in luogo durante le osser- vazioni e portano anche nell' annessa tavola i numeri e le lettere corris- pondenti a questi del testo. Serie I. Aiptasia lacerata; scissione del novembre 1879. Sui cespi di mitilo, bugule ecc. (vedi descrizione della specie) col quali vive quest' attinia trovai spesso piccoli frammenti, che vi aderi- vano e che talora erano isolati, talaltra raccolti intorno ad un individuo. Vedi il mio Catalogus succitato. Intorno alla scissiparità delle attinie. 133 Conservando in bicchieri alcuni esemplari adulti notai V apparizione di eguali corpicciuoli anche nei bicchieri. Allora prestai maggiore atten- zione e potei riconoscere tosto in un animale il processo di scissione seguente : A. 7 nov. 9 ant. L' attinia sta eretta, spiegata totalmente; colla base di poco allargata e col lembo affilato. Veduta dal sotto in su, cioè attraverso il piede, è un disco quasi regolare oscuro nel mezzo e trasparentissimo sul lembo ; vi si seguono nettamente i setti e le loggie frapposte, delle quali ne conto dodici primarie, dodici secondarie, venti- quattro terziarie e quarantotto spurie. La sezione radio-longitudinale (fatta su altro individuo) mi mostrò i due epiteli! di aspetto usuale, cogli elementi egualmente ben sviluppati e vigorosi. B. 7 nov. 12 merid. L' animale è ancora eretto e spiegato; la base da un lato si è molto estesa ; il lembo si è un po' ingrossato nel punto di estensione, mentre altrove è ancora affilato. — Alla base si ha per trasparenza un disco simile al primo ma gibboso in un luogo e opa- cato sul contorno della gibbosità; i setti sono rettilinei e appaiono trasparenti nella zona d' opacamente ; né V una né 1' altra delle loggie gonidiali é interessata nella mutazione. Indico mediante numeri dispari 1, 3, 5, ecc. le dodici loggie primarie partendo da una delle gonidiali; e rispettivamente 2, 4, 6, ecc. le secondarie corrispondenti ; coi numeri accentuati 1', 2', 3', 4', ecc. segno le ventiquattro terziarie ; le spurie non abbisognano d' indice. La porzione interessata nella gibbosità e nel- r opacamento è compresa tra i numeri 1 e 9. — Tanto la sezione longi- tudinale-radiale quanto la longitudinale-secante eseguite allo stadio corrispondente su altri individui rivelano un entoderma di esuberante vitalità, nel quale le cellule vengono ad occupare sulla periferia del lembo tutto lo spazio disponibile delle loggie d' ogni categoria. C. 7 nov. 12,20 pom. — L'aspetto dell' insieme none mutato. — Sulla base notasi che la gibbosità si é precisata restringendosi e deter- minando due angoli tra sé e la restante periferia ; ai due angoli cor- rispondono le due loggie 1' e 8'. Inoltre lo spazio mediano si è fatto più trasparente per diminuito spessore ; e le due loggie 3 e 7 tendono a curvarsi verso il centro della protrusione aumentando con ciò la lar- ghezza delle due loggie spurie adiacenti verso 2' e 7' e comprimendo i due gruppi delle vicine dal lato opposto. — Istiologicamente non credo vi sia differenza dal B ; non potei tuttavia ottenere gli stadii precisa- mente corrispondenti d' altri individui. D. 7 no V. 1 2,30 pom. — L'aspetto in generale è sempre lo stesso. — Nella base la gibbosità si è ancor più ristretta e precisata ; i due angoli 134 Angelo Andres corrispondono alle loggie 2 e 8. Nello spazio mediano cominciano a lacerarsi i setti compresi tra le loggie 3 e 7; queste continuano ad essere incurvate ; tanto esse che le adiacenti sino a 2 ed a 8 sono molto allargate. Nelle loggie 4, 4', 5, 5' e 7 si formano degli spazii chiari trasparenti. — Per 1' esame microscopico mi trovo nel caso precedente. E. 7 nov. 12,40 pom. — Visto nell' insieme 1' animale è sempre aperto ; ma contrae la colonna dal lato scindentesi. — Sulla base la la- cerazione dello spazio mediano si è compita e si estese anche alle loggie 4 e 8 ; percui la gibbosità è quasi isolata e si continua col resto solo mediante due sottili briglie, rimasugli delle loggie terziarie 3' e 8' e corrispondenti spurie. Tanto dalla parte dell' attinia, che da quella del frammento i brandelli e filamenti di lacerazione si contraggono verso la massa principale determinandone poco a poco, benché irregolarmente, il contorno. I vacuoli sunnotati si amplificano. — Il taglio longitudinale- radiale fa vedere col microscopio la stessa esuberanza degli elementi entodermici notata in B ; più il rivoltarsi su sé stessi dei margini di la- cerazione, lasciando però indistinto il contegno delle fibre e delle cellule interessate. F. 7 nov. 12,50 pom. — Le contrazione menzionata é più mani- festa. — Una delle due briglie colleganti, quella tra 8 e 9 si é lacerata; e il punto preciso di separazione, pare sia caduto nella loggia 8' cosicché delle due spurie adiacenti una si contrasse sulla madre, 1' altra sul rampollo. Il contorno da 2 a 8, contorno della madre, si fa distinto; nel complesso però vi é un opacamento molto forte che non permette distinguere i dettagli. — G. 7nov. Ipom. — La lacerazione é completata dalla sepa- razione fattasi nella loggia 2' ; per cui anche questa briglia fu divisa in due porzioni che ricaddero rispettivamente 1' uno alla madre 1' altro al frammento. Potei distintamente seguire la graduale tensione e conse- guente assottigliamento ; 1' avvenuta soluzione e successiva lenta contra- zione che incorporò i due lacerti alle due masse generali fondendoveli quasi come pasta. A compiere 1' intero processo di lacerazione bastò un' ora sola. jEf. 11 nov. 3 pom. In quattro giorni vi fu pochissimo cambia- mento. Oggi trovo r attinia madre in florido stato ed espansa come il solito ; il suo contorno basale rimargina la ferita e mostra la disposizione dei restaurati setti e delle loggie : la linea in questa località forma una insenatura. — Il rampollo ha visibilmente aumentato di spessore, e tende ad arrotondarsi. — Veduto dalla base mostra che i setti estremi e le relative loggie scompajono fondendosi insieme in una massa oscura Intorno alla scissiparità delle attinie. 1 35 uniforme ; che il contorno convesso linea dell' arco, nonché i setti si sono fatti più consistenti ; che del pari si è precisato il contorno con- cavo linea della corda, benché il suo opacamento si stenda fin verso la metà del corpo ; e infine che le loggie persistenti ben determinate sono 3, 3', 4, 4', 5, 5', 6 e loro frapposte. — Le sezioni sagittali (cioè in questo caso perpendicolari alla corda) rivelano la presenza di una distinta apertura, 1' antica soluzione di continuità tra la madre e il ram- pollo, la quale viene ristretta dal rilievo dei margini tutt' all' intorno ; questo rilievo essendo più pronunciato in corrispondenza della super- ficie inferiore che della superiore porta 1' apertura obbliquamente in alto; in ogni punto esso tende ad incurvarsi verso l'interno. Alcuni dei setti si prolungano chiari dalla periferia dell' arco fin sul rilievo della corda. /. 12nov. 3pom. — L' attinia madre é migrata lontana. — Il rampollo non s' è fatto più grosso ma si è arrotondato meglio. Le loggie sono opache massime alla periferia percui i setti sembrano trasparenti. La curvatura della base tende a formare un ile distinto. -w**^ /. 19 nov. 10 ant. — Lo sviluppo fu molto lento; e la somma dei cambiamenti insignificanti d' ogni giorno si può riassumere solo ora in ciò che il rampollo si è fatto più grosso e più alto e che lascia vedere piccole protuberanze attorno all' apertura, le quali si riveleranno per essere tentacoli. L' apertura stessa poi si è portata molto in alto ma non è ancora centrale. — Veduto dalla base si riconosce 1' arroton- dimento quasi completo per cui la concavità dell' ile è del tutto scom- parsa e nel segmento corrispondente accenna confusamente la formazione delle nuove loggie. — Al taglio sagittale trovasi che nella regione del- l' ile alcuni setti vengono certamente formati dallo svolgimento della porzione distale dei setti centrali dell' arco, altri dall' accrescimento re- golare dei setti posti ai corni ripiegantisi del frammento, altri ancora per origine nuova , locale ; e vedesi altresì che 1' interno risvolto del rilievo precedentemente accennato va man mano costituendo la faringe. jfiT. 25 nov. 3 pom. Il rampollo si é ormai cambiato in una gio- vane piccola attinia, con bocca quasi centrale, con dodici tentacoli e con direzione gonidiale. — Sulla base sono molto ben riconoscibili sei loggie primarie, della quali quattro vecchie e due nuove, sei loggie se- condarie e dodici loggie spurie. Le loggie gonidiali corrispondono alla 1 e alla 4 cioè ad una delle neo-formate e alla centrale del frammento. Alcuni giorni più tardi si era completamente regolarizzato e mostrava traccie di craspedi sui setti gonidiali; rimisi al giorno successivo dì l^Q Angelo Andres farne lo schizzo ; ma con mio rincrescimento lo trovai scomparso ; era migrato altrove. Serie II. Aiptasia lacerata; scissione dell' aprile 1880. L' animale si trovava in condizioni normali di luce, di acqua e di nutrimento. a. 3 aprile 80. 1 pom. Grande gibbosità, che interessa per ben due quinti la totale periferia dell' animale, e che comprende su un lato una delle loggie gonidiali. L' opacamento si estende a metà del contorno. b. id. 1,30 pom. Lo spazio mediano della gibbosità si è tutto lace- rato dalla loggia 23 alla loggia 8. Il frammento è attaccato alla madre mediante le due briglie laterali ; comincia a dividersi nella loggia 5. e. id. 2 pom. Distacco totale compiuto collo strappo delle loggie terziarie 23' e 7'. Al frammento aderiscono le loggie spurie adiacenti a 24 ed a 7 che formano i suoi estremi. La loggia 5 persiste nell ap- parente scissione. f/. id. 3 pom. Gli estremi si piegano lievemente verso il centro; la loggia 5 ha subita forte trazione sicché si è lacerata ; si hanno così due rampolli. e. 4 apr. 80. 8 ant. La madre si è traslocata; il rampollo maggiore si è diviso in due in corrispondenza della loggia spuria adiacente a 1, cosicché se ne hanno tre. /. id. 10 ant. Ognuno dei tre prende svolgimento speciale e tende ad arrotondarsi. Uno, piccolo, é formato dalla loggia 24 che già comincia a tripartirsi (assumendo 1' aspetto di loggia terziaria fiancheg- giata da due spurie) ; dal rimasuglio d' una briglia e dalla loggia ter- ziaria 24' ; la loggia spuria compresa tra 24 e 24' assume dignità di loggia primaria. Un altro, maggiore, comprende le loggie inalterate da 1 a 4 più un rimasuglio dubbioso e le loggie spurie e terziaria comprese prima fra quattro e cinque. Il terzo, di grandezza media risulta della loggia terziaria 5' e adiacenti spurie, del complesso inalterato da 6 a 7 e d' una loggia spuria rimasuglio dell' altra briglia. g. 6 apr. 80. 1 pom. Lo sviluppo é piccolissimo; e in tutti e tre è nascosto dall' opacità della regione dell' ile. h. 7 apr. 80. 1 pom. Il cambiamento è abbastanza rilevante; massime verso l' ile dove nell' uno, nell' altro e nel terzo si vede 1' ac- cenno di numerose nuove loggie. Il secondo rampollo lascia già pre- vedere, per quanto irregolare, 1' esaradiazione. {. 15 apr. 80. 11 ant. Tutti e tre hanno cacciati i tentacoli. Il primo presenta sei loggie irregolari, delle quali una trifida, antica 24, Intorno alla scissiparità delle attinie. 137 una quadrifida posta sulF ile e le restanti semplici. Il secondo si è ar- rotondato affatto e possiede sei loggie principali regolari, alternanti coi gruppi trifidi delle loggie secondarie e spurie ; gruppi tuttavia che sono incompletamente sviluppati là dove fiancheggiano la sesta loggia pri- maria. In esso è visibile la direzione gonidiale per la presenza di craspedi e anche qui corrisponde da un lato alla loggia centrale del frammento, dall' altro ad una loggia neo-formata dell' ile. Il terzo é tutto opaco e non si lascia investigare. j. 21 apr. 80. 3 pom. — Il primo ed il terzo sono scomparsi. Il secondo si è completamente regolarizzato anche nei due gruppi trifidi succennatì. Serie III. Aiptasia lacerata: scissione del giugno 1880. Il vaso contenente gli animali era da alcuni giorni dimenticato al- l' oscuro e senza ricambio d' acqua. A. ISgiugno. ll,30ant. — L' attinia ha cominciato un processo di lacerazione che interessa quasi il totale circuito del lembo ; vi sono tre grandi protrusioni contigue e solo un breve spazio inalterato. In meno di mezz'ora vidi che si erano staccati tre brandelli a forma di crescente. Dopo un' altra mezz'ora trovai che ciascuno si era sud- diviso: e per vero uno in quattro, uno in tre ed uno in due brandelli minori. B. 18 giugno. 1 pom. Considero il maggiore ed il minore, i quali oltreché per dimensione differiscono 1' uno dall' altro per forma e per disposizione di parti ; come del resto differiscono 1' uno dall' altro anche i rimanenti. — Questo è un piccolo corpicciuolo rotondo con sole quattro loggie, una semplice e una trifida; quello è un frammento grande e lungo, che da una costrizione mediana riceve un po' la forma di biscottino e che alterna in regola normale loggie semplici con loggie triplici. C. 19 giugno. 2 pom. Il piccolo rende uniformile sue loggie; il grande ne perde la regolare alternanza, perchè in esso verso la costri- zione mediana una loggia semplice ed una triplice si confondono insieme. D. 21 giugno. 4 pom. Il piccolo, cresciuto bene in altezza, è sulla base molto opacato verso 1' ile e presenta due vacuolini indecisi ai lati come se vi si formassero due nuove loggie. Il grande, fattosi anch' esso più grosso mi sembra bigemino, cioè distinto in due tuberco- letti da una leggiera impressione mediana. Sulla base continua ad essere indecisa la porzione di mezzo ; mentre verso 1' ile vanno formandosi nuove loggie. 138 Angelo Andres E. 30. giugno. 11 ant. Il piccolo è cresciuto in attinietta rego- lare, con bocca centrale e sei tentacoli ; ha la base rotonda, nella quale raggiano regolarmente dodici loggie. Notevole che tutte dodici sono semplici! Il grande si mostra bifido, con tentacoli apparentemente distinti in due ciuifetti. Il contorno della base si è regolarizzato; le loggie alternano dovunque, ma non nella porzione mediana dove da un lato ve ne sono consecutive due semplici, dall' altro cioè verso l' ile, ve ne sono due triplici. F. 5 luglio. 4 pom. Sono entrambi scomparsi, migrando verso il fondo del recipiente dove non li posso osservare. Serie IV. Aiptasia Contarini; scissione del settembre 1880. Alcuni esemplari, vigorosi in origine, con ghiandole genitali ben formate e ricca colorazione di corpuscoli gialli, essendo stati sottoposti a lunghi digiuni, privati di luce e lasciati senza circolazione d' acqua, subirono una specie di regressione per la quale assunsero aspetto più delicato e atrofizzarono (in parte non in tutto) gli ovarii. Tutti però invece mostrarono grande riproduzione di fìssiparità. Ecco uno fra i molti casi : a. 6sett. 1 pom. Dalla base dell' attinia si staccarono molti frammenti, notevoli in generale per 1' opacamento periferico e la traspa- renza della parte ileale. Due di essi hanno forma ro tondo-triangolare e presentano solo loggie semplici. b. 7 sett. 11 ant. La forma dei due si avvicina alla semilunare; le loggie alternano regolarmente in semplici e triplici. e. 11 sett. 11 ant. Ambidue si sono arrotondati e hanno disposte regolarmente le loro loggie. Queste sono otto; ben formate tutte ad eccezione della ileale che è un pò indecisa. d. 19sett. 11 ant. L' uno e 1' altro emisero tentacoli. La base di ciascuno è ancor più rotonda ed ha portato a dodici il numero delle loggie ; cioè sei semplici e sei triplici alterne colle prime. Serie V. Aiptasia Contarini, scissione del dicembre 1880. L' animale si trovava già da molti giorni in condizioni anormali come il precedente ; per la stessa ragione della deficienza di luce, man- canza di alimento e sospesa circolazione dell' acqua. Dopo aver pro- dotto varii rampolli mi presentò il seguente caso : A. 6 die. 12 merid. Estensione della base, senza opacamento ; successivo accorciarsi della colonna, in modo che alcuni aconzii e una piccola porzione dell' orlo faringeo s' insinuano sino verso il lembo ; in- cipiente opacarsi di tre punti. Intorno alla scissiparità delle attinie. I39 B. 7 die. 10 ant. Tutto svanito ; eccetto in un luogo dove persiste irregolarità delle loggie e massa opaca. r. 8 die. 11 ant. Si è reso tutto trasparente e normale. Serie VI. Bunodesgemmacea; scissione del fé bbrajo 1881, L' attinia è un piccolo individuo che vive già da oltre un anno in cattività e che di quando in quando partorisce dalla bocca giovani larve originanti da uova; di solito è sempre chiuso e contratto ad onco. Una mattina lo sorpresi con due rampolli accanto. La scissione aveva già avuto luogo ; ma la loro origine scissipara era indubitata. a. 17febbr. 12merid. Uno solo si presta all' osservazione. È affatto simile a rampolli di Aiptasie e presenta decise quattro loggie semplici, tre triplici ed una indistinta. ß. 20 febbr. 12 merid. Le loggie verso la parte ileale si con- fondono insieme. y. 28 febbr. 11 ant. Dalla confusione uscirono tre loggie semplici e tre trifide ; per cui l'animale è completo con dodici loggie ecc. come il solito. Serie VIL Ai ptasia lacerata, scissione del 16 maggio 1881. Il fenomeno presentato da un piccolo esemplare è della più alta importanza. Io non ebbi agio di studiarlo perchè 1' unica volta che si compì in mia presenza non attrasse la mia attenzione che a fatto com- piuto. — Nel piccolo recipiente dove conservava questo esemplare non vi erano altri individui e la mattina del 16 maggio ve ne trovai due. Mi ricordai allora che già tutto il giorno precedente aveva notata una per- sistente costrizione sulla colonna del piccolo animale; e conclusi che essa doveva essere stata 1' inizio di una scissione trasversale. Sfortuna- tamente la posizione dei due nuovi esseri in fondo ad un vaso profondo ed opaco non mi permise esaminarli davvicino. Solo so che in capo a sei giorni erano entrambi rigogliosi e tentacolati. Esperienze. Dall' osservazione del fenomeno naturale, al ten- tarne la ripetizione artificiale non è che un passo. Quanto segue è r esposizione dei risultati ottenuti da recisioni praticate sul lembo di varii esemplari appartenenti a specie diverse e scelti cosi da avere oltre alla diversità specifica anche la diversità di condizioni e di età. L' argomento è molto affine a quello della redintegrazione ; ed io fui in dubbio di trascrivere piuttosto qui che là le presenti note. I. Settembre 1880. — Tagliai con scalpello affilato il lembo di un' Aiptasia Contarini la quale aveva espansa la base come quando 140 Angelo Andres sta per aver luogo la scissione naturale. Alcuni punti del lembo erano opachi, altri erano trasparenti, ed io recisi brani, possibilmente d' egual volume, tanto di questi che di quelli. In breve tempo si svilupparono tutti e neir istesso identico modo già descritto. — Ripetei 1' esperienza su altri individui in eguale condizione ed ottenni lo svolgimento di tutti gli opachi e d' uno solo (di tre) dei trasparenti. — La rifeci un' altra volta e r evoluzione mi mancò per due trasparenti su quattro, e per uno opaco su tre. — Con un quarto saggio verificai 1' evidenza che brani grandi originano attinie maggiori dei brani piccoli. II. Aprile 1881. — Esperimentai sulla Heliactis bellis; una specie della quale aveva veduto altra volta la scissione, e che attual- mente non presentava alcun indizio di voler attendere al processo. Di due individui mutilati uno mi diede esito favorevole per tutti cinque i brani tagliati ; 1' altro me lo diede solo per due dei cinque. Ma d' altra parte il primo aveva un ricambio d' acqua più vivo del secondo. In un terzo esemplare, essendo alcune delle recisioni riuscite incomplete, si ottennero rampolli liberi e rampolli collegati alla madre. Questi ultimi davano precisa l' idea delle gemme basali di alcuni Zoantini. III. Gennaio 1881. La base, o piuttosto il lembo, dell' Adamsia palliata prestandosi mirabilmente per le recisioni, io ne feci prova su molti esemplari. Tuttavia di cinque individui operati solo uno mi per- mise di constatare lo svolgimento di rampolli ; gli altri andarono tutti perduti. — Io non so da che cosa dipese; giacché le condizioni esterne di luce, acqua ecc. erano eguali per tutti ; come pure eguale in apparenza era la vigoria fisica degli animali. IV. Maggio 1881. Riunisco insieme le note riguardanti l'Actinia mesembryanthemum e 1' Actinia concentrica (due specie, sia detto di passaggio, che forse non dovrebbero rappresentare che due varietà). Le note furono fatte contemporaneamente per ambedue. Non si ha tuttavia alcuna nuova luce, essendo anche qui riuscito il risultato solito dello svolgimento parziale dei rampolli. Su diciasette brani tagliati da quattro individui differenti se ne svilupparono solo sei ; e per vero tre d' un individuo, due di un altro, uno del terzo ; del quarto neppur uno ; nessuno di essi proveniva da punti di lembo che fossero opachi; che opacamento mancava affatto dovunque. Dei quattro adulti quello che diede maggior contingente di sviluppo aveva 1' aspetto più giovane degli altri tre ; era infatti un esemplare di A. concentiica ancor privo di borse marginali ; quello invece i brani del quale perirono tutti, era un' A. mesembryanthemum d' imponente grandezza con nume- rose borse. Intorno alla scissiparità delle attinie. 141 V. Giugno 1879, e Settembre 1880. — L' Anemonia silicata corrispose quasi sempre con esito favorevole; di dodici brani, tagliati in numero eguale da tre esemplari, se ne svilupparono otto; e cioè tutti quattro per il primo, tre per il secondo ed uno per il terzo. Ques- t' ultimo, sperimentato nel settembre scorso, fu sezionato in seguito e mostrò d' avere grande ricchezza di prodotti sessuali. VI. Aprile, Maggio, Giugno 1881. Sulla Cereactis auran- tiaca feci quattro prove e di esse me ne fallirono tre. La quarta mi diede lo svolgimento di due brani su cinque. I primi tre esemplari erano adulti e pregnanti ; 1' ultimo era giovane con ghiandole genitali pochis- simo sviluppate. VII. Maggio 1881. Colla Phellia limicola tentai due volte, ed ebbi cattivo risultato; cioè sviluppo di uno su nove brandelli. Descrizione generale. Dal sin qui detto appare che presso le attinie è molto diffuso un processo riproduttivo per naturale (volon- taria quasi) lacerazione del lembo e che vi hanno luogo altresì una di- visione longitudinale del corpo ed una costi'izione trasversale. Quest' ultima non fu ancora veduta da alcuno, per quanto mi è noto; ed io stesso, che ne sono il primo osservatore, ebbi pochissima opportunità di studiarne i dettagli. Consiste nello strozzarsi della co- lonna verso la sua metà in modo da dividere 1' animale in due porzioni, una basale ed una discale, che si sviluppano poscia in individui inde- pendenti. L' esemplare delle mie osservazioni aveva molto sofferto per maltrattamento di pesca e per cattive condizioni d' acquario ; per cui, forse, più che altro ebbi innanzi un processo anormale o patologico. Comunque sia resta sempre dimostrato che anche nelle attinie può ve- rificarsi ciò che da Semper ^ fu descritto per le Fungie ed i Flabelli, cioè una divisione trasversale. L' interpretazione del fenomeno, mentre il fenomeno stesso è dubbioso, non mi è naturalmente concessa. Pure farò notare che come il Semper parla di una generazione alternante, così potrei parlarne ancor io. E forse a maggior diritto; perché nel mio caso r individuo scindentesi (che sarebbe la nutrice) era senza dubbio privo di uova, mentre nel suo 1' assenza di prodotti sessuali non è di- mostrata. Ma io non credo insistere su questo ; io sono d' avviso che la scissione traversa d' un' Aiptasia dimostri semplicemente 1' affinità delle attinie coi madreporari ; al massimo, che ci dia un barlume d' in- dizio sulla loro relazione filogenetica. C. Semper, Über Generationswechsel bei Steinkorallen etc. In; Zeitschr. f. wiss. Zoologie XXII, 1872. p. 235. 142 Angelo Andres La divisione longitudinale io non la potei constatare ; ma essa venne descritta con tale accuratezza da Gosse (nell' Anthea cereus) , da Mac Cready (nell' Actinia cavernosa) e confermata ripetutamente da tanti osservatori, che non v' è ragionevole motivo di metterla in dubbio. Il fenomeno si presenta sotto due aspetti diversi. Qualche volta è una scissione che comincia dal disco; lo rende oblungo, lo stringe nel mezzo, lo separa e progredendo in basso dà origine a due animali ; talora invece comincia dalla base e segue cammino inverso. Il primo dei due casi rammenta uno dei processi scissipari delle Madrepore (vedi Studer principalmente), quale a primo aspetto si presenta nella incipiente strozzatura del calice e successiva divisione del muro. Ma ne è tuttavia affatto diverso. Qui si ha una divisione attiva ad attuale ; mentre in quelle la divisione si compie per cosi dire passivamente e nel futuro; cioè col crescere dell'animale. — Il se- condo fa passaggio alla lacerazione del lembo, dalla quale in fatto dif- ferisce più che altro solo per la dimensione del lacerto, che invece d' essere una tenue frazione dell' individuo ne è la metà. Questa lacerazione è il modo più frequente di scissiparità fra le attinie. Dalle suesposte osservazioni vedesi che in essa sonvi due atti distinti : uno di separazione del frammento, 1' altro di svolgimento del medesimo e che le condizioni e le modalità del processo variano molto. Considerata nella sua più ampia generalità la lacerazione si risolve in un' eccessiva espansione della base con opacamento del lembo e sua forte adesione al suolo ; e in una successiva contrazione che non po- tendo vincere quest' aderenza lacera i tessuti e lascia dietro sé isolati uno varii frammenti. L' opacità è prodotta da uno stato di esuberante vitalità degli elementi entodermici ; come 1' aderenza è causata da una secrezione abbondante di materia glutinosa delle cellule esodermiche. Talora 1' opacità manca; e allora anche 1' aderenza è debole e la lace- razione non ha luogo; questo è il caso delle traslocazioni ordinarie. Talora 1' opacità è presente ma poco pronunciata ; 1' aderenza è di con- serva non molto forte e la lacerazione non può compiersi : e questo è il caso degl' incipienti atti di scissiparità che si risolvano in nulla. Qualche volta tuttavia si ha lacerazione benché manchi totalmente r opacità ; siccome ciò accade solo contemporaneamente a distacco di altri brani che sono opachi, cosi io penso che in tali casi la scissione accada in realtà per accidentale vicinanza. — La lacerazione comincia di solito nei tessuti della base, non in quelli della colonna; ed è con ciò spiegabile 1' osservazione di Dalyell che vide un istmo steso tra il brano e l' animale senza toccare il suolo. E con ciò si trova altresì facile Intorno alla scissiparità delle attinie. I43 il passo alla dimìdiazione più sopra accennata , che secondo Mac Ceeady si compiva procedendo dalla base al disco. Io tuttavia vidi iniziarsi il processo anche dalla colonna. — I brani che si staccano va- riano molto sotto ogni rapporto. Può esservene uno solo e possono for- mare la dozzina ; originare tutti independenti in parte collegati. Una volta vidi staccarsi un cercine quasi completo rappresentante pressoché r intero circuito dell' animale e che dopo si suddivise in sette brandelli isolati. — La forma e la grandezza sono altresì soggette a grande va- riazione. Lo svolgimento dei lacerti accade un po' per l' insita facoltà redin- tegrativa dei tessuti e un po' per speciale forza riproduttiva (mi si per- doni r ontologismo della frase). Talvolta la sola redintegrabilità basta a compierlo : come è il caso dei brani non opachi laceratisi acci- dentalmente od esportati ad arte. Ma più spesso questa attitudine deve essere ajutata da una disposizione preliminare dei tessuti, da una specie d' ipertrofia che li rende più attivi ; e questo è ciò che succede nella lace- razione volontaria e che a noi si rivela coli' opacamento e 1' adesione del lembo. Comunque, il processo consiste in modo essenziale nella sem- plice regolarisazione del lacerto, fatta di guisa da ottenere una piccola attinia simmetrica e completa su traccie irregolari e deficienti e per la via più semplice e più breve. Perciò la beante ampia rima di lace- razione che si trova laterale, viene ristretta (non chiusa) e portata poco a poco in alto ad occupare il vertice, cioè mutata in bocca ; — mentre i suoi margini vengono rivoltati nelV interno a costituire la faringe. La parte basale dei setti man mano che la bocca si alza si prolunga in alto e forma nuovi setti opposti ; il contorno generale va lentamente arro- tondandosi. La loggia mediana di ogni brandello essendo la più ro- busta dà origine alla loggia gonidiale del futuro rampollo e la sua op- posta che è di nuova formazione e che da lei deriva, forma la cor- rispondente gonidulare. Il resto, cioè filamenti, ovarii, tentacoli è di nuova costituzione ; come pure lo sono i setti che si inseriscono tra gli esistenti onde portare il numero a dodici, a diciotto ed a ventiquattro. — Essendo il processo fondato sulla regolarisazione d' un piano esi- stente, ed essendo i brandelli diversi per figura e grandezza, ne risulta, e si comprende di leggieri, che non si può esattamente dare una descrizione tipica generale, e che, per cosi dire, vi sono tanti modi quanti sono i casi. Le modalità principali derivano dal numero delle loggie ; se sono troppo poche (al dissotto di quattro) non si ha svolgi- mento, se sono troppo numerose fanno insorgere una tarda divisione nel brandello ovvero danno luogo ad un rampollo mostruoso bicipite. 144 Angelo Andres I brani di quattro loggie non si svilujipano sempre ; si sviluppano solo quando le loggie costituenti derivano rispettivamente da una loggia primaria (o secondaria), una secondaria (o terziaria) e due spurie. Un tal brandello comincia col far sparire la differenza delle loggie renden- dole uniformi ; deriva da esse le quattro opposte ; ne crea due nuove di qua e di là e così porta il numero a dodici ; quondo è dodecaloculato passa a distinguerle alternamente in semplici (principali) e trifide (se- condarie e spurie) : allora ne possiede ventiquattro d' un sol tratto. — Nei brani aventi un numero di loggie poco superiore il processo resta imprecisabile e dura apparentemente più a lungo. I brani a dodici loggie invece, aventi cioè tre loggie semplici e tre trifide, si svolgono con maggior agevolezza, in modo quasi tìpico ; presso di essi non si ha che la duplicazione; la riduzione a loggie uniformi non ha luogo. Le difficoltà ripigliano coi lacerti a molte loggie; e le indeci- sioni, per spiegarmi cosi, non si possono descrivere; esse derivano tutte dal contrasto tra l' integrità del pezzo e la sua bipartizione, ovvero tra il diventare un animale unico, semplice e il farsi un animale du- plice, mostruoso; e siccome si risolvono nel disporre le varie loggie secondo un centro solo o secondo due, cosi il punto di titubanza si trova verso la metà; — quivi infatti nei lacerti lunghi tutto è confuso. — Oltre che dal numero delle loggie lo svolgimento di un brandello può essere influenzato dalla grandezza ; tuttavia le differenza eventuali si risolvono solo nel produrre rampolli di maggiori o minori dimensioni. — La provenienza da un punto piuttosto che dall' altro del lembo non modifica in nessun modo il processo; lacerti provenienti dalle loggie gonidiali si sviluppano tanto bene quanto i coetanei d' altre parti. Condizioni. Queste non possono essere inerenti che alla specie, all' età e vigore dell' individuo e alla stagione. E fuor di dubbio che in alcune specie la scissiparità è molto frequente ; cosi nell'Aìptasia lacerata, nell'Aiptasia Contarini e nell'Actinoloba dian- thus ; mentre in alcune altre è di più rara occorrenza. È invece incerto r asserire che sienvi specie nelle quali il fenomeno non abbia luogo ; vai meglio dire che fino al presente non vi venne osservato ; potrebbe essere che quelle ritenute non-scissipare si rivelassero tali sotto più opportune condizioni. Qui, come si vede, toccasi il quesito se la scissi- parità è da considerare quale proprietà generale di tutte le Attinie o quale peculiaretà isolata di alcune forme. Il numero delle specie riscontrate in irrefutabile scissiparità è assai esiguo. Di molto si au- menterebbe aggiungendovi quelle, nelle quali la si produsse artificial- I Intorno alla scissiparità delle attinie. 145 mente con tagli ; allora anzi lo si estenderebbe forse a tutto l' intero gruppo ; ma siccome il caso di quest' ultime appartiene più alla redin- tegrabìlità dell' animale che alla sua riproduzione scissipara ; così nulla si proverebbe. Piuttosto, considerando come 1' attitudine a redintegrare costituisca r elemento fondamentale dello svolgimento scissiparo, po- trebbesi dire che questa maniera di riproduzione è potenziale in tutte le attinie, benché attuale non si verifichi che in alcune ; o, per meglio dire, non siasi finora osservata che in alcune. E queste nominatamente sono (coir indicazione degli osservatori) le seguenti : Actinoloba dianthus, Dicqueäiare 1776, Gosse 1860. Aiptasia Contarini, Contaeini 1844, Andres 1881. Aiptasia lacerata, Dalyell 1848, MacCkeady 1858 (?), Gosse 1860 (?), Andres 1881. B uno des gemmaceus, Cobbold 1853, Andres 1881. Anemonia sulcata, Gosse 1856. Heliactis bellis, Andres 1881. Phellia nummus, Andres 1881. L' età dell' animale costituisce un fattore importante nella mani- festazione del fenomeno. Dalle precedenti note, osservazioni e spe- rienze appare evidente che gli esemplari giovani sono scissipari spesse volte e gli adulti non lo sono mai. Io non so se debba spiegare ciò col richiamare in mente la maggior plasticità dei tessuti, ovvero coli' am- mettere un ricordo di antenati esclusivamente scissipari, oppure col riconoscere un compenso per la mancanza di prodotti sessuali. Forse tutti e tre i criterii, 1' istiologico, il filogenetico ed il teleologico, vi tro- vano appoggio ; ma fors' anche tutti e tre scompajono davanti alla con- siderazione generale che negli adulti 1' esuberanza di attività neo- plastica venendo usufruita per la produzione e maturazione di uova e di sperma non può applicarsi a far sorgere rampolli di scissiparità. Il vigore individuale pare vi abbia altresì non poca influenza e per vero, strano a dirsi, in ragione inversa della manifestazione del fe- nomeno; vale a dire che gli animali robusti e rigogliosi, gli animali usufruenti cibo abbondante e copioso ricambio di acqua sono meno dis- posti alla scissiparità di quelli deboli e di quelli intristiti per deficiente nutrizione e per ambiente viziato. Qui la spiegazione istiologica di maggiore attività plastica è contradditoria ; la ragione teleologica del compenso è inapplicabile ; e il motivo filogenetico non vale se non am- mettendo previamente che il minor vigore dell' animale equivalga ad uno stadio più giovane , siasi esso ottenuto per stazionarietà o per re- Mittheilungen a. d. Zoolog, station zu Neapel. Bd. HI. 10 146 Angelo Andres gressìone. Del pari non porge ajuto la considerazione generale della esuberante attività. Laonde, seppure una spiegazione ci vuole, devesi pensare che la scissiparità per diminuito vigore accada come in base d'una decomposizione o decentralisazione ; cioè come se la vitalità abbia nell' animale perduta 1' energia compatta ed unitaria del bionte, r energia che sola poteva concentrarla virtualmente in una funzione qualsiasi senza ledere il principio d' individualità. La stagione, come già osserva il Dalyell, pare non sia da con- siderare tra le condizioni influenti sul fenomeno; che in ogni tempo dell' anno si possono avere casi di scissiparità. Tuttavia è bene il no- tare che mancano in proposito dati sufficienti ; giacché 1' effetto impe- diente di lei può essere talora eliso dall' effetto impellente di condi- zioni che svigoriscono 1' animale. Un' influenza si deve a priori am- mettere, perchè come vi sono periodi di fregola, cosi, sapendo che lacerazione volontaria e riproduzione sessuale si escludono a vicenda, hanno da esistere anche periodi di scissiparità. Altre condizioni, quali sarebbero quelle di luce, di colore, di nutri- mento ecc., rientrano nella classe già discussa della vigoria individuale. Osserverò soltanto che mentre le cattive condizioni dell' ambiente e della nutrizione sembrano favorire V atto di lacerazione, le stesse sono mici- diali ai giovani rampolli ; che questi cioè richieggono per svolgersi rigogliosi una luce abbondante , un ricambio frequente di acqua , una temperatura uniforme ecc. Cause. — Come la redintegrabilità si può ridurre al principio fondamentale di scambio molecolare, cioè all' attività plastica, che dà origine ad una determinata forma e che tende a conservarla quasi im- mutabile in ogni essere : così la scissiparità si può agevolmente con- siderare, come una modalità del processo redintegrativo. E nelle attinie, dove questo concetto è reso ancor più evidente dalla coesistenza delle due facoltà, anzi dalla loro contemporanea azione (come accade vedere talora) in uno stesso individuo, la modalità si ridurebbe al semplice compimento della separazione. In un caso si ha distacco anormale, traumatico, nell' altro divisione fisiologica. Ciò posto, resta a spiegare questa divisione stessa. Io cercai più sopra indicarne il meccanismo ponendo come essenziale uno stato iper- trofico d' alcuni punti del lembo. Da questa ipertrofia deriverebbe (oltreché la maggior vitalità degli elementi, che è utile per il successivo sviluppo) maggior secrezione di glutine, che causando una forte aderenza Intorno alla scissiparità delle attinie. 147 è causa passiva di lacerazione. Ma con questo la difficoltà è sempli- ficata, forse, non è risolta. Volendo avventurarsi alla soluzione si può ridestare 1' antica ipotesi dei germi messa innanzi daDiCQUEMARE e più sopra riferita; e ridestarla non nella di lei forma grossolana primitiva quale comunemente venne com- presa (e quale, per esempio, venne esposta dalBRUGUiÈRE benché V au- tore r avesse rigettata) , nella forma cioè di bulbi annidati qua e là in al- cuni punti del lembo ; bensì nel concetto più generale e sottile di cor- picciuoli infinitamente piccoli e numerosi raccolti insieme a formare r organismo quasi come in fodero comune. Questa ipotesi così com- presa, mentre da un lato sembra essere rinata con veste recente alcuni anni fa nella diaspo rogenesi di Jägern, dall' altro è a mio avviso una inconscia precorritrice della moderna teoria cellulare. E perciò non la si deve senz' altro rigettare. Ma, pur troppo, anche accettandola, anche sostituendo in essa la parola cellula ogni qualvolta ricorre la pa- rola germe, la spiegazione del fenomeno di scissiparità non avanza d' un passo ; e la mente chiede ognora indarno per qual ragione 1' attività vitale delle cellule si faccia in alcuni luoghi esuberante mentre in altri si conserva normale. Forse s'attenta rispondervi il concetto filogenetico, ricordando che scissiparità fu il primo metodo di propagazione, essendone anzi la ri- produzione sessuale stessa non altro se non una modificazione, e che il grande gruppo affine alle attinie, quello dei madreporari, è scissiparo per eccellenza. Ma, ancora una volta, la difficoltà non è levata ; pe- rocché r origine di un costume non si spiega coli' asserire che é con- suetudinario ma col rivangare il primo annello della consuetudine e dilucidarlo. Ulteriore investigazione obbliga ad impigliarsi in astrazioni trascen- denti. Il che non é già più scienza positiva. Conclusioni. Qui perciò tronco 1' argomento e riassumo: 1" che la scissiparità é potenziale in tutte le attinie, attuale solo in alcune ; e che di queste, certe specie sono più scissipare di certe altre. 2^ che nel suo primo atto (divisione) essa é fenomeno peculiare ; nel secondo (svol- gimento) si confonde colla redintegrabilità ; 3^ che la divisione è pre- parata da esuberante vitalità di alcuni punti del lembo e comincia di solito dalla base ; 4» che lo svolgimento si riduce a rimarginare la ferita • G. Jäger, Über das spontane Zerfallen der Süßwasserpolypen u. s. w. In: Sitzungsber. Wien. Akad. 1860. XXXIX, p. 341. 10* 148 Angelo Andres, Intorno alla scissiparità delle attìnie. di lacerazione e costmrre un animale raggiato sulle basi d' un brandello irregolare; 5° che si compie in tempo più o meno lungo, ma sempre entro un mese ; 6^ che è di più facile occorrenza nei giovani e nei deboli; che quale divisione può venir suscitata da cattive condizioni d' ambiente, quale svolgimento ne richiede invece le ottime. Napoli, maggio 1881. Spiegazione della tavola VII. Le figure sono tutte indicate eolle lettere che corrispondono alle osservazioni riferite nel testo ; e che per vero rappresentano le prime due serie (v. pag. 133 — 137) — Nella prima si ritrasse 1' aspetto generale del profilo (lettere semplici), 1' as- petto della base (lettere con un accento), le sezioni radiali (lettere con due accenti), e una sezione secante (lettere con tre accenti) . Per un medesimo stadio le lettere sì ripetono ; cosi A, A', A" sono profilo, base e sezione d' una stessa epoca. Nelle figure A', C", H', K' , H" le linee punteggiate terminate da una lettera punteggiata indicano la direzione di un taglio e la lettera rimanda alla sezione corrispondente. I numeri intieri adossati alle figure significano 1' ordine delle loggie ; le frazioni danno l' ingrandimento approssimativo. — Nella seconda serie si disegnò soltanto r aspetto della base. « I Die Entonisciden. Von Prof. Dr. R. Kossmann in Heidelberg. Mit Tafel VIII u. IX. Die Litteratur über Entomsciclen beschränkt sich bisher auf wenige Arbeiten von nur drei Forschern. Es sind die folgenden : 1) Fritz Müller, Entoniscus porcellanae, eine neue Schmarotzerassel, Archiv für Naturgesch. Bd. 28, p. 10. 1862. 2) Fritz Müller, Bruchstücke zur Naturgeschichte der Bopyriden, 1. Binnen- asseln, Jen. Zeitschr. f. Medicin u. Naturw., Bd. 6, p. 53. 1871. 3) GiARD, Sur les isopodes parasites du genre Entoniscus, Comptes rendus de l'acad. des sciences, 12 aoüt 1878. 4) Fraisse, Entoniscus Cavolinii n. sp., nebst Bemerkungen über die Um- wandlung und Systematik der Bopyriden, in Arb. a. d. zool.-zoot. Inst. d. Univ. Wiirzburg, Bd. IV. 1878. 5) GiARD, Notes pour servir à l'histoire du genre Entoniscus, in Journ. de l'anatomie et de la physiol. 1878, nov. dèe. (p. 675). Einige Arbeiten, in welchen Entoniscus gelegentlich erwähnt ist, findet man im Litteraturverzeichnisse der letztgenannten angeführt. Als ich, gelegentlich des Fundes eines Entoniscus, diese Aufsätze durchlas und verglich, fiel es mir auf, dass diejenigen Fraisse's und Giard's zwischen den von ihnen untersuchten Formen und den von Fritz MtJLLER beschriebenen einige Verschiedenheiten festzustellen suchten, die, an sich von größter Bedeutsamkeit , sich in höchst auf- fälliger Weise mit einer weitgehenden Übereinstimmung in vielen re- lativ nebensächlichen Dingen paarten. In der That musste es in hohem Grade befremden, bei größter Ähnlichkeit in der Form des Kopfes, des Abdominaltheiles, völliger Gleichheit der Lebensbedingungen u. s. w., zu erfahren, dass unsere europäischen Entonisciden Hermaphroditen, 150 R- Kossmann die brasilianischen aber diöcisch seien, und dass von jener zwar eine Art wie die übrigen Isopoden paarige, getrennte Brutblätter, die übrigen aber sämmtlich einen oder mehrere geschlossene Brutsäcke, dazu noch an ganz ungewohnter Stelle des Körpers, besitzen sollten. Dies Befremden veranlasste mich zu einer Nachuntersuchung, welche denn auch beide Behauptungen als irrig erwiesen hat. Auch die von Fraisse und Giard untersuchten Entonisciden sind getrennten Geschlechtes und bewahren ihre Eier bis zum Ausschlüpfen, ganz wie die übrigen Isopoden, zwischen paarigen, getrennten, ventral am Pereion inserirten Brutblättern auf. Wenn nun aber durch diese Berichtigung eine sehr beträchtliche Annäherung zwischen den brasilianischen und den europäischen Entonisciden herbeigeführt ist, so bin ich doch zu der Ansicht gelangt, es sei die Unterscheidung zweier Gattungen angezeigt. Diese Ansicht stützt sich nur in zweiter Linie auf die Unterschiede der weiblichen Formen : ausschlaggebend ist vielmehr für mich die Ver- schiedenheit der Männchen ; und zwar zwingt uns dieselbe, den alten Gattungsnamen, Entoniscns, ausschließlich für E. porcellanae zu reser- viren, unter dem neuen aber — ich schlage Entione vor — E. cancrorum mit E. Cavolinii und E. Moniezii zu vereinigen. Man wird erstaunt sein, mich von den Männchen letztgenannter Formen sprechen zu hören, nachdem so ausgezeichnete Forscher, wie Fraisse und Giard erklärt haben, an zahlreichen Exemplaren mit größter Aufmerksamkeit und stets vergeblich nach den Männchen ge- sucht zu haben. Ich muss gestehen, dass es mir leicht gewesen ist, die Männchen aufzufinden, und ich mich in den Besitz einer großen Anzahl gesetzt habe. Zwei Umstände haben vermuthlich jene beiden Herren verhindert, eben so glücklich zu sein. Zunächst die relativ geringere Größe des Männchens, vorausgesetzt, dass den Suchern das Größen- verhältnis der beiden Geschlechter von Entoniscus porcellanae aus Fritz Müller's Darstellung vorgeschwebt hat; sodann aber — und dies dürfte der Hauptgrund sein — der Umstand, dass beide Gelehrte den eigenthümlichen Schlauch, welcher den Schmarotzer umschließt, für einen integrirenden Bestandtheil des letzteren gehalten und nicht entfernt haben. Durch dessen Gewebe hindurch das durchsichtige, kaum 1 mm lange Thierchen zu erkennen, ist allerdings sehr schwierig, während es nach auch nur unvollständiger Herausschälung des Schma- rotzers ganz leicht zu entdecken ist. Das Männchen des Entoniscus porcellanae hat Fritz Müller (1) abgebildet und ausführlich beschrieben; von dem des Entoniscus [Enfiane nob.) cancrorum hat er dagegen nur den Hinterleib (»Für Die Entonisciden. • j^5j DAEWiN«, Fig. 16) abgebildet, und ihm wenige Worte in seinen »Bruch- stUcken^« (2, p. 55) gewidmet. Immerhin gestatten seine Angaben mit meinen Befunden verglichen die Feststellung derjenigen Eigenschaften des Männchens, welche die Entonisciden insgemein von den Bopyriden unterscheiden, sowie die Hervorhebung derselben gegenüber den bloßen Gattungscharakteren. Vor allen Dingen haben die Männchen aller Entonisciden insgemein nur sechs Pereiopodenpaare, verharren also in dieser Hinsicht auf einem Larvenstadium, welches von den Bopyriden durch Ausbildung des siebenten Paares überwunden wird. Sodann scheinen die Männchen aller Entonisciden sich durch die Rückbildung der Fühler von denen der Bopyriden zu unterscheiden. F. Müller (2, p. 55) sagt zwar, dass sich das Männchen der Entione cancrorum in Beziehung auf die Fühlerbildung an die Männchen der Bopyriden anschließe; da er aber gar nichts Specielles darüber mit- theilt und auch keine Abbildung giebt, und da andererseits sehr Vieles für die generische Identität des E. cancrorum mit E. Cavolinii und Mo7iiezii spricht, so kann ich mich nicht der Meinung verschließen, dass er die in der That vorhandene Verschiedenheit der Fühlerregion der beiden Formen überschätzt habe. Jedenfalls kommen E. porcellanae^ Cavolinii und Moniezii darin überein, dass sich in der Stirngegend statt deutlicher Fühler nur e i n Paar lappenartiger , eingliederiger Hervor- ragungen findet, die an ihrem stumpfen Ende eine Gruppe von Borsten tragen ; welchem Fühlerpaare diese Hervorragungen entsprechen, dürfte nicht zu entscheiden sein. Gemeinsam mit den Bopyridenmännchen haben die der Entonisciden die Mundbildung (s. Fig. 2), da die gekrümmten unge- gliederten und tasterlosen Mandibeln mit ihren einfachen Spitzen dicht neben einander zwischen Ober- und Unterlippe hervortreten. Doch fehlen jegliche Rudimente von Maxillen und Maxillarfüßen. Hinsichtlich des Pleons stimmen die Männchen der Entonisciden mit manchen Bopy- riden nahe überein; dasselbe ist deutlich sechsgliedrig, und mindestens die fünf ersten Segmente entbehren paariger Anhänge. Die innere Or- ganisation stimmt, wie schon F. Müller (1) constatirt hat, mit der- jenigen der Bopyridenmännchen völlig überein. Die Unterschiede zwischen den Männchen der beiden Gattungen Entoniscus (E. porcellanae) wnA Entione (E. cancrorum, Cavolinii, Moniezii) sind folgende. Bei Ento?iiscus sind die Pereiopoden zu »fast sitzenden ungeglie- derten rundlichen Klumpen verkümmert«. 152 * R- Kossmann Bei Entione sind sie gegliedert und mit Endklauen ausgestattet. Bei Entoniscus entbehrt das Pleon aller Anhänge ; das letzte Glied trägt nur winzige Dörnchen. Bei Entione finden sich an den vorderen Segmenten des Pleons unpaarige, ventrale, hornartige, rückwärts gekrümmte Auswüchse, von denen der vorderste am stattlichsten ausgebildet ist ; das Endglied aber trägt zwei, seine eigene Länge übertreffende, ventral eingekrümmte dornartige Anhänge, welche durch Krümmung des Pleons gegen jene unpaaren Auswüchse bewegt werden können, und mit denselben, wie die Arme einer Zange, zur Fixation des Thieres wirken. Bei Entoniscus endlich ist der Kopf schmal, die Fühlerlappen, welche viereckig sind, ragen seitlich weit über den Kopfrand hervor. Bei Entione dagegen ist der Kopf breit und die abgerundeten Fühler- lappen ragen seitlich kaum über den Rand desselben hervor. Unterschiede zwischen den Männchen der verschiedenen Entione- arten scheinen nicht zu existiren ; wenigstens nicht zwischen denen der europäischen. Ich wende mich zur Besprechung der Weibchen, und zwar zu- nächst ihrer äußeren Körpergestalt. Auch hier beginne ich mit den- jenigen Eigenschaften, welche den E n toniseiden insgesammt eigensind, denBopyridenaber fehlen. Zunächst ist der Rumpf ganz oder fast ganz ungegliedert und ent- behrt der dorso ventralen Depression. Der Kopf ist bedeutend breiter als der Rumpf, durch eine Längsfurche deutlich gekerbt. Gegliederte Fühler fehlen ; stechende Mandibeln, wie es scheint, ebenfalls ; eben so Pereiopoden. Mit den Bopyriden theilen dagegen sämmtliche Ento- n i s c i d e n den Besitz getrennter paariger Brutblätter auf der ventralen Seite des Pereions. Hinsichtlich E. porcellanae geht dies schon aus F. MüLLEß's Figur (1, Taf. II Fig. 1) deutlich hervor; er sagt aber auch ausdrücklich : »Zu Ungeheuern vielgefalteten, gelappten und zer- schlitzten häutigen Lappen sind dagegen die Brutblätter entwickelt. Wo ich sie deutlich zählen konnte, . . . fand ich sechs Paar.« Bezüglich E. cancrorum [Entione] sagt dagegen derselbe Autor (2, p. 55) : . . . »ist bei Entoniscus cancrorum eine geschlossene Bruthöhle vorhanden, gebildet von einem einzigen Paare von Brutblättern, das dicht hinter dem Kopfe entspringt. Die Bruthöhle stellt einen Sack von sehr wechselnder Gestalt und Größe dar, der schief nach vorn gerichtet ist, und mit seiner oberen Fläche sich der Unterseite des Kopfes anlegt, welchen er mehr oder weniger weit überragt.« In ähnlicher Weise Die Entonisciden. I53 si)richt GiARD (5, p. 685) hinsichtlich E. CcwoHnn und E. 3fomezü yon mehreren »chambres incnbatrices« in eigeuthUmlicher Anordnimg, die sich von der bei E. cancrorum erheblich unterscheiden soll. Endlich theilt auch Fraisse diese Auffassung. Er sagt (4, p. 11): »... die vielfach gefaltete dünne Haut, welche, ebenfalls von zwei Kanten des großen Chitinstammes entspringend den eigentlichen geschlossenen Brutraum bildet.« Und weiter auf Seite 12, wo er von den seitlichen Bruträumen spricht, welche er wie Giard dem E. Cavolinii zuspricht, schildert er dieselben im Jugendstadium als blattförmig und sagt : »auf Querschnitten zeigt sich, dass das Innere von einem lockeren Binde- gewebe ausgefüllt wird, dessen Zwischenräume oft von Gerinnsel er- füllt sind. Bei völlig ausgewachsenen Exemplaren hat sich ein Lumen gebildet, welches nur von Eiern oder Larven angefüllt ist.« Wer nunmehr mit diesen Angaben und den dazu gehörigen Abbil- dungen meine nach dem Leben gefertigte Abbildung (Taf. VIII Fig. 1 ) ver- gleicht, wird sogleich erkennen, worauf die Irrthümer jener drei Forscher beruhen, Fritz Müller, offenbar von dem E. porcellanae her daran gewöhnt , den Schmarotzer in ein sehr zartes Gewebe eingebettet zu finden, konnte sich nicht entschließen, den derberen Schlauch, in dem E. cancrorum lag, ebenfalls für einen Bestandtheil des Wohnthieres an- zusehen und abzupräpariren ; und nachdem er einmal den schweren Schritt gethan hatte , diesen Schlauch da , wo er die Bruthöhle überzieht, als die dem Parasiten selbst angehörige geschlossene Wan- dung derselben zu deuten, konnten Giard und Fraisse ihm leicht hierin folgen. Fraisse hat zwar den Schlauch vorn aufgeschnitten und darin das vordere Paar Brutblätter gefunden, die er (p. 11) deutlich genug beschreibt; da aber die Wandung des Schlauches, in dem der Parasit lag, mit der Außenfläche verklebt war (dies geschieht, wenn man das lebende Thier verletzt , durch die Absonderung einer schnell gerinnenden Flüssigkeit, vermuthlich des zur Vereinigung der abge- legten Eier dienenden Kittes) , so scheint Fraisse mit der Schlauchwand zugleich die zarteren Partien der Brutblätter von den verzweigten Chi- tinrippen, die dieselben gleich dem Geäder eines Blattes durchziehen, losgetrennt zu haben. Was somit freigelegt wurde, konnte wohl mit einer zweizeiligen Feder verglichen werden, wie er es thut, und es erscheint erklärlich, dass er diese federähnlichen Kunstproducte nun nicht für Brutblätter, sondern für »umgewandelte Gliedmaßen« hielt. Etwas anders scheint sein Irrthum bezüglich der hinteren Brutblätter zu Stande gekommen zu sein. An jüngeren Exemplaren scheint er sie frei prä- parirt zu haben, ohne sich dessen selber bewusst geworden zu sein. 154 E- Kossmann und schildert sie desshalb ganz richtig. An älteren Exemplaren dagegen hat er sie gar nicht frei präparirt, und glaubt nun, dass die Eier in einem später entstandenen Lumen dieser Blätter untergebracht seien, was für einen Isopoden, ja für ein Krebsthier überhaupt, wahrhaft stupend wäre. Tödtet man den Entoniscus sehr rasch, so lässt sich der Schlauch, in welchem er liegt, nach einiger Zeit leicht abpräpariren ; lässt man den Entoniscus lebend einige Tage im Seewasser, so beginnt jener Schlauch, eben weil er nicht ein Bestandtheil des Parasiten ist, zu ma- ceriren und löst sich in Fetzen ab. So überzeugt man sich leicht, dass das Thier zwei Paar mächtig entwickelte Brutblätter hat, die beide dicht hinter dem Kopfe am Bauche inserirt sind, und von denen sich das vordere Paar unter dem Kopfe weit nach vorn und aufwärts krümmt, während das hintere Paar rückwärts bis an das Pleon reicht. Diese Brutblätter sind ganz beschaffen, wie die der Bopyriden u. s. w., d. h. dünnhäutig, mit einem Geäder von Chitinverdickungen. Der vordere, durch die Biegung dorsal gewordene Rand der vorderen Blätter (in der Abbildung ist der Deutlichkeit wegen das rechte Blatt weggelassen) rollt sich ein wenig nach innen um. Diese vorderen Brutblätter nehmen die Eier mehr zwischen einander; die hinteren, die ein etwas schwächeres Geäder zeigen, nehmen die Eier mehr zwischen sich und die Körperwandung auf. Natürlich trägt die Wandung des Schlauches, in dem der Parasit liegt, dazu bei, den Abschluss der Bruthöhle voll- ständig zu machen, wie bei Bopyrus u. a. die Kiemendecke des Wohn- thieres ein Gleiches thut. Von irgend einer Verwachsung oder sonstigen Vereinigung aber der Bänder der rechten Brutblätter mit den linken ist absolut keine Spur vorhanden und die Bruthöhle des Parasiten an sich also nicht geschlossen. Die Unterschiede zwischen den Weibchen der beiden Gattungen Entoniscus und Etifione sind nicht unerheblich. Ich bleibe auch hier zunächst bei den äußeren Charakteren stehen. Der Hauptunterschied betrifft das Pleon. Dasselbe ist bei Entoniscus deutlich segmentirt, sechsgliedrig ; die fünf ersten Segmente tragen je »ein paar ungegliederter säbelförmiger borstenloser Füße«, die zum Theil erheblich länger sind, als die Segmente, zu welchen sie gehören. Bei Entione dagegen ist das Pleon ungegliedert und statt der säbel- förmigen trügt es blattförmige Anhänge, von denen die vorderen die größten sind und einen stark gekräuselten Rand besitzen ; nach hinten zu nimmt Größe und Kräuselung ab ; das letzte Paar, in Fraisse's Ab- bildung (4, Taf. II Fig. 7) mit L bezeichnet, ist ganz glatt. Die Entonisciden. 155 Während bei Entoniscus das Pereion mit sechs Paaren stark zer- schlitzter mächtig-er Briitblätter ausgestattet ist, sind bei Entione die hinteren, zumal im völlig ausgewachsenen Zustande, rudimentär. Bei jüngeren Weibchen kann man, wie Fraisse und Giard mehrfach an- deuten, Spuren davon finden. Dafür sind die beiden vorderen Paare (Fritz Müller hat das zweite Paar bei E. cancrorum doch wohl nur übersehen) sehr stark ausgebildet, und zwar biegt sich das vordere Paar unter dem Kopfe weg nach vorn und oben, das hintere streckt sich nach hinten fort. Auch hinsichtlich der Kopfbildung kann vielleicht ein Unterschied existiren ; wenigstens sehe ich nicht, dass F. MtJLLER für E. porcellanae die saugnapfähnlichen Polster am Kopfe zeichnet oder beschreibt, die Fraisse (4, Taf. II Fig. 6), Giard (5, pl. 46 Fig. 5) darstellt und die auch auf meiner Figur (Taf. VIII Fig. 3) zu sehen sind. Was die Artunterschiede innerhalb der Gattung En- tione angeht, so ist es schwer, mit absoluter Sicherheit darüber zu sprechen. E. cancrorum ist sehr flüchtig beschrieben und nur ein nicht völlig erwachsenes Thier skizzenhaft abgebildet. E. Moniezii aber und E. Cavolinii sind, bei aller Ausführlichkeit, doch auch, selbst wenn man von den schon besprochenen Irrthümern absieht, recht ungenügend be- schrieben, so dass ich eigentlich nur auf Grund der Identität resp. der nahen Verwandtschaft der Wohnthiere mit größerer oder geringerer Sicherheit die Identität meiner Exemplare mit den genannten beiden Arten behaupten kann. Verwechselung von Eücken- und Bauchgegend kehrt in den Arbeiten Fraisse's und Giard' s fortwährend wieder ; ich kann zur Erklärung nur annehmen, dass die Exemplare, die beiden Forschern vorgelegen haben , in den unnatürlichsten Windungen ge- storben und im Tode in demselben verblieben sind, wozu vielleicht der Umstand beigetragen haben mag, dass der Schlauch, in dem der Parasit steckt, durch die Einwirkung des Spiritus früher als der Schmarotzer selbst abgetödtet und dadurch steif wurde. Die Lage und Form, welche das Thier, nach Befreiung von jenem Schlauche, im Seewasser unfehl- bar annimmt, und in der es dann auch nach Abtödtung mit Alkohol oder dgl. verbleibt, ist in meiner Abbildung (Taf. VIII Fig. 1) dargestellt. Man erkennt daran, dass Entione Moniezii wie auch E. Cavolinii am Thorax, der übrigens cylindrisch ist, vier starke Auswüchse trägt, welche bei jüngeren Weibchen jedoch noch fehlen. Von diesen Aus- wüchsen liegen zwei dicht neben einander, paarig, unfern hinter der Kopfanschwellung, am Rücken des Thieres. Sie sind in der kaum verständlichen Abbildung Giard's (5, pl. 46 Fig. 1) mit II' be- 156 R- Kossmann zeichnet und noch tiberdeckt von den, wie es scheint, größtentheils ab- geschnittenen hinteren beiden Brutblättern. In Fraisse's Beschrei- bung und Abbildung kann ich nichts von diesen Protuberanzen finden, die übrigens auch in seiner Figur 5 (tab.II) nicht sichtbar sein können, da sie auf der abgewendeten Seite liegen. • Zwei andere Protuberanzen liegen unpaarig hinter einander in der Mittellinie des Bauches. Sie sind von beiden Forschern ab- gebildet. Fraisse bezeichnet sie in seiner Figur 5 (tab. II) mit dem Buchstaben 0. Er erklärt sie jedoch ganz irrig mit den Worten: »Eier, die im Inneren des Körpers in Schnüren abgelegt sind und nun in der- artigen Wülsten an verschiedenen Stellen in den Brutraum hinein- ragen.« Im Text tritt eine ähnliche Auffassung etwas unklar zu Tage. Seite 1 3 heißt es : »Die an den Seiten des Schmarotzers liegenden Brut- räume sind durch Vorwölbung der Haut entstanden, die sich an den Seiten des Körpers zusammenzieht und so unregelmäßige Höhlungen bildet, welche zum Theil durch feste Chitinleisten gestützt werden. Diese Höhlungen communiciren mit dem Inneren des Körpers und sind im mittleren Lebensstadium der Thiere nur durch spongiöses Binde- gewebe von der Körperhöhle getrennt. Später dringen die in lange, zusammenhängende Blindsäcke abgelegten Eier durch das lockere Gewebe hindurch und erfüllen auch diese Bruthöhlen.« Und auf Seite 20: »Die älteren Eier werden in lange Blindschläuche abgelegt, welche nun nicht allein die früher nur den Mitteldarm führende Körperhöhle ausfüllen, sondern auch das spongiöse Bindegewebe, welches das Körperparenchym bildet, zum größten Theil verdrängen. Die Haut des Körpers wird zu mannigfal- tigen Ausbuchtungen gezwungen, von denen jedoch nur die beiden ab- gebildeten« (dies sind die hier in Rede stehenden ventralen Protuberan- zen) »Constant zu sein scheinen.« Möge mir der befreundete Forscher, der ja gerade auch in dieser Arbeifso Verdienstliches geleistet hat, verzeihen, wenn ich meine, dass in diesen Angaben seine Phantasie zu weit gegangen sei. Die Eier eines Crustaceen , eines Isopoden , im Inneren der Leibeshöhle in Blind- schläuche abgelegt, sollen durch deren lockeres Bindegewebe hindurch in geschlossene, durch Abhebung der Körperhaut gebildete Bruträume treten! Aber wäre das Alles nicht viel, viel befremdlicher, als jener dorsale Brutraum bei Phryxus^ dessen Annahme Fraisse Herrn Hesse zu so schwerem Vorwurfe macht ? Und wie einfach ist hier die Wahr- heit. Sind doch die Blindsäcke Fraisse's, in welche die Eier abgelegt werden sollen, in Wirklichkeit die Äste des Ovariums, das auch jene Die Entoniscideu. 157 beiden Protuberanzen völlig erfüllt ; und gelangen sie doch aus diesem Ovarium nicht durch die Lücken des Bindegewebes, sondern durch ein Paar ganz normal gelagerter, weiblicher Geschlechtsöffnungen, nicht unter die abgehobene Körperhaut, sondern vollständig nach außen, d. h. unter den Schutz der Brutblätter und natürlich in den Schlauch, in welchem der ganze Schmarotzer steckt. Bei GiARD sind diese beiden Protuberanzen ebenfalls (5, tab. 46 fig. 1 und 2, ß und y] gezeichnet. Während aber schon bei Fraisse durch windschiefe Drehung des abgebildeten Exemplars die Protube- ranzen dem Ansatz der Brutblätter gegenüber, also dorsal zu liegen kommen, bezeichnet Giard sogar auf der Zeichnung die Seite, auf der sie liegen, mit dem Buchstaben D ausdrücklich als dorsal. Im Text sagt er : )iA la partie dorsale, on observe deux longues protubérances medianes légèrement courbées d'arrière en avant«. In seinem ersten Artikel (3, p. 2) meint er sogar schon, dass diese Auswüchse »rappellent morphologiquement certains traits de la forme Zoea«. Im zweiten Auf- satze kommt er darauf zurück, bemerkt aber vorsichtiger: »je n'ose me prononcer d'une manière aussi affirmative sur leur véritable valeur morphologique«. Abgesehen von der Kühnheit, die überhaupt darin liegt, in der Isopodenordnung, in der man noch nicht die geringste Spur der Zoea nachgewiesen hat, eine erst im letzten Altersstadium durch enormes Wachsthum des Ovariums entstehende Protuberanz auch nur andeutungsweise mit einem Zoeastachel zu vergleichen, — abgesehen davon, sage ich, wird wohl Herr Giard selbst, wenn er sich überzeugt, dass wir es hier nicht mit dorsalen, sondern mit ven- tralen Protuberanzen zu thun haben, die Irrigkeit jener Idee aner- kennen. In der Abbildung und Beschreibung von E. cancrorum ist von allen diesen Vorsprüngen nichts zu sehen; doch war das Thier, wie die geringe Größe der vorderen Brutblätter zeigt, nicht ausgewachsen. Bei den von mir untersuchten beiden Arten waren sie am erwachsenen Thiere regelmäßig vorhanden und zeigten in so fern einen Artunter- schied, als bei E. Cavolinii immer die Größe der beiden ventralen Pro- tuberanzen ungefähr gleich war, während bei der Entione des Portunus arcuatus regelmäßig die hintere dieser beiden Protuberanzen, vsde un- sere Figur es zeigt, sehr viel länger und stärker war. Bezüglich der E. des Portunus puber ^ die Giard als E. Moniezii beschrieben hat, macht er auf diesen Unterschied nicht aufmerksam, wohl aber auf einen solchen in der Färbung und in der Größe des ersten Anhangs am Pleon. Dies Beides ist mir wiederum an dem Parasiten desP. arcuatus 158 R- Kossmann nicht aufgefallen, und icli hatte desshalb anfänglich den letzteren als neue Art, E. salvatoris, bezeichnet. Vermuthlich wird diese aber doch nicht zu halten sein. Dass Giard über die Häufigkeit seines E. Mo- niezii urtheilen will und sogar ein bestimmtes Verhältnis (1 : 100) der davon befallenen Thiere zu den immunen aufstellt (3, p. 3, für E. Ca- volmii 1: 30), ist um so weniger zu billigen, als er an anderem Orte (5, p. 698) selbst erklärt, nur zwei Exemplare und noch dazu auf dem- selben Wohnthiere gefunden zu haben. Die Wahrheit ist auch hier wieder, dass das Thier an bestimmten Localitäten epidemisch auftritt und dort gemein, sonst aber überhaupt nicht zu finden ist. Fritz Müller und Giard haben, wie ich bei dieser Gelegenheit bemerken will, ähnliche statistische Angaben über die Vereinigung von Sacculina und Entoniscus^ so wie über das Geschlecht der Wirths- thiere des letzteren gemacht. Beide finde ich auch unzuverlässig. Jener angeblichen Häufigkeit des Zusammenlebens beider Schmarotzer steht gegenüber, dass von meinen sehr zahlreichen Entoniscusexem- plaren nur eines mit einer Sacculina vereinigt war; vermuthlich haben jene Forscher zufällig an einem Orte fischen lassen, wo beide Epide- mien zugleich herrschten. Wenn aber Fraisse vollends meint, dass Entoniscus in Neapel nur oder fast nur bei Weibchen vorkomme, so ist dies eclatant dadurch widerlegt, dass ich unter den ersten 198 Pa- chygrapsus, die ich öfi'nen ließ, und von denen 75, also zwei Fünftel, Weibchen waren, acht Männchen und nur zwei Weibchen mit Entoniscus behaftet fand. Die Unfruchtbarkeit der Weibchen kann ich bestätigen. Ich gehe zur Besprechung der innerenAnatomie über. Hinsicht- lich derselben ist mir ebenfalls schon erheblich vorgearbeitet worden, wobei aber freilich auch mehrere beträchtliche Fehler gemacht worden sind. Über den inneren Bau des Männchens haben Fraisse und Giard, da sie es nicht gefunden haben, nichts angeben können ; doch ist das, was Fritz Müller (1, p. 14) darüber angiebt, richtig und fast er- schöpfend; es genügt, hinzuzufügen, dass das Nervensystem und der histologische Bau der Organe dem Verhalten bei den männlichen Bo- pyriden eben so vollständig entsprechen, wie alles Übrige. Ich habe es nicht für nöthig gehalten, Zeichnungen zu geben, da ich durchaus auf diejenigen verweisen kann, die ich für die männliche Gyge publi- cirt habe (Studien über Bopyriden, II, Taf. 35 Fig. 3 und 5, Zeitschr. für wissensch. Zool. Bd. 35). Über den inneren Bau des Weibchens von Entoniscus theilt F. Müller an dem eben citirten Orte weniger mit. Er spricht von »kegelförmigen Blindsäckchen«, die im Kopfe zu finden sind und meint Die Eutoüisciden. 159 damit die später von Fraisse und Giaed ganz richtig geschilderten Papillen, die nicht, wie er anzunehmen scheint, auf der Außenfläche, sondern auf der Innenfläche des Magens aufsitzen ; sonst weiß er über den Anfangstheil des Darmes nichts zu sagen. Von der Leber giebt er richtig an, dass sie aus zwei, auf der Bauchseite dicht an einander ge- lagerten Schläuchen besteht, die sich vom Kopf bis in die Nähe des Abdomens erstrecken. Über die Verbindung der Leber mit dem Darm und dessen etwaigen Verlauf theilt er nichts mit. Dass die Eierstöcke am Rücken liegen und etwas hinter dem Kopfe beginnen, giebt er ebenfalls an, auch dass sie einige Hervortreibungen am Rücken hervor- bringen; ihre Mündungen aber hat er nicht gefunden. Die Lage des Herzens im Pleon constatirt er. Von der Lage des ]\Iundes giebt meine Figur Rechenschaft ; auch die Form habe ich, in Taf. IX Fig. 1 1 , aus Längsschnitten construirt und daher vielleicht ein wenig verzerrt, dargestellt; einigermaßen stimmt mein Befund mit der Abbildung, die F. Müller (1, Taf. II Fig. 5) davon giebt. Hiernach scheint eine sehr rudimentäre Oberlippe, eine etwas deutlichere, in der Mitte ausgerandete Unterlippe und ein Paar mit einem Zähnchen ausgestatteter rudimentärer Gliedmaßen vorhanden zu sein, welche doch jedenfalls den stiletförmigen Mandibeln der Bopy- riden entsprechen, aber viel plumper und nicht von der Unterlippe be- deckt sind. Zwischen diesen Mandibeln erscheint die Mundspalte an der Oberfläche vertical; etwas mehr in der Tiefe wird sie dreieckig, mit abwärts gerichteter Spitze ; letztere verstreicht und es wird aus der dreieckigen erst eine halbmondförmige (mit aufwärts gerichteter Con- cavität, s. a), dann eine einfach quere Spalte (s. è), endlich eine Querspalte, die sich an ihren Enden theilt (s. c und cT). Diese Quer- spalte bricht dann endlich in den von den langen Papillen erfüllten Magen durch. Derselbe ist, wie Fraisse schon richtig angegeben hat und wie es sich auch schon in der äußeren Körperform deutlich aus- spricht, durch eine tiefe, in der vertical durch die Längsachse ge- legten Ebene umlaufende Furche in zwei fast kugelförmige, com- municirende Hälften getheilt. Ich habe schon in meinen »Studien über Bopyriden« erwähnt, dass eine Andeutung dieser Theilung auch bei den Bopyriden existirt und habe daselbst auch über den feineren Bau und die Function dieses Organs gesprochen; ich ver- weise darauf, so weit eine Ergänzung der FRAissE'schen Mitthei- lungen nöthig erscheint. — Der Name C e p h a 1 o g a s t e r , den Giard für den Kopf der Entonisciden vorschlägt, weil er diesen Magen enthält (»cette téte mériterait plutòt le nom de cephalogaster«) , ist erstens nicht 160 R- Kossmann gut gebildet, denn ein solcher Name würde eine besondere Art Magen, aber nicht eine besondere Art K o p f bezeichnen; und zweitens ist er wohl unnöthig, da bei allen Crustaceen der Magen, wenn überhaupt vorhanden, im Cephalon liegt, und man also überall statt Cephalon würde Cephalogaster sagen müssen. Aus dem papillösen Magen führt ein Darm heraus, über dessen besondere Beschafifenheit nur Fraisse Mittheilungen macht. In seiner Figur 6 zeichnet er ganz richtig, wie in diesem Abschnitte des Darmes ein gewaltiger Wulst von der Rückenseite her in das Lumen ragt und deutet sowohl in der Zeichnung, als im Texte eigenthümliche Chitin- härchen an, die die schmale, übrigbleibende Spalte noch mehr ver- schließen. Offenbar fungirt diese Vorrichtung zur Herstellung eines Ab- schlusses zwischen der Leber und dem Papillenmagen und beweist wohl, dass erstere hier nicht Nahrung in ihren Hohlraum aufnimmt. Bei den Bopyriden ist von jenem Wulst nur eine Andeutung vorhanden und zwar in der in den Magen vorspringenden Scheidewand; diese, obwohl in Form und histologischem Bau ganz ähnlich, schiebt sich dort aber nicht bis in den Darm hinein und entbehrt auch der Chitin- haare. Die Masse des Wulstes besteht aus einem, besonders im Centrum, großblasigen, parenchymatischen Bindegewebe mit Kernen (s. Fig. 13). Allmählich geht dieser Wulst zurück und das enge, vorher halbmond- förmige Lumen wird im Querschnitt sternförmig. Die dies bedingende Faltung der Darmwandung wird fast ausschließlich von der sehr ver- dickten Cuticula gebildet. Fraisse's Figur 7 giebt dies richtig wieder; nur die Leibeshöhle Kii und die Bindegewebsbalken oder Mesenterien B, die er darstellt, scheinen mir Kunstproducte zu sein. In meinen Schnitten existirt beides nicht. Eine geringe Verschiebung des Rücken- gefäßes an dieser Stelle habe ich auch beobachtet ; doch ist sie nicht so stark, als Fraisse sie schildert und hört weiter hinten wieder auf. Sehr bald, nachdem der Darm diese Gestalt angenommen hat, tritt er mit der Leber in Communication. Von dieser sind zwei vordere Zipfel, von denen jeder wieder selber erhebliche Ausstülpungen bildet, schon eine Strecke vorher aufgetreten, aber hier in einen gemeinsamen Hohlraum verschmolzen, welcher ventral von dem Darme liegt. Giard sagt (5, p. 689), dass der Darm blind endige und in seine vordere Partie die »angeblichen« Leberblindschläuche münden. Dies ist in so fern unrichtig, als sich der Darm entschieden nicht über die Stelle, wo er mit den Lebern communicirt, fortsetzt. Dagegen hat er natürlich um so unzweifelhafter darin Recht, dass ein eigentlicher Enddarm nicht existirt. Wenn Fraisse mit diesem Namen überall in seiner Die Entonisciden. 1 6| Schrift die Leberschläuche selber bezeichnet, so ist das jedenfalls zu verwerfen. Ich habe in meinen »Studien über Bopyriden« diese Be- zeichnung, die ja morphologisch sicher falsch ist, wenigstens in so fern zu entschuldigen gesucht, als ich nachwies, dass bei den Bopyriden die Leber vermuthlich die Function des Darmes theilweise übernimmt, und dies auf die Entonisciden übertrug; ich finde jedoch jetzt, dass diese Übertragung voreilig war, denn jener eigenthümliche Verschluss- apparat im Mitteldarm sowohl, als die Beschaffenheit des Leberepithels machen es hier sehr unwahrscheinlich, dass die Leberschläuche eine andere als rein secernirende Function haben. Auch in den der Darm- einmündung zunächst liegenden Abschnitten haben die Zellen des Epi- thels eine gegen das Ende hin eigenthümlich geblähte Gestalt und dem entspricht es, dass sich dort, unmittelbar unter der freien Oberfläche, fast regelmäßig ein Secrettropfen in dem Protoplasma der Zelle ange- sammelt hat (s. Taf. IX Fig. 12). Unmittelbar unter dem Epithel liegt eine bindegewebige (vielleicht auch etwas Muskelfasern enthal- tende?) Tunica, die bedeutend dicker ist, als bei den Bopyriden. Dicht hinter der Einmündung des Darmes theilt sich die Leber in zwei parallele Säcke, die wiederum sehr starke Ausstülpungen erfahren. Wenn Giard (5, p.690) behauptet, dass die Ramification dieser Leber- säcke geringer ist, als bei Bopyrus, so muss ich das entschieden zurück- weisen, wobei ich mich auf die mittelst der Camera copirten Quer- schnitte berufen kann. Das Einzige, was man behaupten darf, ist, dass die Ramificationen der Bopyrusleber, der depressen Körpergestalt des Thieres entsprechend, sich mehr seitwärts ausbreiten und desshalb vielleicht in der Flächenansicht auffälliger sind. Jedenfalls hat sich Giard dadurch täuschen lassen, dass er ein junges Thier geschnitten hat (von einem solchen rührt sein in Figur 7 abgebildeter Schnitt offen- bar her). In jungen Thieren ist die Leber aber auch bei Bopyriden einfach schlauchförmig. Bezüglich des Circulationsapparates habe ich dem von F. Müller, Fraisse und Giard Festgestellten wenig hinzuzufügen. Dass das Rückengefaß bei einem Thiere mit so weichem Integumente und so colossaler temporärer Wucherung einzelner Organe, zumal des Eier- stockes, nicht unwandelbar in der Medianlinie liegt, kann nicht be- fremden. Doch zeigen die von mir abgebildeten Querschnitte, dass die Deviation nicht erheblich ist und sich auf kurze Strecken beschränkt. Kurz bevor das Gefäß den Kopf erreicht, theilt es sich ; auch vorher sendet es eine Anzahl Seitenäste aus, welche genauer zu verfolgen mir unnöthig erschien. Ein Blutsinus findet sich um den Bauchnerven- MittlieilBngen a. d. Zool. Station zu Neapel. Bd. UI. 11 162 R- Kossmann Strang; er erweitert sich nach hinten zu merklich. Histologisch zeichnen sich die Blutgefäße der Entonisciden vor denen der Bopy- riden durch viel stärkere Wandungen aus. Über das Nervensystem hat Feitz Müller nichts mitgetheilt. GiARD glaubt, dass nur ein Ober- und ein Unterschlundgangiion existiren, giebt aber zu, dass seine Untersuchungen im Hinblick darauf zu unvollständig waren , um die Existenz eines Bauchstranges zu leugnen. Fraisse zeichnet das Centralnervensystem in seinen Quer- schnitten mehrfach an der richtigen Stelle, giebt aber eine Erläuterung dazu (p. 19), die, wegen der vielen Vacuolen, die in diesem Organ sichtbar sein sollen, etwas Bedenken erregen muss. Solche sind in der That in den Nervenzellen nicht zu sehen, vielmehr entspricht dasselbe histologisch ganz den berechtigten Erwartungen. Ich verfolge es bis etwas hinter die vordere ventrale Protuberanz fast bis zur weiblichen Geschlechtsöfifnung ; es hat also dieselbe Ausdehnung wie bei den Bo- pyriden. Dass es eine Gliederung besitzt, sieht man schon aus den abgebildeten Querschnitten, in denen es bald größer, bald kleiner er- scheint. Da aber die Verdickungen auf den Querschnitten mir in Distanz und Stärke unregelmäßig erschienen sind, kann ich nicht die Zahl der Ganglien coustatiren. Längsflächenschnitte zu fertigen, aus denen diese zu ersehen wäre, ist wegen der Biegungen, in denen das Thier stirbt, sehr schwierig. Ich komme nun zu den Ovarien, über welche die unrichtigsten Meinungen verbreitet waren. Was Fritz Müller darüber angiebt, dass sie nämlich die Rückenseite einnehmen, ist ziemlich wenig, zumal da sie thatsächlich auch auf die Bauchseite hinüber dringen, ja sogar so weit, dass sie dort an einigen Stellen zusammenstoßen, Fraisse ist leider ein unglückliches Versehen bezüglich dieses Organes passirt: er hat den Fettkörper für das Ovarium angesehen. Dieses Gewebe hat in der Litteratur der schmarotzenden Isopoden un- sägliche Verwirrung angerichtet : Rathke schon hat es bei Bopyrus für einen oberen Abschnitt der Leber gehalten, und bei Gyge haben CoR- NALiA und Panceri es für Speicheldrüsen angesehen. In allen drei Fällen der Verwechselung trägt augenscheinlich das drüsige Ausseben dieses Gewebes die Schuld ; und speciell der Irrthum, es für den Eier- stock zu nehmen, erklärt sich allenfalls aus der ungeheueren Größe, welche einzelne seiner Zellen, wie ich schon hinsichtlich der Bopyriden (»Studien üb. Bop.« II) angegeben habe, erreichen. Sie ist aus der bei- gegebenen Figur 15 ersichtlich. Was Fraisse für die hellere Keim- blase angesehen und Taf. XXI Fig. U abgebildet hat, sind die Fett- Die Entonisciden. 163 tropfen, welche sich allmählich im Protoplasma, aber nicht um den Kern, ansammeln. Dieser Kern ist, zumal vor Auftreten der Fettan- sammlung. sehr groß und enthält zahlreiche Nucleoli; der Inhalt der jüngeren Zellen ist sehr stark granulirt und färbt sich, wie Fraisse richtig gesehen hat, intensiver, oder erscheint doch dunkler gefärbt, als die älteren, minder granulirten und desshalb mehr Licht durchlassenden Zellen. Die größeren Zellen dieses Fettkörpers gruppiren sich gern zu einzelnen Haufen, die oft rosettenartig erscheinen, innerhalb der Masse der kleineren Zellen. Es ist wohl sehr wahrscheinlich, dass bei sehr jungen Thieren der Zusammenhang dieses Fettkörpers mit dem inter- stitiellen Bindegewebe eben so deutlich ist, wie ich dies an Bopyriden gefunden habe ; bei den von mir geschnittenen Entonisciden aber war die Abgrenzung schon sehr entschieden geworden, wodurch um so eher der Irrthum, als handele es sich um ein distinctes Organ, wie der Eier- stock, erklärlich wird. Immerhin ist von einer besonderen Umhüllung daran nichts zu finden. — Wie meine Figuren zeigen, liegt der Fett- körper hauptsächlich am Rücken. Nur am Schlünde und dem Anfang des Mitteldarmes wird er relativ etwas mächtiger und schiebt sich mehr auf die Bauchseite hinüber; hieraus erklären sich die Figuren 3, 4 und 5 bei Fraisse, die übrigens nicht, wie er glaubt, Querschnitte, sondern etwas schiefe Längsschnitte darstellen. Im Allgemeinen folgt der Fett- körper dem Verlaufe der Aorta, wobei er sich oft in mehrere Gruppen theilt, die sich dann wieder bald dorsal, bald ventral von der Aorta ver- einigen. Seine größte Mächtigkeit hat er am Mitteldarm, wo das Auf- hören des Magens und das Fehlen der Leber und der Ovarien ihm Raum zu großer Ausdehnung lassen. Am geringfügigsten entwickelt finde ich ihn in der Gegend der beiden großen ventralen Protuberanzen. Im Pleon ist er wieder mächtiger. Hat nun somit Fraisse in dem Fettkörper das Ovarium gesehen, so ist es natürlich, dass er -in dem wirklichen Ovarium etwas Anderes gesehen hat. Dies ist geschehen, und zwar, wie es scheint, indem er zwei Verwechselungen begangen hat. In dem erwachsenen Thiere hat er die wirklichen Ovarialschläuche für »lange Blindschläuche« er- klärt, in welche »die älteren Eier abgelegt werden«, und so erklärt sich seine auffällige Vorstellung von dem Vorgange der Eiablage, über die ich schon oben (p. 156) gesprochen habe. In meiner Figur 14 (Taf. IX) gebe ich eine Abbildung von diesen Ovarialschläuchen, in denen man die noch sehr unreifen, relativ plasmareichen und desshalb stark tingirten, auch noch kernhaltigen jüngeren Eier deutlich von den reiferen unterscheiden kann, in denen der Kern unsichtbar und das gefärbte Plasma von dem 11* 164 R- Kossmann ungefärbten Nahrimgsdotter auf einzelne Tröpfchen zurückgedrängt ist. Diese Schläuche sind nicht sowohl stark verästelt, als vielmehr, wie man es namentlich in jüngeren Thieren sieht, und wie man es auch bei den Bopyriden findet, zickzackförmig zusammengelegt. Je älter das Thier, je reifer die Eier und je länger und dicker demgemäß die Schläuche werden, desto fester an einander gepackt erscheinen sie, so dass eine Einsicht in ihre Anordnung nicht mehr zu gewinnen ist. Nach vorn erstrecken sie sich bis nahe an die Verbindung von Leber und Darm, nach hinten bis an oder eben noch in das Pleon, in beiden Rich- tungen also lange nicht so weit, alsFRAissE in Folge der Verwechselung mit dem Fettkörper angiebt. Die beiden Eileiter münden in der Gegend zwischen den beiden ventralen Protiiberanzen, seitlich, bei jüngeren Thieren mehr ventral, bei älteren, wenn die Eierstöcke hier in den Protuberanzen und deren Gegend die Bauchseite eingenommen und stark aufgetrieben haben, mehr dorsal. Der Eileiter (s. Taf. IX Fig. 16) ist von einem sehr dicken Epithel hoher Cylinderzellen, deren Kerne in halber Höhe ihrer Achsen liegen, ausgekleidet; dies Epithel scheidet vielleicht auch hier eine Kittsubstanz für die abgelegten Eier aus. Hier ist nun eine neue Verwechselung Fraisse's zu erwähnen. Es ist offenbar der Eileiter und das eben entstandene Ovar eines jungen Weibchens, das er für den Hoden und dessen Mündung gehalten hat. Meine Gründe für diese Vermuthung sind folgende. Erstens habe ich überhaupt außer den Eileitern keine seitlich nach außen mündenden Drüsen gefunden, während andererseits Fraisse die Mündungen der Eileiter — es wären denn eben diese seine Hoden — nicht gefunden hat. Sodann aber stellt seine Figur 2 (Taf. XXI) offenbar einen Quer- schnitt durch ein junges Thier dar und zwar durch die Stelle gelegt, wo die Eierstöcke münden. Die Stelle ist durch seine Angabe auf Fig. 3 genügend bestimmt. Dass es ein junges Thier ist, folgt sicher daraus, dass auf diesem Schnitte kein entwickeltes Ovarium zu sehen ist ; denn was er als solches bezeichnet, ist auch in diesem Falle unzweifelhaft der Fettkörper. Ich gebe nun in meiner Fig. 9 (Taf. IX) einen Schnitt durch diese Stelle von einem unreifen Weibchen, und Niemand wird, denke ich, die Übereinstimmung mit Fraisse's Fig. 2 verkennen. Was da nun in meiner Figur rechts mündet, ist ohne Zweifel der Eileiter, er ist durch sein Cylinderepithel genügend charakterisirt ; und links liegt ein zickzackförmiger Schlauch, der sicher das unreife Ovarium darstellt. Die Entoniscideu. • 165 Dieses mit seinen selir kleinen Zellen ist zwar von einem unreifen Hoden kaum zu unterscheiden ; aber ein an derselben Stelle durch ein reifes Thier gelegter Schnitt (Fig. 8) lässt keinen Zweifel übrig. Fraisse's zur Erläuterung dienende Fig. 16 und 17 geben zwar allem Anseheine nach das Aussehen eines sehr mittelmäßig erhaltenen Thieres wieder und sinddesshalb sehr unklar; doch glaube ich in Fig. 17 das Cylinder- epithel des Eileiters und in Fig. 16 die zickzackförmigen, von sehr kleinen Zellen erfüllten unreifen Ovarialschläuche wiedererkennen zu können. Die in Fig. 18 abgebildeten angeblichen Spermatozoen sind mir räthselhaft ; mögen sie aber sein , was sie wollen , Spermatozoen sehen sie nicht ähnlich und nie werden sie uns beweisen, dass wir es hier wirklich mit einem Hoden zu thun haben. GiARD theilt uns über das Ovarium so gut wie nichts mit ; er sagt nur p. 687, dass es vier seitliche Verlängerungen zeigt, zwei vordere und zwei hintere, die sich von oben nach unten gegen die Bauchseite des E. richten; und dann p. 691, dass er weiter oben die Beschreibung des Ovariums gegeben habe. Seine Fig. 7 entspricht übrigens offenbar der Fig. 2 Fraisse's und meiner Fig. 9 und seine »glandes collétériques« sind also wohl auch die unreifen Ovarien. Er sagt zwar, sie öffnen sich »unweit der Ovarialöffnungen«, in der Nähe der kleinen ventralen Vor- sprünge. Das Alles aber ist nicht sehr zuverlässig: er zeichnet im Quer- schnitte diese Mündungen wirklich ventral ; jene Vorsprünge aber, die er ventral nennt, sind ja, wie ich oben gezeigt habe, und wie ein Blick auf seine Figur in Erinnerung zurückrufen wird, dorsal. Hierin liegt also schon ein Widerspruch. Sodann ist es sehr merkwürdig, dass er die Ovarialöffnungen gesehen haben will und sie in keiner seiner Figuren andeutet. Auch bin ich im Zweifel, woran er sie gesehen hat. An dem erwachsenen Thiere in toto ? dort sind sie sehr schwer zu finden und wenn er da zwei kleine punktförmige Löcher statt eines gesehen hat, so können hundert Veranlassungen eines Irrthums obgewaltet haben. Oder auf einem Querschnitte ? wie ist es dann möglich, dass auf dem Querschnitte, auf dem seine »glandes collétériques« münden, von dem Ovarium, das unweit davon münden soll, nichts angedeutet ist, ja dass für dasselbe, vorausgesetzt, dass es sich um ein entwickeltes Ovarium handelt , zwischen Leber und Integument nicht einmal Platz bleibt? Dieser letztere Umstand eben spricht auch dafür, dass der von ihm abgebildete Schnitt durch ein Thier, wie er es in Fig. 4 und 5 darstellt, also durch ein unreifes, gelegt ist ; dann entspricht die Lage der »glan- des collétériques« ganz der des unreifen Ovariums, wozu noch kommt, dass eine »Eischalen-adrüse, die schon in früher Jugend gerade so 166 ' R- Kossmann mächtig ist, wie das zur Zeit noch unentwickelte Ovarium selber, höchst zweifelhaft erscheinen muss. Kurzum, ich glaube, dass auch Giaed's »glandes collétériques« mit dem Ovarium identisch sind, obwohl der geschätzte Forscher sogar schon darüber mit sich einig ist, dass sie »ohne Zweifel« die Eischale secerniren. Es bleibt mir noch übrig, über zwei angebliche Drüsen zu spre- chen, welche Feaisse in seinen Abbildungen mit D und A" bezeichnet und von denen er die eine »Hautdrüse«, die andere »Kittdrüse« nennt. Histologische Details giebt er in Zeichnung nicht wieder. Da er von der «Kittdrüse« sagt, sie bestehe aus einer großen Anzahl vielfach ge- wundener Schläuche, die alle mit ziemlich großen Epithelzellen aus- gekleidet sind, so wird sie wohl mit dem Organ identisch sein, das in meinen Figuren 1 und 2 auf der ventralen Seite angedeutet ist. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine an solcher Stelle gelagerte Drüse wirklich einen Klebstoff für die Eier absondere ; jede Analogie dafür in der Ordnung der Krebsthiere würde fehlen. Sie der Lage wegen für eine Speicheldrüse zu halten, wie dies Feaisse uns als andere Mög- lichkeit vorhält, ist ebenfalls nicht sehr zu empfehlen. Die von ihm angedeutete Analogie mit den Speicheldrüsen von Gyge und Jone (bei letzterer will Feaisse solche selbst gefunden haben) würde auch nicht vorhanden sein, da diese nur irrig für solche gehalten, in Wirklichkeit Theile des Fettkörpers sind. Ich halte diese vermeintliche Drüse nur für die im Querschnitte solchergestalt zum Ausdrucke kommende starke Faltung und Kräuselung der Brutblätter und das vermeintliche Drüsen- epithel für die äußere Epidermis derselben. Über die »Hautdrüse« giebt Feaisse weder eine Erklärung noch ir- gend einen Anhalt für eine solche. Ich habe sie gar nicht gefunden. Ich bin am Schlüsse meiner Darstellung von der inneren Organi- sation angelangt. Gern hätte ich über die Entwickelungsgeschichte noch etwas Erhebliches mitgetheilt. Aber was F. Müllee (1, p. 12) von Entoniscus sagt : »er häuft eine ganze Reihe auf einander folgender Brüten gleichzeitig um sich an, so dass man Stoff für die ganze Ent- wickelungsgeschichte den Brutblättern desselben Thieres entnehmen könnte«, ist entweder überhaupt, oder doch für die europäischen Ento- nisciden unzutreffend. Züchtungsversuche aller Art, die ich angestellt habe, sind mir aber durchaus missglückt, so dass ich keine Stadien in die Hände bekommen habe, die nicht auch meinen Vorgängern bereits vorgelegen hätten. Ich muss mich also auf ein paar Correcturen bezüg- lich der eben ausgeschlüpften Larve beschränken . Die Pleopoden der Die Entoüisciden. 167 Larve gleichen nicht den von Fraisse und Giard gegebenen Abbil- dungen, sondern auch bezüglich unserer Arten ganz und gar den von F.MÜLLER (l, Taf. II Fig. 11, 12) für E. porcellanae gegebenen. Die von Fraisse gezeichnete äußere Antenne ist unvollständig. Man ver- gleiche meine Figur 6 (Taf. Vili). — Gegenüber den Verschiedenheiten, die F. Müller zwischen den Embryonen von E porcellanae und E. can- crorum gefunden und in eine Tabelle gebracht hat, die dann von Giard (5, p. 697) für E. cavolinii vervollständigt wurde, habe ich ebenfalls Einiges zu bemerken. Ich glaube, dass es nicht specifische, sondern Altersunterschiede sind, die jedoch beide innerhalb des Wohn- thieres durchgemacht werden. Schon principiell sind so erhebliche Unterschiede an Embryonen so ähnlicher Thiere sehr auffällig und be- denklich , und es ist interessant , zu sehen , welche Anstrengungen Fraisse (4, p. 28 ff.) gemacht hat, um diese Angaben mit der Dar- wiN'scheu Theorie in Übereinstimmung zu bringen. Nun aber trifft es sich, dass Giard die Larven von E. Cavolinii sehr übereinstimmend mit denen von E. cancrorum und abweichend von denen des E. porcellanae findet, namentlich auch, was die Ausbil- dung des letzten Paares der Pereiopoden angeht ; dass dagegen Fraisse und ich die Larven der E. Cavolinii vielmehr der Beschreibung F. Müller's von den Larven des E. porcellanae entsprechend finden, und Fraisse geradezu fragt, »warum nicht auch die Larve von E. Ca- volinii eine solche Umwandlung des sechsten Fußpaares erlitten hat«, worauf er auch nur eine sehr hypothetische Antwort findet. Es scheinen also bei E. Cavolinii beide Larvenformen zu existiren. Vergegenwärtigen wir uns nun noch, dass bei der Larve des E. porcel- lanae das siebente Segment desPereions fehlt, bei derjenigen derjE". can- crorwm vorhanden ist; das für ältere Bopyridenlarven charakteristische Riechfadenbüschel bei jener fehlt (s. 1, Taf. II Fig. 4), bei dieser vor- handen ist (2, Taf. III Fig. 3); die Pleopoden bei jener minder, bei dieser reicher beborstet sind; endlich jene beträchtlich (der Rumpf mindestens um ein Viertel, die Gliedmaßen noch auffälliger) kleiner ist: so werden wir kaum im Zweifel sein, dass wir es mit verschiedenen Altersstufen zu thun haben, die noch im Wohnthiere durchgemacht werden. Und es erklärt sich so auch, dass die jüngeren, noch auf diesen Aufenthalt an- gewiesenen Larven, die Fraisse und ich gefunden haben, so viel we- niger lebensfähig waren, als die vonF. Müller und Giard gefundenen; unter normalen Verhältnissen würden sie ja erst nach nicht unerheblicher Weiterentwicklung den Wirth verlassen haben. Dies geschieht, wie ich mit Fraisse annehme, indem sie eben mit Hilfe der stärker ent- 168 K- Kossmann wickelten letzten Pereiopoden den Schlauch, in dem ihre Mutter steckt, aufreißen. Ich habe bei zahlreichen Versuchen, diesen Schlauch zu in- jiciren, nie die Flüssigkeit durch eine vorher existirende Öfifnung nach außen austreiben können. Es ist mir demnach auch nicht sehr wahr- scheinlich, dass dieser Schlauch eines der inneren Organe des Wohn- thieres sei, und ich neige mich demnach zu der Ansicht Fritz Müller's, dass er wirklich eine Einstülpung des Integuments sei, wobei ja die Einstülpungsöffnung verwachsen sein kann. Dass die Entonisciden einen Wirthswechsel vornehmen, wie Feaisse glaubt, ist mir nicht sehr wahrscheinlich. Erstens erscheint ein solcher nicht nothwendig, um das Thier an seineu definitiven Ort zu bringen; selbst wenn keine Einstülpung einträte, würden dieselben Organe, die der Larve aus dem geschlossenen Schlauche heraushelfen, sie doch auch wieder in ein neues Wohnthier hineinbefördern können. Zweitens aber erinnert die von F. Müller (2, Taf. II Fig. 3) abge- bildete Larve hinsichtlich des Stadiums ihrer Entwicklung vollständig an die von mir (Studien über Bopyriden, II, Taf. 34 Fig. 9 und 10) ab- gebildete Bopyridenlarve, wie sie sich thatsächlich auf dem definiti- ven Wohnthiere festsetzt. Diese hat nur noch einen kleinen Nebenast an den Pleopoden und den siebenten Pereiopoden ausgebildet, was wohl nicht an einem Zwischenwirthe, sondern während des freien Le- bens geschehen dürfte. Vielleicht wird es mir noch während meines hiesigen Aufenthaltes glücken, Larven in diesem späteren Stadium zu finden und diese Un- tersuchungen zu vervollständigen. Ich habe aber auf eine so unsichere Hoffnung hin die Veröffentlichung dessen, was ich bisher habe consta- tiren können, nicht länger aufschieben wollen. — Indem ich schließe, möchte ich nicht verfehlen, auf die werthvolle Erleichterung dankbar hinzuweisen, welche die Einrichtungen und das Personal der zoolo- gischen Station mir auch bei dieser Arbeit gewährt haben. Neapel, den 10. Juli 1881. Die Entonisciden. 169 Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4. Fig. 5. Fig. 6. Erklärung der Abbildungen, Tafel Vni. Entione 3Ioniezii Giard, reifes Weibchen von der Seite gesehen. Dieselbe Art, unreifes Weibchen, von der Seite. Kopf der letzteren von vorn. Entione Cavolinii, Männchen, von der Seite. Koijf desselben, vom Bauche gesehen. Larve, sofort nach dem Ausschlüpfen. Tafel IX. Fig. 1—8. Querschnitte durch E. Cavolinii, mittelst der Camera projicirt. Die verschiedenen Organe sind durch verschiedenartige Färbung gekenn- zeichnet. Darm: braun. Leber: grün. Fettkörper: blau. Nerven- system: gelb. Gefäße: roth. Eierstock: violett. Integument und interstitielles Bindegewebe: schraffirt. Die Gegend, durch welche die Schnitte gelegt sind, ist in dem Schema Fig. 10 durch die ent- sprechende Ziffer angedeutet. Fig. 9. Derselbe Schnitt, wie Fig. 8, durch ein unreifes Weibchen gelegt. Fig. 10. Schematische Seitenansicht von Kopf und Pereion der E. Cavolinii. Fig. 11. Mundgegend, a, b, c, d aufeinander folgende Schnitte durch den Schlund. Fig. 12. Leberepithel. Fig. 13. Verschlusswulst im Anfang des Mitteldarms. Fig. 14. Ovarialschlauch. Fig. 15. Verschiedene Zellgruppen aus dem Fettkörper. Fig. 16. Querschnitt durch den Eileiter (etwas schief) . Studien über Bopyriden. Von Prof. Dr. R. Kossmann in Heidelberg. III. Jone thoracica und Cepou portimi.^ Mit Tafel X und XI. Schon in früheren Publicationen über Bopyriden habe ich mehrfach von den eigenthümlichen Anhängen des Pleons und des Pereions dieser Thiere gesprochen, welche meist unter dem Namen der Abdomin al- resp. Thorakalkiemen bezeichnet werden. Speciell in Nr. I dieser Studien (Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 35 p. 657) verwies ich dabei auf eine ausführlichere zukünftige Darstellung. Diese soll den Hauptinhalt dieses Artikels bilden, wobei eine eingehendere Beschreibung der beiden im Titel genannten Formen zu Grunde gelegt ist. Die letztgenannte, Cepon portuni^ ist eine neue Art, der erste in europäischen Gewässern auf einem Brachyuren gefundene echte Bopyride ; Jone thoracica ist zwar eine altbekannte Form, doch bieten alle bisherigen Mittheilungen über dieselbe reichlich Anlass zu Berichtigungen und Vervollständigungen, und gerade sie zeichnet sich zudem durch starke Ausbildung der »Tho- rakalkiemen« aus. Über diese »Thorakalkiemen« war, wenigstens bis meine gegentheiligen Behauptungen erschienen, allgemein die An- schauung verbreitet, welche Milne Edwards (39, p. 280) vertritt. Nach dieser handelt es sich hier um Anhänge der Pereiopoden. Milne Edwards sagt, jeder Thorakalfuß habe zwei Anhänge; der eine der- selben ist das Brutblatt; »l'autre appendice a la forme d'une lanière membraneuse qui flotte sur Ics còtés du corps, et qui ressemble exacte- meut aux appendices respiratoires placés de la méme manière chez les 1 I und II sind im vierten Heft der Zeitschr. f. w. Zoologie, Bd. XXXV ver- öffentliclit worden. Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf den ebenda- selbst p. 654 aufgestellten Litteraturcatalog. Studien über Bopyriden. \ 7 \ ampbipodes.« Dieser Auffassung entsprechend zeichnet M. Edwards (39, 8) den Randeontour jedes Segmentes des Pereions als eine scharfe, ununterbrochene Linie, unter welcher die »Thorakalkiemen«, in punk- tirten Umrissen angedeutet, hervorkommen. Bei Anderen habe ich keinen Widerspruch gegen diese Auffassung gefunden ; Cornalia und Panceri (7) beispielsweise adoptiren dieselbe, indem sie die Subfamilie Joninae mit den Worten charakterisiren : »Pedes thoracis foeminae ap- pendices branchiales ad basim gereutes« ; und Spenge Bäte (2) nimmt in die Diagnose der Gattung Jone eine fast wörtliche Übersetzung der oben citirten Worte Milne Edwards' auf — freilich in einem gewissen Widerspruche mit sich selbst, da er schon auf der nächsten Seite, be- züglich der von ihm untersuchten Jo?ie cornuta^ sagt: »we saw nothing of the delicate narrow membranous appendages attached to the legs that Prof. Milne Edwards supposes to be branchiae, like those of the Amphipoda.« Schon in meinen «Zool. Ergebnissen« (22, p. 120) habe ich auf Grund einer Vergleichung der verwandten Gattungen die Kiemennatur dieser Anhänge geleugnet und sie für »Haftbeutel« angesehen. In- zwischen hat die Vergleichung jüngerer Individuen, wie ich schon im ersten Capitel dieser »Studien« kurz erwähnte, mir zur Evidenz ge- bracht, dass es auch nicht einmal Anhänge der Pereiopoden sind. Die jüngsten Weibchen der Jone thoracica^ welche ich gefunden habe (s. Taf. X Fig. 1), noch vor der Vereinigung mit einem Männ- chen, zeigen noch keine Spur jener »Thorakalkiemen«. Sie sind dem erwachsenen Männchen im höchsten Grade ähnlich und unterscheiden sich von ihm nur durch die verkalkte Endklaue des letzten Pleopoden- paares, die offenbar zur Befestigung an den Kiemen dient. Sonst hat es die siebengliedrigen äußeren Antennen, die cylindrischen Maxillarfüße, die einfachen cylindrischen Anhänge des Pleons, die wir beim Männ- chen finden und entbehrt jeder Spur von Brutblättern. Ganz, wie beim Männchen, überragt in jedem Segmente des Pereions der scharfe Seiteu- rand etwas die Insertion der Gliedmaße; die so entstehenden Epi- meren — ich gebrauche diesen Ausdruck unter der ausdrücklichen Ver- wahrung, als verstünde ich darunter einen Abschnitt der Gliedmaße selber — sind unter einander durchaus ähnliche, regelmäßig begrenzte Platten, die ohne irgend welche Unterbrechung in die Rückenschilder übergehen, nach außen aber in eine etwas rückwärts gerichtete Spitze endigen. Wenn das Weibchen soeben vom Männchen aufgefunden worden ist (Fig. 2), unterscheidet es sich nur mäßig von dem eben abgebildeten 172 R- Kossmann Stadium. Die vorderen fünf Paar Anhänge des Pleons, die wir bei jenem fanden, sind etwas länger und schlanker geworden; an ihrer Basis sprossen, in der Abbildung nicht sichtbar, ventrale Nebenäste, gegen die Mittellinie des Bauches gerichtet, hervor. Aber auch dorsal finden wir jedem Segmente entsprechend ein paar Anhänge, die als eine Wiederholung der Epimeren des Pereions erscheinen. Diese letz- teren unterscheiden sich von denen des jüngeren Stadiums nur darin, dass sie etwas größer, unregelmäßiger gestaltet und längs der Kante wie an der Spitze stumpfer geworden sind. In dem noch älteren Stadium, welches Figur 3 darstellt, sind eine Anzahl weiterer Umwandlungen vor sich gegangen. Diejenigen, welche die Anhänge des Pleons betreffen, werden wir noch genauer zu schil- dern haben ; außer ihnen ist zu erwähnen, dass die Brutblätter nahezu ausgewachsen sind, und dass die Maxillarfüße schon ihre blattartige Gestalt angenommen haben. Was aber die Epimeren anbetrifft, so sind dieselben wiederum sehr gewachsen und die vorderen sind durch leichte Einschnürungen ein wenig abgegliedert. Hervorzuheben ist, dass die Epimeren der Maxillarfüße, resp. des Kopfsegmentes ebenfalls sehr groß sind und sich nach vorn in eine den ganzen Vorderrand des Kopfes umziehende Lamelle fortsetzen. Um diese Zeit hat das Weibchen, das bisher, mit dem Bauche den Kiemen zugewendet, in der Kiemenhöhle umherkroch, meist sogar zwischen den Kiemenblättern , seine definitive Lage eingenommen : es kehrt den Kiemen den Kücken zu ; sein Pleon ist gegen das Vorderende der Kiemenhöhle gerichtet, der Mund schneidet die Kiemenhöhlendecke unfern deren hinteren Randes an. Das Thier füllt bereits annähernd die Kiemenhöhle aus. Sehr rasch erreicht nun unsere Jone, zugleich mit der Reifung der Eier, die sich in der immer intensiveren orangegelben Färbung der Ova- rien äußerlich zeigt, die definitive Gestalt (Fig. 4) . Außer den Ände- rungen am Pleon ist dabei das völlige Auswachsen der Brutblätter zu erwähnen, die bekanntlich bei Jone sich dachziegelartig über einander schlagen und die Bruthöhle völlig abschließen. Sie sind auf der Außen- fläche dicht mit verhältnismäßig langen, schuppichten Zotten besetzt. Man sollte wohl meinen, dass die sehr kräftigen Klauen der Jone zur Fixation genügen und deren Unterstützung durch Reibung unnöthig wäre. Ich erkläre mir dagegen die Function dieser Zotten so. Die Callianassa hat sehr biegsame und zwar willkürlich biegsame Kiemen- deckel. Da die Jone ausschließlich an diesen festgeklammert ist, so würde die Callianassa im Stande sein, durch Bewegung der Kiemen- Studien über Bopyriden. 173 deckel den Schmarotzer etwas von den Kiemen abzuheben. Sie würde dann mit dem letzten Thoralcalfuße in die Kiemenhöhle eindringen können (dies geschieht, wie ich mich überzeugt habe, wo kein Parasit vorhanden ist, häufig) und würde letzteren sehr belästigen, wo nicht gar tödten. Höchst wahrscheinlich verhindert der Schmerz, den die stachlicht-schuppigen Zotten der Brutblätter bei einer Biegung der Kiemendecke durch ihr Kratzen und Reißen verursachen, die Cal- lianassa an der Vornahme solcher Bewegungen. Dass bei Jone etwas den Haftpolstern von Cepon und Gigan- tio7ie Vergleichbares existire, habe ich früher (22) geleugnet. In der That fehlten solche bei den in meinem Besitze befindlichen Spiritus- exemplaren eben so vollkommen, wie in den Abbildungen Milne Ed- wards'. Das lag jedoch daran, dass meine Exemplare nicht völlig er- wachsen waren, sondern etwa dem in Fig. 3 abgebildeten, resp. wenig älteren Stadien entsprachen. In dem völlig erwachsenen Stadium da- gegen sind merkbare Spuren jener Haftpolster immerhin vorhanden, wenn auch nicht annähernd so entwickelt, wie bei Cepon und Gigan- tione. Ich komme darauf weiter unten zurück und wende mich zu- nächst wieder zu der Besprechung der Epimerallappen. Diese haben in den letzten Phasen des Wachsthums unserer Jone eine ungleiche "Weiterentwickelung erfahren. Der des Maxillarfußes ist relativ kaum gewachsen, eben so wenig die der letzten Segmente, bedeutend stärker aber die der vorderen Segmente des Pereions. Wenn gleich eine Aus- stattung mit Schuppen oder Stacheln, wie bei Gigan tione, nicht nach- weisbar ist, so ist doch andererseits auch keineswegs eine besondere Zarthäutigkeit vorhanden und niemals habe ich am lebenden Thiere in diesen Epimerallappen eine lebhaftere Blutcirculation wahrgenommen, als sie in anderen Körperanhängen vor sich geht und zur Unterhaltung des Stoffwechsels noth wendig ist. An eine specifische Kiemenfunction ist also, wie gesagt, nicht zu denken. Schon früher hatte ich desshalb (22) die Vermuthung ausgesprochen, dass diese Epimerallappen als Haftorgane dienen, und zwar indem sie sich zwischen die Kiemenblätter des Wohnthieres senken und den Schmarotzer so gleichsam vor Anker legen. Dies letztere war, wie ich mich am lebenden Thiere überzeugt habe, ein Irrthum ; die Lappen dienen in Wirklichkeit einem anderen Zwecke. Sie verstopfen nämlich, nachdem die Jone sich mit ihren Pereiopoden an dem Rande des Kiemendeckels festgeklammert hat, die Spalten, die zwischen je zwei auf einander folgenden Klauen in den Raum unter dem Kiemendeckel des Wirthes und über der Bauchfläche des Parasiten Zugang gewähren. Ohne jene Vorrichtung würde die 174 R- Kossmann Callianassa, welche die hinteren Pereiopoden thatsächlich zum Putzen der Kiemenhöhle verwendet, das Bein leicht zwischen den Parasiten und den Kiemendeckel zwängen und jenen losreißen können. Um ein Zurückschieben dieser Stopf lappen völlig unmöglich zu machen, packt das Thier dieselben mittelst der Klauen, gleichzeitig mit dem Rande des Kiemendeckels, und zwar bedient es sich vornehmlich eines der- selben, der besonders verlängert ist. Es ist dies regelmäßig der eine der beiden dem zweiten Segmente des Pereions angehörenden , und zwar natürlich derjenige, welcher auf der dem freien Kiemendeckel- rande zugekehrten Seite des Thieres liegt; d. h. bei Parasiten der linken Kiemenhöhle ist die linke, bei solchen der rechten Kiemenhöhle die rechte Epimere des zweiten Segmentes des Pereions besonders ver- längert. Die Verlängerung ist meist so stark, dass sie mit dem äußer- sten Ende bis ans Pleon reicht. Von einem Flottiren dieser Lappen im Wasser, wie solches Milne Edwaeds angiebt, habe ich bei hunderten lebender Thiere nie die geringste Spur gesehen, so lauge sie an ihrem Wirthe festsaßen. Vergleicht man nun mit den bisher erläuterten Abbildungen die- jenigen verschiedener Altersstufen der Gattung Cepoii, so wird man sich, namentlich aus den Figuren 4 und 5 (Taf. XI), welche Rückenan- sichten geben, überzeugen, dass hier die Epimeren noch in verhältnis- mäßig spätem Stadium (Fig. 4), wenn die Anhänge des Pleons schon reich gefiedert sind, nicht stärker als bei dem noch unbemannten Jone- weibchen oder beim eigenen Männchen entwickelt sind. Doch haben sie schon einen concaven Ausschliflf an der hinteren Fläche, der gleich- sam wie eine Gelenkpfanne, das Haftpolster des darauf folgen- den Segmentes aufnimmt. Dieses Haftpolster ist bei dem in Figur 4 abgebildeten Ce/>owweibchen schon stärker ausgebildet, als bei der er- wachsenen Jone] und ich glaube (vgl. Fig. 6 u. 7) nicht bezweifeln zu können, dass es nichts als das durch mächtige Musculatureutwicke- lung stark aufgeblähte Basalglied des Pereiopoden ist. Es entspricht demnach der sogenannten Epimere der Arthrostraken — doch halte ich es für durchaus ungeeignet, diese Bezeichnung hier oder anderwärts für ein Glied des Pereiopoden zu gebrauchen, und beschränke sie hin- fort durchaus auf die die Insertion der Gliedmaße überragenden seit- lichen Erweiterungen der Rückeuschilder. Wie ich das schon von einer anderen Cepon-kxi (22, Taf. XI Fig. 4, 5, 6) abgebildet habe, sind diese Coxalpolster mit einer stachlicht schuppichten Cuticula bedeckt; und dort, wie hier in Fig. 6, sieht mau, dass sich durch eine Einschnürung davon noch ein Nebenpolster, das mehr ventral liegt, abgliedern kann. Studien über Bopyriden. I75 Die rauhe Oberfläche der stark hervorrag-enden Coxalpolster muss jeden- falls dem Thiere bei seiner Fixation behilflich sein; ich kann mich kaum des Gedankens erwehren , dass vielleicht auch zwischen das Coxalpolster und die davorliegende Epimere, die die Kiemenhöhle des Wohnthieres auskleidende Haut zu besserer Fixation eingeklemmt wird. Bei dem erwachsenen Weibchen von Cepon (Fig. 5) beobachten wir keine weitere Zunahme der Coxalpolster, wohl aber eine sehr erheb- liche der Epimeren. Diese ist jedoch nicht in der Längsrichtung er- folgt, sondern stellt eine starke Verdickung, Anschwellung an. Die Untersuchung erweist, dass diese Anschwellung durch das Eintreten von Ausläufern des Eierstockes entsteht, also auf ganz andere Weise und mit ganz anderem Effect als bei Jone. Da bei dieser Ceponmi die Ova- rien eine prachtvolle, carminrothe Färbung haben, und da die Coxal- polster keine Spur derselben aufnehmen, so heben sich diese Polster in weißer Farbe sehr hübsch von den zwischen sie hineinragenden rothen Zipfeln ab. Ich gehe nun zu der Besprechung der sogenannten Abdominal- kiemen über, wobei ich mich zum Theil auch auf bereits früher Ge- sagtes beziehen kann. In dem zweiten Abschnitte dieser Studien (Zeitschr. f. wiss. Zool., Bd. 35, p. 666 u. fg.; habe ich bereits gezeigt, dass, wenigstens bei Bopy- rmaVirhii^ sobald das Weibchen seinen Wirth aufgesucht hat, die Gliede- rung des Pleous sammt allen Anhängen, außer dem letzten Pleopoden- paar, verschwindet; dass erst nachträglich wieder, und zwar nach einander von hinten nach vorn, neue Anhänge auftreten, welche als- dann bei Bopyrina aufs Neue eine Rückbildung erfahren, oder doch jedenfalls sehr bald nach ihrem Auftreten im Wachsthum gegen den übrigen Körper zurückbleiben. Während nun aber in solcher Weise bei Bopyrina^ (jryge u. a. das Pleon auch des erwachsenen Thieres nur höchst unbedeutende Spuren solcher Anhänge besitzt, sind, wie wir wissen, andere Gattungen, und unter ihnen ganz vorzugsweise Joiie und Cepon , gerade im erwachsenen Stadium durch den Besitz sehr zahlreicher und selbst stark verästelter Anhänge ausgezeichnet. Es ist mir leider trotz der größten Bemühungen nicht möglich ge- wesen, von diesen beiden Gattungen weibliche Jugendstadien aus der Zeit unmittelbar nach Aufsuchung des Wohnthieres zu finden. Doch ist es wohl sehr unwahrscheinlich, dass dieselben wesentlich von den für Bopyrina beschriebenen und abgebildeten Formen abweichen sollten. Ich nehme also an, dass ganz junge Weibchen von Jone und Cejìoìi ihre Pleopoden mit Ausnahme des letzten Paares zurückbilden , und dass 176 ß- Kossmann alsdann neue Anhänge in Form ungegliederter Beutel hervorsprießen. Hierfür spricht, abgesehen von der wahrscheinlichen Analogie mit Bo- pyrina^ SO gut wie absolut beweisend der Umstand, dass die junge männ- liche Joiie, unmittelbar nachdem sie das Weibchen aufgesucht hat, jeder Spur der fünf vorderen Pleopodenpaare entbehrt und nur das letzte Paar, auch dieses als ungegliederten Beutel, behalten hat (s. Taf. X Fig. 5) . Da nun bei Bopifrina das Weibchen ebenfalls dieses Stadium durchmacht, um erst später neue Anhänge zu erhalten, und da die männliche Jone thatsächlich in späteren Stadien fünf neue Paare Anhänge wieder ausge- bildet hat , so ist wohl unzweifelhaft , dass auch die in Taf. X Fig. 1 abgebildeten fünf vorderen Paare cylindrischer Anhänge des Weibchens Neubildungen sind. Dies Stadium war noch unbemannt und das jüngste, das ich gefunden habe; das letzte, persistirende Pleopodenpaar zeich- nete sich nicht nur durch bedeutende Größe aus, sondern seine Enden hatten sich auch bereits zu Haken umgebogen und deren Cuticula war theilweise verkalkt. Diese eigenthümliche Gestalt behält das letzte Pleopodenpaar von diesem jüngsten Stadium an unverändert während des ganzen Lebens bei. Das Männchen, das, wie gesagt, bald auch diese fünf Paar neuer Anhänge erhält, bildet diese Haken nicht aus; vielmehr wird das letzte Pleopodenpaar ein eben solcher cylindrischer Anhang, wie die vorhergehenden sind. Die von Milne Edwards und Spenge Bäte publicirten Abbildungen erläutern dies zur Genüge. Dass sich bei den Bopyriden das letzte Pleopodenpaar anders ver- hält, als die übrigen, ist von allgemeinerem Interesse. Man erinnere sich, dass bei Schizopoden- und Macrurenlarven, speciell bei der Zoea von Peneus das letzte Pleopodenpaar weit früher ausgebildet ist, als die vorhergehenden. Feitz Müller sah darin einen Grund, das hin- tere Leibesende der Crustaceen zusammen mit den Segmenten der An- tennen und der Mandibel als den, schon im Nauplius gegebenen »Urleib« aufzufassen, in dessen Mitte sich die Segmente des »Vorder-«, »Mittel-« und »Hinterleibes« nachträglich einschalten. Claus, in seinen »Unter- suchungen zur Erforschung der genealogischen Grundlage des Crusta- ceensystems« hat Müller's Anschauung zurückgewiesen und meint, dass die »vorzeitige Ausbildung« des letzten Pleopodenpaares bei einem Theile der Thoracostraken nur eine secundär erworbene Eigenthümlich- keit sei. Er stützt sich dabei hauptsächlich auf seine Beobachtung, dass bei Peneus die Anlage aller sechs Pleopodenpaare ungefähr gleich- zeitig erfolge (vgl. 1. c. Taf. II Fig. 2), die vorderen aber zunächst wieder »unterdrückt« werden, während das letzte rasch wächst und persistirt. Studien über Bopyrìden. I77 Wenn nun diese primäre Anlage der vorderen Pleopodenpaare bei der Protozoea des Peneus so geringfügig war, dass vielleicht ihrer Deu- tung Zweifel entgegengesetzt werden konnten, so sind solche gegen- über dem analogen Verhalten der Bopyriden nicht möglich. Denn hier hat die Larve wohlausgebildete, zweiästige, als Bewegungsorgaue functionirende Pleopoden, verliert die fünf vorderen Paare derselben vollständig und gelangt so erst in das Stadium, in welchem das Thier nur ein Pleopodenpaar besitzt und welches in so fern der jüngsten eigentlichen Zoea, etwa des Peneus (s. Claus, I. c. Taf. II Fig. 3), entspricht. Ob wir freilich berechtigt sind, aus dieser Ähnlichkeit im Ver- halten des Pleons auf die Homologie der in Rede stehenden Entwick- lungsstadien, der Bopyriden einerseits und des Peneus andererseits, zu schließen, bleibt durchaus fraglich. Würden wir dies aber thun wollen, so müssten wir folgern, dass die Pleopodenanlagen der Pro- tozoea des Peneus Überreste von ähnlichen Schwimmfüßen sind , wie die Isopodenlarve sie besitzt, dass also die Vorfahren des Peneus eine Entwicklung durchlaufen mussten, von der die heutige nur eine be- trächtliche Abkürzung darstellt. Speciell in dem Zoeastadium würde diese Abkürzung deutlich zu Tage treten, da das noch kaum entwickelte Pereion derselben eine ganz frühe, die Rückbildung der Pleo- poden eine weit spätere, die Augenstiele eine ganz späte Ent- wicklungsstufe charakterisiren würden. Wie man also sieht, würde uns die Hypothese einer Homologie dieser Rückbildungserscheinung am Pleon der Thorakostraken und der Bopyriden zu Ergebnissen führen, die mit der Auffassung der Zoea bei Claus in Einklang ständen. Jeden- falls würde, wenn das Pleon des eben sich festsetzenden Bopyriden dem Zoeapleon homolog ist, bewiesen sein, dass der Cephalothorax der Zoea mit seinen charakteristischen Eigenthümlichkeiten bei Isopoden nicht gefunden werden kann und alles Suchen danach unnütz ist. Natürlich macht der Umstand, dass die Bopyriden Parasiten sind, es wohl möglich, dass die Rückbildung der Schwimmfüße des Larven- pleons von ihnen erst neu erworben und demnach nicht mit der bei der Zoea stattfindenden homolog sei. Es spricht hiergegen aber doch wieder die Thatsache, dass an Stelle der Pleopoden ja secundäre Neubildungen wieder auftreten, sogar bei solchen Formen, wo sie später zum zweiten Male zurückgebildet werden. Diese Rückbildung der secundären Pleopoden oder der Pleo- podoiden, wie ich sie, um bezüglich ihrer Homologie nicht zu präjudi- ciren, nennen will, findet bei der männlichen Jone gar nicht statt; Mittheilunge n a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. III. 12 178 ^' Kossmann ja sie sind noch beim ältesten Männehen relativ so lang , als sie je gewesen sind. Beim Männchen von Gigantione bleiben sie wenigstens in mäßiger, wenn auch weit geringerer Größe, bestehen. Bei Cepon distortus scheint nach der Abbildimg (33, Taf. XI Fig. 26) das letzte Pleopodenpaar in sehr beträchtlicher Länge zu persistiren, falls hier nicht etwa zufällig ein sehr junges Männchen abgebildet wurde. Von Cepon typus und Cepon messoris sind die Männchen unbekannt ge- blieben ; Ce})on porfuni bildet im männlichen Geschlecht die secundären Anhänge nicht aus und das letzte Pleopodenpaar definitiv zurück (s. Taf. XI Fig. 1). Diese auffällige Verschiedenheit bei sonst so nah verwandten Formen warnt uns davor, diesen Anhängen eine mehr als accessorische Function zuzuschreiben. Wären sie in erster Linie Athem- organe, so würde es unbegreiflich sein, dass sie dem Parasiten in einem Gelasimus nöthig, in einem Portimus aber unnöthig seien. Dass dieses Bedenkendann auch auf die Beurtheilnng der weiblichen Formen einwirken muss, ist selbstverständlich. Übrigens kann ich nicht leug- nen, dass bei der männlichen Jone eine sehr lebhafte Blutcirculation in den Anhängen des Pleons stattfindet. Kehren wir zu den Weibchen zurück, so finden wir in dem jüngsten mir bekannt gewordenen Stadium von Cepton (s. Taf. XI Fig. 2), dem doch jedenfalls auch ein solches vorausgeht, wie es von Jone eben beschrieben wurde, einen Nebenast an den vorderen fünf Paar Anhängen des Pleons ausgebildet ; Haupt- und Nebenast sind noch unverästelf. Das zweitjüngste Stadium der weiblichen Jone (s. Taf. X Fig. 3), das soeben von dem vorher erwähnten Männchen aufgesucht worden ist, hat diesen zweiten Ast ebenfalls bereits ; doch krümmt derselbe sich gegen die Mittellinie des Bauches ein, so dass er vom Rücken aus nicht wahr- nehmbar ist ; er behält diese Lage zeitlebens bei. Außer ihm aber ist bei dieser Jone nun auch schon ein dritter Auswuchs, ganz dorsal, über jedem der vorigen entstanden, der mit den Epimeren des Pereions ver- glichen werden könnte. Dieses Epimeroid, wie wir es nennen wollen, bildet bereits kleine Ausbuchtungen, und im nächsten Stadium (s.Taf. X Fig. 3) sehen wir bereits, dass daraus Nebenästchen geworden sind. Im erwachsenen Stadium endlich (s. Taf. X Fig. 4) sind diese Nebenäste, die nur an der dem Kopfe abgewendeten Seite hervorsprossen, lang, lind zum Theil selbst wieder stark verästelt geworden. In Taf. X Fig. 9 stellt a dies Epimeroid dar, bis ins Detail mit der Camera ausgeführt. Diese Epimeroiden werden von einem sehr lebhaften Blutstrome durch- zogen. Die anderen beiden Anhänge, der älteste Pleopodoide [b] und sein später entstehender Nebenast [c] , bleiben bei Jone so gut wie un- Studien über Bopyriden. 179 verändert ; dieser bleibt einfach lanzettförmig gegen die Mittellinie des Bauches eingeschlagen, jener, flottirend, erlangt im spätesten Stadium ganz unscheinbare Protuberanzen. Starke Blutcirculation ist mir in ihnen nicht aufgefallen. An dem sechsten Pleopodenpaar mit den Haken entsteht weder ein Nebenast noch ein Epimeroid. Bei Ceponportunimm entsteht am Pleon kein Epimeroid, geschweige denn ein verästeltes. Dagegen bilden sich schon bald (s. Taf. XI Fig. 3) an dem Pleopodoiden, an seinem Nebenaste und an dem sechsten Pleo- podenpaar, das wie bei Jone einästig bleibt, aber der Haken entbehrt, kleine Protuberanzen aus, die bald (s. Taf. XI Fig. 4) in zweizeilig an- geordnete Nebenzweiglein auswachsen. Dabei schlägt sich der Neben- ast des Pleopodoiden nicht gegen den Bauch ein , sondern bleibt flottirend. Im erwachsenen Stadium ist die Verästelung sehr beträchtlich geworden, sonst aber kein Unterschied eingetreten. Eine sonderlich lebhafte Circulation in diesen Anhängen konnte ich nie finden, dagegen sind sie von Muskulatur durchzogen und äußerst contractu , weit mehr als bei Jone. Erinnert man sich nun der im ersten Abschnitte dieser Studien (Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 35) abgebildeten und beschriebenen Gigan- iione, die so überaus nahe Beziehungen zu Cepon hat, so erkennt man, dass bei jener Form, wie bei Jone, das Pleon Epimeroidlappen trägt, welche sich jedoch nur mäßig verlängern, und absolut nicht verästeln, nicht einmal Protuberanzen ausbilden. Die Pleopodoiden dagegen sind, mit Ausnahme des ersten Paares, an dem nur geringe Protuberanzen vor- handen sind, so dass es auch an die entsprechenden Anhänge der Jone erinnert, sehr stark verästelt und erinnern dadurch durchaus an Cepon. Doch besitzen sie eine starke, stachlicht-schuppige Cuticula und sind unter das Pleon gebogen. Wir finden also diese Pleopodoiden niemals in der Function als Kiemen, es sei denn bei der männlichen Jone. Bei Gigantione sind sie offenbar Haft Werkzeuge, an denen keine erhebliche Sauerstoffabsorp- tion stattfinden kann; bei Cepon sind sie vorzugsweise musculös, sehr retractil und demnach doch wohl in erster Linie Bewegungswerk- zeuge; bei /owe-Weibchen endlich entbehren sie fast bis auf die ge- ringste Spur einer Verästelung ; und bei allen diesen Gattungen (nur Giganiione hat nicht lebend untersucht werden können) fehlt der Nach- weis lebhafterer Blutcirculation in ihnen. E p i m e r o i d e n von erheb- licher Flächenausdehnung hat nur Jone , bei der sie einzeilig gefiedert sind; und in diesen circulirt in der That ein lebhafter Blutstrom. Will man darauf hin diese Epimeroiden des Pleons als Abdominalkiemen 12* 180 R. Kossmann bezeichnen , so mag- das berechtigt sein ; sie sind alsdann ein unter- scheidender Charakter dieser Gattung, da sie den übrigen fehlen. Eine solche Thatsache, der Besitz von Kiemen bei einer Gattung, deren nächste Verwandten derselben entbehren, mag sehr auffallend erscheinen. Nachdem aber in der Metamorphose des Thieres der Be- weis geliefert ist, dass alle diese Anhänge des Pleons (mit Ausnahme des letzten Paares) Neubildungen sind, ist eine starke Variabilität und Anpassungsfähigkeit derselben erklärlich. Und dass Jone unter beson- deren Verhältnissen lebt, die eine locale Verstärkung der Respiration wünschenswerth oder nothwendig machen, glaube ich beweisen zu können. Schon oben nämlich habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass Jone die Epimeren des Pereious gleichsam als Stopf läppen benutzt, um die Spalten zu verschließen, welche au ihren Seiten, zwischen den Pereiopoden, in den Raum führen, der unten von ihrer Bauchfläche resp. ihren Brutblättern, oben von dem Kiemendeckel des Wohnthieres be- grenzt wird. Durch die Absperrung dieses Raumes wird augenscheinlich die Wassercirculation in demselben sehr erschwert, und sie würde vielleicht so gut wie ganz fehlen, wenn nicht die Pleopodoiden des Schmarotzers durch ihre Bewegung den Wasserzufluss sehr verstärkten. Aber selbst so wird dieser wohl nur gerade dem Athembedürfnisse der Embryonen Genüge leisten; für das des Mutterthieres wird die Ab- sorptionsfähigkeit der ganzen Bauchfläche und der Brutblätter, die bei anderen Gattungen sicher sehr wichtig ist, so gut wie jede Bedeutung verloren haben. Aus diesem Grunde dürfte sich, in Correspondenz mit der Ausbildung der Stopf läppen, in dieser Gattung ein locales, außer deren Bereich liegendes Respirationsorgan in Gestalt der Epimeroid- lappen des Pleons entwickelt haben. Nach alledem stellt sich die Diagnose der Gattungen folgender- maßen : Jbwe, Latreille. Männchen mit sechs Paar langen, einfachen cylin- drischen Anhängen am Pleon, und mit stielförmigen, zweigliedrigen Maxillarfüßen. (s. I, Taf. 33 Fig. 16.) Weibchen mit langen Epimerallappen am Pereion und Kopf. Das letzte Pleopodenpaar einfach cylin- drisch, endigt in einen verkalkten stumpfen Haken: am Pleon ferner sechs Paar einzeilig gefiederte Epimeroi- den und sechs Paar zweiästige Pleopodoiden, deren in- nerer Ast einfach lanzettförmig gegen die Mittellinie des Bauches eingekrümmt ist, während der äußere, aus- Studien über Bopyriden. 1 gl wärts gestreckte cylindrisch bleibt und erst in spätem Alter geringe Protuberanzen ausbildet. Brutblätter voll- ständig. Coxalpolster unansehnlich. In beiden Geschlechtern sind die äußeren Antennen lang, im weiblichen sechs-, im männlichen sieben- gliedrig. Da Jotie cornuta ungenügend bekannt ist, fällt die Artdiagnose für Jone thoracica vorläufig noch mit der Gattungsdiagnose zusammen. Doch könnte man als Eigenschaften, die wahrscheinlich sich nicht bei allen Arten der Gattung wiederfinden werden, etwa noch folgende nennen. Die Brutblätter tragen auf der Außenfläche lange stachlichte Zotten (s. Fig. 7). Die Klammerfüße des Pereions sind beim Weibchen relativ eben so kräftig und haben eine eben so starke Klaue als beim Männchen (vgl. Fig. 6, 7, 8); ihre Wirkung wird durch schuppichte Protuberanzen [x^xj] am zweiten und dritten Gliede unterstützt. Die Fär- bung des Ovariums und damit des größten Theiles des ganzen Thieres ist orangegelb. Von mir ist /. thoracica ausschließlich auf Callianassa subterranea gefunden, niemals, wie es Fraisse nach seiner flüchtigen Bemerkung gelungen sein soll, auf Gehia. Ich zweifle auch, dass sie wirklich auf Gehia vorkommt , da ihre Eigenschaften diesem Wohnthiere wenig an- gepasst erscheinen. Cepon^ DuVERNOY. Männchen ohne Anhänge am Pleon oder nur mit dem letzten Paare derselben. Maxillarfüße rudimentär. Weibchen mit kurzen, durch die Ovarien aufgetrie- benen Epimeren und starken, sehr muskulösen Coxal- polstern. Pleopoden und Pleopodoiden zweizeilig ge- fiedert, jene einästig, diese zweiästig. Epimeroideu am Pleon fehlen. Brutblätter vollständig. Cepon portimi^ n. sp. Männchen mit anhangslosem Pleon und sehr kräftigen Pereiopoden (Fig. 1); innere Antennen drei-, äußere fünfgliedrig kurz. Weibchen (Fig. 5) deutlich asymmetrisch; die letzten drei Seg- mente des Pereions erheben sich in der Mittellinie des Rückens zu einer starken, spitzigen, hornartigen Protuberanz. Die Pereiopoden des er- wachsenen Weibchens sind relativ sehr klein, sehr viel kleiner als die des Männchens oder beispielsweise der Jone^ was ja auch dem Aufent- 1S2 R- Kossmann balte in der geschlossenen Kiemenhöhle eines Brachyuren entspricht ; dafür sind die ersten drei Glieder (incl. des Coxalpolsters) sehr dick und kräftig. Die beiden Gliedchen vor dem Handgliede sind auch hier, wie ich es vonC. messoris ("22, Taf. XI, Fig. 4, 5, 6) gezeichnet habe, un- deutlich getrennt. Das Handglied ist zwar klein, aber mit einer scharfen Klaue bewehrt. Innere Antennen drei-, äußere fünfgliedrig kurz. Die Farbe des Ovariums und damit des größten Theiles des Kör- pers überhaupt, ist prachtvoll carminroth. Lebt bei Neapel in der Kiemenhöhle des Portunus arcuatus. Ich verdanke das Thier dem nicht genug zu rühmenden Eifer des Beamten der Station, Salvatore Lo Bianco, welcher, obwohl bisher nie in euro- päischen Gewässern ein Bopyride in Krabben gefunden war, auf meine Anregung die Geduld hatte, c. 10 000 Brachyuren vergeblich zu öflFnen, ehe diese Geduld durch den Fund unseres ersten Exemplars belohnt wurde. Übrigens bewährte sich auch hier wieder meine Erfahrung, dass man hinsichtlich eines Bopyriden nie von Seltenheit oder Häufig- keit sprechen kann ; sie bilden immer locale Epidemien, und auch in diesem Falle folgte dem Funde des ersten Exemplars bald und mühelos derjenige zahlreicher anderer. Ich kann nicht unterlassen, nachdem ich nunmehr das Männchen einer Ceponart gefunden habe, wieder auf die Frage (s. 22, p. 122) zurückzukommen, ohCepon distortus nicht vielleicht doch, wie Cornalia und Panceri wollen, eine besondere Gattung 7ve2"^t/a jepräsentiren muss. Trotz der Ähnlichkeit der Weibchen und des Wohnortes darf man doch nicht vernachlässigen, dass das Männchen des C. distortus nach Leidy (33, tab. XI fig. 27) sehr lange achtgliedrige, das des C. portuni ganz kurze fünfgliedrige äußere Antennen hat, und dass jenes am letzten Segmente des Pleons sehr lange cylindrische Pleopoden trägt, während dieses derselben völlig entbehrt. Neapel, den 10. Juli 1881. Studien über Bopyriden. 183 Erklärung der Abbildungen. Tafel X. Jone thoracica, L A T R. Fig. 1. Noch unbemanntes Stadium des Weibchens, vom Bauche. Fig. 2. Eben bemanntes Stadium des Weibchens vom Rücken. Fig. 3. Etwas älteres Stadium des Weibchens, vom Rücken. Fig. 4. Erwachsenes Weibchen vom Rücken. Fig. 5. Eben festgesetztes Männchen, vom Bauche. Fig. 6. Pereiopode des Männchens. Fig. 7. Pereiopode nebst Epimerallappen und einem Stück des Brutblattes vom Weibchen. Fig. 8. Letzte Glieder des weiblichen Pereiopoden, stärker vergrößert, von der anderen Seite. Fig. 9. Eine Gruppe von Anhängen des Pleons, von der rechten Seite , vom Bauche gesehen, a EpimeroTd, h äußerer, c innerer Ast des Pleo- podoiden. Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. Fig. 4. Fig. 5. Fig. 6. Fig. 7. Tafel XI. Cepon portuni , n. sp. Männchen vom Bauche. Jüngstes beobachtetes Stadium des Weibchens, vom Bauche. Etwas älteres Stadium des Weibchens vom Bauche. Noch älteres Ì „r .u i -o- i „ , } Weibchen vom Rucken. Erwachsenes j Pereiopode mit Brutblatt des Weibchens. Derselbe ohne Brutblatt stärker vergr. Methode zur Anfertigung von Serien -Präparaten. Von Dr. Wilh. Giesbrecht. Folgende Methode zur Herstellung von Serien-Präparaten, obwohl in möglichst knapper Fassung bereits an den »Zoologischen Anzeiger« zur Veröffentlichung eingeschickt, möge auch hier in den Mittheilungen der Station eine Stelle finden, da sie in der Station entstanden ist und zwar auf der Basis der hier gebräuchlichen Methoden. Es war hier Sitte, die Schnittreihen, wie Paul Mayer das in diesen Mittheilungen Bd. II Heft 1 beschreibt, mit ihrem Paraffin an den Object- träger anzuschmelzen und sie dann von dem Paraffin durch Auspinseln mit Terpentinöl oder dadurch zu befreien, dass man unter dem Deckglase Nelkenöl an ihnen vorbeifließen ließ. Diese beiden Methoden ergaben oft gute Resultate, aber der Erfolg war nicht sicher und die Hand- habung erforderte viel Mühe und Aufmerksamkeit. — Statt lediglich durch das später aufzulösende Paraffin waren die Schnitte an dem Ob- jectträger vielmehr durch einen Stoff zu fixiren, der sie auch noch wäh- rend der Auflösung des Paraffins in situ festhielt ; dieser Stoff durfte daher im Lösungsmittel des Paraffins nicht löslich sein und musste, da er in das Präparat aufzunehmen war, durchsichtig und von harziger Beschaffenheit sein. Diese Eigenschaften besitzt nun der Schellack, und es war daher nur nöthig, den Objectträger mit einem Schellack- überzug zu versehen und durch den Schellack die Schnitte anzuschmel- zen. Die Schmelztemperatur des Schellacks dürfte aber von vielen thierischen Geweben, so wie von Farbstoffen wohl kaum ertragen wer- den. Es handelte sich also darum, diese Temperatur herabzusetzen und das gelang mir auch, indem ich zu der Schellacklösung etwas Nelkenöl ^ zusetzte. Bald aber erwies es sich praktischer, das Nelkenöl ' Bei dem statt des Nelkenöles zuerst vorgeschlagenen Kreosot zeigten sich neben dessen Vorzügen beim Gebrauche auch einige unangenehme Eigenthiimlich- Methode zur Anfertigung von Serien-Präparaten. 185 nicht der Lösung direct beizumischen, sondern es zwischen den Schel- lacküberzug und die Schnitte zu bringen. Nelkenöl nämlich löst bei nicht allzu niedriger Temperatur sowohl Paraffin wie Schellack und verdampft sehr leicht bei schwacher Erwärmung. Bringt man daher das Nelkenöl zwischen Schellack und Schnitte, so löst es den Schellack an der Oberseite und das Paraffin der Schnitte an der Unterseite, so dass der Schellack von unten her ein wenig in die Schnitte eindringt und sie nach dem Verdampfen des Nelkenöles dann dauernd festzuhalten im Stande ist. Es wäre demnach folgendermaßen zu verfahren : Man versieht sich mit einem Vorrath von Objectträgern, deren eine Seite in passen- der Ausdehnung mit Schellack überzogen ist. Man wird dabei natür- lich möglichst hellen Schellack verwenden; am besten den weißen (gebleichten), von dem es außer (in Ale. abs.) unlöslichen Sorten, mit denen ich zufällig zuerst ausschließlich experimentirt hatte (Zoolog. Anz. 1881 Nr. 92), auch lösliche giebt. Den Überzug, der ganz dünn und vor Allem vollkommen gleichmäßig sein muss, stellt man sehr leicht her, indem man einen Glasstab in eine gut filtrirte Lösung von Schellack in absolutem Alkohol taucht, denselben der Länge nach an den vorher schwach erwärmten Objectträger anlegt und ihn dann einmal über die Fläche des Object- trägers hinführt. — Vor dem Gebrauche bepinselt man den Überzug mit so viel Nelkenöl,' als eben hinreicht, um die zu belegende Fläche des Schellacküberzuges schwach anzufeuchten; man verstreicht das Nelkenöl nach ganz gelindem Anwärmen des Objectträgers so lange, bis es nicht mehr die Neigung zeigt zusammenzurinnen, sondern überall gleichmäßig den Schellack bedeckt. Da werden dann die Schnitte, wie sie vom Messer kommen — es wird vorausgesetzt, dass man trocken schneidet — hinaufgelegt. Man kann beim Schneiden recht lange Zeit verweilen , ohne fürchten zu müssen , dass das Nelkenöl unterdessen verdampfen und so seine Aufgabe, die Schmelztemperatur des Schel- lacks zu erniedrigen, nicht erfüllen werde. — Der Objectträger mit den Schnitten wird nun auf ein vorher zur nöthigen Temperatur erwärmtes Wasserbad gelegt. Man hat hier für diesen Zweck kleine, parallelopi- pedische Blechkästen angefertigt, von ca. 200 ccm Inhalt, die handliche keiten, die seinen Ersatz durch eine andere Flüssigkeit wünschenswerth machten ; wandte ich nämlich zu wenig davon an, so verdampfte ein zu großer Theil davon während der Anfertigung einer größeren Zahl von Schnitten, und trug ich etwas mehr auf, so lief es zu leicht in Tröpfchen zusammen, an deren Stelle später oft störende braune Flecke auftraten. 186 Wilh. Giesbrecht, Methode zur Anfertigung von Serien-Präparaten. und rasch zu erwärmende Wasserbäder abgeben. Wenn das Thermo- meter 550 C. zeigt, so entfernt man die Flamme und legt den Object- träger hinauf. Man kann die Temperatur um einige wenige Grade er- höhen oder erniedrigen, je nachdem das Schneiden etwas längere oder kürzere Zeit gedauert hat. Bei dem Gebrauche der beschriebenen kleinen Wasserbäder lasse man den Objectträger etwa so lange auf dem Wasserbade liegen, bis sich dasselbe um ca. 1 ** abgekühlt hat : sonst wird man sicher gehen, so lange zu warten, bis der Geruch nach Nelkenöl verschwunden ist. — Nachdem man völlig hat erkalten lassen und den im Kreise um die Schnitte herum gewöhnlich etwas stärker angesammelten Schellack abgekratzt hat, übergießt man die Schnitte ohne irgend welche Vorsichtsmaßregeln mit Terpentinöl , in dem der Schellack unlöslich ist. Das Terpentinöl löst das angeschmolzene Paraffin der Schnitte schnell völlig auf, ohne dass die Schnitte irgendwie ihre Lage ändern. Den Tropfen Canadabalsam bringe ich zuerst auf das Deckglas; auch dann bleiben die Schnitte in Ordnung, selbst wenn man gleich nach dem Auflegen des Deckglases dasselbe zur Entfernung etwaiger Luftblasen etwas andrückt. Die beschriebene Methode ist in der Station seit etwa zwei Monaten im Gebrauch und erfreut sich des Beifalls aller der Herren Zoologen, die sie zu prüfen die Güte gehabt haben. Neapel, den 4. September 1881. -. i 1 Der Bau von Gunda segmentata und die Verwandt- schaft der Plathelminthen mit Coelenteraten und Hirudineen. Von Dr. Aruold Lang. Mit Tafel XII— XIV. Vorbemerkung. Vor anderthalb Jahren brachte Herr Prof. Mecznikov bei seiner Rückkehr von Messina nach Neapel eine kleine Meeresplanarie mit, an der er mir das Wassergefäßsystem demonstrirte. Ich hatte nämlich in meiner Abhandlung über das Nervensystem der marinen Dendrocoelen ihm und Andern gegenüber die Vermuthung ausgesprochen, dass allen Dendro- coelen ein Wassergefäßsystem fehle. Für die marinen Dendrocoelen war mir das Fehlen dieses Organsystems durch eigene Unter- suchungen zur Gewissheit geworden. Die Süßwasser- und Landpla- narien hingegen waren mir damals noch durch keine eigenen Studien genauer bekannt. Sobald ich mich mit diesen Formen näher beschäf- tigte, erkannte ich die Unrichtigkeit meiner Vermuthung: Die Süß- wasser- und Landplanarien haben in der That ein Wassergefäßsystem. Ich war nun begreiflicherweise sehr gespannt darauf, bei einer Meeresplanarie diese Orgaue ebenfalls zu sehen und zu constatiren, wie es gekommen, dass sie mir bei meinen jahrelangen Untersuchungen einer großen Anzahl von Arten vieler Gattungen von marinen Dendro- coelen vollständig entgangen waren. Zu meiner nicht geringen Über- raschung konnte mir Prof. Mecznikov bei der aus Messina mitgebrachten Meeresplanarie in der That sofort und mit großer Leichtigkeit die wolbekannten Wassergefäß canale und schwingenden Lappen der Pla- thelminthen vordemonstriren. Mein Schrecken dauerte aber nicht lange. 188 Arnold Lang Bei der Untersuchung der anderen Organe der Messinenser-Planarie zeigte es sich nämlich bald, dass ich es allerdings mit einer Meeres- planarie, aber mit einer solchen zu thun hatte, die sich eng an die Süßwasser- und Landplanarien anschließt, mit einem Worte, zu den durch 0. Schmidt bekannt gewordenen marinen monogonoporen Den- drocoelen gehört. Meine positive Behauptung, dass den Meerespla- narien, womit ich nur die digonoporen Dendrocoelen gemeint hatte, kein Wassergefäßsystem haben, war also durch nichts erschüttert. Ich halte nach wie vor an ihr fest. Alle monogonoporen Dendrocoelen hingegen besitzen ein Wassergefäßsystem. — Das hat sich überhaupt mit Sicher- heit herausgestellt, dass die sogenannten Dendrocoelen keine homogene Gruppe sind, sondern dass sie in zwei deutlich gesonderte ganz natür- liche Abtheilungen zerfallen, die man bis jetzt als monogonopore und digonopore Dendrocoelen bezeichnete, ohne indessen auf die durchgehen- den und charakteristischen Verschiedenheiten der Organisation in beiden Abtheilungen besonderes Gewicht zu legen. Monogonopore und di- gonopore Dendrocoelen unterscheiden sich aber in allen Organen ihres Körpers derart, dass ich sie viel weiter aus einander rücken muss, als man es bis jetzt gethan hat, so dass ich sogar die Ordnung der Turbellarien ganz auflöse und die drei Abtheilungen derselben, die Rhabdocoelen , die monogonoporen und die digonoporen Dendro- coelen als den Trematoden, Cestoden und Nemertinen gleichwerthige Ordnungen der Plathelminthenclasse einführe. Zugleich mache ich einen Vorschlag zur Änderung der entsetzlichen Nomenclatur dieser Gruppen, welche die Discussion sehr erschwert und mich z. B. nöthigen würde, die Messinenserplanarie als eine »marine, monogonopore, dendrocoele Turbellarie« zu bezeichnen. Für die »digono- poren, dendrocoelen Turbellarien« schlage ich den Namen »Polycladen« vor, für die «monogonoporen dendrocoelen Turbellarien« den Namen »Tricladen«. Die alte Ordnung der Turbellarien würde also zerfallen in die drei neuen Ordnungen der Polycladen, Tricladen und Rhabdocoelen. In der vorliegenden Abhandlung werde ich zunächst eine genaue Darstellung der Organisation des von Prof. Mecznikov aufgefundenen marinen Tricladen von Messina geben und sodann die Verwandtschafts- beziehungen der Polycladen und Tricladen mit radiär gebauten Thieren auf der einen und mit höheren segmentirten Bilaterien auf der anderen Seite beleuchten. Vielen Naturforschern bin ich, sei es für Beschaffung des Materials für die vorliegende Untersuchung, sei es für bereitwillig ertheilte wissen- Der Bau von Gunda segmentata etc. 189 schaftliche Belehrung zu großem Danke verpflichtet, so besonders den Herren Prof. Mecznikov, E. Van Beneden, Kleinenberg, Dr. Chun und meinen Collegen Dr. Eisig und Dr. Mayer. I. Theil. Der Bau von Guucla segmentata n. sp. A. Speciesbeschreibung. Gunda segmentata ist eine kleine schlanke Planarie, die im ge- schlechtsreifeu und im ausgestreckten Zustande bis 6 mm lang und 1/2 — V4 ^^ max. breit wird. Sie ist, aus der Ruhe aufgestört, ein sehr bewegliches Thierchen. Ich kenne keine andere Planarie, die so rasch kriecht wie sie. Das Vordereude des Körpers erhebt sie häufig beim Kriechen , gleichsam als ob sie damit etwas ergreifen , betasten oder eine neue Anheftungsstelle finden wollte. Diese Tastbewegungen sind sehr rasch, ähnlich wie bei Deudrocoelum lacteum. Wie alle Poly- claden und Tricladen, so vermag auch Gunda segmentata an der Ober- fläche des Wassers, den Rücken nach unten gerichtet, hinzugleiten. Mag das Thier rasch auf fester Unterlage kriechen, oder ruhig in con- trahirtem Zustande einem Steine oder der Glaswand aufsitzen, immer fällt die Schwierigkeit auf, mit der man es von der Unterlage loslöst. Der Strom von Wasser, den man in eine unter Wasser getauchte Glas- röhre hineinströmen lässt, genügt selten, das Thierchen mitzureißen, das, wenn es kriecht, bei dieser Gelegenheit plötzlich anhält und an die Unterlage sich anheftet. Diese Fähigkeit, sich selbst an ganz glatte Flächen anzuheften, welche Gunda segmentata mit verschiedenen an- deren mit ihr zusammenlebenden Thieren theilt, verdankt sie eigen- thümlich gestalteten Epithelzellen, besonderen Klebzellen, von denen ich später sprechen werde. Gunda segmentata ist, wie gesagt, eine ziemlich schlanke Planarie. Ihr Körper ist in seiner ganzen Länge überall ungefähr gleich breit. Hinten endet er nicht sehr zugespitzt. Das vordere Körperende erinnert auch in der Form an Deudrocoelum lacteum. Rechts und links ist näm- lich der Körperrand am Kopfe etwas eingebuchtet; vorn endet er breit und stumpf, so dass der Körperrand von beiden Seiten her, wenn nicht in einer geraden Linie, so doch in sehr stumpfem Winkel in der Medianlinie zusammenstößt. Durch die seitlichen Einbuchtungen er- scheint das vorderste Körperende etwas abgesetzt, oder, anders ausge- 190 Arnold Lang drückt, es entstehen dadurch zwei undeutliche seitliche Kopfzipfel, die ganz besonders als Tastorgane fungiren. Bei dieser Körpergestalt ist jedoch das Aussehen der verschiedenen Thiere je nach dem Alter, der Ausbildung der Geschlechtsorgane, je nach der durch Ernäbrungsverhältnisse bedingten Färbung des Darm- canals und je nach der Farbe der Unterlage, auf der die Thiere herum- kriechen, recht verschieden. Betrachten wir zunächst eine jüngere, noch nicht geschlechtsreife Gunda segmentata auf schwarzem Grunde bei schwacher Loupenver- größerung, so erscheint das Thier weißlich. Der vorderste Körpertheil, der ganze Körperrand, eine langgezogene Stelle hinter der Körpermitte in der Medianlinie sind indess dunkler, weil hier die Abwesenheit oder spärliche Entwickelung undurchsichtiger Organe das Durchschimmern des schwarzen Grundes gestattet. In der medianen dunklen Stelle liegt selbst wieder ein weißer Streifen, der durchschimmernde Rüssel. Auch der dunkle Kopfabschnitt wird von einem undeutlichen weißen medianen Streifen, der sich am vordersten Ende verbreitert, so durchzogen, dass er unmittelbar hinter der vorderen Kopfeinschnürung die innere Be- grenzung von zwei birnförmigen, dunklen Stellen bildet, deren Stiele nach hinten gerichtet sind. Diese dunklen Stellen entsprechen dem Ge- hirn und den Anfangsstellen der Seitennerven. Der mediane weißliche Streifen wird durch den wenig durchsichtigen medianen vorderen Darm- ast mit seinen Nebenästen verursacht. Am seitlichen und vorderen Rande der zwei dunklen birnförmigen Stellen liegt jederseits ein kleiner, schwarzer Fleck, das Auge. Die beiden Augen sind von der Median- linie ungefähr eben so weit entfernt, wie vom seitlichen Körperrand. Ihr Abstand von dem tiefsten Punkte der seitlichen Kopfeinschnürungen ist ungefähr so groß, wie der dieser letzteren vom vordersten Körper- ende. — Die Region des Körpers , die bei den meisten Thieren auf schwarzer Unterlage weißlich hervortritt, ist bei anderen Exemplaren mehr oder weniger gelb, röthlich, braun gefärbt, was von der Farbe gewisser Körperchen abhängt, die ins Plasma der Darmzellen einge- schlossen sind. Bei geschlechtsreifen Thieren (Taf. XII Fig. 4) ist das Aussehen des Körpers auf schwarzer Unterlage ein etwas verän- dertes. Zu beiden Seiten des Körpers sieht man hier je eine einfache Längsreihe von kleinen, rundlichen, dunkeln Stellen, die von der Me- dianlinie weiter entfernt sind, als vom Körperrand, besonders in der Gegend des Rüssels. Diebeiden Reihen dieser Stellen, die mit Ausnahme von zweien den durchsichtigen Hoden entsprechen, erstrecken sich von kurz hinter dem Gehirn bis an das hinterste Körperende, wo sie mehr Der Bau von Gunda segmentata etc. 191 gegen die Medianlinie zu rücken. Die vordersten zwei dunkleren Stellen liegen ebenfall? bedeutend näher der Medianlinie , als die folgenden. Sie entsprechen den Eierstöcken. Die Hoden sind in jeder Längsreihe beinahe immer sehr regelmäßig und in gleichen Abständen angeordnet; jederseits sind deren 24 — 25 vorhanden. In seltenen Fällen beobachtet man Unregelmäßigkeiten, so dass z. B. zwei ganz nahe bei einander liegen. In diesem Falle sind sie meist etwas aus der Reihe gerückt, beinahe immer nach außen, seltener nach innen. Hinter dem Rüssel erscheint bei geschlechtsreifen Thieren eine weitere in der Mittellinie liegende, längliche und dunkle Stelle, inner- halb deren man die weißlich durchschimmernden männlichen und weib- lichen Geschlechtswerkzeuge erkennt. Bis jetzt haben wir Gunda segmentata so betrachtet , wie sie aussieht, wenn man sie auf schwarzer Unterlage betrachtet. Auf weißem Grunde kriechend, bietet sie ein wesentlich anderes Bild. Was auf schwarzem Grunde weiß aussah, erscheint allerdings auch so meist weiß, bisweilen aber auch gelblich, bräunlich u. s. w. Konnte man schon auf schwarzer Unterlage eine Färbung erkennen, so tritt diese auf weißer viel deutlicher hervor. Nun aber kommt die Ver- schiedenheit. Alles das, was auf schwarzem Grunde dunkel aussah, erscheint auf weißem Grunde auch weiß , denn wir haben es hier mit Stellen zu thun. die durchsichtiger sind, mit Stellen wo weder Darmäste noch Dotterstöcke liegen. Wenn der Darm nicht gefärbt ist, so haben wir in diesem Falle ein ganz weißes Thierchen vor uns , das sich von der Unterlage oft nur sehr schwer unterscheiden lässt. Scharf und deutlich treten dann nur die zwei Augen hervor. Wieder andere Bilder bieten sich unseren Augen dar, wenn wir verschiedenartige Exemplare von Gunda segmentata unter schwacher Vergrößerung bei durchfallendem Lichte betrachten . Bei j ungen Thieren heben sich dann die Darmäste Taf. XII Fig. 5) mit ihren Seiten- zweigen vermöge der Undurchsichtigkeit der Darmzellen schwarz vom Rest des Körpers ab , der im Übrigen das gleiche Aussehen wie auf weißer Unterlage darbietet. Bei geschlechtsreifen Thieren hingegen er- scheint der ganze Körper mit Ausnahme des vordersten Theils, wo das Gehirn liegt, schwarz, undurchsichtig und es ist unmöglich die Darm- äste genau zu unterscheiden. Auch die Hoden treten nicht mehr deutlich hervor, denn die stark entwickelten, undurchsichtigen Dotterstöcke verdecken Alles. Sämmtliche Exemplare der Gunda segmentata, die ich untersucht habe, kommen von Messina, wo sie im groben, steinigen Sand des 192 Arnold Lang Meeresstrandes in der Nähe des Castello in großer Anzahl gefunden werden. Die von mir untersuchte Art steht, wie aus dieser Speciesbeschrei- bung und aus der anatomischen Darstellung hervorgeht, der von Oscar Schmidt (42) beschriebenen Gunda lobata n. gen. n. sp. sehr nahe, eben so nahe verwandt ist sie indessen mit der von demselben Forscher aufgefundenen Haga plebeia, nov. gen. nov. spec. Es ist kein Grund vorhanden, sie eher dem einen als dem anderen Genus einzuverleiben. Im Hinblick auf diesen Umstand und auf die geringen Unterschiede zwischen Gunda und Haga, die meines Erachtens für eine generische Trennung nicht ausreichen, sehe ich mich veranlasst, die beiden Gat- tungen in eine zu verschmelzen, nämlich in die von 0. Schmidt (42) zuerst angeführte: Gunda. Der von Mecznikov aufgefundenen und von mir hier beschriebenen neuen Art gebe ich im Hinblick auf die bei ihr constatirte Segmentation, die übrigens zweifellos auch den anderen Arten zukommt, den specifischen Namen : segmentata. Die Gattung Gunda enthält demnach nunmehr drei Arten : Gunda lobata 0. Schm., Gunda plebeia Lang = Haga plebeia 0. Schm. und Gunda segmentata Lang. B. Das KörperepitheL Das Körperepithel (Taf. XIV Fig. 57) bietet wenig Eigenthüm- liches. Die flimmernden Epithelzellen sind klein, polygonal und sitzen einer zarten Basalmembran auf. Sie sind durchweg mit sehr kleinen Stäbchen angefüllt, welche die gewöhnliche charakteristische Form und die bekannten Eigenschaften darbieten. Unter den Stäbchen liegt der Kern der Epithelzellen. Außer diesen Stäbchenzellen kommen noch andere Zellen im Epithel vor, deren sich das Thier zweifellos zum An- heften an fremde Gegenstände bedient. Ähnliche Zellen hat schon Claparède (6) bei Planaria dioica beschrieben. Bei Gunda segmentata bilden diese »Klebzellen« (Taf. XII Fig. 10) an der Bauchseite des Köi^pers und beinahe dicht am Rande eine Zone, welche den Körper rings umsäumt (Taf. XII Fig. 9) . Am vordersten Körperende ist diese Zone viel breiter als im übrigen Körper, sie erstreckt sich indess nicht bis in die vorderen und seitlichen als Tentakel fungirenden Ecken des Körpers, sondern endet vorn stumpf bogenförmig. Die Klebzellen ent- behren der Stäbchen und des Flimmerepithels, sie ragen bedeutend über die übrigen Epithelzellen hinaus und haben an ihrer freien Seite Der Bau von Gunda segmentata etc. 193 eine rauhe, beinahe papillose Oberfläche. Im Bereiche dieser Zellen münden bei Gunda eine große Anzahl von einzelligen Hautdrüsen nach außen. Sie stimmen völlig mit den von Moseley (39) bei Landplanarien beschriebenen überein. Die Zellenleiber der Drüsen, deren Ausführungs- gänge hauptsächlich an der vordersten Körperspitze in großer Anzahl vereinigt nach außen münden (Taf. XIII Fig. 34) , findet man überall im Körper der Gunda zwischen den übrigen Organen. Das Plasma dieser Drüsenzellen, die mit denjenigen der Eiweißdrüsen in ihrer Form und ihrem Verhalten zu Färbmitteln auffallend übereinstimmen, wird ent- weder sehr stark gefärbt oder bleibt blass, wol je nachdem das Secret eben entleert ist oder nicht (Taf. XIV Fig. 42 hd] . Ein ähnliches Ver- halten habe ich ja auch bei den Speicheldrüsen der Cestoden con- statiren können. C. Die Körper miisculatur. Die Verhältnisse der Körpermusculatur der Land- und Süßwasser- tricladen sind durch Moseley (39) und Kennel (27) genau bekannt ge- worden. Bei Süßwassertricladen z. B. erkennt man unmittelbar unter der Haut zunächst je eine Schicht von sehr zarten Quer- und Längsfasern (Taf. XIV Fig. 58), die auf Querschnitten (Fig. 62) kaum aufzufinden sind. Dann folgt ein System von schräg verlaufenden, sich kreuzenden kräftigen Muskelfasern in lockerer Anordnung. Zu innerst liegt eine relativ kräftige Längsfaserschicht. Dazu kommt dann noch ein System von verästelten , dorsoventralen Muskelfasern (Taf. XIII Fig. 36) , die zwischen den Darmästen vom Bauch zum Rücken aufsteigen. Einfacher ist das Verhalten der Körpermusculatur bei Gunda segmentata. Die ver- schiedenen Muskelschichten der Land- und Süßwassertricladen sind hier auf zwei einzige reducirt. die aber dafür relativ kräftiger entwickelt sind. Unter der Basalmembran des Epithels liegt zunächst eine Schicht von querverlaufenden Muskelfasern (Taf. XIV Fig. 59) . Diese sind zart und verlaufen dicht gedrängt parallel zu einander, aber isolirt. Auf die Schicht von Quermuskeln, die' man nur auf horizontalen Längsschnitten deutlich beobachten kann, folgt eine ansehnliche Schicht von kräftigen Längsmuskeln. Diese verlaufen ebenfalls dicht gedrängt und verei- nigen sich zu mehr oder weniger deutlichen Muskelbündeln. Hier und da verläuft eine Muskelfaser von einem Bündel zum andern. Die Muskelbündel kommen allem Anschein nach nur dadurch zu Stande, dass die Längsmuskelschicht von den Enden der verzweigten Dorso- ventralmuskeln, die sich an die Basalmembran des Epithels anheften, durchsetzt werden. Die an ihren beiden Enden verästelten, dorsoven- Mittheilungen a. d. Zoolog. Station zu Neapel. Bd. III. 13 ^ 194 Arnold Lang tralen Muskelfasern iTaf.XIV Fig. 59 u.60, Taf. XIII Fig. 'ò'bdm] sind schwach entwickelt. Mit Ausnahme der Kopfregion sind sie im Körper der Gunda segmentata vollkommen regelmäßig angeordnet. Sie ver- laufen in den die hinter einander liegenden Darmäste von einander tren- nenden Septen , wiederholen also die , wie wir sehen werden, in allen Organen nachweisbare Segmentation der Gunda. Was die feinere Structur der Muskeln anlangt, so ist deren Unter- suchung wegen der außerordentlichen Kleinheit der Elemente sehr schwierig. Es sind zarte entweder verästelte oder einfache Fasern, an denen man eben noch eine doppelte Contour entdecken kann. Nur bei den kräftigeren Längsfasern gelingt es nachzuweisen, dass sie auf dem Querschnitte mehr oder weniger eckig sind. Außerdem habe ich sowol bei Gunda als auch bei Planaria torva auf Querschnitten der longitudinalen Muskeln stets den Eindruck bekommen, als ob ein cen- traler Theil (Taf. XIV Fig. 62 /m] sich von einem peripherischen durch verschiedene Färbung und verschiedenes Lichtbrechungsvermögen unterscheide. Dieses wäre eine neue Bestätigung für die mesenchyma- töse Natur der Muskelfasern bei Planarien im Sinne von 0. u.E. Hert- wiG (2ü), denen ich beipflichte. Ich habe indessen im centralen Theile der Muskelfasern, welcher der Achsensubstanz der mesenchymatösen Muskeln entsprechen würde, nie mit Sicherheit Kerne nachweisen kön- nen ; wol aber findet man solche langgestreckte Kerne zwischen und an den Muskelfasern (Taf. XIV Fig. 59, Fig. 60 mk] ; besonders leicht sind sie an den dorso-ventralen Muskeln aufzufinden. Ich glaube nicht, dass diese Kerne den Kernen der Muskelbildungszellen entsprechen. Ent- wickelungsgeschichtliche Thatsachen, die mir für Polycladen zu Gebote stehen, lassen mich vermuthen, dass der wahre Muskelkern, der in der Achse der Faser liegen müsste, in den ausgebildeten Muskelfasern ver- schwunden ist. D. Der coelenterisclie Apparat. So nenne ich das Darmsystem der Polycladen und Tricladen, weil meine Untersuchungen mich zu der Überzeugung geführt haben, dass dasselbe dem coelenterischen Apparate der Coelenteraten und dem Darm -|- Leibeshöhle der Enterocoelier homolog sei. Der coelenterische Apparat von Gunda stimmt in allen wesent- lichen Theilen mit dem der übrigen Tricladen überein. Er besteht: erstens aus dem cylindrischen Rüssel und seiner Rüsseltasche, zweitens ; aus einem vorderen medianen , unpaaren , und zwei hinteren seit- j] Der Bau von Gunda segmentata etc. ] 95 liehen Darmästen und drittens aus den von diesen primären Darmästen seitlich abgehenden seeundären Zweigen. Die äußere Mündung des coelenterischen Apparates liegt bei Gunda ungefähr am Anfange des letzten KörperfUnftels in der Medianlinie auf der Bauchseite. Es ist eine kleine Öffnung, in deren Umkreis zwischen die Rings- und Längs- muskelschicht des Körpers noch schräg verlaufende Fasern einge- schaltet sind. Sie führt (Taf. XII Fig. 1 rto) in eine cylindrische, den ganzen Abstand zwischen den dorsalen und ventralen Muskel- schichten des Körpers in der Medianlinie einnehmende Höhle, die Eüsseltasche. Diese erstreckt sich nach vorn von der äußeren Öffnung bis ungefähr in die Mitte der Körperlänge. Ihre Wand besteht erstens aus außerordentlich platten Epithelzellen mit Kernen und ohne Flimmer- haare und zweitens diesem Epithel gegen das Körperparenchym zu an- liegend aus dorso-ventralen, in den Körpersegmenten entsprechenden Abständen verlaufenden Muskelfasern (Taf. XIV Fig. 42 dm] . Am deut- lichsten und höchsten ist das Epithel an der hinteren Wand der Rüssel- höhle, hinter der die Geschlechtswerkzeuge liegen ; nach vorn zu wird es allmählich außerordentlich platt, so dass man dessen Existenz nur noch auf gut gefärbten Tangentialschnitten nachweisen kann. An der vorderen Wand der cylindrischen Rüsseltasche ist ein eben- falls cylindrisches Rohr, der Rüssel, angeheftet, der von der Rüssel- tasche wie von einer Scheide eingeschlossen wird und zwar so, dass zwischen der Wand der Rüsseltasche und dem Rüssel selbst nur ein geringer leerer Raum (Taf. XIV Fig. 39) übrig bleibt. Die innere Höh- lung des Rüsselrohres hat eine vordere und eine hintere Öffnung. Die vordere, an der Ansatzstelle des Rüssels liegende Öffnung führt in die drei Darmäste ; die hintere, am freien Ende des Rüssels befindliche, führt in die Rüsseltasche und zwar direct oberhalb der äußeren Öffnung dieser letzteren. Die Structur der Rüsselwand erläutern die Fig. 39, 47 und 48 auf Taf. XIV. Sie stimmt mit derjenigen des Rüssels der Land- und Süß- wassertricladen, von welcher Moseley (39) u.Kennel (27) genaue Dar- stellungen gegeben haben, in allen wesentlichen Punkten überein. Von innen nach außen fortschreitend, treffen wir zunächst ein sehr flaches, cuticulaähnliches, kernhaltiges Flimmerepithel , darauf folgt eine an- sehnliche Lage circulärer Muskelfasern, nach außen von dieser liegt eine einfache Lage von longitudinalen Muskelfasern. Darauf folgt eine breite bindegewebige Zone, in welcher zahlreiche Nerven und ganz be- sonders die sich stark färbenden Ausführungsgänge von Speicheldrüsen liegen. Dieser Zone liegt nach außen eine neue, äußere Schicht circu- 13* 196 Arnold Lang lärer Fasern au, an die sich eine sehr schwach entwickelte Längsfaser- schicht anschließt. Letztere liegt unmittelbar unter dem äußeren, cuticiilaähnlichen, sehr flachen FlimmereiDithel des Rüssels, in dem ich keine Kerne mehr nachzuweisen vermochte. Alle diese Schichten wer- den durchsetzt durch Radiärmuskelfasern, deren Bau an die dorsoven- tralen Muskelfasern der Körpermusculatur erinnert. Die AusfUhruugsgänge der einzelligen Speicheldrüsen, welche im Umkreise der Ansatzstelle des Rüssels in den Dissepimenten liegen, münden an der ganzen Rüsseloberfläche, hauptsächlich aber an dessen freiem Ende nach außen. Auf einem tangential durch die äußeren Schichten des Rüssels geführten Schnitte trifft man sie als dunkel gefärbte Punkte in regelmäßigen Quer- und Längsreihen angeordnet ; eine Anordnung, die durch den Verlauf der Muskelfasern, zwischen denen die Ausführungsgänge hindurchdringen, bedingt wird (Taf. XIV Fig. 61 asd). Wir haben schon gesagt, dass die vordere Öffnung der Rüsselhöhle direct in die drei primären Äste des Darmcanals führt. Letztere ent- springen in der That nicht aus einem gemeinsamen, histologisch dift'e- renten Abschnitt. Das Epithel der RUsselhöhle setzt sich vielmehr direct mit brüsker Veränderung seines histologischen Verhaltens in das Darm- epithel der drei Darmäste fort. Der vordere Darmast verläuft in der Medianlinie (Taf. XII Fig. 1 f/«i) , geht über den vereinigten motorischen und sensoriellen Commissuren des Gehirnes weg und endet blind am vorderen Körperrande. Die beiden seitlichen primären Darmäste (Taf. XII Fig. 1 da{) verlaufen zu beiden Seiten des Rüssels, dicht an dessen Scheide nach hinten. Hinter der Mundöffnung lassen sie die Region, in welcher sich die Geschlechts Werkzeuge entwickeln, zwischen sich, dann convergiren sie gegen das hinterste Leibesende zu, wo sie blind endigen. Von den drei primären Darmästeu gehen seitlich secundäre Zweige [da-i) ab, über deren höchst interessante Anordnung ich Folgendes bemerke. Die seitlichen secundären Darmäste, die ich Coelomdivertikel des Darmes nenne, weil sie in allen wesentlichen Punkten morphologisch mit den paarigen Räumen des Enterocoels der höhereu gegliederten Thiere übereinstimmen, entstehen aus den primären Darmästen in ganz regelmäßigen Abständen. Es sind deren auf jeder Seite gewöhnlich 27 vorhanden, sodass je weilen ein Coelomdivertikel rechts einem solchen links entspricht, wenn auch Lageverschiebungen häufig genug vor- kommen. Die Coelomdivertikel sind meist einfach, unverästelt. Sie sind höchstens an ihrem peripherischen Ende kurz gegabelt. Es kommt indessen auch vor, dass ein Coelomdivertikel sich bald nach seinem Ur- Der Bau von Gunda segmentata etc. 197 Sprung aus dem resp. Darmast gabelt, in diesem Falle ist auf dieser Seite die Zahl der Hoden um eins größer, als auf der anderen. Die beiden hinteren seitlichen Darmäste tragen nur auf der Außen- seite Coelomdivertikel. Auf der Innenseite entsprechen ihnen nur seichte, unbedeutende Vertiefungen. Communicationen kommen zwischen den beiden seitlichen Darmästen nicht vor. Die auf einander folgenden Coelomdivertikel des Darmcanals sind bei jungen, noch nicht geschlechtsreifen Thieren von einander durch senkrechte, schmale Scheidewände oder Septen getrennt, in denen die dorsoveutralen Muskelfasern verlaufen. Durch die Bildung der Ge- schlechtsproducte, welche sich auf Kosten des Epithels der Coelomdi- vertikel in den Septen entwickeln, werden diese letzteren dicker und breiter und erlangen räumlich ein so entschiedenes Übergewicht über die Coelomdivertikel, dass diese zu platten, senkrecht stehenden Bän- dern mit spaltförmigem Lumen zusammengedrückt werden (Taf. XIII Fig. 35 da2) . Vor dem Gehirn , wo die Coelomdivertikel keine Ge- schlechtsorgane entwickeln, behalten diese auch bei geschlechtsreifen Thieren ihr ursprüngliches Aussehen bei. Was den histologischen Bau des Epithels der Darmäste und ihrer Coelomdivertikel anlangt, so herrscht bei jungen Formen völlige Über- einstimmung. Gunda segmentata besitzt das wolbekannte Darmepithel der übrigen Plathelminthen. Alle Beobachtungen, die sich auf die »intra- cellulare« Verdauung beziehen, kann man auch bei diesem Tricladen wiederholen. Bei alten geschlechtsreifen Thieren wird das Darmepithel, das einer haarscharfen Membrana propria aufsitzt, in den Coelomdi- vertikeln immer flacher und platter je mehr es sich der Peripherie des Körpers nähert, so, dass die Darmzellen dabei viel breiter werden und man nur von Zeit zu Zeit im Darmepithel einen Kern auffindet (Taf. XIII Fig. 35 f/ßj, Taf. XII Fig. 13 da.^). Eine besondere Musculatur fehlt den Darmwandungen durchaus ; sie wird durch die verästelten Sagittalmuskeln der Septen ersetzt. Flimmerbewegung habe ich nie und nirgends beobachten können. Von größter Wichtigkeit sind gewisse Gebilde im Darmepithel von Gunda, deren Bedeutung ich bei der Darstellung des Excretionssystems beleuchten werde. Bei Beobachtung des lebenden Thieres sieht man nämlich in den Darmzellen große wasserklare Vacuolen, die haupt- sächlich peripherisch vorkommen. Zugleich erscheint dann oft das Lumen des peripherischen Theils des Coelomdivertikel wie aufgeblasen, prall angefüllt durch eine ähnliche wasserklare Flüssigkeit und das Darmepithel ist dann sehr abgeplattet. Auch auf gefärbten Schnitten j^gg Arnold Lang findet man dieVacuolen, die ich Excretionsvacuolen nenne, mit Leicli- tigkeit wieder. Auf Schnitten in Sublimat getödteter Thiere sind sie klein , wie contrahirt ; auf Schnitten von mit heißer Jodlösung con- servirter Thiere hingegen sind sie auffallend groß und wie aufge- blasen. Ihre Wandung (Taf. XII Figur 13, Taf. XIII Figur 25, 26 und 34, Taf. XIV Fig. 39 ev) färbt sich äußerst stark mit Tinctions- mitteln, und springt oft unregelmäßig zackenförmig gegen ihr Lu- men vor, in welchem stets geronnene Flüssigkeit und Körnchen zu beobachten sind. Die Excretionsvacuolen finden sich um so häufiger, je peripherischer sie liegen. Sie sind entweder vollständig geschlossen oder öffnen sich (Taf. XII Fig. 13) in das Lumen der Coelomdivertikel. In diesem Falle ist dann oft die das Lumen dieser letzteren begrenzende Oberfläche des Darmepithels eben so stark von Tinctionsraitteln gefärbt, wie die Wand der Vacuolen und bietet aufschnitten ganz dasselbe Aus- sehen dar. Die Excretionsvacuolen kommen sowol in dem der Höhlung der Coelomdivertikel zugekehrten Theile, als in der Mitte und gegen die Basis der Epithelzellen des Darmes vor, oft liegen sie dicht inner- halb der Membrana propria, oft halb in das die Darmäste umgrenzende Gewebe hinausgerückt, oft liegen sie vollständig außerhalb des Darm- epithels, ihm dicht anliegend. Hier müssen wir sie jedoch vor der Hand verlassen, um ihr Studium bei der Untersuchung des Excretionssystems von Gunda segmentata wieder aufzunehmen. E. Die Geschlechtsorgane. Auch im Bau der Geschlechtsorgane giebt sich Gunda segmentata deutlich als zur Ordnung der Tricladen gehörend zu erkennen. Wie bei allen anderen Tricladen, so lässt sich auch hier eine Trennung der Eierstöcke in Keim- und Dotterstöcke constatiren. Die ersteren sind auch hier bloß in einem Paare vorhanden. Männliche und weibliche Ge- schlechtsproducte werden durch eine einzige äußere Geschlechtsöfifnung entleert (Gunda segmentata ist wie alle Tricladen, PI. dioica ausge- nommen, hermaphroditisch). Die männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus Hoden, Samenleiter und Penis. Die Hoden (Taf. XII Fig. 1 h) sind streng seg- mental angeordnet. In der ganzen Region zwischen Gehirn und hinter- stem Körpersegment findet sich in jedem Septum einHode, nur das erste hinter dem Gehirn gelegene Paar von Septen entbehrt derselben. Wir haben demnach auf jeder Körperseite meist 25 Hoden, die in einer ein- I Der Bau von Gunda segmentata etc. 1 99 fachen Reihe und in regelmäßigen Abständen angeordnet sind, was schon Oscar Schmidt (42) bekannt war. Jeder ausgebildete Hoden stellt eine Blase dar, deren Wand durch Spermamutterzellen mit epithelialer An- ordnung gebildet wird (Taf. XII Fig. 13 u. Taf. XIII Fig. 35 h). Die Spermamutterzellen sind klein, würfelförmig und enthalten einen großen Kern, der bei Weitem den größten Bestandtheil der Zelle ausmacht. Dieser Kern ist bei den jungen Zellen homogen, bei den älteren treten in seinem Inneren deutlich Körperchen auf, welche sich stark färben. Die älteren Zellen gelangen später in das Lumen des Hodenbläschens und zerfallen durch Theilung in ein Häufchen von kleinen runden Zellen mit beinahe punktförmigem Kern. Indem sich das Plasma sodann an einer Stelle auszieht, kommen birnförmige Zellen zu Stande. Von diesem Zustande bis zu ausgebildeten Spermatozoen finden sich im Inneren der Hoden- bläschen alle Übergangsstadien und zwar in Gruppen und Haufen auge- ordnet, in denen der Schwanz aller Spermatozoen auf der einen Seite, ihr Kern auf der anderen liegt. Die Kerne sind immer der Wand des Hodens, des Mutterbodens der Samenfäden zugekehrt, die Schwänze hingegen sind meist ventralwärts gerichtet. Die reichlichste Production von Sperma geschieht von den den Coelomdivertikeln des Darmcanals anliegenden vorderen und hinteren Wänden der Hoden aus. Die Hoden- wände liegen vorn und hinten dicht am Epithel der Coelomdivertikel und sind von diesen nur durch die Membrana propria des Darmepithels und hier und da durch spärliche dorsoventrale Muskelfasern getrennt. Auf jungen Stadien haben die Hoden noch keine bläschenförmige Gestalt, sondern sind kuglige Haufen von Spermamutterzellen, in deren Innerem kein Sinus vorkommt. Die im Innern der Häufchen lie- genden Zellen sind die älteren, sie zeigen im Kerne meist schon jene zahlreichen Kernkörperchen , die auf den bevorstehenden Zerfall in junge rundliche Spermatozoen hindeuten. Ich habe, trotzdem ich mir viel Mühe gegeben habe, bei Gunda segmentata nicht mit Sicherheit ermitteln können, aus welchem Keim- blatt die Hoden entstehen. Von den Polycladen wusste ich schon lange, dass sie aus dem Epithel der Darmäste hervorgehen. Es war für mich nun von großer Wichtigkeit, die Entstehung der Geschlechtsproducte. wenn nicht bei Gunda, so doch bei einem anderen Tricladen, sicher zu ermitteln. Endlich wurden meine Bemühungen bei Planaria torva durch Erfolg belohnt. Es handelt sich eben nur darum, die Thiere im rich- tigen Alters- und Ernährungsstadium zu conserviren. Man wird ver- geblich bei hungernden Thieren die Entwickelung von Geschlechts- organen untersuchen. Das Darmepithel der wenigen jungen Thiere. bei 200 Arnold Lang denen ich die richtigen Stadien antraf, war stets in lebhafter Verdaii- nugsthätigkeit begriffen und voll Fettkiigeln (Taf. XIV Fig. 50) . Gegen die Membrana propria, d.h. gegen die Septen zu findet man dann über- all an der Basis der Darmepithelzellen aber noch im Epithel selbst kleine Zellen, deren Plasma sich ziemlich stark färbt (Taf. XIV Fig. 50 und 51) und einen großen und deutlichen runden Kern enthält. Im weitaus größeren Theile der Darmdivertikel treten diese kleinen Zellen vereinzelt aus dem Verband der Darmzellen aus und bevölkern die Septen. Bei genauer Untersuchung findet man immer noch solche, die zwischen dem Darmepithel , dessen Membrana propria an dieser Stelle nicht mehr zu erkennen ist, und demSeptum liegen, sodass mau nicht sagen kann, ob sie zu ersterem oder letzterem gehören. Diese Zellen werden dadurch, dass sie durch reichliche Ernährung Dotter- tröpfchen in ihrem Plasma ausscheiden, zu den Zellen der Dotterstöcke (siehe Taf. XIV Fig. 51). An anderen Stellen der Darmdivertikel sammeln sich ähnliche, jedoch kleinere Zellen zu kleinen Häufchen an, welche an der Basis des Darmepithels so liegen , dass sie die Membrana propria desselben gegen das Septum zu vorwölben (Taf. XIV Fig. 50). Sie erscheinen dann als Ausbuchtungen des Darmepithels in die Septen hinein. Trennen sich diese Ausbuchtungen vom Darmepithel ab, so liegen sie als Häuf- chen kleiner Spermamutterzellen frei in den Septen (Taf. XIV Fig. 50 K] . Diese Häufchen von Spermamutterzellen können sich theilen, so dass daraus zwei und mehr Häufchen entstehen, die also nicht direct aus dem Epithel der Darmdivertikel entstehen. Die Structur und Lagerung der Hoden bei Gunda und ihre Ent- wickelung bei Planaria torva erinnert im höchsten Grade an den Bau und die Entstehung derselben Theile bei Actinien, man vergleiche darüber die Darstellung, die 0. u. R. Hertwig (18) gegeben haben. Die Samenleiter habe ich bei Gunda nie ganz entwickelt, d. h. als bis zum vordersten Hodenpaare sich erstreckende Canale aufge- funden. In einzelnen Fällen waren sie nach vorn bis ungefähr in die Mitte der Rüsselgegend entwickelt. Sie liegen (Taf. XH Fig. 1 und Taf. XIV Fig. 39 sl] innerhalb der Längsnerven zu beiden Seiten der Rüsseltasche. Es sind weite Röhren, deren Wandung aus sehr platten Epithelzellen besteht. Stets sind sie voll reifen Spermas. Mit den Hoden stehen sie folgendermaßen in Verbindung : Die Wand der Hoden- bläschen zieht sich median- und ventralwärts röhrenförmig aus und geht dann direct in die Wand der Samenleiter über ; die Hoden öffnen sich also nicht, wieKENNEL(27) vermuthet, ineinander, allerdings aber ist die I Der Bau von Gunda segmentata etc. 201 Wand der Samenleiter die direete Fortsetzung der Wand der Hoden- bläschen. Bei denjenigen reifen Hoden, an die der Samenleiter noch nicht heranreicht, sieht man ihre Wandung sich nach unten und innen etwas ausziehen, indem zugleich die Epithelzellen platt werden. Die Schwänze der Spermatozoen in den Hodenbläschen sind nach dieser Stelle zu gerichtet. Zieht sich diese Stelle, die man schon zum Samen- leiter rechnen kann, nach hinten noch weiter aus, so begegnet sie der entsprechenden Verlängerung des nächstfolgenden Hodens. In dieser Weise entsteht der Samenleiter, im Vergleich zu welchem dann die Hoden als seitliche Ausbuchtungen erscheinen. In der Monographie der Polycladen werde ich die Bildung der Samenleiter aus dem Hoden- epithel sicher nachweisen. Ich habe in dieser Ordnung nämlich nicht selten die Anlage derselben bei Thieren aufgefunden, deren äußere Ge- schlechtswerkzeuge erst in Bildung begriffen waren. Bei keinem von mir untersuchten Exemplare von Gunda segmentata war derjenige Theil des Samenleiters , der die hinter den Geschlechts- werkzeugen liegenden Hodenpaare mit dem Penis verbindet, entwickelt. Die Samenleiter convergiren unmittelbar hinter der Rüsseltasche, indem sie zugleich dorsalwärts aufsteigen. Schließlich verbinden sie sich in der Medianlinie (Taf. XII Fig. 1) und an der Wurzel des Penis, in dessen Höhlung sie sich öffnen. Der Penis (Taf. XII Fig. 12jo) ist ein muskulöser conischer hohler Zapfen , der , ähnlich wie der Rüssel , in eine besondere musculöse Tasche, diePenisscheide, eingeschlossen ist. Innen und außen von einem Cylinderepithel ausgekleidet, an dem ich keine Flimmerung wahr- nehmen konnte, besteht die Wandung, wenn wir von innen nach außen fortschreiten , aus schwach entwickelter Ring-, starker Längs- und wieder schwacher Ringmusculatur (Taf. XIV Fig. 46) . In der Längsmusculatur verlaufen die Ausführungsgänge von be- sonderen Drüsen Taf. XIV Fig. Abjxl), die im Umkreise derPenisscheide liegen und sich von den Eiweißdrüsen nur dadurch unterscheiden, dass sie sich weniger stark färben. Die Penisscheide, an welcher der Penis (s.Taf. XII Fig. 12) vorn und oben mit breiter Basis angeheftet ist und in welche er so hineinragt, dass sein spitzeres freies Ende nach hin